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Kauftag heute: Schlecht (51 ) Gemischte Marktbreite · Breite fallend (−5 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Intraday-Test: 53 von 58 Rezepten scheiterten – der Gewinn kam nachts

Intraday-Test: 53 von 58 Rezepten scheiterten – der Gewinn kam nachts

Rund 90 % des Kursgewinns der untersuchten US-Aktien entstanden über Nacht – außerhalb der regulären Handelszeit, in der die Tagesrezepte dieser Studie handeln. Von 58 vorab festgelegten Intraday-Rezepten scheiterten 53; und selbst bei den fünf übrigen verlor der typische Trade Geld.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 14 Min. Lesezeit
Intraday-Test: 53 von 58 Rezepten scheiterten – der Gewinn kam nachts
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Untertägiger Handel verspricht mehr Kontrolle und schnellere Reaktion auf das, was gerade am Markt passiert. Trägt er bei US-Aktien tatsächlich – oder fällt der Kursgewinn in Wahrheit über Nacht an, also außerhalb der Handelszeit? Diese Studie hat fünf klassische Tagesrezepte und einen Nachtrag vorab festgelegt und dann an einem sehr großen Datensatz nachgerechnet – ohne im Nachhinein an den Regeln zu drehen.

Die kurze Antwort steht schon fest, bevor die erste Tabelle kommt: Von 58 vorab festgelegten Rezept-Varianten scheiterten 53. Bei den fünf übrigen endeten im Backtest sechs bis sieben von zehn Trades im Minus – das Plus stammte aus wenigen sehr großen Ausreißern. Und der größte Teil des Kursgewinns der untersuchten Aktien entstand in Stunden, in denen die Börse geschlossen war.

Das Ergebnis in vier Zahlen

  • 5 von 58 vorregistrierten Hauptzellen bestanden das strenge Erfolgskriterium (positiver robuster Durchschnitt, Nullpunkt außerhalb des Vertrauensbereichs, Mehrheit der Zeitabschnitte positiv) – alle fünf stammen aus demselben Baustein, dem Handel großer Eröffnungslücken: vier davon gegen die Lücke, eine mit ihr. Vier der fünf sind Leerverkäufe.
  • +0,36 % erzielte die Leitzelle dieser Studie im Durchschnitt – die mittlere der drei Regeln gegen eine Lücke nach oben, ab 5 % (die größten Lücken brachten mehr, kamen im untersuchten Zeitraum aber viel seltener vor) – der Durchschnitt zählt alles zusammen und teilt gleichmäßig, einzelne sehr große Gewinner ziehen ihn stark nach oben.
  • 39 % Trefferquote bei negativem Median – selbst in den tragenden Zellen verlor der typische Trade Geld; der Median ist der mittlere Fall, die Hälfte der Trades lag darüber, die Hälfte darunter, und der lag im Minus.
  • rund 90 % des gesamten Kursgewinns der untersuchten US-Aktien entstanden über Nacht, zwischen Schlusskurs und nächster Eröffnung – nicht während des Handelstages selbst.

Ein-Satz-Fazit: Intraday-Handel trug in dieser Untersuchung fast nirgends – mit einer Ausnahme, die selbst nur dank weniger sehr großer Gewinner ins Plus kam.

Wo die Rendite der untersuchten Aktien entstand

Bevor es im Backtest um einzelne Handelsrezepte geht, steht die einfachste aller Fragen: Wann verdienten die untersuchten Aktien ihr Geld – während der Börsenöffnungszeit, oder in der Nacht dazwischen? Dafür wurde für jeden Titel-Tag getrennt gemessen, wie viel Kursgewinn zwischen Vortagsschluss und Eröffnung anfiel (Nacht) und wie viel zwischen Eröffnung und Schluss (Tag).

Das Ergebnis ist eindeutig: Über 6,28 Millionen Nacht-Beobachtungen brachte die Nacht im Durchschnitt +4,77 Basispunkte, der Tag nur +0,54 Basispunkte – ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozent (0,01 %). Rund 90 % des gesamten Kursgewinns entstanden damit über Nacht, nicht während des Handelstages. Die Nacht war zudem in 14 von 16 Jahren positiv, der Tag nur in 9 von 16.

Jahr Nacht (Basispunkte) Handelstag (Basispunkte)
2010 +5,39 +3,23
2011 +3,71 −3,87
2012 +3,87 +3,58
2013 +8,16 +4,94
2014 +4,73 −0,50
2015 −0,20 −0,59
2016 +1,10 +6,40
2017 +7,13 +1,40
2018 +4,32 −8,23
2019 +6,69 +4,46
2021 +11,62 −3,47
2022 −3,82 −2,06
2023 +5,09 +2,94
2024 +8,11 −3,67
2025 +3,13 +3,94
2026 +6,61 +6,14
Alle Jahre zusammen +4,77 +0,54

Mittlere Rendite je Aktie und Tag, getrennt nach der Zeit zwischen zwei Handelstagen (Nacht) und der Zeit während des Handelstages. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozent. Grundlage: 6.282.496 Nacht- und 6.330.469 Tagesbeobachtungen, ohne Kosten. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Am wichtigsten aus der Jahresübersicht: Der Tag drehte in mehreren Jahren deutlich ins Minus (bis zu −8,23 Basispunkten), während die Nacht nur in zwei der 16 Jahre ins Minus rutschte (2015 knapp, 2022 mit −3,82 Basispunkten deutlicher als der Tag). Für die untersuchten Aktien heißt das: Der Kursgewinn war im Wesentlichen schon angefallen, bevor der Handelstag begann.

