Perimeter Solutions: Ein glänzendes Brandschutz-Geschäft — und fünf Gründer, denen 18 Prozent des Kursanstiegs gehören
Perimeter Solutions löscht Waldbrände aus der Luft und verdient damit prächtig: 652,9 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, eine Segmentmarge von 59,4 Prozent im Brandschutz. Trotzdem stand am Jahresende ein Verlust von 206,4 Millionen. Der Grund steht im Anhang der SEC-Berichte: Eine Vereinbarung aus dem Jahr 2019 sichert fünf Gründern jedes Jahr 18 Prozent des Kursanstiegs auf 157.137.410 Aktien — 2025 waren das 469,1 Millionen US-Dollar, bezahlt mit 13,4 Millionen neuen Aktien und 95,7 Millionen bar. Der hauseigene Aktien-Scanner führt die Aktie auf Platz 12 der US-Auswahl seines Big-Earnings-Surprise-Rankings (Stand 25. Juli 2026). Keine Anlageberatung — nur die Rechnung, die im Anhang steht.
Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf
Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.
Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschnappt, wenn du alles richtig machst: die Gleichlauf-Falle. Sie funktioniert so. Du liest, dass die Chefs eines Unternehmens nur dann verdienen, wenn der Aktienkurs steigt. Dein Kopf nickt sofort: „Endlich sitzen die im selben Boot wie ich.“ Was du in diesem Moment nicht fragst: Wie groß ist eigentlich ihr Anteil an dem, was das Boot einfährt? Genau diese Frage stellt sich bei Perimeter Solutions (NYSE: PRM) aus Clayton, Missouri. Die Firma mischt die rote Brühe an, die Löschflugzeuge über Waldbränden abwerfen — ein Geschäft mit beeindruckenden Margen. Und sie hat eine Vereinbarung geerbt, nach der fünf Gründer jedes Jahr 18 Prozent des Kursanstiegs erhalten, gerechnet auf 157.137.410 Aktien. Machen wir also einen Deal: Bevor du das Etikett „perfekt ausgerichtete Anreize“ kaufst, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem prächtigen Geschäft, einem Verlust, der keiner ist, einem Gewinn, der auch keiner ist — und einer Rechnung, die im Februar 2026 fällig wurde.
Was Perimeter Solutions eigentlich macht — rote Brühe und gelbe Chemie
Perimeter Solutions verkauft in zwei Segmenten, und die sind so verschieden, dass man sie sich einzeln ansehen muss.
Fire Safety ist das bekannte Geschäft: Langzeit-Löschmittel („fire retardants“) und Löschschaum, dazu die Spezialausrüstung und der Service an den Flugplätzen, von denen aus die Löschflugzeuge starten. Wenn du im Fernsehen einen roten Streifen siehst, der aus einem Tanker über einen brennenden Hang gelegt wird — das ist dieses Produkt. Verkauft wird es nicht an Verbraucher, sondern an Behörden: an die US-Bundesforstverwaltung, an Bundesstaaten, an Kommunen. 2025 brachte das Segment 488,9 Millionen US-Dollar Umsatz und ein bereinigtes Segmentergebnis (Segment Adjusted EBITDA) von 290,5 Millionen — eine Marge von 59,4 Prozent. Übersetzt: Von jedem eingenommenen Dollar bleiben in diesem Segment fast sechzig Cent übrig, bevor Zinsen, Steuern und Abschreibungen abgezogen werden. Das ist Software-Niveau in einer Chemiefabrik.
Specialty Products ist das unbekannte Geschäft: Phosphorpentasulfid, ein Grundstoff für Schmierstoffzusätze in Motorenölen, dazu Anwendungen in Pflanzenschutz- und Bergbauchemie sowie Batterietechnik. 2025 waren das 163,9 Millionen US-Dollar Umsatz bei 41,2 Millionen Segmentergebnis (25,1 Prozent Marge) — solide, aber nicht spektakulär. Seit dem 22. Januar 2026 steckt hier außerdem etwas völlig Neues: Perimeter kaufte die Medical Manufacturing Technologies, LLC (MMT) aus Charlotte, North Carolina, einen Anbieter automatisierter Fertigungsanlagen für Medizinprodukte, für 682,3 Millionen US-Dollar in bar. Damit hat sich das Segment im ersten Quartal 2026 mehr als verdoppelt (79,6 gegenüber 34,9 Millionen US-Dollar) und lag erstmals über dem Brandschutz-Geschäft (45,4 Millionen) — auf Jahressicht bleibt Fire Safety mit 488,9 Millionen (2025) aber die deutlich größere Sparte. Auch die Belegschaft: Zu den 356 Vollzeitkräften zum Jahresende 2025 kamen mit MMT weitere 356 dazu.
