Freshpet: 94 Prozent des Quartalsgewinns kamen nicht aus dem Hundefutter
Freshpet verkauft frisches Hundefutter aus 30.425 eigenen Kühlschränken im Supermarkt. Seit dem Geschäftsjahr 2024 weist der Konzern Gewinne aus — und das Kurs-Gewinn-Verhältnis sieht plötzlich günstig aus. Nur: Von den 65,6 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn im ersten Quartal 2026 stammen 62,0 Millionen aus dem Verkauf einer Beteiligung. Aus dem laufenden Geschäft blieben 4,3 Millionen, also 1,5 Prozent vom Umsatz. Im Jahr davor war es eine Steuerbuchung über 68,4 Millionen. Wir lesen den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 Zeile für Zeile: was das Kühlschrank-Netz wirklich verdient, was einmalig war und was 2026 davon übrig bleibt. Keine Empfehlung — nur die Frage, wie viel Wende in einem Gewinn steckt, der nicht aus dem Futter kommt.
Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf
Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.
Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Inhaltsübersicht
- Die Quittungs-Falle
- Was Freshpet wirklich macht
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
- Bewertung: billig nach Gewinn, teuer nach allem anderen
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Die Quittungs-Falle
Es gibt einen Denkfehler, der uns im Alltag genauso erwischt wie an der Börse: die Quittungs-Falle. Am Monatsende steht auf dem Kontoauszug ein Plus, und der Kopf verbucht das als „ich verdiene gut“ — obwohl das Plus in Wahrheit vom verkauften Auto kam. Der Betrag ist echt. Die Schlussfolgerung ist falsch.
Freshpet, Inc. (NASDAQ: FRPT) ist der Lehrfall dafür. Nach Jahren roter Zahlen weist der Hersteller von frischem Hundefutter endlich Gewinne aus: 139,1 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025, 48,5 Millionen allein im ersten Quartal 2026. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt damit im mittleren Zehnerbereich — für ein Unternehmen, das seinen Umsatz seit 2019 mehr als vervierfacht hat, klingt das nach einem Fund.
Bevor der Reflex übernimmt, machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 — und zwar die Zeilen, in denen dieser Gewinn tatsächlich entsteht. Merke dir den Satz für den ganzen Text: Ein Gewinn sagt dir, dass Geld angekommen ist — nicht, dass es aus dem Geschäft kam.
Was Freshpet wirklich macht
Freshpet verkauft frisches, gekühltes Hunde- und Katzenfutter. Nicht Trockenfutter aus dem Sack, nicht Nassfutter aus der Dose, sondern Ware, die im Kühlregal liegt und ein Verfallsdatum hat — Marken sind Freshpet selbst sowie Dognation und Dog Joy für Leckerlis. Die Geschäftsidee dahinter heißt „Vermenschlichung des Haustiers“: Wer sein eigenes Essen frisch kauft, soll das auch für den Hund tun.
Der eigentliche Kniff ist aber nicht das Futter, sondern der Kühlschrank. In einem normalen Supermarkt gibt es im Tierfutter-Gang kein Kühlregal. Also stellt Freshpet eines hin — auf eigene Rechnung, im eigenen Markendesign, typischerweise gut einen Meter breit und gut zwei Meter hoch, an Stelle eines Standardregals oder als Kopfende einer Gangreihe. Der Konzern beschreibt es im Quartalsbericht selbst:
Zum 31. März 2026 standen diese Kühlschränke in 30.425 Läden in Nordamerika und Teilen Europas, nach 30.235 zum 31. Dezember 2025. Rund 24 Prozent der Läden hatten Ende 2025 sogar mehr als einen. Das ist gleichzeitig der Burggraben und die Rechnung: Wer einen Kühlschrank aufstellt, besetzt einen Platz, den kein Wettbewerber mehr bekommt — aber er zahlt ihn auch. In der Bilanz zum 31. März 2026 stehen 210,809 Millionen US-Dollar Kühlgeräte zu Anschaffungskosten, eingebettet in ein Sachanlagevermögen von brutto 1.498,995 Millionen.
Verkauft wird über zwei Kanalgruppen. Im ersten Quartal 2026 entfielen 232,3 Millionen US-Dollar (78 Prozent) auf Lebensmittelhandel, Verbrauchermärkte, das Auslandsgeschäft und den Online-Handel, 65,3 Millionen (22 Prozent) auf Tierfachhandel und Mitgliedermärkte. Der zweite Kanal wächst deutlich schneller — vor einem Jahr lag sein Anteil noch bei 18 Prozent.
Produziert wird in eigenen Werken: Freshpet Kitchens Bethlehem in Pennsylvania mit rund 100.000 und 140.000 Quadratfuß sowie Freshpet Kitchens Ennis in Texas mit rund 400.000 Quadratfuß nach der ersten Ausbaustufe. Die Stufen zwei und drei sollen weitere rund 400.000 Quadratfuß bringen und laufen über die nächsten Jahre. Merke dir das für später: Dieses Unternehmen baut ständig — und Bauen kostet, bevor es einbringt.
Ein Klumpenrisiko nennt der Geschäftsbericht ungeschminkt beim Namen:
„In 2025, our largest distributor by net sales accounted for less than 10% of our net sales and our largest customers, Walmart and Costco, accounted for 25% and 10% of our net sales, respectively.“
Übersetzung: „Im Jahr 2025 entfielen auf unseren größten Distributor nach Nettoumsatz weniger als 10 Prozent unseres Nettoumsatzes und auf unsere größten Kunden, Walmart und Costco, 25 Prozent beziehungsweise 10 Prozent unseres Nettoumsatzes.“
— Freshpet, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 („Business“)
35 Prozent des Umsatzes hängen an zwei Telefonnummern. Das ist im Lebensmittelhandel nicht ungewöhnlich, aber es verschiebt die Machtverhältnisse: Wer 30.425 Kühlschränke in fremden Läden stehen hat, verhandelt nicht aus einer Position der Stärke über Regalplatz.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich rund 3.200 Aktien durch unsere Scanner laufen. Freshpet kam über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ auf die Rechercheliste: Platz 11 von 60 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8 Punkten, auf der Live-Liste gemessen am 27. Juli 2026. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, die Spalte „Wende-Check“ sortiert die Liste. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
Das Modell dahinter hat vier Säulen, und zwei davon sind Pflicht. Wer sie nicht erfüllt, fliegt raus, egal wie gut der Rest aussieht.
- Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch notieren. Ohne echten Absturz kein Turnaround; sonst fängt der Scanner ganz normale Wachstumswerte ein.
- Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Score muss mindestens 1,1 betragen. Diese Kennzahl ist ein Insolvenz-Frühwarnsystem: Sie verdichtet Liquidität, Profitabilität, Verschuldung und Umsatzeffizienz zu einer einzigen Zahl. Unter 1,1 beginnt die Gefahrenzone — der klassische Turnaround-Fehler ist die Pleite vor der Wende. Dazu kommen höchstens ein Bilanz-Warnsignal und positives Eigenkapital.
Erst danach zählt der eigentliche Wende-Check: acht Punkte, vier aus den Quartalszahlen (Umsatzrichtung, Nettomarge, operativer Mittelzufluss, heilende Bilanz) und vier aus dem Marktverhalten (Kurs über der 50-Tage-Linie, kurzfristige relative Stärke größer als die langfristige, Insiderkäufe, aufstockende Fonds). Angezeigt wird, wer mindestens 6 von 8 schafft. Freshpet steht bei 7 von 8 — nur eine der acht Prüfungen fällt aus.
Bei Säule 2 ist die Lage entspannt: Der Altman-Z-Score liegt bei 7,60 (Datenstand 27. Juli 2026) und damit weit über der 3er-Marke, ab der die Kennzahl als sicher gilt. Die Eigenkapitalquote beträgt 68,6 Prozent, der Piotroski-Bilanzcheck steht bei 6 von 9. Kein Überlebensproblem.
Bei Säule 1 gehört ein Wort zur Datenqualität auf den Tisch. Unsere Plattform speichert den Abstand zum Allzeithoch mit −71,5 Prozent (Datenstand 27. Juli 2026). Wir haben ihn gegen die eigene Kurshistorie nachgerechnet: Der höchste Schlusskurs der Firmengeschichte liegt bei 184,82 US-Dollar am 30. April 2021, der höchste Tageskurs bei 186,98 US-Dollar am 3. Mai 2021. Gegen den Schlusskurs von 57,54 US-Dollar am 24. Juli 2026 ergibt das −68,9 Prozent auf Schlusskurs-Basis und −69,2 Prozent auf Tageshoch-Basis. Alle drei Messungen liegen im selben Korridor; der kleine Unterschied stammt aus dem jeweils verwendeten Kurstag, nicht aus einem verrutschten Allzeithoch. Ein Aktiensplit, der die Historie verzerren könnte, fand nie statt.
Daraus folgt die Kursschwelle: Säule 1 reißt erst, wenn der Kurs über rund 93 US-Dollar steigt (die Hälfte von 186,98 US-Dollar; auf Schlusskurs-Basis wären es 92 US-Dollar). Vom Stand des 24. Juli 2026 aus wäre das ein Plus von etwa 62 Prozent. Und jetzt der Unterschied zu vielen anderen Titeln dieser Liste: Das mittlere Kursziel der 19 Analysten, die den Wert begleiten, liegt bei 81,25 US-Dollar (Datenstand 27. Juli 2026) — also unterhalb der Ausschluss-Schwelle. Selbst wenn die Profis recht behalten, bleibt Freshpet in dieser Liste. Das ist die seltenere Konstellation; bei anderen Kandidaten wie Dollar General liegt das Analystenziel oberhalb der Schwelle, dort wirft ein Kurserfolg den Titel aus dem Scanner.
Am selben Datenstand taucht Freshpet in acht weiteren Listen auf, darunter „Big Earnings Surprise“, „Insider kaufen (netto)“, „Institutionelle + Insider bauen auf“ und „Power Trend“. Auch das ist eine Momentaufnahme vom 27. Juli 2026 und ändert sich mit jeder Neuberechnung. Merke dir den Unterschied: Ein Scanner-Platz ist eine Einladung zur Recherche, kein Werturteil über die Firma.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt: Der Umsatz ist nie gefallen. 245,9 Millionen US-Dollar (2019), dann 318,8, 425,5, 595,3, 766,9, 975,2 und zuletzt 1.102,0 Millionen im Geschäftsjahr 2025. Eine Vervierfachung in sechs Jahren. Und es ist echtes Mengenwachstum: Im ersten Quartal 2026 stieg der Absatz um 14,6 Prozent, während Preis und Sortimentsmix per saldo 1,5 Prozent kosteten. Freshpet verkauft also mehr Futter, nicht teureres.
Auch die Marge ist gestiegen, und zwar sichtbar. Die Bruttomarge kletterte von 32,7 Prozent (2023) auf 40,6 und 40,8 Prozent (2025); im ersten Quartal 2026 lag sie bei 40,5 Prozent nach 39,4 Prozent im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA — grob gesagt der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Sonderposten — stieg von 66,6 Millionen US-Dollar (2023) über 161,8 auf 195,7 Millionen (2025), gemessen am Umsatz von 8,7 auf 17,8 Prozent. Das ist keine Kosmetik. Die Werke lasten sich besser aus.
Das Betriebsergebnis drehte entsprechend: von minus 30,4 Millionen US-Dollar (2023) auf plus 38,0 (2024) und plus 75,7 Millionen (2025). Und erstmals blieb Geld übrig, nachdem die Bagger bezahlt waren — dazu gleich mehr.
