Stärke an Stresstagen im Rücktest: Bestes Depot 9,80 % gegen 14,27 % beim Index
Eine Aktie, die an Tagen im Plus schließt, an denen sowohl der Gesamtmarkt als auch die eigene Branche deutlich im Minus liegen — ist das ein verlässliches Kaufsignal? Die Idee stammt vom US-Investor Ben Bennett; wir haben sie als eigene Kennzahl „Stärke an Stresstagen“ nachgebaut und über 181 Monatsstichtage (Juni 2011 bis Juni 2026, 897.326 Ratingzeilen) durchgerechnet. Das Ergebnis ist ehrlich negativ: Mittelwert und Median widersprechen sich systematisch, im obersten Zehntel bleibt der typische Titel zurück, und ausgerechnet im Abschwung dreht der Vorsprung ins klare Minus. Das beste Depot bringt 9,80 % pro Jahr gegen 14,27 % beim S&P 500 — keine einzige Variante schlägt den Index.
Die Frage: Ist Stärke an schlechten Tagen ein Kaufsignal?
Es gibt Aktien, die an schlechten Markttagen kaum nachgeben — während der Rest der Börse rot färbt, bleiben sie grün. Die Idee, genau das systematisch zu messen, stammt vom US-Investor Ben Bennett. Wir haben daraus eine eigene Kennzahl gebaut: Stärke an Stresstagen (kurz Stress-RS). Ein Stresstag ist ein Handelstag, an dem sowohl der Gesamtmarkt als auch die eigene Branche im Median mindestens 0,5 % im Minus schlossen. Über die letzten rund sechs Monate (126 Handelstage) zählen wir, an wie vielen dieser Stresstage eine Aktie trotzdem grün schloss, und leiten daraus ein Perzentil-Rating von 1 bis 99 im Universum ab. Ein laufender Scanner zeigt die stärksten rund 10 % — Aktien mit Rating ab 90, Kurs über 3 $ und ausreichendem Handelsvolumen.
Trägt diese Stärke tatsächlich, oder ist sie nur ein Rückspiegel-Effekt? Wir haben es über 181 Monatsstichtage nachgerechnet — Juni 2011 bis Juni 2026, an US-Aktien inklusive verschwundener Titel. Jede Kernzahl der folgenden Tabellen steht in vier Lesarten: als Mittelwert (arithmetisch, empfindlich für einzelne Ausreißer), als Median (der typische, mittlere Fall), als getrimmtes Mittel (beidseitig um Ausreißer gestutzt) und konservativ gerechnet (eine Position, deren Kursreihe vor dem Horizont endet, zählt als Totalverlust). Wie das nächste Kapitel zeigt, ist bei dieser Kennzahl gerade der Median die ehrlichere Zahl — weil das oberste Zehntel eine Handvoll extremer Gewinner enthält, die den Mittelwert weit nach oben ziehen, ohne dass der typische Titel davon etwas hat.
| Haltedauer | schwächstes Zehntel | mittleres Zehntel | stärkstes Zehntel | Abstand stärkstes − schwächstes | Scanner-Zelle | alle bewerteten Titel | S&P 500 TR |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 Monat | 0,92 % | 0,83 % | 1,03 % | +0,11 pp | 0,55 % | 0,99 % | 1,20 % |
| 3 Monate | 2,72 % | 2,88 % | 3,36 % | +0,64 pp | 1,79 % | 2,97 % | 3,66 % |
| 6 Monate | 5,57 % | 6,08 % | 6,82 % | +1,26 pp | 4,69 % | 6,09 % | 7,38 % |
| 12 Monate | 12,41 % | 13,42 % | 14,54 % | +2,14 pp | 9,26 % | 13,59 % | 15,29 % |
Zur Spalte „Scanner-Zelle“: Sie zeigt genau den Ausschnitt, den der laufende Scanner listet — Rating ab 90 plus Liquiditätsfilter. Sie umfasst das stärkste Zehntel und den Rang 90 aus dem neunten und ist mit dem obersten Zehntel deshalb nicht gleichzusetzen. Auf zwölf Monate stehen 45.801 Beobachtungen im stärksten Zehntel, 11.432 in der Scanner-Zelle und 596.654 im gesamten bewerteten Bestand. Der Vergleichsmaßstab in der letzten Spalte ist über dieselben Stichtage gerechnet wie die Zeile daneben.
