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Intuitive Machines: Der Umsatz hat sich verdreifacht — vergleichbar gerechnet ist er gefallen

Intuitive Machines: Der Umsatz hat sich verdreifacht — vergleichbar gerechnet ist er gefallen

Im ersten Quartal 2026 sprang der Umsatz von Intuitive Machines auf 186,7 Millionen US-Dollar, dreimal so viel wie im Vorjahresquartal. Nur stammen 141,6 Millionen davon aus einem Satellitenbauer, den das Unternehmen im Januar 2026 für 851,0 Millionen gekauft hat. Rechnet die Firma selbst so, als hätte ihr dieser Zukauf schon im Vorjahr gehört, sinkt der Umsatz von 218,2 auf 199,8 Millionen. Gleichzeitig stehen alle vier bisherigen NASA-Mondmissionen in den eigenen Berichten als Verlustverträge, und seit dem 2. Juni 2026 darf das Unternehmen für bis zu 500 Millionen Dollar neue Aktien in den laufenden Handel verkaufen. Keine Anlageberatung — nur die Rechnung hinter der Mondlandung.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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Intuitive Machines: Der Umsatz hat sich verdreifacht — vergleichbar gerechnet ist er gefallen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, gegen die kaum jemand immun ist, und sie hat nichts mit Gier zu tun, sondern mit Kindheit: die Staunen-Falle. Sie schnappt zu, wenn ein Unternehmen etwas tut, das größer ist als Geldverdienen. Eine Firma, die eine Sonde auf dem Mond absetzt, spricht einen Teil in dir an, der lange vor dem Taschenrechner da war. Du siehst die Bilder vom Südpol des Mondes, du hörst „erste kommerzielle Mondlandung der Geschichte“ — und in genau diesem Moment schaltet der Teil des Gehirns ab, der sonst fragt, was eine Sache kostet und wer sie bezahlt. Intuitive Machines (NASDAQ: LUNR) aus Houston ist der ehrlichste Test für diese Falle, den der US-Aktienmarkt gerade zu bieten hat: Die Firma hat wirklich zweimal auf dem Mond gelandet, sie hat wirklich einen Auftragsbestand von 1,1 Milliarden US-Dollar, und sie hat gerade einen der bekanntesten Satellitenbauer der Welt gekauft. Machen wir also einen Deal: Bevor wir über das Staunen reden, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und alles, was danach kam. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen eine zweite Geschichte neben der ersten.

Was Intuitive Machines eigentlich macht — vom Mondlander zum Satellitenkonzern

Intuitive Machines wurde 2013 in Houston gegründet, in Sichtweite des Johnson Space Center, und beschreibt sein Geschäft im Geschäftsbericht in drei Worten: Build — Connect — Operate. „Build“ heißt: Raumfahrzeuge bauen, Mondlander, Satelliten, Antriebe, Bordelektronik. „Connect“ heißt: diese Geräte in Kommunikations- und Navigationsnetze einbinden, damit sie miteinander und mit der Erde reden können. „Operate“ heißt: den Betrieb dieser Systeme als laufenden Dienst verkaufen, statt sie nur einmal auszuliefern. Der strategische Kern dahinter ist leicht zu merken: weg vom Einzelauftrag, hin zur Infrastruktur — so wie eine Baufirma, die nicht nur Mautstellen baut, sondern die Autobahn danach auch betreibt.

Die Bekanntheit kommt von den Mondlandern. Unter dem NASA-Programm CLPS (Commercial Lunar Payload Services) hat das Unternehmen vier Frachtaufträge zum Mond gewonnen. IM-1 landete im Februar 2024 als erstes kommerzielles Fluggerät überhaupt auf dem Mond, IM-2 folgte im März 2025. IM-3 ist in Arbeit und läuft laut Bericht bis März 2027, IM-4 bis August 2028. Daneben liegen große Verträge, die mit Landungen wenig zu tun haben: das Near Space Network der NASA, für das Intuitive Machines eine Satellitenkonstellation um den Mond aufbauen soll, der Lunar Terrain Vehicle-Vertrag über ein Mondfahrzeug samt schwerem Frachtlander, und Zulieferungen an das US-Verteidigungsumfeld — unter anderem Satellitenplattformen für L3Harris im Rahmen der Space Development Agency.

Zwei Dinge gehören zur Vorgeschichte, weil sie in den Akten stehen und die Zahlen bis heute prägen. Erstens: Die Firma kam nicht über einen klassischen Börsengang an die Nasdaq, sondern im Februar 2023 über eine Zweckgesellschaft — eine bereits börsennotierte Hülle namens Inflection Point Acquisition Corp., in die das Geschäft eingebracht wurde. Solche Konstruktionen hinterlassen typischerweise Optionsscheine, Erfolgsprämien für Gründer und eine mehrstufige Aktienstruktur; bei Intuitive Machines findet man alle drei bis heute in der Bilanz. Zweitens: Seit Oktober 2025 kauft das Unternehmen zu. Am 1. Oktober 2025 kam der Navigationsspezialist KinetX für 31,3 Millionen US-Dollar dazu. Und am 13. Januar 2026 folgte der große Schritt: Lanteris Space Holdings — bis kurz zuvor bekannt als Maxar Space Systems, einer der traditionsreichsten Satellitenbauer der USA — für 851,0 Millionen US-Dollar vom Finanzinvestor Advent International.

Und damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse im Raum, das sich durch jedes Kapitel zieht: Intuitive Machines ist über Nacht dreimal so groß geworden — aber die Größe ist gekauft, nicht gewachsen. Und das Kerngeschäft, mit dem die Firma berühmt wurde, verliert bei jeder einzelnen Mission Geld.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Intuitive Machines kam nicht über einen Qualitätsfilter zu uns, sondern über die Aufmerksamkeit: Der Ticker landete am 26. Juli 2026 über unseren Reddit-Hype-Scan auf der Rechercheliste. Das ist ein Aufmerksamkeitssignal, kein Qualitätsurteil — es sagt, dass viele Menschen über die Aktie reden, und sonst nichts.

Die Gegenprobe im eigenen Bestand haben wir am 27. Juli 2026 gemacht, und sie fällt eindeutig aus: In den Listen unseres hauseigenen Aktien-Scanners taucht Intuitive Machines an diesem Tag in keiner einzigen Liste auf — weder in einer Value-, noch in einer Bilanz-, Qualitäts- oder Momentum-Liste. Kein Filter, den wir betreiben, hält diese Aktie fest. Wichtig für später: Diese Listen werden täglich neu berechnet; der Befund gilt für den 27. Juli 2026 und kann morgen anders aussehen.

