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Quantum-Si: 170 Millionen Dollar Kasse, 0,6 Millionen Umsatz — und ein Gerät, das immer später kommt

Quantum-Si: 170 Millionen Dollar Kasse, 0,6 Millionen Umsatz — und ein Gerät, das immer später kommt

Quantum-Si will Proteine Baustein für Baustein lesen. Ende September 2026 zeigte das Unternehmen starke Zwischendaten seines neuen Geräts Proteus, und die Aktie sprang in drei Handelstagen um rund 80 Prozent. In den Pflichtberichten steht die andere Hälfte: Der Starttermin rutschte zweimal, der Umsatz schrumpft, und die Kasse soll bis Ende 2028 reichen. Wer hier einsteigt, kauft vor allem Zeit.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 16 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 1. Oktober 2026

Schlusskurs
1,43 $ +33,64 %
Marktkapitalisierung
0,3 Mrd. $
Wachstums-Score
5/10
AAQS
3/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Quantum-Si: 170 Millionen Dollar Kasse, 0,6 Millionen Umsatz — und ein Gerät, das immer später kommt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 0,702 $ bis 2,60 $ · Letzter Kurs: 1,43 $ (Stand: 1. Oktober 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Denkfehler, den die Psychologie sehr genau vermessen hat: den Planungsfehlschluss. Wer ein Projekt plant — eine Küchenrenovierung, eine Doktorarbeit, ein neues Gerät —, unterschätzt fast immer, wie lange es dauert und was es kostet. Nicht ein bisschen, sondern regelmäßig. Und das gilt nicht nur für die, die planen. Es gilt auch für die, die daran glauben: Wer eine Aktie wegen eines kommenden Produkts kauft, rechnet meist mit dem Termin auf der Folie — nicht mit dem Termin, an dem das Produkt tatsächlich verkauft wird.

Quantum-Si ist ein Lehrstück für diese Falle. Am 28. September 2026 legte das Unternehmen Zwischendaten seines neuen Sequenziergeräts Proteus vor, am Tag darauf präsentierte Konzernchef Jeff Hawkins sie auf dem Weltkongress der Proteinforschung in Singapur. Die Aktie stieg vom Schlusskurs von 0,795 Dollar am 28. September auf 1,43 Dollar am 1. Oktober 2026 — rund 80 Prozent in drei Handelstagen. Der Satz, der dazu in der Pflichtmeldung steht, klingt nach mehr als nach einem Zwischenstand:

„These interim results show that Proteus is a fundamentally superior platform technology, not simply a larger version of Platinum Pro“

Übersetzung: „Diese Zwischenergebnisse zeigen, dass Proteus eine grundlegend überlegene Plattformtechnologie ist und nicht einfach eine größere Version von Platinum Pro“

— Jeff Hawkins, Konzernchef von Quantum-Si, Pressemitteilung vom 28. September 2026, Anlage 99.2 zur SEC-Pflichtmeldung 8-K

Legen wir die Folie also neben die Pflichtberichte und lesen gemeinsam, was Quantum-Si selbst an die US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — die Geschäftsberichte (10-K) für 2024 und 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026 und alle Pflichtmeldungen bis zum 28. September 2026. Das Spannungsfeld dieser Analyse lautet: Die Technik wird nachweislich besser, aber die Uhr läuft gegen die Kasse. Proteus soll erst im zweiten Quartal 2027 auf den Markt kommen, das jetzige Gerät verkauft sich kaum noch, und das Geld reicht nach eigener Rechnung bis ins vierte Quartal 2028. Ob das genug Zeit ist, entscheidest am Ende du.

Was Quantum-Si eigentlich macht — Proteine Baustein für Baustein lesen

Proteine sind die Arbeiter in jeder Zelle: Sie bauen, transportieren, schalten an und ab. Jedes Protein ist eine Kette aus bis zu 20 verschiedenen Bausteinen, den Aminosäuren. Wer wissen will, was in einer Zelle wirklich passiert, muss diese Ketten lesen. Das Erbgut zu lesen ist heute Routine; Proteine zu lesen ist deutlich schwieriger. Der Standard dafür ist die Massenspektrometrie — große, teure Geräte, die Proteine zerlegen und nach ihrem Gewicht sortieren, und die viel Fachpersonal für die Auswertung brauchen.

Quantum-Si will das auf den Labortisch holen. Das Gerät liest einzelne Proteinbruchstücke direkt: Eiweiß-Sonden docken nacheinander an die Bausteine an, und ein Halbleiterchip misst, wie lange und wie oft sie das tun. Jede Aminosäure hinterlässt dabei eine Art Fingerabdruck im Zeitverlauf, im Fachjargon „kinetische Signatur“. Das heutige Produkt heißt Platinum, die zweite Fassung Platinum Pro kam im Januar 2025. Das Geschäftsmodell gleicht dem eines Druckerherstellers: Das Gerät wird einmal verkauft, das Geld soll mit den Verbrauchskits für jeden Lauf kommen.

