Lithium Americas: Milliardenbaustelle ohne eine einzige Umsatzzeile
In Nevada entsteht die größte Lithiummine der westlichen Welt — mit General Motors als Miteigentümer und einem Kredit des US-Energieministeriums über 2,23 Milliarden Dollar. Über 1.300 Menschen arbeiteten Mitte Mai 2026 auf der Baustelle, 1,28 Milliarden Dollar sind bis zum 31. März 2026 verbaut. Nur eines fehlt in den Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC vollständig: eine Umsatzzeile. Die kommt frühestens mit dem Produktionshochlauf 2028. Bis dahin bezahlen den Bau Kredite, ein Autokonzern — und die Aktionäre, deren Anteil von 161,8 Millionen Aktien Ende 2023 auf 361,8 Millionen im Juni 2026 verwässert wurde. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wem die Mine am Ende gehört.
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Was Lithium Americas eigentlich ist — und welche Firma es ausdrücklich nicht ist
Fangen wir mit der Verwechslung an, weil sie teuer werden kann. Es gibt zwei Firmen mit fast demselben Namen, und sie besitzen völlig unterschiedliche Dinge. Die heutige Lithium Americas Corp. wurde am 23. Januar 2023 in British Columbia gegründet — zunächst mit dem sperrigen Behördennamen „1397468 B.C. Ltd.“. Ihr einziger Zweck war, das Nordamerika-Geschäft der alten Lithium Americas zu übernehmen. Am 3. Oktober 2023 wurde diese Abspaltung vollzogen, und die neue Gesellschaft bekam den bekannten Namen. Die argentinischen Lithium-Aktiva blieben bei der Vorgängerin, die seither Lithium Argentina AG heißt (zwischenzeitlich Lithium Americas (Argentina) Corp., Kürzel LAAC). Merke dir das, bevor du irgendetwas kaufst: LAC ist Nevada. Argentinien liegt woanders.
Was macht diese Firma nun? Sie baut. Genauer: Sie baut in Humboldt County im Norden Nevadas, in einem erloschenen Supervulkan namens McDermitt-Caldera, eine Anlage, die Lithium aus Tonstein löst und zu batteriefähigem Lithiumkarbonat verarbeitet — dem weißen Pulver, aus dem die Kathoden von Elektroauto-Akkus entstehen. Phase 1 ist auf 40.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Insgesamt sind fünf Phasen denkbar, zusammen bis zu 160.000 Tonnen jährlich, bei einer möglichen Lebensdauer der Mine von bis zu 85 Jahren — so steht es im Geschäftsbericht für 2025. Das Vorkommen ist nach Angaben des Unternehmens die größte bekannte gemessene und angezeigte Lithium-Ressource der Welt.
Wichtig ist die Eigentümerstruktur, weil sie fast jede Zahl in dieser Analyse färbt. Thacker Pass gehört nicht Lithium Americas allein, sondern der Gemeinschaftsgesellschaft Lithium Nevada Ventures LLC. Daran hält Lithium Americas 62 Prozent, General Motors 38 Prozent (Stand 13. Mai 2026). Weil Lithium Americas die Mehrheit der Stimmen hat und das Projekt über einen Managementvertrag führt, muss sie das Gemeinschaftsunternehmen bilanziell vollständig konsolidieren — in der Bilanz stehen also 100 Prozent der Vermögenswerte, obwohl wirtschaftlich nur 62 Prozent den eigenen Aktionären zustehen. Das ist keine Trickserei, sondern die Regel nach US-Rechnungslegung; man muss es nur wissen, wenn man Zahlen liest. Der Geschäftsbericht selbst führt deshalb die Reserven in zwei Spalten: auf 100-Prozent-Projektbasis 1.056,7 Millionen Tonnen Fördererz mit 14,3 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent — und auf 62-Prozent-Kontrollbasis 655,2 Millionen Tonnen mit 8,9 Millionen Tonnen (Stichtag 31. Dezember 2025).
Damit ist auch das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Auf der einen Seite das größte bekannte Lithiumvorkommen der Welt, ein Autokonzern als Partner und ein Milliardenkredit des amerikanischen Staates. Auf der anderen Seite null Umsatz, dauerhafter Mittelabfluss und eine Aktienzahl, die schneller wächst als die Baustelle.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Lithium Americas kam nicht über einen Kaufsignal-Scanner zu uns, sondern über die Nachzügler-Prüfung unseres Aktien-Universums: eine Firma mit über drei Milliarden Dollar Bilanzsumme, die in unserem hauseigenen Aktien-Scanner überhaupt keine Umsatzzeile hat. Genau solche Lücken sind ein Anlass, genauer hinzusehen — nicht weil sie verdächtig wären, sondern weil sie die üblichen Kennzahlen unbrauchbar machen.
Und genau das passiert hier. Der Piotroski-Score, unser Neun-Punkte-Test für Bilanzqualität, steht bei 1 von 9 (auf Basis des Geschäftsjahres 2025; Abruf 2. August 2026). Das klingt katastrophal — ist aber vor allem strukturell: Sieben der neun Punkte prüfen Dinge wie Gewinn, Margenverbesserung und Kapitalumschlag. Wo es weder Umsatz noch Gewinn gibt, kann man diese Punkte gar nicht holen. Dasselbe gilt für das Kurs-Umsatz-Verhältnis (kein Umsatz, also kein Wert), das Kurs-Gewinn-Verhältnis (kein Gewinn) und den Altman-Z-Wert, der Insolvenzrisiko schätzt und dafür Umsatz und Betriebsergebnis ins Verhältnis zur Bilanzsumme setzt — beides ist hier null, der Wert also systematisch niedrig, ohne dass er etwas über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit aussagt. Merke dir das: Bei einem vor-operativen Bergbau-Entwickler misst man nicht mit Ertragskennzahlen, sondern mit der Stoppuhr an der Kasse.
