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Samsara: 44,5 Millionen Gewinn — und nur 7,2 davon aus dem Geschäft

Samsara: 44,5 Millionen Gewinn — und nur 7,2 davon aus dem Geschäft

Samsara hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Nettogewinn von 44,5 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Der Quartalsbericht vom 9. Juni 2026 sagt aber auch, woher er kommt: 30,3 Millionen stammen aus einem Schiedsspruch gegen den Wettbewerber Motive, 11,9 Millionen aus Zinsen auf die eigene Kasse. Aus dem laufenden Betrieb blieben 7,2 Millionen — während die Belegschaft im selben Quartal Aktien im Wert von 77,5 Millionen erhielt. Keine Anlageberatung, sondern die Frage, wann aus schwarzen Zahlen ein schwarzes Geschäft wird.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Samsara: 44,5 Millionen Gewinn — und nur 7,2 davon aus dem Geschäft
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau einmal pro Firmengeschichte zuschnappt: der Vorzeichen-Reflex. Jahrelang steht in der Ergebniszeile ein Minus, dann steht dort zum ersten Mal ein Plus — und plötzlich zählt nicht mehr, wie groß die Zahl ist, sondern nur noch, dass sie schwarz ist. „Jetzt verdient die Firma Geld“, denkst du, und der Kopf hört auf zu rechnen. Bei Samsara Inc. (NYSE: IOT) lohnt sich genau an dieser Stelle das Weiterrechnen. Machen wir also einen Deal: Bevor wir über die Bewertung reden, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026 vom 16. März 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 2. Mai 2026 vom 9. Juni 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser hier erzählt von 44,5 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn, von denen 7,2 Millionen aus dem Geschäft kommen.

Was Samsara eigentlich macht — Kameras, Sensoren und ein Abo

Samsara verkauft keine Software für Büros, sondern für alles, was draußen fährt, gräbt und schleppt. Kunden sind Speditionen, Bauunternehmen, Versorger, Handelsketten, Kommunen. Sie bekommen von Samsara Kameras für die Fahrerkabine, Sensoren für Motoren und Anhänger, Ortungsgeräte für Bagger und Container — und dazu eine Cloud-Anwendung, in der all diese Daten zusammenlaufen. Wer wissen will, welcher Lastwagen wo steht, welcher Fahrer zu dicht auffährt und welche Maschine gleich ausfällt, klickt in dieselbe Oberfläche.

Das Geschäftsmodell dahinter ist ein Abo: Die Geräte sind Mittel zum Zweck, bezahlt wird die Plattform. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (bis 2. Mai 2026) waren 471,0 von 478,8 Millionen US-Dollar Umsatz Abo-Erlöse — 98,4 Prozent. 84,9 Prozent des Umsatzes kamen aus den USA. Zum 31. Januar 2026 arbeiteten mehr als 4.100 Menschen für das Unternehmen, das seinen Sitz in San Francisco hat und heute nach dem Recht von Nevada verfasst ist.

Ein Wort noch zum Kürzel, weil es regelmäßig verwechselt wird: IOT ist Samsaras Börsenkürzel, kein Branchenname. Gehandelt wird ausschließlich die A-Aktie; die stimmstarken B-Aktien der Gründer stehen nicht an der Börse. Dazu kommen wir noch.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Samsara wächst seit Jahren um rund 30 Prozent und hat gerade den Sprung in die Gewinnzone geschafft — aber der Gewinn stammt bislang überwiegend aus einem Rechtsstreit und aus Zinsen, während das Geschäft selbst 1,5 Cent je Umsatz-Dollar abwirft und die Belegschaft in Aktien mehr bekommt, als operativ verdient wird.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Aufhänger ist eine Bilanzliste, kein Chartbild. Der hauseigene Aktien-Scanner führt Samsara in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert (Stand 26. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet). Die Seite zeigt zu diesem Stichtag 38 US-Treffer. Nachmachen kannst du das in drei Klicks: Aktien-Scanner öffnen, die Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ wählen, Markt USA.

Bemerkenswert ist die Konfluenz. Am 26. Juli 2026 stand IOT in neun Listen gleichzeitig, und sie erzählen zwei verschiedene Geschichten. Auf der einen Seite Hohes Umsatzwachstum und Big Earnings Surprise — Samsara übertraf die Erwartungen in den vergangenen acht Quartalen jedes Mal. Auf der anderen Seite Trend- und Liquiditätslisten wie Power Trend, Profis 80%, Oliver Kell: Strength on Down Day und Kathy Donnelly: Liquid Movers Up. Was fehlt, ist ebenso aufschlussreich: keine einzige Bewertungsliste. Diese Aktie taucht auf, weil sie wächst und weil sie gehandelt wird — nicht, weil sie billig wäre.

Zwei Kennzahlen aus dem Datenstand vom 24. Juli 2026 gehören dazu, und beide werden hier bewertet, nicht nur genannt. Die Verschuldungsquote von 0,046 heißt schlicht: Diese Firma hat praktisch keine Bankschulden — auf einen Euro Eigenkapital kommen weniger als fünf Cent Verbindlichkeiten aus Finanzierung. Und die Leerverkaufsquote von 13,3 Prozent des Streubesitzes ist hoch; bei einem Unternehmen dieser Größe sind Werte unter fünf Prozent üblich. Ein knappes Siebtel der frei handelbaren Aktien ist also von Anlegern geliehen und verkauft worden, die auf fallende Kurse setzen. Merk dir das für das Bewertungskapitel.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 auf 1.618,6 Millionen US-Dollar — nach 1.249,2 Millionen (Geschäftsjahr 2025) und 937,4 Millionen (Geschäftsjahr 2024). Das sind in zwei Jahren 73 Prozent mehr, ohne einen einzigen Zukauf: In der Bilanz steht kein Firmenwert. Und das Tempo hielt an — im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kletterte der Umsatz auf 478,8 Millionen US-Dollar nach 366,9 Millionen im Vorjahresquartal, ein Plus von 30,5 Prozent.