Gegründet wurde Quantum-Si 2013 von Jonathan Rothberg, der dem Verwaltungsrat bis heute angehört und das Unternehmen laut Geschäftsbericht 2025 zusätzlich in strategischen Fragen berät. An die Börse kam die Firma am 10. Juni 2021 über eine Fusion mit der Börsenhülle HighCape Capital Acquisition Corp. (eine SPAC, also eine Firma, die nur zum Zweck eines solchen Zusammenschlusses an die Börse ging). Sitz ist Branford in Connecticut; Ende 2025 arbeiteten 145 Menschen in Vollzeit für das Unternehmen, im August 2026 kündigte es den Abbau von rund 20 Prozent der Stellen an. Die große Hoffnung heißt Proteus: ein neues Gerät mit einem Chip von rund 80 Millionen Messpunkten, mehr Automatik und — so das Ziel — deutlich mehr Daten je Lauf zu geringeren Kosten.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2013

    Gründung durch Jonathan Rothberg

    Start als Entwickler der Proteinsequenzierung. Die Gründerfamilie hält bis heute alle Aktien mit 20-fachem Stimmrecht.

  2. 2021

    Börsengang über eine SPAC

    Fusion mit HighCape am 10.06.2021; Ende 2021 lagen 471,3 Mio. USD Kasse bereit. Eine Aktionärsklage zum SPAC-Ablauf endete 2026 mit einem Vergleich über 7,6 Mio. USD.

  3. 2023

    Platinum kommt auf den Markt

    Kontrollierter Verkaufsstart im Januar 2023, voller Start ab dem zweiten Quartal 2024. Der Umsatz erreicht 2024 mit 3,1 Mio. USD seinen bisherigen Höchststand.

  4. 2024

    Proteus angekündigt

    Im November 2024 stellt Quantum-Si den Nachfolger vor, Start damals für die zweite Hälfte 2026 geplant. Danach schieben Kunden ihre Käufe auf.

  5. 2025

    Zweimal 50 Mio. USD frisches Geld

    Aktienplatzierungen im Januar und Juli 2025, dazu ein neues Verkaufsprogramm über 100 Mio. USD. Die Aktienzahl steigt deutlich, die Kasse bleibt bei rund 216 Mio. USD.

  6. 2026

    Verschiebung, Stellenabbau, Nasdaq-Mahnung

    Proteus rutscht auf Q2 2027, rund 20 % der Stellen fallen weg, die Nasdaq setzt eine Frist bis 19.01.2027. Ende September sorgen Proteus-Daten für einen Kurssprung.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — über Reddit, nach einem Sprung um 80 Prozent

Nicht über einen Kennzahlen-Scanner. Ein Unternehmen mit rund einer Million Dollar Jahresumsatz fällt durch fast jedes Raster, das nach Gewinn, Wachstum oder Bewertung sucht. Auf den Tisch kam Quantum-Si Anfang Oktober 2026 über unseren Reddit-Hype-Scanner, der täglich auswertet, welche kleinen US-Werte in den Börsenforen gerade Gesprächsstoff sind. Der Anlass ist in den Kursdaten gut zu sehen: Am 1. Oktober 2026 wechselten 33,1 Millionen Aktien den Besitzer, an einem gewöhnlichen Septembertag bis zum 28. September waren es rund 0,9 bis 2,8 Millionen.

Solche Sprünge haben eine eigene Dynamik. Ein Kurs, der sich binnen Tagen fast verdoppelt, wirkt wie eine Bestätigung — als hätte der Markt die Daten bereits geprüft und für gut befunden. Tatsächlich sagt er nur, dass viele Menschen gleichzeitig dasselbe gelesen haben. Die Daten vom 28. September stammen laut Unternehmen von einem System, dessen Gerät, Verbrauchsmaterial, Ladeverfahren und Auswertungssoftware „noch in Entwicklung und nicht vollständig optimiert“ sind. Merke: Ein Kurssprung ist kein Gutachten — er misst Aufmerksamkeit, nicht Reife.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was man anerkennen muss. Quantum-Si hat eine Technik gebaut, die nach eigener Darstellung im Geschäftsbericht 2025 als erste ihrer Art auf den Markt kam: Proteinsequenzierung auf Einzelmolekül-Ebene, auf einem Gerät für den Labortisch. Die Zwischendaten von Proteus vom 28. September 2026 sind, soweit sie reichen, deutlich: Aus einer einzelnen Messkammer lieferte Proteus im Median 30-mal so viele ausgewertete Lesevorgänge wie Platinum Pro — der Median beschreibt den typischen Messlauf: Die Hälfte der Läufe lag darüber, die Hälfte darunter. In einem Testgemisch erkannte Proteus alle 24 Proteine statt durchschnittlich 20,3, und seine Falscherkennungsrate lag im Median 4,8-fach niedriger (1,36 statt 6,58 Prozent). Das sind Firmendaten aus der Entwicklung, keine unabhängige Studie — aber sie zeigen, dass das neue Gerät mehr ist als eine Folie.

Auch die Bilanz hat Stärken. Zum 30. Juni 2026 lagen 169,9 Millionen Dollar an flüssigen Mitteln und Wertpapieren auf den Konten, Bankschulden gibt es keine. Die Ausgaben sinken: Die Betriebskosten fielen im ersten Halbjahr 2026 auf 49,9 Millionen Dollar nach 56,1 Millionen ein Jahr zuvor, und der Stellenabbau vom August soll laut Ergebnismitteilung vom 13. August 2026 weitere rund 12 Millionen Dollar im Jahr sparen. Für 2026 plant das Unternehmen höchstens 93 Millionen Dollar Mittelabfluss.

