AdaptHealth-Aktie: 15,9 Prozent Wachstum im Quartal — und eine 144-Millionen-Abschreibung, die der eigene Jahresbericht fünf Monate vorher ankündigte
AdaptHealth versorgt rund 4,8 Millionen Menschen in den USA zu Hause mit Schlafapnoe-Geräten, Sauerstoff und Hilfsmitteln. Im zweiten Quartal 2026 lief das Geschäft nach Rekordvolumen aus: 740,3 Millionen US-Dollar Umsatz, organisch 15,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ergebnis fiel im selben Quartal um 3,2 Prozent auf 132,0 Millionen, 144,2 Millionen Firmenwert wurden abgeschrieben, und die Jahresprognose sank operativ um rund 100 Millionen. Der Geschäftsbericht für 2025 hatte die Abschreibung fünf Monate vorher in einem Nebensatz angekündigt — die Bewertungspuffer zweier Sparten lagen unter 10 beziehungsweise unter 20 Prozent. Keine Anlageberatung, sondern die Frage, was Wachstum wert ist, wenn es mehr Kapital bindet als Ertrag bringt.
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Stand heute
Stand: 4. August 2026
- Schlusskurs
- 6,71 $ -38,04 %
- Marktkapitalisierung
- 1,5 Mrd. $
- Wachstums-Score
- 4/10
- AAQS
- 5/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 6,70 $ bis 13,40 $ · Letzter Kurs: 6,71 $ (Stand: 4. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die sich anfühlt wie gesunder Menschenverstand — und genau deshalb so gut funktioniert: die Wachstums-Falle. Sie geht so: Du liest „Rekordvolumen“, „15,9 Prozent organisches Wachstum“, „neue Verträge unterschrieben“, und dein Kopf ergänzt automatisch „… also verdient die Firma mehr“. Wachstum fühlt sich an wie Fortschritt, weil es in fast jedem anderen Lebensbereich Fortschritt ist. In einer Bilanz ist es das nicht automatisch. Wachstum kann Geld kosten, und zwar mehr, als es einbringt. AdaptHealth Corp. (NASDAQ: AHCO) aus Conshohocken in Pennsylvania ist gerade das Lehrbuchbeispiel: Der Konzern liefert Sauerstoffgeräte, Beatmungsmaschinen und Schlafapnoe-Masken in die Wohnungen von rund 4,8 Millionen Menschen, er wuchs im zweiten Quartal 2026 organisch um 15,9 Prozent — und meldete im selben Quartal ein bereinigtes Ergebnis, das um 3,2 Prozent fiel, eine Firmenwert-Abschreibung von 144,2 Millionen US-Dollar und eine gesenkte Jahresprognose. Machen wir also einen Deal: Bevor du entscheidest, ob dieses Wachstum etwas wert ist, lesen wir gemeinsam, was AdaptHealth der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und fünf Ad-hoc-Meldungen (8-K) aus den vergangenen vier Monaten. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und einer davon hat die Abschreibung fünf Monate vorher angekündigt, ohne dass es jemand gemerkt hat.
Was AdaptHealth eigentlich macht — die Klinik, die zu dir kommt
AdaptHealth ist kein Medizintechnik-Hersteller, sondern ein Versorger — übersetzt in ein Alltagsbild: eine Mischung aus Sanitätshaus, Lieferdienst und Abrechnungsbüro. Wenn ein Arzt einem Patienten mit Schlafapnoe ein Atemgerät verordnet, bringt AdaptHealth das Gerät nach Hause, weist ein, schickt monatlich Masken und Schläuche nach — und rechnet mit der Krankenversicherung ab. Das Geschäft läuft über drei berichtspflichtige Sparten. Sleep Health (Schlaf) ist die größte: Geräte und Zubehör gegen die obstruktive Schlafapnoe, 386,5 Millionen US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026. Respiratory Health (Atemwege) versorgt Menschen mit chronischer Lungenerkrankung mit Sauerstoff und Heimbeatmung, 194,4 Millionen. Wellness at Home (Versorgung zu Hause) liefert Betten, Rollstühle und Verbrauchsmaterial an Patienten nach dem Klinikaufenthalt, 159,4 Millionen. Dazu kommt das Diabetes-Geschäft mit Glukosesensoren und Insulinpumpen — das wird gerade verkauft und deshalb seit dem zweiten Quartal 2026 als aufgegebener Geschäftsbereich geführt.
Die Größenordnung: rund 4,8 Millionen Patienten jährlich in allen 50 Bundesstaaten über etwa 670 Standorte in 48 Staaten, mit rund 10.900 Beschäftigten (Stand 31. Dezember 2025). Bezahlt wird das zu 61,3 Prozent von privaten Versicherern, zu 23,3 Prozent von staatlichen Programmen wie Medicare und Medicaid und zu 15,4 Prozent von den Patienten selbst (2. Quartal 2026). Wichtig für das Verständnis: AdaptHealth setzt seine Preise nicht selbst. Wer in den USA Hilfsmittel abrechnet, bekommt, was der Kostenträger zahlt — und die staatliche Gesundheitsbehörde CMS setzt die Sätze über Gebührenordnungen und ein Ausschreibungsverfahren fest. Damit ist auch das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: AdaptHealth kann Patienten gewinnen, aber nicht die Preise — jeder neue Patient kostet erst einmal ein Gerät, und ob am Ende etwas übrig bleibt, entscheidet ein anderer.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Nicht über einen Kurssprung, sondern über eine Meldeart, die Firmen nur nutzen, wenn sie müssen. Am 2. Juli 2026 reichte AdaptHealth eine Ad-hoc-Meldung (8-K) unter Item 1.05 ein — das ist die seit Ende 2023 vorgeschriebene Rubrik für „wesentliche Cybersicherheitsvorfälle“. Unser Ereignis-Radar liest den Einreichungsstrom der SEC mit, und Item 1.05 ist selten genug, um aufzufallen. Vertieft haben wir die Recherche nach dem Quartalsbericht vom 4. August 2026, der am selben Tag von einer gesenkten Jahresprognose begleitet wurde. Stichtag dieser Analyse ist der 5. August 2026; alle SEC-Einreichungen bis dahin sind ausgewertet.
