Nur in starken Branchen kaufen? Was der Branchen-Rückenwind wirklich bringt
Stan Weinstein rät: Erst die Branche prüfen, dann die Aktie – wer nur auf den Chart eines einzelnen Titels starrt, sieht die Bäume, nicht den Wald. Wir haben diese Regel an zwei bereits getesteten Kauf-Rezepten nachgeprüft, auf zwei Branchen-Ebenen und mit fast 10.000 zerlegten Trades. Ergebnis: Der Branchenwind existiert messbar – verbessert aber keines der beiden Rezepte verlässlich: Weinsteins Ampel, die eine Branche am 30-Wochen-Durchschnitt als stark oder schwach einstuft, bleibt hinter einer simplen Rangliste der Branchen zurück. Und beim Rezept, das nach Kursstürzen kauft, war ausgerechnet die schwache Branche der bessere Teich. Wer nach dieser Studie auf einen Branchenfilter hofft, wird enttäuscht: In diesen beiden Messungen zählte die Einzelaktie mehr als die Gruppe.
Die Frage klingt nach gesundem Menschenverstand: Kauft man nicht besser eine Aktie aus einer Branche, die gerade Rückenwind hat, statt einer aus einer schwachen Gruppe? Stan Weinstein hat genau das in seinem Buch „Secrets for Profiting in Bull and Bear Markets" zur Regel erhoben – und wir haben diese Regel an zwei bereits veröffentlichten Kauf-Rezepten dieser Reihe nachgerechnet: dem Parabel-Umkehr-Backtest und dem Umsatzbeschleuniger-Backtest. Diese Analyse fasst die Kernbefunde für Leser zusammen, die volle Rechnung mit allen Tabellen steht in der ausführlichen Studie.
Weinsteins Antwort: die Gruppe zieht die Aktie mit
Weinsteins Kapitel dazu trägt den Titel „Forest to the Trees" – wer nur auf den Chart eines einzelnen Titels starrt, sieht die Bäume, nicht den Wald. Seine These: Eine starke Aktie in einer schwachen Branche bleibt selten lange stark, eine schwache Aktie in einer starken Branche wird oft mitgezogen. Zentrales Werkzeug ist für ihn der 30-Wochen-Durchschnitt, den er als Mindestvoraussetzung für einen Kauf beschreibt:
"Stocks trading beneath their 30-week MAs should never be considered for purchase, especially if the MA is declining."
„Aktien, die unter ihrem 30-Wochen-Durchschnitt notieren, sollten niemals zum Kauf infrage kommen – erst recht nicht, wenn der Durchschnitt fällt." — Stan Weinstein, „Secrets for Profiting in Bull and Bear Markets", McGraw-Hill, 1988, Kapitel 1.
Dieselbe Stufen-Logik legt Weinstein im „Forest to the Trees"-Kapitel an die Branchengruppe an – wer beides ernst nimmt, müsste vor jedem Kauf zuerst die Branche prüfen. Genau das haben wir mechanisch nachgebaut und getestet.
Wie wir es gemessen haben
Damit die Prüfung nicht im Nachhinein zurechtgebogen werden kann, haben wir Regeln und Erfolgskriterium vor der Rechnung schriftlich fixiert. Gemessen wurde auf zwei Ebenen: 11 GICS-Sektoren als grobe Einteilung und, im Nachtest, 74 GICS-Branchen als feine Einteilung. Für jede Ebene gibt es zwei konkurrierende Werkzeuge – einen Stage-Automaten, der Weinsteins 30-Wochen-Logik nachbildet (Stage 2 = starke Branche, Stage 4 = schwache Branche), und eine einfache 6-Monats-Rangliste, die jede Branche nach ihrer jüngsten Rendite in obere und untere Hälfte teilt. Beide Werkzeuge wurden auf zwei fertige Rezepte losgelassen. Das Umkehr-Rezept kauft Aktien nach einem heftigen Kurssturz und steigt beim Gewinnziel von 11 Prozent aus, spätestens nach 12 Handelstagen – 9.908 Trades. Der Umsatzbeschleuniger kauft Aktien von Unternehmen, deren organisches Umsatzwachstum sich gerade beschleunigt – 277 Positionen im Hauptarm, unten „enger Kern" genannt. Wie viele Trades dabei mangels Branchenangabe herausfallen und wie die Prozentwerte zu lesen sind, steht weiter unten im Kleingedruckten.
