Übernahme-Backtest Teil 3: Drei Signale erhöhen die Chance — Geld bringt keines
Teil 2 dieser Studie scheiterte daran, dass eine Übernahme schlicht zu selten ist: Rund ein Prozent Grundwahrscheinlichkeit lässt sich kaum in einen Vorteil verwandeln. Teil 3 dreht die Frage um und startet nicht mehr beim Kursmuster, sondern bei den Formularen der US-Börsenaufsicht: 5.599 belegte Übernahmen statt 1.059 Kurstreffer, Grundwahrscheinlichkeit 3,1 statt 0,83 Prozent. Auf dieser Basis prüfen wir drei öffentliche Ereignisse, die eine Übernahme ankündigen sollen — die Branchenwelle, den Einstieg eines Aktivisten und die Ankündigung „strategischer Alternativen". Alle drei haben echten Vorhersagewert: Die Übernahme-Chance steigt auf das Doppelte bis Dreifache. Und trotzdem verdient kein einziger Arm Geld. Die Wahrscheinlichkeit steht bereits im Kurs.
Teil 2 dieser Studie endete mit einem klaren Nein: Ein Übernahmeziel lässt sich nicht an Firmenmerkmalen vorhersagen. Der Hauptgrund war nicht das Modell, sondern die Seltenheit — bei einer Grundwahrscheinlichkeit von 0,83 Prozent muss ein Signal fast unmöglich stark sein, um überhaupt sichtbar zu werden. Teil 3 greift das an zwei Stellen an. Erstens mit einer besseren Grundwahrheit: statt Übernahmen am Kursverlauf zu erraten, lesen wir die Einreichungen der US-Börsenaufsicht. Zweitens mit einer anderen Art von Signal: nicht mehr stille Bilanzmerkmale, sondern öffentliche Ereignisse, die ein Marktteilnehmer am selben Tag sehen kann.
Das Ergebnis ist das interessanteste dieser Reihe — und es ist wieder ein Nein, aber ein anderes. Alle drei geprüften Ereignisse funktionieren als Vorhersage. Nur bezahlt wird man dafür nicht.
Das Ergebnis in vier Zahlen
| Zahl | Bedeutung |
|---|---|
| 5.599 | belegte Übernahmen bei 4.202 Firmen — aus Formularen der US-Börsenaufsicht statt aus Kursmustern (Teil 1: 1.059) |
| 2,83× | stärkster gemessener Lift: „strategische Alternativen" heben die Zwölf-Monats-Übernahmequote von 3,23 auf 9,14 Prozent |
| 13,29 % | bestes Depot-Ergebnis (Branchen-Peers, zwölf Monate, nach Kosten) gegen 13,84 Prozent beim S&P-500-Preisindex — es verliert |
| 9,14 % | tatsächliche Verkaufsquote binnen zwölf Monaten nach einer „strategische Alternativen"-Ankündigung — die verbreitete Angabe von rund 50 Prozent gilt nur ohne Zeitfenster |
Die neue Grundlage: 5.599 belegte Übernahmen
Teil 1 hat Übernahmen an einer Kurssignatur erkannt — ein Sprung, dann eine enge Seitwärtsphase bis zum Delisting. Das findet nur Barangebote, und selbst davon nicht alle. Teil 3 ersetzt diese Erkennung vollständig: Für jede delistete US-Firma wird die Einreichungshistorie bei der US-Börsenaufsicht gelesen und nach den Formularen gesucht, mit denen eine Übernahme rechtlich abgewickelt wird — Fusionsprospekte (425), Abstimmungsunterlagen (PREM14A, DEFM14A), Übernahmeangebote (SC TO-T, SC 14D9) sowie die Abmeldeformulare 25-NSE, 15-12B und 15-12G.
