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SFL-Aktie: 89 Quartalsdividenden in Folge — und ein Jahr, in dem 125 Millionen Dollar ausgeschüttet wurden, obwohl unter dem Strich ein Verlust stand

SFL-Aktie: 89 Quartalsdividenden in Folge — und ein Jahr, in dem 125 Millionen Dollar ausgeschüttet wurden, obwohl unter dem Strich ein Verlust stand

SFL Corporation vermietet Containerschiffe, Tanker, Autotransporter und zwei Bohranlagen — und zahlt seit dem Börsengang 2004 jedes einzelne Quartal eine Dividende. Genau diese Serie hat die Aktie auf Platz 29 unseres Big-Earnings-Surprise-Scanners (Stand 25. Juli 2026) begleitet. Wir haben den Jahresbericht (20-F) für 2025 und die Quartalsmeldungen (6-K) bis Mai 2026 gelesen: 3,7 Milliarden US-Dollar fester Auftragsbestand, 68 Prozent davon bei Kunden mit Investment-Grade-Rating — aber auch ein Zinsaufwand, der größer ist als das gesamte Betriebsergebnis, eine im Herbst 2025 um ein Viertel gekürzte Quartalsrate und 848 Millionen US-Dollar, die für fünf Neubauten noch zu bezahlen sind. Eine ununterbrochene Reihe von Häkchen sagt nichts darüber, wie groß jedes einzelne Häkchen ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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SFL-Aktie: 89 Quartalsdividenden in Folge — und ein Jahr, in dem 125 Millionen Dollar ausgeschüttet wurden, obwohl unter dem Strich ein Verlust stand
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Zahl, die auf Anleger wirkt wie ein Gütesiegel: die Länge einer Serie. 89 Quartale in Folge hat SFL Corporation Ltd. (NYSE: SFL) eine Dividende gezahlt — seit dem Börsengang an der New Yorker Börse im Jahr 2004 kein einziges Mal ausgesetzt. Unser Gehirn liest so eine Reihe wie eine Strichliste: 89 Häkchen, also 89-mal alles gut. Nennen wir es die Strichlisten-Falle — wir zählen, wie oft etwas passiert ist, und vergessen zu fragen, wie groß es jedes Mal war. Denn eine Serie bricht erst, wenn eine Zahlung ausfällt. Sie bricht nicht, wenn die Zahlung schrumpft. Und sie bricht auch nicht, wenn das Geld dafür gar nicht verdient wurde.

Also machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam die Originalberichte. Den Jahresbericht (20-F) für 2025, eingereicht am 16. März 2026, und die Quartalsmeldungen (6-K) bis zum 13. Mai 2026. Dort steht ein Auftragsbestand über 3,7 Milliarden US-Dollar, der beeindruckt. Und dort stehen die drei Zahlen, um die es in dieser Analyse geht: 0,94 US-Dollar Dividende je Aktie im Jahr 2025 — bei einem Ergebnis von minus 0,20 US-Dollar je Aktie, und einem Zinsaufwand, der größer ist als das gesamte Betriebsergebnis. Merke: Eine ununterbrochene Reihe sagt nichts über die Höhe der einzelnen Zahlung.

Gelb markierte Zeile aus der SFL-Quartalsmeldung 6-K vom 12. Mai 2026: 89. Quartalsdividende in Folge erklärt, angehoben auf 0,22 US-Dollar je Aktie.
Die erste Zeile der Q1-2026-Meldung — die Serie als Verkaufsargument. Quelle: SEC-Quartalsmeldung 6-K vom 12. Mai 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was SFL Corporation eigentlich macht — die Reederei ohne Reederei

SFL ist keine Reederei im klassischen Sinn. Die Firma fährt keine Schiffe, sie vermietet sie. Übersetzt in ein Alltagsbild: SFL ist der Immobilienverwalter der Meere. Sie kauft Schiffe, schließt langfristige Mietverträge mit großen Transportkonzernen, kassiert die feste Rate — und überlässt Besatzung und technisches Management fremden Dienstleistern. Deshalb kommt der Konzern mit 24 Vollzeitbeschäftigten aus (Stand 31. Dezember 2025), die eine Bilanzsumme von 3,6 Milliarden US-Dollar verwalten. Das ist kein Tippfehler: 24 Menschen, 3,6 Milliarden.

Die Flotte zum 31. Dezember 2025 umfasst 17 Tanker, 21 Containerschiffe, sieben Autotransporter, zwei Massengutfrachter und zwei Bohranlagen; hinzu kommen vier sehr große Containerschiffe (19.000 TEU-Klasse), die SFL zu 49,9 Prozent über eine Gemeinschaftsgesellschaft namens River Box hält. Fünf weitere Containerschiffe mit je 16.800 Standardcontainern Kapazität und Zweistoff-Antrieb sind im Bau und werden 2028 abgeliefert. Die Kundenliste liest sich wie ein Who-is-who der Weltlogistik — und genau darin liegt die zweite Hälfte des Geschäftsmodells: Wer Schiffe vermietet, verdient nicht am Frachtmarkt, sondern an der Bonität seiner Mieter.

Für 2025 schlüsselt der Jahresbericht die Abhängigkeiten offen auf: Maersk stand für 26 Prozent der Konzernerlöse (15 Containerschiffe), Hapag-Lloyd für 15 Prozent (sechs Containerschiffe), ConocoPhillips für 13 Prozent (eine Hubbohrinsel), Volkswagen für 9 Prozent (vier Autotransporter) und Trafigura für 8 Prozent (sieben Tanker). Fünf Namen tragen damit rund 71 Prozent des Umsatzes. Das ist Klumpenrisiko und Qualitätsmerkmal in einem — solche Mieter zahlen zuverlässig, aber wenn einer von ihnen neu verhandelt, wackelt ein Viertel der Miete.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Die Mieteinnahmen sind langfristig gesichert und die Dividendenserie ist echt — aber zwischen Mieteinnahme und Aktionär steht eine Zinslast, die 2025 größer war als das gesamte Betriebsergebnis.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich mehrere tausend Aktien durch unsere Scanner laufen. SFL taucht zum Datenstand 25. Juli 2026 auf Platz 29 von 81 US-Treffern im Big-Earnings-Surprise-Scanner auf — der Liste jener Firmen, deren zuletzt gemeldetes Ergebnis die Markterwartung am deutlichsten übertroffen hat. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, bis Platz 29 scrollen. Die Listen werden täglich neu gerechnet, der Platz von morgen kann ein anderer sein.

