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Krispy Kreme: 432 Millionen Dollar abgeschrieben, 888 Millionen Schulden — und eine Marke, die jeder kennt

Krispy Kreme: 432 Millionen Dollar abgeschrieben, 888 Millionen Schulden — und eine Marke, die jeder kennt

Die heiße Lampe im Fenster, der Original-Glazed-Donut, der einem beim Reinbeißen zergeht: Krispy Kreme ist eine der bekanntesten Marken der Welt — und genau das macht die Aktie gefährlich. Denn was wir kennen, halten wir automatisch für solide. Die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC erzählen etwas anderes. Im Geschäftsjahr 2025 (endete am 28. Dezember 2025) sank der Umsatz auf 1.522,6 Millionen US-Dollar, das Unternehmen schrieb 432,4 Millionen auf Firmenwert und Anlagen ab und meldete 523,8 Millionen Nettoverlust. Zum 29. März 2026 standen 888,4 Millionen Finanzschulden in der Bilanz, fällig im März 2028, und 1.402,4 Millionen an Firmenwert und immateriellen Werten — mehr als das Doppelte des Eigenkapitals. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was von einer Weltmarke übrig bleibt, wenn man den Firmenwert abzieht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 3. August 2026

Schlusskurs
3,10 $ -3,80 %
Marktkapitalisierung
0,5 Mrd. $
Wachstums-Score
4/10
AAQS
1/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Krispy Kreme: 432 Millionen Dollar abgeschrieben, 888 Millionen Schulden — und eine Marke, die jeder kennt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 2,90 $ bis 4,70 $ · Letzter Kurs: 3,10 $ (Stand: 3. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Der Donut, den Du geschenkt bekommen hast

Es gibt ein Gefühl, das fast jeder kennt, der schon einmal an einem Krispy-Kreme-Laden vorbeigekommen ist: Die rote Leuchtschrift „Hot Now“ geht an, hinter Glas läuft das Fließband, und man bekommt einen warmen Original-Glazed-Donut in die Hand gedrückt. Gratis. Der schmeckt, und man denkt: Was für eine Marke.

Genau hier lauert eine der leisesten Anleger-Fallen überhaupt — die Vertrautheitsfalle. Unser Kopf verwechselt Bekanntheit mit Sicherheit. Was wir kennen, mögen und mit einem guten Gefühl verbinden, halten wir automatisch für solider als etwas Fremdes. Psychologen nennen das den Effekt der bloßen Darbietung; an der Börse führt er dazu, dass man bei einer Weltmarke seltener nachrechnet als bei einer Firma, deren Namen man nicht aussprechen kann.

Machen wir deshalb einen Deal: Wir lassen die heiße Lampe aus und lesen ausschließlich das, was Krispy Kreme, Inc. (Nasdaq: DNUT) unter Strafandrohung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat — den Geschäftsbericht (Formular 10-K) für das Geschäftsjahr 2025, den Quartalsbericht (Formular 10-Q) zum 29. März 2026 und alles, was danach kam. Das zentrale Spannungsfeld steht schon im ersten Kapitel und begleitet uns bis zum Schluss: Die Marke ist unbestritten wertvoll — nur trägt sie in der Bilanz mehr, als sie im Betrieb einbringt.

Schematische Konstruktionszeichnung zu Krispy Kreme: Zwei Kästen oben, USA 62 Prozent und Ausland 38 Prozent, führen zu einem Kasten Umsatz 1,52 Milliarden US-Dollar, darunter ein Kasten Verlust 523,8 Millionen US-Dollar.
Der Bauplan des Konzerns im Geschäftsjahr 2025: Aus den USA (rund 62 Prozent) und dem Ausland (rund 38 Prozent) kamen zusammen 1,52 Milliarden US-Dollar Umsatz — am Ende stand ein Nettoverlust von 523,8 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was Krispy Kreme eigentlich macht

Krispy Kreme verkauft frische Donuts — und zwar nicht nur im eigenen Laden. Das Herzstück ist ein Verteilsystem, das der Konzern selbst „Hub and Spoke“ nennt: Nabe und Speiche. In der Nabe stehen die großen Backbetriebe, die Hot Light Theater Shops und Donut-Fabriken. Von dort fahren jeden Morgen Lieferrouten zu den Speichen — kleinen Fresh Shops, Wagen, Ständen und vor allem zu den gebrandeten Regalen in Supermärkten, Tankstellen und Schnellrestaurants. Stell Dir eine Bäckerei vor, die nicht wartet, bis die Kundschaft kommt, sondern ihre Brötchen morgens in fünfzig Läden der Nachbarschaft fährt: Dieselbe Backstube, viel mehr Verkaufspunkte.

Diese Verkaufspunkte zählt Krispy Kreme als „Global Points of Access“. Zum Ende des ersten Quartals 2026 (29. März 2026) waren es 15.125 in mehr als 40 Ländern. Ein Jahr zuvor waren es noch fast 18.000 gewesen — dazu kommen wir gleich. Berichtet wird in drei Segmenten: USA (eigene Läden und Lieferungen in den Vereinigten Staaten), International (eigene Betriebe in Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland, Mexiko und Kanada) und Market Development — das Franchise-Geschäft, in dem Partner die Läden betreiben und Krispy Kreme Gebühren, Mischungen und Maschinen liefert.

Im Geschäftsjahr 2025 verteilte sich der Umsatz von 1.522,6 Millionen US-Dollar nach Herkunft so: 937,7 Millionen in den USA (rund 62 Prozent), 159,5 Millionen in Großbritannien, 125,2 Millionen in Mexiko, 117,9 Millionen in Australien und Neuseeland, 182,4 Millionen in allen übrigen Ländern — zusammen also 584,9 Millionen außerhalb der USA oder rund 38 Prozent. Beschäftigt waren zum 28. Dezember 2025 rund 17.000 Menschen.

Ein Hinweis zum Kalender, der später wichtig wird: Krispy Kreme rechnet nicht in Kalenderjahren, sondern in einem 52- oder 53-Wochen-Jahr, das Ende Dezember endet. Das Geschäftsjahr 2025 lief bis zum 28. Dezember 2025 und hatte 52 Wochen, das Geschäftsjahr 2024 bis zum 29. Dezember 2024. Wer zwei Jahre vergleicht, sollte deshalb immer kurz auf die Wochenzahl schauen — eine Extrawoche macht mehrere Prozent Umsatz aus.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Bei Krispy Kreme war es kein Momentum-Treffer und kein Reddit-Hype, sondern schlicht ein Missverhältnis: Ein Konzern mit über 1,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz ist an der Börse nur einen Bruchteil davon wert. Wie klein dieser Bruchteil ist, lässt sich ohne jeden Tageskurs aus einem Pflichtdokument ablesen. Auf dem Deckblatt des Geschäftsberichts (Formular 10-K) für 2025 nennt Krispy Kreme selbst einen Schlusskurs von 2,65 US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2025 und dazu den Wert aller nicht von Großaktionären gehaltenen Aktien: 248,9 Millionen US-Dollar. Auf die 171,2 Millionen Aktien, die das Deckblatt des Quartalsberichts vom 8. August 2025 ausweist, hochgerechnet, war der gesamte Konzern damals rund 454 Millionen US-Dollar wert. Gemessen an 1.522,6 Millionen Umsatz ist das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 0,30 — für jeden Dollar Jahresumsatz zahlte die Börse also rund 30 Cent.