Balkendiagramm der flüssigen Mittel und Wertpapiere von Quantum-Si in Millionen US-Dollar: Ende 2021 471,3, Ende 2022 351,3, Ende 2023 257,7, Ende 2024 209,6, Ende 2025 215,8, 30. Juni 2026 169,9.
Die Kasse samt Wertpapieren schrumpfte von 471,3 Millionen Dollar Ende 2021 auf 169,9 Millionen Dollar zum 30. Juni 2026. Dass sie 2024 und 2025 nicht schneller fiel, lag an neuen Aktien: Quantum-Si verkaufte in diesen beiden Jahren Aktien für rund 136 Millionen Dollar brutto. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Kehrseite zeigt genau diese Grafik. Seit dem Börsengang hat Quantum-Si in jedem einzelnen Jahr zwischen 95 und 132 Millionen Dollar Verlust gemacht: 95,0 Millionen 2021, 132,4 Millionen 2022, 96,0 Millionen 2023, 101,0 Millionen 2024 und 101,3 Millionen 2025, zusammen 525,7 Millionen Dollar in fünf Jahren. Der Umsatz lag in denselben Jahren bei null, null, 1,1, 3,1 und 2,4 Millionen Dollar. Für jeden Dollar Umsatz standen 2025 also rund 42 Dollar Verlust in den Büchern. Aus dem laufenden Geschäft flossen von 2021 bis 2025 zusammen 433,9 Millionen Dollar ab. Wie bei jedem Entwicklungsunternehmen ist das zunächst kein Skandal — Forschung kostet Geld, bevor sie welches bringt. Es heißt aber: Die Rechnung geht nur auf, wenn Proteus kommt, sich verkauft und das, bevor die Kasse leer ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Starttermin wandert — zweite Hälfte 2026, Ende 2026, zweites Quartal 2027

Hier kehrt der Planungsfehlschluss zurück, diesmal nicht beim Anleger, sondern im Unternehmen. Quantum-Si stellte Proteus im November 2024 vor. Im Geschäftsbericht für 2024, eingereicht am 3. März 2025, stand dazu noch: „estimated to be ready for launch in the second half of 2026“ — marktreif in der zweiten Hälfte 2026. Ein Jahr später, im Geschäftsbericht für 2025 vom 3. März 2026, hieß es „by the end of 2026“, bis Ende 2026. Und im Quartalsbericht vom 13. August 2026 steht ein neues Datum:

„Most importantly, this roadmap includes the development of Proteus™, our next-generation platform, which was announced in November 2024 and is estimated to be launched in the second quarter of 2027.“

Übersetzung: „Am wichtigsten ist, dass dieser Fahrplan die Entwicklung von Proteus umfasst, unserer Plattform der nächsten Generation, die im November 2024 angekündigt wurde und voraussichtlich im zweiten Quartal 2027 auf den Markt kommen soll.“

— Quantum-Si Incorporated, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Item 2 (Management’s Discussion and Analysis, Overview)

Markierter Ausschnitt aus dem Quantum-Si-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Proteus, im November 2024 angekündigt, soll voraussichtlich im zweiten Quartal 2027 auf den Markt kommen.
Die markierte Stelle im Original: Der Marktstart von Proteus ist jetzt für das zweite Quartal 2027 geplant. Im Geschäftsbericht 2024 hatte Quantum-Si noch die zweite Hälfte 2026 genannt, im Geschäftsbericht 2025 das Ende des Jahres 2026. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Item 2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Begründung in der Ergebnismitteilung vom 13. August 2026 ist nachvollziehbar: Quantum-Si will eine zusätzliche Entwicklungsrunde für das komplette Gerät einlegen, um Fertigung, Wiederholbarkeit und das Kundenerlebnis zum Start abzusichern. Ein Gerät, das beim Kunden ausfällt, kostet mehr als ein Quartal Verspätung. Trotzdem ist der Termin in 17 Monaten zweimal nach hinten gewandert. Und wer die Zwischendaten vom September liest, findet einen Hinweis, dass die Arbeit noch nicht erledigt ist: Das Entwicklungskit erkennt bisher 18 der 20 Aminosäuren, das Verkaufskit soll zum Start alle 20 können. Merke: Bei einem Ein-Produkt-Unternehmen ist jedes verschobene Quartal ein Quartal mehr Kosten ohne den Umsatz, für den sie anfallen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Kunden warten — 344.000 Dollar Umsatz im Quartal

Ein neues Gerät anzukündigen, lange bevor es lieferbar ist, hat eine bekannte Nebenwirkung: Die Kunden kaufen das alte nicht mehr. Warum sollte ein Labor heute ein Platinum Pro anschaffen, wenn der Nachfolger 30-mal so viele Daten liefern soll? In der Technikbranche heißt das nach dem Computerhersteller Osborne aus den 1980er-Jahren Osborne-Effekt. Quantum-Si beschreibt ihn im eigenen Quartalsbericht ziemlich genau:

„The decrease in revenue was primarily driven by lower sales volumes of instruments and consumables as customers deferred purchasing decisions in anticipation of the expected commercial launch of Proteus.“

