Laser Photonics: Die eigene Kasse reicht laut Bericht bis August 2026 — und die Aktienzahl hat sich seit Silvester verdoppelt
Laser Photonics baut Maschinen, die Rost mit Licht abtragen statt mit Sand. Das Produkt ist echt, die US-Streitkräfte gehören zu den Kunden, der Umsatz stieg 2025 auf 8,3 Millionen US-Dollar. In demselben Geschäftsbericht — eingereicht am 20. April 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC — steht aber auch ein Satz mit Verfallsdatum: Die vorhandene Kasse von 1,4 Millionen US-Dollar reiche „bis August 2026“. Der Wirtschaftsprüfer hat dem Bericht einen Fortführungsvorbehalt beigefügt, das Eigenkapital war zum 31. März 2026 mit 1,7 Millionen negativ, und die Zahl der Aktien kletterte von 22,8 Millionen (31. Dezember 2025) auf rund 50,2 Millionen (16. Juli 2026). Keine Anlageberatung — nur die Frage, wer die nächste Rechnung bezahlt und mit wessen Anteil.
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Es gibt eine Anleger-Schwäche, die nichts mit Gier zu tun hat und uns trotzdem alle betrifft: Wir hören die laute Nachricht und überlesen die leise. Eine Pressemitteilung mit „neuer Auftrag“, „2,5 Millionen Dollar eingesammelt“, „Nasdaq-Verstoß behoben“ — das dringt durch. Ein Nebensatz auf Seite 42 eines Pflichtdokuments, der ein Datum nennt, ab dem das Geld alle ist, dringt nicht durch. Bei Laser Photonics (Nasdaq Capital Market: LASE) liegen beide Sorten Nachricht aus demselben Halbjahr nebeneinander. Die Firma aus Lake Mary in Florida baut Maschinen, die Rost und Farbe mit gebündeltem Licht abtragen statt mit Sand — eine ernstzunehmende Technik mit ernstzunehmenden Kunden, den US-Streitkräften zum Beispiel. Und im Geschäftsbericht (10-K) für 2025, eingereicht am 20. April 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC, steht dieser Satz: die vorhandene Kasse von 1,4 Millionen US-Dollar reiche „until August 2026“. Das ist keine Prognose, das ist eine Sanduhr in Textform: Der Bericht nennt den Monat, in dem der letzte Sand durchgelaufen sein soll. Machen wir also einen Deal: Bevor Du die lauten Meldungen bewertest, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst zu Protokoll gegeben hat. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest Du selbst.
Was Laser Photonics eigentlich macht — Licht statt Sandstrahl
Das Geschäftsmodell ist erfreulich leicht zu erklären. Wer heute eine verrostete Schiffswand, ein altes Brückenteil oder ein Flugzeugbauteil von Farbe und Korrosion befreien will, greift traditionell zum Sandstrahlen: Man schießt Strahlmittel mit hohem Druck auf die Oberfläche. Das funktioniert, erzeugt aber Staub, Sondermüll und ein Gesundheitsproblem — Quarzstaub gilt als Auslöser von Silikose und Lungenkrebs. Laser Photonics verkauft die Alternative: Laser Blasting. Ein gebündelter Lichtstrahl verdampft die oberste Schicht, das Metall darunter bleibt unangetastet, es fällt kein Strahlmittel an. Übersetzt in ein Alltagsbild: statt die Wand abzuschmirgeln, brennt man die Farbe millimetergenau weg — und muss hinterher nur den Ruß absaugen, nicht tonnenweise Sand entsorgen.
Das Sortiment reicht vom Handgerät bis zur Roboterzelle. Der Geschäftsbericht beschreibt es als Linie, die „mit den Kundenbedürfnissen skaliert“: unten die preiswerten Laser Blasters für einfache Reinigungsaufgaben, oben KI-gesteuerte, vom Anwender programmierbare Roboterzellen für die Serienfertigung. Dazu kamen mit der Übernahme von Control Micro Systems (CMS) am 30. Oktober 2024 auch Laser-Schneid-, -Schweiß- und -Beschriftungssysteme ins Haus. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten 94 Vollzeitkräfte im Unternehmen, dazu acht eigene Vertriebsleute und zehn Distributoren weltweit. Ein zweites Standbein wächst im Verteidigungsbereich: Der Geschäftsbericht beschreibt das Laser Shield Anti-Drone System (LSAD) als Gemeinschaftsentwicklung mit der verbundenen Fonon Drone Shield Solutions, Inc. — ein Laser gegen kleine Drohnen, dessen Prototyp am Standort Orlando getestet wurde. Ein Detail, das man gegen alles Folgende halten sollte: Die Kundenbasis ist ungewöhnlich unkonzentriert. Der größte Einzelkunde stand 2025 für gerade einmal 6 Prozent des Umsatzes (2024: 8 Prozent) — ein Klumpenrisiko, wie es viele Kleinstfirmen haben, gibt es hier ausdrücklich nicht. Und die US-Regierung, vor allem Heer, Marine und Luftwaffe, steuerte 2025 weniger als 18 Prozent der US-Umsätze bei; das Management will diesen Anteil binnen 12 bis 24 Monaten auf 25 Prozent heben.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das Produkt trägt — die Firma trägt sich nicht. Was Laser Photonics am Leben hält, ist nicht der Verkauf von Maschinen, sondern der Verkauf von Aktien.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — nicht über den Scanner, sondern über den Meldungsstrom
Ehrlichkeit zuerst: Laser Photonics ist kein Scanner-Treffer. Zum Stand 29. Juli 2026 steht die Aktie auf keiner Liste unseres hauseigenen Aktien-Scanners — kein Value-Filter, kein Qualitätsfilter, kein Momentum-Screen. Das ist auch kein Wunder: Für die Qualitäts- und Bewertungsfilter fehlen Gewinn, positives Eigenkapital und stabile Margen, für Momentum fehlt der Trend. (Diese Listen werden täglich neu berechnet, der Befund gilt also für den genannten Stichtag.)
