Innovative Aerosystems: Der Gewinn springt um 84 Prozent — der eigene Quartalsbericht erklärt, warum das kein Wachstumssprung ist
Innovative Aerosystems (Nasdaq: IA, bis August 2026 ISSC) baut Cockpit-Elektronik für Verkehrsflugzeuge, Businessjets und Militärmaschinen. Im Quartal bis zum 30. Juni 2026 kletterte die Bruttomarge auf 51,7 Prozent nach 35,6 Prozent ein Jahr zuvor, der Nettogewinn stieg von 2,4 auf 4,5 Millionen US-Dollar. In demselben Bericht stehen aber auch ein Steuersatz von 10,5 statt 21,5 Prozent, ein F-16-Geschäft, das von 12,6 auf 5,7 Millionen US-Dollar geschrumpft ist, und eine Pro-forma-Tabelle, nach der Umsatz und Gewinn auf Neunmonatssicht gesunken wären. Keine Anlageberatung — nur die Frage, welcher Teil dieses Gewinnsprungs im nächsten Jahr noch da ist.
Stand heute
Stand: 24. August 2026
- Schlusskurs
- 21,00 $ -2,40 %
- Marktkapitalisierung
- 0,4 Mrd. $
- Wachstums-Score
- 6/10
- AAQS
- 7/10
Kursentwicklung seit 27. August 2026: -0,8 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 8,30 $ bis 30,60 $ · Letzter Kurs: 21,00 $ (Stand: 24. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt einen Reflex, der uns allen eingebaut ist, und er hat einen unscheinbaren Namen: die Prozent-Falle. Sie funktioniert so. Du liest eine Schlagzeile — „Gewinn je Aktie plus 79 Prozent", „Bruttomarge auf Rekordniveau" —, und dein Kopf hat die Bewertung schon fertig, bevor du auch nur eine Zeile des Berichts gelesen hast. Prozentzahlen fühlen sich objektiv an. Sie sind es aber nur zur Hälfte: Jede Prozentzahl hat einen Zähler und einen Nenner, und der Nenner ist das Vorjahr. Wer den Nenner nicht kennt, kennt die Zahl nicht. Innovative Aerosystems — so tritt die Gesellschaft seit dem 6. Oktober 2025 unter ihrem Handelsnamen auf; rechtlich heißt sie weiterhin Innovative Solutions and Support, Inc., und bis zum 18. August 2026 handelte die Aktie an der Nasdaq unter dem Kürzel ISSC, seither unter „IA" — hat am 13. August 2026 einen Quartalsbericht vorgelegt, der genau diesen Reflex auslöst. Machen wir also einen Deal: Bevor du dir eine Meinung über die Prozentzahlen bildest, lesen wir gemeinsam den Bericht, aus dem sie stammen — den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, die Ergebnismitteilung desselben Tages und fünf Telefonkonferenzen der letzten zwölf Monate. Der Bericht liefert die Gegenrechnung nämlich selbst mit. Am Ende entscheidest du.
Was Innovative Aerosystems eigentlich macht
Innovative Aerosystems baut Avionik — die Elektronik, die im Cockpit sitzt. Übersetzt in ein Alltagsbild: alles, was der Pilot sieht, drückt und dem er glaubt. Flachbildschirme statt Rundinstrumenten. Luftdatensysteme, die aus dem Druck der Luft Geschwindigkeit und Höhe errechnen. Autothrottle — ein Tempomat für die Triebwerke. Autopiloten, Flugmanagement-Rechner, Missionsrechner. Das Unternehmen wurde 1988 in Pennsylvania gegründet, sitzt in Exton bei Philadelphia, ging am 4. August 2000 an die Nasdaq und beschäftigte zum 30. September 2025 147 Vollzeitkräfte — nach 133 ein Jahr zuvor. Rund 37 Prozent davon arbeiten in der Entwicklung; 171 Patente hält die Firma nach eigener Angabe.
Verkauft wird in zwei Richtungen. Erstens als Erstausrüstung an Flugzeugbauer: Pilatus, Textron, Boeing. Zweitens — und das ist der größere Hebel — als Nachrüstung für alternde Flotten, vom Frachtflugzeug über den Businessjet bis zum Militärjet. Ein Frachter aus den 1990ern bekommt ein modernes Cockpit, ohne dass jemand ein neues Flugzeug kaufen muss. Dieses Nachrüstgeschäft trägt die höchsten Margen, weil es keine Rabattschlacht mit dem Flugzeughersteller gibt.
Gewachsen ist das Unternehmen in den letzten Jahren vor allem auf einem Weg: Zukäufe. 2023 und 2024 übernahm es von Honeywell mehrere Produktlinien, darunter die F-16-Elektronik — digitale Flugsteuerungsrechner und Displaygeneratoren für den meistgebauten westlichen Kampfjet. Im Februar 2026 folgte die Autopilot-Linie S-TEC von Moog für 3,5 Millionen US-Dollar, Ende März 2026 weitere Honeywell-Produktlinien (Navigationsfunk, Multifunktionsdisplays, Transponder, Stromerzeugung, zwei weitere Autopiloten), und am 21. Juli 2026 der erste komplette Betrieb: Aydin Displays aus Birdsboro, Pennsylvania, für 24,5 Millionen US-Dollar in bar, finanziert vollständig über die Kreditlinie. Aydin baut robuste Displays für Marine-, Boden- und Luftanwendungen, hat rund 50 Beschäftigte und soll im Kalenderjahr 2026 etwa 16 Millionen US-Dollar Umsatz erwirtschaften. Der neue Name, der neue Ticker, das Fernziel von 250 Millionen US-Dollar Jahresumsatz — alles gehört zu derselben Erzählung: Aus dem Nischen-Instrumentenbauer soll ein integrierter Avionik-Plattformanbieter werden.
Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes weitere Kapitel zieht: Die Rekordmarge des Unternehmens entsteht ausgerechnet dort, wo das Geschäft gerade schrumpft — im Militärteil. Und das Wachstum, das die Zukäufe bringen sollen, ist in den Zahlen noch nicht angekommen.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2000
Börsengang an der Nasdaq
Am 4. August 2000 geht der 1988 in Pennsylvania gegründete Instrumentenbauer aus Exton unter dem Kürzel ISSC an die Nasdaq — ein Nischenwert, der die nächsten zwei Jahrzehnte unter diesem Kürzel gehandelt wird.