Übersetzung: „Der Umsatzrückgang ging vor allem auf geringere Verkaufsmengen bei Geräten und Verbrauchsmaterial zurück, weil Kunden ihre Kaufentscheidungen in Erwartung der geplanten Markteinführung von Proteus aufgeschoben haben.“

— Quantum-Si Incorporated, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Item 2 (Revenue, Cost of Revenue and Gross Profit)

Markierter Ausschnitt aus dem Quantum-Si-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Umsatztabelle mit 344.000 Dollar im zweiten Quartal 2026 nach 591.000 Dollar ein Jahr zuvor, darunter der markierte Satz, dass Kunden ihre Käufe wegen Proteus aufschieben.
Die markierte Stelle im Original: Der Umsatz fiel im zweiten Quartal 2026 um 41,8 Prozent auf 344.000 Dollar, weil Kunden auf Proteus warten. Im Halbjahr waren es 602.000 Dollar nach 1,43 Millionen ein Jahr zuvor. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Item 2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.
Balkendiagramm des Quartalsumsatzes von Quantum-Si in Tausend US-Dollar: 2024 457, 622, 787 und 1.192; 2025 842, 591, 552 und 451; 2026 258 und 344.
Der Quartalsumsatz stieg 2024 bis auf 1,19 Millionen Dollar im vierten Quartal und fiel danach fast stetig auf 258.000 Dollar im ersten und 344.000 Dollar im zweiten Quartal 2026. Proteus wurde im November 2024 angekündigt. Das vierte Quartal ist jeweils aus dem Jahresumsatz minus der drei Quartalswerte errechnet. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für das ganze Jahr 2026 erwartet Quantum-Si nur noch rund 1,0 Million Dollar Umsatz; 2024 waren es 3,1 Millionen. Das ist für die Kasse fast bedeutungslos — die Bruttomarge lag im zweiten Quartal bei 50 Prozent, es blieben also 172.000 Dollar. Bedeutsam ist etwas anderes: Bis Proteus kommt, gibt es kaum einen Markttest. Ob Labore für das neue Gerät tatsächlich bezahlen, wie viele Verbrauchskits sie abnehmen und zu welchem Preis, zeigt sich frühestens ab dem zweiten Quartal 2027. Bis dahin ist jede Umsatzschätzung für Proteus eine Annahme. Das gilt auch für den zusätzlichen Markt von über 4 Milliarden Dollar im Jahr, den Quantum-Si im August 2026 außerhalb der menschlichen Proteinforschung sieht, etwa in Landwirtschaft und Erregernachweis — eine eigene Schätzung des Unternehmens. Merke: Wer ein Produkt lange vor dem Liefertermin ankündigt, verkauft in der Zwischenzeit vor allem Vorfreude.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 743 Millionen Dollar Verlust seit Gründung — und die nächste Aktienausgabe liegt bereit

Zum 30. Juni 2026 stand in der Bilanz ein aufgelaufener Verlust von 743,2 Millionen Dollar. Dem steht eine Kapitalrücklage von 923,8 Millionen Dollar gegenüber — im Wesentlichen das Geld, das Aktionäre seit der Gründung eingebracht haben, dazu der Wert der Mitarbeiteraktien. Das Eigenkapital von 180,2 Millionen Dollar ist knapp ein Fünftel davon. Woher das nächste kommen soll, schreibt Quantum-Si selbst:

„Going forward, we anticipate debt or equity offerings will be the primary source of funds to support our operating needs and capital expenditures until we reach scale of our commercial operations.“

Übersetzung: „Künftig erwarten wir, dass die Ausgabe von Schuldtiteln oder Aktien die wichtigste Geldquelle für unseren Betrieb und unsere Investitionen sein wird, bis unser Verkaufsgeschäft eine tragfähige Größe erreicht.“

— Quantum-Si Incorporated, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Item 2 (Liquidity Outlook)

Für dich als Aktionär heißt „Aktienausgabe“: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke abgeschnitten und an andere verkauft werden. Das ist bei Quantum-Si schon mehrfach passiert. 2024 verkaufte das Unternehmen über die Börse 23,4 Millionen neue Aktien für 36,2 Millionen Dollar, im Januar und im Juli 2025 je für 50 Millionen Dollar an institutionelle Anleger. Im Jahresdurchschnitt 2022 waren 139,3 Millionen Aktien im Umlauf, zum 11. August 2026 waren es 218,9 Millionen — 57 Prozent mehr. Dazu kommen 40,7 Millionen Aktien aus Optionen und zugesagten Mitarbeiteraktien, die bei Ausübung bzw. Zuteilung noch einmal knapp ein Fünftel hinzufügen würden.

