Serien-Steigerer im Rücktest: Sechs steigende Quartale schlagen den Markt nicht — 13,29 gegen 15,02 Prozent pro Jahr
Eine Firma, deren Gewinn je Aktie sechs Quartale in Folge über dem jeweiligen Vorjahresquartal liegt — ist das ein Kaufsignal? Und ist das Ende dieser Serie, der Riss, umgekehrt ein Verkaufssignal? Wir haben beide Fragen über dreizehneinhalb Jahre nachgerechnet, mit verschwundenen Aktien im Depot, mit dem Meldetermin statt dem Quartalsende als Stichtag und mit einer eigenen Event-Studie um den Rissmonat. Das Ergebnis ist doppelt ehrlich: Als Kaufsignal bleibt die Serie mit 13,29 Prozent pro Jahr knapp, aber klar hinter dem S&P 500 (15,02 Prozent) zurück — schlägt dafür das gleichgewichtete Universum (4,77 Prozent) deutlich. Der eigentliche Fund liegt woanders: Wer verkauft, sobald die Serie reißt, statt nach zwölf Monaten fest zu verkaufen, holt auf denselben Einstiegen 16,00 statt 13,29 Prozent heraus — die Serie trägt als Halteregel, nicht als Einstiegsvorteil. Der Riss selbst dagegen ist als Verkaufssignal wertlos: Der Kurs ist im Meldemonat schon unten, danach geht es nur noch mit Münzwurf-Wahrscheinlichkeit weiter bergab.
Die Frage: Ist eine Serie steigender Quartalsgewinne ein Kaufsignal — und ihr Ende ein Verkaufssignal?
In den Umsatzbeschleuniger- und Gewinnbeschleuniger-Rücktests ging es um die BESCHLEUNIGUNG — einen plötzlichen Sprung nach vier ruhigen Quartalen. Diese Studie fragt nach der STETIGKEIT: Was, wenn eine Firma nicht plötzlich beschleunigt, sondern einfach über viele Quartale hinweg jedes Mal mehr verdient als im Vorjahr? Eine Serie von sechs, acht oder zwölf steigenden Quartalen in Folge ist eine der ältesten Wachstumsgeschichten überhaupt — und die naheliegende zweite Frage folgt sofort: Ist das Ende dieser Geschichte, der Moment, in dem die Serie reißt, ein ebenso brauchbares Verkaufssignal?
- Serie. Eine Folge zusammenhängender Quartale, in denen das verwässerte Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften über dem jeweiligen VORJAHRESquartal liegt. Die Serienlänge zählt diese Quartale.
- Sonderfälle. Ein Vorjahresvergleich zählt nur, wenn Vorjahres- UND Signalquartal ein positives Ergebnis zeigen und die Nettomarge des Signalquartals mindestens 2 Prozent beträgt — sonst ist das Quartal weder Steigerung noch Basis für eine. Ohne diese Regel würde jede Rückkehr aus einem Cent Gewinn als „Verdoppelung" durchgehen.
- Varianten. s4 / s6 / s8 / s12 — die Zahl ist die geforderte Serienlänge in Quartalen. Hauptvariante ist s6. Die vier Varianten SIND die Längenfrage; ein eigener Längen-Arm innerhalb einer Variante würde fast dasselbe noch einmal zählen.
- frisch = die Serie hat die Schwelle unter Beobachtung erreicht · rand = sie stand beim ersten Blick 2013 schon darüber (Datenrand, IPO-Nähe).
- Verkauft wird nach fester Haltedauer (3, 6, 12 Monate) oder „solange die Serie lebt" — solange das jüngste gemeldete Quartal weiterhin über seinem Vorjahresquartal liegt, gedeckelt auf 120 Monate.
Und getrennt davon, in einer eigenen Event-Studie: Was passiert mit dem Kurs, wenn eine Serie REISST — wenn ein Quartal erstmals wieder unter seinem Vorjahreswert liegt? Ist der Riss ein Signal, das man verkaufen kann, oder ist der Schaden zu diesem Zeitpunkt längst geschehen?
