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TeamViewer: 625 Millionen Euro für einen Zukauf, der 45 Millionen Umsatz brachte

TeamViewer: 625 Millionen Euro für einen Zukauf, der 45 Millionen Umsatz brachte

TeamViewer verkauft Software, mit der Firmen fremde Rechner aus der Ferne bedienen und reparieren. Der Umsatz stieg zwischen 2021 und 2025 um 49 Prozent auf 746,8 Millionen Euro — die Zahl der Kunden fiel im selben Zeitraum zuletzt von 669.000 auf 611.900. Ein Zukauf für 625,4 Millionen Euro lieferte 2025 genau 44,8 Millionen Euro Umsatz und 21,6 Millionen Euro Verlust; der Firmenwert in der Bilanz steht bei 1.128,4 Millionen Euro, das Eigenkapital bei 249,7 Millionen. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, wem die Bilanz zum 30. Juni 2026 gehört: den Kunden oder den Gläubigern.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 4. August 2026

Schlusskurs
6,52 € +2,36 %
Marktkapitalisierung
1,0 Mrd. €
KGV
8,4
Wachstums-Score
4/10
AAQS
6/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

TeamViewer: 625 Millionen Euro für einen Zukauf, der 45 Millionen Umsatz brachte
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 4,20 € bis 10,10 € · Letzter Kurs: 6,52 € (Stand: 4. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet gute Beobachter erwischt: den Anker. Wir merken uns eine Zahl — den Preis, zu dem wir gekauft haben, oder den Preis, zu dem eine Aktie einmal an die Börse kam — und messen ab da alles an ihr. TeamViewer kam am 25. September 2019 zu 26,25 Euro je Aktie an die Frankfurter Börse. Am 4. August 2026 schloss dieselbe Aktie auf Xetra bei 6,52 Euro. Der Anker sagt: 20 Euro fehlen. Er sagt nicht, warum. Und er sagt vor allem nicht, ob das Unternehmen von 2026 noch dasselbe ist wie das von 2019.

Genau darum geht es in dieser Analyse. Wir lassen den alten Kurs stehen, wo er hingehört — in der Vergangenheit —, und lesen stattdessen die Berichte: den Geschäftsbericht 2025, den Halbjahresbericht H1 2026 (Vorstandsunterschrift vom 24. Juli 2026) und die Q2-Mitteilung vom 28. Juli 2026. Daraus ergibt sich das Spannungsfeld, das diesen Text trägt: Der Umsatz wächst, weil zugekauft wurde. Der Kundenbestand schrumpft. Und die Bilanz besteht zu zwei Dritteln aus einer Zahl, die niemand anfassen kann.

Was TeamViewer eigentlich macht

TeamViewer SE aus Göppingen verkauft Software, mit der man auf einen fremden Computer zugreifen kann, ohne davorzusitzen. Im Alltagsbild: Wenn der IT-Mitarbeiter „darf ich mal kurz auf Deinen Bildschirm?“ fragt und danach der Mauszeiger von allein läuft, ist das die Kategorie Software, die TeamViewer verkauft. Rund 611.900 zahlende Kunden nutzten sie zum 30. Juni 2026 — vom Ein-Personen-Handwerksbetrieb bis zum Weltkonzern.

Das Angebot ist inzwischen breiter als reine Fernwartung. Es gliedert sich in vier Bausteine: Remote (der klassische Fernzugriff), Tensor (dieselbe Idee für große Unternehmens-IT, mit Rechteverwaltung und Protokollierung), DEX — „Digital Employee Experience“, also Software, die die Rechner der Belegschaft dauerhaft überwacht und Störungen erkennt, bevor jemand anruft — und Frontline, eine Augmented-Reality-Anwendung für Lager und Werkstatt. Seit 2025 fasst TeamViewer das Ganze unter dem Namen TeamViewer ONE zu einer Plattform zusammen und beschreibt als Ziel „autonomous endpoint management“: Endgeräte, die sich selbst reparieren.

Bezahlt wird per Abonnement — überwiegend jährlich und im Voraus. Das ist wirtschaftlich angenehm, weil das Geld vor der Leistung fließt: Zum 30. Juni 2026 standen 376,0 Millionen Euro als abgegrenzte Umsatzerlöse in der Bilanz, also bereits kassiertes Geld für Leistungen, die noch zu erbringen sind. Die zugehörige Steuergröße heißt ARR („Annual Recurring Revenue“): der auf ein Jahr hochgerechnete Wert aller laufenden Abonnements zum Stichtag. Genau diese Zahl wird uns gleich beschäftigen.

Zum 30. Juni 2026 arbeiteten 1.967 Vollzeitkräfte für das Unternehmen. Vorstand sind Oliver Steil (Vorsitz), Michael Wilkens (Finanzen), Mei Dent (Produkt und Technik) und Mark Banfield (Vertrieb).

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorab, weil er die Beleglage prägt: Von TeamViewer gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Das Unternehmen ist kein US-Meldeunternehmen. Die einzige mit dem Namen verknüpfte SEC-Kennung (CIK 0001800573, geführt als „TeamViewer AG/ADR“) enthält acht Einreichungen aus den Jahren 2020 und 2023 — Registrierungsformulare einer Depotbank für ein American Depositary Receipt. Die Felder für Ticker und Börsenplätze sind dort leer, eine Periodenberichterstattung existiert nicht.

TeamViewers Pflichtberichte laufen stattdessen über den regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter IFRS-Konzernabschluss im Jahresbericht, ein Halbjahresbericht und kurze Quartalsmitteilungen. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“. Dieselbe Konstellation — deutsches Software-Haus, börsennotiert, ohne SEC-Berichte — hatten wir schon bei unserer Analyse zu Serviceware.

