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Transportadora de Gas del Sur: Ein Geschäftsjahr, drei Jahresberichte, drei Umsätze — 453, 986 und 1.297 Milliarden Pesos

Transportadora de Gas del Sur: Ein Geschäftsjahr, drei Jahresberichte, drei Umsätze — 453, 986 und 1.297 Milliarden Pesos

Transportadora de Gas del Sur transportiert mehr als 60 Prozent des Erdgases, das Argentinien verbraucht, durch 5.746 Meilen Rohrleitung. Das Geschäft ist real, die Mengen steigen, die Lizenz wurde im Juli 2025 um 20 Jahre bis Ende 2047 verlängert. Nur mit den Zahlen ist es kompliziert: Weil Argentinien als Hochinflationsland gilt, wird jede alte Peso-Zahl in jedem neuen Jahresbericht neu hochgerechnet. Der Umsatz des Jahres 2023 steht deshalb in drei aufeinanderfolgenden Berichten mit drei völlig verschiedenen Werten — 452,8, dann 986,1, dann 1.297,1 Milliarden Pesos. Dazu kommen eine Bilanz in Pesos gegen Finanzschulden zu 100 Prozent in US-Dollar und ein Preis, den nicht der Markt macht, sondern eine Behörde. Der Londoner Fonds Helikon hat die Position im ersten Quartal 2026 um 28,5 Prozent verkleinert — und im selben Quartal den Miteigentümer des TGS-Mehrheitsaktionärs komplett abgestoßen. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie man ein Unternehmen bewertet, dessen Maßstab jedes Jahr neu geeicht wird.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit
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Transportadora de Gas del Sur: Ein Geschäftsjahr, drei Jahresberichte, drei Umsätze — 453, 986 und 1.297 Milliarden Pesos
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Stell dir vor, du misst deinen Esstisch mit einem Zollstock: 180 Zentimeter. Ein Jahr später misst du wieder — 392 Zentimeter. Zwei Jahre später: 516. Der Tisch ist derselbe, du hast ihn nicht angerührt. Nur der Zollstock ist jedes Mal ein anderer. Genau das passiert in den Büchern von Transportadora de Gas del Sur S.A. (NYSE: TGS), Argentiniens größtem Erdgastransporteur. Der Konzernumsatz des Jahres 2023 steht im Jahresbericht für 2023 bei 452,8 Milliarden Pesos, im Jahresbericht für 2024 bei 986,1 Milliarden und im Jahresbericht für 2025 bei 1.297,1 Milliarden. Dreimal dasselbe Geschäftsjahr, dreimal eine andere Zahl, und keine davon ist falsch. Dahinter steckt keine Bilanztrickserei, sondern eine Vorschrift: Argentinien gilt als Hochinflationsland, also müssen alle Vorjahreszahlen auf die Kaufkraft des aktuellen Stichtags hochgerechnet werden. Die Falle, in die man dabei tappt, hat einen Namen — Ökonomen nennen sie Geldillusion: Wir verwechseln reflexhaft die Zahl mit dem Wert. Machen wir also einen Deal: Bevor du auf einen Umsatzsprung schaust und „Wachstum" denkst, lesen wir gemeinsam, was TGS der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht 20-F für 2025 vom 22. April 2026, die Zwischenzahlen zum 31. März 2026 und die Pflichtmitteilungen bis Juni 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Netz, durch das mehr Gas fließt als je zuvor, von einem Vertrag, der gerade um zwanzig Jahre verlängert wurde, von Schulden in einer Währung, in der das Unternehmen nicht rechnet — und von einer Wachstumsgeschichte, die 3,5 Milliarden US-Dollar kosten soll. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Transportadora de Gas del Sur eigentlich macht — drei Geschäfte an einem Rohrnetz

Das Unternehmen ist 1992 aus der Privatisierung des Staatsbetriebs Gas del Estado hervorgegangen und betreibt seither das größte Erdgastransportsystem Lateinamerikas nach Länge: 5.746 Meilen Rohrleitung, von denen 4.768 Meilen exklusiv unter einer staatlichen Lizenz laufen. Das Netz verbindet die Gasfelder im Süden und Westen Argentiniens — Neuquén, San Jorge, Austral — mit dem Großraum Buenos Aires. Über diese Rohre laufen mehr als 60 Prozent des in Argentinien transportierten Erdgases. Direkte Kunden gibt es nur 80; indirekt hängen 5,8 Millionen Haushalte und Betriebe daran.

Verdient wird an drei Stellen, und man sollte sie auseinanderhalten, weil sie nach völlig verschiedenen Regeln funktionieren:

  • Gastransport (reguliert) — das Kerngeschäft. Kunden buchen Kapazität und zahlen dafür, ob sie sie nutzen oder nicht („feste Verträge", 2025 rund 81 Prozent der Segmenterlöse). Der Preis dafür ist ein staatlich festgesetzter Tarif. Anteil am Konzernumsatz 2025: 41 Prozent.
  • Flüssiggas (nicht reguliert) — im Cerri-Komplex bei Bahía Blanca werden dem durchfließenden Gas Ethan, Propan, Butan und Naturbenzin entzogen und verkauft, ein guter Teil davon in den Export. Anteil 2025: 38 Prozent.
  • Midstream und Telekommunikation (nicht reguliert) — Sammelleitungen und Aufbereitungsanlagen rund um das Schiefergasfeld Vaca Muerta, dazu ein kleines Telekomgeschäft. Anteil 2025: 21 Prozent.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Gastransport ist die Autobahn mit staatlich festgelegter Maut. Das Flüssiggas ist die Raffinerie an der Ausfahrt, die aus dem vorbeiströmenden Verkehr etwas Wertvolles herausfiltert und zum Weltmarktpreis verkauft. Und das Midstream-Geschäft ist die neue Zubringerstraße zu einem Feld, auf dem gerade ein Ölboom beginnt. Nur die Autobahnmaut ist reguliert — die beiden anderen Geschäfte nicht. Genau daraus ergibt sich das Spannungsfeld dieser Analyse: Operativ war TGS selten so gut aufgestellt wie jetzt — mehr Menge, verlängerte Lizenz, erste Dividende seit Jahren. Gleichzeitig bedeutet fast keine Zahl in dieser Bilanz das, was sie auf den ersten Blick zu bedeuten scheint.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen Treffer in unserem hauseigenen Aktien-Scanner, sondern über ein Pflichtformular. Am 8. Mai 2026 reichte die Londoner Helikon Investments Ltd ihr 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein — jenes Formular, mit dem größere US-Vermögensverwalter ihre Bestände offenlegen müssen. Von 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar entfielen auf TGS 2.347.333 ADR im Wert von 81.241.195 US-Dollar. Interessant ist der Verlauf über vier Quartale: 0 Stück (30. Juni 2025) → 2.897.250 (30. September) → 3.283.265 (31. Dezember) → 2.347.333 (31. März 2026). Also: eingestiegen, aufgestockt — und dann fast ein Drittel wieder verkauft, minus 28,5 Prozent in einem Quartal.

