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3D Systems: Der Gewinn 2025 kam aus dem Verkauf von Töchtern — das Geschäft selbst verbrannte 87,8 Millionen

3D Systems: Der Gewinn 2025 kam aus dem Verkauf von Töchtern — das Geschäft selbst verbrannte 87,8 Millionen

3D Systems hat den industriellen 3D-Druck erfunden und ist seit 1990 an der Börse. Für 2025 meldete der Konzern erstmals seit Jahren wieder einen Jahresüberschuss: 29,9 Millionen US-Dollar. In derselben Gewinn- und Verlustrechnung stehen ein Betriebsverlust von 96,1 Millionen und ein Buchgewinn von 139,6 Millionen aus dem Verkauf der Software-Töchter. Aus dem laufenden Geschäft flossen 87,8 Millionen US-Dollar ab. Am 14. Mai 2026 verdoppelten die Aktionäre das genehmigte Kapital auf 440 Millionen Aktien, drei Wochen später verkaufte die Firma 16,4 Millionen neue Aktien zu 3,05 US-Dollar — 15,5 Prozent unter dem im selben Prospekt genannten Börsenkurs. Der Abschlussprüfer verweigerte für 2025 das Testat über die internen Kontrollen. Keine Anlageberatung — nur die Rechnung, wer die neuen Aktien am Ende bezahlt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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3D Systems: Der Gewinn 2025 kam aus dem Verkauf von Töchtern — das Geschäft selbst verbrannte 87,8 Millionen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die Sparsamen erwischt — die, die stolz darauf sind, nicht auf Hype hereinzufallen: den Schnäppchen-Reflex. Er funktioniert so: Du filterst nach niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen, weil du gelernt hast, dass billige Aktien langfristig gewinnen. Und dann steht da eine bekannte Firma mit einem KGV von 5,8 (Datenstand 27. Juli 2026). Fünf Komma acht! Der Kopf ergänzt sofort: „Der Markt hat die vergessen.“ 3D Systems (NYSE: DDD) aus Rock Hill in South Carolina ist genau so eine Aktie. Die Firma hat den industriellen 3D-Druck erfunden, sie ist seit dem 5. November 1990 an der Börse, und ihr Gewinn je Aktie über die vergangenen zwölf Monate steht bei 0,44 US-Dollar. Machen wir also einen Deal: Bevor du dieses KGV kaufst, lesen wir gemeinsam, woher dieser Gewinn kommt. Grundlage sind der Geschäftsbericht (10-K) für 2025, eingereicht am 9. März 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 11. Mai 2026, und die Kapitalmarkt-Dokumente vom Juni 2026. Ein Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt eine andere Geschichte als der Filter.

Was 3D Systems eigentlich macht — der Erfinder, der seinen eigenen Markt nicht behalten konnte

3D Systems ist die Urzelle einer ganzen Industrie. Firmenmitgründer Charles W. Hull erfand in den 1980er-Jahren die Stereolithografie — übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Laser fährt über ein Becken mit flüssigem Kunstharz und härtet es Schicht für Schicht dort aus, wo später das Werkstück sein soll. Statt aus einem Block etwas herauszufräsen, wird das Teil aus dem Nichts aufgebaut. Heute nennt man das 3D-Druck oder additive Fertigung: Material wird hinzugefügt, nicht abgetragen. Der Konzern selbst formuliert es im Quartalsbericht so: „We provide comprehensive 3D printing and digital manufacturing solutions, including 3D printers for plastics and metals, materials, software, and services“ — Drucker, Materialien, Software und Dienstleistungen. Verdient wird dabei nicht nur am Gerät: Der überwiegende Teil der Materialien, die in den Druckern verarbeitet werden, ist proprietär. Das ist das Rasierklingen-Modell — der Apparat ist der Türöffner, das Verbrauchsmaterial ist die Rente.

Verkauft wird in zwei Segmenten. Healthcare Solutions bedient Dentallabore, Medizintechnik, personalisierte Gesundheitsdienste und regenerative Medizin; 2025 setzte das Segment 179,6 Millionen US-Dollar um. Industrial Solutions bedient Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Transport und die allgemeine Fertigung; 2025 waren das 207,3 Millionen. Zusammen also 386,9 Millionen — und damit weniger als 2024 (440,1 Millionen) und deutlich weniger als 2023 (488,1 Millionen). Mit 1.418 Beschäftigten zum 31. Dezember 2025 ist der Konzern zudem spürbar kleiner als ein Jahr zuvor, als es 1.833 waren.

Zwei Verkäufe erklären einen Teil dieses Schrumpfens — und sie sind der Schlüssel zu allem, was folgt. Am 1. April 2025 gab 3D Systems seine Software-Tochter Geomagic an den schwedisch-schweizerischen Messtechnik-Konzern Hexagon AB ab und erhielt dafür 119,4 Millionen US-Dollar in bar. Am 31. Oktober 2025 folgten die Software-Geschäfte 3DXpert und Oqton, die für 3,3 Millionen in bar plus eine umsatzabhängige Lizenzforderung mit einem Barwert von 7,1 Millionen an Hubb Global Holdings gingen. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Der Konzern verbessert seine Zahlen, indem er Geschäft verkauft und Kosten streicht — nicht, indem er mehr verkauft.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

3D Systems ist kein Treffer unseres hauseigenen Aktien-Scanners. Die Live-Abfrage am 27. Juli 2026 ergab für den Ticker DDD eine leere Scanner-Liste — kein Momentum-Filter, kein Qualitätsfilter, kein Value-Screen hat die Aktie an dem Tag geführt. Die Listen werden täglich neu berechnet; das kann sich also ändern. Auf den Tisch kam die Aktie über zwei andere Wege.