| Stufe der Erhebung | Wert |
|---|---|
| delistete US-Titel im Bestand | 11.081 |
| davon mit Nummer bei der Aufsicht | 9.709 (87,6 %) |
| Abrufquote der Einreichungshistorien | 100,0 % |
| belegte Übernahmen | 5.599 (50,5 % aller Delistings) |
| betroffene Firmen | 4.202 |
| Delistings mit anderem Abmeldegrund | 2.100 |
| Delistings ohne erkennbaren Grund | 3.382 |
Die Gegenprobe fällt eindeutig aus. Von 37 bekannten Eich-Deals — prominente Übernahmen, die jede brauchbare Erhebung enthalten muss — findet die neue Grundwahrheit 37. Die Kursmuster-Erkennung aus Teil 1 fand 12. Umgekehrt bestätigt die Behördenquelle 943 von 1.034 prüfbaren Kursmuster-Treffern (91,2 Prozent) als echte Übernahme und findet zusätzlich 4.656 Übernahmen, die das Kursmuster übersehen hatte.
Damit ändert sich die wichtigste Zahl der ganzen Studie. Die Grundwahrscheinlichkeit, dass ein beliebiger Titel des Anlageuniversums binnen zwölf Monaten übernommen wird, steigt von 0,83 Prozent (Teil 2) auf 3,107 Prozent.
| Zeitfenster | Titel-Monate | Übernahmen | Grundwahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| 6 Monate | 606.603 | 9.980 | 1,645 % |
| 12 Monate | 580.171 | 18.027 | 3,107 % |
| 18 Monate | 552.808 | 24.387 | 4,411 % |
| 24 Monate | 523.738 | 29.213 | 5,578 % |
Wen es besonders trifft
Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gleich verteilt. Kleine Firmen werden fast viermal so oft übernommen wie große, und unter den Branchen führen die Finanzwerte mit Abstand — die jahrzehntelange Konsolidierung der US-Regionalbanken ist in diesen Zahlen direkt sichtbar.
| Größenklasse (1 = kleinste) | Titel-Monate | Übernahmequote (12 Monate) |
|---|---|---|
| 1 | 116.093 | 4,688 % |
| 2 | 116.039 | 4,418 % |
| 3 | 116.024 | 2,971 % |
| 4 | 116.039 | 2,277 % |
| 5 (größte) | 115.976 | 1,180 % |
| Branche | Titel-Monate | Übernahmequote (12 Monate) |
|---|---|---|
| Finanzwerte | 135.411 | 4,918 % |
| Gesundheit | 73.701 | 3,464 % |
| Energie | 37.003 | 3,386 % |
| Informationstechnologie | 63.335 | 2,990 % |
| Immobilien | 29.097 | 2,285 % |
| Kommunikation | 28.727 | 2,249 % |
| Industrie | 74.880 | 2,001 % |
| Zyklischer Konsum | 59.608 | 1,726 % |
| Grundstoffe | 31.606 | 1,563 % |
| Basiskonsum | 21.091 | 1,498 % |
| Versorger | 16.318 | 1,213 % |
Signal 1: Die Branchenwelle
Die Idee ist alt und plausibel: Übernahmen kommen in Wellen. Kauft ein Wettbewerber einen anderen, geraten die verbliebenen Firmen derselben Branche unter Druck — als Käufer wie als Ziel. Gemessen wurde deshalb: Steht ein Titel in einer Branche, in der gerade eine Übernahme angekündigt wurde, wie oft wird er selbst binnen zwölf Monaten übernommen? Verglichen wird nicht mit dem Marktdurchschnitt, sondern mit Titeln derselben Größenklasse im selben Monat, deren Branche gerade keine frische Welle hat.
| Zeitfenster | Peers | Übernahmequote | erwartet (gematcht) | Lift |
|---|---|---|---|---|
| 6 Monate | 321.203 | 2,63 % | 1,34 % | 1,96× |
| 12 Monate | 298.977 | 5,02 % | 2,58 % | 1,95× |
| 18 Monate | 277.825 | 7,20 % | 3,84 % | 1,87× |
| 24 Monate | 255.558 | 9,15 % | 5,09 % | 1,80× |
Das ist ein echter Effekt — und er sitzt fast vollständig in der Dosis. Eine einzelne Übernahme in der Branche bewegt praktisch nichts; erst ab zwei Deals steigt die Quote sprunghaft.