Ein Detail macht diese Bewegung erst richtig lesbar. Im selben Quartal warf Helikon Pampa Energía komplett aus dem Depot — eine Position über 50,0 Millionen US-Dollar. Pampa Energía ist nicht irgendein argentinischer Energiewert: Der Konzern hält 50 Prozent an CIESA, und CIESA wiederum hält 53,83 Prozent von TGS. Der Fonds hat also im ersten Quartal 2026 den Miteigentümer des TGS-Mehrheitsaktionärs vollständig verkauft und die TGS-Position selbst um mehr als ein Viertel gekürzt — während er mit IRSA und Edenor zwei andere Argentinien-Werte hielt beziehungsweise aufstockte. Das ist keine Landesflucht, das ist eine Umschichtung innerhalb desselben Landes.

Bevor daraus eine Kaufidee wird, gehört die Grenze des Formulars dazu: Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen, es erscheint mit 35 bis 45 Tagen Verzug, es enthält keine Leerverkäufe, keine Derivate außer gemeldeten Optionen und keine europäischen Bestände. Es ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Und zur Ehrlichkeit gehört auch, was unser Datenbestand über TGS sagt — und was nicht. Erfasst sind acht Quartale in der Bilanzwährung Argentinischer Peso. Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, steht bei 7 von 9; das ist ein guter Wert, gesund beginnt bei 8. Die Eigenkapitalquote liegt bei 0,578 — was sich exakt mit dem Jahresabschluss deckt (3.127,9 von 5.414,2 Milliarden Pesos). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird mit 15,74 geführt (Datenstand 23. Juli 2026). Nicht vorhanden sind dagegen Altman-Z-Score, NCAV und Kassenbestand — und zwar nicht aus Nachlässigkeit, sondern als Schutz: Diese Kennzahlen verrechnen Bilanz- und Marktgrößen miteinander, und hier steht die Bilanz in Pesos, die Notierung aber in Dollar. Eine solche Zahl wäre nicht ungenau, sondern schlicht sinnlos. Merke dir das für den ganzen Artikel: Bei TGS ist die wichtigste Frage vor jeder Kennzahl, in welcher Währung und zu welchem Stichtag sie gerechnet wurde.

Die Zahlen über die Jahre — erst das, was sich nicht wegrechnen lässt

Fangen wir mit dem an, was keine Buchhaltungsregel verzerren kann: der Menge. Kubikmeter bleiben Kubikmeter, auch bei 200 Prozent Inflation. Die durchschnittliche Tagesmenge im Gastransport stieg von 66,8 Millionen Kubikmetern pro Tag (2023) über 69,5 (2024) auf 74,2 (2025). Der Anteil der festen, also fest bezahlten Verträge wuchs dabei von 49,8 auf 55,1 Millionen Kubikmeter — das Wachstum kam also aus dem verlässlichen Teil des Geschäfts. Die durchschnittliche Auslastung der kontrahierten Kapazität lag 2025 bei 83 Prozent, im Winter bei 86 Prozent.

Gestapeltes Balkendiagramm der durchschnittlichen Tagesmengen im Gastransport von TGS in Millionen Kubikmetern pro Tag: 2023 insgesamt 66,8 (49,8 feste plus 17,0 unterbrechbare Verträge), 2024 insgesamt 69,5 (50,9 plus 18,8), 2025 insgesamt 74,2 (55,1 plus 19,1).
Die einzige Reihe in diesem Artikel, die man ohne Umrechnung lesen darf: transportierte Gasmengen 2023 bis 2025, plus 11,1 Prozent in zwei Jahren — und der Zuwachs kommt aus den festen Verträgen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die zweite Mengenreihe ist stabil: Im Flüssiggasgeschäft verkaufte TGS 2025 1.076.729 Tonnen Ethan, Propan, Butan und Naturbenzin — praktisch genauso viel wie 2024 (1.077.350 Tonnen), obwohl das Werk sieben Wochen stillstand. 2023 waren es 1.129.186 Tonnen. Davon gingen 2025 438.327 Tonnen oder 40,7 Prozent in den Export, was 292,7 Milliarden Pesos oder 17 Prozent des Konzernumsatzes einbrachte.

Und jetzt die Peso-Zahlen, mit der nötigen Warnung davor. Für das Geschäftsjahr 2025 weist der Konzern aus: Umsatz 1.720,6 Milliarden Pesos (2024: 1.604,6; 2023: 1.297,1), Betriebsergebnis 703,5 Milliarden (2024: 737,1; 2023: 333,6) und ein Gesamtergebnis von 420,9 Milliarden (2024: 486,9; 2023: 67,4). Alle drei Jahre sind hier in derselben Kaufkraft ausgedrückt, nämlich der zum 31. Dezember 2025 — innerhalb dieses einen Berichts darf man sie also vergleichen. Der Umsatz stieg um 7,2 Prozent, das Betriebsergebnis fiel um 4,6 Prozent, das Gesamtergebnis um 13,6 Prozent. Nach Segmenten verdiente 2025 der Gastransport 321,7 Milliarden Pesos Betriebsergebnis (2024: 290,0; 2023: minus 35,0), das Flüssiggas 217,0 Milliarden (2024: 293,6) und Midstream 165,2 Milliarden (2024: 153,4). Das erste Quartal 2026 legte nach: 484,2 Milliarden Pesos Umsatz gegenüber 427,6 Milliarden im Vorjahresquartal, Betriebsergebnis 249,3 Milliarden nach 187,1 Milliarden, Gesamtergebnis 160,0 Milliarden nach 142,4 Milliarden.

