Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

GoDaddy: 1,6 Milliarden Dollar für eigene Aktien — gekauft zu Kursen, die es heute nicht mehr gibt

GoDaddy: 1,6 Milliarden Dollar für eigene Aktien — gekauft zu Kursen, die es heute nicht mehr gibt

GoDaddy verkauft Domains, Websites und Zahlungsabwicklung an 20,4 Millionen Kunden, und das Geschäft läuft messbar besser als vor drei Jahren: Die Betriebsmarge stieg von 12,9 auf 22,8 Prozent, der freie Mittelzufluss von 1.005,6 auf 1.575,5 Millionen US-Dollar. Der ausgewiesene Gewinn fiel trotzdem — von 1.375,6 auf 875,0 Millionen, weil 2023 ein Steuerertrag von 971,8 Millionen in der Rechnung stand und 2025 ein Steueraufwand von 145,0 Millionen. Und fast der gesamte Überschuss ging zurück in eigene Aktien: 1.601,9 Millionen im Jahr 2025, ein Teil davon zu einem Durchschnittspreis von 176,02 US-Dollar. Keine Empfehlung — nur die Frage, wem dieses Geld am Ende genützt hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (GDDY)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

GoDaddy: 1,6 Milliarden Dollar für eigene Aktien — gekauft zu Kursen, die es heute nicht mehr gibt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Satz, den Anleger fast nie hinterfragen: „Das Unternehmen kauft eigene Aktien zurück — das ist gut für uns.“ Der Reflex sitzt tief, und er hat einen blinden Fleck. Ein Rückkauf ist ein Kauf, und bei jedem Kauf entscheidet der Preis darüber, ob er sich gelohnt hat. Nennen wir es die Rückkauf-Romantik: Wir feiern die Handlung und vergessen die Rechnung. GoDaddy Inc. (NYSE: GDDY) ist ein besonders lehrreicher Fall, weil hier beides zusammenkommt — ein Geschäft, das nachweislich besser geworden ist, und ein Kapitaleinsatz, den man zum heutigen Kurs anders bewerten würde als vor einem Jahr. Also machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und die Pflichtmitteilung (8-K) danach — und rechnen selbst nach.

Das Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Das Geschäft ist deutlich besser geworden, der ausgewiesene Gewinn schlechter — und praktisch der gesamte Überschuss ging in eigene Aktien, zu Preisen, die heute niemand mehr zahlt.

Balkendiagramm: Betriebsergebnis 547,4, 893,5 und 1.127,3 Millionen US-Dollar von 2023 bis 2025 gegen Nettoergebnis 1.375,6, 936,9 und 875,0 Millionen US-Dollar
Zwei Linien, zwei Richtungen: Das Betriebsergebnis verdoppelt sich, der ausgewiesene Gewinn sinkt. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Inhaltsübersicht

Was GoDaddy eigentlich macht — die Meldebehörde des Internets, die auch Ladenbau verkauft

GoDaddy, gegründet 1997 und seit dem 1. April 2015 an der New Yorker Börse notiert, ist der weltgrößte Registrar für Internet-Adressen. Wer eine Domain kauft, mietet damit einen Namen — jährlich, planbar, mit hoher Verlängerungsquote. Aus diesem Anker heraus verkauft GoDaddy alles, was danach kommt: Hosting, Website-Baukästen, geschäftliche E-Mail, Online-Shops, Terminbuchung und Zahlungsabwicklung. Der Konzern nennt das die „Reise des Unternehmers“ und bedient sie mit 20,4 Millionen Kunden in über 200 Märkten (Stand 31. Dezember 2025), davon 9,8 Millionen außerhalb der USA.

Das Geschäft ist in zwei Segmente geteilt. Core Platform — Domains, Hosting, Sicherheit — brachte 2025 3.062,1 Millionen US-Dollar (61,8 Prozent des Umsatzes) und wächst langsam (+4,9 Prozent). Applications and Commerce — Baukästen, E-Mail, Zahlungen, Marketing-Werkzeuge — steuerte 1.889,0 Millionen bei (38,2 Prozent) und wuchs mit 14,3 Prozent gut dreimal so schnell. Übersetzt: Die Domain ist der Türsteher, das Geld verdient zunehmend der Laden dahinter.

Warum dieses Modell so stabil ist, steht im Geschäftsbericht in einem Absatz, den man zweimal lesen sollte.

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: 4.951,1 Millionen US-Dollar Umsatz, 5.400,0 Millionen Buchungen, rund 85 Prozent Kundenbindung und über 2,0 Millionen Kunden mit mehr als 500 US-Dollar Jahresausgaben
„In 2025, we generated $4,951.1 million of revenue … and we generated $5,400.0 million in total bookings, up 7.2% from $5,038.8 million in 2024.“ Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (Business). Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Zahlen daraus sind entscheidend. Erstens die Buchungen von 5.400,0 Millionen US-Dollar — das ist das, was Kunden 2025 zugesagt haben, und liegt 449 Millionen über dem ausgewiesenen Umsatz, weil GoDaddy im Voraus kassiert und erst über die Laufzeit als Erlös bucht. Zweitens die Kundenbindung von rund 85 Prozent (bei Kunden mit mehr als drei Jahren Zugehörigkeit rund 90 Prozent). Und drittens: über 89 Prozent des Umsatzes 2025 kamen von Kunden, die schon im Vorjahr Kunden waren. Ein Geschäft, das sich jedes Jahr zu neun Zehnteln selbst wiederholt, ist der Traum jedes Kaufmanns — und der Grund, warum die Kunden-Vorauszahlungen mit 3.450,6 Millionen US-Dollar (31. März 2026) die größte Verbindlichkeit der Bilanz sind.

