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Live Ventures: Eine Holding, ein Eigentümer — und ein Gewinn, der nicht aus dem Geschäft kommt

Live Ventures: Eine Holding, ein Eigentümer — und ein Gewinn, der nicht aus dem Geschäft kommt

Diese Beteiligungsholding aus Las Vegas kauft mittelständische US-Firmen: Videospiel-Läden, Bodenbeläge, Werkzeugstahl. 444,9 Millionen US-Dollar Umsatz, 1.366 Beschäftigte — und ein Börsenwert von rund 28 Millionen. Im Geschäftsjahr 2025 wies sie 22,7 Millionen Gewinn aus. Davon stammen 27,5 Millionen aus Buchgewinnen ohne einen einzigen Dollar Zahlungsfluss. Nach Zinsen bleibt operativ ein Minus. Gleichzeitig läuft seit August 2021 eine Zivilklage der US-Börsenaufsicht gegen die Gesellschaft und ihren Vorstandsvorsitzenden — im Februar 2026 hat das Gericht den Weg zum Prozess freigemacht. Wir lesen den Geschäftsbericht und den Quartalsbericht und rechnen nach, was hier wirklich verdient wird. Am Ende steht kein Kursurteil, sondern eine Rechnung, die Du selbst nachprüfen kannst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Live Ventures: Eine Holding, ein Eigentümer — und ein Gewinn, der nicht aus dem Geschäft kommt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Denkfalle, die bei kleinen Aktien besonders zuverlässig zuschnappt, weil die Rechnung so verlockend einfach aussieht: die Zu-billig-Falle. Eine Firma macht 444,9 Millionen US-Dollar Umsatz, verdient 22,7 Millionen und kostet an der Börse rund 28 Millionen. Dein Kopf rechnet: gut das Einfache des Jahresgewinns, ein Sechzehntel des Umsatzes, ein Drittel des Buchwerts. Das muss zu billig sein.

Machen wir also einen Deal. Bevor wir über die Aktie reden, lesen wir gemeinsam, was Live Ventures Incorporated (NASDAQ: LIVE) selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 vom 17. Dezember 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 14. Mai 2026. Diese Unterlagen sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erklären in drei Schritten, warum diese Rechnung nicht aufgeht.

Eine Vorbemerkung, ohne die jede Zahl in diesem Text falsch gelesen wird: Das Geschäftsjahr von Live Ventures endet am 30. September, nicht zum Jahreswechsel. „Geschäftsjahr 2025“ meint hier den Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025. Der jüngste Quartalsbericht zum 31. März 2026 ist folglich das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres.

Inhalt dieser Analyse

Was Live Ventures eigentlich macht

Live Ventures kauft mittelständische US-Firmen und behält sie. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als branchenunabhängig auf der Suche nach „gut geführten, eng gehaltenen Betrieben mit nachweislicher Erfolgsgeschichte“. Die Gesellschaft wurde 1968 gegründet und später unter dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Jon Isaac neu ausgerichtet. Herausgekommen ist ein Bündel aus vier sehr unterschiedlichen Geschäften, dazu 1.366 Beschäftigte:

  • Unterhaltungs-Einzelhandel — Vintage Stock verkauft neue und gebrauchte Filme, Videospiele und Musik, dazu Bücher, Comics, Spielzeug und Sammlerstücke. Umsatz im Geschäftsjahr 2025: 77,5 Millionen US-Dollar.
  • Bodenbelags-Einzelhandel — Flooring Liquidators betreibt 28 Lagerhaus-Filialen und ein Planungszentrum in vier Bundesstaaten und verlegt Böden, Teppiche und Arbeitsplatten für Verbraucher, Bauträger und Handwerksbetriebe in Kalifornien und Nevada. Umsatz: 122,3 Millionen.
  • Bodenbelags-Herstellung — Marquis fertigt Teppiche und Hartbeläge für Wohnbau, Nischen-Gewerbe und Hotellerie. Umsatz: 121,6 Millionen.
  • Stahlverarbeitung — Precision Marshall beliefert über 500 Stahlhändler mit Werkzeugstahl und Präzisions-Flachstahl; Kinetic fertigt Industriemesser; PMW macht Metallumformung; Central Steel baut Kabelträger, Rahmen und Netzwerkschränke, überwiegend für Rechenzentren. Umsatz zusammen: 132,6 Millionen.

Ein Hinweis für alle, die nach den älteren Beteiligungen suchen: Ein Segment für Autoteile-Handel oder Reifen gibt es in den aktuellen Berichten nicht. Die vier oben genannten Bereiche sind die vollständige, berichtspflichtige Aufstellung nach dem US-Segmentstandard; alles Übrige läuft unter „Holding und Sonstiges“ und erreicht die Ausweisschwelle nicht.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt: Auf dem Papier ist Live Ventures ein profitabler Mischkonzern zum Schnäppchenpreis. In den Berichten steht ein Unternehmen, dessen Zinslast den operativen Gewinn auffrisst, dessen ausgewiesener Jahresüberschuss aus Buchungen stammt und das von einem einzigen Mann kontrolliert wird, gegen den die Börsenaufsicht klagt.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich rund 3.200 Aktien durch unsere Scanner laufen. LIVE kam über das hauseigene K-FCF-Ranking auf die Rechercheliste — eine Liste, die stur nach dem Verhältnis von Börsenwert zu freiem Mittelzufluss der letzten vier Quartale sortiert, die günstigsten zuerst. Am 27. Juli 2026 zählte die US-Auswahl 545 Treffer. LIVE stand mit einem K/FCF von 1,4 auf Platz 25 — auf beiden Marken identisch, und damit exakt auf dem letzten Platz, den die Detailseite überhaupt noch zeigt. Ein Rutsch um einen einzigen Rang, und der Titel verschwindet von der Liste. Wer ihn dann noch finden will, nimmt nicht den Scanner, sondern den Screener und setzt dort den Filter „P/FCF“ auf die unterste Stufe. Diese Listen werden täglich neu berechnet.

