ScanSource: Erst die Prognose kassiert, dann die größte Übernahme der Firmengeschichte
Im Februar 2026 senkte ScanSource seine Jahresprognose, weil Großaufträge sich verschoben — die Aktie rutschte unter ihren Buchwert. Ein halbes Jahr später, am 20. August 2026, meldete der Technologiedistributor 3,226 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, 113,8 Millionen US-Dollar freien Mittelzufluss — weit über der eigenen Prognose — und gleichzeitig die mit 220,5 Millionen größte Übernahme seiner Geschichte. Wir lesen drei Telefonkonferenzen und zwei Geschäftsberichte nach, prüfen, wie viel vom Gewinnsprung echtes Wachstum ist und wie viel Aktienrückkauf — und finden im Anhang eine Zahl, die 2 Prozent Puffer hat.
Stand heute
Stand: 20. August 2026
- Schlusskurs
- 56,40 $ +9,70 %
- Marktkapitalisierung
- 1,1 Mrd. $
- KGV
- 17,3
- Wachstums-Score
- 3/10
- AAQS
- 4/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 34,30 $ bis 58,90 $ · Letzter Kurs: 56,40 $ (Stand: 20. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die besonders vernünftig klingende Anleger trifft — weil sie sich wie Disziplin anfühlt: die Schnappschuss-Falle. Sie geht so: Ein Unternehmen meldet ein enttäuschendes Quartal, senkt die Prognose, der Kurs fällt unter den Buchwert — und du machst dir ein Bild. Ein begründetes, datengestütztes Bild. Das Problem ist nicht das Bild selbst, sondern dass du es nie wieder aktualisierst. Ein Quartalsbericht ist ein Foto, kein Film — und wer nur das Foto vom Februar behält, verpasst, was im August auf demselben Set passiert ist.
ScanSource, Inc. (NASDAQ: SCSC) liefert dafür ein ungewöhnlich sauberes Beispiel, weil beide Aufnahmen öffentlich dokumentiert sind. Am 5. Februar 2026 senkte das Management seine Jahresprognose, nachdem Großaufträge sich „in kleinere Stücke“ aufgeteilt hatten und ins nächste Quartal gerutscht waren; ein Analyst bemerkte in der Telefonkonferenz trocken, die Aktie notiere inzwischen unter ihrem Buchwert. Sechs Monate später, am 20. August 2026, meldete derselbe Konzern einen Jahresumsatz über der gesenkten Prognose, einen freien Mittelzufluss weit über beiden zuvor gegebenen Zusagen — und gleichzeitig die mit 220,5 Millionen US-Dollar größte Übernahme seiner Geschichte. Die Aktie sprang am selben Tag um 9,7 Prozent. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam drei Telefonkonferenzen und zwei Geschäftsberichte, die dazwischen liegen — und prüfen dabei auch, wie viel vom Gewinnsprung echtes Wachstum ist und wie viel Aktienrückkauf. Was du daraus machst, entscheidest du selbst.
Was ScanSource eigentlich macht — kein Hersteller, ein Großhändler mit Beratungsgeschäft
ScanSource wurde 1992 in South Carolina gegründet, ging 1994 an die Börse und hat seinen Sitz bis heute in Greenville, South Carolina. Der Konzern stellt selbst nichts her — er ist ein Technologiedistributor: Er kauft Hardware und Software bei rund 500 Herstellern ein, bündelt sie zu einsatzfertigen Lösungen und verkauft sie über rund 25.000 Vertriebspartner weiter — kleine und mittlere IT-Systemhäuser, die selbst keine direkte Einkaufsbeziehung zu jedem einzelnen Hersteller unterhalten wollen oder können. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wenn Cisco, Zebra Technologies oder Honeywell die Hersteller sind, ist ScanSource der Großhändler dazwischen, der Lagerhaltung, Finanzierung, technischen Support und Bündelung übernimmt, damit der lokale IT-Dienstleister sich nicht mit 500 Lieferverträgen herumschlagen muss.
Das Geschäft läuft über zwei Segmente, die sehr unterschiedlich funktionieren. Specialty Technology Solutions ist das klassische Hardware-Geschäft: Barcode- und Mobilitätslösungen, Kassensysteme (POS), Zahlungsterminals, physische Sicherheit (Videoüberwachung, Zutrittskontrolle), Kommunikationstechnik und Netzwerktechnik — Letzteres ausdrücklich einschließlich „artificial intelligence ('AI') infrastructure products“, wie der Geschäftsbericht es nennt. Das Segment machte im Geschäftsjahr 2026 rund 3,12 Milliarden US-Dollar Umsatz, fast 97 Prozent des Konzerns — aber die Marge ist dünn, weil Hardware-Vertrieb ein Umsatz-Geschäft ist.
Das zweite Segment, Intelisys & Advisory, ist strukturell völlig anders: Es vermittelt Cloud-, Sicherheits-, Kommunikations- und „Managed AI“-Dienste gegen Provision, ohne die zugrunde liegenden Dienste selbst zu erbringen. Der Umsatz wird deshalb „netted down“ ausgewiesen — nur die Provision zählt, nicht der volle Auftragswert der vermittelten Cloud-Verträge. Mit nur 101,1 Millionen US-Dollar Umsatz 2026 ist dieses Segment winzig gegen das Hardware-Geschäft — aber die operative Marge liegt bei rund 40 Prozent, gegen wenige Prozent im Hardware-Segment. Merke dir das Bild: ScanSource ist zu 97 Prozent ein margenschwaches Großhandelsgeschäft und zu 3 Prozent ein hochmargiges Vermittlungsgeschäft — und die Wachstumsstory des Konzerns hängt daran, wie schnell sich dieses Verhältnis verschiebt. Das ist das Spannungsfeld, das sich durch diese Analyse zieht.
