Jerash Holdings: Rekordquartal — und zwei Kunden tragen 73 Prozent davon
Jerash Holdings meldet für das erste Quartal des Geschäftsjahrs 2027 einen Umsatzsprung von 26,7 Prozent und einen mehr als verfünffachten Gewinn — auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte ohne Fußnote. Der Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC zeigt aber auch: Zwei Kunden, VF Corporation und New Balance, tragen zusammen 73 Prozent des Umsatzes, die gesamte Fertigung steht in einem einzigen Land, und drei Tage vor der Zahlenvorlage verhängte Washington einen neuen Zoll auf jordanische Waren. Wir lesen den Bericht gemeinsam — Zahl für Zahl, ohne Kaufempfehlung.
Stand heute
Stand: 6. Oktober 2026
- Schlusskurs
- 6,10 $ +0,30 %
- Marktkapitalisierung
- 79,0 Mio. $
- KGV
- 16,5
- Wachstums-Score
- 6/10
- AAQS
- 5/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 2,90 $ bis 6,20 $ · Letzter Kurs: 6,10 $ (Stand: 6. Oktober 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt einen Effekt, der ausgerechnet bei richtig guten Quartalszahlen zuschlägt: der Weichzeichner-Effekt großer Zahlen. Sobald eine Meldung mit „Rekordumsatz" oder „Gewinn mehr als verfünffacht" beginnt, schaltet sich im Kopf automatisch ein Weichzeichner ein — alles andere auf der Seite wird unscharf: die Fußnote zur Kundenliste, der Absatz zu neuen Zöllen, das Kleingedruckte zum Produktionsstandort. Genau das ist am 10. August 2026 mit Jerash Holdings (US), Inc. (Nasdaq: JRSH) passiert. Die Pressemitteilung zum ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 liest sich wie ein Bilderbuch-Comeback: Umsatz plus 26,7 Prozent, Bruttomarge im Plus, Nettoergebnis mehr als verfünffacht. Wer nur die Überschrift liest, hat schon eine Meinung. Machen wir stattdessen einen Deal: Wir lesen gemeinsam, was Jerash zwei Tage später im Quartalsbericht (10-Q) tatsächlich der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — Zahl für Zahl, samt der Stellen, die im Weichzeichner der Pressemitteilung verschwimmen. Denn ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich, eine Pressemitteilung nicht zwingend.
Was Jerash Holdings eigentlich macht — ein Nadelbetrieb mit Kunden, die jeder kennt
Jerash Holdings ist keine Modemarke, die du im Laden siehst — sie ist die Firma, die für die Marken näht, die du im Laden siehst. Das Unternehmen fertigt und exportiert maßgeschneiderte Sportswear und Outerwear aus Strickstoffen: Jacken, Polos, Westen, T-Shirts, Hosen, Shorts, dazu persönliche Schutzausrüstung. Produziert wird das nicht in China oder Vietnam, sondern fast vollständig im Haschemitischen Königreich Jordanien — acht eigene Fabriken, sechs Lager, eine jährliche Kapazität von rund 24 Millionen Stück (Stand 31. März 2026). Der Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026 nennt die Kunden beim Namen: VF Corporation (Eigentümerin von The North Face, Timberland und Vans), New Balance, G-III Apparel (unter anderem DKNY sowie die Lizenzmarken Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Nautica), Hugo Boss, American Eagle und Acushnet (FootJoy, Titleist). Gegründet als Delaware-Holding im Januar 2016, beschäftigt der Konzern zum 31. März 2026 rund 6.300 Menschen in Jordanien, Hongkong, China und den USA. Das Spannungsfeld dieser Analyse steckt schon im Geschäftsmodell: Jerash lebt davon, dass eine Handvoll globaler Marken ihm ihre Fertigung anvertraut — was Jerash stark macht, solange diese Marken bleiben, und verletzlich, sobald auch nur eine von ihnen geht.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Der Anlass ist denkbar einfach und ganz undramatisch: der frische Quartalsbericht. Am 10. August 2026 veröffentlichte Jerash per Form 8-K (Ergebnismitteilung, Punkt 2.02) die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 (Quartal zum 30. Juni 2026), zwei Tage später, am 12. August 2026, folgte der vollständige Quartalsbericht (10-Q). Beide Dokumente bilden die Grundlage dieser Analyse — inklusive der Passagen, die es nicht in die Pressemitteilung geschafft haben.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem, was wirklich beeindruckt: Jerash hat eine handfeste Krise hinter sich gelassen. Zwischen Ende 2023 und Mitte 2024 sorgten die Angriffe auf Frachtschiffe im Roten Meer und Staus im Hafen von Haifa für massive Lieferverzögerungen — der Umsatz brach im Quartal zum 31. Dezember 2023 um 36,0 Prozent ein, drei Quartale in Folge lagen im Minus. Seither hat sich das Bild gedreht:
Über sechs Geschäftsjahre gerechnet ist das Muster noch deutlicher: Auf das Pandemie-Nachholjahr 2022 (143,4 Millionen US-Dollar Umsatz) folgten zwei schwächere Jahre mit Nettoverlust, bevor das Geschäftsjahr 2026 (endete 31. März 2026) mit 166,3 Millionen US-Dollar Umsatz und 3,5 Millionen Nettoergebnis zum bisherigen Rekordjahr wurde.
