Parabel-Todeskreuz-Studie: Was das MA10/MA20-Kreuz nach parabolischen Anstiegen wirklich taugt
Ausstiegssignal ja, Short nein: Ein Kurs steigt parabolisch, dann kreuzt der gleitende 10-Tage-Durchschnitt von oben unter den 20-Tage-Durchschnitt — das „Todeskreuz". Wir haben 147.403 solcher Kreuzungen seit 2010 durchgerechnet, survivorship-frei, mit echten Delistings. Für Halter starker Parabeln funktioniert das Kreuz als Ausstiegssignal — es kappt die Katastrophen, kostet im Schnitt aber etwas, weil es auch Nachbrenner-Rallys abschneidet. Als Short-Rezept dagegen funktioniert es NICHT: Der typische Trade gewinnt, aber der Durchschnitt aller Trades verliert, weil seltene Short-Squeezes die gesamte Rechnung auffressen.
Jeder, der eine Weile Charts anschaut, kennt das Muster: Ein Kurs beginnt sich zu beschleunigen, die Kerzen werden steiler, der 10-Tage-Durchschnitt zieht deutlich über den 20-Tage-Durchschnitt — eine Parabel. Und irgendwann kippt sie: Der kurze Durchschnitt fällt unter den langen, das „Todeskreuz". Viele lesen das als klares Verkaufssignal, manche als Einladung zum Leerverkauf.
Wir wollten wissen, ob beides stimmt, und haben dafür 147.403 solcher Kreuzungen in US-Aktien seit 2010 durchgerechnet, survivorship-frei, mit echten Delistings statt nur den Überlebern. Das Ergebnis ist zweigeteilt: Als Ausstiegssignal funktioniert das Kreuz — als Short-Rezept nicht, weil der typische Trade zwar gewinnt, der Durchschnitt aller Trades aber verliert.
Aufbau: 147.403 Kreuzungen, zwei Anwendungen, ein überraschender Widerspruch
Das Muster ist einfach definiert: SMA10 über SMA20 (Tagesbasis, adjustierte Schlusskurse) während eines parabolischen Anstiegs, dann die Kreuzung SMA10 unter SMA20 — das Todeskreuz. Aus den 147.403 Rohereignissen fallen 3.396 Randfälle heraus (Kreuzung ab Mai 2026, zu nah am Datenrand für ein vollständiges Ergebnisfenster). Von den verbleibenden 144.007 durchläuft die Hauptauswertung zusätzliche Qualitätsfilter — Datenbrüche raus (7,2 % der Rohereignisse, darunter ein als Aktie getarnter Ticker-Splice zweier verschiedener Firmen), dazu Split-Verdachtsfälle und Kurslücken, Rohkurs mindestens 1 US-Dollar, Median-Dollarvolumen mindestens 1 Million Dollar — und kommt auf 74.742 Ereignisse. Eine engere Teilmenge, „STARK" genannt, verlangt zusätzlich einen Anstieg von mindestens 100 Prozent UND ein Hoch, das zugleich das 120-Tage-Hoch ist: 3.905 Ereignisse. Zwei Fragen wurden an diese Daten gestellt: Taugt das Kreuz als Ausstiegssignal für jemanden, der die Aktie bereits hält (Anwendung B)? Und taugt es als Einstieg für einen Leerverkauf (Anwendung A)? Die Antworten laufen in eine überraschende Richtung auseinander.
Für Halter: eine Versicherung, keine Renditequelle
Bei STARK-Ereignissen ist der Absturz nach dem Hoch brutal: Im Median verliert die Aktie vom Hoch bis zum Tief 48,5 Prozent. Entscheidend für die Frage, ob das Kreuz als Warnsignal taugt: Mehr als die Hälfte dieses Absturzes — 51,5 Prozent im Median — passiert erst NACH der Kreuzung, nicht vorher. Wer beim Kreuz verkauft statt zu halten, verpasst also nicht die Hauptbewegung, sondern vermeidet einen erheblichen Teil davon.
