Der Übernahme-Backtest: 1.059 Treffer, keine verlässliche Vorhersage
Ein Übernahmeziel zu erkennen, bevor der Käufer kommt, klingt nach dem perfekten Trade: die Prämie am Ankündigungstag mitnehmen, ohne zu raten. Wir haben zuerst gezählt, wie oft sich eine Bar-Übernahme im Kursverlauf überhaupt zeigt — 1.059 Treffer unter 11.144 geprüften delisteten US-Titeln seit 2010. Dann haben wir ein transparentes, walk-forward kalibriertes Punktemodell aus zwölf Firmenmerkmalen gegen 658.012 Titel-Monate seit 2012 getestet, um zu prüfen, ob sich das Ziel VOR der Ankündigung erkennen lässt. Das Ergebnis ist ein ehrliches Nein: Das Spitzendezil des Modells schlägt weder den S&P-500-Index noch das eigene Anlageuniversum, und nur eine von hundert gekauften Positionen wird binnen zwölf Monaten tatsächlich übernommen.
Ein Übernahmeziel zu erkennen, bevor der Käufer offiziell klopft, ist einer der ältesten Träume am Aktienmarkt: Man kauft billig, hält kurz, und wenn die Meldung kommt, springt der Kurs zweistellig nach oben. Diese Studie stellt die Idee auf zwei Beine. Zuerst die Zählung: Wie oft zeigt sich das Muster einer Bar-Übernahme überhaupt im Kursverlauf, und wie sieht es aus? Dann die eigentliche Prüfung: Lässt sich das Ziel VOR der Ankündigung an messbaren Firmenmerkmalen erkennen — und verdient man damit Geld? Die erste Frage beantwortet diese Studie mit Ja, die zweite mit einem klaren und, wie wir finden, lehrreichen Nein.
Teil 1: Was wir zuerst gezählt haben
Gesucht wurde in jeder delisteten US-Kursreihe die Signatur einer Bar-Übernahme: ein Kurssprung am Ankündigungstag, danach eine enge Seitwärtsphase bis zum letzten Handelstag. Die Hauptzahl steht in der Primärvariante — Sprung ab 15 Prozent, Range bis 5 Prozent —, gemessen auf bereinigten Schlusskursen. Geprüft wurden 11.144 von 11.144 delisteten US-Titeln mit Kursreihe — ein vollständiger Lauf, keine Stichprobe. Wichtig für die Einordnung: Die Signatur wird hier RÜCKBLICKEND erkannt, an einer bereits abgerissenen Kursreihe. Teil 1 ist damit eine Bestandsaufnahme, keine Handelsidee — ob sich dasselbe Muster VOR der Ankündigung erkennen lässt, prüft erst Teil 2.
Aufbau: survivorship-frei, zwölf Schwellen-Varianten
Damit das Ergebnis nicht nur die „Überlebenden" zeigt, fließen ausschließlich Titel ein, die inzwischen von der Börse genommen wurden — das Delisting selbst ist Teil der Signatur. Der Sprung wird Schluss-zu-Schluss gemessen, weil die Kursquelle keine Eröffnungskurse führt; da Ankündigungen über Nacht kommen, ist das inhaltlich gleichwertig. Um zu zeigen, wie stark das Ergebnis von der genauen Schwellendefinition abhängt, wurde dieselbe Suche mit zwölf Kombinationen aus Sprunghöhe (10/15/20/25 Prozent) und maximaler Range (3/5/8 Prozent) wiederholt.
Das Ergebnis der Zählung
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Treffer in der Primärvariante (15 % / 5 %) | 1.059 |
| Treffer in mindestens einer der zwölf Varianten | 1.448 |
| Prämie am Sprungtag | n | Q1 | Median | Q3 |
|---|---|---|---|---|
| alle Treffer | 1.059 | 24,5 % | 36,0 % | 58,3 % |
| ohne Artefakt-Warnzeichen | 1.027 | 24,1 % | 35,2 % | 55,1 % |
Die enge Phase dauert im Median 49 Handelstage (Q1: 30, Q3: 67) bis zum Delisting; der Endkurs liegt im Median nur 1,0 Prozent über dem Sprungniveau. Genau dieses Bild — Sprung, dann fast bewegungslose Range bis zum Abriss der Kursreihe — ist die Signatur, die Teil 2 vorab erkennen soll.