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2023
Erste große Produktlinien von Honeywell
Mit den übernommenen Honeywell-Linien, darunter die F-16-Elektronik, verdoppelt sich die Umsatzbasis binnen zwei Jahren. Für Aktionäre beginnt damit die Phase, in der Zukäufe das Wachstum tragen.
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2025
Kreditlinie über bis zu 100 Millionen US-Dollar
Am 18. Juli 2025 schließt das Unternehmen eine Kreditlinie über bis zu 100 Millionen US-Dollar (mit Option auf 125 Millionen) ab, Laufzeit bis Juli 2030 — der Finanzrahmen für die Zukäufe der folgenden Monate.
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2025
Rekordjahr und neuer Markenname
84,3 Millionen US-Dollar Umsatz und 15,6 Millionen Gewinn im Geschäftsjahr bis zum 30. September; am 6. Oktober 2025 tritt das Unternehmen zusätzlich unter dem Handelsnamen Innovative Aerosystems auf — rechtlich bleibt es Innovative Solutions and Support, Inc.
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2026
Drei Zukäufe im Frühjahr, Aydin im Juli
Moog-Autopilot für 3,5 Millionen, weitere Honeywell-Linien im März und Aydin Displays für 24,5 Millionen US-Dollar im Juli. Die Finanzschulden steigen binnen eines Jahres von 23,3 auf rund 79 Millionen.
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2026
Russell-2000-Aufnahme und Tickerwechsel zu „IA"
Am 29. Juni kommt die Aufnahme in den US-Nebenwerteindex, am 18. August der Wechsel des Kürzels von ISSC zu IA. Für Anleger ändert sich damit vor allem, wer die Aktie hält — Ende Juli meldete BlackRock erstmals gut 1,0 Millionen Aktien.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Auf die Rechercheliste kam Innovative Aerosystems nicht über einen Kursausbruch, sondern über den Quartalsbericht vom 13. August 2026 — genauer: über die Lücke zwischen zwei Zahlen darin. Der Gewinn vor Steuern stieg im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 61,2 Prozent, der Gewinn nach Steuern um 83,7 Prozent. Wenn zwei Wachstumsraten desselben Quartals 22 Prozentpunkte auseinanderliegen, liegt der Unterschied nicht im Geschäft, sondern in der Steuerzeile. Das ist immer einen zweiten Blick wert.
Dazu kamen zwei Ereignisse, die im selben Monat für Aufmerksamkeit sorgten: die Aufnahme in den Russell-2000-Index am 29. Juni 2026 — was in aller Regel Indexfonds zum Kauf zwingt — und der Wechsel des Börsenkürzels von ISSC auf „IA" zum Handelsstart am 18. August 2026. Beides sagt nichts über den Wert des Unternehmens aus, verändert aber, wer die Aktie hält: Ende Juli 2026 meldete BlackRock erstmals einen Anteil von 1.043.570 Aktien — bei 17.899.173 ausstehenden Aktien entspricht das rund 5,8 Prozent. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Ein neuer Ticker und ein Indexeintritt sind Etiketten. Die Zahlen darunter ändern sie nicht.
Die Zahlen über die Jahre
Erst das, was wirklich beeindruckt — und das ist eine Menge. Der Umsatz stieg von 23,0 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2021 auf 84,3 Millionen im Geschäftsjahr 2025, das am 30. September 2025 endete. Der Nettogewinn kletterte im selben Zeitraum von 5,1 auf 15,6 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen war in jedem einzelnen dieser fünf Jahre profitabel — eine Selbstverständlichkeit ist das bei einem Nebenwert dieser Größe nicht. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 kamen 70,9 Millionen US-Dollar Umsatz (plus 14,3 Prozent) und 12,0 Millionen Nettogewinn dazu; für das Schlussquartal stellt das Management 28 bis 30 Millionen US-Dollar in Aussicht.
Auch die Bilanz spricht zunächst für das Unternehmen. Der operative Mittelzufluss lag in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 bei 15,5 Millionen US-Dollar nach 10,3 Millionen im Vorjahreszeitraum; nach Investitionen in Sachanlagen von 3,2 Millionen blieb ein freier Mittelzufluss von 12,3 Millionen US-Dollar — mehr als das Doppelte der 4,8 Millionen des Vorjahreszeitraums. Der Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2026 bei 82,9 Millionen US-Dollar — rund 10,5 Millionen über dem Vorjahreswert von 72,4 Millionen und 5,5 Millionen über dem Stand zum Geschäftsjahresbeginn (30. September 2025). Und die Kundenabhängigkeit hat sich dramatisch verbessert: Im Vorjahresquartal standen zwei Kunden für 52 und 8 Prozent des Umsatzes, im dritten Quartal 2026 waren es vier Kunden mit 21, 10, 8 und 6 Prozent. Wer je einen Zulieferer gesehen hat, der an einem einzigen Abnehmer hing, weiß, wie viel dieser Übergang wert ist.
So weit die Habenseite. Sie ist echt, sie ist belegt, und sie gehört an den Anfang. Nur erklärt sie nicht, warum die Bruttomarge in fünf Quartalen zwischen 35,6 und 63,2 Prozent geschwankt ist.
Was das Management versprochen hat — und was daraus wurde
Wer ein Management beurteilen will, braucht keinen Charakterbogen, sondern ein Archiv. Fünf öffentliche Telefonkonferenzen zwischen dem 14. August 2025 und dem 13. August 2026 liegen vor. Man kann sie wie ein Protokoll lesen: Was wurde angekündigt, was ist eingetreten?
Versprochen und gehalten — die Umsatzprognosen. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 nannte Finanzchef Jeffrey DiGiovanni im Dezember 2025 eine Spanne von 18 bis 20 Millionen US-Dollar; es wurden 21,8 Millionen. Für das zweite Quartal 20 bis 22 Millionen; es wurden 22,4 Millionen. Für das dritte Quartal 24 bis 26 Millionen; es wurden 26,7 Millionen. Drei Prognosen, drei Mal am oberen Rand oder darüber. Für das Schlussquartal stehen nun 28 bis 30 Millionen im Raum. Das ist ein Muster, kein Zufall — und es spricht für ein Management, das lieber untertreibt.