Und noch eine Namensfrage, weil der Marktdaten-Feed sie falsch beantwortet: Das Unternehmen firmiert als TeamViewer SE, nicht mehr als „TeamViewer AG“. Der Geschäftsbericht 2025 nennt „TeamViewer SE“ 346-mal, den Altnamen genau einmal — in einer historischen Randnotiz. Halbjahresbericht und Q2-Mitteilung kennen nur noch die SE.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ohne Scanner-Aufhänger, sondern über die Aufmerksamkeit anderer: TeamViewer stand am 5. August 2026 auf der Foren-Hitliste von wallstreet-online unter den meistdiskutierten Werten deutscher Privatanleger. Das ist kein Kaufsignal, sondern der Hinweis, dass viele Menschen gleichzeitig dieselbe Frage haben. Bei einer Aktie, die eine Woche zuvor Quartalszahlen vorgelegt hat und dabei zwischen dem 29. Juli und dem 30. Juli 2026 von 6,77 auf 5,96 Euro fiel, um bis zum 4. August auf 6,52 Euro zurückzukommen, liegt die Frage auf der Hand: Was genau stand in diesen Zahlen?

Der Zeitpunkt ist günstig, und das gehört an den Anfang statt in eine Fußnote: Der Halbjahresbericht liegt seit dem 24. Juli 2026 vor, die Quartalsmitteilung seit dem 28. Juli 2026. Neuere Pflichtveröffentlichungen gibt es zum Datenstand dieser Analyse nicht — der Investor-Relations-Newsroom führt als jüngste Meldungen die Q2-Zahlen (28. Juli 2026) und die ServiceNow-Partnerschaft (23. Juli 2026). Diese Analyse steht damit auf dem aktuellsten verfügbaren Stand.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was tatsächlich stark ist, denn es ist eine Menge. Der Umsatz stieg in fünf Jahren von 501,1 Millionen Euro (2021) über 565,9, 626,7 und 671,4 auf 746,8 Millionen Euro (2025) — ein Plus von 49 Prozent. Die bereinigte Ebitda-Marge, also der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Verhältnis zum Umsatz, lag 2025 bei 44 Prozent und im ersten Halbjahr 2026 ebenfalls bei 44 Prozent. Das sind Werte, von denen die meisten börsennotierten Unternehmen nur träumen. Wer einen Anbieter sucht, der aus jedem eingenommenen Euro rund 44 Cent operativen Rohgewinn zieht, ist hier richtig.

Auch die Ergebnisrechnung sieht auf den ersten Blick ordentlich aus: Der Konzerngewinn kletterte von 50,1 Millionen Euro (2021) über 67,6 (2022) und 114,0 (2023) auf 123,1 Millionen (2024) — und fiel dann. 2025 blieben 118,2 Millionen Euro, ein Minus von 4 Prozent. Das Ergebnis je Aktie sank von 0,77 auf 0,75 Euro.

Balkendiagramm: Umsatz von TeamViewer steigt 2021 bis 2025 von 501,1 über 565,9, 626,7 und 671,4 auf 746,8 Millionen Euro; das Nettoergebnis steigt von 50,1 über 67,6, 114,0 und 123,1 auf 118,2 Millionen Euro und faellt damit im letzten Jahr.
Der Umsatz stieg in fünf Jahren um 49 Prozent, das Nettoergebnis fiel 2025 gegenüber 2024 um 4 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte 2021 bis 2025 (TeamViewer SE). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt kommt die Frage, die das ganze Bild verändert: Woher kam dieses Umsatzwachstum?

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Kundenbestand schrumpft seit Jahren

Die Kundenzahl ist eine der wenigen Zahlen, die man nicht schönrechnen kann. Sie stand zum 31. Dezember 2024 bei 669.000, zum 31. Dezember 2025 bei 637.000 und zum 30. Juni 2026 bei 611.900. Gegenüber dem Vorjahresstichtag (656.400) sind das minus 7 Prozent. In absoluten Zahlen: In achtzehn Monaten haben rund 57.000 zahlende Kunden das Produkt verlassen.

Der ARR — der hochgerechnete Jahreswert aller laufenden Abonnements — folgt dieser Bewegung mit Verzögerung, weil größere Kunden mehr zahlen als kleine. Er lag zum 30. Juni 2026 bei 736,8 Millionen Euro, nach 759,1 Millionen ein Jahr zuvor: minus 3 Prozent. Aufgeteilt nach Kundengruppen zeigt sich die eigentliche Bewegung:

„Enterprise ARR was up 4% year-over-year, while SMB ARR declined 6% year-over-year.“

Übersetzung: „Der ARR im Enterprise-Geschäft stieg im Jahresvergleich um 4 Prozent, während der ARR im Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen um 6 Prozent zurückging.“

— TeamViewer SE, Halbjahresbericht H1 2026, Zwischenlagebericht Abschnitt 2.3 „Earnings position“, Seite 10

Markierter Ausschnitt aus dem TeamViewer-Halbjahresbericht H1 2026, Seite 10: Der Enterprise-ARR stieg um 4 Prozent, der ARR im Geschaeft mit kleinen und mittleren Unternehmen fiel um 6 Prozent.
Die Fundstelle im Original: Enterprise plus 4 Prozent, kleine und mittlere Unternehmen minus 6 Prozent. Quelle: Halbjahresbericht H1 2026 (TeamViewer SE), Seite 10; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen trägt 68 Prozent des Umsatzes (250,3 von 365,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026) und 607.000 der 611.900 Kunden. Genau dieser Teil schrumpft. Das Enterprise-Geschäft wächst — aber es sind nur 5.311 Kunden, und es steht für 32 Prozent des Umsatzes.

