Börsenlotse
Kauftag heute: Neutral (62 ) Breite Marktteilnahme · Breite steigend (+3 zum 10-Tage-Schnitt) · Makro-Großtermin direkt benachbart

Hyperwachstum: Jeder vierte Kauf feuert im Abwärtstrend

Hyperwachstum: Jeder vierte Kauf feuert im Abwärtstrend

85 der 349 organischen Hyperwachstums-Käufe — fast jeder vierte — feuerten mitten in einem Abwärtstrend, und genau diese Gruppe hat in jeder der vier getesteten Haltedauern den schlechtesten Median; ihr Teildepot verlor zwischenzeitlich bis zu 95,80 Prozent. Der eigentlich erhoffte Timing-Filter — bestätigter Aufwärtstrend nach Stan Weinstein plus Nähe zum 52-Wochen-Hoch — wirkt dagegen nur bei zwölf Monaten Haltedauer, wo er die Jahresrendite von 18,13 auf 25,36 Prozent hebt; bei drei Monaten kostet er 12,86 Prozentpunkte. Vermeiden ist in dieser Studie der verlässlichere Hebel als Timen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
Hyperwachstum: Jeder vierte Kauf feuert im Abwärtstrend
Börsenlotse

Fast jeder vierte Kauf feuerte mitten im Abwärtstrend — und genau diese Käufe waren in jeder getesteten Haltedauer die schlechtesten. Das ist der Befund, wenn man 349 Kaufsignale für organisches Umsatz-Hyperwachstum danach sortiert, in welcher Chart-Phase die Aktie am Kauftag stand. Vorausgegangen war unsere Basis-Studie zum Organik-Backtest: Firmen, die ihren Umsatz sieben Quartale in Folge aus eigener Kraft steigerten, schlugen den S&P 500 Total Return in jeder Haltedauer (18,13 bis 31,83 Prozent pro Jahr gegen 15,02 Prozent), zum Preis von Rückschlägen zwischen −52,07 und −55,04 Prozent. Diese Folgestudie stellt an dieselben Käufe eine reine Timing-Frage: Lässt sich mit einem einfachen technischen Filter etwas gewinnen — mehr Rendite, weniger Rückschlag, oder beides?

Die ehrliche Antwort fällt zweigeteilt aus, und die beiden Ebenen dürfen nicht vermischt werden. Auf Ebene der Einzelposition ist der Befund glasklar und gilt in allen vier Haltedauern: Käufe im Aufwärtstrend (Stage 2) haben den besten Median, Käufe im Abwärtstrend (Stage 4) den schlechtesten. Auf Ebene des Depots trägt der Kombi-Filter dagegen nur bei zwölf Monaten Haltedauer und bei „solange das Signal steht"; bei drei und sechs Monaten kostet er Rendite — und gerade dort sind die Depotzahlen ohnehin zu dünn besetzt, um viel zu tragen: Das Drei-Monats-Kombidepot hält im Median zwei Titel.

Der robustere Befund dieser Studie ist deshalb nicht der Timing-Gewinn, sondern die Vermeidung. Stage-4-Käufe sind die mit Abstand schwächste Gruppe: schlechtester Median in allen vier Haltedauern, bis −14,04 Prozent; auf Depotebene in drei von vier Haltedauern hinter jeder anderen Stage, bei sechs und zwölf Monaten mit −0,41 und 0,82 Prozent nahe null; Rückschläge bis −95,80 Prozent. Was diese Studie nicht sagt: Wie viel ein Depot gewinnen würde, das einfach alle Stage-4-Käufe weglässt — diese Variante haben wir nicht gerechnet. Datenstand: 8. August 2026.

Die Weinstein-Stage: vier Chart-Phasen, mechanisch bestimmt

Die technische Analyse nach Stan Weinstein teilt den Kursverlauf einer Aktie in vier wiederkehrende Phasen: Stage 1 (Bodenbildung, Kurs pendelt seitwärts nach einem Abschwung), Stage 2 (Aufwärtstrend, der eigentliche Kaufbereich), Stage 3 (Topbildung, Kurs pendelt seitwärts nach einem Aufschwung) und Stage 4 (Abwärtstrend). Wir bestimmen die Stage für jeden Kauftag mechanisch aus dem gleitenden 150-Tage-Durchschnitt (SMA150) und dessen Steigung über die letzten 21 Handelstage: Liegt der Kurs über einem um mindestens 1 Prozent steigenden SMA150, gilt Stage 2; liegt er unter einem um mindestens 1 Prozent fallenden SMA150, gilt Stage 4. Ist die Steigung flacher als 1 Prozent in beide Richtungen, entscheidet die Vorphase über Stage 1 oder Stage 3. Ergänzend messen wir die Nähe zum 52-Wochen-Hoch: „nah" bedeutet höchstens 25 Prozent unter dem höchsten Schlusskurs der letzten 252 Handelstage.

