Parabel-Umkehr-Studie: Kaufen nach dem Crash schlägt den Index — knapp, aber echt
Eine Aktie stürzt ab, bildet ein Todeskreuz, verliert mindestens ein Fünftel ihres Werts und kapituliert schließlich mit einem Tag tief unter ihrer 20-Tage-Linie. Ist genau dieser Moment ein guter Einstieg? Wir haben die Umkehr an 9.908 Fällen seit 2010 durchgerechnet, survivorship-frei und inklusive später von der Börse genommener Titel. Die Antwort ist ja — aber nur in einer sehr bestimmten Form: früher Einstieg direkt nach der Kapitulation, Ausstieg innerhalb von höchstens zwölf Handelstagen. Wer stattdessen wartet, bis der Kurs wieder über seiner 20-Tage-Linie steht, schlägt den Index in keiner einzigen von 1.500 getesteten Ausstiegs-Varianten (robustes Mittel). Wer lange hält, verliert ebenfalls gegen den Index. Und bei den brutalsten Abstürzen versagt auch die kurze Regel.
Charttechnik kennt zwei Extreme derselben Bewegung: den parabolischen Anstieg, der irgendwann kippt, und den Absturz, der irgendwann endet. Unsere Parabel-Todeskreuz-Studie hat das Kippen von oben untersucht — als Ausstiegssignal für Halter, als gescheitertes Short-Rezept. Diese Studie nimmt die Gegenrichtung: Wann genau ist der Absturz weit genug gelaufen, dass ein Kauf sich lohnt?
Wir haben dafür eine dreistufige Regel entwickelt und an 9.908 vollständigen Trades in 5.008 US-Aktien seit 2010 durchgerechnet, survivorship-frei — also inklusive aller Aktien, die zwischenzeitlich von der Börse genommen wurden. Das Ergebnis ist ein echter, aber schmaler Vorsprung vor dem S&P 500, und er trägt nur unter sehr bestimmten Bedingungen: früher Einstieg, kurzer Ausstieg. Alles andere haben wir ausdrücklich mitgetestet — und es funktioniert nicht.
Die Regel: drei Stufen bis zum Kauf
Die Regel entsteht in drei aufeinanderfolgenden Schritten, und alle drei müssen erfüllt sein, bevor überhaupt ein Kaufsignal entstehen kann:
- Todeskreuz. Die 10-Tage-Linie (SMA10) fällt von oben unter die 20-Tage-Linie (SMA20), auf Tagesschlussbasis.
- Echter Absturz. Vom Schlusskurs des Kreuztages bis zum tiefsten folgenden Schlusskurs verliert die Aktie mindestens 20 Prozent.
- Kapitulation. Mindestens ein Tag schließt 15 Prozent oder mehr unter der 20-Tage-Linie — der Moment, in dem der Ausverkauf sichtbar übertreibt.
Erst wenn alle drei Stufen durchlaufen sind, wird ein Kauf möglich: am ersten Tagesschluss, der wieder über der 5-Tage-Linie (SMA5) liegt. Verkauft wird am ersten Schluss, der 11 Prozent oder mehr über dem Kaufkurs liegt — spätestens aber am Schluss des 12. Handelstages, unabhängig davon, ob das Ziel erreicht wurde. Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei 9,1 Handelstagen.
Das Ergebnis: ein echter, aber schmaler Vorsprung
| Kennzahl | Regel | vs. S&P 500 |
|---|---|---|
| Median je Trade | +6,39 % | +3,47 Punkte |
| Winsorisiertes Mittel je Trade | +3,70 % | +1,87 Punkte |
| Trefferquote | 66,6 % | — |
| Rendite je Handelstag | +0,41 % | — |
| Gewinnziel (11 %) erreicht | 43,7 % der Trades | — |
„Punkte" heißt in dieser und jeder folgenden Tabelle immer: Prozentpunkte Vorsprung der Regel gegenüber dem Index im selben Zeitfenster — nicht die Rendite des Index selbst.
Ein winsorisiertes Mittel ist ein robuster Durchschnitt: Er behandelt extreme Ausreißer nicht als Vollgewicht, kappt sie aber auch nicht komplett weg wie ein reiner Median. Bei 66,6 Prozent Trefferquote gewinnt die Mehrheit der Trades, und der typische Trade (Median) bringt 6,39 Prozent — mehr, als der Index im selben Fenster typischerweise schafft (Median +1,6 Prozent). Nur 43,7 Prozent der Trades erreichen das Gewinnziel von 11 Prozent tatsächlich; der Rest wird spätestens am 12. Handelstag verkauft, gewinnbringend oder nicht.