Und das jüngste Quartal legt noch eine Schicht drauf: Umsatz 50,2 Millionen US-Dollar (Vorjahr 39,6 Millionen, +26,7 Prozent), Bruttomarge 16,4 Prozent (Vorjahr 15,4 Prozent), Betriebsergebnis 2,6 Millionen (Vorjahr 959.000 US-Dollar, +174,4 Prozent), Nettoergebnis 1,7 Millionen beziehungsweise 0,13 US-Dollar je verwässerter Aktie (Vorjahr 324.000 US-Dollar bzw. 0,03 US-Dollar) — mehr als verfünffacht. Wichtig für die Einordnung: Im Kleingedruckten des Quartalsberichts taucht kein Sondererlös, kein Verkaufsgewinn, keine einmalige Steuergutschrift auf, die diesen Sprung erklären würde. Die Steuerquote lag mit 404.000 US-Dollar Aufwand sogar leicht über dem Vorjahr (329.000). Der Gewinnsprung kommt stattdessen aus drei ganz gewöhnlichen Quellen: mehr Volumen bei den bestehenden US-Großkunden, ersten spürbaren Beiträgen des neuen Kunden Hansoll aus Südkorea, und einer Bruttomarge, die durch Skaleneffekte und Fertigungsautomatisierung (unter anderem Aufhängesysteme in der Produktion) gestiegen ist. Das ist die gute Nachricht ohne Sternchen: kein Strohfeuer, sondern strukturelle Verbesserung.
Was das Management versprach — und was daraus wurde
Jerash veröffentlicht am Ende jeder Ergebnismitteilung eine Prognose für das nächste Quartal — eine Zahl, die sich drei Monate später an der Realität messen lassen muss. Das lohnt sich zurückzuverfolgen, denn es zeigt, wie ehrlich die Kommunikation des Unternehmens durch eine Krise und zurück war. Mitten in der Lieferkettenkrise waren die Prognosen zu optimistisch: Im November 2024 stellte Firmenchef Sam Choi für das dritte Quartal des Geschäftsjahrs 2025 ein Umsatzplus von 35 bis 38 Prozent in Aussicht — geliefert wurden 28,6 Prozent. Im Februar 2025 folgte eine Prognose von 50 bis 53 Prozent Wachstum fürs vierte Quartal — tatsächlich wurden es 35,6 Prozent, weil Frachtstaus am Hafen von Haifa rund 3,8 Millionen US-Dollar fertige Ware auf dem Kai liegen ließen, wie das Unternehmen selbst einräumte. Seit die Lieferketten sich normalisiert haben, hat sich das Bild gedreht: Im Februar 2026 prognostizierte das Management für das vierte Quartal ein Wachstum von 23 bis 26 Prozent — geliefert wurden 46,6 Prozent, fast das Doppelte der eigenen Ansage. Im Juni 2026 folgte eine Prognose von 20 bis 22 Prozent fürs erste Quartal des Geschäftsjahrs 2027 — tatsächlich wurden es die eingangs erwähnten 26,7 Prozent. Der Ton der Zitate spiegelt diesen Wandel: 2024 sprach Sam Choi noch von „anhaltenden Störungen der Lieferkette in der gesamten Region"; im November 2025 hieß es „Jordanien wird zunehmend zum bevorzugten Fertigungsstandort für globale Marken, die sich von Asien wegdiversifizieren wollen"; im Februar 2026 verkündete er den Kauf eines zusätzlichen, bankeneigenen Fabrikgebäudes, das die Kapazität um mindestens 40 Prozent steigern soll. Für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 2027 (Quartal zum 30. September 2026) hat das Unternehmen am 10. August 2026 einen Umsatz von 49 bis 51 Millionen US-Dollar bei einer Bruttomarge von 14 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt — eine Prognose, an der sich die nächste Ergebnismitteilung messen lassen muss.
