Jackson Financial: 5,8 Milliarden Mittelzufluss — und 12 Millionen dort, wo die Dividende herkommt
Der hauseigene Aktien-Scanner stellt Jackson Financial am 27. Juli 2026 auf Platz 26 des K-FCF-Rankings der US-Auswahl: Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis 1,4. Gerechnet wird mit dem operativen Mittelzufluss des Konzerns von 5.758 Millionen US-Dollar. Im selben Geschäftsbericht weist das Unternehmen einen eigenen „Free Cash Flow“ von 838 Millionen aus — und für die Holding, aus der Dividende und Rückkäufe bezahlt werden, ganze 12 Millionen. Alle drei Zahlen sind richtig. Nur messen sie drei verschiedene Dinge. Eine Kennzahl ist immer nur so ehrlich wie die Ebene, auf der sie gemessen wird.
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Es gibt eine Denkgewohnheit, die uns im Alltag gute Dienste leistet und an der Börse regelmässig in die Irre führt. Nennen wir sie die Ein-Kassen-Falle. Sie geht so: Wir hören „das Unternehmen hat 5,8 Milliarden Dollar eingenommen“ und stellen uns eine Kasse vor. Eine. Aus der werden Löhne bezahlt, Schulden getilgt, Dividenden überwiesen. Bei einem Bäcker stimmt dieses Bild. Bei einem Versicherungskonzern stimmt es nicht — dort gibt es viele Kassen, und zwischen ihnen stehen Aufsichtsbehörden, die sehr genau vorschreiben, was von unten nach oben fliessen darf.
Genau so kam Jackson Financial Inc. (NYSE: JXN) auf unseren Tisch: über eine Kennzahl, die eine dieser Kassen misst und dann so klingt, als meine sie alle. Machen wir also einen Deal: Bevor wir die Zahl feiern, lesen wir gemeinsam nach, welche Kasse sie eigentlich zählt. Die Quellen sind die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC — der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 24. Februar 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 5. Mai 2026 und die Ad-hoc-Meldungen (Formular 8-K) bis zum 22. Juli 2026.
Inhalt
- Was Jackson Financial eigentlich macht
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was ein K/FCF von 1,4 hier misst
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
- Bewertung: Was ein Anteil an diesem Versicherer wirklich kostet
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Jackson Financial eigentlich macht
Jackson Financial verkauft Rentenversicherungen — in den USA annuities genannt. Das Grundgeschäft ist schnell erklärt: Du zahlst als Kunde Geld ein, es wird angelegt, und irgendwann bekommst du daraus eine Auszahlung. Der Unterschied zum Sparbuch liegt in den Garantien. Gegen eine Gebühr verspricht der Versicherer zum Beispiel eine lebenslange Mindestentnahme, auch wenn die Börse in der Zwischenzeit abstürzt. Genau dieses Versprechen ist das Produkt — und es ist gleichzeitig das Risiko.
Die Gesellschaft sitzt in Lansing im US-Bundesstaat Michigan und wurde am 13. September 2021 eigenständig; vorher gehörte das Geschäft der britischen Prudential plc. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort rund 3.890 Menschen, davon etwa 3.090 in Vollzeit. Geführt wird das Haus in drei Bereichen: Retail Annuities (das Privatkundengeschäft und mit Abstand der grösste Teil), Institutional Products (Anlageverträge für Grossanleger) und Closed Life and Annuity Blocks (Altbestände, die nicht mehr aktiv verkauft werden). Dazu kommt die konzerneigene Vermögensverwaltung PPM America.
Die Grössenordnung ist beachtlich. Zum 31. März 2026 verwaltete Jackson 338,0 Milliarden US-Dollar (31. Dezember 2025: 351,1 Milliarden). Nach der Branchenstatistik LIMRA entfielen in den ersten neun Monaten 2025 13,6 Prozent aller US-Verkäufe variabler Renten auf Jackson — das ist Rang 2 im Markt. Wer in den Vereinigten Staaten eine variable Rente abschliesst, landet also mit einiger Wahrscheinlichkeit bei diesem Unternehmen.
Und jetzt die Besonderheit, ohne die keine Zahl dieser Analyse Sinn ergibt — sie ist zugleich das zentrale Spannungsfeld: Fast alles Geld liegt bei der Versicherungstochter, fast alle Verpflichtungen gegenüber den Aktionären liegen bei der Holding. Die Holding — juristisch die Jackson Financial Inc., an der Börse gehandelt — hat kein eigenes Geschäft. Sie lebt davon, dass ihr die Tochter Jackson National Life Dividenden überweisen darf. Und ob sie darf, entscheidet nicht der Vorstand, sondern die Versicherungsaufsicht des Bundesstaats Michigan.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was ein K/FCF von 1,4 hier misst
Aufgefallen ist uns Jackson Financial im hauseigenen Aktien-Scanner, genauer im K-FCF-Ranking. Dieses Ranking sammelt alle Aktien mit positivem freiem Mittelzufluss und einem Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von höchstens 10 und sortiert sie aufsteigend — die günstigsten zuerst. Am 27. Juli 2026 haben wir nachgezählt: Die deutsche Liste wies 835 Treffer aus, die englische Fassung derselben Auswertung 544; beide waren zuletzt am 26. Juli 2026 neu berechnet worden. Setzt man den Markt-Filter auf USA, zeigt die Seite 25 Zeilen — und Jackson Financial steht mit einem Wert von 1,4 auf Platz 26, also in der ersten Zeile unterhalb des sichtbaren Ausschnitts. Die letzte angezeigte Zeile trägt an diesem Tag ebenfalls den Wert 1,4; die Reihenfolge entscheidet sich in der zweiten Nachkommastelle.
Zum Nachmachen: Rubrik „Aktien“ öffnen, dort „Scanner“, das K-FCF-Ranking wählen, den Markt auf „USA“ stellen. Die Listen werden täglich neu berechnet — die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme vom 27. Juli 2026, kein Dauerzustand.
Jetzt die Kennzahl selbst, in Alltagssprache. Der freie Mittelzufluss (englisch free cash flow) ist das Geld, das nach allen laufenden Ausgaben und Investitionen übrig bleibt. Das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis teilt den Börsenwert durch die Summe dieses Betrags aus den letzten vier Quartalen. Ein Wert von 1,4 heisst rechnerisch: Vierzehn Monate dieses Geldstroms entsprechen dem heutigen Preis des ganzen Unternehmens. Bei einem gesunden Konzern wäre das ein Ausrufezeichen.