Klingt sauber? Dann kommt jetzt der Teil, der erklärt, warum man diese Reihen trotzdem nicht über Berichte hinweg fortschreiben darf.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Umsatz von 2023 steht dreimal in den Büchern — mit drei verschiedenen Zahlen

Argentinien gilt seit dem 1. Juli 2018 als Hochinflationsland. Damit greift der Rechnungslegungsstandard IAS 29, und der verlangt etwas, das im Alltag niemand tut: Sämtliche Zahlen eines Abschlusses — auch die der Vorjahre — werden mit einem Preisindex auf die Kaufkraft des aktuellen Stichtags hochgerechnet. Der Konzern beschreibt das im Jahresbericht so, dass die Konsequenz nicht zu übersehen ist:

„The Financial Statements and the other financial information included in this Annual Report for all the periods reported are presented on the basis of constant pesos as of December 31, 2025 (‚Current Currency'). Thus, our audited consolidated statements of financial position as of December 31, 2024, and our audited consolidated statements of comprehensive income, changes in equity and cash flows, and the related explanatory notes for each of the years ended December 31, 2024 and 2023, included elsewhere in this Annual Report have been restated in accordance with IAS 29 for comparative purposes from the original figures reported and supersede any previously disclosed consolidated financial statements relating to such periods."

Übersetzung: „Der Abschluss und die übrigen Finanzinformationen in diesem Jahresbericht werden für alle berichteten Perioden auf Basis konstanter Pesos zum 31. Dezember 2025 dargestellt (‚aktuelle Währung'). Dementsprechend wurden unsere geprüfte Konzernbilanz zum 31. Dezember 2024 sowie unsere geprüften Konzern-Gesamtergebnisrechnungen, Eigenkapitalveränderungs- und Kapitalflussrechnungen samt Anhang für die Geschäftsjahre 2024 und 2023 nach IAS 29 zu Vergleichszwecken ausgehend von den ursprünglich berichteten Zahlen angepasst und ersetzen alle zuvor veröffentlichten Konzernabschlüsse dieser Perioden."

— Transportadora de Gas del Sur S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, „Presentation of Financial and Other Information"

Gelb markierte Textstelle aus dem TGS-Jahresbericht 20-F 2025: Alle Perioden werden in konstanten Pesos zum 31. Dezember 2025 dargestellt, die Vorjahreszahlen nach IAS 29 angepasst; sie ersetzen alle zuvor veröffentlichten Konzernabschlüsse. Darüber die Angabe, dass die Inflation 31,5 Prozent (2025), 117,8 Prozent (2024) und 211,4 Prozent (2023) betrug.
Die markierte Stelle im Original: Die Vorjahreszahlen „ersetzen alle zuvor veröffentlichten Konzernabschlüsse dieser Perioden". Im Absatz darunter nennt TGS die verwendeten Inflationsraten: 31,5 Prozent für 2025, 117,8 Prozent für 2024, 211,4 Prozent für 2023. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was das praktisch bedeutet, sieht man am besten an einer einzigen Zeile, die man in drei aufeinanderfolgenden Jahresberichten nachschlagen kann — dem Konzernumsatz des Jahres 2023:

Balkendiagramm des TGS-Konzernumsatzes für das Geschäftsjahr 2023, wie er in drei aufeinanderfolgenden Jahresberichten ausgewiesen wird: 452,8 Milliarden Pesos im Jahresbericht 2023, 986,1 Milliarden im Jahresbericht 2024 und 1.297,1 Milliarden im Jahresbericht 2025.
Dasselbe Geschäftsjahr, drei Berichte, drei Zahlen: 452,8 → 986,1 → 1.297,1 Milliarden Pesos. Der Umsatz 2023 wurde bis zum Jahresbericht 2025 auf das 2,9-Fache seiner ursprünglichen Angabe hochgerechnet, ohne dass ein zusätzlicher Kubikmeter geflossen wäre. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt die Pointe, an der man die Regel wirklich versteht: Im Jahresbericht 2024 lag der Umsatz 2024 (1.219,8 Milliarden Pesos) um 23,7 Prozent über dem Umsatz 2023 (986,1 Milliarden). Im Jahresbericht 2025 lag derselbe Umsatz 2024 (nun 1.604,6 Milliarden) um — 23,7 Prozent über demselben Umsatz 2023 (nun 1.297,1 Milliarden). Die absoluten Zahlen ändern sich also komplett, das Verhältnis bleibt. Merke dir daraus die praktische Regel: Bei einem argentinischen Abschluss darfst du Prozentsätze und Verhältnisse lesen, aber niemals absolute Peso-Beträge aus verschiedenen Berichten nebeneinanderlegen. Der Effekt hat übrigens auch eine eigene Zeile in der Gewinn- und Verlustrechnung: den Verlust aus der Nettogeldposition. Er betrug im ersten Quartal 2026 36,0 Milliarden Pesos nach 25,3 Milliarden im Vorjahresquartal — das ist der Kaufkraftverlust auf dem eigenen Kassenbestand, gebucht als echter Aufwand.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Bücher stehen in Pesos, die Schulden zu 100 Prozent in Dollar

Die zweite Falle ist die Währungsmischung, und sie ist kein Nebenaspekt, sondern steht bei TGS gleich im ersten Risikoabsatz zu Argentinien:

„Our financial condition and results of operations depend to a significant extent on economic, regulatory and political conditions prevailing in Argentina, the exchange rate between the peso and the U.S. dollar and the reference international prices of Liquids because a significant portion of our revenues (52% of our total consolidated revenues from sales for the year ended December 31, 2025), most of our capital expenditures, all of our debt obligations and the cost of natural gas used in our Liquids business are denominated in U.S. dollars, but substantially all of our assets are located in Argentina, and our functional currency is the peso."

Übersetzung: „Unsere Finanzlage und unsere Ergebnisse hängen in erheblichem Maß von den wirtschaftlichen, regulatorischen und politischen Verhältnissen in Argentinien ab, vom Wechselkurs zwischen Peso und US-Dollar und von den internationalen Referenzpreisen für Flüssiggase — denn ein wesentlicher Teil unserer Erlöse (52 Prozent des Konzernumsatzes im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2025), der Großteil unserer Investitionen, sämtliche unserer Schuldverpflichtungen und die Kosten des im Flüssiggasgeschäft eingesetzten Erdgases lauten auf US-Dollar, während praktisch alle unsere Vermögenswerte in Argentinien liegen und unsere funktionale Währung der Peso ist."