Noch ein Punkt zur Identität, weil Datenanbieter ihn gern verschlafen: Bis zum 20. November 2024 hieß die Gesellschaft Perimeter Solutions, SA und war in Luxemburg eingetragen. An diesem Tag wurde sie in eine Gesellschaft nach dem Recht des US-Bundesstaats Delaware umgewandelt und heißt seither Perimeter Solutions, Inc. Der frühere Name steht bei der SEC noch als „formerName“ in den Stammdaten — die Berichtspflichten (10-K, 10-Q) blieben unverändert, das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Und damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Das operative Geschäft von Perimeter Solutions ist außergewöhnlich profitabel — aber ob am Jahresende ein Gewinn oder ein Verlust ausgewiesen wird, entscheidet nicht der Umsatz, sondern der eigene Aktienkurs.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was der Scanner nicht sieht
Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Perimeter Solutions steht zum Datenstand 25. Juli 2026 auf Platz 12 der US-Auswahl unseres Big-Earnings-Surprise-Scanners (81 Treffer), bei einem Relative-Stärke-Rating von 91. Das Kriterium ist streng: Der gemeldete Gewinn je Aktie muss in jedem der letzten vier abgeschlossenen Quartale mindestens 20 Prozent über der Analystenschätzung gelegen haben. Bei Perimeter waren das +39,3 Prozent (2. Quartal 2025), +20,6 Prozent (3. Quartal), +44,4 Prozent (4. Quartal) und +200,0 Prozent (1. Quartal 2026; Fundamentaldaten, Datenstand 25. Juli 2026). Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen — die Liste zeigt die Serien-Überrascher in Scanner-Reihenfolge. Denk daran, dass diese Listen täglich neu gerechnet werden; die Platzierung ist eine Momentaufnahme mit Datum, keine Eigenschaft der Firma.
Jetzt kommt der Haken, und er ist bei dieser Firma größer als üblich. Die Zahl, an der die Analysten gemessen werden, ist nicht der Gewinn, den die Bilanz ausweist. Im ersten Quartal 2026 meldete Perimeter Solutions nach den US-Rechnungslegungsvorschriften ein Ergebnis von 0,47 US-Dollar je Aktie (verwässert 0,44) — die Vergleichsgröße im Scanner lag bei 0,06 gegen eine Schätzung von 0,02. Beide Seiten dieses Vergleichs sind bereinigte Zahlen, aus denen genau der Posten herausgerechnet wurde, um den es in dieser Analyse geht. Der Konzern macht das in seinen eigenen Segmentkennzahlen ganz offen: Das „Segment Adjusted EBITDA“ ist laut Quartalsbericht um „founder advisory fee expenses“ bereinigt. Merke dir den Grundsatz: Ein Überraschungs-Scanner misst die Abweichung von einer Erwartung — und beide, Erwartung und Meldung, können denselben blinden Fleck haben. Genau deshalb lesen wir jetzt die Berichte. Wie schnell ein Scanner-Etikett in die Irre führen kann, haben wir bei Sphere Entertainment gesehen, wo die Überraschungen aus Schuldenschnitt, Abschreibung und Steuereffekt stammten.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich für Perimeter spricht, und das ist eine Menge. Der Umsatz wuchs von 322,1 Millionen US-Dollar (2023) über 561,0 Millionen (2024) auf 652,9 Millionen (2025) — also mehr als eine Verdoppelung in zwei Jahren. Das Bruttoergebnis stieg dabei von 128,3 über 317,1 auf 375,2 Millionen, die Bruttomarge von 39,8 auf 57,5 Prozent. Das ist keine Preisrunde, das ist ein anderes Geschäft: Die Waldbrandsaisons 2024 und 2025 waren stark, und die Kombination aus Produkt, Ausrüstung und Service an den Tankerbasen lässt sich schwer kopieren. Auch der Mittelzufluss stimmte: 238,1 Millionen US-Dollar operativer Cashflow im Jahr 2025 (2024: 188,4 Millionen; 2023: nur 0,2 Millionen), bei Investitionen von 29,6 Millionen in Sachanlagen und 15,2 Millionen in immaterielle Vermögenswerte.
Und im ersten Quartal 2026 ging es so weiter: 125,1 Millionen US-Dollar Umsatz gegenüber 72,0 Millionen im Vorjahresquartal, ein Plus von 73,6 Prozent. Das bereinigte Segmentergebnis beider Sparten zusammen stieg von 18,1 auf 41,2 Millionen. Fire Safety legte von 37,2 auf 45,4 Millionen Umsatz zu, Specialty Products von 34,9 auf 79,6 Millionen — Letzteres vor allem durch MMT.
Eine Eigenheit musst du dabei kennen, sonst erschreckst du dich bei jedem Quartalsbericht:
48 Prozent des Jahresumsatzes in einem einzigen Quartal — wer bei Perimeter ein schwaches erstes Quartal sieht, sieht meistens nur den Winter. Umgekehrt gilt: Jede Hochrechnung aus einem Sommerquartal auf ein ganzes Jahr ist grober Unfug. Merke dir das Bild: Bei dieser Firma zählt das Jahr, nicht das Quartal.
Und trotzdem — bei allem Wachstum — stand 2025 unter dem Strich ein Nettoverlust von 206,4 Millionen US-Dollar, nach −5,9 Millionen (2024) und +67,5 Millionen (2023). Je Aktie: −1,37 US-Dollar. Warum, zeigt die nächste Grafik.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Verlust 2025 ist eine Gebühr, kein Geschäftsproblem
Zerlegen wir das Jahr 2025 in seine Bestandteile — vom Bruttoergebnis bis zum Betriebsergebnis:
Rechne selbst nach: 375,2 minus 77,6 (Vertrieb und Verwaltung) minus 59,7 (Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte) minus 3,6 (Sonstiges) ergibt +234,2 Millionen US-Dollar. Erst die Zeile „Founders advisory fees - related party“ mit 435,2 Millionen dreht das Vorzeichen auf −200,9 Millionen. Nach den übrigen Aufwendungen (netto 35,3 Millionen, im Wesentlichen 39,1 Millionen Zinsen) und einem Steuerertrag von 29,9 Millionen blieb ein Nettoverlust von 206,4 Millionen.