Kennzahlen-Scanner hätten AdaptHealth zu diesem Zeitpunkt aus zwei Richtungen zeigen können — und beide hätten in die Irre geführt. Ein Wachstumsfilter sieht zweistelliges organisches Wachstum und Rekordvolumen. Ein Value-Filter sieht eine Aktie unter Buchwert. Was beide nicht sehen: dass das Wachstum aus einem Vertrag stammt, der Marge kostet, und dass der Buchwert zu 172 Prozent aus Firmenwert besteht. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Bei AdaptHealth entscheidet nicht die Umsatzzeile, sondern die Zeile darunter — und die Zeile ganz unten in der Kapitalflussrechnung.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich für AdaptHealth spricht, und das ist mehr, als die roten Schlagzeilen vermuten lassen. Das Geschäft ist groß, breit und wiederkehrend: 3.244,9 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025, davon rund ein Drittel aus festen monatlichen Mietvergütungen für Geräte, die Monat für Monat weiterlaufen. Es ist demografisch im Rücken: Schlafapnoe und chronische Lungenerkrankungen werden nicht seltener, und die Versorgung zu Hause ist für die Kostenträger billiger als jede Klinik. Und es ist operativ cash-stark: 601,8 Millionen US-Dollar Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft im Jahr 2025, 541,8 Millionen 2024, 480,7 Millionen 2023 — eine Reihe, die seit Jahren steigt. Auch 2026 läuft sie: 239,0 Millionen im ersten Halbjahr.
Im zweiten Quartal 2026 lief zudem operativ vieles richtig. Der exklusive Kapitationsvertrag mit einem großen nationalen Versorgungsnetz an der Westküste erreichte sein volles Volumen, ein neuer Kapitationsvertrag mit Humana OneHome in Südflorida und Texas brachte rund 478.000 Mitglieder in die Versorgung, und die eigene Patienten-App zählte über 512.000 registrierte Nutzer, 56 Prozent mehr als zum Jahresende 2025. Ein Kapitationsvertrag — auf Deutsch: Kopfpauschale — funktioniert so: Der Versicherer zahlt einen festen Betrag pro Mitglied und Monat, und der Versorger muss davon alles bezahlen, was die Mitglieder brauchen. Wer effizient ist, verdient daran; wer sich verschätzt, zahlt drauf. Merke dir diesen Satz, er kommt gleich zurück.
Und jetzt die Kurve, die die andere Hälfte der Geschichte erzählt — das Nettoergebnis und die Firmenwert-Abschreibungen der drei vollen Geschäftsjahre 2023 bis 2025:
Firmenwert — im Fachjargon Goodwill — ist der Betrag, den ein Käufer über den Substanzwert hinaus für eine zugekaufte Firma gezahlt hat. In der Bilanz steht er als Vermögenswert, aber er ist kein Lastwagen und kein Gebäude: Er ist ein bezifferter Optimismus. Und AdaptHealth hat sehr viel davon eingesammelt, weil der Konzern zwischen 2019 und 2022 dutzendweise regionale Sanitätshäuser gekauft hat. Wenn die Erwartungen aus diesen Käufen nicht eintreten, muss der Optimismus abgeschrieben werden. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt die Bilanz dieser Jahre in einer Fußnote: Der Firmenwert stand brutto bei 3,5 Milliarden US-Dollar, netto bei 2,5 Milliarden — die kumulierten Abschreibungen zum 31. Dezember 2025 betrugen 1,0 Milliarde. Mit den 144,2 Millionen aus dem zweiten Quartal 2026 sind es rund 1,15 Milliarden. Merke dir das Bild: AdaptHealth hat in dreieinhalb Jahren mehr Firmenwert abgeschrieben, als die Aktie Anfang August 2026 an der Börse wert war. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der eigene Jahresbericht hatte die Abschreibung fünf Monate vorher angekündigt
Am 24. Februar 2026 veröffentlichte AdaptHealth den Geschäftsbericht (10-K) für 2025. Darin steht, dass das Diabetes-Geschäft mit 128,0 Millionen US-Dollar abgeschrieben wurde. Und dann folgt ein Satz, den man leicht überliest — weil er formal eine Entwarnung ist:
„While the Company's quantitative goodwill impairment test did not result in an impairment charge of the Company's Wellness at Home or Respiratory Health reporting units, based on the results of such test, the excess of the estimated fair value of the Wellness at Home reporting unit over its carrying value was less than 10%, and the excess of the estimated fair value of the Respiratory Health reporting unit over its carrying value was less than 20%.“
Übersetzung: „Zwar führte der quantitative Firmenwert-Test des Unternehmens zu keiner Abschreibung bei den Berichtseinheiten Wellness at Home oder Respiratory Health; auf Basis dieses Tests lag der Überschuss des geschätzten Zeitwerts der Einheit Wellness at Home über ihren Buchwert jedoch unter 10 Prozent, und der Überschuss des geschätzten Zeitwerts der Einheit Respiratory Health über ihren Buchwert unter 20 Prozent.“
— AdaptHealth Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Critical Accounting Policies and Estimates“ (Goodwill)
Übersetzt in ein Alltagsbild: Deine Bank sagt dir, dein Haus sei noch knapp so viel wert wie deine Restschuld — aber eben nur knapp, weniger als zehn Prozent Luft. Wenn dann irgendetwas schlechter läuft als geplant, ist die Luft weg. Genau das passierte. Im Zuge des Diabetes-Verkaufs musste AdaptHealth seine Planungen überarbeiten und die bisher dem Diabetes-Geschäft zugeordneten Gemeinkosten auf die verbleibenden Sparten umlegen. Das Ergebnis steht im Quartalsbericht:
„The impairment test indicated that the estimated fair values of the Company's Respiratory Health and Wellness at Home reporting units were less than their respective carrying values, and as such, the Company recognized non-cash goodwill impairment charges totaling $144.2 million during the three and six months ended June 30, 2026.“
Übersetzung: „Der Werthaltigkeitstest ergab, dass die geschätzten Zeitwerte der Berichtseinheiten Respiratory Health und Wellness at Home unter ihren jeweiligen Buchwerten lagen; das Unternehmen erfasste daher in den drei und sechs Monaten bis zum 30. Juni 2026 nicht zahlungswirksame Firmenwert-Abschreibungen von insgesamt 144,2 Millionen US-Dollar.“
— AdaptHealth Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Note 8 „Goodwill and Identifiable Intangible Assets“
Zur Fairness gehört: Eine Firmenwert-Abschreibung ist nicht zahlungswirksam. Es fließt kein Geld ab, kein Gerät geht kaputt, kein Patient wird schlechter versorgt. Was sie aber tut: Sie korrigiert eine frühere Kaufentscheidung. Und wenn nach 830,8 Millionen (2023), 13,1 Millionen (2024) und 128,0 Millionen (2025) auch noch 144,2 Millionen (erstes Halbjahr 2026) folgen, dann ist das kein Einzelfall mehr, sondern ein Muster: Der Konzern hat für seine Zukäufe systematisch zu viel bezahlt. Übrig bleiben zum 30. Juni 2026 noch 2.370,4 Millionen US-Dollar Firmenwert — bei einem den Aktionären zurechenbaren Eigenkapital von 1.378,5 Millionen. Anders gerechnet: Zieht man Firmenwert und immaterielle Werte ab, ist der materielle Buchwert mit rund 1.023,7 Millionen US-Dollar negativ.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Wachstum frisst mehr Geld, als das Geschäft einbringt
Jetzt kommt die Zeile, die kein Schlagzeilen-Generator liest. Im ersten Halbjahr 2026 flossen AdaptHealth 239,0 Millionen US-Dollar aus dem laufenden Geschäft zu — ein solider Wert, wenn auch etwas unter dem Vorjahreszeitraum (257,5 Millionen). Im selben Halbjahr stiegen aber die Investitionen in Geräte und Anlagen von 184,3 auf 287,5 Millionen, ein Plus von 56,0 Prozent. Der Grund ist kein Luxus, sondern das Geschäftsmodell: Jeder neue Patient in einem Mietvertrag bekommt ein Gerät, und dieses Gerät muss vorher gekauft werden. Der Umsatz kommt danach, in kleinen monatlichen Raten, über Jahre.
Das Ergebnis dieser Rechnung nennt die Firma selbst: Der freie Mittelzufluss — also das, was nach den Investitionen übrig bleibt — drehte von plus 73,3 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2025 auf minus 48,4 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Zusammen mit 127,4 Millionen für Zukäufe und 26,8 Millionen für eine Altverpflichtung aus der Börsengangsstruktur (dazu gleich mehr) sank der Kassenbestand von 106,1 Millionen zum Jahresende 2025 auf 43,3 Millionen zum 30. Juni 2026. Die Lücke wurde mit Krediten geschlossen: netto 150,0 Millionen mehr Schulden im Halbjahr.
Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Handwerksbetrieb gewinnt so viele neue Kunden, dass er dauernd neue Maschinen kaufen muss — schneller, als die Rechnungen der Altkunden hereinkommen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, solange die Maschinen sich später rechnen. Es ist aber auch kein Grund zum Jubeln, und es hat eine harte Grenze: das Konto. Merke dir den Satz: Wachstum, das aus der Kasse bezahlt wird, ist nur so lange gesund, wie die Kasse reicht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Vertrag, der das Wachstum brachte, kostet 55 Millionen Ergebnis
Erinnerst du dich an die Kopfpauschale? Genau hier schließt sich der Kreis. Der Kapitationsvertrag an der US-Westküste war der Motor des Rekordwachstums — und er ist zugleich der größte einzelne Grund für die gesenkte Prognose. Der Vorstandsvorsitzenden-Kommentar in der Ergebnismitteilung vom 4. August 2026 ist dabei bemerkenswert offen:
„Our West Coast capitated partnership reached full scale in the quarter, and the complexity of that transition has impacted our margins. Together with an unexpected price increase from one of our manufacturers, this has led us to lower our full-year outlook.“
Übersetzung: „Unsere Kapitations-Partnerschaft an der Westküste erreichte im Quartal ihr volles Volumen, und die Komplexität dieses Übergangs hat unsere Margen belastet. Zusammen mit einer unerwarteten Preiserhöhung eines unserer Hersteller hat uns das dazu veranlasst, unseren Jahresausblick zu senken.“
— Suzanne Foster, Vorstandsvorsitzende, AdaptHealth Corp., SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 04.08.2026, Anlage 99.1 (Ergebnismitteilung zum 2. Quartal 2026)
Die Firma beziffert die Brücke selbst. Die bisherige Prognose für das bereinigte Ergebnis 2026 lag bei 680 bis 730 Millionen US-Dollar, die neue bei 490 bis 520 Millionen. Davon sind 100 Millionen reine Buchhaltung: Das Diabetes-Geschäft wandert in die aufgegebenen Bereiche, wobei 60 Millionen bisher dort verbuchte Konzernkosten in den fortgeführten Geschäften bleiben — rund die Hälfte davon will das Unternehmen binnen zwölf Monaten nach dem Verkauf abbauen. Die anderen rund 100 Millionen sind echt: 55 Millionen aus dem Westküsten-Vertrag, 30 Millionen aus der Preiserhöhung eines Herstellers, 15 Millionen aus weiteren Portfolio-Maßnahmen.