Seit 2024 kommt eine Produktschicht dazu, die GoDaddy selbst in den Mittelpunkt stellt: Airo, ein Bündel KI-gestützter Werkzeuge, das beim Finden des Domainnamens, beim Erzeugen eines Logos und beim Bau der Website hilft — inklusive kostenpflichtiger Stufen.

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 zu den KI-Produkten Airo Plus Logo, Airo Plus Marketing und Airo Plus Site Optimizer
„In 2025, we continued to harness the power of AI … Airo Plus Logo … Airo Plus Marketing … and Airo Plus Site Optimizer.“ Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (Business, Produkte und Technologie). Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„In 2025, we continued to harness the power of AI, with a focus on enabling agentic AI capabilities across Airo and our existing products. Our expanded AI solutions include conversational chat interfaces that utilize natural language to help with website creation and customization; Airo Plus Logo, which supports automated brand identity creation; Airo Plus Marketing, to assist with AI-enabled marketing content and campaign management; and Airo Plus Site Optimizer, an AI-driven tool to obtain website performance insights and recommendations.“

Übersetzung: „2025 haben wir die Kraft der KI weiter genutzt, mit dem Schwerpunkt, handlungsfähige KI-Fähigkeiten über Airo und unsere bestehenden Produkte hinweg bereitzustellen. Zu unseren erweiterten KI-Lösungen gehören dialogfähige Chat-Oberflächen, die natürliche Sprache für Erstellung und Anpassung von Websites nutzen; Airo Plus Logo für die automatisierte Erstellung der Markenidentität; Airo Plus Marketing zur Unterstützung bei KI-gestützten Marketinginhalten und Kampagnen; und Airo Plus Site Optimizer, ein KI-gesteuertes Werkzeug für Erkenntnisse und Empfehlungen zur Website-Leistung.“

— GoDaddy Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (Business)

Bemerkenswert ist eine Wette, die weiter reicht: GoDaddy hat den Agent Name Service (ANS) gestartet — eine offene Architektur, die KI-Agenten im Netz eindeutig identifizierbar machen soll. Die Idee dahinter ist die konsequente Verlängerung des eigenen Geschäfts: Wenn künftig Software-Agenten miteinander Geschäfte machen, brauchen auch sie Namen, Identität und Vertrauen — genau das, was GoDaddy seit fast dreißig Jahren für Menschen verkauft.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

GoDaddy kam über unseren hauseigenen Aktien-Scanner Turnaround-Kandidaten auf die Rechercheliste. Der Scanner sucht abgestürzte Aktien, bei denen das Geschäft messbar dreht: mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch, Überleben gesichert, mindestens 6 von 8 Punkten in einer Checkliste namens „Wende-Check“. Nachmachen kannst du das so: Scanner öffnen, Marktfilter auf USA stellen, Spalte „Wende-Check“ ansehen.

Jetzt die ehrliche Version. Zum 27. Juli 2026 listet der Scanner in der US-Auswahl 60 Treffer — auf beiden unserer Marken identisch. GoDaddy erreicht 6 von 8 Punkten. Das ist die Eintrittsschwelle, aber auch das untere Ende des Feldes: 44 der 60 Treffer stehen ebenfalls bei genau 6 Punkten, 15 bei 7, ein einziger Titel bei 8. Innerhalb dieser Gleichstands-Gruppe ist die Reihenfolge eine Zufallssortierung der Datenbank und wechselt bei jeder nächtlichen Neuberechnung. Angezeigt werden nur die 25 stärksten Titel — GoDaddy steht derzeit nicht darunter. Die Aktie kam über die vollständige Trefferliste, nicht über die erste Seite.

Was der Scanner gesehen hat, lässt sich nachrechnen. Der Kurs stand am 24. Juli 2026 bei 93,16 US-Dollar; das Allzeithoch lag am 28. Januar 2025 bei einem Schlusskurs von 214,35 US-Dollar — gut 56 Prozent darunter, die 50-Prozent-Hürde also genommen. In den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 pendelte die Aktie zwischen 71,59 und 167,09 US-Dollar. Zusätzlich taucht GoDaddy in zwei unserer Bewertungs-Ranglisten auf, dem KCF-Ranking (Börsenwert zu operativem Cashflow) und dem K-FCF-Ranking (Börsenwert zu freiem Mittelzufluss) — beide Listen werden täglich neu berechnet.