Von den 349 organischen Käufen entfallen 5 auf Firmen mit weniger als 170 Handelstagen Kurshistorie vor dem Kauf („zu jung", meist frische Börsengänge) — für sie ist keine Stage bestimmbar. Bei 47 der 349 Käufe (13,5 Prozent) ist die Zuordnung „unscharf", weil weder Kurs-Steigung noch Vorphase eindeutig genug für eine klare Entscheidung waren. Diese Unschärfe betrifft ausschließlich Stage 1 und Stage 3 — die für diese Studie entscheidenden Klassen, Stage 2 und Stage 4, sind in jedem einzelnen Fall scharf abgegrenzt.

Stage-Verteilung der 349 organischen Käufe am Kauftag
StagenAnteildavon unscharf
Stage 1 (Bodenbildung)3610,3 %16
Stage 2 (Aufwärtstrend)15644,7 %0
Stage 3 (Topbildung)6719,2 %31
Stage 4 (Abwärtstrend)8524,4 %0
zu jung (IPO)51,4 %

Fast ein Viertel der organischen Kaufsignale (24,4 Prozent) feuerte demnach in einem Abwärtstrend — das Umsatzsignal allein unterscheidet nicht zwischen einem Titel, der gerade dreht, und einem, der weiter fällt. Der Median-Abstand zum 52-Wochen-Hoch über alle 349 Käufe liegt bei −19,74 Prozent; 198 der 349 Käufe (56,7 Prozent) liegen innerhalb der 25-Prozent-Grenze zum Jahreshoch.

Rendite je Stage: auf Positionsebene eindeutig, auf Depotebene erst bei langer Haltedauer

Wir haben für jede Stage und jede der vier Haltedauern der Basis-Studie ein eigenes Teildepot gerechnet, mit derselben gleichgewichteten Methode wie dort.

Rendite p. a. je Stage, alle vier Haltedauern (größter Rückschlag in Klammern)
Stage3 Monate6 Monate12 Monate (Hauptmodus)solange Signal steht
Stage 110,88 % (−60,37 %)14,19 % (−63,61 %)5,33 % (−93,46 %)19,20 % (−57,00 %)
Stage 216,94 % (−55,66 %)20,75 % (−53,25 %)22,95 % (−50,85 %)24,97 % (−42,10 %)
Stage 318,53 % (−62,69 %)29,98 % (−69,83 %)22,49 % (−80,80 %)24,45 % (−70,72 %)
Stage 419,00 % (−87,28 %)−0,41 % (−95,80 %)0,82 % (−82,39 %)13,11 % (−72,51 %)

Auf Positionsebene ist das Muster eindeutig: Stage 2 hat in allen vier Haltedauern den höchsten Median und die höchste Trefferquote, Stage 4 den niedrigsten Median — und in drei von vier Haltedauern auch die niedrigste Trefferquote; nur bei sechs Monaten liegt Stage 1 mit 36,1 Prozent knapp unter den 36,5 Prozent von Stage 4. Im Hauptmodus mit zwölf Monaten Haltedauer ist der Abstand am größten — Median +3,77 Prozent bei Stage 2 (147 Positionen, Trefferquote 55,1 Prozent) gegen Median −14,04 Prozent bei Stage 4 (83 Positionen, Trefferquote 41,0 Prozent).

Beim Median halten diese beiden Ränder — Stage 2 oben, Stage 4 unten — in jeder einzelnen Haltedauer:

Positionsebene je Stage: Median der Einzelposition und Trefferquote (Anteil Positionen im Plus)
Stage3 Monate6 Monate12 Monate (Hauptmodus)solange Signal steht
Stage 1+0,07 % / 52,8 %−7,83 % / 36,1 %−0,33 % / 50,0 %+1,62 % / 52,8 %
Stage 2+6,02 % / 60,3 %+3,23 % / 55,6 %+3,77 % / 55,1 %+1,87 % / 53,2 %
Stage 3+3,52 % / 56,7 %−0,17 % / 48,5 %−0,53 % / 47,7 %+0,45 % / 52,2 %
Stage 4−7,31 % / 43,5 %−9,56 % / 36,5 %−14,04 % / 41,0 %−13,44 % / 35,3 %

Auf Depotebene bestätigt sich das nur teilweise, und genau hier liegt eine Warnung vor vorschnellen Schlüssen: Bei drei Monaten Haltedauer liegt Stage 4 mit 19,00 Prozent pro Jahr sogar leicht über Stage 2 (16,94 Prozent) — obwohl der Median der einzelnen Stage-4-Käufe bei −7,31 Prozent liegt. Der Grund sind wenige extreme Einzelmonate mit sehr dünner Besetzung, die eine gleichgewichtete Monatsrendite verzerren können (mehr dazu im Abschnitt zu den Einschränkungen). Bei sechs und zwölf Monaten Haltedauer verschwindet dieser Effekt, und Stage 4 fällt deutlich hinter Stage 2 zurück.