Merk dir den Befund gleich zu Beginn: Intuitive Machines ist bei uns kein Fundamental-Fund, sondern ein Aufmerksamkeits-Fund. Umso wichtiger ist, was in den Berichten steht.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist nicht wenig. Aus einer Firma, die 2023 noch 79,6 Millionen US-Dollar umsetzte, ist binnen drei Jahren ein Betrieb mit rund 1.695 Beschäftigten geworden (Stand nach dem Lanteris-Zukauf, laut Geschäftsbericht für 2025; zum 31. Dezember 2025 waren es noch 525). Der Auftragsbestand lag zum 31. März 2026 bei 1,1 Milliarden US-Dollar und war damit binnen drei Monaten um 842,4 Millionen gestiegen — 612,8 Millionen davon kamen mit Lanteris ins Haus, 428,9 Millionen waren echte Neuaufträge, darunter die fünfte Mondmission IM-5 und ein Verteidigungsauftrag. Zwei Mondlandungen in dreizehn Monaten hat vor dieser Firma niemand kommerziell hinbekommen. Das ist keine Kleinigkeit, und es soll hier auch nicht kleingeredet werden.

Nur: Auf der Ergebnisseite sieht es seit dem ersten Tag gleich aus.

Balkendiagramm mit Umsatz (blau) und Betriebsergebnis (rot) von Intuitive Machines in Millionen US-Dollar: 2023 Umsatz 79,6 und Betriebsergebnis minus 61,1; 2024 Umsatz 228,0 und minus 57,4; 2025 Umsatz 210,1 und minus 87,2.
Der Umsatz sprang 2024, fiel 2025 wieder — das Betriebsergebnis war in keinem Jahr positiv und 2025 mit minus 87,2 Millionen US-Dollar so schlecht wie nie. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Grafik zeigt drei Geschäftsjahre, die alle am 31. Dezember enden. 2023: 79,6 Millionen US-Dollar Umsatz, minus 61,1 Millionen Betriebsergebnis. 2024: 228,0 Millionen Umsatz — fast das Dreifache, weil der Ingenieursvertrag OMES III für die NASA voll durchlief —, minus 57,4 Millionen Betriebsergebnis. 2025: 210,1 Millionen Umsatz, ein Rückgang um 17,9 Millionen oder 8 Prozent, und minus 87,2 Millionen Betriebsergebnis. Der Rückgang 2025 hat einen konkreten Grund, den der Bericht nennt: Die NASA hat die Arbeitsaufträge des OSAM-Projekts gestrichen, allein daraus fielen rund 71,9 Millionen US-Dollar Umsatz weg. Unter dem Strich stand 2025 ein Nettoverlust von 106,8 Millionen US-Dollar, davon 83,9 Millionen den Class-A-Aktionären zurechenbar.

Und dann kam das erste Quartal 2026 — und mit ihm eine Zahl, die auf den ersten Blick alles verändert: 186,7 Millionen US-Dollar Umsatz in drei Monaten, gegenüber 62,5 Millionen im Vorjahresquartal. Fast das Dreifache. Genau hier beginnt der Teil, den man langsam lesen muss.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Umsatzsprung ist gekauft — vergleichbar gerechnet schrumpft das Geschäft

Von den 186,7 Millionen US-Dollar Quartalsumsatz sind 141,6 Millionen Produktumsatz — eine Zeile, die es im Vorjahresquartal überhaupt nicht gab, weil Intuitive Machines damals keine Produkte im bilanziellen Sinn verkaufte. Der Bericht sagt selbst, woher sie kommt:

„The result of operations of Lanteris has been included in the Company’s condensed consolidated statement of operations since the date of acquisition, January 13, 2026, and includes revenues of $141.6 million and operating income of $0.2 million for the three months ended March 31, 2026.“

Übersetzung: „Das Ergebnis der Geschäftstätigkeit von Lanteris ist seit dem Erwerbszeitpunkt, dem 13. Januar 2026, in der verkürzten Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens enthalten und umfasst für die drei Monate zum 31. März 2026 Umsatzerlöse von 141,6 Millionen US-Dollar und ein Betriebsergebnis von 0,2 Millionen US-Dollar.“

— Intuitive Machines, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 3 „Acquisitions“

Lies die zweite Zahl noch einmal: 141,6 Millionen Umsatz — und 0,2 Millionen Betriebsergebnis. Der teuerste Zukauf der Firmengeschichte, 851,0 Millionen US-Dollar schwer, hat im ersten Quartal unter seinem neuen Eigentümer 200.000 Dollar verdient. Das ist eine Marge von 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Ein Lebensmittel-Discounter arbeitet mit dem Zehn- bis Zwanzigfachen davon.

Noch aufschlussreicher ist die Vergleichsrechnung, die das Unternehmen selbst im Anhang anstellt. Sie beantwortet die Frage: Wie hätte das Quartal ausgesehen, wenn Lanteris schon am 1. Januar 2025 dazugehört hätte? Die Antwort steht in einer kleinen Tabelle: Der Umsatz läge im ersten Quartal 2026 bei 199,8 Millionen US-Dollar — gegenüber 218,2 Millionen im Vergleichsquartal 2025. Das ist kein Wachstum, das ist ein Rückgang um rund 8 Prozent. Der Nettoverlust auf dieser Vergleichsbasis liegt bei 54,4 Millionen gegenüber 47,6 Millionen im Vorjahr — er ist also gewachsen.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir zwei Bäckereien vor. Deine macht 60.000 Euro Umsatz, du kaufst die zweite dazu, und plötzlich stehen 190.000 Euro auf der Rechnung. Sieht nach Verdreifachung aus. Rechnet man aber beide Läden auch für das Vorjahr zusammen, waren es damals 218.000 Euro. Du bist nicht gewachsen — du hast dir Umsatz gekauft, und der schrumpft. Merksatz: Ein Umsatzsprung, der aus einer Kaufurkunde kommt, ist kein Wachstum, sondern eine Addition.

