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Margen-Beschleuniger im Rücktest: das Signal trägt nicht — 2,52 gegen 15,02 Prozent pro Jahr

Margen-Beschleuniger im Rücktest: das Signal trägt nicht — 2,52 gegen 15,02 Prozent pro Jahr

Eine Firma, deren operative Marge nach vier ruhigen Quartalen plötzlich um mehrere Prozentpunkte anspringt: Ist das der bessere Langfristkauf als eine Firma, deren Marge ohnehin schon in Bewegung war? Wir haben die Frage über 163 Monate (Januar 2013 bis Juli 2026) und alle US-Aktien mit einer lückenlosen Quartalsreihe nachgerechnet — mit verschwundenen Aktien im Depot, mit dem Meldetermin statt dem Quartalsende als Stichtag und mit einer eigenen Klasse für den Sprung aus der Verlustzone. Die Antwort ist unbequem: Das Hauptsignal trägt nicht. In 13,5 Jahren liefert es nur 27 Positionen, verzinst sich mit 2,52 Prozent im Jahr und bleibt damit weit hinter dem S&P 500 samt Dividenden (15,02 Prozent) zurück — und auch die günstigste Variante der Regel schafft es nicht über den Index. Im Vergleich mit verwandten Signalen ist der Margen-Beschleuniger das schwächste Familienmitglied, und er kommt der Umsatzbeschleunigung auch nicht zuvor: Bei gemeinsamen Fällen liegt der mediane zeitliche Vorlauf bei null Monaten.

Thomas Mücke Founder & Publisher
· 14 Min. Lesezeit
Margen-Beschleuniger im Rücktest: das Signal trägt nicht — 2,52 gegen 15,02 Prozent pro Jahr
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Die Frage: Ist die Beschleunigung der Marge ein Kaufsignal?

Ein Umsatzsprung ist leicht zu sehen — er steht in der ersten Zeile jeder Gewinn- und Verlustrechnung. Eine Margenverbesserung ist unauffälliger, aber für viele Anleger die interessantere Nachricht: Sie sagt, dass ein Geschäft nicht nur wächst, sondern dabei profitabler wird. Die Frage dieses Rücktests lautet deshalb: Ist der Moment, in dem eine bis dahin ruhige operative Marge um mehrere Prozentpunkte anspringt, ein besserer Einstiegszeitpunkt als eine Firma, deren Marge schon länger in Bewegung ist?

Gemessen wird die operative TTM-Marge: die Summe des Betriebsergebnisses der letzten vier Quartale geteilt durch die Summe ihres Umsatzes, nur wenn alle vier Quartale lückenlos vorliegen und die Umsatzsumme positiv ist. Die Veränderung steht in Prozentpunkten — eine Marge, die von 1 auf 2 Prozent klettert, hat sich um 1 Prozentpunkt verbessert, nicht um 100 Prozent. Zwei Bedingungen müssen zusammenkommen:

  • Beschleunigung. Die jüngsten mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartale verbessern die TTM-Marge um je mindestens 3 Prozentpunkte gegenüber dem eigenen Vorjahresquartal, und die Marge im Signalquartal ist größer als null. Diese Positivbedingung trennt den Anfang eines profitablen Geschäftsmodells von der bloßen Verlustverkleinerung: Wer von −40 auf −5 Prozent kommt, hat sich um 35 Prozentpunkte verbessert und verdient trotzdem kein Geld.
  • Ruhe davor. Die vier Quartale unmittelbar vor dem ersten Beschleunigungsquartal bewegen ihre Marge um jeweils weniger als 1 Prozentpunkt, in beide Richtungen gemessen. Ohne diese Bedingung würde jeder Dauer-Margenausweiter mitgezählt, der zufällig gerade zwei starke Quartale in Folge hatte.

Firmen, die beides erfüllen, bilden Klasse K. Wer die Beschleunigung erfüllt, aber die Ruhe nicht belegen kann, weil die Historie zu kurz ist, bildet K-jung; wer die Beschleunigung erfüllt, aber schon vorher in Bewegung war, bildet L-alt. Daneben steht ein eigener Signaltyp: die Margen-Wende, der Sprung aus mindestens zwei Quartalen mit nicht-positiver TTM-Marge in mindestens zwei Quartale mit positiver Marge — ohne Ruhe- oder Schwellenkriterium, weil hier der Vorzeichenwechsel selbst das Signal ist.

