MarketWise: Der billige Cashflow, der dir zu 85 Prozent nicht gehört
Im K-FCF-Ranking unseres Aktien-Scanners steht MarketWise auf Platz 18 der US-Auswahl: Der Börsenwert entspricht dem 1,0-Fachen des freien Mittelzuflusses (Stand 26. Juli 2026). Die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC zeigen, warum diese Zahl nicht hält, was sie verspricht: Die notierte Aktie hielt zum 31. Dezember 2025 nur 15,2 Prozent der Betriebsgesellschaft — der Mittelzufluss im Nenner gehört zu 84,8 Prozent anderen. Keine Empfehlung, sondern eine Bruchrechnung: oben ein Sechstel, unten das Ganze.
Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf
Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.
Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt einen Denkfehler, der uns beim Aktienlesen fast täglich passiert, und er hat keinen Namen — deshalb geben wir ihm einen: die Ganze-Firma-Illusion. Wir lesen eine Kennzahl wie „Börsenwert geteilt durch freien Mittelzufluss“ und stellen uns dabei vor, wir kauften das ganze Unternehmen. Bei MarketWise, Inc. (Nasdaq Global Market: MKTW) steht dieses Verhältnis bei 1,0 (Datenstand 26. Juli 2026). Übersetzt behauptet die Zahl: Eine einzige Jahresportion Bargeld kostet so viel wie die ganze Firma. Das wäre, wenn es stimmte, eines der besten Geschäfte am US-Markt. Machen wir deshalb einen Deal: Bevor du entscheidest, ob hier ein Schnäppchen liegt, lesen wir gemeinsam, was MarketWise selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 6. März 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 7. Mai 2026 und alles, was danach kam. Diese Berichte stehen unter Strafandrohung. Und in einem einzigen Satz darin steht, warum der Bruch nicht aufgeht.
Was MarketWise eigentlich macht — der Verlag, den du drei Jahre im Voraus bezahlst
Stell dir einen Verlag vor, der keine Zeitschriften am Kiosk verkauft, sondern Ratschläge per E-Mail. Ein Redakteur schreibt jede Woche, welche Aktie er für unterbewertet hält, welche Anleihe er meidet, wo er Gold sieht. Dafür zahlst du nicht 4,90 Euro am Kiosk, sondern ein paar hundert bis mehrere tausend Dollar — und zwar im Voraus, oft für mehrere Jahre auf einmal. Genau das ist das Geschäft von MarketWise. Der Geschäftsbericht nennt die Marken: Stansberry Research, InvestorPlace, TradeSmith, Altimetry, Chaikin Analytics und Brownstone Research. Dazu kommt Software für Selbstentscheider — Kursfilter, Depotwerkzeuge, Alarmfunktionen.
Die Größenordnung zum 31. Dezember 2025: 374.000 zahlende Abonnenten, dazu 2,1 Millionen aktive Gratis-Abonnenten (Stand 30. Juni 2026), 451 Beschäftigte, Sitz in Baltimore/Maryland. Der durchschnittliche Abonnent hat über seine gesamte Kundenzeit hinweg für rund 2.031 US-Dollar Rechnungen bekommen; 63 Prozent der Zahler haben mehr als 600 Dollar ausgegeben, 30 Prozent mehr als 5.000 Dollar. Das ist kein Massenmarkt, sondern ein Geschäft mit wenigen, sehr treuen und sehr zahlungsbereiten Kunden. Wer wissen will, wie ein börsennotierter Datenverkäufer im Abo aussieht, wenn er groß und langweilig geworden ist, findet den Gegenpol in unserer Analyse zu FactSet.
Zwei Begriffe brauchst du für den Rest dieser Analyse, und beide sind einfach. Fakturierte Beträge (im Bericht: Billings) sind das, was MarketWise seinen Kunden in einem Quartal in Rechnung stellt — das Geld, das tatsächlich fließt. Umsatz ist derselbe Betrag, aber über die Laufzeit des Abos verteilt. Verkaufst du im Januar ein Dreijahresabo für 3.600 Dollar, sind das im Januar 3.600 Dollar fakturiert und 100 Dollar Umsatz. Die Differenz parkt in der Bilanz als Vertragsverbindlichkeit — eine Schuld, die nicht in Geld, sondern in Newslettern zu begleichen ist. Merk dir das Bild: Ein Abo-Verlag ist eine Kasse mit einem Berg unerledigter Lieferversprechen daneben.
Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das jedes Kapitel durchzieht: Das Geschäft verdient echtes Bargeld und trägt keinen Cent Schulden — aber die notierte Aktie ist nur ein kleiner Anteilsschein an dieser Kasse, und der große Rest zieht seinen Anteil jedes Quartal ab.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich tausende Aktien durch unseren hauseigenen Aktien-Scanner laufen. MarketWise steht dort auf Platz 18 der US-Auswahl im K-FCF-Ranking (Stand 26. Juli 2026). Die Liste ist schnell erklärt: Sie sammelt alle Aktien mit positivem freien Mittelzufluss und einem niedrigen Verhältnis von Börsenwert zu diesem Mittelzufluss und sortiert aufsteigend — die rechnerisch günstigsten zuerst. Insgesamt bestehen 835 Aktien diese Kriterien; angezeigt werden die 25 stärksten Treffer der jeweiligen Marktauswahl. MarketWise steht dort mit dem Wert 1,0. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ das K-FCF-Ranking öffnen, oben den Marktfilter auf USA stellen und die Zeile MKTW suchen.