Ein Hinweis zum Kalender, bevor du die Reihe vergleichst: Samsaras Geschäftsjahr endet nach eigener Angabe am Samstag, der dem 1. Februar am nächsten liegt. Das Geschäftsjahr 2026 lief bis zum 31. Januar 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Und es hatte 52 Wochen, während das Geschäftsjahr 2024 aus 53 Wochen bestand — die alte Vergleichsbasis ist also eine Woche länger als die neue.

Balkendiagramm für Samsara, Geschäftsjahre 2024 bis 2026 in Millionen US-Dollar: Umsatz 937,4 / 1.249,2 / 1.618,6 in Blau, aktienbasierte Vergütung 237,1 / 277,9 / 315,0 in Grau, Betriebsergebnis minus 323,3 / minus 190,0 / minus 52,6 in Rot.
Drei Balken je Jahr, drei Geschichten: Der Umsatz wächst kräftig, der Betriebsverlust schrumpft von 323,3 auf 52,6 Millionen US-Dollar — und die aktienbasierte Vergütung wächst mit, von 237,1 auf 315,0 Millionen. In den Geschäftsjahren 2025 und 2026 ist sie größer als der Betriebsverlust desselben Jahres. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die wichtigste Kennzahl eines Abo-Anbieters steht allerdings nicht in der Gewinnrechnung, sondern daneben: der wiederkehrende Jahresumsatz. Er beschreibt, was die heute laufenden Verträge auf zwölf Monate hochgerechnet einbringen — das Abo-Äquivalent zum Auftragsbuch eines Maschinenbauers. Er stieg von 1.102,0 Millionen US-Dollar (3. Februar 2024) über 1.457,9 (1. Februar 2025) und 1.889,9 (31. Januar 2026) auf 1.990,6 Millionen zum 2. Mai 2026, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresstichtag.

Dahinter steht ein bemerkenswert breites Fundament. Die Zahl der Kunden mit mehr als 100.000 US-Dollar Jahresumsatz stieg von 1.848 (Februar 2024) über 2.484 und 3.194 auf 3.363 zum 2. Mai 2026. Über 12.000 Kunden zahlen mindestens 25.000 US-Dollar im Jahr. Und — das ist die Zeile, die man bei Wachstumsfirmen selten so liest — kein einziger Kunde stand zum 31. Januar 2026 für mehr als zwei Prozent des wiederkehrenden Umsatzes. Im Alltagsbild: Diese Bäckerei hat nicht drei Großabnehmer, sondern zwölftausend Stammkunden.

Auch die Bilanz ist solide. Zum 2. Mai 2026 lagen 219,0 Millionen US-Dollar Bargeld sowie 585,3 Millionen kurzfristige und 477,1 Millionen langfristige Wertpapiere in der Kasse, zusammen 1.281,4 Millionen. Dem stehen keine Finanzschulden gegenüber — nur 69,0 Millionen Leasingverbindlichkeiten und 15,8 Millionen Akkreditive für Vermieter. Das Eigenkapital von 1.507,6 Millionen entspricht 57,7 Prozent der Bilanzsumme von 2.614,1 Millionen. Und der Betrieb spült Geld herein: 236,2 Millionen operativer Cashflow im Geschäftsjahr 2026, 81,4 Millionen allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027.

Bleibt der Auftragsbestand, und der ist der eigentliche Trumpf: 3.988,5 Millionen US-Dollar waren zum 2. Mai 2026 vertraglich gebunden, aber noch nicht als Umsatz verbucht — rund 1.730,5 Millionen davon sollen in den folgenden zwölf Monaten anfallen. Merk dir den Satz: Bei Samsara ist die Frage nicht, ob Umsatz kommt, sondern was am Ende davon übrig bleibt.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der erste Gewinn kam zum größten Teil von einem Gericht

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wies Samsara 44,5 Millionen US-Dollar Nettogewinn aus, nach 22,1 Millionen Verlust im Vorjahresquartal. Es war laut Mitteilung vom 4. Juni 2026 das dritte Quartal in Folge mit einem Gewinn nach US-Bilanzrecht. Zerlegt man diese Zahl, sieht das Bild anders aus.

Wasserfalldiagramm zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 von Samsara in Millionen US-Dollar: Betriebsergebnis 7,2, plus Schiedsspruch 30,3, plus Zinsertrag 11,9, minus Übriges 0,5, minus Steuern 4,4, ergibt 44,5 Nettogewinn.
Der Gewinn und seine Herkunft: Aus dem Betrieb kamen 7,2 Millionen US-Dollar. Die beiden grünen Balken — 30,3 Millionen aus dem Schiedsspruch gegen Motive Technologies und 11,9 Millionen Zinsen auf die eigene Kasse — sind zusammen fast sechsmal so groß. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 02.05.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der größte Einzelposten ist ein Rechtserfolg. Samsara hatte im Januar 2024 Ansprüche gegen den Wettbewerber Motive Technologies erhoben — der Geschäftsbericht führt Motive ausdrücklich unter den wichtigsten Konkurrenten. Am 3. Februar 2026 entschied das Schiedsgericht zugunsten von Samsara. Was daraus wurde, steht im Anhang des Quartalsberichts:

„On February 3, 2026, in the matter of an arbitration of Samsara Inc. v. Motive Technologies, Inc., an award was rendered in favor of Samsara. The claims at issue arise from a complaint filed on January 24, 2024 by the Company and are for, among other things, breach of contract, fraud, unfair competition, and false advertising. As a result of the decision in the arbitration, Samsara recognized a gain of $30.3 million in Interest income and other income, net for the three months ended May 2, 2026, and recorded the related receivable in Prepaid expenses and other current assets as of May 2, 2026.“

Übersetzung: „Am 3. Februar 2026 erging im Schiedsverfahren Samsara Inc. gegen Motive Technologies, Inc. ein Schiedsspruch zugunsten von Samsara. Die streitigen Ansprüche gehen auf eine am 24. Januar 2024 vom Unternehmen eingereichte Klage zurück und betreffen unter anderem Vertragsbruch, Betrug, unlauteren Wettbewerb und irreführende Werbung. Infolge der Schiedsentscheidung erfasste Samsara für die drei Monate bis zum 2. Mai 2026 einen Ertrag von 30,3 Millionen US-Dollar in der Position Zins- und sonstige Erträge, netto, und wies die zugehörige Forderung zum 2. Mai 2026 unter den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten und sonstigen kurzfristigen Vermögenswerten aus.“

— Samsara Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026, Note 9 „Commitments and Contingencies“

Gelb markierte Textstelle aus Samsaras Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026: Das Schiedsgericht entschied am 3. Februar 2026 zugunsten von Samsara, daraus wurde ein Ertrag von 30,3 Millionen US-Dollar in den Zins- und sonstigen Erträgen.
Die markierte Stelle im Original: Der Schiedsspruch gegen Motive Technologies landete nicht im operativen Ergebnis, sondern in den Zins- und sonstigen Erträgen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 02.05.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne es nach: Ohne den Schiedsspruch läge der Quartalsgewinn bei rund 14,2 statt 44,5 Millionen US-Dollar. Zieht man zusätzlich die 11,9 Millionen Zinserträge auf die eigene Kasse ab, bleiben aus dem Betrieb 7,2 Millionen — bei 478,8 Millionen Umsatz sind das 1,5 Prozent. Im Geschäftsjahr 2026 war es noch deutlicher: Dort stand ein Betriebsverlust von 52,6 Millionen, den erst 53,5 Millionen Zins- und sonstige Erträge fast ausglichen; unter dem Strich blieben 9,1 Millionen Verlust.

Zur Fairness gehört die Gegenseite, und sie ist gewichtig. Erstens hat Samsara den Rechtsstreit nicht erfunden, sondern gewonnen — und der Anspruch auf Erstattung der Anwaltskosten steht noch aus. Zweitens sagt das Unternehmen in seiner Prognose vom 4. Juni 2026 ausdrücklich, es erwarte für das Geschäftsjahr 2027 auch ohne den Schiedsspruch einen Gewinn nach US-Bilanzrecht. Drittens ist der Sprung des Betriebsergebnisses echt: von minus 33,3 Millionen im Vorjahresquartal auf plus 7,2 Millionen, das sind 40,5 Millionen Verbesserung binnen eines Jahres.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Belegschaft bekam im Quartal zehnmal so viel wie der Betrieb verdiente

Aktienbasierte Vergütung ist der Fachbegriff; im Alltag heißt das: Ein Teil des Gehalts wird nicht in Geld, sondern in Aktien bezahlt. Für die Kasse ist das angenehm — es fließt kein Bargeld ab. Für dich als Aktionär ist es trotzdem ein echter Preis, denn dein Anteil am Unternehmen wird kleiner. Wachstum, das mit frischen Aktien bezahlt wird, ist nie ganz gratis.

Bei Samsara ist dieser Posten groß. Im Geschäftsjahr 2026 waren es 315,0 Millionen US-Dollar19,5 Prozent des Umsatzes, nach 277,9 Millionen (2025) und 237,1 Millionen (2024). Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kamen 77,5 Millionen dazu, 16,2 Prozent des Quartalsumsatzes und mehr als das Zehnfache des Betriebsergebnisses von 7,2 Millionen. Verteilt war der Aufwand auf Forschung (30,0 Millionen), Vertrieb (23,2 Millionen), Verwaltung (20,7 Millionen) und Herstellkosten (3,6 Millionen).

Genau hier entsteht die Lücke, die viele Wachstumsaktien begleitet. Samsara meldete für dasselbe Quartal ein bereinigtes Betriebsergebnis von 91,0 Millionen US-Dollar und eine bereinigte Marge von 19 Prozent — gegenüber 7,2 Millionen und 2 Prozent nach US-Bilanzrecht. Der Unterschied von 83,8 Millionen besteht fast vollständig aus der Aktienvergütung. Beide Zahlen sind richtig; sie beantworten nur verschiedene Fragen. Die eine sagt, wie das Geschäft liefe, wenn Aktien nichts kosteten. Die andere sagt, was übrig bleibt, wenn man sie mitrechnet.

