StoneCo: Ein K/FCF von 1,1 — und zwei verschiedene Währungen
Im hauseigenen K-FCF-Ranking steht StoneCo am 27. Juli 2026 auf Platz 20 der US-Auswahl. Der ausgewiesene Wert lautet 1,1 — und er entsteht aus einer Division, deren Zähler in US-Dollar und deren Nenner in brasilianischen Real steht. Wir rechnen beide Seiten in dieselbe Währung, öffnen die Kapitalflussrechnung des Geschäftsberichts und schauen nach, aus welchen Zeilen dieser Mittelzufluss wirklich stammt. Am Ende steht eine Zahl, die niemand bestreitet — und eine Frage, die keine Rangliste beantwortet.
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Der Reflex, der die Währung überliest
Stell dir vor, du stehst auf einem Markt in Salvador da Bahia. Am Stand hängt ein Schild: 50. Für einen Wimpernschlag rechnet dein Kopf in Euro — und der Preis fühlt sich unverschämt an. Erst danach kommt die Einheit nach: Real. Und plötzlich ist es ein Schnäppchen.
Das ist keine Dummheit, das ist Bauart. Unser Gehirn verarbeitet die Zahl zuerst und die Einheit danach. Genau dieser Reflex ist der Grund, warum Kennzahlen-Ranglisten so verführerisch sind: Sie liefern die Zahl frei Haus und sparen sich die Einheit.
Bei StoneCo lautet die Zahl 1,1. So steht das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis in unserem eigenen Ranking, gemessen am 27. Juli 2026. Übersetzt hieße das: Das ganze Unternehmen kostet an der Börse ungefähr so viel, wie es in einem einzigen Jahr an freiem Geld erwirtschaftet. Bei einem wachsenden, profitablen Unternehmen wäre das ein Ausrufezeichen.
Der Deal für diesen Artikel ist deshalb einfach: Wir nehmen die Zahl nicht hin. Wir schauen zuerst nach, in welcher Währung Zähler und Nenner stehen. Danach öffnen wir die Kapitalflussrechnung und suchen die Zeilen, aus denen dieser Mittelzufluss wirklich entsteht. Am Ende steht immer noch eine niedrige Zahl — nur eine ganz andere als 1,1.
Was StoneCo eigentlich macht
Denk an eine Bäckerei in Recife, einen Friseursalon in Belo Horizonte, einen Kiosk in São Paulo. Alle drei brauchen dasselbe: ein Gerät, mit dem Kunden per Karte oder per Handy zahlen können, ein Konto, auf dem das Geld landet, und in schlechten Monaten einen Kredit, der die Miete überbrückt. Genau diese drei Dinge verkauft StoneCo — und zwar aus einer Hand.
Der Konzern ist juristisch eine Cayman-Holding mit Sitz in George Town; das Geschäft liegt vollständig in Brasilien. Rund 16.367 Menschen arbeiteten dort zum 31. Dezember 2025, davon 3.743 in der inzwischen verkauften Softwaretochter Linx. Der Börsengang an der Nasdaq fand am 25. Oktober 2018 statt; davor firmierte dieselbe SEC-Kennung als DLP Payments Holdings Ltd.
Wichtig für alles Weitere ist, woraus die Erlöse bestehen. Im ersten Quartal 2026 sah die Aufteilung so aus (alle Zahlen in Millionen brasilianischen Real):
- Finanzerträge: 2.582,2 Mio. R$ — 72,2 Prozent aller Erlöse. Das ist im Kern Zinsgeschäft: StoneCo streckt Händlern ihre Kartenumsätze vor, bevor die Kartenherausgeber zahlen, und lässt sich das vergüten. Dazu kommen die Zinsen aus dem eigenen Kreditbuch.
- Sonstige Finanzerträge: 262,5 Mio. R$ — Zinsen auf die eigene Kasse.
- Netto-Erlöse aus Transaktionen: 481,4 Mio. R$ — die klassische Gebühr je Kartenzahlung.
- Abonnements und Gerätemiete: 251,8 Mio. R$ — die Terminals selbst.
Das ist die erste Überraschung für jeden, der StoneCo für einen Bezahldienstleister hält: Fast drei Viertel der Erlöse sind Zinserträge. StoneCo ist ökonomisch näher an einer Bank für Kleinstunternehmer als an einem Terminal-Hersteller. Wer über diese Aktie nachdenkt, denkt über ein Kreditbuch nach — nicht über Plastikkästchen.
Und noch etwas gehört an den Anfang, weil es jede spätere Zahl betrifft: Berichtet wird in brasilianischen Real, gehandelt wird in US-Dollar. Der Geschäftsbericht sagt es in einem einzigen Satz.
„Unless otherwise indicated, we have translated real amounts into U.S. dollars using a rate of R$5.5024 to US$1.00, the commercial selling rate for U.S. dollars as of December 31, 2025 as reported by the Central Bank.“
Übersetzung: „Sofern nicht anders angegeben, haben wir Real-Beträge zu einem Kurs von R$5,5024 je US$1,00 in US-Dollar umgerechnet — dem kommerziellen Verkaufskurs für US-Dollar zum 31. Dezember 2025 laut Zentralbank.“
— StoneCo Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Abschnitt „Financial information in U.S. dollars“
Ein Hinweis zur Berichtspflicht, weil er im Folgenden ständig auftaucht: StoneCo gilt bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Privatemittent. Solche Unternehmen reichen einen Jahresbericht auf Form 20-F ein und melden alles Unterjährige auf Form 6-K. Einen Quartalsbericht 10-Q gibt es nicht — die Quartalszahlen stecken als Anlage in den 6-K. Wer nach „StoneCo 10-Q“ sucht, sucht vergeblich.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
StoneCo kam nicht über eine Nachricht auf unsere Liste, sondern über eine Sortierung. Der hauseigene Aktien-Scanner K-FCF-Ranking sammelt alle Aktien mit positivem freiem Mittelzufluss und einem Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von höchstens 10 und sortiert sie aufsteigend — die rechnerisch günstigsten zuerst.