Der Kombi-Filter: Was er bringt, und wo er kostet

Aus der Stage-Klassifikation und der Hoch-Nähe bauen wir fünf Teilmengen desselben organischen Arms: den vollen Arm (a), nur Stage-2-Käufe (b), nur Käufe nah am Hoch (c), die Kombination aus beidem (d, das eigentliche Rezept) und, zum Vergleich, nur Stage-4-Käufe (e).

Attribution je Haltedauer, organischer Arm, Hauptsignal f7_x2.0 (Vergleich: S&P 500 TR 15,02 % p. a. / −23,87 %)
HaltedauerTeilmengenRendite p. a.größter Rückschlag
3 Monatea) organisch gesamt34931,83 %−54,77 %
b) + Stage 215616,94 %−55,66 %
c) + nah am Hoch19816,44 %−52,34 %
d) Kombi (Stage 2 + nah am Hoch)14318,97 %−55,66 %
e) + Stage 48519,00 %−87,28 %
6 Monatea) organisch gesamt34525,23 %−55,04 %
b) + Stage 215320,75 %−53,25 %
c) + nah am Hoch19417,87 %−46,12 %
d) Kombi (Stage 2 + nah am Hoch)14020,20 %−53,21 %
e) + Stage 485−0,41 %−95,80 %
12 Monate (Hauptmodus)a) organisch gesamt33618,13 %−52,07 %
b) + Stage 214722,95 %−50,85 %
c) + nah am Hoch18818,56 %−45,53 %
d) Kombi (Stage 2 + nah am Hoch)13425,36 %−47,30 %
e) + Stage 4830,82 %−82,39 %
solange Signal stehta) organisch gesamt34926,03 %−53,67 %
b) + Stage 215624,97 %−42,10 %
c) + nah am Hoch19825,52 %−39,08 %
d) Kombi (Stage 2 + nah am Hoch)14326,88 %−38,90 %
e) + Stage 48513,11 %−72,51 %

Vier Beobachtungen aus dieser Tabelle sind für die Praxis entscheidend:

Der Kombi-Filter hebt die Rendite nur in zwei von vier Haltedauern. Im Hauptmodus (12 Monate) steigt sie von 18,13 auf 25,36 Prozent (+7,23 Prozentpunkte), bei „solange das Signal steht" minimal von 26,03 auf 26,88 Prozent (+0,85 Prozentpunkte). Bei drei Monaten sinkt sie dagegen von 31,83 auf 18,97 Prozent (−12,86 Prozentpunkte), bei sechs Monaten von 25,23 auf 20,20 Prozent (−5,03 Prozentpunkte). Der Filter ist damit kein durchgehender Renditehebel, sondern wirkt nur bei langer Haltedauer.

Beim Rückschlag ist der Befund einheitlicher. Der Kombi-Rückschlag ist in drei von vier Haltedauern kleiner oder gleich dem des vollen Arms — am deutlichsten bei „solange das Signal steht" (−53,67 % → −38,90 %, 14,77 Prozentpunkte besser) und im Hauptmodus (−52,07 % → −47,30 %). Nur bei drei Monaten Haltedauer verschlechtert er sich leicht.

Beide Filter-Bausteine wirken einzeln schwächer als zusammen — in drei von vier Haltedauern. Im Hauptmodus bringt Stage 2 allein 22,95 Prozent, Hoch-Nähe allein 18,56 Prozent, zusammen 25,36 Prozent; bei drei Monaten 16,94 und 16,44 gegen 18,97 Prozent; bei „solange das Signal steht" 24,97 und 25,52 gegen 26,88 Prozent. Einzige Ausnahme sind sechs Monate: Dort liegt Stage 2 allein mit 20,75 Prozent über der Kombination mit 20,20 Prozent.

Kein Modus schlägt den S&P 500 Total Return bei gleichzeitig besserem Rückschlag. Das beste Kombi-Ergebnis (solange, 26,88 Prozent bei −38,90 Prozent) liegt bei der Rendite klar über dem Index (15,02 Prozent) — sein Rückschlag bleibt mit −38,90 Prozent aber deutlich tiefer, also schlechter, als der des Index mit −23,87 Prozent.

