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Alnylam: 96 Prozent mehr Umsatz — und eine Lizenztreppe, die mit jedem Erfolg teurer wird

Alnylam: 96 Prozent mehr Umsatz — und eine Lizenztreppe, die mit jedem Erfolg teurer wird

Alnylam hat 2025 das erste Gewinnjahr seiner Geschichte geschafft: 3.713,9 Millionen US-Dollar Umsatz (+65,2 Prozent) und 313,7 Millionen Nettogewinn. Im ersten Quartal 2026 legte der Umsatz noch einmal um 96 Prozent auf 1.167,2 Millionen zu. Trotzdem steht die Aktie 40,84 Prozent unter ihrem Hoch (Datenstand 24. Juli 2026). Der Quartalsbericht vom 30. April 2026 zeigt, warum das kein Widerspruch sein muss: Die Lizenzabgabe an Sanofi steigt mit dem Erfolg von AMVUTTRA bis auf 30 Prozent, die Herstellkosten kletterten von 15,0 auf 20,0 Prozent der Produkterlöse, und in der Bilanz stehen 1.697,2 Millionen US-Dollar für Zukunft, die längst verkauft ist. Wir rechnen nach, was von jedem neuen Dollar wirklich in Cambridge bleibt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Alnylam: 96 Prozent mehr Umsatz — und eine Lizenztreppe, die mit jedem Erfolg teurer wird
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die klingt wie Sorgfalt und ist doch nur Hypnose: die Umsatz-Trance. Du liest „plus 96 Prozent“, dein Gehirn setzt still die Rechnung fort — doppelt so viel Umsatz, also irgendwann doppelt so viel Gewinn —, und ab da hörst du nur noch zu, was diese Rechnung bestätigt. Bei Alnylam Pharmaceuticals (NASDAQ: ALNY) ist die Zahl echt: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 1.167,2 Millionen US-Dollar nach 594,2 Millionen im Vorjahresquartal. Nur beantwortet sie nicht die Frage, auf die es ankommt: Wie viel von jedem neuen Dollar bleibt eigentlich in Cambridge? Machen wir also einen Deal. Bevor wir uns von der Wachstumszahl einlullen lassen, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 12. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 30. April 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Medikament, das durch die Decke geht, von einer Lizenztreppe, die mit jedem Erfolg steiler wird, und von 1.697,2 Millionen US-Dollar Zukunft, die längst verkauft ist. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Was Alnylam eigentlich macht — der Aus-Schalter im Kopierwerk der Zelle

Alnylam baut Medikamente auf Basis der RNA-Interferenz, kurz RNAi. Das klingt nach Labor, lässt sich aber in ein Alltagsbild übersetzen. Stell dir deine Zellen als Kopierwerk vor: Im Erbgut liegt der Bauplan für ein Eiweiß, eine Boten-RNA trägt eine Kopie zur Werkbank, dort wird das Eiweiß gebaut. Manche dieser Eiweiße sind aber schädlich — sie verklumpen, lagern sich im Herzen ab und machen es steif. RNAi ist der Aus-Schalter direkt am Kopierer: Ein maßgeschneidertes Molekül fängt die Boten-Kopie ab, bevor sie an der Werkbank ankommt. Das Eiweiß wird schlicht nicht mehr gebaut. Für diese Entdeckung gab es 2006 den Medizin-Nobelpreis; Alnylam wurde 2002 gegründet, um daraus Medikamente zu machen — und hat dafür rund zwei Jahrzehnte und einen aufgelaufenen Bilanzverlust von 6.496,5 Millionen US-Dollar (Stand 31. März 2026) gebraucht.

Heute stehen sechs zugelassene Medikamente in den Büchern, vier davon verkauft Alnylam selbst: AMVUTTRA und ONPATTRO gegen die ATTR-Amyloidose, GIVLAARI gegen akute hepatische Porphyrie und OXLUMO gegen primäre Hyperoxalurie Typ 1. Zwei weitere laufen über Partner: Leqvio (Cholesterinsenker) bei Novartis und Qfitlia (Hämophilie) bei Sanofi — dafür fließen Lizenzeinnahmen. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten rund 2.500 Menschen für die Firma, etwa 1.945 davon in den USA; 2025 kamen rund 270 neue Vollzeitstellen dazu.

Der eigentliche Motor ist ein einziges Präparat. AMVUTTRA wurde im März 2025 von der US-Zulassungsbehörde FDA auch für die Herzform der Krankheit zugelassen (ATTR-CM) — und seither läuft die Nachfrage. Im ersten Quartal 2026 brachte AMVUTTRA 889,9 Millionen US-Dollar nach 310,0 Millionen im Vorjahresquartal, ein Plus von 187 Prozent; allein in den USA waren es 702,6 Millionen (+255 Prozent). Das sind 85,9 Prozent aller Produkterlöse des Quartals. Der ältere Bruder ONPATTRO verliert dabei Patienten: minus 59 Prozent auf 20,5 Millionen. Das ist keine Panne, sondern Absicht — die eigene Nachfolge frisst das Vorgängerprodukt.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das Geschäft wächst so schnell wie nie — und teilt so viel wie nie. Ein großer Teil des Erfolgs ist vorab verkauft, und die Abgabe steigt mit dem Erfolg. Merk dir diesen Satz; wir prüfen ihn gleich Zeile für Zeile.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Anstoß kam aus unserem hauseigenen Aktien-Scanner, und zwar aus der Qualitätsecke. Alnylam steht dort am 26. Juli 2026 in der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ — einem hauseigenen Fundamental-Rating, das jede Aktie gegen alle anderen vergleicht: Gewinn- und Umsatzwachstum, Gewinnüberraschungen, Marge und Margenausweitung, Bilanzsicherheit, Eigenkapitalrendite. Angezeigt werden nur Titel mit einem Rating ab 51 (Rang A oder A+). Alnylam kommt auf 54 — das ist die untere Kante der Auszeichnung, nicht die Spitze. An diesem Tag hatte der Scanner in den USA 38 Treffer in dieser Liste; die Seite zeigt die 25 bestplatzierten davon. Solche Listen werden täglich neu berechnet — was am 26. Juli 2026 galt, kann eine Woche später anders aussehen.