Was den Treffer ausgelöst hat, lässt sich auf den Cent nachrechnen. Für das erste Quartal 2026 erwartete der Markt 0,02 US-Dollar je Aktie. Gemeldet wurden nach US-Bilanzregeln 0,20 US-Dollar je Aktie (26,1 Millionen US-Dollar Nettoergebnis). Aber die Quartalsmeldung nennt selbst drei Sonderposten, die darin stecken: einen Buchgewinn aus einem Schiffsverkauf von 11,5 Millionen US-Dollar, positive Bewertungseffekte aus Sicherungsgeschäften von rund 2,5 Millionen und aus Aktienbeteiligungen von rund 1,9 Millionen. Zusammen sind das 15,9 Millionen US-Dollar oder rund 0,12 US-Dollar je Aktie. Rechnet man sie heraus, bleiben rund 0,08 US-Dollar je Aktie — und genau mit diesem bereinigten Wert arbeitet der Überraschungs-Filter. Aus 0,02 werden 0,08: plus 300 Prozent.

Das ist keine Trickserei, sondern die übliche Rechenweise. Aber es lohnt sich, die Größenordnung zu übersetzen: Die Latte lag bei zwei Cent. Wer sie um sechs Cent überspringt, hat prozentual eine Sensation geliefert und in absoluten Zahlen acht Cent verdient. Es ist übrigens die fünfte positive Überraschung in Folge — Q1 2025 bis Q1 2026 lagen alle über der Erwartung, in vier von fünf Fällen lag diese Erwartung bei null oder darunter. Merke dir den Grundsatz: Eine Überraschung misst den Abstand zur Erwartung, nicht die Höhe des Gewinns.

Die Fundamental-Brille desselben Scanners ist entsprechend nüchtern (alle Werte Datenstand 25. Juli 2026): ein Piotroski-F-Score von 3 von 9 — ein Neun-Punkte-Test für die Richtung der Bilanz, bei dem eine kerngesunde Firma bei 8 oder 9 steht —, eine Eigenkapitalquote von 26 Prozent, ein Verschuldungsgrad von 2,7 und eine Zinsdeckung von 0,75. Letztere heißt im Klartext: Das Betriebsergebnis reichte zuletzt nicht aus, um die Zinsen zu bezahlen. Dazu gleich mehr — vorher das, was wirklich beeindruckt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit der stärksten Zahl an: dem festen Charter-Auftragsbestand von rund 3,7 Milliarden US-Dollar zum 31. März 2026, bei einer gewichteten Restlaufzeit von 6,3 Jahren. Das ist mehr als das Doppelte des Börsenwerts und entspricht rechnerisch gut fünf Jahresumsätzen, die vertraglich bereits zugesagt sind. 68 Prozent davon entfallen auf Kunden mit Investment-Grade-Rating. Für ein Geschäft, das von der Zahlungsfähigkeit der Mieter lebt, ist das die entscheidende Qualitätszahl — und sie ist gut.

Auch die Auslastung stimmt: Im ersten Quartal 2026 lag sie bei den Containerschiffen bei 99 Prozent, bei den Autotransportern bei 100, bei den Tankern bei 100 und bei den Massengutfrachtern bei 97 Prozent. Die beiden im Spotmarkt fahrenden Suezmax-Tanker verdienten im Quartal durchschnittlich rund 54.000 US-Dollar am Tag — ein starker Wert, der zeigt, dass SFL nicht nur Festmieten kassiert, sondern auch am guten Tankermarkt teilnimmt. Und der operative Mittelzufluss ist robust: 267,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 (2024: 369,9 Millionen). Die 125,1 Millionen US-Dollar Dividende waren daraus bezahlbar.

Nun der Blick über vier Jahre — und hier wird das Muster sichtbar, um das es geht:

Balkendiagramm 2022 bis 2025: SFL zahlte 0,88, 0,97, 1,07 und 0,94 US-Dollar Dividende je Aktie, während das Ergebnis je Aktie von 1,60 über 0,67 und 1,01 auf minus 0,20 US-Dollar fiel.
Seit 2023 liegt die Ausschüttung je Aktie über dem Ergebnis je Aktie — 2025 stand ein Verlust unter dem Strich. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen im Klartext: 2022 verdiente SFL 1,60 US-Dollar je Aktie und schüttete 0,88 aus — komfortabel. 2023 fiel das Ergebnis auf 0,67, die Dividende stieg auf 0,97. 2024 lagen Ergebnis (1,01) und Dividende (1,07) fast gleichauf. Und 2025 stand einem Ergebnis von minus 0,20 US-Dollar eine Ausschüttung von 0,94 gegenüber. Der Umsatz fiel im selben Jahr um 18,9 Prozent von 904,4 auf 733,0 Millionen US-Dollar.

