Medallion Financial: Warum die billigste Kennzahl dieser Aktie die falsche ist
Auf dem Papier ist Medallion Financial ein Schnäppchen: Der Börsenwert entspricht dem 1,7-fachen des operativen Mittelzuflusses und 57 Prozent des Buchwerts. Nur misst diese Kennzahl bei einem Kreditgeber die Zinsmarge, bevor die Ausfälle bezahlt sind — und die Ausfälle sind hier die eigentliche Geschichte: 89,8 Millionen US-Dollar Risikovorsorge im Jahr 2025 nach 37,8 Millionen im Jahr 2023. Dazu kommt eine Firmengeschichte mit Kanten: Das namensgebende Taxi-Kreditgeschäft steht für weniger als 0,2 Prozent der Bilanz, und die US-Börsenaufsicht hat 2025 ein Verfahren gegen die Gesellschaft und ihren heutigen Vorstandschef abgeschlossen. Keine Empfehlung — nur die Frage, was von einer Zinsmarge übrig bleibt, wenn die Ausfälle bezahlt sind.
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Es gibt einen Reflex, den fast jeder von uns kennt: Wir sehen eine auffällig niedrige Kennzahl und halten sie für einen Fund. Nennen wir es die Schnäppchen-Falle — nicht der Irrtum, dass Zahlen lügen, sondern der Irrtum, dass eine Zahl immer dasselbe bedeutet. Ein Verhältnis von Börsenwert zu Mittelzufluss von 1,7 heißt bei einem Softwarehaus etwas völlig anderes als bei einer Bank. Medallion Financial Corp. (NASDAQ: MFIN) ist der Lehrfall dafür, und deshalb machen wir hier keinen Bogen darum, sondern rechnen es auf: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und alles, was seither an Pflichtmitteilungen kam.
Das Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Eine der günstigsten Kennzahlen unseres gesamten US-Universums misst hier ausgerechnet die Größe, die bei einem Kreditgeber nichts über den Ertrag aussagt — und dahinter liegt ein Unternehmen, dessen Zahlen besser sind als sein Ruf und dessen Ruf schlechter ist als seine Zahlen.
Inhaltsübersicht
- Was Medallion Financial eigentlich macht
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was die Kennzahl wirklich misst
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
- Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist
- Bewertung: Was du für dein Geld bekommst
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Medallion Financial eigentlich macht — und warum der Name in die Irre führt
Der Name erzählt eine Geschichte, die es so nicht mehr gibt. Ein „Medallion“ ist die New Yorker Taxi-Lizenz, das einzige Blechschild, das erlaubt, in Manhattan Fahrgäste von der Straße aufzunehmen. Medallion Financial, 1996 an die Börse gegangen und bis 2016 unter dem Kürzel TAXI notiert, hat jahrzehntelang den Kauf dieser Lizenzen finanziert. Als Uber kam, brach der Marktwert der Medaillons ein, und mit ihm die Sicherheiten hinter den Krediten.
Wie wenig davon übrig ist, steht heute in zwei Zeilen des Geschäftsberichts.
Was heute Geld verdient, sind vier Segmente. Freizeitfahrzeugkredite (Wohnmobile, Boote, Sammlerfahrzeuge) machen mit 1.617,2 Millionen US-Dollar rund 63 Prozent des Kreditbuchs aus und liefern 66 Prozent des Zinsertrags; Medallion arbeitet dafür mit etwa 3.400 Händlern und Finanzdienstleistern zusammen. Heimwerkerkredite — Fenster, Dächer, Fassaden, Schwimmbäder — stehen mit 810,2 Millionen für 32 Prozent; hier sind es rund 700 Handwerksbetriebe, und das Geschäft entsteht meist im Wohnzimmer des Kunden, wenn der Handwerker sein Angebot samt Finanzierung vorlegt. Dazu kommen gewerbliche Mezzanine-Kredite über die Tochter Medallion Capital (123,1 Millionen) und eben das Taxi-Restgeschäft (1,2 Millionen). Alle Zahlen zum 31. Dezember 2025.
Das Entscheidende an der Struktur: Medallion besitzt eine eigene Bank in Utah, die Medallion Bank, und finanziert sich zu großen Teilen über deren Einlagen — 2.128,6 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, also 72 Prozent der Bilanzsumme. Das ist der Grund, warum die Zinsspanne so groß ist: Man leiht sich Geld zu Einlagenzinsen und verleiht es zu Konsumkreditzinsen. Merke: Ein Kreditgeber mit eigener Bank verdient an der Differenz zwischen zwei Zinssätzen — und verliert an dem Teil der Kredite, der nicht zurückkommt. Von beidem gleich mehr.
Ein fünftes, junges Standbein sollte man kennen, weil es in keiner der üblichen Kennzahlen auftaucht: das Partnergeschäft. Medallion vergibt Kredite für strategische Partner und verkauft sie sofort weiter — 771,6 Millionen US-Dollar Neuvergabe im Jahr 2025 nach 203,6 Millionen im Jahr 2024, bei einem Bestand von nur 15,1 Millionen in der eigenen Bilanz. Verdient wird an Programmgebühren (3,6 Millionen 2025). Das Volumen wächst schnell, der Ertragsbeitrag ist bisher klein.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was die Kennzahl wirklich misst
Medallion kam über unseren hauseigenen Aktien-Scanner K-FCF-Ranking auf die Rechercheliste. Der Scanner sortiert Aktien danach, wie viele Jahre freien Mittelzuflusses im Börsenwert stecken. Nachmachen kannst du das so: Scanner öffnen, Marktfilter auf USA stellen, Spalte „Börsenwert / freier Mittelzufluss“ ansehen.