Wie stark hängt die Zahl an den Schwellen?
| Sprung ab | Range bis | Treffer |
|---|---|---|
| 10,0 % | 3,0 % | 930 |
| 10,0 % | 5,0 % | 1.215 |
| 10,0 % | 8,0 % | 1.448 |
| 15,0 % | 3,0 % | 813 |
| 15,0 % | 5,0 % | 1.059 (Primärvariante) |
| 15,0 % | 8,0 % | 1.243 |
| 20,0 % | 3,0 % | 705 |
| 20,0 % | 5,0 % | 910 |
| 20,0 % | 8,0 % | 1.061 |
| 25,0 % | 3,0 % | 609 |
| 25,0 % | 5,0 % | 781 |
| 25,0 % | 8,0 % | 904 |
Die Zahl reagiert erwartungsgemäß auf die Schwelle, bleibt aber in derselben Größenordnung — kein Kombinationsbereich liefert ein Vielfaches der Primärvariante. Rund 27,8 Prozent der Treffer tragen zusätzlich das Warnzeichen „künstlich verlängerte Kursreihe" (nachlaufende Füllkurse wurden getrimmt), 7,0 Prozent liegen unter 1 US-Dollar, 3,3 Prozent stehen im Verdacht eines unbereinigten Reverse-Splits und 3,0 Prozent zeigen eine unplausible Prämie — diese Fälle bleiben in der Zählung, sind aber über die Warnzeichen einzeln abziehbar.
Gegenprobe bei der US-Börsenaufsicht
Von 37 prüfbaren Treffern einer Eich-Stichprobe bestätigt die US-Börsenaufsicht (SEC EDGAR) 37 (100,0 Prozent) durch ein echtes Übernahme-Formular — belegt unter anderem durch 25-NSE, DEFM14A, PREM14A, 15-12B und SC 14D9. Fehlalarme bei Aktientausch oder Insolvenz: 0 von 14. Gleichzeitig zeigt dieselbe Eichung eine Kehrseite: Von 37 bekannten Bar-Deals findet die Primärvariante nur 12 (32,4 Prozent) wieder — Namen wie ATVI, CERN, CTXS, RHT, SPLK oder TWTR fehlen, meist weil sich der Deal über mehr als 380 Handelstage zieht oder die Ankündigung vorab durchgesickert ist und der Sprung entsprechend klein ausfällt. Die gezählten Zahlen sind deshalb eine Untergrenze, keine vollständige Erfassung.
Teil 2: Lässt sich das Ziel vorab erkennen?
Teil 1 hat gezählt, wie oft das Muster auftritt. Teil 2 fragt, ob sich das Ziel VOR der Ankündigung an Firmenmerkmalen erkennen lässt — und ob man damit Geld verdient. Das sind zwei getrennte Fragen: Die erste kann theoretisch Ja lauten und die zweite trotzdem Nein.
Das Universum ist ein Monatsraster von Januar 2012 bis Juli 2025: Aufnahme ab 1,00 US-Dollar rohem Schlusskurs und 100 Millionen US-Dollar Börsenwert, mit einer am Stichtag bereits veröffentlichten Jahresbilanz (höchstens 18 Monate alt). Das Label ist der Teil-1-Sprung der lockersten Variante (10 Prozent Sprung / 8 Prozent Range) innerhalb von zwölf Monaten NACH dem Stichtag, ohne Treffer mit Artefakt-Warnzeichen.
| Kennzahl des Panels | Wert |
|---|---|
| Titel-Monate insgesamt | 658.012 |
| Monatsstichtage | 163 (2012-01 bis 2025-07) |
| verschiedene Titel | 8.583 |
| Titel je Stichtag (Min / Median / Max) | 2.608 / 4.165 / 5.696 |
| Titel-Monate mit Übernahme in den nächsten 12 Monaten | 5.457 |
| Basisrate | 0,83 % |
| Titel, die im Zeitraum übernommen wurden | 501 |
Das Punktemodell: zwölf Merkmale, transparent gewichtet
Statt einer Blackbox aus einem trainierten Klassifikator steht hier ein einfaches, offenes Punktemodell: Jedes der zwölf Merkmale hat eine vorab festgelegte Richtung und ein festes Gewicht, ein Titel bekommt nur dann eine Punktzahl, wenn mindestens 60 Prozent des Gesamtgewichts messbar ist. Der Rang wird im Querschnitt DESSELBEN Monats gebildet, nicht über absolute Schwellen.