Noch aussagekräftiger ist die Netto-Bestandsquote („Net Retention Rate“). Sie misst, wie viel eine Kundengruppe heute zahlt, verglichen mit dem, was dieselbe Gruppe vor einem Jahr zahlte — Kündigungen abgezogen, Zusatzkäufe eingerechnet. Über 100 Prozent heißt: Der Bestand wächst aus sich heraus. Bei TeamViewer lag dieser Wert im Enterprise-Geschäft bei 100 Prozent (2024), 96 Prozent (2025) und 94 Prozent (30. Juni 2026). Übersetzt: Selbst im wachsenden Teil des Geschäfts geben Bestandskunden inzwischen weniger aus als im Vorjahr; das gemeldete Wachstum kommt aus Neukunden und aus Kunden, die aus dem Mittelstands- ins Enterprise-Segment hochgestuft werden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Zwei Drittel der Bilanz sind Firmenwert

Wenn eine Firma eine andere kauft und mehr zahlt, als deren Vermögensgegenstände einzeln wert sind, landet die Differenz in der Bilanz — als Firmenwert („Goodwill“). Das ist kein Betrug und keine Schummelei, sondern vorgeschriebene Buchführung. Es ist aber auch nichts, was man verkaufen, beleihen oder anfassen kann. Der Firmenwert ist die bilanzielle Behauptung, dass der Kaufpreis eines Tages verdient wird.

Bei TeamViewer stand dieser Posten zum 30. Juni 2026 bei 1.128,4 Millionen Euro. Die gesamte Bilanzsumme betrug 1.670,7 Millionen. Das Eigenkapital: 249,7 Millionen Euro. Rechnet man Firmenwert und übrige immaterielle Werte (331,2 Millionen) heraus, bleiben 211,1 Millionen Euro an materiellem Vermögen — Forderungen, Kasse, Ausstattung, Beteiligungen.

Wasserfalldiagramm: Von der Bilanzsumme 1.670,7 Millionen Euro zum 30. Juni 2026 gehen 1.128,4 Millionen Firmenwert und 331,2 Millionen uebrige immaterielle Werte ab; es bleiben 211,1 Millionen Euro materielles Vermoegen.
Von 1.670,7 Millionen Euro Bilanzsumme bleiben nach Abzug von Firmenwert und übrigen immateriellen Werten 211,1 Millionen Euro materielles Vermögen. Das Eigenkapital zum selben Stichtag: 249,7 Millionen Euro. Quelle: Halbjahresbericht H1 2026 (TeamViewer SE), Konzernbilanz zum 30.06.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Abschlussprüfer sieht das genauso wichtig wie wir. Im Bestätigungsvermerk zum Geschäftsbericht 2025 führt er die Werthaltigkeit des Firmenwerts als besonders wichtigen Prüfungssachverhalt — das ist der Abschnitt, in dem ein Prüfer benennt, was ihm die meiste Arbeit und das größte Urteilsrisiko gemacht hat:

„In the Company's consolidated financial statements goodwill amounting in total to EUR 1,115.5 million (67% of total assets) is reported under the ‚Goodwill‘ item in the consolidated statement of financial position.“

Übersetzung: „Im Konzernabschluss der Gesellschaft wird unter dem Posten ‚Geschäfts- oder Firmenwert‘ in der Konzernbilanz ein Firmenwert von insgesamt 1.115,5 Millionen Euro ausgewiesen (67 Prozent der Bilanzsumme).“

— Abschlussprüfer, Geschäftsbericht 2025 (TeamViewer SE), Bestätigungsvermerk, besonders wichtiger Prüfungssachverhalt Nr. 2, Seite 199

Markierter Ausschnitt aus dem TeamViewer-Geschaeftsbericht 2025, Seite 199: Der Firmenwert von 1.115,5 Millionen Euro entspricht 67 Prozent der Bilanzsumme.
Der Abschlussprüfer beziffert den Firmenwert zum 31. Dezember 2025 mit 1.115,5 Millionen Euro und ordnet ihn selbst mit 67 Prozent der Bilanzsumme ein; zum 30. Juni 2026 waren es 1.128,4 Millionen. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (TeamViewer SE), Seite 199; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ob dieser Firmenwert bestehen bleibt, entscheidet ein Rechenmodell, das das Unternehmen einmal jährlich aufstellt und der Prüfer nachvollzieht. Die Annahmen zum 31. Dezember 2025 stehen im Anhang: 5,7 Prozent jährliches Umsatzwachstum über vier Planjahre, 2,3 Prozent ewiges Wachstum danach, 9,7 Prozent Abzinsungssatz vor Steuern und eine bereinigte Ebitda-Marge von 43,6 Prozent im Endwert. Der Anhang hält fest, dass der erzielbare Betrag über dem Buchwert lag und aus Sicht des Vorstands auch bei möglichen Änderungen der Annahmen keine Abschreibung nötig würde.

Halten wir die Planannahme neben die Wirklichkeit: 5,7 Prozent Umsatzwachstum unterstellt das Modell. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte TeamViewer 0 Prozent (365,9 nach 364,4 Millionen Euro), und die eigene Jahresprognose lautet 0 bis 3 Prozent währungsbereinigt. Das ist kein Beweis für eine bevorstehende Abschreibung — die Vier-Jahres-Planung darf ein schwaches Jahr enthalten und später aufholen. Aber es ist die Zahl, auf die man schauen muss: Jedes Jahr ohne Wachstum verbraucht Puffer in einem Modell, das 1.128,4 Millionen Euro trägt, während das Eigenkapital bei 249,7 Millionen liegt. Wie so etwas ausgehen kann, wenn ein Zukäufer die Kurve nicht kriegt, haben wir bei unserer Analyse zu Upland Software Schritt für Schritt nachgerechnet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 625,4 Millionen Euro für 44,8 Millionen Euro Umsatz

Woher der Firmenwert stammt, lässt sich datieren. Am 31. Januar 2025 übernahm TeamViewer sämtliche Anteile der britischen Chamber Topco Limited, die ihrerseits die 1E-Gruppe hält — ein Anbieter von Software zur Überwachung und Fernwartung von Arbeitsplatzrechnern. Der Prüfer nennt den Kaufpreis und die Rechnung dahinter beim Namen:

„The purchase price for the business combination was EUR 625.4 million.“

Übersetzung: „Der Kaufpreis für den Unternehmenszusammenschluss betrug 625,4 Millionen Euro.“