Das Ergebnis: das Hauptsignal trägt nicht

Die Antwort fällt eindeutig aus. Bei zwölf Monaten Haltedauer — dem Hauptmodus dieser Studie, weil dort unter den festen Haltedauern die Besetzung am dichtesten ist — liefert Klasse K in 163 Monaten genau 27 Positionen und eine Rendite von 2,52 Prozent pro Jahr. Konservative Rechnung und Hauptrechnung sind hier identisch, weil unter diesen 27 Positionen keine mit dem im Abschnitt zum Datenfehler beschriebenen Kurssprung-Muster steckt.

Rendite pro Jahr, 12 Monate Haltedauer, Januar 2013 bis Juli 2026, gleichgewichtet, 0,1 % Kosten je Seite; der größte Rückschlag stammt aus der Hauptrechnung
ArmPositionenRendite p. a. konservativRendite p. a. Hauptrechnunggrößter RückschlagTrefferquote
K (Hauptsignal, Ruhe belegt)272,52 %2,52 %−62,79 %66,67 %
K-jung (Historie zu kurz)6055,40 %7,20 %−45,41 %53,06 %
L-alt (schon vorher in Bewegung)3.62111,62 %41,82 %−31,75 %53,69 %
alle Käufe des Rücktests4.25311,13 %39,36 %−32,01 %53,68 %
S&P 500 Total Return15,02 % (in beiden Rechnungen identisch)−23,87 %
Universum, gleichgewichtet (gestutzter Mittelwert)4,77 % (in beiden Rechnungen identisch)−53,23 %
Universum, mittlerer Titel−5,45 % (in beiden Rechnungen identisch)−60,68 %

Zwölf Monate Haltedauer, Januar 2013 bis Juli 2026, gleichgewichtet, 0,1 Prozent Kosten je Seite. Klasse K bleibt in jeder Zeitspanne unter dem S&P 500:

Klasse K je Haltedauer, mit Median der gehaltenen Titel pro Monat und Zahl der Monate, in denen sie ein bis zwei Titel hält
HaltedauerPositionen (K)Titel/Monat (Median)Monate mit 1–2 TitelnRendite p. a.
3 Monate27156−0,98 %
6 Monate27185−2,83 %
12 Monate272942,52 %
solange die Marge nicht zweimal in Folge fällt253726,83 %

Kein einziger Modus bringt das Hauptsignal über den Index — im Gegenteil, bei drei und sechs Monaten Haltedauer verliert der Arm sogar Geld. Und die Besetzung ist dünn: Über die 163 Rastermonate hält Klasse K im Median 2 Titel, maximal 5, und in insgesamt 108 Monaten höchstens 2 Titel — darunter 14 Monate, in denen sie ganz leer ist. Die 2,52 Prozent sind damit kein gleichgewichtetes Depot, sondern die verkettete Rendite einer Handvoll Einzelfälle.

Sensitivität: auch die beste Zelle reicht nicht an den Index

Trägt das Signal vielleicht bei einer anderen Einstellung der Regel? Wir haben drei Stellschrauben — Schwelle, Ruhegrenze, Zahl der Beschleunigungsquartale — einzeln verdreht und jeweils alles andere unverändert gelassen; das ergibt sechs Varianten. Alle Werte in der Hauptrechnung — bei Klasse K fallen konservative und Hauptrechnung ohnehin in jeder Variante zusammen:

Je Variante ist genau EINE Stellschraube gegenüber der Vorgabe verdreht; 12 Monate Haltedauer, Klasse K, Hauptrechnung
VarianteWas verdreht wurdePositionen (K)Rendite p. a.größter Rückschlag
m3_r1_f2 (Vorgabe)Schwelle 3 pp, Ruhe 1 pp, 2 Beschleunigungsquartale272,52 %−62,79 %
m2_r1_f2Schwelle auf 2 pp gesenkt8010,40 %−39,35 %
m5_r1_f2Schwelle auf 5 pp erhöht82,49 %−33,25 %
m3_r05_f2Ruhegrenze auf 0,5 pp verschärft21,45 %−12,86 %
m3_r2_f2 (beste Zelle)Ruhegrenze auf 2 pp gelockert20912,93 %−29,97 %
m3_r1_f3drei statt zwei Beschleunigungsquartale verlangt2310,00 %−57,28 %

