Das Signal trifft, das Depot verliert: 16 Jahre Kurssprung-Backtest
Unser Signal-Rücktest hat bewiesen, dass unsere Kurssprung-Muster echte Verdoppler-Kandidaten finden: 7,1 Prozent gegen 4,4 Prozent beim Zufall, und das in allen 16 getesteten Jahren. Die naheliegende Frage war, ob daraus ein profitables Depot wird. Wir haben es durchgerechnet — 100.000 US-Dollar, 2011 bis 2026, feste Regeln, volle Kosten. Am Ende standen 51.023 US-Dollar, während ein Zufalls-Depot mit identischer Mechanik auf 191.938 und ein einfach gehaltener SPY auf 794.976 US-Dollar kam. Warum beides zugleich wahr ist — mehr Verdoppler und trotzdem ein Minus —, ist der eigentliche Befund dieser Studie.
Unser eigener Signal-Rücktest hat gezeigt: Wenn bei einer Aktie ein Volumen- oder Katalysator-Muster auslöst, verdoppelt sich der Kurs anschließend deutlich häufiger als bei einem zufällig gezogenen Vergleichstitel. 358.079 Signale haben wir dafür ausgewertet, survivorship-frei über 16 Jahre, inklusive 16.472 heute delisteter Titel. Der Vorsprung war real, und er hielt sich in jedem einzelnen der 16 Jahre.
Die naheliegende Frage folgt sofort: Lässt sich aus diesem Vorsprung ein profitables Depot bauen? Wir haben es durchgerechnet — 100.000 $ Startkapital, 2011 bis 2026, mit einer vollständig beschriebenen, mechanischen Handelsregel. Das Ergebnis ist eindeutig, und es hat zwei Seiten: Das Signal hält, was der Rücktest verspricht. Die Rezeptur, die daraus ein Depot macht, verliert deutlich gegen den einfachsten aller Vergleiche.
Der Ausgangspunkt: ein starkes Signal
Unser Signal-Rücktest vom 04.08.2026 misst, wie sich eine Aktie in einem festen Fenster nach dem Auslösen entwickelt — immer im Vergleich zu einem zufällig gezogenen Titel aus demselben Universum. Die Kernzahl: 7,1 Prozent aller Signal-Aktien verdoppeln sich (mindestens +100 Prozent), gegenüber 4,4 Prozent beim Zufall. Der Abstand zieht sich durch das ganze Bild:
- Anteil mit mindestens +50 Prozent: 16,6 Prozent gegenüber 10,8 Prozent beim Zufall.
- Anteil mit mindestens +25 Prozent: 34,0 Prozent gegenüber 24,8 Prozent.
- Median-Hoch im Fenster: +14,1 Prozent gegenüber +10,5 Prozent.
Es gibt aber auch eine Kehrseite, die im Rücktest schon sichtbar war und später wichtig wird: Das Median-Tief liegt bei −14,8 Prozent, gegenüber −9,8 Prozent beim Zufall — die Signal-Aktien tauchen unterwegs also deutlich tiefer ins Minus als der Zufall. Am Ende des Beobachtungsfensters ist der Median-Unterschied fast verschwunden (0,0 Prozent gegenüber +0,4 Prozent). Der Vorsprung bei den Verdopplern ist real und hielt in allen 16 Jahren — er beschreibt aber die Verteilung der möglichen Ausgänge, nicht den typischen Ausgang.
Die Kernfrage: wird daraus ein Depot?
Ein Signal ist noch keine Handelsregel. Für diese Studie haben wir deshalb eine vollständige, im Voraus festgelegte Mechanik gebaut und gegen drei Vergleiche laufen lassen. Startkapital 100.000 $, Zeitraum vom 03.01.2011 bis zum 06.08.2026, insgesamt 3.921 Handelstage.