Der Widerspruch: Mittelwert stark, Median schwach
Ein Blick auf die Mittelwert-Tabelle oben lässt das oberste Zehntel gut aussehen: Auf zwölf Monaten bringt es im Mittel 14,54 % — mehr als das unterste Zehntel mit 12,41 % und nahe an den 15,29 % des S&P 500. Wer nur den Mittelwert liest, könnte auf ein brauchbares Signal schließen.
Die Median-Tabelle zeichnet ein anderes Bild. Der Median ist der Wert in der Mitte der Verteilung — die Hälfte aller Titel liegt darüber, die Hälfte darunter. Er ist deshalb robust gegen einzelne Ausreißer, während der Mittelwert von ihnen dominiert wird. Genau das passiert im obersten Zehntel: Es hat die breitere rechte Flanke — einzelne Vervielfacher heben den Mittelwert deutlich an —, während der typische Titel darin zurückbleibt. Das oberste Zehntel kauft mit anderen Worten eher Lotterielose als breite Stärke: Eine Minderheit der Positionen liefert extreme Gewinne, die Mehrheit bleibt hinter dem Markt zurück.
| Haltedauer | schwächstes Zehntel | mittleres Zehntel | stärkstes Zehntel | Abstand stärkstes − schwächstes | Scanner-Zelle | alle bewerteten Titel |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 Monat | 0,71 % | 0,07 % | 0,00 % | −0,71 pp | 0,11 % | 0,00 % |
| 3 Monate | 2,18 % | 0,88 % | −0,04 % | −2,22 pp | 0,20 % | 0,57 % |
| 6 Monate | 4,14 % | 1,53 % | −0,01 % | −4,15 pp | 0,85 % | 1,25 % |
| 12 Monate | 8,32 % | 3,66 % | −0,77 % | −9,10 pp | 0,86 % | 3,00 % |
Auf zwölf Monaten liegt das stärkste Zehntel im Mittel bei 14,54 Prozent und damit vor dem schwächsten mit 12,41 Prozent. Im Median dreht sich das Bild: −0,77 Prozent im stärksten Zehntel gegen 8,32 Prozent im schwächsten — ein Abstand von −9,10 Prozentpunkten. Die Scanner-Zelle kommt im Mittel auf 9,26 Prozent gegen 12,86 Prozent beim S&P 500 Total Return über genau dieselben Stichtage, im Median auf 0,86 Prozent. Beide Lesarten stehen auf denselben Beobachtungen; sie messen nur Verschiedenes.
Auf zwölf Monaten zeigt sich der Widerspruch am deutlichsten: Das oberste Zehntel bringt im Median −0,77 % — der typische Titel mit dem höchsten Stress-RS-Rating verliert über ein Jahr also sogar leicht Geld. Das unterste Zehntel bringt im Median dagegen +8,32 %. Der Abstand zwischen oberstem und unterstem Zehntel dreht damit von +2,14 Prozentpunkten im Mittel auf −9,10 Prozentpunkte im Median — ein fast zehn Prozentpunkte großer Vorzeichenwechsel. Auch die Scanner-Zelle, also genau die Aktien, die der Live-Scanner zeigen würde, bleibt im Median schwach: 0,86 % gegenüber 12,86 % beim S&P 500 Total Return über exakt dieselben Stichtage.
Auf zwölf Monaten bringt das oberste Zehntel im Median −0,77 %, das unterste Zehntel dagegen +8,32 % — die Kennzahl kauft Lotterielose, keine breite Stärke.