Ein separater Test hat diesen Nacht-Effekt direkt gehandelt – 24 sehr große US-Aktien, 95.886 Nächte, Kauf zum Schluss und Verkauf zur nächsten Eröffnung. Nach Kosten kippte er klar ins Minus: −6,66 Basispunkte je Nacht, in keinem der 16 Jahre positiv. Die Rechnung wäre nur bei Spannen unter rund 0,017 % je Seite aufgegangen — enger, als die hier angesetzten Kostenannahmen unterstellen. Die Nacht trug den Kursgewinn also, ließ sich aber nicht als eigenes Geschäft herausschneiden.

Worum es geht

Kurzfristiges Handeln übt eine besondere Anziehung aus: ein Signal, ein Einstieg, ein Ausstieg noch am selben Tag – und vermeintlich kein Risiko aus dem Halten über Nacht. Die Frage dahinter ist nüchterner: Steckt in diesen Mustern ein wiederkehrender Vorteil, oder wirken sie nur im Rückblick überzeugend? Geprüft wurden fünf klassische Tagesrezepte: der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne, der Gegen- oder Mit-Handel großer Eröffnungslücken, Innertages-Momentum, die Rückkehr zum volumengewichteten Durchschnittskurs bzw. der Trend entlang dieses Kurses – sowie als sechster, nachträglich hinzugefügter Test ein Kauf nach einem plötzlichen Volumen-Spike.

Vorregistriert heißt hier: Die Regeln für jedes Rezept – Filter, Ein- und Ausstieg, Erfolgskriterium – standen fest, bevor die erste Zahl vorlag. Es gab keine Parameter-Suche im Nachhinein, kein Nachjustieren, bis eine Variante positiv aussah. Was am Ende trägt oder nicht trägt, ist deshalb ein ehrlicher Befund, keine im Rückblick passend gemachte Erzählung. Ähnlich vorregistrierte Tests auf Basis von Kreuz-Signalen finden sich in den Schwesterstudien zum Todeskreuz und zur Umkehr auf 5-Minuten-Kerzen.

Daten und vorregistriertes Design

Das Universum umfasst 4.361 US-Aktien mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 300 Millionen Dollar an irgendeinem Monatsultimo 2020, davon 4.068 mit auswertbaren Handelstagen, survivorship-frei – auch später von der Börse genommene Aktien sind also enthalten. Je Titel-Tag galten drei Filter: Eröffnungskurs mindestens 5 Dollar, Vortags-Dollarumsatz mindestens 5 Millionen Dollar, mindestens 60 Kerzen im Tagesverlauf (an Kurztagen mindestens 36). Ausgewertet wurden 6.846.558 Titel-Tage über 4.110 Handelstage, in der regulären Handelszeit von 9:30 bis 15:55 Uhr New Yorker Zeit – 78 Fünf-Minuten-Kerzen an einem vollen Handelstag, 42 an einem Kurztag.

Die Hauptkostenstufe rechnet 0,05 % je Handelsseite, also 0,10 % für einen vollständigen Rundgang aus Kauf und Verkauf, zuzüglich einer Kommission. Ausgeführt wird konservativ: Ein Signal am Ende einer Kerze löst den Einstieg erst zur Eröffnung der nächsten Kerze aus, nicht sofort zum Signalkurs. Als tragfähig zählte eine Zelle nur, wenn drei Bedingungen gemeinsam erfüllt waren: Das winsorisierte Nettomittel – ein robuster Durchschnitt, bei dem die extremsten ein Prozent der Werte oben und unten gekappt werden, damit einzelne Ausreißer die Zahl nicht verzerren – lag über null; das Vertrauensintervall aus 1.000 tagesweise geblockten Zufalls-Wiederholungen (ein Bootstrap-Intervall) schloss die Null nicht ein; und mindestens drei von vier Zeitabschnitten (Zeitscheiben) der 16 Jahre waren für sich genommen positiv. Insgesamt wurden 912 Zellen für die ersten fünf Rezepte gerechnet plus 288 für den Nachtrag, darunter 58 vorregistrierte Hauptzellen – nur 5 davon bestanden alle drei Bedingungen.

„Erfolgskriterium (vorregistriert): eine Zelle ‚trägt‘, wenn das netto winsorisierte Mittel in der Hauptkostenzelle > 0 ist, das 90-%-Bootstrap-Intervall die Null nicht enthält UND ≥ 3 von 4 Zeitscheiben positiv sind. Alles andere heißt: Signal trägt nicht.“

Wörtlich aus dem vorregistrierten Design dieser Serie, festgeschrieben vor der ersten Ergebniszahl.

Ein Wort zum Zeitraum: Das Jahr 2020 wird in dieser Studie durchgehend nicht mitgezählt – eine Festlegung des Herausgebers, weil der Corona-Crash die Durchschnittswerte sonst stark verzerrt hätte. Alle folgenden Zahlen beziehen sich also auf 2010 bis 2019 und 2021 bis Anfang August 2026 zusammen.

Der einzige Bereich, der im Backtest trug: große Eröffnungslücken

Eine Eröffnungslücke ist der Sprung zwischen Vortagsschluss und Eröffnungskurs – nach oben bei guten, nach unten bei schlechten Nachrichten. Für die untersuchten Aktien wurde beides getrennt gerechnet. Getestet wurde, ob der Handel mit oder gegen die Lücke nach der ersten 5-Minuten-Kerze einen messbaren Vorteil brachte, mit einem Stop am Extrem dieser ersten Kerze.