Warum die Netto-Zahl die Hauptzahl ist
Bei einer Haltedauer von im Schnitt neun Handelstagen entstehen viele Trades im Jahr — Handelskosten wiegen hier deutlich schwerer als bei einer Strategie, die selten kauft und lange hält. Wir rechnen deshalb mit einem realistischen Misch-Kostenszenario statt mit einer einzigen, geschönten Kostenannahme: Die Trades werden nach Handelsliquidität in drei etwa gleich große Drittel geteilt (3.303, 3.302 und 3.303 Trades) und mit 0,5, 0,2 beziehungsweise 0,1 Prozent Kosten je Seite belastet — je illiquider die Aktie, desto teurer der Handel. Der Vergleichsindex S&P 500 trägt dabei bewusst KEINE Kosten. Das macht den Vergleich zusätzlich konservativ, denn ein echter Indexkauf ist ebenfalls nicht kostenlos.
| Szenario | Kosten je Seite | Winsorisiertes Mittel | vs. Index |
|---|---|---|---|
| Brutto (ohne Kosten) | 0 % | +4,26 % | +2,42 Punkte |
| Einheitsszenario | 0,2 % für alle Trades | +3,84 % | +2,01 Punkte |
| Misch-Szenario (Hauptzahl) | 0,5 / 0,2 / 0,1 % je Liquiditätsdrittel | +3,70 % | +1,87 Punkte |
| Einheitsszenario, teuer | 0,5 % für alle Trades | +3,22 % | +1,38 Punkte |
Der Vorsprung bleibt in jedem getesteten Kostenszenario positiv — er schrumpft mit steigenden Kosten, kippt aber in keiner Variante ins Minus. Brutto, ganz ohne Handelskosten gerechnet, liegt der Median bei +6,91 Prozent, das winsorisierte Mittel bei +4,26 Prozent und die Trefferquote bei 67,8 Prozent. Der Unterschied zur Netto-Zahl im Misch-Szenario ist also spürbar, aber nicht groß genug, um die Aussage der Studie zu kippen.
Robustheit: breit abgestützt, kein Ausreißer-Jahr
Ein Vorsprung, der nur aus einem einzigen guten Jahr oder einer einzigen Marktphase stammt, ist keine verlässliche Regel. Wir haben deshalb geprüft, ob der Vorsprung über Jahre, Liquiditätsklassen und Marktabschnitte hinweg trägt.
| Teilmenge | vs. Index |
|---|---|
| Liquiditätsdrittel 1 (illiquideste Trades) | +1,43 Punkte |
| Liquiditätsdrittel 2 | +1,91 Punkte |
| Liquiditätsdrittel 3 (liquideste Trades) | +2,28 Punkte |
| gelistete Titel | +1,93 Punkte |
| später delistete Titel | +1,75 Punkte |
| ohne die Einstiegsjahre 2020 und 2021 (N=6.998) | +2,06 Punkte |
Alle drei Liquiditätsdrittel liegen vorn, gelistete wie delistete Titel liegen vorn, und alle drei Kalenderdrittel des Untersuchungszeitraums liegen vorn. Besonders wichtig: Rechnet man die beiden Ausnahmejahre 2020 und 2021 komplett heraus — 2.910 der 9.908 Einstiege entfallen dann —, bleiben immer noch 2,06 Prozentpunkte Vorsprung übrig, sogar etwas mehr als im Gesamtzeitraum. Der Vorsprung ist also keine Corona-Erholungsgeschichte.
Auch die Jahresreihe stützt das Bild: 15 von 17 Einstiegsjahren liegen vor dem Index. Negativ sind nur zwei Jahre — 2014 mit −0,27 Punkten und 2021 mit −0,23 Punkten —, und in beiden Jahren ist der Median trotzdem positiv; nur das robuste Mittel rutscht knapp unter null.
Wie die Regel entstand: drei Entwicklungsstufen
Die endgültige Regel ist das Ergebnis eines dreistufigen Tests, und die Reihenfolge ist selbst Teil des Befunds: Erst die Kombination aus frühem Einstieg und kurzem Ausstieg trägt gegen den Index — jede der beiden Zutaten allein reicht nicht.