Wie sich das auf die Sparten verteilt, zeigt die zweite Grafik. Sie vergleicht das bereinigte Ergebnis je Sparte im zweiten Quartal 2026 mit dem Vorjahresquartal — beide Reihen auf fortgeführte Geschäfte umgestellt, also sauber vergleichbar:
Die Sparte Wellness at Home ist der Schmerzpunkt: 159,4 Millionen US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal 2026 gegenüber 152,0 Millionen im Vorjahresquartal — also mehr Umsatz — bei einem bereinigten Ergebnis, das von 17,5 auf 8,7 Millionen fiel. Über das ganze erste Halbjahr sind es 11,9 statt 30,3 Millionen. Genau dort landen die neuen Kopfpauschalen-Verträge. Und genau dort wurden 65,1 Millionen Firmenwert abgeschrieben. Das ist die Wachstums-Falle in einer einzigen Spalte: Mehr Umsatz, weniger Ertrag, weniger Firmenwert.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Patientendaten sind abgeflossen — und der Umfang steht noch nicht fest
Am 15. Juni 2026 meldete sich bei AdaptHealth jemand, der behauptete, Daten aus den Systemen des Konzerns zu haben. Am 27. Juni stufte das Unternehmen den Vorfall als wesentlich ein, am 2. Juli reichte es die Ad-hoc-Meldung (8-K) unter Item 1.05 ein. Der Angriff lief über Social Engineering — auf Deutsch: jemand wurde überredet, nicht überlistet — und kompromittierte laut Meldung eine Nutzersitzung, die mit einem externen Dienstleister verknüpft war. Betroffen waren cloudbasierte Anwendungen, darunter interne Patientenverwaltungssysteme und Dokumentenspeicher. Was abgeflossen ist, benennt die Meldung wörtlich:
„The data affected includes passwords associated with insurance billing and certain personally identifiable information and protected health information of patients.“
Übersetzung: „Zu den betroffenen Daten gehören Passwörter im Zusammenhang mit der Versicherungsabrechnung sowie bestimmte personenbezogene Daten und geschützte Gesundheitsdaten von Patienten.“
— AdaptHealth Corp., SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 02.07.2026, Item 1.05 „Material Cybersecurity Incidents“
Zur Fairness gehört auch hier die andere Seite: In den betroffenen Systemen liegen laut Unternehmen keine Sozialversicherungsnummern, keine Kontodaten und keine Kartendaten. Der Zugang wurde gesperrt, Zugangsdaten wurden zurückgesetzt, der Vorfall gilt als eingedämmt, und es gibt eine Cyber-Versicherung. Der Quartalsbericht vom 4. August 2026 hält fest, dass der Vorfall den Betrieb bis dahin nicht wesentlich beeinträchtigt hat und die Versorgung der Patienten weiterlief. Aber er hält auch fest, dass die finanzielle Gesamtwirkung — Aufarbeitung, Rechts- und Aufsichtsverfahren, Benachrichtigungen, Reputationsfolgen — noch nicht bestimmbar ist. Bei Gesundheitsdaten in den USA ist das kein kleines offenes Ende: Das Bundesgesetz HIPAA sieht Benachrichtigungspflichten und Bußgelder vor, und Sammelklagen sind in solchen Fällen die Regel, nicht die Ausnahme.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Kreditlinie ist größer als das, was AdaptHealth davon ziehen darf
Im April 2026 stellte AdaptHealth seine Finanzierung neu auf: ein Kreditvertrag mit der Bank of America über 450,0 Millionen US-Dollar Betriebsmittellinie, 325,0 Millionen Darlehen und 325,0 Millionen abrufbares Darlehen, Laufzeit bis April 2031. Damit wurde im August 2026 die letzte teure Anleihe abgelöst — 325,0 Millionen zu 6,125 Prozent. Das ist saubere Arbeit, und sie hat den Zinsaufwand gedrückt: 51,8 Millionen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber 55,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Kreditvertrag hat aber zwei Finanzkennzahl-Auflagen: Die Gesamtverschuldungsquote darf am Quartalsende 3,50 nicht überschreiten, die Zinsdeckung 3,00 nicht unterschreiten. Zum 30. Juni 2026 waren beide eingehalten. Was das praktisch bedeutet, steht im Quartalsbericht:
„At June 30, 2026, based on the financial debt covenants under the 2026 Credit Agreement, the maximum amount the Company could borrow under the 2026 Revolver and remain in compliance with the financial debt covenants under the agreement was $265.7 million.“
Übersetzung: „Zum 30. Juni 2026 betrug der Höchstbetrag, den das Unternehmen unter der Betriebsmittellinie 2026 aufnehmen und dabei die finanziellen Auflagen des Vertrags einhalten konnte, auf Basis dieser Auflagen 265,7 Millionen US-Dollar.“
— AdaptHealth Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“
Rechne es einmal nach: 450,0 Millionen Linie minus 150,0 gezogen minus 34,3 durch Bürgschaften belegt ergäbe rechnerisch 265,7 Millionen — hier stimmen Vertragsgrenze und Auflagengrenze zufällig überein. Aber die Auflagen hängen am bereinigten Ergebnis, und das ist gerade um rund 100 Millionen gesenkt worden. Der Kreditrahmen ist damit kein fester Betrag, sondern eine Funktion der eigenen Ertragskraft: Sinkt das Ergebnis weiter, schrumpft der Rahmen mit. Zum 30. Juni 2026 standen dem 1.900,0 Millionen US-Dollar Finanzschulden nominal gegenüber — 325,0 Darlehen, 150,0 gezogene Betriebsmittel, 1.425,0 Anleihen — bei 43,3 Millionen Kasse. Die Nettofinanzschulden von rund 1.856,7 Millionen entsprechen etwa dem 3,7-Fachen des für 2026 prognostizierten bereinigten Ergebnisses. Hilfe ist unterwegs: Der Verkauf des Diabetes-Geschäfts bringt 235,0 Millionen US-Dollar in bar — erwartet allerdings erst im ersten Quartal 2027 und abhängig von der Kartellfreigabe.