Erstens über den Strom der Pflichtmitteilungen bei der SEC. Dort stand im Frühsommer 2026 eine auffällige Kette: eine vertrauliche Regalregistrierung am 17. April, die Verdoppelung des genehmigten Kapitals am 14. Mai, die Wirksamkeit der Registrierung am 27. Mai — und am 3. Juni die Platzierung von 16,4 Millionen neuen Aktien. Wenn ein Unternehmen in sieben Wochen den kompletten Werkzeugkasten für eine Kapitalerhöhung aufbaut und dann benutzt, lohnt der Blick in die Bilanz.

Zweitens über genau die Kennzahl aus dem Einstieg. Ein KGV von 5,8 bei einer Firma, die im selben Datensatz eine operative Marge von minus 6,7 Prozent ausweist (jeweils Datenstand 27. Juli 2026), ist ein Widerspruch, der aufgelöst werden will. Kennzahlen sind Zusammenfassungen — und eine Zusammenfassung ist immer nur so gut wie das, was sie weglässt. Merke dir das Muster gleich zu Beginn: Ein Gewinn, der nicht aus dem Geschäft kommt, taucht im KGV trotzdem auf. Wo das bei einem viel größeren Konzern ganz ähnlich aussieht, haben wir in der Analyse zu PTC gezeigt: Dort stammten 462,6 von 590,7 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn aus einem Verkauf.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es mehr, als die Schlagzeile vermuten lässt. Der operative Verlust von 3D Systems ist in zwei Jahren um mehr als drei Viertel geschrumpft: von 406,0 Millionen US-Dollar (2023) über 277,4 Millionen (2024) auf 96,1 Millionen (2025). Ein erheblicher Teil davon waren Abschreibungen auf Firmenwerte und Anlagen — 302,8 Millionen im Jahr 2023 und 145,0 Millionen im Jahr 2024, gegenüber nur noch 0,8 Millionen im Jahr 2025. Solche Wertberichtigungen sind Buchungen, kein Geldabfluss; dass sie versiegen, ist trotzdem eine gute Nachricht, weil es bedeutet, dass die Bilanz weitgehend bereinigt ist.

Balkendiagramm für 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz in Blau mit 488,1 / 440,1 / 386,9; Betriebsergebnis in Rot mit minus 406,0 / minus 277,4 / minus 96,1. Der Umsatz fällt in jedem Jahr, der Betriebsverlust schrumpft dagegen deutlich.
Zwei Bewegungen in eine Richtung, die sich widersprechen: Der Umsatz fällt von 488,1 auf 386,9 Millionen US-Dollar, der Betriebsverlust schrumpft von 406,0 auf 96,1 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das erste Quartal 2026 setzt diese Linie fort, und zwar eindrucksvoll. Der Umsatz lag mit 95,5 Millionen US-Dollar um 1,1 Prozent über dem Vorjahresquartal — nach drei Jahren Rückgang immerhin eine Stabilisierung. Die Bruttomarge stieg von 34,6 auf 35,9 Prozent. Das Segment Healthcare Solutions wuchs um 21,3 Prozent auf 50,1 Millionen, sein Rohertrag sogar um 39,1 Prozent. Und der Nettoverlust schrumpfte von 37,0 Millionen auf 4,4 Millionen US-Dollar — das ist knapp ein Neuntel. Zum 31. März 2026 standen 85,1 Millionen US-Dollar in der Kasse, 234,3 Millionen Eigenkapital und 513,1 Millionen Bilanzsumme. Der Konzern ist also weder illiquide noch überschuldet.

Und dann gibt es noch eine Altlast, die endgültig erledigt ist: Wegen Verstößen gegen US-Exportkontrollen hatte sich 3D Systems im Februar 2023 mit dem US-Justizministerium und zwei Behörden auf Bußgelder von 15,0 Millionen US-Dollar geeinigt, dazu kamen 10,0 Millionen zur Bewährung ausgesetzte Strafe, die in Compliance-Maßnahmen fließen mussten. Am 20. Februar 2026 teilte die zuständige Behörde mit, dass sie die Vereinbarung geschlossen hat, weil alle Auflagen erfüllt sind. Eine Baustelle weniger.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Jahresgewinn 2025 ist ein Verkaufserlös

Jetzt zur Auflösung des KGV-Rätsels. Die Gewinn- und Verlustrechnung im Geschäftsbericht für 2025 enthält eine Zeile, die es in den Vorjahren nicht gab: „Gain on disposition“ — 139,6 Millionen US-Dollar. Das ist der Buchgewinn aus dem Verkauf der Software-Töchter, davon allein 125,7 Millionen aus Geomagic. Zieht man von diesem Betrag den Betriebsverlust von 96,1 Millionen und die Steuerlast von 14,9 Millionen ab und rechnet die übrigen Finanzposten hinzu — Zinsen, Währungseffekte, Beteiligungsergebnisse —, bleiben unter dem Strich die gemeldeten 29,9 Millionen US-Dollar Jahresüberschuss. Ohne den Verkauf hätte dort ein Verlust in ähnlicher Größenordnung gestanden wie 2024.

