Organik-Backtest: 18,13 Prozent pro Jahr organisch — minus 3,88 Prozent zugekauft
Wir haben den Aktien-Scanner „Dreistelliges Umsatzwachstum" von 2013 bis Juli 2026 auf dem US-Aktienmarkt nachgerechnet — mit allen Delistings, point-in-time und ohne Rückblick auf Wissen, das es zum Kaufzeitpunkt noch nicht gab. Die entscheidende Frage war nicht, ob Hyperwachstum den Markt schlägt, sondern woher es kommt: Firmen, die sieben Quartale in Folge aus eigener Kraft wachsen, schlugen den S&P 500 in jeder getesteten Haltedauer deutlich. Firmen, die dasselbe Muster über Zukäufe erreichten, verloren in drei von vier Haltedauern Geld und traten in der vierten auf der Stelle — bei Rückschlägen bis −94 Prozent. Wer beide Gruppen ungetrennt kauft, bekommt nur ein unzuverlässiges Mittelmaß — mit Rückschlägen bis −58,7 Prozent.
Auf der Plattform gibt es einen Aktien-Scanner namens „Dreistelliges Umsatzwachstum": Er meldet eine Firma, sobald ihr Quartalsumsatz sieben Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal gestiegen ist und sich über dieses Fenster mindestens verdoppelt hat. Wir haben dieses Signal von Januar 2013 bis Juli 2026 auf dem gesamten US-Aktienmarkt nachgerechnet, mit allen Firmen, die seither delistet, übernommen oder insolvent gegangen sind. Die naheliegende Frage lautet: Schlägt Hyperwachstum den Markt?
Die ehrliche Antwort ist unbequemer, als die Frage vermuten lässt: Es kommt darauf an, woher das Wachstum stammt. Firmen, die aus eigener Kraft wuchsen, schlugen den S&P 500 Total Return in jeder getesteten Haltedauer — bei zwölf Monaten Haltedauer mit 18,13 Prozent pro Jahr gegen 15,02 Prozent beim Index. Firmen, die dasselbe Umsatzmuster über Zukäufe erreichten, verloren in drei von vier Haltedauern Geld und traten in der vierten auf der Stelle — bei zwölf Monaten mit −3,88 Prozent pro Jahr. Wer beide Gruppen nicht trennt und einfach jedes Signal kauft, bekommt ein wackliges Mittelmaß von 9,46 Prozent — schlechter als der Markt, den der Scanner eigentlich schlagen soll. Datenstand dieser Studie: 7. August 2026.
Das Signal: sieben Quartale, jedes stärker als das vorherige
Das Hauptsignal dieser Studie heißt intern f7_x2.0: sieben aufeinanderfolgende Quartale, in denen der Umsatz gegenüber dem jeweiligen Vorquartal in jedem einzelnen Schritt gestiegen ist, und am Ende des Fensters mindestens der doppelte Umsatz des Startquartals steht. Das ist bewusst streng — ein einziger schwächerer Quartalsschritt reißt die Kette ab, egal wie gut das Gesamtbild sonst aussieht.
Jedes Signal wird nur an dem Monatsstichtag ausgelöst, an dem das jüngste benötigte Quartal bereits bei der Börsenaufsicht eingereicht war — nicht am Ende des Quartals selbst. Ohne diese Regel hätte der Rückblick sechs bis acht Wochen zu früh gekauft, mit Wissen, das ein Anleger zum echten Zeitpunkt noch nicht hatte. Gekauft wird nur beim Erstsignal einer Wachstumsepisode; eine laufende Position wird nicht nachgekauft, wenn das Signal einfach bestehen bleibt.
Damit die Grundaussage nicht von einer einzelnen willkürlichen Fenstergröße abhängt, haben wir fünf weitere Varianten desselben Prinzips parallel gerechnet — kürzere und längere Fenster (fünf beziehungsweise neun Quartale), niedrigere und höhere Wachstumsschwellen (Faktor 1,5 beziehungsweise 2,5) sowie eine YoY-Variante mit vier Quartalen Wachstum gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal. Das Hauptsignal f7_x2.0 löste im gesamten Zeitraum 5.963 Signalmonate bei 700 verschiedenen Firmen aus — im Schnitt reichlich zwei neue organische Kaufsignale pro Monat, dazu kommen die zugekauften und unbekannten Treffer.
