Börsenlotse
Kauftag heute: Gut (62 ) Breite Marktteilnahme · Breite steigend (+3 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Gewinnbeschleuniger im Rücktest: Der frische Gewinnknick schlägt den Markt nicht — 6,76 gegen 15,02 Prozent pro Jahr

Gewinnbeschleuniger im Rücktest: Der frische Gewinnknick schlägt den Markt nicht — 6,76 gegen 15,02 Prozent pro Jahr

Eine Firma, deren Gewinn je Aktie nach vier ruhigen Quartalen plötzlich um mindestens 30 Prozent zulegt — ist das ein Kaufsignal? Beim Umsatz war die Antwort ja. Beim Gewinn haben wir dieselbe Regel über dreizehneinhalb Jahre und 34.940 Signale der Hauptvariante nachgerechnet, mit verschwundenen Aktien im Depot, mit dem Meldetermin statt dem Quartalsende als Stichtag und ohne Obergrenze im Wachstumsband, weil Gewinnsprünge um ein Vielfaches stärker streuen als Umsatzsprünge. Die Antwort lautet diesmal nein: Der frische Gewinnknick bleibt mit 6,76 Prozent pro Jahr klar hinter dem S&P 500 samt Dividenden (15,02 Prozent) zurück — auch nach höheren Schwellen, nach einem Wachstumsdeckel und ohne den Corona-Basiseffekt. Der Umsatzknick, sein Geschwister-Signal, schlug den Markt. Und er kam im Median vier Monate nach dem Gewinnknick.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 16 Min. Lesezeit
Gewinnbeschleuniger im Rücktest: Der frische Gewinnknick schlägt den Markt nicht — 6,76 gegen 15,02 Prozent pro Jahr
Börsenlotse

Die Frage: Ist der Knick im GEWINN das bessere Signal als der Knick im Umsatz?

Der Umsatzbeschleuniger-Rücktest hat gezeigt: Eine Firma, deren Umsatz nach vier ruhigen Quartalen plötzlich um 30 bis 70 Prozent zulegt, war im Rückblick — mit Einschränkungen — ein besserer Kauf als eine, die schon lange stark wächst. Die naheliegende Anschlussfrage: Gilt dasselbe für den GEWINN je Aktie? Ein Gewinnsprung ist die dramatischere Schlagzeile, und er ist es, worauf viele Anleger zuerst schauen.

Wir haben dieselbe Grundregel auf das verwässerte Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften übertragen — mit einer bewussten Abweichung: Beim Umsatz gab es ein Wachstumsband mit Obergrenze (30 bis 70 Prozent), weil dreistelliges Wachstum kein Anfang mehr ist. Beim Gewinn gibt es keine Obergrenze. Der Grund ist Arithmetik: Ein Gewinn-Vorjahresvergleich streut um ein Vielfaches stärker als ein Umsatzvergleich, weil der Nenner — der Vorjahresgewinn — oft sehr klein ist. Ein Deckel bei 70 Prozent hätte nicht die Übertreiber herausgefiltert, sondern die halbe Kohorte gekappt. Was ein Deckel brächte, zeigen wir trotzdem als Sensitivität weiter unten.

  • Beschleunigung. Die jüngsten mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartale wachsen je mindestens 30 Prozent gegenüber ihrem Vorjahresquartal.
  • Ruhe davor. Die vier Quartale unmittelbar vor dem ersten Beschleunigungsquartal wuchsen je unter 15 Prozent.
  • Sonderfälle. Ein Vorjahresvergleich zählt nur, wenn Vorjahres- UND Signalquartal ein positives Ergebnis zeigen und die Nettomarge des Signalquartals mindestens 2 Prozent beträgt — sonst zählt das Quartal WEDER als Ruhe NOCH als Beschleunigung. Das ist der Kleinstbasis-Schutz: Ohne ihn würde eine Firma, die von einem Cent Gewinn auf zwei Cent kommt, als „Verdoppelung" durchgehen.

Wer die Beschleunigung erfüllt, aber die Ruhe nicht in vier Quartalen belegen kann (meist ein Börsenneuling), zählt als K-jung. Wer schon vorher wuchs, zählt als L-alt — etablierter Gewinnwachser. Nur wer beides sauber erfüllt, ist der frische Knick (K). Ein eigenes zweites Segment, die Verlust-zu-Gewinn-Wende, misst separat, ob sich der Sprung aus mindestens vier Verlustquartalen in Folge in mindestens zwei Gewinnquartale lohnt — dort ist ein Vorjahresvergleich per Definition unmöglich, deshalb bleibt es getrennt.