Was der Scanner dagegen sinnvoll zeigt: eine Eigenkapitalquote von 41,1 Prozent und einen Verschuldungsgrad von 0,49 — beides auf Basis des Geschäftsjahres 2025 gerechnet (Abruf 2. August 2026), also vor der zweiten Kredittranche; zum 31. März 2026 lag die Eigenkapitalquote bezogen auf das Eigenkapital der LAC-Aktionäre bei 43,2 Prozent und einschließlich des Minderheitsanteils bei 60,3 Prozent. Dazu ein Analystenbild von 3,7 von 5 Punkten bei 15 Analysten (5 wäre die Bestnote; Datenstand 2. August 2026). Dazu eine Leerverkaufsquote von 7,9 Prozent des Streubesitzes — es gibt also eine sichtbare Gruppe, die auf fallende Kurse setzt. Institutionelle Anleger halten 32,9 Prozent, Insider 7,0 Prozent (jeweils Datenstand 2. August 2026).
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist bei diesem Unternehmen die Finanzierung. Ein Bergbau-Entwickler ohne Einnahmen, der eine Fabrik für knapp drei Milliarden Dollar hochzieht, ist normalerweise chronisch klamm. Lithium Americas ist das Gegenteil: Zum 31. März 2026 lagen 1.207,6 Millionen US-Dollar an Kasse und verfügungsbeschränkter Kasse in den Büchern — nach 905,6 Millionen zum Jahresende 2025 und 446,9 Millionen zum 31. März 2025. Die Bilanzsumme wuchs auf 3.112,7 Millionen US-Dollar (Jahresende 2025: 2.579,0 Millionen), das Bergbauvermögen auf 1.667,3 Millionen. Ein Hinweis zur Einordnung aller Jahreszahlen: Das Geschäftsjahr entspricht bei Lithium Americas dem Kalenderjahr und endet am 31. Dezember.
Woher das Geld kam und wohin es floss, zeigt der Mittelfluss des ersten Quartals 2026 am klarsten:
Die 619,6 Millionen US-Dollar Finanzierungszufluss stammen im Wesentlichen aus zwei Quellen: 432,0 Millionen aus der zweiten Tranche des Darlehens des US-Energieministeriums (abgerufen am 24. Februar 2026) und 189,7 Millionen netto aus dem Verkauf von 32,5 Millionen neuen Aktien zu durchschnittlich 5,92 US-Dollar — gegengerechnet mit Tilgungen von Leasingverbindlichkeiten und Finanzierungsgebühren. Die erste Kredittranche über 435,0 Millionen war bereits am 20. Oktober 2025 geflossen, zu einem festen Zinssatz von 4,38 Prozent; die Tilgung beginnt erst im Januar 2029, die Endfälligkeit liegt am 20. Juli 2048.
Auch der Baufortschritt ist real und gut dokumentiert. Zum 31. März 2026 waren laut Ergebnismitteilung 2,43 Millionen Arbeitsstunden ohne schweren Unfall geleistet (Unfallrate 0,25), die Detailplanung war zu über 95 Prozent abgeschlossen, die Beschaffung zu über 70 Prozent, und rund 1.065 Menschen arbeiteten auf der Baustelle — Mitte Mai 2026 waren es über 1.300, in der Spitze sollen es über 2.000 werden. Insgesamt sind bis zum 31. März 2026 1.277,2 Millionen US-Dollar an Bau- und Projektkosten aktiviert worden. Auf den Rahmen von 2,93 Milliarden zahlen davon allerdings nur 1.138,1 Millionen ein; die übrigen 101,4 Millionen sonstiger aktivierter Entwicklungskosten und 37,7 Millionen aktivierter Zinsen sind in dieser Schätzung gar nicht enthalten.
Und die Ertragsseite? Es gibt keine. Der Quartalsbericht formuliert das so nüchtern, wie es nur geht:
„The Company has recurring net losses and negative operating cash flows and expects to continue to operate at a loss for the foreseeable future, which includes the period that Thacker Pass Phase 1 is under development. As the Company develops Thacker Pass, it will not generate revenues from operations and there is no expectation it will generate any revenue from operations until after Thacker Pass begins production.“
Übersetzung: „Das Unternehmen weist wiederkehrende Nettoverluste und negative operative Mittelflüsse aus und erwartet, auf absehbare Zeit weiter mit Verlust zu arbeiten; dazu gehört der gesamte Zeitraum, in dem Thacker Pass Phase 1 entwickelt wird. Während der Entwicklung von Thacker Pass wird das Unternehmen keine Umsätze aus dem operativen Geschäft erzielen, und es besteht keine Erwartung, dass es vor dem Produktionsbeginn von Thacker Pass irgendeinen Umsatz erzielt.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“
Was stattdessen in der Gewinn- und Verlustrechnung steht, sind Kosten und Bewertungseffekte. 2025 lagen die Betriebsaufwendungen bei 52,8 Millionen US-Dollar (2024: 28,3 Millionen), der Nettoverlust bei 86,3 Millionen (2024: 42,6 Millionen). Auch hier lohnt der Blick eine Zeile tiefer: Auf die Aktionäre von Lithium Americas entfielen 122,1 Millionen Verlust, während dem Minderheitsgesellschafter ein Plus von 35,8 Millionen zugerechnet wurde. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Verwaltungskosten auf 11,1 Millionen nach 6,5 Millionen im Vorjahresquartal — Folge von Einstellungen, aktienbasierter Vergütung und höheren Beratungs- und Aufsichtskosten. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Quartalsgewinn gehört nicht den Aktionären — und entstand, weil der Kurs fiel