— Abschlussprüfer, Geschäftsbericht 2025 (TeamViewer SE), Bestätigungsvermerk, besonders wichtiger Prüfungssachverhalt Nr. 1, Seite 199

Markierter Ausschnitt aus dem TeamViewer-Geschaeftsbericht 2025, Seite 199: Der Kaufpreis fuer die 1E-Gruppe betrug 625,4 Millionen Euro, das uebernommene Nettovermoegen 119,0 Millionen, der daraus entstandene Firmenwert 506,4 Millionen Euro.
625,4 Millionen Euro Kaufpreis, 119,0 Millionen Euro übernommenes Nettovermögen, 506,4 Millionen Euro neuer Firmenwert — die drei Zahlen stehen in einem Absatz. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (TeamViewer SE), Seite 199; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Von den 625,4 Millionen Euro entfielen also nur 119,0 Millionen auf identifizierbares Nettovermögen; 506,4 Millionen Euro wanderten als neuer Firmenwert in die Bilanz. Das ist die Rechnung. Und jetzt der Ertrag — der Anhang beziffert ihn im Elf-Monats-Zeitraum von Februar bis Dezember 2025 unmissverständlich:

„In the 2025 fiscal year, 1E contributed EUR 44,841 thousand to the Group's revenue and a net loss of approximately EUR 21,631 thousand to the Group's net income/loss.“

Übersetzung: „Im Geschäftsjahr 2025 trug 1E 44.841 Tausend Euro zum Konzernumsatz und einen Verlust von rund 21.631 Tausend Euro zum Konzernergebnis bei.“

— TeamViewer SE, Geschäftsbericht 2025, Anhang Note 4 „Business combinations“, Seite 155

Markierter Ausschnitt aus dem TeamViewer-Geschaeftsbericht 2025, Seite 155: 1E steuerte 2025 44.841 Tausend Euro Umsatz und einen Verlust von rund 21.631 Tausend Euro bei.
Der Beitrag des Zukaufs im Geschäftsjahr 2025: 44,8 Millionen Euro Umsatz, 21,6 Millionen Euro Verlust — darin enthalten 23,3 Millionen Euro Abschreibungen auf die mitgekauften immateriellen Werte. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (TeamViewer SE), Seite 155; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Fair bleiben: In den 21,6 Millionen Euro Verlust stecken 23,3 Millionen Euro Abschreibungen auf die mit dem Kauf aktivierten immateriellen Werte — ohne diesen rein buchhalterischen Posten wäre 1E leicht positiv gewesen. Und der Zukauf brachte mehr als Umsatz: Er ist das Fundament des DEX-Geschäfts, das im zweiten Quartal 2026 laut Unternehmen wieder anzieht. Trotzdem bleibt die Größenordnung stehen: 625,4 Millionen Euro Kaufpreis, 44,8 Millionen Euro Jahresumsatz. Das ist knapp das Vierzehnfache des Umsatzes — für ein Geschäft, das TeamViewers eigenen Umsatz 2025 um 11 Prozent wachsen ließ, während der Kundenbestand um 5 Prozent fiel.

Denn das ist der Punkt, an dem die beiden ersten unbequemen Wahrheiten zusammenlaufen: Von den 75,4 Millionen Euro Umsatzplus des Jahres 2025 kamen 44,8 Millionen aus dem Zukauf. Das organische Wachstum betrug damit rund 30,6 Millionen Euro oder 4,6 Prozent — bei einer Kundenzahl, die im selben Jahr um 32.000 zurückging.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kasse ist dünn, die Schulden sind es nicht

Bezahlt wurde der Zukauf mit Krediten. In der Kapitalflussrechnung des ersten Halbjahres 2025 stehen 682,5 Millionen Euro Auszahlungen für Akquisitionen und 720,0 Millionen Euro Einzahlungen aus neuen Darlehen. Das Ergebnis steht heute in der Bilanz: 872,4 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten zum 30. Juni 2026 (231,5 kurzfristig, 640,9 langfristig) gegen 39,6 Millionen Euro Kasse. Die Nettoverschuldung, die TeamViewer selbst ausweist, betrug am Quartalsende 832,8 Millionen Euro — das 2,5-Fache des bereinigten Ebitda der letzten zwölf Monate. Das eigene Ziel: rund 2,3 bis Ende 2026.

39,6 Millionen Euro Kasse sind für ein Unternehmen dieser Größe wenig, und die Zahl steht seit anderthalb Jahren auf diesem Niveau (31. Dezember 2024: 55,3 Millionen; 31. Dezember 2025: 41,6 Millionen). Das ist bei TeamViewer kein Alarmsignal, sondern Absicht: Wer im Voraus kassiert und dauerhaft Geld verdient, braucht kein Polster — überschüssige Mittel gehen in die Tilgung. Das operative Geschäft warf im ersten Halbjahr 2026 99,3 Millionen Euro ab, die Zinslast lag bei 19,5 Millionen; die Zinsen sind also gut fünffach gedeckt.

Trotzdem gibt es eine Zeile, die man im Auge behalten muss. Der freie Mittelzufluss — bei TeamViewer „Levered Free Cash Flow“ — fiel im ersten Halbjahr 2026 von 104,0 auf 64,6 Millionen Euro, ein Minus von 38 Prozent. Die Umwandlungsquote, also der Anteil des bereinigten Ebitda, der wirklich als Geld ankommt, sank von 67 auf 40 Prozent. Das Unternehmen erklärt das mit weniger Mehrjahresverträgen mit Vorauszahlung — eine plausible und im Zeitablauf umkehrbare Begründung. Es ist aber auch die Kehrseite des Abo-Modells: Vorauszahlungen machen ein gutes Jahr besser und das folgende schwerer.