Organisch oder zugekauft: wie wir trennen
Ein verdoppelter Umsatz sagt noch nichts darüber, ob eine Firma aus eigener Kraft gewachsen ist oder sich das Wachstum eingekauft hat. Wir haben deshalb jedes Sieben-Quartals-Fenster gegen zwei Kennzahlen aus den tatsächlich eingereichten SEC-Berichten (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q) geprüft:
- Gezahlte Übernahmesummen im Fenster, gemessen an der Umsatzsumme desselben Fensters — überschreiten sie 5 Prozent, gilt das Wachstum als (zumindest teilweise) zugekauft.
- Firmenwert-Zuwachs (Goodwill) im Fenster, gemessen am annualisierten Umsatzzuwachs — übersteigt er 20 Prozent davon, ist das ein zweites, unabhängiges Indiz für Zukäufe statt organischem Wachstum.
Schlägt eine der beiden Schwellen an, geht der Treffer in den Arm C — zugekauft. Bleiben beide Kennzahlen unauffällig, geht er in Arm B — organisch. Fehlen die nötigen Bilanzangaben, um überhaupt zu urteilen, geht er in Arm U — unbekannt, der nie dem organischen Lager zugeschlagen wird. Arm A enthält, zur Einordnung, schlicht alle Treffer ungetrennt — das reine Rohsignal des Scanners.
Über das Hauptsignal f7_x2.0 verteilen sich die 5.963 Signalmonate so: 2.861 (48,0 Prozent) organisch, 1.091 (18,3 Prozent) zugekauft, 2.011 (33,7 Prozent) unbekannt. Ein Drittel aller Treffer lässt sich mit den verfügbaren Bilanzdaten schlicht nicht eindeutig zuordnen — auch das ist Teil des ehrlichen Bilds dieser Studie.
Hauptergebnis: vier Haltedauern, ein wiederkehrendes Muster
Wir haben jedes Signal in vier unterschiedlichen Haltedauern nachgekauft: feste drei, sechs und zwölf Monate sowie eine vierte Variante, die eine Position hält, solange das Signal selbst bestehen bleibt, und erst verkauft, sobald es zum ersten Mal ausbleibt. Zwölf Monate gilt als Hauptmodus dieser Studie.
| Arm | Rendite p. a. | aus 100.000 $ wurden | größter Rückschlag |
|---|---|---|---|
| A — alle Treffer | 9,46 % | 341.410 $ | −58,74 % |
| B — organisch gewachsen | 18,13 % | 961.690 $ | −52,07 % |
| C — zugekauft gewachsen | −3,88 % | 58.420 $ | −88,78 % |
| U — nicht einstufbar | 1,68 % | 125.380 $ | −61,05 % |
| S&P 500 Total Return | 15,02 % | 669.350 $ | −23,87 % |
| Universum, gleichgewichtet (ohne Auswahl) | 4,77 % | 188.190 $ | −53,23 % |
Der Unterschied zwischen 18,13 und −3,88 Prozent pro Jahr ist keine Randnotiz — er ist der eigentliche Befund dieser Studie. Und er hält sich nicht nur bei zwölf Monaten Haltedauer:
| Haltedauer | A — alle | B — organisch | C — zugekauft | U — unbekannt |
|---|---|---|---|---|
| 3 Monate | 17,21 % (−52,91 %) | 31,83 % (−54,77 %) | −12,62 % (−94,02 %) | 4,39 % (−66,94 %) |
| 6 Monate | 11,83 % (−58,32 %) | 25,23 % (−55,04 %) | −5,28 % (−91,93 %) | 4,75 % (−66,72 %) |
| 12 Monate (Hauptmodus) | 9,46 % (−58,74 %) | 18,13 % (−52,07 %) | −3,88 % (−88,78 %) | 1,68 % (−61,05 %) |
| solange Signal steht | 16,68 % (−55,27 %) | 26,03 % (−53,67 %) | 0,03 % (−80,77 %) | 11,41 % (−46,92 %) |
In jeder der vier Haltedauern liegt der organische Arm zwischen 18,13 und 31,83 Prozent pro Jahr, deutlich über den 15,02 Prozent des S&P 500 Total Return. In jeder der vier Haltedauern liegt der zugekaufte Arm zwischen −12,62 und 0,03 Prozent — nie über dem Index, meist deutlich im Minus. Der ungetrennte Arm A dagegen schwankt zwischen 9,46 und 17,21 Prozent: mal knapp über, meist unter dem Markt. Das reine Rohsignal des Scanners ist damit kein verlässliches Kaufsignal — es ist der Mittelwert aus einem verlässlichen Gewinner und einem verlässlichen Verlierer, und je nach Haltedauer überwiegt mal der eine, mal der andere Anteil im Depot.