Zum 27. Juli 2026 listet der Scanner in der US-Auswahl 545 Treffer — auf beiden unserer Marken identisch. Medallion steht dort mit einem Faktor von 1,73 auf Position 31. Zur Einordnung der Verteilung: 18 Titel liegen unter dem Faktor 1, weitere 19 zwischen 1 und 2, 27 zwischen 2 und 3 — und 385 der 545 Treffer über 5. Medallion gehört also zum günstigsten Zehntel. Angezeigt werden allerdings nur die 25 stärksten Titel, und mit Rang 31 steht Medallion knapp außerhalb der sichtbaren Liste. Die Aktie kam über die vollständige Trefferliste.
Und jetzt die Aufrechnung, die dieser Analyse ihren Titel gibt. Bei einem Kreditgeber misst diese Kennzahl nicht, was man denkt. Drei Gründe, nacheinander:
Erstens: Die Risikovorsorge steckt im Zähler. Die Kapitalflussrechnung beginnt beim Gewinn und rechnet alle Posten wieder hinzu, die kein Geld gekostet haben. Die Risikovorsorge für Kreditausfälle ist so ein Posten — im Jahr 2025 waren das 89,8 Millionen US-Dollar. Bei einem operativen Mittelzufluss von 126,3 Millionen und einem Aktionärsergebnis von 43,0 Millionen ist damit fast der gesamte Zufluss durch eine einzige zurückgebuchte Zeile erklärt. Der „Mittelzufluss“ misst also die Zinsmarge, bevor die Ausfälle bezahlt sind.
Zweitens: Die Ausfälle sind trotzdem echtes Geld. Die Vorsorge ist eine Schätzung, die tatsächliche Abschreibung nicht. 2025 schrieb Medallion 97,2 Millionen US-Dollar an Krediten ab und holte 24,8 Millionen wieder herein — netto 72,4 Millionen, nach 63,4 Millionen im Jahr 2024. Dieses Geld ist weg. Es taucht in der Kapitalflussrechnung nur nicht als Abfluss auf, weil es nie als Zufluss gebucht war.
Drittens: Was übrig bleibt, wird verliehen, nicht ausgeschüttet. Bei einem Industriebetrieb ist der freie Mittelzufluss das, was nach den Investitionen übrig bleibt. Bei einem Kreditgeber ist die Investition der Kredit selbst — und der steht in der Kapitalflussrechnung nicht im operativen Teil, sondern in der Investitionstätigkeit. 2025 flossen operativ 126,3 Millionen zu und über die Investitionstätigkeit 124,5 Millionen ab. In den Jahren davor war die Schere weit größer: 113,8 gegen 340,7 Millionen (2023), 108,7 gegen 328,9 Millionen (2024). Im ersten Quartal 2026 standen 41,3 Millionen operativer Zufluss einer Neuvergabe von 212,3 Millionen gegenüber; der Kassenbestand fiel im Quartal um 62,9 Millionen.
Was tatsächlich beim Aktionär ankam, ist eine viel kleinere Zahl: 10,972 Millionen US-Dollar Dividende im Jahr 2025. Wer Kreditgeber vergleichen will, sollte deshalb bei Buchwert, Zinsmarge und Ausfallquote bleiben — so wie wir es in unserer Analyse zu OneMain Holdings vorgerechnet haben.
Ein Wort noch zum Altman-Z-Wert, der in unserem Datenbestand bei −0,76 liegt und damit rechnerisch unter der Gefahrenzone von 1,1. Diese Formel ist für ein Unternehmen wie Medallion nicht gemacht. Sie wurde für Industriebetriebe entwickelt und rechnet mit Umlaufvermögen, Vorräten und Umsatz. Bei einer Bank sind ausgereichte Kredite kein Umlaufvermögen und Kundeneinlagen keine gewöhnlichen Verbindlichkeiten — die Formel liest die normale Struktur einer Bankbilanz zwangsläufig als Notlage. Wir verwenden sie hier deshalb nicht. Aussagekräftig sind bei einem Kreditgeber vier andere Zahlen, und die sehen wir uns im übernächsten Kapitel an: Eigenkapitalquote, Vorsorgequote, überfällige Kredite und Zinsmarge.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Beginnen wir mit dem, was gut läuft, und das ist mehr, als der Ruf dieser Aktie vermuten lässt. Der Zinsertrag ist in drei Jahren von 251,0 (2023) über 290,7 (2024) auf 315,3 Millionen US-Dollar (2025) gestiegen — plus 26 Prozent. Der Nettozinsertrag, also nach Abzug dessen, was Medallion selbst für sein Geld zahlt, kletterte von 188,1 über 202,5 auf 216,9 Millionen. Möglich macht das eine Marge, von der die meisten Banken nur träumen: Die Kredite brachten 2025 im Schnitt 12,26 Prozent Rendite, die Refinanzierung kostete 4,22 Prozent — macht eine Nettozinsmarge von 8,06 Prozent.
Auch das erste Quartal 2026 lief in dieser Spur weiter: Zinsertrag 79,1 Millionen (Vorjahresquartal 75,4), Nettozinsertrag 54,1 Millionen nach 51,4 Millionen, ein Plus von 5,1 Prozent.
Nun die andere Seite, und sie ist der Kern dieser Analyse.
Die Risikovorsorge stieg von 37,8 (2023) über 76,5 (2024) auf 89,8 Millionen US-Dollar (2025). In Prozent des Nettozinsertrags: von 20,1 auf 41,4 Prozent. Und damit steht unter dem Strich des Zinsgeschäfts heute weniger als vor drei Jahren: 150,3 Millionen (2023), 126,0 (2024), 127,1 Millionen (2025). Ein Viertel weniger, bei einem Viertel mehr Zinsertrag.