| Merkmal | Richtung | Gewicht |
|---|---|---|
| Wachstum-Mismatch (billig, kassenstark, aber wachstumsschwach) | hoch | 2,50 |
| Netto-Kasse (Kriegskasse) | hoch | 2,00 |
| EV/EBITDA | tief | 1,00 |
| Kurs-Buchwert-Verhältnis | tief | 1,00 |
| Freier-Cashflow-Rendite | hoch | 1,00 |
| Insider-Nettokäufe (6 Monate) | hoch | 1,00 |
| Branchenkonsolidierung | hoch | 1,00 |
| Verschuldung (Maximum in der Mitte) | mitte | 0,75 |
| Profitabilität | hoch | 0,75 |
| Umsatzanstieg (3M vs. Jahresschnitt) | hoch | 0,75 |
| Größe (Börsenwert) | tief | 0,50 |
| Nähe zum 52-Wochen-Tief | tief | 0,50 |
Das höchste Einzelgewicht trägt der „Wachstum-Mismatch": billig, ressourcenstark UND zugleich wachstumsschwach — die Kernhypothese der wohl einflussreichsten akademischen Arbeit zu diesem Thema, Krishna Palepus Studie von 1986. Palepu hat damals selbst mit deutlich vorsichtigeren Worten geschrieben, wie schwer die Aufgabe ist:
„Several published studies claim that acquisition targets can be accurately predicted by models using public data. […] The results show that it is difficult to predict targets, indicating that the prediction accuracies reported by the earlier studies are overstated."
„Mehrere veröffentlichte Studien behaupten, Übernahmeziele ließen sich mit Modellen aus öffentlichen Daten zuverlässig vorhersagen. […] Die Ergebnisse zeigen: Ziele lassen sich nur schwer vorhersagen — die in früheren Studien berichteten Trefferquoten waren überzeichnet." — Krishna G. Palepu, „Predicting Takeover Targets: A Methodological and Empirical Analysis", Journal of Accounting and Economics, 1986.
Fast vierzig Jahre später, mit einem deutlich größeren Datensatz und modernerer Rechenleistung, bestätigt diese Studie Palepus Grundbefund im Kern — auch wenn die Werkzeuge heute andere sind.
Keine Zahl aus der Zukunft: der Walk-forward-Beleg
Die Punkteschwelle eines Anwendungsjahres stammt ausschließlich aus Panel-Monaten bis Dezember des VORVORjahres — nicht bis zum Vorjahresende, weil das Label eines Monats erst zwölf Monate später feststeht. Zusätzlich zählen nur Treffer, deren letzter Handelstag vor dem 1. Januar des Anwendungsjahres liegt: Ein Deal ist erst mit dem Abriss der Kursreihe als Übernahme klassifizierbar, und dieser Verzug reicht bei einem knappen Viertel der Deals über den Jahreswechsel. Erstes Anwendungsjahr ist 2017.
| Prüfung über den gesamten Bestand | Verstöße |
|---|---|
| Bilanzen, die am Stichtag noch nicht veröffentlicht waren | 0 |
| Labels aus einem Sprung VOR dem Stichtag | 0 |
| Kalibrierungen, die bis ins Vorjahr reichen | 0 |
Alle drei Prüfungen sind sauber — jede erforderliche Zahl stammt ausschließlich aus der Vergangenheit des jeweiligen Anwendungsjahres.
Ist die Trefferquote im Spitzendezil erhöht?
Die folgende Tabelle ist die ehrliche: Das Dezil kommt aus einer Punkteschwelle, die ausschließlich aus früheren Jahren stammt. Die Dezile fallen dabei ungleich groß aus (38.885 bis 46.611 Titel-Monate): Weil die Punkteschwellen aus früheren Jahren stammen, teilen sie den späteren Querschnitt nur näherungsweise in Zehntel, nicht exakt. Und die Basisrate steht hier bei 0,94 Prozent statt der 0,83 Prozent des Gesamtpanels, weil die Lift-Tabelle nur die Anwendungsjahre ab 2017 umfasst — der Walk-forward-Test braucht davor liegende Kalibrierjahre, und in den Anwendungsjahren selbst liegt die Basisrate höher als im Panel-Durchschnitt.