Quelle: Börsenlotse-Rücktest „Stärke an Stresstagen“, Lauf H-adj, 9. August 2026
Trägt die Stärke wenigstens im Abschwung?
Ein Stärke-Signal sollte sich gerade dann bewähren, wenn es darauf ankommt: im Abschwung, wenn die meisten Aktien fallen. Wir haben deshalb jeden Einstiegs-Stichtag danach eingeteilt, in welchem Marktregime er lag — Bulle oder Bär, wobei eine Bärphase ein Monatsende ist, an dem der S&P 500 Total Return mindestens 10 % unter seinem laufenden Höchststand steht (schwer: mindestens 20 %). Maßgeblich ist ausschließlich das Regime am Einstiegstag, nicht der weitere Verlauf.
| Regime | Stichtage | schwächstes Zehntel (Mittel) | stärkstes Zehntel (Mittel) | Abstand (Mittel) | Abstand (Median) | Scanner-Zelle (Mittel) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bullenphase | 160 | 11,98 % | 15,37 % | +3,40 pp | −8,63 pp | 9,17 % |
| Bärenphase ab −10 % | 19 | 14,09 % | 9,22 % | −4,87 pp | −12,05 pp | 10,41 % |
| schwere Bärenphase ab −20 % | 2 | 24,85 % | 2,71 % | −22,14 pp | −24,38 pp | 7,63 % |
| Bärenphase gesamt | 21 | 15,13 % | 8,63 % | −6,50 pp | −13,20 pp | 10,23 % |
Die letzte Zeile fasst beide Bärenstufen zusammen. Sie steht auf 21 Stichtagen, davon 2 schweren — eine dünne Basis, auf der wir keine Regel aufbauen. Wir zeigen sie, weil die Richtung eindeutig ist und weil ein Stärke-Signal ausgerechnet hier tragen müsste.
Im Bullenmarkt (160 Stichtage) sieht das Bild noch passabel aus: Das oberste Zehntel bringt im Mittel 15,37 % gegen 11,98 % im untersten Zehntel, ein Vorsprung von 3,40 Prozentpunkten. Im Bärenmarkt kehrt sich das Bild vollständig um: Über alle 21 Bär-Stichtage bringt das oberste Zehntel nur 8,63 % gegen 15,13 % im untersten Zehntel — ein Rückstand von 6,50 Prozentpunkten (im Median sogar −13,20 Prozentpunkte, getrimmt −11,58 Prozentpunkte). In den beiden schweren Bär-Stichtagen (mindestens 20 % unter dem Hoch) ist der Rückstand mit −22,14 Prozentpunkten noch extremer. Ausgerechnet dort, wo Stärke am meisten zählen sollte, versagt die Kennzahl also am deutlichsten.
Wichtiger Vorbehalt: Nur 21 Bär-Stichtage stehen zur Verfügung, davon lediglich zwei schwere. Das ist eine dünne Basis. Wir zeigen den Befund deshalb ausdrücklich als Hinweis, nicht als belastbare Regel — er passt aber zum übrigen Bild dieser Studie: Ein hohes Rating bevorzugt keine breite, robuste Stärke.
Was bleibt in einem echten Depot nach Kosten?
Eine Ereignisstudie zeigt, was auf ein Rating folgte — ein Depot zeigt, was ein Anleger tatsächlich verdient hätte, wenn er nach der Kennzahl gehandelt hätte. Wir haben dafür 181 Monate lang mit 0,1 % Kosten je Seite (Kauf und Verkauf) simuliert, was verschiedene Halte- und Ausstiegsregeln gebracht hätten. Zwei Lesarten stehen nebeneinander: gemessen verkauft eine Position zum letzten verfügbaren Kurs, auch wenn die Kursreihe vorher endet; konservativ zählt genau diesen Fall als Totalverlust. Vergleichsmaßstab ist durchgehend der S&P 500 Total Return mit 14,27 % pro Jahr über die 181 Monate — sowie, als zweiter Maßstab, das gleichgewichtete Universum mit 4,77 % pro Jahr.