So sah die Momentaufnahme aus, selbst gemessen auf der Live-Seite am 27. Juli 2026 (Listenstand 26. Juli 2026):
- Platz 20 der US-Auswahl mit einem angezeigten Wert von 1,1
- Die deutsche Liste umfasst alle Märkte und zählte an diesem Tag 835 Treffer
- Angezeigt werden je Marktauswahl die 25 stärksten Zeilen
Zum Nachmachen: Rubrik „Aktien“ öffnen, „Scanner“ wählen, „K-FCF-Ranking“ anklicken, oben den Markt-Filter auf USA stellen und die Zeile STNE suchen. Diese Listen werden täglich neu berechnet. Platz 20 ist eine datierte Momentaufnahme vom 27. Juli 2026, kein Dauerzustand.
Was misst die Kennzahl überhaupt? Börsenwert geteilt durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale. Der freie Mittelzufluss ist das, was nach allen Investitionen in der Kasse bleibt — theoretisch also das Geld, das für Dividenden, Rückkäufe oder Schuldenabbau zur Verfügung steht. Ein Wert von 10 heißt: Zehn Jahre dieses Zuflusses entsprechen dem heutigen Preis. Ein Wert von 1,1 hieße: ein gutes Jahr.
Und jetzt die erste Gegenprobe. Der Börsenwert kommt aus den Marktdaten und steht in US-Dollar. Der Mittelzufluss kommt aus der Kapitalflussrechnung und steht in brasilianischen Real. Die Division mischt also zwei Währungen. Rechnen wir beide Seiten auf dieselbe Währung um — mit dem Kurs, den StoneCo selbst im Jahresbericht nennt, R$4,965 je US-Dollar zum 22. April 2026 —, dann wird aus rund 2,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert ein Wert von rund 13,0 Milliarden R$. Geteilt durch die 2.402,6 Mio. R$ freien Mittelzufluss der vier Quartale ergibt das ein Verhältnis von rund 5,4.
Merk dir den Satz: Eine Kennzahl ist nur so gut wie die Einheit, in der ihre beiden Seiten stehen. 5,4 ist immer noch niedrig. Aber es ist ein anderer Befund als 1,1 — und der Unterschied ist kein Rechenfehler dieser Analyse, sondern der Unterschied zwischen zwei Währungen.
Damit ist die Sache aber noch nicht erledigt. Die zweite Frage lautet: Woraus besteht der Nenner? Bei einem Zahlungsdienstleister mit eigenem Kreditbuch ist das keine akademische Frage. Genau dahin gehen wir jetzt.
Zur Einordnung noch ein Wort: Ein Kennzahl-Ranking ist kein Qualitätsurteil. Es sortiert das Universum nach einer einzigen Größe. Ob diese Größe hält, was sie verspricht, entscheidet nicht die Liste, sondern der Geschäftsbericht. Wir haben dieselbe Prüfung schon bei einem anderen Titel aus derselben Liste gemacht — bei einem Verbraucherkreditgeber, dessen Cashflow ebenfalls aus dem Kreditbuch stammt: unsere Analyse zu Oportun Financial zeigt dasselbe Muster in einer anderen Währung.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was StoneCo wirklich kann. Dieses Unternehmen wächst, und es verdient dabei Geld — beides drei Jahre in Folge.
Die Zahlen im Einzelnen, alle aus fortgeführtem Geschäft und damit ohne die verkaufte Software-Sparte. Die Jahre 2023 und 2024 hat StoneCo dafür rückwirkend angepasst, weil Linx seit dem zweiten Quartal 2025 als aufgegebener Geschäftsbereich gilt — im Jahresbericht sind beide Vorjahre ausdrücklich als „Recast“ gekennzeichnet:
- Erlöse und Erträge: 10.761,2 Mio. R$ (2023), 12.049,6 Mio. R$ (2024), 14.153,8 Mio. R$ (2025)
- Nettoergebnis: 1.554,6 Mio. R$, 2.020,6 Mio. R$, 2.377,1 Mio. R$
- Ergebnis je Aktie (unverwässert): 4,96 R$, 6,68 R$, 8,85 R$
- Zahlungsvolumen (TPV): 438,3 Mrd. R$, 516,2 Mrd. R$, 560,9 Mrd. R$
- Aktive Zahlungskunden: 3.522,1 Tausend, 4.172,7 Tausend, 4.803,5 Tausend
Bemerkenswert ist, wie stark das Ergebnis je Aktie gestiegen ist: um 78 Prozent in zwei Jahren, während das Nettoergebnis um 53 Prozent zulegte. Der Unterschied ist kein Buchhaltungstrick, sondern Aktienrückkauf. 2025 kaufte StoneCo für 3,0 Milliarden R$ eigene Aktien zurück und senkte die Aktienzahl um 40,3 Millionen Stück. Übersetzt: Dein Stück vom Kuchen wird größer, weil das Unternehmen Stücke aus dem Verkehr zieht.