Das Ergebnis: Die Serie schlägt den Markt NICHT — schlägt aber das Universum deutlich
Alle Hauptzahlen dieser Studie sind die konservativen — gerechnet ohne Positionen mit einem Monatssprung über 200 Prozent, die im Verdacht stehen, nicht nachgetragene Aktienzusammenlegungen zu sein (mehr dazu im Robustheitskapitel). Bei der Hauptvariante s6 fällt dieser Filter im Depot allerdings ins Leere: Keine einzige der 1.356 Positionen ist betroffen, konservativ und voll sind hier identisch.
| Arm | Positionen | Rendite p. a. | größter Rückschlag |
|---|---|---|---|
| Serie, alle Titel (ALLE) | 1.356 | 13,29 % | −29,11 % |
| Serie, frisch (unter Beobachtung entstanden) | 1.256 | 13,30 % | −29,12 % |
| Serie, rand (Datenrand 2013, n klein) | 100 | 4,83 % | −66,85 % |
| Serie, Umsatzbasis über 100 Mio $ (o100) | 1.307 | 13,15 % | −29,16 % |
| Serie, Umsatzbasis 10–100 Mio $ (u10_100) | 44 | 11,43 % | −46,99 % |
| Serie, Umsatzbasis unter 10 Mio $ (u10) | 5 | −3,78 % | −52,60 % |
| S&P 500 Total Return | — | 15,02 % | −23,87 % |
| Universum, gleichgewichtet (gestutzter Mittelwert) | — | 4,77 % | −53,23 % |
| Universum, mittlerer Titel | — | −5,45 % | −60,68 % |
Der Arm „rand" steht mit nur 100 Positionen und in 87 von 163 Monaten höchstens zwei gehaltenen Titeln für sich selbst — er ist eine Aussage über hundert Einzelfälle, nicht über eine Strategie. Der Arm „u10" mit 5 Positionen zeigt nur, dass die Serie bei Kleinstumsatz-Firmen nicht funktioniert. Der tragende Vergleich bleibt ALLE gegen frisch: Beide liegen fast deckungsgleich bei rund 13,3 Prozent — der Datenrand verzerrt das Hauptergebnis also nicht.
Über alle Haltedauern: dieselbe Reihenfolge — mit einer Ausnahme
| Haltedauer | Positionen | Titel/Monat (Median) | Monate mit ≤ 2 Titeln | Rendite p. a. |
|---|---|---|---|---|
| 3 Monate | 1.356 | 22 | 0 | 13,87 % |
| 6 Monate | 1.356 | 44,5 | 0 | 14,63 % |
| 12 Monate | 1.356 | 90 | 0 | 13,29 % |
| solange die Serie lebt | 1.356 | 86 | 0 | 16,00 % |
Der Arm ALLE hält in keiner Haltedauer weniger als 22 Titel im Median — anders als bei den engeren Beschleunigungs-Signalen der Geschwisterstudien ist dieses Depot nie dünn. Bei fester Haltedauer bewegt sich das Ergebnis zwischen 13,29 und 14,63 Prozent, alle drei unterhalb des Index. Nur die offene Haltedauer „solange" bricht aus dieser Bandbreite nach oben aus — dazu mehr im nächsten Kapitel.
Der Kontrollarm: Trägt die Serie, oder trägt nur die Haltezeit?
Das ist die entscheidende Gegenprobe dieser Studie. Alle vier Haltedauern laufen auf DENSELBEN Einstiegen — nur der Verkaufszeitpunkt unterscheidet sie. Liegt „solange die Serie lebt" nicht über den festen Fristen, hat das Serienende als Verkaufsregel keinen eigenen Wert, und der Rückblick wäre nur ein gewöhnlicher Halte-Test mit aufwendiger Begründung.