Das Ergebnis: der frische Gewinnknick schlägt den Markt NICHT

Alle Hauptzahlen dieser Studie sind die konservativen — gerechnet ohne Positionen mit einem Monatssprung über 200 Prozent, die im Verdacht stehen, nicht nachgetragene Aktienzusammenlegungen zu sein (mehr dazu im Kapitel zum Datenfehler). Bei zwölf Monaten Haltedauer, organisch gewachsen:

Rendite pro Jahr, 12 Monate Haltedauer, Januar 2013 bis Juli 2026, gleichgewichtet, 0,1 % Kosten je Seite, konservativ gerechnet (ohne Monatssprung über 200 %). Die ersten drei Zeilen sind auf organisch gewachsene Firmen beschränkt; die Zeile „alle Käufe des Rücktests" führt jede Herkunft. Die Positionszahlen sind die der vollen Rechnung — die konservative lässt in dieser Zeile sechs davon weg.
ArmPositionenRendite p. a. konservativRendite p. a. vollgrößter Rückschlag (konservativ)
frischer Gewinnknick, organisch2586,76 %6,76 %−27,46 %
Historie zu kurz, organisch1.38711,20 %15,35 %−38,79 %
etablierter Gewinnwachser, organisch90314,24 %15,75 %−31,87 %
alle Käufe des Rücktests4.24012,09 %13,81 %−31,56 %
S&P 500 Total Return15,02 % (in beiden Rechnungen identisch)−23,87 %
Universum, gleichgewichtet (gestutzter Mittelwert)4,77 % (in beiden Rechnungen identisch)−53,23 %
Universum, mittlerer Titel−5,45 % (in beiden Rechnungen identisch)−60,68 %

Keine der drei Frische-Klassen schlägt den Index verlässlich. Der frische Knick liegt am weitesten dahinter, der etablierte Gewinnwachser kommt am nächsten heran, ohne ihn zu übertreffen. Zum Vergleich: Beim Umsatzbeschleuniger lag genau dieselbe Konstellation umgekehrt — dort schlug der frische Knick sowohl den etablierten Wachser als auch den Markt. Beim Gewinn ist die Rangfolge der drei Klassen umgedreht: Der etablierte Gewinnwachser liegt oben, dahinter „Historie zu kurz", der frische Knick unten. Und keine der drei erreicht den S&P 500.

Über alle Haltedauern: dasselbe Bild

Damit das kein Zufall der Zwölf-Monats-Wahl ist, zeigen wir alle vier Haltedauern — mit Median der gehaltenen Titel pro Monat und Zahl der Monate mit höchstens zwei Titeln, damit erkennbar bleibt, wo ein Depot dünn wird.

Rendite pro Jahr je Haltedauer, organisch, konservativ gerechnet, mit Median der gehaltenen Titel pro Monat und Zahl der Monate mit höchstens zwei Titeln. Positionen in der vollen Rechnung.
HaltedauerArmPositionenTitel/Monat (Median)Monate mit ≤ 2Rendite p. a.
3 Monatefrischer Gewinnknick, organisch2584355,13 %
3 Monateetablierter Gewinnwachser, organisch1.01718018,32 %
6 Monatefrischer Gewinnknick, organisch258738,48 %
6 Monateetablierter Gewinnwachser, organisch1.01736016,67 %
12 Monatefrischer Gewinnknick, organisch2581506,76 %
12 Monateetablierter Gewinnwachser, organisch90364014,24 %
solange das Wachstum hältfrischer Gewinnknick, organisch2581008,54 %
solange das Wachstum hältetablierter Gewinnwachser, organisch96341,5017,19 %

Bei drei Monaten Haltedauer hält der frische Knick in 35 von 156 investierten Monaten höchstens zwei Titel — ein Depot, das eher einzelne Firmen misst als eine Strategie. Erst ab zwölf Monaten steht der Arm durchgehend auf mindestens drei Titeln. Über keine Haltedauer kommt der frische Knick über 8,54 Prozent hinaus.