Ein Detail zur Einordnung des Risikos: Der Geschäftsbericht nennt zwei Namen ohne Umschweife — „Products from two suppliers, Cisco and Zebra, each constituted more than 10% of our net sales for the fiscal year ended June 30, 2026“ (Produkte von zwei Lieferanten, Cisco und Zebra, machten jeweils mehr als 10 Prozent unseres Nettoumsatzes im Geschäftsjahr zum 30. Juni 2026 aus). Wer mehr über einen dieser beiden Namen wissen will: Wir haben Zebra Technologies selbst in einer eigenen Analyse durchleuchtet — ein Lieferant, von dem auch ScanSource sichtbar abhängt.
Die Firmengeschichte für Anleger
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1994
Börsengang an der Nasdaq
ScanSource, zwei Jahre zuvor in South Carolina gegründet, geht an die Börse. Der Startpunkt einer heute mehr als drei Jahrzehnte langen Distributionsgeschichte für Anleger.
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2025
August: Erste Prognose fürs Geschäftsjahr 2026
Zusammen mit dem Jahresbericht 2025 gibt das Management die erste FY26-Prognose aus (Umsatz 3,1–3,3 Mrd. US-Dollar) — der Maßstab, an dem sich der gesamte Jahresverlauf später messen lässt.
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2026
5. Februar: Prognose gesenkt
Wegen verschobener Großaufträge kürzt das Management die Umsatz- und EBITDA-Prognose; ein Analyst bemerkt, die Aktie notiere unter ihrem Buchwert. Für Anleger der Tiefpunkt der Erzählung.
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2026
7. Mai: Freier-Mittelzufluss-Ziel angehoben
Nach einem starken dritten Quartal hebt ScanSource sein FCF-Ziel auf mindestens 90 Millionen US-Dollar an und bestätigt die im Februar gesenkte Umsatz- und EBITDA-Spanne — die Wende zeichnet sich ab.
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2026
19. August: MicroAge-Kaufvertrag unterzeichnet
ScanSource vereinbart die mit 220,5 Millionen US-Dollar größte Übernahme seiner Geschichte — einen Tag vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen, die die gesenkte Prognose übertreffen.
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2026
20. August: Jahresergebnis übertrifft gesenkte Prognose
Umsatz, EBITDA und freier Mittelzufluss liegen über der im Februar gesenkten Spanne; die Aktie springt am selben Tag um 9,7 Prozent. Für Anleger der vorläufige Schlusspunkt dieser Geschichte.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — ein Jahresbericht und eine Übernahme am selben Tag
Der Anlass ist unübersehbar: Am 20. August 2026 reichte ScanSource gleich drei Dokumente bei der US-Börsenaufsicht SEC ein — den Geschäftsbericht (10-K) für das zum 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr, eine Ad-hoc-Meldung (8-K, Punkt 2.02) mit der Ergebnismitteilung für das vierte Quartal, und im selben 8-K, unter Punkt 1.01, den Kaufvertrag für MicroAge. Ein Jahresbericht und eine 220-Millionen-Dollar-Weichenstellung an einem einzigen Tag ist ungewöhnlich viel Neuigkeit für ein Unternehmen dieser Größe.
MicroAge ist ein IT-Systemhaus und Managed-Services-Anbieter mit rund 2.400 Kunden und mehr als 200 Beschäftigten, spezialisiert auf Cloud, Rechenzentrum, Cybersicherheit, IT-Betrieb und Helpdesk. Der Kaufpreis: 220,5 Millionen US-Dollar in bar bei Vollzug, dazu 3 Millionen und 6,8 Millionen US-Dollar in Treuhand für spätere Kaufpreisanpassungen beziehungsweise Freistellungsansprüche. Das Closing wird für das Quartal bis zum 30. September 2026 erwartet, vorbehaltlich der kartellrechtlichen Freigabe nach dem Hart-Scott-Rodino-Gesetz und weiterer üblicher Bedingungen. CEO Mike Baur formulierte es in der Ergebnismitteilung so: „We're also excited about our agreement to acquire MicroAge, which we believe will accelerate growth, expand margins, and adds new services capabilities.“ — auf Deutsch: „Wir freuen uns außerdem über unsere Vereinbarung zur Übernahme von MicroAge, von der wir glauben, dass sie das Wachstum beschleunigt, die Margen verbessert und neue Servicefähigkeiten hinzufügt.“
Wichtig für die Einordnung: Die am selben Tag veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2027 (Umsatzwachstum 6 bis 10 Prozent, bereinigtes EBITDA 158 bis 165 Millionen US-Dollar, freier Mittelzufluss mindestens 85 Millionen) schließt MicroAge ausdrücklich noch nicht ein — sie beschreibt das bestehende Geschäft, nicht das kombinierte. Wie gut sich MicroAge einfügt, wird sich erst in künftigen Berichten zeigen.
Was das Management versprach — und was daraus wurde
Der eigentliche Grund, warum sich diese Aktie für einen genauen Blick lohnt, liegt nicht im Übernahme-Tag selbst, sondern in dem, was drei Telefonkonferenzen davor erzählen. ScanSource hält seine Quartalsgespräche mit Analysten transparent fest, und liest man sie hintereinander, ergibt sich eine Geschichte mit einem echten Wendepunkt.
Im August 2025, zusammen mit dem Jahresbericht für 2025, gab das Management seine erste Prognose für das neue Geschäftsjahr 2026 aus. Am 6. November 2025, in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal, bestätigte Finanzvorstand Steve Jones sie unverändert: Umsatzwachstum auf 3,1 bis 3,3 Milliarden US-Dollar, bereinigtes EBITDA von 150 bis 160 Millionen, freier Mittelzufluss von mindestens 80 Millionen. Auf Nachfrage eines Analysten bekräftigte CEO Mike Baur wörtlich: „Our enthusiasm for our guidance is reaffirmed as of last week“ — „Unsere Zuversicht in unsere Prognose wurde erst letzte Woche erneut bestätigt.“ Die Stimmung war noch ungebrochen.