Was ist das für eine Gebühr? Sie stammt aus einer Vereinbarung vom 12. Dezember 2019, die die Vorgängergesellschaft EverArc Holdings mit dem Vehikel EverArc Founders, LLC geschlossen hat und die Perimeter Solutions am 9. November 2021 übernahm. Sie hat zwei Teile. Der feste Teil beträgt jedes Jahr bis Ende 2027 genau 2.357.061 Aktien — das sind 1,5 Prozent der 157.137.410 Aktien, die am 9. November 2021 ausstanden. Der variable Teil läuft bis Ende 2031 und ist der eigentliche Hebel:
„in the following years in which the Variable Annual Advisory Amount may be payable (if at all), (x) 18% of the increase in Payment Price over the previous year Payment Price multiplied by (y) 157,137,410 shares of Common Stock, the Founder Advisory Agreement Calculation Number.“
Übersetzung: „in den folgenden Jahren, in denen der variable jährliche Beratungsbetrag zahlbar sein kann (falls überhaupt), (x) 18 Prozent des Anstiegs des Zahlungspreises gegenüber dem Zahlungspreis des Vorjahres, multipliziert mit (y) 157.137.410 Aktien des Stammkapitals, der Berechnungszahl der Gründer-Beratungsvereinbarung.“
— Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 13 „Related Parties“
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, du kaufst ein Mietshaus zusammen mit fünf Partnern. Die Partner arbeiten nicht im Haus, sie beraten. Vereinbart ist: Jedes Mal, wenn der Verkehrswert des Hauses gegenüber dem Vorjahr steigt, bekommen sie 18 Prozent des Wertzuwachses ausgezahlt — in Anteilen am Haus oder in bar, nach ihrer Wahl. Fällt der Wert, zahlen sie nichts zurück; sie warten einfach, bis er die alte Marke wieder überschreitet. Genau so funktioniert diese Vereinbarung. Und weil die Verpflichtung zur Hälfte als Verbindlichkeit bilanziert und bei jedem Stichtag neu bewertet wird, gilt die Umkehrung: Steigt der Kurs, steigt der Aufwand; fällt der Kurs, entsteht ein Buchgewinn. 2023, als der Kurs schwach war, stand die Zeile mit minus 108,5 Millionen im Bericht und hob das Betriebsergebnis auf +94,5 Millionen. 2024 kostete sie 198,3 Millionen, 2025 dann 435,2 Millionen.
Und im ersten Quartal 2026 kehrte sich das Ganze erneut um: Der Zehn-Tage-Durchschnittskurs sank von 27,89 US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 21,93 US-Dollar (31. März 2026), der Zeitwert des festen Teils fiel von 131,3 auf 103,3 Millionen, der des variablen Teils von 750,1 auf 625,3 Millionen. Ergebnis: ein Ertrag von 76,4 Millionen US-Dollar in der Gewinn- und Verlustrechnung. Ohne ihn hätte das erste Quartal 2026 statt eines Betriebsgewinns von 72,5 Millionen einen Betriebsverlust von 3,9 Millionen ausgewiesen (50,8 Bruttoergebnis minus 23,1 Vertrieb und Verwaltung minus 22,6 Abschreibungen minus 9,0 sonstiger Aufwand). Merke dir den Satz: Bei Perimeter Solutions misst die Ergebniszeile den eigenen Aktienkurs mit, nicht nur das Geschäft.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Rechnung für 2025 wurde in Aktien und in bar bezahlt — beides tat weh
Eine Bewertungszeile in der Bilanz ist das eine. Die Zahlung ist das andere — und die fand im Februar 2026 statt:
„The EverArc Founder Entity elected to receive approximately 79.6% of the 2025 Advisory Amounts in shares of Common Stock (13,387,002 Common Shares) and approximately 20.4% of the 2025 Advisory Amounts in cash ($95.7 million). To satisfy the 2025 Advisory Amounts, the Company paid $95.7 million in cash on February 19, 2026 and expects to issue 13,387,002 shares of Common Stock in the first quarter of 2026.“
Übersetzung: „Das EverArc-Gründer-Vehikel hat sich entschieden, rund 79,6 Prozent der Beratungsbeträge für 2025 in Stammaktien (13.387.002 Stammaktien) und rund 20,4 Prozent der Beratungsbeträge für 2025 in bar (95,7 Millionen US-Dollar) zu erhalten. Zur Erfüllung der Beratungsbeträge für 2025 zahlte das Unternehmen am 19. Februar 2026 95,7 Millionen US-Dollar in bar und erwartet, im ersten Quartal 2026 13.387.002 Stammaktien auszugeben.“
— Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 13 „Related Parties“
Halten wir die Größenordnung fest: 469,1 Millionen US-Dollar für ein Jahr Beratung — bei einem Konzernumsatz von 652,9 Millionen. Das sind 71,9 Prozent des Jahresumsatzes. Zur Einordnung: Im Vorjahr fiel nur der feste Teil an (30,3 Millionen US-Dollar, 1.837.304 Aktien plus 6,7 Millionen bar), weil der Durchschnittskurs 2024 von 12,85 US-Dollar unter der 2021 gesetzten Marke von 13,63 US-Dollar lag. Die Vereinbarung zahlt eben nur bei neuen Höchstständen — dann aber üppig.
