Umsatzbeschleuniger im Rücktest: der frische Knick schlägt den etablierten Wachser — 16,6 gegen 9,9 Prozent pro Jahr
Eine Firma, deren Umsatz nach vier ruhigen Quartalen plötzlich um 30 bis 70 Prozent zulegt: Ist sie der bessere Kauf als eine, die schon lange stark wächst? Wir haben die Frage über dreizehneinhalb Jahre und 20.356 Signale der Hauptvariante nachgerechnet — mit verschwundenen Aktien im Depot, mit dem Meldetermin statt dem Quartalsende als Stichtag und mit einer Obergrenze im Wachstumsband, weil dreistelliges Wachstum kein Anfang mehr ist. Die Antwort lautet ja, aber sie hat drei Bedingungen: echte Umsatzbasis, früher Einstieg und die Bereitschaft, ein halbiertes Renditeniveau zu akzeptieren, sobald man die Positionen herausrechnet, die unter Sprung-Verdacht stehen. Gegenüber dem S&P 500 samt Dividenden bleiben dann noch anderthalb Prozentpunkte im Jahr — bei deutlich tieferen Rückschlägen.
Die Frage: Anfang oder Mitte einer Wachstumsgeschichte?
Ein Wachstums-Scanner findet zuverlässig Firmen, deren Umsatz gerade explodiert. Das Problem daran ist nicht die Zahl, sondern der Zeitpunkt: Wenn wir eine Verdreifachung sehen, hat der Markt sie auch gesehen. Die interessantere Frage lautet deshalb nicht „wer wächst am stärksten?", sondern „wer fängt gerade an zu wachsen?".
Genau das haben wir gemessen. Die Regel dieses Rücktests sucht den Knick in der Umsatzkurve — den Moment, in dem ein bis dahin unauffälliges Geschäft anspringt. Sie besteht aus zwei Teilen, und beide müssen zusammenkommen:
- Beschleunigung. Die jüngsten mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartale wachsen je 30 bis 70 Prozent gegenüber ihrem Vorjahresquartal. Das ist ein Band, keine Untergrenze — und darin steckt die eigentliche These.
- Ruhe davor. Die vier Quartale unmittelbar vor dem ersten Beschleunigungsquartal wuchsen je um weniger als 15 Prozent. Erst sie macht aus einem Wachstumswert einen Knick; ohne sie wäre jeder Dauerwachser mitgezählt, der zufällig gerade im Band liegt.
Die Obergrenze von 70 Prozent ist die Behauptung, an der alles hängt: Wer dreistellig wächst, steht nicht mehr am Anfang. Die Gegenprobe dazu ist Nvidia. In der Hyperwachstumsphase 2023/24 lagen sechs Quartale in Folge zwischen 93 und 265 Prozent Wachstum — alle über der Bandgrenze. Nvidia hat in diesem Zeitraum in keiner Variante ein Signal ausgelöst. Genau so soll es sein.
Nichts fällt heraus, was die Beschleunigung erfüllt. Wer die Ruhe nicht belegen kann, wird ausgewiesen statt weggeworfen — als Historie zu kurz (meist ein Börsenneuling) oder als wuchs schon vorher (mindestens ein Vorquartal lag über der Ruhegrenze). Der Vergleich dieser drei Klassen ist die Studie. Ein Filter hätte aus dem Vergleich eine Behauptung gemacht.
Das Ergebnis: der frische Knick liegt vorn
Wir zeigen die Kernzahl in zwei Fassungen nebeneinander, und die vorsichtigere steht vorn. Warum, steht weiter unten im Kapitel über den Datenfehler — kurz gesagt: 16 von 2.684 Positionen des Hauptlaufs stehen unter Sprung-Verdacht, und ihr Wegfall drückt die Rendite des frischen Knicks um gut ein Drittel (26,28 auf 16,56 Prozent) und die des etablierten Wachsers um die Hälfte (19,41 auf 9,92), ohne die Rangfolge zu drehen.