Was misst diese Kennzahl? K/FCF ist der Börsenwert geteilt durch den freien Mittelzufluss eines Jahres — also durch das Geld, das nach allen laufenden Ausgaben und nach den Investitionen übrig bleibt. Ein K/FCF von 15 heißt salopp: Du bezahlst fünfzehn Jahresportionen. Ein K/FCF von 1,0 heißt rechnerisch: eine einzige. Und hier kommt der Grundsatz, der diese Analyse trägt: Ein Bruch ist nur so ehrlich wie die Frage, ob Zähler und Nenner dasselbe Objekt meinen. Genau das tun sie hier nicht — und das ist kein Fehler des Scanners, sondern eine Eigenheit der Firmenkonstruktion, die man kennen muss. Wir rechnen sie gleich Schritt für Schritt nach.
Dieselbe Scanner-Karte zeigt noch mehr, und das Bild ist zwiespältig (alle Werte Datenstand 26. Juli 2026). Das hauseigene Fundamental-Rating steht bei D (minus 30 von 100). Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Richtung der Bücher, liegt bei 2 von 9 — das ist schwach; eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Gleichzeitig ist die Aktie technisch stark: Weinstein-Phase 2 (Aufwärtstrend) und ein Stress-RS-Rating von 71 von 99. Der Kurs lag bei 19,90 US-Dollar, seit Jahresbeginn plus 17,9 Prozent, auf Sicht von sechs Monaten plus 31,3 Prozent.
Wichtig für die Einordnung: Die Scanner-Übersicht zählt MarketWise als Treffer in fünf verifizierten Scanner-Strategien — „Starke DCR (≥80)“, „Power Trend“, „Stan Weinstein: Stage 2“, „Über 50- und 200-SMA“ und, als Warnsignal, dem Beneish M-Score. Das K-FCF-Ranking selbst zählt bewusst nicht als Treffer, weil reine Kennzahl-Rankings das ganze Universum sortieren, statt eine Bedingung zu prüfen. Vier Trendtreffer und ein Bilanz-Warnsignal: Genau so liest sich diese Aktie. Und der Beneish M-Score gehört zu den roten Listen — dort enthalten zu sein ist kein Gütesiegel, sondern ein Hinweis, die Rechnungslegung genauer anzusehen. Diese Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme, keine Dauereigenschaft.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es hier eine Menge. MarketWise hat keine Schulden. Nicht wenig — keine. Der Geschäftsbericht formuliert es in einem Aufzählungspunkt: Kasse und Zahlungsmittel lagen zum 31. Dezember 2025 bei 70,1 Millionen US-Dollar, „and no debt outstanding“. Kein Kredit, keine Anleihe, keine Kreditlinie, kein Zinssatz, der irgendwann zurückschlagen kann. Das ist in dieser Rankingliste, in der sonst hoch verschuldete Gesellschaften stehen, eine echte Ausnahme.
Und das Geschäft verdient. Das Betriebsergebnis lag 2025 bei 62,6 Millionen US-Dollar nach 89,0 Millionen (2024) und 51,8 Millionen (2023) — bei einem Umsatz von 328,1 Millionen also eine Betriebsmarge von 19,1 Prozent. Der Betrieb spülte 2025 46,0 Millionen US-Dollar herein; nach Investitionen von 1,6 Millionen bleiben 44,4 Millionen freier Mittelzufluss. Und weil ein Verlag kaum Maschinen braucht, ist das keine Ausnahme: 2023 waren es 60,7 Millionen.
Am wichtigsten ist aber die Zahl, die nach vorn zeigt. Die fakturierten Beträge wachsen wieder. Nach dem Einbruch 2024 (239,1 Millionen US-Dollar, minus 37,5 Prozent) stiegen sie 2025 auf 271,2 Millionen (plus 13,4 Prozent), im ersten Quartal 2026 auf 81,4 Millionen (plus 15 Prozent) und im zweiten Quartal 2026 nach vorläufigen Angaben auf rund 91 Millionen — plus 56 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der höchste Quartalswert seit 2023. Das Unternehmen hat sein Jahresziel deshalb am 9. Juli 2026 um 10 Prozent auf 330 Millionen US-Dollar angehoben.
Und noch etwas ist bemerkenswert: Der Umsatz je Kunde explodiert. Der durchschnittliche Jahresumsatz je zahlendem Abonnenten (im Bericht: ARPU) stieg von 394 US-Dollar (31. Dezember 2024) auf 670 Dollar (31. Dezember 2025), 738 Dollar (31. März 2026) und vorläufig 821 Dollar (30. Juni 2026). MarketWise verliert billige Kunden und gewinnt teure. Das ist eine bewusste Strategie, und sie funktioniert bisher.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Aktiengesellschaft gehören 15,2 Prozent
Jetzt kommt der Satz, wegen dem diese Analyse existiert. MarketWise ist kein normales Unternehmen, sondern eine Up-C-Struktur — die Bauform, mit der amerikanische Familienunternehmen an die Börse gehen, ohne die Kontrolle abzugeben. Das operative Geschäft steckt in der MarketWise, LLC. Die börsennotierte MarketWise, Inc. ist eine Holding, die nichts besitzt außer einem Anteil an dieser LLC. Wie groß dieser Anteil ist, steht wörtlich im Geschäftsbericht.