Die Positionsgröße liegt bei 2 Prozent des jeweiligen Depotwerts, gedeckelt auf höchstens 50 gleichzeitig offene Positionen und zusätzlich auf 1 Prozent des Dollarvolumens des Kauftags. Gekauft wird zum Schlusskurs des Tages nach dem Signal, nicht am Signaltag selbst. Eine Position endet nach spätestens 62 Handelstagen, durch einen Stop bei −30 Prozent auf Schlusskursbasis, durch ein eigenes Exit-Signal — oder durch Delisting. Auf jede Seite eines Trades rechnen wir 0,5 Prozent Slippage. Im Schnitt war das Depot zu 98,23 Prozent investiert, also fast durchgehend im Markt.
Das Ergebnis
Der Hauptlauf — Volumen- und Katalysator-Muster gemeinsam, Kauf nach Signalstärke absteigend — endet bei 51.023 $. Aus 100.000 $ Einsatz sind über gut 15 Jahre 48.977 $ verloren, ein Minus von 4,23 Prozent pro Jahr.
Zum Vergleich: Ein Zufalls-Depot mit exakt derselben Mechanik — dieselbe Positionsgröße, derselbe Deckel, dieselben Ausstiege, nur die Auswahl der Titel ist zufällig statt signalgetrieben — endet bei 191.938 $. Und wer die 100.000 $ einfach in den SPY gesteckt und 15 Jahre lang gehalten hätte, ohne jede Auswahl, stünde heute bei 794.976 $.
| Lauf | Endkapital | Gesamt | pro Jahr | max. Rückgang | Schwankung | Trades | Trefferquote |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hauptlauf: Volumen + Katalysator | 51.023 $ | −48,98 % | −4,23 % | 80,95 % | 15,61 % | 3.658 | 41,93 % |
| Gegenprobe: Los statt Signalstärke | 71.171 $ | −28,83 % | −2,16 % | 66,83 % | 21,21 % | 3.574 | 44,75 % |
| Zufalls-Depot (gleiche Mechanik) | 191.938 $ | +91,94 % | +4,28 % | 47,78 % | 19,93 % | 3.385 | 50,76 % |
| SPY (kaufen und halten) | 794.976 $ | +694,98 % | +14,26 % | 33,72 % | 17,06 % | 1 | — |
Das ist der eigentliche Befund dieser Studie: Dasselbe Signal, das im Rücktest gut anderthalbmal so viele Verdoppler findet wie der Zufall, führt als Handelsregel zu einem Depot, das schlechter abschneidet als ein Zufalls-Depot mit identischer Mechanik — und weit schlechter als ein simples Kaufen-und-Halten des Marktes. Die 3.658 Trades des Hauptlaufs kommen zudem nur auf eine Trefferquote von 41,93 Prozent, während das Zufalls-Depot mit 50,76 Prozent sogar häufiger gewinnt. Wie beides gleichzeitig wahr sein kann, ist der eigentliche Kern dieser Studie.
Warum beides zugleich wahr ist
Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. Ein Signal, das im Rücktest mehr Verdoppler produziert, sollte doch auch ein besseres Depot ergeben. Der Widerspruch löst sich auf, sobald man zwei Dinge auseinanderhält: wie oft ein extremer Gewinn möglich ist, und wie der typische, durchschnittliche Ausgang aussieht. Das sind zwei verschiedene Fragen, und die Signal-Aktien beantworten sie in entgegengesetzte Richtungen.
Die Signal-Aktien liefern mehr Verdoppler — das bestätigt der Rücktest. Aber der Durchschnitt über alle Trades ist schlechter, nicht besser. Im Hauptlauf liegt der durchschnittliche Trade bei −0,46 Prozent, im Zufalls-Depot bei +1,53 Prozent. Der Profitfaktor — wie viel im Schnitt pro verlorenem Dollar zurückkommt — liegt beim Hauptlauf bei 0,94, beim Zufalls-Depot bei 1,13. Die Signal-Aktien streuen also stärker: mehr sehr gute Ausgänge, aber auch mehr und tiefere schlechte Ausgänge. Genau das zeigt schon der Signal-Rücktest selbst, wenn man ihn zu Ende liest: Das Median-Tief der Signal-Aktien liegt bei −14,8 Prozent, das des Zufalls bei nur −9,8 Prozent. Wer öfter verdoppelt, taucht unterwegs eben auch öfter und tiefer ins Minus — und ein fester Stop bei −30 Prozent trifft genau diese Aktien häufiger.