| Arm | Positionen (Hauptrechnung) | konservativ (ohne Sprung-Verdacht) | Hauptrechnung | größter Rückschlag (konservativ) |
|---|---|---|---|---|
| frischer Knick, organisch | 277 | 16,56 % | 26,28 % | −33,71 % |
| etablierter Wachser, organisch | 1038 | 9,92 % | 19,41 % | −43,70 % |
| Historie zu kurz (IPO-nah), organisch | 92 | −5,12 % | −5,12 % | −99,11 % |
| alle Käufe des Rücktests | 2684 | 12,03 % | 18,61 % | −33,26 % |
| S&P 500 Total Return | — | 15,02 % (in beiden Rechnungen identisch) | −23,87 % | |
| Universum, gleichgewichtet (gestutzter Mittelwert) | — | 4,77 % (in beiden Rechnungen identisch) | −53,23 % | |
Beide Fassungen sagen dasselbe über die Reihenfolge: Der frische Knick liegt vor dem etablierten Wachser, und beide liegen weit vor dem gleichgewichteten Universum — das ist allerdings der gestutzte Durchschnitt aller Aktien (die extremsten ein Prozent an beiden Enden bleiben draußen) und nicht der Markt, den ein Indexfonds abbildet. Sie sagen etwas sehr Verschiedenes über die Höhe. Wer aus dieser Studie eine Zahl mitnimmt, sollte 16,56 Prozent mitnehmen und nicht 26,28.
Und dann steht da noch die Frage, die sich ein Anleger als Erstes stellt: Was bringt das gegenüber einem Indexfonds? In der konservativen Rechnung bleiben vom Vorsprung 1,5 Prozentpunkte — 16,56 gegen 15,02 Prozent beim S&P 500 samt Dividenden. Erkauft sind sie mit einem deutlich tieferen Loch zwischendurch: 33,71 Prozent Rückschlag gegen 23,87 beim Index. Der etablierte Wachser liegt mit 9,92 Prozent klar darunter, und alle Käufe des Rücktests zusammen kommen konservativ auf 12,03 Prozent — ebenfalls unter dem Index. Anders gesagt: Was hier gegenüber dem Markt übrig bleibt, steckt allein in der Auswahl der frischen Knicke, und es ist schmaler, als die Hauptrechnung vermuten lässt.
Der Vorsprung ist außerdem keine Selbstverständlichkeit über alle Haltedauern. Über drei Monate ist er am größten, aber dort hält der Arm im Median nur vier Titel im Monat — eine Zahl, die eher einzelne Firmen misst als eine Strategie. Über zwölf Monate steht der Arm auf 15 Titeln im Median und in keinem einzigen Monat auf zwei oder weniger. Deshalb ist zwölf Monate der Hauptmodus dieser Studie und nicht drei.
| Haltedauer | Arm | Positionen | Titel/Monat (Median) | Monate mit ≤ 2 | Rendite p. a. |
|---|---|---|---|---|---|
| 3 Monate | frischer Knick, organisch | 277 | 4,0 | 39 | 36,74 % |
| 3 Monate | etablierter Wachser, organisch | 1115 | 17,0 | 0 | 13,31 % |
| 6 Monate | frischer Knick, organisch | 277 | 8,0 | 6 | 29,63 % |
| 6 Monate | etablierter Wachser, organisch | 1115 | 32,0 | 0 | 11,14 % |
| 12 Monate | frischer Knick, organisch | 277 | 15,0 | 0 | 26,28 % |
| 12 Monate | etablierter Wachser, organisch | 1038 | 58,0 | 0 | 19,41 % |
| solange das Wachstum hält | frischer Knick, organisch | 277 | 13,0 | 0 | 16,02 % |
| solange das Wachstum hält | etablierter Wachser, organisch | 988 | 58,0 | 0 | 15,33 % |
Die wichtigste Einschränkung: das Signal braucht echten Umsatz
Trennt man die Käufe nach der Größe des Geschäfts, auf dem der Knick steht — der Summe der letzten vier gemeldeten Quartale —, zerfällt das Ergebnis in zwei Welten:
| Umsatzbasis | alle Käufe | nur frische Knicke (alle Herkünfte) |
|---|---|---|
| unter 10 Mio $ | 3,22 % | 4,48 % (12 Positionen) |
| 10 bis 100 Mio $ | 5,78 % | 7,78 % (119 Positionen) |
| über 100 Mio $ | 21,66 % | 21,85 % (374 Positionen) |
Der Grund ist Arithmetik, keine Bewertung. Ein Beispiel aus dem Bestand: Cuentas Inc. löste im August 2021 ein sauberes Signal aus — zwei Quartale mit 67,9 und 32,5 Prozent Wachstum, vier ruhige Quartale davor, alles regelkonform. Der Umsatz stieg dabei von 117 auf 155 Tausend Dollar. Eine Umsatzbasis von 687 Tausend Dollar. Die Position verlor über zwölf Monate 72,7 Prozent.