Die härteste Gegenprobe ist immer die Kasse, denn Bargeld lässt sich nicht buchen, sondern nur zählen. Und die Kapitalflussrechnung für 2025 sagt: Aus dem laufenden Geschäft flossen 87,8 Millionen US-Dollar ab — nach 44,9 Millionen im Jahr 2024 und 80,7 Millionen im Jahr 2023. Das Jahr mit dem einzigen ausgewiesenen Gewinn war also zugleich das Jahr mit dem größten Mittelabfluss der drei. Der Kassenbestand fiel entsprechend von 171,3 auf 95,6 Millionen US-Dollar: Herein kamen 122,7 Millionen aus Verkäufen und 92,0 Millionen aus der neuen Wandelanleihe, hinaus gingen 170,0 Millionen Schuldentilgung, 15,0 Millionen Aktienrückkäufe und 9,9 Millionen Investitionen. Merke dir diesen Satz, er gilt weit über 3D Systems hinaus: Ein Gewinn, der die Kasse leert, ist kein Gewinn — er ist eine Umbuchung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Sparkurs greift in die Forschung

Dass der Quartalsverlust von 37,0 auf 4,4 Millionen US-Dollar geschrumpft ist, verdankt sich fast vollständig der Kostenseite. Der Umsatz stieg um 1,0 Million; die Verwaltungs- und Vertriebskosten sanken um 18,4 Millionen (minus 37,0 Prozent) und die Forschungs- und Entwicklungsausgaben um 10,0 Millionen (minus 51,0 Prozent) — von 19,7 auf 9,6 Millionen US-Dollar im Quartal. Über das ganze Jahr 2025 gerechnet fiel die Forschung von 86,5 auf 65,0 Millionen.

Bei einem Anbieter von Verbrauchsmaterial für installierte Maschinen kann man das eine Weile machen. Bei einem Technologieanbieter, der gegen deutlich größere Konkurrenten aus der Fertigungsautomatisierung antritt, ist eine halbierte Forschung eine Wette auf die Zukunft — nur in die andere Richtung. Wie eine Firma aussieht, die in einem zyklischen Industriemarkt konsequent in die eigene Technik investiert, zeigt zum Vergleich unsere Analyse zu Teradyne. Dazu kommt: Auch der Personalbestand fiel um 22,6 Prozent von 1.833 auf 1.418. Und ein Teil der Verbesserung im ersten Quartal 2026 stammt gar nicht aus dem Betrieb, sondern aus Positionen unterhalb der Betriebslinie: 2,6 Millionen US-Dollar Buchgewinn entstanden, weil sich der Anteil des Konzerns am Gemeinschaftsunternehmen NAMI durch die Aufnahme eines weiteren Investors von 49 auf 34,3 Prozent verwässerte, und weitere 2,6 Millionen waren Währungsgewinne. Ohne diese beiden Posten läge der Quartalsverlust ungefähr doppelt so hoch.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Aktienzahl wächst schneller als das Geschäft

Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden — der Kuchen selbst wird davon nicht größer. Bei 3D Systems läuft dieser Vorgang in klar datierten Stufen ab.

Balkendiagramm der ausstehenden Aktien von 3D Systems in Millionen Stück: 135,5 zum 31.12.2024, 145,6 zum 31.12.2025, 146,1 zum 31.03.2026, 162,5 nach der Platzierung vom 5. Juni 2026 und rechnerisch 203,5 bei voller Wandlung der Anleihe 2030.
Vier belegte Stichtage und eine Rechnung: Von 135,5 Millionen Aktien Ende 2024 auf 162,5 Millionen nach der Platzierung vom 5. Juni 2026 — plus rechnerisch 41,0 Millionen, falls die Wandelanleihe 2030 vollständig gewandelt wird. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q) sowie Prospekt-Nachtrag 424B5 vom 3. Juni 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Stufe eins lief im Dezember 2025: Der Konzern tauschte 30,8 Millionen US-Dollar Nennwert seiner alten Nullzins-Wandelanleihe gegen 16,6 Millionen neue Aktien — Schulden weg, Aktien mehr. Stufe zwei war die Hauptversammlung am 14. Mai 2026, auf der die Aktionäre das genehmigte Kapital von 220 auf 440 Millionen Aktien verdoppelten; im selben Beschlusspaket kamen 4,0 Millionen Aktien zum Mitarbeiter-Beteiligungsplan hinzu. Stufe drei folgte am 3. Juni 2026. Der Prospekt-Nachtrag ist in seiner Nüchternheit schwer zu überbieten:

„We are offering 16,393,443 shares of our common stock, par value $0.001 per share („common stock“). The public offering price is $3.05 per share. Our common stock trades on the New York Stock Exchange (the „NYSE“) under the symbol „DDD.“ On June 3, 2026, the last reported sale price of our common stock on the NYSE was $3.61 per share.“

Übersetzung: „Wir bieten 16.393.443 Aktien unserer Stammaktien mit einem Nennwert von 0,001 US-Dollar je Aktie an. Der öffentliche Ausgabepreis beträgt 3,05 US-Dollar je Aktie. Unsere Stammaktie wird an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel ‚DDD‘ gehandelt. Am 3. Juni 2026 betrug der zuletzt gemeldete Verkaufskurs unserer Stammaktie an der NYSE 3,61 US-Dollar je Aktie.“

— 3D Systems Corporation, SEC-Prospekt-Nachtrag 424B5 vom 5. Juni 2026, Deckblatt

