MicroVision: Aus 15 Aktien wird eine — und der Jahresumsatz 2025 ist kleiner als die Herstellkosten
Seit dem 1. August 2026 werden bei MicroVision je 15 alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt. Auf dem Kurszettel sieht die Aktie danach fünfzehnmal so wertvoll aus — im Unternehmen hat sich dadurch kein Cent bewegt. Die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC zeigen, worum es wirklich geht: 1,208 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025 standen 18,548 Millionen Herstellkosten gegenüber, unterm Strich 94,981 Millionen Jahresfehlbetrag. Der aufgelaufene Bilanzverlust seit Gründung erreichte zum 31. März 2026 exakt 982,556 Millionen US-Dollar. Die Aktienzahl stieg von 194,7 Millionen (Ende 2023) auf 344,6 Millionen (28. Mai 2026), und eine Nasdaq-Frist wegen des 1,00-Dollar-Mindestkurses läuft weiter. Wir lesen nach, was der Zusammenlegung vorausging — und was sie an der Rechnung ändert.
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Stand heute
Stand: 3. August 2026
- Schlusskurs
- 3,90 $ -3,50 %
- Marktkapitalisierung
- 1,4 Mrd. $
- Wachstums-Score
- 4/10
- AAQS
- 4/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 0,24 $ bis 3,90 $ · Letzter Kurs: 3,90 $ (Stand: 3. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die nichts mit Gier zu tun hat und trotzdem verlässlich funktioniert — die Stückzahl-Illusion. Sie geht so: Dein Kopf verwechselt die Zahl auf dem Preisschild mit dem Wert im Korb. Eine Aktie für 36 Cent — so viel kostete sie am 11. Juni 2026 laut dem eigenen Prospekt-Nachtrag des Unternehmens — fühlt sich nach Lotterielos an, nach „da kann ich ja tausend Stück kaufen“. Rechnerisch dieselbe Aktie für 5,40 Dollar fühlt sich seriöser an, erwachsener, wie ein richtiges Investment. Bei MicroVision, Inc. (NASDAQ: MVIS) kannst du diesen Wechsel gerade live beobachten: Seit dem 1. August 2026 werden je 15 alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt; der split-bereinigte Handel war laut der Meldung des Unternehmens für den 3. August 2026 vorgesehen. Am Unternehmen selbst hat sich dadurch kein einziger Cent verändert — es ist derselbe Kuchen, nur in weniger Stücke geschnitten. Machen wir also einen Deal: Bevor du auf das neue Etikett schaust, lesen wir gemeinsam, was drin ist. Die Quellen sind die Berichte, die MicroVision selbst bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat — der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 4. März 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 15. Mai 2026 und die Meldungen, die seitdem kamen. Diese Dokumente sind unter Strafandrohung wahrheitsgemäß. Und sie erzählen von einer Firma, die seit 1996 an der Börse ist, deren Herstellkosten den Umsatz um ein Vielfaches übersteigen und die eine Frist der Technologiebörse Nasdaq im Nacken hat. Am Ende entscheidest du selbst.
Was MicroVision eigentlich macht — Laser, die in die Welt schauen
MicroVision baut Lidar-Sensoren. Das Wort steht für „Light Detection and Ranging“, und übersetzt in ein Alltagsbild ist es einfach: Ein Lidar ist eine Fledermaus mit Laser. Es schickt Lichtblitze aus, misst, wie lange sie bis zum Hindernis und zurück brauchen, und baut daraus ein dreidimensionales Bild der Umgebung — Millionen Messpunkte pro Sekunde. Solche Sensoren stecken in Fahrassistenz-Systemen, in fahrerlosen Baumaschinen, in Sicherheits- und Verteidigungstechnik. Das Unternehmen sitzt in Redmond im US-Bundesstaat Washington, beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahres 2025 rund 190 Menschen und ist seit 1996 an der Börse — eine ungewöhnlich lange Zeit für eine Firma, die immer noch am Durchbruch arbeitet.
Das Produktregal ist inzwischen breit: MOVIA für kurze und mittlere Reichweiten, MAVIN auf Basis der hauseigenen Mikrospiegel-Technik, dazu die 2026 zugekauften Langstrecken-Sensoren IRIS und HALO sowie der Scantinel-Sensor für sehr weite Reichweiten. Fast alles davon stammt aus der Insolvenz anderer Firmen. Am 31. Januar 2023 übernahm MicroVision Vermögenswerte der deutschen Ibeo Automotive Systems GmbH aus deren Insolvenzverfahren — von dort kommen der Flash-Sensor MOVIA und der Entwicklungsstandort in Deutschland, an dem seither mehr Menschen arbeiten als in den USA. Zum 1. Januar 2026 folgte die deutsche Scantinel Photonics GmbH, ebenfalls aus dem Insolvenzverfahren, für 2,244 Millionen US-Dollar, im Februar 2026 das weltweite Lidar-Sensor-Geschäft von Luminar Technologies nach Zustimmung eines US-Insolvenzgerichts für 33,177 Millionen US-Dollar. Drei Zukäufe, drei Insolvenzen. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: MicroVision hat inzwischen die Technik der halben Branche eingesammelt — aber die Rechnung, die dabei entsteht, wird nicht von Kunden bezahlt, sondern von neuen Aktien. Wer die Aktie einordnen will, sollte deshalb weniger auf die Sensoren schauen als darauf, wer die Entwicklung finanziert. Wie schwer sich diese ganze Branche mit dem Sprung von der Technik zum Geschäft tut, haben wir schon an anderer Stelle nachgerechnet — in unserer Analyse zum Lidar-Wettbewerber Ouster.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Kennzahlen-Treffer aus einem unserer Scanner, sondern die Einreichungsspur bei der SEC selbst. Zwischen dem letzten Quartalsbericht vom 15. Mai 2026 und dem 4. August 2026 — dem Datenstand dieser Analyse — hat MicroVision in weniger als drei Monaten eine ungewöhnlich dichte Folge von Kapitalmarkt-Dokumenten eingereicht: eine Meldung über den Wechsel des Börsensegments und eine Erweiterung des laufenden Aktienverkaufsprogramms (12. Juni), eine Registrierung neuer Aktien (12. Juni, wirksam 23. Juni), einen Prospekt-Nachtrag über bis zu 42 Millionen US-Dollar (24. Juni), ein weiteres Regal über 50 Millionen (13. Juli, wirksam 15. Juli), die Ergebnisse der Hauptversammlung (13. Juli) und schließlich die Aktienzusammenlegung (22. Juli). Sechs Kapitalmaßnahmen in elf Wochen sind kein Zufall, sondern ein Muster. Dazwischen liegen drei Meldungen mit reinen Geschäftsnachrichten (10. Juni, 25. Juni, 7. Juli) — auf die kommen wir zurück, denn in einer davon steckt die einzige belastbare Zukunftszahl dieser Analyse.
Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Wenn eine Firma binnen weniger Wochen mehr Prospekte als Produkte veröffentlicht, ist die Finanzierung die eigentliche Geschichte. Genau so haben wir diese Analyse aufgebaut — erst die Zahlen, dann die Dokumente, die sie erklären.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was tatsächlich für MicroVision spricht, denn das gibt es. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 0,935 Millionen US-Dollar nach 0,589 Millionen im Vorjahresquartal — ein Plus von rund 59 Prozent. Das Bruttoergebnis lag mit 0,363 Millionen US-Dollar fast zehnmal so hoch wie im Vorjahresquartal (0,039 Millionen) — und damit wieder im Plus, nachdem das Gesamtjahr 2025 einen Bruttoverlust ausgewiesen hatte. Die Firma hat außerdem echte Vermögenswerte gekauft statt nur Versprechen: Vom Luminar-Kaufpreis entfielen 13,2 Millionen US-Dollar auf Sachanlagen, 3,8 Millionen auf Vorräte, 9,4 Millionen auf entwickelte Technologie. Beim Scantinel-Kauf war der Zeitwert der übernommenen Vermögenswerte sogar höher als der Kaufpreis — daraus entstand ein Buchgewinn von 0,147 Millionen US-Dollar. Und die Kasse war zum 31. März 2026 mit 46,120 Millionen US-Dollar gefüllt, ohne dass der Konzern lange Kreditlinien bedienen müsste.
Als Kassenbon gelesen — so wie auf dem Titelbild dieser Analyse — ergibt das erste Quartal 2026 vier Zeilen: 0,9 Millionen US-Dollar Umsatz, davon 0,4 Millionen Bruttogewinn, dagegen 23,9 Millionen Betriebskosten, Saldo minus 23,5 Millionen. Genau in dieser Größenordnung fasst auch die Ergebnismitteilung vom 13. Mai 2026 das Quartal zusammen.
Jetzt die Kurve, die alles andere in ein anderes Licht rückt. Sie zeigt, was der Verkauf einbringt — und was seine Herstellung kostet.
Der Umsatz der letzten drei Geschäftsjahre: 7,259 Millionen US-Dollar (2023), 4,696 Millionen (2024), 1,208 Millionen (2025). Er ist in zwei Jahren auf ein Sechstel geschrumpft. Die Herstellkosten liefen in die Gegenrichtung: 2,772 Millionen (2023), 7,530 Millionen (2024), 18,548 Millionen US-Dollar (2025). Der Jahresfehlbetrag blieb dagegen konstant hoch: 82,842 Millionen (2023), 96,915 Millionen (2024), 94,981 Millionen US-Dollar (2025). Auf die Aktie gerechnet waren das 2025 minus 0,35 US-Dollar vor der Zusammenlegung — umgerechnet auf die neue Aktie also minus 5,25 US-Dollar je Stück. Der Betriebsverlust lag 2025 bei 82,828 Millionen, darin enthalten 31,720 Millionen Forschung und Entwicklung, 20,325 Millionen Vertrieb und Verwaltung sowie 13,443 Millionen Wertminderungen auf immaterielle Vermögenswerte, Mietrechte und Sachanlagen. Merke dir das Bild: Der Umsatz eines ganzen Jahres reichte 2025 nicht einmal, um eine Woche Betriebskosten zu decken — 65,488 Millionen US-Dollar Betriebskosten im Jahr sind rund 1,3 Millionen je Woche. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Jeder verkaufte Sensor vergrößerte 2025 den Verlust
Die meisten Verlustfirmen verdienen wenigstens an dem, was sie verkaufen — der Verlust entsteht dann in Forschung, Marketing und Verwaltung. Bei MicroVision war das im Geschäftsjahr 2025 nicht so. Der Geschäftsbericht weist 1,208 Millionen US-Dollar Umsatz und 18,548 Millionen US-Dollar Herstellkosten aus, macht einen Bruttoverlust von 17,340 Millionen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Bäcker verkauft ein Brot für einen Euro, das ihn fünfzehn Euro in Mehl, Strom und Arbeitszeit gekostet hat — und je mehr Brote er verkauft, desto tiefer rutscht er ins Minus. Ein Teil davon ist erklärbar, und der Geschäftsbericht beziffert ihn selbst: In den Herstellkosten 2025 stecken 9,9 Millionen US-Dollar für unverkäuflich gewordene Bestände älterer MOVIA-L-Sensoren und 3,2 Millionen für nachteilige Abnahmeverpflichtungen aus derselben Produktion — zusammen mehr als der gesamte Anstieg gegenüber 2024 (11,0 Millionen). Es sind also zu einem guten Teil Altlasten, keine laufende Produktion. Aber die Richtung ist eindeutig, denn schon 2024 lagen die Herstellkosten mit 7,530 Millionen über dem Umsatz von 4,696 Millionen.
Die gute Nachricht steht im Quartalsbericht: Im ersten Quartal 2026 war das Bruttoergebnis mit 0,363 Millionen US-Dollar wieder positiv, bei 0,935 Millionen Umsatz und 0,572 Millionen Herstellkosten. Ein Quartal ist allerdings kein Trend — und es reicht bei Weitem nicht, um die Betriebskosten zu decken: Denen standen im selben Quartal 23,857 Millionen US-Dollar gegenüber, davon 14,445 Millionen für Forschung und Entwicklung. Daraus wurde ein Betriebsverlust von 23,494 Millionen und ein Quartalsfehlbetrag von 25,294 Millionen US-Dollar.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Zukauf brachte auf dem Papier 14,3 Millionen Quartalsumsatz mit — real kamen 0,7 Millionen an
Im Anhang des Quartalsberichts steht eine Rechnung, die MicroVision selbst aufmacht: Wie hätte das gemeinsame Geschäft aus MicroVision und dem zugekauften Luminar-Lidar-Geschäft ausgesehen, wäre der Kauf schon am 1. Januar 2025 vollzogen worden? Die Antwort für das erste Quartal 2025: 14,346 Millionen US-Dollar Umsatz — bei einem Verlust von 106,845 Millionen. Im tatsächlichen ersten Quartal 2026 lag der Umsatz der kombinierten Einheit bei 0,935 Millionen. Das ist ein Rückgang um rund 93 Prozent gegenüber der eigenen Vergleichsrechnung. Vom Kaufdatum am 3. Februar 2026 bis zum Quartalsende steuerte der Zukauf 0,7 Millionen US-Dollar Umsatz und 2,3 Millionen Verlust bei.
Das ist keine Buchhaltungs-Spitzfindigkeit, sondern die Kernfrage des ganzen Investments: MicroVision hat für 33,177 Millionen US-Dollar die Technik einer Firma gekauft, die selbst insolvent wurde — und die Kunden, die diese Technik einst kauften, sind offenbar nicht mitgekommen. Wer wissen will, ob der Preis richtig war, schaut nicht auf die Produktbroschüre, sondern auf die Umsatzzeile der nächsten Quartale. Merke dir den Maßstab: Ein Zukauf ist erst dann gelungen, wenn er im Umsatz auftaucht — nicht schon, wenn er in der Bilanz steht.