Und der Aufwand ist bereits terminiert:

Gelb markierte Textstelle aus Samsaras Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026: Zum 2. Mai 2026 waren rund 672,5 Millionen US-Dollar Aufwand aus offenen Aktienzusagen noch nicht verbucht, zu erfassen über rund 1,6 Jahre. Darüber die Tabelle der Aktienzusagen mit 21.744.310 offenen Stücken.
Über der markierten Stelle steht die Bewegung: 9.078.938 neu zugesagte Aktien in einem einzigen Quartal, 3.033.076 zugeteilt, 1.632.597 verfallen — Bestand am 2. Mai 2026: 21.744.310 Stück. Der noch nicht verbuchte Aufwand daraus beträgt rund 672,5 Millionen US-Dollar über etwa 1,6 Jahre. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 02.05.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Fair bleibt: Die tatsächliche Verwässerung ist bisher moderat, weil Samsara bei jeder Zuteilung Aktien einbehält, um die Steuern der Mitarbeiter zu bezahlen — 34,3 Millionen US-Dollar flossen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 genau dafür ab. Die gewichtete Aktienzahl stieg im Jahresvergleich nur von 567.740.728 auf 581.835.917, also um rund 2,5 Prozent. Wie stark dieselbe Mechanik bei einem kleineren Software-Anbieter durchschlägt, haben wir in unserer Analyse zu Backblaze nachgerechnet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Fast ein Drittel des Unternehmens liegt im Mitarbeiterregal

Was heute ausgegeben ist, ist die eine Frage. Was ausgegeben werden darf, die andere. Der Quartalsbericht beziffert sie in einer Tabelle, die kaum jemand liest.

Gelb markierte Tabellenzeile aus Samsaras Quartalsbericht 10-Q: Insgesamt für künftige Ausgabe reservierte Aktien 191.542.088 zum 2. Mai 2026 nach 158.698.568 zum 31. Januar 2026, aufgeteilt in Optionen, Aktienzusagen, freie Zusagen und das Mitarbeiter-Aktienkaufprogramm.
Die markierte Zeile im Original: 191.542.088 Aktien waren am 2. Mai 2026 für die Mitarbeiterprogramme reserviert — drei Monate zuvor waren es 158.698.568. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 02.05.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum Vergleich: Zum 2. Juni 2026 waren insgesamt 582.710.082 Aktien beider stimmberechtigter Gattungen ausstehend. Reserviert ist damit ein Gegenwert von rund 33 Prozent des heutigen Aktienbestands — fast so viel, wie die gesamte stimmstarke B-Gattung umfasst (209.925.597 Stück zum 2. Juni 2026).

Interessanter als der Bestand ist die Bewegung. Der Sprung von 158.698.568 auf 191.542.088 Aktien innerhalb eines Quartals entstand nicht durch einen Beschluss der Hauptversammlung, sondern durch eine Automatik: Am ersten Tag des Geschäftsjahres 2027 wurden dem Aktienplan von 2021 29.035.779 Stück und dem Mitarbeiter-Aktienkaufprogramm 5.807.155 Stück zugeschlagen — zusammen 34.842.934, was fünf beziehungsweise ein Prozent der zum Geschäftsjahresende ausstehenden 580.715.597 Aktien entspricht. Diese Aufstockung wiederholt sich Jahr für Jahr, solange die Programme laufen. Im Alltagsbild: Der Kuchen wird nicht auf einen Schlag neu geschnitten — aber jedes Jahr wandert automatisch ein weiteres Stück auf den Beistelltisch.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 458 Millionen Hardware stehen in der Bilanz, abgeschrieben über fünf Jahre

Samsara liefert seinen Kunden Kameras, Sensoren und Ortungsgeräte. Bezahlt wird aber das Abo. Buchhalterisch führt das zu einer Entscheidung, die im Geschäftsbericht unter den wesentlichen Ermessensentscheidungen steht: Die Kosten dieser Geräte landen nicht sofort im Aufwand, sondern als Vermögenswert in der Bilanz — und werden über die angenommene Nutzungsdauer verteilt.

„We capitalize connected device costs associated with subscription contracts as contract fulfillment costs where the connected device is not distinct from other undelivered obligations in the customer contract. […] These contract fulfillment costs are amortized over a period of benefit of five years. Determining the period of benefit requires judgment for which we take into consideration the duration of customer relationships, the expected life of the connected device, the connected device’s warranty period, past experience with customers, and other available information.“

Übersetzung: „Wir aktivieren die Kosten der vernetzten Geräte, die zu Abonnementverträgen gehören, als Vertragserfüllungskosten, sofern das vernetzte Gerät nicht von den übrigen noch nicht erbrachten Verpflichtungen des Kundenvertrags trennbar ist. […] Diese Vertragserfüllungskosten werden über einen Nutzenzeitraum von fünf Jahren abgeschrieben. Die Bestimmung dieses Nutzenzeitraums erfordert eine Ermessensentscheidung, bei der wir die Dauer der Kundenbeziehungen, die erwartete Lebensdauer des vernetzten Geräts, dessen Garantiezeit, bisherige Erfahrungen mit Kunden und weitere verfügbare Informationen berücksichtigen.“

— Samsara Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7, Abschnitt „Connected Device Costs“

Gelb markierte Textstelle aus Samsaras Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Die Kosten der vernetzten Geräte werden als Vertragserfüllungskosten aktiviert und über einen Nutzenzeitraum von fünf Jahren abgeschrieben; die Bestimmung dieses Zeitraums erfordert eine Ermessensentscheidung.
Die markierte Stelle im Original: Fünf Jahre Nutzenzeitraum für die an Kunden ausgelieferte Hardware — eine Annahme, die das Unternehmen selbst als Ermessensentscheidung kennzeichnet. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Größenordnung: Zum 2. Mai 2026 standen 147,9 Millionen US-Dollar kurzfristige und 310,5 Millionen langfristige Gerätekosten in der Bilanz, zusammen 458,4 Millionen nach 440,1 Millionen zum 31. Januar 2026. Das sind 17,5 Prozent der Bilanzsumme und rund 30 Prozent des Eigenkapitals. Dazu kommen 273,4 Millionen aktivierte Vertriebsprovisionen nach derselben Logik.