Befund 1: Der Wind existiert – aber im Schnitt trägt die Einzelaktie den Gewinn
Der erste Befund gibt Weinstein recht: Über 852 bewertbare Wochen je Sektor – der Sektorindex reicht vom 9. April 2010 bis zum 31. Juli 2026, also gut 16 Jahre – liegen fast 8 Prozentpunkte zwischen dem schwächsten Sektor (Kommunikationsdienste, 8,20 % p. a.) und dem stärksten (Informationstechnologie, 15,93 % p. a.). Dort, wo ein Kauf-Rezept am wenigsten selektiert – im breiten Signal-Arm des Umsatzbeschleunigers mit 2.693 Positionen statt der 277 des engen Kerns –, trennt die Stufen-Ampel sogar 24,29 gegen 4,27 Prozent pro Jahr. Gemessen ist das an 1.349 gegenüber 546 Positionen; in der strengeren Rechnung ohne verdächtige Kurssprünge bleiben 14,05 gegen 4,21 Prozent. Der Branchenwind ist also kein Rundungsfehler.
Dieser große Abstand widerspricht dem Rest des Beitrags nicht – er erklärt ihn. Der breite Signal-Arm nimmt praktisch jede Position mit Signal mit und wählt selbst kaum aus. Dort holt die Branchen-Ampel nach, was ein scharf geschliffenes Rezept sonst schon allein erledigt: die schwachen Kandidaten aussortieren. Sobald das Rezept selbst streng vorauswählt, bleibt für einen Branchenfilter nichts mehr zu tun – genau das zeigt der nächste Befund.
Zerlegt man jeden einzelnen Trade in Branchenwind und aktienspezifischen Rest, zeigt sich aber sofort die Grenze dieses Windes: Bei den Gewinner-Trades des Umkehr-Rezepts stammen im Mittel 9,4 von 11,0 Prozentpunkten Gewinn aus dem Rest – nur 1,6 Punkte aus dem Wind, also gut 14 Prozent. Beim Umsatzbeschleuniger fällt der Windanteil größer aus, bleibt aber die Minderheit: 36,9 von 50,2 Prozentpunkten Gewinn kommen im Mittel aus dem Rest, rund 26 Prozent aus dem Wind – ein Mittelwert, den wenige große Gewinner tragen. Die Branche schiebt also mit, aber die Auswahl der richtigen Aktie entscheidet den Gewinn.
Befund 2: Die Stufen-Ampel schlägt die einfache Rangliste nicht – auf keiner der beiden Ebenen
Damit die Stufen-Ampel als „messbar besser" als die einfache Rangliste gelten durfte, mussten wir vor der Rechnung festlegen: Der Stage-2-Filter (starke Branche) muss die Ranglisten-Variante bei beiden Rezepten schlagen, und die Gegenprobe (nur schwache Branche) muss entsprechend schlechter ausfallen. Die erste Bedingung ist auf keiner der beiden Ebenen erfüllt. Die zweite scheitert auf der groben Ebene bei beiden Rezepten: Beim Umkehr-Rezept ist die schwache Branche durchgehend besser als die starke, und beim Umsatzbeschleuniger liegen dort beide Gegenproben über den Filtern, die sie eigentlich unterbieten sollten.
Auf der groben Ebene mit 11 Sektoren sieht der Vergleich so aus. Die Zahlen der beiden Rezepte messen Unterschiedliches: Beim Umkehr-Rezept steht der Vorsprung, den ein einzelner Trade im Mittel gegenüber dem S&P 500 über seine Haltedauer erzielt – die extremsten 2,5 Prozent an beiden Rändern sind gekappt, damit einzelne Ausreißer die Zahl nicht tragen. Kein Jahreswert. Beim Umsatzbeschleuniger steht die Rendite eines Depots pro Jahr.
| Variante | Umkehr-Rezept: Vorsprung vor dem S&P 500 | Umsatzbeschleuniger: Depot-Rendite p. a. |
|---|---|---|
| ohne Branchenfilter | +1,87 Punkte | 16,56 % |
| einfache Rangliste (obere Hälfte) | +2,24 Punkte | 15,71 % |
| Stufen-Ampel (starke Branche) | +1,93 Punkte | 15,53 % |
| Gegenprobe: untere Ranglistenhälfte | +1,51 Punkte | 16,34 % |
| Gegenprobe: schwache Branche | +2,55 Punkte | 17,22 % |
Umkehr-Rezept: 3.351 Trades unter der Ampel gegen 4.473 unter der Rangliste, von 9.908 insgesamt. Umsatzbeschleuniger: 160 Positionen unter der Ampel gegen 127 unter der Rangliste, von 277 insgesamt; konservativ gerechnet. Die Gegenproben stehen beim Umkehr-Rezept auf 5.246 und 2.695 Trades, beim Umsatzbeschleuniger auf 141 und nur 33 Positionen – die 33 sind zu wenige, um daraus etwas abzuleiten.