Dann kam der 5. Februar 2026, die Telefonkonferenz zum zweiten Quartal — und der Ton drehte sich hörbar. Umsatz und Bruttogewinn waren zwar in beiden Segmenten gewachsen, aber langsamer als erwartet, und unerwartete Kosten (Fracht, Mix, eine kundenspezifische Wertberichtigung) hatten die Marge gedrückt. CEO Baur erklärte den Kern des Problems so:
„We saw large deals get broken up into smaller pieces. And so as they're rolling out, they're not happening normally, and we saw this even last quarter. […] Implicit in our adjusted guidance is that we do need the large deals to resume, and we believe that, that will happen.“
Übersetzung: „Wir haben gesehen, dass Großaufträge in kleinere Teile aufgeteilt wurden. Wenn sie jetzt ausgerollt werden, geschieht das nicht mehr im normalen Rhythmus, und das haben wir schon im letzten Quartal gesehen. […] In unserer angepassten Prognose steckt die Annahme, dass die Großaufträge zurückkehren müssen — und wir glauben, dass das passieren wird.“
— Michael Baur, Chairman & CEO, ScanSource, Inc., Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026, 05.02.2026
Das Management senkte daraufhin die Jahresprognose: Umsatz von 3,1–3,3 auf 3,0 bis 3,1 Milliarden US-Dollar, bereinigtes EBITDA von 150–160 auf 140 bis 150 Millionen. Nur das Ziel für den freien Mittelzufluss — mindestens 80 Millionen — blieb stehen. Wie schlecht die Stimmung zu diesem Zeitpunkt war, zeigt eine Nebenbemerkung des Raymond-James-Analysten Adam Tindle in derselben Telefonkonferenz: Die Aktie notiere inzwischen „below book value“ — unter ihrem bilanziellen Buchwert. Für ein Unternehmen mit positivem operativem Cashflow und ohne Bilanzprobleme ist das ein deutliches Signal dafür, wie skeptisch der Markt zu diesem Zeitpunkt geworden war.
Am 7. Mai 2026, in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal, kam die Wende. Der Umsatz wuchs im Quartal um 9 Prozent, angeführt von Netzwerktechnik und Sicherheit. Finanzvorstand Jones bilanzierte knapp: „When we look at our full year outlook that we gave last quarter, we said that we would need some large deals coming in, and we had growth projected for the second half. Q3 delivered on that.“ — „Als wir uns unseren Jahresausblick vom letzten Quartal ansahen, sagten wir, dass wir einige Großaufträge bräuchten, und wir hatten Wachstum für die zweite Jahreshälfte prognostiziert. Das dritte Quartal hat das geliefert.“ Das Management bestätigte die im Februar gesenkte Umsatz- und EBITDA-Spanne und hob das Ziel für den freien Mittelzufluss auf mindestens 90 Millionen US-Dollar an. Auf die naheliegende Analystenfrage, ob ein Teil des starken Quartals nur aus dem vierten Quartal vorgezogen worden sei, antwortete Jones: „We don't believe that we saw material pull forwards in our Q3 results“ — man sehe keine wesentlichen Vorzieheffekte.
Und dann, am 20. August 2026, das vorläufige Ende dieser Geschichte: Der tatsächliche Jahresumsatz von 3.226,1 Millionen US-Dollar landete über der im Februar gesenkten Spanne und knapp über der Mitte der ursprünglichen Spanne vom August 2025 (3,2 Milliarden US-Dollar). Das bereinigte EBITDA von 151,5 Millionen übertraf die gesenkte Spanne und lag praktisch am unteren Rand der ursprünglichen. Am deutlichsten fiel der Kontrast beim freien Mittelzufluss aus: 113,8 Millionen US-Dollar — weit über den zunächst zugesagten mindestens 80 und den im Mai angehobenen mindestens 90 Millionen. Die Grafik zeigt diesen Weg von der ersten Prognose bis zum tatsächlichen Ergebnis:
Ein Vorbehalt gehört zur Fairness dazu: Der vollständige Mitschnitt der Telefonkonferenz vom 20. August 2026 lag zum Zeitpunkt dieser Analyse noch nicht als Transkript vor — die Zahlen und das CEO-Zitat oben stammen aus der zeitgleichen, SEC-pflichtigen Ergebnismitteilung, die inhaltlich mit dem Call übereinstimmt, aber keine Analysten-Fragen enthält. Was sich aus den drei vollständig ausgewerteten Calls und dieser Mitteilung ablesen lässt, ist trotzdem eindeutig: Die Prognose wurde im Februar 2026 zu Recht gesenkt — und im August 2026 mit klarem Abstand wieder eingeholt.
Die Zahlen über die Jahre — eine Erholung, kein Rekord
Wer nur das vierte Quartal betrachtet — Umsatz plus 17,3 Prozent, GAAP-Ergebnis je Aktie plus 40,9 Prozent —, könnte den Eindruck bekommen, ScanSource befinde sich auf einem ununterbrochenen Wachstumspfad. Die Fünfjahresreihe erzählt eine nüchternere Geschichte:
Der Umsatz lag 2023 bei 3.787,7 Millionen US-Dollar, fiel zwei Jahre in Folge — auf 3.259,8 Millionen (2024) und 3.040,8 Millionen (2025) — und erholte sich 2026 auf 3.226,1 Millionen. Das ist ein solides Comeback, aber eben ein Comeback: Der Konzern liegt weiterhin rund 15 Prozent unter seinem Umsatz von 2023. Das Nettoergebnis zeichnet dieselbe Kurve nach, nur mit kleineren Ausschlägen: 89,8 Millionen (2023), 77,1 Millionen (2024), 71,5 Millionen (2025), 78,9 Millionen (2026). Wer den jüngsten Quartalssprung auf das ganze Jahr hochrechnet, überschätzt die Dynamik — die Gegenprobe im Jahresvergleich zeigt eine Erholung von einem zweijährigen Rückgang, keine neue Wachstumsphase.