Auch die Bilanz ist keine Baustelle. Zum 31. März 2026 stand ein Eigenkapital von 12.282,7 Mio. R$ in den Büchern, die vom Unternehmen ausgewiesene bereinigte Nettoliquidität — eine Kennzahl außerhalb der IFRS-Regeln, die Kasse, kurzfristige Anlagen und Forderungen gegen Kartenherausgeber den Einlagen und Schulden gegenüberstellt — betrug 4.939,1 Mio. R$ nach 2.588,1 Mio. R$ zum Jahresende 2025. Die Eigenkapitalrendite lag im ersten Quartal 2026 bei 18,6 Prozent.
Und das Wachstum ist nicht zu Ende. Die Kreditsparte, um die es gleich noch ausführlich geht, steigerte ihre Erlöse binnen eines Jahres von 103,8 auf 297,1 Mio. R$ — plus 186,2 Prozent. Das Volumen der Sofortzahlungen über den brasilianischen Zentralbank-Standard Pix wuchs im Zahlungsgeschäft um 37,3 Prozent auf 27,4 Mrd. R$ je Quartal.
Jetzt die andere Seite derselben Medaille. Sie ist unbequem, und sie besteht aus mehr als einem Punkt.
Was in den Berichten steht
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der freie Mittelzufluss des Jahres 2025 war negativ
Die Rangliste sagt: 1,1 Jahre freier Mittelzufluss. Der Jahresbericht sagt etwas anderes. Für das Geschäftsjahr 2025 weist StoneCo einen Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft von 676,6 Mio. R$ aus. Investiert wurden im selben Jahr 1.188,6 Mio. R$ — 705,6 Mio. R$ in Sachanlagen und 483,0 Mio. R$ in selbst entwickelte Software. Zieht man das eine vom anderen ab, bleibt ein Minus von rund 512 Mio. R$.
Und das Jahr davor war schlechter: 2024 flossen aus dem laufenden Geschäft 3.621,4 Mio. R$ ab. 2023 flossen 1.647,7 Mio. R$ zu. Drei Jahre, drei völlig verschiedene Vorzeichen und Größenordnungen — bei einem Geschäft, dessen Erlöse in derselben Zeit gleichmäßig gewachsen sind.
Wie passt das zum Wert 1,1? Ganz einfach: Die Rangliste rechnet nicht mit dem Kalenderjahr, sondern mit den letzten vier gemeldeten Quartalen. Und in diesem Fenster steckt ein Ausreißer.
Die vier Quartale im Fenster: plus 68,6 Mio. R$ (2. Quartal 2025), minus 1.319,3 Mio. R$ (3. Quartal 2025), plus 553,3 Mio. R$ (4. Quartal 2025) und plus 3.100,0 Mio. R$ (1. Quartal 2026). Macht in Summe 2.402,6 Mio. R$ — und ohne das letzte Quartal wäre die Summe negativ. Der gesamte Aufhänger dieser Analyse hängt an einem einzigen Dreimonatszeitraum.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Dieses eine Quartal ist ein Abrechnungseffekt
Sehen wir uns dieses erste Quartal 2026 genauer an. Der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft betrug laut Quartalsmitteilung 3.343,3 Mio. R$ gegenüber 624,3 Mio. R$ im Vorjahresquartal. Woher kommt der Sprung? Die Kapitalflussrechnung nennt die Zeilen:
- Forderungen gegen Kartenherausgeber: plus 3.901,1 Mio. R$. Der Bestand schrumpfte von 41.275,2 auf 37.843,3 Mio. R$ — das setzte Geld frei.
- Verbindlichkeiten gegenüber Händlern: minus 2.645,3 Mio. R$. Die Gegenbewegung.
- Erhaltene Zinserträge, netto: plus 1.890,8 Mio. R$.
- Gezahlte Zinsen: minus 427,5 Mio. R$.
Ohne die eine Zeile „Forderungen gegen Kartenherausgeber“ wäre der operative Mittelzufluss des Quartals negativ gewesen. Was hier als Cashflow erscheint, ist die Bewegung eines Abrechnungsbuchs: Geld, das ohnehin zwischen Kartenherausgebern, StoneCo und Händlern hin- und herwandert. Es ist kein verdienter Gewinn, sondern eine Momentaufnahme des Zeitpunkts, an dem die Quartalsuhr stehen bleibt.
Man muss das StoneCo nicht unterstellen — das Unternehmen schreibt es selbst in den Jahresbericht, und zwar erstaunlich offen:
„Sale of receivables: the sale of receivables results in the derecognition of our Accounts Receivable from Card Issuers. As a result, when a prepayment operation is funded through the true sale of receivables, both Accounts Receivable from Card Issuers and Accounts Payable to Clients are derecognized from our balance sheet in the same amount and the combined effect to our cash flows is a positive operational cash flow equivalent to our net fees earned by providing such prepayment service.“
Übersetzung: „Verkauf von Forderungen: Der Verkauf von Forderungen führt zur Ausbuchung unserer Forderungen gegen Kartenherausgeber. Wird eine Vorfinanzierung über einen echten Forderungsverkauf finanziert, werden Forderungen gegen Kartenherausgeber und Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in gleicher Höhe aus unserer Bilanz ausgebucht, und der Gesamteffekt auf unsere Zahlungsströme ist ein positiver operativer Cashflow in Höhe unserer Netto-Gebühren aus dieser Vorfinanzierung.“
— StoneCo Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 5.B, Hinweis zur Wirkung verschiedener Finanzierungsquellen
Weiter unten in derselben Passage steht der Spiegelfall: Finanziert StoneCo die Vorfinanzierung aus eigenem Kapital, bleiben die Forderungen in der Bilanz, die Verbindlichkeiten verschwinden — und der operative Cashflow wird negativ. Dasselbe Geschäft, dieselbe Marge, entgegengesetztes Vorzeichen in der Kennzahl.