| Auswahl | Regel | Positionen | p. a. gemessen | p. a. konservativ | größter Rückschlag | S&P 500 TR | gleichgewichtetes Universum |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| stärkstes Zehntel | 1 Monat halten | 13.510 | 0,07 % | 0,07 % | −63,44 % | 14,48 % | 4,88 % |
| stärkstes Zehntel | 3 Monate halten | 12.020 | 3,04 % | −1,57 % | −50,31 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | 6 Monate halten | 11.022 | 6,72 % | 1,94 % | −42,70 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | 12 Monate halten | 9.280 | 8,06 % | 3,29 % | −41,59 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | 12 Monate, Stopp bei −20 % | 10.235 | 7,92 % | 2,35 % | −33,66 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | 12 Monate, Stopp bei −30 % | 9.864 | 8,20 % | 2,86 % | −35,06 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | halten, solange das Rating bei 90 oder darüber liegt | 13.510 | 5,56 % | 0,63 % | −39,92 % | 14,27 % | 4,77 % |
| stärkstes Zehntel | halten, solange das Rating bei 50 oder darüber liegt | 8.131 | 9,80 % | 4,33 % | −37,96 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 1 Monat halten | 5.291 | 6,26 % | 6,26 % | −52,45 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 3 Monate halten | 4.801 | 4,76 % | −3,17 % | −44,40 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 6 Monate halten | 4.470 | 7,32 % | 0,55 % | −41,13 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 12 Monate halten | 4.077 | 7,56 % | 2,28 % | −40,17 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 12 Monate, Stopp bei −20 % | 4.250 | 7,93 % | 1,11 % | −29,01 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | 12 Monate, Stopp bei −30 % | 4.175 | 7,62 % | 1,41 % | −30,81 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | halten, solange das Rating bei 90 oder darüber liegt | 5.100 | 7,31 % | −0,10 % | −33,41 % | 14,27 % | 4,77 % |
| Scanner-Zelle | halten, solange das Rating bei 50 oder darüber liegt | 3.948 | 7,28 % | 1,26 % | −38,46 % | 14,27 % | 4,77 % |
Die beste aller sechzehn Varianten ist die Auswahl „stärkstes Zehntel“ mit der Regel „halten, solange das Rating bei 50 oder darüber liegt“: 9,80 Prozent pro Jahr gemessen, 4,33 Prozent konservativ — gegen 14,27 Prozent beim S&P 500 Total Return im selben Zeitraum. Keine einzige Variante schlägt den Vergleichsmaßstab.
Keine einzige Variante schlägt den Index. Die Scanner-Zelle bringt je nach Halte- und Ausstiegsregel zwischen 4,76 % (drei Monate) und 7,93 % (mit 20-%-Stopp) gemessen, konservativ deutlich weniger — bei drei Monaten Haltedauer sogar −3,17 %. Das oberste Zehntel schneidet etwas besser ab: Sein bestes Depot der ganzen Studie entsteht mit einem Signal-Exit unter Rating 50 (also verkaufen, sobald das Rating unter 50 fällt) und bringt 9,80 % gemessen beziehungsweise 4,33 % konservativ. Das ist der höchste Wert, den diese Studie überhaupt findet — und er bleibt 4,47 Prozentpunkte hinter den 14,27 % des S&P 500 zurück. Weder feste Haltedauern noch Signal-Exits noch Stopp-Kurse schließen diese Lücke.
Hängt der Befund an unseren Stellschrauben?
