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Cantourage: 92,8 Millionen Euro Umsatz — geprüft sind davon 3,9 Millionen

Cantourage: 92,8 Millionen Euro Umsatz — geprüft sind davon 3,9 Millionen

Cantourage meldete für 2025 einen Konzernumsatz von 92,8 Millionen Euro, eine Steigerung um 82,3 Prozent. Diese Zahl ist nach eigener Angabe vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft. Der einzige testierte Abschluss für 2025 ist der Einzelabschluss der Holding — und der weist Umsatzerlöse von 3.907.032,70 Euro aus, weil er nur die Verwaltungsgesellschaft abbildet. Wer bei Finanzportalen nachschaut, findet deshalb bis heute Kennzahlen auf Basis von 3,9 Millionen Euro. Wir lesen beide Abschlüsse im Original und sortieren, welche Zahl wofür gilt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 6. August 2026

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Marktkapitalisierung
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AAQS
2/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Cantourage: 92,8 Millionen Euro Umsatz — geprüft sind davon 3,9 Millionen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse, Scale-Segment)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 2,10 € bis 6,80 € · Letzter Kurs: 5,20 € (Stand: 6. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Trick, den jede gute Apotheke kennt: Was im Schaufenster steht, ist selten das, was am meisten verkauft wird. Nennen wir es die Vitrinen-Falle — wir schauen auf das, was ausgestellt ist, und vergessen zu fragen, was eigentlich in der Schublade dahinter liegt. Bei Cantourage Group SE, einem Berliner Importeur und Distributor von Medizinalcannabis, ist diese Falle besonders ordentlich aufgebaut. Im Schaufenster steht eine Zahl, die sich sehen lassen kann: 92,8 Millionen Euro Konzernumsatz für 2025, ein Plus von 82,3 Prozent. In der Schublade dahinter liegt ein anderes Papier — der einzige testierte Abschluss für dasselbe Jahr, und der weist Umsatzerlöse von 3.907.032,70 Euro aus. Beide Zahlen stimmen. Sie beschreiben nur verschiedene Dinge. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam beide Abschlüsse im Original, sortieren, welche Zahl wofür gilt — und schauen, was am Ende übrig bleibt. Was du daraus machst, entscheidest du selbst.

Was Cantourage eigentlich macht — der Zwischenhändler im Rezeptgeschäft

Cantourage Group SE (Feurigstraße 54, 10827 Berlin, eingetragen beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 248794 B) baut kein Cannabis an. Das Unternehmen ist ein Importeur, Veredler und Großhändler: Es kauft verschreibungspflichtige cannabinoidhaltige Arzneimittel bei Produzenten in aller Welt ein, bringt sie durch die europäischen Zulassungs- und Qualitätsprozesse und liefert sie an Apotheken und Großhändler. Stell dir einen Weinimporteur vor, der kleine Winzer aus Übersee findet, sie durch den deutschen Zoll und die Etikettierungsvorschriften lotst und dann an den Fachhandel verkauft — nur dass hier statt Zoll und Etikett das Arzneimittelrecht, das Betäubungsmittelrecht und die europäischen Herstellungsstandards stehen.

Das eigene Kernprodukt heißt „Rapid Access Platform“, im Bericht als „RAP-Service-Fees“ abgerechnet: Produzenten, die den europäischen Markt allein nicht erschließen könnten, bekommen von Cantourage den kompletten Weg von der Prüfung bis zur Apothekenbelieferung. Wie sich das in Zahlen aufteilt, steht im geprüften Konzernabschluss 2024 sehr genau: Von 50.914.875,95 Euro Konzernumsatz entfielen 46.457 Tausend Euro auf reine Warenlieferungen — „ausschließlich mit verschreibungspflichtigen cannabinoidhaltigen Arzneimitteln. Im Wesentlichen mit Cannabisblüten und Wirkstoffkonzentraten“ — und 4.458 Tausend Euro auf Dienstleistungen wie eben jene RAP-Service-Fees, Marketing und weiterberechnete Gebühren. 77 Prozent des Umsatzes wurden 2024 im Inland erzielt, 23 Prozent im Ausland.

Zum Konzern gehören neben der börsennotierten Holding die Cantourage GmbH und die APSAT GmbH (beide Berlin, je 100 Prozent) sowie drei Gesellschaften in London — Cantourage Holdings LTD, Cantourage Clinic LTD und Cantourage UK LTD, an denen der Konzern jeweils 51 Prozent hält. Die polnische Cantourage Polska wurde im Abschluss 2024 wegen „untergeordneter Bedeutung“ nach § 296 HGB noch gar nicht konsolidiert. Im Jahresschnitt 2024 beschäftigte der Konzern 75 Menschen (2023: 63). Vorstandsvorsitzender ist Philip Schetter; Finanzvorständin ist seit dem 1. Januar 2026 Monique Jaqqam.

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und was stattdessen als Beleg zählt

Ein Punkt vorweg, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von Cantourage gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Die Gesellschaft ist kein US-Meldeunternehmen; die EDGAR-Suche der amerikanischen Börsenaufsicht liefert unter dem Kürzel HIGH keine zentrale Indexnummer und keine Einreichungen. Cantourage notiert im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse — das ist der qualifizierte Freiverkehr, seit dem Handelsbeginn am 11. November 2022. Und genau dieser Unterschied ist bei dieser Analyse keine Fußnote, sondern die Hauptsache.