Versprochen und gehalten — die F-16-Erholung. Schon im August 2025 kündigte das Unternehmen an, dass die F-16-Umsätze im Schlussquartal 2025 einbrechen und dann wieder anziehen würden, weil die Fertigung von Honeywell nach Exton verlegt wurde. Genau so kam es. Im Mai 2026 nannte der Vorstandsvorsitzende Shahram Askarpour eine dauerhafte Größenordnung von „3 bis 5 Millionen US-Dollar pro Quartal"; im dritten Quartal 2026 waren es 5,7 Millionen, und er bestätigte den Rahmen: „we're hitting that kind of $5 million range per quarter that we think is sustainable long term" — sinngemäß: Wir treffen jetzt die Größenordnung von 5 Millionen je Quartal, die wir langfristig für tragfähig halten.
Gedreht — die Margen-Erzählung. Hier lohnt der Vergleich zweier Sätze im Abstand von drei Monaten. Am 14. Mai 2026 sagte der Finanzchef: „We continue to expect our gross margins to be in the mid-40% range over the long term … As our military business ramps back up, which has lower gross margins, we would expect our gross margins to normalize." Sinngemäß: Wir erwarten langfristig weiter eine Bruttomarge im mittleren 40er-Bereich; wenn das Militärgeschäft wieder anzieht, das niedrigere Margen hat, dürfte sich die Marge normalisieren. Am 13. August 2026 klang dieselbe Frage beim Vorstandsvorsitzenden so: „around 50% is … seems to be where we're heading … our ultimate goal is to try to keep it there" — rund 50 Prozent scheinen der Weg zu sein, und unser letztliches Ziel ist es, dort zu bleiben. Aus „mittlerer 40er-Bereich, und es wird wieder runtergehen" wurde binnen eines Quartals „rund 50 Prozent, und da wollen wir bleiben". Der Finanzchef verlegte sich im selben Gespräch auf eine andere Kennzahl: „we're really focusing on the EBITDA margin, where we've said before about 25% to 30%".
Noch offen — die zugekauften Umsätze. Im Mai 2026 bezifferte der Vorstandsvorsitzende die drei Zukäufe des Quartals so: „Together, these transactions are projected to contribute $10 million in annual revenue with a blended gross margin profile of approximately 50%" — zusammen sollen sie 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz bei rund 50 Prozent Bruttomarge beisteuern. Der Quartalsbericht vom 13. August 2026 nennt für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 dagegen nur 2,3 Millionen US-Dollar Umsatz aus den erworbenen Geschäften. Die Zukäufe liefen zu diesem Zeitpunkt gut vier bis fünf Monate mit; hochgerechnet wären das rund 6 Millionen im Jahr — deutlich unter den angekündigten 10 Millionen. Das muss kein gebrochenes Versprechen sein: Produktlinien-Übernahmen brauchen Zertifizierungen, Werkzeuge und Zulieferverträge, und der Vorstandsvorsitzende sagte im Februar 2026 selbst, solche Übergänge würden „for five to six months" geplant und dauerten „roughly more like nine months". Es ist aber die eine Zahl, an der man das Wachstumsversprechen in einem Jahr messen wird.
Der Ton insgesamt. In der Fragerunde bleibt das Management auskunftsfreudig und konkret — es nennt F-16-Umsätze in Dollar, korrigiert Analysten, beziffert Bandbreiten. Zwei Stellen sind trotzdem auffällig. Erstens die Definition von „organisch": Im Februar und Mai 2026 hieß es, das organische Wachstum werde im Geschäftsjahr 2026 „essentially flat" bleiben; im August wurde daraus ein organisches Plus von „over 40%" — allerdings nach Herausrechnen des F-16-Geschäfts aus beiden Zeiträumen und der Zukäufe. Beide Aussagen sind für sich richtig, sie messen nur Verschiedenes. Zweitens der Vertragswert des ersten eVTOL-Auftrags: Auf die Frage nach den genannten 50 Millionen US-Dollar wich der Vorstandsvorsitzende aus und nannte sie „kind of a nominal number" — eine ungefähre Größe. Die Bedingung dahinter nannte erst Finanzchef Jeffrey DiGiovanni: Der Wert setzt voraus, dass alle über 400 bestellten Fluggeräte gebaut werden. Erste Lieferungen sind für Ende 2027 geplant, die volle Produktion für 2028.
Die Nachrechnung: Was vom Gewinnsprung übrig bleibt
Jetzt zur eigentlichen Arbeit. Der Nettogewinn des dritten Quartals 2026 stieg von 2.443.814 auf 4.489.323 US-Dollar, also um 83,7 Prozent; je verwässerter Aktie von 0,14 auf 0,25 US-Dollar, also um 78,6 Prozent. Diese Zahlen sind korrekt. Sie stehen aber auf vier Stützen, die man einzeln anfassen muss.
Stütze eins: der Steuersatz. Der effektive Steuersatz des Quartals lag bei 10,5 Prozent, im Vorjahresquartal bei 21,5 Prozent. Der Bericht nennt den Grund selbst:
„The effective tax rate for the three months ended June 30, 2026 was 10.5% and differs from the statutory tax rate primarily due to the effect of temporary and permanent tax differences related to stock-based compensation and favorable return to provision adjustments.“
Übersetzung: „Der effektive Steuersatz für die drei Monate bis zum 30. Juni 2026 lag bei 10,5 Prozent und weicht vom gesetzlichen Steuersatz vor allem wegen temporärer und dauerhafter Steuerdifferenzen im Zusammenhang mit aktienbasierter Vergütung sowie günstiger Anpassungen zwischen Steuererklärung und Rückstellung ab.“
— Innovative Solutions and Support, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Note 4 „Income Taxes“
Rechnen wir gegen: Der Vorsteuergewinn lag bei 5.017.138 US-Dollar. Mit dem Vorjahressatz von 21,5 Prozent wären daraus rund 3,94 Millionen US-Dollar Nettogewinn geworden — bei 18.270.332 verwässerten Aktien also etwa 0,22 statt 0,25 US-Dollar je Aktie. Rund drei der elf zusätzlichen Cent kommen damit nicht aus dem Geschäft, sondern aus der Steuerzeile. Und dass es sich um eine Ausnahme handelt, sagt derselbe Bericht zwei Zeilen tiefer: Für die ersten neun Monate liegt der effektive Satz bei 21,8 Prozent.