Insgesamt taucht die Aktie an diesem Tag in fünf Listen auf: neben Fundamental Rank noch in Ben Bennett: Focus List, NASDAQ Wachstumsstars, Power Trend und Profis 80%. Zwei davon sollte man richtig einordnen. Profis 80% ist ausdrücklich kein Qualitätsurteil — bei großen US-Titeln ist ein hoher Anteil institutioneller Halter der Normalfall. Und NASDAQ Wachstumsstars prüft schlicht drei Dinge: Mitglied im NASDAQ-100, Umsatzwachstum über 20 Prozent und ein Unternehmenswert unter dem Zehnfachen des Umsatzes. Alnylam erfüllt alle drei (Umsatzwachstum 65,2 Prozent, Datenstand 24. Juli 2026).

Und jetzt die andere Seite derselben Datenzeile, denn sie ist der Grund, warum wir überhaupt genauer hingesehen haben. Das Relative-Stärke-Rating — es misst, wie sich der Kurs im Vergleich zu allen anderen Aktien geschlagen hat — steht bei 17 von 100. Übersetzt: 83 von 100 Aktien liefen besser. Die Trendstufe nach Stan Weinstein lautet 4, also Abwärtstrend; der Kurs lag 40,84 Prozent unter dem Hoch und nur 7,35 Prozent über dem Tief der letzten 52 Wochen, und über sechs Monate steht ein Minus von 26,6 Prozent (alle Werte Datenstand 24. Juli 2026). Eine Firma mit Bestnoten in der Bilanz und einer Aktie im Sinkflug — das ist die Konstellation, bei der es sich lohnt, die Berichte zu lesen statt den Chart. Wie unterschiedlich Qualität und Kursverlauf bei Biotech-Firmen auseinanderlaufen können, haben wir auch in unserer Analyse zu Neurocrine Biosciences auseinandergenommen.

Eine Sache noch, die im Scanner nur als kleine Zahl auftaucht und im Bericht ihre Erklärung findet: 20 Insider-Verkäufe und kein einziger Insider-Kauf in den erfassten Meldungen (Datenstand 24. Juli 2026). Das klingt dramatischer, als es ist. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt die vorab angemeldeten Verkaufspläne beim Namen — der Forschungsvorstand Pushkal Garg darf zwischen dem 27. Februar und dem 1. November 2026 bis zu 25.418 Aktien verkaufen, der Vertriebsvorstand Tolga Tanguler zwischen dem 13. Februar und dem 15. November 2026 bis zu 25.782 Aktien. Solche Pläne werden Monate im Voraus festgelegt, damit niemand mit Insiderwissen handelt. Sie sagen wenig über die Meinung des Managements und viel über Steuerplanung.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Alnylam hat 2025 geschafft, woran die meisten Biotech-Firmen scheitern: den Sprung vom dauerhaften Zuschussgeschäft in den Gewinn. Der Umsatz stieg 2025 um 65,2 Prozent auf 3.713,9 Millionen US-Dollar (2024: 2.248,2 Millionen, 2023: 1.828,3 Millionen). Unterm Strich standen erstmals 313,7 Millionen US-Dollar Gewinn beziehungsweise 2,33 US-Dollar je Aktie (verwässert) — nach Verlusten von 278,2 Millionen (2024) und 440,2 Millionen (2023).

Balkendiagramm Umsatz und Nettoergebnis von Alnylam 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 1.828,3 / 2.248,2 / 3.713,9 (blau), Nettoergebnis minus 440,2 / minus 278,2 / plus 313,7 (grün). 2025 ist das erste Jahr mit positivem Ergebnis.
Zwei Jahre Verlust, dann der Umschwung: 2025 stand erstmals ein Gewinn von 313,7 Millionen US-Dollar unter einem Umsatz von 3.713,9 Millionen. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das erste Quartal 2026 setzt den Trend fort und verschärft ihn: 1.167,2 Millionen US-Dollar Umsatz (+96 Prozent), 206,0 Millionen Nettogewinn nach einem Verlust von 18,3 Millionen im Vorjahresquartal, 1,51 US-Dollar Gewinn je Aktie (verwässert). Das operative Ergebnis sprang von 18,1 auf 268,6 Millionen. Ein einzelnes Quartal macht noch keinen Sommer — aber dieses ist kein Zufallstreffer, sondern die direkte Folge der ATTR-CM-Zulassung vom März 2025.

Auch die Bilanz hat sich gedreht. Ende 2023 war das Eigenkapital negativ (minus 220,6 Millionen US-Dollar) — die Firma schuldete mehr, als sie besaß. Ende 2024 waren es magere 67,1 Millionen, Ende 2025 bereits 789,2 Millionen, und zum 31. März 2026 stehen 1.075,4 Millionen US-Dollar in den Büchern. Dazu kommen 3.009,2 Millionen US-Dollar an Kasse und kurzfristigen Wertpapieren (31. März 2026) und eine vollständig ungenutzte Kreditlinie über 500,0 Millionen, deren Auflagen zum selben Stichtag eingehalten waren. Der operative Cashflow — das Geld, das der laufende Betrieb tatsächlich in die Kasse spült — lag 2025 bei 524,1 Millionen US-Dollar, nach minus 8,3 Millionen im Jahr 2024.