Was der Zukauf hingegen unbestreitbar gebracht hat, ist Größe und Zugang: 612,8 Millionen US-Dollar Auftragsbestand, 1.695 statt 525 Beschäftigte, eine echte Satellitenfertigung — und ein Betriebsverlust, der von 10,1 Millionen im ersten Quartal 2025 auf 39,2 Millionen im ersten Quartal 2026 stieg, unter anderem weil die Abschreibungen auf die gekauften immateriellen Werte von 0,6 auf 13,0 Millionen hochschnellten. Wachstum durch Zukauf ist nicht per se falsch. Es ist nur teuer, und die Rechnung steht erst am Anfang.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Alle vier Mondmissionen sind Verlustverträge

Wenn eine Firma für ihre Mondlandungen berühmt ist, erwartet man, dass genau dieses Geschäft Geld bringt. Bei Intuitive Machines ist das Gegenteil aktenkundig — und zwar für jede der bisher beauftragten Missionen. Der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 führt sie einzeln auf: IM-1 wurde zum Verlustvertrag, IM-2 im Jahr 2023, IM-3 bereits 2021, IM-4 im zweiten Quartal 2025. Ein „Verlustvertrag“ ist dabei kein Streitfall und kein Missgeschick, sondern ein Buchhaltungsbegriff mit klarer Bedeutung: Sobald absehbar ist, dass ein Auftrag mehr kostet, als er einbringt, muss der gesamte erwartete Verlust sofort in die Bücher — auch wenn die Arbeit noch Jahre dauert.

„Our IM-3 mission contract for lunar payload services became a loss contract in 2021 due to estimated contract costs exceeding the estimated amount of consideration that we expected to receive.“

Übersetzung: „Unser Vertrag über die IM-3-Mission für Nutzlastdienste zum Mond wurde 2021 zu einem Verlustvertrag, weil die geschätzten Vertragskosten den geschätzten Betrag der Gegenleistung überstiegen, mit der wir gerechnet hatten.“

— Intuitive Machines, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 4 „Revenue“, Abschnitt zu Verlustverträgen

Gelb hinterlegte und rot umrandete Passage aus dem Quartalsbericht 10-Q von Intuitive Machines zum 31. März 2026: Der IM-3-Vertrag wurde 2021 zum Verlustvertrag, im ersten Quartal 2026 kamen 2,8 Millionen US-Dollar zusätzlicher Vertragsverlust dazu, die Laufzeit reicht bis März 2027, der Vertrag ist zu 89 Prozent erfüllt und die Rückstellung beträgt 5,2 Millionen US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: IM-3 ist seit 2021 ein Verlustvertrag, im ersten Quartal 2026 kamen 2,8 Millionen US-Dollar an zusätzlich geschätzten Kosten dazu (Vorjahresquartal: 0,2 Millionen). Zum 31. März 2026 war der Vertrag zu 89 Prozent erfüllt, die Rückstellung lag bei 5,2 Millionen nach 6,5 Millionen zum Jahresende 2025. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie groß die Beträge sind, zeigt der Jahresbericht: Bei IM-3 allein stiegen die geschätzten Vertragskosten 2025 um 20,1 Millionen und 2024 um 12,5 Millionen US-Dollar — jeweils zulasten des Ergebnisses. Bei IM-2 waren es 1,0 Millionen (2025) und 9,9 Millionen (2024), bei IM-4 im ersten Jahr 1,4 Millionen. Der Grund für den größten Sprung ist im Bericht nachzulesen und fast schon symbolisch: Der IM-3-Zeitplan musste angepasst werden, damit ein selbst entwickelter Satellit rechtzeitig in die Mondumlaufbahn kommt, um die Verpflichtungen aus dem Near-Space-Network-Vertrag zu erfüllen. Ein Vertrag verzögert sich also, weil ein anderer Vertrag Vorrang hat — und der Verzug kostet Geld.

Was das praktisch bedeutet, ist unbequem: Jede Mondmission, die dieses Unternehmen bisher angenommen hat, kostet mehr, als sie einbringt. Die Landungen sind technische Erfolge und kaufmännische Zuschussgeschäfte. Wer daraus ein Geschäft machen will, muss entweder deutlich mehr verlangen oder deutlich billiger fliegen — und beides steht in den bisher veröffentlichten Zahlen noch nicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Kunde stand zuletzt für 78 Prozent des Umsatzes

Der Anhang des Geschäftsberichts für 2025 enthält einen Satz, den man zweimal lesen sollte:

„There was one major customer that accounted for 78% and 90% of the Company’s total revenue for the years ended December 31, 2025 and 2024, respectively.“

Übersetzung: „Es gab einen Großkunden, auf den 78 Prozent beziehungsweise 90 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens in den am 31. Dezember 2025 und 2024 endenden Geschäftsjahren entfielen.“

— Intuitive Machines, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang „Concentration of Credit Risks“

Gelb hinterlegte und rot umrandete Passage aus dem Geschäftsbericht 10-K von Intuitive Machines für 2025: Ein Großkunde stand für 78 Prozent des Gesamtumsatzes 2025 und 90 Prozent 2024; zum 31. Dezember 2025 entfielen auf drei Großkunden 49, 23 und 11 Prozent der Forderungen, Ende 2024 auf einen Kunden 90 Prozent.
Die markierte Stelle im Original: 78 Prozent des Jahresumsatzes 2025 und 90 Prozent des Jahresumsatzes 2024 von einem einzigen Kunden. Auf der Forderungsseite standen zum 31. Dezember 2025 drei Kunden für 49, 23 und 11 Prozent, ein Jahr zuvor ein einziger für 90 Prozent. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wer dieser eine Kunde ist, sagt der Bericht nicht ausdrücklich — er sagt aber, dass praktisch alle großen Verträge NASA-Verträge sind. Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Handwerksbetrieb, der vier von fünf Rechnungen an denselben Auftraggeber schreibt. Solange der bestellt, läuft alles. Wird sein Budget gekürzt, steht der Betrieb. Genau das ist 2025 im Kleinen passiert: Die Streichung der OSAM-Arbeitsaufträge kostete auf einen Schlag rund 71,9 Millionen US-Dollar Jahresumsatz.