Auf den Tisch kam die Aktie über eine andere Quelle: den Meldungsstrom bei der SEC selbst. Zwischen dem 6. Januar und dem 24. Juli 2026 reichte Laser Photonics 16 Pflichtmeldungen (Form 8-K) ein. Ein Form 8-K ist die Meldung für „etwas Wesentliches ist passiert“ — normalerweise sieht man davon bei einer Firma dieser Größe drei oder vier im Jahr. Sechzehn in gut sechs Monaten sind kein Zufallsrauschen, sondern ein Muster. Wenn Du eine Sache aus diesem Kapitel mitnimmst, dann diese: Die Frequenz der Pflichtmeldungen ist selbst eine Kennzahl. Sie sagt Dir nichts über die Richtung — aber sie sagt Dir, wo Du hinschauen sollst. Also schauen wir hin.
Die Zahlen über die Jahre — erst das, was beeindruckt
Beginnen wir mit dem Positiven, denn es gibt es. Der Umsatz stieg 2025 auf 8.342.008 US-Dollar nach 3.415.196 US-Dollar im Jahr 2024 — eine Steigerung um 144 Prozent. Das Bruttoergebnis kletterte von 414.994 auf 1.202.254 US-Dollar, die Rohmarge von 12,1 auf 14,4 Prozent. Für eine Firma, die vier Jahre lang zwischen 3,4 und 4,2 Millionen Dollar Umsatz gedümpelt hatte, ist das ein sichtbarer Sprung. Zur Fairness gehört allerdings die Herkunft: Der Sprung stammt fast vollständig aus dem ersten vollen Jahr der Tochter Control Micro Systems, die im Oktober 2024 hinzukam. Gewachsen ist also vor allem der Konsolidierungskreis, nicht die verkaufte Stückzahl.
Und damit sind wir bei der roten Seite. Der Nettoverlust 2025 betrug 17.456.046 US-Dollar nach 2.518.827 im Vorjahr — er hat sich fast versiebenfacht, während sich der Umsatz verdoppelte. Die Betriebskosten stiegen von 6,9 auf 14,5 Millionen Dollar, darunter 3,9 Millionen Abschreibung auf immaterielle Vermögenswerte und 1,6 Millionen aktienbasierte Vergütung. Der Betriebsverlust lag bei 13,3 Millionen, dazu kamen 4,2 Millionen Dollar netto aus Finanzierungskosten und Zinsen. Zur Einordnung: Verluste gab es auch vorher, aber in einer ganz anderen Größenordnung — 2,1 Millionen US-Dollar (2022) und 3,3 Millionen (2023), während 2021 noch ein kleiner Gewinn von 0,6 Millionen zu Buche stand. Rechnet man die sogenannten deemed dividends hinzu — rechnerische Vorzugsdividenden, die entstehen, wenn eine Gesellschaft Anteilseignern mehr gibt, als sie bekommt —, waren es sogar 32.558.770 US-Dollar, die den Stammaktionären 2025 zugerechnet wurden. Merke: Bei dieser Aktie ist die Zeile unter dem Nettoergebnis wichtiger als das Nettoergebnis.
Das erste Quartal 2026 hat den Trend dann brutal gedreht. Der Umsatz fiel um 60 Prozent auf 915.553 US-Dollar (Vorjahresquartal: 2.290.282). Weil die Kosten der verkauften Ware nur um 6,2 Prozent sanken, wurde aus einem Bruttogewinn von 900.491 US-Dollar ein Bruttoverlust von 388.451 US-Dollar — eine Rohmarge von minus 42,4 Prozent nach plus 39,3 Prozent ein Jahr zuvor. Übersetzt: Jede in diesem Quartal ausgelieferte Maschine kostete in der Herstellung mehr, als der Kunde dafür zahlte. Das Unternehmen erklärt das mit der geringen Auslastung — bei so wenig Produktion verteilen sich die Fixkosten der Fabrik auf zu wenige Geräte. Das ist eine plausible Erklärung, aber keine Entwarnung: Der Nettoverlust stieg auf 2.946.284 US-Dollar, der operative Mittelabfluss auf 1.842.774 US-Dollar im Quartal.
Fairerweise gehört daneben eine Zahl, die in die andere Richtung zeigt und in derselben Bilanz steht: Die Vertragsverbindlichkeiten — Geld, das Kunden für noch nicht gelieferte Aufträge schon angezahlt haben — stiegen von 1.205.007 US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 2.874.427 US-Dollar (31. März 2026), dazu kommen 1.342.536 US-Dollar abgegrenzte Umsätze. Zusammen sind das rund 4,2 Millionen US-Dollar bezahlter, aber noch nicht ausgelieferter Arbeit — mehr als das Vierfache des Quartalsumsatzes. Das stützt die Lesart des Managements, dass es im ersten Quartal um Auslieferungstermine ging und nicht um weggebrochene Nachfrage. Ob daraus Umsatz mit Gewinn wird, entscheidet erst das nächste Quartal.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Zettel in der Flasche nennt einen Monat
Kommen wir zu dem Satz, um den es geht. Im Kapitel „Liquidity and Capital Resources“ des Geschäftsberichts für 2025 schreibt das Management schwarz auf weiß, wie lange das Geld reicht — und der Wirtschaftsprüfer bestätigt im selben Absatz die Konsequenz:
„We have a history of reporting net losses. As of the issuance date of the financial statements included in this Annual Report on Form 10-K, management expects that the Company’s existing cash of $1.4 million will last until August 2026. As a result, management has concluded, and our independent registered public accounting firm has agreed with our conclusion that there is a substantial doubt regarding our ability to continue as a going concern for a period of at least 12 months beyond the filing of this Annual Report on Form 10-K.“
Übersetzung: „Wir haben eine Historie ausgewiesener Nettoverluste. Zum Zeitpunkt der Aufstellung der in diesem Jahresbericht auf Formblatt 10-K enthaltenen Abschlüsse erwartet das Management, dass die vorhandene Kasse des Unternehmens von 1,4 Millionen US-Dollar bis August 2026 reichen wird. Folglich ist das Management zu dem Schluss gekommen — und unsere unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat sich diesem Schluss angeschlossen —, dass erhebliche Zweifel an unserer Fähigkeit bestehen, den Geschäftsbetrieb für mindestens zwölf Monate nach der Einreichung dieses Jahresberichts fortzuführen.“
— Laser Photonics Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 „Liquidity and Capital Resources — Going Concern“
Was heißt „Fortführungsvorbehalt“ im Alltag? Stell Dir vor, Dein Steuerberater schreibt unter Deine Jahresbilanz: „Ich habe erhebliche Zweifel, dass dieser Betrieb in zwölf Monaten noch existiert.“ Er sagt damit nicht, dass Du morgen pleite bist. Er sagt, dass er das Gegenteil nicht mehr guten Gewissens unterschreiben kann. Es ist die deutlichste Warnung, die ein Prüfer im Repertoire hat — und sie steht bei Laser Photonics nicht zum ersten Mal dort: Auch der Prüfbericht für 2024 enthielt sie bereits.