Solche Zahlen sind ein Weckruf, kein Kaufsignal. Sie bedeuten immer eines von zwei Dingen: Entweder der Markt übersieht etwas — oder er sieht etwas, das in der Umsatzzeile nicht steht. Bei einer Firma mit dieser Markenbekanntheit lohnt sich die Frage besonders, weil die Vertrautheitsfalle uns zur ersten Erklärung schubst („der Markt ist zu pessimistisch“) und die zweite gar nicht erst prüfen lässt. Also prüfen wir sie.

Übrigens: Genau dieses Muster — starke Marke, schwache Ertragskraft — haben wir zuletzt bei einem anderen Traditionsnamen aus den USA gesehen. In unserer Analyse zu Carter’s stand die Frage, wie viel eine unbestrittene Marktführerschaft wert ist, wenn das Betriebsergebnis vier Jahre in Folge sinkt. Bei Krispy Kreme ist die Antwort weniger freundlich — und sie steht in der Bilanz.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich funktioniert. Das Franchise-Geschäft ist eine kleine Perle: Im ersten Quartal 2026 setzte das Segment Market Development 20,2 Millionen US-Dollar um und erzielte daraus 11,6 Millionen bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen — eine Marge von 57,5 Prozent. Kein Wunder: Hier backt niemand selbst, hier fließen Lizenzgebühren. Auch das Auslandsgeschäft arbeitet solider als das Heimatgeschäft. Zwei Abgrenzungen sind dabei auseinanderzuhalten: Nach Herkunft kamen 2025 584,9 Millionen US-Dollar oder rund 38 Prozent des Umsatzes von außerhalb der USA. Das eigenständig berichtete Segment International ist enger gefasst — es umfasst nur die eigenen Betriebe in Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland, Mexiko und Kanada — und setzte 2025 535,1 Millionen um; im ersten Quartal 2026 erzielte es bei 125,3 Millionen Umsatz 14,5 Millionen bereinigtes Ergebnis.

Und der Umbau, den das Unternehmen im August 2025 angekündigt hat, zeigt Wirkung. Im ersten Quartal 2026 (13 Wochen bis 29. März 2026):

  • Das bereinigte EBITDA stieg um 38,0 Prozent auf 33,1 Millionen US-Dollar, die Marge von 6,4 auf 9,0 Prozent.
  • Der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft drehte von minus 20,8 auf plus 20,2 Millionen US-Dollar.
  • Die Investitionen sanken auf 8,8 Millionen oder 2,4 Prozent vom Umsatz — ein Rückgang um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • Der Nettoverlust schrumpfte von 33,4 auf 22,7 Millionen US-Dollar.
  • 26 neue Läden wurden eröffnet, fast alle von Franchisenehmern.

Das ist keine Kosmetik, das ist echter Fortschritt. Nur reicht ein Quartal nicht, um eine Jahresreihe umzudrehen — und die Jahresreihe sieht so aus:

Balkendiagramm mit Umsatz und bereinigtem EBITDA von Krispy Kreme in Millionen US-Dollar: Umsatz 1.686,1 (2023), 1.665,4 (2024) und 1.522,6 (2025) in Blau; bereinigtes EBITDA 211,6, 193,5 und 140,3 in Grün. Beide Reihen sinken, das bereinigte Ergebnis prozentual stärker.
Der Umsatz sank von 1.686,1 auf 1.522,6 Millionen US-Dollar (minus 9,7 Prozent seit 2023) — das bereinigte EBITDA von 211,6 auf 140,3 Millionen und damit um 33,7 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehört: Ein Teil des Umsatzrückgangs von 2024 auf 2025 ist gewollt. Der Geschäftsbericht rechnet vor, dass von den 142,8 Millionen US-Dollar Rückgang allein 138,5 Millionen auf den Verkauf der Mehrheit an der Keksmarke Insomnia Cookies im dritten Quartal 2024 entfallen; organisch schrumpfte der Umsatz „nur“ um 20,0 Millionen oder 1,3 Prozent. Aber das bereinigte EBITDA fiel prozentual dreimal so stark wie der Umsatz, und das lässt sich nicht wegdefinieren: Die Verkaufspunkte sanken 2025 um 13,5 Prozent auf 15.194, und weniger Punkte bedeuten weniger Auslastung derselben Backbetriebe.

Merke Dir dieses Verhältnis: Umsatz minus zehn Prozent, bereinigtes Ergebnis minus ein Drittel. Wenn ein Geschäft überproportional an Ergebnis verliert, wenn es schrumpft, dann hat es hohe feste Kosten — und hohe feste Kosten sind bei Schulden ein gefährlicher Begleiter. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: 432,4 Millionen Dollar abgeschrieben — der McDonald’s-Traum kostete den Firmenwert

2021 ging Krispy Kreme an die Börse, 2024 folgte die Ankündigung, die man als Anleger nur lieben konnte: Der Donut kommt zu McDonald’s. Landesweit, in tausende Restaurants. Der Konzern baute Kapazität auf, erweiterte Lieferrouten, investierte. Im Sommer 2025 war der Traum vorbei. Der Geschäftsbericht formuliert es nüchtern:

„On June 24, 2025, the Company and McDonald’s USA announced that the companies had jointly decided to terminate the Business Relationship Agreement effective July 2, 2025 (the „Termination Effective Date“).“

Übersetzung: „Am 24. Juni 2025 gaben das Unternehmen und McDonald’s USA bekannt, dass die Unternehmen gemeinsam entschieden haben, die Geschäftsbeziehungsvereinbarung mit Wirkung zum 2. Juli 2025 zu beenden (der „Wirksamkeitstag der Beendigung“).“