Der etablierte Gewinnwachser liegt in jeder Haltedauer vorn, und er ist der Arm, der den S&P 500 am häufigsten schlägt: bei drei Monaten mit 18,32 gegen 15,02 Prozent, bei sechs Monaten mit 16,67 Prozent und auf Dauerhaltung mit 17,19 Prozent. Ausgerechnet bei zwölf Monaten, dem Hauptmodus dieser Studie, fällt er mit 14,24 Prozent knapp darunter. Über den Index kommt sonst nur noch die Klasse „Historie zu kurz" auf Dauerhaltung, und zwar knapp (15,14 Prozent). Der frische Knick — das eigentlich getestete Signal — schafft es in keiner einzigen Haltedauer. Der Vorsprung des etablierten Wachsers ist dabei ein Nebenbefund, keine Kaufregel: Die Klasse beschreibt Firmen, die schon vor der Beschleunigung wuchsen — also genau das Gegenteil dessen, was dieser Rücktest untersucht. Ein Depot auf dieser Klasse ist hier nicht getestet, und die Klasse ist als Vergleichsgruppe angelegt, nicht als Strategie.

Zweites Segment: Zahlt sich die Verlust-zu-Gewinn-Wende aus?

Eigene Kohorte, eigene Regel: mindestens vier Verlustquartale in Folge, danach mindestens zwei Quartale in Folge erstmals positives Ergebnis. Diese Zahlen werden mit dem Hauptsegment nie zusammengerechnet — ein Vorjahresvergleich wäre hier undefiniert, weil das Vorjahresquartal per Definition ein Verlust ist. Aus demselben Grund lautet auch die vierte Haltebedingung hier anders: Gehalten wird, solange das jüngste gemeldete Quartal ein positives Ergebnis zeigt — nicht, solange ein Wachstumsvorsprung hält.

Verlust-zu-Gewinn-Wende: Rendite pro Jahr, konservativ gerechnet. Positionen in der vollen Rechnung.
HaltedauerArmPositionenTitel/Monat (Median)Rendite p. a.größter Rückschlag
3 Monatealle Wenden972175,27 %−57,31 %
3 MonateWenden, organisch5881113,62 %−42,13 %
6 Monatealle Wenden972345,95 %−44,49 %
6 MonateWenden, organisch5882214,92 %−31,71 %
12 Monatealle Wenden9716710,02 %−42,00 %
12 MonateWenden, organisch58842,514,43 %−34,04 %
solange der Gewinn hältalle Wenden9667810,99 %−38,56 %
solange der Gewinn hältWenden, organisch5864814,67 %−31,93 %

Organisch gewachsen kommt die Wende bei zwölf Monaten Haltedauer nahe an den Markt heran (14,43 gegen 15,02 Prozent S&P 500) — praktisch gleichauf mit dem etablierten Gewinnwachser (14,24 Prozent), aber wie er ohne den Index zu schlagen. Und der größte Rückschlag liegt mit 34,04 bis 42,00 Prozent deutlich tiefer als beim Index (23,87 Prozent). Über alle Wenden zusammen, auch anorganische und unbekannte, bricht das Bild ein: nur 10,02 Prozent pro Jahr bei zwölf Monaten. Ein Musterfall aus der Handnachrechnung: Optical Cable (OCC), Einstieg Dezember 2014 nach vier Verlustquartalen und zwei anschließenden Gewinnquartalen — die Position verlor über zwölf Monate 36,36 Prozent.

Gewinn gegen Umsatz: Wer kommt zuerst, wer zahlt besser?

Das ist die eigentliche Pointe dieser Studie. Unter identischer Konvention — Haltedauer zwölf Monate, Rendite pro Jahr, Zeitraum Januar 2013 bis Juli 2026, Arm K und organisch, konservativ gerechnet — liegt der Umsatzknick klar vorn:

Gewinnknick gegen Umsatzknick, 12 Monate Haltedauer, frischer Knick, organisch, konservativ gerechnet. Positionen in der vollen Rechnung.
RückblickPositionenRendite p. a. konservativRendite p. a. voll
Gewinnknick (diese Studie)2586,76 %6,76 %
Umsatzknick (Vorgänger-Studie)27716,56 %26,28 %
S&P 500 Total Return15,02 %