Beim ausgewiesenen Ergebnis für die Aktionäre sieht man dieselbe Bewegung, überlagert von Sondereffekten: 55,1 (2023), 35,9 (2024), 43,0 Millionen US-Dollar (2025). Das Jahr 2025 wurde von 24,6 Millionen Gewinnen auf Beteiligungen gestützt, das Jahr 2024 von der SEC-Geldbuße über 3,0 Millionen belastet. Das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 2,37, 1,52 und 1,78 US-Dollar.
Im ersten Quartal 2026 fiel das Aktionärsergebnis auf 4,953 Millionen nach 12,014 Millionen — ein Minus von 59 Prozent, das auf den ersten Blick alarmiert. Der Grund ist aber wieder ein Sondereffekt: Im Vorjahresquartal steckten 9,430 Millionen Beteiligungsgewinne, in diesem Quartal nur 0,313 Millionen. Rechnet man beide Quartale ohne diese Position, liegt das Vorsteuerergebnis bei 11,3 Millionen gegen 10,8 Millionen — ein Plus von 4,6 Prozent. Das operative Geschäft ist nicht eingebrochen; die Zufallsgewinne sind ausgeblieben.
Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Name ist ein Denkmal für 171 Millionen abgeschriebene Dollar
Das Taxi-Geschäft ist nicht klein geworden, es ist abgeschrieben worden. Der Geschäftsbericht nennt die Summe.
Wie die verbliebenen Positionen bewertet sind, sagt der Bericht ebenfalls: Medallion setzt einen Medaillonwert von 79.500 US-Dollar netto nach Verwertungskosten an (Stand 31. Dezember 2025) und stützt das auf die 2025 tatsächlich beobachteten Verkaufspreise der New Yorker Taxi- und Limousinenbehörde. In der Zwangsverwertung steckten zum 31. März 2026 noch 276 Medaillons in New York, 186 in Chicago, 22 in Newark und 31 in anderen Märkten — zusammen 515 Stück, bilanziert als 6,4 Millionen US-Dollar „Sicherheiten in Verwertung“. Seit 2020 steht das gesamte Taxi-Portfolio auf Nichtabgrenzung, es werden also keine Zinsen mehr vereinnahmt. Für dich als Anleger heißt das: Der Taxi-Teil kann kaum noch schaden, aber auch nichts mehr tragen — außer als Zufallsgewinn, wenn ein Medaillon über Buchwert verkauft wird (2025: 4,6 Millionen, im ersten Quartal 2026: 1,1 Millionen).
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Ausfälle wachsen schneller als das Geschäft
Das ist die Zahl, an der diese Aktie hängt. Von 2023 bis 2025 stieg der Nettozinsertrag um 15 Prozent — die Risikovorsorge um 138 Prozent. Das ist teilweise Wachstum: Ein größeres Kreditbuch braucht mehr Vorsorge. Aber nicht nur. Der Vorsorgebestand macht inzwischen 4,48 Prozent des gesamten Kreditbuchs aus (31. März 2026; zum Jahresende 2025 waren es 4,50 Prozent). Im Freizeitsegment allein sind es 5,31 Prozent, im Heimwerkersegment 2,41 Prozent, im gewerblichen Geschäft 7,36 Prozent (jeweils 31. Dezember 2025).
Übersetzt in ein Alltagsbild: Medallion rechnet bei jedem zwanzigsten ausgereichten Dollar damit, ihn nicht wiederzusehen. Das ist die Kehrseite einer Zinsmarge von acht Prozent — man bekommt sie, weil man Kunden bedient, die woanders keinen Kredit bekommen. Der durchschnittliche Kreditnehmer im Freizeitsegment hatte bei Vergabe einen FICO-Wert von 686 (2025), was in den USA als solides mittleres Segment gilt, nicht als erstklassig.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Bilanz ist besser, als der Ruf erwarten lässt
Hier fällt die Analyse zugunsten des Unternehmens aus, und das gehört genauso deutlich gesagt. Vier Zahlen, mit denen man einen Kreditgeber tatsächlich beurteilt:
- Eigenkapitalquote 13,8 Prozent — 408,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital der Aktionäre auf 2.950,5 Millionen Bilanzsumme (31. März 2026). Rechnet man die Vorzugsaktien der Banktochter hinzu, sind es 507,5 Millionen und 17,2 Prozent. Für eine Bank ist das viel; Regulierer verlangen ein Vielfaches weniger.
- Überfällige Kredite 0,8 Prozent — 20,9 Millionen US-Dollar der Kredite waren zum 31. März 2026 mehr als 90 Tage überfällig, nach 24,5 Millionen und 1,0 Prozent zum Jahresende. Die Quote ist gefallen, nicht gestiegen.
- Vorsorgedeckung 281 Prozent — der Vorsorgebestand deckte die notleidenden Kredite zum 31. Dezember 2025 fast dreifach ab.
- Nettozinsmarge 8,06 Prozent — praktisch unverändert gegenüber 8,05 Prozent im Jahr 2024, trotz gestiegener Refinanzierungskosten.
Ein Detail, das man kennen sollte: Von den 20,9 Millionen überfälligen Krediten entfallen 10,3 Millionen auf einen unveränderten Posten im gewerblichen Geschäft — dieselbe Zahl wie zum 31. Dezember 2025. Ein einzelner festgefahrener Firmenkredit macht damit die Hälfte aller überfälligen Forderungen aus.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Börsenaufsicht hat gegen die Gesellschaft und ihren heutigen Vorstandschef ermittelt
Diesen Teil kann man nicht weglassen, wenn man ehrlich sein will. Am 29. Dezember 2021 reichte die US-Börsenaufsicht SEC beim Bundesbezirksgericht für den Südbezirk von New York eine Zivilklage gegen die Gesellschaft und ihren President and Chief Operating Officer ein.
