Das Signal trägt, das Rezept nicht: der Velez-Open-Trade im 22-Jahre-Backtest
Wir haben Oliver Velez' berühmtes Eröffnungs-Setup — die erste 2-Minuten-Kerze nach US-Börsenstart — so nachgebaut, wie er es beschrieben hat, und über 22 Jahre und zehn große US-Aktien durchgerechnet. Das Ergebnis hat zwei Seiten: Die erste Kerze trägt echte Information, aber das vollständige Rezept verdient nach Kosten kein Geld.
Oliver Velez gehört zu den bekanntesten Namen des amerikanischen Day-Tradings. In seinem gemeinsam mit Greg Capra verfassten Klassiker „Tools and Tactics for the Master Day Trader“ beschreibt er ein Setup, das seither unzählige Trader nachbauen: die erste Kerze nach US-Börsenstart als Kompass für den Rest des Tages. Wir wollten wissen, ob dieser Kompass wirklich zeigt, wo es langgeht — und ob sich daraus über zwei Jahrzehnte tatsächlich Geld verdienen lässt. Wir haben das Setup so nachgebaut, wie Velez es beschreibt, keine eigene Interpretation dazugemischt und es gegen 22 Jahre Minutendaten und eine Zufalls-Baseline laufen lassen.
Das Ergebnis hat zwei Hälften, und beide gehören zusammen. Die erste Kerze trägt echte Information — alle acht Ausstiegsvarianten und 13 der 16 Sensitivitäten schlagen den Zufall. Das vollständige Rezept, das Velez selbst beschreibt, bleibt nach realistischen Kosten trotzdem im Minus. Wie beides gleichzeitig stimmt, ist der eigentliche Kern dieser Studie.
Das Setup: Velez' erste Kerze
Die Grundidee ist einfach zu beschreiben: In den ersten Minuten nach der US-Markteröffnung um 09:30 New Yorker Zeit prägt sich häufig eine erste Handelsspanne aus. Bricht der Kurs anschließend über deren Hoch oder unter deren Tief aus, gilt das als Signal für die Tagesrichtung. Velez' vollständiges System geht über den reinen Einstieg hinaus: Er verkauft die halbe Position bei einem Gewinn in Höhe des Risikos (1R), setzt den Stop der Resthälfte auf den Einstandskurs und zieht ihn danach Kerze für Kerze in Gewinnrichtung nach.
Wir haben diese Regeln so mechanisch wie möglich nachgebaut, damit die Prüfung wirklich Velez' Rezept testet und nicht eine eigene, freundlichere Version davon:
- Universum und Zeitraum: AAPL, MSFT, NVDA, AMZN, META, GOOGL, TSLA, AMD, NFLX, JPM; 2004-01-02 bis 2026-08-06, jeder verfügbare Handelstag.
- Signal: die erste 2-Minuten-Kerze von 09:30:00 bis 09:31:59 New Yorker Zeit, gebaut aus den 1-Minuten-Kerzen der regulären Sitzung.
- Richtungsfilter: long nur bei grüner Signalkerze, die über dem Vortagsschluss schließt; short nur bei roter Kerze darunter. Der Vortagsschluss wird split-sicher in die Rohkurs-Basis des Tages umgerechnet.
- Größenfilter: die Spanne der Signalkerze (Hoch minus Tief, zugleich der Stopabstand) darf höchstens 0,4 % des Kerzenschlusses betragen — unsere eigene Ergänzung, weil eine riesige erste Kerze ein riesiges Risiko je Trade bedeutet.
- Einstieg: Stop-Order 1 Cent jenseits der Signalkerze in Filter-Richtung, Fenster bis 09:50 New York. Bricht die Marke bis dahin nicht, verfällt der Tag.
- Stop: 1 Cent jenseits der Gegenseite der Signalkerze.
- Ausstieg (Velez' System): halbe Position bei +1R glattstellen, Stop der Resthälfte auf Einstand, danach Bar-by-Bar-Trailing auf 2-Minuten-Basis für die gesamte offene Position, spätestens zum Tagesschluss komplett glatt.