Die Zahlen dahinter, alle datiert: Zum 31. Dezember 2025 lagen 650.339 US-Dollar in der Kasse, das Eigenkapital war mit 5.036.586 US-Dollar negativ, das Working-Capital-Defizit betrug 7.344.637 US-Dollar. Zum 31. März 2026 hatte sich das durch frisches Geld verbessert, aber nicht gedreht: Kasse 1.627.600 US-Dollar, Eigenkapital weiter negativ mit 1.700.323 US-Dollar, Working-Capital-Defizit 3.984.822 US-Dollar. „Negatives Eigenkapital“ heißt schlicht: Die Schulden sind größer als alles, was die Firma besitzt — bei einer Bilanzsumme von 10.905.197 US-Dollar stehen 12.605.520 US-Dollar Verbindlichkeiten. Dem operativen Geschäft flossen 2025 6.390.628 US-Dollar ab, im ersten Quartal 2026 weitere 1.842.774. Eine Firma, die in einem Quartal 1,8 Millionen verbrennt und 1,6 Millionen in der Kasse hat, lebt von der nächsten Kapitalmaßnahme. Wie das aussieht, wenn eine Firma dieselbe Rechnung offen auf den Tisch legt, haben wir kürzlich bei Fractyl Health gesehen — dort steht sogar deutlich mehr Geld in der Kasse, und der Vorbehalt steht trotzdem im Bericht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Aktienzahl hat sich in sieben Monaten mehr als verdoppelt
Wenn die Kasse leer ist und das Geschäft kein Geld abwirft, gibt es zwei Wege: Schulden oder neue Aktien. Laser Photonics hat sich für neue Aktien entschieden — konsequent. Verwässerung bedeutet dabei genau das, wonach es klingt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden, ohne dass der Kuchen größer wird. Die Stichtage sprechen für sich.
Der Weg dorthin ist eine Kette von Kapitalmaßnahmen: eine öffentliche Platzierung am 9. Februar 2026 über 7.142.858 Aktien zu 0,70 US-Dollar (brutto 5.000.001, netto 4,1 Millionen), begleitet von Warrants über weitere zweimal 7.142.858 Aktien. Dann eine Warrant-Anreizvereinbarung am 28. April 2026: Die Inhaber übten 5.715.085 Warrants zu 0,70 Dollar aus (brutto rund 4,0 Millionen, netto 3,6 Millionen) — und bekamen dafür neue Warrants über 4.742.860 plus 6.687.310 Aktien zu 0,975 Dollar. Am 16. Juli 2026 dasselbe Spiel noch einmal: 2.528.572 Warrants bar ausgeübt (brutto 2.465.357,70 US-Dollar), im Gegenzug neue Warrants über 800.000 plus 4.257.144 Aktien, wieder zu 0,975 Dollar, dazu 177.000 Warrants für den Platzierungsagenten. Ein Warrant ist dabei nichts anderes als ein Gutschein auf eine neue Aktie zu festem Preis — jeder eingelöste Gutschein macht Deinen Anteil kleiner.
Am unangenehmsten ist eine Variante, die im Quartalsbericht zum 31. März 2026 dokumentiert ist. Warrants können nämlich auch cashless ausgeübt werden: Der Inhaber zahlt nichts, bekommt dafür entsprechend weniger Aktien — und die Firma sieht keinen Cent.