| Haltedauer nach Verkaufszeitpunkt | Median-Ersparnis ggü. Halten | Ersparnis >0 in |
|---|---|---|
| 20 Handelstage | +1,24 pp | 53,1 % |
| 60 Handelstage | +4,99 pp | 57,5 % |
| 120 Handelstage | +7,49 pp | 57,9 % |
Auf den ersten Blick ein klares Ja: Verkaufen beim Kreuz schlägt Halten, im Median und in der Mehrheit der Fälle. Aber der zweite Blick relativiert das erheblich: Das winsorisierte Mittel der Ersparnis — ein robuster Durchschnitt über ALLE Fälle, der extreme Ausreißer kappt statt sie zu ignorieren — liegt bei 60 Tagen bei −2,2 Prozentpunkten. Leicht negativ. Die ehrliche Lesart: Das Kreuz-Signal ist eine Versicherung gegen die Katastrophe, keine Quelle zusätzlicher Rendite. Es kappt die schlimmsten Abstürze zuverlässig, kostet aber im Durchschnitt etwas, weil es gelegentlich auch eine Aktie verkauft, die danach noch einmal durchstartet — ein Nachbrenner, den ein Halter verpasst. Bei moderaten Anstiegen (30–100 Prozent statt der vollen STARK-Definition) verschwindet der Effekt fast vollständig: Dort liegt die Median-Ersparnis in der Hauptauswertung nahe null oder leicht negativ. Das Signal funktioniert also spezifisch bei wirklich starken Parabeln, nicht bei jedem MA10/MA20-Kreuz.
Für Short-Trader: gewinnt im Median, verliert im Schnitt
Hier beginnt die eigentliche Pointe dieser Studie. Ein Short-Einstieg am Kreuz sieht auf den ersten Blick verlockend aus:
| Kennzahl (STARK, 60 Handelstage, Short ohne Stop) | Wert |
|---|---|
| Median | +6,6 % |
| Trefferquote | 57,4 % |
| Winsorisiertes Mittel | −2,4 % |
Median und Trefferquote sprechen für den Short: Mehr als die Hälfte aller Trades gewinnt, und der typische Gewinn liegt bei 6,6 Prozent. Das winsorisierte Mittel dreht aber ins Negative. Der Grund liegt in der FORM der Verteilung, nicht in ihrer Mitte: Die meisten Short-Trades bringen moderate Gewinne, aber eine kleine Minderheit läuft extrem gegen den Short — ein Short-Squeeze, bei dem der Kurs statt weiter zu fallen explodiert. In den zugrunde liegenden Daten findet sich ein Beispiel aus dem Jahr 2026, bei dem eine Position um plus 226 Prozent gegen den Short lief. Solche seltenen, aber extremen Ausreißer fressen rechnerisch den Ertrag vieler kleiner Gewinne wieder auf. Der Median zeigt, was der typische Trade macht — das Mittel zeigt, was ein Portfolio aus sehr vielen solchen Trades im Durchschnitt verdient hätte. Bei diesem Signal laufen beide Antworten in verschiedene Richtungen.
In der breiteren Hauptauswertung (alle Anstiege ab 30 Prozent, nicht nur STARK) ist der Short komplett tot — dort ist bereits der Median negativ. Nur bei extremen Anstiegen über 400 Prozent zeigt sich eine Ausnahme: Dort ist auch das winsorisierte Mittel leicht positiv (+8,5 Prozent bei 163 Ereignissen über 60 Tage) — eine seltene Randbeobachtung mit kleiner Fallzahl, kein tragfähiges Rezept. Und in keiner dieser Zahlen stecken Leihkosten oder die reale Verfügbarkeit der Aktie zum Leerverkauf — beides würde das Ergebnis eher weiter verschlechtern.
Stops machen es schlechter, nicht besser
Ein naheliegender Reflex: Wenn seltene Squeezes das Mittel kaputt machen, sollte ein Stop-Loss doch helfen? Das Gegenteil ist der Fall. Getestet wurden feste Stops bei 10, 15, 20 und 25 Prozent, ein 15-Prozent-Trailing-Stop sowie ein Rückkreuzungs-Exit (Ausstieg, sobald SMA10 wieder über SMA20 steigt, gedeckelt auf 120 Handelstage).