| Variante | Haltedauer | Positionen | Haltedauer im Schnitt (Monate) | Rendite p. a. |
|---|---|---|---|---|
| s4 | m3 | 3.209 | 3,0 | 9,25 % |
| s4 | m6 | 3.209 | 5,9 | 10,64 % |
| s4 | m12 | 3.208 | 11,6 | 11,66 % |
| s4 | solange | 3.208 | 8,9 | 12,89 % |
| s6 (Haupt) | m3 | 1.356 | 3,0 | 13,87 % |
| s6 (Haupt) | m6 | 1.356 | 5,9 | 14,63 % |
| s6 (Haupt) | m12 | 1.356 | 11,6 | 13,29 % |
| s6 (Haupt) | solange | 1.356 | 10,3 | 16,00 % |
| s8 | m3 | 693 | 3,0 | 7,60 % |
| s8 | m6 | 693 | 5,9 | 12,31 % |
| s8 | m12 | 693 | 11,5 | 14,28 % |
| s8 | solange | 693 | 10,9 | 16,28 % |
| s12 | m3 | 189 | 3,0 | 15,09 % |
| s12 | m6 | 189 | 5,8 | 17,33 % |
| s12 | m12 | 189 | 11,2 | 17,38 % |
| s12 | solange | 189 | 13,1 | 15,45 % |
In drei von vier Varianten schlägt „solange" die feste Zwölf-Monats-Frist: s4 mit 12,89 gegen 11,66 Prozent, s6 mit 16,00 gegen 13,29 Prozent (2,72 Prozentpunkte mehr, Konvention „gleichauf" liegt bei 1 Prozentpunkt Abstand), s8 mit 16,28 gegen 14,28 Prozent. Nur bei s12 dreht sich das Bild um (15,45 gegen 17,38 Prozent) — bei nur 189 Positionen und der strengsten Definition ist das die kleinste, am wenigsten belastbare Zelle der Studie. In der Hauptvariante und in zwei von drei Nachbarvarianten gilt: Der Ausstieg beim Serienende trägt mehr als eine feste Frist — und braucht dafür im Schnitt sogar weniger Kapitalbindung (10,3 statt 11,6 Monate bei s6).
Ist der Riss ein handelbares Verkaufssignal? Nein — der Kurs ist schon unten
Das Kontrollarm-Kapitel zeigt: Verkaufen, sobald die Serie endet, schlägt eine feste Frist. Bedeutet das, dass man den Riss auch aktiv als eigenständiges Verkaufssignal handeln kann — also eine Position, die man sonst gehalten hätte, extra wegen des Risses abstoßen sollte? Dazu läuft eine eigene Event-Studie, unabhängig vom Depot: Was passiert mit dem Kurs rund um den Monat, in dem eine Serie von mindestens sechs Quartalen zum ersten Mal reißt?
Grundlage sind 1.265 Risse mit Kursreihe (Hauptzahl ohne Kurssprung-Verdacht; Gegenprobe über alle Ereignisse: 1.266). Alle Werte sind Überrenditen gegen den S&P 500 Total Return, gerechnet ab dem Monatsende NACH dem Meldemonat (rel +1) als konservative, handelbare Lesart.
| Fenster | Ereignisse | Mittel | Median | Anteil negativ |
|---|---|---|---|---|
| handelbar, +1 bis +3 Monate | 1.246 | −0,61 % | −0,48 % | 52,33 % |
| handelbar, +1 bis +6 Monate | 1.206 | −1,06 % | −0,69 % | 51,24 % |
| handelbar, +1 bis +12 Monate | 1.161 | −1,32 % | −0,60 % | 50,65 % |
| nicht handelbar: Meldemonat (rel 0) | 1.263 | −0,95 % | −0,65 % | 53,44 % |
| nicht handelbar: Monat davor (rel −1) | 1.265 | −0,69 % | −0,82 % | 54,23 % |
Rel 0 ist der Monat, IN DEM das Filing liegt — seine Rendite enthält die Tage davor mit und ist deshalb nicht handelbar. Der Befund ist eindeutig: Der Einbruch steckt im Meldemonat selbst (−0,95 Prozent) und schon teilweise im Monat davor (−0,69 Prozent). Wer erst nach der Meldung verkauft, verkauft also ins bereits eingetretene Tal — was danach kommt, ist nur noch ein leichtes, stetiges Nachgeben von im Mittel 1,32 Prozent über zwölf Monate, und mit 50,65 Prozent negativen Fällen bei 1.161 Ereignissen ist das kaum mehr als ein Münzwurf. Der Riss ist kein handelbares Verkaufssignal mehr — aber auch kein Rückschlagskauf.