Denn das Scale-Segment ist kein regulierter Markt im Sinne des Gesetzes, sondern ein privatrechtlich organisierter Handelsplatz mit deutlich schlankeren Berichtspflichten. Für dich als Leser heißt das ganz praktisch: kein testierter Quartalsbericht, kein Pflicht-Konzernlagebericht, keine verpflichtende Kapitalflussrechnung auf Konzernebene. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse, Scale-Segment)“, nicht „SEC-Berichte“. Wie das bei anderen deutschen Titeln aussieht, die im streng regulierten Prime Standard notieren, zeigt zum Vergleich unsere Analyse zu SÜSS MicroTec: dort ein testierter IFRS-Konzernabschluss mit voller Kapitalflussrechnung, hier ein freiwillig aufgestellter HGB-Konzernabschluss ohne sie.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — über die Foren-Ranglisten

Ehrlichkeit zuerst: Cantourage kam nicht über unseren hauseigenen Aktien-Scanner auf die Rechercheliste — der deckt in erster Linie US-gelistete Titel ab, und für diesen Micro-Cap liegen im Fundamentaldaten-Feed nicht einmal vollständige Quartalsreihen vor. Der Anlass war ein anderer: Cantourage stand im August 2026 weit oben in den Foren-Ranglisten von wallstreet-online, also unter den Werten, über die Privatanleger gerade am meisten diskutieren. Das ist kein Kaufargument und kein Verkaufsargument — es ist ein Rechercheanlass. Wenn viele Menschen über eine Aktie reden, lohnt der Blick in die Papiere, die niemand liest.

Und genau da fällt die erste Merkwürdigkeit auf. Ruft man Cantourage in einem gängigen Finanzportal oder über einen Fundamentaldaten-Feed auf, erscheint als Umsatz der letzten zwölf Monate ein Wert von rund 3,9 Millionen Euro. Bei einem Börsenwert im mittleren zweistelligen Millionenbereich ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 17 — eine Zahl, bei der jeder Value-Anleger reflexhaft weiterblättert. Nur beschreibt dieser Wert nicht das Unternehmen, das Cannabis verkauft. Er beschreibt die Verwaltungsholding darüber. Wie es dazu kommt, steht in den nächsten Abschnitten — und es ist der Kern dieser Analyse.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt: Cantourage wächst rasant, und zwar über mehrere Jahre. Der geprüfte Konzernumsatz stieg von 23.556.739,95 Euro (2023) auf 50.914.875,95 Euro (2024) — mehr als eine Verdoppelung. Für 2025 meldete das Unternehmen am 17. März 2026 einen Konzernumsatz von 92,8 Millionen Euro, ein Plus von 82,3 Prozent. In zwei Jahren hat sich der Umsatz damit fast vervierfacht. Das ist keine Kleinigkeit, und es passt zu einem deutschen Markt, der nach der Neuordnung des Medizinalcannabis-Rechts im April 2024 explodiert ist: Allein im ersten Halbjahr 2025 nahmen die Importe nach Deutschland nach Angaben aus dem Gesetzgebungsverfahren um mehr als 400 Prozent zu, von rund 19 auf rund 80 Tonnen.

Balkendiagramm: Der Konzernumsatz von Cantourage steigt von 23,6 Millionen Euro (2023) über 50,9 Millionen (2024) auf 92,8 Millionen Euro (2025, vorläufig).
In zwei Jahren fast vervierfacht — der Wert für 2025 ist allerdings vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft. Quelle: geprüfter Konzernabschluss 2024 (2023 und 2024); Unternehmensmitteilung vom 17.03.2026 (2025). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch beim Ergebnis geht es aufwärts, wenn auch von tief unten: Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich von minus 4.328.501,13 Euro (2023) auf minus 722.704,72 Euro (2024). Der Konzernjahresfehlbetrag, der dem Mutterunternehmen zuzurechnen ist, sank von 4.272.777,74 Euro auf 1.249.895,84 Euro. Das vom Unternehmen selbst genannte EBITDA — also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen — lag 2024 bei 3,8 Millionen Euro und 2025 vorläufig bei 5,7 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2026 meldete Cantourage 2,2 Millionen Euro EBITDA bei einer Marge von 10,6 Prozent.

Und die Bilanz? Die sieht auf den ersten Blick beruhigend aus. Zum 31. Dezember 2024 stand ein Eigenkapital von 38.902.876,55 Euro bei einer Bilanzsumme von 51.051.510,83 Euro — eine Eigenkapitalquote von rund 76 Prozent. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: 0,00 Euro. Das Unternehmen ist bankschuldenfrei, die Nettoliquidität lag zum 31. März 2026 bei 8,8 Millionen Euro. Wer nach existenziellen Finanzierungsrisiken sucht, findet sie hier nicht. Die unbequemen Stellen liegen woanders.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Für 2025 gibt es keinen geprüften Konzernabschluss — nur den der Holding

Hier wird die Vitrinen-Falle konkret. Am 15. Mai 2026 veröffentlichte Cantourage den testierten Jahresabschluss 2025. Das klingt nach dem Dokument, in dem die 92,8 Millionen Euro stehen. Es ist aber der Einzelabschluss der Holding — also der Abschluss jener Gesellschaft, die selbst kein Cannabis verkauft, sondern nur die Töchter hält und ihnen Verwaltungsleistungen berechnet. Der Anhang sagt das mit dürren Worten:

„Die Umsatzerlöse betreffen Umsätze aus verbundenen Unternehmen in Höhe von 3.907.032,70 € (Vorjahr: 2.195.385,79 €), die aus jeweils einem Dienstleistungsvertrag mit der Cantourage GmbH, Berlin, und der APSAT GmbH, Berlin, resultieren.“

— Cantourage Group SE, testierter Jahresabschluss 2025, Anhang, Abschnitt D Ziffer 2, veröffentlicht am 15. Mai 2026