Die Hausvariante der Kennzahl trifft mehrere Entscheidungen: ein Fenster von 126 Handelstagen, eine Schwelle von 0,5 % Markt- und Branchenrückgang, mindestens vier Stresstage in diesem Fenster. Damit der negative Befund nicht an einer zufällig gewählten Einstellung hängt, haben wir sechs weitere Varianten gerechnet und jeweils den Abstand zwischen oberstem und unterstem Zehntel auf zwölf Monate ausgewertet.
| Variante | Zählfenster | Schwelle | Mindest-Stresstage | Bezug | Abstand (Mittel) | Abstand (getrimmt) | Scanner-Zelle (Mittel) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Hausvariante | 126 Tage | 0,50 % | 4 | Markt und Branche | +2,14 pp | −2,23 pp | 9,26 % |
| längeres Zählfenster | 252 Tage | 0,50 % | 4 | Markt und Branche | +2,25 pp | −2,89 pp | 8,84 % |
| kürzeres Zählfenster | 63 Tage | 0,50 % | 4 | Markt und Branche | −0,18 pp | −3,28 pp | 9,98 % |
| mehr Stresstage verlangt | 126 Tage | 0,50 % | 8 | Markt und Branche | +1,94 pp | −2,34 pp | 10,57 % |
| ohne Branchenbedingung | 126 Tage | 0,50 % | 4 | nur Markt | +0,50 pp | −2,57 pp | 7,91 % |
| mildere Schwelle | 126 Tage | 0,30 % | 4 | Markt und Branche | +0,22 pp | −2,44 pp | 8,18 % |
| strengere Schwelle | 126 Tage | 1,00 % | 4 | Markt und Branche | +0,80 pp | −3,90 pp | 12,18 % |
Der getrimmte Abstand ist in allen sieben Varianten negativ — von −2,23 Prozentpunkten bis −3,90 Prozentpunkten. Der Befund hängt damit nicht an der Einstellung, mit der wir gerechnet haben.
Im Mittelwert schwankt der Abstand zwischen den sieben Varianten stark — von −0,18 Prozentpunkten (Fenster 63 Tage) bis +2,25 Prozentpunkten (Fenster 252 Tage). Entscheidend ist aber der getrimmte Abstand, der einzelne Ausreißer nicht mitzählt: Er ist in allen sieben Varianten negativ, von −2,23 (Hausvariante) bis −3,90 Prozentpunkten (Schwelle 1,0 %). Der Befund hängt also nicht an einer bestimmten Fensterlänge, Schwelle oder Mindestanzahl von Stresstagen — er ist robust gegenüber der Rechenweise, nur eben robust negativ.
Eine zweite Gegenprobe prüft, ob die Studien-Rechnung (auf bereinigten Kursen) vom Live-Betrieb des Scanners (auf unbereinigten Kursen mit Sprungschutz) abweicht. Die Rating-Korrelation zwischen beiden Rechenweisen liegt bei 0,9873, die Deckung des obersten Zehntels bei 93,2 % am letzten Stichtag — praktisch identisch. Auch in Live-Manier gerechnet bleibt der getrimmte Zwölf-Monats-Abstand negativ (−2,04 Prozentpunkte). Die Rechenweise ändert am Befund also nichts.
Was Ben Bennett wirklich vorgeschlagen hat
Die Idee hinter dieser Kennzahl stammt von Ben Bennett, der sie in einem TraderLion-Interview am 23. Januar 2022 als „Down Day RS“ vorstellte. Wichtig für die Einordnung: Bennetts Original ist ein Ein-Tages-Watchlist-Scan an roten Markttagen, kein Kaufsignal und kein Zählfenster. Seine Regel prüft an einem einzelnen schlechten Markttag, ob eine Aktie grün bis etwa −1 % bleibt, ob sie im oberen Viertel ihrer Tagesspanne schließt, ob sie ein hohes relatives Stärke-Rating trägt, ob sie über der 50- und der 200-Tage-Linie notiert und ob sie liquide genug ist. Eine Branchenbedingung kennt Bennetts Ansatz nicht, ebenso wenig eine Quote über mehrere Tage. Sein ausdrücklicher Zweck ist der Aufbau einer Beobachtungsliste für Korrekturen — nicht der Auslöser eines Kaufs.