| Variante (STARK, 60 Handelstage) | Median | Stop-Quote |
|---|---|---|
| ohne Stop | +6,6 % | — |
| Stop 10 % | −11,4 % | 69,5 % |
| Stop 15 % | −15,9 % | 61,2 % |
| Trailing 15 % | −6,2 % | 96,6 % |
| Rückkreuzungs-Exit | −2,8 % | 99,9 % |
Jede Stop-Variante verschlechtert den Median massiv gegenüber der stopplosen Variante — bei Stop-Quoten je nach Stop-Abstand zwischen 47 und 70 Prozent aller Trades und beim Trailing-Stop sogar 97 Prozent. Ein enger Stop wird bei einem volatilen Short-Squeeze fast immer zuerst ausgelöst, bevor sich die eigentliche Bewegung entfaltet — der Stop schützt nicht vor dem Squeeze, er realisiert ihn. Dasselbe Muster zeigte sich bereits in unserer Trio-Short-Studie: Enge Stops sind bei diesem Signaltyp kein Risikomanagement, sondern eine zusätzliche Ertragsbremse.
Gewinnziele: gute Optik, gleiches Grundproblem
Was, wenn man stattdessen einen Gewinn festschreibt, statt einen Verlust zu begrenzen? Getestet wurden feste Gewinnziele von 5, 10, 15 und 20 Prozent, sonst Ausstieg spätestens nach 60 Handelstagen. In der Tabelle ist der Median netto (nach 0,4 Prozent Kosten für Kauf und Verkauf), Trefferquote und winsorisiertes Mittel sind brutto (vor Kosten) angegeben.
| Ziel | Median (netto) | Trefferquote (brutto) | Winsorisiertes Mittel (brutto) |
|---|---|---|---|
| 5 % | +6,3 % | 84,3 % | −0,4 pp |
| 10 % | +10,9 % | 76,5 % | −0,8 pp |
| 15 % | +15,5 % | 69,8 % | −1,5 pp |
| 20 % | +19,9 % | 65,8 % | −1,1 pp |
Auf den ersten Blick sieht das nach der Lösung aus: Trefferquoten bis 84 Prozent, klar positive Mediane. Aber das winsorisierte Mittel bleibt in jeder Variante leicht negativ. Ein Gewinnziel kappt die Gewinne nach oben — der maximale Ertrag eines Trades ist auf 5 bis 20 Prozent begrenzt —, während ein Short-Squeeze, der gegen die Position läuft, ungekappt bleibt. Das Ergebnis: viele kleine, verlässliche Gewinne und seltene, dafür ruinöse Verluste. Genau das Muster, das den Short als Rezept scheitern lässt, bleibt bestehen — es wird nur besser kaschiert.
Früher einsteigen? Kontraproduktiv
Eine weitere naheliegende Idee: Warum auf das Kreuz warten, wenn der Anstieg erkennbar bereits kippt? Getestet wurde der erste Schlusskurs, der 5, 10 oder 15 Prozent unter der 20-Tage-Linie (SMA20) liegt, gesucht im Fenster vom Hoch bis 30 Handelstage nach der Kreuzung — trotz des Namens ein Nachlauf-, kein Vorlauf-Kriterium: Bei der 5-Prozent-Schwelle liegt dieser Einstieg im Median 2 Tage VOR dem Kreuz, bei 10 Prozent im Median genau AM Kreuzungstag (nur 48,3 Prozent der Fälle liegen überhaupt früher), bei 15 Prozent im Median sogar 2 Tage NACH dem Kreuz (nur 31,8 Prozent früher). Das Ergebnis ist trotzdem eindeutig: Bei den Schwellen 10 und 15 Prozent liegt dieser Einstieg im Median 3 bis 8 Prozent UNTER dem späteren Kreuzungskurs. Für die 10-Prozent-Schwelle verliert er dabei auf einer exakt identischen Teilmenge von Ereignissen in jeder einzelnen Kennzahl gegen den Einstieg erst am Kreuz (für 15 Prozent liegt dieser Direktvergleich nicht vor). Bei der 5-Prozent-Schwelle ist der Median-Unterschied praktisch null. Wer zu früh einsteigt, kauft (beziehungsweise shortet) in eine Bewegung hinein, die noch nicht zu Ende ist, statt auf die Bestätigung durch das Kreuz zu warten.