Markierter Ausschnitt aus dem testierten Jahresabschluss 2025 von Cantourage: Die Umsatzerlöse von 3.907.032,70 Euro stammen ausschließlich aus Dienstleistungsverträgen mit den eigenen Tochtergesellschaften.
Die markierte Stelle im Original: Die 3,9 Millionen Euro sind Konzernumlagen an die eigenen Töchter, kein Außenumsatz. Quelle: testierter Jahresabschluss 2025 (cantourage.com), Textwiedergabe, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Diese 3,9 Millionen Euro sind also Innenumsatz — Geld, das von der linken in die rechte Tasche desselben Konzerns wandert. In der Konzernrechnung wird so etwas herausgerechnet. In der Holding-Rechnung steht es als „Umsatzerlöse“. Und weil viele Datenanbieter für kleine Werte den zuletzt verfügbaren geprüften Einzelabschluss ziehen, landet genau diese Zahl in den Kennzahlen, die du auf Finanzportalen siehst. Der Jahresüberschuss der Holding von 126.456,68 Euro erzählt dieselbe Geschichte: Er sagt nichts darüber, ob das operative Geschäft Geld verdient — er sagt nur, dass die Verwaltungsgesellschaft ihre eigenen Kosten gedeckt bekommen hat.

Der letzte geprüfte Konzernabschluss stammt vom Geschäftsjahr 2024. Die 92,8 Millionen Euro für 2025 stehen bis heute nur in einer Unternehmensmitteilung vom 17. März 2026, die im Kleingedruckten selbst festhält, dass die Konzernkennzahlen „vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft“ sind. Das ist keine Unterstellung und kein Vorwurf — im Scale-Segment ist das zulässig. Es ist nur wichtig zu wissen, wenn man Bewertungskennzahlen darauf aufbaut.

Ein Detail zum Tempo, das man leicht übersieht: Der Bestätigungsvermerk unter dem geprüften Konzernabschluss 2024 ist auf Stuttgart, den 5. März 2026 datiert. Zwischen dem Bilanzstichtag 31. Dezember 2024 und dem Testat lagen also rund vierzehn Monate. Wer im Frühjahr 2026 einen belastbaren Blick auf den Konzern werfen wollte, sah damit auf Zahlen, die zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr alt waren — und der Abschluss für 2025 stand da noch gar nicht am Anfang.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Auf Konzern-Kapitalflussrechnung und Lagebericht wird ausdrücklich verzichtet

Wer wissen will, ob ein rasant wachsender Händler tatsächlich Geld einnimmt oder nur Ware und Forderungen aufbaut, schaut normalerweise in die Kapitalflussrechnung. Sie zeigt, wie viel Geld aus dem operativen Geschäft wirklich hereinkommt. Bei Cantourage gibt es sie nicht. Der Konzernanhang 2024 formuliert das in einem einzigen Satz:

„Auf die Erstellung einer Konzern-Kapitalflussrechnung, eines Konzern-Eigenkapitalspiegels und eines Konzern-Lageberichts wird verzichtet.“

— Cantourage Group SE, geprüfter Konzernabschluss 2024, Konzernanhang, Abschnitt A Ziffer 1

Markierter Ausschnitt aus dem Konzernanhang 2024 von Cantourage: Der Konzernabschluss wird freiwillig aufgestellt, auf Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel und Konzern-Lagebericht wird verzichtet.
Die markierte Stelle im Original — und direkt darüber der Satz, dass der Konzernabschluss „freiwillig“ aufgestellt wird. Quelle: geprüfter Konzernabschluss 2024 (cantourage.com), Textwiedergabe, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Satz direkt davor ist mindestens genauso bemerkenswert: „Die Aufstellung des Konzernabschlusses erfolgt freiwillig.“ Cantourage muss also gar keinen Konzernabschluss vorlegen und tut es trotzdem — das ist anzuerkennen. Nur bedeutet „freiwillig“ eben auch: Der Umfang wird selbst bestimmt. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du bekommst eine Rechnung mit Endsumme, aber keinen Kontoauszug. Ob am Ende eines Wachstumsjahres tatsächlich Geld auf dem Konto liegt oder ob es in Vorräten und offenen Rechnungen steckt, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht nachrechnen. Man erfährt es nur indirekt — über die Nettoliquidität, die das Unternehmen in Quartalsmitteilungen nennt (zuletzt 8,8 Millionen Euro zum 31. März 2026).

Ein Hinweis darauf, dass die Vorfinanzierung des Wachstums tatsächlich ein Thema war, steht ebenfalls im Anhang 2024: Cantourage hatte Forderungen über 4.500 Tausend Euro an eine Factoringgesellschaft verkauft — zum ausdrücklichen Zweck der „Verbesserung der kurzfristigen Liquidität“. Diese Vereinbarung wurde zum 30. Juni 2025 vorzeitig gegen eine Abstandszahlung von 200 Tausend Euro beendet.

Markierter Ausschnitt aus dem Konzernanhang 2024 von Cantourage: Forderungen über 4.500 Tausend Euro wurden an die SüdFactoring GmbH verkauft, die Vereinbarung wurde zum 30. Juni 2025 vorzeitig gegen 200 Tausend Euro Abstandszahlung gekündigt.
Die markierte Stelle im Original: Forderungsverkauf zur Liquiditätsverbesserung — größer als der Kassenbestand von 3,3 Millionen Euro am selben Stichtag. Quelle: geprüfter Konzernabschluss 2024 (cantourage.com), Textwiedergabe, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Vier Fünftel des Eigenkapitals sind ein Firmenwert, der jedes Jahr 3,9 Millionen Euro kostet

Jetzt zur Bilanz, und hier lohnt genaues Hinsehen. Von der Bilanzsumme von 51.051.510,83 Euro zum 31. Dezember 2024 entfielen 31.380.185,49 Euro auf einen Geschäfts- oder Firmenwert — auf Englisch „Goodwill“. Ein Firmenwert entsteht, wenn ein Unternehmen mehr für einen Zukauf bezahlt, als die gekauften Sachwerte für sich genommen wert sind. Er ist kein Lager, keine Maschine und kein Bankguthaben; er ist ein Buchposten, der die Erwartung an die Zukunft abbildet. Gemessen am Eigenkapital von 38.902.876,55 Euro machte dieser eine Posten rund 81 Prozent aus.