Unsere Kennzahl übersetzt diese Beobachtung in ein rückblickend testbares Konzept: ein Zählfenster von 126 Tagen, eine Mindestquote an Stresstagen, eine zusätzliche Branchenbedingung und ein Perzentil-Rating. Das ist eine Eigenentwicklung nach Bennetts Idee, keine Nachbildung seiner Regel — und die folgenden Zahlen sind entsprechend eine Prüfung unserer Übersetzung, nicht seiner Watchlist. Wer wissen will, welche verwandten Wachstums- und Stärke-Signale wir bereits im Rückblick geprüft haben, findet weitere Studien in unserer Studien-Übersicht — etwa die Umsatzbeschleuniger-Studie, in der ein Signal den Index tatsächlich schlug.
| Haltedauer | Kandidaten | Mittel | Median | getrimmtes Mittel | konservativ | S&P 500 TR |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 Monat | 7.951 | 0,76 % | −0,13 % | 0,05 % | 0,58 % | 0,89 % |
| 3 Monate | 7.707 | 3,89 % | 0,39 % | 2,58 % | 1,09 % | 3,64 % |
| 6 Monate | 7.469 | 7,99 % | 0,61 % | 5,50 % | 2,54 % | 6,87 % |
| 12 Monate | 7.174 | 15,54 % | 1,60 % | 10,86 % | 6,51 % | 15,10 % |
Warum diese Zahlen nach oben verzerrt sind: Tageshoch und Tagestief stehen nur in den rohen Kursdateien, und die gibt es nur für 9.071 der 22.872 Kürzel des Universums; von den 13.801 fehlenden sind 10.993 inzwischen von der Börse verschwunden. 49.456 von 131.516 Fällen der Vorauswahl fallen deshalb allein daran weg, dass die Datei fehlt — und weggefallen sind überproportional genau die Titel, die es später nicht mehr gab.
Um zu prüfen, wie nah wir mit einer mechanischen Kaufregel an Bennetts Original herankommen, haben wir einen zusätzlichen Vergleichslauf gerechnet: jüngster roter Markttag in den letzten zehn Handelstagen vor Monatsschluss, Tagesrendite ab −1 %, Schlusskurs ab 75 % der Tagesspanne, Halbjahres-Perzentil ab 85, Kurs über der 50-Tage-Linie, Kauf zum Monatsschluss. Auf den ersten Blick sieht dieser Lauf besser aus als die Hausvariante — 15,54 % im Mittel nach zwölf Monaten, nahe an den 15,10 % des S&P 500.
Diese Zahlen sind aber massiv zum Überleben verzerrt und dürfen niemals als „Bennett schlägt den Index“ gelesen werden. Der Grund liegt in der Datenlage: Tageshoch und -tief, die für die Schlusskurs-Position in der Tagesspanne nötig sind, stehen nur in den rohen Kursdateien — und die gibt es nur für 9.071 der 22.872 Kürzel des Universums. Von den 13.801 fehlenden Kürzeln sind 10.993 delistet. Allein weil die Datei fehlt, fallen 49.456 von 131.516 Vorauswahl-Fällen weg — und zwar überproportional die später verschwundenen, also meist die schwächeren Titel. Auch hier widerspricht der Median (nur 1,60 % auf zwölf Monate) dem Mittelwert deutlich. Mit der Hausvariante ist dieser Lauf deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.
Wie wir gerechnet haben
- Stresstag. Ein Handelstag, an dem sowohl der Gesamtmarkt als auch die eigene Branche im Median mindestens 0,5 % im Minus schlossen — gemessen an der Median-Tagesrendite aller Titel des Universums beziehungsweise der Branchentitel.
- Rating. Zählfenster von 126 Handelstagen (rund sechs Monate), mindestens vier Stresstage im Fenster; gezählt wird, an wie vielen davon eine Aktie grün schloss, umgerechnet in ein Perzentil-Rating von 1 bis 99 im Universum.
- Stichtagsraster. 181 Monats-Stichtage, Monatsende Juni 2011 bis Juni 2026.