Gelb markierte Textstelle vom Deckblatt des Prospekt-Nachtrags 424B5 von 3D Systems: Der Ausgabepreis beträgt 3,05 US-Dollar je Aktie, der zuletzt gemeldete Börsenkurs am 3. Juni 2026 lag bei 3,61 US-Dollar je Aktie.
Ausgabepreis 3,05 US-Dollar, Börsenkurs am selben Tag 3,61 US-Dollar — 15,5 Prozent Abschlag, schwarz auf weiß auf dem Deckblatt. Quelle: SEC-Prospekt-Nachtrag 424B5 vom 5. Juni 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Netto brachte das rund 46,2 Millionen US-Dollar; die Konsortialbanken haben zusätzlich 30 Tage lang das Recht, weitere 2.459.016 Aktien zu beziehen. Und Stufe vier steht noch aus: Die im Juni 2025 begebene Wandelanleihe 2030 über 92,0 Millionen US-Dollar zu 5,875 Prozent Zins hat einen Wandelpreis von rund 2,24 US-Dollar — 445,6328 Aktien je 1.000 US-Dollar Nennwert. Vollständig gewandelt entstünden daraus rechnerisch weitere 41,0 Millionen Aktien. Wie stark dieser Effekt wiegt, hat die Firma selbst schon ausgewiesen: Für 2025 lag die einfache Aktienzahl bei 129,2 Millionen, die verwässerte bei 175,5 Millionen. Von der alten Nullzins-Anleihe über ursprünglich 460 Millionen US-Dollar sind übrigens nur noch 3,9 Millionen übrig, fällig am 15. November 2026; ihr Wandelpreis von 35,92 US-Dollar ist Geschichte aus einer anderen Zeit.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Zwei Kunden, mehr als ein Viertel des Umsatzes

Kundenkonzentration ist die Sorte Risiko, die man erst spürt, wenn sie eintritt. Stell dir vor, dein Nachbar erzählt begeistert von seinem Betrieb — und dann erfährst du, dass zwei Kunden für über ein Viertel seines Umsatzes sorgen. Du würdest kurz schlucken. Genau dort steht 3D Systems.

Gelb markierte Textstelle aus dem Quartalsbericht 10-Q von 3D Systems zum 31. März 2026: Zwei Kunden des Healthcare-Solutions-Segments entfielen 17,4 und 10,0 Prozent des Konzernumsatzes; im Vorjahresquartal war es ein Kunde mit 12,0 Prozent.
Im ersten Quartal 2026 entfielen auf zwei Kunden des Healthcare-Segments 17,4 und 10,0 Prozent des Konzernumsatzes — im Vorjahresquartal war es ein Kunde mit 12,0 Prozent. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Über das Gesamtjahr 2025 waren es 12,2 und 11,4 Prozent, also 23,6 Prozent; einer dieser Kunden stand 2024 sogar bei 16,0 und 2023 bei 15,0 Prozent allein. Die Firma benennt das Risiko im Geschäftsbericht selbst und weist zusätzlich auf das Ausfallrisiko hin, weil ein erheblicher Teil der Forderungen auf diese beiden Kunden entfallen kann. Und noch eine Konzentration verdient Beachtung: Der Umsatz in der Region Asien-Pazifik fiel im ersten Quartal 2026 von 9,2 auf 4,1 Millionen US-Dollar — ein Rückgang um 55 Prozent, während der US-Umsatz zulegte. Das Geschäft wird nicht nur kleiner, es wird auch schmaler aufgestellt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Abschlussprüfer verweigert das Testat über die internen Kontrollen

Diese Wahrheit ist die schwerste, weil sie alle anderen Zahlen betrifft. US-Konzerne müssen ihre internen Kontrollen über die Rechnungslegung jährlich prüfen lassen — das ist gewissermaßen der TÜV für den Weg, auf dem eine Zahl von der Rechnung in den Geschäftsbericht kommt. Für den 31. Dezember 2025 fiel dieser TÜV durch. Deloitte & Touche LLP schreibt in seinem Prüfungsurteil:

„In our opinion, because of the effect of the material weaknesses identified below on the achievement of the objectives of the control criteria, the Company has not maintained effective internal control over financial reporting as of December 31, 2025.“

Übersetzung: „Nach unserer Beurteilung hat das Unternehmen aufgrund der Auswirkungen der nachfolgend genannten wesentlichen Mängel auf die Erreichung der Kontrollziele zum 31. Dezember 2025 keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung aufrechterhalten.“

— Deloitte & Touche LLP über 3D Systems Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Bericht des unabhängigen Abschlussprüfers zur internen Kontrolle

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K von 3D Systems für 2025: Der Abschlussprüfer urteilt, das Unternehmen habe zum 31. Dezember 2025 keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung aufrechterhalten.
Das Negativ-Testat im Original: Wegen wesentlicher Mängel bescheinigt der Prüfer für den 31. Dezember 2025 keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die beiden Mängel benennt der Bericht konkret: Es fehlten wirksame Kontrollen im Umsatzprozess — genauer bei der Bestimmung von Einzelveräußerungspreisen und der Aufteilung des Transaktionspreises auf getrennte Leistungsverpflichtungen — sowie bei der Bilanzierung marktbasierter Aktienvergütungen. Das Management betont, die Abschlüsse seien trotzdem zutreffend; die Konzernabschlüsse selbst haben ein uneingeschränktes Testat erhalten. Aber es ist bereits das Folgejahr einer Serie: Frühere Mängel bei der Bewertung langlebiger Vermögenswerte, beim Abschlussprozess und bei technischen Bilanzierungsfragen wurden 2025 zwar teilweise behoben, aber eben nicht vollständig. Und der Kontext macht es schwerer: Seit dem 15. April 2022 führt die SEC eine förmliche Untersuchung gegen das Unternehmen; im Januar 2025 wurde der frühere Chefbuchhalter, im März 2025 der frühere Finanzvorstand vernommen. Seit dem 13. Juni 2025 läuft zudem eine Wertpapier-Sammelklage im US-Bundesstaat Delaware, dazu acht Aktionärsklagen gegen Vorstand und Aufsichtsrat, die bis zur Entscheidung über die Sammelklage ruhen. Seit dem 23. März 2026 hat die Firma wieder eine feste Finanzvorständin — Phyllis Nordstrom, die zuvor Personal- und Verwaltungschefin war und den Posten seit August 2025 kommissarisch führte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Die Schulden sind klein, aber sie haben eine Reißleine