Und hier gehört die faire Gegenrechnung dazu, denn sie fällt zugunsten des Unternehmens aus: Genau diese Abhängigkeit hat der Lanteris-Zukauf spürbar gelockert. Im ersten Quartal 2026 nennt der Quartalsbericht vier Großkunden mit 36, 26, 13 und 13 Prozent des Umsatzes — im Vorjahresquartal war es noch ein einziger mit 78 Prozent. Aus einem Klumpenrisiko sind vier geworden. Das ist ein echter Fortschritt, und er ist einer der wenigen Punkte, an denen die 851,0 Millionen US-Dollar Kaufpreis unmittelbar etwas Sichtbares gekauft haben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kasse hat sich in einem Quartal mehr als halbiert

Zum 31. Dezember 2025 lagen 582,6 Millionen US-Dollar auf den Konten von Intuitive Machines. Drei Monate später waren es 231,6 Millionen. Der Bericht nennt die Lage nüchtern:

„As of March 31, 2026, the Company had cash and cash equivalents of $231.6 million and working capital of $89.8 million.“

Übersetzung: „Zum 31. März 2026 verfügte das Unternehmen über Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente von 231,6 Millionen US-Dollar und ein Nettoumlaufvermögen von 89,8 Millionen US-Dollar.“

— Intuitive Machines, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“

Gelb hinterlegte und rot umrandete Passage aus dem Quartalsbericht 10-Q von Intuitive Machines zum 31. März 2026: Zahlungsmittel von 231,6 Millionen US-Dollar und Nettoumlaufvermögen von 89,8 Millionen; darunter der Absatz zum Kauf von Lanteris Space Holdings für 851,0 Millionen US-Dollar aus 403,3 Millionen Barmitteln, 43,7 Millionen Transaktionsboni und 22.991.028 Class-A-Aktien im Wert von 404,0 Millionen.
Die markierte Stelle im Original: 231,6 Millionen US-Dollar Kasse und 89,8 Millionen Nettoumlaufvermögen zum 31. März 2026. Der Absatz darunter erklärt den Rückgang — für Lanteris flossen 403,3 Millionen in bar ab. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der größte Brocken ist erklärt: 403,3 Millionen US-Dollar gingen bar für Lanteris weg. Aber daneben steht eine zweite Zahl, die weniger Aufmerksamkeit bekommt und mehr über den laufenden Betrieb sagt: Aus dem operativen Geschäft flossen im ersten Quartal 2026 54,8 Millionen US-Dollar ab — im Vorjahresquartal waren es noch 19,4 Millionen Zufluss. Das Vorzeichen hat sich gedreht.

Zur Bilanz gehört noch ein Punkt, der auf den ersten Blick alarmierend aussieht und eine Erklärung braucht: Das der Gesellschaft zurechenbare Eigenkapital ist mit minus 334,3 Millionen US-Dollar negativ. Das klingt nach Überschuldung, ist hier aber vor allem eine Folge der Konzernstruktur. Intuitive Machines ist eine sogenannte Up-C-Konstruktion: Die operative Gesellschaft ist eine LLC, an der die Gründer direkt Anteile halten. Diese Anteile — zum 31. März 2026 mit 1.057,8 Millionen US-Dollar bewertet — stehen bilanziell nicht im Eigenkapital, sondern in einer Zwischenschicht namens Mezzanine. Rechnet man sie hinzu, ist die Bilanz nicht überschuldet. Trotzdem bleibt der Befund ernst: Von 1.717,9 Millionen Bilanzsumme sind 684,0 Millionen Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte aus den Zukäufen — rund 40 Prozent. Das ist Substanz, die man nicht anfassen kann, und die bei einer Fehlkalkulation abgeschrieben werden muss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: 38,5 Millionen neue Aktien in einem Quartal — und 500 Millionen Dollar dürfen noch folgen

Verwässerung ist der Fachbegriff für etwas sehr Einfaches: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke geschnitten werden. Bei Intuitive Machines wurde der Kuchen im ersten Quartal 2026 kräftig neu geschnitten. Die Zahl der ausstehenden Class-A-Aktien stieg von 121.281.880 zum 31. Dezember 2025 auf 159.819.721 zum 31. März 2026 — ein Plus von 38,5 Millionen Stück oder rund 32 Prozent in drei Monaten. Zwei Vorgänge stecken dahinter: 22.991.028 Aktien gingen als Teil des Kaufpreises an den Verkäufer von Lanteris (bewertet mit 17,57 US-Dollar je Stück am Erwerbstag), und am 27. Februar 2026 verkaufte das Unternehmen 11.574.069 Aktien zu 15,12 US-Dollar an institutionelle Investoren und nahm damit 175,0 Millionen US-Dollar ein.

Wasserfalldiagramm zur Aktienzahl von Intuitive Machines in Millionen Stück: 160,5 Millionen Class-A-Aktien, plus 56,6 Millionen tauschbare Class-C-Aktien, plus 26,3 Millionen Aktien aus der Wandelanleihe, zusammen 243,3 Millionen.
Wer wissen will, durch wie viele Stücke der Gewinn eines Tages geteilt wird, muss drei Zahlen addieren: 160,5 Millionen Class-A-Aktien (Stand 7. Mai 2026), 56,6 Millionen Class-C-Aktien, die eins zu eins in Class A tauschbar sind, und 26,3 Millionen Aktien, die bei voller Wandlung der Anleihe von 2025 entstehen können — zusammen 243,3 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die drei Bausteine im Einzelnen: Auf dem Deckblatt des Quartalsberichts stehen zum 7. Mai 2026 160.452.309 Class-A-Aktien, null Class-B-Aktien und 56.568.640 Class-C-Aktien. Die Class-C-Aktien gehören den Gründern und lassen sich zusammen mit den zugehörigen LLC-Anteilen eins zu eins in Class A tauschen — sie sind also wirtschaftlich schon heute Teil des Kuchens. Dazu kommt die im August 2025 begebene Wandelanleihe über 345,0 Millionen US-Dollar mit 2,500 Prozent Zins, fällig am 1. Oktober 2030: Bei einem Wandlungspreis von 13,1125 US-Dollar entstehen daraus bis zu 26.310.770 zusätzliche Aktien. Zusammen 243,3 Millionen Stück.