— Krispy Kreme, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 1

Gelb markierte Textstelle aus dem Krispy-Kreme-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Am 24. Juni 2025 gaben das Unternehmen und McDonald’s USA die gemeinsam beschlossene Beendigung der Geschäftsbeziehungsvereinbarung zum 2. Juli 2025 bekannt.
Die markierte Stelle im Original: das gemeinsame Ende der McDonald’s-Vereinbarung zum 2. Juli 2025. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Folgen stehen eine Seite weiter. Im dritten Quartal 2025 fielen rund 2.400 Lieferstellen weg — Ende 2024 waren allein rund 1.900 McDonald’s-Türen im Bestand gewesen. Die weltweiten Verkaufspunkte sanken um 13,5 Prozent auf 15.194. Und weil der Konzern seine Planungen daraufhin nach unten korrigieren musste, während gleichzeitig der Börsenwert fiel, wurde eine Sonderprüfung der Firmenwerte fällig. Ergebnis:

„After completing the quantitative impairment test, management concluded that the estimated fair values of the U.S., Krispy Kreme Holding U.K. Ltd. („KK U.K.“), and Krispy Kreme Holdings Pty Ltd. („KK Australia“) reporting units had declined below their carrying values, and management recognized a cumulative, non-cash, partial goodwill impairment charge of $356.0 million (gross of income taxes) in the second quarter of fiscal 2025.“

Übersetzung: „Nach Abschluss des quantitativen Werthaltigkeitstests kam das Management zu dem Schluss, dass die geschätzten Zeitwerte der Berichtseinheiten USA, Krispy Kreme Holding U.K. Ltd. („KK U.K.“) und Krispy Kreme Holdings Pty Ltd. („KK Australia“) unter ihre Buchwerte gefallen waren, und erfasste im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 eine kumulierte, nicht zahlungswirksame, teilweise Wertminderung des Firmenwerts von 356,0 Millionen US-Dollar (vor Ertragsteuern).“

— Krispy Kreme, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 „Critical Accounting Estimates — Goodwill and Other Intangible Assets“

Gelb markierter Absatz aus dem Krispy-Kreme-Geschäftsbericht 10-K für 2025: gefallener Aktienkurs und Börsenwert, Quartalsergebnisse unter Plan, gesenkte Jahresprognosen nach dem McDonald’s-Ende und eine teilweise Firmenwert-Abschreibung von 356,0 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2025.
Die markierte Stelle im Original nennt alle drei Auslöser — gefallener Börsenwert, verfehlte Quartalsziele, gesenkte Prognosen nach dem McDonald’s-Ende — und die 356,0 Millionen US-Dollar Firmenwert-Abschreibung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zusammen mit 39,4 Millionen US-Dollar auf Anlagen und 37,0 Millionen auf Mietverträge summierten sich die Wertberichtigungen 2025 auf 432,4 Millionen US-Dollar — nach 4,5 Millionen im Jahr zuvor. Der Firmenwert in der Bilanz fiel von 1.047,6 auf 712,3 Millionen. Was ist ein Firmenwert? Der Aufschlag, den ein Käufer über den Substanzwert hinaus bezahlt hat, weil er an die Zukunft glaubte. Eine Abschreibung darauf ist das buchhalterische Eingeständnis: Der Glaube war zu groß.

Und es blieb nicht bei der Buchung. Seit Mai 2025 läuft vor dem Bundesgericht im westlichen North Carolina eine zusammengefasste Wertpapier-Sammelklage gegen das Unternehmen, den Vorstandsvorsitzenden und den früheren Finanzvorstand; die Kläger werfen ihnen irreführende Angaben zur McDonald’s-Vereinbarung vor. Die Schriftsätze zum Abweisungsantrag sollten laut Quartalsbericht am 21. Mai 2026 vollständig vorliegen. Wie das ausgeht, ist offen — der Bericht sagt selbst, es sei zu früh für eine Schätzung möglicher Schäden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Es gibt zwei Verschuldungsgrade — und eine Wand im März 2028

Zum 29. März 2026 standen 888,4 Millionen US-Dollar Finanzschulden in der Bilanz: 732,4 Millionen Darlehen, 95,0 Millionen gezogene Kreditlinie, 1,1 Millionen kurzfristige Linien und 62,5 Millionen Finanzierungsleasing, abzüglich 2,6 Millionen noch nicht verrechneter Finanzierungskosten. Dem standen 74,2 Millionen Kasse gegenüber; das Unternehmen selbst weist die Nettoverschuldung mit 816,7 Millionen aus (nach 938,3 Millionen zum 28. Dezember 2025). Der effektive Zinssatz auf das Darlehen lag bei rund 6,00 Prozent, 550,0 Millionen davon sind über Zinsswaps abgesichert. Und dann steht da der Satz, den man sich anstreichen sollte: Darlehen und Kreditlinie sind vollständig im März 2028 fällig.

Wer Schulden hat, hat auch Auflagen. Die wichtigste steht im Quartalsbericht:

„Under the terms of the 2023 Facility, we are subject to a requirement to maintain a leverage ratio of less than 5.00 to 1.00 as of the end of each quarterly Test Period (as defined in the 2023 Facility) through maturity in March 2028. […] Our leverage ratio was 3.9 to 1.00 as of the end of the first quarter of fiscal 2026 compared to 4.4 to 1.00 as of the end of fiscal 2025.“

Übersetzung: „Nach den Bedingungen der Kreditvereinbarung von 2023 sind wir verpflichtet, zum Ende jeder vierteljährlichen Prüfperiode (wie in der Vereinbarung von 2023 definiert) bis zur Fälligkeit im März 2028 einen Verschuldungsgrad von weniger als 5,00 zu 1,00 einzuhalten. […] Unser Verschuldungsgrad betrug zum Ende des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2026 3,9 zu 1,00 gegenüber 4,4 zu 1,00 zum Ende des Geschäftsjahres 2025.“

— Krispy Kreme, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026, Item 2 „Capital Resources and Liquidity“

Gelb markierter Absatz aus dem Krispy-Kreme-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026: Kreditauflage eines Verschuldungsgrads unter 5,00 zu 1,00 bis zur Fälligkeit im März 2028, Definition der Kennzahl und die Ist-Werte 3,9 zum Ende des ersten Quartals 2026 nach 4,4 zum Ende des Geschäftsjahres 2025.
Die markierte Stelle im Original: die Auflage von unter 5,00 zu 1,00, die eigene EBITDA-Definition des Kreditvertrags und die Ist-Werte 3,9 beziehungsweise 4,4. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auf den ersten Blick beruhigend: 3,9 gegen eine Grenze von 5,00, und der Wert ist gefallen. Auf den zweiten Blick wird es interessant. Denn in der Ergebnismitteilung vom 7. Mai 2026 — also einen Tag vor dem Quartalsbericht — nennt dasselbe Unternehmen für denselben Stichtag einen Netto-Verschuldungsgrad von 5,5. Zwei Zahlen, ein Datum, ein Unterschied von 1,6 Stufen.

