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Vertical Aerospace: Das Flugtaxi hebt ab, die Aktie stürzt — und am Steuer sitzt jetzt ein Gläubiger

Vertical Aerospace: Das Flugtaxi hebt ab, die Aktie stürzt — und am Steuer sitzt jetzt ein Gläubiger

Vertical Aerospace hat sein Flugtaxi Valo 2026 erstmals mit Pilot vom Schwebe- in den Reiseflug gebracht, und für 2025 steht sogar ein Gewinn von 232,9 Millionen Pfund in den Büchern — entstanden, weil die Aktie fiel. Umsatz gibt es keinen, das Geld reicht laut Firma ohne neues Kapital bis Ende des dritten Quartals 2027, und der Wandlungspreis des größten Gläubigers wurde per Vertragsänderung auf 1,30 US-Dollar gesenkt. Wer bei 40 Cent ein Schnäppchen wittert, sollte vorher wissen, wer vor ihm in der Schlange steht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 17 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 22. Oktober 2026

Schlusskurs
0,395 $ -3,10 %
Marktkapitalisierung
69,0 Mio. $
AAQS
0/10

Kursentwicklung seit 20. Oktober 2026: -2,2 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Vertical Aerospace: Das Flugtaxi hebt ab, die Aktie stürzt — und am Steuer sitzt jetzt ein Gläubiger
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 0,3618 $ bis 7,30 $ · Letzter Kurs: 0,395 $ (Stand: 22. Oktober 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die sich wie Vernunft anfühlt. Sie heißt Ankereffekt: Dein Kopf merkt sich einen alten Preis und misst jeden neuen daran. Im Dezember 2025 schloss die Aktie von Vertical Aerospace (NYSE: EVTL) bei 7,28 US-Dollar, am 20. Oktober 2026 bei 0,40 US-Dollar (Fundamentaldaten). Dein Kopf rechnet sofort: „Minus 94 Prozent — billiger wird ein elektrisches Flugtaxi nie.“ Und das Flugtaxi gibt es wirklich, es fliegt sogar. Machen wir trotzdem einen Deal: Bevor du dem Anker folgst, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht (20-F) für 2025, den Zwischenabschluss zum 30. Juni 2026 und alle laufenden Meldungen (6-K) bis zum 21. Oktober 2026. Wer der SEC falsche Angaben macht, riskiert Strafen; deshalb gehören diese Berichte zu den belastbarsten Quellen, die es gibt. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Vertical Aerospace eigentlich macht — ein Lufttaxi, das noch kein Geld verdient

Vertical Aerospace wurde laut Jahresbericht 2016 von Stephen Fitzpatrick gegründet und sitzt in Bristol in England; die Muttergesellschaft ist nach dem Recht der Kaimaninseln gegründet. Das Produkt heißt Valo: ein elektrisch angetriebenes Fluggerät, das wie ein Hubschrauber senkrecht startet und landet und dann wie ein Flugzeug mit Tragflächen fliegt — Fachleute sagen eVTOL. Übersetzt in ein Alltagsbild: ein leises Taxi für die Strecke zwischen Innenstadt und Flughafen, nur eben durch die Luft. Laut Jahresbericht soll Valo einen Piloten und vier Fluggäste, später erweiterbar auf bis zu sechs, rund 100 Meilen weit mit rund 150 Meilen pro Stunde tragen; daneben entwickelt Vertical eine Variante mit Hybridantrieb für längere Strecken. Laut Halbjahres-Update vom 13. August 2026 arbeitet Vertical zudem mit dem Spezialisten Near Earth Autonomy an autonomen Fähigkeiten für Verteidigungseinsätze. Das Unternehmen meldet rund 1.500 Vorbestellungen, unter anderem von American Airlines, Avolon, Bristow, GOL und Japan Airlines.

Umsatz gibt es noch keinen. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte Vertical 454 Menschen, die meisten in Großbritannien. Wichtig für das Lesen der Zahlen: Vertical ist bei der SEC als ausländischer Emittent registriert (Foreign Private Issuer). Statt eines Geschäftsberichts 10-K und eines Quartalsberichts 10-Q reicht die Firma einen Jahresbericht 20-F und laufende Meldungen 6-K ein, bilanziert nach den internationalen Regeln IFRS und berichtet in britischen Pfund, während die Aktie in US-Dollar handelt. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das Fluggerät macht echte Fortschritte — aber jede Etappe bezahlen die Aktionäre mit neuen Aktien, und das Steuer hält inzwischen ein Gläubiger.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2016

    Gründung durch Stephen Fitzpatrick

    Vertical startet in Bristol mit dem Ziel, Luftverkehr mit Technik aus Luftfahrt, Energie und Autoindustrie zu dekarbonisieren. Der Gründer bleibt bis 2024 Mehrheitsaktionär.