Der Umsatzknick schlägt den Markt (16,56 gegen 15,02 Prozent), der Gewinnknick verfehlt ihn deutlich (6,76 Prozent). Und doch kommt der Gewinnknick zeitlich häufig zuerst: 2.129 Firmen hatten einen Gewinnknick, 2.157 einen Umsatzknick, 1.050 beides — das sind 49,32 Prozent der Gewinnknick-Firmen. Der Median-Abstand zwischen den ersten Signalmonaten beider Seiten beträgt 4,0 Monate zugunsten des Gewinns: Der Gewinn läuft vor. Aufgeschlüsselt nach Firma: Bei 565 kam der Gewinnknick zuerst, bei 414 der Umsatzknick, bei 71 im selben Monat.

Das ist ein Befund, keine Handelsregel: Ein Depot aus Firmen mit beiden Signalen wurde hier NICHT gebaut und nicht getestet — es wäre eine eigene Studie mit eigener Regel und eigener Prüfung. Was diese Studie zeigt, ist die Reihenfolge und ihr Preis: Wer auf den Gewinn schaut, ist früher dran, bezahlt aber schlechter. Der Umsatzknick bleibt das tragende Signal.

Sensitivitäten: was die Regel robust macht — und was nicht

Je Variante ist genau eine Stellschraube gegenüber der Hauptvariante verdreht, alles andere gleich. Zwölf Monate Haltedauer, frischer Knick, organisch, konservativ gerechnet:

Je Variante ist genau EINE Stellschraube gegenüber der Hauptvariante verdreht; 12 Monate Haltedauer, frischer Knick, organisch, konservativ gerechnet. Positionen in der vollen Rechnung.
VarianteWas verdreht wurdePositionenRendite p. a.
g2_30_r15_m2 (Haupt)Schwelle 30 %, Ruhe unter 15 %, Marge ≥ 2 %2586,76 %
g2_25_r15_m2Schwelle auf 25 % gesenkt3207,86 %
g2_50_r15_m2Schwelle auf 50 % angehoben1243,24 %
g2_80_r15_m2Schwelle auf 80 % angehoben590,22 %
g2_30_70_r15_m2Wachstumsdeckel 30–70 % eingezogen7410,86 %
g3_30_r15_m2drei statt zwei Beschleunigungsquartale verlangt1519,64 %
g2_30_r10_m2Ruhegrenze auf 10 % verschärft2076,45 %
g2_30_r20_m2Ruhegrenze auf 20 % gelockert3326,88 %
g2_30_r15_m0Margenregel entfernt (0 % statt 2 %)3888,43 %
g2_30_r15_m5Margenregel verschärft (5 % statt 2 %)1447,49 %

Höhere Wachstumsschwellen verschlechtern das Ergebnis konsequent: von 6,76 Prozent bei 30 Prozent Mindestwachstum auf 3,24 Prozent bei 50 Prozent und 0,22 Prozent bei 80 Prozent — je enger die Definition von „Beschleunigung", desto schwächer die Rendite, nicht besser. Ein Wachstumsdeckel von 30 bis 70 Prozent (wie beim Umsatzbeschleuniger) hilft: 10,86 statt 6,76 Prozent, bei nur noch 74 Positionen — aber auch das bleibt unter den 15,02 Prozent des Marktes. Wer drei statt zwei Beschleunigungsquartale abwartet, verbessert sich ebenfalls (9,64 Prozent, 151 Positionen) — anders als beim Umsatzbeschleuniger, wo spätere Bestätigung die Rendite fast auf null drückte. Die Ruhegrenze und die Margenregel verändern das Bild dagegen kaum. Keine der zehn Varianten kommt an den S&P 500 heran.

Robustheit ohne Corona-Basiseffekt

Ein Gewinnknick misst das Vorjahresquartal. Wer im Frühjahr 2020 den Betrieb einstellen musste, verdiente ein Jahr später rechnerisch ein Vielfaches, ohne dass ein Kunde dazugekommen wäre — und der Einbruch davor liefert die Ruhe-Bedingung gleich mit. Beim Gewinn wirkt das stärker als beim Umsatz, weil Fixkosten den Nenner fast auf null drücken können. Wir haben deshalb alle Einstiege zwischen April 2020 und Dezember 2022 weggelassen. Diese Gegenprobe ist als einzige Tabelle der Studie die volle Rechnung: Der Lauf führt für sie keine konservative Fassung, und wir beschriften sie deshalb auch nicht so.