Wie dieser Maßstab ausfallen kann, hat MicroVision selbst schon vorgeführt. Aus dem Ibeo-Kauf von 2023 stand eine Wahrnehmungssoftware in der Bilanz. Zum 31. Dezember 2025 ergab die Werthaltigkeitsprüfung, dass der Buchwert nicht mehr durch künftige Zahlungsflüsse gedeckt ist — 10,1 Millionen US-Dollar wurden abgeschrieben, der Posten damit vollständig ausgebucht. Der Abschlussprüfer hat genau diese Prüfung im Bestätigungsvermerk als besonders wichtigen Prüfungssachverhalt hervorgehoben. Das ist kein Beweis dafür, dass es dem Luminar-Zukauf ebenso ergeht — aber es ist der Grund, warum man bei den 9,4 Millionen für „entwickelte Technologie“ und den 3,1 Millionen für Kundenbeziehungen in den kommenden Quartalsberichten hinschauen sollte.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Rechnung bezahlen neue Aktien — 12,6 Millionen Schulden wurden zu 23,6 Millionen Aktien
Wenn eine Firma Geld verbrennt und keine Bank ihr genug leiht, gibt es zwei Wege: neue Aktien ausgeben oder Schulden aufnehmen, die später in Aktien umgewandelt werden. MicroVision geht beide gleichzeitig. Wie schnell das die Anteile der Altaktionäre verkleinert — im Fachjargon „Verwässerung“, im Alltagsbild: dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil der Kuchen in mehr Stücke geschnitten wird —, zeigt die Aktienzahl.
Der Motor dahinter steht im Anhang des Quartalsberichts. Am 23. Februar 2026 gab MicroVision zwei besicherte Wandelschuldverschreibungen über zusammen 43,0 Millionen US-Dollar an einen einzelnen institutionellen Investor aus — eine als Tausch gegen die alte Anleihe, eine gegen frisches Geld. Diese Papiere tragen keinen Zinskupon, laufen bis zum 1. März 2028 und werden am Ende mit 110 Prozent des ausstehenden Betrags zurückgezahlt. „Zinslos“ heißt allerdings nicht kostenlos: Weil die Rückzahlungsprämie und der Ausgabeabschlag über die Laufzeit verteilt werden, standen allein im ersten Quartal 2026 2,753 Millionen US-Dollar Zinsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Entscheidend ist der Rückzahlungsmechanismus:
„Immediately upon closing and monthly beginning on April 1, 2026, the Holder may elect to require the Company to partially redeem the Notes. The Company has the right to optionally convert any partial redemption of the Notes to shares of the Company’s common stock, subject to certain conditions.“
Übersetzung: „Unmittelbar nach dem Abschluss und danach monatlich ab dem 1. April 2026 kann der Gläubiger verlangen, dass die Gesellschaft die Schuldverschreibungen teilweise zurückzahlt. Die Gesellschaft hat das Recht, jede Teilrückzahlung nach eigener Wahl in Stammaktien der Gesellschaft umzuwandeln, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.“
— MicroVision, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 7 „Notes Payable and Derivative Liability“
Was das praktisch heißt, steht ein paar Zeilen später im selben Bericht: Am 16. März 2026 wandelte der Gläubiger 0,5 Millionen US-Dollar in 984.292 Aktien, am 20. März 6,7 Millionen in 13.342.613 Aktien, am 20. April 2,8 Millionen in 4.857.985 Aktien und am 5. Mai 2,6 Millionen in 4.423.468 Aktien. Zusammen: 12,6 Millionen US-Dollar Schulden wurden in sieben Wochen zu 23,6 Millionen neuen Aktien. Nach diesen Wandlungen standen zum 5. Mai 2026 noch 34,7 Millionen US-Dollar aus. Die Mechanik hat eine unangenehme Eigenschaft: Je tiefer der Kurs, desto mehr Aktien braucht dieselbe Rückzahlung — und desto stärker drückt das Angebot auf den Kurs. Dazu kommt das Aktienverkaufsprogramm am Markt: Zum 12. Juni 2026 waren davon noch rund 42 Millionen US-Dollar nicht platziert; am 13. Juli 2026 kam ein weiteres Regal über 50 Millionen US-Dollar hinzu, wirksam seit dem 15. Juli 2026. Ähnliche Finanzierungsmuster haben wir zuletzt bei einem anderen kapitalhungrigen Technologie-Anbieter aufgeschlüsselt — nachzulesen in unserer Analyse zu Eos Energy.
Und das ist nur der Teil, der bereits geflossen ist. Wie viele Aktien zusätzlich entstehen könnten, steht in einer Fußnote, die kein Kurs-Feed abbildet: der Aufstellung der Titel, die beim Ergebnis je Aktie herausgerechnet werden, weil sie das Ergebnis rechnerisch verbessern würden („anti-dilutive“). Zum 31. März 2026 waren das zusammen 86,3 Millionen Aktien — 72,8 Millionen aus der Wandlung der Anleihen, 5,8 Millionen aus Optionsscheinen, 7,1 Millionen aus noch nicht unverfallbaren Mitarbeiter-Aktienzusagen und 0,6 Millionen aus Aktienoptionen. Gemessen an den damals 322,1 Millionen ausstehenden Aktien ist das gut ein Viertel obendrauf; umgerechnet auf die neue Aktie sind es rund 5,8 Millionen Stück, die im genehmigten Kapital von 150 Millionen mühelos Platz finden. Merke dir: Was einen Aktionär künftig verwässert, steht selten im Kurszettel und fast immer in der Fußnote.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Zusammenlegung reduziert das genehmigte Kapital — und vervielfacht trotzdem den Ausgabespielraum
Nun zur Aktienzusammenlegung selbst. Die Meldung vom 22. Juli 2026 verbindet zwei Schritte in einem Satz:
„… to (i) effect a reverse stock split (the “Reverse Stock Split”) of the Company’s common stock, par value $.001 per share (“Common Stock”), at a ratio of 1-for-15, with every fifteen shares of issued and outstanding Common Stock being combined into one share of Common Stock, and (ii) simultaneously reduce the total authorized number of shares of the Company’s capital stock to 175,000,000 shares, consisting of (a) 150,000,000 shares of Common Stock and (b) 25,000,000 shares of preferred stock, $.001 par value.“
Übersetzung: „… um (i) eine Aktienzusammenlegung („Reverse Stock Split“) der Stammaktien der Gesellschaft mit einem Nennwert von 0,001 US-Dollar je Aktie im Verhältnis 1:15 durchzuführen, wobei jeweils fünfzehn ausgegebene und ausstehende Stammaktien zu einer Stammaktie zusammengelegt werden, und (ii) gleichzeitig die Gesamtzahl der genehmigten Aktien des Grundkapitals der Gesellschaft auf 175.000.000 Aktien zu reduzieren, bestehend aus (a) 150.000.000 Stammaktien und (b) 25.000.000 Vorzugsaktien mit einem Nennwert von 0,001 US-Dollar.“