Stufe 1: der Volltest der Grundregel
Der erste Test kaufte konservativ erst, wenn der Kurs wieder über der 20-Tage-Linie stand, und hielt 120 Handelstage. Das Signal trägt hier bereits nachweisbare Information: Der Median nach 120 Tagen liegt bei +4,63 Prozent, gegenüber nur +0,14 Prozent an Zufallstagen derselben Aktien (Kontrollgruppe). Gegen den Index verliert diese Grundregel aber deutlich — brutto 7,36 Prozentpunkte im Median zurück.
Stufe 2: früherer Einstieg über der 5-Tage-Linie
Der zweite Test ersetzte den Einstieg über der 20-Tage-Linie durch den früheren Einstieg über der 5-Tage-Linie — im Median 9 Handelstage früher und 6,0 Prozent billiger. Der 120-Tage-Median steigt dadurch auf +9,16 Prozent (statt +4,63 Prozent), und der Rückstand zum Index schrumpft auf 5,44 Punkte (Median, brutto, statt 7,36) — bleibt aber bestehen. Der frühere Einstieg allein reicht noch nicht.
Stufe 3: der systematische Ausstiegs-Test
Der dritte Test prüfte systematisch jede Haltedauer von 1 bis 30 Tagen und jedes Gewinnziel von 1 bis 50 Prozent — 1.500 Kombinationen insgesamt. Ergebnis: Der Vorteil des Signals konzentriert sich auf die ersten zwei Wochen und zerfällt danach. Mit dem späten Einstieg über der 20-Tage-Linie schafft es — am winsorisierten Mittel gemessen, dem robusten Maß — KEINE einzige der 1.500 Kombinationen ins Plus gegen den Index. Mit dem frühen Einstieg über der 5-Tage-Linie dagegen jede einzelne: Alle 1.500 Kombinationen liegen vor dem Index, im Median 1.291 von 1.500 — darunter die Hauptregel dieser Studie (Ziel 11 Prozent, spätestens Tag 12). Verlust-Stops wurden ebenfalls systematisch getestet, von 1 bis 50 Prozent Abstand: Alle 50 Varianten verschlechtern das Ergebnis, ausnahmslos.
Die Schwachstelle: Abstürze über 50 Prozent
Trennt man die 9.908 Trades nach der Stärke des vorangegangenen Absturzes, zeigt sich eine klare Grenze. Bei Rückgängen von mehr als 50 Prozent (1.116 Trades) verliert das kurze Rezept gegen den Index — 5,44 Prozentpunkte im Rückstand. Bei so brutalen Abstürzen schnitt der langsamere Weg im Test besser ab (robustes Mittel): Kauf erst über der 20-Tage-Linie, dafür 120 Handelstage gehalten. Dass hier dieselbe Zahl steht wie beim Rückstand der zweiten Entwicklungsstufe, ist Zufall zweier verschiedener Rechnungen: Dort ist es der Median über alle 9.908 Trades vor Kosten, hier das robuste Mittel im Segment der tiefen Abstürze nach Kosten. Diese Studie versteht sich deshalb ausdrücklich nicht als Universalregel für jeden Absturz — bei den heftigsten Fällen kehrt sich der Vorteil um.
Wie wir gerechnet haben
- Universum und Zeitraum. US-Aktien, Einstiege 2010 bis 2026, alles auf Tagesschlusskursen.
- Survivorship-frei. Auch Aktien, die zwischenzeitlich von der Börse genommen wurden, bleiben im Datensatz — sonst würde nur die Gruppe der Überlebenden gemessen.
- 9.908 vollständige Trades in 5.008 Aktien erfüllen alle drei Stufen der Regel und lösen ein Kaufsignal aus.
- Kostenmodell. Realistisches Misch-Szenario nach Handelsliquidität: die Trades werden in drei etwa gleich große Drittel geteilt (3.303 / 3.302 / 3.303) und mit 0,5, 0,2 beziehungsweise 0,1 Prozent Kosten je Seite belastet. Der Index-Vergleich trägt bewusst keine Kosten.
- Verkaufsregel. Erster Schluss 11 Prozent oder mehr über dem Kaufkurs, spätestens Schluss des 12. Handelstages — unabhängig davon, ob das Ziel erreicht wurde.
Was diese Studie nicht sagt
- Die Regel ist auf denselben Daten entwickelt, an denen sie gemessen ist (in-sample). Die breite Robustheit über Jahre, Liquiditätsklassen und gelistete wie delistete Titel mildert dieses Risiko, ersetzt aber keinen Test an neuen, künftigen Daten.