Nichts daran ist unzulässig, und Samsara legt die Annahme offen. Für dich heißt es zweierlei. Erstens ist die ausgewiesene Bruttomarge von 76,7 Prozent (Geschäftsjahr 2026) das Ergebnis einer Verteilungsannahme: Würde Samsara die Geräte über drei statt fünf Jahre abschreiben, stiegen die Herstellkosten und die Marge fiele. Zweitens hat sich die Bruttomarge im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 bereits von 77,3 auf 75,4 Prozent zurückbewegt — die Herstellkosten wuchsen mit 41,5 Prozent schneller als der Umsatz mit 30,5 Prozent.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Du kaufst 63,7 Prozent des Kapitals und bekommst 14,9 Prozent der Stimmen

Samsara hat drei Aktiengattungen. An der New Yorker Börse gehandelt wird nur die A-Aktie mit einer Stimme. Die B-Aktie, die überwiegend den Gründern und frühen Investoren gehört, trägt zehn Stimmen. Die C-Aktie hat gar keine, ist aber bislang nicht ausgegeben.

„Because of the ten-to-one voting ratio between our Class B and Class A common stock, holders of our Class B common stock collectively control a majority of the combined voting power of our common stock and therefore are able to control all matters submitted to our stockholders for approval.“

Übersetzung: „Wegen des Stimmverhältnisses von zehn zu eins zwischen unserer B- und unserer A-Stammaktie kontrollieren die Inhaber unserer B-Stammaktien gemeinsam die Mehrheit der gebündelten Stimmrechte unserer Stammaktien und können deshalb über sämtliche Angelegenheiten bestimmen, die unseren Aktionären zur Zustimmung vorgelegt werden.“

— Samsara Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risikofaktoren

In Zahlen: Zum 2. Mai 2026 standen 370.981.108 A-Aktien und 211.728.974 B-Aktien aus. Die A-Seite hält damit rund 63,7 Prozent des Kapitals, aber nur rund 14,9 Prozent der Stimmen. Wie sichtbar das ist, zeigte die Hauptversammlung am 22. Juli 2026: Bei 582.710.082 ausstehenden Aktien wurden rund 2,26 Milliarden Stimmen abgegeben. Alle acht Verwaltungsratskandidaten wurden gewählt, Deloitte & Touche als Prüfer für das Geschäftsjahr 2027 bestätigt und das Vergütungsvotum angenommen.

Samsara nennt eine Folge selbst im Risikokapitel: Weil manche Indexanbieter Firmen mit mehreren Aktiengattungen ausschließen, macht die Struktur das Unternehmen für bestimmte Indizes und damit für viele Indexfonds unerreichbar. Für dich als Anleger ist das kein Skandal, aber eine Tatsache mit Konsequenz: Du kannst hier zustimmen oder verkaufen — mitentscheiden kannst du praktisch nicht.

Bewertung — was der Markt hier bezahlt

Rechnen wir in Größenordnungen, nicht in Tageskursen. Bei einem Börsenwert von rund 16,8 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) zahlt der Markt etwa das 9,7-Fache des Zwölfmonatsumsatzes von 1.730,6 Millionen. Auf den nachlaufenden Gewinn ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 300 — eine Zahl, die nichts aussagt außer: Der Gewinn ist noch winzig. Aussagekräftiger ist die Schätzung für das laufende Jahr, und die führt auf rund 48. Der Kurs-Buchwert liegt bei rund 12.

Zum Einordnen: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp zehn ist der Preis für Abo-Wachstum von 30 Prozent bei 76 Prozent Bruttomarge. Er ist nicht absurd — er ist die Wette, dass aus dieser Bruttomarge eines Tages eine ordentliche Nettomarge wird. Genau diese Frage haben wir bei einem anderen Abo-Software-Anbieter in der Analyse zu Q2 Holdings durchgerechnet.

Und hier kommt die zweite Zahl ins Spiel, die du dir gemerkt hast. Die eigene Prognose vom 4. Juni 2026 stellt für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 482 bis 484 Millionen US-Dollar in Aussicht — ein Plus von 23 bis 24 Prozent nach 31 Prozent im ersten Quartal. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 nennt Samsara 2.005 bis 2.013 Millionen (+24 Prozent), eine bereinigte Betriebsmarge von 20 Prozent und ein bereinigtes Ergebnis von 0,70 bis 0,72 US-Dollar je Aktie. Das Unternehmen selbst kündigt also eine Verlangsamung um rund sieben Prozentpunkte an — und ein Bewertungsniveau, das Wachstum voraussetzt, reagiert auf so etwas empfindlich. Dass 13,3 Prozent des Streubesitzes leerverkauft sind, passt in dieses Bild.