„Between June 1st, 2026 and the filing date, holders of the Company’s outstanding warrants exercised Series A-1 and A-2 warrants to acquire 5,613,586 shares of the Company’s common stock. Of these exercises, approximately 274,726 warrants were exercised for cash, resulting in aggregate proceeds to the Company of approximately $296,704. In addition, 6,550,778 warrants were exercised pursuant to the cashless exercise provisions of the applicable warrant agreements, resulting in the issuance of approximately 5,338,860 shares of common stock. No cash proceeds were received from the cashless exercises.“
Übersetzung: „Zwischen dem 1. Juni 2026 und dem Tag der Einreichung übten Inhaber ausstehender Warrants des Unternehmens Series-A-1- und A-2-Warrants zum Erwerb von 5.613.586 Stammaktien des Unternehmens aus. Von diesen Ausübungen erfolgten rund 274.726 Warrants gegen Barzahlung, was dem Unternehmen einen Gesamterlös von rund 296.704 US-Dollar einbrachte. Zusätzlich wurden 6.550.778 Warrants nach den Bestimmungen zur bargeldlosen Ausübung der jeweiligen Warrant-Vereinbarungen ausgeübt, was zur Ausgabe von rund 5.338.860 Stammaktien führte. Aus den bargeldlosen Ausübungen erhielt das Unternehmen keine Barerlöse.“
— Laser Photonics Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 8 „Subsequent Events“
Rechne es einmal für Dich durch: Wer am 31. Dezember 2025 ein Prozent der Firma besaß und seither nichts falsch gemacht hat, besitzt heute noch rund 0,46 Prozent. Und die Rechnung ist nicht zu Ende — zum 31. März 2026 standen noch 17.511.441 Warrants aus, das genehmigte Kapital umfasst 100.000.000 Aktien. Wachstum, das mit frischen Aktien bezahlt wird, ist nie ganz gratis; wie hart diese Rechnung werden kann, haben wir bei Arrive AI im Detail durchgerechnet.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Anlagen für 255.824 Dollar, bezahlt mit Aktien für 8,4 Millionen
Jetzt zu dem Vorgang, den man zweimal lesen muss. Am 31. März 2025 kaufte ICT Investments — die Gesellschaft, die Laser Photonics beherrscht und die zusammen mit ihren Schwestergesellschaften die Aktienmehrheit hielt — die Beamer-Laserbeschriftungslinie von einem Dritten. Kaufpreis: 255.824 US-Dollar in bar. Die Anlagen wanderten weiter zur Fonon Quantum Technologies, Inc. (FQTI), einer Schwestergesellschaft unter derselben Kontrolle. Vier Monate später kaufte Laser Photonics dieselben Anlagen — von FQTI:
„On August 5, 2025, the Company entered into an Asset Purchase Agreement with FQTI, to acquire the Beamer assets. Under the terms of the Asset Purchase Agreement, the Company issued 3,000,000 restricted shares of its common stock with a fair value of $8,434,322 (valued at $2.80 per share as of the close of market on August 5, 2025), as payment for the assets acquired of $255,824, resulting in a deemed dividend of $8,835,228 for the year ended December 31, 2025.“
Übersetzung: „Am 5. August 2025 schloss das Unternehmen mit FQTI einen Vermögenskaufvertrag über den Erwerb der Beamer-Vermögenswerte. Nach den Bedingungen dieses Vertrags gab das Unternehmen 3.000.000 gesperrte Stammaktien mit einem beizulegenden Zeitwert von 8.434.322 US-Dollar aus (bewertet mit 2,80 US-Dollar je Aktie zum Börsenschluss am 5. August 2025), als Zahlung für die erworbenen Vermögenswerte von 255.824 US-Dollar, woraus für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr eine rechnerische Vorzugsdividende von 8.835.228 US-Dollar resultierte.“
— Laser Photonics Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 3 „Asset Acquisition from Common Controlled Entity“
Zur Fairness gehört: Der Vorgang ist vollständig offengelegt, buchhalterisch nach den Regeln für Transaktionen unter gemeinsamer Beherrschung abgebildet, und die Anlagen wurden zu historischen Anschaffungskosten in die Bilanz genommen — die Differenz wurde also nicht als Vermögenswert aktiviert, sondern als Vorzugsdividende gegen das Eigenkapital gebucht. Nichts davon ist heimlich. Die Größenordnung bleibt trotzdem bemerkenswert: Die rechnerische Vorzugsdividende aus diesem einen Vorgang übersteigt den gesamten Jahresumsatz 2025.
Und es war nicht der einzige. Am 21. Mai 2024 gingen bereits 3.000.000 Aktien im Wert von 6.615.000 US-Dollar an die verbundene Fonon Corporation — Gegenleistung: Lizenzen. Dazu kommen die Ausschüttungen: 3.552.696 US-Dollar (2025) und 5.780.578 US-Dollar (2024) flossen an dieselbe Fonon Corporation, laut Bericht überwiegend als Umlage für Personal-, Gebäude- und Gemeinkosten. In zwei Jahren sind das rund 9,3 Millionen Dollar — bei Jahresumsätzen von 3,4 und 8,3 Millionen. Den Kontrast liefert der Blick auf einen fremden Verkäufer: Für die operative Tochter Control Micro Systems zahlte Laser Photonics im Oktober 2024 950.000 US-Dollar bar plus 100.000 Aktien — und buchte daraus sogar einen Erwerbsgewinn von 3.857.999 US-Dollar, weil das übernommene Vermögen mehr wert war als der Preis. Merke Dir das Muster: Beim Kauf von Fremden entstand ein Schnäppchen, beim Kauf aus der eigenen Familie eine Vorzugsdividende in Höhe eines Jahresumsatzes.
Nebenbei hat die Verwässerung auch den Großaktionär erwischt: Die ICT-Gruppe hielt zum 31. Dezember 2025 mit 11.373.695 Aktien noch 50,7 Prozent — zum 31. März 2026 waren es bei unverändertem Bestand nur noch 34,89 Prozent. Der Mehrheitseigner hat nicht verkauft; er wurde mitverwässert.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Drei Prüfer, zwei Mahnungen, ein Chef in Auszeit
Rund um die Berichterstattung ist 2026 viel in Bewegung geraten — und das ist die vierte unbequeme Wahrheit. Der Reihe nach, alles aus Pflichtmeldungen:
- Abschlussprüfer, dreimal in sieben Monaten: Am 31. Dezember 2025 löste Weinberg & Company die bisherige Prüfgesellschaft M&K CPAS ab; am 20. Juli 2026 folgte Rosenfield & Company auf Weinberg. In beiden Fällen meldet die Firma ausdrücklich keine Meinungsverschiedenheiten und keine „reportable events“ — der Wechsel selbst ist also nicht als Streitfall dokumentiert. Bemerkenswert bleibt die Frequenz.
- Nasdaq, zweimal gemahnt — beides erledigt: Weil der Geschäftsbericht 2025 verspätet kam, stellte die Nasdaq einen Verstoß gegen Listing Rule 5250(c)(1) fest; nachdem der Bericht eingereicht war, erklärte sie die Sache am 21. April 2026 für geschlossen. Am 21. Mai 2026 folgte dieselbe Mahnung für den verspäteten Quartalsbericht — auch dieser Vorgang wurde am 12. Juni 2026 schriftlich für erledigt erklärt. Wichtig für die Einordnung: Zum Stand dieser Analyse läuft keine offene Nasdaq-Frist. Der Verzug hatte laut 8-K vom 21. April 2026 einen konkreten Grund — die Klärung von Bilanzierungsfragen, die der neu bestellte Prüfer aufgeworfen hatte.