— MicroVision, Inc., SEC-Meldung 8-K vom 22.07.2026, Item 3.03
Der zweite Teil klingt nach einem Zugeständnis an die Aktionäre — weniger genehmigtes Kapital heißt weniger Spielraum für neue Aktien. Rechnet man ihn gegen die tatsächliche Aktienzahl, dreht sich das Bild um. Vorher: 344.645.965 ausstehende Aktien (Stand 28. Mai 2026) gegen 510 Millionen genehmigte Stammaktien — freier Spielraum rund 165 Millionen Stück, also 48 Prozent der ausstehenden Aktien. Nachher: rund 23,0 Millionen ausstehende Aktien gegen 150 Millionen genehmigte — freier Spielraum rund 127 Millionen Stück, also 553 Prozent der ausstehenden Aktien. Gemessen daran, wie viele neue Aktien MicroVision im Verhältnis zum Bestand ausgeben könnte, ist der Spielraum durch die Zusammenlegung nicht kleiner, sondern rund elfmal größer geworden. Die Hauptversammlung am 10. Juli 2026 hat außerdem die Aktienausgabe aus den Wandelanleihen ausdrücklich freigegeben — bei der Zusammenlegung stimmten 153.463.657 Stimmen dafür und 57.527.379 dagegen. Und noch ein Detail zur Einordnung: Der Beschluss erlaubte ein Verhältnis zwischen 1:5 und 1:15; der Vorstand wählte das Maximum.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Grund für die Zusammenlegung ist eine Frist der Nasdaq
Aktienzusammenlegungen haben selten kosmetische Gründe. Bei MicroVision steht der Anlass schwarz auf weiß in einer Meldung vom 12. Juni 2026:
„As previously disclosed in the Company’s Current Report on Form 8-K filed on January 16, 2026, the Company received a notification letter from Nasdaq notifying the Company of its failure to maintain the $1.00 minimum bid price required for continued listing on The Nasdaq Global Market under Nasdaq Listing Rule 5450(a)(1) (the “Minimum Bid Price Requirement”).“
Übersetzung: „Wie zuvor in der Meldung der Gesellschaft auf Formblatt 8-K vom 16. Januar 2026 offengelegt, erhielt die Gesellschaft ein Schreiben der Nasdaq, mit dem sie über die Nichteinhaltung des für die fortgesetzte Notierung am Nasdaq Global Market nach Nasdaq-Listing-Regel 5450(a)(1) erforderlichen Mindestgebotskurses von 1,00 US-Dollar informiert wurde (die „Mindestgebotskurs-Anforderung“).“
— MicroVision, Inc., SEC-Meldung 8-K vom 12.06.2026, Item 3.01
Der Ablauf war damit vorgezeichnet: Wechsel vom Nasdaq Global Market in das kleinere Segment Nasdaq Capital Market (wirksam am 20. Juli 2026), dort eine zusätzliche Frist von 180 Kalendertagen, und um sie zu nutzen, muss der Schlusskurs an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar liegen. Genau diese Bedingung erfüllt eine Zusammenlegung 1:15 auf einen Schlag — rein rechnerisch. Ob sie hält, entscheidet der Markt.
Und dann ist da noch die Formulierung, die in jedem Risikoteil steht und die man trotzdem lesen sollte:
„If adequate capital resources are not available on a timely basis, we may consider limiting our operations substantially and we may be unable to continue as a going concern.“
Übersetzung: „Wenn nicht rechtzeitig ausreichende Kapitalmittel verfügbar sind, könnten wir erwägen, unseren Geschäftsbetrieb erheblich einzuschränken, und wir wären möglicherweise nicht in der Lage, das Unternehmen fortzuführen.“
— MicroVision, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Teil II, Item 1A „Risk Factors“
Wichtig zur Fairness: Das ist ein Risikohinweis, kein förmlicher Bestandsgefährdungsvermerk des Abschlussprüfers. MicroVision schreibt im selben Bericht ausdrücklich, man verfüge auf Basis des aktuellen Geschäftsplans einschließlich der erwarteten Finanzierungsaktivitäten über ausreichende Mittel für mindestens die nächsten zwölf Monate. Der Nebensatz ist der Punkt: Die Reichweite hängt an künftigen Aktienverkäufen. Rechnen wir es nach — mit 46,120 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026 und einem operativen Mittelabfluss von 16,443 Millionen im ersten Quartal 2026 ergeben sich rechnerisch knapp drei Quartale. Zum Vergleich: Ende 2025 lagen Kasse und Wertpapiere zusammen noch bei 74,834 Millionen US-Dollar; in drei Monaten schrumpfte der Bestand um 28,7 Millionen, weil zusätzlich der Luminar-Kaufpreis floss. Kurzfristige Verbindlichkeiten standen zum 31. März 2026 bei 51,763 Millionen gegen 54,223 Millionen kurzfristige Vermögenswerte — das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Schulden also nur mit rund 2,5 Millionen Puffer.
Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Fast die Hälfte der Kasse darf gar nicht ausgegeben werden
Die Reichweiten-Rechnung von eben ist sogar noch zu freundlich. Denn ein Satz im Liquiditätsabschnitt des Quartalsberichts bindet einen Teil des Geldes fest:
„Pursuant to terms of the securities purchase and exchange agreement, the Company will maintain minimum cash liquidity of the lesser of $21.5 million or 110% of the then outstanding balance of the senior secured convertible notes for the remaining duration of their term.“
Übersetzung: „Gemäß den Bedingungen des Wertpapierkauf- und Tauschvertrags wird die Gesellschaft für die verbleibende Laufzeit der besicherten Wandelschuldverschreibungen eine Mindestliquidität in Höhe des niedrigeren Betrags aus 21,5 Millionen US-Dollar oder 110 Prozent des jeweils ausstehenden Anleihebetrags vorhalten.“
— MicroVision, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 1 „Liquidity“
Rechne es einmal durch. Zum 5. Mai 2026 standen 34,7 Millionen US-Dollar Anleihe aus; 110 Prozent davon wären 38,2 Millionen — der niedrigere der beiden Werte sind also die 21,5 Millionen US-Dollar. So viel Geld muss dauerhaft auf dem Konto liegen bleiben, sonst ist der Vertrag verletzt. Von den 46,120 Millionen zum 31. März 2026 sind damit nur rund 24,6 Millionen frei verfügbar — bei 16,443 Millionen operativem Abfluss je Quartal reicht das rechnerisch nicht einmal anderthalb Quartale. Im Alltagsbild: Auf dem Konto stehen 46.000 Euro, aber 21.500 davon sind die Kaution, die der Vermieter sehen will. Ausgeben kannst du nur den Rest. Merke dir den Maßstab: Nicht die Kasse entscheidet über die Reichweite, sondern der frei verfügbare Teil davon.