Und die Reihe ist nicht zu Ende. Am 2. Juni 2026 wurde eine Registrierung bei der SEC wirksam, die dem Unternehmen erlaubt, Class-A-Aktien für bis zu 500,0 Millionen US-Dollar direkt in den laufenden Börsenhandel zu verkaufen — ein sogenanntes „at the market“-Programm, umgesetzt über zehn Banken, die dafür bis zu 3,0 Prozent Provision bekommen. Das ist kein einmaliges Ereignis mit Ankündigung und Preis, sondern ein Dauerhahn: Das Unternehmen kann jederzeit und ohne weitere Meldung Stück für Stück verkaufen. Für Anleger heißt das zweierlei — die Liquiditätsfrage ist auf Jahre hinaus entschärft, und über dem Kurs hängt zugleich ein dauerhaftes Angebot. Wie schnell Verwässerung eine Anlagegeschichte auffressen kann, haben wir an einem noch drastischeren Fall durchgerechnet: bei Lucas GC, wo aus 40 Aktien erst eine wurde und vier Monate später 40 Millionen neue dazukamen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Drei Gründer, 52 Prozent der Stimmen — über Aktien ohne Anspruch auf Gewinn

Jetzt zu der Aktiengattung, die auf keinem Kursticker auftaucht und trotzdem entscheidet, wem das Unternehmen gehört. Der Geschäftsbericht beschreibt sie so:

„Each holder of Class C Common Stock is entitled to three votes for each share of Class C Common Stock held of record in person or by proxy on all matters submitted to a vote of the holders of Class C Common Stock, whether voting separately as a class or otherwise. Class C Common Stock does not have rights to the economics of the Company nor to receive dividend distributions, except in limited circumstances.“

Übersetzung: „Jeder Inhaber von Class-C-Stammaktien hat für jede von ihm gehaltene Class-C-Stammaktie drei Stimmen, persönlich oder durch Bevollmächtigte, bei allen Angelegenheiten, die den Inhabern von Class-C-Stammaktien zur Abstimmung vorgelegt werden, unabhängig davon, ob getrennt als Gattung abgestimmt wird oder nicht. Class-C-Stammaktien haben keine Rechte an der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und keinen Anspruch auf Dividendenausschüttungen, außer in eng begrenzten Fällen.“

— Intuitive Machines, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Class C Common Stock“

Gelb hinterlegte und rot umrandete Passage aus dem Geschäftsbericht 10-K von Intuitive Machines für 2025: Jede Class-C-Aktie gewährt drei Stimmen, hat aber keine Rechte an der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und keinen Anspruch auf Dividenden; das Halten ist auf die Gründer Kamal Ghaffarian, Stephen Altemus und Timothy Crain beschränkt.
Die markierte Stelle im Original: drei Stimmen je Aktie, keine Rechte an der Wirtschaftlichkeit, keine Dividende — und das Halten ist ausdrücklich auf die drei Gründer Kamal Ghaffarian, Stephen Altemus und Timothy Crain sowie zulässige Rechtsnachfolger beschränkt. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir es nach: 56,6 Millionen Class-C-Aktien mal drei Stimmen ergibt rund 169,7 Millionen Stimmen — gegen 160,5 Millionen Stimmen aller Class-A-Aktionäre zusammen. Der Bericht formuliert das Ergebnis selbst: Zum 11. März 2026 kontrollierten die Gründer rund 52 Prozent der kombinierten Stimmrechte. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du bezahlst den Kuchen, du bekommst dein Stück, aber wer über das Rezept entscheidet, steht vorher fest. Für Anleger heißt das ganz konkret: Bei einer Übernahme, einem Verkauf von Unternehmensteilen oder einem Streit über die Vergütung entscheidet nicht die Mehrheit des eingesetzten Kapitals.

Wie stabil diese Lage ist, zeigen zwei Meldungen aus dem Juli 2026, die man nebeneinanderlegen sollte. Am 1. Juli 2026 meldete Ghaffarian Enterprises, LLC — die Gesellschaft von Verwaltungsratsvorsitzendem Kamal Ghaffarian —, in den vorangegangenen 60 Tagen 709.545 Class-A-Aktien über die Börse verkauft zu haben, im Rahmen eines im Dezember 2025 aufgesetzten Verkaufsplans. Sechs Tage später, am 7. Juli 2026, folgte die Meldung über einen neuen Plan vom 2. Juli 2026 über bis zu 1.935.568 weitere Class-A-Aktien. Die Begründung steht wörtlich im Dokument: „solely to generate liquidity“ — allein, um Liquidität zu schaffen. Solche Pläne sind völlig legal und werden gerade deshalb im Voraus festgelegt, damit niemand den Vorwurf des Insiderhandels erheben kann. Bemerkenswert ist trotzdem die Richtung: Während das Unternehmen neue Aktien ausgibt, gibt der größte Einzeleigentümer welche ab. Insgesamt hält Ghaffarian nach eigener Meldung 38.429.036 Aktien beziehungsweise 19,7 Prozent — die 1,9 Millionen des neuen Plans sind also ein kleiner Teil davon. Aber die Richtung ist die Richtung.

Was die Aktie kostet — und was dahintersteckt

Wir nennen hier keine Tageskurse; sie wären morgen falsch. Stattdessen rechnen wir mit einem Kurs, der in einem SEC-Dokument steht und ein Datum trägt: Der Prospektnachtrag (424B5) vom 3. Juni 2026 nennt als Schlusskurs vom 1. Juni 2026 einen Wert von 38,21 US-Dollar je Class-A-Aktie an der Nasdaq. Zur Einordnung, wie schnell es dorthin ging: Am 1. Oktober 2025 bewertete das Unternehmen die für KinetX ausgegebenen Aktien mit 10,61 US-Dollar, am 13. Januar 2026 die für Lanteris ausgegebenen mit 17,57, und am 27. Februar 2026 platzierte es neue Aktien zu 15,12. Alle vier Werte stehen in Pflichtmeldungen und tragen ein Datum.

Mit 217,0 Millionen Aktien — Class A plus die eins zu eins tauschbaren Class C — ergibt sich daraus eine Größenordnung von rund 8,3 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Stand 1. Juni 2026). Setzt man das ins Verhältnis zum Umsatz, wird die Erwartung sichtbar, die im Kurs steckt. Gemessen am Jahresumsatz 2025 von 210,1 Millionen sind das etwa das 40-Fache. Fairer ist die Rechnung nach dem Zukauf, und dafür gibt der Bericht selbst die Zahlen her: Das Unternehmen erwartet, 60 bis 65 Prozent des Auftragsbestands von 1,1 Milliarden US-Dollar im Rest des Jahres 2026 als Umsatz zu erfassen — das wären 660 bis 715 Millionen zusätzlich zu den 186,7 Millionen des ersten Quartals, zusammen also grob 850 bis 900 Millionen US-Dollar. Auf dieser Basis liegt der Börsenwert beim rund 9- bis 10-Fachen des Umsatzes. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden — es gibt keinen Gewinn, und die eigene Analystenschätzung für das laufende Jahr steht bei minus 0,22 US-Dollar je Aktie (Datenstand 26. Juli 2026).