Für dich als Aktionär hat das zwei Folgen. Erstens die Verwässerung — dein Stück vom Kuchen wird kleiner, ohne dass der Kuchen wächst. Die ausstehende Aktienzahl stieg von 149.440.060 (31. Dezember 2025) auf 163.127.063 (31. März 2026), ein Plus von 9,2 Prozent in drei Monaten; davon entfielen 13.387.003 Aktien auf die Gründer-Gebühr und 300.000 auf Optionsausübungen. Der Konzern schreibt das selbst in die Risikofaktoren:
„Our stockholders will experience dilution as a consequence of the issuance of our Common Stock as payment for the Advisory Amounts payable to the EverArc Founder Entity.“
Übersetzung: „Unsere Aktionäre werden eine Verwässerung erfahren, weil Stammaktien als Zahlung für die dem EverArc-Gründer-Vehikel geschuldeten Beratungsbeträge ausgegeben werden.“
— Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren
Zweitens der Barabfluss. Die 95,7 Millionen US-Dollar sind echtes Geld, und sie schlagen genau dort ein, wo man die Ertragskraft eigentlich ablesen will: in der Kapitalflussrechnung. Der operative Cashflow des ersten Quartals 2026 lag bei minus 89,0 Millionen US-Dollar — nach plus 23,7 Millionen im Vorjahresquartal. Die Kasse fiel von 325,9 auf 91,6 Millionen. Das ist der Moment, in dem die Gleichlauf-Falle sichtbar wird: In der Ergebniszeile stand ein Ertrag von 76,4 Millionen, in der Kasse ein Abfluss von 95,7 Millionen — dieselbe Gebühr, im selben Quartal, in entgegengesetzter Richtung. Die Restverbindlichkeit für künftige Jahre stand zum 31. März 2026 mit 364,3 Millionen US-Dollar in der Bilanz.
Zur Fairness gehört: Die fünf Gründer — laut Geschäftsbericht 2025 William N. Thorndike Jr., W. Nicholas Howley, Tracy Britt Cool, Vivek Raj und Haitham Khouri, alle Direktoren der Gesellschaft — bekommen nichts, wenn der Kurs nicht über die Vorjahresmarke steigt. Es gibt keine Grundgebühr auf das Vermögen, keine Zahlung im Rückwärtsgang. Wer die Konstruktion mag, nennt das konsequent. Wer sie nicht mag, rechnet nach, dass ein Fünftel der Kurssteigerung dauerhaft an fünf Personen geht, die im Aufsichtsgremium sitzen. Eine ähnliche Frage — wie viel vom Erfolg beim Kapitalgeber ankommt und wie viel bei dem, der ihn verteilt — haben wir bei Biglari Holdings gestellt, wo zwei Vergütungsebenen à 25 Prozent nebeneinanderstehen. Übrigens: Am 10. März 2026 meldete William N. Thorndike Jr. in einer Schedule 13D den Besitz von 9.309.341 Aktien oder 5,7 Prozent — die Schwelle überschritt er, weil das Gründer-Vehikel die Aktien anteilig an seine Mitglieder ausschüttete. Ein Formblatt 144 vom 12. Juni 2026 zeigt die andere Seite dieser Ausschüttung: Der frühere Direktor Vivek Raj meldete den Verkauf von 78.569 Aktien im Wert von 2.753.843 US-Dollar, erworben als „Pro-rata-Ausschüttung von EverArc Founders, LLC an ihre Mitglieder“.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 43 Prozent des Umsatzes hängen an zwei US-Behörden
Das Brandschutz-Geschäft hat traumhafte Margen — und einen sehr kurzen Kundenkreis:
„For fiscal year 2025, our two largest customers, the USDA Forest Service and the U.S. Bureau of Land Management accounted for 32% and 11%, respectively, of our consolidated revenues. No other customer individually represented more than 10% of our 2025 consolidated revenues.“
Übersetzung: „Im Geschäftsjahr 2025 entfielen auf unsere beiden größten Kunden, die USDA Forest Service und das U.S. Bureau of Land Management, 32 beziehungsweise 11 Prozent unserer konsolidierten Umsatzerlöse. Kein anderer Kunde stand für sich allein für mehr als 10 Prozent unserer konsolidierten Umsatzerlöse 2025.“
— Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 „Significant Customers“
43 Prozent des Umsatzes von zwei Adressen — das ist ein Klumpenrisiko, wie es im Buche steht. Die gute Nachricht: Im September 2025 wurde mit beiden ein Fünfjahresvertrag geschlossen, und im April 2026 kamen laut Quartalsbericht zwei weitere Fünfjahresverträge dazu, darunter einer mit der US-amerikanischen Defense Logistics Agency über Löschschaum mit einem Höchstvertragswert von rund 500 Millionen US-Dollar sowie ein Vertrag mit der kalifornischen Forstbehörde über Langzeit-Löschmittel. Die weniger gute: Ein Höchstvertragswert ist keine Abnahmegarantie, und die US-Regierung darf Verträge laut Geschäftsbericht jederzeit aus Zweckmäßigkeitsgründen beenden. Dazu kommt die Wetterabhängigkeit: Im ersten Quartal 2026 kamen 62 Prozent des Umsatzes aus den USA, im Vorjahresquartal waren es 68 Prozent — und die Nachfrage nach Löschmitteln hängt daran, ob es brennt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Nach dem 682-Millionen-Kauf sind 83 Prozent der Bilanz Luft und Verträge
Der Kauf von MMT war der größte Schritt der Firmengeschichte:
„On January 22, 2026, the Company acquired 100% of the shares of Medical Manufacturing Technologies, LLC (“MMT”), which is included within the Company’s Specialty Products segment. … The consideration transferred consisted of $682.3 million in cash, net of cash acquired.“
Übersetzung: „Am 22. Januar 2026 erwarb das Unternehmen 100 Prozent der Anteile an der Medical Manufacturing Technologies, LLC (‚MMT‘), die dem Segment Specialty Products zugeordnet ist. … Die übertragene Gegenleistung bestand aus 682,3 Millionen US-Dollar in bar, abzüglich der erworbenen Zahlungsmittel.“
— Perimeter Solutions, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 4 „Business Combinations“
Von den 682,3 Millionen US-Dollar wurden 303,8 Millionen als Geschäfts- und Firmenwert („Goodwill“) und 375,4 Millionen als immaterielle Vermögenswerte gebucht — aufgeteilt in Kundenlisten (303,3 Millionen, Abschreibungsdauer 16 Jahre), Marken (41,0 Millionen, 20 Jahre), Technologie und Patente (20,9 Millionen, 14 Jahre) und Auftragsbestand (10,2 Millionen, 1 Jahr). Materiell greifbar waren nur 109,3 Millionen, übernommene Schulden 106,2 Millionen; rund 117,9 Millionen des Goodwills sind steuerlich abzugsfähig. Dazu kamen 8,4 Millionen US-Dollar Transaktionskosten, die sofort als Aufwand gebucht wurden. Goodwill ist, in einem Alltagsbild, der Aufpreis über den Wert der Einzelteile — das Vertrauen darauf, dass das Ganze mehr wert ist als seine Summe. Halten sich die Annahmen nicht, wird abgeschrieben; 2023 hat Perimeter genau das schon einmal getan, damals mit 40,7 Millionen US-Dollar auf immaterielle Vermögenswerte.