- Kosten: 0,04 Prozentpunkte je Runde (0,02 % je Seite), von jeder Rendite abgezogen.
Als Maßstab dient uns, wie in unserer gesamten Backtest-Reihe, eine Zufalls-Baseline: gleicher Tag, gleiche Aktie, Einstieg um 09:32 zum Marktkurs mit zufälliger statt signalgesteuerter Richtung, identisches Ausstiegssystem. Erst der Abstand zu dieser Baseline zeigt, ob die erste Kerze wirklich Information trägt oder nur einen allgemeinen Morgen-Drift misst, den auch eine gewürfelte Richtung gefunden hätte. Dieses Prinzip steht auch so in unserem eigenen Entscheidungsprotokoll zu dieser Studie:
„Erst der Abstand zur Baseline zeigt, ob die erste Kerze Information trägt oder nur ein Morgen-Drift gemessen wird.“
— aus unserem eigenen Entscheidungs- und Methodikprotokoll zu diesem Backtest.
Wie wir getestet haben
Wir haben jeden der 50.274 geprüften Aktientage einzeln durchlaufen lassen — zehn Titel über 5.684 gemeinsame Börsentage. Der Größenfilter ist dabei die mit Abstand schärfste Hürde: Bei 72,3 % aller Tage ist die erste Kerze größer als die erlaubten 0,4 % und der Tag fällt komplett heraus. Bei weiteren 12,2 % passt die Kerzenfarbe nicht zum Vortagsschluss. Übrig bleiben 5.895 tatsächliche Trades aus 11,7 % aller Tage — plus 3,0 % Tage, an denen die Kerze zwar durfte, der Ausbruch bis 09:50 aber nie kam.
Das ist selbst schon eine Erkenntnis: Velez' Setup in unserer risikobegrenzten Fassung ist selten spielbar. Ruhige, kleine Eröffnungskerzen mit klarer Richtung sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Das Ergebnis: acht Ausstiege, ein Bild
Weil der Einstieg in allen Varianten identisch ist, konnten wir acht verschiedene Ausstiegsregeln auf denselben 5.895 Trades vergleichen — darunter Velez' eigenes System, mehrere feste Ziel- und Zeitausstiege sowie die simpelste aller Regeln: Stop halten, sonst bis Tagesschluss durchhalten.
| Ausstiegsvariante | Trades | Ø netto je Trade | Trefferquote | Profitfaktor | Summe |
|---|---|---|---|---|---|
| stop-schluss (nur Stop, sonst Tagesschluss) | 5.895 | +0,018 % | 26,5 % | 1,07 | +107,3 |
| zeit-1200 (Ausstieg um 12:00) | 5.895 | +0,016 % | 32,0 % | 1,07 | +93,3 |
| alles-2r (komplett bei 2R-Ziel) | 5.895 | −0,007 % | 37,8 % | 0,97 | −43,4 |
| zeit-1000 (Ausstieg um 10:00) | 5.895 | −0,008 % | 40,0 % | 0,96 | −48,6 |
| nur-trailing (kein Teilverkauf, nur Trailing) | 5.895 | −0,017 % | 44,0 % | 0,88 | −99,1 |
| halb-1r-2r (Hälfte bei 1R, Rest Ziel 2R) | 5.895 | −0,020 % | 53,5 % | 0,88 | −116,6 |
| alles-1r (komplett bei 1R-Ziel) | 5.895 | −0,020 % | 53,5 % | 0,88 | −119,6 |
| velez (Hauptregel, Velez' eigenes System) | 5.895 | −0,021 % | 48,8 % | 0,85 | −121,2 |
| Zufalls-Baseline | 13.213 | −0,031 % | 39,4 % | 0,68 | −415,1 |
Velez' eigenes vollständiges System liegt mit −0,021 % je Trade im hinteren Feld der acht Varianten — schlechter als alle sieben Alternativen, nur die Zufalls-Baseline ist noch schwächer. Der einfachste aller Ausstiege, „Stop halten, sonst Tagesschluss“, schneidet mit +0,018 % am besten ab, dicht gefolgt vom Ausstieg um 12 Uhr mit +0,016 %. Beide sind knapp positiv — aber das ist die beste von acht Varianten auf identischen Trades, keine unabhängige Bestätigung. Bei acht Vergleichen auf denselben Daten liegt statistisch fast immer eine vorn, auch wenn gar kein echter Unterschied besteht.