Was das Unternehmen für 2026 verspricht — und woran du es messen kannst
Bis hierher haben wir nur zurückgeschaut. Fairerweise gehört auch die Gegenseite auf den Tisch, und die kommt vom Unternehmen selbst. In einem Geschäfts-Update für Aktionäre, das MicroVision am 25. Juni 2026 als Anlage zu einer Meldung an die SEC einreichte, steht die einzige konkrete Zukunftszahl dieser Analyse: eine Umsatzprognose von 10 bis 15 Millionen US-Dollar für das Gesamtjahr 2026 und das Ziel einer Bruttomarge von 35 bis 40 Prozent. Dazu nennt die Präsentation über 100 laufende Kundengespräche — mehr als 15 mit Autoherstellern, über 30 aus Sicherheit und Verteidigung, über 70 mit Industriekunden und Wiederverkäufern — und beziffert das daraus abgeleitete Auftragspotenzial für die Jahre 2026 bis 2030 auf über 500 Millionen US-Dollar. In einer weiteren Aktionärs-Antwortrunde vom 7. Juli 2026 bekräftigte das Unternehmen, an dieser Prognose festzuhalten.
Untermauert wird das durch eine Nachricht vom 10. Juni 2026: MicroVision meldete eine Master-Entwicklungsvereinbarung mit dem nach eigener Beschreibung „weltweit führenden Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen“, mit einer ersten Programmbeschreibung vom 1. Juni 2026. Zunächst sollen je zwei IRIS-Sensoren auf einem schweren Muldenkipper sitzen, später möglicherweise die Nachfolgesensoren HALO. Den Namen nennt die Meldung nicht — aus derselben Branche kam allerdings schon im ersten Quartal 2026 ein Kunde, den der Quartalsbericht als „führenden globalen Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen“ beschreibt und der 22 Prozent des Umsatzes brachte. Vieles spricht dafür, dass die Beziehung breiter wird und nicht neu beginnt; belegt ist die Identität in den Dokumenten aber nicht.
Und jetzt der Realitätsabgleich, den du selbst machen kannst. Im ersten Quartal 2026 lagen 0,935 Millionen US-Dollar Umsatz auf dem Tisch. Damit aus dem Jahr 10 Millionen werden, müssen die verbleibenden drei Quartale zusammen rund 9 Millionen bringen, für die 15 Millionen sogar rund 14 Millionen — also im Schnitt das Drei- bis Fünffache des ersten Quartals, Quartal für Quartal. Das ist keine Kleinigkeit, und es ist auch kein Ding der Unmöglichkeit, wenn die zugekauften Sensoren aus dem Lager wirklich ausgeliefert werden. Es ist aber ein Versprechen und keine Zahl aus einem geprüften Abschluss — Prognosen dieser Art stehen ausdrücklich unter dem Vorbehalt zukunftsgerichteter Aussagen. Der nächste Quartalsbericht (10-Q) ist damit der ehrlichste Prüfstein, den es gibt: Steht dort ein Quartalsumsatz von drei Millionen oder mehr, ist die Prognose erreichbar. Steht dort wieder eine Eins vor dem Komma, ist sie es nicht.
Bewertung: was der Markt für 1,2 Millionen Umsatz zahlt
Hier ist Vorsicht geboten, und wir sagen offen, warum: Nach einer Aktienzusammenlegung sind fast alle automatisch berechneten Kennzahlen für eine Weile unbrauchbar, weil Datenanbieter historische Je-Aktie-Werte unterschiedlich schnell umrechnen. Wir verzichten deshalb bewusst auf den aus Fundamentaldaten gemeldeten Börsenwert und nehmen stattdessen den einzigen Kurs, der in einem Originaldokument steht: Im Prospekt-Nachtrag vom 24. Juni 2026 nennt MicroVision 0,36 US-Dollar als zuletzt gemeldeten Schlusskurs vom 11. Juni 2026 — umgerechnet auf die neue Aktie sind das 5,40 US-Dollar. Mit den 344.645.965 Aktien vom 28. Mai 2026 ergibt das einen Börsenwert von rund 124 Millionen US-Dollar zu diesem Stichtag.
Diese 124 Millionen sind der ehrliche Bewertungsanker. Gegen den Jahresumsatz 2025 von 1,208 Millionen US-Dollar gehalten, entspricht das rund dem Hundertfachen des Jahresumsatzes. Rechnet man freundlicher und schreibt das erste Quartal 2026 aufs Jahr hoch (0,935 Millionen mal vier, also rund 3,7 Millionen), bleibt immer noch das rund Dreißigfache. Und selbst wenn die eigene Prognose des Unternehmens von 10 bis 15 Millionen US-Dollar für 2026 vollständig aufgeht, bleibt am Bewertungsanker vom 11. Juni 2026 das rund Acht- bis Zwölffache des Jahresumsatzes stehen — für ein Unternehmen, das dann immer noch Verlust schreibt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels Gewinn gar nicht bilden. Zum Vergleich: Das bilanzielle Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei 39,543 Millionen US-Dollar — der Markt bezahlte am 11. Juni 2026 also gut das Dreifache des Buchwerts für ein Unternehmen, das im Quartal 25,3 Millionen verlor. Merke dir den Maßstab: Was hier bewertet wird, ist nicht das laufende Geschäft, sondern die Hoffnung auf ein künftiges. Und weil diese Hoffnung mit jeder neuen Aktie auf mehr Köpfe verteilt wird, ist die entscheidende Kennzahl für die kommenden Quartale nicht der Kurs, sondern das Verhältnis von Umsatzwachstum zu Aktienwachstum.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für MicroVision spricht:
- Breites Produktregal nach zwei Zukäufen aus Insolvenzen: kurze, mittlere, lange und sehr lange Reichweiten (MOVIA, MAVIN, IRIS, HALO, Scantinel) — für 2,244 Millionen US-Dollar (Scantinel, Januar 2026) und 33,177 Millionen (Luminar-Lidar-Geschäft, Vollzug 3. Februar 2026) übernommen, samt 13,2 Millionen Sachanlagen und 3,8 Millionen Vorräten.
- Umsatz und Bruttoergebnis zeigten im ersten Quartal 2026 nach oben: 0,935 Millionen US-Dollar Umsatz nach 0,589 Millionen im Vorjahresquartal, Bruttoergebnis wieder positiv mit 0,363 Millionen nach 0,039 Millionen.
- Kundenmix breiter als früher: Im ersten Quartal 2026 kamen 54 Prozent des Umsatzes von einem der zehn größten Auto-Hersteller weltweit, 22 Prozent von einem Bau- und Bergbaumaschinen-Hersteller und 17 Prozent von einem europäischen Robotik-Anbieter aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich.
- Keine klassische Bankverschuldung: Die Wandelanleihen über zuletzt 34,7 Millionen US-Dollar (Stand 5. Mai 2026) tragen keinen Zinskupon, es gibt keine Kreditlinie zu bedienen; die Kasse lag zum 31. März 2026 bei 46,120 Millionen.
- Kostenseite wird angefasst: Nach den Zukäufen wurde die Belegschaft laut Ergebnismitteilung vom 13. Mai 2026 um rund 15 Prozent verkleinert und Technik von Redmond nach Orlando verlagert.