Dieser Vorsprung entstand allerdings nicht gleichmäßig. Im Hauptmodus lag der organische Arm nur in 6 von 14 Kalenderjahren vor dem S&P 500 Total Return — seine Mehrrendite stammt aus wenigen sehr starken Jahren, allen voran 2020:
| Jahr | B — organisch | C — zugekauft | S&P 500 TR |
|---|---|---|---|
| 2013 | +69,20 % | +48,23 % | +32,39 % |
| 2014 | −0,16 % | −4,21 % | +13,69 % |
| 2015 | −1,79 % | −15,03 % | +1,38 % |
| 2016 | −6,08 % | −4,72 % | +11,96 % |
| 2017 | +42,68 % | +33,79 % | +21,83 % |
| 2018 | −12,96 % | −35,78 % | −4,38 % |
| 2019 | +21,42 % | −14,70 % | +31,49 % |
| 2020 | +115,90 % | −4,09 % | +18,40 % |
| 2021 | −13,59 % | −26,68 % | +28,71 % |
| 2022 | −29,94 % | −46,10 % | −18,11 % |
| 2023 | +10,94 % | −6,80 % | +26,29 % |
| 2024 | +39,30 % | +14,35 % | +25,02 % |
| 2025 | +38,13 % | +62,65 % | +17,88 % |
| 2026 (bis Juli) | +46,70 % | +5,53 % | +10,14 % |
Die unbequeme Kehrseite: brutale Rückschläge in allen vier Armen
Höhere Rendite kam hier nicht ohne Preis. Selbst der organische Arm B, der beste der vier, verlor zwischenzeitlich zwischen 52,1 und 55,0 Prozent seines Werts — mehr als doppelt so viel wie der größte Rückschlag des S&P 500 Total Return von −23,87 Prozent im selben Zeitraum. Der zugekaufte Arm C ist dabei der mit Abstand härteste Fall: Rückschläge zwischen −80,8 und −94,0 Prozent, je nach Haltedauer — ein Bereich, aus dem sich ein Depot praktisch nicht mehr erholt.
Delistings während der Haltedauer werden in dieser Studie zum letzten handelbaren Kurs verbucht, nicht ausgeblendet — die realistischere, aber auch mildere Annahme. Eine zweite, härtere Spur rechnet stattdessen jedes Delisting als Totalverlust (−100 Prozent). Beim Hauptmodus (12 Monate) verändert das den organischen Arm nur moderat, von 18,13 auf 17,02 Prozent pro Jahr — der zugekaufte Arm dagegen fällt von −3,88 auf −9,17 Prozent. Bemerkenswert: Selbst unter dieser härtesten Annahme bleibt der organische Arm in jeder der vier Haltedauern klar vor dem S&P 500 Total Return (17,02 bis 29,71 Prozent gegen 15,02 Prozent) — die Überrendite hängt also nicht an einer optimistischen Delisting-Annahme.