Die Schlagzeile des ersten Quartals 2026 klingt nach Wende: 4,6 Millionen US-Dollar Nettoergebnis nach 11,5 Millionen Verlust im Vorjahresquartal. Wer eine Zeile weiterliest, findet zwei Haken. Erstens: Von diesen 4,6 Millionen entfielen 5,0 Millionen auf den Minderheitsgesellschafter — also auf General Motors. Den Aktionären von Lithium Americas blieb ein Verlust von 0,4 Millionen US-Dollar. Zweitens: Der Umschwung kam nicht aus dem Geschäft, sondern aus einem Bewertungsgewinn von 14,3 Millionen auf ein eingebettetes Derivat der Wandelanleihe des Finanzinvestors Orion. Und dieser Gewinn hat eine unangenehme Ursache:
„This non-cash, fair value gain on the embedded derivative primarily reflects the impact of a decrease in the Company’s share price from $4.36 at December 31, 2025 to $3.95 at March 31, 2026.“
Übersetzung: „Dieser nicht zahlungswirksame Zeitwertgewinn auf das eingebettete Derivat spiegelt im Wesentlichen die Wirkung eines Rückgangs des Aktienkurses des Unternehmens von 4,36 US-Dollar am 31. Dezember 2025 auf 3,95 US-Dollar am 31. März 2026 wider.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Ergebnismitteilung 8-K Item 2.02, Anlage 99.1 vom 14.05.2026
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, du hast einem Bekannten versprochen, ihm im Zweifel deine Wohnung zu einem festen Preis zu überlassen. Fällt der Immobilienpreis, wird dieses Versprechen für dich weniger belastend — rechnerisch bist du „reicher“ geworden. Aber niemand würde behaupten, du hättest verdient. Genau das ist hier passiert: Der ausgewiesene Gewinn ist die Spiegelung des eigenen Kursverlusts, kein Geld in der Kasse. Umgekehrt gilt dasselbe: 2025 verbuchte das Unternehmen aus derselben Wandelanleihe einen Verlust von 171,0 Millionen US-Dollar — und gleichzeitig einen Gewinn von 160,0 Millionen aus den Bezugsrechten des Energieministeriums. Solche Zahlen bewegen die Schlusszeile um dreistellige Millionenbeträge, ohne dass ein einziger Dollar fließt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein großer Teil der Kasse gehört der Muttergesellschaft nur auf dem Papier
Von den 1.207,6 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026 sind 449,1 Millionen verfügungsbeschränkt. Sie liegen auf Konten der Projektgesellschaft Lithium Nevada, verwaltet von einem Sicherheitentreuhänder (Citibank), und dürfen nur nach den Regeln des Darlehensvertrags bewegt werden. Noch deutlicher wird es bei der Frage, ob Geld von unten nach oben fließen darf:
„The DOE Loan imposes certain restrictions on the transfer of assets from LN to the Company, including prohibitions on dividend payments and loans from LN to the Company, the making of other payments to the Company, and transfers of any assets comprising part of the collateral package.“
Übersetzung: „Das Darlehen des Energieministeriums legt bestimmte Beschränkungen für die Übertragung von Vermögenswerten von Lithium Nevada an die Gesellschaft fest, darunter Verbote von Dividendenzahlungen und Darlehen von Lithium Nevada an die Gesellschaft, von sonstigen Zahlungen an die Gesellschaft und von der Übertragung jeglicher Vermögenswerte, die Teil des Sicherheitenpakets sind.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Abschnitt „Joint Venture with GM“
Das ist bei Projektfinanzierungen völlig üblich — der Kreditgeber will sicher sein, dass sein Geld in der Mine bleibt und nicht in der Konzernzentrale versickert. Für dich als Aktionär heißt es trotzdem etwas Konkretes: Die Milliardenkasse ist eine Baukasse, keine Kriegskasse. Und ein Teil davon ist bereits verplant: Der Konzern hat zugesagt, binnen zwölf Monaten nach der Kreditänderung vom 7. Oktober 2025 weitere 120 Millionen US-Dollar in die Reservekonten einzuzahlen — das sind rund 16 Prozent der 758,5 Millionen frei verfügbaren Mittel zum 31. März 2026.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Verwässerung ist hier kein Nebeneffekt, sondern das Geschäftsmodell der Finanzierung
Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden. Bei Lithium Americas ist das keine Fußnote, sondern eine der drei Säulen der Finanzierung — neben dem Staatskredit und dem Geld von General Motors. Der Verlauf ist eindeutig:
Die Mechanik dahinter sind sogenannte ATM-Programme — Verkaufsprogramme, bei denen ein Unternehmen neue Aktien in kleinen Portionen direkt über die Börse abgibt, ohne Ankündigung eines festen Emissionspreises. Das erste dieser Programme lief im Oktober 2025: Am 8. Oktober aufgelegt und am 14. Oktober bereits abgeschlossen, brachte es 30,5 Millionen Aktien zu durchschnittlich 8,19 US-Dollar und einen Nettoerlös von 246,4 Millionen. Das im November 2025 aufgelegte Programm wurde am 26. Januar 2026 abgeschlossen: insgesamt 43,3 Millionen Aktien zu durchschnittlich 5,78 US-Dollar, Nettoerlös 246,7 Millionen. Am 19. März 2026 folgte das nächste Programm über bis zu 250 Millionen US-Dollar; bis zum 13. Mai 2026 waren daraus 2,3 Millionen Aktien zu durchschnittlich 5,20 US-Dollar verkauft. Dazu kam im Oktober 2025 die Wandlung von 97,5 Millionen Dollar Anleihenominal des Investors Orion in 25,8 Millionen neue Aktien.