Der Blick der Profis fällt trotzdem freundlich aus: 21 Analysten führen die Aktie mit einem mittleren Kursziel von 44,78 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — deutlich über dem rechnerischen Kurs von rund 29 US-Dollar, der sich aus Börsenwert und Aktienzahl ergibt. Ein Kursziel ist allerdings kein Beleg, sondern eine Meinung mit Nachkommastelle.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Samsara spricht:

  • Wachstum mit Substanz: 1.618,6 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026 nach 937,4 Millionen zwei Jahre zuvor, im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 plus 30,5 Prozent auf 478,8 Millionen — ohne einen einzigen Zukauf, es steht kein Firmenwert in der Bilanz.
  • Ein Abo-Fundament, das kaum wackelt: 1.990,6 Millionen wiederkehrender Jahresumsatz zum 2. Mai 2026, 3.363 Kunden mit über 100.000 US-Dollar Jahresumsatz und kein einziger Kunde über zwei Prozent des wiederkehrenden Umsatzes.
  • Sichtbarkeit auf Jahre: 3.988,5 Millionen US-Dollar vertraglich gebundener, noch nicht verbuchter Umsatz zum 2. Mai 2026, davon rund 1.730,5 Millionen in den folgenden zwölf Monaten.
  • Eine Bilanz ohne Schulden: 1.281,4 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere, nur 69,0 Millionen Leasingverbindlichkeiten, Eigenkapitalquote 57,7 Prozent — und ein operativer Cashflow von 236,2 Millionen im Geschäftsjahr 2026.
  • Der operative Trend zeigt in die richtige Richtung: Das Betriebsergebnis verbesserte sich binnen eines Jahres um 40,5 Millionen US-Dollar von minus 33,3 auf plus 7,2 Millionen.
  • Die Erwartungen wurden zuletzt regelmäßig übertroffen; in den acht Quartalen bis zum 30. April 2026 lag das Ergebnis jedes Mal über der Schätzung (Datenstand 24. Juli 2026).

Was dagegen spricht:

  • Der Gewinn kommt überwiegend nicht aus dem Geschäft: 30,3 von 44,5 Millionen US-Dollar im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stammen aus einem Schiedsspruch, weitere 11,9 Millionen aus Zinsen.
  • Die operative Marge ist dünn: 1,5 Prozent im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, minus 3,2 Prozent im Geschäftsjahr 2026 — bei einer Bruttomarge von über 75 Prozent.
  • Aktienbasierte Vergütung von 315,0 Millionen US-Dollar oder 19,5 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2026; weitere 672,5 Millionen sind zugesagt und werden über rund 1,6 Jahre gebucht.
  • 191.542.088 für Mitarbeiterprogramme reservierte Aktien zum 2. Mai 2026 — rund 33 Prozent des Bestands, mit automatischer jährlicher Aufstockung um fünf beziehungsweise ein Prozent.
  • Die eigene Prognose zeigt eine Verlangsamung an: 23 bis 24 Prozent Umsatzwachstum im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 nach 31 Prozent im ersten.
  • Die Bruttomarge gab bereits nach: 75,4 statt 77,3 Prozent im Jahresvergleich, weil die Herstellkosten mit 41,5 Prozent schneller wuchsen als der Umsatz.
  • Stimmrechte ohne Mitsprache: 63,7 Prozent des Kapitals stehen 14,9 Prozent der Stimmen gegenüber; die Struktur schließt das Unternehmen laut eigenem Bericht aus bestimmten Indizes aus.
  • Der Markt ist skeptisch und die Aktie teuer: rund das 9,7-Fache des Zwölfmonatsumsatzes bei 13,3 Prozent leerverkauftem Streubesitz (Datenstand 24. Juli 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Vorzeichen-Reflex vom Anfang. Sein Problem ist nicht, dass er dich zu schlechten Firmen führt — Samsara ist eine gute Firma. Sie wächst um 30 Prozent, ohne einen einzigen Großkunden, von dem sie abhängt. Sie hat keine Schulden, 1,28 Milliarden US-Dollar in der Kasse und ein Auftragsbuch über fast vier Milliarden. Und sie schreibt ihre Annahmen so offen in den Bericht, dass man sie nicht suchen muss.