„As of December 31, 2025, MarketWise, Inc.'s controlling interest in MarketWise, LLC was 15.2% and the noncontrolling interest was 84.8%.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 betrug der beherrschende Anteil der MarketWise, Inc. an der MarketWise, LLC 15,2 Prozent und der nicht beherrschende Anteil 84,8 Prozent.“
— MarketWise, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Net Income Attributable to Noncontrolling Interests“
Was das in Geld bedeutet, zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung desselben Berichts. Der Konzerngewinn 2025 betrug 64,0 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 58,4 Millionen auf die Minderheitsgesellschafter und 5,6 Millionen auf MarketWise, Inc. — also auf die Aktie, die du an der Nasdaq kaufst. Im Jahr davor: 86,0 zu 7,1 Millionen. Merke: Wenn 85 Prozent eines Gewinns in der Zeile „nicht beherrschende Anteile“ landen, ist die börsennotierte Hülle nicht das Unternehmen, sondern eine Minderheitsbeteiligung daran.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Bruch teilt ein Sechstel durch das Ganze
Damit lässt sich das K/FCF von 1,0 endlich sauber auseinandernehmen. Der Börsenwert, den Kennzahlendienste für MKTW ausweisen, lag zum Datenstand 26. Juli 2026 bei rund 52,6 Millionen US-Dollar. Er entsteht aus 2.638.780 Class-A-Aktien (Stand 5. Mai 2026, Deckblatt des Quartalsberichts) mal Kurs. Das ist für sich genommen richtig gerechnet — nur eben der Wert der Class-A-Aktien, nicht der des Unternehmens. Denn daneben existieren die Class-B-Aktien der LLC-Mitglieder, die sich eins zu eins in Class A tauschen lassen. MarketWise sagt selbst, wie man richtig rechnet.
„When determining the market capitalization or equity value of the Company, we believe it is appropriate to include the total of the Class A and Class B common shares.“
Übersetzung: „Bei der Ermittlung der Marktkapitalisierung oder des Eigenkapitalwerts der Gesellschaft halten wir es für angemessen, die Summe aus Class-A- und Class-B-Stammaktien einzubeziehen.“
— MarketWise, SEC-Meldung 8-K vom 10.07.2026, Anlage 99.1
Dieselbe Meldung nennt die Zahlen: Zum 30. Juni 2026 gab es 2.664.541 Class-A-Aktien und 12.986.774 Class-B-Aktien, zusammen 15.651.315. Rechnen wir also nach. Alle Aktien mal 19,90 US-Dollar ergeben einen Eigenkapitalwert von rund 311 Millionen US-Dollar. Geteilt durch den freien Mittelzufluss von 44,4 Millionen (2025) ergibt das rund 7 — nicht 1,0.
Die Gegenprobe von der anderen Seite kommt auf dasselbe heraus. Wenn man beim Class-A-Börsenwert von 52,6 Millionen bleiben will, muss man auch nur den Anteil des Mittelzuflusses ansetzen, der dieser Aktie zusteht: 15,2 Prozent von 44,4 Millionen sind 6,7 Millionen, nach der Aktienzahl vom 30. Juni 2026 (17,0 Prozent) sind es 7,5 Millionen. 52,6 geteilt durch 6,7 bis 7,5 ergibt sieben bis acht. Beide Wege landen an derselben Stelle. Merke: Wenn eine Kennzahl unglaublich aussieht, prüfe zuerst, ob Zähler und Nenner überhaupt dasselbe Unternehmen meinen. Wie derselbe Effekt bei einem Softwarehaus mit Vorzugskapital aussieht, zeigt unsere Analyse zu Upland Software — dort ist es kein Minderheitsgesellschafter, sondern ein Schuldenberg.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Geld kam nicht aus neuer Vorauskasse, sondern aus einem schrumpfenden Berg
Bei einem Abo-Verlag mit sinkenden Kundenzahlen liegt ein Verdacht nahe: Der schöne Mittelzufluss stammt aus Geld, das für Leistungen kassiert wurde, die noch gar nicht erbracht sind — Vorauskasse also, die irgendwann abgearbeitet werden muss. Bei MarketWise ist es genau umgekehrt, und das ist die eigentliche Überraschung dieser Recherche.
Die Bilanz führt die kassierte, aber noch nicht gelieferte Vorauskasse als Vertragsverbindlichkeit. Ihr Bestand ist über drei Jahre eingebrochen: 658,8 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2022, 588,9 Millionen (2023), 424,3 Millionen (2024), 368,0 Millionen (2025). In der Kapitalflussrechnung taucht dieser Abbau als Mittelabfluss auf — minus 67,1 Millionen (2023), minus 162,1 Millionen (2024), minus 56,1 Millionen (2025). Auf Deutsch: MarketWise hat drei Jahre lang mehr Umsatz gebucht, als es fakturiert hat. Die 44,4 Millionen freier Mittelzufluss des Jahres 2025 sind also nicht durch Vorauskasse aufgehübscht — sie wurden gegen einen Gegenwind von 56 Millionen erwirtschaftet. Das spricht für die Substanz des Geschäfts.