Merke dir für später eine Zahl, die dazu nicht ganz passt: Im ersten Quartal 2026 standen den 206,0 Millionen Gewinn nur 70,5 Millionen operativer Cashflow gegenüber. Kein Alarmsignal — Forderungen und Rückstellungen schwanken im Quartalsrhythmus —, aber ein guter Anlass, den nächsten Bericht genau daraufhin zu lesen.

Was in den Berichten steht — vier unbequeme Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Lizenztreppe steigt mit dem Erfolg

Das Wichtigste zuerst: Alnylam gehört AMVUTTRA nicht allein. Die Rechte an den TTR-Produkten stammen aus einer Vereinbarung mit Sanofi, und Sanofi bekommt dafür eine Lizenzgebühr vom Umsatz — gestaffelt nach Größe. Bis 150,0 Millionen US-Dollar weltweiter Jahresnettoumsatz sind es 15 Prozent, dann 17,5 Prozent, 20 Prozent, 25 Prozent — und oberhalb von 1,50 Milliarden US-Dollar sind es 30 Prozent. Der Quartalsbericht schreibt das so ungeschminkt hin, wie man es selten liest:

„Given the significant and growing contribution of AMVUTTRA to our total product revenues following regulatory approvals of AMVUTTRA for the treatment of ATTR-CM, our cost of goods sold, operating income and operating margin have been significantly impacted by the royalties we pay to Sanofi on global sales of AMVUTTRA, and we expect this will continue in future years.“

Übersetzung: „Angesichts des erheblichen und wachsenden Beitrags von AMVUTTRA zu unseren gesamten Produkterlösen nach den Zulassungen von AMVUTTRA zur Behandlung der ATTR-CM sind unsere Herstellkosten, unser Betriebsergebnis und unsere operative Marge erheblich durch die Lizenzgebühren beeinflusst worden, die wir Sanofi auf die weltweiten AMVUTTRA-Umsätze zahlen, und wir erwarten, dass dies in den kommenden Jahren so bleibt.“

— Alnylam Pharmaceuticals, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Lagebericht (MD&A)

Gelb markierte Textstelle aus dem Alnylam-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: gestaffelte Lizenzgebühren an Sanofi von 15 Prozent bis 30 Prozent auf die weltweiten AMVUTTRA-Jahresnettoumsätze, und der Hinweis, dass auf Nucresiran keine Lizenzgebühren anfallen.
Die markierte Stelle im Original: die vollständige Lizenztreppe — und der Hinweis, dass auf das Nachfolgeprodukt Nucresiran keine Lizenzgebühren anfallen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was das praktisch bedeutet, steht eine Zeile tiefer im Bericht: Die Herstellkosten stiegen von 15,0 Prozent der Produkterlöse im ersten Quartal 2025 auf 20,0 Prozent im ersten Quartal 2026. Das Unternehmen nennt als Grund ausdrücklich den gestiegenen gemischten Lizenzsatz auf AMVUTTRA und erwartet für das Gesamtjahr 2026 einen weiteren Anstieg. Übersetzt in ein Alltagsbild: Es ist ein Restaurant, dessen Vermieter Prozente vom Umsatz nimmt — und je voller der Laden wird, desto höher der Prozentsatz. Wer AMVUTTRA-Wachstum eins zu eins in Gewinnwachstum umrechnet, rechnet falsch.

Und jetzt die faire Gegenseite, denn sie steht im selben Absatz: Auf Nucresiran, das Nachfolgemolekül gegen dieselbe Krankheit, fallen keine Lizenzgebühren an. Alnylam schreibt, das Mittel habe das Zeug dazu, die Bruttomarge und die operative Marge deutlich zu verbessern. Genau das ist die eigentliche Wette hinter dieser Aktie: Schafft es Alnylam, den eigenen Verkaufsschlager rechtzeitig durch ein Produkt zu ersetzen, an dem niemand mitverdient? Nucresiran befindet sich in der klinischen Entwicklung — zugelassen ist es zum Stichtag dieser Analyse nicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Aus einer Milliarde wurden 1,49 Milliarden Schuld

Im April 2020 brauchte Alnylam Geld und verkaufte etwas, das es noch gar nicht hatte: künftige Lizenzeinnahmen. Blackstone Royalties zahlte 1,00 Milliarde US-Dollar und bekam dafür die Hälfte aller Lizenzeinnahmen aus dem Cholesterinsenker Leqvio sowie 75 Prozent der zugehörigen Meilensteinzahlungen. Weil Alnylam weiter im Geschäft mitwirkt und zur Rückzahlung verpflichtet ist, steht das Geld nicht als Erlös in der Bilanz, sondern als Schuld — und diese Schuld wird verzinst.

Das Ergebnis nach sechs Jahren ist bemerkenswert. Zum 31. März 2026 steht die Verbindlichkeit mit 1.489,6 Millionen US-Dollar in den Büchern — 489,6 Millionen mehr, als jemals hereinkam, und das trotz laufender Zahlungen. Allein im ersten Quartal 2026 wuchs sie weiter: 40,5 Millionen Zinsaufwand standen 30,1 Millionen Zahlungen gegenüber, macht ein Plus von 10,4 Millionen. Im Anhang wird sie mit einem beizulegenden Zeitwert von 1,67 Milliarden US-Dollar geführt.