Der Corona-Fallstrick: warum 2022 kein normales Jahr ist
Wer die Signale nach Jahr auszählt, stößt auf einen Ausreißer, der sofort auffällt: 2022 löste das Hauptsignal bei 279 Firmen und in 1.446 Signalmonaten aus — mehr als das Doppelte des stärksten anderen Jahres (2023: 627 Signalmonate) und ein Mehrfaches typischer Jahre (177 bis 478 Signalmonate, 44 bis 93 Firmen).
| Jahr | Firmen | Signalmonate |
|---|---|---|
| 2013 | 49 | 261 |
| 2014 | 75 | 425 |
| 2015 | 74 | 344 |
| 2016 | 73 | 316 |
| 2017 | 72 | 337 |
| 2018 | 85 | 478 |
| 2019 | 93 | 399 |
| 2020 | 74 | 344 |
| 2021 | 76 | 375 |
| 2022 | 279 | 1.446 |
| 2023 | 140 | 627 |
| 2024 | 51 | 219 |
| 2025 | 55 | 215 |
| 2026 | 44 | 177 |
Die Ursache ist kein Datenfehler, sondern ein echter Basiseffekt: 80,6 Prozent dieser 2022er-Signalmonate haben ihr Sieben-Quartals-Fenster im Lockdown-Tief 2020 begonnen (Fensterstart zwischen dem zweiten und vierten Quartal 2020) — sie messen also überwiegend die Rückkehr auf das Vor-Corona-Niveau, kein organisches Hyperwachstum. Belegt an konkreten Treffern mit Fenster 2020Q2 bis 2021Q4: Chevron (Faktor 3,57), Delta Air Lines (6,45), Live Nation (36,5), MGM Resorts (10,5) und Valero Energy (3,45) — allesamt Reopening- und Ölpreis-Geschichten, kein organisches Hyperwachstum im eigentlichen Sinn. Zur Gegenprobe: Snowflake feuert im selben Jahr ebenfalls, aber aus echtem, säkularem Umsatzwachstum — ein zu Recht erfasster Treffer. Zusätzlich feuern 46,2 Prozent der 2022er-Trefferfirmen in keinem anderen Jahr des gesamten Studienzeitraums — ein Hinweis auf einmalige, nicht wiederkehrende Sondereffekte statt eines dauerhaften Wachstumsmusters.
Wir haben deshalb eine zweite, robustere Rechnung angelegt: dieselbe Strategie, aber ohne jeden Einstieg in den Jahren 2021 und 2022 — beide Jahre fallen weg, weil das siebenteilige Quartalsfenster über die Jahresgrenze reicht und die Kohorten sonst vermischt blieben.
| Haltedauer | A — alle | B — organisch | C — zugekauft | U — unbekannt |
|---|---|---|---|---|
| 3 Monate | 20,08 % (−32,82 %) | 36,14 % (−33,64 %) | −3,22 % (−76,03 %) | 7,78 % (−49,75 %) |
| 6 Monate | 14,59 % (−41,48 %) | 29,81 % (−32,74 %) | −0,77 % (−84,80 %) | 8,60 % (−50,76 %) |
| 12 Monate (Hauptmodus) | 10,33 % (−54,16 %) | 19,79 % (−41,33 %) | −1,97 % (−85,35 %) | 5,08 % (−43,22 %) |
| solange Signal steht | 12,25 % (−72,89 %) | 18,78 % (−75,90 %) | −6,71 % (−90,13 %) | 8,84 % (−71,97 %) |
Ohne die Corona-Einstiege steigt der organische Arm in drei von vier Haltedauern spürbar — auf 19,79 bis 36,14 Prozent pro Jahr; nur bei „solange das Signal steht" sinkt er leicht von 26,03 auf 18,78 Prozent, weil ausgerechnet einige der 2021/22er-Positionen dort besonders schnell wieder verkauft wurden und damit den Rückschlag gedämpft hatten. Die maximalen Rückschläge verbessern sich bei den festen Haltedauern deutlich (etwa 3 Monate: von −54,8 auf −33,6 Prozent), verschlechtern sich aber ausgerechnet bei „solange das Signal steht" (von −53,7 auf −75,9 Prozent) — ein Hinweis darauf, dass die Corona-Kohorte dort einen Teil des sonstigen Risikos abgefedert hat. Das Grundmuster bleibt in beiden Rechnungen gleich: organisch schlägt den Markt, zugekauft bleibt hinter ihm zurück oder verliert Geld.