Wie hart der Gegenwind sein kann, zeigt das Jahr 2024: Trotz eines ausgewiesenen Konzerngewinns von 93,1 Millionen US-Dollar war der operative Mittelzufluss negativ mit minus 22,2 Millionen — weil allein die Vorauskasse um 162,1 Millionen abschmolz. Merke: Bei Abo-Verlagen zeigt der Gewinn die Vergangenheit und der Kassenstand die Gegenwart. Und das erste Quartal 2026 dreht das Vorzeichen zum ersten Mal seit Jahren: Die Vertragsverbindlichkeiten stiegen wieder, auf 372,3 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, und in der Kapitalflussrechnung steht ein Plus von 4,2 Millionen. Das ist die Zahl, an der sich die 2026er Erholung messen lässt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Mittelzufluss verlässt jedes Quartal das Haus
Ein Anteilsschein an einer Kasse ist nur so viel wert, wie aus der Kasse zu ihm hinfließt. Bei MarketWise fließt das meiste woanders hin — und zwar zwangsläufig, nicht aus Willkür. Die Up-C-Struktur verpflichtet die LLC, ihren Mitgliedern Steuerausschüttungen zu zahlen: Weil die LLC selbst keine Steuern zahlt, sondern ihre Gesellschafter, muss sie ihnen das Geld dafür überweisen. Die Kapitalflussrechnung 2025 liest sich deshalb so:
- Steuerausschüttungen an die Minderheitsgesellschafter: 49,8 Millionen US-Dollar (2024: 9,6 Millionen)
- Sonstige Ausschüttungen an die Minderheitsgesellschafter: 12,2 Millionen (2024: 11,5 Millionen)
- Dividenden an die Class-A-Aktionäre: 4,8 Millionen (2024: 1,5 Millionen)
- Aktienrückkäufe: 3,4 Millionen (2024: 10,8 Millionen)
Zusammengerechnet: Von 44,4 Millionen freiem Mittelzufluss gingen 62,0 Millionen an die LLC-Mitglieder und 4,8 Millionen an die Aktionäre. Allein zwischen dem freien Mittelzufluss und den Ausschüttungen an die LLC-Mitglieder klafft damit eine Lücke von 17,6 Millionen US-Dollar. Das ist kein Ausrutscher eines einzelnen Jahres: 2023 standen 60,7 Millionen freiem Mittelzufluss 52,9 Millionen Ausschüttungen gegenüber (3,4 Millionen Steuer- plus 49,5 Millionen sonstige Ausschüttungen), 2024 bei einem Mittelabfluss von 22,8 Millionen immer noch 21,1 Millionen. Und genau deshalb sank die Kasse 2025 trotz eines guten Jahres von 97,9 auf 70,1 Millionen US-Dollar. Zum 31. März 2026 stand sie bei 52,7 Millionen, zum 30. Juni 2026 nach vorläufigen Angaben bei rund 33 Millionen. Das Unternehmen erwartet für 2026 Steuerausschüttungen von rund 40 Millionen US-Dollar, davon 31 Millionen bereits im ersten Halbjahr und 9 Millionen im zweiten.
Fair bleiben heißt hier: Die Class-A-Aktionäre gehen nicht leer aus. Die Quartalsdividende lag zuletzt bei 0,45 US-Dollar je Aktie, das Jahresziel 2026 bei 1,80 Dollar; in den vergangenen zwölf Monaten wurden 1,70 Dollar je Aktie ausgeschüttet (Datenstand 26. Juli 2026). Am 7. Mai 2026 hat der Verwaltungsrat außerdem ein Rückkaufprogramm über bis zu 50 Millionen US-Dollar für zwölf Monate neu genehmigt — und für jede zurückgekaufte Class-A-Aktie zieht die LLC einen entsprechenden Anteil ein, was den Anteil der Aktiengesellschaft am Geschäft rechnerisch verringert statt erhöht. Genau deshalb ist der Anteil trotz Rückkäufen nur langsam von 12,4 Prozent (2024) auf 15,2 Prozent (2025) gestiegen: Der Zuwachs kommt aus getauschten Class-B-Aktien, nicht aus den Rückkäufen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ein Viertel der Abonnenten ist weg — und die Kundenrechnung geht noch nicht auf
Der Abonnentenstamm schrumpft seit zwei Jahren, und der Geschäftsbericht sagt auch, woran es lag.