- Erstmals eine bezifferte Zukunftsaussage: 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatz und 35 bis 40 Prozent Bruttomarge für 2026, über 100 laufende Kundengespräche und ein daraus abgeleitetes Auftragspotenzial von über 500 Millionen US-Dollar für 2026 bis 2030 (Geschäfts-Update vom 25. Juni 2026, bekräftigt am 7. Juli 2026).
- Master-Entwicklungsvereinbarung vom 10. Juni 2026 mit einem nach Unternehmensangabe „weltweit führenden“ Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen, erste Programmbeschreibung vom 1. Juni 2026 — je zwei IRIS-Sensoren auf einem schweren Muldenkipper, HALO als möglicher Nachfolger.
Was dagegen spricht:
- Das Kerngeschäft trug 2025 nicht: 1,208 Millionen US-Dollar Umsatz gegen 18,548 Millionen Herstellkosten, Bruttoverlust 17,340 Millionen, Jahresfehlbetrag 94,981 Millionen; der Bilanzverlust erreichte zum 31. März 2026 982,556 Millionen.
- Kassenreichweite unter vier Quartalen: 46,120 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 bei 16,443 Millionen operativem Mittelabfluss im Quartal — und davon sind 21,5 Millionen als Mindestliquidität an den Anleihevertrag gebunden, sodass nur rund 24,6 Millionen frei verfügbar sind. Die eigene Zwölf-Monats-Aussage steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt „erwarteter Finanzierungsaktivitäten“.
- Die Prognose für 2026 verlangt einen Sprung: Aus 0,935 Millionen US-Dollar im ersten Quartal müssen in drei Quartalen rund 9 bis 14 Millionen werden — eine zukunftsgerichtete Aussage aus einer Aktionärspräsentation, keine geprüfte Zahl.
- Laufende Verwässerung mit Mechanik: 12,6 Millionen US-Dollar Anleiheschulden wurden zwischen dem 16. März und dem 5. Mai 2026 zu 23,6 Millionen Aktien; die Aktienzahl stieg von 194,7 Millionen (Ende 2023) auf 344,6 Millionen (28. Mai 2026), dazu rund 42 Millionen US-Dollar offenes Aktienverkaufsprogramm und 50 Millionen neues Regal.
- Notierungsrisiko: Nasdaq-Mitteilung vom 16. Januar 2026 wegen des 1,00-Dollar-Mindestkurses, Wechsel in das kleinere Segment am 20. Juli 2026, Zusammenlegung 1:15 zum 1. August 2026 — der Kurs muss an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar schließen.
- Der Zukauf hat sich im Umsatz noch nicht gezeigt: Die eigene Pro-forma-Rechnung weist für das erste Quartal 2025 kombinierte 14,346 Millionen US-Dollar aus, tatsächlich waren es im ersten Quartal 2026 nur 0,935 Millionen — und aus dem Luminar-Geschäft kamen davon 0,7 Millionen. Beim vorigen Insolvenz-Zukauf endete es mit einer Vollabschreibung: Die aus dem Ibeo-Kauf von 2023 aktivierte Wahrnehmungssoftware wurde zum 31. Dezember 2025 mit 10,1 Millionen US-Dollar komplett ausgebucht.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Stückzahl-Illusion vom Anfang. Sie ist deshalb so hartnäckig, weil sie nicht dumm ist: Ein rechnerischer Kurs von 5,40 Dollar ist objektiv etwas anderes als die 36 Cent vom 11. Juni 2026 — er verändert, wer die Aktie kaufen darf, welche Fonds sie halten dürfen und ob die Börse sie weiter notiert. Für MicroVision ist die Zusammenlegung deshalb nicht kosmetisch, sondern existenznotwendig: Ohne sie liefe die Nasdaq-Frist ab. Was sie aber nicht ändert, ist die Rechnung darunter. Ein Jahresumsatz von 1,2 Millionen US-Dollar bleibt ein Jahresumsatz von 1,2 Millionen, egal wie viele Aktien man daraus macht. Ein Bilanzverlust von 982,6 Millionen bleibt ein Bilanzverlust von 982,6 Millionen. Und ein Geschäftsplan, der ausdrücklich mit „erwarteten Finanzierungsaktivitäten“ rechnet, bleibt ein Plan, dessen Erfolg von der Bereitschaft fremder Leute abhängt, neue Aktien zu kaufen.
Das heißt nicht, dass hier nichts entstehen kann. MicroVision hat gerade zu Ausverkaufspreisen die Technik zweier gescheiterter Wettbewerber eingesammelt; wenn Lidar in Bau-, Industrie- und Sicherheitsanwendungen wirklich in Serie geht, sitzt die Firma auf einem Regal, das sie sich selbst nie hätte leisten können. Und seit dem 25. Juni 2026 gibt es sogar eine Zahl, an der man das messen kann: 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatz für 2026. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Aktie jetzt teurer oder billiger?“, sondern: Bist du bereit, jedes Quartal neu zu prüfen, ob der Umsatz schneller wächst als die Aktienzahl — und auszusteigen, wenn er es nicht tut? Wenn ja, hast du eine These und einen Prüfpunkt. Wenn nein, hast du ein Etikett. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- MicroVision, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 4. März 2026)
- MicroVision, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2024 (eingereicht 26. März 2025)
- MicroVision, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 15. Mai 2026)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 13.05.2026, Item 2.02 (Ergebnisse erstes Quartal 2026)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 10.06.2026, Item 7.01 (Master-Entwicklungsvereinbarung mit einem Bau- und Bergbaumaschinen-Hersteller)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 12.06.2026 (Items 1.01 und 3.01: Aktienverkaufsprogramm, Nasdaq-Segmentwechsel)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 25.06.2026, Item 7.01 (Geschäfts-Update mit der Umsatzprognose 2026 von 10 bis 15 Mio. US-Dollar)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 07.07.2026, Item 7.01 (Antworten auf Aktionärsfragen, Bekräftigung der Prognose)
- MicroVision, Inc. — SEC-Prospekt-Nachtrag 424B5 vom 24.06.2026 (Aktienzahl zum 28.05.2026, Kurs vom 11.06.2026)
- MicroVision, Inc. — SEC-Registrierung S-3 vom 13.07.2026 (Regal über 50 Millionen US-Dollar)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 13.07.2026, Item 5.07 (Ergebnisse der Hauptversammlung vom 10.07.2026)
- MicroVision, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 22.07.2026 (Items 3.03 und 5.03: Aktienzusammenlegung 1:15)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von MicroVision, Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlenreihen; Datenstand 4. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten. Der aus diesen Daten gemeldete Börsenwert wurde nicht verwendet, weil Datenfeeds direkt nach einer Aktienzusammenlegung Kurse und Aktienzahlen aus beiden Grundlagen mischen; Bewertungsanker ist ausschließlich die Rechnung aus Aktienzahl und dokumentiertem Filing-Kurs.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in MicroVision-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 2,5 | 0,7 | 7,3 | 4,7 | 1,2 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | -43,9 | -53,9 | -88,9 | -85,5 | -69,4 |
| Nettogewinn | -43,2 | -53,1 | -82,8 | -96,9 | -95,0 |
| Nettomarge | -1.728,0 % | -7.995,6 % | -1.141,2 % | -2.063,8 % | -7.862,7 % |
| Gewinn je Aktie | -0,27 $ | -4,80 $ | -6,80 $ | -6,94 $ | -5,22 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Ertragskraft des Kerngeschäfts negativ
- Im Geschäftsjahr 2025 standen 1,208 Millionen US-Dollar Umsatz Herstellkosten von 18,548 Millionen gegenüber — ein Bruttoverlust von 17,340 Millionen. Der Umsatz schrumpfte in zwei Jahren von 7,259 (2023) auf 1,208 Millionen. Im ersten Quartal 2026 war das Bruttoergebnis mit 0,363 Millionen wieder positiv, deckte aber nur 1,5 Prozent der Betriebskosten von 23,857 Millionen.