Und die nächste Ausgabe liegt bereits bereit. Seit dem 26. September 2025 läuft ein Programm mit der Bank Leerink Partners, über das Quantum-Si jederzeit neue Aktien für bis zu 100 Millionen Dollar direkt über die Börse verkaufen kann — im Fachjargon „At-the-Market“. Bis zum 30. Juni 2026 wurde daraus keine einzige Aktie verkauft. Beim Kurs von 1,43 Dollar vom 1. Oktober 2026 entsprächen 100 Millionen Dollar rund 70 Millionen neuen Aktien, also knapp einem Drittel der heutigen Zahl. Ob und wann Quantum-Si das Programm nutzt, steht frühestens im nächsten Quartalsbericht. Merke: Ein Kurssprung ist bei einem Unternehmen mit Geldbedarf nicht nur eine Chance für die Aktionäre — er ist auch eine für die Kasse.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Ein-Dollar-Frist und ein Gründer mit 69 Prozent der Stimmen

Am 23. Juli 2026 bekam Quantum-Si Post von der Börse. Die Aktie hatte 30 Handelstage in Folge unter einem Dollar geschlossen, und die Nasdaq verlangt für eine weitere Notierung mindestens diesen Kurs. Die Firma hat dafür eine Frist:

„In accordance with Nasdaq Listing Rule 5810(c)(3)(A), we have been provided an initial period of 180 calendar days, or until January 19, 2027 (the “Compliance Date”), to regain compliance with the Bid Price Requirement. To regain compliance, the closing bid price of our Class A common stock must be at least $1.00 per share for a minimum of 10 consecutive business days during this 180-calendar day period.“

Übersetzung: „Nach Nasdaq-Regel 5810(c)(3)(A) wurde uns eine erste Frist von 180 Kalendertagen eingeräumt, also bis zum 19. Januar 2027 (der ‚Compliance-Stichtag‘), um die Mindestkurs-Vorgabe wieder zu erfüllen. Dafür muss der Schluss-Geldkurs unserer Klasse-A-Aktie in diesem Zeitraum an mindestens 10 aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 Dollar je Aktie liegen.“

— Quantum-Si Incorporated, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Part II, Item 1A (Risk Factors)

Markierter Ausschnitt aus dem Quantum-Si-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Frist bis 19. Januar 2027, in der die Aktie an mindestens 10 aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 Dollar schließen muss.
Die markierte Stelle im Original: Bis zum 19. Januar 2027 muss die Quantum-Si-Aktie an mindestens 10 Handelstagen in Folge bei 1,00 Dollar oder mehr schließen. Darunter steht, dass eine zweite Frist von 180 Tagen möglich ist, notfalls mit einer Aktienzusammenlegung. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Part II, Item 1A (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Kurssprung Ende September hat die Frist plötzlich in Reichweite gerückt: Am 30. September 2026 schloss die Aktie bei 1,07 Dollar, am 1. Oktober bei 1,43 Dollar — zwei der nötigen zehn Tage. Schafft sie es nicht, kann Quantum-Si eine zweite Frist beantragen; dafür müsste die Aktie an das kleinere Segment Nasdaq Capital Market wechseln und das Unternehmen notfalls eine Aktienzusammenlegung ankündigen, bei der zum Beispiel zehn alte Aktien zu einer neuen werden. Das ändert am Wert deines Anteils nichts, an der Stimmung um die Aktie oft schon. Ein Bilanzproblem ist die Mahnung nicht — sie folgt allein aus dem Kurs.

Wie viel Mitsprache du dabei hast, regelt ein zweiter Absatz im Geschäftsbericht. Quantum-Si hat zwei Aktiengattungen, und die Gründerfamilie hält die mit dem zwanzigfachen Stimmrecht:

„Shares of our Class B common stock have 20 votes per share, while shares of our Class A common stock have one vote per share. Dr. Rothberg and his affiliates hold all of the issued and outstanding shares of our Class B common stock, and as of February 25, 2026, Dr. Rothberg and his affiliates held 69.3% of the voting power of our capital stock, including our Class A common stock and Class B common stock and is able to control matters submitted to our stockholders for approval, including the election of directors, amendments to our organizational documents and any merger, consolidation, sale of all or substantially all of our assets or other major corporate transactions.“

Übersetzung: „Aktien der Klasse B haben 20 Stimmen je Aktie, Aktien der Klasse A eine Stimme je Aktie. Dr. Rothberg und ihm verbundene Personen halten sämtliche ausgegebenen Aktien der Klasse B, und zum 25. Februar 2026 hielten Dr. Rothberg und ihm verbundene Personen 69,3 Prozent der Stimmrechte an unserem Kapital, einschließlich der Aktien der Klassen A und B. Er kann damit über Angelegenheiten bestimmen, die den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt werden, darunter die Wahl der Verwaltungsratsmitglieder, Änderungen unserer Satzung sowie jede Fusion, Verschmelzung, den Verkauf aller oder nahezu aller Vermögenswerte und andere wesentliche Unternehmenstransaktionen.“

— Quantum-Si Incorporated, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A (Risk Factors)