Ein Widerspruch ist das nicht, und verheimlicht wird auch nichts: Der Quartalsbericht schreibt ausdrücklich, dass der Kreditvertrag mit einer eigens definierten EBITDA-Rechnung arbeitet („a defined calculation of Adjusted EBITDA“). Beide Rechenwege lassen sich aber nebeneinanderlegen. Die Ergebnismitteilung führt ihre Zahl offen vor: 816,7 Millionen US-Dollar Nettoschulden geteilt durch ein bereinigtes EBITDA der letzten vier Quartale von 149,4 Millionen ergibt 5,5. Damit der Kreditvertrag auf 3,9 kommt, muss sein Nenner bei ungefähr 209 Millionen liegen — das ist unsere eigene Überschlagsrechnung, aber sie zeigt die Hebelwirkung: Der Abstand zur Kreditauflage hängt an einer Ergebnisdefinition, die rund 60 Millionen US-Dollar großzügiger ist als die, mit der das Unternehmen selbst nach außen rechnet.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Deine Bank prüft, ob Deine Schulden das Fünffache Deines Einkommens übersteigen — rechnet dabei aber ein Einkommen an, das Dein Steuerberater so nicht anerkennen würde. Solange das Verhältnis gut ist, interessiert das niemanden. Es interessiert genau dann, wenn es eng wird. Und eng werden könnte es an einem konkreten Datum: März 2028, wenn 888,4 Millionen US-Dollar auf einmal refinanziert werden müssen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ohne Marke und Firmenwert ist das Eigenkapital 769 Millionen im Minus

Jetzt kommt der Teil, der die Vertrautheitsfalle richtig aufsprengt. Schauen wir die Bilanz zum 29. März 2026 an:

  • Bilanzsumme: 2.386,6 Millionen US-Dollar
  • davon Firmenwert: 669,3 Millionen
  • davon andere immaterielle Werte (im Wesentlichen die Marke und Franchise-Rechte): 733,1 Millionen
  • Eigenkapital: 633,3 Millionen
  • aufgelaufener Bilanzverlust: 844,2 Millionen

Firmenwert und immaterielle Werte machen zusammen 1.402,4 Millionen US-Dollar aus — das sind 58,8 Prozent der gesamten Bilanzsumme und mehr als das Doppelte des Eigenkapitals. Zieht man beide Posten ab, ist das materielle Eigenkapital 769,1 Millionen US-Dollar negativ. Auf die 172,4 Millionen Aktien verteilt: minus 4,46 US-Dollar je Aktie.

Was heißt das praktisch? Stell Dir ein Haus vor, das mit 2,4 Millionen in den Büchern steht — aber 1,4 Millionen davon sind der Wert des Familiennamens am Klingelschild. Solange alle den Namen mögen, stimmt die Rechnung. Sobald sie ihn nicht mehr mögen, stimmt sie nicht mehr, und genau dann braucht man das Geld. Krispy Kreme hat 2025 vorgeführt, wie schnell das geht: 356,0 Millionen Firmenwert waren in einem einzigen Quartal weg.

Ein zweiter Blick auf dieselbe Bilanz macht es nicht besser. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten (446,0 Millionen US-Dollar) übersteigen das Umlaufvermögen (186,9 Millionen) um 259,1 Millionen. Bei einem Bargeschäft mit täglicher Kasse ist das nicht per se dramatisch — Kundschaft zahlt sofort, Lieferanten später. Aber es ist auch kein Polster. Dazu kommen 91,2 Millionen US-Dollar „strukturierte Verbindlichkeiten“: Zahlungen an Lieferanten, die über Kartenprodukte von Banken laufen und die der Konzern selbst außerhalb der Finanzschulden ausweist.

Zum Vergleich: Wie eine Bilanz aussieht, in der sich Kasse und Finanzschulden praktisch die Waage halten, haben wir in unserer Analyse zu Tilray gesehen — auch dort hatte eine Milliarden-Abschreibung auf Firmenwerte das Vorjahr geprägt, aber es stand keine Schuldenwand im Rücken. Bei Krispy Kreme kommt beides zusammen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Drei Jahre lang floss mehr Geld ab, als das Geschäft einbrachte

Gewinn ist eine Meinung, Zahlungsfluss ist eine Tatsache. Also rechnen wir die einfachste ehrliche Kennzahl aus, die es gibt — den freien Mittelzufluss: Was aus dem laufenden Geschäft hereinkommt, minus dem, was in Anlagen und Maschinen gesteckt wird. Krispy Kreme definiert sie in der eigenen Ergebnismitteilung genauso.

Ein Wort zur Vergleichbarkeit, bevor die Balken kommen: Alle Jahreswerte in dieser Analyse — Umsatz, bereinigtes Ergebnis und Mittelzufluss — stehen so in den Geschäftsberichten, wie der Konzern sie berichtet hat, also auf Basis des Gesamtkonzerns. Insomnia Cookies steckt bis zum dritten Quartal 2024 in den Zahlen und danach nicht mehr; rückwirkend als aufgegebenen Geschäftsbereich hat Krispy Kreme die Keksmarke nicht ausgewiesen. Wo dieser Wechsel den Vergleich verzerrt, steht die Größenordnung im Text daneben.

Balkendiagramm des freien Mittelzuflusses von Krispy Kreme in Millionen US-Dollar: plus 28,1 im Jahr 2022 in Grün, danach minus 75,9 (2023), minus 75,0 (2024) und minus 64,0 (2025) in Rot.
Nach plus 28,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 war der freie Mittelzufluss drei Jahre in Folge negativ: minus 75,9 (2023), minus 75,0 (2024) und minus 64,0 Millionen (2025). Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen dahinter stehen in den Geschäftsberichten: Aus dem laufenden Geschäft kamen 139,8 Millionen US-Dollar (2022), 45,5 (2023), 45,8 (2024) und 33,9 (2025). Investiert wurden im selben Zeitraum 111,7, 121,4, 120,8 und 97,9 Millionen. Drei Jahre lang klaffte damit eine Lücke von 64 bis 76 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Wie wurde die geschlossen? Durch Verkäufe. 2024 brachte die Abgabe der Mehrheit an Insomnia Cookies netto 124,1 Millionen US-Dollar plus 45,0 Millionen aus einem Darlehensrückfluss; 2025 folgten 75,0 Millionen für den Restanteil. Im ersten Quartal 2026 kamen 69,3 Millionen Bruttoerlös aus dem Verkauf von Krispy Kreme Japan und rund 53,5 Millionen aus der Rückzahlung konzerninterner Darlehen im West-US-Geschäft; die Kapitalflussrechnung weist aus beiden Vorgängen zusammen einen Zufluss von 111,4 Millionen US-Dollar aus. Genau dieses Geld ist der Grund, warum die Kasse trotz allem von 42,4 auf 74,2 Millionen stieg und die Schulden von 977,8 auf 888,4 Millionen sanken.