— Transportadora de Gas del Sur S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D „Risk Factors"

Gelb markierte Textstelle aus dem TGS-Jahresbericht 20-F 2025 unter der Überschrift Risks Relating to Argentina: 52 Prozent der Konzernerlöse, der Großteil der Investitionen, sämtliche Schuldverpflichtungen und die Gaskosten des Flüssiggasgeschäfts lauten auf US-Dollar, während die funktionale Währung der Peso ist.
Die markierte Stelle im Original: 52 Prozent der Erlöse und 100 Prozent der Schulden in US-Dollar — die Bücher aber in Pesos. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D „Risk Factors" (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Konkret: Zum 31. Dezember 2025 hatte TGS Finanzschulden von 1.705,6 Milliarden Pesos beziehungsweise 1.172 Millionen US-Dollar — nach eigener Angabe zu 100 Prozent auf US-Dollar lautend. Das sind im Kern zwei Anleihen: 490 Millionen US-Dollar zu 8,50 Prozent mit Fälligkeit 2031 und 500 Millionen US-Dollar zu 7,75 Prozent, begeben am 20. November 2025 mit Fälligkeit 2035. Dem stehen Zahlungsmittel und Finanzanlagen von 1.808,2 Milliarden Pesos gegenüber — unter dem Strich ist TGS also praktisch schuldenfrei, was in diesem Land bemerkenswert ist. Aber die Struktur bleibt asymmetrisch: 41 Prozent des Umsatzes kommen aus einem Tarif, der in Pesos festgesetzt wird, während jede Zins- und Tilgungszahlung in Dollar fällig ist. Zur Einordnung, wie schnell sich das bewegt: Der Peso wertete gegenüber dem Dollar 2023 um rund 356 Prozent ab, 2024 um 27,7 Prozent und 2025 um rund 41 Prozent. Umgerechnet zum Stichtagskurs vom 31. Dezember 2025 (1.455,00 Pesos je US-Dollar) entsprechen die 420,9 Milliarden Pesos Jahresgewinn rund 289 Millionen US-Dollar. Diese Umrechnung ist eine Näherung — der Gewinn ist über zwölf Monate mit ständig wechselnden Kursen entstanden, umgerechnet wird er zu einem einzigen Tageskurs. Genau deshalb fehlen in unserem Datenbestand die Kennzahlen, die Bilanz- und Marktgrößen mischen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Den wichtigsten Preis macht nicht der Markt, sondern eine Behörde

Ein Gastransportnetz ist ein natürliches Monopol — niemand baut daneben ein zweites. Deshalb setzt in Argentinien die Regulierungsbehörde ENARGAS die Tarife fest. Der Jahresbericht formuliert die Abhängigkeit ohne Umschweife:

„All our net revenues from the Natural Gas Transportation public service (which represented 41% of total revenues during 2025) are attributable to contracts, which are subject to Government regulation. As a result, our ability to generate revenues and maintain adequate operating margins depends significantly on the timely approval and implementation of tariff adjustments by the Argentine regulatory authorities."

Übersetzung: „Sämtliche Nettoerlöse aus dem öffentlichen Dienst des Erdgastransports (die 2025 41 Prozent der Gesamterlöse ausmachten) stammen aus Verträgen, die staatlicher Regulierung unterliegen. Unsere Fähigkeit, Erlöse zu erzielen und angemessene operative Margen zu halten, hängt daher in erheblichem Maß davon ab, dass die argentinischen Regulierungsbehörden Tarifanpassungen rechtzeitig genehmigen und umsetzen."

— Transportadora de Gas del Sur S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D „Risk Factors"

Gelb markierte Textstelle aus dem TGS-Jahresbericht 20-F 2025: Sämtliche Nettoerlöse aus dem regulierten Erdgastransport, 41 Prozent der Gesamterlöse 2025, stammen aus staatlich regulierten Verträgen; die Ertragskraft hängt von der rechtzeitigen Genehmigung von Tarifanpassungen ab.
Die markierte Stelle im Original: 41 Prozent der Erlöse hängen an Verträgen unter staatlicher Regulierung — und daran, dass Tarifanpassungen rechtzeitig kommen. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D „Risk Factors" (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Fünfjahres-Tarifrevision. Am 30. April 2025 veröffentlichte ENARGAS Resolution 256/2025 und legte damit die Regeln für 2025 bis 2030 fest: regulatorische Kapitalbasis zum 31. Dezember 2024, eine Anfangserhöhung von gewichtet 3,67 Prozent — später auf 4,74 Prozent angepasst und auf 31 gleiche Monatsraten ab Mai 2025 verteilt —, ein Fünfjahres-Investitionsplan von 279,1 Millionen US-Dollar. Und der Punkt, an dem sich Regulierung wirklich auswirkt: TGS hatte einen Kapitalzins (WACC) von 9,98 Prozent real nach Steuern beantragt; ENARGAS setzte 7,18 Prozent fest. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Vermieter darf die Miete nicht selbst kalkulieren — die Behörde sagt ihm, welche Rendite auf sein Haus als angemessen gilt, und schreibt ihm gleich dazu, wie viel er renovieren muss.

Wie viel Inflation von einer solchen Erhöhung übrig bleibt, zeigt das erste Quartal 2026 in einer einzigen Zeile: Der Umsatz des Transportsegments sank um 7,1 Milliarden Pesos auf 194,5 Milliarden. Die Erklärung des Konzerns: Die Tariferhöhungen wurden von einem Umrechnungseffekt nach IAS 29 in Höhe von 48,5 Milliarden Pesos mehr als aufgezehrt. Die Tarife stiegen nominal — real reichte es nicht. Merke dir den Mechanismus: In einem Hochinflationsland ist eine genehmigte Tariferhöhung erst dann ein Ertrag, wenn sie schneller kommt als die Preise steigen. Immerhin gibt es seit 2025 einen monatlichen Anpassungsmechanismus statt der früheren halbjährlichen Runde; im März 2026 ordnete das Energiesekretariat mit Resolution 66/2026 zudem den Vertragsrahmen des Transportsegments neu, was ENARGAS am 14. April 2026 mit „nahezu neutraler" Wirkung auf die Erlöse abschloss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Regentag legte sieben Wochen lang 38 Prozent des Geschäfts still

Am 7. März 2025 fiel in Bahía Blanca der stärkste Regen seit hundert Jahren. Der Saladillo-García-Bach trat über die Ufer, überflutete den Cerri-Komplex und dessen Stromversorgung. Der Gastransport lief bald wieder ohne wesentliche Umsatzwirkung — die Flüssiggasproduktion aber stand vom 7. März bis Ende April 2025 vollständig still. Der Grund, warum das so weh tut: TGS produziert sein gesamtes Flüssiggas an einem einzigen Ort. Ethan, Propan, Butan und Naturbenzin entstehen ausschließlich im Cerri-Komplex, und dieses Segment stand 2025 für 38 Prozent des Konzernumsatzes. Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Bäcker mit vierzig Filialen, aber nur einer Backstube — wenn die absäuft, ist Feierabend, egal wie gut die Läden laufen.