- Finanzchef-Karussell: Am 7. Mai 2026 übernahm Roman Franklin über eine Dienstleistungsvereinbarung mit der Firma The CFO Portal die Funktion des Principal Financial Officer — vereinbart für zunächst sechs Monate. Am 24. Juni 2026, sieben Wochen später, wurde die Vereinbarung aufgehoben, verbunden mit einer Zahlung von 50.000 US-Dollar. Nachfolger wurde Ralph Venegas, der bis dahin Vizepräsident für Finanzen und Berichtswesen bei — man ahnt es — der Schwestergesellschaft FQTI war.
- Vorstandschef in Auszeit: Am 16. Juni 2026 teilte Wayne Tupuola, Präsident und Vorstandschef, dem Aufsichtsgremium und der Belegschaft mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen eine dreimonatige Auszeit nehme. Seither führt Ann Tewari, zuvor Executive Vice President für globale Operationen und Strategie, das Unternehmen als Interims-Präsidentin.
Dass beim Prüferwechsel im Juli der Fortführungsvorbehalt noch einmal ausdrücklich protokolliert wurde, ist der sauberste Beleg dafür, dass der Befund aus dem April weiterhin gilt:
„Weinberg & Company’s audit report on the Company’s consolidated financial statements as of and for the year ended December 31, 2025, did not contain an adverse opinion or a disclaimer of opinion, nor was it qualified or modified as to uncertainty, audit scope or accounting principles, except that the report contained an explanatory paragraph regarding substantial doubt about the Company’s ability to continue as a going concern.“
Übersetzung: „Der Prüfungsvermerk von Weinberg & Company zu den konsolidierten Abschlüssen des Unternehmens zum und für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr enthielt weder ein negatives Prüfungsurteil noch eine Erklärung über die Nichtabgabe eines Prüfungsurteils; er war auch nicht wegen Unsicherheiten, des Prüfungsumfangs oder der Rechnungslegungsgrundsätze eingeschränkt oder abgewandelt — mit der Ausnahme, dass der Vermerk einen erläuternden Absatz über erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens enthielt, den Geschäftsbetrieb fortzuführen.“
— Laser Photonics Corporation, SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 24.07.2026, Item 4.01 „Changes in Registrant’s Certifying Accountant“
Bewertung: Was rund 50 Millionen Aktien kosten sollen
Hier wird es methodisch heikel, und wir machen das transparent. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden — es gibt keinen Gewinn. Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis auch nicht — das Eigenkapital ist negativ, der Nenner also unbrauchbar. Bleibt der Umsatz. Und selbst dafür brauchen wir einen Börsenwert, auf den man sich festlegen kann.
Wir rechnen deshalb ausschließlich mit dem, was in einem Dokument steht. Der Prospekt vom 16. Juli 2026 nennt zwei harte Größen: 47.647.622 ausstehende Aktien zum 23. Juni 2026 und als letzten dokumentierten Kurs 1,35 US-Dollar am 9. Juli 2026. Zählt man die am 16. Juli 2026 bar ausgeübten 2.528.572 Warrants hinzu, kommt man auf rund 50,2 Millionen Aktien. Zusammen ergibt das einen Börsenwert in der Größenordnung von 67,7 Millionen US-Dollar. Ehrlich dazugesagt: Der aus Fundamentaldaten stammende Börsenwert (52,2 Millionen, Datenstand 28. Juli 2026) liegt rund 23 Prozent darunter — und das liegt nicht an der Aktienzahl, die Fundamentaldaten führen exakt dieselben 50.176.194 Stück. Der Unterschied steckt allein im Stichtag des Kurses: Unser Anker ist der letzte Kurs, den ein Pflichtdokument nennt, und der ist gut drei Wochen älter. Wir bleiben trotzdem beim Filing-Anker, weil er belegt ist — und halten fest, dass die Börse die Firma zuletzt niedriger bewertet hat als diese Rechnung.
Mit dem Filing-Anker gerechnet, sieht die Bewertung so aus: rund das Achtfache des Jahresumsatzes 2025 (8,3 Millionen Dollar). Schreibt man dagegen das erste Quartal 2026 fort — 915.553 Dollar mal vier, also rund 3,7 Millionen —, sind es rund das 18-Fache. Zum Vergleich: Solche Umsatz-Vielfachen zahlt man normalerweise für Softwarefirmen mit 80 Prozent Rohmarge, nicht für einen Maschinenbauer, dessen Rohmarge im letzten berichteten Quartal negativ war. Einen Analysten-Konsens gibt es nicht — die Aktie wird von den großen Häusern nicht abgedeckt, es gibt also auch keinen „Blick der Profis“, an dem man sich reiben könnte. Und ein Punkt, der oft untergeht: Jede weitere Warrant-Ausübung erhöht den Nenner dieser Rechnung, ohne den Umsatz zu erhöhen. Der Börsenwert kann also steigen, während der Kurs fällt.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Laser Photonics spricht:
- Ein echtes Produkt mit nachvollziehbarem Nutzen: Laser-Reinigung ersetzt Sandstrahlen und Chemie, spart Strahlmittel und Sondermüll und senkt die Staubbelastung der Arbeiter — ein Markt, den Umwelt- und Arbeitsschutzvorgaben eher größer machen als kleiner.
- Kein Klumpenrisiko auf der Kundenseite: Der größte Einzelkunde stand 2025 für nur 6 Prozent des Umsatzes (2024: 8 Prozent). Das ist für eine Firma dieser Größe ungewöhnlich gesund.
- Behördenzugang als Anker: 2025 kamen weniger als 18 Prozent der US-Umsätze von der US-Regierung, überwiegend aus Aufträgen von Heer, Marine und Luftwaffe; das Management strebt binnen 12 bis 24 Monaten 25 Prozent an.
- Der Umsatz stieg 2025 auf 8.342.008 US-Dollar (+144 Prozent), die Rohmarge auf 14,4 Prozent; mit Control Micro Systems kam eine Tochter mit eigener Fertigung und 52.200 Quadratfuß Werksfläche ins Haus, gekauft unter Wert (Erwerbsgewinn 3.857.999 US-Dollar).