Das ist genau das, was ein Umbauplan tun soll — und es ist trotzdem ein Muster, das man kennen muss: Man kann eine Firma nur einmal verkaufen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Kalifornien ging gegen einen Schuldschein weg

Ein Detail aus diesem Verkaufsprogramm verdient eigene Aufmerksamkeit. Am 23. März 2026 gab Krispy Kreme die Läden in Kalifornien an den langjährigen Partner WKS Restaurant Group ab und senkte den Anteil am gemeinsamen West-US-Unternehmen von 55 auf 20 Prozent. Kaufpreis für die kalifornischen Vermögenswerte: 40,4 Millionen US-Dollar. Bezahlt wurde nicht in bar:

„The Seller Note bears interest at a rate of five percent ( 5 %) per annum, payable quarterly in cash or in-kind at the option of the borrower. The Seller Note matures on March 22, 2032, and allows for prepayment without penalty.“

Übersetzung: „Der Verkäufer-Schuldschein wird mit fünf Prozent (5 %) pro Jahr verzinst, zahlbar vierteljährlich in bar oder in Sachwerten nach Wahl des Darlehensnehmers. Der Schuldschein wird am 22. März 2032 fällig und erlaubt eine vorzeitige Rückzahlung ohne Strafgebühr.“

— Krispy Kreme, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026, Note 3 „Acquisitions and Divestitures“

Gelb markierter Absatz aus dem Krispy-Kreme-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026: Verkauf der kalifornischen Vermögenswerte für 40,4 Millionen US-Dollar gegen einen Schuldschein mit fünf Prozent Zins, zahlbar bar oder in Sachwerten nach Wahl des Schuldners, fällig am 22. März 2032 und nachrangig gegenüber der neuen Fremdfinanzierung.
Die markierte Stelle im Original: 40,4 Millionen US-Dollar Kaufpreis, bezahlt mit einem Schuldschein — Zinsen nach Wahl des Schuldners bar oder in Sachwerten, fällig 2032, nachrangig gegenüber der Bank. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Punkte in einem Satz: Der Schuldner darf sechs Jahre lang selbst entscheiden, ob er die Zinsen bar zahlt oder in weiteren Schuldscheinen. Fällig wird das Papier erst 2032. Und es ist nachrangig gegenüber der Bankfinanzierung, die das Gemeinschaftsunternehmen aufgenommen hat. Aus dem Gesamtvorgang buchte Krispy Kreme einen Veräußerungsverlust von 33,8 Millionen US-Dollar, dem ein Gewinn von 42,4 Millionen aus dem Japan-Verkauf gegenüberstand — netto blieben 8,9 Millionen Gewinn im Quartal.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Der Vergütungsplan wächst automatisch mit

Am 10. Juni 2026 hat Krispy Kreme eine Registrierungserklärung (Formular S-8) eingereicht, die 13.455.803 zusätzliche Aktien für den Vergütungsplan von 2021 anmeldet: 5.000.000 aus einem Beschluss der Hauptversammlung desselben Tages und 8.455.803, die seit 2021 durch eine automatische jährliche Erhöhung im Plan hinzugekommen sind. Ursprünglich registriert waren 7.361.798 Aktien.

Verwässerung ist ein sperriges Wort für einen einfachen Vorgang: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil jemand neue Stücke abschneidet, ohne dass der Kuchen wächst. 13,5 Millionen zusätzliche Aktien entsprechen rund 7,8 Prozent der 172,4 Millionen ausstehenden Aktien (Stand 30. April 2026). Sichtbar wird das langsam, aber stetig: Die gewichtete Aktienzahl stieg von 169,3 Millionen (2024) über 170,9 Millionen (2025) auf 172,0 Millionen im ersten Quartal 2026. Genehmigt sind insgesamt 300,0 Millionen Aktien — Luft ist also reichlich.

Interessant ist das Abstimmungsergebnis vom 10. Juni 2026: 85.938.583 Ja-Stimmen gegen 21.269.870 Nein-Stimmen. Der Großaktionär JAB Indulgence B.V. hält 74.190.990 Aktien. Zieht man diesen Block rechnerisch von den Ja-Stimmen ab, blieben 11,7 Millionen Ja gegen 21,3 Millionen Nein — wie JAB tatsächlich abgestimmt hat, weist das Protokoll allerdings nicht aus.

Bewertung: billig gemessen am Umsatz, teuer gemessen an der Bilanz

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden — es gibt keinen Gewinn. Also nähern wir uns von drei Seiten, alle als Größenordnung und alle an einem Anker, der in einem Pflichtdokument steht: dem Schlusskurs von 2,65 US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2025, den das Deckblatt des Geschäftsberichts nennt. Der Wert aller nicht von Großaktionären gehaltenen Aktien lag dort bei 248,9 Millionen US-Dollar; auf alle 171,2 Millionen Aktien gerechnet, die das Deckblatt des Quartalsberichts vom 8. August 2025 ausweist, sind es rund 454 Millionen für den ganzen Konzern. Tageskurse haben in einer Analyse nichts verloren — die Größenordnung ändert sich dadurch nicht.

Erstens der Umsatz. 454 Millionen Börsenwert gegen 1.522,6 Millionen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 ergeben ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 0,30. Für eine Weltmarke klingt das nach einem Schnäppchen. Der Haken: Für 2026 hat das Unternehmen selbst nur noch 1,25 bis 1,35 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht gestellt, weil die verkauften Geschäfte herausfallen. Das Verhältnis wird also von allein „teurer“, ohne dass sich am Kurs etwas ändern muss.

Zweitens die Schulden. Wer eine verschuldete Firma kauft, kauft die Schulden mit. Börsenwert plus der vom Unternehmen ausgewiesenen Nettoverschuldung von 816,7 Millionen (29. März 2026) ergibt einen Unternehmenswert der Größenordnung 1,27 Milliarden US-Dollar. Gemessen am bereinigten EBITDA der letzten vier Quartale (149,4 Millionen) oder am Jahreswert 2025 (140,3 Millionen) sind das rund das Acht- bis Neunfache. Das ist kein Schnäppchenpreis mehr, sondern ein normaler Preis für ein Restaurantgeschäft — nur eben für eines, dessen Umsatz schrumpft.

Drittens der Buchwert. Das bilanzielle Eigenkapital lag zum 29. März 2026 bei 633,3 Millionen US-Dollar; der Börsenwert an unserem Kursanker lag rund 28 Prozent darunter. Die Aktie handelte also mit einem Abschlag auf ihr Eigenkapital — allerdings auf ein Eigenkapital, das zu mehr als dem Doppelten aus Firmenwert und Marke besteht. Materiell steht dort minus 769,1 Millionen. Der Abschlag auf den Buchwert ist damit kein Sicherheitspuffer, sondern eine Meinung des Marktes über die Qualität dieses Buchwerts.