| Dosis (12 Monate) | Peers | Übernahmequote | erwartet | Lift |
|---|---|---|---|---|
| genau 1 Deal in der Branche | 77.032 | 2,41 % | 2,08 % | 1,16× |
| 2 oder mehr Deals | 221.945 | 5,93 % | 2,76 % | 2,15× |
Wer also auf Branchenkonsolidierung setzen will, sollte nicht auf den ersten Deal reagieren, sondern auf den zweiten. Damit zur eigentlichen Frage: Was verdient ein Depot, das genau das tut?
| Reihe (12 Monate Haltedauer, 0,2 % Kosten je Seite) | Mittel | Median | Gewinner-Anteil |
|---|---|---|---|
| Branchen-Peers (das Depot) | 13,29 % | 8,15 % | 64,5 % |
| S&P 500 (Preisindex, ohne Dividenden) | 13,84 % | 14,80 % | 83,2 % |
| Anlageuniversum, gleichgewichtet | 12,69 % | 9,05 % | 72,4 % |
| gematchte Kontrollbranchen (kein frisches Ereignis) | 11,89 % | 10,70 % | 72,5 % |
Das ist der beste Arm dieser Studie — und er verliert. Er schlägt zwar das eigene Anlageuniversum um 0,6 Prozentpunkte und die gematchte Kontrollgruppe um 1,4 Punkte, aber nicht den Index. Und die vorab festgelegte Entscheidungsregel verlangte drei Dinge gleichzeitig: Lift ab 1,5×, Stabilität in mindestens 70 Prozent der Jahre und einen Sieg gegen beide Maßstäbe. Erfüllt ist nur der Lift; die Jahresstabilität liegt bei 55,6 Prozent, der Indexvergleich geht verloren. Nicht tragfähig.
Lehrreich ist die Zerlegung des Ertrags. Von 295.039 vollständig erfassten Positionen wurden 16.285 selbst übernommen — 5,52 Prozent der Positionen, die 12,9 Prozent des Gesamtertrags tragen. Diese Positionen bringen im Mittel 24,63 Prozent gegen 9,68 Prozent beim Rest. Die Übernahmeprämie ist also real und groß. Sie ist nur zu selten, um die 94 Prozent gewöhnlicher Positionen mitzuziehen.
Signal 2: Der Aktivist steigt ein
Wer in den USA mehr als fünf Prozent an einer Firma hält und dabei Einfluss nehmen will, muss das binnen weniger Tage öffentlich melden — Formular SC 13D. Das ist das klassische Startsignal einer Kampagne, und Kampagnen enden oft mit einem Verkauf. Ausgewertet wurden alle 22.353 Erstmeldungen im Formularindex der Aufsicht, entdoppelt auf 12.897 Ereignisse mit 24-monatigem Abkühlfenster je Zielfirma.
Der erste Befund ist eine Zuordnungsgrenze und keine Renditezahl: Nur 27,0 Prozent der Erstmeldungen landen überhaupt im gemessenen Anlageuniversum. Aktivisten zielen ganz überwiegend auf Firmen unterhalb der Schwelle von 100 Millionen Dollar Börsenwert und einem Dollar Kurs. Wer diese Meldungen handeln will, handelt also überwiegend in einer Größenklasse, für die diese Studie bewusst keine Aussage macht.
| Arm (12 Monate) | Ereignisse | Übernahmequote | erwartet | Lift |
|---|---|---|---|---|
| alle 13D-Erstmeldungen | 2.834 | 5,65 % | 3,86 % | 1,46× |
| bekannte Aktivisten-Adressen | 240 | 6,67 % | 2,59 % | 2,58× |
Der Name macht also den Unterschied: Eine beliebige 13D-Meldung hebt die Chance um knapp die Hälfte, eine Meldung von Icahn, Elliott, Starboard, JANA, ValueAct, Third Point, Pershing Square oder Trian mehr als auf das Zweieinhalbfache. Die Liste wurde vorab festgelegt, nicht nachträglich aus den Treffern gebildet.