Die Zahl dahinter ist echt und nicht getrickst: Im Geschäftsjahr 2025 flossen dem Unternehmen aus dem laufenden Betrieb 28,7 Millionen US-Dollar zu; nach Sachinvestitionen von 7,7 Millionen bleiben 21,0 Millionen freier Mittelzufluss. Gegen einen Börsenwert von rund 28 Millionen ergibt das die 1,4.

Zwei Einschränkungen gehören sofort dazu, und beide sind wichtiger als die Kennzahl selbst.

Erstens: Ein guter Teil dieses Zuflusses kommt aus dem Schrumpfen. Von den 28,7 Millionen stammen 12,4 Millionen aus dem Abbau von Forderungen (7,2) und Vorräten (5,2). Wenn der Umsatz fällt — und er fiel von 472,8 auf 444,9 Millionen —, bindet das Geschäft weniger Kapital, und dieses Kapital wird frei. Das ist echtes Geld, aber es ist eine einmalige Freisetzung und keine Ertragskraft. Rechnet man alle Veränderungen im Umlaufvermögen heraus, bleiben vom operativen Zufluss 19,9 Millionen und nach Investitionen rund 12,2 Millionen — dann steht statt 1,4 ein K/FCF von rund 2,3.

Zweitens: Ein freier Mittelzufluss ist kein Gewinn für Aktionäre, wenn er den Gläubigern gehört. Zum 31. März 2026 standen den 92,9 Millionen US-Dollar Eigenkapital 299,6 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber. Allein die Finanzschulden summierten sich auf rund 122,4 Millionen, dazu kamen 42,9 Millionen aus Finanzierungsleasing. Der Zinsaufwand betrug im Geschäftsjahr 2025 15,6 Millionen — mehr als das gesamte operative Ergebnis von 14,6 Millionen.

Noch eine Zahl aus unserem Datenbestand, die man richtig einordnen muss: der Altman-Z von 5,33. Auf der bei uns verwendeten Z″-Skala markiert 1,1 die Krisenzone und 2,6 den als sicher geltenden Bereich; 5,33 liegt deutlich darüber. Anders als bei einer Bank ist die Formel bei einem Handels- und Fertigungskonzern grundsätzlich anwendbar. Nur beruht sie hier auf einem Ergebnis, das zu großen Teilen aus Buchgewinnen besteht — und sie misst weder Rechtsrisiken noch die Frage, wem das Unternehmen gehört. Der Wert sagt: kein rechnerisches Insolvenzsignal. Er sagt nichts darüber, ob dieses Unternehmen Geld verdient.

Die Zahlen über die Jahre — und woher der Gewinn kommt

Der Umsatz sinkt: 472,8 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024, 444,9 Millionen im Geschäftsjahr 2025, und im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 211,4 Millionen nach 218,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge hält sich mit 32,7 Prozent stabil, die Verwaltungskosten wurden von 118,0 auf 113,7 Millionen gedrückt.

Das Ergebnis schwankt dagegen wild: −26,7 Millionen (Geschäftsjahr 2024), +22,7 Millionen (2025), −2,5 Millionen (erstes Halbjahr 2026). Der Verlust 2024 kam von einer Firmenwertabschreibung über 18,1 Millionen bei Flooring Liquidators. Und der Gewinn 2025? Der entsteht so:

Wasserfalldiagramm: Vom operativen Ergebnis 14,6 Millionen US-Dollar über den Zinsaufwand minus 15,6, Buchgewinne plus 27,5, eine Lohnsteuer-Gutschrift plus 2,1, übrige Posten minus 0,3 und Ertragsteuern minus 5,7 zum Jahresüberschuss von 22,7 Millionen
Ohne die 27,5 Millionen Buchgewinne stünde vor Steuern ein Ergebnis von 0,9 Millionen US-Dollar — und ohne die ebenfalls einmalige Lohnsteuer-Gutschrift ein Minus. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die vier Buchgewinne im Einzelnen: 22,8 Millionen aus der Änderung einer Kaufpreis-Schuldverschreibung, 2,8 Millionen aus der Auflösung einer Erfolgsbeteiligung an einen Verkäufer, 1,2 Millionen aus der Einigung über einen einbehaltenen Kaufpreisteil und 0,7 Millionen aus einem Schuldenerlass. In keinem dieser vier Fälle ist Geld ins Unternehmen geflossen; verändert haben sich Schulden auf der Passivseite. Die Kapitalflussrechnung zeigt es unbestechlich: Dort werden alle vier Beträge vom Jahresüberschuss wieder abgezogen, weil sie nicht zahlungswirksam waren.

Ein häufiges Missverständnis sei hier ausgeräumt: Live Ventures ist bekannt dafür, Firmen unter Buchwert zu kaufen, und aus solchen Käufen entstehen buchhalterisch Erträge aus „Erwerb unter Zeitwert“. In den beiden aktuellen Berichten kommt dieser Posten allerdings gar nicht vor. Die Buchgewinne des Geschäftsjahres 2025 stammen sämtlich aus der Umstrukturierung von Kaufpreisschulden — also aus dem Nachverhandeln dessen, was man den Verkäufern noch schuldet, nicht aus dem Kaufen selbst.

Was in den Berichten steht — vier unbequeme Wahrheiten

Nr. 1: Ein Geschäft trägt alle anderen

Die Segmentangaben des Geschäftsberichts beantworten die wichtigste Frage bei jeder Holding — welcher Teil verdient eigentlich Geld? Die Antwort ist eindeutig, sobald man den Zinsaufwand dorthin verteilt, wo er anfällt:

Balkendiagramm der fünf Bereiche im Geschäftsjahr 2025: Unterhaltung plus 10,7 operativ und plus 10,6 nach Zinsen, Bodenbelag-Handel minus 7,7 und minus 12,0, Bodenbelag-Herstellung plus 7,2 und plus 2,9, Stahl plus 8,5 und plus 3,1, Holding minus 4,2 und minus 5,7 Millionen US-Dollar
Nur der Unterhaltungs-Einzelhandel behält nach Zinsen praktisch seinen ganzen operativen Gewinn. Alles zusammengezählt bleibt ein Minus von 0,9 Millionen US-Dollar. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Vintage Stock ist der Motor: 77,5 Millionen US-Dollar Umsatz, 57,9 Prozent Bruttomarge, 10,7 Millionen operativer Gewinn — und praktisch keine Zinslast, weil auf diesem Bereich kaum Schulden liegen. Gebrauchte Videospiele und Filme sind ein Geschäft mit hoher Handelsspanne, und dieses eine Segment trägt den ganzen Konzern.