Balkendiagramm zum Leqvio-Lizenzverkauf von Alnylam an Blackstone Royalties in Millionen US-Dollar: 1.000,0 erhalten im April 2020, Buchwert 1.489,6 zum 31. März 2026, beizulegender Zeitwert 1.670,0 zum selben Stichtag.
Sechs Jahre nach dem Verkauf steht mehr in den Büchern, als jemals hereinkam: effektiver Jahreszins 11 Prozent zum 31. März 2026, nach 10 Prozent zum 31. Dezember 2025. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Anhang 9. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt eine Frist, die kaum jemand auf dem Zettel hat. Sie steht wörtlich im Anhang:

„If Blackstone Royalties does not receive payments in respect to the Royalty Interest by December 31, 2029, equaling at least $1.00 billion, Blackstone Royalties will receive the Royalty Interest at 55% beginning on January 1, 2030.“

Übersetzung: „Erhält Blackstone Royalties bis zum 31. Dezember 2029 aus dem Lizenzanteil keine Zahlungen von mindestens 1,00 Milliarde US-Dollar, erhält Blackstone Royalties den Lizenzanteil ab dem 1. Januar 2030 zu 55 Prozent.“

— Alnylam Pharmaceuticals, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Anhang 9

Gelb markierte Textstelle aus dem Alnylam-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Blackstone Royalties zahlte 1,00 Milliarde US-Dollar für 50 Prozent der Leqvio-Lizenzeinnahmen; erreichen die Zahlungen bis 31. Dezember 2029 nicht 1,00 Milliarde, steigt der Anteil ab 1. Januar 2030 auf 55 Prozent.
Die markierte Stelle im Original: eine harte Frist zum 31. Dezember 2029 — verfehlt Alnylam sie, steigt Blackstones Anteil an den Leqvio-Lizenzeinnahmen von 50 auf 55 Prozent. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Einordnung der Größenordnung: Die gesamten Lizenzerlöse von Alnylam lagen 2025 bei 174,0 Millionen US-Dollar und im ersten Quartal 2026 bei 49,0 Millionen. Sie stammen laut Lagebericht vor allem aus den weltweiten Leqvio-Umsätzen von Novartis — und von diesem Strom fließt die Hälfte an Blackstone, bevor sie bei Alnylam bleibt. Die Frist ist keine Katastrophe, aber sie ist ein Termin im Kalender, an dem sich eine Kennzahl dauerhaft verschlechtern kann.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 49 Prozent effektiver Zins — im Anhang

Es gibt eine zweite Blackstone-Vereinbarung, und sie ist noch teurer. Im August 2020 sagte Blackstone Life Sciences bis zu 150,0 Millionen US-Dollar zu, um zwei klinische Programme mitzufinanzieren: Vutrisiran (der Wirkstoff in AMVUTTRA) und Zilebesiran (Bluthochdruck). Bis zum 31. März 2026 flossen 70,0 Millionen für die entscheidende HELIOS-B-Studie und 38,0 Millionen für Zilebesiran. Die Gegenleistung ist happig: 175,0 Millionen US-Dollar, fällig mit der ATTR-CM-Zulassung im März 2025 und zahlbar in acht gleichen Quartalsraten über zwei Jahre, dazu eine Lizenz von 1 Prozent auf alle Vutrisiran-Nettoumsätze über zehn Jahre. Für Zilebesiran kommen 84,5 Millionen in 16 Quartalsraten und weitere 243,0 Millionen bei einer Zulassung hinzu.

Was das als Zins bedeutet, rechnet die Firma selbst vor — und das ist die Zeile, die man zweimal lesen muss:

„As of March 31, 2026, our estimate of total interest expense resulted in an effective annual interest rate of 49% related to vutrisiran and 32% related to zilebesiran.“

Übersetzung: „Zum 31. März 2026 ergab unsere Schätzung des gesamten Zinsaufwands einen effektiven Jahreszins von 49 Prozent bezogen auf Vutrisiran und 32 Prozent bezogen auf Zilebesiran.“

— Alnylam Pharmaceuticals, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Anhang 9

Gelb markierte Textstelle aus dem Alnylam-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: effektiver Jahreszins von 49 Prozent für die Vutrisiran-Studienfinanzierung und 32 Prozent für Zilebesiran, aufgezinst nach der Effektivzinsmethode.
Die markierte Stelle im Original: 49 Prozent effektiver Jahreszins auf die Vutrisiran-Studienfinanzierung, 32 Prozent auf Zilebesiran. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Wort zur Fairness: 49 Prozent sind kein Wucherzins im üblichen Sinn. Blackstone hat 2020 das volle Risiko getragen, dass die Studie scheitert und nichts zurückkommt — bei einem Misserfolg wäre das Geld weg gewesen. Der hohe Satz ist der Preis für Kapital, das kein Bankkredit gewesen wäre. Trotzdem gilt: Ein Teil des heutigen Erfolgs war 2020 schon verkauft, und zwar günstig.

Interessant ist auch die Lücke zwischen Buchwert und Zeitwert. Die Vutrisiran-Verbindlichkeit steht zum 31. März 2026 mit 187,9 Millionen US-Dollar in der Bilanz — im Anhang wird ihr beizulegender Zeitwert mit 558,1 Millionen angegeben. Bei Zilebesiran stehen 19,6 Millionen Buchwert gegen 118,3 Millionen Zeitwert. Zusammen mit der Leqvio-Position ergibt das 1.697,2 Millionen US-Dollar Buchwert gegenüber rund 2.346 Millionen Zeitwert. Die Differenz von rund 649 Millionen ist keine versteckte Schuld im rechtlichen Sinn — sie ist der Preis, den der Erfolg von AMVUTTRA für die Gegenseite wertvoller gemacht hat.