Also prüfen wir, was in diesem Geldstrom steckt. Und hier wird es interessant, denn bei einem Rentenversicherer liegt der naheliegende Verdacht daneben — es lohnt sich, ihn trotzdem auszuräumen.
Erstens: Es sind nicht die Kundengelder. Wer einen Rentenvertrag abschliesst und einzahlt, gibt dem Versicherer kein Geld, das ihm gehört, sondern eine Verpflichtung. Der Geschäftsbericht sagt das in dürren Worten, und es ist der wichtigste Satz für jedes Cashflow-Verständnis in dieser Branche:
„Deposits on interest-sensitive life products and investment contracts, principally deferred annuities and guaranteed investment contracts, are treated as policyholder deposits and excluded from revenue.“
Übersetzung: „Einzahlungen auf zinssensitive Lebensversicherungsprodukte und Anlageverträge, im Wesentlichen aufgeschobene Renten und garantierte Anlageverträge, werden als Einlagen der Versicherungsnehmer behandelt und nicht als Ertrag ausgewiesen.“
— Jackson Financial Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Bilanzierungsgrundsätze
Folgerichtig stehen diese Beträge in der Kapitalflussrechnung nicht im operativen Teil, sondern in der Finanzierungstätigkeit — dort, wo auch Kredite und Anleihen auftauchen. Im Jahr 2025 waren das 27.355 Millionen US-Dollar Einzahlungen gegen 42.245 Millionen Auszahlungen, dazu 20.761 Millionen, die aus den Fondsdepots der Kunden in die Konzernkasse umgebucht wurden. Kundengeld ist im K-FCF-Ranking also gar nicht enthalten. Gut so — denn es wäre auch keins.
Zweitens: Was den Wert dann trägt, ist im Wesentlichen Buchhaltung. Die Brücke vom Gewinn zum operativen Mittelzufluss ist 2025 bemerkenswert lang. Sie beginnt bei einem Konzernergebnis von 72 Millionen US-Dollar und endet bei 5.758 Millionen. Dazwischen liegen vor allem vier Rückrechnungen für Posten, die kein Geld gekostet haben:
- plus 3.241 Millionen US-Dollar Bewertungsverluste auf Derivate — die Absicherungsgeschäfte für die Garantien,
- plus 1.304 Millionen aus Funds-Withheld-Rückversicherungsverträgen (dabei bleiben die Kapitalanlagen bei Jackson, das wirtschaftliche Ergebnis steht dem Rückversicherer zu),
- plus 605 Millionen aus der Bewertung der Garantieverpflichtungen,
- plus 1.221 Millionen gutgeschriebene Zinsen auf Kundenguthaben — Geld, das den Kunden zugeschrieben, aber nicht ausgezahlt wurde.
Der Rest aller übrigen Posten zusammen ergibt minus 685 Millionen. Zieht man die Rechnung nach, bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Der grösste einzelne Beitrag zum „freien Mittelzufluss“ ist ein Verlust, der buchhalterisch wieder hinzugerechnet wird.
Drittens: Die echten Zahlungen für die Absicherung stehen woanders. Wer wissen will, was das Derivatebuch tatsächlich gekostet hat, muss eine Rubrik tiefer schauen, in die Investitionstätigkeit. Dort steht die Zeile „Settlements related to derivatives and collateral on investments“ — minus 1.106 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, minus 6.481 Millionen 2024, minus 5.475 Millionen 2023. Im Jahr 2024 flossen für die Absicherung also mehr Barmittel ab, als der ganze operative Mittelzufluss desselben Jahres betrug. Diese Zahlungen gehen in kein K-FCF-Ranking der Welt ein.
Und damit zur Zahl, die das Unternehmen selbst für die entscheidende hält:
„Free cash flow is Jackson Financial Inc. (Parent Company only) net cash provided by (used in) operating activities less preferred stock dividends and capital contributions to PPM or other subsidiaries, plus the return of capital from subsidiaries.“
Übersetzung: „Der freie Mittelzufluss ist der operative Mittelzufluss der Jackson Financial Inc. — allein als Muttergesellschaft — abzüglich Dividenden auf Vorzugsaktien und Kapitaleinlagen an PPM oder andere Tochtergesellschaften, zuzüglich Kapitalrückflüssen von Tochtergesellschaften.“
— Jackson Financial Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Non-GAAP-Kennzahlen
Drei Wörter machen den Unterschied: „Parent Company only“. Damit stehen drei Zahlen für dasselbe Geschäftsjahr nebeneinander, und alle drei sind korrekt:
Rechne es einmal durch. Mit dem Börsenwert von rund 8,3 Milliarden US-Dollar (69.743.104 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 28. April 2026, zum Schlusskurs vom 24. Juli 2026) ergibt der Konzernwert ein Verhältnis von etwa 1,6; die Scanner-Liste kommt mit ihrem eigenen, täglich fortgeschriebenen Datenstand auf 1,4. Dieselbe Rechnung mit der Hausdefinition ergibt rund das Zehnfache: knapp 10. Und mit dem, was die Holding selbst erwirtschaftet hat, ergibt sie überhaupt nichts Sinnvolles mehr.
Merksatz für die Ablage: Bei einem Versicherungskonzern ist die entscheidende Frage nicht, wie viel Geld erwirtschaftet wurde, sondern wie viel davon nach oben durchgereicht werden darf. Dasselbe Muster haben wir bei einem direkten Wettbewerber gefunden — in unserer Analyse zu F&G Annuities stammte der grösste Teil des freien Mittelzuflusses ebenfalls aus Positionen, die wirtschaftlich den Versicherten und Rückversicherern gehören. Wer die Falle einmal von der anderen Seite sehen will, findet sie bei Ready Capital, das am selben Tag auf Platz 7 derselben Liste stand.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es hier eine ganze Menge. Jackson Financial ist kein Sanierungsfall, sondern ein grosser, laufender Betrieb mit einem klaren Ertragsmotor. Die Gebühreneinnahmen — das Geld, das Jackson auf die Kundenguthaben und die Garantien berechnet — lagen 2025 bei 7.983 Millionen US-Dollar nach 8.083 Millionen (2024) und 7.680 Millionen (2023). Das ist eine bemerkenswert stabile Einnahmebasis über acht Milliarden, Jahr für Jahr.