Und noch eine Zeile gehört zur Schuldenlage, obwohl sie nicht Schulden heißt: Unter den sonstigen langfristigen Verbindlichkeiten stehen 238,9 Millionen US-Dollar aus einer Steuerumlagevereinbarung mit früheren Gesellschaftern aus der Zeit vor dem Börsengang. AdaptHealth zahlt ihnen 85 Prozent bestimmter eigener Steuerersparnisse aus; im ersten Halbjahr 2026 waren das 26,8 Millionen in bar. Bei 43,3 Millionen Kassenbestand ist das keine Fußnote mehr.
Bewertung — was der Markt am 4. August 2026 eingepreist hat
Evergreen heißt: keine Tageskurse als Kaufargument. Für eine Größenordnung braucht es aber einen datierten Anker, und der 4. August 2026 liefert einen ungewöhnlich klaren. Laut Deckblatt des Quartalsberichts waren zum 31. Juli 2026 136.344.196 Aktien ausstehend. Am 3. August 2026, dem Tag vor den Zahlen, schloss die Aktie bei 10,83 US-Dollar — das entspricht rund 1,48 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Am 4. August 2026, dem Tag der Zahlen und der gesenkten Prognose, schloss sie bei 6,71 US-Dollar, also rund 0,92 Milliarden. Ein Drittel des Börsenwerts an einem Tag: So viel Vertrauen hing an der alten Prognose.
Auf dieser Basis sieht die Bewertung so aus. Gegen die Umsatzprognose von 2,85 bis 2,89 Milliarden US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,32 — jeder Umsatzdollar kostet an der Börse 32 Cent. Weil aber die Schulden mitgekauft werden, ist die aussagekräftigere Zahl der Unternehmenswert: Börsenwert plus Nettofinanzschulden von rund 1.856,7 Millionen ergibt rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Gemessen am prognostizierten bereinigten Ergebnis von 490 bis 520 Millionen sind das etwa das 5,5-Fache. Der Buchwert je Aktie liegt bei rund 10,11 US-Dollar, die Aktie also bei etwa zwei Dritteln davon — nur besteht dieser Buchwert, wie oben gezeigt, mehr als vollständig aus Firmenwert.
Und der Blick der Profis? Der Analysten-Konsens lag zum Datenstand 5. August 2026 bei einem Kursziel von 14,14 US-Dollar aus acht Einstufungen (fünf „stark kaufen“, eine „kaufen“, zwei „halten“). Ordne das richtig ein: Ein Kursziel ist eine Meinung mit Nachkommastellen, kein Fakt. Nach einer Prognosesenkung dieser Größenordnung brauchen Konsensschätzungen üblicherweise Wochen, bis sie nachgezogen sind — die Spanne zwischen Kurs und Kursziel sagt hier deshalb mehr über den Zeitpunkt der letzten Aktualisierung als über den Wert der Firma. Wer wissen will, wie eine Firma aussieht, deren Preise ebenfalls ein anderer setzt, findet in unserer Analyse zu Encompass Health das Gegenstück aus der stationären Reha — dort zahlen staatliche Programme 82 Prozent der Rechnungen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht:
- Großes, wiederkehrendes Geschäft mit demografischem Rückenwind: 3.244,9 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, rund 4,8 Millionen Patienten jährlich, etwa ein Drittel des Umsatzes aus festen monatlichen Gerätevergütungen.
- Der laufende Betrieb wirft weiter Geld ab: 601,8 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025 nach 541,8 (2024) und 480,7 (2023), im ersten Halbjahr 2026 noch 239,0 Millionen.
- Der Umbau ist konkret und wird umgesetzt: Verkauf des margenschwachen Diabetes-Geschäfts für 235,0 Millionen US-Dollar in bar (Vertrag 19. Juli 2026), Refinanzierung im April 2026, Ablösung der 6,125-Prozent-Anleihe im August 2026, Personalabbau mit erwarteten jährlichen Einsparungen von rund 26,8 Millionen.
- Respiratory Health, die zweitgrößte Sparte, wächst profitabel: bereinigtes Ergebnis im zweiten Quartal 2026 von 45,3 auf 53,1 Millionen US-Dollar bei 194,4 Millionen Umsatz.
- Die Bewertung ist niedrig: rund 0,32 Kurs-Umsatz-Verhältnis und etwa das 5,5-Fache des prognostizierten bereinigten Ergebnisses als Unternehmenswert (Ankerpreis 4. August 2026).
Was dagegen spricht:
- Ein Muster statt eines Einzelfalls: 830,8 Millionen US-Dollar Firmenwert-Abschreibung 2023, 13,1 Millionen 2024, 128,0 Millionen 2025 und 144,2 Millionen im ersten Halbjahr 2026 — zusammen rund 1,15 Milliarden, mehr als der Börsenwert am 4. August 2026. Verbleiben 2.370,4 Millionen Firmenwert gegen 1.378,5 Millionen zurechenbares Eigenkapital; der materielle Buchwert ist negativ.