Eine bildliche Umschreibung trifft es gut: Die Signal-Aktien sind mehr Lotterielose, nicht bessere Lotterielose. Mehr Chancen auf den großen Gewinn bedeuten hier nicht automatisch einen besseren Erwartungswert — weil der typische Ausgang, nicht der beste mögliche, das Depot am Ende bestimmt. Ein Signal ist kein System: Es beschreibt, wo überdurchschnittlich viel Bewegung entsteht, nicht, ob diese Bewegung im Mittel Geld einbringt. Genau dieselbe Lehre zieht auch unser Backtest der Qullamaggie-Setups, und unser Backtest zum Insolvenz-Trio kam mit einem eigenen, stichhaltigen Warnsignal zum selben Muster: Ein starkes Signal ist die halbe Miete — die andere Hälfte ist eine Rezeptur, die den Erwartungswert trifft, und das gelingt hier nicht.
Kapazität: der zweite Grund
Ein zweiter, unabhängiger Grund kommt hinzu, und er betrifft nicht das Signal selbst, sondern seine Handelbarkeit. Von den rund 333.000 Signalen, die in dieser Simulation überhaupt zur Auswahl standen, konnten im Hauptlauf mit seinen höchstens 50 Depotplätzen nur 3.658 tatsächlich gekauft werden. 314.937 Signale wurden verdrängt — es war kein freier Platz oder kein Geld mehr da.
Diese Verdrängung ist nicht gleichmäßig über die Zeit verteilt, sondern konzentriert sich in Panik-Phasen. Am 13. März 2020 allein kamen 1.937 verdrängte Signale zusammen — bei nur 50 Depotplätzen. Weitere Flut-Tage lagen alle im selben Corona-Crash und im Zinsjahr 2022: der 17.03.2020 mit 1.279, der 10.03.2020 mit 987, der 12.03.2020 mit 895 und der 17.06.2022 mit 891 verdrängten Signalen. Ausgerechnet dann, wenn besonders viele Signale gleichzeitig auslösen, reicht das Depot am wenigsten.
Weitere Signale scheiterten aus anderen Gründen an der Umsetzung: 4.023 wurden blockiert, weil der Titel schon im Depot lag, 10.168 wegen fehlender Handelbarkeit verworfen, 165 wegen Datenfehlern, 16 wegen eines Splits, 6 verfielen ungenutzt. Zusammengenommen bedeutet das: Die Trefferquote, die der Signal-Rücktest ausweist, misst zu einem großen Teil Trades, die in einem realen Depot mit begrenztem Kapital nie stattfinden konnten. Ein Signal-Rücktest ohne Kapazitätsgrenze beschreibt eine andere Welt als ein Depot mit 50 Plätzen.
Die Gegenprobe zur Auswahlregel
Der Hauptlauf kauft bei einer Signalflut nach Signalstärke absteigend — bei zu vielen Kandidaten für zu wenige Plätze werden also zuerst die extremsten Fälle gehandelt. Ist das ein Fehler? Wir haben die Gegenprobe gerechnet: Ersetzt man die Auswahl nach Signalstärke durch ein reines Los — sonst bleibt alles gleich —, steigt das Ergebnis von 51.023 $ auf 71.171 $.