Zur Einordnung des Überlebens-Kriteriums: Der Altman-Z-Wert in unserem Datenbestand liegt bei 2,28 (Datenstand 24. Juli 2026). Wir verwenden die für Nicht-Industriebetriebe gebräuchliche Variante, deren Schwellen bei 1,1 (Gefahrenzone) und 2,6 (sicherer Bereich) liegen. GoDaddy sitzt damit im Graubereich — und das ist kein Widerspruch zu einer Betriebsmarge von 22,8 Prozent, sondern die logische Folge einer Bilanz, deren Eigenkapital fast vollständig für Rückkäufe verbraucht wurde. Warum das so ist, steht in unbequemer Wahrheit Nr. 4.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Beginnen wir mit dem, was wirklich beeindruckt. Der Umsatz stieg in jedem der letzten drei Jahre: 4.254,1 Millionen US-Dollar (2023), 4.573,2 Millionen (2024, plus 7,5 Prozent), 4.951,1 Millionen (2025, plus 8,3 Prozent). Das ist für ein 30 Jahre altes Internet-Unternehmen ein sehr ordentliches Tempo. Beeindruckender ist, was darunter passierte: Das Betriebsergebnis kletterte von 547,4 auf 1.127,3 Millionen — die Betriebsmarge damit von 12,9 auf 22,8 Prozent. Möglich wurde das, weil die Kosten stillstanden, während der Umsatz lief: Technologie und Entwicklung stiegen in drei Jahren nur von 839,6 auf 841,5 Millionen, Kundenbetreuung sank von 304,5 auf 289,1 Millionen, und die Restrukturierungskosten fielen von 90,8 auf 11,1 Millionen.

Der Kapitalfluss folgt dem Ergebnis, und zwar deutlich: Der operative Mittelzufluss stieg von 1.047,6 (2023) über 1.287,7 (2024) auf 1.599,4 Millionen US-Dollar (2025). Weil GoDaddy fast keine Sachinvestitionen braucht — 2025 waren es 23,9 Millionen, weniger als ein halbes Prozent des Umsatzes —, bleibt davon fast alles übrig: 1.575,5 Millionen freier Mittelzufluss. Das ist die eigentliche Kennzahl dieses Unternehmens. Merke: Wer im Voraus kassiert und kaum baut, hat ein Geschäft, das sich selbst finanziert.

Und im ersten Quartal 2026 ging es so weiter: Umsatz 1.266,9 Millionen (plus 6,1 Prozent), Betriebsergebnis 310,5 Millionen nach 247,3 Millionen im Vorjahresquartal — eine Marge von 24,5 Prozent —, operativer Mittelzufluss 471,5 Millionen nach 404,7 Millionen.

Nun die andere Seite. Der ausgewiesene Nettogewinn ging in genau diesen drei Jahren zurück: von 1.375,6 (2023) über 936,9 (2024) auf 875,0 Millionen US-Dollar (2025). Im ersten Quartal 2026 sank er sogar leicht — 214,6 Millionen nach 219,5 Millionen —, obwohl das Betriebsergebnis um 25,6 Prozent zulegte. Wer nur auf die Gewinnzeile schaut, sieht ein Unternehmen im Rückwärtsgang. Was tatsächlich passiert ist, steht im nächsten Kapitel.

Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinnrückgang ist eine Steuerzeile, kein Geschäftsproblem

Die Auflösung steht in der Überleitungstabelle des Geschäftsberichts. Die Zeile „Provision (benefit) for income taxes“ zeigt für 2023 einen Ertrag von 971,8 Millionen US-Dollar, für 2024 noch einen Ertrag von 171,5 Millionen und für 2025 erstmals einen Aufwand von 145,0 Millionen. Ein Steuerertrag entsteht nicht, weil ein Finanzamt Geld überweist, sondern weil ein Unternehmen bilanziell aktiviert, dass es künftige Gewinne mit alten Verlusten verrechnen darf. GoDaddy hatte solche Verlustvorträge aus einem Jahrzehnt roter Zahlen — und hat sie 2023 gehoben.

Rechne den Effekt heraus, und das Bild dreht sich: Das Ergebnis vor Steuern lag 2023 bei 403,8 Millionen, 2024 bei 765,4 Millionen und 2025 bei 1.020,0 Millionen US-Dollar. Die um Sondereffekte bereinigte Ertragskennzahl des Unternehmens (NEBITDA) stieg von 1.134,5 über 1.395,9 auf 1.585,9 Millionen. Das Geschäft ist also nicht schlechter geworden — es zahlt nur endlich Steuern. Für dich als Anleger heißt das: Die Gewinnzeile von 2023 war nie die Wahrheit über dieses Unternehmen, und die von 2025 ist es ebenso wenig. Die Wahrheit steht im Kapitalfluss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der gesamte freie Mittelzufluss geht in eigene Aktien

GoDaddy zahlt keine Dividende und hat das auch nicht vor. Was das Unternehmen mit seinem Geld macht, zeigt die Kapitalflussrechnung: 1.270,2 Millionen US-Dollar (2023), 676,5 Millionen (2024) und 1.601,9 Millionen (2025) flossen in den Rückkauf eigener Aktien. Im Jahr 2025 waren das 102 Prozent des freien Mittelzuflusses von 1.575,5 Millionen.

Balkendiagramm: freier Mittelzufluss 1.005,6, 1.261,1 und 1.575,5 Millionen US-Dollar gegen Aktienrückkäufe 1.270,2, 676,5 und 1.601,9 Millionen US-Dollar von 2023 bis 2025
Zwei von drei Jahren lag der Rückkauf über dem freien Mittelzufluss. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q), Kapitalflussrechnung. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das wirkt: Die Zahl der ausstehenden Aktien sank von 141,208 Millionen (31. Dezember 2024) über 134,737 Millionen (31. Dezember 2025) auf 132,658 Millionen (31. März 2026) — minus 6,1 Prozent in fünfzehn Monaten. Genau deshalb stieg das Ergebnis je Aktie im ersten Quartal 2026 auf 1,60 US-Dollar (nach 1,51), obwohl der absolute Gewinn sank: Der Kuchen wurde kleiner, aber die Zahl der Stücke schrumpfte schneller.