- Das Wachstum kostet Ergebnis: bereinigtes Ergebnis im zweiten Quartal 2026 minus 3,2 Prozent trotz plus 15,9 Prozent organischem Umsatz; die Sparte Wellness at Home halbierte sich von 17,5 auf 8,7 Millionen US-Dollar.
- Freier Mittelabfluss von 48,4 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2026 nach plus 73,3 Millionen im Vorjahreszeitraum, Investitionen plus 56,0 Prozent, Kasse von 106,1 auf 43,3 Millionen gefallen.
- Verschuldung und Auflagen: 1.900,0 Millionen US-Dollar Finanzschulden nominal, rund das 3,7-Fache des prognostizierten bereinigten Ergebnisses, dazu 238,9 Millionen Steuerumlage-Verbindlichkeit; der Kreditrahmen hängt an eben diesem Ergebnis.
- Preissetzungsmacht fehlt strukturell: Die Sätze bestimmen Kostenträger und die Behörde CMS, deren Ausschreibungsverfahren 2026 wieder anläuft. Dazu ein Cybervorfall mit abgeflossenen Patientendaten, dessen finanzielle Folgen laut Unternehmen noch nicht bestimmbar sind.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Wachstums-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass Wachstum schlecht wäre — AdaptHealth versorgt Millionen Menschen mit Geräten, die sie brauchen, das Geschäft ist real und der Bedarf wird eher größer. Ihr Kern ist, dass Wachstum eine Frage beantwortet, die niemand gestellt hat. „Wächst die Firma?“ ist eine leichte Frage. Die schwere lautet: Wächst sie zu einem Preis, den sie sich leisten kann? Im zweiten Quartal 2026 lautet die belegte Antwort: noch nicht. Mehr Patienten, mehr Umsatz, mehr Geräte auf Pump — und weniger Ertrag, weniger freier Mittelzufluss, weniger Firmenwert. Dass der eigene Jahresbericht die Abschreibung fünf Monate vorher in einem Halbsatz angekündigt hatte, ist dabei die eigentliche Lehre dieser Analyse: Die unbequemen Zahlen stehen fast immer schon da. Sie stehen nur nicht in der Überschrift.
Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist AdaptHealth billig?“ — bei 0,32 Kurs-Umsatz-Verhältnis ist sie das offensichtlich. Sie lautet: Traust du einem Geschäft zu, aus Kopfpauschalen und behördlich gesetzten Sätzen dauerhaft Geld zu machen, wenn es das in den vergangenen dreieinhalb Jahren viermal nicht geschafft hat? Wer mit Ja antwortet, kauft einen Umbau zu einem Preis, der einen Rückschlag schon enthält. Wer mit Nein antwortet, hat gute Gründe und muss sie nicht rechtfertigen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- AdaptHealth Corp. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 4. August 2026)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 04.08.2026, Anlage 99.1 (Ergebnismitteilung zum 2. Quartal 2026, Item 2.02)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 20.07.2026, Item 1.01 (Kaufvertrag über das Diabetes-Geschäft)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 07.07.2026, Item 7.01 (Rückrufankündigung der 6,125-Prozent-Anleihe)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 02.07.2026, Item 1.05 (wesentlicher Cybersicherheitsvorfall)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 13.04.2026, Items 1.01/1.02/2.03 (Kreditvertrag 2026)
- AdaptHealth Corp. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 24. Februar 2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von AdaptHealth Corp.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Aktienzahl, Kurshistorie, Analysten-Konsens; Datenstand 5. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in AdaptHealth-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 2.454,5 | 2.970,6 | 3.200,2 | 3.261,0 | 3.244,9 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 225,6 | 190,4 | -598,4 | 263,7 | 186,3 |
| Nettogewinn | 156,2 | 69,3 | -678,9 | 90,4 | -70,8 |
| Nettomarge | 6,4 % | 2,3 % | -21,2 % | 2,8 % | -2,2 % |
| Gewinn je Aktie | 1,17 $ | 0,50 $ | -5,05 $ | 0,67 $ | -0,52 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Nachfrage positiv
- Ein großes, wiederkehrendes Versorgungsgeschäft mit demografischem Rückenwind: 3.244,9 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, rund 4,8 Millionen Patienten jährlich in allen 50 Bundesstaaten, etwa ein Drittel des Umsatzes aus festen monatlichen Gerätevergütungen. Im 2. Quartal 2026 wuchs der Umsatz organisch um 15,9 Prozent auf 740,3 Millionen — die Nachfrage ist nicht das Problem.
- Ertragskraft & Preissetzung negativ
- Das bereinigte Ergebnis fiel im 2. Quartal 2026 trotz Rekordwachstum um 3,2 Prozent auf 132,0 Millionen US-Dollar; die Sparte Wellness at Home halbierte sich von 17,5 auf 8,7 Millionen. Die Jahresprognose sank am 4. August 2026 operativ um rund 100 Millionen (55 aus dem Westküsten-Kapitationsvertrag, 30 aus einer Herstellerpreiserhöhung, 15 aus Portfolio-Maßnahmen). Die Preise setzen Kostenträger und die Behörde CMS, nicht AdaptHealth.
- Kapitalbindung & Mittelzufluss negativ
- Wachstum bindet hier Kapital: Im 1. Halbjahr 2026 standen 239,0 Millionen US-Dollar operativem Mittelzufluss Investitionen von 287,5 Millionen gegenüber (+56,0 Prozent), der freie Mittelzufluss drehte von plus 73,3 auf minus 48,4 Millionen, die Kasse sank von 106,1 auf 43,3 Millionen. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Unternehmen 80 bis 120 Millionen freien Mittelzufluss in Aussicht — bewiesen ist das noch nicht.