- Die beiden Nasdaq-Mängelanzeigen des Jahres 2026 sind belegt geschlossen (21. April und 12. Juni 2026); zum Stand dieser Analyse läuft keine offene Notierungsfrist.
- Ein Rückenwind aus dem Verteidigungsgeschäft ist dokumentiert: Laut der Anlage 99.1 zur Pflichtmeldung 8-K vom 11. Juni 2026 wurde das Laser Shield Anti-Drone System unter dem Aufruf „Vulcan“ des US-Kriegsministeriums als eine der besten Einreichungen in der Kategorie Counter-C5ISR-T ausgewählt und zum technischen Austausch eingeladen. Dazu kamen erste Aufträge aus neuen Feldern, darunter ein Laserbohrsystem für 0,25 Millionen US-Dollar für Johnson & Johnson.
- Der Auftragsbestand wächst gegen den Umsatztrend: Vertragsverbindlichkeiten 2.874.427 US-Dollar zum 31. März 2026 nach 1.205.007 zum 31. Dezember 2025, dazu 1.342.536 US-Dollar abgegrenzte Umsätze — zusammen rund 4,2 Millionen US-Dollar bereits bezahlter, noch nicht ausgelieferter Arbeit.
Was dagegen spricht:
- Fortführungsvorbehalt des Wirtschaftsprüfers zum Geschäftsjahr 2025 und die eigene Aussage vom 20. April 2026, die Kasse von 1,4 Millionen US-Dollar reiche „bis August 2026“ — bei einem operativen Mittelabfluss von 1.842.774 US-Dollar allein im ersten Quartal 2026.
- Negatives Eigenkapital: minus 1.700.323 US-Dollar zum 31. März 2026 (31. Dezember 2025: minus 5.036.586) bei 12.605.520 US-Dollar Verbindlichkeiten und 10.905.197 US-Dollar Bilanzsumme.
- Verwässerung im Dauerbetrieb: von 22.845.345 Aktien (31. Dezember 2025) auf rund 50,2 Millionen (16. Juli 2026), dazu 17.511.441 ausstehende Warrants zum 31. März 2026 — ein Altaktionär hält heute noch rund 46 Prozent seines ursprünglichen Anteils.
- Geschäfte mit verbundenen Unternehmen in erheblicher Größenordnung: 3.000.000 Aktien (8.434.322 US-Dollar) für Anlagen im Anschaffungswert von 255.824 US-Dollar, 3.000.000 Aktien (6.615.000 US-Dollar) für Lizenzen, dazu 9,3 Millionen US-Dollar Ausschüttungen an die verbundene Fonon Corporation in zwei Jahren.
- Das Geschäft ist zuletzt geschrumpft, nicht gewachsen: Umsatz im ersten Quartal 2026 minus 60 Prozent, Rohmarge minus 42,4 Prozent, Nettoverlust 2.946.284 US-Dollar. Dazu ein Führungswechsel auf Zeit an der Spitze und der dritte Abschlussprüfer in sieben Monaten.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Sanduhr vom Anfang. Der Reiz dieser Aktie liegt darin, dass die laute Nachricht wirklich stimmt: Die Maschinen funktionieren, der Markt ist da, Streitkräfte kaufen, der Umsatz ist gestiegen, die Nasdaq-Mahnungen sind abgearbeitet, und der Auftragsbestand wächst. Nichts davon ist erfunden. Nur steht daneben ein Satz mit einem Datum darin, und dieser Satz stammt nicht von einem Kritiker, sondern vom Unternehmen selbst — bestätigt vom eigenen Wirtschaftsprüfer, zweimal wiederholt in späteren Dokumenten. Wer heute Aktien von Laser Photonics kauft, kauft deshalb nicht in erster Linie eine Wette auf Laser gegen Sandstrahl. Er kauft eine Wette darauf, dass die nächste Finanzierung kommt, dass sie nicht zu billig kommt und dass die Firma irgendwann Maschinen mit Gewinn statt mit Verlust ausliefert.
Das kann aufgehen. Firmen haben sich schon aus tieferen Löchern herausgearbeitet, und der operative Kern hier ist besser, als die Bilanz vermuten lässt — kein Kunde über 6 Prozent, eine echte Fabrik, ein Produkt mit Rückenwind aus dem Arbeitsschutz. Aber der Preis dafür wird bisher in einer einzigen Währung bezahlt: in Anteilen. Die ehrliche Frage an Dich lautet deshalb nicht „Ist die Technik gut?“ — sie ist es. Sie lautet: Willst Du der sein, dessen Anteil kleiner wird, damit die Rechnungen bezahlt werden können? Wenn Du das mit Ja beantwortest und die Größe der Position entsprechend wählst, hast Du eine These. Wenn nicht, hast Du eine gute Geschichte gelesen. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Laser Photonics Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 20. April 2026)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 11. Juni 2026)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Prospekt 424B3 vom 16. Juli 2026 (Aktienzahl zum 23.06.2026, Kurs vom 09.07.2026)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 20. Juli 2026 (Items 1.01/3.02: Warrant-Anreizvereinbarung)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 24. Juli 2026 (Item 4.01: Wechsel des Abschlussprüfers)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 30. Juni 2026 (Item 5.07: Ergebnisse der außerordentlichen Hauptversammlung)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 23. Juni 2026 (Item 5.02: Auszeit des Vorstandschefs)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 25. Juni 2026 (Item 5.02: Wechsel des Finanzchefs)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 12. Juni 2026 (Item 3.01: Nasdaq bestätigt die wiederhergestellte Regelkonformität)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 11. Juni 2026 (Item 7.01, Anlage 99.1: Quartalszahlen und die Auswahl des Laser Shield Anti-Drone System)
- Laser Photonics Corporation — SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 21. April 2026 (Item 3.01: Mängelanzeige und Erledigung wegen des verspäteten Geschäftsberichts)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Laser Photonics: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Umsatz- und Ergebnisreihen 2021 bis 2023, Kennzahlen; Datenstand 28. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten. Der aus dieser Quelle stammende Börsenwert wurde wegen einer Abweichung von rund 23 Prozent gegenüber dem Filing-Anker nicht verwendet.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Laser-Photonics-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Produkt & Markt positiv
- Das Geschäft ist echt und der Markt nachvollziehbar: Laser-Reinigung ersetzt Sandstrahlen und Chemie, spart Strahlmittel und Sondermüll und verringert die Staubbelastung der Arbeiter. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten 94 Vollzeitkräfte im Unternehmen, weniger als 18 Prozent der US-Umsätze kamen 2025 von der US-Regierung, und die Kundenbasis ist bemerkenswert breit — der größte Einzelkunde stand 2025 für nur 6 Prozent des Umsatzes (2024: 8 Prozent).