Wird eine lange Serie sicherer? Die Rissgefahr bleibt konstant bei rund einem Viertel
Eine naheliegende Erwartung wäre: Je länger eine Serie schon trägt, desto seltener reißt sie im nächsten Quartal — ein etabliertes Unternehmen sollte stabiler wachsen als ein junges. Die Basisraten (Hazard) widerlegen das:
| erreichte Länge (Quartale) | Episoden | verlängert | Riss | Stillstand |
|---|---|---|---|---|
| 6 | 1.521 | 69,95 % | 25,58 % | 2,30 % |
| 7 | 1.064 | 72,09 % | 23,68 % | 1,79 % |
| 8 | 767 | 69,36 % | 25,29 % | 2,87 % |
| 9 | 532 | 75,56 % | 21,24 % | 0,56 % |
| 10 | 402 | 69,15 % | 25,12 % | 2,49 % |
| 11 | 278 | 70,14 % | 25,54 % | 1,44 % |
| 12 | 195 | 75,38 % | 21,03 % | 1,54 % |
Über alle sieben Längen von 6 bis 12 Quartalen schwankt die Rissquote nur zwischen 21,03 und 25,58 Prozent, ohne erkennbaren Trend nach unten — sie bleibt konstant bei rund einem Viertel. Eine Serie, die schon zehn oder zwölf Quartale trägt, ist gegenüber einem Riss im Folgequartal nicht sicherer als eine, die gerade erst sechs erreicht hat. Ab Länge 13 schwankt die gemessene Rissquote zwischen 12 und 25 Prozent — bei dann aber nur noch 32 bis 147 Episoden je Länge zu klein, um daraus einen echten Trend abzulesen.
Der Covid-Sonderfall: gehäufte Risse, aber die Erholungsrallye statt des Einbruchs
Die Rissquote laufender Serien springt im ersten und zweiten Quartal 2020 auf 52,3 bzw. 50,0 Prozent — gegenüber 34,8 bis 43,0 Prozent im Vorjahr 2019. Von 1.272 Serienrissen insgesamt fallen 71 in diese Covid-Welle. Wer aber annimmt, diese Risse hätten das ohnehin negative Gesamtbild der Event-Studie nach unten gezogen, irrt: Es ist genau umgekehrt.
| Segment | Ereignisse | Mittel | Median | Anteil negativ |
|---|---|---|---|---|
| Covid-Risse (Q1/Q2 2020) | 69 | +7,19 % | +7,84 % | 40,58 % |
| ohne Covid-Risse | 1.092 | −1,86 % | −0,83 % | 51,28 % |
Die 2020er Risse waren die Erholungskohorte — sie ziehen das Gesamtbild nach OBEN, nicht nach unten. Als Sonderfall zeigen sie: Ein Riss, der aus einem marktweiten Schock entsteht statt aus einer firmenspezifischen Schwäche, kann sich anders verhalten als der Normalfall. Für das Kaufsignal selbst bleibt der Befund robust: Lässt man alle Einstiege zwischen April 2020 und Dezember 2022 weg (308 von 1.356 Positionen entfallen), sinkt die Rendite der Hauptvariante nur leicht von 13,29 auf 12,85 Prozent pro Jahr, und die offene Haltedauer von 16,00 auf 15,32 Prozent — das Ergebnis hängt nicht an dieser einen Kohorte.
Serie gegen Beschleunigung: früher, aber nicht ertragreicher
Alle Seiten: Haltedauer zwölf Monate, Rendite pro Jahr, Zeitraum Januar 2013 bis Juli 2026, konservative Rechnung. Die Vorgänger-Studien werden in ihrem Arm K|org gelesen (frische Beschleunigungs-Kohorte mit belegter Ruhe, organisch gewachsen) — die Arme sind nicht deckungsgleich, weil diese Studie keine Organik-Einstufung kennt (das ist eine Umsatzfrage). Verglichen wird deshalb der Arm ALLE dieser Studie gegen den Arm K|org der beiden Vorgänger.