Stütze zwei: das gedrückte Vorjahresquartal. Die Bruttomarge sprang von 35,6 auf 51,7 Prozent. Das klingt nach einem Effizienzsprung, ist aber zu großen Teilen ein Basiseffekt. Im dritten Quartal 2025 lieferte Honeywell noch die F-16-Elektronik und baute dabei auf eigene Kosten Sicherheitsbestände auf, um die Produktionsverlagerung nach Exton zu überbrücken — mit einer Bruttomarge von unter 25 Prozent auf diesen Umsätzen, wie der Finanzchef damals ausdrücklich erklärte. Wer die 51,7 Prozent nicht gegen dieses eine schwache Quartal hält, sondern gegen die Reihe, sieht ein anderes Bild.
Und noch etwas gehört zu dieser Stütze: Die Marge stieg weil das margenschwache Militärgeschäft schrumpfte. Der Quartalsbericht rechnet es vor — plus 4,0 Millionen US-Dollar im kommerziellen Nachrüstgeschäft, plus 2,1 Millionen in der Geschäftsluftfahrt, plus 1,3 Millionen bei Dienstleistungen, aber minus 4,9 Millionen im Militärgeschäft. Über neun Monate ist das Militärgeschäft um 10,8 Millionen US-Dollar gefallen. Das ist die unbequeme Seite der Rekordmarge: Sie ist ein Mix-Effekt. Genau deshalb hatte der Finanzchef im Mai 2026 gewarnt, die Marge werde sich „normalisieren", sobald das Militärgeschäft wieder anzieht — und genau das ist das erklärte Ziel des Unternehmens.
Stütze drei: die Pro-forma-Tabelle im Anhang. Das ist der Befund, der am meisten erklärt und am wenigsten Beachtung findet. Wenn ein Unternehmen zukauft, muss es im Anhang zeigen, wie die Zahlen ausgesehen hätten, wären die Zukäufe schon im Vorjahr dabei gewesen. Innovative Aerosystems hat das für die neun Monate bis 30. Juni getan, mit dem hypothetischen Erwerbszeitpunkt 1. Oktober 2024. Das Ergebnis:
Man muss diese Tabelle richtig einordnen. Sie sagt nicht, dass das Unternehmen schrumpft — sie sagt, dass die zugekauften Produktlinien unter ihren früheren Eigentümern deutlich mehr Umsatz gemacht haben, als sie bisher unter dem neuen Dach machen. Das ist bei Produktlinien-Übernahmen üblich, solange Zertifizierungen, Werkzeuge und Lieferketten übertragen werden. Es ist aber auch der ehrlichste verfügbare Vergleich auf gleicher Basis — und er zeigt: Der Zuwachs, den die Schlagzeile meldet, ist zu einem erheblichen Teil ein Zusammenzähl-Effekt und noch kein neu gewonnenes Geschäft. Ob die Zukäufe ihr Versprechen einlösen, entscheidet sich in den Berichten der nächsten vier Quartale.
Stütze vier: die bereinigte Kennzahl. Neben dem Gewinn nach den US-Bilanzregeln (GAAP) von 0,25 US-Dollar je Aktie nennt die Ergebnismitteilung ein „bereinigtes" Ergebnis von 0,33 US-Dollar. Bereinigt wird vor allem um die Amortisation erworbener immaterieller Vermögenswerte — also um die Abschreibung dessen, was bei den Zukäufen bezahlt wurde. Das ist branchenüblich und für sich nicht zu beanstanden. Nur: Der zurückgerechnete Betrag von 1.299.934 US-Dollar entspricht exakt der gesamten Abschreibungs- und Amortisationszeile des Quartals, während der Quartalsbericht die Amortisation der erworbenen immateriellen Werte mit 911.678 US-Dollar beziffert und die Abschreibung auf Sachanlagen separat mit 441.491 US-Dollar. Rund 388.000 US-Dollar gewöhnliche Abschreibung auf Gebäude und Maschinen werden also mit herausgerechnet — auf Neunmonatssicht sind es rund 1,3 Millionen. Merksatz: Eine bereinigte Zahl ist nur so gut wie die Liste dessen, was bereinigt wurde.
Was in den Berichten steht: die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein einziges Programm trug gut ein Drittel
Die Kundenkonzentration ist gefallen — die Programmkonzentration nicht. Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 schreibt es unter die Risikofaktoren:
„The F-16 program, which consists of multiple production and sustainment contracts, is our largest program and represented 36.7% of our total consolidated net sales in 2025. A decision by the U.S. Government, international partners, or FMS customer countries to cut spending on this program or reduce or delay planned orders would have an adverse impact on our business and results of operations.“
Übersetzung: „Das F-16-Programm, das aus mehreren Produktions- und Instandhaltungsverträgen besteht, ist unser größtes Programm und machte 2025 36,7 Prozent unseres gesamten konsolidierten Nettoumsatzes aus. Eine Entscheidung der US-Regierung, internationaler Partner oder von Kundenländern des Foreign-Military-Sales-Programms, die Ausgaben für dieses Programm zu kürzen oder geplante Bestellungen zu reduzieren oder zu verschieben, hätte nachteilige Auswirkungen auf unser Geschäft und unser Betriebsergebnis.“
— Innovative Solutions and Support, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1A „Risk Factors“
Hier greifen zwei Befunde ineinander. Das F-16-Geschäft ist im Vergleich zum Vorjahresquartal von 12,6 auf 5,7 Millionen US-Dollar gefallen — das drückt den Anteil und hebt die Marge. Zugleich hält das Management diese 5 Millionen je Quartal für die nachhaltige Größe und will das Militärgeschäft ausbauen. Beides zusammen heißt: Der Anteil des margenschwachen Militärgeschäfts soll wieder steigen. Wer die 51,7 Prozent Bruttomarge in die Zukunft fortschreibt, schreibt damit implizit fort, dass der wichtigste Wachstumsplan des Unternehmens nicht aufgeht. Wie schwer solche Programmklumpen wiegen, hat unsere Analyse zu CPI Aerostructures an einem anderen Zulieferer gezeigt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Vier Fünftel des Eigenkapitals sind gekaufte Werte
Zum 30. Juni 2026 weist die Bilanz 147,96 Millionen US-Dollar Bilanzsumme und 77,20 Millionen Eigenkapital aus. Auf der Aktivseite stehen davon 15,77 Millionen Geschäfts- oder Firmenwert (der Aufpreis über den Substanzwert bei Zukäufen — im Alltagsbild: der Betrag, den man über den reinen Sachwert hinaus für Kundenbeziehungen und Ruf gezahlt hat) und 46,03 Millionen immaterielle Vermögenswerte, zusammen 61,81 Millionen US-Dollar. Das sind 42 Prozent der Bilanzsumme und rund 80 Prozent des Eigenkapitals. Zieht man beides ab, bleibt ein materielles Eigenkapital von etwa 15,4 Millionen US-Dollar — bei 17.899.173 ausstehenden Aktien (Stand 31. Juli 2026) also rund 0,86 US-Dollar je Aktie.