- Fortführung & Liquidität negativ
- Der Prüfbericht zum Geschäftsjahr 2025 trägt einen Fortführungsvorbehalt; das Management schrieb am 20. April 2026, die Kasse von 1,4 Millionen US-Dollar reiche „bis August 2026“. Zum 31. März 2026 lagen 1.627.600 US-Dollar in der Kasse, das Eigenkapital war mit 1.700.323 US-Dollar negativ, das Working-Capital-Defizit betrug 3.984.822 US-Dollar. Der operative Mittelabfluss lag 2025 bei 6.390.628 und im ersten Quartal 2026 bei 1.842.774 US-Dollar.
- Verwässerung negativ
- Die Aktienzahl stieg von 22.845.345 (31. Dezember 2025) auf 47.647.622 (23. Juni 2026) und rechnerisch rund 50,2 Millionen nach dem 16. Juli 2026 — mehr als eine Verdopplung in sieben Monaten. Zwischen dem 1. und 11. Juni 2026 entstanden allein 5.338.860 Aktien aus „cashless“ ausgeübten Warrants, ohne einen Dollar Erlös. Zum 31. März 2026 standen zusätzlich 17.511.441 Warrants aus, das genehmigte Kapital liegt bei 100.000.000 Aktien.
- Geschäfte mit verbundenen Unternehmen negativ
- Am 5. August 2025 zahlte das Unternehmen 3.000.000 eigene Aktien im Wert von 8.434.322 US-Dollar an die Schwestergesellschaft FQTI für Anlagen, die im selben Kontrollkreis vier Monate zuvor 255.824 US-Dollar gekostet hatten; der Geschäftsbericht weist dafür eine rechnerische Vorzugsdividende von 8.835.228 US-Dollar aus. Dazu kommen 3.552.696 (2025) und 5.780.578 US-Dollar (2024) an Ausschüttungen an die verbundene Fonon Corporation sowie 3.000.000 Aktien für Lizenzen im Mai 2024.
- Berichtswesen & Führung negativ
- Drei Abschlussprüfer in sieben Monaten (M&K CPAS, Weinberg & Company, seit 20. Juli 2026 Rosenfield & Company), zwei Nasdaq-Mängelanzeigen wegen verspäteter Berichte im Jahr 2026 — beide am 21. April und 12. Juni 2026 geschlossen —, ein Finanzchef, dessen Mandat nach sieben Wochen aufgehoben wurde (Abfindung 50.000 US-Dollar), und ein Vorstandschef, der seit dem 16. Juni 2026 eine dreimonatige Auszeit aus gesundheitlichen Gründen nimmt.
- Bewertung neutral
- Ein Gewinn- oder Buchwert-Multiplikator existiert nicht (Verlust, negatives Eigenkapital). Bleibt der Umsatz: rund 50,2 Millionen Aktien zum letzten in einem Filing dokumentierten Kurs von 1,35 US-Dollar (9. Juli 2026) ergeben rund 67,7 Millionen US-Dollar — das Achtfache des Jahresumsatzes 2025 und rund das 18-Fache, wenn man das erste Quartal 2026 hochrechnet. Ein Analysten-Konsens liegt nicht vor.
Laser Photonics ist ein Fall, in dem Produkt und Bilanz auseinanderlaufen. Die Maschinen funktionieren, der Markt ist real, der Umsatz stieg 2025 auf 8.342.008 US-Dollar — aber der Prüfbericht trägt einen Fortführungsvorbehalt, das Eigenkapital war zum 31. März 2026 mit 1.700.323 US-Dollar negativ, und das Management selbst datierte im April 2026 die Reichweite der Kasse auf „bis August 2026“. Finanziert wird das Ganze mit immer neuen Aktien: von 22.845.345 (31. Dezember 2025) auf rund 50,2 Millionen (16. Juli 2026), dazu 17.511.441 ausstehende Warrants. Wer hier Anteilseigner ist, trägt das operative Risiko und zahlt es zugleich mit dem eigenen Anteil. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot ist hier kein Urteil über den Kurs, sondern die Folge dreier belegter Substanzbefunde: der Fortführungsvorbehalt des Wirtschaftsprüfers zum Geschäftsjahr 2025, das negative Eigenkapital von 1.700.323 US-Dollar zum 31. März 2026 und die vom Unternehmen selbst datierte Kassenreichweite „bis August 2026“ bei fortdauerndem Mittelabfluss. Dass das Produkt funktioniert und der größte Kunde nur 6 Prozent des Umsatzes ausmacht, spricht für das Geschäft — es ändert aber nichts daran, dass die Fortführung derzeit an der nächsten Kapitalmaßnahme hängt und jede davon den Anteil der bestehenden Aktionäre weiter verkleinert. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Laser Photonics nicht über einen Scanner-Treffer — zum Stand 29. Juli 2026 steht die Aktie auf keiner Liste des hauseigenen Aktien-Scanners, und die Listen werden täglich neu berechnet. Aufhänger war der Meldungsstrom bei der US-Börsenaufsicht SEC: 16 Pflichtmeldungen (Form 8-K) zwischen dem 6. Januar und dem 24. Juli 2026, darunter zweimal ein Wechsel des Abschlussprüfers und dreimal eine Mitteilung zur Nasdaq-Notierung.