| Rückblick | Variante/Arm | Positionen | Rendite p. a. konservativ | Rendite p. a. voll |
|---|---|---|---|---|
| Serien-Steigerer (diese Studie) | s6 / ALLE | 1.356 | 13,29 % | 13,29 % |
| Serien-Steigerer (diese Studie) | s6 / frisch | 1.256 | 13,30 % | 13,30 % |
| Umsatzbeschleuniger (Vorgänger) | k2_30_70_r15 / K|org | 277 | 16,56 % | 26,28 % |
| Gewinnbeschleuniger (Vorgänger) | g2_30_r15_m2 / K|org | 258 | 6,76 % | 6,76 % |
| S&P 500 Total Return | — | — | 15,02 % | |
Die Reihenfolge ist eindeutig: Umsatz-Beschleunigung vor S&P 500 vor Serie vor Gewinn-Beschleunigung. Die Serie meldet sich dabei aber oft am frühesten. Von 912 Firmen mit Serien-Signal tragen 136 (14,91 Prozent) auch eine Umsatz-Beschleunigung; die Serie kommt im Median 16 Monate FRÜHER (Quartile −56,3 bis +18,5 Monate; bei 78 Firmen zuerst die Serie, bei 56 zuerst die Umsatz-Beschleunigung, bei 2 im selben Monat). Von denselben 912 Firmen tragen 249 (27,30 Prozent) auch eine Gewinn-Beschleunigung, mit 21 Monaten Vorlauf im Median (bei 142 Firmen zuerst die Serie, bei 103 zuerst die Gewinn-Beschleunigung, bei 4 im selben Monat).
Ohne den Datenrand 2013 (nur Firmen der Klasse „frisch", 871 statt 912) bleibt der Vorlauf erhalten, schrumpft aber: 133 gemeinsame Firmen mit der Umsatz-Beschleunigung (15,27 Prozent, Median 14 Monate Vorlauf), 244 mit der Gewinn-Beschleunigung (28,01 Prozent, 17,5 Monate). Der Befund „die Serie meldet sich früher" übersteht die Gegenprobe — nur die genaue Zahl verändert sich etwas.
Robustheit: der Datenfehler, Corona und der Totalverlust-Fall
Ohne Kurssprung-Verdacht — die Hauptzahl, aber ohne Wirkung in s6
Der Kursbestand enthält Aktienzusammenlegungen, die im bereinigten Kurs nicht nachgetragen sind. Belegter Fall: Vectren (VVC) steht 2013-09 bis 2013-11 mit 5 Cent statt rund 35 Dollar im Bestand und bucht im Dezember +70.941 Prozent. In der Event-Studie hob dieses eine Ereignis die mittlere Zwölfmonats-Überrendite ALLER 1.162 Risse mit vollständiger Zwölfmonats-Kurve von −1,3 auf +59,7 Prozent — der Median blieb bei −0,6 Prozent nahezu unverändert. Deshalb ist die konservative Rechnung (ohne Ereignisse mit Monatssprung über 200 Prozent) überall die Hauptzahl, die volle Rechnung steht daneben.
Im Depot der Hauptvariante s6 betrifft der Filter keine einzige der 1.356 Positionen — konservativ und voll sind identisch. Nur die kleinere Variante s4 verliert in drei ihrer vier Haltedauern 1 bis 2 von rund 3.209 Positionen (0,03 bis 0,06 Prozent). Die Konvention läuft trotzdem überall gleich, weil sie an einer anderen Stelle (der Event-Studie) tatsächlich etwas ändert.
Ohne Covid-Einstiege (April 2020 bis Dezember 2022 weggelassen)
| Haltedauer | Positionen | Rendite p. a. | entfallene Positionen |
|---|---|---|---|
| 3 Monate | 1.048 | 10,87 % | 308 von 1.356 |
| 6 Monate | 1.048 | 12,99 % | 308 von 1.356 |
| 12 Monate | 1.048 | 12,85 % | 308 von 1.356 |
| solange die Serie lebt | 1.048 | 15,32 % | 308 von 1.356 |
Eine Serie verlangt vier bis zwölf Vorjahresvergleiche hintereinander — der Einbruch von 2020 trägt sie deshalb bis weit ins Jahr 2022 mit hinein. Der Befund kippt trotzdem nicht: Bei zwölf Monaten sinkt die Rendite nur leicht von 13,29 auf 12,85 Prozent, bei „solange" von 16,00 auf 15,32 Prozent. Der Vorsprung der offenen Haltedauer bleibt erhalten.