In beiden Spalten steht die Stufen-Ampel hinter der Rangliste – das ist der Kern des Befundes. Ihren winzigen Vorsprung vor dem ungefilterten Umkehr-Rezept – 0,06 Punkte, nämlich +1,93 gegen +1,87 – bezahlt die Ampel zudem mit einem schlechteren Median der Trade-Rendite (von +6,39 auf +5,28 Prozent) und einer niedrigeren Trefferquote (von 66,6 auf 64,3 Prozent); gemeint ist der Anteil der Trades, die überhaupt im Plus enden, nicht die Zielquote weiter unten. Ob 0,06 Punkte überhaupt mehr sind als Rauschen, lässt sich aus diesen Zahlen nicht sagen – belastbar ist an ihnen die Reihenfolge, nicht der genaue Betrag.
Die beiden unteren Zeilen sind die Gegenprobe, und sie fällt aus: Eigentlich sollten die schwache Branche und die untere Ranglistenhälfte schlechter abschneiden als ihre Gegenstücke. Beim Umkehr-Rezept liegt die schwache Branche mit +2,55 Punkten aber 0,68 Punkte VOR dem ungefilterten Rezept und ist damit die beste Zeile der ganzen Tabelle.
Ein Nachtest auf der feineren 74-Branchen-Ebene ändert daran nichts. Beim Umkehr-Rezept bleibt der Stage-2-Filter mit +2,08 Prozentpunkten hinter der Ranglisten-Variante mit +2,25 Punkten – dieselbe Reihenfolge wie auf der groben Ebene. Beim Umsatzbeschleuniger dreht sich nur der Vergleich zum ungefilterten Depot: Dort kommt die Stufen-Ampel – wieder konservativ gerechnet – auf 16,66 Prozent (153 Positionen) und liegt damit erstmals knapp über dem ungefilterten Rezept – die Ranglisten-Variante erreicht mit 23,06 Prozent (132 von 277 Positionen) aber trotzdem mehr. Die Reihenfolge bleibt also dieselbe: Rangliste vor Ampel. Und dem Ausreißer der Ranglisten-Variante ist nicht zu trauen: Der zweiten Depot-Arm desselben Rezepts (ein zweites, ähnlich aufgebautes Portfolio derselben Studie) zeigt in derselben Rechnung das genau umgekehrte Vorzeichen – die untere statt die obere Ranglistenhälfte liegt dort vorn. Ein Filter, dessen Vorzeichen vom betrachteten Aktien-Segment abhängt, misst Streuung im Datensatz, keine verlässliche Regel.
Befund 3: Das Stage-4-Paradox – die schwache Branche als besserer Teich
Der überraschendste Befund betrifft ausgerechnet das Umkehr-Rezept, das gezielt Aktien nach einem Kurssturz kauft. Dort dreht sich die Erwartung komplett um: Stage 4, die schwache Branche, ist mit einem Median der Trade-Rendite von +10,43 Prozent über 2.695 Trades die beste Teilmenge der gesamten Umkehr-Auswertung – die starke Branche kommt an derselben Stelle nur auf +5,28 Prozent, das ungefilterte Rezept auf +6,39 Prozent. Ihre Zielquote – der Anteil der Trades, die das Gewinnziel von 11 Prozent erreichen, statt nach spätestens 12 Handelstagen auszulaufen – liegt bei 52,2 Prozent, gegenüber nur 41,5 Prozent bei der starken Branche (Stage 2, N = 3.351).
Die plausibelste Erklärung: In einer schwachen Branche dürften die vorangegangenen Abstürze im Schnitt tiefer ausfallen, und ein Rückprall aus größerer Tiefe legt prozentual mehr Strecke zurück. Bei einem Rezept, das gezielt auf den Absturz setzt, zahlte sich der „Rückenwind"-Gedanke in dieser Messung deshalb spiegelverkehrt aus. Wichtig dabei: Dieser Befund war nicht vorregistriert, sondern ist erst beim Blick in die Zahlen aufgefallen. Er taugt damit als Beobachtung, nicht als Handelsregel – dafür müsste er sich erst an unabhängigen Daten bewähren.