Entscheidend ist der Blick auf die Kosten. Vor Kosten liegt die Hauptregel bei +0,019 % je Trade im Plus. Nach Abzug der 0,04 Prozentpunkte einer Handelsrunde kippt sie auf −0,021 %. Der Bruttovorsprung ist kleiner als der Preis, den eine einzige Runde Kaufen-und-Verkaufen kostet — ein Rezept, das nur ohne Kosten funktioniert, funktioniert am Ende nicht.
Halten die Regeln, wenn man an den Reglern dreht?
Eine einzelne Hauptregel zu testen ist nur der Anfang. Wir haben 16 Sensitivitäten gerechnet, jede ändert genau eine Stellschraube gegenüber der Hauptregel — Richtungsfilter, Trendfilter, Länge der Signalkerze, Einstiegsfenster, Ausstieg, ein Nachkauf, Größenfilter und Kosten. Die Zeilen sind nicht kombinierbar zu lesen, jede steht für sich. Die drei Größenfilter-Stufen stehen im nächsten Abschnitt in einer eigenen Tabelle, deshalb zählt die folgende 13 Zeilen.
| Sensitivität | Trades | Ø netto je Trade | Δ zur Hauptregel | Trefferquote | Profitfaktor |
|---|---|---|---|---|---|
| OCO statt Richtungsfilter (beide Seiten scharf) | 13.270 | −0,003 % | +0,018 | 51,5 % | 0,98 |
| nur in Richtung der Eröffnungslücke | 4.789 | −0,025 % | −0,004 | 48,2 % | 0,82 |
| Tages-Trendfilter 200er-MA | 3.241 | −0,013 % | +0,008 | 49,5 % | 0,90 |
| Tages-Trendfilter 20er-MA | 3.016 | −0,021 % | −0,001 | 48,2 % | 0,84 |
| nur Kerzenfarbe (ohne Vortagsschluss) | 10.461 | −0,017 % | +0,003 | 48,9 % | 0,87 |
| Einstiegsfenster bis 10:30 | 6.320 | −0,021 % | −0,000 | 48,7 % | 0,84 |
| Signalkerze 1 Minute | 9.666 | −0,033 % | −0,012 | 47,2 % | 0,75 |
| Signalkerze 5 Minuten | 2.275 | −0,019 % | +0,002 | 49,0 % | 0,87 |
| Trailing an der 20er-MA statt Vorkerze | 5.895 | −0,018 % | +0,003 | 51,9 % | 0,89 |
| simpler Zeitausstieg 09:50 | 5.895 | −0,014 % | +0,007 | 41,2 % | 0,92 |
| ein Nachkauf an der 20er-MA | 5.895 | −0,020 % | +0,001 | 48,9 % | 0,85 |
| Kosten 0 % | 5.895 | +0,019 % | +0,040 | 54,2 % | 1,17 |
| Kosten 0,05 % je Seite (0,10 je Runde) | 5.895 | −0,081 % | −0,060 | 41,8 % | 0,52 |
Von den 14 Sensitivitäten, die wirklich eine Regel ändern (die beiden Kostenzeilen zählen als Rechenannahme, nicht als Regel), liegen 8 über der Hauptregel — aber keine einzige über null. Die stärkste Regeländerung ist OCO statt Richtungsfilter mit −0,003 % je Trade, immer noch im Minus. Gemessen an der Zufalls-Baseline (−0,031 %) sieht es freundlicher aus: 13 der 16 Sensitivitäten schlagen den Zufall. Das ist die eigentliche Botschaft dieser Tabelle — nicht, welche Variante vorne liegt, sondern dass praktisch jede Version des Setups mehr Information trägt als ein Würfel zur selben Uhrzeit. Profitabel wird daraus trotzdem keine.