Ein Hinweis zur Sorgfalt: Der Börsenwert, den Fundamentaldaten-Anbieter für diese Aktie ausweisen, weicht zum Datenstand 26. Juli 2026 um mehr als das Dreifache von der obigen Rechnung ab — er beruht auf einem deutlich älteren Kursstand. Wir haben ihn deshalb nicht verwendet und mit ihm keine davon abgeleitete Kennzahl. Alle Bewertungsangaben in dieser Analyse stehen auf der Aktienzahl aus dem Quartalsbericht und dem im Prospekt dokumentierten Kurs.

Der Blick der Profis fällt freundlicher aus als unsere Rechnung: Acht Analysten führen die Aktie (Datenstand 26. Juli 2026) — vier mit der höchsten Kaufstufe, einer mit Kaufen, zwei mit Halten, einer mit Verkaufen; das mittlere Kursziel liegt bei rund 41 US-Dollar. Das ist eine Wette darauf, dass aus Auftragsbestand irgendwann Marge wird. Sie kann aufgehen. Sie ist aber genau das: eine Wette auf etwas, das in den bisher veröffentlichten Zahlen noch nicht steht. Wer sehen will, wie weit Erwartung und Zahlenwerk auseinanderklaffen können, findet bei Fermi Inc. den Extremfall — dort steht dem Versprechen bislang gar kein Umsatz gegenüber.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Der Auftragsbestand ist echt und gewachsen. 1,1 Milliarden US-Dollar zum 31. März 2026, ein Plus von 842,4 Millionen in drei Monaten. Davon waren 428,9 Millionen echte Neuaufträge, darunter die fünfte Mondmission und ein Verteidigungsauftrag. Das Unternehmen erwartet, 60 bis 65 Prozent davon noch 2026 in Umsatz zu verwandeln.
  • Die Kundenabhängigkeit ist deutlich kleiner geworden. Aus einem Kunden mit 78 Prozent des Jahresumsatzes 2025 wurden im ersten Quartal 2026 vier Großkunden mit 36, 26, 13 und 13 Prozent. Genau dafür war der Zukauf gedacht, und genau das hat er geliefert.
  • Die Finanzierung ist auf Jahre gesichert. 231,6 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, dazu seit dem 2. Juni 2026 die Möglichkeit, für bis zu 500,0 Millionen Aktien in den Markt zu verkaufen. Die Wandelanleihe über 345,0 Millionen läuft erst am 1. Oktober 2030 aus und kostet nur 2,500 Prozent Zins.
  • Aus Einzelaufträgen sollen Dienste werden. Der Near-Space-Network-Vertrag über eine Satellitenkonstellation um den Mond ist der erste Baustein für wiederkehrende Erlöse statt Meilenstein-Abrechnung — der Bericht nennt genau das als Kern der Strategie.
  • Politischer Rückenwind. Mond- und Weltraumprogramme sind in den USA sowohl zivil als auch sicherheitspolitisch verankert; Intuitive Machines ist einer von zwei Auftragnehmern für die Direktdatendienste des Near Space Network und alleiniger Auftragnehmer für dessen Datenrelais.

Risiken

  • Vergleichbar gerechnet schrumpft der Umsatz. Die eigene Vergleichsrechnung des Unternehmens weist für das erste Quartal 2026 199,8 Millionen US-Dollar gegen 218,2 Millionen im Vorjahresquartal aus — ein Minus von rund 8 Prozent. Der sichtbare Sprung stammt aus der Kaufurkunde, nicht aus dem Betrieb.
  • Das Kerngeschäft verliert Geld. Alle vier bisher beauftragten Mondmissionen sind in den eigenen Berichten Verlustverträge. Allein bei IM-3 stiegen die geschätzten Kosten 2025 um 20,1 Millionen und im ersten Quartal 2026 um weitere 2,8 Millionen US-Dollar.
  • Der Zukauf verdient bisher nichts. Lanteris steuerte im ersten Quartal 2026 zwar 141,6 Millionen US-Dollar Umsatz bei, aber nur 0,2 Millionen Betriebsergebnis — bei einem Kaufpreis von 851,0 Millionen. 684,0 Millionen der Bilanzsumme sind Firmenwert und immaterielle Werte.
  • Der Mittelabfluss hat das Vorzeichen gewechselt. Aus 19,4 Millionen US-Dollar operativem Zufluss im ersten Quartal 2025 wurden 54,8 Millionen Abfluss im ersten Quartal 2026. Das Betriebsergebnis verschlechterte sich von minus 10,1 auf minus 39,2 Millionen.
  • Dauerhafte Verwässerung. Plus 38,5 Millionen Class-A-Aktien allein im ersten Quartal 2026, dazu 56,6 Millionen tauschbare Class-C-Aktien, 26,3 Millionen aus der Wandelanleihe und ein laufendes Programm über bis zu 500,0 Millionen US-Dollar.
  • Stimmrechte ohne Kapitalbeteiligung. Drei Gründer kontrollieren über eine Gattung ohne Gewinnanspruch rund 52 Prozent der Stimmen (Stand 11. März 2026). Gleichzeitig verkauft die Gesellschaft des Verwaltungsratsvorsitzenden planmäßig Aktien — zuletzt mit einem am 2. Juli 2026 aufgesetzten Plan über bis zu 1.935.568 Stück.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Staunen-Falle vom Anfang? An den Moment, in dem das Bild vom Mond den Taschenrechner ausschaltet? Intuitive Machines ist deshalb ein so guter Test, weil hier beides gleichzeitig wahr ist — und keine Seite die andere aufhebt. Diese Firma hat zweimal auf dem Mond gelandet, wo vor ihr kein privates Unternehmen gelandet ist. Sie hat einen der bekanntesten Satellitenbauer der Welt übernommen. Sie hat 1,1 Milliarden US-Dollar an Aufträgen in den Büchern und rund 1.695 Menschen auf der Gehaltsliste. Nichts davon ist Fantasie.