Was sich in dieser Reihe verschoben hat, ist die Struktur, nicht nur das Volumen: Die Bruttomarge stieg von 13,4 Prozent (2025) auf 13,6 Prozent (2026), weil der Anteil wiederkehrender, provisionsbasierter Erlöse am Bruttogewinn von 32,8 auf 33,7 Prozent zunahm. Das margenstärkere Intelisys-&-Advisory-Segment wächst also relativ zum Hardware-Geschäft — langsam, aber sichtbar. Und genau an diesem Punkt setzt die erste unbequeme Wahrheit an: Ein Teil des viel beachteten Gewinnsprungs 2026 hat mit diesem operativen Fortschritt gar nichts zu tun.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn je Aktie stieg doppelt so schnell wie der Gewinn selbst
Diese Analyse hat gerade zwei Zahlen genannt, die auf den ersten Blick zusammengehören, aber es nicht tun. Der GAAP-Nettogewinn stieg 2026 um 10,2 Prozent auf 78,873 Millionen US-Dollar. Das verwässerte Ergebnis je Aktie stieg im selben Jahr um 21,3 Prozent auf 3,64 US-Dollar. Doppelt so schnell — bei praktisch demselben zugrunde liegenden Geschäft. Wie kann das sein?
Die Antwort steht eine Zeile darunter: Die verwässerte, gewichtete Aktienzahl fiel von 23,839 Millionen (2025) auf 21,692 Millionen (2026) — ein Rückgang von 9,0 Prozent in einem einzigen Jahr. Über zwei Jahre gerechnet, gegen 25,222 Millionen im Geschäftsjahr 2024, sind es sogar 14,0 Prozent weniger Aktien. Der Grund ist kein Geheimnis: ScanSource kaufte 2026 für 97,9 Millionen US-Dollar eigene Aktien zurück, nach 106,5 Millionen im Jahr zuvor — über zwei Jahre mehr als 200 Millionen US-Dollar, mit denen der Konzern seine eigenen Anteile aus dem Markt nahm.
Rechnerisch lässt sich der Effekt fast exakt nachvollziehen: Ein um 10,2 Prozent höherer Gewinn, verteilt auf 9,0 Prozent weniger Aktien, ergibt automatisch ein um rund 21 Prozent höheres Ergebnis je Aktie — nahezu deckungsgleich mit den ausgewiesenen 21,3 Prozent. Das ist kein Bilanztrick — Aktienrückkäufe sind eine legale, weit verbreitete Form der Kapitalrückführung, und ScanSource hat sie mit Barmitteln aus dem laufenden Geschäft finanziert, nicht mit neuen Schulden. Aber es ist ein Unterschied, den ein Leser kennen sollte, bevor er „das Ergebnis je Aktie ist um mehr als ein Fünftel gestiegen“ mit „das Geschäft ist um mehr als ein Fünftel gewachsen“ verwechselt. Die ehrlichere Zahl für die operative Entwicklung ist die Zeile vor der Aktienzahl: plus 10,2 Prozent — solide, aber deutlich weniger spektakulär, als die Schlagzeile suggeriert.
Zur Vollständigkeit: Die kleineren, klassischen Einmaleffekte in der Bilanz — Restrukturierungskosten, ein Rechtsvergleich, Nachwirkungen des Cyberangriffs von 2023 — bewegten sich 2026 im niedrigen einstelligen Millionenbereich und wirkten in Summe sogar leicht bremsend statt stützend auf das bereinigte Ergebnis. Sie erklären den Ergebnissprung nicht; der Rückkauf-Effekt schon.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Im größten Segment hat der Firmenwert nur noch 2 Prozent Puffer
Diese Zahl steht in keiner Pressemitteilung und wurde in der Telefonkonferenz nicht erwähnt — sie steckt im Anhang des Geschäftsberichts, dort, wo es um den Firmenwert (Goodwill) geht. Ein kurzer Umweg zur Einordnung: Wenn ScanSource in der Vergangenheit ein anderes Unternehmen gekauft hat, blieb regelmäßig ein Restbetrag übrig, den man nicht einzelnen Maschinen, Verträgen oder Lagerbeständen zuordnen konnte — dieser Restbetrag wird als Goodwill in der Bilanz geführt und muss jedes Jahr auf seine Werthaltigkeit geprüft werden. Fällt der geschätzte Marktwert eines Segments unter seinen Buchwert, muss der Konzern abschreiben — direkt zulasten des Ergebnisses.
Bei ScanSource zeigt die jüngste Prüfung ein zweigeteiltes Bild. Im kleinen, hochmargigen Segment Intelisys & Advisory (Goodwill 71,0 Millionen US-Dollar) überstieg der geschätzte Marktwert den Buchwert um mehr als 100 Prozent — ein dicker, beruhigender Puffer. Im großen Hardware-Segment Specialty Technology Solutions dagegen, das mit 173,9 Millionen US-Dollar mehr als 70 Prozent des gesamten Konzern-Goodwills von 244,9 Millionen trägt, betrug derselbe Puffer nur 2 Prozent. Der Wirtschaftsprüfer hat genau diesen Punkt als „Critical Audit Matter“ eingestuft — eine Kategorie, die er im Bericht wörtlich nur für Sachverhalte vergibt, die „involved our especially challenging, subjective, or complex judgments“ (auf Deutsch: „unser besonders forderndes, subjektives oder komplexes Urteilsvermögen erforderten“).