Auf dem Papier sieht die Verschuldung harmlos aus: 96,0 Millionen US-Dollar Nennwert zum 31. März 2026, davon 92,0 Millionen die Wandelanleihe 2030 und 3,9 Millionen der Rest der alten Nullzins-Anleihe. Gegen 85,1 Millionen Kasse ist das eine ausgeglichene Rechnung. Der Haken steckt im Kleingedruckten. Die Anleihe 2030 ist erstrangig besichert — sie greift auf praktisch das gesamte Vermögen der amerikanischen Tochtergesellschaften zu — und sie enthält Finanzauflagen. Der Quartalsbericht formuliert das so: Die Firma muss dauerhaft mindestens 20,0 Millionen US-Dollar an qualifizierter Liquidität halten sowie mindestens 75,0 Millionen an Forderungen und Vorräten; wird eine dieser Schwellen gerissen, kann die Anleihe sofort fällig gestellt werden.

Bemerkenswert ist, wie diese Schwelle zustande kam. Ursprünglich verlangte die Anleihe 40,0 Millionen qualifizierte Liquidität und ein gesperrtes Konto über 16,8 Millionen. Im Dezember 2025 handelte 3D Systems eine Nachtragsvereinbarung aus, die die Schwelle auf 20,0 Millionen halbierte und das gesperrte Konto freigab — gegen eine Barzahlung von rund 1,8 Millionen US-Dollar an die Anleihegläubiger. Ein Unternehmen, das seine Gläubiger dafür bezahlt, eine Liquiditätsauflage zu lockern, sagt damit etwas über die eigene Einschätzung der Liquiditätslage. Die 46,2 Millionen aus der Juni-Platzierung schaffen hier Luft — sie sind der Grund, warum diese Wahrheit an sechster und nicht an erster Stelle steht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 7: Zwei Forderungen, die in keiner Bilanzzeile stehen

Die letzte Wahrheit steht nicht in der Bilanz, sondern in den Fußnoten — dort, wo Unternehmen Verpflichtungen nennen müssen, die noch keine sind. Als 3D Systems 2021 das Bioprinting-Unternehmen Volumetric übernahm, wurden Nachzahlungen von bis zu 355,0 Millionen US-Dollar vereinbart, gekoppelt an sieben wissenschaftliche Meilensteine. Vier davon kündigte der Konzern im Februar 2024, weil ein Forschungspartner die Finanzierung eingestellt hatte; die verbleibenden drei über 175,0 Millionen erloschen aus seiner Sicht, als am 29. April 2024 zwei Schlüsselmitarbeiter kündigten. Die Altgesellschafter widersprechen und verlangen die vollen 355,0 Millionen.

Gelb markierte Textstelle aus dem Quartalsbericht 10-Q von 3D Systems zum 31. März 2026: Nach der Übernahme von Volumetric im Jahr 2021 hätte der Konzern bis zu 355,0 Millionen US-Dollar an erfolgsabhängigen Nachzahlungen leisten müssen; nach Kündigung von vier Meilensteinen sank die maximale Verpflichtung auf 175,0 Millionen.
Bis zu 355,0 Millionen US-Dollar erfolgsabhängige Nachzahlungen aus dem Volumetric-Kauf von 2021 — zurückgestellt hat der Konzern dafür ein Vergleichsangebot von 1,8 Millionen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 11 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zurückgestellt sind für diesen Streit 1,8 Millionen US-Dollar — das Vergleichsangebot vom 21. August 2024, auf das die Gegenseite bis heute nicht geantwortet hat; seit dem 10. Januar 2025 vermeldet der Konzern „keine weiteren Entwicklungen“. Zur Einordnung: Das Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei 234,3 Millionen US-Dollar. Die zweite Forderung ist kleiner, aber terminiert: Eine Klage, die 3D Systems 2021 selbst gegen fünf frühere Mitarbeiter und deren Firma Intrepid Automation angestrengt hatte, wies das Gericht im März 2025 ab — die Gegenklage über mehr als 20 Millionen US-Dollar ließ es zu, und ihr Prozess sollte laut Quartalsbericht am 27. Juli 2026 beginnen. Beides sind keine Rückstellungen, die morgen fällig werden. Aber beides sind Zeilen, die man in jedem neuen Bericht nachlesen muss.

Bewertung — was der Markt für die Erfinder-Aktie zahlt

Weil sich ein Börsenwert aus einem Datenfeed und ein im Prospekt dokumentierter Kurs am 27. Juli 2026 um mehr als ein Fünftel unterscheiden, verankern wir die Bewertung ausschließlich an belegten Zahlen aus den Filings. Nach der Platzierung waren 162.450.658 Aktien ausstehend. Zum Platzierungspreis von 3,05 US-Dollar entspricht das einem Börsenwert von rund 495 Millionen US-Dollar, zum am selben 3. Juni 2026 dokumentierten Börsenkurs von 3,61 US-Dollar rund 586 Millionen. Gemessen am Jahresumsatz 2025 von 386,9 Millionen ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,3 bis 1,5. Für einen Anbieter mit 33,9 Prozent Bruttomarge (2025) und schrumpfendem Umsatz ist das weder teuer noch billig — es ist der Preis für eine offene Frage.