Das ist ein deutlicher Effekt: Die Vorliebe für die extremsten Signale schadet messbar, rund 20 Prozentpunkte Gesamtrendite kostet sie. Aber sie ist nicht die Hauptursache des schwachen Ergebnisses. Der Abstand, der zwischen der gelosten Auswahl und dem Zufalls-Depot bleibt, beträgt 121 Prozentpunkte — sechsmal so viel wie das, was die Auswahlregel allein kostet. Selbst mit der besseren, gelosten Auswahl bleibt das Depot weit hinter dem einfachen Zufalls-Vergleich zurück. Das Problem liegt also überwiegend woanders: in der Struktur des Signals selbst, wie der vorige Abschnitt zeigt, nicht primär in der Reihenfolge, in der man aus einer Signalflut auswählt.
Wir haben außerdem geprüft, ob andere Stellschrauben das Bild retten. Keine der insgesamt 14 gerechneten Laufvarianten bringt die Signal-Rezeptur in die Nähe des Zufalls-Depots:
| Laufvariante | Endkapital | Gesamt | pro Jahr | max. Rückgang | Trades | Trefferquote | Profitfaktor |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hauptlauf: Volumen + Katalysator | 51.023 $ | −48,98 % | −4,23 % | 80,95 % | 3.658 | 41,93 % | 0,94 |
| Nur Volumen-Muster | 28.326 $ | −71,67 % | −7,79 % | 86,29 % | 3.659 | 41,45 % | 0,89 |
| Nur Katalysator-Muster | 29.215 $ | −70,78 % | −7,61 % | 84,44 % | 3.822 | 41,68 % | 0,91 |
| Alle vier Muster | 55.651 $ | −44,35 % | −3,70 % | 80,54 % | 3.659 | 42,01 % | 0,95 |
| Zufalls-Depot (gleiche Mechanik) | 191.938 $ | +91,94 % | +4,28 % | 47,78 % | 3.385 | 50,76 % | 1,13 |
| Ohne Stop, ohne Exit-Signal | 54.762 $ | −45,24 % | −3,80 % | 77,98 % | 3.230 | 42,92 % | 0,95 |
| Ohne Stop | 41.088 $ | −58,91 % | −5,56 % | 79,28 % | 3.247 | 42,10 % | 0,92 |
| Stop bei -20 %, ohne Exit-Signal | 65.382 $ | −34,62 % | −2,69 % | 75,03 % | 4.044 | 39,32 % | 0,96 |
| Stop bei -20 % | 64.761 $ | −35,24 % | −2,75 % | 76,74 % | 4.045 | 39,50 % | 0,96 |
| Stop bei -30 %, ohne Exit-Signal | 46.905 $ | −53,10 % | −4,75 % | 82,58 % | 3.645 | 41,56 % | 0,94 |
| Hauptlauf ohne Handelskosten | 84.275 $ | −15,73 % | −1,09 % | 78,30 % | 3.635 | 50,49 % | 0,99 |
| Zufalls-Depot ohne Handelskosten | 321.048 $ | +221,05 % | +7,79 % | 42,39 % | 3.385 | 53,07 % | 1,23 |
| Hauptlauf, Delisting = Totalverlust | 765 $ | −99,23 % | −26,89 % | 99,35 % | 3.653 | 39,44 % | 0,68 |
| Gegenprobe: Los statt Signalstärke | 71.171 $ | −28,83 % | −2,16 % | 66,83 % | 3.574 | 44,75 % | 0,96 |
Jahr für Jahr
Die Jahresrenditen zeigen, wann das Bild kippt: Bis 2020 wechseln sich gute und schlechte Jahre ab, seit 2021 ist jedes einzelne Jahr negativ.