Ohne Einstiege 2020-04 bis 2022-12 (Corona-Basiseffekt), Rendite pro Jahr, volle Rechnung — für diese Gegenprobe liegt keine konservative Fassung vor
Haltedauerfrischer Knick, organischetablierter Wachser, organischalle Käufeentfallene Positionen
3 Monate4,37 %16,59 %13,90 %1.186 von 4.587
6 Monate6,49 %19,78 %13,27 %1.186 von 4.583
12 Monate5,89 %16,18 %13,84 %1.090 von 4.240
solange das Wachstum hält4,38 %17,41 %14,36 %1.169 von 4.519

Der Befund kippt nicht: Bei zwölf Monaten Haltedauer sinkt der frische Knick von 6,76 auf 5,89 Prozent (177 statt 258 Positionen) — er bleibt unter dem Markt, mit oder ohne Corona-Basiseffekt. Auch die Verlust-zu-Gewinn-Wende hält im Kern: Ohne Corona-Spanne kommt sie bei zwölf Monaten organisch auf 14,13 Prozent (429 der 588 Positionen bleiben übrig), ähnlich zur Hauptrechnung.

Wie viele Signale gibt es überhaupt?

Die Zahl der Signale schwankt stark mit dem Marktumfeld — 2021 und 2022 sind die trefferreichsten Jahre der Hauptvariante, teils ebenfalls durch den Corona-Basiseffekt begünstigt.

Signale je Kalenderjahr, Hauptvariante (g2_30_r15_m2); ein Signal ist eine Firma an einem Monatsstichtag
JahrFirmenSignalefrischer Knick (K)Historie zu kurz (K-jung)wuchs schon vorher (L-alt)
20134071.9371521.247538
20144222.0171631.299555
20154302.1972511.323623
20163871.9101981.152560
20174612.2882161.368704
20186853.5022202.1081.174
20195732.4221231.524775
20204472.0871661.314607
20217544.1576212.1031.433
20227403.8243962.3371.091
20235332.4792501.436793
20244762.3702861.387697
20254642.2891781.401710
2026 (Teiljahr, bis Juli)3861.461108835518

Über alle 14 Jahre (2013 bis Teiljahr 2026) trägt die Hauptvariante 34.940 Signalzeilen; über alle elf gerechneten Varianten zusammen sind es 282.400. 2.882 Firmen haben überhaupt ein Signal ausgelöst. Der K-Arm bleibt dabei durchgehend der kleinste der drei Frische-Klassen — ein Muster, das im Kapitel „Was diese Studie nicht sagt" wieder aufgegriffen wird.

Der Datenfehler, der die Vergleichszahlen belastet — und warum die konservative Zahl vorn steht

Beim Nachrechnen einzelner Positionen fielen mehrere auf, deren Monatsrendite über 200 Prozent lag — ein Wert, der fast immer denselben Grund hat: eine Aktienzusammenlegung, die im bereinigten Kurs nie nachgetragen wurde. Drei Fälle sind an der Kursreihe direkt nachweisbar:

  • BVH: Rohkurs springt von 2,75 im November 2015 auf 84,75 im Dezember 2015, bei praktisch unverändertem Verhältnis von bereinigtem zu rohem Kurs — eine Aktienzusammenlegung, die nie ankam.
  • NCS: Rohkurs springt von 5,71 im Juni 2019 auf 64,00 im Juli 2019, bereinigter Kurs bleibt gleich dem Rohkurs — derselbe Fehlertyp.
  • TASR: Der Bereinigungsfaktor bricht zwischen Dezember 2015 und Januar 2016 zusammen, obwohl der Rohkurs FÄLLT — kein Kurssprung, sondern ein wiederverwendetes Börsenkürzel.
Wirkung der kurssprung-verdächtigen Positionen (Monatsrendite über 200 %), 12 Monate Haltedauer
Segmentbetroffene PositionenAnteil
Hauptvariante (Gewinnknick)6 von 4.2400,14 %
Verlust-zu-Gewinn-Wende4 von 9710,41 %

Eines vorweg, damit die Zahlen richtig gelesen werden: Die Hauptzahl dieser Studie ist davon nicht betroffen. Keine der sechs Positionen liegt im Arm „frischer Gewinnknick, organisch" — er zählt in beiden Rechnungen 258 Positionen und kommt beide Male auf 6,76 Prozent. Fünf der sechs Fälle fallen in die Klasse „Historie zu kurz", einer in „wuchs schon vorher". Belastet sind also die Vergleichszahlen, nicht der Befund.