Der Absatz wächst, und zwar dort, wo es Jackson strategisch hinwill: Die Gesamtverkäufe stiegen 2025 auf 23.211 Millionen US-Dollar nach 19.849 Millionen im Vorjahr — ein Plus von 17 Prozent. Im ersten Quartal 2026 legte das Privatkundengeschäft von 4.031 auf 5.279 Millionen US-Dollar zu, getragen von zwei Produktgruppen: RILA (eine Rente mit begrenzter Marktbeteiligung und eingebautem Verlustpuffer) verdoppelte sich fast auf 2.010 Millionen, und die indexgebundenen Festrenten sprangen von 35 auf 677 Millionen US-Dollar.
Und das operative Ergebnis, also das um Marktbewertungen bereinigte Ergebnis, das Jackson selbst zur Steuerung verwendet, steigt seit Jahren:
Auch die Kapitalrückgabe kann sich sehen lassen: 862 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 (228 Millionen Dividende, 634 Millionen Aktienrückkäufe), und die Quartalsdividende stieg von 0,80 auf 0,90 US-Dollar je Aktie. Für 2026 hat sich das Unternehmen 900 Millionen bis 1,1 Milliarden vorgenommen. Die statutarische Kapitalquote der Versicherungstochter — die RBC-Quote, an der die Aufsicht misst, ob ein Versicherer genug Eigenmittel für seine Risiken hat — lag zum 31. Dezember 2025 bei 567 Prozent. Als kritisch gilt der Bereich um 200 Prozent. Das ist kein knapper Wert, das ist reichlich Puffer.
Damit zur anderen Seite. Die Reihe der ausgewiesenen Ergebnisse liest sich völlig anders:
- Ergebnis für die Stammaktionäre: 899 Millionen US-Dollar (2023) → 902 (2024) → minus 17 Millionen (2025). Im ersten Quartal 2026: minus 435 Millionen nach minus 35 Millionen im Vorjahresquartal.
- Operatives Ergebnis (Adjusted Operating Earnings): 1.073 → 1.443 → 1.614 Millionen. Im ersten Quartal 2026: 361 Millionen nach 376 Millionen.
- Eigenkapitalrendite: ausgewiesen minus 0,2 Prozent (2025) und minus 18,9 Prozent (Q1 2026) — operativ dagegen 14,7 Prozent (2025) und 13,8 Prozent (Q1 2026).
- Umsatz: 3.083 Millionen US-Dollar (2023) → 3.271 (2024) → 6.683 (2025). Diese Reihe ist nicht etwa ein Wachstumssprung, sondern eine Bewertungsschaukel: In den Erlösen stecken die Gewinne und Verluste des Derivatebuchs, 2025 mit minus 4.661 Millionen US-Dollar.
Um die letzte Zeile richtig einzuordnen, hilft ein Blick auf ein einzelnes Quartal: Im zweiten Quartal 2025 wies Jackson Financial einen Umsatz von minus 483 Millionen US-Dollar aus. Ein negativer Umsatz ist keine Bilanzkuriosität, sondern die logische Folge der Rechnungslegung: Wenn die Absicherungsgeschäfte an Wert verlieren, wird das von den Erlösen abgezogen. Merke dir den Satz: Bei diesem Unternehmen sagt weder der Umsatz noch der Gewinn eines einzelnen Quartals etwas über das Geschäft aus.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der ausgewiesene Gewinn ist eine Wetterfahne — und das ist Absicht
Man könnte vermuten, die Schwankungen seien ein Betriebsunfall. Sie sind es nicht. Jackson sichert die wirtschaftlichen Risiken seiner Garantien mit Derivaten ab, aber die bilanzielle Bewertung dieser Garantien folgt anderen Regeln als die Bewertung der Derivate. Beide Seiten bewegen sich also unterschiedlich stark — und die Differenz landet im Gewinn. Das Unternehmen schreibt das mit einer Offenheit, die man selten liest:
„We experience net income volatility because we do not directly use hedging to offset the movement in our U.S. generally accepted accounting principles („U.S. GAAP“) market risk benefit liabilities as market conditions change from period to period.“
Übersetzung: „Wir erleben Schwankungen des Jahresüberschusses, weil wir die Bewegung unserer nach US-Rechnungslegung bilanzierten Garantieverpflichtungen nicht unmittelbar durch Sicherungsgeschäfte ausgleichen, wenn sich die Marktbedingungen von Periode zu Periode ändern.“
— Jackson Financial Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Executive Summary
Für dich als Leser heisst das zweierlei. Erstens: Ein Verlustquartal ist bei diesem Unternehmen kein Alarmzeichen, sondern Normalbetrieb — im ersten Quartal 2026 stand einem operativen Ergebnis von 361 Millionen US-Dollar ein ausgewiesener Verlust von 435 Millionen gegenüber. Zweitens, und das ist die unbequeme Seite: Du musst dem Unternehmen glauben, welche Zahl die „richtige“ ist. Das operative Ergebnis ist eine selbstdefinierte Kennzahl. Sie ist ordentlich hergeleitet und im Bericht vollständig übergeleitet — aber sie ist eben nicht geprüfte Rechnungslegung, sondern die Sicht des Vorstands.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Von 5,8 Milliarden kamen 838 Millionen oben an — und ausgegeben wurden 862
Zurück zum Spannungsfeld. Die Holding hat 2025 nach US-Rechnungslegung aus eigener operativer Tätigkeit 12 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. Alles Weitere kam von unten, und das Unternehmen rechnet es im Bericht Zeile für Zeile vor: 1.025 Millionen US-Dollar Kapitalausschüttungen der Töchter plus 90 Millionen Zinsen auf ein internes Darlehen, zusammen also 1.115 Millionen. Davon abgezogen wurden 150 Millionen Kapitaleinlage in die neu gegründete Rückversicherungstochter Hickory Re, 119 Millionen Verwaltungskosten der Holding und 36 Millionen sonstige Posten; hinzu kamen 28 Millionen eigene Kapitalerträge. Unter dem Strich: 838 Millionen US-Dollar.
Ausgegeben hat die Holding im selben Jahr 862 Millionen US-Dollar an ihre Stammaktionäre. Das ist mehr, als hereinkam — die Differenz stammt aus vorhandenen Mitteln. Kein Drama für ein Jahr, aber eine Zahl, die man im Kopf behalten sollte, wenn für 2026 900 Millionen bis 1,1 Milliarden angekündigt sind. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2026 lag der freie Mittelzufluss nach Hausdefinition bei 288 Millionen US-Dollar, die Kapitalrückgabe bei 257 Millionen.