Das ist kein Bilanzskandal, sondern die logische Folge einer Zukauf-Strategie. Es verändert aber die Risikorechnung: Solange die übernommenen Produktlinien liefern, ist der Buchwert gerechtfertigt. Bleiben sie hinter den Erwartungen zurück — und die Pro-forma-Tabelle wirft genau diese Frage auf —, ist eine Wertberichtigung buchhalterisch die nächste Konsequenz. Eine solche Abschreibung kostet kein Bargeld, aber sie frisst Eigenkapital, und Kreditverträge hängen an Eigenkapitalgrößen. Zur Größenordnung: Die Amortisation der Zukäufe belastet das Ergebnis auf Sicht bereits planmäßig — allein für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026 nennt der Bericht 1,39 Millionen US-Dollar, für das Geschäftsjahr 2027 sind 5,94 Millionen vorgesehen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die gemeldete Verschuldung ist drei Wochen alt
„Unser Verschuldungsgrad lag am Quartalsende bei 1,4 — trotz der jüngsten Zukäufe" — dieser Satz aus der Telefonkonferenz vom 13. August 2026 ist richtig und trotzdem irreführend, wenn man ihn als Gegenwartsaussage liest. Er bezieht sich auf den 30. Juni 2026: 54,5 Millionen US-Dollar Finanzschulden, 10,7 Millionen Kasse, also 43,8 Millionen Nettoverschuldung, geteilt durch die bereinigte EBITDA-Größe der letzten zwölf Monate von 31,5 Millionen. Am 21. Juli 2026, also drei Wochen nach dem Stichtag, nahm das Unternehmen für die Übernahme von Aydin Displays weitere 24,5 Millionen US-Dollar unter derselben Kreditlinie auf. Diese Summe steht in keiner der genannten Kennzahlen.
Zur Einordnung: Ein Jahr zuvor, zum 30. Juni 2025, lagen die Finanzschulden bei 23,3 Millionen US-Dollar. Sie haben sich seither also mehr als verdoppelt und liegen nach dem Aydin-Kauf bei rund 79 Millionen. Das ist für ein Unternehmen mit 15,5 Millionen operativem Mittelzufluss in neun Monaten kein akutes Problem, und die Kreditlinie über bis zu 100 Millionen US-Dollar (mit Option auf 125 Millionen) läuft bis Juli 2030. Die Zinslast wächst aber sichtbar mit: 1,02 Millionen US-Dollar Zinsaufwand im dritten Quartal 2026 gegenüber 0,41 Millionen im Vorjahresquartal — eine Verzweieinhalbfachung, die vom Vorsteuergewinn abgeht.
Ein zweiter Punkt gehört in dasselbe Kapitel: Der operative Mittelzufluss des Quartals allein fiel von 7,21 auf 5,09 Millionen US-Dollar, obwohl der Gewinn um 84 Prozent stieg. Der Grund steckt im Umlaufvermögen — die Vorräte wuchsen seit dem 30. September 2025 von 25,80 auf 32,08 Millionen US-Dollar, die Forderungen von 12,96 auf 15,98 Millionen. Wachstum bindet Geld; das ist normal. Wer aber die Neunmonatszahl „freier Mittelzufluss plus 155 Prozent" liest, sollte wissen, dass das jüngste Quartal für sich genommen weniger Geld erzeugt hat als das Vorjahresquartal.
Bewertung
Am 27. August 2026 schloss die Aktie bei 21,17 US-Dollar. Bei 17.899.173 ausstehenden Aktien ergibt das einen Börsenwert von rund 379 Millionen US-Dollar. Über die zurückliegenden zwölf Monate (Schlussquartal des Geschäftsjahres 2025 plus die ersten neun Monate 2026) summieren sich 93,2 Millionen US-Dollar Umsatz und rund 19,1 Millionen Nettogewinn, entsprechend rund 1,05 US-Dollar je verwässerter Aktie. Daraus folgen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4,1. Rechnet man die Nettoverschuldung inklusive der Aydin-Finanzierung hinzu, liegt der Unternehmenswert bei etwa 447 Millionen US-Dollar oder gut dem Vierzehnfachen der bereinigten EBITDA-Größe der letzten zwölf Monate. Der Buchwert je Aktie beträgt 4,31 US-Dollar, das materielle Eigenkapital 0,86 US-Dollar je Aktie.