Doch eine Kurve zeigt in die andere Richtung, und sie ist die wichtigste im ganzen Text:
Von 39,9 Prozent (2022) über 28,8 und 27,2 auf 13,0 Prozent (2025). Für 2026 stellte das Unternehmen am 6. Mai 2026 ein Wachstum von 8 bis 11 Prozent in Aussicht — angehoben von zuvor 7 bis 10 Prozent, weil das erste Quartal mit 13,1 Prozent besser lief als geplant. Übersetzt: Freshpet wächst weiterhin schneller als der Lebensmittelhandel insgesamt, aber die Zeit der Verdopplungen ist vorbei.
Die Bilanz zum 31. März 2026 ist dabei ausgesprochen solide. Bilanzsumme 1.839,2 Millionen US-Dollar, davon 1.143,6 Millionen Sachanlagen und 381,4 Millionen Kasse. Dem stehen 577,1 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber, im Kern die Wandelanleihe mit einem Buchwert von 397,9 Millionen. Das Eigenkapital beträgt 1.262,1 Millionen. Der aufgelaufene Bilanzverlust schrumpfte binnen eines Quartals von 142,7 auf 94,2 Millionen US-Dollar — auch das ein Nachweis, dass hier wirklich Geld hängen bleibt. Nur eben nicht nur aus dem Futter. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Jahresgewinn 2025 kam vom Finanzamt
Die Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsberichts 2025 liest sich in der letzten Zeile glänzend: 139,1 Millionen US-Dollar Nettoergebnis nach 46,9 Millionen im Vorjahr. Eine Zeile höher steht allerdings das Ergebnis vor Steuern: 70,8 Millionen US-Dollar. Normalerweise ist die letzte Zeile kleiner als die vorletzte, weil Steuern abgehen. Hier ist sie fast doppelt so groß.
Der Grund ist eine Bilanzumbuchung. Unternehmen dürfen aufgelaufene Verluste künftig gegen Gewinne rechnen und diesen Vorteil als „latenten Steueranspruch“ aktivieren — aber nur, wenn sie glaubhaft machen können, künftig überhaupt Gewinne zu erzielen. Wer daran zweifelt, muss einen Bewertungsabschlag bilden, der den Anspruch auf null stellt. Genau das hatte Freshpet Ende 2024 noch getan. Ein Jahr später drehte das Unternehmen diese Einschätzung:
„At December 31, 2024, the Company determined that a full valuation allowance against its $98.5 million of net deferred tax assets was appropriate. At December 31, 2025, the Company concluded that it was appropriate to release a majority of the valuation allowance against the $71.4 million of deferred tax assets recorded as of that date […] As a result, we recognized a deferred income tax benefit of $68.8 million for the year ended December 31, 2025.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2024 kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass ein voller Bewertungsabschlag auf seine latenten Steueransprüche von netto 98,5 Millionen US-Dollar angemessen sei. Zum 31. Dezember 2025 kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es angemessen sei, den Großteil des Bewertungsabschlags auf die zu diesem Zeitpunkt erfassten latenten Steueransprüche von 71,4 Millionen US-Dollar aufzulösen […] Infolgedessen haben wir für das Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2025 einen latenten Steuerertrag von 68,8 Millionen US-Dollar erfasst.“
— Freshpet, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 MD&A („Income Taxes“)
Unter dem Strich stand 2025 also ein Steuerertrag von 68,4 Millionen US-Dollar statt eines Steueraufwands. Rechnet man ihn heraus, bleiben rund 70 Millionen US-Dollar Gewinn statt 139,1 — die Hälfte. Die Buchung ist kein Trick und kein Fehler; sie ist sogar ein gutes Zeichen, weil das Unternehmen sich selbst künftige Gewinne zutraut. Aber sie lässt sich genau einmal machen. Was bleibt, sind Verlustvorträge von 391,1 Millionen US-Dollar auf Bundesebene und 275,4 Millionen in den Einzelstaaten (Stand 31.12.2025), deren Nutzung nach Abschnitt 382 des US-Steuerrechts begrenzt sein kann.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Quartalsgewinn 2026 kam aus einem Beteiligungsverkauf
Im ersten Quartal 2026 wiederholt sich das Muster mit anderem Vorzeichen. Freshpet hielt seit 2020 einen Minderheitsanteil an einer nicht börsennotierten Gesellschaft. Am 16. Januar 2026 wurde diese Gesellschaft von einem Dritten übernommen, und Freshpet kassierte:
„The $62.0 million gain on equity investment for the three months ended March 31, 2026, resulted from the sale of the Company's non-controlling interest in a privately held company following the equity investment's acquisition by a third party.“
Übersetzung: „Der Gewinn von 62,0 Millionen US-Dollar aus der Beteiligung in den drei Monaten zum 31. März 2026 resultierte aus dem Verkauf der Minderheitsbeteiligung des Unternehmens an einer nicht börsennotierten Gesellschaft, nachdem diese Beteiligung von einem Dritten erworben wurde.“
— Freshpet, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Item 2 MD&A
So sieht die Brücke vom Betriebsgewinn zum Nettogewinn in diesem Quartal aus:
In Zahlen: Betriebsgewinn 4,331 Millionen US-Dollar, Zins- und sonstige Erträge 2,883, Zinsaufwand −3,586, Beteiligungsverkauf +62,013, Steuern −17,133, Nettogewinn 48,508 Millionen. Vom Vorsteuerergebnis von 65,641 Millionen stammen 94 Prozent aus dem Einmalposten. Ohne ihn bliebe ein Vorsteuergewinn von 3,6 Millionen US-Dollar — bei 297,6 Millionen Umsatz.
Die operative Marge betrug in diesem Quartal also 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 waren es 6,9 Prozent. Das erste Quartal ist bei Freshpet traditionell das schwächste — im Vorjahresquartal stand sogar ein Betriebsverlust von 11,5 Millionen. Die Richtung stimmt. Die Höhe noch nicht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Wachstum wird mit Werbung gekauft
Freshpet macht kein Geheimnis daraus, wie das Mengenwachstum entsteht: durch Werbung. In der Segmenttabelle des Geschäftsberichts stehen die Mediakosten als eigene Zeile — 85,5 Millionen US-Dollar (2023), 111,3 (2024), 140,5 (2025). Gemessen am Umsatz sind das 11,1, dann 11,4 und zuletzt 12,7 Prozent. Zum Einordnen: Von jedem Umsatz-Dollar ging 2025 rund ein Achtel allein in Werbung.