Was im Quartalsbericht steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Zwei Kunden tragen 73 Prozent des Umsatzes
Genau hier setzt der Weichzeichner-Effekt an: „Rekordumsatz" klingt nach breiter Nachfrage. Die Kundentabelle im Quartalsbericht zeigt etwas anderes.
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir ein Restaurant vor, das glänzende Umsatzzahlen meldet — und bei näherem Hinsehen erfährst du, dass zwei Firmenkunden drei Viertel aller Tische buchen. Solange sie kommen, sieht alles blendend aus. Bleibt einer weg, ändert sich die Lage über Nacht. Zur Ehrlichkeit gehört: Der Trend zeigt in die richtige Richtung. VF Corporations Anteil sank von 63 auf 57 Prozent, und mit Hansoll aus Südkorea (4 Prozent, im Vorjahr noch null) ist ein neuer Kunde hinzugekommen — genau die Diversifizierung, die Sam Choi in seinen Zitaten seit Ende 2025 ankündigt. Aber 73 Prozent bei zwei Adressen bleibt 73 Prozent bei zwei Adressen, und ein Blick auf ähnliche Fälle zeigt, wie schnell sich das rächen kann, wenn ein Großkunde umdisponiert — wie es zuletzt bei Hyster-Yale zu beobachten war, wo eine ähnlich enge Kundenbasis auf einen Kurseinbruch traf.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein neuer Zoll auf jordanische Ware — drei Tage vor der Zahlenvorlage, aber nicht in der Pressemitteilung
Die Pressemitteilung vom 10. August 2026 zitiert Sam Choi mit den Worten, man sei „ermutigt durch jüngste Handelsentwicklungen" und verweist auf einen „neu angekündigten zollfreien Zugang für jordanische Bekleidungs- und Textilexporte in die USA". Klingt nach einer runden Sache. Was die Pressemitteilung nicht erwähnt, steht im Kleingedruckten des zwei Tage später eingereichten Quartalsberichts, unter „Ereignisse nach dem Bilanzstichtag":
„On July 28, 2026, after the tariff imposed under Section 122 of the Trade Act of 1974 expired, the Office of the United States Trade Representative (the Trade Representative) issued a Notice of Actions in Section 301 investigations […] Based on the findings in the investigation of Jordan and other factors, the Trade Representative has determined to impose 10 percent tariffs on products of Jordan, except as provided in Annex I and Annex II, Parts A, N, and O, of the Notice.“
Übersetzung: „Am 28. Juli 2026, nachdem der unter Section 122 des Handelsgesetzes von 1974 verhängte Zoll ausgelaufen war, veröffentlichte das Büro der US-Handelsvertretung eine Mitteilung zu Maßnahmen aus Section-301-Untersuchungen […] Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse zu Jordanien und weiterer Faktoren hat die Handelsvertretung beschlossen, einen Zoll von 10 Prozent auf Waren aus Jordanien zu verhängen, mit Ausnahme der in Anhang I und Anhang II, Teile A, N und O, der Mitteilung genannten Waren.“
— Jerash Holdings (US), Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q, eingereicht 12.08.2026, Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
Beide Aussagen sind vermutlich miteinander vereinbar, nicht widersprüchlich: Der zuvor geltende, breitere Notstands-Zoll nach Section 122 lief am selben Tag aus, und die im Bericht genannten Ausnahmen in Anhang I und II betreffen offenbar einen Großteil der Bekleidungskategorien, die Jerash tatsächlich fertigt — insofern kann „zollfreier Zugang" für den Kern des Sortiments zutreffen, während gleichzeitig ein neuer 10-Prozent-Zoll für die nicht ausgenommenen Warengruppen gilt. Nur: Welche Anteile der Jerash-Produktion konkret unter die Ausnahme fallen und welche den neuen Zoll zahlen, sagt weder die Pressemitteilung noch der Quartalsbericht in Zahlen. Genau diese Lücke — eine runde Formulierung in der Pressemitteilung, eine schärfere Formulierung im Kleingedruckten drei Tage nach dem eigentlichen Ereignis — ist der Punkt, den der Weichzeichner-Effekt zudeckt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die gesamte Fertigung hängt an einem einzigen Land