Das Problem des Reflexes ist, dass er beim Vorzeichen aufhört zu lesen. Die 44,5 Millionen US-Dollar sind echt — aber 30,3 davon hat ein Schiedsgericht zugesprochen, und 11,9 hat die eigene Kasse verzinst. Was das Geschäft im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 selbst erwirtschaftete, waren 7,2 Millionen bei 478,8 Millionen Umsatz. Im selben Quartal bekam die Belegschaft Aktien im Wert von 77,5 Millionen. Wer das nebeneinanderlegt, sieht kein Skandal, sondern eine ungelöste Rechenaufgabe: Ein Unternehmen mit 76 Prozent Bruttomarge muss irgendwann erklären, warum unten nur 1,5 Prozent ankommen.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von zehn zu viel?“, sondern: Glaubst du, dass Samsara den Vertriebsaufwand von zuletzt 203,6 Millionen US-Dollar je Quartal irgendwann drosseln kann, ohne dass das Wachstum abreißt — und dass die Aktienvergütung dabei langsamer wächst als der Umsatz? Wenn ja, hast du eine These, und die Berichte geben dir jedes Quartal klare Messpunkte: Betriebsergebnis ohne Sondererträge, Anteil der Aktienvergütung am Umsatz, wiederkehrender Jahresumsatz. Wenn nein, hast du eine schwarze Zahl gesehen, die zwei Drittel ihrer Herkunft in einer Fußnote versteckt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Samsara-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäft und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg von 937,4 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 über 1.249,2 Millionen (2025) auf 1.618,6 Millionen (2026) und legte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um weitere 30,5 Prozent auf 478,8 Millionen zu. Der wiederkehrende Jahresumsatz erreichte am 2. Mai 2026 1.990,6 Millionen (+30 Prozent), die Zahl der Kunden mit über 100.000 US-Dollar Jahresumsatz stieg auf 3.363 nach 2.638. 98,4 Prozent des Quartalsumsatzes sind Abo-Erlöse.
Bilanz und Finanzierung positiv
Zum 2. Mai 2026 standen 1.281,4 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln und Wertpapieren in der Bilanz, denen keine Finanzschulden gegenüberstanden — nur 69,0 Millionen Leasingverbindlichkeiten und 15,8 Millionen Akkreditive. Die Eigenkapitalquote lag bei 57,7 Prozent, ein Firmenwert existiert nicht, und der operative Cashflow war mit 81,4 Millionen im Quartal und 236,2 Millionen im Geschäftsjahr 2026 klar positiv.
Kundenstruktur positiv
Kein einziger Kunde stand zum 31. Januar 2026 für mehr als zwei Prozent des wiederkehrenden Umsatzes; im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag kein Kunde über zehn Prozent des Umsatzes oder des Forderungsbestands. Über 12.000 Kunden zahlen mindestens 25.000 US-Dollar im Jahr. Das ist bei einem Anbieter, dessen Geschäft an wenigen großen Flottenbetreibern hängen könnte, ein bemerkenswert breites Fundament.
Ertragsqualität negativ
Von 44,5 Millionen US-Dollar Nettogewinn im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stammen 30,3 Millionen aus einem Schiedsspruch gegen Motive Technologies und 11,9 Millionen aus Zinsen. Das operative Geschäft trug 7,2 Millionen bei — 1,5 Prozent des Umsatzes. Im Geschäftsjahr 2026 stand ein Betriebsverlust von 52,6 Millionen, den erst 53,5 Millionen Zins- und sonstige Erträge fast ausglichen.
Aktienbasierte Vergütung negativ
Im Geschäftsjahr 2026 buchte Samsara 315,0 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung, 19,5 Prozent des Umsatzes; im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 waren es 77,5 Millionen bei 7,2 Millionen Betriebsergebnis. Offen sind weitere 672,5 Millionen, die über rund 1,6 Jahre anfallen. Für die Programme reserviert waren zum 2. Mai 2026 191.542.088 Aktien — fast ein Drittel des Aktienbestands.
Bewertung neutral
Bei rund 16,8 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 24. Juli 2026) zahlt der Markt etwa das 9,7-Fache des Zwölfmonatsumsatzes von 1.730,6 Millionen und rund das 48-Fache des für das laufende Jahr geschätzten Gewinns. Die eigene Prognose vom 4. Juni 2026 zeigt gleichzeitig eine Verlangsamung an: 23 bis 24 Prozent Wachstum im zweiten Quartal nach 31 Prozent im ersten. 13,3 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft.

Samsara ist ein Wachstumsunternehmen, das seine Schulden nicht bei der Bank hat, sondern bei der eigenen Belegschaft. Das Geschäft funktioniert: 1.990,6 Millionen US-Dollar wiederkehrender Umsatz zum 2. Mai 2026, 30 Prozent Wachstum, 3.363 Großkunden, kein Klumpenrisiko, 1.281,4 Millionen in der Kasse und keine Finanzschulden. Dagegen steht eine Ergebnisrechnung, deren schwarze Zahl zu zwei Dritteln aus einem Rechtsstreit und zu einem weiteren Viertel aus Zinsen kommt, während die aktienbasierte Vergütung mit 19,5 Prozent des Umsatzes größer ist als jede operative Marge, die dieses Unternehmen je erreicht hat. Wer hier kauft, wettet darauf, dass die Marge des Geschäfts eines Tages größer wird als der Preis, den die Mitarbeiter dafür in Aktien bekommen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

An der Substanz ist wenig zu bemängeln: 1.281,4 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere zum 2. Mai 2026, keine Finanzschulden, 57,7 Prozent Eigenkapitalquote, positiver operativer Cashflow seit dem Geschäftsjahr 2025 und ein Auftragsbestand von 3.988,5 Millionen. Auch das Geschäftsmodell trägt — Abo-Erlöse, 76,7 Prozent Bruttomarge im Geschäftsjahr 2026, kein Kunde über zwei Prozent des wiederkehrenden Umsatzes. Offen ist aber eine wesentliche operative Frage, und sie ist zentral: Nach 1.574,6 Millionen seit der Gründung aufgelaufenen Verlusten wirft der Betrieb selbst 1,5 Prozent Marge ab, während 19,5 Prozent des Umsatzes in Aktien an die Belegschaft gehen. Der erste sichtbare Gewinn stammt überwiegend aus einem Schiedsspruch und aus Zinsen, nicht aus dem Verkauf von Software. Das ist kein Substanzrisiko — eine schuldenfreie Firma mit 30 Prozent Wachstum gerät daran nicht in Not. Es ist aber auch noch kein Beweis. Deshalb Gelb: belegtes Wachstum, unbewiesene Ertragskraft. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Samsara über den hauseigenen Aktien-Scanner: Die Aktie steht in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert (Stand 26. Juli 2026; die Seite listet derzeit 38 US-Treffer). Zum selben Stichtag stand IOT in neun Listen gleichzeitig, darunter „Hohes Umsatzwachstum“, „Power Trend“, „Profis 80%“ und „Big Earnings Surprise“. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Aktualitätsstand: Ausgewertet sind der Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (16.03.2026), der Quartalsbericht 10-Q zum 02.05.2026 (09.06.2026) sowie alle danach eingereichten Meldungen — insbesondere die 8-K vom 04.06.2026 mit Quartalszahlen und Prognose, die 8-K vom 23.07.2026 mit den Ergebnissen der Hauptversammlung vom 22.07.2026 sowie die Insider-Meldungen Form 4 und Verkaufsanzeigen Form 144 bis zum 24.07.2026. Der nächste Quartalsbericht wird nach der Datenlage vom 24.07.2026 für Anfang September 2026 erwartet.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der rechnerische Kurs von rund 29 US-Dollar ergibt sich aus dem Börsenwert von 16,8 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) geteilt durch die 582.710.082 Aktien beider stimmberechtigter Gattungen, die der Quartalsbericht zum 2. Juni 2026 ausweist. Gegenprobe an einem Filing-Kurs: Das Deckblatt des Geschäftsberichts nennt für den 1. August 2025 einen Schlusskurs von 36,01 US-Dollar; auf denselben Aktienbestand ergäbe das rund 21,0 Milliarden. Der Kursrückgang von 20,4 Prozent über die vergangenen 252 Handelstage (Datenstand 24.07.2026) erklärt die Differenz. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.
  • Verwechslungsgefahr: Das Börsenkürzel IOT gehört Samsara und ist kein Branchenkürzel für „Internet of Things“. An der New Yorker Börse notiert ausschließlich die A-Aktie; die stimmstarken B-Aktien werden nicht gehandelt.