Und noch eine Zahl gehört in dieses Kapitel, weil sie die Grenze markiert: Die RBC-Quote sank von 624 Prozent (2023) über 572 (2024) auf 567 Prozent (2025). Das ist immer noch weit von jeder Gefahrenzone entfernt. Aber es ist die Kennzahl, an der hängt, wie viel die Tochter überhaupt nach oben ausschütten darf — und sie zeigt seit zwei Jahren nach unten. Als Grund nennt das Unternehmen das Wachstum der RILA-Bestände und gestiegene Geschäftsrisiken.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Kunden nehmen mehr heraus, als sie hineinlegen
Der Absatz wächst, das haben wir gewürdigt. Der Bestand tut es nicht. Das Kontoguthaben der variablen Renten — der grösste Block der Bilanz — fiel von 242.757 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 229.558 Millionen (31. März 2026). Beim wichtigsten Produkt, der Rente mit lebenslanger garantierter Entnahme, ging es von 174.293 auf 164.023 Millionen zurück. Auf der Zahlungsseite standen 2025 den 27.355 Millionen Einzahlungen 42.245 Millionen Auszahlungen gegenüber.
Das ist die strukturelle Herausforderung dieses Geschäfts: Die Altbestände aus den grossen Verkaufsjahren laufen ab, und die neuen Produkte müssen schneller wachsen, als die alten schrumpfen. Bislang gelingt das nicht vollständig. Dazu kommt eine Schwankung, die man ehrlich benennen muss: Der Absatz an institutionelle Kunden brach im ersten Quartal 2026 von 1.599 auf 110 Millionen US-Dollar ein — minus 93 Prozent. Dieses Geschäft ist von Natur aus unregelmässig, es wird gemacht, wenn die Konditionen passen. Aber es hat den Gesamtabsatz des Quartals von 5.630 auf 5.389 Millionen gedrückt, obwohl das Privatkundengeschäft kräftig zulegte.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Zurückgekauft wurde für 192 Millionen — und trotzdem gibt es mehr Aktien
Verwässerung heisst im Klartext: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil der Kuchen in mehr Stücke geteilt wird. Im ersten Quartal 2026 hat Jackson Financial 1.714.620 eigene Aktien für 192 Millionen US-Dollar zurückgekauft — und die Zahl der umlaufenden Aktien stieg trotzdem von 66.825.632 auf 70.270.752, also um 5,2 Prozent. Der Grund: Für den Einstieg von TPG Inc. wurden 4.715.554 Aktien aus dem eigenen Bestand wieder ausgegeben.
Der Vorgang selbst ist keine Notmassnahme, sondern eine strategische Partnerschaft: TPG zahlte 500 Millionen US-Dollar für rund 6,5 Prozent, im Gegenzug erhielt eine Jackson-Tochter TPG-Aktien im Wert von 150 Millionen, und beide Seiten schlossen Vermögensverwaltungsverträge mit einer Grundlaufzeit von zehn Jahren und Verlängerungsoptionen bis ins fünfzehnte Jahr. Die 500 Millionen flossen in die neue Rückversicherungstochter Hickory Re, mit der das Wachstum der Festrenten kapitalschonend finanziert werden soll.
Zwei Details verdienen Aufmerksamkeit. Erstens entstand aus der Wiederausgabe der eigenen Aktien ein Buchgewinn von 322 Millionen US-Dollar, der nicht durch die Gewinn- und Verlustrechnung lief, sondern direkt in die Kapitalrücklage gebucht wurde. Zweitens hat sich Jackson im Vermögensverwaltungsvertrag zu Mindesthonoraren verpflichtet — der Bericht spricht wörtlich von einer „baseline minimum fee payment“, die während der Laufzeit und einer etwaigen Abwicklungsphase zu zahlen ist. Bis zum 28. April 2026 war die Aktienzahl wieder auf 69.743.104 gesunken; ob am Jahresende weniger Aktien stehen als vor dem TPG-Einstieg, entscheiden die nächsten beiden Quartalsberichte.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: An der Spitze wird gewechselt — mitten in diesem Umbau
Am 16. Juli 2026, also wenige Tage vor dem Datenstand dieser Analyse, hat der Verwaltungsrat den Führungswechsel beschlossen. Er ist so frisch, dass er in keinem Quartalsbericht steht:
Beide Nachfolger kommen aus dem Haus: Don W. Cummings ist seit Juni 2024 Finanzvorstand und war davor Chefbuchhalter des Konzerns; Brian M. Walta leitet die Steuerung von Kapitalanlagen und Verpflichtungen bei der Versicherungstochter und ist ausgebildeter Aktuar. Das spricht für Kontinuität. Trotzdem gilt: In einem Haus, dessen Ergebnis an einem Absicherungsprogramm hängt, wechseln gleichzeitig der Vorstandsvorsitz und die Finanzleitung — und zwar in dem Jahr, in dem mit Hickory Re, der TPG-Partnerschaft und dem Festrenten-Wachstum drei Umbauten parallel laufen. Ergänzend trat am 22. Juni 2026 der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Gregory T. Durant, aus gesundheitlichen Gründen zurück; den Vorsitz übernahm der Verwaltungsratsvorsitzende Steven A. Kandarian.
Bewertung: Was ein Anteil an diesem Versicherer wirklich kostet
Bei einem Versicherer ist der Buchwert die naheliegendste Messlatte — er sagt, was in der Bilanz nach Abzug aller Verpflichtungen für die Aktionäre übrig bleibt. Zum 31. März 2026 lag das Eigenkapital der Stammaktionäre bei 8.963 Millionen US-Dollar, verteilt auf 70.270.752 Aktien: rund 127,55 US-Dollar je Aktie. Der Schlusskurs vom 24. Juli 2026 betrug 119,28 US-Dollar. Das ergibt ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,93 — die Aktie kostet weniger als ihr bilanzieller Anteil.
Jackson selbst rechnet zusätzlich einen bereinigten Buchwert, aus dem die Bewertungsschwankungen der Kapitalanlagen herausgenommen sind: 10.372 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, also rund 147,60 US-Dollar je Aktie. Danach kostet die Aktie etwa vier Fünftel ihres Substanzwerts. Beide Zahlen deuten in dieselbe Richtung: Der Markt traut dieser Bilanz nicht ganz.