| Dezil | Titel-Monate | Übernahmen | Trefferquote | Basisrate | Lift |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 (Spitze) | 38.885 | 333 | 0,86 % | 0,94 % | 0,92 |
| 2 | 43.049 | 377 | 0,88 % | 0,94 % | 0,94 |
| 3 | 44.542 | 372 | 0,84 % | 0,94 % | 0,89 |
| 4 | 46.262 | 503 | 1,09 % | 0,94 % | 1,16 |
| 5 | 46.093 | 441 | 0,96 % | 0,94 % | 1,02 |
| 6 | 46.611 | 474 | 1,02 % | 0,94 % | 1,09 |
| 7 | 45.347 | 432 | 0,95 % | 0,94 % | 1,02 |
| 8 | 43.278 | 396 | 0,92 % | 0,94 % | 0,98 |
| 9 | 40.116 | 329 | 0,82 % | 0,94 % | 0,88 |
| 10 | 39.258 | 397 | 1,01 % | 0,94 % | 1,08 |
Kein einziges Dezil hebt sich klar ab, und die Reihenfolge ist nicht monoton: Dezil 1, das theoretisch stärkste, liegt mit einem Lift von 0,92 unter dem Zufallsniveau; vorn liegt stattdessen Dezil 4 mit einem Lift von 1,16 — ein Muster, das eher nach Rauschen als nach Signal aussieht. Zum Vergleich dieselbe Rechnung mit dem monatsinternen Rang — sie braucht keine Kalibrierung und ist die Obergrenze dessen, was das Modell könnte: Auch hier liegt das Spitzendezil mit einem Lift von 0,88 unter der Basisrate.
Spitzendezil je Jahr
| Jahr | Titel-Monate | Übernahmen | Quote | Basisrate | Lift |
|---|---|---|---|---|---|
| 2017 | 3.781 | 7 | 0,19 % | 0,25 % | 0,74 |
| 2018 | 3.730 | 4 | 0,11 % | 0,11 % | 1,02 |
| 2019 | 3.979 | 1 | 0,03 % | 0,09 % | 0,27 |
| 2020 | 3.896 | 26 | 0,67 % | 1,09 % | 0,61 |
| 2021 | 5.586 | 72 | 1,29 % | 1,36 % | 0,95 |
| 2022 | 6.006 | 61 | 1,02 % | 1,32 % | 0,77 |
| 2023 | 4.676 | 70 | 1,50 % | 1,23 % | 1,22 |
| 2024 | 4.553 | 36 | 0,79 % | 1,29 % | 0,61 |
| 2025 | 2.678 | 56 | 2,09 % | 1,47 % | 1,42 |
Auch Jahr für Jahr schwankt der Lift des Spitzendezils ohne erkennbares Muster zwischen 0,27 (2019) und 1,42 (2025) — genau das Bild, das man von einem Modell ohne echte Vorhersagekraft erwarten würde.
Verdient man damit Geld? Die Depot-Simulation
Reine Trefferquoten sagen nichts darüber, was ein Depot mit begrenztem Kapital tatsächlich verdient hätte. Simuliert wurde deshalb: monatlicher Kauf des Spitzendezils, zwölf Monate Haltedauer, 0,1 Prozent Kosten je Seite (Kauf und Verkauf), Zwangsverkauf bei Delisting.
| Reihe | Monate | Endwert | Gesamt | pro Jahr | größter Rückgang |
|---|---|---|---|---|---|
| Depot (oberstes Dezil) | 103 | 220.641 $ | 120,66 % | 9,66 % | −32,17 % |
| S&P 500 (Preisindex, ohne Dividenden) | 103 | 278.181 $ | 178,18 % | 12,66 % | −24,77 % |
| Panel-Universum gleichgewichtet | 103 | 235.253 $ | 135,25 % | 10,48 % | −31,10 % |
Das Depot verliert gegen beide Maßstäbe — nicht nur gegen den Index, sondern auch gegen das eigene, gleichgewichtete Anlageuniversum, das derselben Delisting-Behandlung unterliegt wie das Depot selbst und deshalb der fairere Vergleich ist.