Balkendiagramm zur Cantourage-Konzernbilanz zum 31. Dezember 2024: Bilanzsumme 51,1 Millionen Euro, Eigenkapital 38,9 Millionen, Firmenwert 31,4 Millionen, Zahlungsmittel 3,3 Millionen Euro.
Der Firmenwert entspricht 81 Prozent des Eigenkapitals — die Zahlungsmittel machen 3,3 Millionen Euro aus. Quelle: geprüfter Konzernabschluss 2024 (cantourage.com). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Weil Cantourage nach deutschem Handelsrecht bilanziert und nicht nach internationalen Standards, wird dieser Firmenwert nicht jährlich auf Werthaltigkeit getestet, sondern schlicht planmäßig abgeschrieben — Jahr für Jahr, in gleichen Raten. Der Konzernanhang benennt die Höhe:

„Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen werden überwiegend aus den Abschreibungen des Firmenwertes in Höhe von T€ 3.923 (Vorjahr: T€ 3.923) geprägt.“

— Cantourage Group SE, geprüfter Konzernabschluss 2024, Konzernanhang, Abschnitt D Ziffer 5

Markierter Ausschnitt aus dem Konzernanhang 2024 von Cantourage: Die Abschreibungen werden überwiegend vom Firmenwert mit 3.923 Tausend Euro geprägt, wie im Vorjahr.
Die markierte Stelle im Original: 3.923 Tausend Euro Firmenwert-Abschreibung — jedes Jahr derselbe Betrag. Quelle: geprüfter Konzernabschluss 2024 (cantourage.com), Textwiedergabe, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Konzernanlagespiegel zeigt die Mechanik in ganzer Länge: Anschaffungskosten des Firmenwerts 39.225.231,87 Euro, kumulierte Abschreibungen zum 31. Dezember 2024 bereits 7.845.046,38 Euro — exakt zweimal 3.922.523,19 Euro, für 2023 und 2024. Bei gleichbleibender Rate läuft die Abschreibung noch rund acht Jahre. Und genau hier liegt der Grund, warum ein positives EBITDA und ein Verlust gleichzeitig wahr sein können: Das vorläufige EBITDA 2025 von 5,7 Millionen Euro ist ein Ergebnis vor Abschreibungen. Zieht man allein die Firmenwert-Abschreibung von 3,9 Millionen Euro ab, bleibt vor Zinsen und Steuern rechnerisch weniger als die Hälfte. 2024 reichte das EBITDA von 3,8 Millionen Euro nicht aus, um die Abschreibungen von 4.205.811,59 Euro zu decken — deshalb der Konzernjahresfehlbetrag von 1.249.895,84 Euro. Merke dir das Bild: Ein EBITDA sagt nichts darüber, was ein früherer Zukauf noch jedes Jahr kostet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Wachstum hat 2025 im Jahresverlauf gedreht

Die Jahreszahl von plus 82,3 Prozent verdeckt eine Bewegung, die man nur sieht, wenn man die Quartale nebeneinanderlegt. Der Umsatz lag im ersten Quartal 2025 bei 26,1 Millionen Euro und im zweiten bei 27,9 Millionen Euro — zusammen 54,0 Millionen im ersten Halbjahr. Im dritten Quartal 2025 waren es dann nur noch 20,1 Millionen Euro; nach neun Monaten stand der Konzern bei 74,9 Millionen Euro. Rechnet man das gegen die Jahresmeldung von 92,8 Millionen, bleibt für das Schlussquartal deutlich weniger übrig als für jedes Quartal des ersten Halbjahrs.

Im ersten Quartal 2026 meldete Cantourage 20,6 Millionen Euro Umsatz — das Unternehmen selbst rechnete diesen Wert als Plus von 11,0 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2025 vor. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 (26,1 Millionen) ist es allerdings ein Rückgang um rund 21 Prozent. Der Grund liegt nicht im Ausland: Großbritannien stand im ersten Quartal 2026 für 41,3 Prozent des Konzernumsatzes, Polen für 7,3 Prozent — beide wachsen. Deutschland kam auf 51,5 Prozent, nach 77 Prozent Inlandsanteil im Jahr 2024. Vorstandschef Philip Schetter hatte den Heimatmarkt schon in der Neunmonatsmitteilung vom 30. Oktober 2025 als „herausfordernd“ in einem „schwierigen regulatorischen und wirtschaftlichen Umfeld“ beschrieben.

Immerhin: Die Profitabilität hielt sich besser als der Umsatz. Die EBITDA-Marge lag im ersten Quartal 2026 bei 10,6 Prozent (2,2 Millionen Euro) — deutlich über den 6,1 Prozent, die sich für das Gesamtjahr 2025 aus 5,7 Millionen EBITDA und 92,8 Millionen Umsatz ergeben. Das Unternehmen führt das auf die Verlagerung zu höhermargigen Premiumprodukten zurück und nennt für 2026 eine angestrebte EBITDA-Marge von 11,5 Prozent.

Der Markt drumherum: zwei Gesetze, die alles verschieben können

Ein Distributor von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln lebt von den Regeln, unter denen verschrieben werden darf. In Deutschland stehen davon gerade zwei zur Debatte — und beide sind für Cantourage relevant.