Wichtig für die faire Einordnung: Bei einem Schiffsvermieter ist der Buchgewinn nicht das Maß aller Dinge. In den 2025er Zahlen stecken 235,0 Millionen US-Dollar Abschreibungen und eine Wertminderung auf Schiffe von 34,1 Millionen — beides kostet keinen Cent Kasse. Deshalb kann eine solche Firma Verlust ausweisen und trotzdem Dividende zahlen. Die ehrliche Frage lautet aber: Was bleibt vom eingenommenen Geld übrig, wenn Zinsen und Tilgung bedient sind? Und da wird es unbequem.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Zinsaufwand ist größer als das gesamte Betriebsergebnis

Die vielleicht wichtigste Rechnung dieser Analyse besteht aus zwei Zeilen des Jahresberichts 2025. Das Betriebsergebnis lag bei 136,7 Millionen US-Dollar. Der Zinsaufwand lag bei 180,5 Millionen. Anders gesagt: Bevor ein einziger Dollar beim Aktionär ankommt, ist das Betriebsergebnis bereits vollständig an die Gläubiger geflossen — und es reicht nicht einmal. Der Rest der Rechnung ist schnell erzählt:

Wasserfalldiagramm für 2025: vom Betriebsergebnis 136,7 Millionen US-Dollar über Zinserträge plus 14,8, Zinsaufwand minus 180,5, sonstige Posten plus 2,2, assoziierte Gesellschaften plus 2,4 und Steuern minus 1,9 zum Jahresergebnis von minus 26,4 Millionen US-Dollar.
Die Ergebnisbrücke 2025: Ein einziger Posten macht aus einem dreistelligen Betriebsgewinn einen Verlust. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Größenordnung der Schulden: Zum 31. Dezember 2025 standen 2.584,1 Millionen US-Dollar an Krediten, Anleihen und Leasingfinanzierungen in den Büchern (2024: 2.862,3 Millionen), davon 666,3 Millionen in fünf unbesicherten Anleihen mit Kupons zwischen 7,25 und 8,875 Prozent. Dem stand ein Eigenkapital von 960,9 Millionen US-Dollar gegenüber. Übersetzt in ein Alltagsbild: Auf jeden Euro Eigenkapital kommen 2,70 Euro Fremdkapital — und der Zins darauf ist die größte Einzelposition der gesamten Gewinn- und Verlustrechnung. Genau das ist auch der Grund, warum ein Frachtmarkt, der gut läuft, bei SFL nicht automatisch beim Aktionär ankommt. Wie stark eine Schuldenlast eine an sich funktionierende Firma dominieren kann, haben wir bei NGL Energy Partners im Detail nachgerechnet — dort ruht die Ausschüttung seit 2020.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Serie ist heil — die Rate wurde trotzdem um ein Viertel gekürzt

Und damit zurück zur Strichlisten-Falle. Die Dividendentabelle im Jahresbericht 2025 listet jede einzelne Zahlung. 2024 lauteten die vier Raten 0,26 / 0,27 / 0,27 / 0,27 US-Dollar. 2025 begann mit 0,27 (Zahlung am 28. März) und 0,27 (27. Juni) — und dann kam der Schnitt: 0,20 US-Dollar am 29. September 2025 und 0,20 US-Dollar am 29. Dezember 2025. Das ist eine Kürzung um 25,9 Prozent. Im Februar 2026 folgten erneut 0,20; erst im Mai 2026 hob der Verwaltungsrat auf 0,22 US-Dollar an — immer noch rund 19 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2025.

Die Serie blieb dabei formal unangetastet, weil nie eine Zahlung ausfiel. Wer nur die Schlagzeile „89. Dividende in Folge“ liest, erfährt von der Kürzung nichts. Der Jahresbericht selbst formuliert übrigens ohne jede Verklärung, woran die Zahlung hängt:

„Our goal is to increase our quarterly dividend as we grow the business, but the timing and amount of dividends, if any, is at the sole discretion of our Board of Directors and will depend upon our operating results, financial condition, cash requirements, restrictions in terms of financing arrangements and other relevant factors.“

Übersetzung: „Unser Ziel ist es, die Quartalsdividende mit dem Wachstum des Geschäfts zu erhöhen; Zeitpunkt und Höhe der Dividenden — sofern überhaupt welche gezahlt werden — liegen jedoch im alleinigen Ermessen unseres Verwaltungsrats und hängen von unseren Betriebsergebnissen, der Finanzlage, dem Liquiditätsbedarf, den Beschränkungen aus unseren Finanzierungsvereinbarungen und weiteren maßgeblichen Faktoren ab.“

— SFL Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 8.A „Dividend Policy“

Der Halbsatz „restrictions in terms of financing arrangements“ ist dabei kein Beiwerk. Die Kreditverträge enthalten laut Jahresbericht Klauseln, die im Ernstfall ausdrücklich Dividendenzahlungen, Zinszahlungen an Aktionäre und Aktienrückkäufe untersagen würden. Die dazugehörigen Finanzkennzahlen werden quartalsweise geprüft: eine Buchwert-Eigenkapitalquote von mindestens 0,20 zu 1,0, ein positives Nettoumlaufvermögen und eine Mindestliquidität von 25,0 Millionen US-Dollar einschließlich ungenutzter Kreditlinien. Zum 31. März 2026 lag die Eigenkapitalquote bei rund 27 Prozent — über der Schwelle, aber ohne üppigen Abstand. Merke: Eine Dividende, die aus Kasse statt aus Gewinn kommt, hängt an der Kasse.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein erheblicher Teil der Schulden wird binnen eines Jahres fällig

Der Jahresbericht 2025 sagt das mit bemerkenswerter Offenheit — dieser Satz ist der wichtigste des gesamten Dokuments:

„A significant portion of the our outstanding debt and finance lease liabilities are coming due within one year of March 16, 2026 for which we have initiated discussions and negotiations with financial institutions regarding the refinancing of credit facilities maturing in 2026 and early 2027. … However no assurance can be given that all such facilities will be timely refinanced on acceptable terms.“