  2. 2021

    Börsengang über die SPAC Broadstone

    Im Dezember 2021 kommt Vertical über die Fusion mit Broadstone Acquisition Corp. an die NYSE; Mudrick Capital zeichnet eine Wandelanleihe über 200 Mio. US-Dollar.

  3. 2024

    Zusammenlegung 1 zu 10 und Umschuldung

    Im September werden je zehn Aktien zu einer zusammengelegt. Im Dezember tauscht Mudrick rund 130 Mio. US-Dollar Anleihe in Aktien und wird beherrschende Partei; die Buchung kostet 457,2 Mio. Pfund.

  4. 2025

    Zwei Kapitalerhöhungen und Valo-Vorstellung

    Im Januar und Juli fließen netto 83,9 und 66,4 Mio. US-Dollar über neue Aktien zu, im Dezember stellt Vertical Valo vor. Der Jahresgewinn von 232,9 Mio. Pfund ist eine Neubewertung der Anleihe.

  5. 2026

    Übergangsflug, Wandlungspreis 1,30 US-Dollar, Strategieprüfung

    Im April gelingt der pilotierte Übergangsflug. Im August sinkt der Wandlungspreis der Mudrick-Anleihe auf 1,30 US-Dollar, im September folgen NYSE-Mitteilung und Prüfung strategischer Alternativen.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Vertical Aerospace kam über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner auf die Rechercheliste: 3 Erwähnungen in 24 Stunden, Rang 147, nach Rang 668 am Vortag (ApeWisdom, abgerufen am 21. Oktober 2026). Das ist kein Sturm, sondern ein Aufflackern. Eine Fußnote gehört dazu: Am 16. September 2026 hat Vertical laut 6-K-Meldung die Firma Outside The Box Capital beauftragt, gegen eine Barvergütung bis zum 15. März 2027 Informationen über das Unternehmen zu verbreiten, „including through social media channels“ — auch über soziale Medien. Ob einzelne Beiträge damit zusammenhängen, wissen wir nicht. Du solltest es aber wissen, wenn dir die Aktie in einem Forum begegnet.

Der höchste Schlusskurs der vergangenen zwölf Monate lag bei 7,28 US-Dollar (9. Dezember 2025), am 20. Oktober 2026 schloss die Aktie bei 0,40 US-Dollar — ein Minus von rund 94 Prozent (Fundamentaldaten). Die acht Analysten, die die Aktie beobachten, sind gespalten: vier raten zum starken Kauf, einer zum Kauf, zwei zum Halten und einer zum Verkauf; ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 6,98 US-Dollar (Fundamentaldaten, Stand 20. Oktober 2026). Der Durchschnitt heißt hier: alle acht Ziele zusammengezählt und gleichmäßig verteilt — ein einzelnes sehr hohes Ziel zieht ihn stark nach oben. Er liegt beim mehr als Siebzehnfachen des Oktober-Kurses; wann die einzelnen Ziele zuletzt angepasst wurden, verraten die Daten nicht, viele dürften aus der Zeit vor dem Absturz stammen. Das sind Einschätzungen Dritter, keine Prognose von Börsenlotse. Merke dir gleich zu Beginn: Ein alter Kurs ist kein Wert, sondern eine Erinnerung.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was wirklich beeindruckt. Im April 2026 flog ein bemannter Valo-Prototyp erstmals den sogenannten Übergang — vom senkrechten Schweben in den Reiseflug auf den Tragflächen und zurück. Laut Halbjahres-Update vom 13. August 2026 war Vertical damit nach eigener Darstellung erst das zweite Unternehmen weltweit, dem das mit einem Kipprotor-Fluggerät in voller Größe gelang; bis August schaffte es auch der zweite Prototyp. Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough flog Valo an fünf Tagen hintereinander vor Publikum. Im Oktober 2026 unterschrieb Vertical langfristige Lieferverträge für die Sitze mit ANH Structure und für das Trägheitsreferenzsystem mit Northrop Grumman LITEF (6-K vom 16. Oktober 2026). Das sind keine Folien, das sind Flugstunden und Verträge.

Die Finanzzahlen erzählen die andere Hälfte. Der operative Verlust lag 2023 bei 101,9 Millionen Pfund, 2024 bei 61,2 Millionen — gedrückt durch eine Einmalzahlung von 34 Millionen US-Dollar, die Rolls-Royce für das Ende einer Antriebs-Partnerschaft überwies — und 2025 bei 127,4 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 75,8 Millionen; allein die Entwicklungskosten stiegen gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 143 Prozent auf 55,3 Millionen. Aus dem laufenden Geschäft flossen 2023 rund 74,7 Millionen ab, 2024 46,3 Millionen, 2025 82,8 Millionen und im ersten Halbjahr 2026 allein 83,0 Millionen — so viel wie im ganzen Jahr davor.