Zur Einordnung, fair und ohne Dramatisierung: Eine Abschreibung ist weder 2026 noch in den beiden Vorjahren erfolgt, und 2 Prozent Puffer bedeuten nicht, dass eine Wertminderung unmittelbar bevorsteht. Der Marktwert wird über ein Modell künftiger Zahlungsströme geschätzt, das auf Annahmen zu Wachstum, Marge und Diskontsatz beruht — Annahmen, die sich von Jahr zu Jahr leicht verschieben, ohne dass sich am realen Geschäft etwas ändert. Aber der Puffer ist eben denkbar dünn für ein Segment, das für 97 Prozent des Konzernumsatzes steht. Sollte das Umsatzwachstum in Specialty Technology Solutions hinter der für 2027 in Aussicht gestellten Spanne von 6 bis 10 Prozent zurückbleiben oder der Diskontsatz durch höhere Zinsen steigen, ist eine Abschreibung bei der nächsten jährlichen Prüfung — planmäßig im vierten Fiskalquartal 2027 — kein rein theoretisches Szenario mehr.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das margenstarke Segment wächst langsamer, als das Management selbst es möchte
Die dritte unbequeme Wahrheit steht nicht in einer Zahl, sondern in einer Frage-und-Antwort-Sequenz — und genau die verdient besondere Aufmerksamkeit, weil ein Management in solchen Momenten weniger kontrolliert spricht als im vorbereiteten Statement. In der Telefonkonferenz zum dritten Quartal, am 7. Mai 2026, hakte Analyst Keith Housum (Northcoast Research) bei CEO Baur nach, ob die Neuaufträge bei Intelisys im Jahresvergleich überhaupt zugelegt hätten — eine Frage, die an dieselbe Sorge anknüpfte, die zuvor bereits Analyst Gregory Burns (Sidoti & Company) im selben Gespräch geäußert hatte, ob die seit anderthalb Jahren laufenden Investitionen in das Intelisys-&-Advisory-Segment noch nicht die erhoffte Beschleunigung gebracht hätten:
„I assume that order growth didn't grow for the quarter year over year?“ — „No, we didn't say that. Our belief is that we are doing everything we've said we're going to do, but we want to go faster. We don't believe it's growing at the rate we would like to see.“
Übersetzung: „Ich nehme an, das Auftragswachstum hat sich im Quartal gegenüber dem Vorjahr nicht beschleunigt?“ — „Nein, das haben wir nicht gesagt. Wir glauben, dass wir alles tun, was wir angekündigt haben, aber wir wollen schneller vorankommen. Wir glauben nicht, dass es mit der Geschwindigkeit wächst, die wir sehen möchten.“
— Keith Housum (Northcoast Research) und Michael Baur, Chairman & CEO, ScanSource, Inc., Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2026, 07.05.2026
Das ist ein selten offenes Eingeständnis: Das margenstärkste Segment des Konzerns — rund 40 Prozent operative EBITDA-Marge gegenüber wenigen Prozent im Hardware-Geschäft — liefert die neuen Aufträge nicht so schnell, wie das Management selbst es sich wünscht, obwohl bereits seit rund anderthalb Jahren gezielt investiert wird (unter anderem in ein neues Sales-Team unter der 2024 verpflichteten Führungskraft Ken Mills). Als Reaktion kündigte ScanSource in derselben Telefonkonferenz die Bildung einer neuen „Converged Communications“-Einheit unter Leitung von Katherine White an, die das klassische Kommunikations-Hardwaregeschäft und die Intelisys-Cloud-Vermittlung erstmals unter ein gemeinsames Vertriebsteam bringen soll.
Diese Reorganisation ist eine nachvollziehbare Reaktion — aber sie ist eben eine Reaktion auf ein bereits mehrfach verfehltes Ziel, und ihre Wirkung lässt sich erst in kommenden Quartalen prüfen. Für Anleger heißt das: Die margenstarke Wachstumsstory, auf der ein Teil der Bewertung dieser Aktie beruht, ist zum Zeitpunkt dieser Analyse ein Versprechen mit Verspätung, kein bewiesenes Ergebnis.
Was die Aktie kostet
Alle folgenden Größen tragen den Datenstand 20. August 2026 und sind als Größenordnung zu lesen, nicht als Tagespreis. Der Schlusskurs an diesem Tag lag bei 56,39 US-Dollar — ein Sprung von 9,7 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 51,42 US-Dollar, ausgelöst durch die gleichzeitige Meldung von Jahreszahlen und MicroAge-Übernahme. Die 52-Wochen-Spanne reichte von 33,76 bis 66,78 US-Dollar — der Kurs lag also näher am oberen als am unteren Rand, aber deutlich unter seinem Jahreshoch.
Bei 20.142.812 ausstehenden Aktien (Deckblatt des Geschäftsberichts, Stand 17. August 2026) ergibt sich ein Börsenwert von rund 1,136 Milliarden US-Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des GAAP-Ergebnisses je Aktie (3,64 US-Dollar) liegt bei rund 15,5; auf Basis des vom Unternehmen bevorzugten bereinigten (Non-GAAP-)Ergebnisses (4,24 US-Dollar) bei rund 13,3. Der Unterschied entsteht vor allem durch die Herausrechnung der Abschreibung auf Zukaufs-Immaterialien — eine übliche, aber nicht folgenlose Bereinigung.
Aussagekräftiger für ein Unternehmen mit eigenen Schulden ist der Unternehmenswert (Börsenwert plus Schulden minus Kasse): rund 1,136 Milliarden plus 101,4 Millionen Schulden minus 88,4 Millionen Kasse, macht etwa 1,149 Milliarden US-Dollar. Gemessen am bereinigten EBITDA des Geschäftsjahres 2026 (151,5 Millionen) ergibt das ein Unternehmenswert-EBITDA-Vielfaches von rund 7,6 — für einen margenschwachen, aber wachsenden Technologiedistributor mit solider Bilanz kein auffällig teures Niveau, aber auch keines, das eine ungelöste Frage wie die dünne Goodwill-Deckung im größten Segment einfach ignorieren dürfte.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für ScanSource spricht:
- Die Prognose wurde am Jahresende eingehalten und übertroffen. Nach der Senkung im Februar 2026 lag der tatsächliche Umsatz (3.226,1 Mio. US-Dollar) über der gesenkten Spanne, das bereinigte EBITDA (151,5 Mio.) ebenso, der freie Mittelzufluss (113,8 Mio.) klar über beiden zuvor gegebenen Zusagen von mindestens 80 bzw. 90 Millionen.