Nach dem Kauf sieht die Bilanz zum 31. März 2026 so aus: Von 3.164,4 Millionen US-Dollar Bilanzsumme entfallen 1.365,4 Millionen auf Goodwill und 1.250,0 Millionen auf Kundenlisten (924,4), Technologie und Patente (200,3) sowie Marken (125,3) — zusammen 2.615,4 Millionen oder 82,7 Prozent. Dem gegenüber stehen 1.204,8 Millionen Eigenkapital und ein Bilanzverlust von 720,2 Millionen. Bezahlt wurde der Kauf mit einer neuen Anleihe: 550,0 Millionen US-Dollar zu 6,250 Prozent, fällig am 15. Januar 2034, begeben am 2. Januar 2026 — zusätzlich zu den bestehenden 675,0 Millionen zu 5,00 Prozent, fällig 2029. Der Zinsaufwand des ersten Quartals 2026 stieg dadurch von 9,6 auf 24,4 Millionen US-Dollar. Zum 31. März 2026 war der Konzern nach eigenen Angaben mit allen Kreditauflagen im Einklang. Nüchtern gesagt: Perimeter hat eine sehr profitable Nische gegen einen bezahlten Zukunftsversprechen-Berg und eine höhere Zinslast eingetauscht.
Die Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs
Rechnen wir es grob, aber ehrlich. Bei rund 5,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 25. Juli 2026) und 163.127.063 ausstehenden Aktien (Stand 31. März 2026) ergibt sich ein Kurs in der Größenordnung von 34 US-Dollar je Aktie. Gegenprobe aus einem Originaldokument: Das Formblatt 144 vom 12. Juni 2026 nennt für 78.569 verkaufte Aktien einen Marktwert von 2.753.843 US-Dollar — das entspricht rund 35 US-Dollar je Aktie und damit einem Börsenwert von 5,7 Milliarden. Die Abweichung liegt bei drei Prozent; die Größenordnung trägt also.
Auf den Zwölfmonatsumsatz von 705,9 Millionen US-Dollar (zweites Quartal 2025 bis erstes Quartal 2026) ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 7,9. Für einen Spezialchemie-Konzern ist das viel — hier zahlt der Markt für die Marge, nicht für die Größe. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 mangels Gewinn gar nicht bilden; der Analysten-Konsens erwartet für 2026 rund 1,61 US-Dollar je Aktie und für 2027 rund 1,89 (Datenstand 25. Juli 2026), was ungefähr dem 21-Fachen (2026) beziehungsweise 18-Fachen (2027) des erwarteten Gewinns entspricht. Am Buchwert gemessen — rund 7,39 US-Dollar je Aktie — handelt die Aktie beim etwa 4,6-Fachen.
Die aussagekräftigste Größe ist bei dieser Firma der Unternehmenswert gegen das bereinigte Segmentergebnis. Nettofinanzschulden: 1.225,0 Millionen US-Dollar Anleihen minus 91,6 Millionen Kasse, also rund 1,13 Milliarden. Nimmt man die Gründer-Verbindlichkeit (364,3 Millionen) und die Vorzugsaktien (118,3 Millionen) hinzu, liegt der Unternehmenswert bei grob 7,2 Milliarden US-Dollar — das 21- bis 22-Fache des Segment-Adjusted-EBITDA von 331,7 Millionen aus dem Jahr 2025. Der Blick der Profis: Das durchschnittliche Analysten-Kursziel lag bei 45 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026), die 52-Wochen-Spanne bei 15,43 bis 38,17 US-Dollar — zwischen tiefstem und höchstem Stand des Jahres liegt also der Faktor 2,5. Und genau das ist die Pointe dieser Analyse: Jeder Dollar, um den der maßgebliche Jahresdurchschnittskurs über die Vorjahresmarke steigt, löst 18 Cent Gebühr aus — multipliziert mit 157.137.410 Aktien.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Perimeter Solutions spricht:
- Das Brandschutz-Segment erzielte 2025 eine bereinigte Segmentmarge von 59,4 Prozent (290,5 Millionen US-Dollar auf 488,9 Millionen Umsatz) — Zulassungen, Ausrüstung und Service an den Tankerbasen sind eine hohe Eintrittshürde.