Der Größenfilter: kleiner ist besser
Eine Stellschraube verdient einen eigenen Blick, weil sie ein sauberes, durchgehendes Muster zeigt: die Schwelle des Größenfilters.
| Größenfilter-Schwelle | Trades | Ø netto je Trade | Trefferquote | Profitfaktor |
|---|---|---|---|---|
| 0,2 % (enger als die Hauptregel) | 711 | −0,013 % | 50,6 % | 0,87 |
| 0,4 % (unsere Hauptregel) | 5.895 | −0,021 % | 48,8 % | 0,85 |
| 0,6 % (weiter als die Hauptregel) | 11.870 | −0,023 % | 49,4 % | 0,86 |
| ohne Größenfilter | 23.214 | −0,045 % | 50,6 % | 0,82 |
Das Muster ist monoton, ohne einen einzigen Ausreißer: Je enger der Filter, desto weniger negativ das Ergebnis. Kleine, ruhige Eröffnungskerzen sind die informativeren Signale — große, aufgeregte Eröffnungskerzen verwässern den Vorsprung, bis er bei einem Handel ohne jeden Größenfilter auf −0,045 % je Trade fällt, mehr als doppelt so negativ wie unsere Hauptregel. Der Filter ist damit nicht nur Risikosteuerung, sondern selbst ein Qualitätsmerkmal des Signals. Er ist zugleich die schärfste Hürde im gesamten Setup: Wie oben gezeigt, scheitern 72,3 % aller Aktientage schon an der 0,4-%-Schwelle unserer Hauptregel — bei 0,2 % wäre die Ausbeute noch deutlich kleiner.
Die eigene Idee: Gap-Fade — und der Härtetest
Neben der reinen Replikation haben wir das Jahr 2025 auch frei nach anderen Intraday-Ansätzen durchsucht — reines Screening, keine feste Regel. Getestet wurden unter anderem ein 15-Minuten-Opening-Range-Breakout, Momentum der großen ersten Kerzen (die unser Größenfilter aussortiert), Umkehr an kleinen Kerzen, Schlussstunden-Momentum, eine Umkehr in der ersten Stunde — und Gap-Fade: gegen eine Eröffnungslücke handeln, in der Annahme, dass sie sich teilweise wieder schließt.
Von sechs untersuchten Ideen war nur eine im Jahr 2025 klar positiv:
| Idee (Screening 2025) | Trades | Ø netto je Trade | Trefferquote | Profitfaktor |
|---|---|---|---|---|
| Gap-Fade | 789 | +0,117 % | 52,0 % | 1,17 |
| Opening-Range-Breakout 15 Min. | 2.293 | −0,014 % | 43,9 % | 0,98 |
| Schlussstunden-Momentum | 2.465 | −0,034 % | 45,5 % | 0,86 |
| Umkehr erste Stunde | 1.549 | −0,033 % | 42,5 % | 0,94 |
| Momentum großer erster Kerzen | 1.677 | −0,049 % | 52,2 % | 0,88 |
| Umkehr kleiner Kerzen | 196 | −0,121 % | 23,0 % | 0,58 |
Gap-Fade sah vielversprechend aus — bis wir den eigentlichen Härtetest gemacht haben: dieselbe Regel über die volle Historie von 2004 bis 2026 gerechnet, mit 13.661 Trades statt 789. Das Ergebnis kippt komplett: −0,037 % je Trade, Profitfaktor 0,951, Trefferquote 50,3 %. Die Jahresscheiben zeigen, warum: 2025 war mit +0,12 % je Trade schlicht eines der guten Jahre in einer Reihe, die zwischen +0,27 % (2008) und −0,24 % (2020) wild schwankt, im Mittel aber leicht negativ bleibt.
| Gap-Fade | Zeitraum | Trades | Ø netto je Trade | Profitfaktor |
|---|---|---|---|---|
| Screening (nur 2025) | 2025 | 789 | +0,117 % | 1,17 |
| Härtetest (volle Historie) | 2004–2026 | 13.661 | −0,037 % | 0,951 |
Das ist ein Lehrbuchbeispiel für Overfitting: eine Idee, die auf einer kurzen, zufällig günstigen Stichprobe entsteht und im großen Test verschwindet. Genau deshalb haben wir sie hier ausdrücklich gezeigt, statt sie stillschweigend fallen zu lassen — ein Screening auf ein Jahr ist ein Hinweis, kein Ergebnis, und dieser Härtetest ist der Beleg dafür, warum diese Regel in unserer eigenen Serie gilt.