Zwei Firmen, die zeigen, dass die Regeln halten
Zwei Einzelfälle aus der Prüfung der Rohdaten zeigen, dass die Punkt-in-Zeit-Logik und die Organik-Einstufung so arbeiten, wie sie sollen — nicht nur im Durchschnitt, sondern auch im Einzelfall nachvollziehbar.
Nvidia löst das Hauptsignal erstmals im Mai 2024 aus und bleibt danach ohne Lücke bis Juli 2026 im Signal — 27 Signalmonate insgesamt. Das erste Fenster zeigt einen Quartalsumsatz-Sprung von 5.931 auf 26.044 Millionen Dollar, Faktor 4,39. Das jüngste benötigte Quartal war am 29. Mai 2024 eingereicht, der Kaufstichtag lag am 31. Mai 2024 — kein Wissensvorsprung, den ein Anleger damals nicht auch gehabt hätte. Die Klassifizierung bleibt über den gesamten Zeitraum durchgehend „organisch" — folgerichtig, denn Nvidias Wachstum in diesen Jahren kam aus eigener Chip-Nachfrage, nicht aus Zukäufen.
Super Micro Computer zeigt die entgegengesetzte Lehre: eine Firma mit spektakulärem Umsatzwachstum, die das strenge Hauptsignal f7_x2.0 nie auslöst — es feuert bei ihr ausschließlich die lockerere Vier-Quartals-Vorjahresvergleich-Variante. Der Grund: Ihr Quartalsumsatz brach zwischenzeitlich mehrfach die geforderte Kette lückenloser Steigerungen, etwa vom vierten Quartal 2022 zum ersten Quartal 2023 (1.803 auf 1.283 Millionen Dollar). Ein echter Fünf-Quartals-Lauf von 2023Q3 bis 2024Q3 mit Faktor 2,80 wäre rein rechnerisch vorhanden gewesen — war aber zu keinem einzigen Monatsstichtag tatsächlich beobachtbar, weil das Unternehmen die Quartale zwei bis vier des Jahres 2024 erst am 25. Februar 2025 gemeinsam nachreichte, und das vierte Quartal für sich genommen sogar ein Rückgang war. Ein Rückblick ohne strikte Punkt-in-Zeit-Regel hätte diesen „Phantom-Treffer" gezeigt; unsere Regel verhindert genau das.
Wie empfindlich ist die Organik-Schwelle?
Die Grenzwerte von 5 Prozent Übernahmesumme und 20 Prozent Firmenwert-Zuwachs sind eine bewusste Wahl, keine Naturkonstante. Wir haben deshalb neun Kombinationen aus drei Übernahme-Schwellen (2, 5, 10 Prozent) und drei Firmenwert-Schwellen (10, 20, 50 Prozent) durchgerechnet, jeweils bei sechs Monaten Haltedauer:
| Übernahmen-Schwelle | Firmenwert-Schwelle | B — organisch p. a. | C — zugekauft p. a. |
|---|---|---|---|
| 2 % | 10 % | 25,63 % | −4,86 % |
| 2 % | 20 % | 24,73 % | −1,94 % |
| 2 % | 50 % | 24,28 % | −3,90 % |
| 5 % | 10 % | 26,40 % | −7,13 % |
| 5 % (Vorgabe) | 20 % (Vorgabe) | 25,23 % | −5,28 % |
| 5 % | 50 % | 24,76 % | −7,26 % |
| 10 % | 10 % | 25,42 % | −8,77 % |
| 10 % | 20 % | 24,01 % | −6,19 % |
| 10 % | 50 % | 23,63 % | −9,82 % |
Über alle neun Kombinationen bleibt der organische Arm zwischen 23,63 und 26,40 Prozent pro Jahr — eine Spanne von weniger als 3 Prozentpunkten. Der zugekaufte Arm bleibt in jeder einzigen Kombination negativ, zwischen −1,94 und −9,82 Prozent. Das Ergebnis hängt also nicht an der exakten Wahl der beiden Schwellenwerte — die Trennlinie zwischen organischem und zugekauftem Wachstum trifft in jeder plausiblen Variante denselben Befund.