Flooring Liquidators ist das Gegenteil: 122,3 Millionen Umsatz, aber operativ −7,7 Millionen und nach Zinsen −12,0 Millionen. Das ist der Bereich, in dem 2024 bereits ein Firmenwert von 18,1 Millionen abgeschrieben wurde. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Umsatz dort auf 20,2 Millionen im Quartal geschrumpft, der operative Verlust lag bei 4,6 Millionen.

Und die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich das Problem ausbreitet: Im Quartal zum 31. März 2026 schrieb Live Ventures im Stahlbereich einen Firmenwert von 4,0 Millionen ab. Dieses Segment rutschte damit von Gewinn auf einen Vorsteuerverlust von 3,3 Millionen. Konzernweit stand ein Quartalsverlust von 2,4 Millionen.

Nr. 2: Ein Mann hält zwei Drittel der Stimmen — und ist zugleich Kreditgeber

Der Geschäftsbericht sagt es in seinen eigenen Risikohinweisen so deutlich, dass es keiner Auslegung bedarf:

Ausschnitt aus dem SEC-Geschäftsbericht für 2025, Risikohinweise: markierter Absatz, wonach Isaac Capital Group LLC und Jon Isaac rund 67,4 Prozent der Stimmrechte kontrollieren und öffentliche Aktionäre möglicherweise keine wirksame Stimme in der Unternehmensführung haben
Die Überschrift des Risikohinweises lautet übersetzt: „Wegen unserer konzentrierten Eigentümerstruktur haben öffentliche Aktionäre möglicherweise keine wirksame Stimme in unserer Unternehmensführung.“ Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„As of December 5, 2025, Isaac Capital Group LLC (“ICG”), together with Jon Isaac, our President and CEO and the President and sole member of ICG, control approximately 67.4% of the outstanding voting power of our company (assuming the exercise of all outstanding and exercisable warrants held by them). Jon Isaac has the sole power to vote the shares of our common stock owned by ICG.“

Übersetzung: „Zum 5. Dezember 2025 kontrollieren die Isaac Capital Group LLC (‚ICG‘) zusammen mit Jon Isaac, unserem Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden sowie Präsidenten und alleinigem Mitglied von ICG, rund 67,4 % der ausstehenden Stimmrechte unserer Gesellschaft (unter Annahme der Ausübung aller von ihnen gehaltenen ausstehenden und ausübbaren Bezugsrechte). Jon Isaac hat die alleinige Befugnis, die von ICG gehaltenen Stammaktien zu stimmen.“

— Live Ventures Incorporated, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A

Ein verbreitetes Missverständnis sei dabei gleich ausgeräumt: Diese Kontrolle stammt nicht aus einer Vorzugsaktie mit Mehrfachstimmrecht. Die ausstehende Series-E-Vorzugsaktie umfasst 47.840 Stück mit einer Liquidationspräferenz von 0,30 US-Dollar je Stück und 5 Prozent Dividende darauf — insgesamt rund 720 US-Dollar Ausschüttung im Jahr. Ein Sonderstimmrecht ist ihr in den Berichten nirgends zugeschrieben. Die 67,4 Prozent setzen sich aus Stammaktien (Jon Isaac persönlich 217.177, ICG 1.357.306) und einem Wandlungsrecht zusammen. Wohl aber darf der Verwaltungsrat künftige Vorzugsserien frei ausgestalten, einschließlich ihres Stimmrechts.

Interessanter als die reine Kontrolle ist die Doppelrolle. Jon Isaac ist über ICG auch Kreditgeber seines eigenen Unternehmens:

Ausschnitt aus dem SEC-Quartalsbericht zum 31. März 2026: markierter Absatz, wonach Jon Isaac über ICG das vertragliche Recht hatte, bis zu 1.525.612 Aktien zu erwerben, und der Saldo der Kreditlinie 12,0 Millionen US-Dollar betrug
Darüber im Bild: die Bilanzierung der Vertragsänderung — der Mehrwert des Wandlungsrechts von rund 6,0 Millionen US-Dollar wurde als Ausschüttung an den Mehrheitsaktionär gebucht. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 10. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Kreditlinie startete 2020 bei 1,0 Millionen US-Dollar. Die vierte Änderung vom 8. April 2025 hob sie auf 12,0 Millionen und legte einen festen Wandlungspreis von 7,85 US-Dollar je Aktie fest, ausübbar nach Wahl von Herrn Isaac. Zum 31. März 2026 entsprach das dem Recht auf bis zu 1.525.612 Aktien — bei 3.071.656 ausstehenden Aktien rund die Hälfte des heutigen Bestands. Bei einem Kurs von 9,70 US-Dollar liegt dieses Wandlungsrecht im Geld. Ein zweites ICG-Darlehen an die Bodenbelags-Tochter läuft zu 12,0 Prozent Zinsen; bei seiner Änderung im Februar 2026 wurden aufgelaufene Zinsen einschließlich Verzugszinsen zum Kapital geschlagen.