Gegenzurechnen ist allerdings die aktienbasierte Vergütung: 296,3 (2023), 299,9 (2024) und 317,8 Millionen US-Dollar (2025). Diese Aktien entstehen neu. Rund ein Fünftel des jährlichen Rückkaufvolumens gleicht also nur aus, was die Firma mit der anderen Hand ausgibt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Teil dieser Aktien kostete 176,02 Dollar

Hier wird die Rückkauf-Romantik teuer. Der Geschäftsbericht nennt den Preis, zu dem die beschleunigten Rückkaufvereinbarungen aus dem ersten Quartal 2025 abgerechnet wurden.

„During the three months ended March 31, 2025, we executed two accelerated share repurchase agreements (ASRs) totaling $767.4 million in upfront payments, fully utilizing the amount remaining under this authorization. These ASRs were fully settled in April 2025 with the delivery of approximately 4.4 million shares at a weighted average price of $176.02 per share.“

Übersetzung: „In den drei Monaten bis zum 31. März 2025 haben wir zwei beschleunigte Rückkaufvereinbarungen (ASR) über insgesamt 767,4 Millionen US-Dollar Vorauszahlung abgeschlossen und damit den verbliebenen Rahmen dieser Ermächtigung vollständig ausgeschöpft. Diese Vereinbarungen wurden im April 2025 vollständig abgewickelt, mit der Lieferung von rund 4,4 Millionen Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 176,02 US-Dollar je Aktie.“

— GoDaddy Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 (MD&A, Share Repurchases)

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Abrechnung der beschleunigten Rückkaufvereinbarungen im April 2025 mit rund 4,4 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von 176,02 US-Dollar
Die Ermächtigung über 4,0 Milliarden US-Dollar wurde im ersten Quartal 2025 vollständig ausgeschöpft — abgerechnet zu 176,02 US-Dollar je Aktie. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im vierten Quartal 2025 kaufte GoDaddy weitere 1,623 Millionen Aktien zu Durchschnittspreisen zwischen 127,32 und 134,45 US-Dollar. Am 24. Juli 2026 notierte die Aktie bei 93,16 US-Dollar. Man muss das nüchtern sagen: Ein erheblicher Teil der 1,6 Milliarden aus dem Jahr 2025 wurde zu Preisen ausgegeben, die der Markt seither nicht mehr bezahlt. Und das Programm läuft weiter — im April 2025 genehmigte der Verwaltungsrat weitere 3,0 Milliarden US-Dollar bis Ende 2027, wovon zum 31. Dezember 2025 noch 2.165,2 Millionen offen waren.

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: 5,9 Millionen zurückgekaufte Aktien für 834,8 Millionen US-Dollar und 2.165,2 Millionen verbleibende Ermächtigung zum 31. Dezember 2025
„As of December 31, 2025, we had $2,165.2 million of remaining authorization available for share repurchases.“ Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Vom Eigenkapital ist praktisch nichts übrig

Rückkäufe werden gegen das Eigenkapital gebucht. Nach Jahren dieser Praxis sieht die Bilanz zum 31. März 2026 so aus: Bilanzsumme 8.154,4 Millionen US-Dollar, Eigenkapital 237,3 Millionen — eine Eigenkapitalquote von 2,9 Prozent. Bis in den Herbst 2023 hinein war das Eigenkapital sogar negativ (30. September 2023: minus 973,4 Millionen); erst der Steuerertrag von 2023 drehte es ins Plus.

Der zweite Blick macht es schärfer. In diesen 237,3 Millionen stecken 3.614,2 Millionen Firmenwert aus alten Zukäufen und 970,6 Millionen weitere immaterielle Werte. Zieht man beides ab — also alles, was kein anfassbarer Vermögensgegenstand ist —, bleibt ein materielles Eigenkapital von rund minus 4,35 Milliarden US-Dollar. Dem stehen 3.777,6 Millionen Finanzschulden gegenüber (2029er Darlehen 1.444,2 Millionen zu 6,6 Prozent, 2031er Darlehen 985,0 Millionen zu 6,2 Prozent, Anleihen über 600,0 Millionen zu 5,5 Prozent bis Dezember 2027 und 800,0 Millionen zu 3,6 Prozent bis März 2029) und 1.261,7 Millionen Kasse.

Ist das gefährlich? Nicht unmittelbar: Die Zinsdeckung liegt bei rund 7,9 — das Betriebsergebnis der letzten vier Quartale trägt den Zinsaufwand fast achtmal —, die Kreditlinie über 998,6 Millionen US-Dollar ist ungezogen, alle Auflagen waren zum Bilanzstichtag eingehalten. Aber die Firma hat sich damit jeden Puffer genommen. Ein Geschäft, das im Voraus kassiert und kaum investiert, kann sich das leisten, solange es läuft. Es hat nur keine zweite Verteidigungslinie mehr, falls es einmal nicht läuft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Zwei Zahlen aus dem Datenbestand halten der Nachrechnung nicht stand

Wir prüfen die Kennzahlen, mit denen unsere Scanner arbeiten, gegen den Jahresabschluss — und bei GoDaddy sind zwei davon nicht belastbar.