„On December 29, 2021, the SEC filed a civil complaint in the U.S. District Court for the Southern District of New York against the Company and its President and Chief Operating Officer alleging certain violations of the anti-fraud, books and records, internal controls and anti-touting provisions of the federal securities laws. The litigation related to certain issues that occurred during the period 2015 to 2017, including (i) the Company's retention of third parties in 2015 and 2016 concerning posting information about the Company on certain financial websites and (ii) the Company's financial reporting and disclosures concerning certain assets, including Medallion Bank, in 2016 and 2017…“
Übersetzung: „Am 29. Dezember 2021 reichte die SEC beim Bundesbezirksgericht für den Südbezirk von New York eine Zivilklage gegen die Gesellschaft und ihren President and Chief Operating Officer ein und warf ihnen bestimmte Verstöße gegen die Betrugs-, Buchführungs-, Kontroll- und Anpreisungsvorschriften der Bundeswertpapiergesetze vor. Das Verfahren betraf bestimmte Vorgänge im Zeitraum 2015 bis 2017, darunter (i) die Beauftragung Dritter durch die Gesellschaft in den Jahren 2015 und 2016, auf bestimmten Finanz-Webseiten Informationen über die Gesellschaft zu veröffentlichen, und (ii) die Rechnungslegung und Offenlegung der Gesellschaft zu bestimmten Vermögenswerten, darunter die Medallion Bank, in den Jahren 2016 und 2017…“
— Medallion Financial Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang Nr. 12 (SEC Litigation)
Drei Dinge dazu, sachlich. Erstens: Das Verfahren ist beendet. Das Gericht erließ am 30. Mai 2025 ein Endurteil; die Beteiligten stimmten ihm zu, ohne die Vorwürfe anzuerkennen oder zu bestreiten. Die Gesellschaft zahlte 3.000.000 US-Dollar Geldbuße, die bereits im vierten Quartal 2024 zurückgestellt und dort als eigene Aufwandszeile ausgewiesen war. Zweitens: Die Vorwürfe betrafen Vorgänge aus den Jahren 2015 bis 2017 — eine Zeit, in der die Gesellschaft noch nach den Regeln für Beteiligungsgesellschaften bilanzierte. Drittens, und das ist die Information, die man selbst zusammensetzen muss: Der damals mitbeklagte President and Chief Operating Officer ist Andrew M. Murstein — und er unterschreibt den Geschäftsbericht 2025 wie den Quartalsbericht 2026 heute als President, Chief Executive Officer and Chief Operating Officer. Sein Vater Alvin Murstein ist Verwaltungsratsvorsitzender in geschäftsführender Funktion. Das ist kein Vorwurf, aber es ist eine Tatsache, die in die Beurteilung gehört, wenn man einem Unternehmen sein Geld anvertraut.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ein Teil der Aktionäre will diese Führung nicht — zum dritten Mal in Folge
Am 9. Juni 2026 fand die Hauptversammlung statt, und sie war zum dritten Mal hintereinander ein Stimmrechtskampf: Der Investor BIMIZCI Fund LLC hatte erneut eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat aufgestellt. Am Stichtag 13. April 2026 waren 23.864.438 Aktien stimmberechtigt, vertreten waren 17.419.949 Stück oder 73,0 Prozent.
Das Ergebnis war deutlich, aber nicht einhellig. Die Kandidaten der Gesellschaft wurden gewählt: John Everets mit 14.905.644 Stimmen dafür bei 2.476.122 Enthaltungen, Cynthia A. Hallenbeck mit 13.199.033 zu 4.182.873 und Alvin Murstein mit 12.785.454 zu 4.596.312. Die Herausfordererkandidaten kamen nicht durch — Eric Kelly auf 3.384.358 Stimmen, John Kiernan auf 4.711.028. Bemerkenswert ist die Verteilung innerhalb des Gewinnerlagers: Beim Verwaltungsratsvorsitzenden Alvin Murstein verweigerten mehr als 4,5 Millionen Stimmen die Zustimmung — fast doppelt so viele wie beim bestbewerteten Kandidaten. Übersetzt: Rund ein Viertel der abgegebenen Stimmen wollte die Familie Murstein nicht bestätigen. Wer hier investiert, kauft ein Unternehmen mit einem ungelösten Streit über seine eigene Führung.
Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist
Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 5. Mai 2026. Danach ist bei diesem Unternehmen ungewöhnlich viel passiert.
- 3. und 11. Juni 2026: Die US-Behörde für kleine Unternehmen (SBA) teilte mit, dass ein zuvor erklärter Verzugsfall bei der Tochter Medallion Capital geheilt sei. Hintergrund: Die SBA hatte am 31. März 2026 — am selben Tag, an dem Medallion Capital das geforderte Führungsteam einreichte — einen Verzugsfall auf die ausstehenden Debentures erklärt. Zum 31. März 2026 standen dort 115,25 Millionen US-Dollar aus.
- 9. Juni 2026: Hauptversammlung mit dem oben beschriebenen Wahlergebnis.
„Medallion Capital submitted a management team for review through the SBA's licensing division on March 31, 2026 and on the same day, the SBA notified Medallion Capital that it has declared an event of default with respect to outstanding debentures and directed Medallion Capital, within 120 days, to identify and submit at least one qualified candidate for consideration as a full-time principal and investment committee member of Medallion Capital. The SBA's notice and event of default do not trigger any cross-default clauses in any of the Company's debt arrangements.“
Übersetzung: „Medallion Capital reichte am 31. März 2026 ein Führungsteam zur Prüfung durch die Lizenzabteilung der SBA ein, und am selben Tag teilte die SBA Medallion Capital mit, dass sie einen Verzugsfall hinsichtlich der ausstehenden Debentures erklärt habe, und wies Medallion Capital an, binnen 120 Tagen mindestens einen qualifizierten Kandidaten für die Position eines hauptamtlichen Verantwortlichen und Mitglieds des Investitionsausschusses von Medallion Capital zu benennen und einzureichen. Die Mitteilung und der Verzugsfall der SBA lösen in keiner der Kreditvereinbarungen der Gesellschaft eine Cross-Default-Klausel aus.“
— Medallion Financial Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Anhang Nr. 5
- 11. und 25. Juni 2026: Führungswechsel bei der Medallion Bank. Donald Poulton legte sein Amt als Vorstandschef der Bank zum 30. Juni 2026 nieder und wechselte in deren Verwaltungsrat; David Justin Haley übernahm zum 1. Juli 2026 und bleibt zugleich Präsident der Bank. Der Vergütungsausschuss ließ Poultons 92.978 noch gesperrte Aktien sofort und vollständig frei werden und hielt ihn für einen Jahresbonus berechtigt.