- Solide, schuldenarme Bilanz. 910,8 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen nur 101,4 Millionen Schulden und 88,4 Millionen Kasse (30.06.2026); der Konzern finanziert Rückkäufe und die MicroAge-Anzahlung aus eigener Kraft, ohne erkennbare Belastungsspitze.
- Der margenstarke Teil des Geschäfts wächst relativ zum Hardware-Vertrieb. Der Anteil wiederkehrender Erlöse am Bruttogewinn stieg 2026 auf 33,7 Prozent (2025: 32,8 Prozent); Q4 wuchs mit 17,3 Prozent so schnell wie seit Jahren nicht.
- MicroAge erweitert das Portfolio um margenstärkere Services — Cloud, Rechenzentrum, Cybersicherheit — für 220,5 Millionen US-Dollar in bar, finanzierbar ohne erkennbaren Bilanzstress.
- Konsequente Kapitalrückführung. 97,9 Millionen US-Dollar Aktienrückkäufe 2026, über zwei Jahre mehr als 200 Millionen — die verwässerte Aktienzahl fiel um 14,0 Prozent.
Was dagegen spricht:
- Goodwill-Puffer von nur 2 Prozent im größten Segment. Specialty Technology Solutions trägt 173,9 Millionen US-Dollar Goodwill bei einem Fair-Value-Puffer von lediglich 2 Prozent — vom Wirtschaftsprüfer als „Critical Audit Matter“ eingestuft.
- Gut die Hälfte des Ergebnis-je-Aktie-Wachstums ist Rückkauf-Effekt, nicht operatives Wachstum. Der Nettogewinn stieg 10,2 Prozent, das Ergebnis je Aktie 21,3 Prozent — rund 11 der 21,3 Prozentpunkte erklären sich rechnerisch aus der um 9,0 Prozent gesunkenen Aktienzahl.
- Das margenstarke Segment liefert langsamer als versprochen. Das Management selbst räumte im Mai 2026 ein, die Intelisys-Neuaufträge wüchsen nicht im gewünschten Tempo — die Reaktion darauf (eine neue Vertriebseinheit) ist noch unbewiesen.
- Der Umsatz liegt weiterhin rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2023 — 2026 ist eine Erholung von einem zweijährigen Rückgang, kein neuer Wachstumszyklus.
- MicroAge ist noch nicht vollzogen und noch nicht in der Prognose 2027 enthalten. Das Closing steht unter kartellrechtlichem Vorbehalt; Integrationskosten und -risiken sind zum Zeitpunkt dieser Analyse nicht quantifiziert.
- Lieferantenkonzentration. Cisco und Zebra Technologies machten 2026 jeweils mehr als 10 Prozent des Nettoumsatzes aus — der Verlust eines dieser Verträge träfe den Konzern spürbar.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Schnappschuss-Falle vom Anfang. Wer im Februar 2026 aufgehört hätte hinzuschauen — Prognose gesenkt, Kurs unter Buchwert, Analystenskepsis in der Telefonkonferenz spürbar —, hätte ein plausibles, gut begründetes Bild gehabt. Und er hätte trotzdem falsch gelegen, denn das Bild vom August 2026 zeigt ein Unternehmen, das seine eigene, bereits gesenkte Latte am Jahresende übersprang und gleichzeitig die größte Übernahme seiner Geschichte ankündigte. Beide Fotos sind wahr. Keines von beiden ist das ganze Bild.
Genau deshalb lohnt sich der Blick unter die Schlagzeile, egal in welche Richtung sie zeigt. Der Gewinnsprung von 21,3 Prozent je Aktie ist real — aber gut die Hälfte davon kommt aus weniger Aktien, nicht aus mehr Gewinn. Der Goodwill-Puffer von 2 Prozent im größten Segment ist real — aber er hat noch keine Abschreibung ausgelöst, nur eine Beobachtungspflicht für das kommende Jahr. Das offene Versprechen bei Intelisys ist real — aber es ist ein Ausführungsrisiko, keine Existenzfrage für ein Unternehmen mit 910,8 Millionen Eigenkapital und 88,4 Millionen Kasse.
Was bleibt, ist ein Distributor mit dünner Hardware-Marge und einem wachsenden, margenstarken Nebengeschäft, das schneller wachsen soll, als es das bisher tut — und ein Management, das seine eigenen Prognosen öffentlich korrigiert und öffentlich wieder eingeholt hat. Ob das für dich ein Zeichen von Ehrlichkeit ist, das Vertrauen verdient, oder ein Muster, das sich bei der nächsten Delle wiederholen könnte, entscheidest du. Die Frage, die diese Analyse dir mitgibt, lautet nicht „Ist ScanSource jetzt ein Kauf?“, sondern: Traust du einem Management, das seine Prognose einmal senken musste, dass es sie beim nächsten Mal wieder einhält — auch wenn gerade eine 220-Millionen-Dollar-Integration dazwischenkommt? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Wer sehen will, wie ein anderer Konzern mit Aktienrückkäufen umgeht, wenn sie ins Extreme kippen, findet in unserer Analyse zu Papa John's das Gegenbeispiel: Dort drückten Rückkäufe von 1,1 Milliarden US-Dollar das Eigenkapital ins Minus. Bei ScanSource ist davon nichts zu sehen — die Rückkäufe hier sind eine Randnotiz der Bilanz, kein Strukturproblem.