Ehrliche Grenzen dieser Studie
Vier Einschränkungen gehören zu jedem ehrlichen Blick auf diese Zahlen, unabhängig von allem oben Gesagten.
Der Corona-Basiseffekt betrifft nicht nur 2022. Auch wenn die Robustheitsrechnung ohne die Jahre 2021 und 2022 das Grundmuster bestätigt, bleibt 2022 mit seinem Vielfachen an Signalmonaten ein methodisch schwieriges Jahr, in dem „Hyperwachstum" teils schlicht „Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau" bedeutet.
Der Kursbestand hat eine Lücke bei jüngeren Börsengängen. Von 48.941 „Common Stock"-Einträgen in den US-Titel-Listen liegt nur für 11.250 überhaupt eine brauchbare Kursdatei vor — ein Teil der Differenz sind fehlklassifizierte Optionsscheine, ein echter Rest ist eine Lücke; im tatsächlich für die Studie verwendeten Bestand sind es 10.246 Titel mit Kursdatei. Namhafte Börsengänge der Jahre 2020 und 2021 fehlen komplett, darunter Upstart, Coinbase und SoFi; jüngere IPO-Jahrgänge sind insgesamt unterrepräsentiert. Vorhanden sind dagegen unter anderem Roblox, Airbnb, DoorDash, Rivian, Lucid, Palantir, Robinhood, Unity und Cloudflare. Das Universum ist damit eine unvollständige, nicht zufällig verteilte Stichprobe der US-Hauptbörsen — mit einer Tendenz, das Ergebnis eher zu drücken als zu schönen, weil gerade junge Wachstumswerte fehlen.
Nicht jede Firma mit SEC-Kennnummer hat eine auswertbare Quartalsreihe. 85,5 Prozent der Titel mit Kursdatei haben überhaupt eine zuordenbare Kennnummer bei der Börsenaufsicht (CIK); von diesen wiederum haben 79,3 Prozent eine für dieses Signal auswertbare Quartalsreihe. Die Abdeckung ist außerdem über die Zeit gewachsen: von rund 34 Prozent im Jahr 2013 auf 66,5 Prozent im Jahr 2026 — die früheren Studienjahre stehen auf einer dünneren Datenbasis als die jüngeren.
Wenige Titel je Monat, US-Markt only, keine Steuern. Über den gesamten Zeitraum verteilen sich die Positionen im Hauptmodus so:
| Arm | Positionen | Monate mit offener Position (von 163) |
|---|---|---|
| A — alle Treffer | 673 | 162 |
| B — organisch gewachsen | 336 | 162 |
| C — zugekauft gewachsen | 123 | 159 |
| U — nicht einstufbar | 214 | 162 |
336 Positionen über 13,6 Jahre im organischen Arm bedeuten im Schnitt gut zwei neue Kaufsignale pro Monat, in einzelnen Monaten auch keines. Das ist ein schmales Portfolio mit entsprechender Klumpenanfälligkeit, kein breit diversifizierter Fonds — ein einzelner Ausreißer wie eine besonders starke oder besonders schwache Einzelposition wiegt hier spürbar schwerer als in einem Hundert-Titel-Depot. Die Studie deckt außerdem ausschließlich US-Aktien ab, rechnet mit 0,1 Prozent Kosten je Kauf und Verkauf, aber ohne Steuern, ohne Spread und ohne Marktbeeinflussung durch die eigenen Käufe — Annahmen, die für ein einzelnes Depot in der Praxis milder ausfallen als für einen institutionellen Nachbau in großem Volumen.