Balkendiagramm von Vertical Aerospace 2023 bis zum ersten Halbjahr 2026 in Millionen Pfund: Nettoergebnis −59,9, −781,2, +232,9 und +18,7; Mittelabfluss aus dem Geschäft −74,7, −46,3, −82,8 und −83,0.
Das Nettoergebnis springt von minus 781,2 Millionen Pfund (2024) auf plus 232,9 Millionen (2025), der Mittelabfluss aus dem Geschäft bleibt in jedem Zeitraum negativ und erreicht im ersten Halbjahr 2026 mit 83,0 Millionen schon den Wert des ganzen Jahres 2025. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (20-F 2024 und 2025, 6-K vom 13.08.2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Blick auf die blauen Balken führt in die Irre: 2023 stand ein Nettoverlust von 59,9 Millionen Pfund, 2024 meldete Vertical einen Verlust von 781,2 Millionen Pfund, 2025 einen Gewinn von 232,9 Millionen, im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 18,7 Millionen. Am Geschäft hat sich dabei wenig geändert — die roten Balken zeigen es. Warum das Nettoergebnis so springt, ist die erste unbequeme Wahrheit. Das Bild, das bleibt: Im ersten Halbjahr 2026 flossen rund 14 Millionen Pfund im Monat ab, egal was unter dem Strich stand.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Gewinne entstehen, weil die eigene Aktie fällt

Vertical hat sich einen großen Teil seines Geldes über eine Wandelanleihe geliehen — einen Kredit, den der Geldgeber statt in bar auch in Aktien zurücknehmen kann. Gläubiger ist der Finanzinvestor Mudrick Capital. Weil der Tausch in Aktien möglich ist, bewertet Vertical die Anleihe in der Bilanz zum Marktwert, und dieser Marktwert hängt am Aktienkurs. Fällt der Kurs, wird das Umtauschrecht weniger wert, die Schuld schrumpft auf dem Papier — und der Rückgang erscheint als Gewinn. Der Jahresbericht sagt das ohne Umschweife:

„Fair value gains on financial liabilities, relating to Convertible Senior Secured Notes subsequent to their amendment, increased by £548,530 thousand, from fair value losses of £230,495 thousand during the year ended December 31, 2024, to fair value gains £318,035 thousand during 2025. This results from a greater reduction in share price from December 31, 2024, to December 31, 2025, compared to the period from December 31, 2023, to December 31, 2024.“

Übersetzung: „Die Bewertungsgewinne auf finanzielle Verbindlichkeiten aus den besicherten Wandelanleihen nach deren Änderung stiegen um 548,53 Millionen Pfund, von Bewertungsverlusten von 230,495 Millionen Pfund im Geschäftsjahr bis 31. Dezember 2024 auf Bewertungsgewinne von 318,035 Millionen Pfund im Jahr 2025. Dies ergibt sich aus einem stärkeren Rückgang des Aktienkurses vom 31. Dezember 2024 bis zum 31. Dezember 2025 als im Zeitraum vom 31. Dezember 2023 bis zum 31. Dezember 2024.“

— Vertical Aerospace Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 5.A „Net finance income/(costs)“

Gelb markierte Textstelle aus dem Vertical-Aerospace-Jahresbericht 20-F für 2025: Bewertungsgewinne von 318,035 Millionen Pfund auf die Wandelanleihe, begründet mit dem stärkeren Rückgang des Aktienkurses.
Die markierte Stelle im Original: 318,0 Millionen Pfund Bewertungsgewinn auf die Wandelanleihe 2025, ausdrücklich begründet mit dem gefallenen Aktienkurs. Der Absatz davor beschreibt den Verlust von 457,2 Millionen Pfund aus der Umschuldung im Dezember 2024. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im ersten Halbjahr 2026 wiederholte sich das Muster: Der Betrieb verlor 75,8 Millionen Pfund, die Neubewertung der Anleihe brachte 113,0 Millionen, und unterm Strich blieb ein Gewinn von 18,7 Millionen. Auch das begründet der Lagebericht mit dem „lower share price“, dem niedrigeren Kurs zum 30. Juni 2026. Steigt die Aktie wieder, dreht sich der Effekt um und erzeugt Verluste — so geschehen 2024, als die Umschuldung mit Mudrick zusätzlich 457,2 Millionen Pfund Verlust auslöste. Die Faustregel daraus: Wenn eine Firma ohne Umsatz einen Gewinn meldet, such zuerst den Posten, der ihn gemacht hat.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Uhr läuft bis Ende des dritten Quartals 2027

Zum 30. Juni 2026 hatte Vertical 49,7 Millionen Pfund in der Kasse. Nach einer Kapitalerhöhung, einer Tranche von Vorzugsaktien und einer vorgezogenen Anleihe-Ziehung im August waren es laut Halbjahres-Update am 13. August 2026 rund 99 Millionen Pfund (134 Millionen US-Dollar). Für die folgenden zwölf Monate erwartet das Unternehmen einen Mittelabfluss von rund 110 Millionen Pfund. Im Lagebericht steht, wie weit das reicht:

„Because of the restrictions imposed by the financing package executed in April 2026, including the limitations on the funding accessible thereunder over the next 12 months, unless we are able to raise additional funds in the intervening period, we project that our current existing resources and facilities will only be sufficient to fund our ongoing operations to the end of the third quarter of 2027.“

Übersetzung: „Wegen der Beschränkungen aus dem im April 2026 abgeschlossenen Finanzierungspaket, einschließlich der Grenzen für die daraus in den nächsten zwölf Monaten abrufbaren Mittel, erwarten wir — sofern wir in der Zwischenzeit kein zusätzliches Kapital aufnehmen können —, dass unsere vorhandenen Mittel und Kreditlinien unseren laufenden Betrieb nur bis zum Ende des dritten Quartals 2027 finanzieren.“

— Vertical Aerospace Ltd., SEC-Meldung 6-K vom 13. August 2026, Anlage 99.2, „Liquidity and Capital Resources“

Gelb markierte Textstelle aus dem Lagebericht zum 6-K vom 13. August 2026: Wegen der Beschränkungen des Finanzierungspakets reichen die Mittel ohne neues Kapital nur bis Ende des dritten Quartals 2027.
Die markierte Stelle im Original: Reichweite bis Ende des dritten Quartals 2027, ausdrücklich wegen der Bedingungen des eigenen Finanzierungspakets. Der Satz danach warnt vor Verzögerungen im Zulassungsprogramm, falls Geld fehlt. Quelle: SEC-Meldung 6-K vom 13. August 2026, Anlage 99.2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist bemerkenswert, weil dasselbe Paket im Mai 2026 noch als Finanzierung „totaling up to $850 million“ beschrieben wurde — bis zu 850 Millionen US-Dollar (6-K vom 12. Mai 2026). „Bis zu“ ist der entscheidende Teil: Die Tranchen der Vorzugsaktien setzen unter anderem Mindestkurse und Mindestumsätze der Aktie voraus, die Aktienlinie ist je Abruf auf 4,99 Prozent der Aktien begrenzt. Je tiefer der Kurs, desto weniger lässt sich abrufen. Hinzu kommt eine Klausel in der Anleihe, die Vertical zu einer Mindestkasse von 10 Millionen US-Dollar verpflichtet:

„We project that we will breach this covenant towards the end of the third quarter of 2027 unless additional capital is raised.“

Übersetzung: „Wir gehen davon aus, dass wir diese Auflage gegen Ende des dritten Quartals 2027 verletzen werden, sofern kein zusätzliches Kapital aufgenommen wird.“

— Vertical Aerospace Ltd., SEC-Meldung 6-K vom 13. August 2026, Anlage 99.2, „Liquidity and Capital Resources“

Gelb markierte Textstelle aus dem Lagebericht zum 6-K vom 13. August 2026: Vertical erwartet, die Mindestkassen-Auflage der Anleihe gegen Ende des dritten Quartals 2027 zu verletzen, sofern kein Kapital aufgenommen wird.
Die markierte Stelle im Original: erwarteter Bruch der Mindestkassen-Auflage gegen Ende des dritten Quartals 2027. Davor steht die Höhe der Auflage (10 Millionen US-Dollar), danach die Folge: Die Anleihe würde sofort fällig. Quelle: SEC-Meldung 6-K vom 13. August 2026, Anlage 99.2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was dann passiert, steht im Satz danach: Ein ungeheilter Bruch wäre ein Kündigungsgrund, Mudrick könnte die Anleihe sofort fällig stellen und auf die Sicherheiten zugreifen — laut Zwischenabschluss fixe und schwebende Pfandrechte an praktisch allen Vermögenswerten der britischen Tochter. Geld für die Rückzahlung hätte Vertical nach eigener Aussage nicht. Folgerichtig melden Firma und Abschlussprüfer PwC erhebliche Zweifel am Fortbestand, im Fachjargon Going Concern. Übersetzt: Die Buchhalter rechnen mit einem Morgen, aber sie schreiben dazu, dass es nicht gesichert ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die 1.500 Vorbestellungen binden niemanden

Rund 1.500 Vorbestellungen klingen nach einem vollen Auftragsbuch. Der Jahresbericht ordnet sie in den Risikohinweisen anders ein:

„All of the pre-orders we have received for our aircraft are not legally binding, are conditional, and may be terminated without penalty at any time by either party.“

Übersetzung: „Alle Vorbestellungen, die wir für unser Fluggerät erhalten haben, sind rechtlich nicht bindend, stehen unter Bedingungen und können von jeder Seite jederzeit ohne Vertragsstrafe gekündigt werden.“