Quellen
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, ScanSource, Inc., eingereicht am 20. August 2026 (SEC EDGAR, CIK 0000918965)
- SEC-Meldung 8-K vom 20. August 2026 — Punkt 1.01 (MicroAge-Kaufvertrag) und Punkt 2.02 mit Ergebnismitteilung Q4/FY2026
- SEC-Meldung 8-K vom 17. August 2026, Punkt 5.02 — Rücktritt von Board-Mitglied Peter C. Browning
- SEC-Meldung 8-K vom 29. Mai 2026, Punkt 5.02 — Wegfall der CIO-Position von Rachel Hayden
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 7. Mai 2026
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. Dezember 2025, eingereicht am 5. Februar 2026
- Quartalsbericht 10-Q zum 30. September 2025, eingereicht am 6. November 2025
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 21. August 2025
- Earnings-Call-Mitschriften: Telefonkonferenzen zum ersten (06.11.2025), zweiten (05.02.2026) und dritten Quartal (07.05.2026) des Geschäftsjahres 2026, offizielle Transkripte über die Investor-Relations-Seite von ScanSource, Inc.
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von ScanSource, Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Kursverlauf; Datenstand 20. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in ScanSource-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 3.150,8 | 3.529,9 | 3.787,7 | 3.259,8 | 3.040,8 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 61,5 | 122,2 | 135,9 | 90,3 | 85,2 |
| Nettogewinn | 10,8 | 88,8 | 89,8 | 77,1 | 71,5 |
| Nettomarge | 0,3 % | 2,5 % | 2,4 % | 2,4 % | 2,4 % |
| Gewinn je Aktie | 0,42 $ | 3,45 $ | 3,54 $ | 3,06 $ | 3,00 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Prognosetreue positiv
- Die im Februar 2026 gesenkte Jahresprognose wurde am 20.08.2026 bei Umsatz (3.226,1 statt 3.000–3.100 Mio. US-Dollar) und bereinigtem EBITDA (151,5 statt 140–150 Mio.) übertroffen, beim freien Mittelzufluss (113,8 gegen zugesagte mind. 80 bzw. 90 Mio.) klar übertroffen.
- Ergebnisqualität neutral
- Der Nettogewinn stieg 2026 um 10,2 Prozent, das Ergebnis je Aktie um 21,3 Prozent — die Differenz stammt fast vollständig aus einer um 9,0 Prozent gesunkenen Aktienzahl (Rückkäufe 97,9 Mio. US-Dollar), nicht aus zusätzlichem operativem Gewinn.
- Bilanzrisiko Goodwill negativ
- Im größten Segment (Specialty Technology Solutions, Goodwill 173,9 Mio. US-Dollar) lag der Fair-Value-Puffer bei der jüngsten Werthaltigkeitsprüfung nur bei 2 Prozent — vom Wirtschaftsprüfer als Critical Audit Matter eingestuft. Keine Abschreibung bisher, aber wenig Reserve.
- Wachstumsmix Intelisys & Advisory negativ
- Das margenstarke Provisionsgeschäft (rund 40 Prozent EBITDA-Marge) wächst nach eigenem Eingeständnis des Managements (Mai 2026) langsamer als gewünscht; die Gegenmaßnahme (neue Vertriebseinheit) ist noch unbewiesen.
- Bilanz & Finanzierungskraft positiv
- Eigenkapital 910,8 Mio. US-Dollar gegen nur rund 101,4 Mio. Schulden und 88,4 Mio. Kasse (30.06.2026); die MicroAge-Übernahme (220,5 Mio. in bar) und laufende Rückkäufe erscheinen aus eigener Kraft finanzierbar.
- Konzentrationsrisiko neutral
- Cisco und Zebra Technologies machten 2026 laut 10-K jeweils mehr als 10 Prozent des Nettoumsatzes aus — üblich für einen Technologiedistributor, aber eine reale Abhängigkeit von zwei Lieferantenverträgen.
ScanSource senkte im Februar 2026 seine Jahresprognose, weil Großaufträge sich verschoben, und übertraf sie am 20. August 2026 klar — bei Umsatz (3.226,1 Mio. US-Dollar), bereinigtem EBITDA (151,5 Mio.) und vor allem beim freien Mittelzufluss (113,8 gegen zugesagte mindestens 80 bzw. 90 Mio.). Gleichzeitig vereinbarte der Konzern mit MicroAge die größte Übernahme seiner Geschichte (220,5 Mio. US-Dollar). Gut die Hälfte des Ergebnis-je-Aktie-Wachstums stammt aus Aktienrückkäufen, nicht aus mehr operativem Gewinn, und im größten Segment deckt der Marktwert den Goodwill von 173,9 Millionen nur noch zu 2 Prozent. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Wir stufen die Unternehmensqualität auf Gelb — nicht wegen der Bilanz, die mit 910,8 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen nur rund 101,4 Millionen Schulden gesund ist, sondern wegen zweier offener operativer Fragen. Erstens: Im größten Segment, das 97 Prozent des Umsatzes trägt, deckt der geschätzte Marktwert den Goodwill von 173,9 Millionen laut jüngster Werthaltigkeitsprüfung nur noch zu 2 Prozent — der Wirtschaftsprüfer selbst führt das als Critical Audit Matter. Zweitens: Das margenstärkste Segment, Intelisys & Advisory, liefert nach eigenem Eingeständnis des Managements die versprochene Beschleunigung der Neuaufträge noch nicht — die Gegenmaßnahme ist frisch und unbewiesen. Zur Fairness gehört: Das Management hat seine eigene, im Februar 2026 gesenkte Prognose binnen sechs Monaten nachweislich wieder eingeholt, was für Berichtsdisziplin spricht, und die MicroAge-Übernahme wirkt bilanziell gut finanzierbar. Ob und wie schnell sich der dünne Goodwill-Puffer und das Intelisys-Versprechen auflösen, zeigen erst die kommenden Quartalsberichte. Die Entscheidung liegt bei dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger dieser Analyse war der Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026 vom 20.08.2026, veröffentlicht am selben Tag wie die MicroAge-Übernahme — nicht ein Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner.