Jerash fertigt praktisch ausschließlich in Jordanien. Das ist einerseits der Kern der Investmentstory — der Standort gilt bei den Kunden als stabile, zollbegünstigte Alternative zu China und Vietnam —, andererseits ein Klumpenrisiko: Ein einziges geopolitisches Ereignis kann die gesamte Produktion treffen. Der Bericht selbst benennt das offen:
„Since the inception of the turmoil in the Middle East, the Company has been closely monitoring the situation and keeping its customers informed. Production is ongoing as usual, with no changes to customer orders or commitments, and the Company is currently mainly using the port in Aqaba, Jordan for import and export. […] However, in the event of any potential impact on the ports, the Company has prepared a contingency plan, approved by its major customers, to temporarily relocate production to alternate regions.“
Übersetzung: „Seit Beginn der Unruhen im Nahen Osten beobachtet das Unternehmen die Lage genau und hält seine Kunden auf dem Laufenden. Die Produktion läuft wie gewohnt weiter, ohne Änderungen bei Kundenaufträgen oder -zusagen, und das Unternehmen nutzt derzeit hauptsächlich den Hafen von Aqaba in Jordanien für Import und Export. […] Für den Fall einer möglichen Beeinträchtigung der Häfen hat das Unternehmen jedoch einen von seinen Großkunden genehmigten Notfallplan vorbereitet, um die Produktion vorübergehend in andere Regionen zu verlagern.“
— Jerash Holdings (US), Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q, eingereicht 12.08.2026, Anmerkung 2
Positiv gelesen: Die Kunden haben den Plan mit unterschrieben, was zeigt, dass sie an Jerash als Partner festhalten wollen — sonst würden sie sich nicht die Mühe machen. Nüchtern gelesen: Ein „Notfallplan" wird erst gebraucht, wenn der Normalfall ausfällt, und bis dahin bleibt die gesamte Wertschöpfung an einem Hafen und einem Land hängen. Zur Einordnung, dass Jerash damit nicht allein dasteht: Der Quartalsbericht selbst erwähnt „no changes to customer orders or commitments" — keine Kündigung droht aktuell, und rechtlich ist die Lage ebenfalls sauber, wie ein Blick weiter hinten im Bericht zeigt.
Bewertung: kein Schnäppchen, aber auch kein Hype-Preis
Wie teuer ist Jerash? Bei einem Kurs, der die Marktkapitalisierung auf rund 69 Millionen US-Dollar stellt (Datenstand Fundamentaldaten), und einem Ergebnis je Aktie der vergangenen zwölf Monate von rund 0,37 bis 0,38 US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von grob 15 — eine Größenordnung, kein Tageskurs. Der Buchwert je Aktie liegt bei rund 5,20 US-Dollar, die Aktie handelt also nahe am eigenen Buchwert (Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 1,0). Dazu kommt eine Dividende von 0,05 US-Dollar je Quartal (0,20 US-Dollar im Jahr), die der Vorstand am 7. August 2026 erneut bestätigt hat — bei einer Ausschüttungsquote von rund 53 Prozent des Gewinns kein Selbstläufer, aber auch keine Verzweiflungstat. Was das Bild trübt, ist die Marktenge: Von den 12,7 Millionen ausstehenden Aktien liegen rund die Hälfte bei Insidern, der freie Streubesitz beträgt nur rund 6,1 Millionen Aktien (Datenstand Fundamentaldaten) — eine kleine, wenig liquide Aktie, bei der schon moderate Kauf- oder Verkaufsorders den Kurs bewegen können. Wer die Aktie mit einem großen Modekonzern vergleicht, sollte deshalb die Skalen im Kopf behalten: Hier bewegt sich schneller mehr, in beide Richtungen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Jerash Holdings spricht:
- Strukturelle Erholung statt Strohfeuer: neun von zehn Quartalen mit Umsatzwachstum seit dem Tiefpunkt der Lieferkettenkrise, zuletzt mehrfach über der eigenen Prognose (Q4 GJ2026: 46,6 Prozent statt angekündigter 23 bis 26 Prozent).