Ein Fünf-Filter-Test für „echte" Parabeln
Nicht jede STARK-Kreuzung sieht wie eine echte Parabel aus — manche entstehen durch einen einzelnen Tagessprung, manche durch einen langsamen Schleichtrend, manche durch einen MA20-Bruch mitten im Anstieg. Aus neun konkret markierten unerwünschten Verlaufsmustern wurden fünf Filter abgeleitet: der Anteil eines einzelnen Tagessprungs am Gesamtanstieg, das Alter des Signals seit dem Hoch (mehr als 15 Tage gilt als „alt"), ein Schleichtrend-Kennwert (Persistenz über 45), ein MA20-Bruch während des Anstiegs sowie ein zu geringer Abstand der Kreuzung vom MA20 (unter 85 Prozent). Angewendet auf die 3.905 STARK-Ereignisse und kombiniert mit der Regel „Short am Kreuz, Ziel 15 %, Stop 15 %, Zeit-Exit Tag 10" bleiben 842 Ereignisse übrig (839 davon mit vollständig berechenbarem Ergebnis).
| Menge | Trefferquote | Median | Winsorisiertes Mittel |
|---|---|---|---|
| Nur die fünf „echte Parabel"-Filter (839 handelbar) | 49,2 % | −0,35 % | −0,58 % |
| Ungefiltert, zum Vergleich (3.893 handelbar) | 50,7 % | +0,43 % | −0,35 % |
Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Filter machen den Short nicht besser, sondern minimal SCHLECHTER — sowohl Trefferquote als auch Median fallen leicht gegenüber dem ungefilterten Vergleich. Die Suche nach der „echten" Parabel hilft dem Short-Rezept nicht, weil das eigentliche Problem nicht in einzelnen unschönen Kursverläufen liegt, sondern in der grundsätzlichen Verteilungsform: seltene, extreme Gegenbewegungen, die kein Charakteristik-Filter zuverlässig vorab erkennt.
Wo das Signal lebt: illiquide Titel, echte Information nur bei STARK
Der Effekt konzentriert sich klar auf weniger liquide Aktien. Bei einem täglichen Dollarvolumen von 1 bis 5 Millionen ist die Short-Performance über 60 Tage am besten (Median leicht positiv); schon ab der nächsten Klasse (5 bis 25 Millionen) kippt der Median ins Negative und fällt mit steigender Liquidität weiter — am schlechtesten bei mehr als 100 Millionen Dollar Tagesumsatz. Ein nachvollziehbares Muster, da große, stark gehandelte Aktien seltener extrem parabolisch laufen und schwerer zu shorten sind, ohne selbst Squeezes auszulösen.
Um zu prüfen, ob das Signal überhaupt echte Information trägt statt reinen Zufalls, wurde eine Kontrollgruppe herangezogen: für jedes Ereignis ein zufälliger Handelstag im selben Titel, mit denselben Fenstern. Der Unterschied ist deutlich, aber nur bei STARK-Ereignissen: Der echte Kreuzungstag schlägt den Zufallstag im Median um 4,8 Prozentpunkte und in der Trefferquote um 5,0 Prozentpunkte (60 Handelstage). Bei der breiteren Hauptauswertung ist dieser Vorsprung mit 0,4 beziehungsweise 1,2 Prozentpunkten viel kleiner. Das Signal trägt also echte Information — aber überwiegend bei wirklich starken, klar erkennbaren Parabeln, nicht bei jedem beliebigen MA10/MA20-Kreuz. Ein Blick ohne die beiden großen Marktstress-Fenster (Februar bis April 2020, das Jahr 2022) verändert das Bild kaum — es handelt sich nicht um einen reinen Crash-Effekt.
Grenzen dieser Studie
- Leihkosten und Verfügbarkeit fehlen komplett. Alle Short-Kennzahlen in dieser Studie berücksichtigen weder die Kosten für das Leihen der Aktie noch, ob die Aktie zum betreffenden Zeitpunkt überhaupt zum Leerverkauf verfügbar war — bei stark parabolisch laufenden, oft kleineren Aktien ist beides real ein Thema und würde das Ergebnis eher weiter verschlechtern.
- Stops sind auf Schlusskurs-Basis gerechnet. Signal und Ausstieg finden am selben Handelstagsschluss statt; ein intraday ausgelöster Stop wäre in der Praxis vermutlich noch ungünstiger, weil Kursausschläge innerhalb eines Handelstages oft extremer sind als von Schluss zu Schluss.