- 18. Juni 2026 eingereicht, 1. Juli 2026 wirksam: ein Rahmenprospekt über bis zu 100 Millionen US-Dollar in Stammaktien, Vorzugsaktien, Schuldverschreibungen, Bezugsrechten und Optionsscheinen. Das ist ein Vorrat, kein Angebot — aber gemessen an einem Börsenwert von rund 233 Millionen ein großer.
Bewertung: Was du für dein Geld bekommst
Alle folgenden Größen sind selbst gerechnet, mit 23.849.967 Aktien (Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 4. Mai 2026) und einem Kurs von 9,77 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — Börsenwert also rund 233 Millionen US-Dollar. Ein Hinweis zur Datenlage: In unserem Bestand und in den gängigen Datenfeeds stehen rund 23,1 Millionen Aktien und damit ein Börsenwert von 226 bis 227 Millionen. Wir rechnen mit der Zahl aus dem Bericht.
Erstens der Buchwert. Das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital betrug zum 31. März 2026 408,1 Millionen US-Dollar — je Aktie 17,11 US-Dollar. Bei einem Kurs von 9,77 zahlt die Börse also rund 57 Prozent des Buchwerts. Das ist bei einem Kreditgeber die zentrale Kennzahl, und es ist eine harte Aussage: Der Markt traut der Bewertung des Kreditbuchs nicht ganz — oder er verlangt einen Abschlag für Führung, Marktenge und Ausfallrisiko.
Zweitens der Gewinn. Über die letzten vier Quartale verdiente Medallion 36,0 Millionen US-Dollar für die Aktionäre, verwässert 1,48 US-Dollar je Aktie. Das ergibt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,6. Vorsicht bei der Einordnung: In den Vorjahreszahlen stecken erhebliche Beteiligungsgewinne, die nicht jedes Jahr anfallen.
Drittens die Ausschüttung. Medallion zahlt seit 2022 wieder Dividende und hat sie seither erhöht: 7,5 (2022), 7,7 (2023), 9,4 (2024) und 10,972 Millionen US-Dollar (2025). Auf Jahressicht sind das derzeit 0,56 US-Dollar je Aktie — eine Dividendenrendite von 5,7 Prozent bei einer Ausschüttungsquote von rund einem Drittel. Diese Zahl ist, anders als der Mittelzufluss, tatsächlich das, was beim Aktionär ankommt.
Was wir bewusst weglassen. Den Unternehmenswert (Börsenwert plus Schulden) führen wir hier nicht auf: Bei einer Bank sind Kundeneinlagen der Rohstoff des Geschäfts und keine Schulden im üblichen Sinn — die Kennzahl würde 2,58 Milliarden US-Dollar ausweisen und nichts erklären. Ebenso wenig verwenden wir den Altman-Z-Wert, aus den im Scanner-Kapitel genannten Gründen. Und der Piotroski-Punktwert, den unser Datenbestand mit 6 von 9 führt, ist hier von begrenztem Wert, weil mehrere seiner Kriterien — Liquiditätsgrad, Bruttomarge, Kapitalumschlag — bei einer Bankbilanz keine sinnvolle Bedeutung haben.
Der Blick der Profis — und ein Warnhinweis. Ganze zwei Analysten begleiten diesen Titel, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 11,00 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026). Noch wichtiger für die Praxis: Der Handelsumsatz liegt bei rund 0,8 Millionen US-Dollar am Tag. Das ist sehr wenig. Eine Order, die bei einem großen Wert unauffällig bleibt, bewegt hier den Kurs. Rund 31 Prozent der Aktien liegen bei Insidern, 5,0 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft. In den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 pendelte die Aktie zwischen 7,85 und 11,00 US-Dollar.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Die Zinsmarge ist außergewöhnlich: 12,26 Prozent Kreditrendite gegen 4,22 Prozent Refinanzierungskosten ergaben 2025 eine Nettozinsmarge von 8,06 Prozent — stabil gegenüber 8,05 Prozent im Vorjahr.
- Die Aktie notiert bei rund 57 Prozent des Buchwerts von 17,11 US-Dollar je Aktie (31. März 2026) und zahlt eine Dividende von rund 5,7 Prozent, die seit 2022 in jedem Jahr gestiegen ist.
- Die Bilanz trägt: 13,8 Prozent Eigenkapitalquote (17,2 Prozent mit den Vorzugsaktien der Banktochter), 4,48 Prozent Vorsorgebestand, 281 Prozent Vorsorgedeckung der notleidenden Kredite.
- Die überfälligen Kredite sind gefallen, nicht gestiegen: 0,8 Prozent des Kreditbuchs zum 31. März 2026 nach 1,0 Prozent zum Jahresende 2025.
- Das Partnergeschäft wächst schnell und bindet kaum Kapital: 771,6 Millionen US-Dollar Neuvergabe im Jahr 2025 nach 203,6 Millionen, bei nur 15,1 Millionen Bestand in der eigenen Bilanz.