Im ersten Quartal 2026 waren es 47,0 Millionen US-Dollar nach 39,8 Millionen im Vorjahresquartal — bezogen auf den Quartalsumsatz sind das 15,8 Prozent nach 15,1 Prozent. Der Konzern selbst nennt „increased media spend“, also gestiegene Werbeausgaben, als Grund dafür, dass die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten schneller stiegen als der Umsatz: von 32,2 auf 34,2 Prozent vom Umsatz.
Das ist die eigentliche Frage hinter dem Geschäftsmodell: Ist die Werbung ein Anschub oder eine Dauermiete? Wer einen Kühlschrank in einen Supermarkt stellt, in dem noch nie frisches Hundefutter lag, muss die Kundschaft erst dorthin schicken. Bleibt sie, war die Werbung eine Investition. Muss sie jedes Jahr neu geschickt werden, ist sie ein laufender Kostenblock, der die Marge dauerhaft deckelt. Die Antwort steht in keinem Bericht — sie zeigt sich erst, wenn die Werbeausgaben einmal langsamer wachsen als der Umsatz. Bisher war es umgekehrt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Sechs Jahre lang floss Geld hinaus, nicht herein
Ein Kühlschrank-Netz ist teuer, ein Werk ist teurer. Von 2023 bis 2025 investierte Freshpet 239,1, dann 187,1 und zuletzt 148,2 Millionen US-Dollar in Anlagen und Ausrüstung — zusammen 574,4 Millionen. Der operative Mittelzufluss betrug in denselben drei Jahren 75,9, 154,3 und 160,6 Millionen, zusammen 390,8 Millionen. Über drei Jahre klafft also eine Lücke von 183,6 Millionen US-Dollar, die aus der Kasse und aus der Wandelanleihe gedeckt wurde.
Von 2019 bis 2024 war der freie Mittelzufluss in jedem einzelnen Jahr negativ, in der Spitze mit minus 321,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2021 (Fundamentaldaten, Datenstand 27. Juli 2026). 2025 drehte er ins Plus — und fiel bescheiden aus: 160,6 Millionen operativer Zufluss minus 148,2 Millionen Investitionen ergeben 12,4 Millionen US-Dollar. Für 2026 verspricht das Unternehmen erneut einen positiven Wert bei Investitionen von rund 150 Millionen. Im ersten Quartal 2026 standen 40,3 Millionen operativer Zufluss 27,6 Millionen Investitionen gegenüber; ohne den Verkaufserlös von 95,5 Millionen wäre die Kasse also nur leicht gestiegen.
Merke dir den Maßstab: Ein Unternehmen, das 1,10 Milliarden US-Dollar umsetzt und dafür Anlagen im Anschaffungswert von 1,50 Milliarden braucht, ist kein Markenartikler, sondern ein Industriebetrieb mit einer Marke. Das ist keine Kritik — es ist nur eine völlig andere Bewertungslogik.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Wandelanleihe verwässert längst
Im März 2023 begab Freshpet eine Wandelanleihe, um den Werksausbau zu finanzieren. Die Konditionen stehen im Geschäftsbericht:
„The Convertible Notes are our senior, unsecured obligations and accrue interest at a rate of 3.0% per annum, payable semi-annually in arrears on April 1 and October 1 of each year, beginning on October 1, 2023. The Convertible Notes will mature on April 1, 2028 unless earlier converted, redeemed or repurchased by us.“
Übersetzung: „Die Wandelanleihen sind unsere vorrangigen, unbesicherten Verbindlichkeiten und werden mit 3,0 Prozent pro Jahr verzinst, zahlbar halbjährlich nachträglich jeweils am 1. April und 1. Oktober, beginnend am 1. Oktober 2023. Die Wandelanleihen werden am 1. April 2028 fällig, sofern sie nicht vorher gewandelt, gekündigt oder von uns zurückgekauft werden.“
— Freshpet, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 8 („Convertible Senior Notes“)
Der Nennwert beträgt 402,5 Millionen US-Dollar, das Wandlungsverhältnis 14,3516 Aktien je 1.000 US-Dollar — also ein Wandlungspreis von rund 69,68 US-Dollar je Aktie. Verwässerung heißt im Alltagsbild: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil der Kuchen in mehr Stücke geteilt wird. Und dieser Effekt wirkt bereits: Im ersten Quartal 2026 standen 49,062 Millionen unverwässerten Aktien 56,060 Millionen verwässerte gegenüber, ein Aufschlag von 14,3 Prozent. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag deshalb bei 0,91 statt 0,99 US-Dollar.
Zur Abfederung kaufte Freshpet 2023 sogenannte Capped Calls für 66,211 Millionen US-Dollar — eine Absicherung, die einen Teil der Verwässerung auffängt. Seit dem 3. April 2026 darf das Unternehmen die Anleihe unter bestimmten Kursbedingungen selbst zurückrufen. Die Kasse lag zum 31. März 2026 bei 381,4 Millionen US-Dollar und damit knapp unter dem Nennwert — Freshpet könnte die Anleihe heute also fast, aber nicht ganz aus eigener Kraft ablösen.
Was mit dem Aktivisten war — und wer jetzt geht
Zur Vorgeschichte gehört ein Kapitel, das in den Zahlen nur als Kostenzeile auftaucht. Am 22. September 2022 meldete der aktivistische Investor JANA Partners eine Beteiligung nach Schedule 13D — die Meldeform, die man wählt, wenn man Einfluss nehmen will. Am 21. August 2023 schlossen beide Seiten eine Kooperationsvereinbarung, die im Anhang des Geschäftsberichts 2025 weiterhin als Vertrag geführt wird. Die Auseinandersetzung kostete Geld: Der Geschäftsbericht weist für 2023 8,177 Millionen US-Dollar für „Shareholder activism defense engagement“ aus, also für die Abwehr des Aktionärsaktivismus. Mit der neunten und letzten Änderung seiner Meldung am 11. Januar 2024 wies JANA noch 2.383.150 Aktien oder 4,9 Prozent aus — unterhalb der Fünf-Prozent-Schwelle endet die Meldepflicht.