Genau hier liegt der einzige Bereich der gesamten Studie, der trug: fünf Zellen, alle aus diesem Baustein – vier davon Leerverkäufe, deren Leihgebühr nicht gerechnet ist.

Regel Trades Trefferquote Median robuster Durchschnitt 90-%-Intervall positive Zeitscheiben Urteil
Lücke nach oben ab 3 %, dagegen 52.665 36,0 % −0,63 % +0,211 % [+0,111; +0,323] 4/4 trägt
Lücke nach oben ab 5 %, dagegen 18.597 38,7 % −0,73 % +0,362 % [+0,241; +0,500] 4/4 trägt
Lücke nach oben ab 10 %, dagegen 4.244 39,9 % −1,05 % +0,564 % [+0,407; +0,740] 4/4 trägt
Lücke nach unten ab 3 %, dagegen 50.179 34,8 % −0,70 % +0,081 % [−0,084; +0,284] 3/4 trägt nicht
Lücke nach unten ab 5 %, dagegen 16.624 37,9 % −0,80 % +0,245 % [+0,000; +0,543] 4/4 trägt
Lücke nach unten ab 10 %, dagegen 3.636 39,2 % −1,13 % +0,268 % [−0,004; +0,541] 3/4 trägt nicht
Lücke nach oben ab 3 %, mit der Lücke 47.708 30,7 % −0,81 % −0,138 % [−0,225; −0,047] 0/4 trägt nicht
Lücke nach oben ab 5 %, mit der Lücke 16.430 32,4 % −1,04 % −0,151 % [−0,270; −0,017] 0/4 trägt nicht
Lücke nach oben ab 10 %, mit der Lücke 3.571 33,4 % −1,45 % −0,254 % [−0,424; −0,072] 0/4 trägt nicht
Lücke nach unten ab 3 %, mit der Lücke 45.019 29,9 % −0,85 % −0,066 % [−0,212; +0,092] 2/4 trägt nicht
Lücke nach unten ab 5 %, mit der Lücke 14.418 33,6 % −1,06 % +0,154 % [−0,101; +0,437] 3/4 trägt nicht
Lücke nach unten ab 10 %, mit der Lücke 3.245 38,8 % −1,26 % +0,708 % [+0,486; +0,971] 4/4 trägt

Alle zwölf vorregistrierten Lücken-Regeln, netto je Trade nach 0,05 % Kosten je Seite zuzüglich Kommission, ohne das Jahr 2020. „Dagegen“ heißt: gegen die Richtung der Lücke, „mit der Lücke“ heißt: in ihre Richtung. Der robuste Durchschnitt kappt die extremsten ein Prozent oben und unten. Fett = das vorregistrierte Erfolgskriterium ist erfüllt. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Das Muster dahinter lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Nach einer Lücke nach oben fiel der Tag im Durchschnitt eher zurück – der Gegen-Handel ergab im Backtest einen positiven robusten Durchschnitt, bei mehrheitlich verlierenden Trades. Nach einer Lücke nach unten setzte sich dagegen die Richtung dieser ersten Fünf-Minuten-Kerze eher fort – nicht die Richtung der Lücke selbst. Bei drei Lückengrößen nach oben (ab 3 %, 5 % und 10 %) trug der Gegen-Handel durchweg, bei Lücken nach unten trug er nur ab 5 % und der Mit-Handel nur bei der größten Stufe ab 10 %.

Eine Zelle muss dabei ehrlich als Grenzfall benannt werden: Bei „Lücke nach unten ab 5 %, dagegen gehandelt“ lag die Untergrenze des Vertrauensintervalls bei praktisch genau null (+0,00005 %). Das Kriterium war damit formal erfüllt, aber der Abstand zur Null war so gering, dass diese Zelle im Backtest keinen belastbaren Vorteil zeigte.

Mehrere weitere Varianten verfehlten das Kriterium nur knapp oder klar: Der Mit-Handel von Lücken nach oben war in allen drei Größenstufen negativ (−0,138 % bis −0,254 %), der Gegen-Handel kleiner Lücken nach unten ab 3 % ergab zwar +0,081 %, aber das Vertrauensintervall schloss die Null mit ein, und der Gegen-Handel der größten Lücken nach unten ab 10 % verfehlte mit +0,268 % und einer Untergrenze von −0,004 % das Kriterium nur denkbar knapp.

Regel 2010-2015 2016-2019 2021-2023 2024-2026
Lücke nach oben ab 3 %, dagegen +0,243 %
Trades 10.730
+0,199 %
Trades 9.764
+0,163 %
Trades 16.431
+0,243 %
Trades 15.740
Lücke nach oben ab 5 %, dagegen +0,307 %
Trades 3.411
+0,396 %
Trades 3.839
+0,307 %
Trades 5.648
+0,417 %
Trades 5.699
Lücke nach oben ab 10 %, dagegen +0,514 %
Trades 643
+0,400 %
Trades 899
+0,690 %
Trades 1.349
+0,549 %
Trades 1.353
Lücke nach unten ab 5 %, dagegen +0,210 %
Trades 3.223
+0,095 %
Trades 3.522
+0,618 %
Trades 4.684
+0,033 %
Trades 5.195
Lücke nach unten ab 10 %, mit der Lücke +0,277 %
Trades 529
+1,095 %
Trades 797
+0,776 %
Trades 971
+0,525 %
Trades 948

Robuster Durchschnitt je Trade in vier Zeitabschnitten für die fünf Regeln, die das Erfolgskriterium erfüllten. Alle vier Abschnitte positiv heißt: der Befund hängt nicht an einer einzelnen Marktphase. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Über die vier Zeitabschnitte hinweg blieb die Leitzelle – der Gegen-Handel von Lücken nach oben ab 5 % – in jedem einzelnen Abschnitt positiv, von +0,307 % in der frühesten bis +0,417 % in der jüngsten Phase.