Das KGV von 5,8 aus dem Einstieg löst sich damit auf: Es beruht auf einem Zwölfmonatsgewinn je Aktie von 0,44 US-Dollar (Datenstand 27. Juli 2026), und dieser Gewinn besteht aus dem Verkaufserlös von 2025 plus dem Umstand, dass das schwache erste Quartal 2025 aus dem Zeitfenster herausgefallen ist. Für das laufende und das kommende Jahr erwarten die Analysten dagegen wieder Verluste je Aktie. Das ist keine Kennzahl, das ist ein Schatten.

Der Blick der Profis fällt entsprechend zurückhaltend aus: Von vier erfassten Häusern rät eines zum Kauf und drei zum Halten, keines zum Verkauf; das mittlere Kursziel liegt bei 4,00 US-Dollar (Datenstand 27. Juli 2026). Zur Einordnung eine dritte Größe aus dem Prospekt selbst: Der materielle Buchwert je Aktie lag zum 31. März 2026 bei 1,39 US-Dollar. Wer heute kauft, zahlt also ein Mehrfaches des greifbaren Substanzwerts für die Hoffnung, dass aus Sparen wieder Wachsen wird.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für 3D Systems spricht:

  • Der Betriebsverlust hat sich in zwei Jahren von 406,0 auf 96,1 Millionen US-Dollar mehr als geviertelt; im ersten Quartal 2026 lag er nur noch bei 6,6 Millionen.
  • Healthcare Solutions wächst wieder: plus 21,3 Prozent Umsatz und plus 39,1 Prozent Rohertrag im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • Die Bilanz trägt: 85,1 Millionen US-Dollar Kasse, 234,3 Millionen Eigenkapital und nur 96,0 Millionen Finanzschulden zum 31. März 2026, dazu rund 46,2 Millionen frisches Kapital aus der Platzierung vom Juni 2026.
  • Die Bereinigung ist weit fortgeschritten: 2025 fielen nur noch 0,8 Millionen Wertberichtigungen an nach 145,0 Millionen im Vorjahr; die Export-Compliance-Vereinbarung mit den US-Behörden wurde am 20. Februar 2026 geschlossen.
  • Ein hoher Anteil proprietärer Materialien sorgt für wiederkehrende Umsätze an einer installierten Basis, die über 35 Jahre gewachsen ist.

Was dagegen spricht:

  • Der Umsatz fällt seit Jahren: 488,1 (2023), 440,1 (2024), 386,9 Millionen US-Dollar (2025) — der einzige ausgewiesene Jahresgewinn stammt aus einem Verkauf, nicht aus dem Geschäft.
  • Aus dem laufenden Geschäft flossen 2025 87,8 Millionen US-Dollar ab, mehr als in den beiden Vorjahren.
  • Die Sanierung greift in die Substanz: Forschung im ersten Quartal 2026 halbiert (minus 51,0 Prozent), Belegschaft binnen eines Jahres um 22,6 Prozent auf 1.418 reduziert.
  • Verwässerung auf mehreren Ebenen: genehmigtes Kapital am 14. Mai 2026 auf 440 Millionen Aktien verdoppelt, 16,4 Millionen neue Aktien mit 15,5 Prozent Abschlag platziert, rechnerisch weitere 41,0 Millionen aus der Wandelanleihe 2030 zu 2,24 US-Dollar.
  • Der Abschlussprüfer verweigerte für den 31. Dezember 2025 das Testat über die internen Kontrollen; parallel laufen eine förmliche SEC-Untersuchung seit April 2022, eine Wertpapier-Sammelklage seit Juni 2025 und acht Aktionärsklagen.
  • Klumpenrisiko: zwei Kunden mit 17,4 und 10,0 Prozent des Konzernumsatzes im ersten Quartal 2026; der Asien-Pazifik-Umsatz brach im selben Quartal um 55 Prozent ein.
  • Offene Altlasten in den Fußnoten: eine Forderung über bis zu 355,0 Millionen US-Dollar aus dem Volumetric-Kauf, der nur 1,8 Millionen Rückstellung gegenüberstehen, sowie eine Gegenklage über mehr als 20 Millionen, deren Prozess am 27. Juli 2026 beginnen sollte.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Schnäppchen-Reflex vom Anfang. Ein KGV von 5,8 hat dich hierher gebracht — und die Berichte haben gezeigt, dass hinter dieser Zahl kein vergessenes Unternehmen steht, sondern ein einmaliger Verkaufserlös. Das ist die eigentliche Lektion, und sie ist mehr wert als jede Meinung über 3D Systems: Ein Filter kann dir sagen, wo du hinschauen sollst. Er kann dir nicht sagen, was du siehst.

Und was ist nun mit der Firma? Es gibt hier eine ehrliche Sanierungsgeschichte. Ein Konzern, der 2023 noch über 400 Millionen US-Dollar operativ verlor, verliert heute im Quartal weniger als sieben. Das ist echte Arbeit, keine Kosmetik. Nur: Bezahlt wurde diese Arbeit bisher mit Substanz — mit dem Verkauf der Softwaresparte, mit halbierter Forschung, mit jedem fünften Arbeitsplatz und mit 16,4 Millionen neuen Aktien zu einem Preis, den die eigenen Banken 15,5 Prozent unter dem Börsenkurs ansetzen mussten, damit sie überhaupt jemand nimmt. Ein Unternehmen kann sich gesundschrumpfen. Es kann sich auch totsparen. Welcher der beiden Wege hier gerade beschritten wird, entscheidet sich nicht an der Kostenseite, sondern daran, ob der Umsatz wieder wächst — die Stabilisierung im ersten Quartal 2026 war ein erstes Zeichen, ein einzelnes Quartal ist aber noch kein Trend.