- Bilanzqualität negativ
- Nach 830,8 Millionen US-Dollar (2023), 13,1 (2024), 128,0 (2025) und 144,2 Millionen im 1. Halbjahr 2026 summieren sich die Firmenwert-Abschreibungen auf rund 1,15 Milliarden — mehr als der Börsenwert vom 4. August 2026. Verbleiben 2.370,4 Millionen Firmenwert gegen 1.378,5 Millionen zurechenbares Eigenkapital: Der materielle Buchwert ist mit rund 1.023,7 Millionen negativ. Der Geschäftsbericht 2025 hatte die Abschreibung fünf Monate vorher angedeutet (Puffer unter 10 bzw. 20 Prozent).
- Finanzierung & Auflagen neutral
- Die Refinanzierung im April 2026 sitzt: neuer Kreditvertrag bis 2031, Ablösung der 6,125-Prozent-Anleihe im August 2026, Zinsaufwand im 1. Halbjahr von 55,9 auf 51,8 Millionen US-Dollar gesunken, Finanzauflagen zum 30. Juni 2026 eingehalten. Dem stehen 1.900,0 Millionen Finanzschulden nominal gegenüber (rund das 3,7-Fache des prognostizierten bereinigten Ergebnisses), 238,9 Millionen Steuerumlage-Verbindlichkeit und ein Kreditspielraum von 265,7 Millionen, der an eben diesem Ergebnis hängt. Der Diabetes-Verkauf bringt 235,0 Millionen — erwartet erst im 1. Quartal 2027.
- Umbau & Sonderrisiken neutral
- Der Konzern räumt konsequent auf: Verkauf des margenschwachen Diabetes-Geschäfts (2025: 4,4 Prozent bereinigte Marge) für 235,0 Millionen US-Dollar, Personalabbau mit erwarteten Einsparungen von rund 26,8 Millionen jährlich, Fokus auf drei Sparten. Offen bleiben die Kartellfreigabe, das 2026 wieder anlaufende CMS-Ausschreibungsverfahren und der Cybervorfall vom Juni 2026, bei dem Patientendaten und Abrechnungspasswörter abflossen und dessen finanzielle Folgen laut Unternehmen noch nicht bestimmbar sind.
AdaptHealth ist die Wachstums-Falle in Reinform: Im 2. Quartal 2026 stieg der Umsatz organisch um 15,9 Prozent auf 740,3 Millionen US-Dollar — und das bereinigte Ergebnis fiel um 3,2 Prozent auf 132,0 Millionen, weil der wachstumstreibende Kapitationsvertrag an der Westküste Marge kostet. Dazu 144,2 Millionen Firmenwert-Abschreibung in genau den beiden Sparten, deren Bewertungspuffer der Geschäftsbericht für 2025 fünf Monate vorher mit unter 10 und unter 20 Prozent beziffert hatte, ein freier Mittelabfluss von 48,4 Millionen im Halbjahr und eine operativ um rund 100 Millionen gekappte Jahresprognose. Das Geschäft ist real und der Bedarf wächst; die Frage ist, ob dieses Wachstum jemals mehr einbringt, als es an Geräten, Kapital und Firmenwert kostet. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Für Rot fehlt der Substanzbefund: Es gibt keinen Fortführungshinweis, das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital liegt zum 30. Juni 2026 bei 1.378,5 Millionen US-Dollar, der operative Mittelzufluss war im 1. Halbjahr 2026 mit 239,0 Millionen deutlich positiv, die Zinsdeckung liegt mit einem bereinigten Ergebnis von 236,6 Millionen gegen 51,8 Millionen Zinsaufwand bei rund 4,6, und die Finanzauflagen des Kreditvertrags waren zum Quartalsende eingehalten. Für Grün fehlt die Antwort auf zwei wesentliche operative Fragen. Erstens die Ertragskraft: Der Umsatz wächst zweistellig, das bereinigte Ergebnis fällt, die Sparte Wellness at Home hat sich im Quartal halbiert, und die Jahresprognose wurde operativ um rund 100 Millionen gesenkt — ein Preissetzer ist AdaptHealth strukturell nicht, weil Kostenträger und die Behörde CMS die Sätze bestimmen. Zweitens die Kapitalbindung: Die Investitionen stiegen im Halbjahr um 56,0 Prozent auf 287,5 Millionen, der freie Mittelzufluss drehte auf minus 48,4 Millionen, und die Kasse fiel auf 43,3 Millionen, während allein die Steuerumlage 26,8 Millionen zog. Dass in dreieinhalb Jahren rund 1,15 Milliarden Firmenwert abgeschrieben wurden und der materielle Buchwert negativ ist, macht die Bilanz nicht existenzgefährdend, aber es belegt eine Serie zu teurer Zukäufe. Der Umbau ist begonnen und die Aktie ist nach dem 4. August 2026 sichtbar billig — beides ändert die Ampel nicht: Preis ist kein Qualitätsmerkmal, und der Beweis für tragfähige Margen im neuen Zuschnitt steht noch aus.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam AdaptHealth über den Ereignis-Radar der SEC-Einreichungen: die Ad-hoc-Meldung 8-K vom 2. Juli 2026 unter Item 1.05 (wesentlicher Cybersicherheitsvorfall). Vertieft wurde die Recherche nach dem Quartalsbericht vom 4. August 2026 samt gesenkter Jahresprognose. Stichtag der Analyse ist der 5. August 2026; alle SEC-Einreichungen bis dahin sind ausgewertet.
- Vergleichbarkeit beachten: Seit dem 2. Quartal 2026 wird das Diabetes-Geschäft als aufgegebener Bereich geführt, alle Vorjahreswerte wurden entsprechend umgestellt. Zahlen zu 2023 bis 2025 stammen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 und beziehen sich auf den Gesamtkonzern einschließlich Diabetes — Jahres- und Quartalsreihen dürfen deshalb nicht ohne diesen Hinweis gemischt werden.