- Langfristige Verträge: Fünfjahresvertrag mit USDA Forest Service und Bureau of Land Management (September 2025), zwei weitere Fünfjahresverträge im April 2026, darunter mit der Defense Logistics Agency (Höchstwert rund 500 Millionen US-Dollar).
- Wachstum ist real: Umsatz 2023 bis 2025 von 322,1 auf 652,9 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 nochmals +73,6 Prozent.
- Der Betrieb erzeugt Geld: 238,1 Millionen US-Dollar operativer Cashflow 2025 bei 44,8 Millionen Investitionen in Sach- und immaterielle Anlagen.
- MMT verbreitert die Basis: Das Segment Specialty Products verdoppelte sich im ersten Quartal 2026 auf 79,6 Millionen US-Dollar Umsatz und ist damit weniger wetterabhängig.
Was dagegen spricht:
- Die Gründer-Gebühr läuft fest bis Ende 2027 (2.357.061 Aktien je Jahr) und variabel bis Ende 2031 (18 Prozent des Kursanstiegs auf 157.137.410 Aktien) — 2025 kostete sie 469,1 Millionen US-Dollar oder 71,9 Prozent des Jahresumsatzes.
- Verwässerung: +9,2 Prozent Aktien in einem Quartal (149.440.060 auf 163.127.063), Restverbindlichkeit 364,3 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026.
- Klumpenrisiko: 43 Prozent des Umsatzes 2025 von zwei US-Behörden, die Verträge aus Zweckmäßigkeitsgründen kündigen dürfen.
- Bilanzstruktur: 82,7 Prozent der Bilanzsumme sind Goodwill und immaterielle Vermögenswerte; 2023 gab es bereits eine Abschreibung über 40,7 Millionen US-Dollar.
- Schuldenlast: 1.225,0 Millionen US-Dollar Anleihen (5,00 Prozent bis 2029, 6,250 Prozent bis 2034), Zinsaufwand im ersten Quartal 2026 von 9,6 auf 24,4 Millionen gestiegen, Kasse von 325,9 auf 91,6 Millionen gefallen.
- Saisonalität: 48 Prozent des Jahresumsatzes 2025 fielen im dritten Quartal an — einzelne Quartale sagen wenig, eine schwache Waldbrandsaison trifft direkt.
- Governance: Auf der Hauptversammlung am 28. Mai 2026 erhielt Direktorin Tracy Britt Cool 81.334.482 Ja- gegen 55.806.283 Nein-Stimmen — rund 41 Prozent Gegenstimmen bei einer Person, die zugleich zum Gründer-Vehikel gehört.
Ein menschliches Fazit
Kehren wir zur Gleichlauf-Falle zurück. Sie ist deshalb so tückisch, weil sie mit einer richtigen Beobachtung beginnt: Bei Perimeter Solutions verdienen die Gründer tatsächlich nur, wenn der Kurs steigt. Kein Fixhonorar auf das Vermögen, keine Zahlung im Rückwärtsgang, keine Prämie für pures Größerwerden. Wer nach Anreiz-Hygiene sucht, findet hier mehr davon als in den meisten Vorstandsverträgen.
Die Falle schnappt einen Schritt später zu — bei der Höhe. 18 Prozent des Kursanstiegs auf 157 Millionen Aktien, jedes Jahr neu, bis 2031. Das ist kein Bonus, das ist eine Beteiligung am Wertzuwachs deines eigenen Investments, die vor dir bedient wird. 2025 waren es 469,1 Millionen US-Dollar — bei 652,9 Millionen Umsatz. Und die Zahlung erfolgte in genau der Währung, die dir gehört: neue Aktien und Bargeld aus der Kasse deines Unternehmens.
Was bleibt, ist ein ungewöhnlich klares Bild. Da ist ein Geschäft, das man sich wünscht: hohe Margen, harte Zulassungshürden, ein Bedarf, der mit dem Klima eher wächst als schrumpft, jetzt verbreitert um eine Medizintechnik-Sparte. Und da ist eine Vertragskonstruktion aus dem Jahr 2019, die einen erheblichen Teil des Erfolgs abzweigt, bevor er bei dir ankommt — vollständig offengelegt, wörtlich nachlesbar, seit dem Börsengang bekannt. Beides ist wahr. Der Rest ist eine Frage des Preises, den du dafür zahlst, und der Jahre, die du warten willst: 2028 fällt der feste Teil weg, 2032 der variable. Wie bei dem Handwerksmeister mit den fünf Beratern gilt: Die Werkstatt läuft. Die Frage ist nur, wie viel vom Ertrag am Ende bei dir liegt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Jahr 2025 (eingereicht am 26. Februar 2026) — Item 1 Business und „Significant Customers“, Item 1A Risikofaktoren, Note 11 „Stock-Based Compensation“, Note 12 „Fair Value Measurements“, Note 13 „Related Parties“, Segmentangaben.
- Perimeter Solutions, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 6. Mai 2026, jüngster Periodenbericht) — Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel, Note 4 „Business Combinations“, Note 8 „Debt“, Note 16 „Segment Information“, Note 17 „Subsequent Events“.
- Perimeter Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Jahr 2024 (eingereicht am 20. Februar 2025) — Vorjahresvergleich.
- Perimeter Solutions, Inc., SEC-Quartalsberichte 10-Q zum 31. März 2025, 30. Juni 2025 und 30. September 2025 — Quartalsumsätze.
- Perimeter Solutions, Inc., Formblatt 8-K vom 28. Mai 2026, Item 5.07 — Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung 2026, Bestätigung von KPMG LLP als Abschlussprüfer.
- William N. Thorndike, Jr., Schedule 13D vom 10. März 2026 (Stichtag 3. März 2026) — 9.309.341 Aktien, 5,7 Prozent.