Risiken
- Die Risikovorsorge stieg in drei Jahren um 138 Prozent auf 89,8 Millionen US-Dollar, während der Nettozinsertrag nur um 15 Prozent zulegte — was nach Abzug bleibt, ist von 150,3 auf 127,1 Millionen gefallen.
- Das Geschäft ist zyklisch und auf zwei Konsumgüter konzentriert: Wohnmobile, Boote und Heimwerkerprojekte sind das Erste, was Haushalte in einer Rezession streichen.
- Die Führungsfrage ist ungelöst: der dritte Stimmrechtskampf in Folge, und beim Verwaltungsratsvorsitzenden verweigerten 4.596.312 Stimmen die Zustimmung.
- Ein am 1. Juli 2026 wirksam gewordener Rahmenprospekt erlaubt die Ausgabe von bis zu 100 Millionen US-Dollar an Wertpapieren — 43 Prozent des Börsenwerts, bei einem Kurs unter Buchwert.
- Die Vorzugsaktien der Banktochter kosten 9,00 Prozent bis Juli 2030; der Minderheitenanteil am Gewinn stieg 2025 auf 8,782 Millionen US-Dollar nach 6,047 Millionen.
- Der Titel ist sehr markteng: rund 0,8 Millionen US-Dollar Handelsumsatz am Tag und nur zwei Analysten. Ein- und Ausstieg können teuer werden.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Schnäppchen-Falle vom Anfang? Medallion Financial ist der seltene Fall, in dem sie in beide Richtungen zuschnappt. Die günstige Mittelzufluss-Kennzahl, die diese Aktie auf unsere Liste gebracht hat, misst tatsächlich die falsche Größe — sie zeigt die Zinsmarge, bevor die Ausfälle bezahlt sind, und die Ausfälle haben sich in drei Jahren mehr als verdoppelt. Wer nur auf diese Zahl schaut, kauft eine Illusion.
Aber genauso wenig stimmt das Gegenteil. Dieses Unternehmen ist kein Taxi-Kreditgeber mehr, es ist ein Konsumfinanzierer mit eigener Bank, einer Zinsmarge von acht Prozent, einer Eigenkapitalquote von fast vierzehn Prozent und fallenden Überfälligkeiten — und es notiert bei 57 Prozent seines Buchwerts. Der Abschlag ist nicht aus der Luft gegriffen: Er bezahlt einen offenen Streit über die Führung, ein abgeschlossenes, aber nicht vergessenes Verfahren der Börsenaufsicht, ein zyklisches Kundensegment und einen Aktienhandel, der an manchen Tagen kaum stattfindet.
Was du daraus machst, hängt davon ab, welchen dieser beiden Sätze du für wichtiger hältst. Zum Weiterlesen zwei Vergleiche, die beide Seiten beleuchten: Wie ein großer Konsumfinanzierer mit denselben Mechanismen aussieht, zeigt unsere Analyse zu OneMain Holdings. Und wie schnell ein kleiner Autokredit-Finanzierer kippen kann, wenn die Ausfälle steigen, steht in unserer Analyse zu Consumer Portfolio Services.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Geschäftsbericht 10-K für 2025, Medallion Financial Corp., eingereicht am 10.03.2026 (CIK 0001000209)
- Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, eingereicht am 05.05.2026
- Pflichtmitteilung 8-K vom 12.06.2026 — Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung vom 09.06.2026 (Item 5.07)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 12.06.2026 — Heilung des SBA-Verzugsfalls bei Medallion Capital (Item 8.01)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 12.06.2026 — Führungswechsel bei der Medallion Bank (Item 5.02)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 26.06.2026 — Vergütungsbeschlüsse zum Ausscheiden von Donald Poulton (Item 5.02)
- Rahmenprospekt Form S-3, eingereicht am 18.06.2026, wirksam am 01.07.2026
- Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q) — Kennzahlen, Kurshistorie und Analystenschätzungen mit Datenstand 24. Juli 2026; Scanner-Stände vom 27. Juli 2026
Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Medallion Financial Corp.
Unser Fazit auf einen Blick
- Ertragskraft des Kerngeschäfts positiv
- Die Zinsmarge ist außergewöhnlich und stabil: 12,26 Prozent Kreditrendite gegen 4,22 Prozent Refinanzierungskosten ergaben 2025 eine Nettozinsmarge von 8,06 Prozent, nach 8,05 Prozent im Vorjahr. Der Nettozinsertrag stieg von 188,1 (2023) über 202,5 (2024) auf 216,9 Millionen US-Dollar und im ersten Quartal 2026 weiter um 5,1 Prozent auf 54,1 Millionen.
- Kreditqualität negativ
- Die Risikovorsorge stieg in drei Jahren um 138 Prozent auf 89,8 Millionen US-Dollar — das sind 41,4 Prozent des Nettozinsertrags nach 20,1 Prozent im Jahr 2023. Was nach Abzug übrig bleibt, ist von 150,3 auf 127,1 Millionen gefallen. Netto abgeschrieben wurden 2025 tatsächlich 72,4 Millionen. Gegenläufig: Die über 90 Tage überfälligen Kredite sanken auf 0,8 Prozent des Buchs.
- Bilanzstruktur positiv
- Für einen Kreditgeber solide: 408,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital der Aktionäre auf 2.950,5 Millionen Bilanzsumme (13,8 Prozent, mit den Vorzugsaktien der Banktochter 17,2 Prozent), Vorsorgebestand 4,48 Prozent des Kreditbuchs, Vorsorgedeckung der notleidenden Kredite 281 Prozent, Refinanzierung überwiegend über eigene Einlagen (2.128,6 Millionen).