Nr. 3: Die Börsenaufsicht klagt — und der Prozess kommt

Dies ist der Punkt, an dem die Analyse aufhört, eine Bewertungsfrage zu sein. Seit dem 2. August 2021 läuft eine Zivilklage der SEC:

Ausschnitt aus dem SEC-Quartalsbericht zum 31. März 2026: markierter Absatz über die Zivilklage der Börsenaufsicht gegen die Gesellschaft, Vorstandschef Jon Isaac und den früheren Finanzvorstand wegen Verstößen bei Ergebnisdaten, Aktienwerbung, Beteiligungsangaben und Vorstandsvergütung von 2016 bis 2018
Die SEC beantragt unter anderem dauerhafte Organverbote und die Abschöpfung von Gewinnen. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 16. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„The SEC Complaint alleges various financial, disclosure, and reporting violations related to income and earnings per share data, purported undisclosed stock promotion and trading, purported inaccurate disclosure regarding beneficial ownership of common stock, and undisclosed executive compensation from 2016 through 2018. […] The SEC seeks permanent injunctions against the Company Defendants, permanent officer-and-director bars, disgorgement of profits, and civil penalties.“

Übersetzung: „Die SEC-Klage macht verschiedene Verstöße bei Rechnungslegung, Offenlegung und Berichterstattung geltend, die sich auf Ergebnis- und Aktienkennzahlen, angeblich nicht offengelegte Aktienwerbung und -geschäfte, angeblich unzutreffende Angaben zu wirtschaftlichem Eigentum an Stammaktien sowie nicht offengelegte Vorstandsvergütung von 2016 bis 2018 beziehen. […] Die SEC beantragt dauerhafte Unterlassungsanordnungen gegen die beklagte Gesellschaft und ihre Organe, dauerhafte Verbote der Tätigkeit als Führungskraft oder Verwaltungsratsmitglied, die Abschöpfung von Gewinnen sowie Geldbußen.“

— Live Ventures Incorporated, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 16

Entscheidend ist der Verfahrensstand, und der hat sich zuletzt bewegt:

Ausschnitt aus dem SEC-Quartalsbericht zum 31. März 2026: markierter Absatz zum Verfahrensverlauf, wonach das Gericht am 10. Februar 2026 beide Anträge auf ein Urteil ohne Verhandlung abgelehnt hat und die Parteien den Prozess vorbereiten
„On February 10, 2026, the Court entered an order denying the parties’ cross motions for summary judgment. The parties are preparing for trial, but the Court has not yet set a trial date for this matter.“ Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 16. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt: Am 10. Februar 2026 hat das Gericht die Anträge beider Seiten auf ein Urteil ohne Verhandlung abgelehnt. Das heißt weder, dass die SEC recht hat, noch dass das Unternehmen recht hat — es heißt, dass die Sache streitig bleibt und vor Gericht ausgetragen wird. Die Parteien bereiten den Prozess vor, ein Termin steht noch nicht fest. Der Ursprung liegt weit zurück: eine Vorladung der SEC vom 21. Februar 2018 zur Berichtigung von drei Quartalsabschlüssen aus 2016 und 2017, dann 2020 vier „Wells Notices“, dann 2021 die Klage. Parallel läuft seit August 2021 eine Anlegerklage mit ähnlichen Vorwürfen; deren Abweisung hat das Gericht am 30. September 2025 abgelehnt, die Beweiserhebung läuft.

Fairerweise gehört dazu: Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe seit der Klageerwiderung vom 11. Oktober 2022. Und die Vorwürfe betreffen Vorgänge aus 2016 bis 2018 — nicht die heutigen Zahlen. Aber sie betreffen den Mann, der das Unternehmen heute führt und zwei Drittel der Stimmen hält.

Nr. 4: Die Aktie ist so klein, dass Kennzahlen zu Zufallszahlen werden

Es gibt 3.071.656 Aktien. Nicht Millionen — Stück. Davon liegen rund 2,2 Millionen bei Insidern. Der im Registrierungsentwurf vom 18. Juni 2026 genannte Marktwert der Aktien in fremder Hand betrug am 27. Mai 2026 rund 8,9 Millionen US-Dollar. Der tägliche Handelsumsatz liegt im Bereich von rund 0,1 Millionen US-Dollar.

Das hat drei praktische Folgen. Erstens bewegt schon ein einzelner größerer Auftrag den Kurs. Zweitens gibt es faktisch keine Analystendeckung, weshalb wir hier auch kein Kursziel zitieren — die Werte in den Datenbeständen sind bei einem Titel dieser Größe nicht belastbar. Und drittens ist die Verwässerungsfrage groß: Neben dem Wandlungsrecht über 1.525.612 Aktien registrierte die Gesellschaft im Juni 2026 ein Programm zur Ausgabe von Wertpapieren über bis zu 50,0 Millionen US-Dollar — fast das Doppelte des gesamten Börsenwerts und rund das Fünffache dessen, was der Streubesitz wert ist. Das ist ein Vorrat, keine Ankündigung. Aber er steht im Regal.

Bewertung — was der Markt für diese Holding zahlt

Vorab: Das sind datierte Anker, keine Kaufargumente. Kurs 9,70 US-Dollar (Kursstand 24. Juli 2026), Börsenwert laut Fundamentaldaten rund 28 Millionen US-Dollar, Aktienzahl 3.071.656 (Bilanz zum 31. März 2026).

Auf den ersten Blick ist alles billig: Der Kurs entspricht rund dem 0,34-Fachen des Buchwerts, dem 0,06-Fachen des Jahresumsatzes und dem 1,4-Fachen des freien Mittelzuflusses. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht sinnvoll bilden, weil das laufende Geschäftsjahr im ersten Halbjahr einen Verlust ausweist — und weil der Vorjahresgewinn, wie gezeigt, aus Buchungen stammt.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, warum. Die richtige Bezugsgröße für eine so hoch verschuldete Gesellschaft ist nicht der Börsenwert, sondern der Unternehmenswert: Börsenwert plus Netto-Finanzschulden. Den Finanzschulden von rund 122,4 Millionen US-Dollar und dem Finanzierungsleasing von 42,9 Millionen stehen 15,2 Millionen Kasse gegenüber. Wer die Aktie kauft, kauft also den Eigenkapitalrest an einem Gebilde, dessen Wert weit überwiegend den Gläubigern gehört — und dessen operativer Gewinn nicht ausreicht, deren Zinsen zu bedienen. Das Verhältnis von Unternehmenswert zum Betriebsergebnis vor Abschreibungen liegt laut unseren Daten bei rund 6,4 und damit nicht mehr im Schnäppchenbereich.

Was man positiv verbuchen muss: Die Gesellschaft baut Schulden ab. Im Geschäftsjahr 2025 wurden netto 11,5 Millionen US-Dollar unter den Kreditlinien zurückgeführt und 7,0 Millionen auf Schuldscheine und Leasing gezahlt; für 0,5 Millionen wurden eigene Aktien zurückgekauft. Und Vintage Stock liefert einen echten, wiederkehrenden Mittelzufluss.