„As of December 31, 2025, our Paid Subscriber base was 374 thousand, down 132 thousand, or 26.0% as compared to 506 thousand at December 31, 2024, primarily related to elevated churn associated with the shutdown of our Legacy Research business.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 belief sich unser Bestand an zahlenden Abonnenten auf 374.000, ein Rückgang um 132.000 oder 26,0 Prozent gegenüber 506.000 zum 31. Dezember 2024, was in erster Linie mit der erhöhten Abwanderung im Zusammenhang mit der Einstellung unseres Geschäftsbereichs Legacy Research zusammenhängt.“
— MarketWise, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Key Factors Affecting Our Performance“
58.000 der 132.000 verlorenen Abonnenten — rund 44 Prozent — kamen aus der Einstellung von Legacy Research, der Rest überwiegend aus dem preisgünstigen Segment. Zum 30. Juni 2026 stand der Bestand nach vorläufigen Angaben wieder bei 400.000. Aber: Über vier zurückliegende Quartale gerechnet sank die Abonnentenzahl weiterhin um 22 Prozent, während die fakturierten Beträge um 35 Prozent stiegen. Die Erholung ist also bislang eine Preis-, keine Mengenerholung.
Dass das Wachstum teuer erkauft ist, zeigt die Gewinnrechnung des ersten Quartals 2026. Vertrieb und Marketing kosteten 39,7 Millionen US-Dollar — 51,5 Prozent des Umsatzes, nach 40,8 Prozent im Vorjahresquartal; der reine Direktmarketing-Aufwand stieg von 13,3 auf 26,3 Millionen. Das Ergebnis: ein Betriebsverlust von 1,1 Millionen US-Dollar nach einem Gewinn von 16,8 Millionen im Vorjahresquartal, und ein operativer Mittelabfluss von 2,1 Millionen. Das Unternehmen nennt das seine Strategie — man wechsle „nahezu in Echtzeit“ zwischen Wachstum und Marge und werde die Marketingausgaben im zweiten Halbjahr 2026 wieder zurückfahren.
Ob sich diese Investition rechnet, misst MarketWise mit einer eigenen Kennzahl: dem Verhältnis von Kundenlebenswert zu Kundengewinnungskosten (LTV/CAC). Der Geschäftsbericht nennt den Maßstab selbst — ein Wert über 3 gelte als Beleg für starke Profitabilität und Marketingeffizienz. Erreicht wurden zum 31. Dezember 2025 rund 2,0 nach 1,3 ein Jahr zuvor. Besser also, aber weiterhin unter der Latte, die das Unternehmen selbst aufgelegt hat.
Dazu kam im April 2026 eine Rechnung aus der Vergangenheit. Der frühere Vorstandschef Mark P. Arnold hatte im November 2024 ein Schiedsverfahren angestrengt und über 9 Millionen US-Dollar Schadensersatz gefordert. Am 21. April 2026 einigte man sich: MarketWise zahlte einmalig 12.160.000 US-Dollar, zog im Gegenzug 520.867 LLC-Anteile samt der dazugehörigen Class-B-Aktien ein — rund drei Prozent aller Anteile — und beendete Arnolds Ansprüche aus dem Steuerabkommen (Tax Receivable Agreement) von 2021. Das Geld floss im April 2026 ab und erklärt einen großen Teil des Kassenrückgangs im zweiten Quartal. Zur Größenordnung: 12,16 Millionen entsprechen rund 23 Prozent des gesamten Class-A-Börsenwerts (Datenstand 26. Juli 2026).
Bewertung — was du bekommst und was du zahlst
Halten wir die Größenordnungen nebeneinander, alle mit Datenstand 26. Juli 2026 und ohne Tageskurs-Gerede. Der Class-A-Börsenwert lag bei rund 52,6 Millionen US-Dollar, der Eigenkapitalwert aller Aktienklassen bei rund 311 Millionen. Gegen den freien Mittelzufluss von 44,4 Millionen (2025) ergibt das ein Verhältnis von rund 7 — für ein schuldenfreies Abo-Geschäft mit fast 20 Prozent Betriebsmarge ist das nicht teuer, aber eben auch kein Wunder. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei 11,9, auf Basis der Analystenschätzungen für die nächsten zwölf Monate bei 12,1; das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 0,16 — Letzteres allerdings wieder mit dem Class-A-Börsenwert im Zähler und dem Konzernumsatz im Nenner, also demselben Fehler wie beim K/FCF.
Der Blick der Profis ist dünn: Die Fundamentaldaten weisen ein Kursziel von 22,66 US-Dollar aus — allerdings von einer einzigen Schätzung. Bei einem Streubesitz von rund 1,75 Millionen Aktien und einem durchschnittlichen Handelsvolumen im niedrigen fünfstelligen Bereich ist das eine Aktie, die von zwei größeren Aufträgen bewegt wird. Die Dividendenrendite lag bei rund 4,3 Prozent (bezogen auf die zuletzt gemeldete Ausschüttung; Datenstand 26. Juli 2026). Für Anleger, die eine Ausschüttung suchen, ist das der eigentliche Anker — nicht das K/FCF.
Ein Wort zum Reverse Split: Zum 2. April 2025 wurden je 20 Aktien zu einer zusammengelegt, das genehmigte Class-A-Kapital sank von 950 auf 47,5 Millionen Stück, das Class-B-Kapital von 300 auf 15 Millionen. Alle Zahlen in dieser Analyse stehen nach dem Split; die Abschlüsse wurden rückwirkend angepasst. Wenn du irgendwo Kursreihen von vor April 2025 siehst, prüfe, ob sie bereinigt sind — unbereinigt springt der Kurs an diesem Tag von 0,51 auf 10,30 US-Dollar, ohne dass irgendetwas passiert wäre.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Keine Schulden, echte Kasse. 70,1 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2025, kein Kredit, keine Anleihe. Kein Zinsrisiko, keine Auflagen, keine Fälligkeit, die drückt.