| Kennzahl des Depots | Wert |
|---|---|
| gekaufte Positionen | 5.917 |
| davon binnen zwölf Monaten übernommen | 57 (0,96 %) |
| Ertrag je Position (Median) | 1,27 % |
| Ertrag je Position (Mittel) | 10,67 % |
| Abgang: Haltedauer erreicht | 4.997 |
| Abgang: noch offen | 633 |
| Abgang: Delisting | 287 |
Nur 57 von 5.917 gekauften Positionen (0,96 Prozent) wurden tatsächlich binnen zwölf Monaten übernommen. Der Median-Ertrag je Position von 1,27 Prozent — deutlich unter dem Mittelwert von 10,67 Prozent — zeigt: Auch hier trägt eine kleine Zahl von Ausreißern den Durchschnitt, während die typische Position kaum mehr als eine Nullnummer ist.
Wie gut ist das Label überhaupt?
Ein Modell kann nur lernen, was im Label steht. Von 37 bekannten Bar-Übernahmen in der Soll-Liste findet die für die Kalibrierung verwendete Label-Variante (10 Prozent / 8 Prozent) 19 wieder — ein Recall von 51,35 Prozent. Die SEC-Gegenprobe bleibt makellos: 37 von 37 geprüften Treffern sind durch ein echtes Übernahme-Formular bestätigt. Der gemessene Lift ist damit die vorsichtige, nicht die geschönte Zahl — echte Übernahmen, die der Detektor verpasst, zählen im Label als Null, obwohl sie eine Eins wären.
Grenzen dieser Studie
- Nur die Barangebots-Signatur. Gelernt und gezählt wird ausschließlich das Muster einer Übernahme gegen Bargeld. Ein Aktientausch zeigt es nicht — der Kurs folgt bis zuletzt dem Käufer und fällt komplett aus dem Label. Die gemessene Trefferquote unterschätzt deshalb die tatsächliche Übernahmehäufigkeit.
- Der Vergleichsindex ist ein reiner Preisindex. Der S&P 500 liegt nur ohne Dividenden vor. Ein Depot, das Ausschüttungen mitnimmt, hätte gegenüber einem Preisindex einen strukturellen Vorteil von rund zwei Prozentpunkten pro Jahr — der aussagekräftigere Maßstab ist deshalb das gleichgewichtete Universum, das dieselbe Behandlung erfährt wie das Depot. Und auch gegen dieses verliert das Depot.
- Das Panel deckt nur größere, liquide Titel ab. Aufgenommen werden nur Titel ab 1 US-Dollar Kurs und 100 Millionen US-Dollar Börsenwert. Über Übernahmen kleinerer Firmen macht diese Studie keine Aussage.
- Handelskosten sind eher untertrieben. Angesetzt sind 0,1 Prozent je Seite; Geld-Brief-Spanne, Marktbeeinflussung und Steuern sind NICHT enthalten — bei kleineren Nebenwerten wäre der reale Abzug spürbar höher.
- Der Detektor aus Teil 1 findet nicht jede bekannte Bar-Übernahme. Der Recall der für Teil 2 verwendeten Label-Variante liegt bei 51,35 Prozent gegen die Soll-Liste — alles darüber hinaus zählt im Label als Null, obwohl es eine Eins wäre. Der gemessene Lift ist deshalb die vorsichtige Zahl.
- Auf einen ergänzenden Logit-Regressionscheck wurde verzichtet. Kernaussage dieser Studie ist bewusst das transparente, vollständig nachvollziehbare Punktemodell — der Logit hätte nur dessen Richtung bestätigt, keine neue Aussage geliefert.
Wer die Bar-Übernahme-Signatur selbst nachvollziehen will, findet die verwandte Methodik auch im Qullamaggie-Backtest — einer anderen survivorship-freien Rücktest-Studie dieser Reihe. Wer stattdessen nach Warnsignalen VOR einer Insolvenz statt VOR einer Übernahme sucht, findet dazu die Studie Insolvenzgefahr-Radar Top 10. Weitere Rücktest-Studien stehen gesammelt in der Rubrik Studien, laufend aktualisierte Muster-Scanner unter Aktien-Scanner.