Das Halbjahr 2026 und der Ausblick — was das Unternehmen selbst erwartet

Der Halbjahresbericht zeigt zwei Seiten. Auf der einen Seite: Der Umsatz lag mit 365,9 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, das bereinigte Ebitda stieg um 4 Prozent auf 161,9 Millionen (Marge 44 Prozent), der Konzerngewinn kletterte um 23 Prozent auf 64,3 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie von 0,33 auf 0,41 Euro. Im zweiten Quartal 2026 legte der Gewinn sogar um 33 Prozent auf 30,1 Millionen Euro zu. Das ist echtes Geld, kein Buchungstrick — es kommt vor allem aus einem deutlich besseren Währungsergebnis und aus gesunkenen Marketingkosten.

Auf der anderen Seite: Der Umsatz sank im zweiten Quartal währungsbereinigt um 1,4 Prozent auf 182,7 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda um 6,0 Prozent auf 78,9 Millionen. Der Vorstand ordnet das als Übergangsphase ein und bestätigt die Jahresprognose ohne Einschränkung:

„Revenue growth in constant currency between 0% and 3% yoy“

Übersetzung: „Umsatzwachstum währungsbereinigt zwischen 0 und 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr“

— TeamViewer SE, Halbjahresbericht H1 2026, Zwischenlagebericht Abschnitt 5 „Outlook“, Seite 17

Markierter Ausschnitt aus dem TeamViewer-Halbjahresbericht H1 2026, Seite 17: Umsatzwachstum waehrungsbereinigt zwischen 0 und 3 Prozent gegenueber dem Vorjahr.
Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 im Original: 0 bis 3 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum gegenüber einem Vergleichswert von 767,5 Millionen Euro, dazu eine bereinigte Ebitda-Marge von rund 43 Prozent. Quelle: Halbjahresbericht H1 2026 (TeamViewer SE), Seite 17; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bemerkenswert an dieser Zeile ist der Vergleichsmaßstab. Gemessen wird nicht an den 746,8 Millionen Euro, die 2025 tatsächlich in der Gewinn- und Verlustrechnung standen, sondern an einem Vergleichswert von 767,5 Millionen Euro — dem Umsatz, den der Konzern gehabt hätte, wenn 1E schon am 1. Januar 2025 dazugehört hätte. Die Umstellung ist sachlich begründet und in der Fußnote offengelegt; sie erhöht aber die Messlatte um 20,7 Millionen Euro und macht den Vergleich mit dem berichteten Vorjahr unbrauchbar. Wer die eigene Prognose nachrechnen will, muss die Fußnote lesen.

Die guten Nachrichten des Quartals sind ebenfalls belegt und gehören dazu: Der Enterprise-ARR wuchs währungsbereinigt um 8,3 Prozent, im höchsten Kundensegment (über 200.000 Euro ARR) um 11 Prozent. Rund 49.000 Kunden hatten bis zum 25. Juli 2026 mindestens eine KI-Funktion genutzt, nach 26.000 im ersten Quartal. Und am 23. Juli 2026 kündigten TeamViewer und ServiceNow eine mehrjährige Partnerschaft an, in deren Rahmen TeamViewers Fernzugriffs- und DEX-Lösungen in die ServiceNow-Plattform integriert und deren Kunden als Zusatzpaket angeboten werden sollen. Ob daraus Umsatz wird, entscheidet sich in den kommenden Quartalen — angekündigt ist es.

Was die Aktie kostet

Zum Xetra-Schlusskurs vom 4. August 2026 von 6,52 Euro und 157,8 Millionen ausstehenden Aktien lag der Börsenwert bei rund 1.028 Millionen Euro. Auf das Konzernergebnis 2025 von 118,2 Millionen Euro bezogen ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8,7. Gemessen am Umsatz 2025 kostet das Unternehmen das 1,4-Fache. Beides ist für ein Software-Haus mit 44 Prozent bereinigter Marge auffällig wenig.

Der zweite Blick relativiert das. Rechnet man die Nettoverschuldung von 832,8 Millionen Euro hinzu, kostet das ganze Unternehmen rund 1.861 Millionen Euro — das entspricht dem 5,7-Fachen des bereinigten Ebitda von 2025 (325,6 Millionen Euro) und dem 2,5-Fachen des Jahresumsatzes. Von jedem Euro Unternehmenswert entfallen also 45 Cent auf Schulden. Das ist der Grund, warum das Kurs-Gewinn-Verhältnis so niedrig aussieht: Der Eigenkapitalanteil ist der kleinere Teil der Finanzierung, und was in ihm an Rendite ankommt, ist entsprechend gehebelt — nach oben wie nach unten.

Auf den Buchwert bezogen sieht es anders herum aus: 1.028 Millionen Euro Börsenwert gegen 249,7 Millionen Euro Eigenkapital ergeben das 4,1-Fache. Und zieht man Firmenwert und übrige immaterielle Werte ab, ist das materielle Eigenkapital mit rund minus 1.210 Millionen Euro tief negativ. Für ein Software-Unternehmen ist das nicht ungewöhnlich — der Wert steckt in Code, Marke und Kundenbeziehungen, nicht in Maschinen. Es heißt aber: Wer diese Aktie kauft, kauft eine Ertragserwartung, kein Vermögen.

Eine Dividende gibt es nicht; der Anhang hält ausdrücklich fest, dass mit keiner Ausschüttung gerechnet wird. Aktionärsvergütung fand bisher über Rückkäufe statt — im Dezember 2025 zog TeamViewer 6,5 Millionen eigene Aktien ein und senkte das Grundkapital von 170,0 auf 163,5 Millionen Euro. Der Streubesitz liegt bei 100 Prozent, seit die Beteiligungsgesellschaft Permira ihre restlichen 12,46 Millionen Aktien am 4. September 2025 platziert hat.

Chancen und Risiken — nüchtern gegenübergestellt

Was für das Unternehmen spricht. Die Marge ist außergewöhnlich und stabil: 44 Prozent bereinigtes Ebitda in 2025 wie im ersten Halbjahr 2026. Das Abo-Modell mit Vorauszahlung liefert planbare Einnahmen und 376,0 Millionen Euro bereits kassierte, noch nicht verdiente Umsätze. Das Enterprise-Geschäft wächst währungsbereinigt um 8,3 Prozent, das teuerste Kundensegment um 11 Prozent. Die Verschuldung sinkt: von 870,0 Millionen Euro (31. März 2026) auf 832,8 Millionen (30. Juni 2026). Die KI-Funktionen finden Nutzer — 49.000 Kunden bis zum 25. Juli 2026 —, und die ServiceNow-Partnerschaft öffnet einen Vertriebsweg, den TeamViewer allein nicht hätte.