Erstens der Börsenwert. In unserem Datenbestand stand er am 27. Juli 2026 bei rund 10,6 Milliarden US-Dollar. Das passt nicht zur Aktienzahl aus dem Quartalsbericht: 132,658 Millionen Aktien zum 31. März 2026, multipliziert mit dem Kurs von 93,16 US-Dollar (24. Juli 2026), ergeben rund 12,36 Milliarden — gut 14 Prozent mehr. Alle im Artikel genannten Bewertungskennzahlen sind deshalb selbst gerechnet, mit der vollen Aktienzahl aus dem Bericht.

Zweitens der Piotroski-Score, eine Neun-Punkte-Checkliste für Bilanzqualität. Der Datenbestand nennt am 27. Juli 2026 8 von 9. Nachgebaut aus dem Jahresabschluss 2025 gegen 2024 kommen wir auf 5 von 9: Die Gesamtkapitalrendite ist leicht gesunken (10,9 nach 11,4 Prozent), die langfristige Verschuldungsquote gestiegen (46,9 nach 45,9 Prozent der Bilanzsumme), der Liquiditätsgrad gefallen (0,62 nach 0,72) und die Bruttomarge minimal geschrumpft (63,6 nach 63,9 Prozent). Und jetzt kommt das Interessante: Drei dieser vier Abzüge sind Folgen der Rückkäufe, nicht des Geschäfts — wer 1,6 Milliarden aus der Kasse in eigene Aktien tauscht, verschlechtert zwangsläufig Liquiditätsgrad und Verschuldungsquote. Fünf von neun ist bei GoDaddy also kein Warnsignal über die Ertragskraft, sondern ein Abbild der Kapitalpolitik.

Der dritte geprüfte Wert bestätigte sich dagegen: Der Altman-Z-Wert von 2,28 liegt in der von uns verwendeten Variante genau dort, wo er hingehört — zwischen der Gefahrenzone bei 1,1 und dem sicheren Bereich ab 2,6.

Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist

Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 1. Mai 2026. Danach gab es eine einzige Pflichtmitteilung, und sie passt zum Thema dieses Artikels: Auf der Hauptversammlung am 3. Juni 2026 wählten die Aktionäre neun Verwaltungsratsmitglieder und genehmigten die Neufassung des Aktienvergütungsplans — die Zahl der darunter ausgebbaren Aktien stieg um 3.116.000 Stück. Gemessen an 132,658 Millionen ausstehenden Aktien sind das rund 2,3 Prozent. Übersetzt in ein Alltagsbild: Während die Firma mit der einen Hand Kuchenstücke zurückkauft, legt sie mit der anderen neue Stücke für die Mitarbeitenden zurecht.

Weitere Ereignisse — Kapitalmaßnahmen, Zukäufe, Wechsel im Vorstand, Änderungen an den Kreditverträgen — sind zwischen dem 1. Mai und dem 27. Juli 2026 nicht gemeldet worden.

Bewertung: Was du für dein Geld bekommst

Alle folgenden Größen sind selbst gerechnet, mit 132,658 Millionen Aktien (Quartalsbericht zum 31. März 2026) und einem Kurs von 93,16 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — Börsenwert also rund 12,36 Milliarden US-Dollar.

Erstens der Umsatz. Über die letzten vier Quartale setzte GoDaddy 5.023,7 Millionen US-Dollar um. Das ergibt ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 2,5. Für ein Abonnementgeschäft mit 22,8 Prozent Betriebsmarge und 85 Prozent Kundenbindung ist das keine Übertreibung — Software-Abonnenten mit ähnlichen Kennzahlen werden regelmäßig höher bezahlt.

Zweitens der Gewinn. Über die letzten vier Quartale verdiente das Unternehmen 870,1 Millionen US-Dollar netto, verwässert 6,31 US-Dollar je Aktie. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt damit bei rund 14 bis 15. Wichtig: Diese Zahl ist erstmals seit Jahren „ehrlich“, weil sie einen normalen Steueraufwand enthält — die optisch niedrigeren Vielfachen der Jahre 2023 und 2024 beruhten auf Steuererträgen.

Drittens der Kapitalfluss. Über die letzten vier Quartale flossen 1.666,2 Millionen US-Dollar operativ zu, bei 24,9 Millionen Sachinvestitionen — also 1.641,3 Millionen freier Mittelzufluss. Der Börsenwert entspricht damit dem 7,5-fachen des freien Mittelzuflusses. Rechnet man die Nettoschulden von 2.515,9 Millionen hinzu, liegt der Unternehmenswert bei rund 14,87 Milliarden, also beim 9,4-fachen der bereinigten Ertragskennzahl NEBITDA. Das ist die Zahl, die die Aktie in unsere Bewertungs-Ranglisten gebracht hat.