- Vivek Raj, Formblatt 144 vom 12. Juni 2026 — 78.569 Aktien, Marktwert 2.753.843 US-Dollar.
- SEC-Stammdaten zu CIK 0001880319 (Firmenname, früherer Name „Perimeter Solutions, SA“, Börsenplatz NYSE, Einreichungshistorie).
- Screener- und Rating-Daten: hauseigener Aktien-Scanner (Datenstand 25. Juli 2026), darunter der Big-Earnings-Surprise-Scanner (US-Auswahl, Platz 12 von 81 Treffern, RS-Rating 91).
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Analysten-Konsens, Kursspannen; Datenstand 25. Juli 2026).
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag; die Bewertungsangaben sind Größenordnungen zum genannten Datenstand, keine Kursprognosen. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Perimeter Solutions.
Unser Fazit auf einen Blick
- Operative Ertragskraft positiv
- Das Segment Fire Safety erzielte 2025 ein bereinigtes Segmentergebnis von 290,5 Millionen US-Dollar auf 488,9 Millionen Umsatz — 59,4 Prozent Marge. Konzernweit stieg der Umsatz 2023 bis 2025 von 322,1 auf 652,9 Millionen, im ersten Quartal 2026 nochmals um 73,6 Prozent auf 125,1 Millionen. Ohne die Gründer-Gebühr hätte 2025 ein Betriebsgewinn von 234,2 Millionen gestanden.
- Gründer-Vergütung & Verwässerung negativ
- Die Vereinbarung von 2019 zahlt bis Ende 2027 jährlich 2.357.061 Aktien fix und bis Ende 2031 zusätzlich 18 Prozent des Kursanstiegs auf 157.137.410 Aktien. Für 2025 waren das 469,1 Millionen US-Dollar oder 71,9 Prozent des Jahresumsatzes, beglichen mit 13.387.002 Aktien und 95,7 Millionen bar. Die ausstehende Aktienzahl stieg in einem Quartal um 9,2 Prozent; die Restverbindlichkeit lag am 31. März 2026 bei 364,3 Millionen.
- Ergebnisqualität negativ
- Die Ergebniszeile misst den eigenen Aktienkurs mit: 2023 hob die Gründer-Gebühr das Betriebsergebnis um 108,5 Millionen US-Dollar an, 2024 belastete sie mit 198,3 Millionen, 2025 mit 435,2 Millionen, im ersten Quartal 2026 entlastete sie wieder um 76,4 Millionen. Ohne sie hätte das erste Quartal 2026 einen Betriebsverlust von 3,9 Millionen ausgewiesen statt 72,5 Millionen Gewinn.
- Bilanz & Verschuldung negativ
- Nach dem MMT-Kauf für 682,3 Millionen US-Dollar bestehen 82,7 Prozent der Bilanzsumme aus Goodwill (1.365,4 Millionen) und immateriellen Vermögenswerten (1.250,0 Millionen). Die Anleihen summieren sich auf 1.225,0 Millionen, der Zinsaufwand stieg im ersten Quartal 2026 von 9,6 auf 24,4 Millionen, die Kasse fiel von 325,9 auf 91,6 Millionen (Stand 31. März 2026).
- Kundenstruktur neutral
- 43 Prozent des Umsatzes 2025 kamen von zwei US-Behörden (USDA Forest Service 32 Prozent, Bureau of Land Management 11 Prozent). Dem steht eine ungewöhnlich lange Vertragsbindung gegenüber: Fünfjahresvertrag mit beiden seit September 2025 und zwei weitere Fünfjahresverträge im April 2026, darunter mit der Defense Logistics Agency über bis zu rund 500 Millionen US-Dollar.
- Bewertung neutral
- Rund 5,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 25. Juli 2026) entsprechen dem 7,9-Fachen des Zwölfmonatsumsatzes von 705,9 Millionen und dem 4,6-Fachen des Buchwerts; der Unternehmenswert liegt beim 21- bis 22-Fachen des bereinigten Segmentergebnisses von 331,7 Millionen (2025). Für die Marge ist das vertretbar, für einen Titel mit dieser Gebührenstruktur wenig Spielraum.
Perimeter Solutions ist die Gleichlauf-Falle in Reinform: Fünf Gründer verdienen nur, wenn der Aktienkurs steigt — aber sie verdienen 18 Prozent des Anstiegs auf 157.137.410 Aktien, jedes Jahr neu bis 2031. 2025 waren das 469,1 Millionen US-Dollar bei 652,9 Millionen Konzernumsatz; der Bewertungsaufwand von 435,2 Millionen drehte ein Betriebsergebnis von rechnerisch +234,2 auf −200,9 Millionen und führte zu einem Nettoverlust von 206,4 Millionen. Bezahlt wurde mit 13.387.002 neuen Aktien und 95,7 Millionen bar, was den operativen Cashflow im ersten Quartal 2026 auf −89,0 Millionen drückte. Darunter liegt ein wirklich gutes Geschäft mit 59,4 Prozent Segmentmarge im Brandschutz, langen Behördenverträgen und einer frisch gekauften Medizintechnik-Sparte — finanziert mit 550 Millionen neuer Schulden. Keine Anlageberatung.
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Perimeter Solutions über den hauseigenen Aktien-Scanner: Platz 12 der US-Auswahl im Big-Earnings-Surprise-Ranking (81 Treffer), RS-Rating 91, Stand 25. Juli 2026. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme. Das Kriterium misst die Abweichung des gemeldeten von einem geschätzten Gewinn je Aktie — beide Größen sind bereinigt und lassen die Gründer-Gebühr außen vor.