- Der Gewinnsprung im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 (Nettoergebnis mehr als verfünffacht) stammt laut Bericht aus mehr Volumen, einem neuen Kunden und Effizienzgewinnen — nicht aus Sondererlösen oder Steuereffekten.
- Fortschritt bei der Diversifizierung: VF Corporations Anteil sank von 63 auf 57 Prozent, ein neuer Kunde (Hansoll, Südkorea) trägt bereits 4 Prozent bei; zusätzliche Fabrikkapazität (mindestens 40 Prozent mehr laut Februar-2026-Ankündigung) ist im Bau.
- Solide Bilanz: 87,4 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, überschaubare Bankverbindlichkeiten von rund 8,2 Millionen, kein Going-Concern-Hinweis, keine wesentlichen Rechtsstreitigkeiten, seit 2018 durchgehend gezahlte Dividende.
Was dagegen spricht:
- Extreme Kundenkonzentration: VF Corporation und New Balance zusammen 73 Prozent des Quartalsumsatzes — ein Auftragsverlust bei einem der beiden würde die Bilanz sofort treffen.
- Ein-Land-Fertigung in Jordanien: Der im Bericht erwähnte Notfallplan zur Produktionsverlagerung ist ein Sicherheitsnetz, kein zweiter Standort im Regelbetrieb.
- Frischer 10-Prozent-Zoll auf jordanische Waren (Section-301-Entscheidung vom 28.07.2026) — mit Ausnahmen, deren genauer Umfang für das Jerash-Sortiment aus den Berichten nicht beziffert wird.
- Kleine, marktenge Aktie mit rund 6,1 Millionen Aktien freiem Streubesitz — schon moderate Order-Größen können den Kurs bewegen; Verwässerungspolster aus 907.840 ausstehenden RSUs und 150.000 Optionen (zusammen rund 8,3 Prozent der Aktien).
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Weichzeichner-Effekt vom Anfang. Sein Trick ist nicht, dass er dich belügt — Jerash Holdings hat tatsächlich ein Rekordquartal mit einer sauberen, unspektakulären Erklärung geliefert: mehr Kunden, mehr Effizienz, keine Einmaleffekte. Sein Trick ist, dass er dich davon abhält, die zweite Hälfte des Berichts zu lesen — die Kundentabelle, die Fußnote zum Zoll, den Absatz zum Notfallplan. Beides ist wahr zugleich: eine Firma, die sich strukturell erholt hat, und eine Firma, deren Schicksal zu drei Vierteln an zwei Telefonnummern und zu hundert Prozent an einem einzigen Land hängt. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Rekordquartal — kaufen?", sondern: Wärst du bereit, dieses Risiko zu tragen, wenn du wüsstest, dass VF Corporation morgen einen Teil seiner Aufträge nach Vietnam verlagert? Wenn ja, hast du eine These, die über die Schlagzeile hinausgeht. Wenn nein, hattest du nur den Weichzeichner gesehen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Jerash Holdings (US), Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 12. August 2026)
- Jerash Holdings (US), Inc. — Form 8-K mit Ergebnismitteilung zum ersten Quartal Geschäftsjahr 2027 (eingereicht 10. August 2026)
- Jerash Holdings (US), Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (eingereicht 18. Juni 2026)
- Jerash Holdings (US), Inc. — Ergebnismitteilungen der vorangegangenen neun Quartale (Form 8-K, Exhibit 99.1), eingereicht zwischen 27. Juni 2024 und 15. Juni 2026, jeweils mit Prognose fürs Folgequartal
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Jerash Holdings (US), Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Streubesitz; Datenstand 13. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 143,4 | 138,1 | 117,2 | 145,8 | 166,3 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 10,5 | 4,4 | -0,7 | 1,4 | 6,3 |
| Nettogewinn | 7,9 | 2,4 | -2,0 | -0,8 | 3,5 |