Klein an der Zahl, groß an der Wirkung sind sie trotzdem: Im Arm „alle Käufe" kosten diese sechs Positionen 1,72 Prozentpunkte pro Jahr (13,81 Prozent volle Rechnung gegen 12,09 Prozent konservativ). Wir werfen sie nicht still weg, weil ein Monatssprung über 200 Prozent auch echt sein kann — ein Übernahmeangebot, eine Zulassung. Deshalb steht überall in dieser Studie die konservative Zahl VORN und die volle Rechnung daneben, nie umgekehrt.

Wie wir gerechnet haben

  • Basisgröße. Verwässertes Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften. Tag-Kaskade: IncomeLossFromContinuingOperationsPerDilutedShare, EarningsPerShareDiluted, EarningsPerShareBasicAndDiluted, ersatzweise Quartalsgewinn geteilt durch die gewichtete verwässerte Aktienzahl.
  • Quelle. SEC-EDGAR-XBRL, öffentliche Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht. Point-in-time über das Meldedatum (Feld „filed"); bei Nachmeldungen zählt der zuerst gemeldete Wert.
  • Stichtag ist die ganze Pointe. Gerechnet wird ausschließlich auf Quartalen, die am jeweiligen Monatsende eingereicht waren — nicht ab dem Quartalsende. Ein Rückblick, der eine Zahl vom Tag ihres Quartalsendes an benutzt, kauft Wochen zu früh.
  • Q4-Regel. Das vierte Quartal wird beim Nettogewinn aus der Jahresdifferenz abgeleitet und erst danach durch die Aktienzahl geteilt — ein „Jahres-Ergebnis je Aktie minus Q1 bis Q3" wäre bei jeder Kapitalerhöhung falsch, weil das Ergebnis je Aktie nicht additiv ist. 13,59 Prozent der Quartale sind auf diesem Weg rechnerisch abgeleitet, weil die Börsenaufsicht das vierte Quartal nicht einzeln verlangt.
  • Kleinstbasis-Schutz. Ein Vorjahresvergleich zählt nur bei positivem Ergebnis in Basis- UND Signalquartal und einer Nettomarge von mindestens 2 Prozent im Signalquartal. 20,11 Prozent der Quartale haben keinen Umsatz und damit keine Marge — sie fallen aus jeder Variante mit Margenregel heraus, nie stillschweigend als „Marge hoch genug".
  • Depot. Gleichgewichtet, monatliches Rebalancing, 0,1 Prozent Kosten je Seite, Mindestkurs 1 Dollar am Einstiegstag (gemessen am Rohkurs, gerechnet am bereinigten). Gekauft wird beim Erstsignal einer Episode; eine laufende Position wird nicht aufgestockt.
  • Verschwundene Titel sind enthalten und bleiben im Depot. Endet eine Kursreihe mitten im Zeitraum, wird zum letzten Kurs zwangsverkauft — bei der Hauptvariante mit zwölf Monaten Haltedauer betrifft das 2,22 Prozent der 4.240 Positionen (94 Zwangsverkäufe). Das ist der Grund, warum dieser Rückblick überhaupt etwas aussagt.
  • Zeitraum. Januar 2013 bis Juli 2026, 163 Monate. Beginn 2013, weil die maschinenlesbare Meldepflicht erst um 2009 greift und das längste Fenster dieses Signals zwölf Quartale zurückreicht.
  • Datenbasis. 6.079 von 6.180 Firmen mit Umsatzreihe haben auch eine Ergebnisreihe (98,37 Prozent) — nur diese Schnittmenge kann die Margenregel überhaupt prüfen.
  • Gegenprobe. Die im Bericht neu aggregierten Monatsreihen weichen von den im Depotlauf gespeicherten um 0 Prozentpunkte ab.