Und im Sommer 2026 wechselt die Führungsspitze zum Teil: Mit einer Pflichtmitteilung vom 24. Juni 2026 kündigte Freshpet an, dass Mitgründer und President Scott Morris zum 20. Oktober 2026 in den Ruhestand geht. Danach berät er das Unternehmen 18 Monate lang gegen eine Zahlung von 38.904 US-Dollar alle zwei Wochen und unterliegt einem 24-monatigen Wettbewerbsverbot. Nicola Baty, seit September 2024 Betriebsvorständin, übernimmt zum selben Datum zusätzlich das Amt der President. Auf der Hauptversammlung am 10. Juni 2026 wurden alle zwölf Verwaltungsratsmitglieder gewählt und KPMG als Prüfer bestätigt.
Bewertung: billig nach Gewinn, teuer nach allem anderen
Jetzt wird klar, warum die Quittungs-Falle bei Freshpet so gut zuschnappt. Bei einem Kurs von 57,54 US-Dollar (Schlusskurs 24. Juli 2026) und 49.142.791 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 30. April 2026) liegt der Börsenwert bei rund 2,83 Milliarden US-Dollar. Rechnet man die Wandelanleihe mit 397,9 Millionen hinzu und die Kasse von 381,4 Millionen ab, ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 2,84 Milliarden. Freshpet ist also praktisch schuldenfrei.
Und nun die Kennzahlen, alle mit Datenstand 27. Juli 2026:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 15 auf Basis der letzten zwölf Monate — die Zahl, die günstig aussieht. Sie beruht auf einem Gewinn, der zu großen Teilen aus der Steuerbuchung und dem Beteiligungsverkauf besteht. Sie ist keine Bewertungsgrundlage.
- Erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 35 — das ist die ehrlichere Zahl, weil die Schätzungen für 2026 ohne Einmalposten rechnen.
- Unternehmenswert zu bereinigtem EBITDA rund 14,5 auf Basis der 195,7 Millionen aus 2025; gemessen an der Unternehmensprognose von 205 bis 215 Millionen für 2026 sind es 13,2 bis 13,9.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 2,6 auf den Umsatz 2025 — für einen Lebensmittelhersteller mit 6,9 Prozent Betriebsmarge ist das kein Schnäppchen-Signal.
- Kurs zu freiem Mittelzufluss über 200 — 2,83 Milliarden Börsenwert gegen 12,4 Millionen freien Mittelzufluss im Jahr 2025. Diese Zahl ist unbrauchbar hoch, und genau das ist die Aussage: Der freie Mittelzufluss steht erst am Anfang.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,2 bei einem Buchwert je Aktie von 25,68 US-Dollar (Stand 31.03.2026).
Der Blick der Profis: 19 Analystenstimmen verteilen sich auf 12 „starker Kauf“, 2 „Kauf“ und 5 „Halten“, ohne Verkaufsempfehlung; das mittlere Kursziel liegt bei 81,25 US-Dollar (Datenstand 27. Juli 2026). Das ist ein ungewöhnlich freundliches Bild — und es setzt voraus, dass die operative Marge dorthin wächst, wo die Bewertung sie schon vermutet.
Auf der anderen Seite des Tisches sitzt eine große Gegenpartei: Zum Datenstand 27. Juli 2026 waren 8.685.116 Aktien leerverkauft — rund 18 Prozent des Streubesitzes von 48.190.404 Stück. Wer so viel gegen einen Wert setzt, hält die Wachstumsgeschichte für angreifbar. Die Aktie schwankt entsprechend: 52-Wochen-Hoch 86,00 US-Dollar (5. März 2026), 52-Wochen-Tief 46,45 US-Dollar (20. Mai 2026), Beta 1,61. Eine Dividende zahlt Freshpet nicht, ein Rückkaufprogramm gibt es nicht.
Wer solche Konstellationen mag, findet in unserer CorVel-Analyse einen Gegenentwurf aus derselben Scanner-Liste: gefallener Kurs, aber ein Geschäft, das seit Jahren aus eigener Kraft Geld abwirft.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Freshpet spricht:
- Echtes Mengenwachstum. Der Absatz stieg im ersten Quartal 2026 um 14,6 Prozent, während Preis und Mix 1,5 Prozent kosteten. Die Nachfrage ist nicht gekauft, sie ist da.
- Ein schwer kopierbares Netz. 30.425 Läden mit firmeneigenem Kühlschrank (Stand 31.03.2026) sind eine physische Hürde: Wer nachziehen will, muss dieselbe Investition erst leisten und dann noch Regalplatz erobern.
- Die Marge steigt sichtbar. Bruttomarge von 32,7 (2023) auf 40,8 Prozent (2025), bereinigtes EBITDA von 66,6 auf 195,7 Millionen US-Dollar, bereinigte EBITDA-Marge von 8,7 auf 17,8 Prozent.
- Eine ruhige Bilanz. Eigenkapitalquote 68,6 Prozent, Altman-Z-Score 7,60, Kasse 381,4 Millionen US-Dollar gegen 397,9 Millionen Wandelanleihe — praktisch keine Nettoverschuldung.
- Die schwerste Ausbaustufe liegt hinter dem Unternehmen. Die Investitionen fielen von 239,1 (2023) auf 148,2 Millionen (2025); 2025 drehte der freie Mittelzufluss nach sechs negativen Jahren ins Plus.
Was dagegen arbeitet:
- Der ausgewiesene Gewinn ist kein Betriebsgewinn. 68,4 Millionen US-Dollar Steuerertrag (2025) und 62,0 Millionen Beteiligungsgewinn (Q1 2026) sind einmalig. Aus dem laufenden Geschäft kamen im ersten Quartal 2026 4,3 Millionen.