Und dann ist da noch der Staat. Seit dem 30. Januar 2026 hält das US-Energieministerium ein Bezugsrecht auf 18.268.687 Aktien zum Preis von einem Cent — das entsprach 5 Prozent aller damals ausstehenden Aktien — sowie ein zweites Bezugsrecht auf 8.656.509.695 stimmrechtslose Anteile am Gemeinschaftsunternehmen, wirtschaftlich ebenfalls 5 Prozent. Am 26. Juni 2026 hat Lithium Americas dafür einen Regalprospekt eingereicht, der den Weiterverkauf von bis zu 69.417.541 Aktien durch das Ministerium registriert. Ausgeübt waren die Rechte zu diesem Zeitpunkt nicht — der Prospekt weist die Stücke ausdrücklich als bei Ausübung ausgebbare Aktien aus; in der Aktienzahl der Grafik oben sind sie deshalb noch nicht enthalten:
Wird das Bezugsrecht am Gemeinschaftsunternehmen vollständig ausgeübt, verschiebt sich auch die Beteiligung an der Mine selbst. Der Quartalsbericht rechnet es vor:
„In the event that the DOE exercises the JV Warrant in full, the JV economic interests will be (prior to funding of the additional $120 million DOE Loan reserve accounts as required within 12 months of the OWCA) 59% held by Lithium Americas, which will continue to be the manager of the Project, 36% held by GM and 5% held by the DOE, with voting interest in the JV remaining 62% for Lithium Americas and 38% for GM.“
Übersetzung: „Falls das Energieministerium das JV-Bezugsrecht vollständig ausübt, werden die wirtschaftlichen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen (vor Einzahlung der zusätzlichen 120 Millionen US-Dollar in die Reservekonten des Darlehens, die binnen zwölf Monaten nach der Kreditänderung fällig ist) zu 59 Prozent von Lithium Americas gehalten, das weiterhin Betriebsführer des Projekts bleibt, zu 36 Prozent von General Motors und zu 5 Prozent vom Energieministerium, wobei die Stimmrechte im Gemeinschaftsunternehmen bei 62 Prozent für Lithium Americas und 38 Prozent für General Motors bleiben.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Abschnitt „Department of Energy Loan“
Rechne beide Ebenen zusammen, und das Bild wird deutlich: Von den 40.000 Tonnen Jahreskapazität der Phase 1 stünden dem Aktionär von Lithium Americas wirtschaftlich noch 59 Prozent zu — und diesen Anteil teilt er sich mit rund 20 Prozent mehr Aktien, wenn der Staat seine Rechte zieht. Wachstum, das mit frischen Aktien und Bezugsrechten bezahlt wird, ist nie ganz gratis.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kostenschätzung, an der alles hängt, ist überholt — und der Baustahl kommt durch ein Krisengebiet
Jede Zahl zur Wirtschaftlichkeit von Thacker Pass stützt sich auf den technischen Bericht mit Stichtag 31. Dezember 2024 und dessen Investitionsschätzung von 2,93 Milliarden US-Dollar für Phase 1. Die Ergebnismitteilung vom 14. Mai 2026 stellt selbst klar, was darin fehlt: „The total Capex estimate of $2.93 billion did not include any exposure to tariffs“ — die Schätzung enthielt keinerlei Zollbelastung. Diese beziffert der Konzern inzwischen auf etwa 80 bis 120 Millionen US-Dollar, überwiegend im Jahr 2026 anfallend. Hinzu kommen laut demselben Dokument Folgen des Nahost-Konflikts, gestiegene Treibstoffpreise und allgemeine Teuerung. Deshalb läuft eine neue, definitive Kostenschätzung, deren Fertigstellung für das zweite Halbjahr 2026 angepeilt ist. Für das erste Geschäftsjahr 2026 nennt das Unternehmen eine Investitionsleitplanke von 1,3 bis 1,6 Milliarden US-Dollar.
Und dann ist da ein Risiko, das man in einer Bilanzanalyse nicht erwartet — es steht im Geschäftsbericht für 2025 unter den Risikofaktoren:
„For example, we source a significant majority of the steel used for Thacker Pass from suppliers in the United Arab Emirates, which has been subject to regional hostilities related to the ongoing conflict with Iran.“
Übersetzung: „So beziehen wir zum Beispiel einen erheblichen Großteil des für Thacker Pass verwendeten Stahls von Lieferanten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die von regionalen Feindseligkeiten im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt mit dem Iran betroffen sind.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A „Risk Factors“
Die Ergebnismitteilung ergänzt, dass über 75 Prozent des Baustahls bereits unterwegs oder angekommen sind und dass Lieferungen nach der Schließung der Straße von Hormus über den Hafen von Dschidda umgeleitet wurden. Das ist gutes Krisenmanagement — und zugleich der Beleg dafür, wie dünn der Faden ist, an dem ein Zeitplan hängt, der bis Ende 2027 reicht. Wie schnell sich Zeitpläne bei kapitalintensiven Energieprojekten verschieben, haben wir schon bei anderen Herstellern der Energiewende gesehen, etwa in unserer Analyse zu Eos Energy.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ein Teil des künftigen Umsatzes ist verkauft, bevor der erste Dollar fließt
Im April 2025 nahm Lithium Americas insgesamt 220,0 Millionen US-Dollar von Fonds des Rohstoffinvestors Orion Resource Partners auf. Der Geschäftsbericht teilt die Summe auf: 195,0 Millionen zahlte Orion für eine unbesicherte Wandelanleihe, weitere 25,0 Millionen für Zahlungen, die an die geförderten Mengen und den Bruttoumsatz von Thacker Pass gekoppelt sind. Die Anleihe hat einen Wandlungspreis von 3,78 US-Dollar je Aktie, wird mit 9,875 Prozent verzinst und ist am 1. April 2030 fällig; zum 31. März 2026 lag das ausstehende Nominal bei 113,2 Millionen. So weit, so normal für einen Entwickler ohne Einnahmen.