Quellen. Quartalsergebnisse und Meldetermine aus den öffentlichen Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht (Geschäftsberichte 10-K und Quartalsberichte 10-Q, maschinenlesbar über EDGAR). Kursreihen und der Vergleichsmaßstab S&P 500 Total Return aus unserem eigenen Bestand, unverändert aus dem Umsatzbeschleuniger-Rücktest übernommen. Keine Netzabfrage während des Laufs.

Was diese Studie nicht sagt

  • Der Kernarm ist schmal und großlastig. Von 4.240 Positionen der Hauptvariante mit zwölf Monaten Haltedauer tragen insgesamt nur 473 die Klasse K (organisch, anorganisch und unbekannt zusammen), davon 436 in der Größenklasse über 100 Mio $ Umsatz. Im Median stehen im K-organisch-Arm 15 Titel pro Monat.
  • K ist selten, weil die Sonderfall-Regeln streng sind. Fällt eines der vier Ruhequartale wegen der Positiv- oder Margenregel weg, ist die Ruhe nicht mehr belegbar — die Firma landet in K-jung statt K. Deshalb ist K-jung mit 20.834 Signalzeilen sechsmal so groß wie K mit 3.328. Beim Umsatz gab es dieses Problem kaum, weil ein Umsatz selten negativ ist.
  • 17,93 Prozent der Signale der Hauptvariante sind organisch unbekannt. „Unbekannt" wird nie zu „organisch" geschlagen.
  • 13,59 Prozent der Quartale sind rechnerisch abgeleitet (siehe Methodik) und 20,11 Prozent haben keine Marge und fallen aus jeder Variante mit Margenregel.
  • Steuern und Handelsspannen fehlen. Gerechnet sind 0,1 Prozent Kosten je Seite, sonst nichts.
  • Geprüft wurden nur Monatssprünge über 200 Prozent. Kleinere, im bereinigten Kurs nicht nachgetragene Aktienzusammenlegungen können auch in der konservativen Zahl noch stecken.
  • Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.

Was wir daraus (nicht) gebaut haben

Aus diesem Rücktest wird KEIN Live-Scanner. Der frische Gewinnknick bleibt in der Hauptvariante, unter höheren Schwellen, mit Wachstumsdeckel, mit strengerer Bestätigung und auch ohne Corona-Basiseffekt durchgehend unter oder bestenfalls nahe am Markt — anders als beim Umsatzbeschleuniger gibt es keine Kombination, die den S&P 500 robust schlägt. Der eigentliche Befund dieser Studie ist deshalb keine neue Kaufregel, sondern eine Klarstellung: Der GEWINN-Knick allein ist kein tragfähiges Kaufsignal. Das tragende Signal bleibt der UMSATZ-Knick — obwohl der Gewinnknick im Median vier Monate früher kommt.

Wer nach einem Wachstumssignal sucht, das im Rückblick getragen hat, findet es in der Umsatzbeschleuniger-Studie und im gleichnamigen Live-Scanner.

Häufige Fragen

Eine Kaufregel in zwei Teilen, angewandt auf das verwässerte Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäften. Erstens die Beschleunigung: Die jüngsten mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartale wachsen je mindestens 30 Prozent gegenüber ihrem Vorjahresquartal. Zweitens die Ruhe davor: Die vier Quartale unmittelbar vor dem ersten Beschleunigungsquartal wuchsen je unter 15 Prozent. Ein Vorjahresvergleich zählt dabei nur, wenn Vorjahres- UND Signalquartal ein positives Ergebnis zeigen und die Nettomarge des Signalquartals mindestens 2 Prozent beträgt — sonst zählt das Quartal weder als Ruhe noch als Beschleunigung. Gekauft wird zum Monatsende, gleichgewichtet, mit 0,1 Prozent Kosten je Seite, gehalten wird je nach Variante 3, 6 oder 12 Monate oder „solange das jüngste gemeldete Quartal noch mindestens 20 Prozent über seinem Vorjahresquartal liegt", gedeckelt auf 120 Monate. Ein eigenes zweites Segment, die Verlust-zu-Gewinn-Wende, misst separat, ob sich der Sprung aus mindestens vier Verlustquartalen in Folge in mindestens zwei Gewinnquartale lohnt; dort greift die vierte Haltebedingung anders — gehalten wird, solange das jüngste gemeldete Quartal ein positives Ergebnis zeigt, weil ein Wachstumsvergleich gegen ein Verlustquartal undefiniert wäre.