- Feine Unterzellen werden schnell dünn. Die Auswertung nach Gap-Größe, Liquiditätsklasse oder Filterkombination reduziert die Fallzahl teils erheblich (z. B. nur 163 Ereignisse bei Anstiegen über 400 Prozent) — solche Randbereiche sind eher Hinweis als belastbares Ergebnis.
- Handelskosten sind pauschal angesetzt. 0,2 Prozent je Seite deckt Geld-Brief-Spanne und Gebühren nur näherungsweise ab; bei weniger liquiden Titeln, in denen das Signal am stärksten wirkt, könnte der reale Abzug höher liegen.
Wer die hier beschriebene Regel auf heutige Kandidaten anwenden möchte, findet dazu unseren neuen Scanner Parabel-Todeskreuz — er zeigt Titel, die aktuell ein parabolisches Todeskreuz nach der hier untersuchten Definition bilden. Das ist kein Kauf- oder Verkaufssignal, sondern ein Werkzeug, das dieselben Kriterien anwendet, die in dieser Studie geprüft wurden. Wer den survivorship-freien Rücktest-Ansatz in einer anderen Ausprägung sehen möchte, findet ihn in unserer Trio-Short-Studie — dort verschlechtern Stops den Ertrag nach demselben Muster. Weitere Rücktest-Studien stehen gesammelt in der Rubrik Studien.
Stand der Zahlen: 5. August 2026.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kursdaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, keine Prognose und keine Aussage über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen — auch der begleitende Scanner ersetzt keine eigene Prüfung. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Ein parabolischer Kursanstieg ist eine Phase, in der eine Aktie stark und beschleunigt steigt, erkennbar am gleitenden 10-Tage-Durchschnitt (SMA10) über dem 20-Tage-Durchschnitt (SMA20). Das „Todeskreuz" ist der Moment, in dem SMA10 von oben unter SMA20 fällt — ein klassisches technisches Signal für das Ende des Anstiegs. Diese Studie hat 147.403 solcher Kreuzungen in US-Aktien seit 2010 ausgewertet, survivorship-frei (delistete Titel enthalten), mit 0,2 % Kosten je Seite in den Netto-Zahlen.
Bei einer wirklich starken Parabel (Anstieg ≥ 100 %, Hoch = 120-Tage-Hoch) lohnt sich das im Median: Verkauf am Kreuz statt Halten bringt +1,24 Prozentpunkte nach 20 Tagen, +4,99 pp nach 60 Tagen, +7,49 pp nach 120 Tagen — plausibel, weil der Gesamtabsturz solcher Aktien im Median −48,5 % beträgt und mehr als die Hälfte davon (51,5 %) erst NACH der Kreuzung passiert. Wichtig ist aber die Einschränkung: Das winsorisierte Mittel der Ersparnis ist leicht negativ (−2,2 pp bei 60 Tagen). Das Kreuz wirkt wie eine Versicherung gegen den Absturz, keine Renditequelle — es kostet im Schnitt etwas, weil es gelegentlich auch eine weiterlaufende Rally abschneidet. Bei moderaten Anstiegen (30–100 %) ist das Signal dagegen praktisch nutzlos.
Nein, nicht als verlässliches Rezept — obwohl die erste Kennzahl dafür spricht. Bei STARK-Ereignissen bringt ein Short am Kreuz über 60 Handelstage im Median +6,6 % bei 57,4 % Trefferquote. Aber das winsorisierte Mittel über alle Trades ist −2,4 %: Die Verlustverteilung ist rechtsschief, weil seltene Short-Squeezes einzelne Trades extrem teuer machen und die gesamte Rechnung kippen — in den Daten lief eine Position 2026 um +226 % gegen den Short. Der typische Trade gewinnt, das Portfolio über viele Trades verliert im Schnitt. Bei moderaten Anstiegen (30–100 %) ist der Short komplett tot; nur bei extremen Anstiegen über 400 % ist auch das Mittel leicht positiv (+8,5 %, N=163) — eine seltene Ausnahme, kein Rezept. Leihkosten und Verfügbarkeit der Aktien zum Leerverkauf sind hier noch gar nicht eingerechnet.