— Vertical Aerospace Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Vertical-Aerospace-Jahresbericht 20-F für 2025: Alle Vorbestellungen sind rechtlich nicht bindend, bedingt und jederzeit ohne Vertragsstrafe kündbar.
Die markierte Stelle im Original: Die Vorbestellungen sind unverbindlich und jederzeit kündbar. Der Satz danach nennt die Folge einer Kündigung: erhebliche Nachteile für Geschäft, Liquidität und Mittelzufluss. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist in der Branche üblich und kein Vorwurf. Es bedeutet aber, dass die Vorbestellungen kein Geld in die Kasse bringen und keinen Wert haben, den man zur Bewertung addieren könnte. Einige Kunden sollen vor der Auslieferung Anzahlungen leisten; laut Lagebericht sind diese an Bedingungen geknüpft und unter Umständen erstattungsfähig. Das Halbjahres-Update vermerkt zudem, dass Pflichten einzelner Kunden über Vereinbarungen mit Dritten erfüllt werden sollen. Kurz: Eine Vorbestellung ist ein Interesse, kein Umsatz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Gläubiger hält das Steuer — und sein Wandlungspreis sinkt

Seit der Umschuldung im Dezember 2024, bei der Mudrick Capital rund 130 Millionen US-Dollar seiner Anleihe in 47,3 Millionen Aktien tauschte, ist der Investor laut Jahresbericht die beherrschende Partei („ultimate controlling party“). Gründer Stephen Fitzpatrick, bis dahin Mehrheitsaktionär, hielt im Februar 2026 noch 7,7 Prozent. Laut der jüngsten Beteiligungsmeldung (Schedule 13D/A vom 24. September 2026) sind Mudrick 64,2 Prozent zuzurechnen — gerechnet einschließlich der Aktien, in die seine Anleihe und Optionsscheine getauscht werden können.

Am 12. August 2026 änderte Vertical die Anleihebedingungen ein viertes Mal: Der Wandlungspreis für alle Anleihen von Mudrick sank von 3,50 auf 1,30 US-Dollar je Aktie, im Gegenzug zog Mudrick die restlichen 35 Millionen US-Dollar seiner Zusage vor (6-K vom 13. August 2026). Zum 30. Juni 2026 hätte die Anleihe in 47,2 Millionen Aktien getauscht werden können, nach der Änderung sind es 158,0 Millionen — bei 171,7 Millionen Aktien im Umlauf (10. August 2026). Rechnet man zurück, stehen rund 205 Millionen US-Dollar Anleihe im Raum; zu den alten 3,50 US-Dollar wären das 58,7 Millionen Aktien. Der Großteil des Sprungs kommt also vom niedrigeren Preis, nicht vom zusätzlichen Geld.

Balkendiagramm in Millionen Aktien: 171,7 Aktien im Umlauf am 10.08.2026; Wandlungsaktien der Mudrick-Anleihe 47,2 bei 3,50 US-Dollar am 30.06.2026 und 158,0 bei 1,30 US-Dollar am 12.08.2026; 55,7 aus Optionsscheinen und Optionen am 10.08.2026.
Hinter den 171,7 Millionen Aktien im Umlauf warten 158,0 Millionen Wandlungsaktien der Mudrick-Anleihe — mehr als dreimal so viele wie die 47,2 Millionen vor der Preissenkung — und weitere 55,7 Millionen aus Optionsscheinen und Optionen. Quelle: SEC-Berichte (6-K vom 13.08.2026, Prospekt 424B3 vom 04.09.2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bei einem Kurs von 0,40 US-Dollar lohnt sich der Tausch zu 1,30 US-Dollar heute nicht. Er lohnt sich aber genau dann, wenn du als Aktionär gewinnst: Steigt die Aktie über 1,30 US-Dollar, teilt Mudrick den Anstieg mit dir — die 158,0 Millionen Wandlungsaktien wären knapp die Hälfte des dann größeren Kuchens. Die Anleihe steht im Ernstfall außerdem vor dir, sie ist mit den Vermögenswerten besichert. Auch die Unternehmensführung liegt bei Mudrick: Seit der Aktionärsvereinbarung vom 12. August 2026 hat der Investor Rechte, Direktoren zu benennen und abzuberufen (6-K vom 13. August 2026); die Hauptversammlung am 11. September 2026 schrieb sie in die Satzung. Der neue Vorsitzende Fabrice Brégier, früher Chef der Airbus-Verkehrsflugzeugsparte, und das Mitglied Clyde Woltman wurden von Mudrick vorgeschlagen; zwei andere Direktoren traten zum 5. Oktober 2026 zurück, und zum 21. Oktober 2026 zog mit Marc Fontaine, Frankreich-Chef des Rüstungs-KI-Unternehmens Helsing, ein weiterer von Mudrick benannter Direktor ein (6-K vom 21. Oktober 2026). Auf derselben Hauptversammlung wurde der Ausübungspreis bestimmter Mitarbeiteroptionen von 3,50 bzw. 5,82 auf 1,30 US-Dollar gesenkt, bei 27,9 Millionen Gegenstimmen. Am 24. September 2026 gab Vertical eine Prüfung „strategischer Alternativen“ mit der Investmentbank Jefferies als Berater bekannt; genannt werden mögliche strategische und finanzielle Partnerschaften. Am Ende gilt: Wer das Geld gibt, schreibt die Regeln — und bei Vertical schreibt sie ein Gläubiger.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Das Ziel rückt — Zulassung, Börsenregeln, Patentstreit