Weil ein kleiner Nenner die Vorjahresvergleiche extrem streuen lässt. Beim Umsatz bedeutet dreistelliges Wachstum fast immer eine neue, noch unentdeckte Geschichte; beim Gewinn kann derselbe Wert allein daraus entstehen, dass ein Unternehmen von einem sehr niedrigen Vorjahresgewinn aus startet — ein Deckel würde dann nicht die Übertreiber aussortieren, sondern die halbe Kohorte kappen. Die Gegenprobe zeigt trotzdem, was ein Deckel brächte: Mit einem Band von 30 bis 70 Prozent (Variante g2_30_70_r15_m2) steigt die Rendite von 6,76 auf 10,86 Prozent pro Jahr, bei nur noch 74 statt 258 Positionen — besser, aber weiterhin unter den 15,02 Prozent des S&P 500.

Nein. Konservativ gerechnet bringt der frische, organisch gewachsene Gewinnknick 6,76 Prozent pro Jahr (258 Positionen, zwölf Monate Haltedauer) gegenüber 15,02 Prozent beim S&P 500 Total Return — und das ist die HAUPTZAHL dieser Studie (Rechnung ohne Positionen mit einem Monatssprung über 200 Prozent, die im Verdacht stehen, nicht nachgetragene Aktienzusammenlegungen zu sein). Über alle Käufe der Hauptvariante zusammen (4.240 Positionen) stehen 12,09 Prozent — ebenfalls unter dem Index. Besser schneidet die Vergleichsklasse der etablierten Gewinnwachser ab, die organisch schon vor der Beschleunigung wuchsen: Sie schlägt den Index in drei von vier Haltedauern (18,32 Prozent bei drei Monaten, 16,67 bei sechs, 17,19 auf Dauerhaltung) und bleibt nur bei zwölf Monaten mit 14,24 Prozent knapp darunter. Das ist der Gegenpol des getesteten Signals, keine geprüfte Kaufregel.

Sie ist ein eigenes Segment mit eigener Regel — mindestens vier Verlustquartale in Folge, danach mindestens zwei Quartale in Folge erstmals positives Ergebnis — und wird nie mit dem Hauptsegment zusammengerechnet, weil hier kein Vorjahresvergleich möglich ist (das Vorjahresquartal ist per Definition ein Verlust). Organisch gewachsen bringt sie 14,43 Prozent pro Jahr (588 Positionen, zwölf Monate); über alle Wenden zusammen, auch die anorganischen und unbekannten, sind es nur 10,02 Prozent (971 Positionen) bei einem größten Rückschlag von 42,00 Prozent — deutlich tiefer als beim Hauptsegment.

Der Umsatzknick ist das tragende Signal. Unter identischer Konvention (zwölf Monate Haltedauer, organisch, konservativ gerechnet) kam der Umsatzknick auf 16,56 Prozent pro Jahr (277 Positionen) und schlug damit den S&P 500 (15,02 Prozent); der Gewinnknick blieb bei 6,76 Prozent (258 Positionen) klar darunter. Dabei kommt der Gewinnknick zeitlich sogar häufiger zuerst: 2.129 Firmen hatten einen Gewinnknick, 2.157 einen Umsatzknick, 1.050 beides — das sind 49,32 Prozent der Gewinnknick-Firmen. Im Median lag der Gewinnknick 4 Monate VOR dem Umsatzknick (565 Firmen zuerst beim Gewinn, 414 zuerst beim Umsatz, 71 im selben Monat). Er kommt früher — und zahlt trotzdem schlechter. Ein Depot aus Firmen mit beiden Signalen ist damit nicht getestet; das wäre eine eigene Studie mit eigener Regel.

Weil das Ergebnis nicht trägt. Der frische Gewinnknick bleibt in der Hauptvariante, nach höheren Wachstumsschwellen, mit einem Wachstumsdeckel, mit drei statt zwei Beschleunigungsquartalen und auch ohne den Corona-Basiseffekt durchgehend unter oder bestenfalls nahe am S&P 500 — anders als beim Umsatzknick gibt es keine robuste Kombination, die den Markt zuverlässig schlägt. Wer nach einem Wachstumssignal sucht, das im Rückblick getragen hat, findet es in der Umsatzbeschleuniger-Studie.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?