Ein Umsatzsprung dieser Größenordnung ist statistisch kaum von Rauschen zu unterscheiden. Genau deshalb nimmt unser Live-Scanner „Umsatzbeschleuniger" Firmen unter 100 Mio $ Umsatz gar nicht erst auf. Diese Grenze ist kein Teil der getesteten Regel, sondern ihre Konsequenz: Sie steht dort, wo die Messung sie hingesetzt hat.
Die zweite Einschränkung: der Einstieg muss früh sein
Wir haben drei Stellschrauben der Regel verdreht, jede einzeln, alles andere gleich — die Ruhegrenze gleich in beide Richtungen, macht vier Varianten. Zwei der drei ändern wenig. Eine ändert alles: die Zahl der verlangten Beschleunigungsquartale.
| Variante | Was verdreht wurde | Positionen | Rendite p. a. |
|---|---|---|---|
k2_30_70_r15 | Vorgabe: Band 30–70 %, Ruhe unter 15 %, zwei Quartale | 277 | 26,28 % |
k2_30_70_r10 | Ruhegrenze auf 10 % verschärft | 206 | 26,49 % |
k2_30_70_r20 | Ruhegrenze auf 20 % gelockert | 379 | 23,12 % |
k2_25_80_r15 | Band auf 25–80 % geweitet | 492 | 22,28 % |
k3_30_70_r15 | drei statt zwei Beschleunigungsquartale verlangt | 132 | 0,69 % |
Wer statt zwei Beschleunigungsquartalen drei abwartet, kauft nicht besser bestätigt, sondern zu spät: 0,69 Prozent pro Jahr statt 26,28. Ein volles Quartal Bestätigung kostet praktisch die gesamte Mehrrendite. Das ist der unangenehmste Befund dieser Studie, weil er der Intuition widerspricht — mehr Bestätigung fühlt sich sicherer an und ist es hier nachweislich nicht.
Die anderen beiden Stellschrauben verhalten sich gutmütig. Eine engere oder weitere Ruhegrenze (10 statt 15, 20 statt 15 Prozent) verschiebt nur Positionen zwischen den Klassen und lässt die Aussage stehen. Ein weiteres Band (25 bis 80 statt 30 bis 70 Prozent) verdoppelt die Trefferzahl fast und senkt die Rendite leicht — die Richtung stimmt, der Vorsprung schrumpft. Das Ergebnis hängt also an der Regel, nicht an ihrer zufälligen Einstellung.
Der Datenfehler, der die Hauptzahl um ein Drittel drückt
Beim Nachrechnen einzelner Positionen von Hand fiel eine auf: DHCP, Einstieg März 2017, gebuchter Gewinn über zwölf Monate plus 730,7 Prozent. Die Kursreihe dazu zeigt für Januar 2018 einen Kurs von 0,6732 Dollar und für Februar 2018 einen von 10,19 Dollar — bei einem Bereinigungsfaktor von unverändert 1,0.
Das ist keine Kursbewegung. Das ist eine Aktienzusammenlegung, die im bereinigten Kurs nie nachgetragen wurde. Der Gewinn existiert nicht.