Die günstigste Zelle — eine auf 2 Prozentpunkte gelockerte Ruhegrenze — verachtfacht die Fallzahl fast, von 27 auf 209 Positionen und hebt die Rendite auf 12,93 Prozent pro Jahr. Das ist mehr als jede andere Variante des Hauptsignals, bleibt aber immer noch 2,09 Prozentpunkte unter dem S&P 500 Total Return (15,02 Prozent). Die Ruhegrenze verändert dabei nicht, wie viele Firmen insgesamt ein Signal auslösen — sie verschiebt nur Positionen zwischen den Klassen K und L-alt. Bei zwei Varianten bleibt die Fallzahl zu klein, um überhaupt etwas zu belegen: 8 respektive 2 Positionen sind einzelne Firmen, keine Strategie.

Die Margen-Wende: der Sprung aus der Verlustzone

Ein eigener Signaltyp fragt, ob der Wechsel von einer nicht-positiven zu einer positiven TTM-Marge — mindestens zwei Quartale auf jeder Seite — ein Kaufsignal ist. Auch hier bleibt der Index ungeschlagen:

Margen-Wende: Sprung von nicht-positiver zu positiver TTM-Marge, je Haltedauer; der größte Rückschlag stammt aus der Hauptrechnung
HaltedauerPositionen (K)Rendite p. a. konservativRendite p. a. Hauptrechnunggrößter RückschlagTrefferquote
3 Monate1.85911,24 %19,97 %−35,94 %50,30 %
6 Monate1.85913,05 %24,29 %−34,78 %50,89 %
12 Monate1.85010,64 %53,91 %−40,91 %49,24 %
solange die Marge nicht zweimal in Folge fällt1.85112,13 %57,05 %−47,87 %48,57 %

Die Margen-Wende ist mit 1.850 Positionen (zwölf Monate) deutlich breiter besetzt als das Hauptsignal — kein Wunder, denn hier reicht der bloße Vorzeichenwechsel, ohne vier Ruhequartale zu verlangen. Konservativ gerechnet bleibt sie mit 10,64 Prozent pro Jahr dennoch unter dem S&P 500. Auffällig ist der Abstand zwischen konservativer und voller Rechnung (53,91 Prozent) — auch hier steckt ein Teil der Differenz in denselben gebrochenen Kursreihen, die im Abschnitt zum Datenfehler beschrieben sind.

Familienvergleich: nur die Umsatz-Beschleunigung trägt

Börsenlotse hat dieselbe Fragestellung — „ist die frische Beschleunigung der bessere Kauf als die etablierte Bewegung?" — bereits für den Umsatz und für den Gewinn geprüft. Alle drei Rücktests rechnen mit derselben Konvention: zwölf Monate Haltedauer, Zeitraum 2013–2026, konservative Zahl ohne Positionen mit Kurssprung-Verdacht. Ein Unterschied bleibt: Der Margen-Beschleuniger hat kein Organik-Segment — eine Marge lässt sich nicht zukaufen, eine Übernahme verwässert sie eher, als dass sie sie hebt. Sein Hauptarm heißt deshalb schlicht K, während der Arm der Umsatz-Beschleunigung als K|org geführt wird (nur organisch gewachsene Firmen).

Dieselbe Konvention für alle vier Signale und den Vergleichsmaßstab: 12 Monate Haltedauer, 2013–2026, konservative Zahl ohne Positionen mit Kurssprung-Verdacht
SignalVarianteArmPositionenRendite p. a. konservativRendite p. a. Hauptrechnung
Umsatz-Beschleunigungk2_30_70_r15K|org27716,56 %26,28 %
S&P 500 Total Return15,02 %15,02 %
Margen-WendewendeK1.85010,64 %53,91 %
Gewinn-Beschleunigungg2_30_r15_m2K|org2586,76 %6,76 %
Margen-Beschleunigungm3_r1_f2K272,52 %2,52 %

Die Umsatz-Beschleunigung bleibt das einzige tragende Familienmitglied — sie ist die einzige der vier Varianten, die den Index konservativ schlägt. Der Margen-Beschleuniger bildet mit 2,52 Prozent das Schlusslicht, deutlich hinter der Margen-Wende und der Gewinn-Beschleunigung.