Drei Fristen laufen nebeneinander. Erstens die Zulassung: Im Jahresbericht vom März 2026 und im Bericht zum ersten Quartal vom Mai plante Vertical im Basisfall noch mit 2028. Am 13. Juli 2026 meldete das Unternehmen, es rechne nach einer Neuplanung des Programms nun mit der Musterzulassung von Valo 2029 (6-K vom 13. Juli 2026). Was das zusätzliche Jahr kostet, beziffert Vertical nicht. Der Lagebericht vom 13. August 2026 sagt aber, dass der Kapitalbedarf bis zur Zulassung 2029 „acutely higher“ ausfällt — deutlich höher als der für zwölf Monate erwartete Mittelabfluss von rund 110 Millionen Pfund. Die nächste Wegmarke ist die sogenannte Critical Design Review bis Ende 2026, die das zulassungsfähige Design festschreibt. Zweitens die Börse: Am 9. September 2026 teilte die NYSE mit, dass der Durchschnittskurs über 30 Handelstage unter einem Dollar lag (6-K vom 2. Oktober 2026). Vertical hat sechs Monate Zeit, das zu heilen, und will an der NYSE bleiben; ein Weg wäre eine Aktienzusammenlegung, wie sie Vertical schon im September 2024 im Verhältnis 1 zu 10 vollzogen hat. Drittens ein Patentstreit: Der Konkurrent Archer Aviation verklagte Vertical am 23. Februar 2026 vor einem Bundesgericht in Texas; Vertical hält die Klage für unbegründet und reichte am 6. Oktober 2026 eine Gegenklage wegen Verletzung eines eigenen Patents ein.

Bewertung: rund 69 Millionen Dollar — weniger als die Kasse, und trotzdem kein Rabatt

Beim Schlusskurs von 0,40 US-Dollar am 20. Oktober 2026 sind die 171,7 Millionen Aktien zusammen rund 69 Millionen US-Dollar wert. Das ist weniger als die rund 134 Millionen US-Dollar, die Vertical am 13. August 2026 in der Kasse hatte. Klingt nach geschenktem Geld. Es ist keines, aus drei Gründen. Erstens fließt die Kasse ab, nach eigener Prognose rund 110 Millionen Pfund in zwölf Monaten. Zweitens stehen vor den Aktionären die besicherte Anleihe von rechnerisch rund 205 Millionen US-Dollar und die Vorzugsaktien von Yorkville: 27.000 Stück (Stand 18. August 2026) mit je 1.000 US-Dollar Ausgabewert (stated value), die bei fallendem Kurs in immer mehr Aktien getauscht werden können, bis zu einer Untergrenze von 0,598 US-Dollar je Aktie. Drittens war das Eigenkapital zum 30. Juni 2026 negativ: minus 34,4 Millionen Pfund, nach minus 121,4 Millionen Ende 2025.

Ein Kurs-Gewinn- oder Kurs-Umsatz-Verhältnis gibt es mangels Umsatz und Betriebsgewinn nicht. Die ehrliche Bewertungsfrage lautet deshalb: Wie viele Aktien wird es geben, wenn Valo zugelassen ist — und wer besitzt sie? Wie ein anderer Technologiewert mit echter Technik und dünner Kasse an der Börse dasteht, beschreibt unsere Kodiak-AI-Analyse. Bei Vertical gilt: Jede Finanzierung zu Kursen unter einem Dollar bezahlen die heutigen Aktionäre mit ihrem Anteil. Merke dir: Ein Börsenwert unter der Kasse ist bei einer Firma mit Mittelabfluss kein Sicherheitsnetz, sondern eine Rechnung, die noch offen ist.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Vertical Aerospace spricht:

  • Technischer Fortschritt mit Beleg: pilotierter Übergangsflug im April 2026, ein zweiter Prototyp folgte bis August, fünf Flugtage in Farnborough.
  • Namhafte Partner und neue Lieferverträge, unter anderem Honeywell, Syensqo, Sonaca und seit Oktober 2026 Northrop Grumman LITEF.
  • Rund 1.500 Vorbestellungen von Fluggesellschaften und Leasingfirmen auf vier Kontinenten — unverbindlich, aber ein Hinweis auf Interesse.
  • Ein Großinvestor mit eigenem Interesse am Erfolg, ein Vorsitzender mit Airbus-Erfahrung und eine laufende Prüfung strategischer Optionen.