- Bewertungsangaben sind datiert und bewusst als Größenordnung gehalten: Der Ankerpreis ist der Schlusskurs vom 4. August 2026 (6,71 US-Dollar, Vortag 10,83) auf Basis von 136.344.196 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts. Der Analysten-Konsens (Kursziel 14,14 US-Dollar, acht Einstufungen, Datenstand 5. August 2026) stammt in Teilen aus der Zeit vor der Prognosesenkung und ist entsprechend vorsichtig zu lesen.
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Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 5. August 2026. Was sich seitdem bei AHCO geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
AdaptHealth Corp. (NASDAQ: AHCO) aus Conshohocken, Pennsylvania, liefert Medizintechnik und Hilfsmittel direkt in die Wohnung von Patienten und rechnet mit den Kostenträgern ab. Drei Sparten: Sleep Health (Geräte gegen Schlafapnoe), Respiratory Health (Sauerstoff und Heimbeatmung) und Wellness at Home (Betten, Rollstühle, Verbrauchsmaterial nach dem Klinikaufenthalt). Versorgt werden rund 4,8 Millionen Patienten jährlich in allen 50 Bundesstaaten über etwa 670 Standorte in 48 Staaten (Stand 30. Juni 2026).
Am 4. August 2026 senkte AdaptHealth die Prognose für das bereinigte Ergebnis 2026 von 680 bis 730 auf 490 bis 520 Millionen US-Dollar. Rund 100 Millionen davon sind reine Umgliederung, weil das Diabetes-Geschäft als aufgegebener Bereich geführt wird. Die anderen rund 100 Millionen sind operativ: 55 Millionen aus einem Kapitationsvertrag an der US-Westküste, dessen Übergang die Margen belastete, 30 Millionen aus einer unerwarteten Preiserhöhung eines Herstellers und 15 Millionen aus weiteren Portfolio-Maßnahmen.
Firmenwert (Goodwill) ist der Aufpreis, den AdaptHealth beim Kauf anderer Firmen über deren Substanzwert hinaus gezahlt hat. Zum 30. Juni 2026 lagen die geschätzten Zeitwerte der Sparten Respiratory Health und Wellness at Home unter ihren Buchwerten, deshalb wurden 79,1 beziehungsweise 65,1 Millionen US-Dollar abgeschrieben. Es fließt dabei kein Geld ab, aber die Abschreibung korrigiert frühere Kaufpreise. Mit 830,8 Millionen (2023), 13,1 (2024) und 128,0 (2025) summieren sich die Abschreibungen auf rund 1,15 Milliarden US-Dollar.
Ja, in einem Nebensatz. Der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 24. Februar 2026 hielt fest, dass der Überschuss des geschätzten Zeitwerts über den Buchwert bei Wellness at Home unter 10 Prozent und bei Respiratory Health unter 20 Prozent lag. Genau diese beiden Sparten wurden fünf Monate später zum 30. Juni 2026 abgeschrieben. Formal war der Satz eine Entwarnung — inhaltlich war er die Vorankündigung.
Zum 30. Juni 2026 betrugen die Finanzschulden nominal 1.900,0 Millionen US-Dollar: 325,0 Millionen Darlehen, 150,0 Millionen gezogene Betriebsmittel und 1.425,0 Millionen Anleihen. Dem standen 43,3 Millionen Kasse gegenüber, die Nettofinanzschulden lagen also bei rund 1.856,7 Millionen — etwa dem 3,7-Fachen des für 2026 prognostizierten bereinigten Ergebnisses. Dazu kommen 238,9 Millionen aus einer Steuerumlagevereinbarung mit früheren Gesellschaftern. Die Finanzauflagen des Kreditvertrags waren zum 30. Juni 2026 eingehalten.
Am 15. Juni 2026 erhielt AdaptHealth eine Nachricht von einem Angreifer, der Daten aus den Systemen erbeutet haben wollte; am 27. Juni stufte das Unternehmen den Vorfall als wesentlich ein. Über einen Social-Engineering-Angriff wurde eine Nutzersitzung kompromittiert, betroffen waren cloudbasierte Anwendungen samt Patientenverwaltung. Abgeflossen sind laut Meldung Passwörter zur Versicherungsabrechnung sowie personenbezogene Daten und Gesundheitsdaten von Patienten; Sozialversicherungsnummern, Konto- und Kartendaten lagen nicht in diesen Systemen. Die finanzielle Gesamtwirkung ist laut Unternehmen noch nicht bestimmbar.
Am 19. Juli 2026 vereinbarte AdaptHealth den Verkauf des Diabetes-Geschäfts für 235,0 Millionen US-Dollar in bar an RGH Enterprises, eine Tochter von Cardinal Health. Der Grund liegt in den Zahlen: Die Sparte erzielte 2025 bei 592,4 Millionen Umsatz nur 26,1 Millionen bereinigtes Ergebnis nach 60,5 Millionen im Vorjahr — eine Marge von 4,4 statt 9,9 Prozent — und wurde Ende 2025 mit 128,0 Millionen abgeschrieben. Der Abschluss wird im ersten Quartal 2027 erwartet und hängt an der Kartellfreigabe.
Gemessen an den üblichen Vielfachen ja: Auf Basis von 136.344.196 Aktien (Stand 31. Juli 2026) und dem Schlusskurs vom 4. August 2026 lag der Börsenwert bei rund 0,92 Milliarden US-Dollar, also etwa 0,32-mal dem prognostizierten Jahresumsatz und rund zwei Dritteln des Buchwerts. Der Unternehmenswert von rund 2,8 Milliarden entspricht etwa dem 5,5-Fachen des prognostizierten bereinigten Ergebnisses. Dagegen steht, dass der Buchwert vollständig aus Firmenwert besteht und der freie Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026 negativ war.
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