| Nettomarge | 5,5 % | 1,8 % | -1,7 % | -0,6 % | 2,1 % |
| Gewinn je Aktie | 0,67 $ | 0,19 $ | -0,16 $ | -0,07 $ | 0,27 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Wachstum & Ergebnisqualität positiv
- Rekordquartal zum 30.06.2026 mit 26,7 Prozent Umsatzwachstum und mehr als verfünffachtem Nettoergebnis — laut Quartalsbericht ohne Sondererlöse oder Steuereffekte, getragen von mehr Volumen, einem neuen Kunden und Effizienzgewinnen. Neun von zehn Quartalen seit der Lieferkettenkrise 2023/24 mit Umsatzwachstum, zuletzt mehrfach über der eigenen Prognose.
- Kundenkonzentration negativ
- VF Corporation (57 %) und New Balance (16 %) stehen zusammen für 73 Prozent des Quartalsumsatzes (10-Q zum 30.06.2026). Der Trend zeigt zwar Richtung Diversifizierung (VF-Anteil sank von 63 auf 57 %, neuer Kunde Hansoll mit 4 %), die Abhängigkeit von zwei Adressen bleibt aber strukturell hoch.
- Fertigungsbasis & Handelspolitik neutral
- Praktisch die gesamte Produktion liegt in Jordanien; ein von den Großkunden mitgetragener Notfallplan zur Produktionsverlagerung existiert, ist aber nur ein Sicherheitsnetz. Am 28.07.2026 verhängte die US-Handelsvertretung einen neuen 10-Prozent-Zoll auf jordanische Waren (Section 301, Zwangsarbeits-Vorwürfe) mit Ausnahmen für einen Großteil der Bekleidungskategorien — der konkrete Effekt auf Jerash ist noch nicht beziffert.
- Bilanz & Ausschüttung positiv
- Bilanzsumme 87,4 Millionen US-Dollar bei überschaubaren Bankverbindlichkeiten von rund 8,2 Millionen, kein Going-Concern-Hinweis, keine wesentlichen Rechtsstreitigkeiten (10-Q, Teil II Punkt 1). Quartalsdividende von 0,05 US-Dollar durchgehend seit 2018 gezahlt, zuletzt am 07.08.2026 bestätigt.
- Handelbarkeit & Eigentümerstruktur neutral
- Rund die Hälfte der 12,7 Millionen Aktien liegt bei Insidern, freier Streubesitz nur rund 6,1 Millionen Aktien (Datenstand Fundamentaldaten) — eine kleine, wenig liquide Aktie. Dazu ein Verwässerungspolster aus 907.840 RSUs und 150.000 Optionen (rund 8,3 Prozent der Aktien).
Jerash Holdings zeigt im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 ein sauberes, strukturelles Comeback nach der Lieferkettenkrise 2023/24 — Umsatz plus 26,7 Prozent, Nettoergebnis mehr als verfünffacht, ohne erkennbare Einmaleffekte. Der Quartalsbericht zeigt aber auch die Kehrseite: Zwei Kunden tragen 73 Prozent des Umsatzes, die gesamte Fertigung hängt an einem Land, und drei Tage vor der Zahlenvorlage kam ein neuer Zoll auf jordanische Waren hinzu, dessen Wirkung noch unklar ist. Ein operativ gesundes Unternehmen mit einer offenen strukturellen Frage — keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Die operative Substanz ist belegt: profitables, wachsendes Geschäft, solide Bilanz, keine Governance- oder Bilanzbrüche, durchgehende Dividende seit 2018. Auf Gelb steht die Ampel wegen einer offenen operativen Frage, die (noch) keine Existenzfrage ist: die extreme Kundenkonzentration (73 Prozent bei zwei Adressen) gepaart mit einer Ein-Land-Fertigungsbasis und einem frischen, in seiner Wirkung noch nicht bezifferten Zoll. Das ist ein Preis-/Risikoargument für den Einstiegszeitpunkt, kein Substanzrisiko im Sinne der Ampel — die Entscheidung liegt bei dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Anlass dieser Analyse ist die Ergebnismitteilung (Form 8-K) vom 10.08.2026 und der Quartalsbericht (10-Q) vom 12.08.2026 zum ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 (Quartal zum 30.06.2026) — kein Scanner-Fund.