- Die Rechnungen wachsen wieder. Plus 13,4 Prozent (2025), plus 15 Prozent (Q1 2026), vorläufig plus 56 Prozent (Q2 2026); das Jahresziel wurde am 9. Juli 2026 auf 330 Millionen angehoben.
- Der Umsatz je Kunde steigt kräftig. Von 394 US-Dollar (Ende 2024) auf vorläufig 821 Dollar (30. Juni 2026) — hochpreisige Produkte greifen.
- Ausschüttung mit Substanz. 0,45 US-Dollar Quartalsdividende, Jahresziel 1,80 Dollar, dazu ein neues Rückkaufprogramm über bis zu 50 Millionen (7. Mai 2026).
- Skalierbares Geschäft. Investitionen von 1,6 Millionen US-Dollar auf 328,1 Millionen Umsatz (2025); jeder zusätzliche Abonnent kostet fast nichts an Sachkapital.
Risiken
- Die Aktie ist eine Minderheitsbeteiligung. 15,2 Prozent an der Betriebsgesellschaft zum 31. Dezember 2025; 84,8 Prozent des Gewinns und des Mittelzuflusses gehören anderen.
- Bilanziell überschuldet. Verbindlichkeiten von 432,0 Millionen US-Dollar gegen eine Bilanzsumme von 218,4 Millionen (31. Dezember 2025); das Eigenkapital steht bei minus 213,6 Millionen, zum 31. März 2026 bei minus 226,9 Millionen.
- Die Kasse schmilzt. Von 155,2 (Ende 2023) über 97,9 (Ende 2024) und 70,1 Millionen (Ende 2025) auf vorläufig 33 Millionen zum 30. Juni 2026 — bei Steuerausschüttungen von erwartet 40 Millionen allein für 2026.
- Wachstum auf Pump der Marge. Marketing bei 51,5 Prozent des Umsatzes im ersten Quartal 2026, Betriebsverlust von 1,1 Millionen, LTV/CAC bei 2,0 gegen den eigenen Maßstab von 3.
- Mengenseite noch nicht gedreht. Über vier Quartale gerechnet sank die Abonnentenzahl zum 30. Juni 2026 weiter um 22 Prozent; der Umsatz fiel im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent.
- Enger Markt. Streubesitz rund 1,75 Millionen Aktien, eine Analystenschätzung, geringe Handelsumsätze — jede Order bewegt den Kurs.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Ganze-Firma-Illusion vom Anfang? Sie ist bei MarketWise nicht bösartig — niemand versteckt etwas. Der Anteil von 15,2 Prozent steht in einem gewöhnlichen Satz mitten im Geschäftsbericht, die Aktienzahlen beider Klassen stehen in jeder Pflichtmeldung, und die Gesellschaft schreibt sogar von sich aus dazu, wie ihr Börsenwert richtig zu rechnen ist. Es ist einfach ein Bruch, dessen Zähler und Nenner zwei verschiedene Dinge messen — und unser Kopf setzt die fehlende Zeile automatisch ein, ohne zu fragen.
Was bleibt, wenn man den Bruch geradezieht? Ein schuldenfreier Verlag mit treuen, gut zahlenden Kunden, einer Betriebsmarge um 19 Prozent, wachsenden Rechnungen und einer ordentlichen Dividende — bewertet mit ungefähr dem Siebenfachen seines freien Mittelzuflusses. Das ist eine ganz normale, ganz vernünftige Geschichte. Nur eben keine Sensation. Und danebensteht eine Bilanz, in der die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte um 213,6 Millionen US-Dollar übersteigen, weil der Verlag noch jahrelang Newsletter liefern muss, für die längst kassiert wurde.
Ob dich das reizt, hängt davon ab, welche Frage du an eine Aktie stellst. Suchst du das rechnerische Schnäppchen, das der Scanner anzeigt, dann war es keins. Suchst du eine kleine, schuldenfreie Ausschüttungsgeschichte mit einem sichtbaren Wendepunkt in den Auftragszahlen, dann steht sie hier — mit der Fußnote, dass fünf Sechstel des Hauses jemand anderem gehören. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 6. März 2026)
- SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 7. Mai 2026)
- SEC-Meldung 8-K vom 24. April 2026 (Item 1.01, Vergleich mit dem früheren Vorstandschef)
- SEC-Meldung 8-K vom 7. Mai 2026 (Items 2.02 und 8.01, Quartalszahlen und Rückkaufprogramm)
- SEC-Meldung 8-K vom 10. Juli 2026, Anlage 99.1 (vorläufige Eckdaten zum zweiten Quartal 2026)
- Alle SEC-Einreichungen von MarketWise, Inc. (CIK 0001805651)
- Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q); Kurs-, Screener- und Scanner-Daten mit Datenstand 26. Juli 2026
Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensangaben und keine Anlageberatung. Sie ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in MarketWise, Inc. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originaldokumenten und tragen den dort angegebenen Stichtag.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell und Bargeld positiv
- Ein Abo-Verlag ohne nennenswerten Kapitalbedarf: 328,1 Mio. US-Dollar Umsatz bei 1,6 Mio. Investitionen (2025), Betriebsergebnis 62,6 Mio., freier Mittelzufluss 44,4 Mio. Keine Finanzschulden, 70,1 Mio. Kasse zum 31.12.2025 (10-K 2025).