Kommt der Margen-Beschleuniger früher? Nein.

Eine naheliegende Verteidigung des Margen-Beschleunigers lautet: Selbst wenn er als eigenständiges Kaufsignal nicht trägt, könnte er ein früher Hinweis auf eine bevorstehende Umsatz-Beschleunigung sein — die Marge zieht an, bevor der Umsatz es sichtbar tut. Wir haben das direkt gemessen: je Firma der Abstand zwischen den ersten Signalmonaten beider Seiten, in Monaten.

Zeitlicher Abstand zwischen dem ersten Margen- und dem ersten Umsatz-Beschleunigungssignal derselben Firma; ein negativer Vorlauf bedeutet, dass die Marge zuerst kam
AuswahlFirmen mit Margen-BeschleunigungFirmen mit Umsatz-BeschleunigungbeideAnteil beideVorlauf-MedianUmsatz zuerstMarge zuerstgleicher Monat
alle Frischeklassen2.5552.1571.26949,67 %0 Monate62457570
nur belegte Beschleunigungen (K)27513622,22 %−47 Monate150

In der breiten Auswahl (alle Frischeklassen) zeigen fast die Hälfte aller Firmen mit einem Margen-Signal (1.269 von 2.555) irgendwann auch ein Umsatz-Signal — der mediane Abstand zwischen beiden Ersttreffern liegt bei genau null Monaten. In 624 Fällen kam der Umsatz zuerst, in 575 die Marge, in 70 fielen beide auf denselben Monat. Diese breite, aussagekräftige Stichprobe stützt die These „die Marge ist das frühere Signal" nicht.

Beschränkt man sich auf die belegten Margen-Beschleunigungen (Klasse K), bleiben nur 6 Firmen mit beiden Signalen übrig: Hier kam die Marge in 5 Fällen vor dem Umsatz, der Umsatz nur in einem Fall zuerst, mit einem medianen Vorlauf von 47 Monaten. Das Bild kippt hier scheinbar zugunsten der Marge — aber 6 Firmen sind eine zu schmale Grundlage, um daraus etwas abzuleiten, und widersprechen nicht dem Befund aus der deutlich größeren Stichprobe oben (1.269 Firmen).

Umsatzbasis: das Muster bleibt gleich

Wie beim verwandten Rücktest der Umsatz-Beschleunigung trägt auch hier die Größe des Geschäfts. Getrennt nach der Summe der letzten vier gemeldeten Quartalsumsätze (Hauptrechnung, zwölf Monate, alle Käufe unabhängig von der Frischeklasse):

Rendite pro Jahr nach Umsatzbasis (Summe der letzten vier gemeldeten Quartale), 12 Monate Haltedauer, Hauptrechnung, alle Käufe
UmsatzbasisPositionenRendite p. a.größter RückschlagTrefferquote
unter 10 Mio $49−8,84 %−87,60 %36,73 %
10 bis 100 Mio $60910,64 %−36,41 %47,29 %
über 100 Mio $3.59541,99 %−34,40 %54,99 %

Kleine Umsatzbasen sind hier ebenso wenig tragfähig wie bei der Umsatz-Beschleunigung: Unter 10 Mio $ Umsatz verliert der Rücktest im Schnitt Geld. Auch dieses Segment fließt jedoch komplett in die oben gezeigten Kernzahlen ein — anders als bei der Umsatz-Beschleunigung gibt es für den Margen-Beschleuniger keinen eigenen Live-Scanner, der eine Umsatzuntergrenze durchsetzen könnte.