Markierter Ausschnitt aus dem Quantum-Si-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Klasse-B-Aktien haben 20 Stimmen, Klasse-A-Aktien eine; Dr. Rothberg und ihm Verbundene hielten zum 25. Februar 2026 69,3 Prozent der Stimmrechte.
Die markierte Stelle im Original: Jonathan Rothberg und ihm Verbundene halten alle Klasse-B-Aktien mit je 20 Stimmen und damit 69,3 Prozent der Stimmrechte (Stand 25. Februar 2026) — bei 9 Prozent der Aktien. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die 19,9 Millionen Klasse-B-Aktien sind rund 9 Prozent aller Aktien, tragen aber mehr als zwei Drittel der Stimmen. Über Wahl der Kontrolleure, Satzung oder einen Verkauf der Firma entscheidet damit eine Familie. Für Gründerfirmen ist das nicht ungewöhnlich und kann Stabilität bringen — für dich heißt es, dass deine Stimme auf der Hauptversammlung kaum zählt. Zwei Pflichtmeldungen aus dem Spätsommer 2026 gehören ebenfalls dazu. Laut Schedule 13D/A vom 28. August 2026 haben Gesellschaften, die Trusts zugunsten von Rothbergs Kindern gehören, einen vorab festgelegten Verkaufsplan nach Rule 10b5-1 aufgesetzt: Vom 15. Januar 2027 bis zum 15. Januar 2028 dürfen sie bis zu 8.947.746 Klasse-A-Aktien verkaufen, allerdings nur oberhalb festgelegter Mindestpreise (Schedule 13D/A Nr. 5). Und die Insider-Meldungen (Form 4) vom 23. September 2026 zeigen Verkäufe von Konzernchef Jeff Hawkins, Finanzchef Jeffry Keyes und Chefjustiziar Christian LaPointe am 21. und 22. September zu 0,7558 und 0,7608 Dollar — laut Meldung Pflichtverkäufe, mit denen die Steuer auf zugeteilte Mitarbeiteraktien beglichen wird, also keine freie Entscheidung (Form 4 Hawkins). Käufe von Führungskräften enthalten die Meldungen seit dem Quartalsbericht nicht. Merke: Bei zwei Aktiengattungen kaufst du einen Anteil am Gewinn — aber nur sehr wenig vom Steuer.

Bewertung: rund 313 Millionen Dollar zum 1. Oktober 2026

Beim Schlusskurs von 1,43 Dollar vom 1. Oktober 2026 und 218,9 Millionen Aktien beider Gattungen (Stand 11. August 2026) war Quantum-Si an der Börse rund 313 Millionen Dollar wert — eine eigene Rechnung. Der Börsenwert, den die Kennzahlen-Box dieser Seite aus der Datenbank zeigt, kann davon abweichen, weil er auf einem anderen Kurs und Datenstand beruht. Zieht man die 169,9 Millionen Dollar Kasse vom 30. Juni ab, zahlt die Börse rund 143 Millionen Dollar für Technik, Patente und die Aussicht auf Proteus. Am 22. September 2026, als die Führungskräfte zu 0,76 Dollar verkauften (Pflichtverkäufe für die Steuer), lag der Börsenwert zu diesem Kurs gerechnet mit rund 167 Millionen Dollar noch etwa auf Höhe der Kasse vom Juni — für das eigentliche Geschäft blieb rechnerisch kaum etwas übrig.

Klassische Kennzahlen helfen hier wenig. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es mangels Gewinn nicht. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis lag bei rund 195, gemessen am Umsatz der letzten vier Quartale von 1,6 Millionen Dollar — eine Zahl, die eher zeigt, dass der Umsatz noch keine Rolle spielt. Aussagekräftiger ist die Kassenrechnung: Bei höchstens 93 Millionen Dollar Mittelabfluss 2026 und weiter sinkenden Kosten reicht das Geld nach Firmenangabe bis ins vierte Quartal 2028, also rund eineinhalb Jahre über den geplanten Proteus-Start hinaus. In dieser Zeit muss Proteus so viel verkaufen, dass entweder der Abfluss deutlich sinkt oder neue Geldgeber zu einem besseren Kurs einsteigen. Das Eigenkapital lag Ende Juni bei 180,2 Millionen Dollar; der Kurs vom 1. Oktober entspricht etwa dem 1,7-Fachen.

Der Blick der Profis: Drei Analysten beobachten die Aktie, einer mit „Strong Buy“, einer mit „Buy“, einer mit „Hold“, ihr mittleres Kursziel lag bei 2,28 Dollar (Quelle: Fundamentaldaten, Stand 2. Oktober 2026). Auch nach dem Kurssprung lag dieses Kursziel noch rund 60 Prozent über dem Schlusskurs vom 1. Oktober. Drei Stimmen sind allerdings eine sehr dünne Basis, und Kursziele für ein Unternehmen ohne nennenswerten Umsatz sind vor allem Annahmen über Proteus. Wie ein größerer Hersteller von Analysegeräten für die Lebenswissenschaften mit Geräten, Verbrauchsmaterial und Software wirtschaftet, zeigt unsere Aktienanalyse zu 10x Genomics. Was eine Aktienzusammenlegung praktisch bedeutet, lässt sich in unserer Ginkgo-Bioworks-Aktienanalyse nachlesen — dort wurden im August 2024 aus 40 Aktien eine.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Quantum-Si spricht:

  • Technik deutlich verbessert: Proteus lieferte laut Zwischendaten vom 28. September 2026 aus einer Messkammer im Median 30-mal so viele ausgewertete Lesevorgänge wie Platinum Pro und erkannte alle 24 Testproteine.
  • Keine Bankschulden, 169,9 Millionen Dollar Kasse und Wertpapiere (30. Juni 2026); Reichweite laut Firma bis ins vierte Quartal 2028.
  • Sinkende Kosten: Betriebskosten im ersten Halbjahr 2026 49,9 statt 56,1 Millionen Dollar, Stellenabbau soll rund 12 Millionen Dollar im Jahr sparen.
  • Großer Zielmarkt: Proteinforschung ist schwerer zugänglich als Erbgut-Analyse; Quantum-Si sieht zusätzlich über 4 Milliarden Dollar Marktpotenzial außerhalb der menschlichen Proteinforschung (eigene Schätzung).
  • Die 3,97 Millionen Optionsscheine aus dem Börsengang sind am 10. Juni 2026 ausgelaufen; diese Quelle neuer Aktien ist weg.