Bewusst nicht in dieser Rechnung: Kursziele und Analystenurteile. Sie ändern sich wöchentlich, stehen in keinem Pflichtdokument und wären in einem Text, der in zwei Jahren noch stimmen soll, das Erste, was veraltet. Die Frage, die bleibt, ist ohnehin eine andere — und sie steht im nächsten Kapitel.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Krispy Kreme spricht:

  • Eine weltweit bekannte Marke mit 15.125 Verkaufspunkten in mehr als 40 Ländern (29. März 2026) — ein Vertriebsnetz, das sich nicht in wenigen Jahren nachbauen lässt.
  • Das Franchise-Geschäft ist hochprofitabel: 11,6 Millionen US-Dollar bereinigtes EBITDA aus 20,2 Millionen Umsatz im ersten Quartal 2026, eine Marge von 57,5 Prozent. Der Anteil der Franchisenehmer am Systemumsatz soll von rund 25 Prozent (2025) auf fast 50 Prozent ab dem Geschäftsjahr 2027 steigen.
  • Der Umbau wirkt messbar: bereinigtes EBITDA im ersten Quartal 2026 plus 38,0 Prozent auf 33,1 Millionen, Marge von 6,4 auf 9,0 Prozent, operativer Mittelzufluss von minus 20,8 auf plus 20,2 Millionen gedreht, Investitionen auf 8,8 Millionen gesenkt.
  • Die Kreditauflagen wurden zum 29. März 2026 eingehalten, der Verschuldungsgrad nach Kreditvertrag sank von 4,4 auf 3,9, und die verfügbare Liquidität lag bei 303 Millionen US-Dollar (74 Millionen Kasse plus 229 Millionen freie Kreditlinien).
  • Der Großaktionär bleibt engagiert: JAB Indulgence B.V. hält 43,03 Prozent (74.190.990 Aktien, Meldung vom 16. Juni 2026) und hat einen zusätzlichen, bar abgerechneten Long-Swap über bis zu 100 Millionen US-Dollar am 12. Juni 2026 bis August 2028 verlängert — also über die Fälligkeit der Schulden hinaus.

Was dagegen spricht:

  • Der Zinsaufwand ist seit Jahren nicht aus dem Betriebsergebnis gedeckt: 2025 stand einem operativen Verlust von 36,8 Millionen US-Dollar vor Wertberichtigungen ein Zinsaufwand von 65,8 Millionen gegenüber; im ersten Quartal 2026 waren es 3,6 gegen 15,6 Millionen.
  • Die Bilanz besteht zu 58,8 Prozent aus Firmenwert und immateriellen Werten (1.402,4 von 2.386,6 Millionen US-Dollar); materiell ist das Eigenkapital 769,1 Millionen negativ, und der Bilanzverlust ist auf 844,2 Millionen gewachsen.
  • 888,4 Millionen US-Dollar Schulden werden vollständig im März 2028 fällig — zu Konditionen, die heute niemand kennt. Der Abstand zur Kreditauflage beruht auf einer eigens definierten EBITDA-Rechnung, die großzügiger ist als die eigene Außenkommunikation (3,9 gegen 5,5 zum selben Stichtag).
  • Der freie Mittelzufluss war 2023 bis 2025 drei Jahre in Folge negativ (minus 75,9, minus 75,0 und minus 64,0 Millionen); geschlossen wurde die Lücke mit dem Verkauf von Insomnia Cookies, Japan und der Mehrheit am West-US-Geschäft — Substanz, die nur einmal veräußert werden kann.
  • Rechts- und Berichtsrisiken: eine laufende Wertpapier-Sammelklage gegen Unternehmen, Vorstandsvorsitzenden und früheren Finanzvorstand wegen der McDonald’s-Aussagen, eine abgeleitete Aktionärsklage, ein Datenleck-Vergleich über rund 1,6 Millionen US-Dollar — und ein im Quartalsbericht eingeräumter Bilanzierungsfehler bei kündbaren Minderheitsanteilen für frühere Zeiträume.
  • Der Umsatz soll 2026 auf 1,25 bis 1,35 Milliarden US-Dollar sinken; ein Unternehmen, das schrumpft, verliert bei hohen Fixkosten überproportional Ergebnis — 2023 bis 2025 fiel der Umsatz um 9,7 Prozent, das bereinigte EBITDA um 33,7 Prozent.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum warmen Donut vom Anfang. Die Vertrautheitsfalle funktioniert deshalb so gut, weil sie nicht lügt: Krispy Kreme ist eine großartige Marke. Die Läden sind voll, das Produkt funktioniert, die Menschen freuen sich. Nur beantwortet das eine völlig andere Frage als die, die Du als Anleger stellen musst.

Denn die Berichte sagen etwas Unbequemes: Diese Marke steht mit 1.402,4 Millionen US-Dollar in einer Bilanz, deren Eigenkapital 633,3 Millionen beträgt und die 888,4 Millionen Schulden trägt, die im März 2028 auf einen Schlag fällig werden. Sie hat 2025 einen Verlust von 523,8 Millionen produziert und selbst vor allen Abschreibungen operativ nicht genug verdient, um ihre Zinsen zu bezahlen. Drei Jahre lang floss mehr Geld ab, als hereinkam, und die Lücke wurde mit dem Verkauf von Firmenteilen geschlossen — zuletzt Kalifornien gegen einen Schuldschein, der bis 2032 läuft.

Gleichzeitig ist das erste Quartal 2026 das beste Argument der Gegenseite: Da hat der Umbau geliefert, und zwar deutlich. Wer investiert, wettet also nicht auf Donuts. Er wettet darauf, dass ein schrumpfendes Unternehmen schnell genug profitabler wird, um im März 2028 als guter Schuldner dazustehen. Das kann klappen. Es kann auch nicht klappen, und dann bleibt in der Bilanz vor allem ein Name.