- Bilanz & Kassenreichweite negativ
- Zum 31. März 2026 lagen 46,120 Millionen US-Dollar in der Kasse bei einem operativen Mittelabfluss von 16,443 Millionen im Quartal — rechnerisch knapp drei Quartale, nach Abzug der vertraglich gebundenen Mindestliquidität von 21,5 Millionen aber nur rund anderthalb. Kurzfristige Vermögenswerte (54,223 Millionen) decken die kurzfristigen Verbindlichkeiten (51,763 Millionen) nur mit rund 2,5 Millionen Puffer. Der Bilanzverlust seit Gründung erreichte 982,556 Millionen US-Dollar.
- Verwässerung & Finanzierung negativ
- Die Aktienzahl stieg von 194,7 Millionen (Ende 2023) auf 344,6 Millionen (28. Mai 2026). Zwischen dem 16. März und dem 5. Mai 2026 wurden 12,6 Millionen US-Dollar Anleiheschulden in 23,6 Millionen Aktien gewandelt; ausstehend blieben 34,7 Millionen. Dazu kommen rund 42 Millionen offenes Aktienverkaufsprogramm (12. Juni 2026) und ein Regal über 50 Millionen (13. Juli 2026).
- Notierung & Fristen negativ
- Seit dem 16. Januar 2026 läuft eine Nasdaq-Mitteilung wegen Unterschreitung des 1,00-Dollar-Mindestgebotskurses. Der Wechsel in das Segment Nasdaq Capital Market wurde am 20. Juli 2026 wirksam, die Aktienzusammenlegung 1:15 am 1. August 2026. Die Auflage gilt erst als erfüllt, wenn der Schlusskurs an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar liegt.
- Technologie & Produktregal neutral
- Nach zwei Zukäufen aus Insolvenzen — Scantinel Photonics für 2,244 Millionen US-Dollar (Januar 2026) und das Luminar-Lidar-Geschäft für 33,177 Millionen (Vollzug 3. Februar 2026) — deckt MicroVision alle Reichweiten von kurz bis sehr lang ab. Ob der Preis richtig war, ist offen: Die eigene Pro-forma-Rechnung nennt für das erste Quartal 2025 kombinierte 14,346 Millionen Umsatz, tatsächlich waren es im ersten Quartal 2026 0,935 Millionen.
- Prognose 2026 & Auftragslage neutral
- Im Geschäfts-Update vom 25. Juni 2026 nennt MicroVision erstmals eine bezifferte Erwartung: 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatz und 35 bis 40 Prozent Bruttomarge für 2026, dazu über 100 laufende Kundengespräche und ein Auftragspotenzial von über 500 Millionen US-Dollar für 2026 bis 2030; am 7. Juli 2026 wurde die Prognose bekräftigt. Gestützt wird sie von einer Master-Entwicklungsvereinbarung vom 10. Juni 2026 mit einem nach Unternehmensangabe „weltweit führenden“ Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen. Nach 0,935 Millionen Umsatz im ersten Quartal 2026 verlangt die Prognose in den verbleibenden drei Quartalen jedoch rund 9 bis 14 Millionen — eine zukunftsgerichtete Aussage, keine geprüfte Zahl.
MicroVision hat die Technik zweier gescheiterter Lidar-Anbieter zu Ausverkaufspreisen eingesammelt und deckt heute alle Reichweiten ab — bezahlt wird das aber nicht von Kunden, sondern vom Kapitalmarkt. Im Geschäftsjahr 2025 standen 1,208 Millionen US-Dollar Umsatz 18,548 Millionen Herstellkosten und ein Jahresfehlbetrag von 94,981 Millionen gegenüber; der Bilanzverlust seit Gründung erreichte zum 31. März 2026 982,556 Millionen. Die Kasse von 46,120 Millionen reicht bei 16,443 Millionen Quartalsabfluss rechnerisch knapp drei Quartale — nach Abzug der vertraglich gebundenen Mindestliquidität von 21,5 Millionen nur rund anderthalb —, und die Aktienzusammenlegung 1:15 zum 1. August 2026 wurde von einer Nasdaq-Frist erzwungen. Gegenüber steht die eigene Prognose von 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatz für 2026 (Geschäfts-Update vom 25. Juni 2026), die den nächsten Quartalsbericht zum Prüfstein macht. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot steht hier für belegtes Substanzrisiko, nicht für ein Urteil über die Technik. Drei Befunde greifen zusammen: Die Kassenreichweite liegt bei rund drei Quartalen (46,120 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 gegen 16,443 Millionen operativen Quartalsabfluss) und schrumpft auf rund anderthalb, sobald man die vertraglich gebundene Mindestliquidität von 21,5 Millionen abzieht, das Unternehmen benennt in seinem Risikoteil ausdrücklich die Möglichkeit, das Unternehmen nicht fortführen zu können, und die Notierung hängt an einer Nasdaq-Frist, die die Aktienzusammenlegung 1:15 gerade erst rechnerisch erfüllt hat. Dazu kommt eine laufende Verwässerung mit Mechanik: 12,6 Millionen US-Dollar Anleiheschulden wurden in sieben Wochen zu 23,6 Millionen Aktien, und der freie Ausgabespielraum ist nach der Zusammenlegung auf rund 553 Prozent der ausstehenden Aktien gestiegen. Das Produktregal ist nach den Zukäufen echt und breit, das Bruttoergebnis war im ersten Quartal 2026 mit 0,363 Millionen US-Dollar deutlich positiv, und mit 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatzprognose für 2026 liegt erstmals eine überprüfbare Zielmarke vor — all das ändert aber nichts daran, dass die Fortführung derzeit an der Bereitschaft fremder Investoren hängt, neue Aktien zu kaufen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam MicroVision über die Einreichungsspur bei der US-Börsenaufsicht SEC: sechs Kapitalmarkt-Dokumente zwischen dem 12. Juni und dem 22. Juli 2026 (Segmentwechsel, Erweiterung des Aktienverkaufsprogramms, zwei Registrierungen, Prospekt-Nachtrag, Hauptversammlungsergebnisse, Aktienzusammenlegung). Datenstand der Analyse: 4. August 2026.