Der Datenfehler und warum die konservative Zahl die Hauptzahl ist

Beim Nachrechnen einzelner Positionen fiel eine Kursreihe auf. Sie läuft unter dem Kürzel SRX und steht im Juni 2015 bei 4,75 $, springt im Juli auf 0,057 $, im August auf 165,74 $, im September zurück auf 4,22 $ und im Oktober wieder auf 154,67 $ — bei einem Bereinigungsfaktor, der sich in keinem dieser Monate ändert. Das ist keine Kursbewegung, sondern eine Reihe, in der ein Bereinigungsschritt fehlt. Dass Kurse und Geschäftszahlen dieser Position nicht zusammengehören, zeigt schon ihr Ende: Die Quartalszahlen stammen von SRA International, das seine letzte Meldung im November 2015 einreichte und sich danach von der Börsenaufsicht abmeldete — die Kursreihe unter demselben Kürzel läuft noch bis April 2020 weiter. Die betroffene Position bucht daraus im August 2015 eine Monatsrendite von +290.672 Prozent. Diese eine Position hebt die Monatsrendite des Arms „alle Käufe" im August 2015 auf +1.157 Prozent (bei 250 gehaltenen Titeln) und damit die Jahresrendite der Hauptvariante bei zwölf Monaten Haltedauer von 11,13 auf 39,36 Prozent. Sieben von 4.253 Positionen der Hauptvariante liegen über der angewandten Schwelle (Monatsrendite über 200 Prozent) und sind in der konservativen Reihe entfernt — deshalb ist diese Reihe hier durchgehend die Hauptzahl.

SRX ist dabei nicht die einzige betroffene Reihe: Auch CMRF (5,76 $ auf 0,0014 $ und zurück auf 5,00 $ nach acht Monaten Platzhalterkurs) und weitere Positionen tragen dasselbe Muster, teils nach unten statt nach oben gebrochen. Der angewandte Filter prüft nur Sprünge nach oben über 200 Prozent. Gegengerechnet mit einem zweiseitigen Filter steigen die ausgewiesenen Renditen sogar: alle Käufe von 11,13 auf 12,01 Prozent, K-jung von 5,40 auf 8,41, L-alt von 11,62 auf 12,12 — Klasse K bleibt unverändert bei 2,52 Prozent, weil dort keine solche Reihe steckt. Der bekannte Fehler drückt die Zahlen also nach unten statt sie zu heben: Die Richtung ist konservativ, nicht überzeichnend.

Eine zweite, kleinere Einschränkung betrifft die Totalverlust-Rechnung: Von den 27 Positionen in Klasse K (zwölf Monate) trägt genau eine einen Zwangsverkauf, weil ihre Kursreihe mitten im Studienzeitraum endet (Position „FI", Einstieg April 2025, Reihe endet im November 2025). In der Hauptrechnung wird dieser Ausstieg zum letzten verfügbaren Kurs gebucht; nur in der parallel geführten Totalverlust-Rechnung kostet er −100 Prozent. Dort drückt diese einzelne Position die Rendite des Arms von +2,52 auf −2,35 Prozent pro Jahr — ein Einzelfall, keine belastbare Kennzahl für das gesamte Signal.

Lackmustest: bekannte Firmen verhalten sich regelkonform

Drei Positionen wurden vollständig von Hand nachgerechnet, mit derselben Punktlandung wie im Bericht: UFPT (UFP Technologies) löst im März 2023 ein sauberes Hauptsignal aus — vier ruhige Vorquartale mit maximal 0,98 Prozentpunkten Bewegung, danach zwei Beschleunigungsquartale mit +4,39 und +5,37 Prozentpunkten. ANET (Arista Networks) erfüllt im Mai 2023 die Beschleunigung, aber nicht die Ruhe — die Marge legte schon vier Quartale zuvor mit bis zu 2,89 Prozentpunkten pro Quartal zu — und landet korrekt in Klasse L-alt. ABNB (Airbnb) löst im Mai 2022 eine Margen-Wende aus: zwei Quartale mit negativer TTM-Marge, danach zwei mit positiver, Einstieg zum Meldetermin des zweiten profitablen Quartals.