Und noch eine Zahl, die diese Kapitel verbindet: Von 69,3 Millionen US-Dollar Zinsaufwand im ersten Quartal 2026 waren 66,2 Millionen unbar — reine rechnerische Aufzinsung dieser Verbindlichkeiten, ohne dass Geld das Haus verlässt. Im Gesamtjahr 2025 waren es 238,4 von 252,6 Millionen. Wer den ausgewiesenen Gewinn liest, sollte wissen: Diese Zinsen drücken das Ergebnis, kosten aber vorerst kein Bargeld — dafür kommen sie später als Zahlung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein einziger Zwischenhändler, 45 Prozent

Der Geschäftsbericht für 2025 nennt in einer unscheinbaren Tabelle jene Kunden, die für mindestens 10 Prozent der Bruttoerlöse stehen. Es ist nur eine Zeile: „Distributor A“ — 45 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 29 Prozent, 2023 erst 28 Prozent. Und derselbe Name taucht ein zweites Mal auf: Zum 31. Dezember 2025 entfielen 45 Prozent aller Bruttoforderungen auf ihn, nach 16 Prozent ein Jahr zuvor.

Gelb markierte Tabellenüberschrift aus dem Alnylam-Geschäftsbericht 10-K für 2025 mit der Kundentabelle darunter: Distributor A steht 2025 für 45 Prozent der Bruttoerlöse, 2024 für 29 Prozent und 2023 für 28 Prozent.
Die markierte Stelle im Original mit der Tabelle darunter: Ein einziger Zwischenhändler steht 2025 für 45 Prozent der Bruttoerlöse — 2023 waren es 28 Prozent. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Alltagsbild dazu: Wenn dein Nachbar erzählt, sein Betrieb laufe blendend, aber fast die Hälfte des Umsatzes und fast die Hälfte der offenen Rechnungen hängen an einem einzigen Abnehmer — würdest du kurz schlucken? Zur Ehrenrettung: In den USA läuft der Vertrieb verschreibungspflichtiger Spezialmedikamente üblicherweise über wenige große Großhändler; das ist Branchenstruktur, nicht Leichtsinn. Aber es bleibt ein Klumpenrisiko, das sich in zwei Jahren von 28 auf 45 Prozent fast verdoppelt hat.

Ein zweites Klumpenrisiko liegt eine Ebene höher: AMVUTTRA allein steht für 85,9 Prozent der Produkterlöse des ersten Quartals 2026. Und dort ist die Konkurrenz nicht theoretisch. Der Geschäftsbericht nennt sie beim Namen — VYNDAQEL/VYNDAMAX von Pfizer und ATTRUBY von BridgeBio sind beide zur Behandlung derselben Herzform zugelassen, werden beide als Tablette eingenommen und stehen in den USA zu niedrigeren Listenpreisen als AMVUTTRA, das gespritzt wird. Weitere Mittel stehen in Phase 3, darunter WAINUA von AstraZeneca und Ionis sowie ein Gen-Editier-Ansatz von Intellia und Regeneron. Wie schnell ein einzelnes Medikament eine ganze Bilanz tragen — und wie hart der Absturz ausfallen kann, wenn es wegbricht, zeigt unsere Analyse zu Biogen.

Bewertung — teuer bezahlt, aber nicht mehr ganz so teuer wie im Herbst

Vorweg das Wichtigste: Alnylam ist auch nach dem Kursrückgang keine günstige Aktie. Auf Basis der Fundamentaldaten (Datenstand 24. Juli 2026) liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 73 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 9. Der Blick nach vorn entspannt das Bild deutlich: Auf die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate gerechnet sind es rund 34. Das ist der Unterschied zwischen einer Firma, die teuer ist, und einer Firma, die aus ihrer Bewertung herauswächst — vorausgesetzt, die Erwartung trifft ein.

Eine Kennzahl solltest du dabei mit Vorsicht genießen: Die Eigenkapitalrendite von rund 90 Prozent sieht spektakulär aus, ist aber vor allem ein Rechenartefakt. Sie misst den Gewinn an einem Eigenkapital, das erst seit 2024 überhaupt positiv ist und zum 31. März 2026 bei 1.075,4 Millionen US-Dollar lag — bei einer Bilanzsumme von 5.129,5 Millionen. Die Eigenkapitalquote beträgt damit 21,0 Prozent. Eine hohe Rendite auf eine schmale Basis ist etwas anderes als eine hohe Rendite auf ein dickes Polster.

Weil Tageskurse in einer Analyse nichts verloren haben, hier drei datierte Preisanker aus Originaldokumenten, an denen du die Größenordnung selbst einordnen kannst. Erstens: Am 1. Juni 2026 verkaufte Verwaltungsratsmitglied David E. I. Pyott im Rahmen eines im November 2025 angemeldeten Plans 3.830 Aktien zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 297,71 und 302,65 US-Dollar (Insider-Meldung Form 4). Zweitens: Bei der Begebung der Nullkupon-Wandelanleihe 2028 nannte Alnylam als Referenz einen volumengewichteten Durchschnittskurs von 478,63 US-Dollar am 9. September 2025. Drittens — und das ist der aufschlussreichste: Die ältere Wandelanleihe 2027 wird wandelbar, wenn der Kurs an genügend Tagen über 130 Prozent des Wandlungspreises von 286,20 US-Dollar liegt, also über rund 372 US-Dollar. Im vierten Quartal 2025 war diese Bedingung erfüllt; im ersten Quartal 2026 war sie es nicht mehr. Der Bericht hält das nüchtern fest: Die Anleihe war im zweiten Quartal 2026 nicht wandelbar. Der Kursrückgang ist damit nicht nur eine Screener-Zahl, sondern ein aktenkundiger Vorgang.