Wie diese Studie gerechnet wurde
Grundgesamtheit. US-Aktien mit Kursdatei im Marktdaten-Bestand, aktive und delistete gemeinsam — ohne die delisteten wäre dies ein Überlebenden-Rückblick. Gekauft wird nur, wenn der Rohkurs am Einstiegsstichtag mindestens 1 Dollar beträgt; eine spätere Aktienzusammenlegung darf einen früheren Pennystock nicht nachträglich hoffähig machen.
Signal. Sieben aufeinanderfolgende Quartale mit steigendem Umsatz gegenüber dem jeweiligen Vorquartal, am Ende des Fensters mindestens der doppelte Startumsatz (Hauptsignal f7_x2.0). Fünf Nebenvarianten (kürzeres/längeres Fenster, andere Wachstumsschwelle, Vorjahresvergleich) stützen die Grundaussage, sind aber nicht Gegenstand dieser Studie im Detail.
Organik-Einstufung. Dreiwertig aus den SEC-Berichten (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q): zugekauft, wenn Übernahmesummen im Fenster über 5 Prozent der Fenster-Umsatzsumme liegen oder der Firmenwert-Zuwachs über 20 Prozent des annualisierten Umsatzzuwachses hinausgeht; sonst organisch; ohne ausreichende Bilanzangaben unbekannt.
Punkt-in-Zeit. Ein Signal entsteht ausschließlich aus Quartalszahlen, die am jeweiligen Monatsstichtag bereits bei der Börsenaufsicht eingereicht waren. Ohne diese Regel hätte der Rückblick systematisch zu früh gekauft — mit Wissen, das ein Anleger zum Kaufzeitpunkt noch nicht hatte.
Haltedauer und Gewichtung. Vier Varianten: feste 3, 6 und 12 Monate sowie „solange das Signal steht" (Verkauf am Monatsende des ersten Monats ohne Signal). Gleichgewichtet mit monatlichem Rebalancing; ein Monat ohne Position zählt mit Rendite null. Gekauft wird nur beim Erstsignal einer Wachstumsepisode, keine Nachkäufe während einer laufenden Position.
Kosten und Delisting. 0,1 Prozent Ordergebühr je Kauf- und Verkaufsseite, in den Kursen bereits eingerechnet. Endet die Kursreihe eines Titels vor dem Studienende, wird zum letzten verfügbaren Monatskurs zwangsverkauft; eine zweite, härtere Spur rechnet denselben Fall stattdessen als Totalverlust (−100 Prozent) — beide Spuren werden im Bericht ausgewiesen.
Vergleichsmaßstäbe. S&P 500 Total Return (übernommene Indexreihe) und ein gleichgewichtetes Universum aus allen Titeln mit Kurs im Vormonat, je Monat um das extremste 1 Prozent an beiden Enden gestutzt — eine ungestutzte Kontrollreihe zeigte, dass einzelne kaputte Kurszeilen im Datenbestand (Platzhalterwerte, fehlerhafte Bereinigungen) sonst Monatsrenditen im Millionen-Prozent-Bereich erzeugen und jeden Vergleich unbrauchbar machen würden.
Quellen. SEC EDGAR XBRL Company Facts für Umsatz, Übernahmezahlungen und Firmenwert aus den eingereichten Geschäfts- und Quartalsberichten (10-K/10-Q); historische Kursdaten, zu Monatsschlusskursen verdichtet; US-Titel-Listen des Marktdaten-Bestands, aktive und delistete gemeinsam. Datenstand: 7. August 2026.
Was aus dieser Studie nicht folgt
Dass organisch gewachsene Hyperwachstums-Firmen den Markt über 13,6 Jahre in jeder getesteten Haltedauer geschlagen haben, heißt nicht, dass das auch für die nächsten 13,6 Jahre gilt oder dass ein einzelner heutiger Scanner-Treffer diese Rendite verspricht. Die brutalen Rückschläge von bis zu −94 Prozent im zugekauften und bis zu −55 Prozent selbst im organischen Arm zeigen, dass diese Strategie auf Depotebene kaum ohne massive Schwankungen durchzuhalten gewesen wäre — unabhängig davon, wie gut das Mittel am Ende aussieht. Die Lücke im Kursbestand bei jüngeren Börsengängen bedeutet außerdem, dass gerade ein Teil der jüngsten, potenziell relevantesten Wachstumsfirmen im Universum fehlt.