Häufige Fragen

Samsara Inc. (NYSE: IOT) aus San Francisco vermietet eine Software-Plattform für physische Betriebsabläufe. Kunden sind Speditionen, Bauunternehmen, Versorger und Behörden. Samsara liefert Kameras, Sensoren und Ortungsgeräte für Fahrzeuge, Maschinen und Gelände; die Daten laufen in einer Cloud-Anwendung zusammen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (bis 02.05.2026) waren 471,0 von 478,8 Millionen US-Dollar Umsatz Abo-Erlöse.

Samsara rechnet in einem versetzten Geschäftsjahr, das laut Geschäftsbericht am Samstag endet, der dem 1. Februar am nächsten liegt. Das Geschäftsjahr 2026 lief bis zum 31. Januar 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab; das Geschäftsjahr 2027 endet am 30. Januar 2027. Die Jahre umfassen 52 oder 53 Wochen — das Geschäftsjahr 2024 hatte 53 Wochen, die Geschäftsjahre 2025 und 2026 je 52.

Nach US-Bilanzrecht seit Kurzem ja, aber knapp. Im Geschäftsjahr 2026 stand ein Nettoverlust von 9,1 Millionen US-Dollar bei 1.618,6 Millionen Umsatz. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wies Samsara 44,5 Millionen Gewinn aus — davon aber 30,3 Millionen aus einem Schiedsspruch und 11,9 Millionen aus Zinsen. Aus dem operativen Geschäft kamen 7,2 Millionen, also 1,5 Prozent des Umsatzes.

Samsara hatte im Januar 2024 Ansprüche gegen den Wettbewerber Motive Technologies erhoben — unter anderem wegen Vertragsbruchs, Betrugs, unlauteren Wettbewerbs und irreführender Werbung. Am 3. Februar 2026 entschied das Schiedsgericht zugunsten von Samsara. Daraus buchte das Unternehmen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Ertrag von 30,3 Millionen US-Dollar. Ein zweites Verfahren gegen denselben Wettbewerber ist seit November 2024 anhängig.

Der Aufwand ist hoch, die tatsächliche Verwässerung bisher moderat. Im Geschäftsjahr 2026 buchte Samsara 315,0 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung, das sind 19,5 Prozent des Umsatzes. Die gewichtete Aktienzahl stieg im Jahresvergleich nur um rund 2,5 Prozent auf 581.835.917 Stück, weil Samsara zur Steuerzahlung Aktien einbehält. Reserviert für die Programme waren zum 02.05.2026 allerdings 191.542.088 Aktien.

Die Inhaber der B-Aktien, allen voran die Gründer Sanjit Biswas und John Bicket. Jede B-Aktie trägt zehn Stimmen, jede an der NYSE gehandelte A-Aktie eine. Zum 2. Mai 2026 standen 370.981.108 A-Aktien 211.728.974 B-Aktien gegenüber: Die A-Aktionäre halten damit rund 63,7 Prozent des Kapitals, aber nur rund 14,9 Prozent der Stimmen. Samsara weist selbst darauf hin, dass diese Struktur die Aufnahme in bestimmte Indizes verhindern kann.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wuchs der Umsatz um 31 Prozent auf 478,8 Millionen US-Dollar. Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen am 4. Juni 2026 nur noch 482 bis 484 Millionen in Aussicht, ein Plus von 23 bis 24 Prozent, und für das gesamte Geschäftsjahr 2027 2.005 bis 2.013 Millionen (+24 Prozent). Die eigene Prognose zeigt also eine Verlangsamung um rund sieben Prozentpunkte an.

Nein. Zum Datenstand 24. Juli 2026 weist die Aktie keine Dividende und keine Ausschüttungsquote aus, und der Quartalsbericht nennt kein Aktienrückkaufprogramm. Freie Mittel bleiben in der Kasse: 1.281,4 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln und Wertpapieren lagen zum 2. Mai 2026 in der Bilanz, denen keine Finanzschulden gegenüberstanden.

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