Der Blick der Profis. Sechzehn Analysten führen die Aktie mit einem durchschnittlichen Kursziel von 111,93 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) und erwarten für das laufende Geschäftsjahr rund 7,12 US-Dollar Ergebnis je Aktie, für das folgende rund 8,98. Diese Schätzungen setzen voraus, dass das Segment Applications and Commerce sein zweistelliges Wachstum hält. Rund 6,7 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft. Und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis führen wir bewusst nicht auf: Bei 1,79 US-Dollar bilanziellem Eigenkapital je Aktie ist diese Kennzahl bei GoDaddy ohne Aussagekraft.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Das Abonnementgeschäft ist außergewöhnlich stabil: rund 85 Prozent Kundenbindung, über 89 Prozent des Umsatzes 2025 von Bestandskunden, über 2,0 Millionen Kunden mit mehr als 500 US-Dollar Jahresausgaben, Buchungen von 5.400,0 Millionen.
  • Die Marge zieht kräftig an: Betriebsergebnis von 547,4 auf 1.127,3 Millionen US-Dollar in drei Jahren, Marge von 12,9 auf 22,8 Prozent — bei nahezu unveränderten Entwicklungskosten.
  • Das Geschäft braucht fast kein Kapital: 23,9 Millionen US-Dollar Sachinvestitionen im Jahr 2025 bei 4.951,1 Millionen Umsatz. Fast der gesamte operative Zufluss ist frei verfügbar.
  • Das schneller wachsende Segment ist auch das margenstärkere: Applications and Commerce legte 2025 um 14,3 Prozent auf 1.889,0 Millionen zu, im ersten Quartal 2026 um 11,6 Prozent.
  • KI ist hier ein Produkt und keine Ankündigung: Airo Plus Logo, Airo Plus Marketing und Airo Plus Site Optimizer sind kostenpflichtige Bausteine, dazu kommt mit dem Agent Name Service eine Wette auf die Namensvergabe für KI-Agenten.

Risiken

  • Die Bilanz hat keinen Puffer: 2,9 Prozent Eigenkapitalquote, rund minus 4,35 Milliarden US-Dollar materielles Eigenkapital, 3.777,6 Millionen Finanzschulden.
  • Die Kapitalverwendung ist teuer erkauft: 1.601,9 Millionen US-Dollar Rückkäufe im Jahr 2025, ein Teil davon zu 176,02 US-Dollar je Aktie, während die Aktie am 24. Juli 2026 bei 93,16 stand.
  • Die aktienbasierte Vergütung von 317,8 Millionen US-Dollar jährlich frisst rund ein Fünftel des Rückkaufvolumens wieder auf; am 3. Juni 2026 kamen 3.116.000 zusätzlich ausgebbare Aktien hinzu.
  • Das große Segment wächst langsam: Core Platform legte 2025 nur um 4,9 Prozent zu, im ersten Quartal 2026 um 2,8 Prozent — Domains sind ein reifes Geschäft.
  • 983,4 Millionen US-Dollar latente Steueransprüche in der Bilanz beruhen auf einer Einschätzung künftiger Gewinne; sie sind mehr als das Vierfache des Eigenkapitals.
  • KI verändert die Nachfrage in beide Richtungen: Sie macht GoDaddys Werkzeuge besser — und sie senkt zugleich für jeden Wettbewerber die Kosten, eine Website zu bauen.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Rückkauf-Romantik vom Anfang? Bei GoDaddy sieht man beide Seiten in einer einzigen Bilanz. Auf der einen: ein wirklich gutes Geschäft. Zwanzig Millionen Kunden, die jedes Jahr wiederkommen, eine Marge, die sich in drei Jahren fast verdoppelt hat, und ein Kapitalbedarf, der gegen null geht. Auf der anderen: die Entscheidung, praktisch jeden verdienten Dollar in eigene Aktien zu stecken — auch dann, wenn diese Aktien 176 Dollar kosteten und heute 93 kosten.

Beides gehört zusammen. Das eine ist der Grund, warum das andere überhaupt möglich war; und das andere ist der Grund, warum von der Substanz dieses Unternehmens auf dem Papier fast nichts übrig ist. Wer heute kauft, wettet nicht auf Domains — die laufen ohnehin —, sondern darauf, dass die Verwaltung mit den nächsten zwei Milliarden Ermächtigung klüger umgeht als mit den letzten.