Zur Fairness gehört, wie gut TGS das aufgefangen hat: Die Jahresproduktion erreichte trotzdem 1.076.729 Tonnen, nur 621 Tonnen weniger als im Vorjahr. Die Belastung war dennoch messbar — im ersten Quartal 2025 eine Wertminderung von 14,5 Milliarden Pesos und weitere 15,0 Milliarden Sonderaufwand; im ersten Quartal 2026 vereinnahmte TGS dafür einen Versicherungsvorschuss von 11,9 Milliarden Pesos. Ein Vorschuss, wohlgemerkt, keine Endabrechnung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Staat sitzt an beiden Enden des Tisches

Die Eigentümerstruktur ist schnell erzählt und trotzdem ungewöhnlich. CIESA hält 53,83 Prozent des Kapitals und alle Klasse-A-Aktien; hinter CIESA stehen zu je 50 Prozent Pampa Energía einerseits sowie GIP (Familie Sielecki) und PCT andererseits. Zweitgrößter Aktionär ist der FGS, der von der staatlichen Sozialversicherung ANSES verwaltete Fonds, mit 25,33 Prozent. Für alle übrigen Anleger bleiben 20,84 Prozent. Das heißt: Derselbe Staat, dessen Behörde den Tarif und den zulässigen Kapitalzins festlegt, ist zugleich der zweitgrößte Miteigentümer des regulierten Unternehmens. Man kann das als Interessengleichklang lesen — ein Eigentümer will schließlich Erträge sehen. Man kann es auch als das Gegenteil lesen: Wer Tarife senkt, entlastet Wähler und belastet nur zu einem Viertel die eigene Kasse.

Der zweite Punkt betrifft direkt die ADR. Zum 31. März 2026 standen laut Depotbank 18.052.759 ADR aus; jedes ADR verbrieft fünf Stammaktien, das entspricht rund 90,3 Millionen Aktien oder knapp 12 Prozent des Grundkapitals von 752.761.058 Stück. Der Staatsanteil von 25,33 Prozent entspricht dagegen rund 190,7 Millionen Aktien — rechnerisch gut 38 Millionen ADR-Äquivalente und damit mehr als das Doppelte des gesamten in New York handelbaren Bestands. TGS selbst nennt Verkäufe bestehender Aktionäre, „such as the ANSES", ausdrücklich als Kursrisiko. Und noch eine Zahl zur Einordnung: Helikons 2.347.333 ADR entsprachen zum selben Stichtag rund 13 Prozent aller ausstehenden ADR — bei so dünnem Handel bewegt schon ein einzelner Verkäufer den Kurs.

Wo das Wachstum liegt — und was es kosten soll

Bis hierher klang vieles nach Bremse. Der Grund, warum professionelle Anleger überhaupt hinschauen, liegt aber im unregulierten Teil. Unter Argentiniens Wüste liegt mit Vaca Muerta eines der größten Schiefervorkommen der Welt, und die Produktion dort wächst schneller, als die Rohre sie abtransportieren können. TGS hat dafür bereits ein Sammelleitungssystem und die Aufbereitungsanlage in Tratayén gebaut, deren jüngste Erweiterung seit Ende Februar 2025 läuft.

Die nächsten Schritte sind eine Nummer größer. Für die Erweiterung der Perito-Moreno-Gasleitung um 14 Millionen Kubikmeter Tageskapazität erhielt TGS im Oktober 2025 den Zuschlag; am 12. Mai 2026 nahm das Wirtschaftsministerium das Projekt mit einem Volumen von 550 Millionen US-Dollar in das Investitionsförderregime RIGI auf. Wie groß der Bedarf ist, zeigte die Ausschreibung zu Beginn des Jahres 2026: Es gingen Anfragen über mehr als 32 Millionen Kubikmeter pro Tag ein — fast das Dreifache der zunächst angebotenen Menge; am 15. April 2026 wurden davon rund 5,4 Millionen Kubikmeter zugeteilt, der Rest soll folgen. Und am 10. Juni 2026 unterzeichnete TGS mit YPF, Pluspetrol und Chevron Argentina die Verträge für ein integriertes Flüssiggas-Projekt: rund 100 Kilometer Trennleitung und eine Aufbereitungsanlage mit 43 Millionen Kubikmetern Tageskapazität für geschätzt 1,1 Milliarden US-Dollar, dazu rund 577 Kilometer Flüssigkeitsleitung, eine Fraktionierungsanlage, Lager und ein Seeterminal in Puerto Galván für geschätzt 1,9 Milliarden US-Dollar. Erwartetes Exportvolumen laut Mitteilung: rund 1,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr — in der Größenordnung des gesamten heutigen Konzernumsatzes.

Das ist die Chance und das Risiko in einem Satz: Rund 3,55 Milliarden US-Dollar an angekündigten Projekten stehen einem Eigenkapital von rund 2,15 Milliarden US-Dollar gegenüber — und der regulierte Fünfjahres-Investitionsplan, den ENARGAS genehmigt hat, umfasst 279,1 Millionen US-Dollar, also rund ein Zwölftel davon. Im ersten Quartal 2026 flossen bereits 605,6 Milliarden Pesos in Investitionen; die Kasse schrumpfte netto um 424,9 Milliarden. Wie diese Projekte finanziert werden — aus dem Cashflow, über neue Anleihen unter dem Rahmen von 2,0 Milliarden US-Dollar oder über Partner —, ist die entscheidende offene Frage. Immerhin ein Signal von außen: Am 11. Juni 2026 hob S&P Global Ratings die Bonitätsnote von „B−" auf „B" an, nachdem die Agentur das argentinische Transfer- und Konvertibilitätsrisiko neu bewertet hatte.