Die ehrliche Kernbotschaft: Vermeiden ist der verlässlichere Hebel

Der eigentliche Fund dieser Studie ist nicht der Timing-Gewinn im Hauptmodus, so real er ist — es ist der Vermeidungs-Effekt. Auf Positionsebene haben Stage-4-Käufe in allen vier Haltedauern den schlechtesten Median (−7,31 bis −14,04 Prozent) und in drei von vier auch die niedrigste Trefferquote (35,3 bis 43,5 Prozent; bei sechs Monaten liegt Stage 1 mit 36,1 Prozent knapp darunter). Auf Depotebene (Teilmenge e in der Tabelle oben) liegen sie in drei von vier Haltedauern hinter jeder anderen Stage: −0,41 Prozent bei sechs Monaten, 0,82 Prozent im Hauptmodus, 13,11 Prozent bei „solange das Signal steht", bei Rückschlägen zwischen −72,51 und −95,80 Prozent. Die scheinbare Ausnahme bei drei Monaten (19,00 Prozent) ist, wie oben gezeigt, ein Dünnbesetzungs-Artefakt weniger extremer Einzelmonate — kein echter Gegenbefund.

Eine Einschränkung gehört sofort dazu: Wir haben kein eigenes Depot „alles außer Stage 4" gerechnet. Die Aussage stützt sich auf den Vergleich der Stages untereinander — Stage 4 ist die schwächste Gruppe, in jeder Haltedauer auf Positionsebene und in dreien auch auf Depotebene. Was dieser Vergleich trägt, ist die Richtung, nicht eine Renditezahl für ein Depot ohne Stage-4-Käufe.

Das Kombi-Rezept schärft den Effekt zusätzlich: Es senkt in jeder Haltedauer den Anteil der Positionen, die mehr als 50 Prozent verlieren — bei drei Monaten von 4,0 auf 1,4 Prozent, bei sechs Monaten von 8,1 auf 2,9 Prozent, bei „solange" von 9,2 auf 4,2 Prozent und im Hauptmodus von 14,3 auf 8,2 Prozent. Das ist eine Senkung um 43 Prozent im Hauptmodus und um bis zu 65 Prozent bei den kurzen Haltedauern — bei zwölf Monaten also spürbar weniger als eine Halbierung.

Verteilungskennzahlen des Kombi-Rezepts (Stage 2 + nah am Hoch)
HaltedauernMedianTrefferquoteAnteil Positionen < −50 %zum Vergleich: voller Arm
3 Monate143+5,34 %59,4 %1,4 %4,0 %
6 Monate140+1,61 %54,3 %2,9 %8,1 %
12 Monate134+3,93 %56,0 %8,2 %14,3 %
solange Signal steht143+1,89 %53,8 %4,2 %9,2 %

Extremwerte im Kombi-Rezept mit zwölf Monaten Haltedauer: der beste Kauf war GRWG mit +193,81 %, der schlechteste NVAX mit −73,86 %. Von den 134 Kombi-Positionen sind 4 am Datenrand (Juli 2026) noch offen, eine endete per Zwangsverkauf wegen Delisting.

Wie robust ist das Kombi-Rezept?

Wir haben das Kombi-Rezept denselben drei Robustheitsproben unterzogen wie die Basis-Studie ihr organisches Grundsignal: ohne die Corona-verzerrte Kohorte 2021/2022, und mit anderen Schwellenwerten für Hoch-Nähe und Steigung.

Ohne die Jahre 2021/2022 — dieselbe Ausschlussregel wie in der Basis-Studie, weil das Signalfenster sieben Quartale lang ist und die Kohorte über die Jahresgrenze reicht:

Kombi-Rezept ohne Einstiege 2021/2022
HaltedauerKombi n (vorher → nachher)Kombi p. a. vollKombi p. a. ohne CovidΔKombi-Rückschlag ohne Covid
3 Monate143 → 8518,97 %16,66 %−2,31 Pp.−55,66 %
6 Monate140 → 8420,20 %18,13 %−2,07 Pp.−53,21 %
12 Monate134 → 7925,36 %21,17 %−4,19 Pp.−48,99 %
solange Signal steht143 → 8526,88 %13,28 %−13,60 Pp.−78,92 %

Im Hauptmodus übersteht das Kombi-Rezept den Ausschluss: 21,17 Prozent bleiben weiterhin über dem vollen organischen Arm ohne Covid (19,79 Prozent) und über dem Index. Der Vorsprung schrumpft aber deutlich, von 7,23 auf 1,38 Prozentpunkte — weil der Ausschluss das Rezept hart trifft: Rund 41 Prozent der Kombi-Käufe fallen weg, und im Hauptmodus stammen 46 der 134 Kombi-Einstiege (34,3 Prozent) allein aus dem Jahr 2022. Bei „solange das Signal steht" bricht das Ergebnis dagegen deutlich ein (26,88 % → 13,28 %), mit einem Rückschlag, der sich auf −78,92 Prozent verschlechtert. Bei drei und sechs Monaten Haltedauer bleibt das Kombi-Rezept in beiden Fassungen hinter dem vollen organischen Arm zurück.