Was dagegen spricht. Der Kundenbestand schrumpft im vierten Jahr in Folge, und zwar dort, wo zwei Drittel des Umsatzes herkommen. Die Netto-Bestandsquote im Enterprise-Geschäft liegt bei 94 Prozent — auch der wachsende Teil wächst nicht aus sich heraus. Der Firmenwert von 1.128,4 Millionen Euro steht gegen 249,7 Millionen Euro Eigenkapital; sein Werthaltigkeitstest unterstellt 5,7 Prozent Wachstum, geliefert wurden 0. Der freie Mittelzufluss fiel um 38 Prozent, die Umwandlungsquote von 67 auf 40 Prozent. Und der größte Zukauf der Firmengeschichte lieferte im ersten Jahr 44,8 Millionen Euro Umsatz bei einem Kaufpreis von 625,4 Millionen.

Das strukturelle Risiko im Hintergrund. Der Geschäftsbericht 2025 benennt es selbst: KI-Agenten könnten die Bedeutung vieler klassischer Software-Anwendungen mit der Zeit deutlich verringern. TeamViewer beantwortet das mit einer KI-Offensive — dem Agenten „Tia“, KI-Funktionen in allen Kernpaketen und der Erzählung vom sich selbst reparierenden Endgerät. Das ist die richtige Antwort auf die richtige Frage. Ob sie trägt, wird man an genau einer Zahl ablesen können: der Kundenzahl.

Fazit — was der Anker verschweigt

Zurück zum Anfang. Der Anker sagt: 26,25 Euro beim Börsengang, 6,52 Euro am 4. August 2026, also 75 Prozent Verlust und damit „billig“. Der Anker ist ein schlechter Ratgeber, weil er das Falsche vergleicht. Zwischen 2019 und 2026 hat sich nicht nur der Kurs verändert, sondern das Unternehmen: Damals war TeamViewer ein schuldenarmer Anbieter von Fernwartungssoftware mit wachsender Kundenzahl. Heute ist es ein Plattformanbieter mit 832,8 Millionen Euro Nettoverschuldung, 1.128,4 Millionen Euro Firmenwert und einer Kundenzahl, die seit vier Jahren fällt.

Das ist ausdrücklich keine Katastrophengeschichte. TeamViewer verdient Geld — 118,2 Millionen Euro im Jahr 2025, 64,3 Millionen im ersten Halbjahr 2026 —, deckt seine Zinsen fünffach, tilgt seine Schulden und hat mit dem Enterprise-Geschäft und den KI-Funktionen zwei Bereiche, die messbar zulegen. Wer das Unternehmen für unterbewertet hält, hat mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 und einer 44-Prozent-Marge ein starkes Argument in der Hand.

Aber die Rechnung geht nur auf, wenn die Kundenzahl irgendwann aufhört zu fallen. Alles andere — der Firmenwert, die Schuldentilgung, die Prognose, das Rechenmodell des Werthaltigkeitstests — hängt an dieser einen Bewegung. Der nächste Bericht wird sie zeigen, und wir werden ihn lesen. Bis dahin gilt: Nicht der alte Kurs ist der Maßstab, sondern die 611.900. Diese Analyse ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — sie soll Dir nur zeigen, wo Du selbst nachschauen musst.

Quellen

  • TeamViewer SE — Halbjahresbericht H1 2026 (IFRS-Zwischenabschluss, Vorstandsunterschrift Göppingen 24. Juli 2026): Zwischenlagebericht, Konzernbilanz zum 30.06.2026, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung, Anhang
  • TeamViewer SE — Q2-2026-Pressemitteilung und Quartalsmitteilung vom 28. Juli 2026: Quartalszahlen, ARR nach Kundengruppen, Nettoverschuldung, KI-Kennzahlen, ServiceNow-Partnerschaft
  • TeamViewer SE — Geschäftsbericht 2025 (testierter IFRS-Konzernabschluss): Konzernlagebericht, Kapitalmarktkapitel, Anhang Note 4 (Unternehmenszusammenschlüsse), Note 9 (Firmenwert, Werthaltigkeitstest), Note 25 (vertragliche Verpflichtungen), Bestätigungsvermerk mit den besonders wichtigen Prüfungssachverhalten
  • Foren-Hitliste von wallstreet-online, Stand 5. August 2026 — Aufhänger dieser Analyse, keine Datenquelle
  • Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse) — Kurse, Börsenwert und Mehrjahresreihen; Stichtage jeweils im Text genannt