Bewertung: Wenn Zähler und Nenner in verschiedenen Währungen stehen

Für einen datierten Anker brauchen wir keinen Tageskurs: Das 13F von Helikon nennt zum Stichtag 31. März 2026 für 2.347.333 ADR einen Marktwert von 81.241.195 US-Dollar — macht rund 34,61 US-Dollar je ADR und damit rund 6,92 US-Dollar je Aktie. Auf 752.761.058 Aktien gerechnet ergibt das einen Börsenwert von rund 5,2 Milliarden US-Dollar. Weil Kasse und Finanzanlagen die Finanzschulden leicht übersteigen, liegt der Unternehmenswert praktisch auf demselben Niveau.

Jetzt kommt der lehrreiche Teil. Rechnet man den Jahresgewinn 2025 von 420,9 Milliarden Pesos zum Stichtagskurs vom 31. Dezember 2025 um, sind das rund 289 Millionen US-Dollar — daraus folgt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18. Unser Datenbestand weist dagegen 15,74 aus. Beide Werte sind nachvollziehbar gerechnet, und trotzdem unterscheiden sie sich um ein Sechstel. Der Grund ist genau der, um den sich dieser ganze Artikel dreht: Der Zähler stammt aus einem Dollar-Kurs zu einem Stichtag, der Nenner aus einem Peso-Gewinn zu einem anderen — und dazwischen liegt eine Währung, die im Jahr um 41 Prozent abwertet. Wer eine argentinische Aktie auf zwei Nachkommastellen bewertet, misst mit einem Gummiband. Robuster sind Verhältniszahlen aus einem Bericht: eine operative Marge von rund 41 Prozent (703,5 von 1.720,6 Milliarden Pesos), eine Eigenkapitalquote von 57,8 Prozent, ein Verschuldungsgrad („gearing") von 0,35 nach 0,21 im Vorjahr — und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 2,4 gegenüber einem Eigenkapital von rund 2,15 Milliarden US-Dollar. Aus der 2025 gezahlten Dividende von 1,15 US-Dollar je ADR errechnet sich gegenüber dem Ankerpreis eine Rendite von rund 3,3 Prozent — allerdings war das die erste Ausschüttung seit mindestens 2021, und für 2026 hat die Hauptversammlung am 15. April 2026 zunächst 437,6 Milliarden Pesos in eine Rücklage gelegt, über deren Verwendung der Vorstand entscheidet.

Wie stark eine Hochinflations-Buchhaltung ein ganzes Zahlenwerk dominieren kann, haben wir zuletzt bei einem anderen Argentinien-Wert aus demselben Depot gesehen — in der Analyse zu Corporación América Airports, wo ein Umschwung im Finanzergebnis von 354 Millionen US-Dollar allein aus der Peso-Abwertung stammte. Und wie sehr bei Infrastruktur die Vertragslage über den Wert entscheidet, zeigt die Analyse zu Helios Towers. Weitere Fälle sammeln wir in unseren Analysen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Transportadora de Gas del Sur spricht:

  • Die Mengen wachsen, und zwar im verlässlichen Teil: durchschnittliche Tagesmenge von 66,8 auf 74,2 Millionen Kubikmeter zwischen 2023 und 2025, der Anteil fester Verträge von 49,8 auf 55,1 — bei einer Auslastung von 83 Prozent.
  • Planungssicherheit für zwei Jahrzehnte: Am 24. Juli 2025 ratifizierte die argentinische Exekutive die Verlängerung der Transportlizenz um 20 Jahre; sie läuft nun bis zum 28. Dezember 2047 statt bis Ende 2027.
  • Solide Bilanz: 3.127,9 Milliarden Pesos Eigenkapital, Eigenkapitalquote 57,8 Prozent, Zahlungsmittel und Finanzanlagen von 1.808,2 Milliarden gegen Finanzschulden von 1.705,6 Milliarden — unter dem Strich praktisch keine Nettoverschuldung, mit Fälligkeiten erst 2031 und 2035.
  • Erste Ausschüttung seit mindestens 2021: 231,2 Milliarden Pesos beziehungsweise 172,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, umgerechnet 1,15 US-Dollar je ADR. Am 11. Juni 2026 hob S&P die Bonitätsnote von „B−" auf „B" an.
  • Eine echte Wachstumsoption außerhalb der Regulierung: Zuschlag für die Perito-Moreno-Erweiterung (550 Millionen US-Dollar, RIGI-Zulassung am 12. Mai 2026), Nachfrage in der Ausschreibung fast dreimal so hoch wie das Angebot, und seit dem 10. Juni 2026 die unterzeichneten Verträge für das Flüssiggas-Projekt mit YPF, Pluspetrol und Chevron.

Was dagegen spricht:

  • Die Peso-Zahlenreihen sind über Berichte hinweg nicht vergleichbar: Der Umsatz 2023 steht mit 452,8, 986,1 und 1.297,1 Milliarden Pesos in drei aufeinanderfolgenden Jahresberichten. Der Kaufkraftverlust auf die eigene Kasse kostete allein im ersten Quartal 2026 36,0 Milliarden Pesos.
  • Währungsmischung: 100 Prozent der Finanzschulden lauten auf US-Dollar, die funktionale Währung ist der Peso — der 2025 um rund 41 Prozent abwertete, 2024 um 27,7 Prozent, 2023 um rund 356 Prozent.
  • Der wichtigste Preis ist politisch: ENARGAS setzte in der Fünfjahres-Tarifrevision einen Kapitalzins von 7,18 Prozent statt der beantragten 9,98 Prozent fest. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz des Transportsegments trotz Tariferhöhungen um 7,1 Milliarden Pesos, weil die Inflationsumrechnung 48,5 Milliarden kostete.
  • Klumpenrisiken an mehreren Stellen: Das gesamte Flüssiggasgeschäft (38 Prozent des Umsatzes) läuft über ein einziges Werk, das nach dem Unwetter vom 7. März 2025 sieben Wochen stillstand; im Transportsegment entfallen auf drei Kunden — Metrogas, Camuzzi Pampeana und Naturgy — zusammen 408,6 von 705,1 Milliarden Pesos Segmentumsatz.
  • Enge Eigentümerstruktur und dünner ADR-Markt: 53,83 Prozent bei CIESA, 25,33 Prozent beim Staatsfonds FGS, nur 20,84 Prozent Streubesitz. Der Staatsanteil entspricht rechnerisch mehr als dem Doppelten aller 18.052.759 ausstehenden ADR, und TGS nennt Verkäufe „such as the ANSES" selbst als Kursrisiko.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Zollstock. Sein Problem ist nicht, dass er lügt — er misst korrekt, nur eben in einer Einheit, die sich verändert. Genau das ist die Geldillusion: Wir sehen eine größere Zahl und fühlen mehr Wert, obwohl sich nichts bewegt hat. Bei Transportadora de Gas del Sur führt dieser Reflex in beide Richtungen in die Irre. Wer die Umsatzsprünge in den Peso-Reihen für Wachstum hält, überschätzt das Unternehmen. Wer umgekehrt beim Wort „Argentinien" abwinkt, übersieht ein Netz, durch das mehr Gas fließt als je zuvor, eine bis 2047 verlängerte Lizenz, eine Bilanz fast ohne Nettoschulden und ein Milliardenprojekt mit YPF und Chevron im Rücken.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Aktie billig?" — dieser Satz setzt einen verlässlichen Maßstab voraus, den es hier nicht gibt. Sie lautet: Traust du dir zu, ein Unternehmen zu beurteilen, dessen Bücher jedes Jahr neu geeicht werden, dessen wichtigster Preis in einer Behörde entsteht und dessen Wachstumsprojekt mehr kostet als sein gesamtes Eigenkapital? Wer darauf eine belegte Antwort hat, hat eine These. Wer keine hat, hat eine große Zahl im Kopf. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Transportadora de Gas del Sur.

Unser Fazit auf einen Blick

Operatives Geschäft positiv
Die Mengen wachsen dort, wo es zählt: Die durchschnittliche Tagesmenge im Gastransport stieg von 66,8 Millionen Kubikmetern (2023) auf 74,2 (2025), der Anteil fest kontrahierter Verträge von 49,8 auf 55,1 bei 83 Prozent Auslastung. Das Flüssiggasgeschäft lieferte 2025 trotz siebenwöchigem Stillstand 1.076.729 Tonnen, praktisch so viel wie im Vorjahr.
Aussagekraft der Zahlen negativ
Die Hochinflations-Rechnungslegung nach IAS 29 macht Peso-Reihen über Berichte hinweg unbrauchbar: Der Konzernumsatz 2023 steht mit 452,8, 986,1 und 1.297,1 Milliarden Pesos in drei aufeinanderfolgenden Jahresberichten. Der Kaufkraftverlust auf die eigene Kasse ist ein echter Aufwand — allein 36,0 Milliarden Pesos im ersten Quartal 2026 nach 25,3 Milliarden im Vorjahresquartal.
Regulierung & Tarif negativ
Der Preis des Kerngeschäfts ist eine politische Entscheidung. ENARGAS setzte in der Fünfjahres-Tarifrevision (Resolution 256/2025) einen Kapitalzins von 7,18 Prozent real nach Steuern fest, beantragt waren 9,98 Prozent. Wie wenig davon ankommt, zeigt das erste Quartal 2026: Der Segmentumsatz sank trotz Tariferhöhungen um 7,1 Milliarden Pesos, weil die Inflationsumrechnung 48,5 Milliarden kostete.
Bilanz & Finanzierung positiv
Zum 31. Dezember 2025 stehen 3.127,9 Milliarden Pesos Eigenkapital (Quote 57,8 Prozent) sowie Zahlungsmittel und Finanzanlagen von 1.808,2 Milliarden gegen Finanzschulden von 1.705,6 Milliarden — unter dem Strich keine Nettoverschuldung, mit Fälligkeiten erst 2031 und 2035. Am 11. Juni 2026 hob S&P die Bonitätsnote von „B−" auf „B" an. Wermutstropfen: Alle Schulden lauten auf US-Dollar, die Bücher auf Pesos.
Wachstum außerhalb der Regulierung neutral
Vaca Muerta liefert die Nachfrage: In der Ausschreibung Anfang 2026 gingen Anfragen über mehr als 32 Millionen Kubikmeter pro Tag ein, fast das Dreifache des Angebots. Dem stehen rund 3,55 Milliarden US-Dollar an angekündigten Projekten gegenüber — 550 Millionen für die Perito-Moreno-Erweiterung und 3,0 Milliarden für das Flüssiggas-Projekt mit YPF, Pluspetrol und Chevron — bei einem Eigenkapital von rund 2,15 Milliarden US-Dollar. Die Finanzierung ist offen.
Eigentümer & Handelbarkeit negativ
53,83 Prozent liegen bei CIESA, 25,33 Prozent beim Staatsfonds FGS, nur 20,84 Prozent beim breiten Publikum. Der Staatsanteil entspricht rechnerisch mehr als dem Doppelten aller 18.052.759 ausstehenden ADR; TGS nennt Verkäufe „such as the ANSES" selbst als Kursrisiko. Zugleich reguliert derselbe Staat den Tarif. Helikon hielt zum 31. März 2026 rund 13 Prozent aller ADR — in einem so engen Markt bewegt ein einzelner Verkäufer den Kurs.