Die ehrliche Frage an Dich lautet deshalb nicht „Mag ich Krispy Kreme?“, sondern: Würdest Du einem Nachbarn Geld leihen, dessen größter Vermögenswert sein guter Ruf ist — und dessen Kredit in weniger als zwei Jahren fällig wird? Wenn Du das mit einem klaren Ja beantworten kannst, hast Du eine These. Wenn Du zögerst, hattest Du ein gutes Gefühl. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich verfügbarer Informationen und keine Anlageberatung. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Alle Angaben beruhen auf den genannten Quellen zum jeweils angegebenen Stichtag; für Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Haftung übernommen. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 1.384,4 1.529,9 1.686,1 1.665,4 1.522,6
Betriebsergebnis (EBIT) 41,1 29,0 13,1 -8,7 -33,3
Nettogewinn -24,5 -15,6 -37,9 3,1 -515,8
Nettomarge -1,8 % -1,0 % -2,2 % 0,2 % -33,9 %
Gewinn je Aktie -0,15 $ -0,09 $ -0,23 $ 0,02 $ -3,02 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Marke und Reichweite positiv
Krispy Kreme ist in mehr als 40 Ländern präsent und erreichte zum 29. März 2026 15.125 Verkaufspunkte. Das Auslandsgeschäft trug 2025 mit 584,9 Millionen US-Dollar rund 38 Prozent zum Umsatz von 1.522,6 Millionen bei; das Franchise-Segment Market Development erzielte im ersten Quartal 2026 bei 20,2 Millionen Umsatz 11,6 Millionen bereinigtes EBITDA — eine Marge von 57,5 Prozent. Die Marke trägt, wenn andere sie bezahlen.
Ertragskraft negativ
Das bereinigte EBITDA fiel von 211,6 Millionen US-Dollar (2023) über 193,5 Millionen (2024) auf 140,3 Millionen (2025). Aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Geschäftsberichts 2025 ergibt sich selbst ohne die 432,4 Millionen Wertberichtigungen ein operativer Verlust von 36,8 Millionen — bei 65,8 Millionen Zinsaufwand. Auch im ersten Quartal 2026 stand einem operativen Verlust von 3,6 Millionen ein Zinsaufwand von 15,6 Millionen gegenüber. Die Zinsen sind seit Jahren nicht aus dem Betriebsergebnis gedeckt.
Bilanzsubstanz negativ
Zum 29. März 2026 machten Firmenwert (669,3 Millionen US-Dollar) und immaterielle Werte (733,1 Millionen) zusammen 58,8 Prozent der Bilanzsumme von 2.386,6 Millionen aus — bei einem Eigenkapital von 633,3 Millionen. Materiell ist das Eigenkapital damit 769,1 Millionen negativ. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten (446,0 Millionen) übersteigen das Umlaufvermögen (186,9 Millionen) um 259,1 Millionen. Der Bilanzverlust wuchs auf 844,2 Millionen.
Finanzierung und Fristen negativ
888,4 Millionen US-Dollar Finanzschulden stehen 74,2 Millionen Kasse gegenüber (29. März 2026); Darlehen und Kreditlinie werden vollständig im März 2028 fällig. Die Kreditauflage verlangt einen Verschuldungsgrad unter 5,00 zu 1,00 — gemeldet wurden 3,9 nach 4,4 zum Jahresende 2025, der Abstand beträgt also gut eine Stufe. Der freie Mittelzufluss war 2023 bis 2025 drei Jahre in Folge negativ (−75,9, −75,0 und −64,0 Millionen); die Lücke wurde mit Verkäufen von Firmenteilen geschlossen.
Umbau und erste Wirkung neutral
Der im August 2025 angekündigte Umbau greift messbar: Im ersten Quartal 2026 stieg das bereinigte EBITDA um 38,0 Prozent auf 33,1 Millionen US-Dollar, die Marge von 6,4 auf 9,0 Prozent, der operative Mittelzufluss drehte von minus 20,8 auf plus 20,2 Millionen und die Investitionen sanken auf 8,8 Millionen. Bezahlt wird der Fortschritt aber mit Substanz: Japan und die Mehrheit am West-US-Gemeinschaftsunternehmen sind verkauft, und der Umsatz soll 2026 auf 1,25 bis 1,35 Milliarden schrumpfen.
Rechtslage und Berichtsqualität negativ
Gegen das Unternehmen, den Vorstandsvorsitzenden und den früheren Finanzvorstand läuft seit Mai 2025 eine zusammengefasste Wertpapier-Sammelklage vor dem Bundesgericht im westlichen North Carolina wegen der Aussagen zur McDonald’s-Vereinbarung; die Schriftsätze zum Abweisungsantrag sollten am 21. Mai 2026 abgeschlossen sein. Dazu kommt eine abgeleitete Aktionärsklage und ein Vergleich über rund 1,6 Millionen US-Dollar wegen des Datenlecks von 2024. Im Quartalsbericht 2026 räumt das Unternehmen zudem ein, die Bilanzierung kündbarer Minderheitsanteile für frühere Zeiträume falsch behandelt zu haben.

Krispy Kreme ist die Vertrautheitsfalle in Reinform: eine Marke, die praktisch jeder kennt, und eine Bilanz, die praktisch niemand nachrechnet. Der Konzern setzte 2025 noch 1.522,6 Millionen US-Dollar um, verdiente damit aber selbst vor 432,4 Millionen Wertberichtigungen kein Geld und meldete unter dem Strich 523,8 Millionen Verlust. Zum 29. März 2026 tragen 888,4 Millionen Schulden mit Fälligkeit März 2028 eine Bilanz, deren Substanz zu 58,8 Prozent aus Firmenwert und Marke besteht — materiell ist das Eigenkapital 769,1 Millionen negativ. Der Umbau zeigt echte erste Erfolge, finanziert sich aber aus dem Verkauf von Firmenteilen und lässt den Umsatz 2026 auf 1,25 bis 1,35 Milliarden schrumpfen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Rot steht hier nicht für den Kurs, sondern für die Substanz. Drei Befunde aus den Berichten tragen die Einstufung: Erstens ist der Zinsaufwand seit Jahren nicht aus dem Betriebsergebnis gedeckt — 2025 stand einem operativen Verlust von 36,8 Millionen US-Dollar vor Wertberichtigungen ein Zinsaufwand von 65,8 Millionen gegenüber, im ersten Quartal 2026 3,6 gegen 15,6 Millionen. Zweitens ist das Eigenkapital nur nominal positiv: Nach Abzug von Firmenwert und immateriellen Werten bleiben minus 769,1 Millionen, und die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen das Umlaufvermögen um 259,1 Millionen. Drittens war der freie Mittelzufluss drei Jahre in Folge negativ; geschlossen wurde die Lücke mit dem Verkauf von Insomnia Cookies, Japan und der Mehrheit am West-US-Gemeinschaftsunternehmen — Substanz, die nur einmal verkauft werden kann. Dagegen steht ein Umbau, der im ersten Quartal 2026 wirklich Wirkung zeigte, ein eingehaltener Kreditvertrag, 303 Millionen verfügbare Liquidität und kein Bestandsgefährdungshinweis der Prüfer. Nach der Zweifelsregel gilt trotzdem die vorsichtigere Stufe, solange 888,4 Millionen Schulden mit Fälligkeit März 2028 auf einer Bilanz liegen, deren härtester Vermögenswert die eigene Marke ist. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Krispy Kreme über die Bewertungsseite: über 1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gegen einen Börsenwert, der am einzigen in einem Pflichtdokument dokumentierten Kurs (2,65 US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2025) rund 454 Millionen betrug — ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 0,30. Solche Verhältnisse sind entweder ein Missverständnis des Marktes oder ein Hinweis auf die Bilanz — hier ist es die Bilanz.
  • Das Geschäftsjahr endet Ende Dezember im 52- oder 53-Wochen-Rhythmus, nicht am 31. Dezember: 2025 am 28. Dezember 2025, 2024 am 29. Dezember 2024. Das erste Quartal 2026 umfasste 13 Wochen bis zum 29. März 2026. Umsatzvergleiche über Jahre hinweg sollten die Wochenzahl berücksichtigen.
  • Zwei Verschuldungsgrade für denselben Stichtag: Der Quartalsbericht nennt 3,9 zu 1,00 (Kennzahl des Kreditvertrags, Auflage unter 5,00), die Ergebnismitteilung vom 7. Mai 2026 nennt 5,5 (eigene Netto-Definition des Unternehmens). Für den Bruch des Kreditvertrags zählt allein die erste Zahl; für die Einschätzung der Schuldenlast ist die zweite die vorsichtigere.
  • Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Alle Bewertungsangaben dieser Analyse hängen deshalb an einem einzigen, in einem Pflichtdokument dokumentierten Kurs: 2,65 US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2025 (Deckblatt des Geschäftsberichts 2025), Streubesitzwert damals 248,9 Millionen US-Dollar. Kursziele und Analystenurteile kommen bewusst nicht vor.