Wie häufig? 172 von 419.389 Positionsmonaten im ganzen Bestand liegen über 200 Prozent Monatsrendite — 0,04 Prozent. Im Hauptarm mit zwölf Monaten Haltedauer betrifft es drei von 277 Positionen. Diese drei tragen fast zehn Prozentpunkte Jahresrendite. Nachgewiesen ist der Fehler an einem dieser Fälle; die übrigen stehen unter Verdacht, weil ein Monatssprung dieser Größe fast immer denselben Grund hat.
| Arm | mit allen Positionen | ohne Sprung-Verdacht | Unterschied |
|---|---|---|---|
| frischer Knick, organisch | 26,28 % | 16,56 % | −9,72 Punkte |
| etablierter Wachser, organisch | 19,41 % | 9,92 % | −9,49 Punkte |
| alle Käufe des Rücktests | 18,61 % | 12,03 % | −6,59 Punkte |
Wir entfernen diese Positionen nicht still, weil ein Monatssprung über 200 Prozent auch echt sein kann — ein Übernahmeangebot, eine Medikamentenzulassung. Beide Rechnungen stehen deshalb nebeneinander. Der Abstand zwischen ihnen ist die ehrliche Auskunft darüber, wie viel an wenigen Positionen hängt: Die Rangfolge hält, das Niveau ist nicht belastbar.
Jahr für Jahr: der Vorsprung kommt aus wenigen Jahren
Eine Jahresrendite von 16 oder 26 Prozent im Durchschnitt sagt wenig darüber, wie sich das Halten angefühlt hätte. Die Jahresreihe sagt es:
| Jahr | frischer Knick, organisch | dieselbe Gruppe, konservativ | etablierter Wachser, organisch | S&P 500 TR | Universum |
|---|---|---|---|---|---|
| 2013 | +20,74 % | +20,74 % | +31,79 % | +32,39 % | +31,86 % |
| 2014 | −6,28 % | −6,28 % | +164,63 % | +13,69 % | +1,13 % |
| 2015 | −3,97 % | −13,03 % | −16,34 % | +1,38 % | −12,76 % |
| 2016 | −0,11 % | −7,06 % | +5,71 % | +11,96 % | +14,55 % |
| 2017 | +6,37 % | +4,59 % | +10,72 % | +21,83 % | +15,72 % |
| 2018 | +102,29 % | +4,97 % | −17,56 % | −4,38 % | −13,03 % |
| 2019 | +39,79 % | +39,79 % | +27,23 % | +31,49 % | +14,23 % |
| 2020 | +77,60 % | +81,31 % | +27,65 % | +18,40 % | +51,12 % |
| 2021 | +57,03 % | +20,47 % | +10,73 % | +28,71 % | +24,69 % |
| 2022 | −3,75 % | −3,75 % | −26,39 % | −18,11 % | −33,71 % |
| 2023 | +26,64 % | +26,64 % | +12,86 % | +26,29 % | −3,08 % |
| 2024 | +30,58 % | +30,58 % | +38,68 % | +25,02 % | −3,22 % |
| 2025 | +37,73 % | +37,73 % | +63,28 % | +17,88 % | +2,08 % |
| 2026 (Teiljahr) | +19,26 % | +19,26 % | +16,86 % | +10,14 % | +2,70 % |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Mehrrendite der frischen Knicke stammt aus wenigen sehr starken Jahren — 2018, 2020 und 2021 tragen den Vorsprung, in vier Jahren stand der Arm dagegen im Minus (2014, 2015, 2016 und 2022), und in zweien davon — 2014 und 2016 — legte der Markt gleichzeitig zweistellig zu. Zweitens: Der Unterschied zwischen Haupt- und konservativer Rechnung konzentriert sich auf wenige Jahre, und zwar je Arm auf verschiedene. Beim frischen Knick sind es 2018 (102,29 gegen 4,97 Prozent) und 2021 (57,03 gegen 20,47). Das auffälligste Jahr der ganzen Tabelle gehört dagegen dem etablierten Wachser: Die 164,63 Prozent von 2014 schrumpfen konservativ gerechnet auf −0,65 Prozent — diese Zeile ist praktisch vollständig ein Kursartefakt und keine Wertentwicklung. Beim frischen Knick ist 2014 unauffällig, dort stimmen beide Rechnungen überein.