Merksatz: Bei einem Vorfinanzierer misst der operative Cashflow die Finanzierungsart, nicht die Ertragskraft. Wer StoneCo über den Cashflow bewerten will, bewertet eine Entscheidung der Treasury-Abteilung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Kreditbuch wächst schneller als seine Qualität
Die spannendste Geschichte bei StoneCo ist zugleich die riskanteste. Der Konzern baut seit 2023 wieder ein eigenes Kreditbuch auf — Betriebsmittelkredite und Kreditkarten für dieselben kleinen Händler, deren Kartenumsätze er ohnehin sieht. Das ist ein starkes Argument: Kaum jemand kennt den Umsatz eines Kiosks so gut wie der, der ihn abrechnet.
Die Zahlen zum 31. März 2026 zeigen beide Seiten:
- Kreditportfolio: 3.224,9 Mio. R$ — plus 122,5 Prozent binnen zwölf Monaten
- Krediterlöse im Quartal: 297,1 Mio. R$ — plus 186,2 Prozent
- Durchschnittlicher Monatszins: 3,3 Prozent nach 2,6 Prozent im Vorjahresquartal
- Risikovorsorge im Quartal: 166,3 Mio. R$ — plus 389,2 Prozent
- Risikokosten: 21,9 Prozent nach 10,2 Prozent
- Über 90 Tage überfällig: 6,98 Prozent nach 4,57 Prozent
- 15 bis 90 Tage überfällig: 4,97 Prozent nach 2,61 Prozent
Beide Ausfallquoten haben sich in zwölf Monaten grob verdoppelt beziehungsweise um die Hälfte erhöht — und zwar in einem Portfolio, das gleichzeitig auf mehr als das Doppelte gewachsen ist. Junge Kredite fallen selten früh aus; wenn die Quote trotz starker Verwässerung durch Neugeschäft steigt, ist das ein ernstes Zeichen. Das Unternehmen selbst nennt als Gründe zusätzliche Ausfälle bei größeren Kunden und „frühe Anzeichen schwächerer Entwicklung in jüngeren Jahrgängen“.
Der Jahresbericht ist an dieser Stelle ebenfalls deutlich:
„As of December 31, 2025, our credit portfolio amounted to R$2,836 million with provisions for expected credit losses totaling R$389.7 million, compared with a credit portfolio of R$1,207.6 million and expected credit losses of R$144.5 as of December 31, 2024.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 belief sich unser Kreditportfolio auf 2.836 Mio. R$ bei Rückstellungen für erwartete Kreditausfälle von insgesamt 389,7 Mio. R$, verglichen mit einem Kreditportfolio von 1.207,6 Mio. R$ und erwarteten Kreditausfällen von 144,5 zum 31. Dezember 2024.“
— StoneCo Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D, Risikofaktor zum Kreditrisiko
Die Folge ist in der Erfolgsrechnung schon sichtbar: Die bereinigte Bruttomarge fiel von 44,4 Prozent im ersten Quartal 2025 auf 41,6 Prozent im ersten Quartal 2026. Der bereinigte Bruttogewinn stagnierte bei 1.487,8 Mio. R$, obwohl die Erlöse um 6,5 Prozent zulegten. Das Wachstum kommt an, aber es kommt teurer an.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kopfzahl des letzten Quartals ist kein Betriebsergebnis
Wer die Quartalsmitteilung nur überfliegt, liest ein Ergebnis je Aktie von 7,17 R$ — nach 1,83 R$ im Vorjahresquartal. Das wäre eine Vervierfachung. Das bereinigte Ergebnis derselben Periode beträgt jedoch 2,19 R$.
Der Unterschied ist ein einmaliger Steuereffekt. Nach einer konzerninternen Umstrukturierung darf StoneCo den Firmenwert aus der Linx-Übernahme steuerlich abschreiben. Der gesamte künftige Vorteil wurde nach IFRS sofort in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst:
„Income tax and social contribution was a gain of R$1,153.3 million. This can be explained by a non recurring gain of R$1,242.6 million from the recognition of Deferred Tax Assets related to the goodwill from the Linx acquisition.“
Übersetzung: „Ertragsteuern und Sozialabgaben ergaben einen Ertrag von 1.153,3 Mio. R$. Das erklärt sich durch einen einmaligen Ertrag von 1.242,6 Mio. R$ aus dem Ansatz latenter Steueransprüche im Zusammenhang mit dem Firmenwert aus der Linx-Übernahme.“
— StoneCo Ltd., SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 14. Mai 2026, Ergebnisbericht 1Q26
Fairerweise: StoneCo weist den Effekt selbst aus, rechnet ihn aus den bereinigten Zahlen heraus und erklärt ihn in einer eigenen Tabelle. Wer nur die Kopfzahl liest, ist selbst schuld — aber viele Datenanbieter lesen genau diese Kopfzahl. Das ist einer der Gründe, warum in den Marktdaten ein Ergebnis je Aktie steht, das mit dem operativen Verlauf wenig zu tun hat.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die teuerste Rückkauf-Tranche war die jüngste
Aktienrückkäufe sind bei StoneCo kein Nebenschauplatz, sondern erklärte Kapitalpolitik. Seit September 2023 wurden vier Programme abgeschlossen. Der Jahresbericht nennt die Durchschnittspreise:
- September 2023: 5.733.740 Aktien zu 10,31 US-Dollar
- November 2023: 13.202.939 Aktien zu 13,52 US-Dollar
- November 2024: 29.305.630 Aktien zu 9,56 US-Dollar
- Mai 2025: 21.871.991 Aktien zu 16,34 US-Dollar (357,3 Mio. US-Dollar)
Die zuletzt abgeschlossene Tranche war damit die mit Abstand teuerste — gut 70 Prozent über dem Durchschnittspreis des Vorgängerprogramms. Rückkäufe schaffen nur dann Wert, wenn sie unter dem inneren Wert erfolgen; sonst sind sie eine Umverteilung von den bleibenden zu den verkaufenden Aktionären. Zum Vergleich als datierter Anker: Der Schlusskurs am 24. Juli 2026 lag bei 10,76 US-Dollar, dazu erhielten Aktionäre am 4. Mai 2026 eine Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie.