Hinweis: Diese Analyse ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalberichten und sind mit ihrem jeweiligen Stichtag versehen. Datenstand dieser Fassung: 5. August 2026.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 501,1 565,9 626,7 671,4 746,8
Betriebsergebnis (EBIT) 117,4 143,7 161,5 206,4 240,2
Nettogewinn 50,1 67,6 114,0 123,1 118,2
Nettomarge 10,0 % 11,9 % 18,2 % 18,3 % 15,8 %
Gewinn je Aktie 0,25 € 0,37 € 0,66 € 0,76 € 0,75 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Profitabilität positiv
Die bereinigte Ebitda-Marge lag im Geschäftsjahr 2025 wie im ersten Halbjahr 2026 bei 44 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 43,2 Prozent. Der Konzerngewinn stieg im ersten Halbjahr 2026 um 23 Prozent auf 64,3 Millionen Euro, im zweiten Quartal um 33 Prozent auf 30,1 Millionen. Die Zinslast von 19,5 Millionen Euro war durch den operativen Mittelzufluss von 99,3 Millionen gut fünffach gedeckt.
Kundenbestand negativ
Die Kundenzahl fiel von 669.000 (31. Dezember 2024) über 637.000 (31. Dezember 2025) auf 611.900 (30. Juni 2026), gegenüber dem Vorjahresstichtag um 7 Prozent. Der ARR im Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen — 68 Prozent des Umsatzes — sank um 6 Prozent, die Netto-Bestandsquote im Enterprise-Geschäft von 100 (2024) über 96 (2025) auf 94 Prozent (30. Juni 2026).
Bilanzqualität negativ
Der Firmenwert von 1.128,4 Millionen Euro entspricht zum 30. Juni 2026 67,5 Prozent der Bilanzsumme und mehr als dem Vierfachen des Eigenkapitals von 249,7 Millionen Euro; der Abschlussprüfer führt seine Werthaltigkeit als besonders wichtigen Prüfungssachverhalt. Nach Abzug aller immateriellen Werte bleiben 211,1 Millionen Euro materielles Vermögen.
Zukauf und Kapitalverwendung negativ
Für die 1E-Gruppe zahlte TeamViewer am 31. Januar 2025 625,4 Millionen Euro bei 119,0 Millionen Euro übernommenem Nettovermögen. Im Geschäftsjahr 2025 steuerte der Zukauf 44,8 Millionen Euro Umsatz und einen Verlust von 21,6 Millionen Euro bei — darin 23,3 Millionen Euro Abschreibungen auf mitgekaufte immaterielle Werte.
Verschuldung und Mittelzufluss neutral
Die Nettoverschuldung sank von 870,0 Millionen Euro (31. März 2026) auf 832,8 Millionen (30. Juni 2026) und liegt beim 2,5-Fachen des bereinigten Ebitda; das eigene Ziel lautet rund 2,3 bis Jahresende. Zugleich fiel der freie Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026 um 38 Prozent auf 64,6 Millionen Euro und die Umwandlungsquote von 67 auf 40 Prozent.
Ausblick und Prognosequalität neutral
Die Prognose 2026 wurde am 28. Juli 2026 unverändert bestätigt: 0 bis 3 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum und rund 43 Prozent bereinigte Ebitda-Marge. Gemessen wird allerdings gegen einen Vergleichswert von 767,5 Millionen Euro statt gegen die berichteten 746,8 Millionen — die Umstellung ist offengelegt, macht den Vergleich mit dem Vorjahr aber nur mit der Fußnote nachvollziehbar.

TeamViewer verdient verlässlich Geld: 44 Prozent bereinigte Ebitda-Marge, 118,2 Millionen Euro Konzerngewinn 2025 und ein Halbjahresgewinn 2026, der um 23 Prozent zulegte. Der Preis dafür steht auf der anderen Bilanzseite: 832,8 Millionen Euro Nettoverschuldung, 1.128,4 Millionen Euro Firmenwert gegen 249,7 Millionen Euro Eigenkapital und ein Zukauf für 625,4 Millionen Euro, der im ersten Jahr 44,8 Millionen Euro Umsatz brachte. Die Kundenzahl fällt seit vier Jahren — an ihr entscheidet sich alles Übrige. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb, nicht rot — und der Unterschied ist wichtig. Ein Substanzrisiko im engeren Sinn ist nicht belegt: Das Eigenkapital ist mit 249,7 Millionen Euro positiv, es gibt keinen Hinweis auf Fortführungszweifel und keine erkennbare Covenant-Verletzung; der Halbjahresbericht hält fest, dass die Verschuldungs-Klauseln jederzeit eingehalten wurden. Der operative Mittelzufluss von 99,3 Millionen Euro deckt die Zinslast von 19,5 Millionen gut fünffach, die Nettoverschuldung sinkt seit dem ersten Quartal, und mit 376,0 Millionen Euro bereits kassierter, noch nicht verdienter Umsätze arbeitet das Geschäftsmodell mit dem Geld der Kunden statt mit dem der Bank. Die dünne Kasse von 39,6 Millionen Euro ist bei einem Abo-Anbieter, der im Voraus abrechnet, kein Alarmzeichen, sondern Tilgungsdisziplin. Gelb steht, weil eine wesentliche operative Frage offen ist, und zwar die zentrale: Der Kundenbestand schrumpft im vierten Jahr in Folge — 669.000, 637.000, 611.900 —, und selbst im wachsenden Enterprise-Geschäft liegt die Netto-Bestandsquote bei 94 Prozent. Das Umsatzwachstum von 11 Prozent im Jahr 2025 kam zu 59 Prozent aus einem Zukauf, der 625,4 Millionen Euro gekostet und 44,8 Millionen Euro Umsatz gebracht hat. Und der Firmenwert von 1.128,4 Millionen Euro ruht auf einem Modell, das 5,7 Prozent Umsatzwachstum unterstellt, während das Unternehmen 0 Prozent liefert und 0 bis 3 Prozent verspricht. Keine dieser Zahlen bedroht die Existenz. Alle zusammen beschreiben aber ein Unternehmen, dessen Bewertung an einer Trendwende hängt, die noch nicht eingetreten ist. Zum Kurs vom 4. August 2026 ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 nicht teuer — das ändert an der Ampel nichts, denn Preis ist kein Qualitätsmerkmal.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Foren-Hitliste von wallstreet-online, Stand 5. August 2026 — keine Datenquelle, nur der Anlass für die Recherche.
  • Datenstand: 5. August 2026. Jüngste Pflichtveröffentlichung ist die Q2-Mitteilung vom 28. Juli 2026, davor der Halbjahresbericht H1 2026 (Vorstandsunterschrift 24. Juli 2026) und die ServiceNow-Partnerschaft vom 23. Juli 2026. Nach dem 30. Juni 2026 meldete TeamViewer zusätzliche Kreditlinien über 15 Millionen Euro und eine Teilrückzahlung von 25 Millionen Euro auf die Brückenfinanzierung im Juli 2026.
  • Verwechslungsgefahr: Das Unternehmen heißt seit der Umwandlung in eine Europäische Gesellschaft TeamViewer SE, nicht mehr TeamViewer AG — mehrere Marktdaten-Feeds führen weiterhin den Altnamen. Es gibt kein 10-K und kein 10-Q; die SEC-Kennung 0001800573 gehört zu einem ADR-Programm einer Depotbank, nicht zur Berichterstattung des Unternehmens.
  • Zur Prognose: Der Vergleichswert 767,5 Millionen Euro für 2026 ist nicht der berichtete Umsatz 2025 (746,8 Millionen), sondern ein Pro-forma-Wert einschließlich 1E ab dem 1. Januar 2025. Wer die Prognose gegen die Gewinn- und Verlustrechnung hält, rechnet sonst falsch.