Warum feiner messen den Filter nicht rettet
Der naheliegende Einwand gegen alles bisher Gesagte: 11 Sektoren sind zu grob, „Informationstechnologie" wirft Halbleiterhersteller und Software-Anbieter in denselben Topf. Wir haben deshalb denselben Test eine Etage tiefer wiederholt, mit 74 statt 11 Branchen, ohne eine einzige Regel zu ändern. Das Ergebnis bleibt wie oben beschrieben: Der Filter schlägt die Rangliste nicht.
Die feine Ebene hat zudem einen Preis: Je Jahr sind nur rund 55 der 74 Branchen überhaupt messbar – zwölf erreichen die nötige Mitgliederzahl nie. Und die Abdeckung ist bei ausgeschiedenen (delisteten) Aktien deutlich dünner als bei heute noch notierten: Nur 40,3 Prozent der delisteten Titel tragen eine feine Branchenangabe, gegenüber 91,4 Prozent bei den aktiven. Das verzerrt die feine Ebene tendenziell zu freundlich – sie zeigt eher, wie sich Überlebende geschlagen haben, als wie sich die Branche insgesamt entwickelt hat. Für Unterschiede zwischen Filtervarianten ist das weniger schlimm als für Aussagen zum Renditeniveau, aber ein Grund mehr, dem einen positiven Ausreißer beim Umsatzbeschleuniger auf der feinen Ebene nicht zu trauen.
Was das für Anleger heißt
Für die beiden hier getesteten Kauf-Rezepte gilt: Die Auswahl der einzelnen Aktie schlägt die Branchenwette. In dieser Messung war die Branchenampel als Kaufsignal nicht das bessere Werkzeug – weder grob noch fein gerechnet – die einfache Branchen-Rangliste schlägt sie auf beiden Ebenen, und beim Umkehr-Rezept fällt ausgerechnet die schwache Branche besser aus als die starke. Das heißt nicht, dass Branchen für Aktienkurse irrelevant sind – der Wind existiert und ist teilweise sogar groß –, sondern nur, dass er dort verpufft, wo ein Kauf-Rezept die Aktien bereits sorgfältig vorauswählt. In den beiden getesteten Rezepten brachte der Kauf in starken Branchen keinen messbaren Vorteil. Die umgekehrte Regel – gezielt in schwachen Branchen kaufen – lässt sich aus dieser Messung ausdrücklich nicht ableiten: Sie war nicht vorregistriert, sondern ist erst beim Blick in die Zahlen aufgefallen. Für einen nachträglich gefundenen Befund gilt dieselbe Skepsis wie für den Ausreißer auf der feinen Ebene – er müsste sich erst an unabhängigen Daten bewähren.
Kleingedrucktes: wie die Zahlen zu lesen sind
Der Umsatzbeschleuniger wird in mehreren Depot-Varianten gerechnet: Der enge Kern nimmt nur die strengsten Signale, der breite Signal-Arm praktisch jede Position mit Signal, und ein zweites, fast gleich gebautes Depot bündelt dieselbe Idee für bereits etablierte Wachstumswerte. Alle Prozentwerte dieses Rezepts in den Filtertabellen sind Depot-Renditen pro Jahr, gerechnet über die 163 Monate von Januar 2013 bis Juli 2026; die Zerlegungszahlen sind dagegen Mittelwerte je Position über deren Haltedauer. Wo „konservativ gerechnet" steht, sind Positionen ausgeklammert, deren Monatsrendite über 200 Prozent liegt – sie stehen im Verdacht, auf einen Datenfehler statt auf einen echten Kurssprung zurückzugehen.
Zur Abdeckung: Ein kleiner Teil der Trades trägt keine Branchenangabe – je nach Ebene und Rezept 1,4 bis 5,4 Prozent. Auf der feineren Ebene fehlt zusätzlich bei einigen Trades die Branchenstufe vor dem Einstieg, oder die Branche selbst hatte nie einen eigenen Index; dort fallen deshalb gut 8 Prozent der Trades aus den Filtervarianten heraus. Sie alle bleiben im ungefilterten Vergleich. Und die Stufen decken nicht alle Trades ab: Neben der starken Branche (Stage 2) und der schwachen (Stage 4) gibt es die Zwischenstufen, in denen die übrigen Trades liegen. Davon zu unterscheiden ist die Abdeckung auf Ebene der einzelnen Aktien: Dort trägt auf der feinen Ebene nur gut die Hälfte aller Titel überhaupt eine Branchenangabe.
Grenzen ehrlich benannt
- Die Branchenzuordnung ist heutig und statisch. Jede Firma bekommt eine Branche aus der aktuellen Klassifikation zugewiesen, angewendet auf die gesamte Historie – eine Umgruppierung im Zeitverlauf bildet die Analyse nicht ab.