- Auftragslage 2026 positiv
- Die fakturierten Beträge drehen: 271,2 Mio. US-Dollar (2025, +13,4 Prozent), 81,4 Mio. im ersten Quartal 2026 (+15 Prozent) und vorläufig rund 91 Mio. im zweiten Quartal (+56 Prozent, höchster Wert seit 2023). Das Jahresziel wurde am 09.07.2026 um 10 Prozent auf 330 Mio. angehoben (8-K vom 10.07.2026, Anlage 99.1).
- Anteil der notierten Aktie negativ
- MarketWise, Inc. hielt zum 31.12.2025 nur 15,2 Prozent an der Betriebsgesellschaft (31.12.2024: 12,4 Prozent). Vom Konzerngewinn 2025 über 64,0 Mio. US-Dollar entfielen 58,4 Mio. auf die Minderheiten und 5,6 Mio. auf die Aktiengesellschaft. Das im Scanner ausgewiesene K/FCF von 1,0 teilt deshalb einen Class-A-Börsenwert durch einen Konzern-Mittelzufluss (10-K 2025).
- Bilanzstruktur negativ
- Verbindlichkeiten von 432,0 Mio. US-Dollar stehen einer Bilanzsumme von 218,4 Mio. gegenüber (31.12.2025); das Eigenkapital beträgt minus 213,6 Mio. und zum 31.03.2026 minus 226,9 Mio. Ursache ist die kassierte, noch nicht gelieferte Vorauskasse von 368,0 Mio., die in Newslettern statt in Geld zu begleichen ist (10-K 2025, 10-Q zum 31.03.2026).
- Mittelabfluss an die Minderheiten negativ
- 2025 flossen 49,8 Mio. US-Dollar Steuerausschüttungen und 12,2 Mio. sonstige Ausschüttungen an die LLC-Mitglieder, gegenüber 4,8 Mio. Dividende an die Class-A-Aktionäre. Die Kasse sank dadurch trotz eines guten Jahres von 97,9 auf 70,1 Mio., bis zum 30.06.2026 vorläufig auf rund 33 Mio. Für 2026 werden rund 40 Mio. Steuerausschüttungen erwartet (10-K 2025, 8-K vom 10.07.2026).
- Kundenbasis und Marketingeffizienz neutral
- Der Abonnentenstamm fiel 2025 um 26,0 Prozent auf 374.000 und lag zum 30.06.2026 vorläufig wieder bei 400.000; über vier Quartale gerechnet sank er weiter um 22 Prozent. Der Umsatz je Kunde stieg dagegen von 394 auf vorläufig 821 US-Dollar. Das Verhältnis von Kundenlebenswert zu Gewinnungskosten liegt bei 2,0 gegen den vom Unternehmen selbst genannten Maßstab von 3 (10-K 2025, 10-Q zum 31.03.2026).
MarketWise ist kein Ein-Jahres-Schnäppchen, sondern ein schuldenfreier Abo-Verlag, an dem die notierte Aktie zu 15,2 Prozent beteiligt ist. Das Geschäft trägt: 62,6 Mio. US-Dollar Betriebsergebnis und 44,4 Mio. freier Mittelzufluss 2025, keine Finanzschulden, wieder wachsende Rechnungen (vorläufig +56 Prozent im zweiten Quartal 2026) und eine Quartalsdividende von 0,45 US-Dollar. Aber 84,8 Prozent von Gewinn und Mittelzufluss gehören den LLC-Mitgliedern, 2025 flossen 62,0 Mio. an sie ab, das Eigenkapital steht bei minus 213,6 Mio., und die Kasse fiel von 97,9 auf zuletzt vorläufig rund 33 Mio. Das K/FCF von 1,0 misst deshalb nicht die Firma: Auf einheitlicher Basis gerechnet steht dort rund eine 7. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot steht hier für belegte Substanzbefunde, nicht für einen Kursverlauf — und der Fall ist ausdrücklich ein Grenzfall. Belegt sind ein Eigenkapital von minus 213,6 Mio. US-Dollar zum 31.12.2025 und minus 226,9 Mio. zum 31.03.2026, Verbindlichkeiten von 432,0 Mio. gegen eine Bilanzsumme von 218,4 Mio., ein 2024 negativer operativer Mittelzufluss von minus 22,2 Mio. trotz eines ausgewiesenen Konzerngewinns von 93,1 Mio. und eine Kasse, die von 155,2 Mio. (Ende 2023) auf vorläufig rund 33 Mio. (30.06.2026) gefallen ist, während die Steuerausschüttungen an die Minderheiten weiterlaufen. Dagegen steht Erhebliches: keine Finanzschulden, keine Fälligkeit, keine Auflage, ein profitables Geschäft und ein Großteil der Verbindlichkeiten in Form von Lieferpflichten statt Geldforderungen. Wir werten das nicht als Insolvenznähe, sondern als belegte Substanzfrage — und im Zweifel gilt die vorsichtigere Stufe. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam MarketWise über den hauseigenen Aktien-Scanner: Platz 18 der US-Auswahl im K-FCF-Ranking mit einem Verhältnis von 1,0 (835 Aktien bestehen die Kriterien, angezeigt werden die 25 stärksten Treffer je Marktauswahl; Stand 26. Juli 2026). Diese Listen werden täglich neu berechnet, die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme.