Was dagegen spricht:

  • Proteus-Start zweimal verschoben, von der zweiten Hälfte 2026 auf das zweite Quartal 2027; das Entwicklungskit erkennt 18 der 20 Aminosäuren.
  • Kaum Umsatz: 344.000 Dollar im zweiten Quartal 2026, rund 1,0 Million Dollar für das Gesamtjahr erwartet; Kunden warten auf Proteus.
  • Dauerverluste von 95 bis 132 Millionen Dollar je Jahr seit 2021, aufgelaufener Verlust 743,2 Millionen Dollar (30. Juni 2026).
  • Verwässerung: Aktienzahl seit 2022 um 57 Prozent gestiegen; ein Verkaufsprogramm über 100 Millionen Dollar liegt bereit, dazu 40,7 Millionen Aktien aus Optionen und Mitarbeiteraktien.
  • Nasdaq-Frist bis 19. Januar 2027; Gründerfamilie mit 69,3 Prozent der Stimmen, Verkaufsplan der Kinder-Trusts über bis zu 8,9 Millionen Aktien ab 15. Januar 2027.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Planungsfehlschluss. Quantum-Si hat etwas gebaut, das funktioniert — die Daten vom September sind mehr als eine Behauptung, und ein Gerät, das Proteine auf dem Labortisch liest, wäre ein echter Fortschritt. Aber die Geschichte dieser Firma ist bisher eine Geschichte von Terminen: Seit dem Börsengang 2021 hat sie 525,7 Millionen Dollar Verlust gemacht, die Kasse ist von 471 auf 170 Millionen Dollar geschrumpft, und das Gerät, das die Wende bringen soll, kommt jetzt im zweiten Quartal 2027 statt, wie zuerst angekündigt, in der zweiten Hälfte 2026. Der Kurssprung Ende September hat daran nichts geändert. Er hat nur den Preis verändert, zu dem du an dieser Geschichte teilnimmst — und möglicherweise den Preis, zu dem die Firma neue Aktien verkaufen kann. Rechne bei jeder Wette auf ein kommendes Produkt mit dem Termin plus einem Puffer — und prüfe, ob die Kasse auch den Puffer noch bezahlt. Die nächsten Gelegenheiten dazu: der Quartalsbericht zum dritten Quartal 2026, der zeigt, ob das Verkaufsprogramm angezapft wurde, und der 19. Januar 2027, an dem die Nasdaq-Frist endet. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 0,0 0,5 1,1 3,1 2,4
Betriebsergebnis (EBIT) -96,9 -123,8 -111,2 -108,6 -97,4
Nettogewinn -95,0 -132,4 -96,0 -101,0 -101,3
Nettomarge – -28.854,5 % -8.868,8 % -3.303,0 % -4.160,1 %
Gewinn je Aktie -1,19 $ -0,95 $ -0,68 $ -0,71 $ -0,51 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Technik positiv
Proteus-Zwischendaten (28.09.2026): im Median 30-mal so viele ausgewertete Lesevorgänge je Messkammer wie Platinum Pro, 24 von 24 Testproteinen erkannt — Firmendaten aus der Entwicklung.
Kasse positiv
169,9 Mio. USD Kasse und Wertpapiere, keine Bankschulden (30.06.2026); Reichweite laut Firma bis ins vierte Quartal 2028.
Umsatz negativ
Q2 2026 nur 344.000 USD (−41,8 %), Prognose 2026 rund 1,0 Mio. USD; Kunden warten auf Proteus.
Zeitplan negativ
Proteus-Start von zweiter Hälfte 2026 (10-K 2024) über Ende 2026 (10-K 2025) auf Q2 2027 (10-Q vom 13.08.2026) verschoben.
Verwässerung negativ
Aktienzahl seit 2022 +57 % auf 218,9 Mio.; Verkaufsprogramm über 100 Mio. USD eingerichtet; laut 10-Q sollen Aktien oder Schulden die künftige Finanzierung tragen.
Kontrolle und Notierung neutral
Gründerfamilie mit 69,3 % der Stimmrechte (25.02.2026); Nasdaq-Mindestkurs-Frist bis 19.01.2027, Schlusskurs am 30.09. und 01.10.2026 über 1 USD.