Das im Dezember 2025 beschlossene Nachfolgeprogramm über 2,0 Mrd. R$ war zum 31. Dezember 2025 noch nicht in Anspruch genommen.
Bewertung — dieselbe Aktie, zwei Währungen
Fangen wir mit dem Anker an, und zwar sauber getrennt nach Währung. Am 24. Juli 2026 schloss die Aktie bei 10,76 US-Dollar. Zum 31. März 2026 waren 229.177.062 Klasse-A-Aktien und 14.051.164 Klasse-B-Aktien ausgegeben, zusammen 243,2 Millionen Stück. Daraus ergibt sich ein Börsenwert von rund 2,6 Milliarden US-Dollar.
Jetzt die Gegenseite, in Real: Das Nettoergebnis aus fortgeführtem Geschäft betrug 2025 2.377,1 Mio. R$. Um beides vergleichen zu können, muss eine der beiden Seiten die Währung wechseln. Wir nehmen den Kurs, den StoneCo selbst nennt — R$4,965 je US-Dollar zum 22. April 2026 — und rechnen den Börsenwert in Real um: rund 13,0 Milliarden R$.
Damit ergeben sich, alle Zahlen in derselben Währung:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 5,5 (13,0 Mrd. R$ Börsenwert gegen 2.377,1 Mio. R$ Jahresgewinn 2025)
- Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis: rund 5,4 (gegen 2.402,6 Mio. R$ der letzten vier Quartale) — aber ohne die Frage zu beantworten, ob dieser Mittelzufluss wiederkehrt
- Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 0,9 (gegen 14.153,8 Mio. R$ Erlöse 2025)
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: rund 1,1 (gegen 12.282,7 Mio. R$ Eigenkapital zum 31. März 2026)
Das ist die ehrliche Größenordnung: ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis und etwa Buchwert. Für ein Unternehmen, das drei Jahre in Folge Erlöse und Gewinne gesteigert hat, ist das nicht teuer. Es ist aber auch nicht das Preisschild, das die Rangliste zeigt.
Warum bezahlt der Markt so wenig? Es gibt zwei ernstzunehmende Antworten. Die erste heißt Brasilien: Der Leitzins SELIC erreichte am 18. Juni 2025 mit 15,0 Prozent einen Höchststand und stand zum Datum des Jahresberichts am 23. April 2026 bei 14,75 Prozent. Der Real wertete 2024 um 21,8 Prozent ab und 2025 um 12,5 Prozent auf. Wer in Dollar rechnet, trägt diese Schwankung mit — ohne dass sich am Geschäft irgendetwas ändert.
Die zweite Antwort heißt Wettbewerb, und zwar aus einer ungewöhnlichen Richtung. Der schärfste Konkurrent ist keine Firma, sondern die brasilianische Zentralbank: Ihr kostenloser Sofortzahlungs-Standard Pix hat sich seit 2020 zum bevorzugten Ersatz für Debit- und Prepaid-Karten entwickelt. Der Jahresbericht führt Pix als eigenen Risikofaktor und weist darauf hin, dass mit den Erweiterungen „Pix Parcelado“ (Ratenzahlung) und „Pix Automático“ (wiederkehrende Zahlungen) auch das Kreditkartengeschäft unter Druck geraten kann. Dazu kommen Nubank, PagSeguro, Mercado Pago und die Großbanken — der Bericht nennt die Lage in einem Satz „highly competitive“, also hart umkämpft.
Der Blick der Profis fällt trotzdem freundlich aus: 14 Analysten führen die Aktie, davon zehn mit der besten und drei mit der zweitbesten Stufe, einer neutral. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 16,09 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026). Auch hier gilt die Währungsregel: Das Kursziel steht in Dollar, der Gewinn dahinter in Real. Zwischen beiden liegt ein Wechselkurs, den kein Analyst steuert.
Wer sehen will, wie dieselben Fragen bei einem etablierten Zahlungsabwickler aussehen, findet den Vergleich in unserer Analyse zu FIS — dort ist die Währung einheitlich, die Frage nach der Qualität des Cashflows aber dieselbe.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für StoneCo spricht
- Drei Jahre in Folge steigende Erlöse und steigende Gewinne aus fortgeführtem Geschäft: 10.761,2 → 12.049,6 → 14.153,8 Mio. R$ Erlöse, 1.554,6 → 2.020,6 → 2.377,1 Mio. R$ Gewinn.
- Ein Ergebnis je Aktie, das dank Rückkäufen schneller wächst als der Gewinn: 4,96 → 6,68 → 8,85 R$.