Interessanter ist der zweite Teil des Geschäfts, für den die 25,0 Millionen flossen: eine Produktionszahlungsvereinbarung. Orion erhält daraus feste Zahlungen je verarbeiteter Tonne Lithium über 72 Quartale nach dem Produktionsbeginn — und zusätzlich 0,96 Prozent des gesamten Bruttoumsatzes auf Dauer. Beides bezieht sich auf die ersten 41.500 Tonnen pro Jahr, also praktisch auf die gesamte Phase-1-Kapazität von 40.000 Tonnen. Der Geschäftsbericht fügt dazu einen Satz an, den man zweimal lesen sollte:
„The PPA has not been included in the economic model of the Reports.“
Übersetzung: „Die Produktionszahlungsvereinbarung ist im Wirtschaftsmodell der technischen Berichte nicht enthalten.“
— Lithium Americas Corp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Orion Investment“
Mit anderen Worten: Die schönen Wirtschaftlichkeitszahlen des technischen Berichts kennen diese Abgabe nicht. Dasselbe gilt für einen zweiten Anker: Die Reservenberechnung wurde auf Basis eines angenommenen Verkaufspreises von 29.000 US-Dollar je Tonne Lithiumkarbonat optimiert (Grubenoptimierung 2024). Ob dieser Preis über eine 85-jährige Minenlaufzeit realistisch ist, ist die eigentliche Wette hinter dem gesamten Projekt — der Geschäftsbericht warnt ausdrücklich, dass Lithiumprodukte an keiner großen Warenterminbörse notiert sind und ihre Preise stark schwanken.
Bewertung: was man rechnen kann — und was nicht
Hier wird es unbequem, und zwar ehrlich unbequem: Die üblichen Bewertungskennzahlen existieren für diese Firma nicht. Kein Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil es keinen nachhaltigen Gewinn gibt. Kein Kurs-Umsatz-Verhältnis, weil es keinen Umsatz gibt. Kein aussagekräftiger Altman-Z-Wert, weil dessen Formel Umsatz und Betriebsergebnis braucht. Wer hier eine Kennzahlentabelle sucht, findet Leerstellen — und das ist die richtige Antwort, nicht ein Rechenfehler.
Was sich seriös rechnen lässt, ist der Buchwert. Zum 31. März 2026 lag das den Aktionären von Lithium Americas zurechenbare Eigenkapital bei 1.343,9 Millionen US-Dollar — der Anteil von General Motors am Gemeinschaftsunternehmen (532,9 Millionen) steht separat daneben. Verteilt auf die 347,4 Millionen zum selben Stichtag ausstehenden Aktien ergibt das einen Buchwert von rund 3,87 US-Dollar je Aktie. Zum selben Stichtag nennt das Unternehmen einen Aktienkurs von 3,95 US-Dollar. Die Aktie handelte damit Ende März 2026 etwa auf Höhe ihres Buchwerts.
Zum Börsenwert rechnen wir bewusst mit sauber zusammenpassenden Stichtagen, statt eine Aktienzahl aus dem Juni mit einem Kurs aus dem März zu multiplizieren. Zwei Paare bieten sich an. Erstens der Quartalsstichtag: 347,4 Millionen Aktien mal 3,95 US-Dollar, beides zum 31. März 2026, ergibt rund 1,37 Milliarden US-Dollar. Zweitens der Stand der Zwischenberichterstattung: Das Deckblatt des Quartalsberichts weist 351.062.478 Aktien zum 13. Mai 2026 aus — genau diese Zahl liegt auch dem Börsenwert aus unseren Fundamentaldaten zugrunde, der damit in sich stimmig ist. Dass er von unserer Gegenprobe abweicht, liegt am Kursanker: Der letzte in einem SEC-Dokument dokumentierte Kurs stammt vom 18. März 2026 (4,28 US-Dollar) und ist damit Monate alt. Für einen evergreen-Artikel taugt keiner der beiden Tageskurse als Bewertungsaussage; wir halten deshalb nur die Größenordnung fest: gut 1,3 Milliarden US-Dollar zum 31. März 2026.
Zum Vergleich: In der Mine stecken bis zum 31. März 2026 aktivierte Baukosten von 1.277,2 Millionen US-Dollar. Davon stehen dem Aktionär von Lithium Americas wirtschaftlich aber nur 62 Prozent zu, also rund 792 Millionen; und vom Gesamtrahmen der Phase 1 über 2,93 Milliarden entfallen auf ihn entsprechend rund 1,8 Milliarden — vor Zöllen. Die Börse bezahlt für den LAC-Anteil also spürbar mehr, als bisher darin verbaut ist, aber deutlich weniger als den vollen Anteil an der fertigen Anlage.
Und der Blick der Profis? Die 15 Analysten, die wir erfassen, kommen im Schnitt auf 3,7 von 5 Punkten (5 wäre die Bestnote), das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 5,71 US-Dollar (Datenstand 2. August 2026). Gleichzeitig sind 7,9 Prozent des Streubesitzes leerverkauft. Beides zusammen beschreibt die Lage besser als jede Einzelzahl: Die Fachwelt hält das Projekt für wertvoll und den Weg dorthin für riskant.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Lithium Americas spricht:
- Ein Vermögenswert von seltener Größenordnung: Thacker Pass ist nach Unternehmensangaben die größte bekannte gemessene und angezeigte Lithium-Ressource der Welt; die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven liegen bei 1.056,7 Millionen Tonnen Fördererz mit 14,3 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent auf 100-Prozent-Projektbasis (Stichtag 31. Dezember 2025).
- Die Finanzierung steht ungewöhnlich weit: 2,23 Milliarden US-Dollar Darlehen des US-Energieministeriums (davon 867,0 Millionen in zwei Tranchen abgerufen bis 24. Februar 2026), 430,0 Millionen Bareinlage von General Motors plus eine Akkreditivlinie über 195 Millionen, dazu 1.207,6 Millionen Kasse zum 31. März 2026.