Der Kurs erzählt die andere Hälfte: Er liegt rund 99 Prozent unter dem historischen Höchststand und rund 59 Prozent unter dem Hoch der vergangenen zwölf Monate; die relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt liegt bei 16 von 100. Die Aktie steht in unseren Trendscannern in der Abwärtsphase. Wie unterschiedlich der Markt gebrauchte Ware bepreist, haben wir in dieser Serie an einem Gebrauchtwagenhändler durchgerechnet — nachzulesen in der Analyse zu America's Car-Mart. Und wie ein Konzern aussieht, der ebenfalls günstig wirkt und dessen Schuldenlast das Bild bestimmt, zeigt die Analyse zu Xerox.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Live Ventures spricht:

  • Ein starkes Geschäft im Bündel. Vintage Stock erzielte im Geschäftsjahr 2025 mit 77,5 Millionen US-Dollar Umsatz eine Bruttomarge von 57,9 Prozent und 10,7 Millionen operativen Gewinn — nahezu unbelastet von Zinsen.
  • Echter Mittelzufluss. 28,7 Millionen US-Dollar aus dem laufenden Betrieb im Geschäftsjahr 2025, nach Sachinvestitionen 21,0 Millionen — bei einem Börsenwert von rund 28 Millionen.
  • Schuldenabbau statt Zukäufe. Im Geschäftsjahr 2025 wurden netto 11,5 Millionen unter den Kreditlinien zurückgeführt und keine neuen Firmen erworben; im Vorjahr waren es noch drei Zukäufe für zusammen rund 13,0 Millionen.
  • Bilanzsubstanz. Vorräte von 121,6 Millionen und Sachanlagen von 75,4 Millionen US-Dollar (31. März 2026) stehen einem Börsenwert von rund 28 Millionen gegenüber; der rechnerische Insolvenzindikator zeigt kein akutes Signal.
  • Ein Interessengleichlauf, den es selten gibt. Der Vorstandsvorsitzende hält rund zwei Drittel der Stimmen und hat sein eigenes Geld im Unternehmen — er verliert bei einem Rückschlag mehr als jeder andere.

Was dagegen spricht:

  • Der ausgewiesene Gewinn ist nicht verdient. Von 22,7 Millionen US-Dollar Jahresüberschuss stammen 27,5 Millionen aus Buchgewinnen ohne Zahlungsfluss; nach Zinsen bleibt operativ ein Minus von 0,9 Millionen. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres steht ein Verlust von 2,5 Millionen.
  • Die Zinslast frisst den Gewinn. 15,6 Millionen US-Dollar Zinsaufwand im Geschäftsjahr 2025 gegen 14,6 Millionen operatives Ergebnis; Verbindlichkeiten von 299,6 Millionen gegen 92,9 Millionen Eigenkapital (31. März 2026).
  • Eine Zivilklage der Börsenaufsicht gegen Gesellschaft und Vorstandschef. Am 10. Februar 2026 lehnte das Gericht beide Anträge auf ein Urteil ohne Verhandlung ab; die Parteien bereiten den Prozess vor. Die SEC beantragt unter anderem dauerhafte Organverbote. Eine parallele Anlegerklage läuft ebenfalls.
  • Der Bodenbelags-Handel verliert Geld und schrumpft. Operativ −7,7 Millionen im Geschäftsjahr 2025 und −12,0 Millionen nach Zinsen; 2024 wurde dort bereits ein Firmenwert von 18,1 Millionen abgeschrieben. Im Quartal zum 31. März 2026 kamen 4,0 Millionen Abschreibung im Stahlbereich hinzu.
  • Verwässerung ist eingebaut. Ein Wandlungsrecht des Vorstandsvorsitzenden über bis zu 1.525.612 Aktien zu 7,85 US-Dollar bei 3.071.656 ausstehenden Aktien, dazu ein im Juni 2026 registriertes Programm über bis zu 50,0 Millionen US-Dollar.
  • Kaum handelbar. Marktwert der Aktien in fremder Hand rund 8,9 Millionen US-Dollar (27. Mai 2026), täglicher Handelsumsatz im Bereich von 0,1 Millionen. Kurs rund 99 Prozent unter dem historischen Höchststand.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Zu-billig-Falle vom Anfang. Ja, Live Ventures kostet ein Drittel seines Buchwerts und das gut Einfache seines freien Mittelzuflusses. Und ja, Vintage Stock ist ein hübsches kleines Geschäft, das mit 57,9 Prozent Handelsspanne zuverlässig Geld verdient. Wer nur diese beiden Sätze liest, hält den Titel für ein Schnäppchen.

Der Bericht erzählt eine andere Geschichte. Diese Holding verdient nach Zinsen operativ nichts. Ihr ausgewiesener Jahresgewinn entsteht dadurch, dass Schulden gegenüber Firmenverkäufern neu verhandelt wurden — buchhalterisch ein Ertrag, wirtschaftlich kein Dollar. Ihr größter Kreditgeber ist der Vorstandsvorsitzende, der zugleich zwei Drittel der Stimmen hält und dessen Kreditlinie sich in die Hälfte des Aktienbestands verwandeln lässt. Und gegen genau diesen Vorstandsvorsitzenden führt die US-Börsenaufsicht seit fünf Jahren einen Prozess, den ein Gericht im Februar 2026 ausdrücklich zur Verhandlung freigegeben hat.

Das ist keine Bewertungsfrage mehr. Wer hier kauft, kauft nicht einen niedrigen Preis, sondern das Vertrauen in eine einzige Person — in einer Struktur, in der Minderheitsaktionäre keine Möglichkeit haben, irgendetwas zu ändern. Der Geschäftsbericht sagt das selbst, in der Überschrift eines eigenen Risikohinweises: Wegen der konzentrierten Eigentümerstruktur hätten öffentliche Aktionäre möglicherweise keine wirksame Stimme in der Unternehmensführung.

Drei Zahlen, an denen Du das Weitere selbst messen kannst: ein operatives Ergebnis, das den Zinsaufwand von 15,6 Millionen US-Dollar übersteigen muss; ein Bodenbelags-Handel, der aus seinen 12,0 Millionen Jahresverlust nach Zinsen herauskommen muss; und ein Verhandlungstermin, den das Gericht bislang nicht gesetzt hat.

Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Alle Angaben stammen aus den oben genannten Originalquellen und tragen den jeweils genannten Stichtag; Zahlen können sich mit jedem neuen Bericht ändern. Die geschilderten Verfahren sind nicht abgeschlossen; die Vorwürfe sind bislang gerichtlich nicht entschieden, und die Gesellschaft bestreitet sie. Es gilt die Unschuldsvermutung. Aktien können erheblich schwanken, ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragsqualität negativ
Vom Jahresüberschuss 2025 von 22,7 Millionen US-Dollar stammen 27,5 Millionen aus Buchgewinnen ohne Zahlungsfluss, dazu kommt eine einmalige Lohnsteuer-Gutschrift von 2,1 Millionen. Das operative Ergebnis von 14,6 Millionen wird vom Zinsaufwand von 15,6 Millionen aufgezehrt. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 steht ein Verlust von 2,5 Millionen.
Beherrschung und verbundene Geschäfte negativ
Isaac Capital Group LLC und Vorstandschef Jon Isaac kontrollieren rund 67,4 Prozent der Stimmrechte (5. Dezember 2025). Derselbe Kreis ist Kreditgeber: eine Kreditlinie über 12,0 Millionen US-Dollar, wandelbar zu 7,85 US-Dollar in bis zu 1.525.612 Aktien bei 3.071.656 ausstehenden Aktien, sowie zwei Darlehen zu 12,0 Prozent Zinsen. Der Mehrwert des Wandlungsrechts von rund 6,0 Millionen wurde als Ausschüttung aus den Gewinnrücklagen gebucht.
Rechtslage negativ
Seit dem 2. August 2021 läuft eine Zivilklage der US-Börsenaufsicht gegen die Gesellschaft, den amtierenden Vorstandsvorsitzenden und den früheren Finanzvorstand wegen Verstößen bei Rechnungslegung und Offenlegung von 2016 bis 2018; beantragt werden unter anderem dauerhafte Organverbote. Am 10. Februar 2026 lehnte das Gericht beide Anträge auf ein Urteil ohne Verhandlung ab. Eine parallele Anlegerklage läuft ebenfalls weiter. Die Gesellschaft bestreitet die Vorwürfe.
Geschäftsbereiche neutral
Vintage Stock ist ein solides Geschäft: 77,5 Millionen US-Dollar Umsatz, 57,9 Prozent Bruttomarge, 10,7 Millionen operativer Gewinn ohne nennenswerte Zinslast (Geschäftsjahr 2025). Der Bodenbelags-Einzelhandel verlor dagegen operativ 7,7 Millionen und nach Zinsen 12,0 Millionen; 2024 wurde dort ein Firmenwert von 18,1 Millionen abgeschrieben. Im Quartal zum 31. März 2026 kamen 4,0 Millionen Abschreibung im Stahlbereich hinzu.
Mittelzufluss neutral
Im Geschäftsjahr 2025 flossen 28,7 Millionen US-Dollar aus dem laufenden Betrieb zu, nach Sachinvestitionen 21,0 Millionen — bei einem Börsenwert von rund 28 Millionen. 12,4 Millionen davon stammen allerdings aus dem Abbau von Forderungen und Vorräten bei sinkendem Umsatz; ohne diese Freisetzung bleiben rund 12,2 Millionen.
Handelbarkeit und Verwässerung negativ
Es gibt nur 3.071.656 Aktien, davon rund 2,2 Millionen bei verbundenen Personen; der Marktwert der Aktien in fremder Hand betrug am 27. Mai 2026 rund 8,9 Millionen US-Dollar bei einem Tagesumsatz von rund 0,1 Millionen. Am 18. Juni 2026 wurde ein Programm zur Ausgabe von Wertpapieren über bis zu 50,0 Millionen US-Dollar registriert.