- Hohe Kapitalrückgabe: 3,0 Mrd. R$ Rückkäufe im Jahr 2025 und eine Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie am 4. Mai 2026.
- Ein fokussiertes Geschäft nach dem Verkauf von Linx und SimplesVet — der Konzern berichtet seit dem dritten Quartal 2025 als ein einziges Segment.
- Bereinigte Nettoliquidität von 4.939,1 Mio. R$ zum 31. März 2026 und eine Eigenkapitalrendite von 18,6 Prozent im ersten Quartal 2026.
- Ein Kreditgeschäft mit strukturellem Informationsvorteil: StoneCo sieht die Kartenumsätze seiner Kreditnehmer.
Was dagegen spricht
- Der freie Mittelzufluss des Geschäftsjahres 2025 war negativ; der Zwölfmonatswert, auf dem die Rangliste beruht, stammt fast vollständig aus einem einzigen Quartal.
- Die Ausfallquoten des jungen Kreditbuchs steigen schnell: über 90 Tage überfällig von 4,57 auf 6,98 Prozent, Risikokosten von 10,2 auf 21,9 Prozent binnen zwölf Monaten.
- Die bereinigte Bruttomarge fiel von 44,4 auf 41,6 Prozent; der bereinigte Bruttogewinn stagniert trotz Erlöswachstum.
- Das Zahlungsvolumen wuchs im ersten Quartal 2026 nur noch um 2,7 Prozent; das Kartenvolumen schrumpfte sogar um 3,3 Prozent. Die aktive Kundenbasis fiel gegenüber dem Vorquartal um 4,8 Prozent.
- Pix ist ein von der Zentralbank betriebener, kostenloser Wettbewerber, den kein Unternehmen unterbieten kann — und er dringt mit Raten- und Dauerzahlungen in das Kreditkartengeschäft vor.
- Währungs- und Zinsrisiko: Berichtet wird in Real, gehandelt in Dollar. Jede Kennzahl, die beides mischt, ist irreführend — die des Rankings eingeschlossen.
- Zwei Aktiengattungen: André Street hält 100 Prozent der Klasse-B-Aktien und damit 39,45 Prozent der Stimmrechte bei 7,97 Prozent der Anteile (Stand 31. März 2026).
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Marktstand in Salvador. Das Schild sagte 50 — und die Frage war nie, ob 50 viel oder wenig ist. Die Frage war: 50 was?
Bei StoneCo sagt die Rangliste 1,1. Die ehrliche Antwort lautet: rund 5,4, sobald beide Seiten der Division in derselben Währung stehen. Und selbst diese 5,4 ruhen auf einem Quartal, in dem sich ein Abrechnungsbuch geleert hat, nicht auf einem Jahr, in dem Geld verdient wurde. Im Gesamtjahr 2025 blieb nach Investitionen nichts übrig.
Das macht StoneCo nicht zu einem schlechten Unternehmen — im Gegenteil. Hier wächst ein profitables Geschäft mit einem echten Vorteil gegenüber jeder Bank: Wer die Kasse eines Händlers abrechnet, weiß vor allen anderen, ob er einen Kredit zurückzahlen kann. Genau diesen Vorteil baut StoneCo gerade aggressiv aus. Ob das gutgeht, entscheidet sich nicht an einer Rangliste, sondern an einer einzigen Zeile in der nächsten Quartalsmitteilung: der Quote der über 90 Tage überfälligen Forderungen. Sie stand zuletzt bei 6,98 Prozent und stieg vier Quartale in Folge.
Wir haben in diesem Artikel nichts entdeckt, was das Unternehmen verschweigt. Alles stand in den Berichten — die Währungsregel auf Seite 1, die Cashflow-Mechanik im Lagebericht, die Ausfallquoten in der Quartalstabelle. Was fehlte, war die Einheit hinter der Zahl.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- SEC-Jahresbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2025, StoneCo Ltd., CIK 0001745431, eingereicht am 23. April 2026 (Item 3.A Kennzahlenübersicht, Item 3.D Risikofaktoren, Item 5.B Liquidität und Kapitalflussrechnung, Item 6.D Beschäftigte, Item 7.A Beteiligungsverhältnisse, Item 16E Aktienrückkäufe)
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 14. Mai 2026, Ergebnisbericht für das erste Quartal 2026 (jüngster Periodenbericht) — Kennzahlen, Kredittabellen, Kapitalflussrechnung, Bilanz und Überleitung IFRS/bereinigt
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 14. April 2026 — Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie, rund 3,08 Mrd. R$, Zahltag 4. Mai 2026
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 27. Februar 2026 — Vollzug des Linx-Verkaufs nach CADE-Freigabe vom 20. Februar 2026
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 7. Januar 2026 — Wechsel an der Konzernspitze: Mateus Scherer wird ab März 2026 Vorstandschef, Pedro Zinner wechselt in den Verwaltungsrat
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 22. Dezember 2025 — Abschluss der Ausschüttung von 3 Mrd. R$ Überschusskapital und neues Rückkaufprogramm über 2 Mrd. R$
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 22. Juli 2025 — Ankündigung des Verkaufs von Linx an TOTVS (Unternehmenswert 3,05 Mrd. R$ zuzüglich Nettokasse) und von SimplesVet an PetLove
- Screener- und Bewertungsdaten: hauseigener Aktien-Scanner und Fundamentaldaten (Datenstand 24. Juli 2026), darunter das K-FCF-Ranking — selbst gemessen am 27. Juli 2026: 835 Treffer in der deutschen Liste, mit Markt-Filter USA 25 angezeigte Zeilen, darin Platz 20 bei einem Verhältnis von 1,1; die Liste war zuletzt am 26. Juli 2026 neu berechnet worden
Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können einen Totalverlust bedeuten; Aktien aus Schwellenländern tragen zusätzlich ein Währungs- und ein politisches Risiko. Alle Geschäftszahlen stammen aus den genannten SEC-Berichten und stehen in brasilianischen Real, alle Kurs- und Börsenwertangaben in US-Dollar. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in StoneCo Ltd.