Auch bekannte Effizienzgeschichten bestätigen die Regel, statt sie zu widerlegen: META löste sein „Effizienzjahr" 2023 im Rückblick erst im April 2024 als Signal aus (Klasse L-alt, +13,82 Prozentpunkte) — weil die TTM-Marge das ganze Jahr 2023 gegen ein noch hohes 2022 gemessen wird und erst im ersten Quartal 2024 zwei Beschleunigungsquartale in Folge stehen. AMZN verhält sich analog: Signal im Mai 2024, ebenfalls L-alt. Die Negativkontrollen KO (Coca-Cola) und PG (Procter & Gamble) lösen über den gesamten Zeitraum in keiner der sechs geprüften Varianten ein einziges K-Signal aus; ihre wenigen L-alt-Treffer erklären sich durch Basiseffekte aus einmaligen Sonderbelastungen (KO Oktober 2025, PG z. B. Oktober 2020), nicht durch echte Margen-Beschleunigungen.

Wie wir gerechnet haben

Gerechnet wird ausschließlich auf Quartalen, die zum jeweiligen Monatsende bei der Börsenaufsicht eingereicht waren — eine TTM-Marge gilt erst ab dem spätesten Meldetermin aller acht beteiligten Zahlen (vier operative Ergebnisse, vier Umsätze mit je eigenem Termin) als bekannt. Im Bestand liegen beide Termine bei 7.408 von 230.528 Quartalszeilen auseinander, im Extremfall um mehr als vier Jahre; ein Rückblick, der das Quartalsende statt des Meldetermins verwendet, kauft systematisch zu früh.

  • Universum und Zeitraum. US-Aktien, Januar 2013 bis Juli 2026, 163 Monate. Verschwundene Titel bleiben im Depot; endet eine Kursreihe mitten im Zeitraum, wird zum letzten Kurs zwangsverkauft — daneben steht durchgehend eine Totalverlust-Rechnung mit −100 Prozent für diesen Fall.
  • Depot. Gleichgewichtet, monatliches Rebalancing, 0,1 Prozent Kosten je Seite, Mindestkurs 1 $ am Einstiegstag (geprüft am Rohkurs, gerechnet am bereinigten). Gekauft wird beim Erstsignal einer Episode, eine laufende Position wird nicht aufgestockt. Die Haltedauer „solange" endet, sobald zwei aufeinanderfolgende Quartale eine gegenüber dem Vorjahr fallende Marge zeigen, spätestens aber nach 120 Monaten.
  • Messgröße. Gelesen wird ausschließlich das operative Ergebnis (us-gaap:OperatingIncomeLoss), kein Rückgriff auf den Nettogewinn, der Zinsen, Steuern und Verkaufserlöse mitträgt und damit etwas anderes misst als das laufende Geschäft.
  • Lückenlosigkeit. Gerechnet wird auf dem lückenlosen Endstück der Quartalsfolge, gemessen am Label und nicht am Kalendertag.
  • Schwellenvergleiche laufen mit Spielraum (1e-9), damit die Fließkomma-Darstellung nicht zufällig über oder unter eine Grenze fällt.
  • Gegenprobe. Die im Bericht neu aggregierten Monatsreihen weichen von den im Depotlauf gespeicherten um 0 Prozentpunkte ab.

Quellen. Operatives Ergebnis, Umsatz und Meldetermine aus den öffentlichen Pflichtveröffentlichungen der US-Börsenaufsicht (Geschäftsberichte 10-K und Quartalsberichte 10-Q, maschinenlesbar über EDGAR). Monatskurse und der Vergleichsmaßstab S&P 500 Total Return aus unserem eigenen Bestand. Keine Netzabfrage während des Laufs.

Was diese Studie nicht sagt

  • Das Hauptsignal ist statistisch schmal. 27 Positionen in 163 Monaten, im Median 2 Titel gleichzeitig gehalten, in 14 Monaten leer. Das ist eine Handvoll Einzelfälle, kein Depot.
  • 15,14 Prozent der Quartale im Bestand haben keinen gemeldeten Umsatz und fallen deshalb ganz aus der Messung — ein Grund, warum dieser Rücktest weniger Firmen sieht als die Umsatz-Beschleunigung.
  • 15,26 Prozent der Quartale sind rechnerisch abgeleitet (viertes Quartal = Jahreswert minus die ersten drei), weil die Börsenaufsicht es nicht einzeln verlangt. Diese Quartale sind gerechnet, nicht gemeldet.
  • Banken und Versicherer fehlen ganz, weil sie keine Betriebsergebnis-Zeile in diesem Sinn melden.
  • Steuern und Handelsspannen sind nicht gerechnet. Nur 0,1 Prozent Kosten je Seite sind eingerechnet.
  • Geprüft wurden nur Monatssprünge über 200 Prozent. Kleinere, ebenfalls nicht nachgetragene Aktienzusammenlegungen können auch in der konservativen Zahl noch stecken.
  • Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.