Live Ventures ist eine Beteiligungsholding aus Las Vegas mit 444,9 Millionen US-Dollar Umsatz und einem Börsenwert von rund 28 Millionen — auf den ersten Blick ein Schnäppchen zum 0,34-Fachen des Buchwerts. Die Berichte zeigen etwas anderes: Vom Jahresüberschuss 2025 von 22,7 Millionen sind 27,5 Millionen Buchgewinne aus nachverhandelten Kaufpreisschulden; nach Zinsen verdient der Konzern operativ nichts. Nur ein Bereich trägt, der Unterhaltungs-Einzelhandel Vintage Stock; der Bodenbelags-Handel verliert nach Zinsen 12,0 Millionen im Jahr. Dazu kommt eine Struktur, in der ein Mann rund 67,4 Prozent der Stimmen hält und zugleich der größte Kreditgeber ist — mit einem Wandlungsrecht auf rund die Hälfte des Aktienbestands. Und gegen genau diesen Mann sowie die Gesellschaft führt die US-Börsenaufsicht seit 2021 einen Prozess, den ein Gericht im Februar 2026 zur Verhandlung freigegeben hat. Die Vorwürfe sind nicht entschieden, und das Unternehmen bestreitet sie. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Die Ampel beurteilt das Unternehmen, nicht den Kurs. Rot steht hier für drei aktenkundige Befunde, die zusammengenommen die Verlässlichkeit der ausgewiesenen Ertragskraft betreffen. Erstens die Ertragsqualität: Vom Jahresüberschuss des Geschäftsjahres 2025 von 22,7 Millionen US-Dollar stammen 27,5 Millionen aus Buchgewinnen ohne Zahlungsfluss (22,8 Millionen aus der Änderung einer Kaufpreis-Schuldverschreibung, 2,8 aus der Auflösung einer Erfolgsbeteiligung, 1,2 aus einer Einigung über einen Kaufpreiseinbehalt, 0,7 aus einem Schuldenerlass), dazu 2,1 Millionen einmalige Lohnsteuer-Gutschrift; das operative Ergebnis von 14,6 Millionen wird vom Zinsaufwand von 15,6 Millionen vollständig aufgezehrt, und im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 steht ein Verlust von 2,5 Millionen. Zweitens die Bilanz: 299,6 Millionen Verbindlichkeiten gegen 92,9 Millionen Eigenkapital (31. März 2026), Firmenwertabschreibungen von 18,1 Millionen im Geschäftsjahr 2024 und 4,0 Millionen im Quartal zum 31. März 2026. Drittens die Rechtslage: eine seit dem 2. August 2021 anhängige Zivilklage der US-Börsenaufsicht gegen die Gesellschaft, den amtierenden Vorstandsvorsitzenden und den früheren Finanzvorstand wegen Verstößen bei Rechnungslegung und Offenlegung von 2016 bis 2018, mit Anträgen auf dauerhafte Organverbote und Gewinnabschöpfung; am 10. Februar 2026 lehnte das Gericht beide Anträge auf ein Urteil ohne Verhandlung ab, die Prozessvorbereitung läuft, ein Termin steht nicht fest. Eine parallele Anlegerklage ist ebenfalls anhängig. Die Vorwürfe sind gerichtlich nicht entschieden, die Gesellschaft bestreitet sie, und es gilt die Unschuldsvermutung — die Farbe bewertet nicht den Ausgang, sondern die belegte Unsicherheit über eine tragende Größe. Ausdrücklich nicht in diese Farbe eingeflossen sind Kurs, Bewertung, Streubesitz oder Schwankungsbreite. Ebenfalls nicht eingeflossen ist der Altman-Z von 5,33: Er liegt auf der Z″-Skala (Grenzen 1,1 und 2,6) im als sicher geltenden Bereich und zeigt kein rechnerisches Insolvenzsignal, beruht aber auf einem Ergebnis mit hohem Buchgewinn-Anteil und misst weder Rechtsrisiken noch Beherrschungsverhältnisse. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Live Ventures über den hauseigenen Aktien-Scanner „K-FCF-Ranking“ (US-Auswahl), gemessen am 27. Juli 2026 auf beiden Marken: 545 US-Treffer, LIVE mit einem K/FCF von 1,393 auf Platz 25 — identisch auf boersenlotse.de und minnowstreet.com. Das ist exakt der letzte Platz, den die Detailseite zeigt; ein Rutsch um einen Rang, und der Titel ist dort nicht mehr sichtbar. Kein Punktgleichstand (Nachbarwerte 1,386 und 1,4225). Wer den Titel dann noch finden will, nimmt den Screener und setzt den P/FCF-Filter auf die unterste Stufe. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Die Kennzahl ist bei diesem Titel doppelt zu relativieren und wird im Artikel deshalb nachgerechnet. Erstens stammen von den 28,7 Mio. US-Dollar operativem Mittelzufluss des Geschäftsjahres 2025 rund 12,4 Mio. aus dem Abbau von Forderungen (7,2) und Vorräten (5,2) bei sinkendem Umsatz — eine einmalige Freisetzung, keine Ertragskraft; ohne alle Veränderungen im Umlaufvermögen bleiben rund 19,9 Mio. operativ und nach Sachinvestitionen rund 12,2 Mio., womit statt 1,4 ein K/FCF von rund 2,3 entsteht. Zweitens gehört dieser Mittelzufluss weit überwiegend den Gläubigern: Finanzschulden von rund 122,4 Mio. plus 42,9 Mio. Finanzierungsleasing gegen 15,2 Mio. Kasse (31.03.2026), bei einem Zinsaufwand von 15,6 Mio. im Geschäftsjahr 2025.
  • Der Altman-Z von 5,33 wird genannt, aber nicht als Entwarnung verwendet. Auf der hier verwendeten Z″-Skala liegen die Grenzen bei 1,1 (Krisenzone) und 2,6 (sicherer Bereich); anders als bei einer Bank ist die Formel bei einem Handels- und Fertigungskonzern grundsätzlich anwendbar. Sie beruht hier allerdings auf einem Ergebnis, das zu großen Teilen aus Buchgewinnen besteht, und sie misst weder Rechtsrisiken noch Beherrschungsverhältnisse. Der Piotroski-Wert von 3 von 9 und zwei Bilanz-Warnsignale im selben Datenbestand zeichnen ein deutlich vorsichtigeres Bild.
  • Identität streng geprüft, weil das Kürzel LIVE mehrdeutig ist und die Gesellschaft fünfmal umfirmiert hat: Die SEC-Ticker-Registry führt LIVE auf CIK 0001045742, und das Deckblatt des Quartalsberichts zum 31.03.2026 nennt wörtlich „Live Ventures Incorporated“, Nevada, Commission File Number 001-33937, Handelssymbol LIVE am Nasdaq Capital Market. Frühere Firmierungen laut SEC-Stammdaten: LiveDeal Inc (2007–2015), YP Corp (2004–2007), YP Net Inc (1999–2004), RIGL Corp (1998–1999) und Renaissance International Group Ltd (1998).
  • Zwei verbreitete Annahmen werden im Artikel ausdrücklich richtiggestellt. Erstens: In den beiden aktuellen Berichten gibt es KEINE Erträge aus „Erwerb unter Zeitwert“ (bargain purchase) — der Begriff kommt weder im Geschäftsbericht für 2025 noch im Quartalsbericht zum 31.03.2026 vor; die Buchgewinne stammen aus der Umstrukturierung von Kaufpreisschulden. Zweitens: Die Series-E-Vorzugsaktie trägt kein dokumentiertes Sonder- oder Mehrfachstimmrecht; sie umfasst 47.840 Stück mit 0,30 US-Dollar Liquidationspräferenz und 5 % Dividende darauf. Die 67,4 % Stimmkontrolle entstehen aus Stammaktien (217.177 persönlich, 1.357.306 über ICG) plus dem Wandlungsrecht aus dem ICG-Revolver. Der Verwaltungsrat darf künftige Vorzugsserien allerdings frei ausgestalten, einschließlich ihrer Stimmrechte. Ebenfalls klargestellt: Ein Segment für Autoteile-Handel oder Reifen besteht in den aktuellen Berichten nicht.
  • Kurs- und Bewertungsangaben sind datierte Anker, keine Kaufargumente: Kursstand 9,70 US-Dollar vom 24. Juli 2026, Datenstand der Kennzahlen 27. Juli 2026, Börsenwert rund 28 Mio. US-Dollar aus den Fundamentaldaten. Die Aktienzahl von 3.071.656 stammt aus dem Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 08.05.2026). Ein Analysten-Kursziel wird bewusst nicht zitiert: Bei einem Streubesitzwert von rund 8,9 Mio. US-Dollar und einem Tagesumsatz von rund 0,1 Mio. ist der Wert in den Datenbeständen nicht belastbar.
  • Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht am 14.05.2026); er deckt das zweite Quartal des am 30.09.2026 endenden Geschäftsjahres ab. Der Bericht zum dritten Quartal (30.06.2026) war zum Datenstand 27.07.2026 noch nicht fällig — die Frist für einen Non-accelerated Filer läuft bis zum 14.08.2026. Nach dem 14.05.2026 wurden eingereicht: der Registrierungsentwurf Formular S-3 über 50,0 Mio. US-Dollar vom 18.06.2026 und die Pflichtmitteilung 8-K vom 25.06.2026 (Item 5.07, Beschlüsse der Hauptversammlung). Beide sind ausgewertet. Der Geschäftsbericht für 2025 wurde fristgerecht am 17.12.2025 eingereicht; eine Fristverlängerung (NT 10-K) liegt für dieses Jahr nicht vor, historisch aber zehnmal — zuletzt 2020.