Und dann die Rendite — und hier wird es unangenehm:
| Reihe (12 Monate, nach Kosten) | alle 13D | bekannte Aktivisten |
|---|---|---|
| Ereignis-Depot | 9,64 % | 6,52 % |
| gematchte Kontrollgruppe | 14,25 % | 12,21 % |
| S&P 500 (Preisindex) | 13,29 % | 12,63 % |
| Anlageuniversum, gleichgewichtet | 13,57 % | 12,50 % |
Beide Arme liegen unter ihrer eigenen Kontrollgruppe — bei den bekannten Aktivisten fast sechs Prozentpunkte. Das ist mehr als „kein Vorteil": Wer nach einer 13D-Meldung kauft, hat im Mittel schlechter abgeschnitten als beim Kauf eines vergleichbaren Titels ohne dieses Ereignis.
Die Zerlegung erklärt, warum. Von 2.817 vollständig erfassten Positionen wurden 166 selbst übernommen. Diese 5,9 Prozent tragen 22,1 Prozent des gesamten Ertrags und bringen im Mittel 17,76 Prozent. Der übrige Bestand kommt auf 3,91 Prozent im Mittel — und auf einen Median von minus 1,83 Prozent. Die typische Aktie, in die ein Aktivist einsteigt, verliert. Ein paar große Übernahmen ziehen den Durchschnitt über null; wer nicht zufällig die richtigen erwischt, sitzt in der Mehrheit.
Signal 3: „Strategische Alternativen"
Wenn ein Vorstand mitteilt, man prüfe „strategische Alternativen", ist das in der Praxis oft die höflichste erreichbare Formulierung für: Die Firma steht zum Verkauf. Gesucht wurde deshalb in der Volltextsuche der US-Börsenaufsicht nach neun vorab festgelegten englischen Wendungen — von „review of strategic alternatives" über „exploring strategic alternatives" bis „process to maximize shareholder value". Ergebnis: 10.239 Dokumenttreffer, 6.774 Einreichungen, 2.406 Firmen, nach Entdopplung 2.924 Erstmeldungen, davon 1.276 im gemessenen Universum.
| Zeitfenster | Ereignisse | Übernahmequote | erwartet | Lift |
|---|---|---|---|---|
| 6 Monate | 1.090 | 5,51 % | 1,65 % | 3,33× |
| 12 Monate | 1.029 | 9,14 % | 3,23 % | 2,83× |
| 18 Monate | 965 | 10,36 % | 4,64 % | 2,23× |
| 24 Monate | 926 | 12,53 % | 5,94 % | 2,11× |
Das ist der stärkste gemessene Vorhersagewert dieser ganzen Studienreihe — und der Verlauf ist genau der richtige: Am kürzesten Fenster ist der Lift am größten (3,33× nach sechs Monaten), danach verwässert er, weil die Vergleichsgruppe aufholt. Ein Signal, das nur kurz nach dem Ereignis wirkt, verhält sich genau so, wie sich echte Information verhalten muss.
Die Rendite bleibt trotzdem zurück:
| Reihe (12 Monate, nach Kosten) | Mittel | Median |
|---|---|---|
| Ereignis-Depot | 10,14 % | 7,30 % |
| gematchte Kontrollgruppe | 13,32 % | 11,55 % |
| Anlageuniversum, gleichgewichtet | 13,19 % | 11,39 % |
| S&P 500 (Preisindex) | 13,11 % | 14,16 % |
Auch hier liegt das Ereignis-Depot mehr als drei Prozentpunkte unter seiner eigenen Kontrollgruppe. Das stärkste Signal der Studie ist zugleich eines der schwächsten Depots.
Der Nebenbefund: Die 50-Prozent-Behauptung
Zu diesem Signal kursiert eine Zahl, die man in Marktkommentaren regelmäßig liest: Rund die Hälfte der Firmen, die „strategische Alternativen" ankündigen, werde am Ende verkauft. Unsere Erhebung kann das prüfen — und findet, dass die Zahl stimmt und trotzdem in die Irre führt.