Zwei Vergleiche zum Weiterlesen: Wie ein Software-Unternehmen aussieht, das nach einem Absturz erst wieder lernen musste, mit seinem Kapital hauszuhalten, zeigt unsere Analyse zu Twilio. Und wer wissen will, wie weit ein Konzern gehen kann, der Wachstum auf Kredit finanziert, findet das in unserer Analyse zu Oracle in ganz anderem Maßstab.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in GoDaddy Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Qualität des Geschäftsmodells positiv
Ein Abonnementgeschäft, das im Voraus kassiert und sich jedes Jahr zu fast neun Zehnteln selbst wiederholt: 20,4 Millionen Kunden (31.12.2025), rund 85 Prozent Kundenbindung, über 89 Prozent des Umsatzes 2025 von Bestandskunden, Buchungen von 5.400,0 Millionen US-Dollar. Sachinvestitionen von nur 23,9 Millionen bei 4.951,1 Millionen Umsatz.
Ertragsentwicklung positiv
Das Betriebsergebnis stieg von 547,4 (2023) über 893,5 (2024) auf 1.127,3 Millionen US-Dollar (2025), die Marge von 12,9 auf 22,8 Prozent — bei nahezu unveränderten Entwicklungskosten. Im ersten Quartal 2026 legte das Betriebsergebnis um 25,6 Prozent auf 310,5 Millionen zu. Der Rückgang des ausgewiesenen Nettogewinns kommt aus der Steuerzeile, nicht aus dem Geschäft.
Kapitalverwendung negativ
Praktisch der gesamte freie Mittelzufluss geht in eigene Aktien: 1.601,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 gegen 1.575,5 Millionen Zufluss. Die im April 2025 abgerechneten beschleunigten Rückkäufe kosteten 176,02 US-Dollar je Aktie, die Käufe im vierten Quartal 2025 zwischen 127,32 und 134,45 — die Aktie notierte am 24. Juli 2026 bei 93,16. Von der Ermächtigung waren zum 31.12.2025 noch 2.165,2 Millionen offen.
Bilanzstruktur negativ
Eigenkapital 237,3 Millionen US-Dollar auf 8.154,4 Millionen Bilanzsumme (2,9 Prozent, 31.03.2026), darin 3.614,2 Millionen Firmenwert und 970,6 Millionen weitere immaterielle Werte — materiell also rund minus 4,35 Milliarden. Dem stehen 3.777,6 Millionen Finanzschulden gegenüber. Kein Puffer, wenn das Geschäft einmal stockt.
Verwässerung neutral
Die Aktienzahl sank von 141,208 Millionen (31.12.2024) auf 132,658 Millionen (31.03.2026), also um 6,1 Prozent — das hebt das Ergebnis je Aktie messbar. Dagegen stehen 317,8 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung im Jahr 2025 und eine Aufstockung des Aktienplans um 3,116 Millionen Aktien am 3. Juni 2026. Der Nettoeffekt bleibt positiv, kostet aber rund ein Fünftel des Rückkaufbudgets.
Datenlage und Kennzahlen neutral
Zwei Werte aus dem Datenbestand waren nicht belastbar: der Börsenwert (rund 10,6 statt der selbst gerechneten 12,36 Milliarden US-Dollar) und der Piotroski-Score (8 von 9 statt der nachgebauten 5 von 9). Alle Bewertungskennzahlen im Text sind deshalb selbst über die Aktienzahl aus dem Quartalsbericht gerechnet. Der Altman-Z-Wert von 2,28 bestätigte sich dagegen als Graubereich-Wert zwischen 1,1 und 2,6.

GoDaddy ist ein sehr gutes Geschäft mit einer sehr eigenwilligen Kapitalpolitik. Das Modell — 20,4 Millionen Abonnenten, Vorauskasse, rund 85 Prozent Kundenbindung, 23,9 Millionen US-Dollar Sachinvestitionen bei 4.951,1 Millionen Umsatz — hat die Betriebsmarge in drei Jahren von 12,9 auf 22,8 Prozent gehoben und wirft inzwischen über 1,5 Milliarden freien Mittelzufluss im Jahr ab. Der sinkende ausgewiesene Gewinn ist ein Steuereffekt, kein Geschäftsproblem. Das Problem liegt daneben: Nahezu jeder verdiente Dollar wandert in eigene Aktien — 2025 waren es 1.601,9 Millionen, ein Teil davon zu 176,02 US-Dollar je Aktie, während der Kurs am 24. Juli 2026 bei 93,16 stand. Übrig bleibt eine Bilanz mit 2,9 Prozent Eigenkapitalquote und rund minus 4,35 Milliarden materiellem Eigenkapital. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft trägt sich nachweislich selbst und mit Abstand: 4.951,1 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 bei 22,8 Prozent Betriebsmarge, 1.599,4 Millionen operativer Mittelzufluss, nur 23,9 Millionen Sachinvestitionen, rund 85 Prozent Kundenbindung und eine Zinsdeckung von etwa 7,9 bei ungezogener Kreditlinie über 998,6 Millionen. Offen bleiben zwei echte Fragen. Erstens die Bilanz: 237,3 Millionen Eigenkapital auf 8.154,4 Millionen Bilanzsumme (2,9 Prozent), materiell rund minus 4,35 Milliarden, dazu 983,4 Millionen latente Steueransprüche, deren Ansatz auf einer Einschätzung künftiger Gewinne beruht. Zweitens die Kapitalverwendung: 1.601,9 Millionen Rückkäufe im Jahr 2025 — 102 Prozent des freien Mittelzuflusses —, abgerechnet unter anderem zu 176,02 US-Dollar je Aktie bei einem Kurs von 93,16 am 24. Juli 2026. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: kein Verlust, kein Auflagenbruch, kein Zweifel an der Fortführung. Für Grün fehlt die Bilanzsubstanz und ein Beleg, dass die nächsten 2.165,2 Millionen Ermächtigung besser eingesetzt werden. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam GoDaddy über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ (US-Auswahl, Stand 27. Juli 2026, 60 Treffer). Die Aktie erreicht im Wende-Check 6 von 8 Punkten — genau wie 44 der 60 Treffer; 15 liegen bei 7, einer bei 8. Innerhalb dieser Gleichstands-Gruppe ist die Reihenfolge eine Zufallssortierung der Datenbank, und sichtbar sind nur die 25 stärksten Titel: GoDaddy steht derzeit nicht darunter. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Kennzahlen-Vorbehalt: Der Börsenwert im Datenbestand (rund 10,6 Mrd. US-Dollar) passt nicht zur Aktienzahl aus dem Quartalsbericht; alle Bewertungsangaben im Artikel sind selbst gerechnet über 132,658 Millionen Aktien (31.03.2026) und einen Kurs von 93,16 US-Dollar (24.07.2026), Börsenwert also rund 12,36 Mrd. Ebenso wurde der Piotroski-Score nachgebaut: aus dem Jahresabschluss ergeben sich 5 von 9 statt der ausgewiesenen 8 — drei der vier Abzüge sind Folgen der Aktienrückkäufe, nicht des operativen Geschäfts. Der Altman-Z-Wert von 2,28 wurde bestätigt: Er liegt in der hier verwendeten Variante zwischen der Gefahrenzone (1,1) und dem sicheren Bereich (2,6).
  • Zeitliche Einordnung: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 1. Mai 2026. Danach wurde bis zum 27. Juli 2026 nur eine Pflichtmitteilung eingereicht (Hauptversammlung vom 3. Juni 2026 mit der Aufstockung des Aktienvergütungsplans um 3,116 Millionen Aktien). Nicht zu verwechseln: GoDaddy Inc. hat heute nur noch eine Aktiengattung im Umlauf — die frühere Klassenstruktur aus der Zeit nach dem Börsengang 2015 besteht nicht mehr.