Wie viele Treffer gibt es überhaupt?
| Jahr | Firmen | Signale | frischer Knick | Historie zu kurz | wuchs schon vorher |
|---|---|---|---|---|---|
| 2013 | 235 | 954 | 130 | 102 | 722 |
| 2014 | 260 | 1.079 | 176 | 61 | 842 |
| 2015 | 311 | 1.437 | 247 | 162 | 1028 |
| 2016 | 270 | 1.331 | 202 | 210 | 919 |
| 2017 | 283 | 1.299 | 276 | 173 | 850 |
| 2018 | 341 | 1.656 | 282 | 198 | 1176 |
| 2019 | 339 | 1.569 | 228 | 288 | 1053 |
| 2020 | 286 | 1.162 | 199 | 208 | 755 |
| 2021 | 471 | 1.895 | 508 | 174 | 1213 |
| 2022 | 670 | 3.122 | 501 | 288 | 2333 |
| 2023 | 452 | 1.961 | 213 | 184 | 1564 |
| 2024 | 264 | 1.073 | 146 | 87 | 840 |
| 2025 | 243 | 1.101 | 164 | 82 | 855 |
| 2026 | 207 | 717 | 124 | 67 | 526 |
Die Trefferzahl schwankt stark mit dem Marktumfeld — 2022 ist das Rekordjahr, und das ist kein Zufall: Nach dem Corona-Einbruch von 2020 sahen viele Quartale im Vorjahresvergleich künstlich gut aus. Deshalb haben wir die Rechnung zusätzlich ohne alle Einstiege zwischen April 2020 und Dezember 2022 wiederholt.
| Haltedauer | frischer Knick, organisch | etablierter Wachser, organisch | alle Käufe | entfallene Positionen (alle Käufe) |
|---|---|---|---|---|
| 3 Monate | 28,09 % | 9,74 % | 13,89 % | 912 von 2825 |
| 6 Monate | 25,60 % | 8,92 % | 11,01 % | 912 von 2825 |
| 12 Monate | 23,03 % | 20,18 % | 19,04 % | 869 von 2684 |
| solange das Wachstum hält | 13,41 % | 13,96 % | 12,57 % | 838 von 2589 |
Der Befund hält im Hauptmodus. Ohne die Covid-Spanne bleibt der frische Knick bei zwölf Monaten Haltedauer vorn, wenn auch mit geringerem Abstand — 23,03 gegen 20,18 Prozent. In der Zeile „solange das Wachstum hält" dreht die Rangfolge dagegen (13,41 gegen 13,96 Prozent); die Aussage dieser Studie trägt der Zwölf-Monats-Modus, nicht diese Verkaufsregel. Der Vorsprung ist also nicht allein ein Basiseffekt, aber er wird davon gestützt.
Bewertung: „günstig" hilft nur innerhalb der Gruppe
Naheliegende Anschlussfrage: Sind die billigeren Knicke die besseren? Wir haben die 2.650 Käufe mit bekanntem Kurs-Umsatz-Verhältnis (von 2.684) am Median dieses Verhältnisses in zwei Hälften geteilt und dann nachgesehen, wie sich die frischen Knicke auf die beiden Seiten verteilen. Das Ergebnis ist zweigeteilt und lässt sich nicht verallgemeinern:
| Gruppe | günstigere Seite | teurere Seite |
|---|---|---|
| nur frische, organisch gewachsene Knicke | 27,77 % (176 Positionen) | 18,55 % (100 Positionen) |
| alle Käufe des Rücktests | 13,97 % (1325 Positionen) | 22,11 % (1325 Positionen) |
Innerhalb der frischen, organisch gewachsenen Knicke schlägt die günstigere Seite die teurere deutlich. Über alle Käufe des Rücktests hinweg ist es genau umgekehrt: Dort liegt die teure Seite vorn. Wer den ersten Befund zur allgemeinen Regel macht, liest das Gegenteil dessen, was die Zahlen sagen.