- Ein Abnehmer ist vertraglich gebunden — allerdings nicht auf die volle Menge: General Motors nimmt laut Geschäftsbericht 20 Prozent seines eigenen Lithiumbedarfs ab, maximal 100 Prozent der Phase-1-Produktion, über einen auf 20 Jahre verlängerten Vertrag; für Mengen, die General Motors in den ersten fünf Jahren nicht abnimmt, darf das Gemeinschaftsunternehmen seit der Kreditänderung ausdrücklich Verträge mit Dritten schließen. Dazu ein 20-Jahres-Vertrag über bis zu 38 Prozent der Phase-2-Mengen.
- Der Bau läuft und ist gut dokumentiert: 2,43 Millionen Arbeitsstunden ohne schweren Unfall, Detailplanung zu über 95 Prozent, Beschaffung zu über 70 Prozent abgeschlossen, mechanische Fertigstellung für Ende 2027 angepeilt (Stand 31. März 2026).
- Der operative Mittelabfluss ist gering: nur 18,3 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 — die Firma selbst ist schlank, teuer ist ausschließlich der Bau.
Was dagegen spricht:
- Kein Umsatz, und zwar erklärtermaßen bis zum Produktionsbeginn: mechanische Fertigstellung Ende 2027, Hochlauf 2028. Bis dahin ist jede Bewertung eine Wette auf einen Zeitplan.
- Verwässerung als Dauerzustand: 161,8 Millionen Aktien zum 31. Dezember 2023, 361,8 Millionen zum 24. Juni 2026 — plus 124 Prozent. Dazu ein Regalprospekt über bis zu 69.417.541 Aktien für das US-Energieministerium, 19,19 Prozent der Stimmrechte.
- Die Kasse ist nur zum Teil frei: 449,1 der 1.207,6 Millionen US-Dollar sind verfügungsbeschränkt, und der Kreditvertrag verbietet Dividenden und Darlehen der Projektgesellschaft an die Muttergesellschaft; weitere 120 Millionen sind bis Oktober 2026 in Reservekonten einzuzahlen.
- Die Kostenbasis ist überholt: Die 2,93-Milliarden-Schätzung enthält keine Zölle (80 bis 120 Millionen erwartet), keine Folgen des Nahost-Konflikts und keine jüngere Teuerung; eine neue definitive Schätzung kommt erst im zweiten Halbjahr 2026.
- Der Aktionär bekommt nur einen Teil: wirtschaftlich 62 Prozent des Projekts, nach voller Ausübung des staatlichen Bezugsrechts 59 Prozent — und ein Teil des künftigen Umsatzes ist über die Produktionszahlung an Orion (0,96 Prozent des Bruttoumsatzes auf Dauer) bereits abgetreten, ohne dass sie im Wirtschaftsmodell der technischen Berichte enthalten wäre.
- Die gesamte Wirtschaftlichkeit hängt an einem Lithiumpreis, der in der Grubenoptimierung mit 29.000 US-Dollar je Tonne angesetzt wurde — bei einem Produkt, das an keiner großen Warenterminbörse notiert ist.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Bagger-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die Baustelle unecht wäre — sie ist so echt wie nur irgendwas: 1.300 Menschen, 2,43 Millionen Arbeitsstunden, 1,28 Milliarden Dollar verbaut. Ihr Kern ist, dass sichtbarer Fortschritt sich anfühlt wie Sicherheit, obwohl er nur eines beweist: dass Geld ausgegeben wurde. Wer heute Lithium Americas kauft, kauft drei sehr konkrete Dinge. Erstens einen Anteil an einem außergewöhnlichen Vorkommen — allerdings wirtschaftlich 62 Prozent, bald womöglich 59. Zweitens einen Zeitplan: mechanische Fertigstellung Ende 2027, Hochlauf 2028, davor kein Cent Umsatz. Und drittens eine Rechnung, die noch geschrieben wird — die definitive Kostenschätzung steht aus, Zölle von 80 bis 120 Millionen sind bislang nirgends eingepreist, und wenn Geld fehlt, kommt es aus demselben Topf wie bisher: von dir, über neue Aktien. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Wird die Mine gebaut?“ — sie wird sehr wahrscheinlich gebaut. Sie lautet: Bist du bereit, zwei Jahre lang eine Baustelle zu finanzieren, deren Kosten noch nicht feststehen, und dabei zuzusehen, wie dein Anteil an ihr kleiner wird? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du ein Foto. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Lithium Americas Corp. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 14. Mai 2026)
- Lithium Americas Corp. — SEC-Ergebnismitteilung 8-K Item 2.02, Anlage 99.1 vom 14. Mai 2026
- Lithium Americas Corp. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 19. März 2026)
- Lithium Americas Corp. — SEC-Nachtrag 10-K/A zum Geschäftsbericht 2025 (eingereicht 30. April 2026, Teil III)
- Lithium Americas Corp. — SEC-Regalprospekt S-3ASR vom 26. Juni 2026
- Lithium Americas Corp. — SEC-Prospektnachtrag 424B5 vom 19. März 2026 (Aktienverkaufsprogramm über 250 Millionen US-Dollar)
- Lithium Americas Corp. — SEC-Bericht 8-K vom 23. Juni 2026 (Ergebnisse der Hauptversammlung vom 22. Juni 2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Lithium Americas Corp.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Scanner-Kennzahlen, Analystenbild, Leerverkaufsquote; Datenstand 2. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der Lithium Americas Corp.
Unser Fazit auf einen Blick
- Vermögenswert und Partner positiv
- Thacker Pass ist nach Unternehmensangaben die größte bekannte gemessene und angezeigte Lithium-Ressource der Welt; die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven liegen zum 31. Dezember 2025 bei 1.056,7 Millionen Tonnen Fördererz mit 14,3 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (100-Prozent-Projektbasis). General Motors ist mit 38 Prozent beteiligt und über 20-Jahres-Abnahmeverträge gebunden — ein Rückhalt, den kaum ein Entwickler dieser Größe hat.