Konsequenz: kein Scanner

Weder das Hauptsignal (2,52 Prozent pro Jahr) noch seine günstigste Sensitivitäts-Variante (12,93 Prozent) noch die Margen-Wende (10,64 Prozent) noch die etablierten Margenausweiter (11,62 Prozent) schlagen den S&P 500 Total Return von 15,02 Prozent pro Jahr. Aus diesem Rücktest wird deshalb kein Live-Scanner. Anders als beim Umsatzbeschleuniger, wo die Regel den Index konservativ schlug und ein Scanner mit Umsatz- und Timing-Filter daraus gebaut wurde, gibt es hier keine tragfähige Grundlage für ein automatisiertes Kaufsignal. Wir veröffentlichen diese Studie trotzdem, weil ein ehrlicher Rückblick auch zeigen muss, welche naheliegenden Ideen im Rückblick nicht funktioniert haben.

Häufige Fragen

Eine Kaufregel in zwei Teilen: Beschleunigung (die jüngsten mindestens zwei Quartale verbessern die operative TTM-Marge je um mindestens 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresquartal, bei positiver Marge im Signalquartal) und Ruhe davor (die vier Vorquartale bewegen die Marge je um weniger als 1 Prozentpunkt). Gekauft wird zum Meldetermin des zweiten Beschleunigungsquartals, gleichgewichtet, mit 0,1 Prozent Kosten je Seite, gehalten 3, 6, 12 Monate oder solange die Marge nicht in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gegenüber dem Vorjahr fällt (Deckel 120 Monate).

Weil er in 13,5 Jahren nur 27 Positionen liefert und mit 2,52 Prozent pro Jahr weit hinter dem S&P 500 (15,02 Prozent) zurückbleibt. Selbst die günstigste von sechs geprüften Varianten der Regel — eine gelockerte Ruhegrenze mit 209 Positionen und 12,93 Prozent im Jahr — reicht nicht an den Index heran. Auch die Nachbarklassen L-alt (11,62 Prozent) und Margen-Wende (10,64 Prozent) bleiben darunter.

Nein, sie ist nur weniger schlecht. Firmen, deren Marge schon vor dem Beschleunigungsquartal in Bewegung war, kommen konservativ auf 11,62 Prozent pro Jahr bei 3.621 Positionen — mehr Substanz als das Hauptsignal, aber ebenfalls unter dem S&P 500. Keine der drei Frischeklassen dieses Rücktests schlägt den Index.

Nein. Bei 1.269 Firmen mit beiden Signalen liegt der mediane zeitliche Abstand zwischen den ersten Treffern bei null Monaten; in 624 Fällen kam der Umsatz zuerst, in 575 die Marge, in 70 beide gleichzeitig. Die verbreitete Annahme, eine Margenverbesserung kündige sich vor einer Umsatzbeschleunigung an, lässt sich mit diesen Daten nicht belegen.

Weil der Kursbestand einzelne Reihen enthält, in denen eine Aktienzusammenlegung nicht im bereinigten Kurs nachgetragen ist. Eine belegte Position bucht dadurch im August 2015 eine Monatsrendite von +290.672 Prozent und hebt allein die Jahresrendite des Gesamtarms von 11,13 auf 39,36 Prozent. Es ist nicht die einzige betroffene Reihe, und der verwendete Filter (Ausschluss aller Positionen mit einem Monatssprung über 200 Prozent) wirkt in seiner Richtung eher konservativ als übertrieben.

Nein. Weder das Hauptsignal noch seine günstigste Variante noch die Nachbarklassen schlagen den Index — ein Scanner würde eine Regel automatisieren, die im Rückblick nicht getragen hat. Wir veröffentlichen nur Signale als Scanner, die diese Prüfung bestehen; der Margen-Beschleuniger gehört nicht dazu.

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