- Zähler und Nenner der Kennzahl passen nicht zusammen: Der Börsenwert von rund 52,6 Mio. US-Dollar enthält nur die Class-A-Aktien, der freie Mittelzufluss von 44,4 Mio. stammt vom ganzen Konzern. Auf einheitlicher Basis — alle 15.651.315 Aktien beider Klassen gegen 44,4 Mio., oder 52,6 Mio. gegen den Anteil von 15,2 bis 17,0 Prozent — ergibt sich rund das Siebenfache.
- Achtung Reverse Split: Zum 2. April 2025 wurden je 20 Aktien zu einer zusammengelegt. Alle Zahlen dieser Analyse stehen nach dem Split, die Abschlüsse wurden rückwirkend angepasst. Unbereinigte Kursreihen springen an diesem Tag von 0,51 auf 10,30 US-Dollar — das ist kein Kursgewinn, sondern die Zusammenlegung.
- Die Eckdaten zum zweiten Quartal 2026 (rund 91 Mio. US-Dollar fakturierte Beträge, 400.000 Abonnenten, rund 33 Mio. Kasse, Jahresziel 330 Mio.) stammen aus der Meldung vom 9. Juli 2026 und sind ausdrücklich vorläufig und ungeprüft. Der vollständige Bericht ist für den 6. August 2026 angekündigt.
Häufige Fragen
Weil Zähler und Nenner unterschiedliche Dinge messen. Der Börsenwert von rund 52,6 Mio. US-Dollar (Datenstand 26.07.2026) enthält nur die 2.638.780 Class-A-Aktien, der freie Mittelzufluss von 44,4 Mio. (2025) stammt vom ganzen Konzern. Rechnet man alle 15.651.315 Aktien beider Klassen, ergibt sich ein Verhältnis von rund 7.
Das operative Geschäft steckt in der MarketWise, LLC; die börsennotierte MarketWise, Inc. hält daran nur einen Anteil — 15,2 Prozent zum 31.12.2025. Die übrigen 84,8 Prozent gehören den Gründern und Altgesellschaftern über Class-B-Aktien, die eins zu eins in Class A tauschbar sind. Vom Konzerngewinn 2025 über 64,0 Mio. US-Dollar entfielen 58,4 Mio. auf diese Minderheiten.
Nein. Der Geschäftsbericht für 2025 weist zum 31.12.2025 eine Kasse von 70,1 Mio. US-Dollar aus und ausdrücklich keine ausstehenden Finanzschulden. Auch der Quartalsbericht zum 31.03.2026 bestätigt das bei einer Kasse von 52,7 Mio. Zinsrisiken oder Kreditauflagen gibt es damit nicht.
Weil 368,0 der 432,0 Mio. US-Dollar Verbindlichkeiten zum 31.12.2025 kassierte, aber noch nicht gelieferte Abonnements sind. Diese Vertragsverbindlichkeiten werden nicht in Geld beglichen, sondern in Newslettern. Zusammen mit den Verlusten aus der Börsenzeit ergibt sich ein Eigenkapital von minus 213,6 Mio.
Weil Umsatz und Rechnungen bei Abo-Verlagen auseinanderfallen. Fakturiert wurden 2025 271,2 Mio. US-Dollar (plus 13,4 Prozent), als Umsatz gebucht wurden 328,1 Mio. (minus 19,7 Prozent). Die Differenz kam aus dem Abbau alter Vorauskasse: Der Bestand fiel von 424,3 auf 368,0 Mio.
Am 21. April 2026 zahlte MarketWise einmalig 12.160.000 US-Dollar an Mark P. Arnold. Im Gegenzug wurden 520.867 LLC-Anteile samt Class-B-Aktien eingezogen — rund drei Prozent aller Anteile — und Arnolds Ansprüche aus dem Steuerabkommen von 2021 beendet. Das Geld floss im April 2026 ab.
Je 20 Aktien wurden zu einer zusammengelegt; das genehmigte Class-A-Kapital sank von 950 auf 47,5 Mio. Stück, das Class-B-Kapital von 300 auf 15 Mio. Am Unternehmenswert ändert das nichts. Alle Abschlüsse wurden rückwirkend angepasst; unbereinigte Kursreihen springen am 2. April 2025 von 0,51 auf 10,30 US-Dollar.
MarketWise hat den vollständigen und geprüften Bericht für das zweite Quartal 2026 für den 6. August 2026 angekündigt. Die am 9. Juli 2026 gemeldeten Eckdaten — rund 91 Mio. US-Dollar fakturierte Beträge, 400.000 Abonnenten, rund 33 Mio. Kasse — sind ausdrücklich vorläufig und ungeprüft.
Fehler gefunden?
Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.