- Das Wachstum halbiert sich. Von 39,9 Prozent (2022) auf 13,0 Prozent (2025); die Prognose für 2026 lautet 8 bis 11 Prozent.
- Die Werbung wird teurer. Mediakosten 140,5 Millionen US-Dollar oder 12,7 Prozent vom Umsatz (2025), im ersten Quartal 2026 sogar 15,8 Prozent.
- Zwei Kunden, ein Drittel des Umsatzes. Walmart 25 Prozent, Costco 10 Prozent (2025).
- Verwässerung. Die Wandelanleihe über 402,5 Millionen US-Dollar hebt die verwässerte Aktienzahl schon heute um 14,3 Prozent; fällig ist sie am 1. April 2028.
- Führungswechsel und hohe Leerverkaufsquote. Der Mitgründer geht zum 20. Oktober 2026; rund 18 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft (Datenstand 27.07.2026).
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Quittungs-Falle. Freshpet hat 2025 und Anfang 2026 wirklich Geld verdient — aber der größte Teil davon kam aus einer Steuerumbuchung und aus dem Verkauf eines Anteils an einer fremden Firma. Das ist kein Vorwurf. Beides ist sauber gebucht, klar erklärt und in den Berichten nachlesbar. Es ist nur nicht das, wonach eine Kennzahl wie „Kurs-Gewinn-Verhältnis 15“ klingt.
Gleichzeitig wäre es unfair, das Unternehmen darauf zu reduzieren. Unter dem Einmalgeld läuft ein Geschäft, das seit Jahren jedes Quartal mehr Futter verkauft, dessen Werke besser auslasten und dessen Bruttomarge um acht Prozentpunkte gestiegen ist. Was fehlt, ist der letzte Schritt: dass am Ende dieser Kette ein Betriebsgewinn steht, der ohne Zusatz auskommt. 2025 waren es 6,9 Prozent Marge, im schwächsten Quartal des Jahres 2026 waren es 1,5 Prozent.
Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist Freshpet billig?“, sondern: Traust du dem Kühlschrank-Netz zu, irgendwann zweistellige Betriebsmargen abzuwerfen — und bist du bereit, dafür bis dahin zu warten? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, kauft eine Wette auf Skaleneffekte. Wer sie mit Nein beantwortet, sieht ein solides Unternehmen zu einem Preis, den es sich erst noch verdienen muss.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Freshpet, Inc. — Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 23.02.2026)
- Freshpet, Inc. — Geschäftsbericht 10-K für 2024 (eingereicht 20.02.2025)
- Freshpet, Inc. — Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 06.05.2026)
- Freshpet, Inc. — Quartalsbericht 10-Q zum 30.09.2025 (eingereicht 03.11.2025)
- Freshpet, Inc. — Quartalsmitteilung und Prognose 2026, Anlage 99.1 zur Pflichtmitteilung 8-K vom 06.05.2026
- Freshpet, Inc. — Pflichtmitteilung 8-K vom 24.06.2026 (Item 5.02, Ruhestand des Mitgründers)
- Freshpet, Inc. — Pflichtmitteilung 8-K vom 11.06.2026 (Item 5.07, Ergebnisse der Hauptversammlung)
- JANA Partners Management, LP — Schedule 13D/A Nr. 9 zu Freshpet (eingereicht 11.01.2024)
- SEC-Einreichungsverzeichnis, CIK 0001611647
- Fundamentaldaten und Kurshistorie (Datenstand 27. Juli 2026)
Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und ausdrücklich keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag; Kurs- und Bewertungsangaben sind datierte Momentaufnahmen. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Freshpet, Inc.
Unser Fazit auf einen Blick
- Nachfrage & Marktstellung positiv
- Der Umsatz stieg ohne Unterbrechung von 245,9 Millionen US-Dollar (2019) auf 1.102,0 Millionen (2025). Im Quartal zum 31. März 2026 kamen 13,1 Prozent dazu, getragen von 14,6 Prozent mehr Menge bei 1,5 Prozent ungünstigem Preis-Mix. Das Netz aus 30.425 firmeneigenen Kühlschränken (Stand 31.03.2026) ist eine physische Hürde für Nachahmer.
- Operative Wende positiv
- Die Bruttomarge stieg von 32,7 Prozent (2023) auf 40,8 Prozent (2025), das bereinigte EBITDA von 66,6 auf 195,7 Millionen US-Dollar, die bereinigte EBITDA-Marge von 8,7 auf 17,8 Prozent. Das Betriebsergebnis drehte von minus 30,4 Millionen (2023) auf plus 75,7 Millionen (2025). Im Quartal zum 31. März 2026 legte das bereinigte EBITDA von 35,5 auf 37,9 Millionen zu.
- Herkunft des ausgewiesenen Gewinns negativ
- Im Geschäftsjahr 2025 stand einem Vorsteuerergebnis von 70,8 Millionen US-Dollar ein Nettoergebnis von 139,1 Millionen gegenüber — der Unterschied ist ein Steuerertrag von 68,4 Millionen aus der Auflösung eines Bewertungsabschlags. Im Quartal zum 31. März 2026 stammen 62,0 von 65,6 Millionen Vorsteuergewinn (94 Prozent) aus dem Verkauf einer Beteiligung. Operativ blieben 4,3 Millionen oder 1,5 Prozent vom Umsatz.
- Wachstumstempo & Werbekosten negativ
- Das Umsatzwachstum fiel von 39,9 Prozent (2022) über 28,8 und 27,2 auf 13,0 Prozent (2025); die Prognose vom 6. Mai 2026 nennt 8 bis 11 Prozent für 2026. Gehalten wird es mit Werbung: Die Mediakosten stiegen von 85,5 (2023) über 111,3 auf 140,5 Millionen US-Dollar (2025) — von 11,1 auf 12,7 Prozent vom Umsatz; im Quartal zum 31. März 2026 waren es 47,0 Millionen oder 15,8 Prozent.