Die Totalverlust-Spur
Der Bestand kennt das Ende einer Kursreihe, aber nicht ihren Grund — eine Übernahme zum Aufschlag und eine Insolvenz sehen darin gleich aus. In der Hauptrechnung wird beim Delisting zum letzten bekannten Kurs zwangsverkauft; in der Totalverlust-Rechnung kostet derselbe Zwangsverkauf −100 Prozent.
| Haltedauer | p. a. mit letztem Kurs | p. a. mit Totalverlust | Abstand |
|---|---|---|---|
| 3 Monate | 13,87 % | 11,77 % | 2,10 pp |
| 6 Monate | 14,63 % | 13,29 % | 1,35 pp |
| 12 Monate | 13,29 % | 12,11 % | 1,18 pp |
| solange die Serie lebt | 16,00 % | 14,83 % | 1,17 pp |
Bei zwölf Monaten Haltedauer betreffen 14 von 1.356 Positionen (1,03 Prozent) einen Zwangsverkauf; 87 Positionen stehen am Studienende noch offen. Der Abstand von rund 1,2 Prozentpunkten ist die ehrliche Bandbreite dessen, wie viel an der Annahme „Zwangsverkauf zum letzten Kurs" hängt.
Wie wir gerechnet haben
- Basisgröße. Verwässertes Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften — unverändert aus dem Backtest „Gewinnbeschleuniger" übernommen: dieselbe Tag-Kaskade (IncomeLossFromContinuingOperationsPerDilutedShare, EarningsPerShareDiluted, EarningsPerShareBasicAndDiluted, ersatzweise Quartalsgewinn geteilt durch die gewichtete verwässerte Aktienzahl), dieselbe Point-in-time-Regel.
- Quelle. SEC-EDGAR-XBRL, öffentliche Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht. Point-in-time über das Meldedatum (Feld „filed"); bei Nachmeldungen zählt der zuerst gemeldete Wert.
- Stichtag ist die ganze Pointe. Gerechnet wird ausschließlich auf Quartalen, die am jeweiligen Monatsende bei der SEC eingereicht waren — nicht ab dem Quartalsende.
- Q4-Regel. Das vierte Quartal wird beim Nettogewinn aus der Jahresdifferenz abgeleitet und erst danach durch die Aktienzahl geteilt. 13,59 Prozent der Quartale sind auf diesem Weg rechnerisch abgeleitet, weil die SEC das vierte Quartal nicht einzeln verlangt.
- Kleinstbasis-Schutz. Ein Vorjahresvergleich zählt nur bei positivem Ergebnis in Basis- UND Signalquartal und einer Nettomarge von mindestens 2 Prozent im Signalquartal. 20,11 Prozent der Quartale haben keinen Umsatz und damit keine Marge — sie zählen nie stillschweigend als „Marge hoch genug".
- Depot. Gleichgewichtet, monatliches Rebalancing, 0,1 Prozent Kosten je Seite, Mindestkurs 1 Dollar am Einstiegstag (gemessen am Rohkurs, gerechnet am bereinigten Kurs). Gekauft wird beim Erstsignal einer Episode; eine laufende Position wird nicht aufgestockt.
- Verschwundene Titel sind enthalten und bleiben im Depot. Endet eine Kursreihe mitten im Zeitraum, wird zum letzten Kurs zwangsverkauft — bei der Hauptvariante s6/m12 betrifft das 1,03 Prozent der 1.356 Positionen (14 Zwangsverkäufe). Das ist der Grund, warum dieser Rückblick überhaupt aussagt.
- Event-Studie. Läuft unabhängig vom Depot um den Meldemonat des Risses (rel 0). Rel 0 ist der Monat, IN DEM das Filing liegt und enthält die Tage davor mit; die Aufteilung zwischen rel 0 und rel +1 ist deshalb unscharf, die handelbare Zahl ab rel +1 ist die konservative Lesart. Nur Risse zählen als Ereignis; Stillstands-Enden und am Datenrand abbrechende Serien stehen stattdessen in den Basisraten.
- Zeitraum. Januar 2013 bis Juli 2026, 163 Monate.
- Datenbasis. 6.671 CIKs mit Quartalsreihe, 98,37 Prozent Abdeckung der Umsatz-CIKs des zugrunde liegenden Universums.
- Gegenprobe. Die im Bericht neu aggregierten Monatsreihen weichen von den im Depotlauf gespeicherten um 0 Prozentpunkte ab, über alle 4 Varianten × 4 Haltedauern × 12 Arme × 163 Monate.