- Finanzierung und Liquidität positiv
- Zum 31. März 2026 lagen 1.207,6 Millionen US-Dollar Kasse und verfügungsbeschränkte Kasse in den Büchern, der operative Mittelabfluss betrug im Quartal nur 18,3 Millionen. Vom Darlehen des US-Energieministeriums über 2,23 Milliarden waren zwei Tranchen über 435,0 und 432,0 Millionen abgerufen; die Tilgung beginnt erst im Januar 2029. Das Unternehmen sieht sich für mindestens zwölf Monate ausfinanziert.
- Ertragslage negativ
- Es gibt keinen Umsatz und laut Quartalsbericht zum 31. März 2026 auch keinen bis zum Produktionsbeginn; die mechanische Fertigstellung ist für Ende 2027 angepeilt, der Hochlauf für 2028. Der ausgewiesene Quartalsgewinn von 4,6 Millionen US-Dollar entfiel zu 5,0 Millionen auf den Minderheitsgesellschafter und entstand aus einem Bewertungsgewinn, den der eigene Kursrückgang von 4,36 auf 3,95 US-Dollar auslöste.
- Verwässerung und Eigentümerstruktur negativ
- Die Aktienzahl stieg von 161,8 Millionen (31. Dezember 2023) auf 361,8 Millionen (24. Juni 2026), plus 124 Prozent. Dazu registriert der Regalprospekt vom 26. Juni 2026 bis zu 69.417.541 Aktien für das US-Energieministerium, dort mit 19,19 Prozent der Stimmrechte beziffert. Wirtschaftlich gehören dem LAC-Aktionär 62 Prozent des Projekts, nach voller Ausübung des JV-Bezugsrechts 59 Prozent.
- Kostensicherheit negativ
- Die Investitionsschätzung von 2,93 Milliarden US-Dollar stammt aus dem technischen Bericht mit Stichtag 31. Dezember 2024 und enthält laut Ergebnismitteilung vom 14. Mai 2026 ausdrücklich keine Zölle; das Unternehmen erwartet allein dafür 80 bis 120 Millionen. Eine neue definitive Kostenschätzung ist für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Bis dahin ist die entscheidende Zahl des Projekts offen.
- Verfügbarkeit der Mittel neutral
- Von 1.207,6 Millionen US-Dollar Kasse sind 449,1 Millionen verfügungsbeschränkt und liegen auf treuhänderisch verwalteten Konten der Projektgesellschaft; der Kreditvertrag verbietet ihr Dividenden und Darlehen an die Muttergesellschaft. Bis Oktober 2026 sind weitere 120 Millionen in Reservekonten einzuzahlen. Für eine Projektfinanzierung ist das üblich — als frei verfügbares Polster darf man die Summe trotzdem nicht lesen.
Lithium Americas baut in Nevada mit Thacker Pass das größte bekannte Lithiumvorkommen der Welt aus — finanziert von einem 2,23-Milliarden-Darlehen des US-Energieministeriums, von General Motors mit 430,0 Millionen Bareinlage und von den eigenen Aktionären, deren Anteil sich verwässert: aus 161,8 Millionen Aktien (31. Dezember 2023) wurden 361,8 Millionen (24. Juni 2026). Umsatz gibt es bis zum Produktionshochlauf 2028 keinen, der Quartalsgewinn von 4,6 Millionen US-Dollar gehört zu 5,0 Millionen dem Miteigentümer und stammt aus einem Bewertungseffekt des eigenen Kursverfalls, und die Kostenschätzung von 2,93 Milliarden enthält weder Zölle noch die Folgen des Nahost-Konflikts. Wer hier investiert, finanziert eine Baustelle mit offener Endsumme. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, und zwar bewusst weder grün noch rot. Nicht grün, weil die wesentliche operative Frage schlicht noch offen ist: Das Unternehmen hat keinen Umsatz, erwartet laut Quartalsbericht zum 31. März 2026 auch keinen bis zum Produktionsbeginn, und der gesamte Wert hängt daran, ob eine Fabrik bis Ende 2027 mechanisch fertig wird, deren definitive Kostenschätzung erst im zweiten Halbjahr 2026 vorliegen soll — die bisherige Zahl von 2,93 Milliarden US-Dollar enthält ausdrücklich keine Zölle, für die das Unternehmen 80 bis 120 Millionen erwartet. Nicht rot, weil kein belegtes Substanzrisiko vorliegt: Es gibt keinen Going-Concern-Hinweis, das Eigenkapital der Aktionäre beträgt 1.343,9 Millionen US-Dollar, die Kasse von 1.207,6 Millionen deckt den operativen Mittelabfluss von 18,3 Millionen je Quartal um ein Vielfaches, die Tilgung des Staatsdarlehens beginnt erst im Januar 2029, und alle Kreditauflagen waren zum 31. März 2026 eingehalten. Die Verwässerung von 161,8 auf 361,8 Millionen Aktien ist erheblich und für den Altaktionär teuer — sie bedroht aber nicht das Unternehmen, sondern seinen Anteil daran. Teuer oder billig ist die Aktie damit nicht beantwortet; das entscheiden die Scanner, nicht diese Ampel.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Lithium Americas über die Nachzügler-Prüfung des Aktien-Universums: eine Firma mit über drei Milliarden US-Dollar Bilanzsumme und ohne jede Umsatzzeile. Klassische Ertragskennzahlen (KGV, KUV, Altman-Z) sind hier nicht berechenbar oder ohne Aussagekraft; der Piotroski-Score von 1 von 9 (Datenstand 2. August 2026) ist strukturell bedingt, weil sieben der neun Punkte Gewinn, Marge oder Kapitalumschlag prüfen.