| Abgrenzung | Grundgesamtheit | übernommen | Quote |
|---|---|---|---|
| jemals übernommen (ohne Zeitfenster) | 2.087 | 917 | 43,94 % |
| binnen 24 Monaten | 1.866 | 383 | 20,53 % |
| binnen 12 Monaten | 2.087 | 323 | 15,48 % |
| binnen 12 Monaten, im Anlageuniversum | 1.029 | 94 | 9,14 % |
Die verbreitete Angabe entspricht der obersten Zeile: irgendwann, über den gesamten Beobachtungszeitraum. Für eine Anlageentscheidung zählt aber das Zeitfenster, in dem das Kapital gebunden ist — und dort sind es 9 bis 15 Prozent, nicht 50. Der Unterschied zwischen „wird verkauft" und „wird bald verkauft" ist der ganze Unterschied zwischen einer Schlagzeile und einer Rendite. Zudem ist unsere Zahl nach unten verzerrt, weil eine Ankündigung in der Erhebung erst nach dem Vollzug erscheint — sie ist eine Untergrenze, also genau die Richtung, die die Literaturangabe stützen würde, nicht widerlegen.
Warum ein echtes Signal trotzdem kein Geld bringt
Damit steht das Kernergebnis von Teil 3 in einer Tabelle:
| Signal | Lift (12 M) | Depot | gematchte Kontrolle | S&P 500 | Verdikt |
|---|---|---|---|---|---|
| Branchenwelle | 1,95× | 13,29 % | 11,89 % | 13,84 % | nicht tragfähig |
| 13D-Erstmeldung | 1,46× | 9,64 % | 14,25 % | 13,29 % | nicht tragfähig |
| 13D, bekannte Aktivisten | 2,58× | 6,52 % | 12,21 % | 12,63 % | nicht tragfähig |
| „Strategische Alternativen" | 2,83× | 10,14 % | 13,32 % | 13,11 % | nicht tragfähig |
Die Spalten zwei und drei stehen im Widerspruch — scheinbar. Der Lift steigt, das Depot fällt, und bei drei von vier Armen liegt das Depot sogar unter der eigenen Kontrollgruppe. Aufgelöst wird der Widerspruch durch die Reihenfolge der Ereignisse: Alle drei Signale sind öffentliche Meldungen. Sie stehen am Tag ihres Erscheinens jedem zur Verfügung, und der Kurs hat sie verarbeitet, bevor unser Depot am nächsten Monatsultimo kauft. Was gekauft wird, ist nicht die erhöhte Wahrscheinlichkeit, sondern die erhöhte Wahrscheinlichkeit zum Preis der erhöhten Wahrscheinlichkeit.
Dazu kommt der zweite, unangenehmere Teil: Firmen, bei denen ein Aktivist einsteigt oder die den Verkaufsprozess ausrufen, sind kein Zufallsschnitt des Marktes. Es sind überdurchschnittlich oft Firmen mit einem Problem. Bleibt der Deal aus — und binnen zwölf Monaten bleibt er bei den „strategischen Alternativen" in 91 Prozent der Fälle aus, bei den 13D-Titeln sogar in 93 bis 94 Prozent —, bleibt das Problem. Genau das misst der Median von minus 1,83 Prozent bei den nicht übernommenen 13D-Titeln.
„I believe there is no other proposition in economics which has more solid empirical evidence supporting it than the Efficient Market Hypothesis."
„Ich glaube, es gibt in der Wirtschaftswissenschaft keine andere Aussage, für die es solidere empirische Belege gibt als für die Hypothese effizienter Märkte." — Michael C. Jensen, „Some Anomalous Evidence Regarding Market Efficiency", Journal of Financial Economics, 1978.
Jensen schrieb diesen Satz ausgerechnet in einer Arbeit über Anomalien — also über Fälle, in denen der Markt eben nicht effizient aussieht. Teil 3 liefert dazu ein Beispiel aus der Gegenrichtung: eine Anomalie, die es tatsächlich gibt (der Lift ist real und dreifach belegt), und die trotzdem keine ist, sobald man sie zu handeln versucht.
Was das für Teil 1 und Teil 2 bedeutet
Der Übernahme-Backtest Teil 1 und 2 scheiterte an der Seltenheit: Bei 0,83 Prozent Grundwahrscheinlichkeit blieb selbst dem theoretisch stärksten Zehntel des Punktemodells nichts als Rauschen. Der naheliegende Einwand lautete damals: Vielleicht war die Grundlage zu schlecht und das Signal zu leise.