Bei den Schwellenwerten zeigt sich der Hauptmodus stabil, andere Haltedauern weniger: Variiert man die Hoch-Nähe-Grenze zwischen 15 und 35 Prozent, bleibt die Zwölf-Monats-Rendite in einer Spanne von nur 1,30 Prozentpunkten (24,06 bis 25,36 Prozent), während sie bei sechs Monaten zwischen 14,81 und 21,93 Prozent schwankt (7,12 Prozentpunkte) — dort ist die Hoch-Nähe-Grenze keine belastbare Stellschraube. Variiert man stattdessen die Steigungs-Schwelle für Stage 2 zwischen 0,5 und 2,0 Prozent, steigt die Rendite in drei von vier Haltedauern monoton mit der Strenge des Filters — im Hauptmodus von 22,79 über 25,36 auf 28,96 Prozent — allerdings schrumpft die Stichprobe dabei auf 115 Positionen, und bei „solange das Signal steht" kehrt sich die Richtung um (26,88 → 24,40 Prozent).

Ein einziger besonders starker Monat trägt zudem spürbar zum Ergebnis bei: Ohne den besten Einzelmonat sinkt das Zwölf-Monats-Kombi von 25,36 auf 22,12 Prozent — der Monatsbeitrag von 2025-09 mit +42,75 Prozent bei nur 5 offenen Positionen macht 3,24 Prozentpunkte aus. Beim Drei-Monats-Kombi ist die Abhängigkeit noch größer: Ohne den besten Monat (2025-09, +78,39 Prozent bei einer einzigen offenen Position) sinkt die Rendite von 18,97 auf 14,00 Prozent — gut ein Viertel der ausgewiesenen Rendite hängt dort an einem einzigen Monat mit einem einzigen Titel.

Ehrliche Einschränkungen

Ein Teilmengen-Depot ist grundsätzlich dünner besetzt als das volle organische Depot der Basis-Studie — und das trifft die kürzeren Haltedauern besonders hart.

Besetzung der Depotmonate (Zahl offener Positionen je investiertem Monat)
Teilmengeinvestierte MonateMedian PositionenMonate mit < 3 PositionenMaximum
3 Monate, organisch gesamt1565,03270
3 Monate, Kombi1302,07735
6 Monate, organisch gesamt1628,51086
6 Monate, Kombi1474,03239
12 Monate, organisch gesamt16215,00123
12 Monate, Kombi1598,01650
solange, organisch gesamt16211,0090
solange, Kombi1566,02140

Das Drei-Monats-Kombidepot ist damit praktisch unbrauchbar als Rendite-Erwartung: Es hält im Median nur zwei Titel und ist in 77 von 130 investierten Monaten mit weniger als drei Positionen besetzt — eine solche Reihe misst Einzelschicksale, kein Rezept. Nur der Hauptmodus mit zwölf Monaten Haltedauer ist mit einem Median von 15 Titeln (voller Arm) beziehungsweise 8 Titeln (Kombi) einigermaßen tragfähig besetzt.

Weitere Einschränkungen, die zu jedem ehrlichen Blick auf diese Zahlen gehören:

Kohorten-Klumpen 2022. 34,3 Prozent der Zwölf-Monats-Kombi-Einstiege stammen aus dem einen Jahr 2022, dem Jahr des in der Basis-Studie belegten Corona-Basiseffekts. Der Ausschluss dieser Kohorte kostet, wie oben gezeigt, 4,19 Prozentpunkte im Hauptmodus.

Corona-Robustheit ist uneinheitlich. Der Hauptmodus (12 Monate) hält den Vorsprung des Kombi-Rezepts auch ohne die Corona-Kohorte, wenn auch geschrumpft. Bei „solange das Signal steht" bricht das Ergebnis dagegen ein — von 26,88 auf 13,28 Prozent, mit einem sich verschlechternden Rückschlag. Ein Befund, der nur in der einen Haltedauer robust ist, sollte nicht auf die anderen übertragen werden.

Unscharfe Zuordnungen bei Stage 1 und Stage 3. 47 von 349 Klassifikationen (13,5 Prozent) mussten über die Vorphase oder die Kursposition entschieden werden, weil weder eindeutig genug für eine klare Zuordnung war. Sie liegen ausschließlich in Stage 1 und Stage 3 — die Aussagen zu Stage 2 und Stage 4, auf denen das Kombi-Rezept beruht, sind davon nicht berührt, die Aussagen zu Stage 1 und Stage 3 dagegen mit Vorbehalt zu lesen.