Wie ist das einzuordnen? Ein KGV von 20 ist für einen wachsenden Avionik-Zulieferer mit 50-Prozent-Bruttomarge kein exotischer Preis — Astronics, ein größerer Nachbar im selben Markt, liegt in ähnlichen Regionen; wir haben ihn in einer eigenen Analyse ausführlich betrachtet. Es ist aber ein Preis, der unterstellt, dass die Gewinnbasis trägt. Genau da setzen die Befunde dieser Analyse an: Der Zwölfmonatsgewinn enthält ein Quartal mit 10,5 Prozent Steuersatz und ein Quartal (das Schlussquartal 2025) mit einem einmaligen Steuergutschrift-Effekt aus dem US-Beschäftigungsprogramm der Pandemiejahre in Höhe von 1,8 Millionen US-Dollar brutto, den der Finanzchef selbst als „onetime benefit" bezeichnete. Beides fällt weg. Die Analystenschätzungen spiegeln das: Für das laufende Geschäftsjahr liegt der Konsens bei rund 1,13 US-Dollar je Aktie, für das folgende bei rund 1,03 (Datenstand 27. August 2026) — die Profis rechnen also damit, dass der ausgewiesene Gewinn je Aktie im nächsten Jahr wieder sinkt. Eine Dividende zahlt das Unternehmen nicht. Die 52-Wochen-Spanne der Aktie reichte von 8,13 bis 30,94 US-Dollar; das ist keine Kennzahl, aber ein Hinweis darauf, wie schnell sich die Erwartungen hier drehen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Nachrüstmarkt mit Rückenwind: Alternde Verkehrs-, Fracht- und Militärflotten brauchen moderne Cockpits. Das Nachrüstgeschäft wuchs im dritten Quartal 2026 um 4,0 Millionen US-Dollar und trägt die höchsten Margen.
- Vom Bauteil zur Plattform: Mit den Autopiloten von Moog und Honeywell, den eigenen Displays, Luftdaten- und Flugmanagement-Systemen und nun den Aydin-Displays kann das Unternehmen komplette Cockpits liefern statt einzelner Geräte — das erhöht den Umsatz je Flugzeug.
- Erster Serienauftrag für die neue Plattform: Ein japanischer Hersteller elektrischer Senkrechtstarter (eVTOL) hat im August 2026 Hauptdisplay und Avionik-Architektur für sein Fluggerät bestellt — der erste Auftrag für das „Liberty Flight Deck". Entwicklungsarbeit ab dem Schlussquartal 2026, erste Serie Ende 2027.
- Deutlich breitere Kundenbasis: Der größte Abnehmer stand im dritten Quartal 2026 für 21 Prozent des Umsatzes nach 52 Prozent ein Jahr zuvor.
- Finanzierungsspielraum: Zum 30. Juni 2026 standen 53,7 Millionen US-Dollar an Liquidität und freien Kreditlinien zur Verfügung, die Fazilität läuft bis Juli 2030.
Risiken
- Die Marge lebt vom Mix: 51,7 Prozent Bruttomarge entstehen, weil das margenschwache Militärgeschäft um 4,9 Millionen US-Dollar gefallen ist. Zieht es wie geplant wieder an, sinkt die Marge — das hat der Finanzchef im Mai 2026 selbst angekündigt.
- Zukäufe liefern noch nicht: 2,3 Millionen US-Dollar Umsatz aus den erworbenen Geschäften in neun Monaten gegenüber der Ankündigung von 10 Millionen jährlich. Pro forma wären Umsatz und Gewinn auf Neunmonatssicht gefallen.
- Programmklumpen F-16: 36,7 Prozent des Konzernumsatzes im Geschäftsjahr 2025; Kürzungen oder Verschiebungen durch die US-Regierung oder Partnerländer träfen direkt.
- Bilanzqualität: Rund 80 Prozent des Eigenkapitals sind Geschäfts- oder Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte aus Zukäufen; bleiben die Produktlinien hinter den Erwartungen, droht eine Wertberichtigung.
- Steigende Zinslast und junge Schulden: 1,02 Millionen US-Dollar Zinsaufwand im Quartal nach 0,41 Millionen im Vorjahresquartal; nach dem Aydin-Kauf rund 79 Millionen Finanzschulden gegenüber 23,3 Millionen ein Jahr zuvor.
- Enger Handel: Bei knapp 17,9 Millionen Aktien — davon rund 6 Prozent bei Direktoren und Management (laut Aktionärsunterlage zur Hauptversammlung, Proxy, vom März 2026) — ist die Aktie schwankungsanfällig; die 52-Wochen-Spanne von 8,13 bis 30,94 US-Dollar zeigt das.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Prozent-Falle vom Anfang? Sie ist hier besonders elegant gestellt, weil das Unternehmen niemanden täuscht. Alles, was diese Analyse gegen die Schlagzeile stellt, steht in denselben Dokumenten wie die Schlagzeile selbst: der Steuersatz von 10,5 Prozent, das gedrückte Vorjahresquartal, die Pro-forma-Tabelle, das um 4,9 Millionen US-Dollar gefallene Militärgeschäft. Man muss nur weiterlesen als bis zur ersten Aufzählung der Pressemitteilung.
Was bleibt, ist ein durchaus solides Bild — und eine offene Frage. Solide: ein Nischenanbieter, der in fünf Jahren jedes Jahr Geld verdient hat, der seine eigenen Quartalsprognosen dreimal in Folge übertroffen hat, der seine Kundenabhängigkeit halbiert hat und dessen Nachrüstgeschäft echten Rückenwind hat. Offen: ob die Zukäufe der letzten drei Jahre irgendwann das Geschäft mitbringen, das sie unter ihren früheren Eigentümern hatten — und ob eine Bruttomarge um 50 Prozent hält, wenn genau das Militärgeschäft zurückkommt, das die Firma ausbauen will.