- Bilanz & Kapitalbedarf neutral
- Die Bilanz ist robust: Eigenkapital 1.262,1 Millionen US-Dollar, Eigenkapitalquote 68,6 Prozent, Altman-Z-Score 7,60, Kasse 381,4 Millionen gegen eine Wandelanleihe mit 397,9 Millionen Buchwert (Stand 31.03.2026). Zugleich ist das Modell kapitalhungrig: 2023 bis 2025 flossen 574,4 Millionen in Anlagen bei 390,8 Millionen operativem Mittelzufluss; 2025 drehte der freie Mittelzufluss nach sechs negativen Jahren mit 12,4 Millionen ins Plus, 2026 sind rund 150 Millionen Investitionen geplant.
- Bewertung & Aktionärsstruktur neutral
- Rund 2,83 Milliarden US-Dollar Börsenwert (49.142.791 Aktien, Schlusskurs 57,54 US-Dollar am 24. Juli 2026) entsprechen dem 14,5-Fachen des bereinigten EBITDA 2025 und dem 2,6-Fachen des Umsatzes; das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15 ist durch die Einmalposten verzerrt, das erwartete liegt bei rund 35. 19 Analysten kommen auf ein mittleres Kursziel von 81,25 US-Dollar, zugleich sind rund 18 Prozent des Streubesitzes leerverkauft (Datenstand 27.07.2026).
Freshpet hat den Boden verlassen: Die Bruttomarge stieg von 32,7 Prozent (2023) auf 40,8 Prozent (2025), das bereinigte EBITDA von 66,6 auf 195,7 Millionen US-Dollar, und 2025 blieb der freie Mittelzufluss nach sechs negativen Jahren ins Plus — 12,4 Millionen. Die unbequeme Hälfte: Der ausgewiesene Gewinn kommt bislang überwiegend von woanders. 68,4 Millionen Steuerertrag trugen 2025 die Hälfte des Nettoergebnisses von 139,1 Millionen, und 62,0 von 65,6 Millionen Vorsteuergewinn im Quartal zum 31. März 2026 stammen aus dem Verkauf einer Beteiligung; operativ blieben in diesem Quartal 4,3 Millionen oder 1,5 Prozent vom Umsatz. Dazu halbiert sich das Wachstum (13,0 Prozent 2025, Prognose 8 bis 11 Prozent für 2026), während die Mediakosten auf 12,7 Prozent vom Umsatz kletterten. Finanziert ist das komfortabel: 68,6 Prozent Eigenkapitalquote, Altman-Z 7,60, praktisch keine Nettoverschuldung. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäft trägt nachweislich: Der Umsatz ist seit dem Börsengang in keinem Jahr gefallen und erreichte 2025 1.102,0 Millionen US-Dollar, die Bruttomarge stieg auf 40,8 Prozent, das bereinigte EBITDA auf 195,7 Millionen. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: Eigenkapital 1.262,1 Millionen bei 68,6 Prozent Eigenkapitalquote, Altman-Z-Score 7,60, Kasse 381,4 Millionen gegen 397,9 Millionen Wandelanleihe, keine Zweifel am Fortbestand, kein Kreditauflagen-Problem. Für Grün ist die operative Frage zu groß und zu offen: Der ausgewiesene Gewinn beruht in beiden zuletzt berichteten Perioden überwiegend auf Einmalposten — 68,4 Millionen Steuerertrag im Jahr 2025 und 62,0 Millionen Beteiligungsgewinn im Quartal zum 31. März 2026 —, während das Betriebsergebnis in diesem Quartal 4,3 Millionen betrug und das Umsatzwachstum von 39,9 auf 13,0 Prozent gefallen ist. Ein Turnaround, dessen operative Hälfte noch aussteht, ist gelb — auch wenn die Bilanz ihn mühelos aushält. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ — Platz 11 von 60 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, auf der Live-Liste gemessen am 27. Juli 2026. Die Listen werden täglich neu berechnet; Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand. Die Anzeige beginnt bei 6 von 8 Punkten.
- Die beiden Pflicht-Säulen des Scanners: mindestens 50 Prozent Abstand zum Allzeithoch und ein Altman-Z-Score von mindestens 1,1. Beide sind komfortabel erfüllt (Altman-Z 7,60; rund 69 Prozent unter dem Allzeithoch). Säule 1 reißt erst bei einem Kurs über rund 93 US-Dollar (die Hälfte des höchsten Tageskurses von 186,98 US-Dollar vom 03.05.2021; auf Schlusskurs-Basis 92 US-Dollar). Das mittlere Analysten-Kursziel von 81,25 US-Dollar liegt darunter — anders als bei vielen anderen Kandidaten dieser Liste würde ein Erreichen des Kursziels den Titel also nicht aus dem Scanner werfen.
- Plausibilitätsprüfung des Allzeithoch-Werts: Der gespeicherte Abstand von −71,5 Prozent wurde gegen die eigene Kurshistorie gegengerechnet. Höchster Schlusskurs 184,82 US-Dollar am 30.04.2021, höchster Tageskurs 186,98 US-Dollar am 03.05.2021; gegen den Schlusskurs von 57,54 US-Dollar am 24.07.2026 ergeben sich −68,9 Prozent (Schlusskurs-Basis) bzw. −69,2 Prozent (Tageshoch-Basis). Der gespeicherte Wert entspricht derselben Rechnung auf einen früheren Kurstag. Ein um Faktor 1.000 verrutschtes Allzeithoch liegt hier nicht vor; ein Aktiensplit fand nie statt.
- Kein Übernahmefall: Die SEC-Einreichungshistorie enthält zum Stand 27.07.2026 weder eine Stellungnahme zu einem Übernahmeangebot (SC 14D9) noch ein Fusionsdokument, keine Form 15 und keine Form 25. Der aktivistische Investor JANA Partners meldete am 22.09.2022 eine Schedule 13D, schloss am 21.08.2023 eine Kooperationsvereinbarung und wies in der neunten und letzten Änderung vom 11.01.2024 noch 2.383.150 Aktien oder 4,9 Prozent aus. Die Abwehrkosten von 8,177 Millionen US-Dollar sind im Geschäftsjahr 2023 als „Shareholder activism defense engagement“ ausgewiesen.