- Führung und Regeltreue negativ
- Das SEC-Verfahren gegen die Gesellschaft und ihren President and Chief Operating Officer endete am 30. Mai 2025 mit Endurteil, Unterlassungsanordnung und 3.000.000 US-Dollar Geldbuße — ohne Anerkennung der Vorwürfe. Derselbe Manager, Andrew M. Murstein, führt das Unternehmen heute als Vorstandsvorsitzender. Auf der Hauptversammlung vom 9. Juni 2026, dem dritten Stimmrechtskampf in Folge, verweigerten 4.596.312 Stimmen dem Verwaltungsratsvorsitzenden die Zustimmung.
- Kapitalverwendung und Verwässerung neutral
- Die Dividende steigt seit 2022 in jedem Jahr, zuletzt auf 10,972 Millionen US-Dollar bei einer Ausschüttungsquote von rund einem Drittel. Dem steht ein am 1. Juli 2026 wirksam gewordener Rahmenprospekt über bis zu 100 Millionen US-Dollar gegenüber — 43 Prozent des Börsenwerts, bei einem Kurs von 57 Prozent des Buchwerts. Zudem kosten die Vorzugsaktien der Banktochter 9,00 Prozent; der Minderheitenanteil am Gewinn stieg 2025 auf 8,782 Millionen.
- Handelbarkeit und Datenlage negativ
- Rund 0,8 Millionen US-Dollar Handelsumsatz am Tag und nur zwei begleitende Analysten machen den Titel schwer handelbar. Hinzu kommt: Der Börsenwert im Datenbestand beruht auf 23,1 Millionen Aktien, der Quartalsbericht nennt 23.849.967 — alle Bewertungsangaben dieser Analyse sind deshalb selbst gerechnet. Altman-Z und Piotroski-Punktwert sind bei einer Bankbilanz ohne Aussagekraft.
Medallion Financial ist nicht mehr das Unternehmen, das sein Name behauptet. Das Taxi-Geschäft steht für weniger als 0,2 Prozent der Bilanz und ist mit kumuliert 171,1 Millionen US-Dollar abgeschrieben; verdient wird heute mit Wohnmobil-, Boots- und Heimwerkerkrediten über eine eigene Bank, mit einer Nettozinsmarge von 8,06 Prozent und einer Eigenkapitalquote von 13,8 Prozent. Der Aufhänger dieser Analyse trägt allerdings nicht: Das Verhältnis von Börsenwert zu operativem Mittelzufluss von 1,73 misst bei einem Kreditgeber die Zinsmarge, bevor die Ausfälle bezahlt sind — und die Risikovorsorge stieg von 37,8 (2023) auf 89,8 Millionen (2025), sodass nach Abzug heute weniger übrig bleibt als vor drei Jahren. Was der Markt mit einem Abschlag von 43 Prozent auf den Buchwert bezahlt, ist genau diese Mischung aus solider Bilanz, steigenden Ausfällen, einem abgeschlossenen Verfahren der Börsenaufsicht gegen den heutigen Vorstandschef und einem sehr engen Markt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Kerngeschäft trägt sich: 315,3 Millionen US-Dollar Zinsertrag 2025 bei einer Nettozinsmarge von 8,06 Prozent, 43,0 Millionen Ergebnis für die Aktionäre, seit 2022 in jedem Jahr steigende Dividende, 13,8 Prozent Eigenkapitalquote und eine Vorsorge, die die notleidenden Kredite mit 281 Prozent deckt. Die über 90 Tage überfälligen Kredite sind auf 0,8 Prozent gefallen. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: kein Verlust, kein Auflagenbruch bei der Bank, kein Zweifel an der Fortführung. Für Grün fehlt zu viel. Erstens die Ausfallentwicklung: Die Risikovorsorge stieg in drei Jahren um 138 Prozent auf 89,8 Millionen, und der Ertrag nach Abzug fiel von 150,3 auf 127,1 Millionen. Zweitens die Führungsfrage: ein am 30. Mai 2025 per Endurteil beendetes SEC-Verfahren gegen die Gesellschaft und ihren heutigen Vorstandschef, dazu der dritte Stimmrechtskampf in Folge mit 4.596.312 verweigerten Stimmen beim Verwaltungsratsvorsitzenden. Drittens die Handelbarkeit: rund 0,8 Millionen US-Dollar Umsatz am Tag und zwei Analysten. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Medallion Financial über den hauseigenen Aktien-Scanner „K-FCF-Ranking“ (US-Auswahl, Stand 27. Juli 2026, 545 Treffer). Der Titel steht dort mit einem Faktor von 1,73 auf Position 31 — angezeigt werden nur die 25 stärksten Titel, Medallion steht also knapp außerhalb der sichtbaren Liste. Zur Einordnung der Verteilung: 18 Titel liegen unter dem Faktor 1, weitere 19 zwischen 1 und 2, 27 zwischen 2 und 3, und 385 der 545 Treffer über 5. Die Listen werden täglich neu berechnet. Die Analyse rechnet den Aufhänger ausdrücklich gegen: Bei einem Kreditgeber misst diese Kennzahl die Zinsmarge vor den Ausfällen.
- Kennzahlen-Vorbehalt: Der Altman-Z-Wert (im Datenbestand −0,76) wird hier bewusst nicht verwendet — die Formel wurde für Industriebetriebe entwickelt und liest die normale Struktur einer Bankbilanz zwangsläufig als Notlage. Aussagekräftig sind stattdessen Eigenkapitalquote (13,8 Prozent), Vorsorgequote (4,48 Prozent), über 90 Tage überfällige Kredite (0,8 Prozent), Vorsorgedeckung (281 Prozent) und Nettozinsmarge (8,06 Prozent). Aus demselben Grund bleibt der Piotroski-Punktwert (im Datenbestand 6 von 9) hier außen vor. Der Börsenwert ist selbst gerechnet: 23.849.967 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts vom 4. Mai 2026 gegen 23,1 Millionen im Datenbestand.