Kleine Stichproben insgesamt. Das Kombi-Rezept beruht auf 134 bis 143 Positionen je Haltedauer, nach Corona-Ausschluss nur noch auf 79 bis 85. Bei der strengsten Steigungs-Schwelle sind es 115. Aus dieser Größenordnung lässt sich eine Richtung ablesen, keine belastbare Renditeerwartung.

Fünf Käufe ohne Stage. Frische Börsengänge mit weniger als 170 Handelstagen Historie fallen aus jeder Stage-Teilmenge heraus, auch aus dem Kombi-Rezept — bei jungen Titeln ist der Filter also gar nicht anwendbar. Dazu kommt die aus der Basis-Studie bekannte Universums-Lücke bei jüngeren Börsengängen (u. a. Upstart, Coinbase, SoFi fehlen im Kursbestand), die den Filter zusätzlich verschärft, weil er ohnehin lange Kurshistorie voraussetzt.

Die Schwellenwerte sind gesetzt, nicht optimiert. Die 1-Prozent-Steigungsgrenze und die 25-Prozent-Hoch-Nähe-Grenze stammen aus der klassischen Weinstein-Literatur und wurden für diese Studie nicht angepasst. Die Sensitivitäts-Rechnungen oben zeigen, wie viel am Ergebnis von genau diesen Werten abhängt — besonders bei der sechsmonatigen Haltedauer.

Drei Käufe im Detail — und zwei bewusst ausgeschlossene

Drei Beispiele aus dem Kombi-Rezept mit zwölf Monaten Haltedauer zeigen, wie die Klassifikation im Einzelfall arbeitet:

Stichprobe: drei Kombi-Mitglieder und zwei ausgeschlossene Käufe (12 Monate Haltedauer)
FirmaKauftagSteigung SMA150Abstand zum 52W-HochStatusRendite
JAZZ (Jazz Pharmaceuticals PLC)2013-01-31+3,50 %−4,97 %Kombi+168,41 %
AMD (Advanced Micro Devices Inc)2021-10-29+5,12 %−2,20 %Kombi−50,15 %
LITE (Lumentum Holdings Inc)2026-02-27+31,90 %−3,11 %Kombi (offen)+8,64 % (5 Monate)
FATAQ (FAT Brands Inc.)2022-03-31−2,63 %−43,39 %ausgeschlossen: Stage 4+1,28 %
HRMY (Harmony Biosciences Holdings)2021-11-30+4,79 %−28,61 %ausgeschlossen: fern vom Hoch+74,98 %

AMD zeigt, dass der Filter kein Renditegarant ist: ein lehrbuchreiner Stage-2-Kauf dicht am Jahreshoch, der über zwölf Monate dennoch die Hälfte seines Werts verlor. HRMY zeigt die Kehrseite des Filterns: ein Stage-2-Kauf, der 74,98 Prozent gebracht hätte, aber knapp an der 25-Prozent-Hoch-Nähe-Grenze scheiterte (−28,61 Prozent Abstand) und deshalb aus dem Kombi-Rezept fällt. Filter verwerfen also nicht nur schwache, sondern gelegentlich auch gute Käufe.

Was heißt das für die Praxis?

Die praktische Lesart dieser Studie ist bescheidener, als ein Timing-Rezept normalerweise verspricht — aber sie ist belastbar: In den getesteten Daten schnitten Käufe besser ab, wenn der Titel bereits in einem bestätigten Aufwärtstrend stand (Kurs über einem steigenden 150-Tage-Durchschnitt) und nicht zu weit vom Jahreshoch entfernt war; der Vorsprung zeigte sich allerdings nur bei rund zwölf Monaten Haltedauer, und auch dort geschrumpft. Das Gegenstück wiegt mindestens so schwer: Käufe im bestätigten Abwärtstrend — die Stage-4-Gruppe — lagen in drei von vier Haltedauern hinter jeder anderen Stage, bei sechs und zwölf Monaten nahe null (−0,41 und 0,82 Prozent), mit Rückschlägen zwischen −72,51 und −95,80 Prozent.