Diese Auswertung reiht sich in unsere eigenen Untersuchungen ganzer Aktienuniversen ein — darunter der Backtest von Joel Greenblatts Magic Formula, der zeigte, wie sich eine mechanische Kauf-Regel über 26,6 Jahre verhalten hätte. Einzelne der hier genannten Unternehmen haben wir zusätzlich einzeln untersucht; die vollständige Sammlung steht in unseren Aktienanalysen.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen — im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Den Live-Scanner „Dreistelliges Umsatzwachstum" der Plattform: ein Kaufsignal entsteht, wenn der Quartalsumsatz einer Firma sieben Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal gestiegen ist und sich über das Fenster mindestens verdoppelt hat. Wir haben dieses Signal von Januar 2013 bis Juli 2026 auf dem gesamten US-Aktienmarkt nachgerechnet, punktgenau mit den zum Stichtag bereits eingereichten Quartalszahlen, inklusive aller Firmen, die seither von der Börse verschwunden sind.
Über die tatsächlich in den SEC-Berichten (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q) ausgewiesenen Zahlen im Sieben-Quartals-Fenster: Ein Treffer gilt als zugekauft, wenn die gezahlten Übernahmesummen mehr als 5 Prozent der Umsatzsumme des Fensters ausmachen oder der Firmenwert-Zuwachs (Goodwill) mehr als 20 Prozent des annualisierten Umsatzzuwachses erklärt. Sonst gilt er als organisch — außer die nötigen Bilanzangaben fehlen, dann bleibt der Treffer „unbekannt" und wird nie dem organischen Lager zugeschlagen.
Im Testzeitraum ja: In jeder der vier getesteten Haltedauern schlug organisches Hyperwachstum den Markt, mit teils großem Abstand — 18,13 Prozent pro Jahr bei zwölf Monaten Haltedauer, 31,83 Prozent bei drei Monaten, gegen 15,02 Prozent beim S&P 500 Total Return im selben Zeitraum. Der Rückschlag ist allerdings ebenfalls größer als beim Index — zwischen −52,1 und −55,0 Prozent gegenüber −23,9 Prozent beim S&P 500.
2022 lieferte mit 1.446 Signalmonaten und 279 Firmen ein Vielfaches der übrigen Jahre (177 bis 627 Signalmonate). Der Grund ist ein Basiseffekt: 80,6 Prozent dieser Signale haben ihr Sieben-Quartals-Fenster im Lockdown-Tief 2020 begonnen und messen die Erholung auf das alte Niveau, nicht organisches Wachstum — belegt an Chevron (Faktor 3,57), Delta Air Lines (6,45) und MGM Resorts (10,5). Die Studie rechnet deshalb zusätzlich eine Fassung ohne Einstiege 2021 und 2022; darin steigt der organische Arm in drei der vier Haltedauern auf 19,8 bis 36,1 Prozent pro Jahr — nur in der Haltedauer „solange das Signal steht" sinkt er von 26,0 auf 18,8 Prozent.
Sehr robust. Neun verschiedene Kombinationen der Übernahme- und Firmenwert-Schwelle (2 bis 10 Prozent Übernahmen, 10 bis 50 Prozent Firmenwert) ergeben für den organischen Arm zwischen 23,63 und 26,40 Prozent pro Jahr — eine Spanne von weniger als 3 Prozentpunkten. Selbst wenn jedes Delisting als Totalverlust statt zum letzten Kurs gerechnet wird, bleibt der organische Arm in jeder Haltedauer klar vor dem S&P 500.
Nein. Die Studie beschreibt, wie sich ein festes Signal über 13,6 Jahre auf einem Universum mit bekannten Lücken verhalten hätte — nicht, was heute zu kaufen ist. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Prognose für einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.