Beim Gewinnvielfachen wird es unübersichtlich, und zwar aus einem einfachen Grund: Ein nachlaufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil das ausgewiesene Ergebnis der letzten vier Quartale negativ ist. Nimmt man stattdessen das operative Ergebnis von 1.614 Millionen US-Dollar (2025), liegt das Vielfache bei etwa 5. Nimmt man die Hausdefinition des freien Mittelzuflusses von 838 Millionen, liegt es bei knapp 10. Und nimmt man den Konzern-Mittelzufluss, bei 1,4 bis 1,6. Drei Kennzahlen, drei Grössenordnungen — genau das ist die Lektion dieser Analyse.
Die Dividende ist greifbarer: 0,90 US-Dollar je Quartal, also 3,60 US-Dollar im Jahr, das sind rund 3,0 Prozent auf den Kurs vom 24. Juli 2026. Gedeckt wird sie aus den 838 Millionen, die 2025 oben ankamen — die Dividendenzahlung selbst betrug 228 Millionen.
Der Blick der Profis, eingeordnet: Zum Datenstand 26. Juli 2026 lagen fünf Analystenstimmen vor — eine Kaufempfehlung, drei Halten, eine deutliche Verkaufsempfehlung, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 134,25 US-Dollar. Das ist eine dünne Abdeckung für ein Unternehmen dieser Grösse, und die Streuung zeigt dasselbe wie unsere Rechnung oben: Über den Wert dieses Geschäfts gehen die Meinungen auseinander.
Ein Hinweis zur Einordnung, weil unser Scanner ihn ebenfalls anzeigt: Der Altman-Z-Score, ein Insolvenz-Frühwarnsystem aus mehreren Bilanzkennzahlen, wird in dieser Analyse nicht als Argument verwendet. Er wurde für Industrieunternehmen entwickelt und ist bei einer Versicherungsbilanz, die zu 97 Prozent aus Verpflichtungen gegenüber Kunden besteht, ohne Aussagekraft. Was bei einem Versicherer zählt, sind Absatz, Kontoguthaben, Kapitalanlageergebnis, das operative Ergebnis und die RBC-Quote — und die haben wir oben gelesen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für das Unternehmen spricht:
- Marktposition: Rang 2 bei variablen Renten in den USA mit 13,6 Prozent Marktanteil (LIMRA, neun Monate bis 30. September 2025) und 338,0 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen (31. März 2026).
- Stabile Gebührenbasis: 7.983 Millionen US-Dollar Gebühreneinnahmen 2025 — eine Einnahmequelle, die von Marktschwankungen nur mittelbar berührt wird.
- Steigendes operatives Ergebnis: von 1.073 (2023) auf 1.614 Millionen US-Dollar (2025), bei einer operativen Eigenkapitalrendite von 14,7 Prozent.
- Kapitalpuffer: RBC-Quote der Versicherungstochter 567 Prozent zum 31. Dezember 2025, weit über der aufsichtsrechtlichen Eingriffsschwelle.
- Frisches Kapital und ein Partner: 500 Millionen US-Dollar von TPG, ein neuer Kreditrahmen über 1,25 Milliarden bis 2031 und eine Anleihe über 750 Millionen mit Laufzeit bis 2037 — die Finanzierung steht für Jahre.
- Verlässliche Ausschüttung: Quartalsdividende von 0,80 auf 0,90 US-Dollar erhöht, Kapitalrückgabe-Ziel 2026 von 900 Millionen bis 1,1 Milliarden US-Dollar.
Was dagegen spricht:
- Die Kennzahl täuscht: Der freie Mittelzufluss, der die Aktie ins K-FCF-Ranking hebt, ist ein Konzernwert. Bei der Holding kamen 2025 838 Millionen US-Dollar an, aus eigenem Geschäft 12 Millionen.
- Schrumpfender Bestand: Kontoguthaben der variablen Renten von 242.757 auf 229.558 Millionen US-Dollar in einem Quartal; 2025 standen 27.355 Millionen Einzahlungen 42.245 Millionen Auszahlungen gegenüber.
- Ergebnis nicht lesbar: ausgewiesener Verlust von 435 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 gegen 361 Millionen operatives Ergebnis; der Umsatz eines Quartals kann negativ ausfallen (Q2 2025: minus 483 Millionen).
- Sinkender Kapitalpuffer: RBC-Quote von 624 (2023) über 572 (2024) auf 567 Prozent (2025) — die Kennzahl, an der die Ausschüttungsfähigkeit der Tochter hängt.
- Mehr Aktien trotz Rückkäufen: 66.825.632 (31. Dezember 2025) auf 70.270.752 (31. März 2026) durch die TPG-Ausgabe; die Kapitalrückgabe 2025 überstieg mit 862 Millionen den freien Mittelzufluss von 838 Millionen.
- Führungswechsel im Umbaujahr: neuer Vorstandsvorsitz und neue Finanzleitung zum 1. Oktober 2026, dazu der Rücktritt des Prüfungsausschuss-Vorsitzenden am 22. Juni 2026.
- Teurere Refinanzierung: Die im Juni 2026 begebene Anleihe kostet 6,150 Prozent; abgelöst werden sollen unter anderem 400 Millionen US-Dollar zu 5,170 Prozent.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Ein-Kassen-Falle vom Anfang. Sie hat uns diese Aktie auf den Tisch gelegt, und sie hat dabei korrekt gerechnet: Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,4 ist keine Erfindung. Der Fehler passiert erst im Kopf, im Moment danach, wenn aus „5,8 Milliarden Mittelzufluss“ automatisch „5,8 Milliarden, über die frei verfügt werden kann“ wird.
Bei Jackson Financial ist das nachweislich nicht so — und das Bemerkenswerte ist: Das Unternehmen sagt es selbst. Es rechnet im eigenen Geschäftsbericht eine eigene Kennzahl aus, weil es weiss, dass die Konzernzahl für einen Aktionär die falsche Ebene ist. Wer die 838 Millionen liest statt der 5.758, sieht kein schlechteres Unternehmen — er sieht ein anderes: eines, das solide verdient, ordentlich ausschüttet und ungefähr zum Buchwert gehandelt wird. Das ist ein völlig respektabler Fall. Er ist nur eben kein Schnäppchen mit dem Faktor 1,4.