Und trotzdem gilt: Von den 851,0 Millionen US-Dollar, die für Lanteris bezahlt wurden, sind im ersten Quartal 0,2 Millionen Betriebsergebnis zurückgekommen. Vergleichbar gerechnet ist der Umsatz gefallen, nicht gestiegen. Jede Mondmission, die dieses Unternehmen bisher angenommen hat, kostet mehr, als sie einbringt. Und wer heute kauft, zahlt rund das Neun- bis Zehnfache des Umsatzes, den die Firma sich für 2026 selbst zutraut — für einen Betrieb, der seit dem Börsengang in keinem einzigen Jahr ein positives Betriebsergebnis ausgewiesen hat.

Was daraus folgt, ist keine Empfehlung, sondern eine Frage, die du dir selbst beantworten musst: Kaufst du eine Firma, deren Geschichte großartig ist und deren Rechnung noch nicht aufgeht — in der Hoffnung, dass aus Auftragsbestand irgendwann Marge wird? Wer Ja sagt, wettet darauf, dass die Satellitenfertigung skaliert und die Mondlandungen mit der Zeit billiger werden. Wer Nein sagt, verweist auf vier Verlustverträge, ein negatives Betriebsergebnis in jedem Jahr seit dem Börsengang und einen Aktienzähler, der schneller steigt als der Umsatz.

Wenn du in den nächsten Berichten nur auf drei Zahlen schauen willst, dann auf diese: das Betriebsergebnis (zuletzt minus 39,2 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026), den operativen Mittelfluss (zuletzt minus 54,8 Millionen) und die Zahl der Class-A-Aktien auf dem Deckblatt des Quartalsberichts (zuletzt 160.452.309 zum 7. Mai 2026). Ändern sich diese drei in dieselbe Richtung, ändert sich die ganze Geschichte. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine individuelle Empfehlung. Aktien junger Raumfahrtunternehmen sind besonders schwankungsanfällig; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten SEC-Berichten und tragen deren Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Intuitive Machines, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Auftragslage und Marktzugang positiv
Der Auftragsbestand lag zum 31. März 2026 bei 1,1 Milliarden US-Dollar und war binnen drei Monaten um 842,4 Millionen gestiegen — 612,8 Millionen davon mit Lanteris erworben, 428,9 Millionen echte Neuaufträge, darunter die fünfte Mondmission IM-5. Intuitive Machines ist einer von zwei Auftragnehmern für die Direktdatendienste des Near Space Network der NASA und alleiniger Auftragnehmer für dessen Datenrelais.
Wachstumsqualität negativ
Der Umsatzsprung von 62,5 auf 186,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 stammt zu 141,6 Millionen aus dem am 13. Januar 2026 gekauften Satellitenbauer Lanteris. Die eigene Vergleichsrechnung des Unternehmens weist auf gleicher Basis 199,8 Millionen gegen 218,2 Millionen im Vorjahresquartal aus — ein Rückgang um rund 8 Prozent. Lanteris trug 141,6 Millionen Umsatz, aber nur 0,2 Millionen Betriebsergebnis bei.
Ertragskraft negativ
Das Betriebsergebnis war seit dem Börsengang in keinem Jahr positiv: −61,1 Millionen US-Dollar (2023), −57,4 Millionen (2024), −87,2 Millionen (2025) und −39,2 Millionen allein im ersten Quartal 2026 nach −10,1 Millionen im Vorjahresquartal. Alle vier bisher beauftragten Mondmissionen sind in den eigenen Berichten Verlustverträge; bei IM-3 stiegen die geschätzten Kosten 2025 um 20,1 Millionen und im ersten Quartal 2026 um weitere 2,8 Millionen.
Bilanz und Liquidität neutral
Die Kasse fiel von 582,6 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 231,6 Millionen (31. März 2026), vor allem wegen 403,3 Millionen Barzahlung für Lanteris; der operative Mittelfluss drehte von +19,4 auf −54,8 Millionen. Dem stehen ein Zinssatz von nur 2,500 Prozent auf die Wandelanleihe von 345,0 Millionen mit Fälligkeit 2030 und das seit 2. Juni 2026 laufende Aktienprogramm über bis zu 500,0 Millionen gegenüber. Das der Gesellschaft zurechenbare Eigenkapital ist mit −334,3 Millionen negativ, was strukturell an der Holdingform liegt.
Verwässerung negativ
Die Zahl der Class-A-Aktien stieg von 121.281.880 (31. Dezember 2025) auf 159.819.721 (31. März 2026) — plus 32 Prozent in einem Quartal. Hinzu kommen 56.568.640 eins zu eins tauschbare Class-C-Aktien und bis zu 26.310.770 Aktien aus der Wandelanleihe, zusammen 243,3 Millionen Stück, sowie ein seit 2. Juni 2026 laufendes Programm über bis zu 500,0 Millionen US-Dollar.
Eigentümer und Stimmrechte negativ
Die Gründer Ghaffarian, Altemus und Crain kontrollierten zum 11. März 2026 rund 52 Prozent der kombinierten Stimmrechte über Class-C-Aktien, die drei Stimmen je Stück tragen, aber laut Geschäftsbericht keine Rechte an der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens haben. Ghaffarian Enterprises meldete am 1. Juli 2026 den Verkauf von 709.545 Class-A-Aktien binnen 60 Tagen und am 7. Juli 2026 einen neuen Plan über bis zu 1.935.568 weitere Aktien.