Die nächsten beiden Berichte werden das beantworten. Im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 wird man sehen, wie viel Umsatz die erworbenen Geschäfte über zwölf Monate wirklich beigetragen haben; im ersten Bericht des Geschäftsjahres 2027 wird man sehen, was die Aydin-Displays wert sind und was sie an Zinsen kosten. Bis dahin gilt: Der Gewinnsprung ist echt, aber er ist nicht wiederholbar wie er ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen und Transparenz
- SEC-Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, eingereicht am 13. August 2026 — Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Kundenkonzentration, Steuerquote, Pro-forma-Angaben, Ereignisse nach dem Bilanzstichtag
- SEC-Formular 8-K vom 13. August 2026 mit Anlage 99.1 — Ergebnismitteilung zum dritten Quartal 2026, Non-GAAP-Überleitungen, angekündigter Tickerwechsel
- SEC-Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 23. Dezember 2025 — Geschäftsmodell, Mitarbeiterzahl, Risikofaktoren, F-16-Anteil, Jahreszahlen 2023 bis 2025
- SEC-Formular 8-K vom 21. Juli 2026 — Übernahme von Aydin Displays für 24,5 Millionen US-Dollar
- SEC-Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und zum 31. Dezember 2025 — Quartalsverlauf des Geschäftsjahres 2026
- Öffentliche Telefonkonferenzen des Unternehmens zu den Quartalsergebnissen vom 14. August 2025, 18. Dezember 2025, 12. Februar 2026, 14. Mai 2026 und 13. August 2026 — Prognosen, Margenaussagen, F-16-Größenordnungen, Zukauf-Erwartungen
- Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q) für Kurs, Börsenwert, 52-Wochen-Spanne, Aktionärsstruktur und Analystenschätzungen; Datenstand 27. August 2026
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktieninvestments können zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag; sie können sich seit der Veröffentlichung geändert haben. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 23,0 | 27,7 | 34,8 | 47,2 | 84,3 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 3,9 | 7,2 | 7,4 | 9,7 | 20,1 |
| Nettogewinn | 5,1 | 5,5 | 6,0 | 7,0 | 15,6 |
| Nettomarge | 22,0 % | 19,9 % | 17,3 % | 14,8 % | 18,5 % |
| Gewinn je Aktie | 0,29 $ | 0,32 $ | 0,35 $ | 0,40 $ | 0,88 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Wachstum & Profitabilität positiv
- Umsatz von 23,0 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2021) auf 84,3 Millionen (2025), Nettogewinn von 5,1 auf 15,6 Millionen; in jedem dieser fünf Jahre profitabel. In den neun Monaten bis 30.06.2026 kamen 70,9 Millionen Umsatz und 12,0 Millionen Gewinn dazu.
- Prognosetreue des Managements positiv
- Drei Quartalsprognosen in Folge übertroffen: 18 bis 20 Millionen angekündigt, 21,8 geliefert; 20 bis 22 angekündigt, 22,4 geliefert; 24 bis 26 angekündigt, 26,7 geliefert (Telefonkonferenzen vom 18.12.2025, 12.02.2026, 14.05.2026 und 13.08.2026). Auch die im August 2025 angekündigte F-16-Delle und die anschließende Erholung traten wie beschrieben ein.
- Qualität des Gewinnsprungs negativ
- Der Nettogewinn des Quartals bis 30.06.2026 stieg um 83,7 Prozent, der Vorsteuergewinn nur um 61,2 Prozent — der Unterschied kommt aus einem effektiven Steuersatz von 10,5 statt 21,5 Prozent, rund drei Cent je Aktie. Das Vorjahresquartal war durch den F-16-Produktionsumzug gedrückt, und das bereinigte Ergebnis rechnet 1.299.934 US-Dollar als Amortisation zurück, während der Bericht 911.678 US-Dollar dafür ausweist.
- Beitrag der Zukäufe negativ
- Aus den erworbenen Geschäften kamen in neun Monaten bis 30.06.2026 nur 2,3 Millionen US-Dollar Umsatz — angekündigt waren im Mai 2026 rund 10 Millionen jährlich. Die Pro-forma-Tabelle desselben Berichts zeigt auf gleicher Basis 71,0 statt 77,0 Millionen Umsatz und 10,3 statt 12,8 Millionen Gewinn.
- Bilanz & Verschuldung neutral
- Eigenkapital 77,20 Millionen US-Dollar zum 30.06.2026, davon rund 80 Prozent Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte. Finanzschulden 54,5 Millionen nach 23,3 Millionen ein Jahr zuvor, zuzüglich 24,5 Millionen für Aydin Displays am 21.07.2026. Dem stehen 12,3 Millionen freier Mittelzufluss in neun Monaten und eine bis Juli 2030 laufende Kreditlinie gegenüber.
- Marktstellung & Klumpen neutral
- Die Kundenkonzentration ist stark gefallen — der größte Abnehmer stand im Quartal bis 30.06.2026 für 21 Prozent nach 52 Prozent im Vorjahresquartal. Das F-16-Programm machte im Geschäftsjahr 2025 aber weiterhin 36,7 Prozent des Konzernumsatzes aus und ist laut Geschäftsbericht das größte Programm.
Innovative Aerosystems ist ein durchgehend profitabler Avionik-Nischenanbieter, der seinen Umsatz in vier Jahren nahezu vervierfacht und seine Kundenabhängigkeit halbiert hat. Der Gewinnsprung des Quartals bis 30.06.2026 steht aber auf einem Steuersatz von 10,5 Prozent, einem gedrückten Vorjahresquartal und einem um 4,9 Millionen US-Dollar geschrumpften Militärgeschäft; die Pro-forma-Tabelle des eigenen Berichts zeigt auf gleicher Basis ein Minus. Offen bleibt, ob die fünf Zukäufe der letzten drei Jahre das versprochene Geschäft mitbringen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil das Geschäft grundsätzlich trägt, eine wesentliche operative Frage aber offen ist. Für das Unternehmen sprechen fünf profitable Jahre in Folge, ein von 23,0 auf 84,3 Millionen US-Dollar gewachsener Umsatz, 12,3 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss in neun Monaten, eine Kundenkonzentration, die sich von 52 auf 21 Prozent halbiert hat, und ein Management, das seine eigenen Quartalsprognosen dreimal in Folge übertroffen hat. Dagegen steht die zentrale offene Frage dieser Analyse: Die zugekauften Produktlinien haben in neun Monaten 2,3 Millionen US-Dollar Umsatz beigetragen, angekündigt waren rund 10 Millionen jährlich — und die Pro-forma-Tabelle des Unternehmens selbst zeigt auf gleicher Basis ein Minus von 7,7 Prozent beim Umsatz und 19,8 Prozent beim Gewinn. Dazu kommt, dass die Rekord-Bruttomarge ein Mix-Effekt des um 4,9 Millionen US-Dollar gefallenen Militärgeschäfts ist, das wieder wachsen soll. Für Rot reicht das nicht: Es gibt keinen Hinweis auf ein Substanzrisiko, das Eigenkapital ist deutlich positiv, der operative Mittelzufluss klar im Plus und die Kreditlinie läuft bis Juli 2030. Der Preis — rund 379 Millionen US-Dollar Börsenwert am 27.08.2026 bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 20 — ist ein Preis-, kein Qualitätsargument und ändert die Ampel nicht.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Anlass der Analyse: der Quartalsbericht (10-Q) zum 30.06.2026, eingereicht am 13.08.2026, samt der Ergebnismitteilung (8-K, Anlage 99.1) desselben Tages.