Unser Fazit auf einen Blick
- Ertragskraft im Kerngeschäft positiv
- Die Erlöse aus fortgeführtem Geschäft stiegen von 10.761,2 Mio. R$ (2023) über 12.049,6 Mio. R$ (2024) auf 14.153,8 Mio. R$ (2025), das Nettoergebnis von 1.554,6 auf 2.377,1 Mio. R$. Das Zahlungsvolumen wuchs im selben Zeitraum von 438,3 auf 560,9 Mrd. R$. Drei Jahre in Folge steigende Erlöse und steigende Gewinne sind belegt (20-F für 2025, Item 3.A).
- Aufhänger und Datenlage neutral
- Platz 20 der US-Auswahl im hauseigenen K-FCF-Ranking mit dem Wert 1,1, selbst gemessen am 27. Juli 2026 (835 Treffer in der deutschen Liste, 25 angezeigte Zeilen, Listenstand 26. Juli 2026). Die Rechnung stimmt, misst hier aber einen Dollar-Börsenwert gegen einen Real-Cashflow. In einer Währung gerechnet ergibt sich rund 5,4 — immer noch niedrig, aber ein anderer Befund.
- Freier Mittelzufluss negativ
- Im Geschäftsjahr 2025 standen 676,6 Mio. R$ Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft 1.188,6 Mio. R$ Investitionen gegenüber; frei blieb nichts. 2024 war der operative Mittelzufluss mit minus 3.621,4 Mio. R$ deutlich negativ. Der positive Zwölfmonatswert stammt fast vollständig aus dem ersten Quartal 2026, in dem allein die Forderungen gegen Kartenherausgeber 3.901,1 Mio. R$ freisetzten (20-F, 6-K vom 14.05.2026).
- Kreditqualität negativ
- Das Kreditbuch wuchs binnen zwölf Monaten um 122,5 Prozent auf 3.224,9 Mio. R$ zum 31.03.2026. Gleichzeitig stieg die Quote der über 90 Tage überfälligen Forderungen von 4,57 auf 6,98 Prozent, die der 15 bis 90 Tage überfälligen von 2,61 auf 4,97 Prozent und die Risikokosten von 10,2 auf 21,9 Prozent. Das Unternehmen nennt selbst „frühe Anzeichen schwächerer Entwicklung in jüngeren Jahrgängen“ (6-K vom 14.05.2026).
- Kapitalrückgabe positiv
- Für 3,0 Mrd. R$ wurden 2025 eigene Aktien zurückgekauft, die Aktienzahl sank um 40,3 Millionen Stück; im Zwölfmonatszeitraum bis 31.03.2026 waren es 2,7 Mrd. R$ und 32,4 Millionen Aktien. Dazu kam am 04.05.2026 eine Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie (rund 3,08 Mrd. R$). Gemessen an einem Börsenwert von rund 2,6 Mrd. US-Dollar ist das eine ungewöhnlich hohe Rückgabequote (20-F Item 16E, 6-K vom 14.04.2026).
- Zins- und Währungsumfeld neutral
- Der brasilianische Leitzins SELIC erreichte am 18.06.2025 mit 15,0 Prozent einen Höchststand und lag zum Datum des Jahresberichts (23.04.2026) bei 14,75 Prozent. Hohe Zinsen steigern die Finanzerträge, die 2025 mit 10.017,3 Mio. R$ den größten Erlösblock stellten, verteuern aber zugleich die Refinanzierung und belasten die Händler. Der Real wertete 2024 um 21,8 Prozent ab und 2025 um 12,5 Prozent auf (20-F für 2025).
StoneCo ist kein Bilanzfall, sondern ein Messfall. Das Geschäft wächst, ist profitabel und gibt viel Kapital zurück: 14.153,8 Mio. R$ Erlöse und 2.377,1 Mio. R$ Gewinn aus fortgeführtem Geschäft im Jahr 2025, dazu 3,0 Mrd. R$ Aktienrückkäufe und eine Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie im Mai 2026. Die Kennzahl, die den Titel auf Platz 20 des K-FCF-Rankings hebt, entsteht dagegen aus zwei Währungen und aus einem einzigen Quartal: In einer Währung gerechnet liegt das Verhältnis bei rund 5,4, und im Gesamtjahr 2025 war der freie Mittelzufluss negativ. Wer hier hinschaut, sollte nicht auf die Rangliste blicken, sondern auf die Ausfallquoten des jungen Kreditbuchs. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier für ein gesundes Geschäft mit einer unklaren Messlage. Für die freundliche Seite sprechen drei Jahre steigender Erlöse und Gewinne, eine bereinigte Nettoliquidität von 4.939,1 Mio. R$ zum 31.03.2026, eine Eigenkapitalrendite von 18,6 Prozent im ersten Quartal 2026 und eine Kapitalrückgabe, die 2025 allein über Rückkäufe 3,0 Mrd. R$ erreichte. Gegen die grüne Stufe sprechen ebenso belegte Punkte: Der freie Mittelzufluss des Geschäftsjahres 2025 war negativ, die Quote der über 90 Tage überfälligen Kreditforderungen stieg binnen zwölf Monaten von 4,57 auf 6,98 Prozent, die Risikokosten verdoppelten sich auf 21,9 Prozent, und die bereinigte Bruttomarge fiel von 44,4 auf 41,6 Prozent. Für die rote Stufe fehlt jede Grundlage: Es gibt keinen Fortführungsvorbehalt, kein negatives Eigenkapital, keine gerissene Auflage. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner, K-FCF-Ranking, US-Auswahl Platz 20 mit dem Wert 1,1 — selbst gemessen auf der Live-Seite am 27. Juli 2026, Listenstand 26. Juli 2026. Die deutsche Liste zählte 835 Treffer, angezeigt werden 25 Zeilen. Die Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierung ist eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
- Datenstand: Geschäftszahlen aus dem 20-F für 2025 (eingereicht 23.04.2026) und aus der Quartalsmitteilung 6-K zum 31.03.2026 (eingereicht 14.05.2026). Kurs- und Bewertungsdaten zum 24. Juli 2026. Alle Geschäftszahlen in brasilianischen Real, alle Kursangaben in US-Dollar; es wird nirgends umgerechnet außer dort, wo es ausdrücklich steht.