Wer die Aktie kauft, kauft also drei Dinge zugleich: die installierte Basis eines Erfinders, eine Sanierung mit sichtbarem Fortschritt — und ein Aktenzeichen bei der SEC nebst einem Prüfer, der die Kontrollen des Hauses für nicht wirksam hält. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von 3D Systems.

Unser Fazit auf einen Blick

Ergebnisqualität negativ
Der einzige Jahresüberschuss der vergangenen Jahre — 29,9 Millionen US-Dollar für 2025 — beruht auf der Zeile „Gain on disposition“ über 139,6 Millionen aus dem Verkauf der Software-Töchter. Das Betriebsergebnis lag bei minus 96,1 Millionen, aus dem laufenden Geschäft flossen 87,8 Millionen ab — mehr als 2024 (44,9) und 2023 (80,7 Millionen).
Sanierungsfortschritt positiv
Der Betriebsverlust schrumpfte von 406,0 Millionen US-Dollar (2023) über 277,4 (2024) auf 96,1 Millionen (2025) und im ersten Quartal 2026 auf 6,6 Millionen; der Nettoverlust fiel im selben Quartal von 37,0 auf 4,4 Millionen. Die Bruttomarge stieg auf 35,9 Prozent, Healthcare Solutions wuchs um 21,3 Prozent auf 50,1 Millionen (jeweils Q1 2026 gegen Vorjahresquartal).
Preis des Fortschritts negativ
Bezahlt wurde die Verbesserung mit Substanz: Forschung im ersten Quartal 2026 um 51,0 Prozent auf 9,6 Millionen US-Dollar halbiert, Verwaltung um 37,0 Prozent gekürzt, Belegschaft binnen eines Jahres um 22,6 Prozent auf 1.418 reduziert, Softwaresparte verkauft. Zusätzlich stammen 2,6 Millionen des Quartalsergebnisses aus einem Verwässerungs-Buchgewinn beim Gemeinschaftsunternehmen NAMI und 2,6 Millionen aus Währungseffekten.
Verwässerung & Finanzierung negativ
Am 14. Mai 2026 verdoppelten die Aktionäre das genehmigte Kapital auf 440 Millionen Aktien, am 3. Juni 2026 wurden 16.393.443 neue Aktien zu 3,05 US-Dollar platziert — 15,5 Prozent unter dem im selben Prospekt genannten Kurs von 3,61. Die Aktienzahl stieg damit auf 162.450.658; die Wandelanleihe 2030 zu 2,24 US-Dollar könnte rechnerisch 41,0 Millionen weitere Aktien erzeugen.
Governance & Kontrollen negativ
Deloitte & Touche verweigerte für den 31. Dezember 2025 das Testat über die interne Kontrolle der Rechnungslegung; zwei wesentliche Mängel bestehen fort, einer davon im Umsatzprozess. Seit dem 15. April 2022 läuft eine förmliche SEC-Untersuchung, seit dem 13. Juni 2025 eine Wertpapier-Sammelklage, dazu acht ruhende Aktionärsklagen.
Bilanz & Liquidität neutral
Zum 31. März 2026 standen 85,1 Millionen US-Dollar Kasse und 234,3 Millionen Eigenkapital nur 96,0 Millionen Finanzschulden gegenüber; dazu kamen im Juni 2026 rund 46,2 Millionen netto aus der Platzierung. Die Auflage der Anleihe 2030 — mindestens 20,0 Millionen qualifizierte Liquidität — wurde im Dezember 2025 gegen eine Zahlung von 1,8 Millionen an die Gläubiger von 40,0 Millionen halbiert.

Bei 3D Systems fallen ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis und ein defizitäres Geschäft im selben Datensatz zusammen — weil der ausgewiesene Jahresüberschuss 2025 von 29,9 Millionen US-Dollar aus einem Buchgewinn von 139,6 Millionen für verkaufte Software-Töchter stammt, während der Betrieb 96,1 Millionen verlor und 87,8 Millionen Bargeld abflossen. Der Sanierungsfortschritt ist echt (Betriebsverlust im ersten Quartal 2026 nur noch 6,6 Millionen), aber mit halbierter Forschung, 22,6 Prozent weniger Belegschaft und 16,4 Millionen neuen Aktien zu 15,5 Prozent Abschlag bezahlt. Dazu kommt ein Abschlussprüfer, der die internen Kontrollen zum 31. Dezember 2025 für nicht wirksam hält. Keine Anlageberatung.

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam 3D Systems nicht über einen Scanner-Treffer — die Live-Abfrage am 27. Juli 2026 ergab für den Ticker DDD eine leere Scanner-Liste; die Listen werden täglich neu berechnet. Aufhänger waren die Kette der Kapitalmaßnahmen im EDGAR-Strom (vertrauliche Registrierung am 17. April, Verdoppelung des genehmigten Kapitals am 14. Mai, Platzierung am 3. Juni 2026) und der Widerspruch zwischen einem KGV von 5,8 und einer operativen Marge von minus 6,7 Prozent (Datenstand 27. Juli 2026).
  • Bewertungsanker bewusst aus den Filings statt aus dem Datenfeed: 162.450.658 Aktien nach der Platzierung, bewertet zum Ausgabepreis von 3,05 und zum dokumentierten Börsenkurs von 3,61 US-Dollar (beide 3. Juni 2026), ergeben rund 495 bis 586 Millionen US-Dollar Börsenwert. Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten weicht davon um mehr als ein Fünftel ab und wird deshalb hier nicht als Anker verwendet; die Aktienzahl selbst deckt sich mit den Filings.
  • Verwechslungsgefahr: Die Zeile „Gain on disposition“ über 139,6 Millionen US-Dollar erscheint nur 2025 und stammt aus dem Verkauf von Geomagic (an Hexagon AB) sowie 3DXpert und Oqton (an Hubb Global Holdings) — sie ist kein wiederkehrender Ertrag. Der Zwölfmonatsgewinn je Aktie von 0,44 US-Dollar, auf dem das niedrige KGV beruht, ist deshalb nicht fortschreibbar; die Analystenschätzungen für das laufende und das kommende Jahr liegen im Minus.