Quellen. Quartalsergebnisse und Meldetermine stammen aus den öffentlichen Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht (10-K/10-Q, maschinenlesbar über EDGAR). Kursreihen und Vergleichsmaßstab S&P 500 Total Return aus unserem eigenen Bestand, unverändert aus dem Umsatz- und Gewinnbeschleuniger-Rücktest übernommen.
Was diese Studie nicht sagt
- Eine Serie, die 2013 schon lief, hat ihren Anfang nicht unter Beobachtung. 98 von 912 Firmen mit Serien-Signal (10,7 Prozent) tragen ihr Erstsignal im Januar 2013, dem ersten Monat, in dem die Studie überhaupt hinsieht. Das ist kein Fehler, aber auch kein Signal, das man in Echtzeit hätte handeln können — die Klasse „rand" steht deshalb getrennt von „frisch".
- 13,59 Prozent der Quartale sind rechnerisch abgeleitet (siehe Methodik) und 20,11 Prozent haben keine Marge und fallen aus jedem Vorjahresvergleich heraus.
- Gehandelt wird an Monatsstichtagen, nicht an Tagen. Ein Filing am 2. und eines am 30. desselben Monats führen zum selben Einstiegskurs — und dieselbe Unschärfe gilt für den Meldemonat der Event-Studie.
- Der Kursbestand enthält Aktienzusammenlegungen, die im bereinigten Kurs nicht nachgetragen sind (Beleg VVC). Geprüft wird nur ein Monatssprung über 200 Prozent nach OBEN — kleinere, nicht nachgetragene Zusammenlegungen können auch in der konservativen Zahl noch stecken. Ein Absturz um 95 Prozent bleibt bewusst drin, weil dieselbe Schwelle nach unten echte Zusammenbrüche wegwerfen und das Ergebnis schönen würde.
- Steuern und Handelsspannen fehlen. Gerechnet sind 0,1 Prozent Kosten je Seite, sonst nichts.
- Die Event-Studie zeigt einen Durchschnitt, keine Einzelfall-Vorhersage. Die Streuung ist groß (Segment „Länge 8–9" bringt im Mittel −2,21 Prozent, Segment „Länge ≥10" nur −0,68 Prozent — keine monotone Ordnung nach Serienlänge).
- Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.
Was wir daraus (nicht) gebaut haben
Aus diesem Rücktest wird KEIN Live-Scanner für den Einstieg. Als Kaufsignal bleibt die Serie durchgehend hinter dem S&P 500 zurück — mit oder ohne Corona-Kohorte, in fast jeder Umsatzklasse. Der eigentliche Befund liegt nicht im Einstieg, sondern im Ausstieg: Wer eine Position hält, solange die zugrunde liegende Serie lebt, statt nach einer festen Frist zu verkaufen, verbessert das Ergebnis spürbar — in drei von vier geprüften Varianten, bei kürzerer durchschnittlicher Kapitalbindung. Der Riss selbst dagegen ist als eigenständiges Timing-Signal wertlos: Der Kurs ist im Meldemonat bereits unten, und was danach kommt, ist kaum mehr als ein Münzwurf.
Wer nach einem Wachstumssignal sucht, das im Rückblick den Markt geschlagen hat, findet es in der Umsatzbeschleuniger-Studie und im gleichnamigen Live-Scanner.
Häufige Fragen
Zwei Fragen in einer Regel. Erstens: Ist eine Serie steigender Quartalsgewinne ein Kaufsignal? Eine Serie ist eine Folge zusammenhängender Quartale, in denen das verwässerte Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften über dem jeweiligen Vorjahresquartal liegt; ein Vorjahresvergleich zählt nur bei positivem EPS in Basis- UND Signalquartal und einer Nettomarge von mindestens 2 Prozent im Signalquartal. Gekauft wird zum Monatsende, sobald die Serie die Schwelle der Variante (4, 6, 8 oder 12 Quartale) erstmals erreicht, gehalten wird 3, 6 oder 12 Monate oder „solange die Serie lebt". Zweitens: Ist das Ende dieser Serie, der Riss, ein Verkaufssignal? Dazu läuft eine eigene Event-Studie um den Meldemonat des Risses, unabhängig vom Depot.