Übersetzung: „Ein erheblicher Teil unserer ausstehenden Schulden und Leasingverbindlichkeiten wird innerhalb eines Jahres nach dem 16. März 2026 fällig; wir haben dazu Gespräche und Verhandlungen mit Finanzinstituten über die Refinanzierung der 2026 und Anfang 2027 auslaufenden Kreditlinien aufgenommen. … Es kann jedoch keine Zusicherung gegeben werden, dass alle diese Fazilitäten rechtzeitig und zu annehmbaren Konditionen refinanziert werden.“

— SFL Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 5.B „Liquidity and Capital Resources“

Gelb markierter Absatz aus dem SFL-Jahresbericht 20-F für 2025: Ein erheblicher Teil der ausstehenden Schulden und Leasingverbindlichkeiten wird binnen eines Jahres nach dem 16. März 2026 fällig; Verhandlungen über die Refinanzierung laufen, eine Zusicherung wird nicht gegeben.
Die Refinanzierungs-Passage im Original — inklusive des Satzes, dass keine Zusicherung gegeben werden kann. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen dazu: Von den 2.584,1 Millionen US-Dollar Gesamtschulden sind laut Fälligkeitstabelle 605,9 Millionen binnen eines Jahres zu tilgen; zusammen mit Zinsen und den zugesagten Investitionen ergeben sich 742,8 Millionen US-Dollar vertragliche Zahlungen für zwölf Monate. Dem standen zum 31. März 2026 288 Millionen US-Dollar verfügbare Liquidität gegenüber (127,6 Millionen Kasse plus 160 Millionen ungenutzte Kreditlinien). Die Lücke schließt SFL, wie es Vermieter tun: durch Anschlussfinanzierungen. Im März 2026 wurde die Bohranlage Linus mit einem neuen 150-Millionen-Kredit refinanziert, für Hercules kam eine revolvierende 100-Millionen-Linie dazu, und Ende April 2026 stockte SFL die 7,75-Prozent-Anleihe mit Fälligkeit 2030 um 75 Millionen US-Dollar auf — zu 103,5 Prozent des Nennwerts, was einer Rendite von rund 6,8 Prozent entspricht. Das funktioniert seit 22 Jahren. Nur ist es eben jedes Jahr aufs Neue eine Aufgabe und keine Selbstverständlichkeit.

Und die nächste Rechnung steht schon: Für fünf Containerschiff-Neubauten mit Zweistoff-Antrieb sind 848,1 Millionen US-Dollar vertraglich zugesagt, Ablieferung 2028. Das ist mehr als das Eigenkapital des Konzerns. Jedes dieser Schiffe startet nach Ablieferung eine zehnjährige Festcharter bei einer weltweit führenden Containerlinie — die Gegenleistung steht also fest. Bezahlt werden die Werftraten laut Bericht über Kredite vor und nach Ablieferung. Auf gut Deutsch: Der nächste Wachstumsschritt wird auf Pump finanziert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Eine Bohranlage steht seit über einem Jahr still — und verdient erst 2027 wieder

SFL hat neben den Schiffen ein zweites Standbein, das der Bericht „Energie“ nennt: zwei Bohranlagen. Die Hubbohrinsel Linus arbeitet seit September 2022 für ConocoPhillips und lieferte 2025 rund 13 Prozent der Konzernerlöse. Die Halbtaucher-Bohranlage Hercules dagegen hat 2025 praktisch nichts verdient: Sie war laut Jahresbericht „warm stacked“ in Norwegen — betriebsbereit aufgelegt, aber ohne Auftrag. Die Folge steht in der Umsatzaufteilung: Die Bohrerlöse fielen um 59 Prozent von 236,7 auf 96,3 Millionen US-Dollar. Das sind 140,4 Millionen der insgesamt 171,4 Millionen US-Dollar Umsatzrückgang — vier Fünftel des Einbruchs stammen aus einer einzigen stillstehenden Anlage.

Im ersten Quartal 2026 setzte sich das fort: Das Segment Energie erwirtschaftete 23,0 Millionen US-Dollar Erlöse, aber einen Nettoverlust von 16,4 Millionen bei einer Auslastung von 50 Prozent — während das Schifffahrtssegment 42,5 Millionen US-Dollar Nettoergebnis beisteuerte. Ohne die Bohranlagen wäre das Quartal also deutlich besser gewesen. Die gute Nachricht kam am 6. März 2026: SFL meldete einen Bohrvertrag in Kanada mit einem großen, mit Investment-Grade bewerteten Öl- und Gaskonzern über geschätzt rund 170 Millionen US-Dollar bei einer Mindestlaufzeit von 400 Tagen. Die schlechte: Der Vertrag startet erst im ersten Quartal 2027. Bis dahin muss die Anlage von Norwegen nach Kanada verlegt und vorbereitet werden — Kosten, denen bis dahin keine Erlöse gegenüberstehen. Wie schwer das Offshore-Öl-Geschäft mit seinen Nachlaufkosten auf einer Bilanz liegen kann, haben wir bei W&T Offshore auseinandergenommen.

Ein Nachspiel hat die Geschichte der Hercules obendrein vor Gericht. SFL klagte im März 2023 vor dem Bezirksgericht Oslo, weil Seadrill die Anlage im Dezember 2022 nicht im vertraglich geschuldeten Zustand zurückgegeben habe. Im Februar 2025 bekam SFL recht: rund 48 Millionen US-Dollar samt Verzugszinsen und Prozesskosten. Seadrill legte am 5. März 2025 Berufung ein, die Verhandlungen sind laut Jahresbericht für das zweite und dritte Quartal 2026 angesetzt. Als Ertrag verbucht ist der Betrag bis zum ersten Quartal 2026 nicht — dabei wäre er fast das Doppelte des gesamten Jahresverlusts 2025.