- Universum. US-Aktien inklusive verschwundener Titel; 897.326 Ratingzeilen, davon 877.333 mit einem Rating.
- Split-bereinigte Rechnung mit Live-Gegenprobe. Die Studie rechnet auf bereinigten Kursen, der laufende Scanner auf unbereinigten Kursen mit Sprungschutz; eine Gegenprobe in Live-Manier bestätigt den Befund (Rating-Korrelation 0,9873).
- Kosten. Ereignisstudie ohne Kosten; Depotkapitel mit 0,1 % Kosten je Seite (Kauf und Verkauf).
- Verschwundene Titel. Bleiben im Depot; endet eine Kursreihe vor dem Horizont, wird zum letzten verfügbaren Kurs zwangsverkauft (gemessen) beziehungsweise als Totalverlust gezählt (konservativ).
- Vergleichsmaßstäbe. S&P 500 Total Return und, als zweiter Maßstab, das gleichgewichtete Universum.
- Datenfilter. Ein Tag zählt erst ab 500 besetzten Titeln als Handelstag; Tagesbars ohne Umsatz tragen keinen Kurs; ein Tagessprung der bereinigten Reihe über +100 % oder unter −50 % ohne belegten Split gilt als Datenfehler.
Was diese Studie nicht sagt
- Nur 6.186 der 8.766 bewerteten Kürzel haben Monatskurse im übernommenen Bestand; die übrigen bekommen ein Rating, aber keine Folgerendite.
- Die Branche ist die heutige, historische Branchenwechsel kennt die Studie nicht. Von 22.872 Titeln haben 9.649 eine Branche; zwei Quellen stimmen auf der Schnittmenge zu 82,05 % überein. Titel ohne Branche zählen im Markt-Median mit, bekommen aber kein Rating — genau wie live. Weil Branchenkenntnis mit dem Überleben zusammenhängt, ist die bewertete Menge zum Überleben hin verschoben; das hebt alle Zehntel, nicht nur die oberen.
- 4.107 Handelstage im Zeitraum, davon 849 Markt-Stresstage. Ohne den 500-Titel-Filter wären 20 falsche Stresstage im Bestand, darunter der 25. Dezember 2018; 140 solche Pseudo-Handelstage wurden verworfen.
- 52.339.215 Tagesrenditen wurden gerechnet. Monatszeilen unter 0,01 $ Rohkurs und Monatsschritte um Faktor 10 fallen weg — der zweite Filter nimmt der Studie auch echte Abstürze von mehr als 90 % in einem Monat und schmeichelt ihr damit leicht. Deshalb steht neben jedem Mittelwert ein Median und ein getrimmtes Mittel.
- Die Folgerenditen benachbarter Stichtage überlappen sich: 181 Stichtage ergeben nur 15 unabhängige Zwölfmonatsfenster. Die Zahl der Beobachtungen ist deshalb kein Maß für statistische Sicherheit.
- Nur 21 Bär-Stichtage stehen für das Regime-Kapitel zur Verfügung — eine dünne Basis.
- Steuern und Handelsspannen sind nicht gerechnet, nur 0,1 % Kosten je Seite im Depotkapitel.
- Die Scanner-Zelle (Rating ab 90 plus Liquiditätsfilter) ist nicht dasselbe wie das oberste Zehntel — sie umfasst das oberste Zehntel und zusätzlich den Rang 90.
- Ein Rückblick ist keine Vorhersage. Diese Studie ist Marktforschung, keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.
Fazit: Was bedeutet das für Anleger?
Stärke an Stresstagen ist im Rückblick weder ein Kauf- noch ein Warnsignal. Der Mittelwert sieht wegen einzelner Vervielfacher gut aus, der Median — die ehrlichere Zahl für den typischen Titel — zeigt auf zwölf Monaten sogar ein leichtes Minus im obersten Zehntel. Ausgerechnet im Abschwung, wo ein Stärke-Signal am meisten zählen sollte, dreht der Vorsprung ins klare Minus. Und selbst das beste Depot der ganzen Studie kommt mit 9,80 % pro Jahr nicht an die 14,27 % des S&P 500 heran.