Auch der Kombi-Filter bleibt dabei nichts für schwache Nerven: Selbst im Hauptmodus mit zwölf Monaten Haltedauer bleibt der größte Rückschlag bei −47,30 Prozent — kaum besser als beim ungefilterten organischen Arm und immer noch doppelt so tief wie beim S&P 500. Für alle, die dieses Rezept auf heutige Kandidaten anwenden wollen, gibt es dazu jetzt einen rückgetesteten Scanner in unserer Rubrik für rückgetestete Scanner: Organisches Hyperwachstum im Aufwärtstrend. Er zeigt Titel, die die hier beschriebenen Kriterien — organisches Umsatz-Hyperwachstum, Stage 2, nah am 52-Wochen-Hoch — aktuell erfüllen. Das ist keine Kaufempfehlung, sondern ein Werkzeug, das dieselben Regeln anwendet, die in dieser Studie getestet wurden.

Wie diese Studie gerechnet wurde

Stage-Klassifikation. Am Kauftag, auf Tagesbasis, splitbereinigter Schlusskurs: SMA150 = Mittel der 150 Schlusskurse bis einschließlich des Kauftags; Steigung = prozentuale Veränderung des SMA150 über die letzten 21 Handelstage; „flach" bedeutet eine Steigung unter 1 Prozent in beide Richtungen. Stage 2 = Kurs über einem um mindestens 1 Prozent steigenden SMA150. Stage 4 = Kurs unter einem um mindestens 1 Prozent fallenden SMA150. Bei flacher Steigung entscheidet die Vorphase — der SMA150 von vor 21 Handelstagen im Vergleich zu dem von vor 63 Handelstagen — über Stage 1 oder Stage 3; bleibt auch das mehrdeutig, entscheidet die Kursposition, markiert als „unscharf". Firmen mit weniger als 170 Handelstagen Kurshistorie vor dem Kauf erhalten keine Stage-Zuordnung.

Nähe zum 52-Wochen-Hoch. Abstand = Schlusskurs geteilt durch den höchsten Schlusskurs der letzten 252 Handelstage (einschließlich Kauftag), minus 1. „Nah" bedeutet ein Abstand von höchstens 25 Prozent unter diesem Hoch.

Klassifikation je Kauf, nicht je Modus. Da die vier Haltedauern weitgehend dieselben Einstiege kaufen, läuft die Stage- und Hoch-Nähe-Bestimmung einmal je Kennnummer und Einstiegsmonat und wird auf alle vier Modi gejoint — 349 Klassifikationen decken 349 (m3), 345 (m6), 336 (m12) und 349 (solange) Positionen ab.

Depot-Methode. Identisch zur Basis-Studie: Zeitraum 2013-01 bis 2026-07 (163 Monate), gleichgewichtetes Mittel der Monatsrenditen aller in einem Kalendermonat offenen Positionen der jeweiligen Teilmenge, Monate ohne offene Position zählen mit Rendite null, Kurve als Verkettung der Monatsrenditen ab Startwert 1,0, Rückschlag gegen den laufenden Höchststand gemessen. Kosten von 0,1 Prozent je Kauf- und Verkaufsseite sind in den zugrunde liegenden Positionsrenditen bereits eingerechnet.

Reproduktions-Nachweis. Bevor die Stage-Auswertung lief, wurde dieselbe Depot-Methode gegen die publizierten Basis-Zahlen des vollen organischen Arms geprüft: Alle vier Haltedauern reproduzieren die Rendite auf 0,0000 Prozentpunkte genau (etwa 18,13 Prozent im Hauptmodus), ebenso die Positions- und Rückschlagszahlen — deutlich innerhalb der geforderten Toleranz von ±0,5 Prozentpunkten.

Vergleichsmaßstab. S&P 500 Total Return im selben Zeitraum: 15,02 Prozent pro Jahr, größter Rückschlag −23,87 Prozent — identisch zur Basis-Studie.

Quellen und Datenbasis. Historische Kursdaten des bestehenden Marktdaten-Bestands, punktgenau bis einschließlich des jeweiligen Kauftags — keine zusätzlichen Datenabrufe für diese Folgestudie, keine Schreibzugriffe auf den Bestand. Die organische Einstufung selbst stammt unverändert aus der Basis-Studie (SEC-Berichte, 10-K/10-Q). Datenstand: 8. August 2026.

Was aus dieser Studie nicht folgt

Dass ein Kombi-Filter aus Stage 2 und Hoch-Nähe im Hauptmodus die Rendite anhebt, heißt nicht, dass er das in jeder Haltedauer, in jeder Marktphase oder für jeden künftigen Kauf tut — bei drei und sechs Monaten Haltedauer kostet genau derselbe Filter nachweislich Rendite. Die kleinen und teils extrem dünn besetzten Stichproben (im Drei-Monats-Kombi streckenweise nur ein bis zwei Titel je Monat) bedeuten, dass sich aus diesen Zahlen eine Richtung, aber keine verlässliche Renditeerwartung ableiten lässt. Der Kohorten-Klumpen 2022 und die Abhängigkeit von einzelnen starken Monaten zeigen zusätzlich, wie sensibel selbst der robusteste Teilbefund (Hauptmodus) an bestimmten Zeiträumen hängt.