- Verwechslungsgefahr: Diese Lithium Americas Corp. (CIK 0001966983) entstand am 23. Januar 2023 als „1397468 B.C. Ltd.“ und übernahm mit der Abspaltung vom 3. Oktober 2023 nur das Nordamerika-Geschäft. Die argentinischen Aktiva liegen bei der Schwestergesellschaft, die heute Lithium Argentina AG heißt (früher Lithium Americas (Argentina) Corp., Kürzel LAAC). Trotz kanadischer Inkorporation bilanziert das Unternehmen nach US-Rechnungslegung und reicht 10-K/10-Q ein, nicht 40-F oder 20-F.
- Zum Börsenwert: Im Artikel steht nur eine Größenordnung aus zusammenpassenden Stichtagen — 347,4 Millionen Aktien mal 3,95 US-Dollar, beides zum 31. März 2026, also gut 1,3 Milliarden US-Dollar. Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten ist in sich stimmig: Er rechnet mit den 351.062.478 Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 13. Mai 2026). Er weicht von einer Gegenprobe gegen den letzten in einem SEC-Dokument dokumentierten Kurs nur deshalb ab, weil dieser Kursanker vom 18. März 2026 stammt und Monate alt ist. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.
- Aktualitätsstand: jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 14. Mai 2026). Alle Einreichungen ab diesem Tag wurden durchgesehen — Ergebnismitteilung 8-K vom 14. Mai 2026, Schwellenmeldung 13G/A vom 15. Mai 2026, 8-K und SD vom 23. Juni 2026, Regalprospekt S-3ASR vom 26. Juni 2026 sowie Insider-Meldungen (Form 4) vom 17., 22., 29. Juni und 8. Juli 2026. Ein Bericht für das zweite Quartal 2026 lag am 2. August 2026 noch nicht vor.
Häufige Fragen
Lithium Americas Corp. (NYSE und TSX: LAC) entwickelt und baut das Lithiumprojekt Thacker Pass in Humboldt County, Nevada. Aus dem Tonstein der McDermitt-Caldera soll batteriefähiges Lithiumkarbonat entstehen — Phase 1 ist auf 40.000 Tonnen im Jahr ausgelegt. Umsatz gibt es bislang nicht: Die mechanische Fertigstellung ist für Ende 2027 angepeilt, der Produktionshochlauf für 2028. Zum 31. Dezember 2025 hatte das Unternehmen 94 Festangestellte.
Die heutige Lithium Americas Corp. wurde am 23. Januar 2023 in British Columbia als „1397468 B.C. Ltd.“ gegründet und übernahm mit der Abspaltung vom 3. Oktober 2023 nur das Nordamerika-Geschäft der alten Lithium Americas — im Kern Thacker Pass. Die argentinischen Lithium-Aktiva blieben bei der Vorgängergesellschaft, die heute Lithium Argentina AG heißt. Wer LAC kauft, kauft Nevada, nicht Argentinien.
Zum 13. Mai 2026 hielt Lithium Americas 62 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Lithium Nevada Ventures, General Motors 38 Prozent. Weil Lithium Americas die Mehrheit der Stimmen hat, konsolidiert sie das Gemeinschaftsunternehmen in der Bilanz vollständig — dort stehen also 100 Prozent der Werte. Übt das US-Energieministerium sein Bezugsrecht am Gemeinschaftsunternehmen vollständig aus, sinkt der wirtschaftliche Anteil von Lithium Americas laut Quartalsbericht auf 59 Prozent.
Ausgewiesen wurden 4,6 Millionen US-Dollar Nettoergebnis nach 11,5 Millionen Verlust im Vorjahresquartal. Davon entfielen 5,0 Millionen auf den Minderheitsgesellschafter General Motors; den Aktionären von Lithium Americas blieb ein Verlust von 0,4 Millionen. Der Umschwung kam aus einem nicht zahlungswirksamen Bewertungsgewinn von 14,3 Millionen auf eine Wandelanleihe, ausgelöst durch den Rückgang des eigenen Aktienkurses von 4,36 auf 3,95 US-Dollar im Quartal.
Über drei Säulen. Erstens ein Darlehen des US-Energieministeriums über 2,23 Milliarden US-Dollar, von dem bis zum 24. Februar 2026 zwei Tranchen über 435,0 und 432,0 Millionen abgerufen waren; die Tilgung beginnt im Januar 2029. Zweitens General Motors mit 430,0 Millionen Bareinlage und einer Akkreditivlinie über 195 Millionen. Drittens der Verkauf neuer Aktien: allein aus dem Programm vom November 2025 kamen 246,7 Millionen US-Dollar netto herein.
Die Zahl der ausstehenden Stammaktien stieg von 161,8 Millionen zum 31. Dezember 2023 auf 361,8 Millionen zum 24. Juni 2026 — ein Plus von 124 Prozent. Hinzu kommen Bezugsrechte des US-Energieministeriums: Der Regalprospekt vom 26. Juni 2026 registriert den Weiterverkauf von bis zu 69.417.541 Aktien, was dort mit 19,19 Prozent der Stimmrechte beziffert wird.
Weil die üblichen Kennzahlen Umsatz oder Gewinn brauchen und es beides nicht gibt. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis ist ohne Umsatz nicht definiert, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis ohne Gewinn ebenso wenig, und der Altman-Z-Wert setzt Umsatz und Betriebsergebnis ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sinnvoll bleibt der Buchwert: rund 3,87 US-Dollar je Aktie zum 31. März 2026, bei einem vom Unternehmen zum selben Stichtag genannten Kurs von 3,95 US-Dollar.
Drei. Erstens die neue definitive Kostenschätzung für Phase 1, angepeilt für das zweite Halbjahr 2026 — die alte Schätzung von 2,93 Milliarden US-Dollar enthält keine Zölle. Zweitens die Einzahlung von 120 Millionen US-Dollar in die Reservekonten des Darlehens, fällig binnen zwölf Monaten nach dem 7. Oktober 2025. Drittens die mechanische Fertigstellung Ende 2027 als Voraussetzung für den Produktionshochlauf 2028.
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