Intuitive Machines hat zweimal auf dem Mond gelandet, 1,1 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand in den Büchern und mit Lanteris einen der bekanntesten Satellitenbauer der Welt übernommen. Der Umsatzsprung des ersten Quartals 2026 auf 186,7 Millionen US-Dollar ist aber gekauft: 141,6 Millionen stammen aus dem Zukauf, und auf vergleichbarer Basis fiel der Umsatz von 218,2 auf 199,8 Millionen. Alle vier bisherigen Mondmissionen sind Verlustverträge, das Betriebsergebnis war seit dem Börsengang in keinem Jahr positiv, die Kasse halbierte sich in einem Quartal auf 231,6 Millionen, und die Zahl der Class-A-Aktien stieg allein von Januar bis März 2026 um 32 Prozent. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft ist echt und finanziert: 1,1 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand, 231,6 Millionen Kasse zum 31. März 2026, eine Wandelanleihe mit nur 2,500 Prozent Zins und Laufzeit bis 2030 sowie ein Aktienprogramm über bis zu 500,0 Millionen. Einen Hinweis auf gefährdete Unternehmensfortführung gibt es nicht; das negative bilanzielle Eigenkapital von −334,3 Millionen ist strukturell durch die Holdingform bedingt, weil 1.057,8 Millionen Anteile Dritter in einer Zwischenschicht stehen. Offen ist die operative Kernfrage, und sie ist groß: Das Betriebsergebnis war seit dem Börsengang in keinem Jahr positiv, alle vier Mondmissionen sind Verlustverträge, der 851 Millionen teure Zukauf brachte im ersten Quartal 0,2 Millionen Betriebsergebnis, und 684,0 Millionen der Bilanzsumme sind Firmenwert und immaterielle Werte. Das ist kein Substanzbefund, aber auch keine belegte Ertragskraft — deshalb gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Intuitive Machines über den Reddit-Hype-Scan vom 26. Juli 2026. Die Gegenprobe im eigenen Bestand am 27. Juli 2026 ergab: In den Listen unseres hauseigenen Aktien-Scanners steht die Aktie an diesem Tag in keiner einzigen Liste — weder Value noch Bilanz, Qualität oder Momentum. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Aktualitäts-Stand: Grundlage sind der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 19. März 2026 und der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 15. Mai 2026. Alle danach eingereichten Dokumente wurden durchgesehen — Registrierung und Prospektnachtrag (S-3ASR/424B5) vom 3. Juni 2026, Meldungen (8-K) vom 3. und 8. Juni 2026, Schwellenmeldungen (Schedule 13D/A) vom 1. und 7. Juli 2026, Schedule 13G vom 15. Juli 2026 sowie Insider-Meldungen (Form 4) und Verkaufsanzeigen (Form 144) aus Juni und Juli 2026.
  • Zur Bewertung: Der Börsenwert ist keine Feed-Zahl, sondern gerechnet aus 217,0 Millionen Aktien (Class A plus tauschbare Class C laut Deckblatt des 10-Q, Stand 7. Mai 2026) und dem letzten in einem Filing dokumentierten Kurs von 38,21 US-Dollar (Schlusskurs 1. Juni 2026 laut Prospektnachtrag vom 3. Juni 2026). Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten weicht davon um mehr als das Dreifache ab und wurde deshalb samt aller davon abgeleiteten Kennzahlen nicht verwendet. Achtung bei Verwechslungen: Die frühere Firmierung Inflection Point Acquisition Corp. war eine Zweckgesellschaft (SPAC) ohne eigenes Geschäft; Zahlen aus der Zeit vor Februar 2023 sind nicht vergleichbar.

Häufige Fragen

Intuitive Machines baut Mondlander, Satelliten und Raumfahrt-Elektronik und betreibt Kommunikations- und Navigationsdienste im Weltraum. Die Firma landete im Februar 2024 als erstes kommerzielles Unternehmen auf dem Mond und wiederholte das im März 2025. Zum 31. Dezember 2025 hatte sie 525 Beschäftigte; nach dem Zukauf von Lanteris im Januar 2026 sind es laut Geschäftsbericht rund 1.695.

Von den 186,7 Millionen US-Dollar Quartalsumsatz stammen 141,6 Millionen aus dem am 13. Januar 2026 gekauften Satellitenbauer Lanteris. Die eigene Vergleichsrechnung des Unternehmens zeigt: Hätte Lanteris schon 2025 dazugehört, wäre der Umsatz von 218,2 auf 199,8 Millionen gefallen. Der Sprung entsteht durch Addition, nicht durch Wachstum.

Ein Verlustvertrag liegt vor, wenn die geschätzten Kosten eines Auftrags die erwartete Vergütung übersteigen. Der erwartete Verlust muss dann sofort vollständig gebucht werden. Der Geschäftsbericht für 2025 führt IM-1, IM-2, IM-3 und IM-4 als Verlustverträge auf. Allein bei IM-3 stiegen die geschätzten Kosten 2025 um 20,1 Millionen US-Dollar.

Am 13. Januar 2026 übernahm Intuitive Machines für 851,0 Millionen US-Dollar den Satellitenbauer Lanteris Space Holdings — vorher Maxar Space Systems — vom Finanzinvestor Advent International. Bezahlt wurde mit 403,3 Millionen in bar, 43,7 Millionen Transaktionsboni und 22.991.028 eigenen Class-A-Aktien im Wert von 404,0 Millionen.

Das der Gesellschaft zurechenbare Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei minus 334,3 Millionen US-Dollar. Grund ist die Holdingstruktur: Die Anteile der Gründer an der operativen LLC stehen mit 1.057,8 Millionen nicht im Eigenkapital, sondern in einer Zwischenschicht der Bilanz. Rechnet man sie hinzu, ist die Bilanz nicht überschuldet.

Die drei Gründer Kamal Ghaffarian, Stephen Altemus und Timothy Crain kontrollierten zum 11. März 2026 rund 52 Prozent der kombinierten Stimmrechte. Möglich macht das die Class-C-Aktie: Sie gewährt drei Stimmen je Stück, hat aber laut Geschäftsbericht keine Rechte an der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und keinen Dividendenanspruch.

Die Zahl der Class-A-Aktien stieg von 121,3 Millionen zum 31. Dezember 2025 auf 159,8 Millionen zum 31. März 2026. Dazu kommen 56,6 Millionen tauschbare Class-C-Aktien und bis zu 26,3 Millionen Aktien aus der Wandelanleihe — zusammen 243,3 Millionen. Seit dem 2. Juni 2026 darf das Unternehmen zusätzlich für bis zu 500,0 Millionen US-Dollar Aktien im laufenden Handel verkaufen.

Zum 31. März 2026 lagen 231,6 Millionen US-Dollar in der Kasse, nach 582,6 Millionen zum Jahresende 2025. Im ersten Quartal 2026 flossen 54,8 Millionen aus dem laufenden Betrieb ab. Das Management hält die Mittel für ausreichend, um den Geschäftsplan mindestens zwölf Monate ab Veröffentlichung des Berichts zu finanzieren; dazu kommt das Aktienprogramm über bis zu 500,0 Millionen.

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