Warum der typische Trade trotzdem verlor

Der wichtigste Befund dieser Studie steckt nicht in den Tabellen oben, sondern in dem, was Median und Durchschnitt bei den fünf tragenden Zellen auseinanderreißt. Der Median ist der mittlere Fall: Die Hälfte aller Trades lag über diesem Wert, die Hälfte darunter. Der Durchschnitt dagegen zählt alle Ergebnisse zusammen und verteilt sie gleichmäßig – einzelne sehr große Ausreißer ziehen ihn stark nach oben oder unten. Bei allen fünf tragenden Zellen war der Median negativ (−0,63 % bis −1,26 %), während der robuste Durchschnitt positiv war (+0,211 % bis +0,708 %) – wenige sehr große Gewinner zogen ihn so stark nach oben, dass er trotz mehrheitlich verlierender Trades im Plus landete.

In Zahlen heißt das: Die Trefferquote lag bei nur 36 bis 40 %, sechs bis knapp sieben von zehn Trades endeten im Minus. Im Backtest blieb trotzdem ein Plus – der Profit-Faktor (das Verhältnis aller Gewinne zu allen Verlusten) lag zwischen 1,20 und 1,44 –, aber nur, weil die wenigen großen Gewinner tatsächlich mitgenommen wurden. Ohne diese seltenen großen Gewinner wäre das Rezept negativ gewesen.

Wie stark ein einzelnes Jahr das Gesamtbild prägen kann, zeigt die Jahresübersicht der Leitzelle: Ein einziges Jahr – 2025 – trug allein +24,89 Prozentpunkte bei, wenn man die Ergebnisse aller Trades eines Jahres aufaddiert; über alle 16 Jahre kommen 82,3 Prozentpunkte zusammen, ein knappes Drittel davon also aus diesem einen Jahr – für sich schon ein Beispiel für die Ausreißer-Abhängigkeit, die dieses ganze Kapitel beschreibt.

Der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne

Die Eröffnungsspanne ist die Kursspanne der ersten Minuten nach Handelsbeginn – hier die erste 5-Minuten-Kerze. Das klassische Rezept: Bricht der Kurs über das Hoch dieser Spanne aus, wird gekauft, mit einem Stop auf der Gegenseite der Spanne.

Von diesem Rezept blieb in keiner der 36 getesteten Varianten etwas übrig. Die Hauptzelle – Long, Stop auf der Gegenseite, ohne zusätzlichen Filter – ergab ein winsorisiertes Nettomittel von −0,134 % bei einer Trefferquote von nur 35,7 %, in keinem der 16 Jahre und in keinem der vier Zeitabschnitte positiv. Selbst ohne jede Kosten war das Ergebnis mit −0,024 % noch negativ – die Kosten waren also im Backtest nicht die Ursache des Misserfolgs, sondern verschlimmerten nur ein bereits negatives Signal.

Variante Trades Trefferquote Median robuster Durchschnitt vor Kosten robuster Durchschnitt 90-%-Intervall positive Zeitscheiben
Hauptregel: 5 Minuten, Stop Gegenseite, long 3.850.073 35,7 % −0,38 % −0,024 % −0,134 % [−0,149; −0,119] 0/4
dieselbe Regel als Leerverkauf 3.838.723 34,9 % −0,40 % −0,004 % −0,114 % [−0,130; −0,098] 0/4
Eröffnungsspanne 15 Minuten 3.115.709 41,2 % −0,26 % −0,013 % −0,123 % [−0,140; −0,106] 0/4
Eröffnungsspanne 30 Minuten 2.527.287 43,1 % −0,18 % −0,011 % −0,121 % [−0,141; −0,102] 0/4
Stop nach Schwankungsbreite statt Gegenseite 3.834.624 45,3 % −0,12 % −0,020 % −0,130 % [−0,150; −0,108] 0/4
nur nach einer Eröffnungslücke ab 2 % 124.069 40,1 % −0,54 % −0,023 % −0,133 % [−0,195; −0,068] 0/4
nur bei doppeltem Eröffnungsvolumen 624.086 39,7 % −0,37 % −0,005 % −0,114 % [−0,137; −0,093] 0/4
Zum Vergleich: einfach halten, ohne Regel +0,050 %

Sieben von 36 gerechneten Ausbruchs-Varianten, netto je Trade. Keine einzige erfüllte das Erfolgskriterium. Die letzte Zeile ist keine Handelsregel, sondern die reine Kursdrift über genau dasselbe Zeitfenster, gerechnet über den vollen Zeitraum — sie lag über allen Regeln. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Besonders deutlich macht das der Vergleich mit der einfachsten denkbaren Alternative: Reines Halten über dieselben Zeitfenster, ohne Ausbruchssignal, ergab im Backtest im Durchschnitt +0,050 %. Der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne brachte also weniger als gar keine Regel – auch eine sofortige Ausführung zum Signalkurs (−0,152 %) und Varianten mit anderer Spanne, anderem Stop oder Filtern änderten daran nichts.