Und der Blick der Profis? 30 Analysten führten die Aktie am 24. Juli 2026 im Schnitt mit einer Kaufempfehlung und einem mittleren Kursziel von 434,72 US-Dollar. Das wären rund 48 Prozent über dem damaligen Kursniveau. Solche Ziele sind Meinungen, keine Messwerte — und sie werden regelmäßig nach unten wie nach oben geschoben; die Gewinnschätzungen für das laufende Jahr wurden in den vier Wochen vor dem Stichtag leicht gesenkt. Zur Erinnerung: Der Wert einer Analystenschätzung liegt in ihrer Begründung, nicht in ihrer Höhe.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Alnylam spricht:

  • Der Sprung in die Profitabilität ist vollzogen. 313,7 Millionen US-Dollar Gewinn 2025 und 206,0 Millionen allein im ersten Quartal 2026 — nach zwei Verlustjahren.
  • AMVUTTRA wächst mit voller Wucht: 889,9 Millionen US-Dollar Quartalsumsatz (+187 Prozent), in den USA sogar +255 Prozent — getragen von echter Patientennachfrage bei der Herzform der Krankheit, nicht von Preiserhöhungen.
  • Die Kasse trägt: 3.009,2 Millionen US-Dollar liquide Mittel zum 31. März 2026, eine ungenutzte Kreditlinie über 500,0 Millionen, alle Finanzauflagen eingehalten, 524,1 Millionen operativer Cashflow im Jahr 2025.
  • Nucresiran ist die Antwort auf die Lizenztreppe: Auf das Nachfolgemolekül fallen laut Quartalsbericht keine Lizenzgebühren an. Gelingt der Wechsel, verschwindet die größte Margenbremse.
  • Breite Pipeline mit fremdem Geld: Roche zahlte für Zilebesiran 310,0 Millionen im Voraus, 65,0 Millionen im April 2024 und 300,0 Millionen im September 2025 und trägt 60 Prozent der Entwicklungskosten; bis zu 2,15 Milliarden weitere Zahlungen sind vereinbart.

Was dagegen spricht:

  • Die Lizenztreppe steigt mit dem Erfolg: bis 30 Prozent an Sanofi oberhalb von 1,50 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Die Herstellkosten kletterten bereits von 15,0 auf 20,0 Prozent der Produkterlöse — mit angekündigtem weiterem Anstieg 2026.
  • 1.697,2 Millionen US-Dollar verkaufte Zukunft in der Bilanz (31. März 2026), mehr als das Eigenkapital von 1.075,4 Millionen — dazu 1.009,4 Millionen Wandelanleihen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 21,0 Prozent.
  • Ein Produkt trägt fast alles: 85,9 Prozent der Produkterlöse des ersten Quartals 2026 kommen aus AMVUTTRA — gegen zwei zugelassene Tabletten-Konkurrenten mit niedrigeren US-Listenpreisen.
  • Ein Zwischenhändler steht für 45 Prozent der Bruttoerlöse und 45 Prozent der Bruttoforderungen (31. Dezember 2025), nach 28 beziehungsweise deutlich weniger im Jahr 2023.
  • Die Bewertung lässt wenig Spielraum: Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 73, Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 9 (Datenstand 24. Juli 2026) — bei einem Relative-Stärke-Rating von 17 und einem Kurs 40,84 Prozent unter dem Hoch.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Umsatz-Trance vom Anfang? „Plus 96 Prozent“ — und das Gehirn rechnet still weiter. Nach dem Lesen der Berichte sieht die Rechnung anders aus, und sie ist deshalb nicht schlechter, sondern ehrlicher. Alnylam hat etwas geschafft, das in der Biotechnik selten gelingt: aus zwanzig Jahren Forschung ein Medikament zu machen, das Menschen hilft und Geld verdient. Der aufgelaufene Bilanzverlust von 6.496,5 Millionen US-Dollar ist die Quittung für diesen Weg — und dass er jetzt schrumpft statt zu wachsen, ist die eigentliche Nachricht des Jahres 2025.

Gleichzeitig hat die Firma diesen Weg mit Anteilen an der eigenen Zukunft bezahlt. Sanofi bekommt eine Lizenztreppe, die mit dem Erfolg steiler wird. Blackstone bekam 2020 eine Milliarde in die Bilanz gelegt und dafür die halben Leqvio-Lizenzen — heute stehen dafür 1.489,6 Millionen als Schuld in den Büchern, und sie wächst weiter. Nichts davon ist ein Skandal; es ist der Preis, den ein Unternehmen zahlt, das Kapital braucht, bevor es Gewinne hat. Aber es erklärt, warum ein Umsatzsprung von 96 Prozent unten nicht als 96 Prozent ankommt.