Das erste ist bereits geltendes Recht: Am 30. Juli 2026 trat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft. Cannabisblüten fallen seither nicht mehr unter den besonderen Leistungsanspruch nach § 31 Absatz 6 des Fünften Sozialgesetzbuchs — die gesetzlichen Krankenkassen erstatten sie also nicht mehr auf demselben Weg wie zuvor. Am 6. August 2026 veröffentlichten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband dazu eine gemeinsame Klarstellung: Patientinnen und Patienten, die bereits mit Cannabis-Extrakten oder Dronabinol- beziehungsweise Nabilon-Rezepturen behandelt werden, dürfen ihre Therapie fortsetzen, ohne zuerst ein Fertigarzneimittel einsetzen zu müssen. Cantourage begrüßte diese Klarstellung am 7. August 2026 und erklärte zugleich, sie habe keine wesentlichen Auswirkungen auf die eigene Geschäftsentwicklung — die Abhängigkeit von Erstattungsregeln sei gering. Das ist plausibel: Der deutsche Medizinalcannabis-Markt läuft seit 2024 ganz überwiegend über Privatrezepte, also über Selbstzahler.

Das zweite Gesetz ist die eigentliche offene Flanke, und es ist noch nicht beschlossen. Die Bundesregierung will das Medizinal-Cannabisgesetz novellieren: Eine Erstverschreibung soll nur noch nach persönlichem Arztkontakt möglich sein, Folgerezepte per Telemedizin nur, wenn in den letzten vier Quartalen ein persönlicher Kontakt in derselben Praxis stattfand — und der Versand von Medizinalcannabis soll ausgeschlossen werden, während der Botendienst der Apotheken unberührt bleibt. Der Entwurf lag im Sommer 2026 im Gesundheitsausschuss, die Abstimmung im Bundestag war verschoben; ein Inkrafttreten galt frühestens für die zweite Jahreshälfte 2026 als realistisch. Für Cantourage ist das doppelt relevant, denn das Unternehmen baut nach eigenen Angaben Telemedizin-Plattformen aus — Telecan in Deutschland, Can Clinic in Großbritannien. Sollte die Novelle in der geplanten Form kommen, trifft sie genau diesen Vertriebsweg.

Auf der Chancenseite steht ein Schritt, den Cantourage am 15. Juli 2026 gegangen ist: die Einführung der ersten Eigenmarke „gramz.“ für den deutschen Markt. Der entscheidende Unterschied ist nicht das Etikett, sondern das Geschäftsmodell dahinter: Statt wie bisher bei fremden Blüten am Umsatz beteiligt zu sein, kauft Cantourage die Ware für „gramz.“ selbst ein und behält damit eine größere Spanne. Die ersten Chargen waren nach Unternehmensangaben binnen zwei Tagen ausverkauft.

Bewertung: Was man rechnen kann — und was nicht

Beginnen wir mit dem, was belastbar ist. Die Aktienzahl beträgt 12.970.672 Stück bei einem Grundkapital von 12.970.672 Euro und einem Nennwert von 1,00 Euro je Aktie (Investor-Relations-Seite, Abruf 7. August 2026). Diese Zahl ist seit 2025 gestiegen: Zum 31. Dezember 2024 waren es noch 12.467.479 Aktien; im Geschäftsjahr 2025 kamen 503.193 Stück hinzu, weil das 2022 aufgelegte Mitarbeiterprogramm VSOP nach vierjähriger Wartefrist erfüllt wurde und die Berechtigten ihre Ansprüche als Sacheinlage einbrachten. Und der Rahmen wird weiter bespielt: Am 5. Juni 2026 veröffentlichte Cantourage zwei Meldungen über Eigengeschäfte von Führungskräften (Directors’ Dealings), nach denen Vorstandschef Philip Schetter und Finanzvorständin Monique Jaqqam je 25.000 Aktienoptionen aus dem von der Hauptversammlung beschlossenen Aktienoptionsprogramm 2023 angenommen haben — zusammen 50.000 Bezugsrechte oder rund 0,4 Prozent der heutigen Aktienzahl. Der Ausübungspreis richtet sich nach dem volumengewichteten Xetra-Schlusskurs der letzten zehn Handelstage vor der jeweiligen Ausgabe. Das ist für sich genommen wenig; es zeigt aber, dass die Ermächtigungen nicht auf dem Papier liegen.

Statt eines Tageskurses nehmen wir eine Spanne: In den zwölf Monaten bis zum 7. August 2026 bewegte sich die Aktie zwischen 2,35 und 6,86 Euro. Multipliziert mit 12.970.672 Aktien ergibt das einen Börsenwert zwischen rund 30 und 89 Millionen Euro — gemessen am vorläufigen Konzernumsatz 2025 von 92,8 Millionen Euro also ein Kurs-Umsatz-Verhältnis zwischen etwa 0,3 und 1,0. Für einen Händler mit einstelliger EBITDA-Marge ist das keine ausgereizte Bewertung. Nimmt man dagegen die 3,9 Millionen Euro Umsatz aus dem geprüften Holding-Abschluss, kommt man auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 8 bis 23 — und genau diese Spanne findet, wer sich auf Portaldaten verlässt, ohne die Fußnote zu lesen. Dieselbe Aktie, zwei Bewertungswelten, je nachdem welches Dokument man aufschlägt.