- Die Branchenindizes sind gleichgewichtet, nicht kapitalisierungsgewichtet. Ein kleiner Nebenwert zählt genauso viel wie ein Branchenschwergewicht.
- Weinsteins Buchtext liegt uns nicht vollständig vor. Die oben zitierte Stufen-Definition stammt direkt aus dem Original; für die Kapitel, in denen er die Analyse der Branchengruppen vertieft, stützen wir uns auf Sekundärliteratur.
- Beide Kauf-Rezepte sind mechanisierte Regeln. Ob ein diskretionär handelnder Anleger mit Weinsteins Methodik (inklusive relativer Stärke und Handelsvolumen, die hier nicht einfließen) andere Ergebnisse erzielt, testet diese Analyse nicht.
Die vollständige Rechnung mit allen Tabellen, der vorregistrierten Entscheidungsregel und dem kompletten Nachtest steht in der ausführlichen Studie „Branchen-Rückenwind im Test". Wer die beiden zugrunde liegenden Kauf-Rezepte im Detail nachlesen will, findet sie im Parabel-Umkehr-Backtest und im Umsatzbeschleuniger-Backtest.
Stand der Zahlen: 9. August 2026; Nachtest auf der feinen Branchen-Ebene 10. August 2026.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kurs- und Fundamentaldaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Prognose; einzelne namentlich genannte Titel dienen ausschließlich der Veranschaulichung historischer Kursmuster. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Für die beiden hier getesteten Kauf-Rezepte lautet die Antwort Nein. Ein Filter auf starke Branchen verbessert keines der beiden Rezepte verlässlich – in beiden Fällen schneidet die einfache Rangliste der Branchen besser ab als Weinsteins Stufen-Ampel. Beim Umkehr-Rezept schnitt sogar die schwache Branche besser ab als die starke; dieser Befund war allerdings nicht vorregistriert, sondern fiel erst beim Blick in die Zahlen auf – er taugt als Beobachtung, nicht als Handelsregel. Die Branchenzugehörigkeit ersetzt keine Aktienauswahl.
Stan Weinstein schreibt in seinem Buch von 1988, die Branchengruppe zähle mehr als die einzelne Aktie: Eine starke Aktie in einer schwachen Branche bleibt selten lange stark, eine schwache Aktie in einer starken Branche wird oft mitgezogen. Sein Bild dafür ist der Wald und die Bäume – erst die Gruppe betrachten, dann den einzelnen Titel.
Ja, klar messbar. Über 852 Wochen – gut 16 Jahre, von April 2010 bis Juli 2026 – trennen fast 8 Prozentpunkte den schwächsten vom stärksten Sektor. Dort, wo ein Rezept am wenigsten selektiert, zieht die Stufen-Ampel sogar 20 Prozentpunkte auseinander (24,29 gegen 4,27 % pro Jahr; in der strengeren Rechnung ohne verdächtige Kurssprünge 14,05 gegen 4,21 %). Der Wind ist also real – er hilft nur nicht, sobald ein Kauf-Rezept die Aktien bereits scharf vorfiltert.
Das Umkehr-Rezept kauft Aktien gezielt nach einem Absturz. In einer schwachen Branche dürften diese Abstürze im Schnitt tiefer ausfallen – und ein Rückprall aus größerer Tiefe legt prozentual mehr zurück. In dieser Messung erreichte die schwache Branche ihr Kursziel deshalb in 52,2 statt 41,5 Prozent der Fälle. Wichtig: Dieser Befund war nicht vorregistriert, sondern ist erst nachträglich in den Zahlen aufgefallen. Er ist damit eine Beobachtung und ausdrücklich keine Handelsregel – gezielt in schwachen Branchen zu kaufen lässt sich daraus nicht ableiten; die Regel müsste sich erst an unabhängigen Daten bewähren.
Nein. Auch mit 74 GICS-Branchen statt 11 Sektoren bleibt der Stage-Filter beim Umkehr-Rezept hinter der Rangliste zurück. Beim Umsatzbeschleuniger liegt die Stufen-Ampel dort erstmals knapp über dem ungefilterten Rezept, bleibt aber weiter hinter der Rangliste. Und der Vorsprung der Rangliste dreht im zweite Depot-Arm desselben Rezepts sein Vorzeichen um – ein Zeichen für Zufallsstreuung, nicht für eine verlässliche Regel. Die feine Ebene deckt zudem nur gut die Hälfte aller Aktien ab, bei ausgeschiedenen Titeln nur gut 40 Prozent – gemessen an den Aktien, nicht an den Trades.