- Alles rechnet auf Tagesschlusskursen. Im echten Handel würden Gewinnziele tendenziell etwas besser gefüllt — dafür sind reale Ausführungskurse innerhalb eines Handelstages nicht garantiert.
- Der Indexvergleich trägt keine Kosten auf der Index-Seite. Ein echter Indexkauf ist ebenfalls nicht kostenlos; der Vergleich ist dadurch bewusst konservativ zugunsten des Index gerechnet.
- Kurze Haltedauern bedeuten viele Trades. Kosten und Steuern wiegen bei dieser Regel spürbar schwerer als bei Langfriststrategien, die selten handeln.
- Bei Abstürzen über 50 Prozent versagt das kurze Rezept gegen den Index (siehe oben) — dort war im Test langes Halten die bessere Wahl.
- Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.
Was wir daraus gebaut haben
Aus dem Rücktest ist ein täglich aktualisierter Scanner in unserer Kategorie „Geprüfte Scanner" geworden: Parabel-Umkehr. Er wendet die getestete Regel täglich auf unser Aktienuniversum an — Todeskreuz, mindestens 20 Prozent Absturz, Kapitulation mit mindestens 15 Prozent Abstand zur 20-Tage-Linie, Kaufsignal beim ersten Schluss über der 5-Tage-Linie. Bei jedem Treffer steht die Absturztiefe daneben, damit die Schwachstelle dieser Regel sichtbar bleibt. Ein Treffer dort ist ein Fund, kein Kaufsignal: Diese Studie sagt, unter welchen Bedingungen die Regel im Rückblick getragen hat — nicht, dass sie es wieder tun wird.
Wer die entgegengesetzte Seite derselben charttechnischen Formation sehen möchte — was am Todeskreuz für Halter und für Short-Trader gilt —, findet sie in unserer Parabel-Todeskreuz-Studie. Weitere Rücktest-Studien stehen gesammelt in der Rubrik Studien.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kursdaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, keine Prognose und keine Aussage über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen — auch der begleitende Scanner ersetzt keine eigene Prüfung. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Eine Kaufregel, die in drei Schritten entsteht. Erstens ein Todeskreuz: Die 10-Tage-Linie fällt unter die 20-Tage-Linie, auf Tagesschlussbasis. Zweitens ein echter Absturz: Vom Schlusskurs des Kreuztages bis zum tiefsten folgenden Schlusskurs verliert die Aktie mindestens 20 Prozent. Drittens Kapitulation: Mindestens ein Tag schließt 15 Prozent oder mehr unter der 20-Tage-Linie. Erst wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, wird gekauft — und zwar nicht sofort, sondern am ersten Tagesschluss, der wieder über der 5-Tage-Linie liegt. Verkauft wird am ersten Schluss, der 11 Prozent oder mehr über dem Kaufkurs liegt, spätestens aber am Schluss des 12. Handelstages. Getestet wurde das an 9.908 vollständigen Trades in 5.008 US-Aktien, Einstiege zwischen 2010 und 2026, inklusive Aktien, die inzwischen von der Börse genommen wurden.
Weil eine Regel, die neun Handelstage im Schnitt hält, viele Trades erzeugt — und Handelskosten bei kurzen Haltedauern stärker wiegen als bei Langfriststrategien. Wir rechnen deshalb mit einem realistischen Misch-Kostenszenario: Die Trades werden nach Handelsliquidität in drei etwa gleich große Drittel geteilt (3.303, 3.302 und 3.303 Trades) und mit 0,5, 0,2 beziehungsweise 0,1 Prozent Kosten je Seite belastet — je illiquider, desto teurer. Der Vergleichsindex S&P 500 trägt dabei bewusst gar keine Kosten, was den Vergleich zusätzlich konservativ macht. Selbst unter diesen Bedingungen bleibt der Vorsprung positiv: winsorisiertes Mittel +3,70 Prozent je Trade gegenüber +1,87 Prozentpunkten beim Index. Im Einheitsszenario mit 0,2 Prozent je Seite für alle Trades wächst der Vorsprung auf 2,01 Punkte, brutto ganz ohne Kosten auf 2,42 Punkte. Selbst im teuersten Einheitsszenario (0,5 Prozent für alle Trades) bleibt er mit 1,38 Punkten positiv — die Regel kippt in keinem getesteten Kostenszenario ins Minus.