Innertages-Momentum und der Durchschnittskurs

Zwei weitere Rezepte setzten im Backtest auf die Bewegung innerhalb des Tages selbst. Das Momentum-Rezept nahm die Richtung der ersten 30 bzw. 60 Minuten als Vorzeichen: Stieg eine Aktie am Vormittag, wurde sie in den letzten 25 Handelsminuten (15:30 bis 15:55 Uhr) gekauft, fiel sie, leerverkauft. Ergebnis: winsorisiertes Nettomittel −0,112 % (30 Minuten) bzw. −0,111 % (60 Minuten), Trefferquote 34,4 %, in keinem der 16 Jahre positiv. Auch ein Querschnittsansatz – täglich das stärkste Zehntel aller Aktien kaufen und das schwächste leerverkaufen – brachte im Durchschnitt −0,230 % je Tag und war selbst vor Kosten leicht negativ: Bei nur 25 Minuten Haltedauer fraß im Backtest allein der Rundgang von 0,11 % Kosten praktisch alles auf, was das Signal beigetragen hatte.

Das zweite Rezept orientierte sich am volumengewichteten Durchschnittskurs (VWAP) – dem Kurs, zu dem eine Aktie an diesem Tag im Schnitt tatsächlich gehandelt wurde. Die Trend-Variante, um 10:30 Uhr auf die Seite des VWAP zu setzen, auf der der Kurs gerade steht, ergab −0,117 %, ebenfalls in keinem Jahr positiv.

Variante Trades Trefferquote Median robuster Durchschnitt vor Kosten robuster Durchschnitt 90-%-Intervall
Momentum: Richtung der ersten 30 Minuten, Position 15:30–15:55 6.116.385 34,4 % −0,11 % −0,002 % −0,112 % [−0,115; −0,110]
Momentum: Richtung der ersten 60 Minuten 6.133.560 34,4 % −0,11 % −0,001 % −0,111 % [−0,113; −0,109]
Momentum im Querschnitt: oberstes Zehntel long, unterstes short 3.825 2,9 % −0,23 % −0,010 % −0,230 % [−0,233; −0,227]
Durchschnittskurs, Trend: um 10:30 auf die stärkere Seite 6.196.784 44,7 % −0,12 % −0,007 % −0,117 % [−0,126; −0,108]
Durchschnittskurs, Rückkehr: kaufen 1 % darunter 2.107.202 58,4 % +0,23 % +0,010 % −0,100 % [−0,111; −0,090]
Durchschnittskurs, Rückkehr: kaufen 2 % darunter 554.667 52,0 % +0,10 % +0,031 % −0,079 % [−0,103; −0,056]
Durchschnittskurs, Rückkehr: kaufen 3 % darunter 181.164 46,8 % −0,16 % +0,069 % −0,041 % [−0,081; −0,003]
Durchschnittskurs, Rückkehr: leerverkaufen 1 % darüber 2.025.767 58,1 % +0,22 % +0,029 % −0,081 % [−0,090; −0,072]
Durchschnittskurs, Rückkehr: leerverkaufen 2 % darüber 507.188 52,2 % +0,11 % +0,053 % −0,057 % [−0,079; −0,036]
Durchschnittskurs, Rückkehr: leerverkaufen 3 % darüber 167.825 46,6 % −0,17 % +0,070 % −0,040 % [−0,088; +0,008]

Innertages-Momentum und der volumengewichtete Durchschnittskurs, netto je Trade. Bei den Rückkehr-Regeln sahen Trefferquote und Median gut aus, der robuste Durchschnitt blieb aber negativ: viele kleine Gewinne, wenige sehr große Verluste. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Bemerkenswert ist die Rückkehr-Variante: Der Kauf bei 1, 2 oder 3 % unter dem VWAP mit Ziel Rückkehr zum VWAP ergab zwar einen positiven Median (+0,233 % bei 1 %, +0,105 % bei 2 %) bei hoher Trefferquote (58,4 % bzw. 52,0 %) – aber trotzdem ein negatives Durchschnittsergebnis. Hier kehrte sich das Ausreißer-Muster der Lücken-Zellen genau um: Viele kleine Gewinne standen wenigen, aber sehr großen Verlusten gegenüber, die den Durchschnitt am Ende ins Minus zogen. Das Rezept sah nach hoher Trefferquote aus, ergab im Backtest unterm Strich aber ein Minus. Zusätzlicher Vorbehalt: Der Ausstieg ist leicht vorausschauend konstruiert, weil zum VWAP-Wert genau der Kerze ausgestiegen wird, die ihn erreicht – das Ergebnis ist also eher zu freundlich gerechnet und trotzdem negativ.

Der Volumen-Spike: das klarste Nein

Der sechste Test wurde erst nachträglich hinzugefügt, mit einer klaren, alltagsnahen Regel: Steigt eine 5-Minuten-Kerze um mindestens 10 % gegenüber der Kerze davor und hat dabei mindestens das Dreifache des Volumens der Kerze davor, wird zur nächsten Eröffnung gekauft und nach fünf Kerzen – 25 Minuten – wieder verkauft. Die Idee: ein plötzlicher Ausbruch mit hohem Umsatz als Zeichen für frisches Interesse.