- Alle Aktienzahlen und Je-Aktie-Werte in dieser Analyse sind ausdrücklich als „vor“ oder „nach“ der Zusammenlegung 1:15 vom 1. August 2026 gekennzeichnet. Der split-bereinigte Handel war laut Meldung 8-K vom 22. Juli 2026 für den 3. August 2026 vorgesehen, unter dem unveränderten Kürzel MVIS und mit neuer Wertpapierkennung 594960403. Automatisch berechnete Kennzahlen aus Datenfeeds mischen in solchen Phasen erfahrungsgemäß beide Grundlagen.
- Die Umsatzprognose 2026 von 10 bis 15 Millionen US-Dollar und das Bruttomargenziel von 35 bis 40 Prozent stammen aus einer Aktionärspräsentation, die MicroVision am 25. Juni 2026 als Anlage 99.1 zu einer Meldung 8-K (Item 7.01) eingereicht hat, und wurden am 7. Juli 2026 bekräftigt. Es sind zukunftsgerichtete Aussagen des Unternehmens, keine geprüften Abschlusszahlen — der nächste Quartalsbericht (10-Q) ist der erste harte Abgleich.
- Der aus Fundamentaldaten gemeldete Börsenwert wurde bewusst nicht verwendet und auch keine daraus abgeleitete Kennzahl: Direkt nach einer Aktienzusammenlegung mischen Datenfeeds Kurse und Aktienzahlen aus der Zeit vor und nach dem Stichtag, der gemeldete Wert ist dann nicht vergleichbar. Als Bewertungsanker dient ausschließlich die Rechnung aus 344.645.965 Aktien (28. Mai 2026) und dem letzten in einem Filing dokumentierten Kurs von 0,36 US-Dollar (11. Juni 2026, Prospekt-Nachtrag 424B5) — rund 124 Millionen US-Dollar.
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Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei MVIS geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
MicroVision, Inc. (NASDAQ: MVIS) aus Redmond im US-Bundesstaat Washington entwickelt und verkauft Lidar-Sensoren — Laser-Messgeräte, die die Umgebung dreidimensional abtasten — sowie die zugehörige Software. Die Produkte heißen MOVIA (kurze und mittlere Reichweite), MAVIN (Mikrospiegel-Technik) sowie IRIS, HALO und Scantinel (lange Reichweiten). Kunden sind Automobilhersteller, Industrie- und Baumaschinenanbieter sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnik. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 beschäftigte die Firma rund 190 Menschen.
Seit dem 1. August 2026, 17:00 Uhr New Yorker Zeit, werden je 15 alte MicroVision-Aktien zu einer neuen zusammengelegt; split-bereinigt gehandelt werden soll die Aktie laut Unternehmensmeldung ab dem 3. August 2026 unter dem unveränderten Kürzel MVIS mit neuer Wertpapierkennung 594960403. Der Anteil am Unternehmen ändert sich dadurch nicht: Aus 1.500 alten Aktien werden 100 neue, der rechnerische Kurs je Aktie verfünfzehnfacht sich. Bruchstücke werden auf volle Aktien aufgerundet (Meldung 8-K vom 22. Juli 2026).
Auslöser ist eine Frist der Technologiebörse Nasdaq. Am 16. Januar 2026 teilte die Nasdaq mit, dass MicroVision den Mindestgebotskurs von 1,00 US-Dollar nicht einhält (Listing-Regel 5450(a)(1)). Am 20. Juli 2026 wechselte das Unternehmen in das kleinere Segment Nasdaq Capital Market und erhält dort die Aussicht auf 180 zusätzliche Kalendertage. Um die Auflage zu erfüllen, muss der Schlusskurs an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar liegen.
Nein. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Umsatz bei 1,208 Millionen US-Dollar (2024: 4,696 Millionen; 2023: 7,259 Millionen). Die Herstellkosten betrugen 2025 allein 18,548 Millionen, sodass ein Bruttoverlust von 17,340 Millionen entstand. Der Jahresfehlbetrag lag bei 94,981 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 0,935 Millionen, der Quartalsfehlbetrag betrug 25,294 Millionen. Für das Gesamtjahr 2026 stellt MicroVision selbst 10 bis 15 Millionen US-Dollar Umsatz in Aussicht (Geschäfts-Update vom 25. Juni 2026).
Zum 31. März 2026 lagen 46,120 Millionen US-Dollar in der Kasse, bei einem operativen Mittelabfluss von 16,443 Millionen im ersten Quartal 2026 — rechnerisch also knapp drei Quartale. Davon sind allerdings 21,5 Millionen als Mindestliquidität an den Anleihevertrag gebunden, frei verfügbar bleiben rund 24,6 Millionen. Das Unternehmen selbst schreibt, es verfüge auf Basis des aktuellen Geschäftsplans einschließlich erwarteter Finanzierungsaktivitäten über ausreichende Mittel für mindestens zwölf Monate. Offen sind zusätzlich rund 42 Millionen US-Dollar aus dem Aktienverkaufsprogramm (Stand 12. Juni 2026) und ein Regal über 50 Millionen (S-3 vom 13. Juli 2026).
Zum 1. Januar 2026 übernahm MicroVision Vermögenswerte der deutschen Scantinel Photonics GmbH aus dem Insolvenzverfahren für 2,244 Millionen US-Dollar. Am 3. Februar 2026 folgte nach Zustimmung eines US-Insolvenzgerichts das weltweite Lidar-Sensor-Geschäft von Luminar Technologies für 33,177 Millionen US-Dollar, darunter die Langstrecken-Sensoren IRIS und HALO. Vom Kaufdatum bis zum 31. März 2026 steuerte der Luminar-Zukauf 0,7 Millionen US-Dollar Umsatz und 2,3 Millionen Verlust bei.
Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg von 194,7 Millionen (31. Dezember 2023) über 225,0 Millionen (2024) und 306,5 Millionen (2025) auf 344.645.965 Stück zum 28. Mai 2026 — ein Plus von rund 77 Prozent in zweieinhalb Jahren, jeweils vor der Zusammenlegung gerechnet. Allein zwischen dem 16. März und dem 5. Mai 2026 wandelte der Gläubiger der Wandelanleihen 12,6 Millionen US-Dollar Schulden in 23,6 Millionen neue Aktien um.
Weil nach einer Aktienzusammenlegung automatisch berechnete Kennzahlen für eine Weile unzuverlässig sind: Historische Je-Aktie-Werte werden von Datenanbietern unterschiedlich schnell umgerechnet. Wir nutzen deshalb nur den in einem Originaldokument belegten Kurs von 0,36 US-Dollar vom 11. Juni 2026 (Prospekt-Nachtrag 424B5). Mit 344.645.965 Aktien ergibt das rund 124 Millionen US-Dollar Börsenwert zu diesem Stichtag — rund das Hundertfache des Jahresumsatzes 2025.
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