Was bleibt
Zwei Aussagen stehen am Ende, und beide sind wahr. Erstens: Velez' erste Kerze trägt echte Information. Alle acht Ausstiegsvarianten und 13 der 16 Sensitivitäten schlagen die Zufalls-Baseline, meist deutlich — das ist kein reiner Morgen-Drift, sondern ein messbares Muster. Zweitens: Aus diesem Muster wird über 22 Jahre kein profitables, kostenbereinigtes Rezept, auch nicht mit Velez' eigenem, vergleichsweise aufwendigem Ausstiegssystem. Der Bruttovorsprung von 0,019 % je Trade ist kleiner als die 0,04 Prozentpunkte, die eine Runde Handeln kostet — und keine der 14 Regeländerungen ändert daran das Vorzeichen. Die beste Regeländerung bleibt im Minus, die beste Ausstiegsvariante ist eine von acht Vergleichen auf denselben Trades, und die einzige eigene Idee mit Vorsprung in der freien Exploration fällt beim Härtetest über die volle Historie durch.
Dasselbe Muster — ein Signal, das echte Information trägt, ohne dass daraus automatisch ein profitables System wird — zeigt sich auch in unserem Backtest der Qullamaggie-Setups und in unserer Depot-Studie zu den Kurssprung-Signalen. Ein starkes Signal ist die halbe Miete; die andere Hälfte ist eine Rezeptur, die auch nach Kosten noch trägt — und das gelingt hier nicht.
Methodik und Messgrenzen
Mehrere Annahmen prägen dieses Ergebnis und gehören offen in die Wiedergabe:
- Zehn Überlebende. Das Universum besteht aus zehn großen Aktien, die es heute noch gibt — keine survivorship-freie Auswahl. Das schiebt vor allem die Long-Seite nach oben: Long liegt bei −0,010 % je Trade, Short bei −0,035 % (Hauptregel), und schon die Baseline zeigt denselben Abstand (−0,026 % long gegen −0,037 % short).
- Unbereinigte Rohkurse. Die Minutendaten der US-Börsen sind nicht um Splits und Dividenden bereinigt. Innerhalb eines Tages ist das korrekt — Trigger und Stops liegen auf den Kursen, die damals wirklich galten. Nur der Vortagsschluss wird split-sicher umgerechnet, damit der Richtungsfilter an Split-Tagen nicht kippt.
- Kurztage enden um 12:59. An verkürzten Handelstagen liefern die Daten nach Börsenschluss teils grobe nachbörsliche Fehlkurse; wir kappen den Handelstag deshalb datengetrieben, 46 erkannte Kurztage decken sich vollständig mit dem offiziellen NYSE-Kalender.
- Datenlücken. Zwei Titel fehlen streckenweise: NVDA 31 Handelstage (Mitte 2024), TSLA 208 Handelstage am Stück (Juli 2023 bis Mai 2024), dazu drei weitere Einzeltage. In diesen Zeiträumen ist die betroffene Aktie im Rücktest schlicht nicht dabei.
- Acht Ausstiegsvarianten, 16 Sensitivitäten — dieselben Daten. So viele Vergleiche auf denselben Trades bedeuten: Die jeweils beste Variante ist zum Teil Auswahlglück. Aussagekräftig ist die Streuung und das Vorzeichen, nicht, welche einzelne Zeile vorn liegt.
- Kosten als Pauschale. 0,04 Prozentpunkte je Runde (0,02 % je Seite) sind eine realistische, aber pauschale Annahme für liquide Large Caps — keine Messung tatsächlicher Spreads, die in frühen Jahren und in hektischen Eröffnungsminuten größer ausfallen können.