Das Spannungsfeld bleibt damit genau so bestehen, wie wir es am Anfang benannt haben: Das Geschäft wächst so schnell wie nie — und teilt so viel wie nie. Ob das ein guter oder ein schlechter Handel war, entscheidet sich nicht an der Umsatzzeile, sondern an drei Fragen: Wie schnell steigt die Bruttomarge wieder, wenn Nucresiran kommt? Wie eng wird es mit der Leqvio-Schwelle bis zum 31. Dezember 2029? Und bleibt der operative Cashflow auf der Höhe des ausgewiesenen Gewinns? Diese drei Zahlen stehen in jedem künftigen Bericht — du kannst sie selbst nachlesen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensunterlagen und keine Anlageberatung. Sie ist weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den jeweils angegebenen Stichtag; Kennzahlen aus Fundamentaldaten können sich täglich ändern. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Alnylam Pharmaceuticals.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäft und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg 2025 um 65,2 Prozent auf 3.713,9 Millionen US-Dollar und im ersten Quartal 2026 noch einmal um 96 Prozent auf 1.167,2 Millionen. Treiber ist die Zulassung von AMVUTTRA für die Herzform der ATTR-Amyloidose im März 2025: 889,9 Millionen Quartalsumsatz (+187 Prozent), in den USA +255 Prozent. Das ist echte Patientennachfrage, keine Preisrunde — der Quartalsbericht nennt ausdrücklich die gestiegene Zahl behandelter Patienten.
Ergebnisqualität neutral
2025 stand erstmals ein Gewinn: 313,7 Millionen US-Dollar nach Verlusten von 278,2 Millionen (2024) und 440,2 Millionen (2023); im ersten Quartal 2026 folgten 206,0 Millionen. Der operative Cashflow lag 2025 mit 524,1 Millionen über dem Gewinn, im ersten Quartal 2026 mit 70,5 Millionen aber deutlich darunter. Zudem sind 66,2 der 69,3 Millionen Zinsaufwand des Quartals unbare Aufzinsung — der Gewinn ist belastbar, aber die Bar-Umwandlung schwankt.
Margenstruktur und Abhängigkeit von Sanofi negativ
Die Lizenzgebühr an Sanofi steigt gestaffelt bis auf 30 Prozent der weltweiten AMVUTTRA-Jahresnettoumsätze oberhalb von 1,50 Milliarden US-Dollar. Die Herstellkosten kletterten dadurch von 15,0 Prozent der Produkterlöse (Q1 2025) auf 20,0 Prozent (Q1 2026); für 2026 kündigt das Unternehmen einen weiteren Anstieg an. Wachstum verteuert sich hier also selbst — bis das lizenzfreie Nachfolgemolekül Nucresiran zugelassen ist.
Bilanz und verkaufte Zukunft negativ
Zum 31. März 2026 stehen 1.697,2 Millionen US-Dollar Verbindlichkeiten aus verkauften Lizenzeinnahmen und Studienfinanzierung in der Bilanz — mehr als das Eigenkapital von 1.075,4 Millionen (Quote 21,0 Prozent). Die 2020 erhaltene Milliarde von Blackstone Royalties ist auf 1.489,6 Millionen angewachsen und legte allein im ersten Quartal 2026 um weitere 10,4 Millionen zu. Der effektive Jahreszins der Studienfinanzierung liegt bei 49 Prozent (Vutrisiran) und 32 Prozent (Zilebesiran).
Klumpenrisiken negativ
AMVUTTRA steht für 85,9 Prozent der Produkterlöse des ersten Quartals 2026, und ein einziger Zwischenhändler für 45 Prozent der Bruttoerlöse sowie 45 Prozent der Bruttoforderungen (31. Dezember 2025, nach 28 beziehungsweise 16 Prozent zuvor). Der Geschäftsbericht nennt zwei zugelassene Wettbewerber für dieselbe Indikation, die als Tablette eingenommen werden und in den USA niedrigere Listenpreise haben als das gespritzte AMVUTTRA.
Finanzkraft und Spielraum positiv
Zum 31. März 2026 lagen 3.009,2 Millionen US-Dollar in Kasse und kurzfristigen Wertpapieren, die Kreditlinie über 500,0 Millionen war ungenutzt und alle Finanzauflagen eingehalten. Die Wandelanleihen kosten 0,00 beziehungsweise 1,00 Prozent Kupon; die teure 1,00-Prozent-Tranche wurde 2025 überwiegend zurückgekauft. Roche trägt 60 Prozent der Zilebesiran-Entwicklungskosten und zahlte bis September 2025 insgesamt 675,0 Millionen US-Dollar an Vorab- und Meilensteinzahlungen.

Alnylam hat 2025 den Sprung geschafft, an dem die meisten Biotech-Firmen scheitern: erstmals Gewinn, 3.713,9 Millionen US-Dollar Umsatz (+65,2 Prozent), 524,1 Millionen operativer Cashflow, und im ersten Quartal 2026 noch einmal 96 Prozent Umsatzplus. Der Preis dafür steht ebenfalls in den Berichten: eine Lizenztreppe an Sanofi bis 30 Prozent, 1.697,2 Millionen US-Dollar verkaufte Zukunft in der Bilanz, ein Produkt mit 85,9 Prozent der Produkterlöse und ein Zwischenhändler mit 45 Prozent. Wer hier investiert, wettet darauf, dass das lizenzfreie Nachfolgemolekül Nucresiran rechtzeitig kommt und die Marge zurückholt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäftsmodell trägt erkennbar: sechs zugelassene Medikamente, 3.713,9 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, erstmals Gewinn, 3.009,2 Millionen Liquidität zum 31. März 2026, eine ungenutzte Kreditlinie und eingehaltene Finanzauflagen. Für Grün fehlt uns die Antwort auf eine wesentliche operative Frage: Die Ertragskraft hängt an einem einzigen Produkt, das mit jedem Zuwachs einen höheren Lizenzsatz an Sanofi auslöst — die Herstellkosten stiegen bereits von 15,0 auf 20,0 Prozent der Produkterlöse, und weitere Anstiege sind angekündigt. Dazu kommen 1.697,2 Millionen US-Dollar vorab verkaufter Zukunft gegen 1.075,4 Millionen Eigenkapital sowie ein Abnehmer mit 45 Prozent der Erlöse. Das ist keine Substanzgefahr — Kasse, Zinsdeckung und Auflagen sprechen klar dagegen —, aber es ist mehr als eine Formalie. Deshalb Gelb: belegte Stärke, unbewiesene Nachhaltigkeit der Marge. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Alnylam über die Qualitätsliste „Fundamental Rank (A / A+)“ des hauseigenen Aktien-Scanners (Fundamental-Rating 54 von maximal 100, Aufnahme ab 51; 38 US-Treffer, Stand 26. Juli 2026). Am selben Tag stand die Aktie außerdem in den Listen „Ben Bennett: Focus List“, „NASDAQ Wachstumsstars“, „Power Trend“ und „Profis 80%“. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand und Stichtage: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 12.02.2026), Quartalszahlen aus dem 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 30.04.2026). Alle Einreichungen danach wurden durchgesehen: Meldungen 8-K vom 30.04. und 27.05.2026, Insider-Meldungen Form 4 bis 03.06.2026 sowie Beteiligungsmeldungen (Schedule 13G/A) bis 14.05.2026. Kennzahlen und Marktbild tragen den Datenstand 24. Juli 2026.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Als Preisanker dienen belegte Werte aus Originaldokumenten — Insider-Verkäufe zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 297,71 und 302,65 US-Dollar am 01.06.2026 (Form 4) sowie der volumengewichtete Durchschnittskurs von 478,63 US-Dollar am 09.09.2025 aus der Anleihebegebung. Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten (rund 38,9 Mrd. US-Dollar, Datenstand 24.07.2026) wurde gegen 133.444.000 Aktien mal 297,71 US-Dollar gegengeprüft; die Abweichung liegt bei rund 2 Prozent.