Und der Blick der Profis? Drei Häuser begleiten die Aktie, und alle drei raten zum Kauf: First Berlin (Analyst Ellis Acklin) mit einem Kursziel von 11,00 Euro, NuWays (Christian Sandherr) mit 10,00 Euro und Montega (Ingo Schmidt) mit 9,00 Euro (Stand Investor-Relations-Seite, Abruf 7. August 2026). Alle drei Kursziele liegen damit über dem 52-Wochen-Hoch von 6,86 Euro. Einordnung gehört dazu: Bei Micro-Caps im Scale-Segment wird die Analystenbegleitung häufig vom Unternehmen selbst beauftragt und bezahlt — das ist branchenüblich, ändert aber nichts daran, dass eine solche Abdeckung nicht dieselbe Unabhängigkeit hat wie die Beobachtung eines Standardwerts durch ein Dutzend Häuser. Wie unterschiedlich Analystenerwartung und operative Lage auseinanderlaufen können, zeigt exemplarisch unsere Analyse zu Serviceware.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Cantourage spricht:

  • Der Konzernumsatz hat sich in zwei Jahren fast vervierfacht — von 23,6 Millionen Euro (2023) über 50,9 Millionen (2024, geprüft) auf 92,8 Millionen Euro (2025, vorläufig).
  • Die Bilanz ist schuldenfrei: Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten von 0,00 Euro zum 31. Dezember 2024, Eigenkapitalquote rund 76 Prozent, Nettoliquidität 8,8 Millionen Euro zum 31. März 2026.
  • Die Internationalisierung funktioniert: Großbritannien stand im ersten Quartal 2026 für 41,3 Prozent des Umsatzes, Polen für 7,3 Prozent — der Konzern ist damit weniger vom deutschen Regulierungsrisiko abhängig als 2024, als 77 Prozent des Umsatzes im Inland anfielen.
  • Die Marge steigt: EBITDA-Marge von 10,6 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber rechnerisch 6,1 Prozent für das Gesamtjahr 2025; die Eigenmarke „gramz.“ (Start 15. Juli 2026) soll die Spanne weiter verbessern, weil Ware selbst eingekauft statt am Umsatz beteiligt wird.
  • Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 30. Juli 2026 trifft das Geschäft nach eigener Aussage nicht wesentlich, weil der deutsche Markt ganz überwiegend über Privatrezepte läuft.

Was dagegen spricht:

  • Für 2025 existiert kein geprüfter Konzernabschluss. Die 92,8 Millionen Euro Umsatz und die 5,7 Millionen Euro EBITDA sind nach eigener Angabe „vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft“; der einzige testierte Abschluss 2025 ist der Einzelabschluss der Holding mit 3.907.032,70 Euro Umsatzerlösen.
  • Auf Konzern-Kapitalflussrechnung, Konzern-Eigenkapitalspiegel und Konzern-Lagebericht wird ausdrücklich verzichtet — der operative Mittelzufluss ist aus keinem veröffentlichten Dokument nachrechenbar.
  • Der Firmenwert von 31.380.185,49 Euro entspricht 81 Prozent des Eigenkapitals und kostet planmäßig 3.922.523,19 Euro pro Jahr — mehr als zwei Drittel des vorläufigen EBITDA 2025.
  • Der Umsatz ist im Jahresverlauf 2025 gefallen: von 27,9 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 20,1 Millionen im dritten; das erste Quartal 2026 lag mit 20,6 Millionen rund 21 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
  • Die geplante Novelle des Medizinal-Cannabisgesetzes würde Erstverschreibungen per Telemedizin verbieten und den Versand von Medizinalcannabis ausschließen — genau die Vertriebswege, die Cantourage mit Telecan und Can Clinic ausbaut. Der Entwurf war im Sommer 2026 noch nicht beschlossen.
  • Genehmigtes und bedingtes Kapital summieren sich auf bis zu 6.937.500 mögliche neue Aktien — rechnerisch 53,5 Prozent der heutigen Aktienzahl; die Ermächtigung für das genehmigte Kapital läuft bis zum 7. Juni 2027 und erlaubt den Ausschluss des Bezugsrechts.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Vitrinen-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass Cantourage etwas verschweigen würde — im Gegenteil: Jede unbequeme Zahl dieser Analyse steht in einem Dokument, das das Unternehmen selbst veröffentlicht hat, teilweise sogar freiwillig. Ihr Kern ist, dass zwei völlig verschiedene Bilder desselben Unternehmens gleichzeitig im Umlauf sind, und dass beide sich auf echte Papiere berufen können. Das eine Bild zeigt einen Händler, der in zwei Jahren von 24 auf 93 Millionen Euro Umsatz gewachsen ist, schuldenfrei dasteht und gerade seine Marge verbessert. Das andere zeigt eine Verwaltungsgesellschaft mit 3,9 Millionen Euro Innenumsatz, 126.456,68 Euro Jahresüberschuss und einem Firmenwert, der vier Fünftel des Eigenkapitals ausmacht und jedes Jahr fast vier Millionen Euro auffrisst. Wer nur eines der beiden Bilder kennt, hat ein falsches Bild.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist Cantourage billig oder teuer?“, sondern: Kaufst du die Zahl aus dem Schaufenster — oder das Unternehmen dahinter, mit einem Wachstum, das im Jahresverlauf gedreht hat, einem Gesetzentwurf über dem Vertriebsweg und einem geprüften Konzernabschluss, der für 2025 noch aussteht? Die Zwischenmitteilung zum ersten Halbjahr 2026 am 13. August 2026 liefert das nächste Stück des Bildes. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