Am Live-Scanner ändert das nichts an seinem Nutzen als Beobachtungswerkzeug — er zeigt weiterhin, welche Aktien sich an schlechten Markttagen auffällig stabil halten, ganz im Sinne von Bennetts ursprünglicher Watchlist-Idee. Zur Kaufliste erklären wir ihn aber nicht: Er steht nicht in unserer Liste der geprüften Scanner. Wer nach einem Wachstumssignal sucht, das im Rückblick tatsächlich den Markt geschlagen hat, findet es in unserer Studien-Übersicht.
Häufige Fragen
Nein. Im Median bringt das oberste Zehntel nach zwölf Monaten −0,77 % gegenüber +8,32 % im untersten Zehntel — der typische Titel mit hohem Rating bleibt also zurück, nicht vorn. Nur der Mittelwert (14,54 %) sieht wegen einzelner Vervielfacher stark aus. Auch im Depot nach Kosten schlägt keine Variante mit hohem Rating den S&P 500 Total Return von 14,27 % pro Jahr; das beste Depot der Studie erreicht 9,80 %.
Weil das oberste Zehntel eine breite rechte Flanke hat: Wenige Titel vervielfachen sich und ziehen den Mittelwert nach oben, während der typische, mittlere Titel zurückbleibt. Nach zwölf Monaten stehen 14,54 % Mittelwert gegen −0,77 % Median im obersten Zehntel — im untersten Zehntel liegen Mittel (12,41 %) und Median (8,32 %) viel näher beieinander. Deshalb ist der Median hier die ehrlichere Zahl.
Schlechter als im Bullenmarkt, nicht besser. In den 21 Bär-Stichtagen kehrt sich der Vorsprung um: Das oberste Zehntel bringt 8,63 % pro Jahr gegen 15,13 % im untersten Zehntel, ein Rückstand von 6,50 Prozentpunkten (im Median −13,20 Prozentpunkte). Ausgerechnet dort, wo ein Stärke-Signal am ehesten schützen sollte, versagt es. Die Basis ist mit 21 Stichtagen allerdings dünn und deshalb nur ein Hinweis, keine belastbare Regel.
Bennetts Original (TraderLion-Interview, 23. Januar 2022) ist ein Ein-Tages-Watchlist-Scan an roten Markttagen: eine Aktie, die grün bis etwa −1 % bleibt, im oberen Viertel der Tagesspanne schließt, ein hohes Stärke-Rating trägt, über der 50- und 200-Tage-Linie steht und liquide ist. Kein Zählfenster, keine Quote, keine Branchenbedingung — und ausdrücklich kein Kauf- oder Verkaufssignal, sondern nur der Aufbau einer Beobachtungsliste. Unsere Kennzahl ist eine Eigenentwicklung nach dieser Idee, kein Nachbau seiner Regel.
Der Scanner (die stärksten rund 10 % im Universum, Rating ab 90, Kurs über 3 $, ausreichendes Handelsvolumen) bleibt bestehen — aber als Beobachtungswerkzeug, nicht als Kaufliste. Der Rückblick zeigt, dass ein hohes Rating den Index weder im Median noch nach Kosten schlägt. Er steht deshalb nicht in unserer Liste der geprüften Scanner.
Nein. Wir haben sieben Varianten von Fenster, Schwelle und Bedingungen durchgerechnet — Fenster 252 statt 126 Tage, mindestens 8 statt 4 Stresstage, nur Markt statt Markt und Branche, Schwelle 0,3 % oder 1,0 % statt 0,5 %. Der getrimmte Abstand zwischen oberstem und unterstem Zehntel bleibt in allen sieben Varianten negativ (−2,23 bis −3,90 Prozentpunkte). Auch eine Gegenprobe auf unbereinigten Kursen (Korrelation 0,9873 zur Hauptrechnung) ändert am Befund nichts.