Gelb markierter Absatz aus dem SFL-Jahresbericht 20-F für 2025: Im Februar 2025 verurteilte das Bezirksgericht Oslo Seadrill-Töchter zur Zahlung von rund 48 Millionen US-Dollar wegen Vertragsbruchs bei der Rückgabe der Bohranlage Hercules; Seadrill legte am 5. März 2025 Berufung ein.
Der Rechtsstreit um die Rückgabe der Hercules — 48 Millionen US-Dollar, über die eine Berufungsinstanz entscheidet. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: 11,8 Millionen eigene Aktien liegen bei einer Bank

Zum Schluss ein Fund aus dem Kleingedruckten, der für die Aktienzahl wichtig ist. SFL hat 146.910.679 Aktien ausgegeben (31. Dezember 2025), rechnet das Ergebnis je Aktie aber nur mit 132.992.784. Die Differenz erklärt eine Fußnote im Anhang: Rund 11,8 Millionen Aktien sind im Rahmen eines Aktienleihe-Vertrags an eine Bank verliehen, 2,3 Millionen liegen als eigene Anteile im Bestand — beide Blöcke bleiben aus der Ergebnisrechnung ausgeklammert.

„One of the Company's wholly-owned subsidiaries is party to a general share lending agreement and as of December 31, 2025, 11.8 million of the Company's shares were on loan and in the custody of the borrowing bank. This facility provides up to $60.0 million cash collateral to the Company, callable at any time, subject to a 50% loan to value ratio based on the market value of the pledged shares. The facility is repayable on demand, by either party to the agreement.“

Übersetzung: „Eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Unternehmens ist Partei eines allgemeinen Aktienleihe-Vertrags; zum 31. Dezember 2025 waren 11,8 Millionen Aktien des Unternehmens verliehen und befanden sich im Depot der entleihenden Bank. Diese Fazilität stellt dem Unternehmen bis zu 60,0 Millionen US-Dollar Barsicherheit zur Verfügung, jederzeit abrufbar, bei einem Beleihungsgrad von 50 Prozent bezogen auf den Marktwert der verpfändeten Aktien. Die Fazilität ist von beiden Vertragsparteien auf Verlangen rückzahlbar.“

— SFL Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Note 20 „Short-Term and Long-Term Debt“, Fußnote zur Aktienleihe

Gelb markierte Fußnote aus dem SFL-Jahresbericht 20-F für 2025: 11,8 Millionen Aktien sind verliehen und im Depot der entleihenden Bank, die Fazilität stellt bis zu 60,0 Millionen US-Dollar jederzeit abrufbare Barsicherheit bei 50 Prozent Beleihungsgrad.
Die Fußnote mit den drei Sternchen: eine 60-Millionen-Linie, besichert mit eigenen Aktien. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum das zählt: Die 11,8 Millionen Aktien entsprechen rund 8,9 Prozent der Ergebnis-Aktienzahl, und die abrufbaren 60,0 Millionen US-Dollar sind rund 47 Prozent der Kasse vom 31. März 2026. Es ist eine Kreditlinie, die formal keine ist — besichert mit dem eigenen Kurs. Dazu kommen drei im Mai 2026 erneuerte Programme: ein Rückkaufrahmen über bis zu 100 Millionen US-Dollar (bis Juni 2028), ein Dividenden-Wiederanlageprogramm über bis zu 10 Millionen neue Aktien und ein Programm zur laufenden Ausgabe neuer Aktien über die Börse (ATM) über bis zu 100 Millionen US-Dollar. Genutzt wurden ATM und Wiederanlageprogramm 2024 und 2025 nach eigenen Angaben nicht; die Möglichkeit besteht aber, und zusammengenommen könnten daraus rechnerisch rund 14 Prozent zusätzliche Aktien entstehen. Dein Stück vom Kuchen ist nur so groß, wie die Anzahl der Stücke es zulässt.

Wem SFL gehört — und wer auf beiden Seiten des Tisches sitzt

Größter Aktionär ist die Hemen Holding Limited mit 25.728.687 Aktien beziehungsweise 17,8 Prozent (Stand 11. März 2026), gehalten über zwei Treuhandvermögen. Hemen ist zugleich Großaktionär mehrerer weiterer börsennotierter Schifffahrts- und Ölservice-Gesellschaften, und der Jahresbericht benennt die daraus folgenden Interessenkonflikte in einem eigenen Risikofaktor. Konkret wird es an zwei Stellen: 2024 kaufte SFL drei neu gebaute Produktentanker von Hemen nahestehenden Gesellschaften für zusammen 234,9 Millionen US-Dollar. Und an der Gemeinschaftsgesellschaft River Box, die vier Großcontainerschiffe an MSC verchartert, hält SFL 49,9 Prozent — die restlichen 50,1 Prozent liegen bei einer Hemen-Tochter, während SFL der Gesellschaft ein Darlehen über 45,0 Millionen US-Dollar gegeben hat.

Das ist nicht per se ein Mangel: Ein Großaktionär mit Branchenzugang bringt Geschäft. Aber es heißt, dass ein Teil der Transaktionen zwischen verbundenen Parteien stattfindet — der Bericht schreibt selbst, dass solche Vereinbarungen „im Zusammenhang einer verbundenen Beziehung“ geschlossen wurden. Als Aktionär kauft man deshalb immer auch das Vertrauen darauf, dass diese Preise marktgerecht sind.

Bewertung: Was der Markt für die Miete bezahlt

Nun zum Preisschild (alle Bewertungsangaben: Datenstand 25. Juli 2026). Der Börsenwert von SFL lag bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar bei 133,0 Millionen ergebniswirksamen Aktien. Gemessen am Umsatz 2025 (733,0 Millionen) ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis um 2; gemessen am Buchwert von 7,25 US-Dollar je Aktie ein Kurs-Buchwert-Verhältnis um 1,6. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nur auf Zwölf-Monats-Basis bilden und liegt bei rund 50 — was für einen Vermieter mit hohen Abschreibungen wenig aussagt. Aussagekräftiger ist der Unternehmenswert: Börsenwert plus Nettoschulden ergibt rund 3,9 Milliarden US-Dollar, also etwa das Neunfache des bereinigten Betriebsergebnisses vor Abschreibungen. Für einen Vermieter mit sechsjährigem Auftragsbestand ist das kein Schnäppchen, aber auch keine Übertreibung.