  • Cantourage Group SE — Investor-Relations-Seite mit allen Finanzberichten, Aktienanzahl, Analystencoverage und Finanzkalender (Abruf 7. August 2026)
  • Cantourage Group SE — geprüfter Konzernabschluss 2024 (HGB, freiwillig aufgestellt): Konzernbilanz, Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, Konzernanhang und Konzernanlagespiegel (PDF, abrufbar über die Investor-Relations-Seite)
  • Cantourage Group SE — testierter Jahresabschluss 2025 (HGB-Einzelabschluss der Holding, veröffentlicht 15. Mai 2026) mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Bestätigungsvermerk (PDF)
  • Cantourage Group SE — Zwischenabschluss zum 30. Juni 2025 (ungeprüft, Einzelabschluss, PDF)
  • Cantourage Group SE — Mitteilung: vorläufige Konzernzahlen 2025 (17. März 2026) — ausdrücklich „vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft“
  • Cantourage Group SE — Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 (11. Mai 2026) und Neunmonatsmitteilung 2025 (30. Oktober 2025)
  • Cantourage Group SE — Mitteilung zum ersten Quartal 2025
  • Cantourage Group SE — zwei Meldungen über Eigengeschäfte von Führungskräften (Directors’ Dealings) vom 5. Juni 2026: Annahme von je 25.000 Aktienoptionen durch Philip Schetter und Monique Jaqqam aus dem Aktienoptionsprogramm 2023
  • Cantourage Group SE — Pressemitteilung „Cantourage präsentiert Eigenmarke gramz. für den deutschen Markt“ (15. Juli 2026)
  • Cantourage Group SE — Pressemitteilung „Cantourage begrüßt Klarstellung zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ (7. August 2026)
  • Bundesministerium für Gesundheit — Gesetz zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes: Stand des Verfahrens
  • Fundamentaldaten (Kursspanne Xetra, Stammdaten; Datenstand 7. August 2026), abgeglichen mit den Geschäftsberichten.

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden; bei Micro-Caps im Freiverkehr kommen ein enger Handel und größere Kursausschläge hinzu. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Cantourage-Aktien.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023
Umsatz 5,2 0,6 23,6
Betriebsergebnis (EBIT) -1,0 0,0 -4,3
Nettogewinn -1,0 0,0 -4,3
Nettomarge -18,6 % 1,5 % -18,1 %
Gewinn je Aktie -0,08 € 0,00 € -0,34 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Wachstum positiv
Der Konzernumsatz stieg von 23,6 Millionen Euro (2023) über 50,9 Millionen (2024, geprüft) auf 92,8 Millionen Euro (2025, vorläufig) — fast eine Vervierfachung in zwei Jahren, getragen von einem europäischen Markt, dessen deutsche Importe im ersten Halbjahr 2025 um mehr als 400 Prozent zulegten.
Berichtsqualität negativ
Für 2025 existiert kein geprüfter Konzernabschluss; der einzige testierte Abschluss ist der Einzelabschluss der Holding mit 3.907.032,70 Euro Umsatzerlösen. Auf Konzern-Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel und Lagebericht wird laut Konzernanhang 2024 ausdrücklich verzichtet — der operative Mittelzufluss ist nicht nachrechenbar.
Bilanzsubstanz neutral
Die Bilanz ist bankschuldenfrei (0,00 Euro Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zum 31.12.2024) bei rund 76 Prozent Eigenkapitalquote und 8,8 Millionen Euro Nettoliquidität (31.03.2026). Gleichzeitig sind 31.380.185,49 Euro oder 81 Prozent des Eigenkapitals ein Firmenwert, der planmäßig 3.922.523,19 Euro pro Jahr kostet.
Ertragslage neutral
Das EBITDA verbesserte sich von 3,8 Millionen Euro (2024) auf vorläufig 5,7 Millionen (2025), die EBITDA-Marge lag im ersten Quartal 2026 bei 10,6 Prozent. Unter dem Strich stand 2024 aber ein Konzernjahresfehlbetrag von 1.249.895,84 Euro, weil die Abschreibungen von 4.205.811,59 Euro das EBITDA überstiegen.
Regulierung negativ
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (in Kraft seit 30.07.2026) hat nach Unternehmensangabe vom 07.08.2026 keine wesentlichen Auswirkungen. Die geplante Novelle des Medizinal-Cannabisgesetzes würde dagegen Erstverschreibungen per Telemedizin verbieten und den Versand ausschließen — Vertriebswege, die Cantourage gerade ausbaut. Der Entwurf war im Sommer 2026 noch nicht beschlossen.
Aktionärsstruktur und Verwässerung negativ
Genehmigtes Kapital 2022/I (bis 5.937.500 Euro, gültig bis 07.06.2027, Bezugsrecht ausschließbar) und bedingtes Kapital 2023/I (bis 1.000.000 Euro) decken rechnerisch bis zu 53,5 Prozent der heutigen 12.970.672 Aktien ab. 2025 wurden bereits 503.193 Aktien aus dem VSOP-Programm ausgegeben.