Das Ergebnis ist im Backtest das eindeutigste Nein dieser Studie. Von 2.464 Trades in 821 Aktien traf nur jeder Dritte (Trefferquote 32,2 %), der Median lag bei −3,69 %, der robuste Durchschnitt bei −2,45 %, in keinem der 16 Jahre positiv. Das Minus kam nicht von den Kosten: Schon vor Kosten lag der robuste Durchschnitt bei −2,00 % – das Muster selbst war im Backtest das Problem.

Variante Trades Trefferquote Median robuster Durchschnitt vor Kosten robuster Durchschnitt 95-%-Intervall positive Jahre
Hauptregel: Anstieg ab 10 %, dreifaches Volumen, 25 Minuten halten 2.464 32,2 % −3,69 % −2,00 % −2,45 % [−2,92; −1,94] 0/16
Anstieg ab 5 % statt 10 % 11.728 34,2 % −1,69 % −0,84 % −1,24 % [−1,56; −0,99] 1/16
Anstieg ab 20 % statt 10 % 342 29,5 % −6,71 % −3,57 % −4,09 % [−6,04; −2,02] 2/16
doppeltes statt dreifaches Volumen 2.997 32,7 % −3,59 % −1,68 % −2,13 % [−2,61; −1,66] 1/16
fünffaches statt dreifaches Volumen 1.786 33,1 % −3,49 % −1,90 % −2,35 % [−2,87; −1,80] 1/16
alle Signale statt nur dem ersten je Tag 2.835 32,5 % −3,74 % −1,93 % −2,37 % [−2,83; −1,85] 0/16
ohne Handelbarkeitsfilter 4.690 29,8 % −3,70 % −1,84 % −2,52 % [−2,87; −2,17] 0/16
Anstieg innerhalb der Kerze statt gegen die Vorkerze 2.366 32,5 % −3,77 % −1,77 % −2,21 % [−2,72; −1,70] 1/16
Zum Vergleich: eine zufällig gewählte Kerze am selben Tag 12.320 44,4 % −0,31 % +0,62 % [+0,48; +0,77] 14/16

Die Volumen-Spike-Regel und ihre Abwandlungen, netto je Trade nach 0,05 % Kosten je Seite. Keine einzige Variante war positiv. Die letzte Zeile ist die entscheidende Gegenprobe: Eine zufällig gewählte Kerze in denselben Aktien an denselben Tagen, genauso lange gehalten, stand im Backtest deutlich besser da. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Der härteste Beleg ist eine Vergleichsrechnung: Der Kauf einer zufällig gewählten Kerze in denselben Aktien an denselben Tagen, genauso lange gehalten, ergab im Backtest ein positives Durchschnittsergebnis von +0,62 % – bei einer Trefferquote von 44,4 % und in 14 von 16 Jahren positiv. Der Volumen-Spike war damit im Backtest nicht nur selbst unrentabel, sondern rund 3 Prozentpunkte schlechter als blindes Zugreifen im selben Titel am selben Tag.

Wie viele Kerzen die Regel überhaupt erst ausfilterte, zeigt der Trichter von der ersten Erfüllung bis zum tatsächlichen Trade.

Stufe Anzahl
Kerzen mit Anstieg ab 10 % und mindestens dreifachem Volumen 9.248
davon nicht handelbar (zu billig oder zu wenig Umsatz) 5.016
davon zu dicht am Handelsschluss (Verkauf fiele auf den nächsten Tag) 416
davon Kauf- oder Verkaufskerze fehlt (Datenlücke) 255
handelbare Signale insgesamt 3.561
davon erstes Signal je Titel und Tag (Hauptregel) 2.464

Vom Rohsignal zum handelbaren Trade. Mehr als die Hälfte der Kerzen, die die Regel im untersuchten Zeitraum erfüllten, war nicht handelbar — zu billig oder mit zu wenig Umsatz. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Von 9.248 Kerzen, die Anstieg und Volumen-Bedingung gemeinsam erfüllten, blieben nach Abzug nicht handelbarer Titel, Kerzen zu dicht am Handelsschluss und einzelnen Datenlücken 3.561 handelbare Signale übrig – davon zählten 2.464 als jeweils erstes Signal je Titel und Tag.

Länger zu halten machte es nur schlimmer.

Haltedauer Median brutto Median netto robuster Durchschnitt Trefferquote
5 Minuten −1,35 % −1,77 % −1,37 % 34,6 %
10 Minuten −2,27 % −2,67 % −2,01 % 33,6 %
15 Minuten −2,65 % −3,10 % −2,32 % 32,7 %
20 Minuten −3,02 % −3,50 % −2,49 % 32,9 %
25 Minuten (Hauptregel) −3,36 % −3,74 % −2,74 % 31,9 %
30 Minuten −3,41 % −3,86 % −2,79 % 31,3 %
35 Minuten −3,57 % −3,98 % −2,86 % 31,5 %
40 Minuten −3,52 % −3,91 % −2,81 % 32,3 %
45 Minuten −3,76 % −4,10 % −3,01 % 31,7 %
50 Minuten −3,88 % −4,36 % −3,12 % 31,3 %
55 Minuten −4,21 % −4,60 % −3,38 % 32,2 %
60 Minuten −4,34 % −4,70 % −3,38 % 32,2 %

Wie sich das Ergebnis mit der Haltedauer entwickelt, gerechnet auf immer derselben Menge von 2.052 Signalen. Es wurde nicht besser, sondern mit jeder weiteren Kerze schlechter. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Auf immer derselben Menge von 2.052 Signalen gerechnet – damit die Kurve nicht verschiedene Stichproben vergleicht – fiel der robuste Durchschnitt von −1,37 % nach 5 Minuten auf −2,32 % nach 15 Minuten, −2,74 % nach 25 Minuten (der gewählten Haltedauer) und −3,12 % nach 50 Minuten. Der Median rutschte im selben Zug von −1,77 % auf −4,70 % nach 60 Minuten. Längeres Halten ergab im Schnitt ein größeres Minus, nicht ein kleineres.