Zwei Dinge zur Lesart: Die Trennlinie ist der Median über ALLE Käufe, nicht der Median innerhalb der Knick-Gruppe. Sie halbiert deshalb nur die Gesamtmenge (1.325 zu 1.325); von den 277 frischen, organisch gewachsenen Knicken fallen 176 auf die günstigere und 100 auf die teurere Seite (für einen fehlt das Verhältnis) — sie sind im Schnitt billiger als der Durchschnittskauf. Und 100 Positionen sind eine schmale Grundlage für die teurere Seite.
Organisch oder zugekauft?
Ein Umsatz kann auch dadurch springen, dass eine Firma eine andere kauft. Wir haben die Einstufung des Organik-Rücktests unverändert nachgenutzt: organisch, anorganisch oder unbekannt, jeweils zum Stichtag. „Unbekannt" wird dabei nie zu „organisch" geschlagen.
| Herkunft | alle Käufe | nur frische Knicke |
|---|---|---|
| organisch gewachsen | 23,27 % (1407) | 26,28 % (277) |
| zugekauft | 7,71 % (638) | 7,27 % (136) |
| unbekannt | 13,76 % (639) | 7,18 % (92) |
Der Unterschied ist groß und geht in die erwartete Richtung. Deshalb steht im Renditevergleich dieser Studie — Kerntabelle, Haltedauern, Jahresreihe, Robustheit — der organische Arm und nicht der volle: Ein zugekaufter Umsatzsprung ist kein Knick, sondern eine Buchung. Ausgenommen ist die Tabelle zur Umsatzbasis weiter oben: Sie fragt nach der Größenordnung des Geschäfts und führt deshalb alle frischen Knicke, unabhängig von der Herkunft ihres Wachstums.
Wie wir gerechnet haben
Der Stichtag ist die ganze Pointe. Gerechnet wird ausschließlich auf Quartalen, die am jeweiligen Monatsende bei der Börsenaufsicht eingereicht waren. Ein Rückblick, der eine Zahl vom Tag ihres Quartalsendes an benutzt, kauft sechs bis acht Wochen zu früh — und genau in dieser Spanne liegt bei einem gerade anspringenden Titel oft der halbe Kurssprung. Das Ergebnis wäre systematisch zu gut, ohne dass es irgendwo auffiele.
- Universum und Zeitraum. US-Aktien, Januar 2013 bis Juli 2026, 163 Monate. Der Beginn liegt 2013, weil die maschinenlesbare Meldepflicht erst um 2009 greift und das längste Fenster dieses Signals zwölf Quartale zurückreicht.
- Verschwundene Titel sind enthalten und bleiben im Depot. Endet eine Kursreihe mitten im Zeitraum, wird zum letzten Kurs zwangsverkauft. Das ist der Grund, warum dieser Rückblick überhaupt etwas aussagt.
- Depot. Gleichgewichtet, monatliches Rebalancing, 0,1 Prozent Kosten je Seite, Mindestkurs 1 Dollar am Einstiegstag (gemessen am Rohkurs, gerechnet am bereinigten). Gekauft wird beim Erstsignal einer Episode; eine laufende Position wird nicht aufgestockt. Ein Monat ohne Position bekommt Rendite null.
- Lückenlosigkeit. Gerechnet wird auf dem lückenlosen Endstück der Quartalsfolge, gemessen am Label und nicht am Kalendertag — bei 52/53-Wochen-Geschäftsjahren verschieben sich Quartalsenden um bis zu eine Woche, die Labelfolge nicht.
- Schwellenvergleiche laufen mit Spielraum. Alle Grenzen sind als „zählt mit" definiert: genau 30 Prozent ist ein Treffer, genau 15 Prozent ein Verstoß gegen die Ruhe. Ohne diesen Spielraum entscheidet die Fließkomma-Darstellung statt der Regel: Ein Wachstum von genau 15 Prozent ergibt je nach den Umsatzzahlen der Firma einmal einen Wert knapp unter und einmal knapp über der Grenze. Die Regel wäre damit nicht streng, sondern zufällig.