Cantourage hat den Konzernumsatz in zwei Jahren fast vervierfacht und steht bankschuldenfrei da — nur ist die Zahl, die diesen Erfolg belegt, für 2025 nach eigener Angabe vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft. Der einzige testierte Abschluss für 2025 ist der Einzelabschluss der Holding mit 3,9 Millionen Euro Umsatzerlösen, und eine Konzern-Kapitalflussrechnung gibt es gar nicht. Dazu kommen ein Firmenwert über 81 Prozent des Eigenkapitals, ein im Jahresverlauf 2025 gedrehtes Wachstum und ein Gesetzentwurf, der den Telemedizin- und Versandweg treffen würde. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage — die Bilanz ist mit rund 76 Prozent Eigenkapitalquote, null Bankschulden und 8,8 Millionen Euro Nettoliquidität (31. März 2026) belastbar, ein Going-Concern-Hinweis oder ein Bilanzbruch liegt nicht vor, und der Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2025 ist uneingeschränkt. Gelb steht, weil zwei wesentliche operative Fragen offen sind. Erstens die Ertragsqualität: Das vorläufige EBITDA 2025 von 5,7 Millionen Euro steht einer planmäßigen Firmenwert-Abschreibung von 3.922.523,19 Euro pro Jahr gegenüber, die noch rund acht Jahre läuft; 2024 reichte das EBITDA nicht, um die Abschreibungen zu decken. Zweitens die Nachprüfbarkeit: Für 2025 liegt kein geprüfter Konzernabschluss vor, und auf eine Konzern-Kapitalflussrechnung wird ausdrücklich verzichtet — bei einem Händler, der Wachstum in Vorräten und Forderungen vorfinanzieren muss, ist das die Kennzahl, die am meisten fehlt. Dass 2024 Forderungen über 4,5 Millionen Euro zur Liquiditätsverbesserung an eine Factoringgesellschaft verkauft wurden und diese Vereinbarung Mitte 2025 vorzeitig gegen Abstandszahlung endete, macht die Frage nicht kleiner. Das Geschäftsmodell selbst — Import und Distribution verschreibungspflichtiger Arzneimittel mit steigender Marge und wachsendem Auslandsanteil — trägt erkennbar. Ob es das auch unter einer verschärften Fassung des Medizinal-Cannabisgesetzes tut, ist die eigentliche offene Frage.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse ist die hohe Präsenz von Cantourage in den Foren-Ranglisten von wallstreet-online im August 2026 — ein Rechercheanlass, kein Bewertungsargument. Sämtliche Unternehmenszahlen stammen aus dem geprüften Konzernabschluss 2024, dem testierten Jahresabschluss 2025, dem Zwischenabschluss zum 30.06.2025 und den Quartalsmitteilungen des Unternehmens.
  • Wichtig für den Vergleich mit Datenanbietern: Der in Finanzportalen häufig gezeigte Umsatz von rund 3,9 Millionen Euro ist der Umsatz des Holding-Einzelabschlusses (Konzernumlagen an die eigenen Töchter), nicht der Konzernumsatz. Kennzahlen wie Kurs-Umsatz-Verhältnis oder Marge, die darauf beruhen, sind für die Beurteilung des operativen Geschäfts unbrauchbar. Datenstand aller Bewertungs- und Kursangaben: 7. August 2026.
  • Cantourage ist kein US-Meldeunternehmen: Es gibt kein 10-K, kein 10-Q und keine Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC (EDGAR-Abfrage zum Kürzel HIGH bleibt leer). Die Aktie notiert im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse, also im qualifizierten Freiverkehr mit deutlich schlankeren Berichtspflichten als im regulierten Markt. Schreibweisen wie „HIGH.DE“ sind Kurzformen von Datendiensten und kein amtlicher Börsenplatz-Code.

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Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

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Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 7. August 2026. Was sich seitdem bei HIGH.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu CANTOURAGE GROUP SE O.N. (HIGH.DE) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Cantourage Group SE aus Berlin baut kein Cannabis an, sondern importiert, veredelt und vertreibt verschreibungspflichtige cannabinoidhaltige Arzneimittel an Apotheken und Großhändler in Europa. 2024 entfielen 46.457 Tausend Euro des Konzernumsatzes auf Warenlieferungen, vor allem Cannabisblüten und Wirkstoffkonzentrate, und 4.458 Tausend Euro auf Dienstleistungen. Im Jahresschnitt 2024 arbeiteten 75 Menschen im Konzern.

Weil sie den zuletzt geprüften Einzelabschluss der Holding heranziehen. Dieser weist für 2025 Umsatzerlöse von 3.907.032,70 Euro aus — reine Dienstleistungsverträge mit den eigenen Töchtern Cantourage GmbH und APSAT GmbH. Der Konzernumsatz lag 2025 nach Unternehmensangabe bei 92,8 Millionen Euro, allerdings vorläufig, unkonsolidiert und ungeprüft.

Nein. Zum Stand 7. August 2026 lag als geprüfter Konzernabschluss nur das Geschäftsjahr 2024 vor. Für 2025 ist der testierte Jahresabschluss vom 15. Mai 2026 ein Einzelabschluss der Holding; die Konzernzahlen für 2025 stammen aus einer Unternehmensmitteilung vom 17. März 2026 und sind dort ausdrücklich als vorläufig und ungeprüft gekennzeichnet.

Der Konzernanhang 2024 hält fest, dass der Konzernabschluss „freiwillig“ aufgestellt wird und auf Konzern-Kapitalflussrechnung, Konzern-Eigenkapitalspiegel und Konzern-Lagebericht verzichtet wird. Im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse ist das zulässig. Für Anleger bedeutet es: Der operative Mittelzufluss des Konzerns lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht nachrechnen.

Ein Firmenwert entsteht, wenn für einen Zukauf mehr bezahlt wurde, als die erworbenen Sachwerte allein wert sind. Bei Cantourage entsprach er zum 31. Dezember 2024 rund 81 Prozent des Eigenkapitals von 38.902.876,55 Euro. Nach deutschem Handelsrecht wird er planmäßig abgeschrieben — mit 3.922.523,19 Euro pro Jahr, was mehr als zwei Dritteln des vorläufigen EBITDA 2025 entspricht.

Das Gesetz trat am 30. Juli 2026 in Kraft; Cannabisblüten fallen seither nicht mehr unter den besonderen Leistungsanspruch nach § 31 Absatz 6 SGB V. Cantourage erklärte am 7. August 2026, die Klarstellung von KBV und GKV-Spitzenverband vom 6. August 2026 habe keine wesentlichen Auswirkungen auf die eigene Geschäftsentwicklung, da die Abhängigkeit von Erstattungsregeln gering sei.

Die geplante Novelle des Medizinal-Cannabisgesetzes. Sie sieht vor, Erstverschreibungen nur noch nach persönlichem Arztkontakt zuzulassen und den Versand von Medizinalcannabis auszuschließen. Genau diese Wege baut Cantourage mit den Telemedizin-Plattformen Telecan und Can Clinic aus. Der Entwurf lag im Sommer 2026 im Gesundheitsausschuss und war noch nicht beschlossen.

Cantourage notiert im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse — dem qualifizierten Freiverkehr — und ist kein US-Meldeunternehmen. Es gibt kein 10-K, kein 10-Q und keine Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC. Diese Analyse stützt sich deshalb auf den geprüften Konzernabschluss 2024, den testierten Jahresabschluss 2025 und die Quartalsmitteilungen des Unternehmens.

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