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Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 5. August 2026. Was sich seitdem bei TMV.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

TeamViewer SE aus Göppingen verkauft Software für den Fernzugriff auf fremde Rechner und Endgeräte. Das Angebot reicht vom klassischen Fernwartungsprogramm (Remote) über die Unternehmens-variante (Tensor) und die Überwachung von Arbeitsplatzrechnern (DEX) bis zur Augmented-Reality-Anwendung für Lager und Werkstatt (Frontline). Seit 2025 fasst das Unternehmen alles unter der Plattform TeamViewer ONE zusammen. Zum 30. Juni 2026 hatte TeamViewer 611.900 zahlende Kunden und 1.967 Vollzeitbeschäftigte.

Der Umsatz lag im ersten Halbjahr 2026 mit 365,9 Millionen Euro auf Vorjahresniveau (364,4 Millionen). Das bereinigte Ebitda stieg um 4 Prozent auf 161,9 Millionen Euro (Marge 44 Prozent), der Konzerngewinn um 23 Prozent auf 64,3 Millionen, das Ergebnis je Aktie von 0,33 auf 0,41 Euro. Der ARR — der hochgerechnete Jahreswert aller laufenden Abonnements — fiel um 3 Prozent auf 736,8 Millionen Euro, die Kundenzahl um 7 Prozent auf 611.900. Der freie Mittelzufluss sank um 38 Prozent auf 64,6 Millionen Euro.

Weil TeamViewer zugekauft hat. Wer ein Unternehmen teurer kauft, als dessen einzelne Vermögensgegenstände wert sind, muss die Differenz als Firmenwert („Goodwill“) aktivieren. Allein für die 1E-Gruppe zahlte TeamViewer am 31. Januar 2025 625,4 Millionen Euro bei 119,0 Millionen Euro übernommenem Nettovermögen — 506,4 Millionen Euro wanderten als neuer Firmenwert in die Bilanz. Zum 30. Juni 2026 stand der gesamte Firmenwert bei 1.128,4 Millionen Euro, das sind 67,5 Prozent der Bilanzsumme bei einem Eigenkapital von 249,7 Millionen Euro.

Zum 31. Dezember 2025 nicht: Der Anhang hält fest, dass der erzielbare Betrag über dem Buchwert lag und auch bei möglichen Änderungen der Annahmen keine Abschreibung nötig würde. Das Rechenmodell unterstellt allerdings 5,7 Prozent jährliches Umsatzwachstum über vier Planjahre, 2,3 Prozent ewiges Wachstum danach und eine bereinigte Ebitda-Marge von 43,6 Prozent im Endwert. Geliefert wurden im ersten Halbjahr 2026 0 Prozent Umsatzwachstum; die eigene Jahresprognose lautet 0 bis 3 Prozent währungsbereinigt. Jedes Jahr ohne Wachstum verbraucht Puffer in diesem Modell.

Der Rückgang kommt fast vollständig aus dem Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen: Deren ARR fiel im Jahresvergleich um 6 Prozent, bei den kleinsten Kunden (unter 1.500 Euro ARR) sogar um 7,0 Prozent währungsbereinigt. TeamViewer erklärt das mit eigenen Kurskorrekturen im Vertrieb, die kurzfristig belasten. Die Zahl fiel von 669.000 (31.12.2024) über 637.000 (31.12.2025) auf 611.900 (30.06.2026). Das Enterprise-Geschäft wuchs im selben Zeitraum auf 5.311 Kunden, deckt aber nur 32 Prozent des Umsatzes ab.

Zum 30. Juni 2026 standen 872,4 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten in der Bilanz (231,5 Millionen kurzfristig, 640,9 Millionen langfristig) bei 39,6 Millionen Euro Kasse. Die vom Unternehmen ausgewiesene Nettoverschuldung betrug 832,8 Millionen Euro, das 2,5-Fache des bereinigten Ebitda der letzten zwölf Monate; das eigene Ziel liegt bei rund dem 2,3-Fachen bis Ende 2026. Die Zinslast von 19,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr war durch den operativen Mittelzufluss von 99,3 Millionen Euro gut fünffach gedeckt.

Nein. Der Anhang des Geschäftsberichts 2025 hält bei der Bewertung der aktienbasierten Vergütung ausdrücklich fest, dass mit keiner Dividendenzahlung gerechnet wird. Aktionärsvergütung fand bisher über Aktienrückkäufe statt: Im Dezember 2025 zog TeamViewer 6,5 Millionen eigene Aktien ein und senkte das Grundkapital von 170,0 auf 163,5 Millionen Euro. Zum 30. Juni 2026 hielt das Unternehmen noch 5.705.406 eigene Aktien.

Weil TeamViewer kein US-Meldeunternehmen ist. Die Aktie notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse; Pflichtberichte sind der testierte IFRS-Jahresabschluss, der Halbjahresbericht und Quartalsmitteilungen. Die einzige mit dem Namen verknüpfte SEC-Kennung (CIK 0001800573) enthält acht Registrierungsformulare einer Depotbank für ein American Depositary Receipt aus den Jahren 2020 und 2023 — keine Geschäfts- oder Quartalsberichte. Alle Zahlen dieser Analyse stammen deshalb aus den Originalberichten der Investor-Relations-Seite.

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