Nein, aber knapp. Konservativ gerechnet bringt die Hauptvariante (Serie von mindestens sechs Quartalen) 13,29 Prozent pro Jahr bei zwölf Monaten Haltedauer (1.356 Positionen) gegenüber 15,02 Prozent beim S&P 500 Total Return — ein Abstand von 1,74 Prozentpunkten. Gegen das gleichgewichtete Universum mit 4,77 Prozent pro Jahr liegt die Serie dagegen klar vorn, und der größte Rückschlag (−29,11 Prozent) bleibt im Rahmen dessen, was ein Einzeltitel-Depot mit sich bringt.
Das ist der eigentliche Befund dieser Studie. Alle vier Haltedauern (3, 6, 12 Monate, „solange") laufen auf DENSELBEN Einstiegen — nur der Verkaufszeitpunkt unterscheidet sie. Bei fester Zwölf-Monats-Frist stehen 13,29 Prozent zu Buche, bei „solange die Serie lebt" dagegen 16,00 Prozent (2,72 Prozentpunkte mehr) — bei einer kürzeren mittleren Haltedauer von 10,3 statt 11,6 Monaten. Die Serie trägt also nicht als Einstiegsvorteil, sondern als AUSSTIEGSREGEL: Wer verkauft, sobald sie endet, schlägt den, der stur zwölf Monate hält.
Nein. Von 1.161 Rissen mit vollständiger Zwölf-Monats-Kurve verliert eine Position, die erst am Monatsende NACH der Meldung verkauft wird, im Mittel nur noch 1,32 Prozent Überrendite (Median 0,60 Prozent) gegenüber dem S&P 500 — und nur 50,65 Prozent der Fälle laufen überhaupt schlechter als der Markt, kaum mehr als ein Münzwurf. Der eigentliche Einbruch steckt im Meldemonat selbst (im Mittel −0,95 Prozent) und teilweise schon im Monat davor (−0,69 Prozent). Wer nach der Meldung verkauft, verkauft ins bereits eingetretene Tal, nicht davor.
Nein. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Serie im nächsten Quartal reißt statt sich zu verlängern oder in Stillstand zu gehen, liegt bei jeder erreichten Länge zwischen 6 und 12 Quartalen bei rund einem Viertel — von 25,58 Prozent bei Länge 6 bis 21,03 Prozent bei Länge 12, ohne erkennbaren Trend nach unten. Eine Serie, die schon acht oder zehn Quartale trägt, ist gegenüber dem Riss im Folgequartal nicht sicherer als eine, die gerade erst sechs erreicht hat.
Unter identischer Konvention (zwölf Monate Haltedauer, Rendite pro Jahr, konservativ gerechnet) liegt die Serie mit 13,29 Prozent (1.356 Positionen) zwischen den beiden Geschwister-Rückblicken: Die Umsatz-Beschleunigung schlägt sie mit 16,56 Prozent (277 Positionen), die Gewinn-Beschleunigung bleibt mit 6,76 Prozent (258 Positionen) deutlich dahinter. Von 912 Firmen mit Serien-Signal tragen 136 (14,91 Prozent) auch eine Umsatz-Beschleunigung — die Serie meldet sich dabei im Median 16 Monate früher; 249 (27,30 Prozent) tragen auch eine Gewinn-Beschleunigung, mit 21 Monaten Vorlauf. Die Serie ist damit das früheste der drei Signale, aber nicht das ertragreichste.
Ja, bei den Rissen. Von 1.272 Serienrissen fielen 71 in die Covid-Welle 2020 — deutlich mehr Serien rissen im ersten und zweiten Quartal 2020 als im Vorjahr. Ihre Kursreaktion ist aber der Gegenfall zum übrigen Befund: Die 69 Covid-Risse mit vollständiger Kurve bringen im Mittel +7,19 Prozent Überrendite in den folgenden zwölf Monaten (Erholungsrallye), während die übrigen 1.092 Risse im Mittel −1,86 Prozent bringen. Als Kaufsignal bleibt der Befund robust: Ohne alle Einstiege zwischen April 2020 und Dezember 2022 (308 von 1.356 Positionen entfallen) sinkt die Rendite der Hauptvariante nur leicht auf 12,85 Prozent pro Jahr.