Teil 3 räumt beide Einwände ab. Die Grundlage ist jetzt behördlich belegt und gut fünfmal so groß, die Grundwahrscheinlichkeit knapp viermal so hoch, und die Signale sind nicht mehr leise Bilanzmerkmale, sondern laute öffentliche Meldungen mit nachweisbarem, teils dreifachem Vorhersagewert. Das Ergebnis ist dasselbe.
Damit ist die Übernahme-Spekulation auf beiden Wegen widerlegt: Der stille Weg über Firmenmerkmale scheitert daran, dass er nichts findet. Der laute Weg über öffentliche Ereignisse scheitert daran, dass er zu spät kommt — was er findet, hat der Markt schon eingepreist. Das ist kein enttäuschendes Ergebnis, sondern ein sauberes: Es sagt genau, wo die Grenze verläuft.
Grenzen dieser Auswertung
- Die Panel-Abdeckung vor rund 2018 misst die Quelle, nicht den Markt. Jahresabschlüsse fehlen für längst verschwundene Firmen; der Anteil der Übernahmen, die im Anlageuniversum überhaupt auftauchen, steigt von 0 Prozent (2010–2012) auf 79 Prozent (2025). Jede Jahreszahl vor 2018 ist deshalb nur eingeschränkt interpretierbar — und das gilt auch für die Stabilitätsbedingung der Entscheidungsregel.
- Der Vergleichsindex ist ein reiner Preisindex. Der S&P 500 liegt nur ohne Dividenden vor. Ein Depot, das Ausschüttungen mitnimmt, hätte gegenüber diesem Maßstab einen strukturellen Vorteil von rund zwei Prozentpunkten pro Jahr. Der Maßstab ist dem Depot gegenüber also im Nachteil — und wird trotzdem von keinem Arm geschlagen.
- Die Jahresstabilität ist bei den beiden Melde-Signalen nicht messbar. Ein Jahr geht nur mit mindestens 25 Treffern in die Stabilitätsprüfung ein; bei den 13D-Aktivisten und den „strategischen Alternativen" erreicht kein einziges Jahr diese Schwelle. Deren Lift ist über den Gesamtzeitraum belegt, über einzelne Jahre nicht.
- Der Erfassungshorizont endet im Januar 2025. Eine Übernahme erscheint in der Erhebung erst nach dem Vollzug, weil sie über das Delisting gefunden wird. Positionen, die danach enden, kennen einen später übernommenen Titel noch nicht als solchen — das drückt den gemessenen Anteil der Übernommenen nach unten und lässt die Strategie also eher besser aussehen als schlechter.
- Nur 27 Prozent der 13D-Erstmeldungen lassen sich zuordnen. Aktivisten zielen überwiegend auf Firmen unterhalb der Universums-Schwelle von einem Dollar Kurs und 100 Millionen Dollar Börsenwert. Über Aktivisten-Kampagnen bei Kleinstwerten macht diese Auswertung keine Aussage.
- Ein Teil der belegten Übernahmen ruht auf einem einzelnen Formulartyp. 4.061 der 5.599 Übernahmen tragen ein hartes Beweisformular; bei 1.538 (27,5 Prozent) stützt sich der Beleg allein auf einen Fusionsprospekt (425). Alle Kernzahlen wurden deshalb zusätzlich in einer Variante ohne diese Fälle gerechnet: Bei den beiden Melde-Signalen steigt der Lift dort sogar (13D von 1,46× auf 1,65×, „strategische Alternativen" von 2,83× auf 3,37×), bei der Branchenwelle sinkt er von 1,95× auf 1,70×. Das Verdikt bleibt in jedem Arm unverändert.
- Handelskosten sind konservativ, aber nicht vollständig. Gerechnet wurde mit 0,2 Prozent je Seite und zur Gegenprobe mit 0,5 Prozent; Geld-Brief-Spanne, Marktbeeinflussung und Steuern sind darin nicht enthalten. Kein Ergebnis kippt zwischen den beiden Kostenstufen.