Was uns am längsten beschäftigt hat, ist nicht die Kennzahl, sondern die Bestandsentwicklung. Ein Rentenversicherer lebt davon, dass die Guthaben, auf die er Gebühren berechnet, gross bleiben. Bei Jackson schrumpft dieser Block, während der Neuabsatz wächst — beides gleichzeitig, in denselben Berichten. Ob das Neugeschäft schnell genug ist, um die ablaufenden Altbestände zu ersetzen, ist die eigentliche Frage dieser Aktie. Sie wird nicht in einem Quartal beantwortet, sondern über Jahre.
Es gibt eine Geschichte, die für diesen Titel spricht: dass RILA und Festrenten weiter zulegen, dass Hickory Re und die TPG-Partnerschaft das Wachstum kapitalschonend finanzieren, dass die neue Führung die Ausschüttungspolitik unverändert fortführt — und dass ein Papier, das unter Buchwert notiert, dann irgendwann höher bewertet wird. Und es gibt die Gegengeschichte: dass die Altbestände schneller abfliessen, als das Neugeschäft nachwächst, dass die RBC-Quote weiter sinkt und mit ihr der Spielraum, Geld nach oben durchzureichen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Jackson Financial Inc., Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 24.02.2026) — Geschäftsmodell und Segmente, Beschäftigte, Marktanteil nach LIMRA, konsolidierte Kapitalflussrechnung, Bilanzierungsgrundsätze, Überleitung von Adjusted Operating Earnings und Free Cash Flow, Liquidität und RBC-Quote
- Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 05.05.2026) — jüngster Periodenbericht: Ergebnisrechnung, Kapitalflussrechnung, Absatz und Kontoguthaben, Note 13 (Langfristige Schulden), Note 19 (Eigenkapital, TPG-Transaktion), Deckblatt-Aktienzahl zum 28.04.2026
- Geschäftsbericht 10-K für 2024 (eingereicht 26.02.2025) — Vergleichsreihen für Adjusted Operating Earnings, Free Cash Flow und RBC-Quote
- Ad-hoc-Meldung 8-K vom 22.07.2026, Item 5.02 — Wechsel an der Konzernspitze zum 01.10.2026, Rücktritt von Laura L. Prieskorn zum 30.09.2026
- Ad-hoc-Meldung 8-K vom 01.07.2026, Item 1.01 — neuer Kreditrahmen über 1,25 Mrd. US-Dollar vom 30.06.2026, Laufzeit bis 2031, Finanzkennzahlen-Klauseln
- Ad-hoc-Meldung 8-K vom 15.06.2026, Item 2.03 — Begebung von 750 Mio. US-Dollar 6,150 % Senior Notes mit Fälligkeit 15.01.2037
- Ad-hoc-Meldung 8-K vom 25.06.2026, Item 5.02 — Rücktritt von Gregory T. Durant aus dem Verwaltungsrat am 22.06.2026
- Ad-hoc-Meldung 8-K vom 26.05.2026, Item 5.07 — Ergebnisse der Hauptversammlung vom 21.05.2026, Bestellung von KPMG LLP als Abschlussprüfer
- Screener- und Bewertungsdaten: hauseigener Aktien-Scanner und Fundamentaldaten (Datenstand 26. Juli 2026), darunter das K-FCF-Ranking (US-Auswahl, Platz 26 hinter 25 angezeigten Zeilen, Verhältnis 1,4; deutsche Liste 835 Treffer, englische Liste 544 Treffer, zuletzt berechnet am 26. Juli 2026, selbst gemessen am 27. Juli 2026)
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; bei einem Lebensversicherer hängt das Ergebnis zusätzlich an Zins- und Aktienmärkten sowie an aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen, und ein Totalverlust ist bei jeder Aktienanlage möglich. Alle Zahlen tragen den Stichtag ihrer Quelle; Marktdaten haben den Datenstand 26. Juli 2026. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Jackson Financial Inc. oder in TPG Inc.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell und Marktstellung positiv
- Rang 2 bei variablen Renten in den USA mit 13,6 Prozent Marktanteil (LIMRA, neun Monate bis 30. September 2025) und 338,0 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen (31. März 2026). Die Gebühreneinnahmen lagen 2025 bei 7.983 Millionen US-Dollar und schwanken kaum. Der Absatz stieg 2025 auf 23.211 Millionen US-Dollar nach 19.849 Millionen; im ersten Quartal 2026 legte das Privatkundengeschäft von 4.031 auf 5.279 Millionen zu.
- Aufhänger und Kennzahlenlage negativ
- Platz 26 im hauseigenen K-FCF-Ranking der US-Auswahl mit einem Wert von 1,4, selbst gemessen am 27. Juli 2026 (deutsche Liste 835 Treffer, englische 544, je 25 angezeigte Zeilen). Die Rechnung stimmt, misst aber die falsche Ebene: Der zugrunde liegende Konzern-Mittelzufluss von 5.758 Millionen US-Dollar (2025) wird von nicht zahlungswirksamen Rückrechnungen getragen — allein 3.241 Millionen Derivateverluste. Jackson Financial selbst nennt für dasselbe Jahr 838 Millionen.
- Ertragskraft, bereinigt gelesen positiv
- Das operative Ergebnis stieg von 1.073 Millionen US-Dollar (2023) über 1.443 (2024) auf 1.614 Millionen (2025), die operative Eigenkapitalrendite lag 2025 bei 14,7 Prozent und im ersten Quartal 2026 bei 13,8 Prozent. Das ausgewiesene Ergebnis ist dagegen nicht lesbar: minus 17 Millionen (2025) und minus 435 Millionen im ersten Quartal 2026, weil die bilanziellen Garantieverpflichtungen bewusst nicht buchhalterisch abgesichert werden.
- Bestand und Mittelabfluss negativ
- Das Kontoguthaben der variablen Renten fiel von 242.757 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 229.558 Millionen (31. März 2026), bei der Rente mit lebenslanger Entnahme von 174.293 auf 164.023 Millionen. Im Jahr 2025 standen 27.355 Millionen Einzahlungen 42.245 Millionen Auszahlungen gegenüber. Der Absatz an institutionelle Kunden brach im ersten Quartal 2026 von 1.599 auf 110 Millionen ein.