- Gegenprobe. Die im Bericht neu aggregierten Monatsreihen weichen von den im Depotlauf gespeicherten um 0 Prozentpunkte ab. Bericht und Hauptlauf rechnen dasselbe.
Quellen. Quartalsumsätze und Meldetermine aus den öffentlichen Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht (Geschäftsberichte 10-K und Quartalsberichte 10-Q, maschinenlesbar über EDGAR); bei Nachmeldungen zählt der zuerst gemeldete Wert. Monatskurse, Aktienzahlen und der Vergleichsmaßstab S&P 500 Total Return aus unserem eigenen Bestand, unverändert aus dem Organik-Rücktest übernommen. Keine Netzabfrage während des Laufs.
Was diese Studie nicht sagt
- Der Hauptarm ist schmal. Im Median 15 Titel pro Monat. Das ist genug, um nicht einzelne Firmen zu messen, aber wenig genug, dass einzelne Jahre stark schwanken.
- 15,02 Prozent der Quartale sind rechnerisch abgeleitet. Das vierte Quartal wird als Jahresumsatz minus der ersten drei Quartale gebildet, weil die Börsenaufsicht es nicht einzeln verlangt. Diese Quartale sind gerechnet, nicht gemeldet.
- Bei 22,15 Prozent der Signale ist unbekannt, ob das Wachstum organisch war. Diese Fälle laufen als eigene Gruppe mit und werden nie zu „organisch" geschlagen.
- Die IPO-nahe Gruppe trägt keine Aussage. In 32 ihrer 159 investierten Monate hielt sie höchstens zwei Titel — zum Vergleich: Der Hauptarm kommt in 162 investierten Monaten kein einziges Mal auf zwei oder weniger. Wir weisen die Gruppe aus, stützen aber keine Renditeaussage darauf.
- Das Niveau ist nicht belastbar, die Rangfolge schon. Siehe das Kapitel zum Datenfehler.
- Steuern und Handelsspannen fehlen. Gerechnet sind 0,1 Prozent Kosten je Seite, sonst nichts. Ein Depot, das monatlich nachkauft und jährlich dreht, zahlt Steuern auf die Gewinne; bei kleineren US-Titeln kommt die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs dazu. Beides schmälert das Ergebnis zusätzlich.
- Geprüft wurden nur Monatssprünge über 200 Prozent. Kleinere Aktienzusammenlegungen, die im bereinigten Kurs ebenfalls nicht nachgetragen sind, können auch in der konservativen Zahl noch stecken.
- Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.
Was wir daraus gebaut haben
Aus dem Rücktest ist ein Live-Scanner geworden: Umsatzbeschleuniger. Er wendet die getestete Regel täglich auf unser Universum an — dieselben zwei Bedingungen, dieselbe Bandobergrenze, dieselbe Forderung nach vier belegten Ruhequartalen. Zwei Befunde dieser Studie sind darin eingebaut: Er listet nur Firmen ab 100 Mio $ Umsatz, und er zeigt zu jedem Treffer die Zahl der Beschleunigungsquartale, damit sichtbar bleibt, wie früh oder spät ein Einstieg wäre.
Ein Treffer dort ist ein Fund, kein Kaufsignal. Diese Studie sagt, unter welchen Bedingungen die Regel im Rückblick getragen hat — nicht, dass sie es wieder tun wird.
Häufige Fragen
Eine Kaufregel in zwei Teilen. Erstens die Beschleunigung: Die jüngsten mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartale wachsen je 30 bis 70 Prozent gegenüber ihrem Vorjahresquartal. Zweitens die Ruhe davor: Die vier Quartale unmittelbar vor dem ersten Beschleunigungsquartal wuchsen je unter 15 Prozent. Erfüllt eine Firma beides, gilt sie als frischer Knick. Gekauft wird zum Monatsende, gleichgewichtet, mit 0,1 Prozent Kosten je Seite, gehalten wird je nach Variante 3, 6 oder 12 Monate oder — in der vierten Variante — solange das jüngste gemeldete Quartal noch mindestens 20 Prozent über seinem Vorjahresquartal liegt, gedeckelt auf 120 Monate.