- Datenstand: Jahres- und Quartalszahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 23.12.2025) sowie den Quartalsberichten zum 31.12.2025, 31.03.2026 und 30.06.2026. Kurs-, Börsenwert- und Bewertungsangaben haben den Datenstand 27. August 2026.
- Verwechslungsgefahr: Das Unternehmen handelt seit dem 18.08.2026 unter dem Kürzel „IA" und firmiert als Innovative Aerosystems; rechtlich heißt es weiterhin Innovative Solutions and Support, Inc. (CIK 0000836690). Ältere Quellen unter „ISSC" betreffen dieselbe Gesellschaft. Mit dem gleichnamigen Softwarehaus „Innovative Solutions" oder mit Aerojet Rocketdyne besteht keine Verbindung.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 28. August 2026. Was sich seitdem bei ISSC geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Innovative Solutions and Support, Inc. — seit Oktober 2025 unter dem Markennamen Innovative Aerosystems — baut Avionik, also Cockpit-Elektronik: Flachbildschirm-Anzeigen, Luftdatensysteme, Autothrottle, Autopiloten, Flugmanagement- und Missionsrechner. Kunden sind Flugzeughersteller wie Pilatus, Textron und Boeing sowie Betreiber alternder Flotten, die ihre Cockpits nachrüsten. Der Sitz ist Exton in Pennsylvania; zum 30. September 2025 hatte das Unternehmen 147 Vollzeitkräfte.
Das Unternehmen benannte sich im Oktober 2025 in Innovative Aerosystems um und kündigte in der Ergebnismitteilung vom 13. August 2026 an, auch das Börsenkürzel anzupassen. Seit dem Handelsstart am 18. August 2026 notiert die Aktie an der Nasdaq unter „IA" statt „ISSC". Es handelt sich um dieselbe Gesellschaft mit derselben Kennnummer bei der US-Börsenaufsicht SEC (CIK 0000836690); ältere Quellen unter „ISSC" oder „Innovative Solutions & Support" betreffen dasselbe Unternehmen.
Im Quartal bis 30. Juni 2026 wuchs der Umsatz um 10,7 Prozent, der Vorsteuergewinn um 61,2 Prozent und der Nettogewinn um 83,7 Prozent. Drei Gründe: Der Anteil des margenstarken kommerziellen Nachrüstgeschäfts stieg, während das margenschwache Militärgeschäft um 4,9 Millionen US-Dollar fiel. Das Vorjahresquartal war durch den Umzug der F-16-Fertigung belastet. Und der effektive Steuersatz lag bei 10,5 statt 21,5 Prozent — allein das erklärt rund drei Cent des Gewinns je Aktie.
Sie zeigt, wie die Zahlen aussähen, wären die Zukäufe von Moog und Honeywell schon zum 1. Oktober 2024 im Konzern gewesen. Auf dieser gleichen Basis kämen für die neun Monate bis 30. Juni 2026 71,0 Millionen US-Dollar Umsatz und 10,3 Millionen Gewinn heraus, gegenüber 77,0 und 12,8 Millionen im Vorjahreszeitraum — also ein Minus von 7,7 beziehungsweise 19,8 Prozent. Der Grund: Die übernommenen Produktlinien machten unter ihren früheren Eigentümern mehr Umsatz als bisher unter dem neuen Dach.
Zum 30. Juni 2026 lagen die Finanzschulden bei 54,5 Millionen US-Dollar, die Kasse bei 10,7 Millionen, die Nettoverschuldung also bei 43,8 Millionen — das 1,4-Fache der bereinigten EBITDA-Größe der letzten zwölf Monate. Am 21. Juli 2026 kamen für die Übernahme von Aydin Displays weitere 24,5 Millionen US-Dollar Kreditaufnahme dazu, die in dieser Quote noch nicht enthalten sind. Ein Jahr zuvor hatten die Finanzschulden 23,3 Millionen betragen.
Das Liberty Flight Deck ist das neue, frei anpassbare Cockpit-System des Unternehmens. Im August 2026 meldete Innovative Aerosystems dafür den ersten Serienauftrag: Ein führender japanischer Entwickler elektrischer Senkrechtstarter (eVTOL) lässt Hauptdisplay und Avionik-Architektur für sein Fluggerät entwickeln. Die Entwicklungsarbeit beginnt im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026, die erste Serie ist für Ende 2027 geplant, die volle Produktion für 2028. Der genannte Vertragswert von rund 50 Millionen US-Dollar setzt voraus, dass alle über 400 bestellten Fluggeräte gebaut werden.
Am 27. August 2026 schloss die Aktie bei 21,17 US-Dollar; bei 17.899.173 ausstehenden Aktien entspricht das rund 379 Millionen US-Dollar Börsenwert. Auf die letzten zwölf Monate (93,2 Millionen Umsatz, rund 19,1 Millionen Gewinn) ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4,1. Der Buchwert liegt bei 4,31 US-Dollar je Aktie, das materielle Eigenkapital nach Abzug von Firmenwert und immateriellen Werten bei rund 0,86 US-Dollar. Eine Dividende zahlt das Unternehmen nicht.
Am 30. September. Das Geschäftsjahr 2026 läuft also vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026; das dritte Quartal dieses Geschäftsjahres endete am 30. Juni 2026. Wer Zahlen mit Kalenderjahren vergleicht, verschiebt sich damit um ein Quartal. Der Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 wurde am 23. Dezember 2025 eingereicht; der für 2026 ist entsprechend gegen Ende des Kalenderjahres 2026 zu erwarten.
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