- Aktualitäts-Gate: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 06.05.2026). Danach wurden bis zum Datenstand 27.07.2026 eingereicht: Pflichtmitteilung 8-K vom 11.06.2026 (Item 5.07, Hauptversammlung vom 10.06.2026 — alle zwölf Verwaltungsratsmitglieder gewählt, KPMG als Prüfer bestätigt), Pflichtmitteilung 8-K vom 24.06.2026 (Item 5.02, Ruhestand von Mitgründer und President Scott Morris zum 20.10.2026, Nicola Baty übernimmt zusätzlich das Amt), laufende Insider-Meldungen (Form 4 und Form 144) sowie Beteiligungsmeldungen nach Schedule 13G, zuletzt am 15.07.2026. Alle durchgesehen.
- Kursangaben sind datierte Bewertungsanker, keine Kaufargumente: Schlusskurs 57,54 US-Dollar am 24.07.2026, 52-Wochen-Hoch 86,00 US-Dollar (05.03.2026), 52-Wochen-Tief 46,45 US-Dollar (20.05.2026). Gegenprobe zum Börsenwert: 49.142.791 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 30.04.2026) mal 57,54 US-Dollar ergeben 2,83 Milliarden — deckungsgleich mit dem Wert aus den Fundamentaldaten.
- Verwechslungsgefahr: Freshpet, Inc. (FRPT) ist weder mit Chewy, Inc. (CHWY) noch mit Petco Health and Wellness (WOOF) oder der Nestlé-Sparte Purina verwandt; maßgeblich ist die Nasdaq-Notiz zur CIK 0001611647. Die im Quartalsbericht genannte, nicht börsennotierte Beteiligung wird von Freshpet nicht namentlich benannt.
Häufige Fragen
Freshpet stellt frisches, gekühltes Hunde- und Katzenfutter her und verkauft es über ein Netz firmeneigener Markenkühlschränke in fremden Läden — 30.425 Standorte zum 31. März 2026. Der Umsatz lag 2025 bei 1.102,0 Millionen US-Dollar, davon 78 Prozent über Lebensmittelhandel, Verbrauchermärkte, Ausland und Online-Handel und 22 Prozent über Tierfachhandel und Mitgliedermärkte (Quartal zum 31.03.2026).
Weil 2025 statt eines Steueraufwands ein Steuerertrag von 68,4 Millionen US-Dollar anfiel. Freshpet löste den Bewertungsabschlag auf latente Steueransprüche größtenteils auf und erfasste dafür einen latenten Steuerertrag von 68,8 Millionen. Aus 70,8 Millionen Vorsteuerergebnis wurden so 139,1 Millionen Nettoergebnis. Diese Buchung lässt sich nicht wiederholen.
Zu 94 Prozent aus einem Einmalposten. Am 16. Januar 2026 erhielt Freshpet 95,5 Millionen US-Dollar für den Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung an einer nicht börsennotierten Gesellschaft; daraus entstand ein Vorsteuergewinn von 62,0 Millionen. Vom gesamten Vorsteuerergebnis von 65,6 Millionen blieben ohne diesen Posten 3,6 Millionen. Das Betriebsergebnis betrug 4,3 Millionen bei 297,6 Millionen Umsatz.
Deutlich langsamer als früher. Der Umsatz stieg 2022 um 39,9 Prozent, 2023 um 28,8, 2024 um 27,2 und 2025 um 13,0 Prozent auf 1.102,0 Millionen US-Dollar. Für 2026 stellte das Unternehmen am 6. Mai 2026 ein Wachstum von 8 bis 11 Prozent in Aussicht. Im ersten Quartal 2026 waren es 13,1 Prozent, getragen von 14,6 Prozent mehr Menge bei 1,5 Prozent ungünstigem Preis-Mix.
Die Kennzahlen sprechen dafür: Altman-Z-Score 7,60, Eigenkapitalquote 68,6 Prozent, Piotroski-F-Score 6 von 9 (Datenstand 27. Juli 2026). Zum 31. März 2026 standen 381,4 Millionen US-Dollar Kasse einer Wandelanleihe mit einem Buchwert von 397,9 Millionen gegenüber; das Eigenkapital betrug 1.262,1 Millionen bei einer Bilanzsumme von 1.839,2 Millionen. Nettoverschuldung besteht praktisch nicht.
Der Scanner verlangt zwei Pflicht-Säulen: mindestens 50 Prozent Abstand zum Allzeithoch und einen Altman-Z-Score von mindestens 1,1. Freshpet erfüllt beide deutlich — Altman-Z 7,60 und rund 69 Prozent unter dem Allzeithoch von 186,98 US-Dollar (3. Mai 2021). Erst ein Kurs über rund 93 US-Dollar würde Säule 1 reißen. Der Wende-Check steht bei 7 von 8 Punkten, gemessen am 27. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
Nein. Die SEC-Einreichungshistorie enthält zum Stand 27. Juli 2026 weder eine Stellungnahme zu einem Übernahmeangebot (SC 14D9) noch ein Fusionsdokument. Der aktivistische Investor JANA Partners, der ab 22. September 2022 auf einen Verkauf drang und am 21. August 2023 eine Kooperationsvereinbarung schloss, meldete mit seiner letzten Änderung am 11. Januar 2024 noch 4,9 Prozent — unterhalb der Meldeschwelle.
Spürbar. Die im März 2023 begebene Wandelanleihe über 402,5 Millionen US-Dollar zu 3,00 Prozent läuft bis zum 1. April 2028; das Wandlungsverhältnis von 14,3516 Aktien je 1.000 US-Dollar entspricht rund 69,68 US-Dollar je Aktie. Im ersten Quartal 2026 standen 49,062 Millionen unverwässerten Aktien 56,060 Millionen verwässerte gegenüber — ein Aufschlag von 14,3 Prozent.
Fehler gefunden?
Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.