Was die Kosten damit machen

Wie stark hängen die Ergebnisse im Backtest von der Kostenstufe ab? Am Beispiel der Leitzelle – Lücke nach oben ab 5 %, dagegen gehandelt – zeigt sich: ohne Kosten +0,472 %, bei 0,02 % je Seite +0,422 %, bei der Hauptkostenstufe von 0,05 % je Seite +0,362 %, und selbst bei doppelten Kosten von 0,10 % je Seite bliebe die Zelle mit +0,261 % positiv – vor jeder Leihgebühr.

Kosten je Seite Median robuster Durchschnitt 90-%-Intervall Profit-Faktor
0,00 % −0,62 % +0,472 % [+0,351; +0,611] 1,45
0,02 % −0,67 % +0,422 % [+0,301; +0,561] 1,40
0,05 % (Hauptannahme) −0,73 % +0,362 % [+0,241; +0,500] 1,34
0,10 % −0,83 % +0,261 % [+0,141; +0,400] 1,25

Dieselbe Regel — Lücke nach oben ab 5 %, dagegen gehandelt — über vier Kostenstufen. Die Hauptannahme von 0,05 % je Seite entspricht 0,10 % je Rundgang zuzüglich Kommission. Der Profit-Faktor setzt die Summe aller Gewinne ins Verhältnis zur Summe aller Verluste; über eins heißt: es bleibt etwas übrig. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.

Über alle 912 gerechneten Zellen der ersten fünf Rezepte hinweg galt eine durchgehende Regel: Jede höhere Kostenstufe verschlechterte das Ergebnis, ohne Ausnahme.

Ein ehrlicher Nachtrag gehört dazu: Die Kommission wurde für die ersten fünf Rezepte pauschal mit 0,01 % je Rundgang angesetzt – das passt zu Aktienkursen um 100 Dollar, nicht zum typischen Einstiegskurs der Ausbruchs-Trades (Median 44,35 Dollar). Realistisch läge sie um 0,013 Prozentpunkte (Median) bis 0,024 Prozentpunkte (Durchschnitt) höher, die Ergebnisse der ersten fünf Rezepte sind also etwas zu freundlich gerechnet. Der Kostensatz blieb unverändert, weil er vorab festgelegt war – die Abweichung wird hier offen ausgewiesen, statt sie still zu korrigieren.

Grenzen dieser Untersuchung

Leerverkauf. Vier der fünf im Backtest tragenden Zellen sind Leerverkäufe – der Gegen-Handel einer Lücke nach oben bedeutet, eine Aktie zu verkaufen, die man sich vorher leihen muss. Aktien nach einer starken Lücke nach oben können schwer oder gar nicht zu leihen sein, und die Leihgebühr ist in dieser Rechnung nicht enthalten. Sie kann den gemessenen Vorteil vollständig auffressen – der wichtigste Vorbehalt dieser gesamten Studie.

Weitere Einschränkungen: Ein Signal wurde vorsichtig erst zur Eröffnung der nächsten Kerze ausgeführt, nicht sofort – gerade bei Lücken können die Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs am Morgen breiter sein, als die angesetzten 0,05 % je Seite abbilden, und das ist die größte offene Unsicherheit der Studie. Das Aktienuniversum wurde nach der Marktkapitalisierung an irgendeinem Monatsultimo 2020 zusammengestellt; wer 2012 gehandelt hätte, konnte damals nicht wissen, welche Aktien 2020 groß sein würden – ein bekannter, bewusst in Kauf genommener Rückblick, der alle Rezepte gleichermaßen betrifft. Die Kommission war für die ersten fünf Rezepte zu niedrig angesetzt, Steuern, Finanzierungskosten und die Marktwirkung eigener Orders sind nicht enthalten, und eine einzelne Aktie weist zwischen dem 10. Juni und dem 24. Juli 2024 eine Datenlücke bei den 5-Minuten-Kerzen auf, über einen Aktiensplit hinweg – nur dieser begrenzte Zeitraum ist betroffen.

Die Rechnung bestand sieben von sieben Prüfschritten – darunter Handrechnungen einzelner Trades gegen die Rohkerzen, zwei unabhängige Durchläufe mit bitgleichem Ergebnis und die durchgehende Kosten-Monotonie über alle 912 Zellen; der Volumen-Spike-Nachtrag bestand seine eigenen sieben Prüfungen.