Quantum-Si hat eine Technik, die nach eigenen Zwischendaten deutlich besser wird, und eine Kasse ohne Bankschulden. Dem stehen ein fast verschwundener Umsatz, ein zweimal verschobener Proteus-Start, Verluste von rund 100 Mio. USD je Jahr und absehbare neue Aktien gegenüber; dazu eine Nasdaq-Frist und eine Gründerfamilie, die die Stimmen kontrolliert. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für eine offene operative Frage, nicht für eine Kursmeinung. Ein Substanzrisiko im Sinne unserer Ampel ist zum 30. Juni 2026 nicht belegt: keine Bankschulden, positives Eigenkapital, kein Hinweis auf Zweifel am Fortbestand, und die Kasse reicht nach Firmenangabe gut neun Quartale. Die Nasdaq-Mahnung folgt aus dem Kurs, nicht aus der Bilanz. Offen ist dafür fast alles, was das Geschäft ausmacht: Der Erfolg hängt an einem einzigen Produkt, das noch nicht verkauft wird, dessen Starttermin schon zweimal gewandert ist und das sich danach erst beweisen muss. Bis dahin verliert das Unternehmen rund 100 Millionen Dollar im Jahr und wird nach eigener Aussage neues Geld brauchen. Ob die Aktie zu 1,43 Dollar (1. Oktober 2026) ein vernünftiger Preis für diese Wette ist, beantwortet diese Einstufung nicht. Die Entscheidung liegt bei dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Fassung vom 2. Oktober 2026 auf Basis der Geschäftsberichte 10-K 2024 und 2025, der Quartalsberichte 10-Q zum 31.03.2026 und 30.06.2026 (jüngster Periodenbericht, eingereicht am 13.08.2026), der Ergebnismitteilung vom 13.08.2026, der Pressemitteilung vom 28.09.2026 und aller SEC-Meldungen bis 28.09.2026. Anlass war der Reddit-Hype-Scanner Anfang Oktober 2026, kein Treffer im Kennzahlen-Scanner.
  • Nicht zu verwechseln: Quantum-Si Incorporated (QSI) ist weder Quantum Corp. noch ein Quantencomputer-Unternehmen; der frühere Name in der SEC-Datenbank, HighCape Capital Acquisition Corp., gehört zur Börsenhülle von 2021. Aktienzahl und Börsenwert umfassen beide Aktiengattungen (Klasse A und B); Börsenwert, Unternehmenswert und Kennzahlen sind selbst berechnet.
  • Kursanker ist der Schlusskurs von 1,43 US-Dollar am 01.10.2026 (Quelle: Fundamentaldaten); am 28.09.2026 hatte er bei 0,795 US-Dollar gelegen. Die Proteus-Daten vom 28.09.2026 sind Zwischenergebnisse des Unternehmens mit einem Entwicklungskit für 18 Aminosäuren, keine unabhängige Studie. Die Viertquartals-Umsätze im Chart sind aus Jahres- minus Quartalswerten errechnet.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 2. Oktober 2026. Was sich seitdem bei QSI geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Quantum-Si aus Branford in Connecticut entwickelt Geräte, die Proteine Baustein für Baustein lesen, einzelne Moleküle auf einem Halbleiterchip. Das heutige Gerät heißt Platinum bzw. Platinum Pro, der Nachfolger Proteus soll im zweiten Quartal 2027 kommen. Geld verdient die Firma mit Geräten, Verbrauchskits und Service; 2025 lag der Umsatz bei 2,4 Millionen Dollar.

Laut Quartalsbericht vom 13. August 2026 voraussichtlich im zweiten Quartal 2027. Im Geschäftsbericht 2024 hatte Quantum-Si noch die zweite Hälfte 2026 genannt, im Geschäftsbericht 2025 das Ende des Jahres 2026. Als Grund nennt das Unternehmen eine zusätzliche Entwicklungsrunde für Fertigungsreife, Wiederholbarkeit und Kundenerlebnis.

Zum 30. Juni 2026 hatte Quantum-Si 169,9 Millionen Dollar an flüssigen Mitteln und Wertpapieren und keine Bankschulden. Nach eigener Rechnung, einschließlich des Stellenabbaus vom August 2026, reicht das bis ins vierte Quartal 2028. Für 2026 plant die Firma höchstens 93 Millionen Dollar Mittelabfluss; künftige Finanzierung soll über Aktien oder Schulden laufen.

Am 23. Juli 2026 mahnte die Nasdaq, weil die Aktie 30 Handelstage unter 1 Dollar geschlossen hatte. Bis zum 19. Januar 2027 muss sie an mindestens 10 Handelstagen in Folge bei 1 Dollar oder mehr schließen. Gelingt das nicht, ist eine zweite Frist von 180 Tagen möglich, notfalls mit einer Aktienzusammenlegung. Am 30. September und 1. Oktober 2026 lag der Schlusskurs darüber.

Gründer Jonathan Rothberg und ihm verbundene Gesellschaften halten alle 19,9 Millionen Klasse-B-Aktien mit je 20 Stimmen. Zum 25. Februar 2026 kamen sie so auf 69,3 Prozent der Stimmrechte, obwohl die Klasse B nur rund 9 Prozent aller Aktien ausmacht. Über Wahlen, Satzung oder einen Verkauf der Firma entscheidet damit die Gründerfamilie.

Am 28. September 2026 veröffentlichte Quantum-Si Zwischendaten zu Proteus: Aus einer Messkammer kamen im Median 30-mal so viele ausgewertete Lesevorgänge wie bei Platinum Pro, alle 24 Testproteine wurden erkannt. Der Schlusskurs stieg von 0,795 Dollar am 28. September auf 1,43 Dollar am 1. Oktober 2026, an dem Tag bei 33,1 Millionen gehandelten Aktien.

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