| Lauf | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hauptlauf: Volumen + Katalysator | −3,1 % | +17,8 % | +19,0 % | +0,1 % | −7,9 % | +22,9 % | +9,1 % | −19,7 % | +7,2 % | +44,4 % | −12,0 % | −21,1 % | −25,3 % | −19,1 % | −15,7 % | −30,9 % |
| Gegenprobe: Los statt Signalstärke | −3,9 % | +21,9 % | +31,1 % | −10,4 % | −16,9 % | +12,5 % | +0,1 % | −11,7 % | +4,6 % | +8,0 % | −20,0 % | −29,1 % | −6,8 % | +14,6 % | +4,1 % | −12,2 % |
| Zufalls-Depot (gleiche Mechanik) | −15,5 % | +16,5 % | +25,8 % | +6,9 % | −13,4 % | +9,0 % | +12,1 % | −16,4 % | +24,0 % | +6,5 % | −1,0 % | −22,3 % | +7,2 % | +20,1 % | +10,3 % | +13,8 % |
| SPY (kaufen und halten) | +0,9 % | +16,0 % | +32,3 % | +13,5 % | +1,2 % | +12,0 % | +21,7 % | −4,6 % | +31,2 % | +18,3 % | +28,7 % | −18,2 % | +26,2 % | +24,9 % | +17,7 % | +13,3 % |
Selbst die beste Signal-Variante — der Hauptlauf ganz ohne Handelskosten gerechnet, mit einer Trefferquote von 50,49 Prozent und einem Profitfaktor von 0,99 — bleibt bei 84.275 $ und damit unter dem Startkapital. Kein einziger der signalgetriebenen Läufe erreicht auch nur annähernd das Zufalls-Depot mit 191.938 $.
Das Datenqualitäts-Kapitel
Diese Zahlen stehen erst am Ende eines Umwegs, der zur Studie gehört, weil er zeigt, wie geprüft wurde. Die erste Rechnung wies drei rechnerisch unmögliche Werte aus: eine Jahresrendite von +279,53 Prozent für 2013, einen maximalen Rückgang von 95,27 Prozent und eine Schwankung von 267,52 Prozent im Jahr — bei einer Positionsgröße von nur 2 Prozent des Depots kann kein einzelner Trade solche Ausschläge erzeugen.
Die forensische Prüfung fand weder einen Rechenfehler noch einen falsch behandelten Split. Die Ursache lag in der Kursbasis selbst: Unser Kursdatenanbieter mischt bei einigen delisteten US-Kürzeln die Kurse eines gleichnamigen Titels einer anderen Börse in dieselbe Kursreihe, tageweise abwechselnd. An acht Titeln ließ sich das belegen, drei Beispiele stehen stellvertretend dafür:
- Kürzel ATX: Costa Inc. bei 22,09 $ — dazwischen 2.471,19, der Wiener Börsenindex.
- Kürzel KER: ein NYSE-Titel bei rund 50 $ — dazwischen Kering aus Paris bei rund 350 €.
- Kürzel EMIS: Emisphere Technologies bei 6,78 $ — dazwischen die EMIS Group aus London bei 984 Pence.
Die gemessene Wirkung ist erheblich: 41 solcher Positionen trugen +309.901 $ bei, während die übrigen 3.568 Trades zusammen −310.586 $ machten. Das gesamte positive Ergebnis der ersten Rezeptur bestand vollständig aus Phantom-Kursen — ohne diese 41 Positionen wäre das Ergebnis von Anfang an negativ gewesen. Die Rechenwege selbst waren dabei nicht das Problem: unabhängig in SQL nachgerechnet, stimmten die Kennzahlen bis auf die dritte Nachkommastelle. Falsch waren ausschließlich die Eingangsdaten.
Zwei Absicherungen greifen seither vor dem Kauf statt erst danach: Erstens verwirft ein unerklärter Tagesschritt — über +100 Prozent oder unter −50 Prozent ohne dokumentierten bereinigten Split — im Haltefenster das Signal. Zweitens trägt ein Kurstag ohne Umsatz keinen Preis mehr, zu dem real jemand hätte handeln können: Verkauf, Stop-Auslösung und Bewertung rechnen seither mit dem letzten Kurs, der tatsächlich Umsatz hatte.
Nach dieser Bereinigung fiel der Hauptlauf von 83.472 $ auf die eingangs genannten 51.023 $, der maximale Rückgang von 95,27 Prozent auf 80,95 Prozent, die Schwankung von 267,52 Prozent auf 15,61 Prozent im Jahr. Seither liegt keine Jahresrendite mehr über +54 Prozent, und jeder der 14 Läufe weist null sprungverdächtige Positionen aus. Das ist der Preis für Verlässlichkeit: ein niedrigeres, aber ein reales Ergebnis.