Die Zahl, auf die es den meisten Käufern ankommt, ist die Dividendenrendite: rund 7 bis 8 Prozent auf Basis der aktuellen Quartalsrate von 0,22 US-Dollar (also 0,88 US-Dollar im Jahr). Das ist die eigentliche Bewertungsfrage bei dieser Aktie — und sie lautet nicht „ist das viel?“, sondern „wie belastbar ist es?“. Vier Analystenstimmen führen ein durchschnittliches Kursziel von 12,38 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026); die eigene Erwartung des Marktes für das laufende Jahr liegt bei rund 0,23 US-Dollar Gewinn je Aktie — deutlich unter der Jahresdividende von 0,88. Wer hier kauft, kauft also bewusst eine Ausschüttung aus dem Mittelzufluss, nicht aus dem Gewinn.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für SFL spricht:

  • Fester Charter-Auftragsbestand von 3,7 Milliarden US-Dollar bei 6,3 Jahren gewichteter Restlaufzeit (31.03.2026), davon 68 Prozent bei Kunden mit Investment-Grade-Rating — mehr als das Doppelte des Börsenwerts an vertraglich zugesagten Einnahmen.
  • Robuster operativer Mittelzufluss: 267,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 gegenüber 125,1 Millionen US-Dollar gezahlter Dividende — die Ausschüttung ist aus der Kasse gedeckt, auch wenn sie es aus dem Gewinn nicht war.
  • Auslastung von 97 bis 100 Prozent in allen Schiffssegmenten im ersten Quartal 2026; die beiden Spot-Suezmax-Tanker verdienten rund 54.000 US-Dollar am Tag und zeigen, dass SFL am guten Tankermarkt teilnimmt.
  • Nachweisbarer Zugang zu Kapital: 150-Millionen-Kredit für Linus, 100-Millionen-Linie für Hercules (März 2026) und eine Anleihe-Aufstockung über 75 Millionen US-Dollar zu 103,5 Prozent des Nennwerts (April 2026) — trotz Verlustjahr.
  • Wachstum ist bereits kontrahiert: fünf 16.800-TEU-Neubauten mit Ablieferung 2028, jedes mit anschließender zehnjähriger Festcharter bei einer weltweit führenden Containerlinie.

Was dagegen spricht:

  • Der Zinsaufwand (180,5 Millionen US-Dollar) übertraf 2025 das Betriebsergebnis (136,7 Millionen) — daraus wurde ein Jahresverlust von 26,4 Millionen US-Dollar bei 2.584,1 Millionen Gesamtschulden und 960,9 Millionen Eigenkapital.
  • Die Dividende wurde im Herbst 2025 von 0,27 auf 0,20 US-Dollar gekürzt (−25,9 Prozent) und liegt mit 0,22 US-Dollar seit Mai 2026 noch rund 19 Prozent unter dem alten Niveau — die „Serie“ verdeckt das.
  • Refinanzierungsbedarf: 742,8 Millionen US-Dollar vertragliche Zahlungen binnen zwölf Monaten (31.12.2025) bei 288 Millionen verfügbarer Liquidität (31.03.2026); der Jahresbericht gibt ausdrücklich keine Zusicherung, dass alles rechtzeitig zu annehmbaren Konditionen gelingt.
  • Klumpenrisiko: Fünf Kunden — Maersk, Hapag-Lloyd, ConocoPhillips, Volkswagen und Trafigura — standen 2025 für rund 71 Prozent der Erlöse, Maersk allein für 26 Prozent.
  • Das Energiesegment verliert Geld: Bohrerlöse 2025 minus 59 Prozent, Segmentverlust von 16,4 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, und der neue Hercules-Vertrag beginnt erst im ersten Quartal 2027.
  • 848,1 Millionen US-Dollar offene Werftzahlungen für die Neubauten 2028 — mehr als das gesamte Eigenkapital, finanziert über neue Kredite.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Strichlisten-Falle vom Anfang. 89 Häkchen sind eine echte Leistung: SFL hat durch die Finanzkrise, durch die Pandemie, durch zwei Zinszyklen und durch eine Bohranlagen-Flaute hindurch jedes Quartal ausgezahlt. Das ist keine Marketingzahl, das steht in den Berichten. Aber die Berichte sagen eben auch, was die 89 Häkchen nicht verraten: dass zwei davon nur noch drei Viertel so groß waren wie zuvor, dass 2025 kein Dollar Gewinn übrig blieb und dass der größte Posten der Gewinn- und Verlustrechnung nicht Löhne, nicht Treibstoff und nicht Wartung heißt, sondern Zinsen.

Die ehrliche Rechnung sieht so aus: Du bekommst einen der langlebigsten Schiffsvermieter der Welt mit 3,7 Milliarden US-Dollar vertraglich gesicherter Einnahmen und einer Rendite um 7 bis 8 Prozent — und du bezahlst mit dem Risiko, dass diese Rendite aus der Kasse kommt, während 742,8 Millionen US-Dollar innerhalb eines Jahres refinanziert und 848,1 Millionen für Neubauten aufgebracht werden müssen. Wer SFL kauft, kauft keine Wachstumsgeschichte, sondern eine Mieteinnahme mit Hebel. Prüfe deshalb in den nächsten Quartalsmeldungen drei Zeilen: die Quartalsdividende (bleibt sie bei 0,22 US-Dollar oder steigt sie weiter?), die Refinanzierungen der 2026 und Anfang 2027 fälligen Linien — und den Start der Bohranlage Hercules in Kanada. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen. SFL ist ein ausländischer Privatemittent und berichtet deshalb auf Form 20-F (Jahresbericht) und Form 6-K (Quartals- und Ad-hoc-Meldungen); einen Quartalsbericht 10-Q gibt es bei dieser Firma nicht.