Diese Prüfung bewertet ein veröffentlichtes Handels-Setup, nicht die Person dahinter. Wir haben Velez' Regeln so genau wie möglich mechanisiert und gegen einen unbestechlichen Maßstab gehalten — Zufall und echte Kosten. Alle eigenen Rücktests und Backtests, darunter auch die beiden hier verglichenen, stehen gesammelt in der Rubrik Studien.
Stand der Zahlen: 8. August 2026.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose für einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Oliver Velez, bekannt aus dem Day-Trading-Klassiker „Tools and Tactics for the Master Day Trader“, nutzt die ersten Minuten nach US-Börsenstart als Richtungssignal. Bricht der Kurs über das Hoch oder unter das Tief der ersten Kerze aus, steigt er in Ausbruchsrichtung ein und steuert die Position mit einem mehrstufigen System aus Teilverkauf, Einstand-Stop und Nachziehen aus.
Signal ist die erste 2-Minuten-Kerze von 09:30 bis 09:32 New Yorker Zeit. Long nur bei grüner Kerze über dem Vortagsschluss, Short nur bei roter Kerze darunter. Einstieg 1 Cent jenseits der Kerze bis 09:50, Stop 1 Cent jenseits der Gegenseite, Ausstieg nach Velez' eigenem System: Hälfte bei 1R, Rest per Bar-Trailing, spätestens zum Tagesschluss glatt.
Ja. Gegen eine Zufalls-Baseline mit identischem Ausstieg, gleicher Aktie und gleichem Tag, aber zufälliger Richtung, liegen alle acht Ausstiegsvarianten und 13 der 16 Sensitivitäten besser als der Zufall (−0,031 % je Trade), meist sogar deutlich. Darunter fallen nur drei Sensitivitäten: die 1-Minuten-Signalkerze, der Verzicht auf den Größenfilter und die 2,5-fachen Kosten (0,10 statt 0,04 Prozentpunkte je Runde). Das ist der zentrale Unterschied zu einem reinen Morgen-Drift, der jede Richtung gleich gut träfe.
Weil der reale Vorsprung winzig ist. Vor Kosten liegt die Hauptregel bei +0,019 % je Trade — kleiner als die 0,04 Prozentpunkte, die eine Runde Handeln (Kauf und Verkauf) kostet. Ein echtes, aber hauchdünnes Signal wird von realistischen Handelskosten aufgefressen, bevor es im Depot ankommt.
„Stop oder Tagesschluss“ (kein Teilverkauf, kein Trailing) kam mit +0,018 % je Trade am besten weg, knapp vor „Ausstieg um 12 Uhr“ mit +0,016 %. Beide sind aber die beste von acht Varianten auf identischen Einstiegen — bei so vielen Vergleichen gewinnt statistisch immer eine, auch ohne echten Vorteil. Velez' eigenes System lag mit −0,021 % am unteren Ende.
Je enger die erste Kerze, desto besser das Ergebnis — durchgehend, ohne Ausreißer: 0,2 % Spannenschwelle −0,013 %, 0,4 % −0,021 %, 0,6 % −0,023 %, ganz ohne Filter −0,045 % je Trade. Kleine, ruhige Eröffnungskerzen sind die informativeren Signale. Der Filter ist zugleich die schärfste Hürde: 72,3 % aller geprüften Aktientage scheitern schon an der 0,4-%-Schwelle.
In der Exploration des Jahres 2025 allein sah Gap-Fade (gegen die Eröffnungslücke handeln) mit +0,117 % je Trade vielversprechend aus. Über die volle Historie 2004–2026 gerechnet, den eigentlichen Härtetest, kippt das Ergebnis auf −0,037 % je Trade. Ein Lehrbuchbeispiel für Overfitting auf eine zu kurze Stichprobe.
Nein. Wir haben sein veröffentlichtes Setup mechanisch nachgebaut und gegen einen Zufalls-Maßstab und Handelskosten geprüft — das ist eine Prüfung der Regeln, keine Bewertung der Person. Sein Beobachtungsprinzip trägt nachweislich Information; die vollständige, kostenbereinigte Handelsregel schlägt daraus über 22 Jahre kein zuverlässiges Geld.