Was bestehen bleibt
Trotz des insgesamt negativen Depot-Befunds bleiben zwei Dinge aus dieser Auswertung, die nach draußen tragen. Das erste ist ein konkretes Warnsignal aus den Ausstiegsgründen: Von den 3.658 Trades des Hauptlaufs endeten 2.685 durch den Zeit-Exit, 694 durch den Stop, 207 durch Delisting, 22 durch ein eigenes Exit-Signal, 50 Positionen waren am Ende des Beobachtungszeitraums noch offen.
Besonders auffällig ist ein spezielles Exit-Muster: ein Verwässerungs-Filing, das nach einer bereits erfolgten Verdopplung eintrifft. In 2.136 solcher Fälle lag der Median am Fensterende bei −21,1 Prozent, gegenüber +0,3 Prozent beim Zufall — das Median-Tief fiel dabei sogar auf −34,8 Prozent gegenüber −10,1 Prozent. Das ist der stärkste Einzelbefund der gesamten Datenreihe, und er sagt etwas anderes als der Rest der Studie: nicht wann man einsteigen sollte, sondern wann man erkennbar nicht mehr dabei sein will.
Das zweite ist ein Rahmen für den richtigen Umgang mit den Signalen selbst: als Beobachtungsliste, nicht als Autopilot. Die Signale sagen zuverlässig, wo überdurchschnittlich viel Bewegung entsteht — das belegt der Rücktest eindeutig. Was sie nicht sagen, ist, ob der Erwartungswert des einzelnen Trades positiv ist. Diese Studie zeigt: Er ist es nicht, jedenfalls nicht mit der hier getesteten mechanischen Rezeptur.
Methodik und Messgrenzen
Mehrere Annahmen prägen dieses Ergebnis, und sie gehören offen in die Wiedergabe. Aus dem Methodik-Kasten unseres Rechenberichts:
„Ein Signal entsteht aus dem Schlusskurs seines Tages; zu diesem Kurs kann niemand mehr handeln, der ihn erst kennt, wenn er feststeht. Gekauft wird deshalb zum Schluss des nächsten Handelstages. Was zwischen beiden Schlusskursen passiert, geht ungefiltert ins Ergebnis ein, in beide Richtungen.“
Auch die Stops rechnen auf Schlusskursbasis, weil keine Tageshöchst- und Tiefstkurse vorliegen: Ein Stop greift, wenn der Schluss unter der Marke liegt, und verkauft zu diesem Schluss, nicht zur Marke selbst. Das wirkt in beide Richtungen — ein Tag, der zwischenzeitlich unter die Marke fällt und sich bis zum Schluss erholt, löst hier keinen Stop aus, das ist freundlicher als die Wirklichkeit. Ein Tag, der auf halbem Weg schließt, verkauft dagegen zum vollen Rückgang, das ist härter als die Wirklichkeit.
Die Kosten sind eine Pauschale, keine Messung: 0,5 Prozent Slippage je Seite, bewusst eher zu hoch angesetzt. Ordergebühren stecken darin nicht — bei rund 2.000 $ Positionsgröße kämen je nach Broker weitere 0 bis 0,5 Prozent hinzu. Verkaufserlöse stehen im Modell noch am selben Tag zur Verfügung, das ist eine großzügige Annahme; in der Wirklichkeit steht das Geld erst nach der Abwicklung bereit.
Splits wurden geprüft, wo dokumentiert: Gerechnet wird auf der bereinigten Kursreihe, mit 6.862 dokumentierten Split-Tagen bei 16.607 abgefragten Titeln. Positionen am Datenrand werden zensiert, nicht abgerechnet — endet die Kursreihe eines Titels innerhalb von 10 Kalendertagen vor dem jüngsten Handelstag, gilt sie als „läuft noch": bewertet, aber nicht verkauft. Trefferquote, Profitfaktor und Median rechnen ausschließlich mit abgeschlossenen Positionen.