Was dagegen spricht:

  • Kein Umsatz; operativer Verlust von 127,4 Millionen Pfund 2025 und 75,8 Millionen im ersten Halbjahr 2026.
  • Geld laut Firma ohne neues Kapital nur bis Ende des dritten Quartals 2027, erwarteter Bruch der Mindestkassen-Auflage zur selben Zeit; Going-Concern-Hinweis von Firma und Prüfer.
  • Massive Verwässerung angelegt: 158,0 Millionen Wandlungsaktien und 55,7 Millionen aus Optionsscheinen und Optionen neben 171,7 Millionen Aktien im Umlauf.
  • Negatives Eigenkapital (minus 34,4 Millionen Pfund zum 30. Juni 2026), besicherter Gläubiger vor den Aktionären.
  • Zulassungsziel von 2028 auf 2029 gerückt, NYSE-Frist wegen eines Kurses unter einem Dollar, Patentklage von Archer.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Ankereffekt vom Anfang. 7,28 US-Dollar war im Dezember 2025 ein Preis, kein Wert — und der Preis wurde für eine Firma gezahlt, die damals weniger Aktien, eine höhere Wandlungsschwelle für ihren Gläubiger und ein Jahr frühere Zulassungspläne hatte. Wer heute 0,40 US-Dollar daneben legt, vergleicht zwei verschiedene Firmen. Das Flugtaxi ist echt, es fliegt, und es könnte eines Tages Fluggäste tragen. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Kommt das Lufttaxi?“, sondern: Wie groß ist dein Stück vom Kuchen noch, wenn es kommt — und wie viele neue Aktien sind bis dahin dazugekommen? Wenn du darauf eine Antwort hast, die dir reicht, hast du eine These. Wenn nicht, hast du nur einen alten Kurs im Kopf. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen £, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 0,1 0,0 0,0 0,0 0,0
Betriebsergebnis (EBIT) -277,2 -98,1 -101,9 -61,2 -127,4
Nettogewinn -245,2 -94,4 -59,9 -781,2 232,9
Nettomarge -185.775,8 % – – – –
Gewinn je Aktie -19,76 £ -5,26 £ -3,13 £ -38,46 £ 1,83 £

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Technik & Fortschritt positiv
Pilotierter Übergangsflug im April 2026, zweiter Prototyp bis August 2026, fünf Flugtage in Farnborough; langfristige Lieferverträge mit ANH und Northrop Grumman LITEF (Oktober 2026).
Umsatz & Nachfrage negativ
Kein Umsatz bis zum 30.06.2026. Rund 1.500 Vorbestellungen sind laut 20-F 2025 rechtlich nicht bindend und jederzeit ohne Vertragsstrafe kündbar; Zulassung im Basisplan 2029 statt zuvor 2028.
Ertragskraft negativ
Operativer Verlust 2025: 127,4 Mio. Pfund, 1. Hj. 2026: 75,8 Mio. Die Nettogewinne 2025 (232,9 Mio.) und 1. Hj. 2026 (18,7 Mio.) stammen aus der Neubewertung der Wandelanleihe bei fallendem Kurs.
Liquidität & Fortbestand negativ
Going-Concern-Hinweis von Firma und Prüfer PwC. Rund 99 Mio. Pfund Kasse (13.08.2026) reichen laut Firma ohne neues Kapital bis Ende Q3 2027; zur selben Zeit droht der Bruch der Mindestkasse von 10 Mio. US-Dollar.
Kapitalstruktur & Kontrolle negativ
Mudrick Capital kontrolliert (64,2 Prozent zurechenbar, 13D/A 24.09.2026); der Wandlungspreis seiner besicherten Anleihe wurde per Vertragsänderung von 3,50 auf 1,30 US-Dollar gesenkt: 158,0 Mio. Wandlungsaktien neben 171,7 Mio. im Umlauf. Eigenkapital −34,4 Mio. Pfund (30.06.2026).