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in SFL-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Auftragsbestand & Mieterqualität positiv
Fester Charter-Auftragsbestand von 3,7 Milliarden US-Dollar bei 6,3 Jahren gewichteter Restlaufzeit (31.03.2026), 68 Prozent davon bei Kunden mit Investment-Grade-Rating; Auslastung 97 bis 100 Prozent in allen Schiffssegmenten im ersten Quartal 2026 (6-K vom 12.05.2026).
Dividendenhistorie neutral
89 Quartalsdividenden in Folge seit dem NYSE-Listing 2004, zuletzt angehoben auf 0,22 US-Dollar je Aktie (6-K vom 12.05.2026) — aber im Herbst 2025 von 0,27 auf 0,20 US-Dollar gekürzt (−25,9 Prozent), und die 125,1 Millionen US-Dollar des Jahres 2025 wurden aus dem Mittelzufluss von 267,1 Millionen bezahlt, nicht aus Gewinn (20-F 2025, Item 8.A).
Zinslast & Verschuldung negativ
Zinsaufwand 180,5 Millionen US-Dollar gegen ein Betriebsergebnis von 136,7 Millionen im Jahr 2025 — daraus wurde ein Jahresverlust von 26,4 Millionen; Gesamtschulden inklusive Leasing 2.584,1 Millionen bei 960,9 Millionen Eigenkapital (31.12.2025), Anleihekupons zwischen 7,25 und 8,875 Prozent (20-F 2025, Item 5).
Refinanzierung & Investitionszusagen negativ
742,8 Millionen US-Dollar vertragliche Zahlungen binnen eines Jahres (31.12.2025) bei 288 Millionen verfügbarer Liquidität (31.03.2026), dazu 848,1 Millionen offene Werftzahlungen für fünf Neubauten mit Lieferung 2028; der Jahresbericht gibt ausdrücklich keine Zusicherung, dass alle Linien rechtzeitig zu annehmbaren Konditionen refinanziert werden (20-F 2025, Item 5.B).
Energiesegment (Bohranlagen) negativ
Bohrerlöse 2025 minus 59 Prozent auf 96,3 Millionen US-Dollar, weil die Halbtaucher-Bohranlage Hercules in Norwegen aufgelegt war; Segmentverlust von 16,4 Millionen im ersten Quartal 2026 bei 50 Prozent Auslastung. Der neue Kanada-Vertrag über rund 170 Millionen US-Dollar startet erst im ersten Quartal 2027 (6-K vom 06.03.2026).
Klumpenrisiko & Eigentümernähe neutral
Fünf Kunden standen 2025 für rund 71 Prozent der Erlöse (Maersk allein 26 Prozent) — hohe Bonität, aber hohe Abhängigkeit. Größter Aktionär Hemen Holding mit 17,8 Prozent (11.03.2026) ist zugleich Geschäftspartner: 2024 kaufte SFL drei Produktentanker von Hemen nahestehenden Gesellschaften für 234,9 Millionen US-Dollar (20-F 2025, Item 4 und 7).

SFL Corporation ist der Immobilienverwalter der Meere: 24 Beschäftigte, 3,6 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme, 3,7 Milliarden vertraglich zugesagte Mieteinnahmen und eine Dividendenserie, die seit 2004 nicht abgerissen ist. Die Serie ist echt — sie verdeckt nur, dass die Rate im Herbst 2025 um ein Viertel gekürzt wurde und dass 2025 ein Verlust von 26,4 Millionen US-Dollar unter dem Strich stand, weil der Zinsaufwand von 180,5 Millionen größer war als das gesamte Betriebsergebnis. Wer hier investiert, kauft eine hohe, aus der Kasse bezahlte Ausschüttung mit Hebel — und die Aufgabe, 742,8 Millionen US-Dollar binnen eines Jahres zu refinanzieren und 848,1 Millionen für Neubauten aufzubringen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Rot steht hier nicht für den Kurs, sondern für die Finanzierung. Was trägt, ist belegt: 3,7 Milliarden US-Dollar fest zugesagte Chartererlöse über 6,3 Jahre Restlaufzeit, 68 Prozent davon bei Kunden mit Investment-Grade-Rating, eine Auslastung von 97 bis 100 Prozent in allen Schiffssegmenten und ein operativer Mittelzufluss von 267,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Entschieden wird die Stufe trotzdem eine Zeile darunter: Der Zinsaufwand von 180,5 Millionen US-Dollar war 2025 größer als das gesamte Betriebsergebnis von 136,7 Millionen — das Ergebnis deckte die eigenen Zinsen also nicht mehr, und daraus wurde ein Jahresverlust von 26,4 Millionen. Dazu kommen 742,8 Millionen US-Dollar vertragliche Zahlungen binnen eines Jahres bei 288 Millionen verfügbarer Liquidität und 848,1 Millionen offene Werftzahlungen, während der Jahresbericht ausdrücklich keine Zusicherung gibt, dass alle Linien rechtzeitig zu annehmbaren Konditionen refinanziert werden. Die Bilanz ist damit nicht am Ende — die Eigenkapitalquote von 26 Prozent liegt über der Covenant-Schwelle von 20 Prozent, und das erste Quartal 2026 war mit 26,1 Millionen wieder positiv —, aber ein Vermieter, dessen Ergebnis die eigene Zinslast nicht mehr trägt und der gleichzeitig dreistellige Millionenbeträge refinanzieren muss, hängt am Kapitalmarkt und nicht nur am eigenen Geschäft. Deshalb Rot. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam SFL als Platz 29 von 81 US-Treffern des hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Scanners (Datenstand 25. Juli 2026, RS-Rating 78). Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet; der genannte Platz ist eine Momentaufnahme.
  • SFL ist ein ausländischer Privatemittent und berichtet auf Form 20-F und 6-K — einen Quartalsbericht 10-Q gibt es nicht. Alle Quartalszahlen dieser Analyse stammen aus 6-K-Anlagen, zuletzt vom 12. und 13. Mai 2026 (Stichtag 31. März 2026); danach lagen bis zum Datenstand 25. Juli 2026 keine neueren Einreichungen vor.
  • Berichts- und Notierungswährung sind identisch (US-Dollar), obwohl die Firma auf Bermuda sitzt und ihr Management in Norwegen arbeitet. Die Umfirmierung von Ship Finance International Limited zu SFL Corporation Ltd. erfolgte im September 2019 — der Ticker blieb unverändert.
  • Kurs- und Börsenwert-Angaben (rund 1,5 Milliarden US-Dollar) aus dem Datenstand 25. Juli 2026, plausibilisiert gegen die 132.992.784 ergebniswirksamen Aktien aus dem Zwischenabschluss zum 31. März 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