Häufige Fragen

Live Ventures ist eine Beteiligungsholding aus Las Vegas, die mittelständische US-Firmen kauft und weiterbetreibt. Vier Bereiche werden berichtet: Unterhaltungs-Einzelhandel (Vintage Stock, gebrauchte Filme und Videospiele), Bodenbelags-Einzelhandel (Flooring Liquidators, 28 Filialen), Bodenbelags-Herstellung (Marquis) und Stahlverarbeitung (Precision Marshall, Kinetic, PMW, Central Steel). Im Geschäftsjahr 2025 setzte der Konzern 444,9 Millionen US-Dollar um und beschäftigte 1.366 Menschen.

Am 30. September. Das ist wichtig für jede Zahl: „Geschäftsjahr 2025“ meint den Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025. Der jüngste Quartalsbericht zum 31. März 2026 ist folglich das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Bericht zum dritten Quartal (30. Juni 2026) war zum Datenstand 27. Juli 2026 noch nicht fällig; die Frist läuft bis zum 14. August 2026.

Weil 27,5 Millionen US-Dollar davon Buchgewinne sind: 22,8 Millionen aus der Änderung einer Kaufpreis-Schuldverschreibung, 2,8 Millionen aus der Auflösung einer Erfolgsbeteiligung, 1,2 Millionen aus einer Einigung über einen Kaufpreiseinbehalt und 0,7 Millionen aus einem Schuldenerlass. In keinem Fall ist Geld geflossen. Operativ verdiente der Konzern 14,6 Millionen und zahlte 15,6 Millionen Zinsen — unter dem Strich also ein Minus von 0,9 Millionen.

Ja. Am 2. August 2021 reichte die SEC eine Zivilklage gegen die Gesellschaft, den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Jon Isaac und den früheren Finanzvorstand ein. Vorgeworfen werden Verstöße bei Ergebnis- und Aktienkennzahlen, nicht offengelegte Aktienwerbung, unzutreffende Angaben zu Beteiligungsverhältnissen und verschwiegene Vorstandsvergütung von 2016 bis 2018; beantragt werden unter anderem dauerhafte Organverbote. Am 10. Februar 2026 lehnte das Gericht beide Anträge auf ein Urteil ohne Verhandlung ab; die Parteien bereiten den Prozess vor, ein Termin steht nicht fest. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe.

Isaac Capital Group LLC und Jon Isaac, Vorstandsvorsitzender und alleiniges Mitglied dieser Gesellschaft, kontrollieren rund 67,4 Prozent der Stimmrechte (Stand 5. Dezember 2025). Diese Mehrheit stammt nicht aus einer Vorzugsaktie mit Mehrfachstimmrecht, sondern aus Stammaktien (persönlich 217.177, über die Gesellschaft 1.357.306) und einem Wandlungsrecht aus einem Darlehen. Der Geschäftsbericht warnt selbst, öffentliche Aktionäre hätten wegen dieser Konzentration möglicherweise keine wirksame Stimme in der Unternehmensführung.

Im Geschäftsjahr 2025 vor allem der Unterhaltungs-Einzelhandel: Vintage Stock erzielte mit 77,5 Millionen US-Dollar Umsatz eine Bruttomarge von 57,9 Prozent und 10,7 Millionen operativen Gewinn — bei nahezu keiner Zinslast. Bodenbelags-Herstellung (+2,9 Millionen nach Zinsen) und Stahl (+3,1 Millionen) tragen wenig bei, der Bodenbelags-Einzelhandel verlor nach Zinsen 12,0 Millionen und die Holding selbst 5,7 Millionen.

Erheblich. Es gibt nur 3.071.656 Aktien. Der Vorstandsvorsitzende hat über seine Gesellschaft das Recht, eine Kreditlinie von 12,0 Millionen US-Dollar zu einem festen Preis von 7,85 US-Dollar in bis zu 1.525.612 Aktien zu wandeln — rund die Hälfte des heutigen Bestands. Zusätzlich hat Live Ventures am 18. Juni 2026 ein Programm zur Ausgabe von Wertpapieren über bis zu 50,0 Millionen US-Dollar registriert, bei einem Börsenwert von rund 28 Millionen.

Auf der hier verwendeten Z″-Skala markiert 1,1 die Krisenzone und 2,6 den als sicher geltenden Bereich; 5,33 liegt deutlich darüber und zeigt damit kein rechnerisches Insolvenzsignal. Der Wert beruht allerdings auf einem Ergebnis, das zu großen Teilen aus Buchgewinnen besteht, und die Formel misst weder Rechtsrisiken noch Beherrschungsverhältnisse. Der ebenfalls erfasste Piotroski-Wert von 3 von 9 und zwei Bilanz-Warnsignale zeichnen ein deutlich vorsichtigeres Bild.

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