Wer die Vorgeschichte lesen will, findet sie im Übernahme-Backtest Teil 1 und 2 — dort steht, wie das Bar-Übernahme-Muster gezählt wurde und warum ein Punktemodell aus zwölf Firmenmerkmalen daran scheiterte. Wer Warnsignale VOR einer Insolvenz statt VOR einer Übernahme sucht, findet dazu die Studie zur Insolvenz-Früherkennung. Alle weiteren Rücktest-Studien stehen gesammelt in der Rubrik Studien.
Stand der Zahlen: 16. August 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q) sowie Formularindex und Volltextsuche der US-Börsenaufsicht; letzter Kursmonat Juli 2026, Erfassungshorizont der Ankündigungen Januar 2025.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kurs-, Fundamental- und Behördendaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, keine Prognose und keine Aussage über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Die genannten Investorennamen dienen ausschließlich der Beschreibung einer vorab festgelegten Auswertungsliste. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Teil 3 prüft, ob drei öffentlich sichtbare Ereignisse eine bevorstehende Übernahme ankündigen: eine frische Übernahmewelle in derselben Branche, die erste SC-13D-Meldung eines Großaktionärs (Aktivisten-Einstieg) und die Ankündigung, „strategische Alternativen" zu prüfen. Gemessen wird beides getrennt — die Übernahmequote im Zeitfenster und die Rendite eines Depots, das auf das Signal hin kauft.
Teil 1 hat Übernahmen am Kursverlauf erkannt und deshalb nur Barangebote gefunden — 1.059 Treffer. Teil 3 liest stattdessen die Einreichungen der US-Börsenaufsicht (SEC/EDGAR) und findet 5.599 belegte Übernahmen bei 4.202 Firmen, also gut das Fünffache. Von 37 bekannten Eich-Deals findet die neue Grundwahrheit alle 37, das Kursmuster fand 12. Die Grundwahrscheinlichkeit binnen zwölf Monaten steigt von 0,83 auf 3,107 Prozent.
Deutlich messbar. Die Branchenwelle bringt 5,02 Prozent Übernahmequote binnen zwölf Monaten gegen 2,58 Prozent bei gematchten Vergleichstiteln (Lift 1,95×), die SC-13D-Erstmeldung 5,65 gegen 3,86 Prozent (1,46×) und bei den bekannten Aktivisten-Namen 6,67 gegen 2,59 Prozent (2,58×). Am stärksten wirkt „strategische Alternativen" mit 9,14 gegen 3,23 Prozent (2,83×).
Weil die erhöhte Wahrscheinlichkeit bereits im Kurs steht. Nach Kosten und über zwölf Monate bringen die Branchen-Peers 13,29 Prozent gegen 13,84 Prozent des S&P-500-Preisindex. Die 13D-Titel kommen auf 9,64 Prozent gegen eine gematchte Kontrollgruppe von 14,25 Prozent, die Alternativen-Titel auf 10,14 gegen 13,32 Prozent. Wer nach dem Ereignis kauft, zahlt einen Aufschlag und trägt den Abschlag, wenn der Deal ausbleibt.
Nur ohne Zeitfenster. Über den gesamten Beobachtungszeitraum werden 43,94 Prozent der Firmen mit einer „strategische Alternativen"-Ankündigung tatsächlich übernommen — das kommt der verbreiteten Angabe von rund 50 Prozent nahe. Binnen zwölf Monaten nach der Ankündigung sind es dagegen nur 15,48 Prozent aller zugeordneten Meldungen und 9,14 Prozent im gemessenen Anlageuniversum. Für eine Anlageentscheidung zählt das Zeitfenster.
Vier wiegen schwer. Die Abdeckung der Übernahmen im Panel steigt über die Zeit stark an, Jahreszahlen vor rund 2018 messen deshalb die Quelle und nicht den Markt. Der Vergleichsindex liegt nur als Preisindex ohne Dividenden vor — ein Nachteil von rund zwei Prozentpunkten pro Jahr für den Maßstab, der trotzdem nicht geschlagen wird. Bei den beiden Melde-Signalen ist die Jahresstabilität wegen dünner Besetzung nicht messbar. Und nur 27 Prozent der 13D-Erstmeldungen lassen sich dem Universum zuordnen: Aktivisten zielen überwiegend auf kleinere Firmen.