- Bewertungs- und Streubesitzangaben mit Datenstand 13. August 2026 (Fundamentaldaten), abgeglichen mit den SEC-Berichten; alle Kennzahlen sind evergreen, kein Tageskurs ist Kaufargument.
- Nicht zu verwechseln: Jerash Holdings (US), Inc. ist die US-notierte Delaware-Holding (Nasdaq: JRSH) mit operativer Fertigung in Jordanien — keine israelische, jordanische oder chinesische Notierung gleichen oder ähnlichen Namens.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 26. August 2026. Was sich seitdem bei JRSH geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Jerash Holdings (US), Inc. (Nasdaq: JRSH) fertigt und exportiert maßgeschneiderte Sportswear und Outerwear aus Strickstoffen — Jacken, Polos, T-Shirts, Hosen, Shorts. Produziert wird fast ausschließlich in acht eigenen Fabriken in Jordanien für globale Marken wie VF Corporation (The North Face, Timberland, Vans), New Balance, G-III (Calvin Klein, Tommy Hilfiger), Hugo Boss, American Eagle und Acushnet (FootJoy, Titleist).
Der Umsatz stieg im Quartal zum 30.06.2026 um 26,7 Prozent auf 50,2 Millionen US-Dollar, laut Quartalsbericht getrieben von mehr Volumen bei den bestehenden US-Großkunden und ersten Beiträgen des neuen Kunden Hansoll aus Südkorea. Die Bruttomarge stieg auf 16,4 Prozent, das Nettoergebnis mehr als verfünffachte sich auf 1,7 Millionen US-Dollar. Sondererlöse oder Steuereffekte, die den Sprung erklären würden, nennt der Bericht nicht.
Sehr stark. Laut Quartalsbericht standen VF Corporation (57 Prozent) und New Balance (16 Prozent) im Quartal zum 30.06.2026 zusammen für 73 Prozent des Umsatzes. VF Corporations Anteil sank zwar von 63 auf 57 Prozent, und mit Hansoll kam ein neuer Kunde (4 Prozent) hinzu — an der grundsätzlichen Abhängigkeit von zwei Großkunden ändert das aber wenig.
Am 28.07.2026 verhängte die US-Handelsvertretung nach einer Section-301-Untersuchung zu Zwangsarbeits-Vorwürfen einen 10-Prozent-Zoll auf Waren aus Jordanien — mit Ausnahmen für einen Großteil der Bekleidungskategorien laut Anhang I und II. Wie groß der finanzielle Effekt für Jerash konkret ausfällt, beziffert der Quartalsbericht nicht; das dürfte sich erst im nächsten Bericht zeigen.
Ja. Der Vorstand hat am 7. August 2026 eine reguläre Quartalsdividende von 0,05 US-Dollar je Aktie beschlossen (0,20 US-Dollar im Jahr), zahlbar am 24. August 2026. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 53 Prozent des Gewinns; Dividenden werden laut Fundamentaldaten durchgehend seit 2018 gezahlt.
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 69 Millionen US-Dollar und einem Ergebnis je Aktie der letzten zwölf Monate von rund 0,37 bis 0,38 US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von grob 15 — eine Größenordnung. Die Aktie handelt nahe am eigenen Buchwert (rund 5,20 US-Dollar je Aktie). Ein Schnäppchen ist das nicht, ein Hype-Preis aber auch nicht — dazu kommt eine sehr marktenge, wenig liquide Aktie mit nur rund 6,1 Millionen Aktien freiem Streubesitz.
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