- Kapital, Ausschüttung und Aktienzahl neutral
- Die RBC-Quote der Versicherungstochter sank von 624 (2023) über 572 (2024) auf 567 Prozent (2025) — weit über der Eingriffsschwelle, aber mit klarer Richtung. Die Kapitalrückgabe 2025 überstieg mit 862 Millionen US-Dollar den freien Mittelzufluss von 838 Millionen. Trotz Rückkäufen über 192 Millionen stieg die Aktienzahl im ersten Quartal 2026 von 66.825.632 auf 70.270.752, weil 4.715.554 Aktien an TPG ausgegeben wurden; zum 28. April 2026 waren es 69.743.104.
- Führung und laufende Umbauten neutral
- Am 16. Juli 2026 wurde der Wechsel an der Spitze zum 1. Oktober 2026 beschlossen: Finanzvorstand Don W. Cummings wird Vorstandsvorsitzender, Brian M. Walta Finanzvorstand, Laura L. Prieskorn tritt zum 30. September 2026 zurück. Beide Nachfolger kommen aus dem Haus. Parallel laufen die TPG-Partnerschaft samt zugesagtem Mindesthonorar, der Aufbau der Rückversicherungstochter Hickory Re und das Festrenten-Wachstum; am 22. Juni 2026 trat zudem der Vorsitzende des Prüfungsausschusses zurück.
Jackson Financial ist ein grosser, laufender Rentenversicherer mit stabiler Gebührenbasis von 7.983 Millionen US-Dollar (2025), steigendem operativem Ergebnis von 1.614 Millionen und einer Kapitalquote der Versicherungstochter von 567 Prozent. Die Kennzahl, die den Titel auf Platz 26 des K-FCF-Rankings hebt, misst jedoch die falsche Ebene: Sie teilt den Börsenwert durch den operativen Mittelzufluss des Konzerns von 5.758 Millionen US-Dollar, der überwiegend aus nicht zahlungswirksamen Rückrechnungen besteht. Bei der Holding, aus der Dividende und Rückkäufe bezahlt werden, kamen 2025 838 Millionen an — aus eigenem Geschäft 12 Millionen. Mit dieser Zahl kostet die Aktie rund das Zehnfache statt das Anderthalbfache, und sie notiert bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 0,93. Offen bleibt, ob das Neugeschäft die ablaufenden Altbestände ersetzt: Das Kontoguthaben der variablen Renten fiel binnen eines Quartals um 13,2 Milliarden US-Dollar. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier für ein solides Geschäft mit einer irreführenden Kennzahl und einer offenen Bestandsfrage. Für die mittlere Stufe spricht die belegte Substanz: Rang 2 im US-Markt für variable Renten, 7.983 Millionen US-Dollar Gebühreneinnahmen im Jahr 2025, ein operatives Ergebnis, das in zwei Jahren von 1.073 auf 1.614 Millionen stieg, eine RBC-Quote von 567 Prozent und eine seit dem Börsengang erhöhte Dividende. Gegen die grüne Stufe sprechen ebenso belegte Befunde: Das ausgewiesene Ergebnis war 2025 negativ und im ersten Quartal 2026 mit minus 435 Millionen deutlich negativ; das Kontoguthaben der variablen Renten fiel in einem Quartal von 242.757 auf 229.558 Millionen US-Dollar; die Auszahlungen an Versicherte übertrafen 2025 die Einzahlungen um 14.890 Millionen; die RBC-Quote sinkt das zweite Jahr in Folge; und die Kapitalrückgabe lag 2025 über dem, was oben ankam. Für die rote Stufe fehlt jede Grundlage — es gibt keinen Fortführungsvorbehalt, kein negatives Eigenkapital und keine Fälligkeitsklemme; die Finanzierung ist mit einem Revolver über 1,25 Milliarden US-Dollar bis 2031 und einer Anleihe bis 2037 für Jahre gesichert. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger und Fundstelle: Platz 26 im hauseigenen K-FCF-Ranking der US-Auswahl bei einem Wert von 1,4, selbst gemessen am 27. Juli 2026 auf den Live-Scanner-Seiten beider Marken. Die deutsche Liste zählte an diesem Tag 835 Treffer, die englische Fassung derselben Auswertung 544; angezeigt werden jeweils 25 Zeilen, und die letzte sichtbare Zeile trug ebenfalls den Wert 1,4 — Jackson Financial steht unmittelbar dahinter. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet, zuletzt am 26. Juli 2026; die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
- Woher der niedrige Wert stammt — geprüft, nicht angenommen: Das Ranking teilt den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale, hier also durch den operativen Mittelzufluss des Konzerns (5.758 Mio. US-Dollar im Jahr 2025; die letzten vier gemeldeten Quartale summieren sich auf 5.209 Mio.). Kundengelder sind darin nicht enthalten: Der Geschäftsbericht behandelt Einzahlungen ausdrücklich als Einlagen der Versicherungsnehmer und weist sie nicht als Ertrag aus; in der Kapitalflussrechnung stehen sie in der Finanzierungstätigkeit (2025: 27.355 Mio. Einzahlungen gegen 42.245 Mio. Auszahlungen, dazu 20.761 Mio. Umbuchungen aus Fondsdepots). Getragen wird der operative Wert von Rückrechnungen ohne Zahlungswirkung: plus 3.241 Mio. Derivateverluste, plus 1.304 Mio. aus Funds-Withheld-Rückversicherung, plus 605 Mio. aus der Garantie-Bewertung, plus 1.221 Mio. gutgeschriebene Zinsen, minus 685 Mio. übrige Posten — ausgehend von einem Konzernergebnis von 72 Mio. Die tatsächlichen Zahlungen des Absicherungsprogramms stehen in der Investitionstätigkeit: minus 1.106 Mio. (2025), minus 6.481 Mio. (2024), minus 5.475 Mio. (2023).
- Börsenwert-Gegenprobe: 69.743.104 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 28. April 2026) zum Schlusskurs von 119,28 US-Dollar vom 24. Juli 2026 ergeben rund 8,32 Mrd. US-Dollar; die Fundamentaldaten weisen 8,32 Mrd. aus (Datenstand 26. Juli 2026) — eine Abweichung von unter einem Prozent. Daraus folgen die im Text genannten Verhältnisse: rund 1,6 auf den Konzern-Mittelzufluss der letzten vier Quartale und knapp 10 auf die Hausdefinition. Die Scanner-Liste rechnet mit ihrem eigenen, täglich fortgeschriebenen Börsenwert-Stand und weist 1,4 aus.