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Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei DNUT geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Weil der Konzern 432,4 Millionen US-Dollar auf Firmenwert und Anlagen abgeschrieben hat — darunter 356,0 Millionen Firmenwert im zweiten Quartal 2025. Der Geschäftsbericht (10-K) nennt drei Auslöser: einen deutlich gefallenen Börsenwert, Quartalszahlen unter der eigenen Planung und die gekürzten Jahresprognosen nach dem Ende der Vertriebsvereinbarung mit McDonald’s USA. Ohne diese Wertberichtigungen blieb aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung immer noch ein operativer Verlust von 36,8 Millionen US-Dollar.

Am 24. Juni 2025 gaben Krispy Kreme und McDonald’s USA bekannt, dass sie die Vertriebsvereinbarung gemeinsam zum 2. Juli 2025 beenden. Damit fielen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 rund 2.400 Lieferstellen weg; Ende 2024 waren allein rund 1.900 McDonald’s-Türen im Bestand gewesen. Die weltweiten Verkaufspunkte sanken 2025 um 13,5 Prozent auf 15.194. Im laufenden Jahr entlastet das Ende der Partnerschaft die Kosten, weil sie das US-Geschäft laut Geschäftsbericht mit geschätzt 13 bis 15 Millionen US-Dollar belastet hatte.

Zum 29. März 2026 lagen die Finanzschulden bei 888,4 Millionen US-Dollar: 732,4 Millionen Darlehen, 95,0 Millionen gezogene Kreditlinie, 1,1 Millionen kurzfristige Linien und 62,5 Millionen Finanzierungsleasing. Dem standen 74,2 Millionen Kasse gegenüber. Darlehen und Kreditlinie sind vollständig im März 2028 fällig. Der effektive Zinssatz auf das Darlehen lag bei rund 6,00 Prozent; 550,0 Millionen sind über Zinsswaps bis März 2028 abgesichert.

Weil beide Zahlen unterschiedlich definiert sind. Der Quartalsbericht (10-Q) nennt für das Ende des ersten Quartals 2026 einen Verschuldungsgrad von 3,9 zu 1,00 — das ist die Kennzahl aus dem Kreditvertrag, die gegen die Auflage von unter 5,00 zu 1,00 gemessen wird und laut Bericht auf einer eigens definierten EBITDA-Rechnung beruht. Die Ergebnismitteilung vom 7. Mai 2026 nennt für denselben Stichtag einen Netto-Verschuldungsgrad von 5,5. Für den Bruch des Kreditvertrags zählt allein die erste Zahl.

Diese Analyse arbeitet bewusst ohne Tageskurse. Der einzige in einem Pflichtdokument dokumentierte Kurs ist 2,65 US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 2025 (Deckblatt des Geschäftsberichts 10-K für 2025); der Wert der nicht von Großaktionären gehaltenen Aktien lag dort bei 248,9 Millionen US-Dollar. Auf die 171,2 Millionen Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts vom 8. August 2025 gerechnet, waren das rund 454 Millionen für den ganzen Konzern — ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 0,30 gemessen an 1.522,6 Millionen Jahresumsatz.

Krispy Kreme rechnet in einem 52- oder 53-Wochen-Jahr, das Ende Dezember endet — nicht am 31. Dezember. Das Geschäftsjahr 2025 lief bis zum 28. Dezember 2025 und umfasste 52 Wochen, das Geschäftsjahr 2024 bis zum 29. Dezember 2024. Das erste Quartal 2026 endete am 29. März 2026 und umfasste 13 Wochen. Wer Jahre vergleicht, sollte deshalb auf die Wochenzahl achten: Ein 53-Wochen-Jahr enthält eine Handelswoche mehr als ein 52-Wochen-Jahr.

Größter Eigentümer ist die niederländische JAB Indulgence B.V. aus der JAB-Gruppe. Sie hielt laut ihrer Schwellenmeldung SC 13D/A vom 16. Juni 2026 genau 74.190.990 Aktien, also 43,03 Prozent der 172,4 Millionen ausstehenden Aktien (Stichtag 30. April 2026). Krispy Kreme ging im Juli 2021 an die Nasdaq. Der Wert der nicht von Großaktionären gehaltenen Aktien lag laut Deckblatt des Geschäftsberichts bei 248,9 Millionen US-Dollar, bei einem Kurs von 2,65 US-Dollar also rund 94 Millionen Stück. Eine Dividende zahlt das Unternehmen derzeit nicht: Die letzte wurde für das erste Quartal 2025 mit 0,035 US-Dollar je Aktie erklärt und im Mai 2025 gezahlt, danach wurde sie gestrichen.

Der im August 2025 angekündigte Plan hat vier Teile: Auslandsmärkte und das West-US-Gemeinschaftsunternehmen an Franchisenehmer abgeben, weniger Kapital binden, Margen über ausgelagerte Logistik verbessern und Schulden abbauen. 2025 kamen rund 25 Prozent des Systemumsatzes von Franchisenehmern; ab dem Geschäftsjahr 2027 sollen es fast 50 Prozent sein. Für 2026 erwartet das Unternehmen 1,25 bis 1,35 Milliarden US-Dollar Umsatz, 140 bis 150 Millionen bereinigtes EBITDA und mehr als 15 Millionen freien Mittelzufluss.

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