- Verwechslungsgefahr: StoneX Group Inc. (NASDAQ: SNEX) ist ein US-Broker für Rohstoffe und Devisen und hat mit StoneCo nichts zu tun — beide standen am 27. Juli 2026 im selben Ranking nur fünf Zeilen auseinander. Ebenfalls nicht gemeint ist die frühere Firmierung desselben CIK, DLP Payments Holdings Ltd. (bis 29.08.2018).
- Übernahme-Prüfung: Es läuft kein Übernahmeangebot, kein Take-private und kein Fusionsvertrag auf StoneCo. Der aktuelle M&A-Vorgang ist ein Verkauf durch StoneCo — Linx an TOTVS, vollzogen am 27. Februar 2026.
Häufige Fragen
Weil die Liste den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale teilt und dabei zwei Dinge zusammentreffen. Erstens steht der Börsenwert in US-Dollar, der Mittelzufluss in brasilianischen Real. Zweitens fiel in dieses Fenster das erste Quartal 2026 mit 3.100 Mio. R$ freiem Mittelzufluss — mehr als die drei Quartale davor zusammen. Beides zusammen ergibt am 27. Juli 2026 den Wert 1,1.
StoneCo ist eine Cayman-Holding mit brasilianischem Geschäft. Die funktionale und die Berichtswährung ist der brasilianische Real, gehandelt wird die Aktie in US-Dollar an der Nasdaq. Marktdaten liefern den Börsenwert deshalb in Dollar, die Kapitalflussrechnung aber in Real. Wer beide Seiten mit dem im 20-F genannten Kurs von R$4,965 je US-Dollar (22. April 2026) auf dieselbe Währung bringt, landet bei rund 5,4 statt 1,1.
StoneCo gilt bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Privatemittent. Diese Unternehmen reichen einmal jährlich einen Jahresbericht auf Form 20-F ein und melden unterjährige Ereignisse auf Form 6-K. Ein Quartalsbericht 10-Q ist für sie nicht vorgesehen. Die Quartalszahlen stecken deshalb in den Anlagen der 6-K — für das erste Quartal 2026 in der Einreichung vom 14. Mai 2026.
Weil StoneCo Kartenumsätze vorfinanziert. Zwischen Kartenzahlung und Auszahlung an den Händler liegen Forderungen gegen Kartenherausgeber und Verbindlichkeiten gegenüber Händlern in Milliardenhöhe. Der Geschäftsbericht erklärt selbst, dass allein die Wahl der Finanzierung darüber entscheidet, ob dasselbe Geschäft im operativen oder im Finanzierungs-Cashflow landet. Der Jahreswert schwankte zwischen minus 3.621,4 Mio. R$ (2024) und plus 1.647,7 Mio. R$ (2023).
Der Verkauf an TOTVS wurde am 27. Februar 2026 vollzogen; im ersten Quartal 2026 flossen daraus 3.090,4 Mio. R$ zu. Am 14. April 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine einmalige Sonderdividende von 2,53 US-Dollar je Aktie, ausgezahlt am 4. Mai 2026, in Summe rund 3,08 Mrd. R$. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass daraus keine Dividendenpolitik wird.
Es ist der wichtigste Wachstumstreiber und zugleich der größte Unsicherheitsfaktor. Die Kreditforderungen wuchsen bis zum 31. März 2026 auf 3.224,9 Mio. R$, die Krediterlöse im Quartal auf 297,1 Mio. R$. Gleichzeitig stiegen die Risikovorsorge auf 166,3 Mio. R$ und die Quote der über 90 Tage überfälligen Forderungen auf 6,98 Prozent. Die bereinigte Bruttomarge fiel binnen eines Jahres von 44,4 auf 41,6 Prozent.
Nein. In den SEC-Unterlagen bis zum 27. Juli 2026 findet sich weder ein Übernahmeangebot noch ein Fusionsvertrag oder ein Take-private-Vorhaben für StoneCo. Die Form-425-Einreichungen des Unternehmens stammen sämtlich aus dem Jahr 2020 und gehören zum damaligen Erwerb von Linx. Der aktuelle Unternehmenszusammenschluss läuft in die andere Richtung: StoneCo hat Linx verkauft.
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