Weil die These vom Anfang einer Geschichte handelt, nicht von ihrer Mitte. Eine Firma, die dreistellig wächst, ist kein Anfänger mehr — der Markt hat diese Geschichte längst gesehen und bezahlt. Die Obergrenze von 70 Prozent ist die eigentliche Behauptung des Rücktests, und sie hält der Gegenprobe stand: Nvidia hat in seiner Hyperwachstumsphase 2023/24 in keiner einzigen Variante ein Signal ausgelöst, weil alle sechs Quartale über der Grenze lagen.
Weil an 16 von 2.684 Positionen des Hauptlaufs ein Datenfehler hängt. Der Kursbestand enthält Aktienzusammenlegungen, die im bereinigten Kurs nie nachgetragen wurden; belegter Fall ist DHCP, dessen Kurs von Januar auf Februar 2018 von 0,67 auf 10,19 Dollar springt, während der Bereinigungsfaktor bei 1,0 bleibt. Drei solcher Positionen tragen im Hauptarm fast zehn Prozentpunkte Jahresrendite. Wir werfen sie nicht still weg, weil ein Monatssprung über 200 Prozent auch echt sein kann — ein Übernahmeangebot, eine Medikamentenzulassung. Der Abstand zwischen beiden Zahlen ist die ehrliche Auskunft darüber, wie viel an ihnen hängt.
Weil das Signal dort nicht trägt. Nach Umsatzbasis getrennt gerechnet kam über alle Käufe des Rücktests die Gruppe über 100 Mio $ Umsatz auf 21,66 Prozent pro Jahr, die Gruppe zwischen 10 und 100 Mio $ auf 5,78 Prozent und die darunter auf 3,22 Prozent; beschränkt auf die frischen Knicke sind es 21,85, 7,78 und 4,48 Prozent — dasselbe Gefälle. Der Grund ist Arithmetik: Ein Umsatzsprung von 117 auf 155 Tausend Dollar erfüllt die Regel formal, ist aber statistisch kaum von Rauschen zu unterscheiden. Unser Live-Scanner listet deshalb nur Firmen ab 100 Mio $ Umsatz.
Sie bilden eine eigene Klasse, und über sie lässt sich aus diesem Rücktest nichts Belastbares sagen. Wer die Beschleunigung erfüllt, aber keine vier Vorquartale hat, kann die Ruhe nicht belegen. Wir werfen diese Fälle nicht weg, sondern weisen sie getrennt aus — und weisen zugleich aus, dass die Gruppe zu dünn besetzt ist: In 32 ihrer 159 investierten Monate hielt sie höchstens zwei Titel. Ein Depot aus ein oder zwei Aktien misst diese Firmen und nicht die Regel. Eine Renditezahl auf dieser Basis misst eine Firma, nicht eine Strategie.
Innerhalb der Knick-Gruppe ja, über alle Käufe hinweg nein — und dieser Unterschied lässt sich nicht verallgemeinern. Die Trennlinie ist der Median des Kurs-Umsatz-Verhältnisses über alle Käufe mit bekanntem Verhältnis (2.650 von 2.684); sie halbiert deshalb diese Gesamtmenge (1.325 zu 1.325), nicht jede Teilgruppe. Von den 277 frischen, organisch gewachsenen Knicken liegen 176 auf der günstigeren und 100 auf der teureren Seite; für einen fehlt das Verhältnis. Sie sind also im Schnitt billiger als der Durchschnittskauf. Auf der günstigeren Seite kamen sie auf 27,77 Prozent pro Jahr, auf der teureren auf 18,55. Über alle Käufe dreht sich das Verhältnis um: 13,97 Prozent günstig gegen 22,11 teuer. Wer aus dem ersten Befund eine allgemeine Regel macht, liest das Gegenteil dessen, was die Zahlen sagen.