Transportadora de Gas del Sur ist der Zollstock-Irrtum in Reinform: Ein reales, wachsendes Geschäft — mehr Gas als je zuvor, Lizenz bis 2047 verlängert, Bilanz nahezu ohne Nettoschulden, erste Dividende seit Jahren — wird in Zahlen ausgedrückt, die sich von Bericht zu Bericht vervielfachen, ohne dass sich etwas bewegt hätte. Der Umsatz 2023 steht dreimal in den Büchern: 452,8, 986,1 und 1.297,1 Milliarden Pesos. Dazu kommen Schulden zu 100 Prozent in Dollar gegen eine Peso-Bilanz, ein Tarif, den eine Behörde festsetzt, und ein Wachstumsprojekt über 3,55 Milliarden US-Dollar gegen 2,15 Milliarden Eigenkapital. Wer hier investiert, kauft ein solides Netz und eine offene Rechnung. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Solange die im Fazit genannte Frage offen ist, sehen wir keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Unsere Befunde liefern keinen akuten Verkaufsgrund — entscheidend bleiben die genannten Prüfpunkte.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Transportadora de Gas del Sur über das 13F-HR der Londoner Helikon Investments Ltd zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026): 2.347.333 ADR im Wert von 81.241.195 US-Dollar. Die Position wurde im dritten Quartal 2025 aufgebaut, im vierten aufgestockt und im ersten Quartal 2026 um 28,5 Prozent reduziert; im selben Quartal verkaufte der Fonds Pampa Energía (50,0 Millionen US-Dollar) vollständig — den Miteigentümer des TGS-Mehrheitsaktionärs CIESA. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen, erscheint mit 35 bis 45 Tagen Verzug und enthält keine Leerverkäufe oder Derivate — Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • Transportadora de Gas del Sur ist ein Foreign Private Issuer: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Belegkette dieser Analyse sind die Jahresberichte 20-F für 2025 (eingereicht 22.04.2026) und 2024 (24.04.2025) sowie die Zwischenberichte und Pflichtmitteilungen als 6-K (Quartalsmitteilung 06.05.2026, Zwischenabschluss 26.05.2026, RIGI-Zulassung 13.05.2026, Flüssiggas-Projekt 11.06.2026, Rating 12.06.2026).
  • In unserem hauseigenen Aktien-Scanner stehen für TGS acht Quartale in der Bilanzwährung Peso: Piotroski-F-Score 7 von 9, Eigenkapitalquote 0,578, KGV 15,74 (Datenstand 23. Juli 2026). Altman-Z-Score, NCAV und Kassenbestand werden bewusst nicht geführt, weil diese Kennzahlen Bilanzgrößen in Pesos mit Marktgrößen in US-Dollar mischen würden. Alle Peso-Beträge dieser Analyse stehen in konstanter Kaufkraft nach IAS 29 und sind zwischen verschiedenen Jahresberichten nicht vergleichbar; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Transportadora de Gas del Sur S.A. (NYSE: TGS) betreibt Argentiniens größtes Erdgastransportnetz: 5.746 Meilen Rohrleitung, davon 4.768 Meilen exklusiv unter staatlicher Lizenz, über die mehr als 60 Prozent des im Land transportierten Erdgases laufen. Dazu kommen die Flüssiggasproduktion im Cerri-Komplex und Midstream-Dienste rund um Vaca Muerta. 2025 entfielen 41 Prozent des Umsatzes auf den regulierten Transport, 38 Prozent auf Flüssiggas und 21 Prozent auf Midstream und Telekom.

Weil Argentinien seit dem 1. Juli 2018 als Hochinflationsland gilt und der Konzern deshalb nach IAS 29 bilanziert. Alle Vorjahreszahlen werden auf die Kaufkraft des aktuellen Stichtags hochgerechnet und ersetzen laut Jahresbericht ausdrücklich die früher veröffentlichten Abschlüsse. Der Umsatz 2023 erscheint dadurch mit 452,8 Milliarden Pesos (Bericht 2023), 986,1 Milliarden (Bericht 2024) und 1.297,1 Milliarden (Bericht 2025) — dreimal dasselbe Jahr.

Bis zum 28. Dezember 2047. Ursprünglich wäre die Lizenz nach dem Erdgasgesetz 24.076 am 28. Dezember 2027 ausgelaufen. TGS beantragte am 8. September 2023 die Verlängerung; nach einem ENARGAS-Bericht und einer öffentlichen Anhörung im Oktober 2024 ratifizierte die argentinische Exekutive am 24. Juli 2025 das Abkommen mit dem Wirtschaftsministerium vom 11. Juli 2025 — die Lizenz wurde um 20 Jahre verlängert.

Die argentinische Regulierungsbehörde ENARGAS. Mit Resolution 256/2025 vom 30. April 2025 legte sie die Fünfjahres-Tarifrevision für 2025 bis 2030 fest: einen Kapitalzins (WACC) von 7,18 Prozent real nach Steuern statt der von TGS beantragten 9,98 Prozent, eine Anfangserhöhung von 4,74 Prozent verteilt auf 31 Monatsraten ab Mai 2025 und einen Fünfjahres-Investitionsplan über 279,1 Millionen US-Dollar. Seit 2025 werden die Tarife monatlich statt halbjährlich angepasst.

CIESA hält 53,83 Prozent des Grundkapitals und alle Klasse-A-Aktien; CIESA wird zu je 50 Prozent von Pampa Energía sowie von GIP (Familie Sielecki) und PCT kontrolliert. Zweitgrößter Aktionär ist mit 25,33 Prozent der Staatsfonds FGS, den die argentinische Sozialversicherung ANSES verwaltet. Auf alle übrigen Anleger entfallen 20,84 Prozent der insgesamt 752.761.058 Aktien.

Ein ADR (American Depositary Receipt) verbrieft fünf Stammaktien der Klasse B. Depotbank ist Citibank N.A., gehandelt wird an der NYSE unter dem Kürzel TGS; in Buenos Aires notiert die Aktie an der BYMA als TGSU2. Zum 31. März 2026 standen laut Depotbank 18.052.759 ADR aus, was rund 90,3 Millionen Aktien oder knapp 12 Prozent des Grundkapitals entspricht.

Im Jahr 2025 ja, davor über Jahre nicht. Für 2021 bis 2024 weist der Jahresbericht keine Ausschüttung aus; 2025 wurden 231,2 Milliarden Pesos beziehungsweise 172,4 Millionen US-Dollar gezahlt, das sind 0,23 US-Dollar je Aktie oder 1,15 US-Dollar je ADR. Die Hauptversammlung vom 15. April 2026 stellte zusätzlich 437,6 Milliarden Pesos in eine Rücklage ein, über deren Verwendung für Investitionen, Aktienrückkäufe oder Dividenden der Vorstand entscheidet.

Zum 31. Dezember 2025 betrugen die Finanzschulden 1.705,6 Milliarden Pesos beziehungsweise 1.172 Millionen US-Dollar — zu 100 Prozent auf US-Dollar lautend. Kern sind zwei Anleihen: 490 Millionen US-Dollar zu 8,50 Prozent mit Fälligkeit 2031 und 500 Millionen US-Dollar zu 7,75 Prozent mit Fälligkeit 2035. Dem standen Zahlungsmittel und Finanzanlagen von 1.808,2 Milliarden Pesos gegenüber; der Verschuldungsgrad lag bei 0,35 nach 0,21 im Vorjahr.

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