Was bleibt

Über 58 vorregistrierte Rezept-Varianten hinweg trugen im Backtest und im untersuchten Universum fünf – alle aus demselben Baustein: dem Handel gegen bzw. mit großen Eröffnungslücken. Ausbruch aus der Eröffnungsspanne, Innertages-Momentum sowie VWAP-Trend und -Rückkehr trugen in keiner ihrer zusammen 46 vorregistrierten Varianten, der nachträglich geprüfte Volumen-Spike lag klar im Minus. Der größte Teil des Kursgewinns der untersuchten Aktien entstand nicht während des Handelstages, sondern über Nacht – und selbst dieser Effekt ließ sich nicht profitabel herausschneiden. Wo Intraday-Handel überhaupt trug, verlor der typische einzelne Trade Geld; das positive Gesamtergebnis stammte von wenigen sehr großen Gewinnern, nicht vom Normalfall. Und der einzige tragende Baustein besteht größtenteils aus Leerverkäufen, deren Leihkosten nicht enthalten sind. Weitere vorregistrierte Backtests zu anderen Handelsmustern – darunter Velez-Open-Trade, Gajjala-Daytrading und Episodic Pivots – stehen im Studien-Archiv.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine rückblickende statistische Auswertung historischer Kursdaten und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vergangene Ergebnisse sagen nichts über die Zukunft. Handelskosten, Leihgebühren, Steuern und die Marktwirkung eigener Orders können reale Ergebnisse deutlich verschlechtern.

Häufige Fragen

Kaum. Von 58 vorregistrierten Rezept-Varianten dieser Studie erfüllten nur 5 das strenge Erfolgskriterium, alle aus demselben Baustein, dem Handel großer Eröffnungslücken – vier gegen die Lücke, eine mit ihr. Ausbruch aus der Eröffnungsspanne, Innertages-Momentum, VWAP-Trend und der nachträglich geprüfte Volumen-Spike trugen im Backtest in keiner einzigen Variante. Vier der fünf tragenden Zellen sind Leerverkäufe, deren Leihgebühr nicht eingerechnet ist.

Überwiegend über Nacht. Über 6,28 Millionen Nacht-Beobachtungen entstanden zwischen Vortagsschluss und Eröffnung im Durchschnitt +4,77 Basispunkte, während des Handelstages selbst nur +0,54 Basispunkte – rund 90 % des gesamten Kursgewinns der untersuchten Aktien fielen also über Nacht an. Ein separater Test im Backtest zeigte allerdings, dass sich dieser Effekt nach Kosten nicht profitabel handeln ließ.

Der Handel großer Eröffnungslücken – bei vier der fünf tragenden Zellen gegen die Lücke, bei einer mit ihr. Nach einer Lücke nach oben von mindestens 3, 5 oder 10 % fiel der Tag der untersuchten Aktien im Durchschnitt eher zurück; der Gegen-Handel ergab im Backtest ein positives Ergebnis zwischen +0,21 % und +0,56 %. Bei der größten Lücke nach unten ab 10 % trug dagegen der Mit-Handel (+0,71 %). Vier der fünf Zellen sind allerdings Leerverkäufe, deren Leihgebühr nicht eingerechnet ist.

Weil der Median in allen fünf tragenden Zellen dieser Studie negativ war, zwischen −0,63 % und −1,26 %, bei einer Trefferquote von nur 36 bis 40 %. Das positive Durchschnittsergebnis entstand im Backtest ausschließlich durch wenige sehr große Gewinner; ohne sie wäre das Rezept negativ gewesen. 2025 allein steuerte +24,89 Prozentpunkte der über 16 Jahre aufaddierten Jahressummen von 82,3 Prozentpunkten bei.

Keines der drei trug in dieser Studie. Der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne war in allen 36 getesteten Varianten negativ; die Hauptzelle ergab im Backtest −0,134 % und war selbst vor Kosten mit −0,024 % negativ, während einfaches Halten über dieselben Zeitfenster +0,050 % ergab. Die Richtung der ersten 30 oder 60 Minuten als Vorzeichen für die letzten 25 Handelsminuten ergab rund −0,11 % je Trade, der VWAP-Trend −0,117 %. Die VWAP-Rückkehr hatte zwar eine hohe Trefferquote (bis 58,4 %) und einen positiven Median, aber ein negatives Durchschnittsergebnis – viele kleine Gewinne, wenige sehr große Verluste.

Das klarste Nein dieser Studie. Bei einer Kerze mit mindestens 10 % Anstieg und mindestens dreifachem Volumen der Vorkerze lag die Trefferquote nach Kauf zur nächsten Eröffnung bei nur 32,2 %, der Median bei −3,69 %, in keinem der 16 Jahre positiv. Eine zufällig gewählte Kerze im selben Titel am selben Tag ergab im Backtest dagegen +0,62 %.

Vor allem zwei. Vier der fünf tragenden Zellen dieser Studie sind Leerverkäufe, und gerade Aktien nach einer starken Lücke nach oben können schwer oder teuer zu leihen sein – die Leihgebühr ist im Backtest nicht enthalten und kann den gemessenen Vorteil vollständig auffressen. Dazu kommen morgens breitere Spannen, als die angesetzten 0,05 % je Seite abbilden.

Alle Regeln dieser Studie – Filter, Ein- und Ausstieg, Erfolgskriterium – standen vor der ersten Berechnung fest (vorregistriertes Design). Zusätzlich bestand die Rechnung sieben von sieben Verifikationsschritten, darunter im Backtest von Hand nachgerechnete Trades gegen die Rohkerzen und bitgleiche Ergebnisse bei zwei unabhängigen Durchläufen; der Volumen-Spike-Nachtrag bestand seine eigenen sieben Prüfungen. Vier der fünf tragenden Zellen bleiben Leerverkäufe ohne gerechnete Leihgebühr.

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