Vertical Aerospace ist ein Lehrstück für den Ankereffekt: Von 7,28 US-Dollar im Dezember 2025 fiel die Aktie auf 0,40 im Oktober 2026, doch billiger ist sie nur im Vergleich mit einer Firma, die es so nicht mehr gibt. Das Flugtaxi fliegt, Umsatz gibt es keinen, die Gewinne sind Buchungen, das Geld reicht laut Firma bis Ende des dritten Quartals 2027, und ein Gläubiger mit 158,0 Millionen Wandlungsaktien hält das Steuer. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Erhebliche Zweifel am Fortbestand stehen im Lagebericht vom 13. August 2026 und im Prüfervermerk von PwC, das Eigenkapital ist negativ (minus 34,4 Millionen Pfund zum 30. Juni 2026), und ohne neues Kapital reicht das Geld laut Firma nur bis Ende des dritten Quartals 2027 — zur selben Zeit droht der Bruch der Mindestkassen-Auflage der besicherten Anleihe. Dazu läuft eine NYSE-Frist wegen eines Kurses unter einem Dollar. Deshalb steht die Ampel auf Rot. Die Technik ist echt und kommt voran; das macht Vertical zu mehr als einer leeren Hülle, beweist aber kein tragfähiges Geschäft. Wer wartet, prüft: Kommt die Critical Design Review bis Ende 2026, wie viel Geld ist im nächsten Bericht noch da, und was ergibt die strategische Prüfung? Die Entscheidung liegt bei dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Vertical Aerospace über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner (3 Erwähnungen in 24 Stunden, Rang 147 nach Rang 668 am Vortag, ApeWisdom, Stand 21. Oktober 2026). Seit dem 16.09.2026 bezahlt Vertical laut 6-K eine Firma für Kommunikation auch über soziale Medien.
  • Vertical ist Foreign Private Issuer: Jahresbericht 20-F statt 10-K, Zwischenmeldungen 6-K statt 10-Q, Abschluss nach IFRS in Pfund. Die Aktie handelt in US-Dollar; Kassen- und Kursangaben sind deshalb teils in Pfund, teils in US-Dollar. Das Form 25 vom 04.12.2024 betraf nur die alten Optionsscheine, nicht die Aktie.
  • Börsenwert selbst gerechnet: 171.723.641 Aktien (Prospekt 424B3, Stand 10.08.2026) × Schlusskurs 0,4037 US-Dollar (20.10.2026) ≈ 69 Mio. US-Dollar; Gegenprobe Fundamentaldaten 69,5 Mio. Der Kurs ist seit dem Angebot vom 10.08.2026 (1,05 US-Dollar je Einheit) stark gefallen. Rund 205 Mio. US-Dollar Anleihe = 157.972.433 Wandlungsaktien (Lagebericht 6-K vom 13.08.2026; der Prospekt 424B3 nennt 157.972.431) × 1,30 US-Dollar (eigene Rechnung).

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 21. Oktober 2026. Was sich seitdem bei EVTL geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Vertical Aerospace Ltd (EVTL) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Vertical Aerospace Ltd. (NYSE: EVTL) aus Bristol entwickelt das elektrische Flugtaxi Valo, das senkrecht startet und landet und dann auf Tragflächen fliegt (eVTOL). Geplant sind ein Pilot und vier Fluggäste, später erweiterbar auf bis zu sechs, auf rund 100 Meilen. Dazu kommt eine Hybridvariante, auch für Verteidigungseinsätze. Umsatz gibt es noch keinen; die Zulassung peilt die Firma im Basisplan für 2029 an.

Weil die Wandelanleihe von Mudrick Capital zum Marktwert bilanziert wird und dieser am Aktienkurs hängt. Fällt der Kurs, sinkt der Wert der Schuld, und die Differenz erscheint als Gewinn. 2025 standen so 232,9 Millionen Pfund Nettogewinn bei 127,4 Millionen operativem Verlust, im ersten Halbjahr 2026 18,7 Millionen Gewinn bei 75,8 Millionen Betriebsverlust.

Laut Lagebericht vom 13. August 2026 reichen die vorhandenen Mittel ohne neues Kapital bis Ende des dritten Quartals 2027. Am 13. August hatte Vertical rund 99 Millionen Pfund (134 Millionen US-Dollar) und erwartete rund 110 Millionen Pfund Mittelabfluss in zwölf Monaten. Firma und Prüfer PwC melden erhebliche Zweifel am Fortbestand.

Der Finanzinvestor Mudrick Capital, Inhaber der besicherten Wandelanleihe. Laut Schedule 13D/A vom 24. September 2026 sind ihm 64,2 Prozent zuzurechnen, einschließlich der Aktien aus Anleihe und Optionsscheinen. Seit der Aktionärsvereinbarung vom 12. August 2026 hat Mudrick Rechte zur Benennung und Abberufung von Direktoren, die Hauptversammlung vom 11. September 2026 schrieb sie in die Satzung; der Vorsitzende Fabrice Brégier und zuletzt Marc Fontaine (seit 21. Oktober 2026) wurden von Mudrick benannt.

Neben 171,7 Millionen Aktien im Umlauf (10. August 2026) kann die Mudrick-Anleihe seit dem 12. August 2026 zu 1,30 US-Dollar in 158,0 Millionen Aktien getauscht werden, vorher waren es 47,2 Millionen. Dazu kommen 55,7 Millionen Aktien aus Optionsscheinen und Optionen sowie Vorzugsaktien von Yorkville, die in Aktien zu mindestens 0,598 US-Dollar wandelbar sind.

Am 9. September 2026 teilte die NYSE mit, dass der Durchschnittskurs über 30 Handelstage unter einem Dollar lag. Vertical hat sechs Monate Zeit, um wieder auf mindestens einen Dollar zu kommen, und will an der NYSE bleiben. Die Notierung läuft während der Frist normal weiter; 2024 nutzte die Firma bereits eine Zusammenlegung im Verhältnis 1 zu 10.

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