Nein. Rechnet man alle Einstiege der Jahre 2020 und 2021 komplett heraus — das sind 2.910 der 9.908 Trades —, bleiben 6.998 Trades übrig, und der Vorsprung gegenüber dem Index steigt sogar leicht, von 1,87 auf 2,06 Prozentpunkte netto im Misch-Szenario. Auch die Jahresreihe stützt das: 15 von 17 Einstiegsjahren liegen vor dem Index, negativ sind nur 2014 (−0,27 Punkte) und 2021 (−0,23 Punkte) — und in beiden Jahren ist der Median trotzdem positiv, nur das Mittel rutscht knapp ins Minus. Auch alle drei Liquiditätsdrittel (+1,43, +1,91 und +2,28 Punkte), gelistete Titel (+1,93 Punkte) und delistete Titel (+1,75 Punkte) sowie alle drei Kalenderdrittel des Untersuchungszeitraums liegen einzeln vorn.
Weil zwei Stellschrauben zusammenkommen müssen, wie die Entwicklungsgeschichte dieser Regel zeigt. Der Volltest der Grundregel — Kauf erst über der 20-Tage-Linie, 120 Handelstage halten — zeigt zunächst, dass das Signal echte Information trägt: Median nach 120 Tagen +4,63 Prozent gegenüber nur +0,14 Prozent an Zufallstagen derselben Aktien. Gegen den Index verliert diese Grundregel aber brutto 7,36 Prozentpunkte im Median. Ein früherer Einstieg über der 5-Tage-Linie — im Median 9 Handelstage früher und 6,0 Prozent billiger — hebt den 120-Tage-Median auf +9,16 Prozent und verkleinert den Rückstand auf 5,44 Punkte (ebenfalls im Median, statt 7,36), dreht ihn aber noch nicht ins Plus. Erst der dritte Schritt kippt den Vergleich: Ein systematischer Test aller 1.500 Kombinationen aus Haltedauer (1 bis 30 Tage) und Gewinnziel (1 bis 50 Prozent) zeigt, dass sich der Vorteil des Signals auf die ersten zwei Wochen konzentriert und danach zerfällt. Mit dem späten Einstieg über der 20-Tage-Linie schlägt dabei — am winsorisierten Mittel gemessen, dem robusten Maß — keine einzige der 1.500 Kombinationen den Index; mit dem frühen Einstieg über der 5-Tage-Linie dagegen mehrere, darunter die hier vorgestellte Hauptregel. Früher Einstieg und kurzer Ausstieg tragen nur gemeinsam.
Nein, in keiner getesteten Variante. Wir haben Stop-Abstände von 1 bis 50 Prozent durchprobiert, alle 50 Varianten verschlechtern das Ergebnis gegenüber der stopplosen Regel. Der Grund liegt im Wesen der Regel: Nach einer heftigen Kapitulation ist die Kursbewegung volatil, ein enger Stop wird häufig ausgelöst, bevor sich die eigentliche Erholung entfaltet — der Stop realisiert damit eher den kurzfristigen Rückschlag, als vor ihm zu schützen.
Bei den brutalsten Abstürzen. Trennt man die 9.908 Trades danach, wie stark der vorangegangene Absturz war, zeigt sich: Bei Rückgängen von mehr als 50 Prozent (1.116 Trades) verliert das kurze Rezept gegen den Index — 5,44 Prozentpunkte im Rückstand. Bei so brutalen Abstürzen schnitt der langsamere Weg im Test besser ab (robustes Mittel): Kauf erst über der 20-Tage-Linie, dafür 120 Handelstage gehalten. Das ist die einzige echte Schwachstelle dieser Studie und der Grund, warum wir sie nicht als Universalregel für jeden Absturz verstehen.
Beide Studien untersuchen dasselbe technische Ereignis — das Todeskreuz, wenn die 10-Tage-Linie unter die 20-Tage-Linie fällt —, aber aus entgegengesetzter Richtung. Die Parabel-Todeskreuz-Studie fragt, was am Todeskreuz nach einem parabolischen Kursanstieg zu tun ist: für Halter ein Ausstiegssignal, als Short-Rezept dagegen ein Fehlschlag, weil seltene Short-Squeezes den Durchschnitt auffressen. Diese Studie hier setzt am entgegengesetzten Ende an: Sie fragt, ob der Moment der Kapitulation nach einem Absturz — nicht das Kreuz selbst, sondern die spätere Umkehr darüber hinaus — ein guter Einstieg für einen Kauf ist. Beide Regeln sind unabhängig voneinander entwickelt und getestet; sie ergänzen sich als Ober- und Unterseite derselben charttechnischen Formation, ohne sich gegenseitig zu bedingen.