Häufige Fragen

GoDaddy ist der weltgrößte Registrar für Internet-Adressen und verkauft darüber hinaus Hosting, Website-Baukästen, geschäftliche E-Mail, Online-Shops und Zahlungsabwicklung. Zum 31. Dezember 2025 hatte das Unternehmen 20,4 Millionen Kunden in über 200 Märkten, davon 9,8 Millionen außerhalb der USA, und beschäftigte 5.845 Menschen.

Wegen der Steuerzeile. 2023 aktivierte GoDaddy latente Steueransprüche und wies dadurch einen Steuerertrag von 971,8 Millionen US-Dollar aus, der den Jahresgewinn auf 1.375,6 Millionen hob. 2024 wirkte noch ein Ertrag von 171,5 Millionen, 2025 stand erstmals ein Aufwand von 145,0 Millionen in den Büchern. Das Ergebnis vor Steuern stieg im selben Zeitraum von 403,8 auf 1.020,0 Millionen.

2025 flossen 1.601,9 Millionen US-Dollar in eigene Aktien — 102 Prozent des freien Mittelzuflusses von 1.575,5 Millionen. In den beiden Jahren davor waren es 1.270,2 (2023) und 676,5 Millionen (2024). Die Aktienzahl sank dadurch von 141,208 Millionen (31. Dezember 2024) auf 132,658 Millionen (31. März 2026).

Die im ersten Quartal 2025 abgeschlossenen beschleunigten Rückkaufvereinbarungen über 767,4 Millionen US-Dollar wurden im April 2025 mit rund 4,4 Millionen Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 176,02 US-Dollar abgerechnet. Im vierten Quartal 2025 lagen die Durchschnittspreise zwischen 127,32 und 134,45 US-Dollar. Am 24. Juli 2026 notierte die Aktie bei 93,16 US-Dollar.

Weil Aktienrückkäufe gegen das Eigenkapital gebucht werden. Zum 31. März 2026 standen 237,3 Millionen US-Dollar Eigenkapital einer Bilanzsumme von 8.154,4 Millionen gegenüber — 2,9 Prozent. Bis September 2023 war das Eigenkapital sogar negativ. Zieht man 3.614,2 Millionen Firmenwert und 970,6 Millionen weitere immaterielle Werte ab, ergibt sich ein materielles Eigenkapital von rund minus 4,35 Milliarden.

Die Finanzschulden lagen zum 31. März 2026 bei 3.777,6 Millionen US-Dollar, denen 1.261,7 Millionen Kasse gegenüberstehen. Sie bestehen aus zwei Darlehen (1.444,2 Millionen zu 6,6 Prozent bis 2029, 985,0 Millionen zu 6,2 Prozent bis 2031) und zwei Anleihen (600,0 Millionen zu 5,5 Prozent bis Dezember 2027, 800,0 Millionen zu 3,6 Prozent bis März 2029). Die Zinsdeckung liegt bei rund 7,9, die Kreditlinie über 998,6 Millionen ist ungezogen.

Beides, aber der Schwerpunkt liegt auf dem Verkauf. Der Geschäftsbericht 2025 nennt mit Airo Plus Logo, Airo Plus Marketing und Airo Plus Site Optimizer kostenpflichtige KI-Bausteine als Teil des Angebots und beschreibt KI-gestützte Werkzeuge als Bestandteil der verkauften Lösungen. Zusätzlich hat GoDaddy den Agent Name Service (ANS) gestartet, eine Namens- und Vertrauensschicht für KI-Agenten.

Mit 132,658 Millionen Aktien laut Quartalsbericht zum 31. März 2026 und einem Kurs von 93,16 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) rund 12,36 Milliarden US-Dollar. Daraus ergeben sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 2,5, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 bis 15 und das 7,5-fache des freien Mittelzuflusses der letzten vier Quartale.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?