Stand der Zahlen: 7. August 2026. Kursdaten bis 03.08.2026.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kurs- und Fundamentaldaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, keine Prognose und keine Aussage über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Teil 1 hat in jeder delisteten US-Kursreihe seit 2010 nach der Signatur einer Bar-Übernahme gesucht: ein Kurssprung von mindestens 15 Prozent am Ankündigungstag, gefolgt von einer engen Seitwärtsphase (Range ≤ 5 Prozent) bis zum letzten Handelstag. Geprüft wurden 11.144 von 11.144 delisteten US-Titeln mit Kursreihe — ein vollständiger Lauf. Ergebnis: 1.059 Treffer in der Primärvariante, 1.448 in der lockersten von zwölf getesteten Varianten.
Das ist die Kernfrage von Teil 2 — und die ehrliche Antwort ist Nein. Die Basisrate im gesamten Panel liegt bei 0,83 Prozent; in den Anwendungsjahren ab 2017, für die der Walk-forward-Test überhaupt rechnen kann, liegt sie bei 0,94 Prozent, und gegen diese misst die Auswertung je Dezil den Lift. Ein Punktemodell aus zwölf Firmenmerkmalen, walk-forward über 658.012 Titel-Monate kalibriert, erreicht in keinem einzigen Dezil mehr als einen Lift von 1,16. Das Spitzendezil, das theoretisch stärkste, liegt mit einem Lift von 0,92 sogar unter dem Zufallsniveau.
Zwölf Firmenmerkmale — darunter Bewertung (EV/EBITDA, Kurs-Buchwert), Netto-Kasse, freier Cashflow, Verschuldung, Nähe zum 52-Wochen-Tief, Insider-Käufe und Branchenkonsolidierung — fließen mit fest vorgegebener Richtung und Gewicht in einen Rang je Monatsquerschnitt ein. Das höchste Einzelgewicht trägt „billig und ressourcenstark, aber wachstumsschwach" — die Kernhypothese von Krishna Palepus einflussreicher Studie von 1986. Die Punkteschwelle eines Anwendungsjahres stammt ausschließlich aus Kalibrierungsdaten bis Dezember des Vorvorjahres, damit keine Information aus der Zukunft einfließt.
Eine Depot-Simulation des vom Modell bevorzugten Spitzendezils (2017–2025, 103 Monate, 0,1 Prozent Kosten je Seite) kommt auf 9,66 Prozent Rendite pro Jahr. Der S&P-500-Preisindex bringt im selben Zeitraum 12,66 Prozent, das gleichgewichtete Anlageuniversum — derselben Behandlung unterzogen wie das Depot — 10,48 Prozent. Von 5.917 gekauften Positionen wurden nur 57 (0,96 Prozent) binnen zwölf Monaten tatsächlich übernommen; der überwiegende Rest performt wie eine gewöhnliche, nicht besonders ausgewählte Aktie.
Von 37 prüfbaren Treffern der Eich-Stichprobe bestätigt die US-Börsenaufsicht (SEC EDGAR) 37 (100 Prozent) durch ein echtes Übernahme-Formular — Fehlalarme bei Aktientausch oder Insolvenz: 0 von 14. Der Detektor selbst findet aber nur 32,4 Prozent (Primärvariante) bis 51,4 Prozent (lockerste Variante) bekannter Bar-Deals aus einer unabhängigen Soll-Liste wieder. Die gezählten Zahlen sind deshalb eine Untergrenze, keine vollständige Erfassung.
Gelernt und gezählt wird ausschließlich die Signatur einer BARANGEBOTS-Übernahme; ein Aktientausch zeigt sie nicht. Der Vergleichsindex liegt nur als Preisindex ohne Dividenden vor — ein Depot, das Ausschüttungen mitnimmt, hätte gegenüber einem Preisindex einen strukturellen Vorteil von rund zwei Prozentpunkten pro Jahr. Der Vergleich mit dem S&P-500-Preisindex schmeichelt dem Depot also eher, und es verliert trotzdem; gegen das gleichgewichtete Universum, den aussagekräftigeren Maßstab, verliert es ebenfalls. Das Panel enthält nur Titel ab 1 Dollar Kurs und 100 Millionen Dollar Börsenwert; Handelskosten von 0,1 Prozent je Seite sind eher untertrieben. Auf einen ergänzenden Logit-Regressionscheck wurde verzichtet; Kernaussage dieser Studie ist bewusst das transparente, vollständig nachvollziehbare Punktemodell — der Logit hätte nur dessen Richtung bestätigt.