- Verwechslungsgefahr bei der Identität: Die Gesellschaft hieß bis zum 20. November 2024 „Perimeter Solutions, SA“ und war in Luxemburg eingetragen; seither ist sie eine Delaware-Gesellschaft namens „Perimeter Solutions, Inc.“ (SEC-CIK 1880319, Berichte 10-K/10-Q). Der Ticker PRM wurde vor dem Börsengang am 9. November 2021 von einer anderen Gesellschaft geführt — Kurshistorien vor diesem Datum gehören nicht zu diesem Unternehmen.
- Datenstand und Aktualität: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 6. Mai 2026. Alle danach eingereichten Dokumente wurden durchgesehen (Formblatt 8-K vom 28. Mai 2026 zur Hauptversammlung, Formblätter 4 und 144 zu Insider-Transaktionen); ein neuerer Periodenbericht lag am 25. Juli 2026 nicht vor. Bewertungsangaben sind Größenordnungen zum Datenstand 25. Juli 2026, keine Tageskurse.
Häufige Fragen
Wegen der Gründer-Gebühr. 2025 stieg der Umsatz um 16,4 Prozent auf 652,9 Millionen US-Dollar, das Bruttoergebnis auf 375,2 Millionen. Die Zeile „Founders advisory fees - related party“ belastete aber mit 435,2 Millionen und drehte das Betriebsergebnis von rechnerisch +234,2 Millionen auf −200,9 Millionen; netto blieb ein Verlust von 206,4 Millionen. Der Posten ist eine Zeitwertänderung: Steigt der Aktienkurs, steigt der Aufwand.
Eine Beratungsvereinbarung vom 12. Dezember 2019, die Perimeter Solutions am 9. November 2021 von EverArc Holdings übernommen hat. Das Vehikel EverArc Founders, LLC erhält bis Ende 2027 jährlich 2.357.061 Aktien fix und bis Ende 2031 zusätzlich 18 Prozent des Kursanstiegs über die Vorjahresmarke, gerechnet auf 157.137.410 Aktien. Mindestens die Hälfte wird in Aktien gezahlt, der Rest in bar. Hinter dem Vehikel stehen fünf Direktoren der Gesellschaft.
Für das Jahr 2025 wurden 13.387.002 Aktien ausgegeben, dazu 95,7 Millionen US-Dollar bar gezahlt (19. Februar 2026). Die ausstehende Aktienzahl stieg dadurch — mit 300.000 Aktien aus Optionen — von 149.440.060 zum 31. Dezember 2025 auf 163.127.063 zum 31. März 2026, also um 9,2 Prozent in einem Quartal. Für 2024 waren es nur 1.837.304 Aktien, weil der Durchschnittskurs unter der Vorjahresmarke lag.
Am 22. Januar 2026 erwarb Perimeter 100 Prozent der Medical Manufacturing Technologies, LLC aus Charlotte, North Carolina, für 682,3 Millionen US-Dollar in bar. MMT baut automatisierte Fertigungsanlagen für Medizinprodukte und gehört zum Segment Specialty Products. Von der Kaufsumme entfielen 303,8 Millionen auf den Geschäfts- und Firmenwert und 375,4 Millionen auf immaterielle Vermögenswerte. Finanziert wurde der Kauf mit einer Anleihe über 550,0 Millionen zu 6,250 Prozent.
Die USDA Forest Service und das U.S. Bureau of Land Management. Sie standen im Geschäftsjahr 2025 für 32 beziehungsweise 11 Prozent des Konzernumsatzes, zusammen also 43 Prozent. Kein weiterer Kunde erreichte 10 Prozent. Im September 2025 wurde mit beiden ein Fünfjahresvertrag geschlossen; im April 2026 kamen zwei weitere Fünfjahresverträge dazu, darunter einer mit der Defense Logistics Agency mit einem Höchstvertragswert von rund 500 Millionen US-Dollar.
Weil die Nachfrage nach Löschmitteln der Waldbrandsaison folgt. 2025 verteilte sich der Umsatz auf 72,0 Millionen US-Dollar (erstes Quartal), 162,6 Millionen (zweites), 315,4 Millionen (drittes) und 102,8 Millionen (viertes). Allein das dritte Quartal brachte 48 Prozent des Jahresumsatzes. Einzelne Quartale taugen deshalb nicht zur Hochrechnung; aussagekräftig sind Jahres- oder Zwölfmonatswerte.
Günstig sieht anders aus. Bei rund 5,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 25. Juli 2026) und 705,9 Millionen Zwölfmonatsumsatz liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 7,9, der Buchwert wird mit dem 4,6-Fachen bezahlt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2025 gibt es mangels Gewinn nicht; auf den Analysten-Konsens für 2026 (rund 1,61 US-Dollar je Aktie) entspricht der Kurs etwa dem 21-Fachen. Der Unternehmenswert liegt beim 21- bis 22-Fachen des bereinigten Segmentergebnisses von 331,7 Millionen (2025).
Weil die Gesellschaft am 20. November 2024 aus Luxemburg nach Delaware umgezogen ist. Bis dahin war sie als Perimeter Solutions, SA im luxemburgischen Handelsregister unter B 256.548 eingetragen; seither firmiert sie als Perimeter Solutions, Inc. Bei der US-Börsenaufsicht SEC läuft sie unverändert unter der CIK-Nummer 1880319 und reicht weiterhin 10-K und 10-Q ein. Manche Datenanbieter führen noch den alten Namen.
Fehler gefunden?
Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.