- Kennzahlenwahl bei einem Rentenversicherer: Massgeblich sind Absatz, Kontoguthaben, Kapitalanlageergebnis, das bereinigte operative Ergebnis und die statutarische RBC-Quote. Der Altman-Z-Score, den der Scanner anzeigt, wurde für Industrieunternehmen entwickelt und ist bei einer Versicherungsbilanz ohne Aussagekraft; er wird in dieser Analyse nicht als Argument verwendet. Ein nachlaufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil das ausgewiesene Ergebnis der letzten vier Quartale negativ ist.
- Pflichtprüfung Übernahme: Es läuft keine. In der Einreichungshistorie seit dem Börsengang finden sich keine SC 13E-3, keine DEFM14A, kein Form 25 und kein Form 15; Stammaktie und Vorzugs-Hinterlegungsscheine notieren unverändert an der NYSE. Die einzige Beteiligungstransaktion ist der Einstieg von TPG Inc. mit rund 6,5 Prozent für 500 Mio. US-Dollar, angekündigt am 6. Januar 2026 und vollzogen am 11. Februar 2026 — eine Minderheitsbeteiligung samt Vermögensverwaltungsvertrag mit zugesagtem Mindesthonorar, kein Übernahmeangebot.
- Aktualitäts-Gate: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 31. März 2026 (eingereicht 5. Mai 2026); er ist vollständig ausgewertet. Alle Einreichungen danach wurden durchgesehen — 8-K vom 26.05.2026 (Hauptversammlung), 15.06.2026 (750 Mio. US-Dollar 6,150 % Senior Notes bis 2037), 25.06.2026 (Rücktritt Gregory T. Durant), 01.07.2026 (neuer Revolver über 1,25 Mrd. US-Dollar) und 22.07.2026 (Führungswechsel zum 01.10.2026). Die Aktienzahl stammt aus dem Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 28. April 2026), nicht aus dem Berichtsstichtag.
- Verwechslungsgefahr: Jackson Financial Inc. (JXN) ist die börsennotierte Holding; Jackson National Life Insurance Company ist die operative Versicherungstochter, die kein eigenes Börsenlisting hat. Ebenfalls nicht identisch sind Brooke Life Reinsurance Company und Hickory Brooke Reinsurance Company — zwei konzerneigene Rückversicherer in Michigan mit unterschiedlichem Zweck. TPG Inc. hält eine Minderheitsbeteiligung, ist aber ein eigenständiger Emittent mit eigenen SEC-Berichten.
Häufige Fragen
Weil das Ranking den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale teilt — und dabei den operativen Mittelzufluss des Konzerns verwendet, der 2025 bei 5.758 Millionen US-Dollar lag. Am 27. Juli 2026 ergab das Platz 26 der US-Auswahl bei einem Wert von 1,4. Jackson Financial selbst weist für dasselbe Jahr einen freien Mittelzufluss von 838 Millionen aus, weil die Kennzahl des Unternehmens nur die Holding misst.
Nein. Der Geschäftsbericht 2025 sagt wörtlich, Einzahlungen auf Renten- und Anlageverträge würden als Einlagen der Versicherungsnehmer behandelt und nicht als Ertrag ausgewiesen. In der Kapitalflussrechnung stehen sie deshalb in der Finanzierungstätigkeit: 27.355 Millionen US-Dollar Einzahlungen gegen 42.245 Millionen Auszahlungen im Jahr 2025. Sie fliessen also nicht in die Kennzahl ein.
Überwiegend Rückrechnungen für Posten, die kein Geld gekostet haben. Vom Konzernergebnis 2025 von 72 Millionen US-Dollar führen unter anderem plus 3.241 Millionen Derivate-Bewertungsverluste, plus 1.304 Millionen aus Funds-Withheld-Rückversicherung, plus 605 Millionen aus der Garantie-Bewertung und plus 1.221 Millionen gutgeschriebener Zinsen zu den 5.758 Millionen. Die tatsächlichen Zahlungen für die Absicherung stehen in der Investitionstätigkeit.
Weil das Unternehmen die bilanzielle Bewegung seiner Garantieverpflichtungen bewusst nicht buchhalterisch absichert. Bewegen sich Derivate und Verpflichtungen unterschiedlich, landet die Differenz im ausgewiesenen Ergebnis. Im ersten Quartal 2026 standen 361 Millionen US-Dollar operativem Ergebnis 435 Millionen ausgewiesener Verlust gegenüber. Das Unternehmen steuert deshalb über das bereinigte operative Ergebnis.
Sie wird aus dem bezahlt, was die Versicherungstochter nach oben ausschütten darf. 2025 kamen 1.115 Millionen US-Dollar bei der Holding an, nach allen Abzügen blieben 838 Millionen; die Dividende kostete 228 Millionen. Massgeblich ist die statutarische RBC-Quote der Tochter — sie lag zum 31. Dezember 2025 bei 567 Prozent nach 572 (2024) und 624 Prozent (2023).
Nein. In der Einreichungshistorie seit dem Börsengang finden sich keine SC 13E-3, keine Fusions-Einladung DEFM14A, kein Form 25 und kein Form 15. Die einzige Beteiligungstransaktion ist der Einstieg von TPG Inc. mit rund 6,5 Prozent für 500 Millionen US-Dollar, angekündigt am 6. Januar 2026 und vollzogen am 11. Februar 2026 — eine Minderheitsbeteiligung mit Vermögensverwaltungsvertrag, kein Übernahmeangebot.
Weil er für Industrieunternehmen entwickelt wurde und Fremdkapital pauschal als Gefahr wertet. Die Bilanz eines Lebensversicherers besteht aber fast vollständig aus Verpflichtungen gegenüber Kunden, denen Kapitalanlagen gegenüberstehen. Aussagekräftig sind stattdessen Absatz, Kontoguthaben, Kapitalanlageergebnis, das bereinigte operative Ergebnis und die aufsichtsrechtliche RBC-Quote.
Der Verwaltungsrat hat am 16. Juli 2026 beschlossen, dass Finanzvorstand Don W. Cummings zum 1. Oktober 2026 Vorstandsvorsitzender und Präsident wird; Brian M. Walta übernimmt die Finanzleitung. Laura L. Prieskorn tritt zum Ende des 30. September 2026 zurück und bleibt bis zum 31. Dezember 2026 als Beraterin. Beide Nachfolger kommen aus dem Unternehmen.
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