- Zeitliche Einordnung: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 5. Mai 2026. Danach folgten bis zum 27. Juli 2026 mehrere Meldungen: Heilung eines SBA-Verzugsfalls bei der Tochter Medallion Capital (3. und 11. Juni), die Hauptversammlung vom 9. Juni, ein Führungswechsel bei der Medallion Bank (11. und 25. Juni) sowie ein am 1. Juli 2026 wirksam gewordener Rahmenprospekt über bis zu 100 Millionen US-Dollar. Nicht zu verwechseln: MBNKO und MBNKP sind Vorzugsaktien der Tochter Medallion Bank und nicht die Stammaktie der Gesellschaft; bis 2016 notierte MFIN unter dem Kürzel TAXI.
Häufige Fragen
Medallion Financial ist ein Spezialfinanzierer mit eigener Bank in Utah. Das Geschäft besteht aus vier Segmenten: Freizeitfahrzeugkredite für Wohnmobile, Boote und Sammlerfahrzeuge (63 Prozent des Kreditbuchs), Heimwerkerkredite für Fenster, Dächer und Schwimmbäder (32 Prozent), gewerbliche Mezzanine-Kredite über die Tochter Medallion Capital und das namensgebende Taxi-Lizenzgeschäft, das zum 31. Dezember 2025 nur noch 4,3 Millionen US-Dollar oder weniger als 0,2 Prozent der Bilanzsumme ausmachte.
Weil die New Yorker Taxi-Lizenzen nach dem Markteintritt der Fahrdienst-Vermittler massiv an Wert verloren haben und damit die Sicherheiten hinter den Krediten. Medallion hat auf dieses Portfolio kumuliert 171,1 Millionen US-Dollar netto abgeschrieben, davon 106,3 Millionen auf Kredite mit New Yorker Medaillons. Seit 2020 steht das gesamte Taxi-Portfolio auf Nichtabgrenzung; den verbliebenen Medaillonwert setzt das Unternehmen mit 79.500 US-Dollar netto an.
Weil es bei einem Kreditgeber die Zinsmarge vor den Ausfällen misst. Der operative Mittelzufluss enthält die Risikovorsorge als zurückgebuchten, nicht zahlungswirksamen Posten — 2025 waren das 89,8 von 126,3 Millionen US-Dollar. Die eigentliche Investition, nämlich die Kreditvergabe, steht in der Kapitalflussrechnung nicht im operativen Teil, sondern in der Investitionstätigkeit: 2025 flossen dort 124,5 Millionen ab, in den beiden Jahren davor sogar 328,9 und 340,7 Millionen.
Die Risikovorsorge stieg von 37,8 (2023) über 76,5 (2024) auf 89,8 Millionen US-Dollar (2025). Tatsächlich abgeschrieben wurden 2025 brutto 97,2 Millionen, wiedereingebracht 24,8 Millionen — netto also 72,4 Millionen. Der Vorsorgebestand lag zum 31. März 2026 bei 116,7 Millionen oder 4,48 Prozent des Kreditbuchs. Mehr als 90 Tage überfällig waren 20,9 Millionen oder 0,8 Prozent der Kredite, nach 1,0 Prozent zum Jahresende 2025.
Für einen Kreditgeber solide. Zum 31. März 2026 standen 408,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital der Aktionäre einer Bilanzsumme von 2.950,5 Millionen gegenüber — eine Quote von 13,8 Prozent, mit den Vorzugsaktien der Banktochter 17,2 Prozent. Finanziert wird das Geschäft überwiegend über Einlagen der Medallion Bank (2.128,6 Millionen). Der Vorsorgebestand deckte die notleidenden Kredite zum Jahresende 2025 mit 281 Prozent ab.
Die US-Börsenaufsicht reichte am 29. Dezember 2021 eine Zivilklage gegen die Gesellschaft und ihren President and Chief Operating Officer ein — wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Betrugs-, Buchführungs-, Kontroll- und Anpreisungsvorschriften in den Jahren 2015 bis 2017. Es ging um die Beauftragung Dritter, auf Finanzportalen über das Unternehmen zu schreiben, und um die Rechnungslegung zu bestimmten Vermögenswerten, darunter die Medallion Bank. Am 30. Mai 2025 erging ein Endurteil: Unterlassungsanordnung, 3.000.000 US-Dollar Geldbuße für die Gesellschaft und Zusagen zu Regeltreue-Maßnahmen, ohne Anerkennung der Vorwürfe. Der damals mitbeklagte Manager, Andrew M. Murstein, ist heute Vorstandsvorsitzender.
Weil die Formel für dieses Geschäftsmodell nicht gemacht ist. Der Altman-Z-Wert wurde für Industriebetriebe entwickelt und rechnet mit Umlaufvermögen, Vorräten und Umsatz. Bei einem Kreditgeber mit Banktochter sind ausgereichte Kredite kein Umlaufvermögen und Kundeneinlagen keine gewöhnlichen Verbindlichkeiten — die Formel liest die normale Struktur einer Bankbilanz als Notlage. Aussagekräftig sind hier Eigenkapitalquote (13,8 Prozent), Vorsorgequote (4,48 Prozent), überfällige Kredite (0,8 Prozent) und Nettozinsmarge (8,06 Prozent).
Ja, seit 2022 wieder und seither in jedem Jahr steigend: 7,5 Millionen US-Dollar (2022), 7,7 (2023), 9,4 (2024) und 10,972 Millionen (2025). Auf das Jahr gerechnet sind das derzeit 0,56 US-Dollar je Aktie, was bei einem Kurs von 9,77 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) einer Rendite von rund 5,7 Prozent entspricht, bei einer Ausschüttungsquote von etwa einem Drittel des Gewinns.
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