Häufige Fragen

Alnylam entwickelt Medikamente auf Basis der RNA-Interferenz (RNAi): Ein maßgeschneidertes Molekül fängt die Boten-Kopie eines Bauplans ab, bevor die Zelle daraus ein schädliches Eiweiß baut. Sechs Medikamente sind zugelassen, vier verkauft die Firma selbst — AMVUTTRA, ONPATTRO, GIVLAARI und OXLUMO. Sitz ist Cambridge in Massachusetts; zum 31. Dezember 2025 arbeiteten rund 2.500 Menschen dort.

Ja, seit 2025. Das Geschäftsjahr 2025 brachte 313,7 Millionen US-Dollar Nettogewinn bei 3.713,9 Millionen Umsatz — nach Verlusten von 278,2 Millionen (2024) und 440,2 Millionen (2023). Im ersten Quartal 2026 folgten 206,0 Millionen Gewinn bei 1.167,2 Millionen Umsatz. Der aufgelaufene Bilanzverlust aus zwei Jahrzehnten Forschung lag zum 31. März 2026 aber weiterhin bei 6.496,5 Millionen US-Dollar.

Weil Alnylam für AMVUTTRA gestaffelte Lizenzgebühren an Sanofi zahlt: 15 Prozent auf die ersten 150,0 Millionen US-Dollar weltweiten Jahresnettoumsatzes, dann 17,5, 20 und 25 Prozent — und 30 Prozent oberhalb von 1,50 Milliarden. Der Anteil der Herstellkosten an den Produkterlösen stieg dadurch von 15,0 Prozent im ersten Quartal 2025 auf 20,0 Prozent im ersten Quartal 2026. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen weiteren Anstieg.

Alnylam hat künftige Einnahmen vorab zu Geld gemacht. Blackstone zahlte 2020 eine Milliarde US-Dollar für die Hälfte der Leqvio-Lizenzeinnahmen und finanzierte klinische Studien mit. Weil eine Rückzahlungspflicht besteht, gilt beides bilanziell als Schuld: 1.697,2 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, davon 1.489,6 Millionen für den Leqvio-Anteil. Die Zinsen fallen fast vollständig unbar an.

Die Kursentwicklung erklären wir nicht — wir zeigen, was messbar ist. Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag der Kurs 40,84 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, das Relative-Stärke-Rating bei 17 von 100. Belegbare Belastungsfaktoren aus den Berichten sind die steigende Lizenzabgabe, die Abhängigkeit von einem Produkt und zwei zugelassene Tabletten-Konkurrenten mit niedrigeren US-Listenpreisen. Die Bewertung bleibt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um 73 hoch.

Stark und zunehmend. Der Geschäftsbericht für 2025 weist aus, dass ein einziger Zwischenhändler („Distributor A“) für 45 Prozent der Bruttoerlöse stand — nach 29 Prozent 2024 und 28 Prozent 2023. Zum 31. Dezember 2025 entfielen auf denselben Abnehmer auch 45 Prozent der Bruttoforderungen, nach 16 Prozent ein Jahr zuvor. In den USA ist der Vertrieb über wenige Großhändler branchenüblich, das Klumpenrisiko bleibt trotzdem.

Nucresiran ist Alnylams Nachfolgemolekül gegen dieselbe Krankheit wie AMVUTTRA und befindet sich in der klinischen Entwicklung. Entscheidend für Anleger: Auf Nucresiran fallen laut Quartalsbericht zum 31. März 2026 keine Lizenzgebühren an. Gelingt die Zulassung und der Wechsel der Patienten, entfiele die größte Margenbremse — das Unternehmen selbst spricht von einer deutlichen Verbesserung von Brutto- und operativer Marge.

Zum 31. März 2026 standen 3.009,2 Millionen US-Dollar an Kasse und Wertpapieren einer Bilanzsumme von 5.129,5 Millionen und einem Eigenkapital von 1.075,4 Millionen gegenüber — eine Eigenkapitalquote von 21,0 Prozent. Dazu kommen 1.009,4 Millionen Wandelanleihen (0,00 Prozent bis 2028, 1,00 Prozent bis 2027) und eine ungenutzte Kreditlinie über 500,0 Millionen, deren Finanzauflagen zum Stichtag eingehalten waren.

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