SFL Corporation Ltd. (NYSE: SFL, Hamilton auf Bermuda) vermietet Schiffe und Bohranlagen langfristig an große Transport- und Energiekonzerne und überlässt Betrieb und Besatzung fremden Managern — deshalb reichen 24 Vollzeitbeschäftigte (31.12.2025) für eine Bilanzsumme von 3,6 Milliarden US-Dollar. Zur Flotte gehörten zum 31.12.2025 17 Tanker, 21 Containerschiffe, sieben Autotransporter, zwei Massengutfrachter und zwei Bohranlagen. Umsatz 2025: 733,0 Millionen US-Dollar.

Gezahlt wurde seit dem NYSE-Listing 2004 in jedem Quartal — im Mai 2026 zum 89. Mal in Folge, angehoben auf 0,22 US-Dollar je Aktie. Sicher heißt das nicht: Im Herbst 2025 wurde die Rate von 0,27 auf 0,20 US-Dollar gekürzt, also um 25,9 Prozent. 2025 flossen 125,1 Millionen US-Dollar Dividende bei einem Jahresverlust von 26,4 Millionen — gedeckt war die Zahlung aus dem operativen Mittelzufluss von 267,1 Millionen, nicht aus dem Gewinn.

Wegen der Zinsen und einer stillstehenden Bohranlage. Dem Betriebsergebnis von 136,7 Millionen US-Dollar stand ein Zinsaufwand von 180,5 Millionen gegenüber; unter dem Strich blieben minus 26,4 Millionen US-Dollar beziehungsweise minus 0,20 US-Dollar je Aktie. Dazu kam eine Wertminderung auf Schiffe von 34,1 Millionen und ein Einbruch der Bohrerlöse um 59 Prozent auf 96,3 Millionen, weil die Halbtaucher-Bohranlage Hercules in Norwegen aufgelegt war.

Weil SFL bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Privatemittent (Foreign Private Issuer) geführt wird. Solche Gesellschaften reichen keinen Jahresbericht 10-K und keinen Quartalsbericht 10-Q ein, sondern einen Jahresbericht auf Form 20-F und laufende Meldungen auf Form 6-K. Die Quartalszahlen stecken deshalb in 6-K-Anlagen — für das erste Quartal 2026 in den Meldungen vom 12. und 13. Mai 2026. Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.

Zum 31. Dezember 2025 standen 2.584,1 Millionen US-Dollar an Krediten, Anleihen und Leasingfinanzierungen in den Büchern, davon 666,3 Millionen in fünf unbesicherten Anleihen mit Kupons zwischen 7,25 und 8,875 Prozent. Das Eigenkapital lag bei 960,9 Millionen US-Dollar, die Eigenkapitalquote bei rund 26 Prozent (31.03.2026: 27 Prozent). Binnen zwölf Monaten sind 742,8 Millionen US-Dollar vertragliche Zahlungen fällig.

Größter Aktionär ist die Hemen Holding Limited mit 25.728.687 Aktien beziehungsweise 17,8 Prozent (Stand 11.03.2026), gehalten über zwei Treuhandvermögen. Hemen ist zugleich Großaktionär weiterer börsennotierter Schifffahrts- und Ölservice-Gesellschaften; der Jahresbericht führt die möglichen Interessenkonflikte als eigenen Risikofaktor. 2024 kaufte SFL drei Produktentanker von Hemen nahestehenden Gesellschaften für zusammen 234,9 Millionen US-Dollar.

SFL klagte im März 2023 vor dem Bezirksgericht Oslo, weil die Bohranlage Hercules im Dezember 2022 nicht im vertraglich geschuldeten Zustand zurückgegeben worden sei. Im Februar 2025 verurteilte das Gericht Seadrill-Töchter zur Zahlung von rund 48 Millionen US-Dollar inklusive Verzugszinsen und Kosten; Seadrill legte am 5. März 2025 Berufung ein. Die Berufungsverhandlungen sind laut Jahresbericht für das zweite und dritte Quartal 2026 angesetzt.

Zum Datenstand 25. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar: ein Kurs-Umsatz-Verhältnis um 2 (Umsatz 2025: 733,0 Millionen) und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis um 1,6 (Buchwert 7,25 US-Dollar je Aktie). Der Unternehmenswert von rund 3,9 Milliarden entspricht etwa dem Neunfachen des bereinigten Betriebsergebnisses vor Abschreibungen. Die Dividendenrendite liegt bei rund 7 bis 8 Prozent — bei einer Markterwartung von nur rund 0,23 US-Dollar Gewinn je Aktie für 2026.

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