Das ist der Kernbefund dieser Studie. Der Median beschreibt den TYPISCHEN Trade — bei mehr als der Hälfte aller Short-Trades liegt das Ergebnis über dem Median-Wert. Das winsorisierte Mittel (ein robuster Durchschnitt, der extreme Ausreißer kappt statt sie ganz zu ignorieren) beschreibt, was ein Anleger im SCHNITT über sehr viele Trades verdient hätte. Wenn viele Trades klein gewinnen und wenige extrem verlieren — wie beim Short gegen einen Squeeze —, kann der Median deutlich positiv sein, während das Mittel negativ bleibt. Genau dieses Muster zeigt sich bei jeder Short-Variante dieser Studie: Gewinnziele heben Median und Trefferquote (bei 20 % Ziel: Median netto +19,9 %, Treffer 65,8 %), das winsorisierte Mittel (brutto, vor Kosten) bleibt trotzdem leicht negativ (−0,4 bis −1,5 pp) — viele kleine Gewinne, seltene Ruin-Verluste.
Nein, in dieser Auswertung nicht. Stops (10 %, 15 %, 20 %, 25 %, ein 15-%-Trailing-Stop, ein Rückkreuzungs-Exit) verschlechtern den Median in jeder getesteten Variante massiv — Stop-Quoten liegen je nach Stop-Abstand zwischen 47 % und 70 %, beim Trailing-Stop bei 97 %. Ein Einstieg beim ersten Schlusskurs 5, 10 oder 15 % unter der 20-Tage-Linie statt erst am Kreuz ist ebenfalls kontraproduktiv — trotz des Namens ein Nachlauf-, kein Vorlauf-Kriterium (Median-Auslösetag: 5 % zwei Tage vor dem Kreuz, 10 % am Kreuzungstag selbst, 15 % zwei Tage danach): Bei 10 und 15 % liegt der Einstieg im Median 3 bis 8 % unter dem späteren Kreuzungskurs; bei 10 % verliert er dabei auf einer identischen Teilmenge in jeder Kennzahl (für 15 % liegt dieser Vergleich nicht vor). Bei der 5-%-Schwelle ist der Median-Unterschied praktisch null. Selbst ein eigens aus neun von Hand markierten Negativbeispielen abgeleiteter Fünf-Filter-Test für „echte" Parabeln (Tagessprung-Anteil, Signal-Alter, Schleichtrend, MA20-Bruch im Anstieg, Kreuz-Abstand) reduziert STARK von 3.905 auf 842 Ereignisse (839 handelbar) — verbessert das Ergebnis aber nicht: 49,2 % Gewinner, Median −0,35 %, winsorisiertes Mittel −0,58 %, gegenüber 50,7 % / +0,43 % / −0,35 % im ungefilterten Vergleich. Die Filter machen den Short damit eher schlechter als besser.
Die Basiszahlen — 147.403 Kreuzungen 2010–2026, survivorship-frei, 74.742 in der Hauptauswertung, 3.905 STARK-Ereignisse, 0,2 % Kosten je Seite — stützen sich auf eine breite Datenbasis mit eigens gebauten Datenbruch-, Split-Verdachts- und Lückenfiltern (allein der Datenbruch-Filter sortiert 7,2 % der Rohereignisse aus). Eine Kontrollgruppe (Zufallstag im selben Titel) zeigt: Das Signal trägt echte Information, aber nur bei STARK-Ereignissen deutlich (+4,8 Prozentpunkte Median, +5,0 pp Trefferquote nach 60 Tagen gegenüber der Kontrolle) — bei moderaten Anstiegen kaum. Die Delisting-Sensitivität ist klein (−0,29 Prozentpunkte gegenüber der Variante „letzter verfügbarer Kurs"), und ein Blick ohne die Crash-Fenster 2020/2022 zeigt ein nahezu identisches Bild. Einschränkend gilt: Leihkosten und die tatsächliche Verfügbarkeit von Aktien zum Leerverkauf sind nicht in den Daten enthalten, Stops sind auf Schlusskurs-Basis gerechnet (intraday wären sie vermutlich noch schlechter), und die Analyse bewertet ein rückblickendes Muster, keine Prognose für einzelne, heute gehandelte Aktien.