Häufige Fragen

3D Systems Corporation (NYSE: DDD) aus Rock Hill, South Carolina, stellt 3D-Drucker für Kunststoff und Metall her, liefert die zugehörigen — überwiegend proprietären — Materialien und erbringt Wartungs-, Fertigungs- und Anwendungsdienste. Der Umsatz verteilt sich auf zwei Segmente: Healthcare Solutions (Dental, Medizintechnik, regenerative Medizin) mit 179,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 und Industrial Solutions (Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Transport, Fertigung) mit 207,3 Millionen. Firmenmitgründer Charles W. Hull erfand die Stereolithografie, die Urform des industriellen 3D-Drucks.

Weil der Gewinn aus Verkäufen stammt. In der Gewinn- und Verlustrechnung für 2025 steht die Zeile „Gain on disposition“ über 139,6 Millionen US-Dollar — der Buchgewinn aus dem Verkauf der Software-Töchter Geomagic (an Hexagon AB, 119,4 Millionen bar, Abschluss 1. April 2025) sowie 3DXpert und Oqton (an Hubb Global Holdings, 31. Oktober 2025). Das Betriebsergebnis lag bei minus 96,1 Millionen. Nach Steuern blieben 29,9 Millionen Jahresüberschuss. Aus dem laufenden Geschäft flossen im selben Jahr 87,8 Millionen ab.

In mehreren Stufen. Zum 31. März 2026 waren 146.057.215 Aktien ausstehend. Am 14. Mai 2026 verdoppelten die Aktionäre das genehmigte Kapital von 220 auf 440 Millionen Aktien. Am 3. Juni 2026 verkaufte die Firma 16.393.443 neue Aktien zu 3,05 US-Dollar — 15,5 Prozent unter dem im selben Prospekt genannten Börsenkurs von 3,61 US-Dollar; danach waren 162.450.658 Aktien ausstehend. Die Wandelanleihe 2030 über 92,0 Millionen US-Dollar könnte bei einem Wandelpreis von rund 2,24 US-Dollar rechnerisch weitere 41,0 Millionen Aktien erzeugen.

Deloitte & Touche LLP hat für den 31. Dezember 2025 geurteilt, das Unternehmen habe keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung aufrechterhalten. Konkret benannt sind zwei wesentliche Mängel: fehlende Kontrollen im Umsatzprozess bei der Bestimmung von Einzelveräußerungspreisen und der Aufteilung des Transaktionspreises sowie bei der Bilanzierung marktbasierter Aktienvergütungen. Der Konzernabschluss selbst erhielt ein uneingeschränktes Testat. Parallel läuft seit dem 15. April 2022 eine förmliche Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC.

Zum 31. März 2026 standen 96,0 Millionen US-Dollar Nennwert in den Büchern: 92,0 Millionen aus der erstrangig besicherten Wandelanleihe 2030 mit 5,875 Prozent Zins und 3,9 Millionen aus dem Rest der alten Nullzins-Anleihe, die am 15. November 2026 fällig wird. Die Anleihe 2030 verlangt mindestens 20,0 Millionen qualifizierte Liquidität sowie mindestens 75,0 Millionen an Forderungen und Vorräten. Ursprünglich lag die Liquiditätsschwelle bei 40,0 Millionen; im Dezember 2025 wurde sie gegen eine Zahlung von rund 1,8 Millionen an die Gläubiger halbiert.

Deutlich. Im ersten Quartal 2026 entfielen auf zwei Kunden des Healthcare-Solutions-Segments 17,4 und 10,0 Prozent des Konzernumsatzes, zusammen also mehr als ein Viertel. Über das Gesamtjahr 2025 waren es 12,2 und 11,4 Prozent; einer dieser Kunden stand 2024 allein bei 16,0 und 2023 bei 15,0 Prozent. Der Geschäftsbericht weist ausdrücklich auf das damit verbundene Ausfallrisiko bei den Forderungen hin.

Das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,8 (Datenstand 27. Juli 2026) beruht auf einem Zwölfmonatsgewinn, der aus dem Verkauf von Töchtern stammt; für das laufende und das kommende Jahr erwarten die Analysten wieder Verluste je Aktie. Belastbarer ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis: Bei 162.450.658 Aktien nach der Platzierung entspricht der Platzierungspreis von 3,05 US-Dollar rund 495 Millionen Börsenwert, der am 3. Juni 2026 dokumentierte Kurs von 3,61 US-Dollar rund 586 Millionen — also das 1,3- bis 1,5-Fache des Jahresumsatzes 2025 von 386,9 Millionen. Der materielle Buchwert je Aktie lag am 31. März 2026 bei 1,39 US-Dollar.

Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz erstmals seit Längerem wieder leicht: plus 1,1 Prozent auf 95,5 Millionen US-Dollar, getragen von Healthcare Solutions mit plus 21,3 Prozent auf 50,1 Millionen. Industrial Solutions fiel dagegen um 14,7 Prozent auf 45,4 Millionen, unter anderem wegen der Verkäufe und schwacher Nachfrage im Schmuckmarkt; der Umsatz in Asien-Pazifik brach von 9,2 auf 4,1 Millionen ein. Über das Gesamtjahr 2025 fiel der Umsatz um 12,1 Prozent. Ein Quartal ist damit noch kein Trend.

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