Diese Auswertung reiht sich in unsere eigenen Untersuchungen ganzer Aktienuniversen ein — angefangen bei der Basis-Studie zum organischen Hyperwachstum selbst bis hin zur Nachrechnung von Joel Greenblatts Magic Formula. Einzelne der hier genannten Unternehmen haben wir zusätzlich einzeln untersucht; die vollständige Sammlung steht in unseren Aktienanalysen.

Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen — auch der begleitende Scanner ersetzt keine eigene Prüfung. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen — im Zweifel mit fachlicher Beratung.

Häufige Fragen

Sie setzt auf der Basis-Studie zum organischen Hyperwachstum auf (organischer Arm B, Hauptsignal f7_x2.0) und stellt eine reine Timing-Frage: In welcher Chart-Phase nach der klassischen Weinstein-Einteilung (Stage 1 Bodenbildung, Stage 2 Aufwärtstrend, Stage 3 Topbildung, Stage 4 Abwärtstrend) stand ein Titel am Kauftag, und wie nah lag der Kurs am 52-Wochen-Hoch? Beides wird für alle 349 organischen Käufe mechanisch aus Kursen bis einschließlich des Kauftags bestimmt, in allen vier Haltedauern der Basis-Studie.

Nur teilweise, und nur bei bestimmten Haltedauern. Der Kombi-Filter (Stage 2 und höchstens 25 Prozent unter dem Jahreshoch) hebt die Jahresrendite im Hauptmodus mit zwölf Monaten Haltedauer von 18,13 auf 25,36 Prozent (+7,23 Prozentpunkte) und senkt den Rückschlag von −52,07 auf −47,30 Prozent. Bei „solange das Signal steht" ist der Effekt mit +0,85 Prozentpunkten nur minimal. Bei drei und sechs Monaten Haltedauer kostet der Filter dagegen Rendite — bei drei Monaten sogar −12,86 Prozentpunkte. Ein Universalhebel ist er also nicht.

Die Vermeidung von Stage-4-Käufen. Auf Positionsebene haben sie in allen vier Haltedauern den schlechtesten Median (−7,31 bis −14,04 Prozent) und in drei von vier auch die niedrigste Trefferquote (35,3 bis 43,5 Prozent; nur bei sechs Monaten liegt Stage 1 mit 36,1 Prozent knapp unter den 36,5 Prozent von Stage 4). Auf Depotebene liegen sie in drei von vier Haltedauern hinter jeder anderen Stage: −0,41 Prozent bei sechs Monaten, 0,82 Prozent bei zwölf Monaten, 13,11 Prozent bei „solange das Signal steht", bei Rückschlägen zwischen −72,51 und −95,80 Prozent. Ein eigenes Depot „alles außer Stage 4" haben wir dabei nicht gerechnet — die Aussage stützt sich auf den Vergleich der Stages untereinander.

Nur teilweise. Im Hauptmodus (12 Monate) übersteht der Kombi-Filter den Ausschluss der Jahre 2021/2022: Die Rendite bleibt mit 21,17 Prozent über dem vollen organischen Arm (19,79 Prozent) und über dem Index — der Vorsprung schrumpft aber von 7,23 auf 1,38 Prozentpunkte, weil 34,3 Prozent der Zwölf-Monats-Kombikäufe allein aus 2022 stammen. Bei „solange das Signal steht" bricht das Ergebnis dagegen ein, von 26,88 auf 13,28 Prozent, mit einem Rückschlag von −78,92 Prozent.

Mit Vorsicht zu lesen. Das Drei-Monats-Kombidepot hält im Median nur zwei Titel und ist in 77 von 130 investierten Monaten mit weniger als drei Positionen besetzt — eine Rendite, die dort Einzelschicksale misst, kein Rezept. Nur der Hauptmodus mit zwölf Monaten Haltedauer ist mit im Median acht Kombi-Titeln je Monat einigermaßen tragfähig besetzt. Zusätzlich hängt selbst dort ein guter Teil der Rendite an einzelnen starken Monaten.

Ja, das hier untersuchte Rezept (organisches Hyperwachstum, Stage 2, nah am Jahreshoch) ist als rückgetesteter Scanner „Organisches Hyperwachstum im Aufwärtstrend" verfügbar: /aktien/scanner/organisches-hyperwachstum-stage2. Das ist keine Kaufempfehlung und kein Kursziel — der Scanner zeigt lediglich, welche Titel die hier beschriebenen Filterkriterien heute erfüllen.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?