- Datenstand: Geschäftsbericht 10-K für 2026 (eingereicht 20.08.2026) vollständig ausgewertet; alle Filings seit dem letzten Quartalsbericht bis zum 10-K (u. a. SCHEDULE 13G/A, SCHEDULE 13G, Form 4) sowie danach durchgesehen, keine Änderung des Bildes; Fundamentaldaten und Kurse mit Datenstand 20.08.2026.
- Der vollständige Mitschnitt der Telefonkonferenz vom 20.08.2026 lag zum Recherchezeitpunkt noch nicht als Transkript vor; ausgewertet wurde stattdessen die inhaltsgleiche, SEC-pflichtige Ergebnismitteilung desselben Tages.
- Die FY2027-Prognose (Umsatzwachstum 6–10 %, bereinigtes EBITDA 158–165 Mio. US-Dollar) schließt die MicroAge-Übernahme noch nicht ein — nach dem für das Quartal bis 30.09.2026 erwarteten Closing wird sie voraussichtlich angepasst.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 21. August 2026. Was sich seitdem bei SCSC geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
ScanSource, Inc. (NASDAQ: SCSC) ist ein Technologiedistributor mit Sitz in Greenville, South Carolina. Der Konzern kauft Hardware und Software von rund 500 Herstellern ein und verkauft sie über rund 25.000 Vertriebspartner weiter. Das Segment Specialty Technology Solutions (Barcode/Mobilität, POS, Zahlungsterminals, physische Sicherheit, Netzwerktechnik, Kommunikation) erwirtschaftete 2026 rund 3,12 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das kleinere Segment Intelisys & Advisory vermittelt Cloud-, Sicherheits- und „Managed AI“-Dienste gegen Provision (101,1 Millionen US-Dollar Umsatz 2026), arbeitet aber deutlich margenstärker.
Am 5. Februar 2026 senkte das Management die Jahresprognose für 2026, weil sich Großaufträge „in kleinere Stücke“ aufteilten und ins nächste Quartal verschoben — Umsatz von 3,1–3,3 auf 3,0–3,1 Milliarden US-Dollar, bereinigtes EBITDA von 150–160 auf 140–150 Millionen. Am 20. August 2026 meldete ScanSource für das Geschäftsjahr 3.226,1 Millionen Umsatz und 151,5 Millionen bereinigtes EBITDA — beides über der gesenkten Spanne — sowie 113,8 Millionen freien Mittelzufluss, deutlich über den zuvor zugesagten mindestens 80 bzw. 90 Millionen.
Der GAAP-Nettogewinn stieg 2026 um 10,2 Prozent auf 78,873 Millionen US-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie aber um 21,3 Prozent auf 3,64 US-Dollar. Der Grund: Die verwässerte Aktienzahl fiel im selben Jahr um 9,0 Prozent (über zwei Jahre um 14,0 Prozent), weil ScanSource 2026 für 97,9 Millionen US-Dollar eigene Aktien zurückkaufte. Rechnerisch erklärt dieser Rückkauf-Effekt fast die gesamte Differenz zwischen Gewinn- und Ergebnis-je-Aktie-Wachstum.
Am 19. August 2026 vereinbarte ScanSource die Übernahme von MicroAge, einem IT-Systemhaus mit rund 2.400 Kunden und mehr als 200 Beschäftigten (Cloud, Rechenzentrum, Cybersicherheit, IT-Betrieb, Helpdesk), für 220,5 Millionen US-Dollar in bar — die größte Übernahme der Firmengeschichte. Das Closing wird für das Quartal bis 30. September 2026 erwartet, vorbehaltlich kartellrechtlicher Freigabe. Die am selben Tag veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2027 schließt MicroAge noch nicht ein.
Im Geschäftsbericht 2026 lag der geschätzte Marktwert des größten Segments, Specialty Technology Solutions (Goodwill 173,9 Millionen US-Dollar), bei der jährlichen Werthaltigkeitsprüfung nur noch 2 Prozent über dem Buchwert — vom Wirtschaftsprüfer als „Critical Audit Matter“ eingestuft. Im kleineren Segment Intelisys & Advisory betrug derselbe Puffer mehr als 100 Prozent. Eine Abschreibung ist bislang nicht erfolgt, aber der Puffer im Hauptsegment ist dünn.
Nur teilweise. In der Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2026 räumte CEO Mike Baur auf Nachfrage ein, die Neuaufträge bei Intelisys wüchsen nicht im gewünschten Tempo, obwohl der Konzern seit rund anderthalb Jahren gezielt investiert. Als Reaktion kündigte ScanSource eine neue „Converged Communications“-Vertriebseinheit an — deren Wirkung ist zum Zeitpunkt dieser Analyse noch nicht in den Zahlen sichtbar.
Zum 30. Juni 2026 standen Schulden von rund 101,4 Millionen US-Dollar (2,9 Millionen kurzfristig, 98,5 Millionen langfristig) einer Kasse von 88,4 Millionen und einem Eigenkapital von 910,8 Millionen gegenüber. Die Bilanz ist damit schuldenarm; die Finanzierung der MicroAge-Übernahme und weiterer Aktienrückkäufe erscheint auf dieser Basis unproblematisch.
Zum Datenstand 20. August 2026 (Schlusskurs 56,39 US-Dollar) lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf GAAP-Basis bei rund 15,5, auf bereinigter (Non-GAAP-)Basis bei rund 13,3. Der Unternehmenswert entsprach etwa dem 7,6-Fachen des bereinigten EBITDA — für einen wachsenden, schuldenarmen Technologiedistributor kein auffällig teures Niveau, aber auch keines, das die offene Goodwill-Frage im größten Segment ausblendet.
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