Schließlich erbt dieser Rückblick alle Messgrenzen der Signal-Erzeugung selbst: einen fehlenden Nachrichten-Filter und eine fehlende Ruhefrist beim Volumen-Muster, eine fehlende Handelbarkeits-Prüfung beim Katalysator-Muster, acht Wochen früher bekannte Termine sowie unvollständige Insider-Daten im laufenden Quartal. Diese Zahlen sind eine Modellrechnung, kein Kontoauszug.
Alle eigenen Rücktests und Backtests, darunter auch die beiden hier verglichenen, stehen gesammelt in der Rubrik Studien.
Stand der Zahlen: 7. August 2026.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose für einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Wir haben unsere Kurssprung-Signale in ein vollständig beschriebenes Depot gesteckt und von Januar 2011 bis August 2026 durchgerechnet: 100.000 US-Dollar Startkapital, 2 Prozent je Position, höchstens 50 Positionen, Kauf zum Schlusskurs des Folgetages, Zeit-Exit nach 62 Handelstagen, Stop bei minus 30 Prozent und 0,5 Prozent Kosten je Seite.
Der Hauptlauf endet bei 51.023 US-Dollar, ein Minus von 48,98 Prozent oder 4,23 Prozent pro Jahr. Ein Zufalls-Depot mit identischer Mechanik kam auf 191.938 US-Dollar, ein einfach gehaltener SPY auf 794.976 US-Dollar. Die Signale schlagen den Zufall in der Trefferstatistik, die daraus gebaute Handelsregel schlägt ihn nicht im Depot.
Weil zwei verschiedene Dinge gemessen werden. Die Signal-Aktien liefern mehr extreme Gewinner, aber den schlechteren Durchschnitt: minus 0,46 Prozent je Trade gegen plus 1,53 Prozent beim Zufall. Sie sind mehr Lotterielose, nicht bessere. Über tausende Trades entscheidet der Erwartungswert, nicht der beste mögliche Ausgang.
Weil ein Depot mit 50 Plätzen und begrenztem Kapital nicht jedes Signal aufnehmen kann. 314.937 Signale wurden verdrängt, weitere 4.023 blockiert, weil der Titel schon im Depot lag. Am 13. März 2020 kamen allein 1.937 verdrängte Signale zusammen. Die Trefferquote des Signal-Rücktests misst deshalb überwiegend Trades, die nie stattfinden konnten.
Nur zum kleineren Teil. Ersetzt man die Rangfolge nach Signalstärke durch ein Los, steigt das Ergebnis von 51.023 auf 71.171 US-Dollar — die Auswahlregel kostet also rund 20 Prozentpunkte. Der verbleibende Abstand zum Zufalls-Depot beträgt aber 121 Prozentpunkte, also das Sechsfache.
Die erste Rechnung wies eine Jahresrendite von 279,53 Prozent für 2013 aus, was bei 2 Prozent Positionsgröße unmöglich ist. Unser Kursdatenanbieter mischt bei manchen delisteten US-Kürzeln die Kurse gleichnamiger Titel anderer Börsen in dieselbe Reihe. 41 solcher Positionen trugen 309.901 US-Dollar bei, während die übrigen 3.568 Trades 310.586 US-Dollar verloren. Nach der Bereinigung blieb der Verlust.
Zwei Dinge. Erstens das Exit-Muster als Warnsignal: Ein Verwässerungs-Filing nach einer Verdopplung führte in 2.136 Fällen zu einem Median von minus 21,1 Prozent gegen plus 0,3 Prozent beim Zufall. Zweitens die Signale als Beobachtungsliste, nicht als Autopilot — sie zeigen, wo Bewegung entsteht, nicht, ob sich der Einstieg im Mittel lohnt.