- Aktualitäts-Gate: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 11. Juni 2026); alle danach eingereichten Filings wurden einzeln geprüft, samt Anlagen. Wichtig für die Einordnung: Beide Nasdaq-Mängelanzeigen des Jahres 2026 betrafen ausschließlich verspätete Berichte nach Listing Rule 5250(c)(1) und sind nachweislich geschlossen (21. April und 12. Juni 2026). Es läuft keine offene Nasdaq-Frist; auch eine Mängelanzeige wegen des Mindestkurses von einem US-Dollar (Listing Rule 5550(a)(2)) ist in keinem Filing dokumentiert.
- Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten (52,2 Millionen US-Dollar, Datenstand 28. Juli 2026) weicht um rund 23 Prozent von der Gegenprobe „Aktienzahl × letzter in einem Filing dokumentierter Kurs“ ab (50.176.194 × 1,35 US-Dollar am 9. Juli 2026 ≈ 67,7 Millionen). Nach der Hausregel wird er deshalb nicht verwendet. Die Abweichung liegt allerdings nicht an der Stückzahl — die Fundamentaldaten führen exakt dieselben 50.176.194 Aktien —, sondern am Stichtag des Kurses: Der Filing-Anker ist gut drei Wochen älter und damit die vorsichtigere, aber nicht die niedrigere Größe. Alle Bewertungsangaben beruhen auf ihm und sind bewusst als Größenordnung formuliert.
Häufige Fragen
Laser Photonics Corporation (Nasdaq Capital Market: LASE) aus Lake Mary in Florida baut industrielle Laser-Reinigungssysteme. Sie tragen Rost, Farbe und Beschichtungen mit gebündeltem Licht ab und ersetzen damit Sandstrahlen und chemische Reinigung — ohne Strahlmittel, ohne Sondermüll. Zum Sortiment gehören Handgeräte, Roboterzellen sowie Laser-Schneid-, -Schweiß- und -Beschriftungssysteme. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 94 Vollzeitkräfte; der Umsatz 2025 betrug 8.342.008 US-Dollar. Zu den Abnehmern gehören US-Streitkräfte.
Der Wirtschaftsprüfer hat dem Geschäftsbericht (10-K) für 2025 einen Zusatz angehängt, der „erhebliche Zweifel“ an der Fähigkeit des Unternehmens äußert, den Betrieb fortzuführen. Auslöser sind laut Bericht die Verlusthistorie und der negative operative Mittelfluss; das Management schrieb am 20. April 2026, die vorhandene Kasse von 1,4 Millionen US-Dollar reiche „bis August 2026“. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 bestätigt den Vorbehalt ausdrücklich. Ein Fortführungsvorbehalt ist kein Insolvenzantrag, aber die deutlichste Warnung, die ein Prüfer geben kann.
Sehr stark. Zum 31. Dezember 2025 standen 22.845.345 Aktien aus, zum 31. März 2026 waren es 32.597.325, zum 23. Juni 2026 laut Prospekt 424B3 bereits 47.647.622 — plus 2.528.572 am 16. Juli 2026 bar ausgeübte Warrants, macht rund 50,2 Millionen. Das ist mehr als eine Verdopplung in sieben Monaten. Allein zwischen dem 1. und 11. Juni 2026 entstanden 5.338.860 Aktien aus „cashless“ ausgeübten Warrants, für die die Firma keinen Dollar erhielt. Zum 31. März 2026 standen zusätzlich 17.511.441 Warrants aus.
Aus den Filings ergibt sich zum Stand 29. Juli 2026 keine offene Nasdaq-Frist. Es gab 2026 zwei Mängelanzeigen nach Listing Rule 5250(c)(1), beide wegen verspäteter Berichte: eine wegen des Geschäftsberichts, geschlossen am 21. April 2026, und eine vom 21. Mai 2026 wegen des Quartalsberichts, geschlossen am 12. Juni 2026. Beide Vorgänge hat die Nasdaq schriftlich für erledigt erklärt. Bestehen bleibt die wirtschaftliche Lage: negatives Eigenkapital von 1.700.323 US-Dollar zum 31. März 2026 und ein Fortführungsvorbehalt.
Am 31. März 2025 kaufte die beherrschende Gesellschafterin ICT Investments die Beamer-Laserbeschriftungslinie für 255.824 US-Dollar und gab sie an die Schwestergesellschaft Fonon Quantum Technologies (FQTI) weiter. Am 5. August 2025 erwarb Laser Photonics dieselben Anlagen von FQTI und bezahlte mit 3.000.000 eigenen Aktien im Wert von 8.434.322 US-Dollar. Der Geschäftsbericht weist dafür eine rechnerische Vorzugsdividende („deemed dividend“) von 8.835.228 US-Dollar aus — mehr als der gesamte Jahresumsatz 2025.
Der Kern der Eigentümerstruktur ist die Gruppe um ICT Investments, deren Managing Partner Dmitriy Nikitin und die verbundenen Gesellschaften Fonon Corporation und Fonon Technology. Sie hielten zum 31. Dezember 2025 zusammen 11.373.695 Aktien und damit 50,7 Prozent. Durch die Kapitalmaßnahmen sank derselbe Bestand bis zum 31. März 2026 auf 34,89 Prozent — der Großaktionär hat seine Mehrheit also nicht verkauft, sondern verwässert bekommen. Der Geschäftsbericht für 2025 führt das Unternehmen als „controlled company“ nach den Nasdaq-Regeln.
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels Gewinn nicht bilden, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht, weil das Eigenkapital negativ ist. Bleibt das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Rechnet man die rund 50,2 Millionen Aktien mit dem letzten in einem Filing dokumentierten Kurs von 1,35 US-Dollar (9. Juli 2026, Prospekt 424B3), ergeben sich rund 67,7 Millionen US-Dollar Börsenwert — das Achtfache des Jahresumsatzes 2025 und rund das 18-Fache, wenn man das erste Quartal 2026 hochrechnet. Günstig ist das nicht.
Weil die Aktie keinen unserer Filter erfüllt: Für Qualitäts- und Value-Scanner fehlen Gewinn, positives Eigenkapital und stabile Margen; für Momentum-Filter fehlt der Trend. Zum Stand 29. Juli 2026 steht Laser Photonics auf keiner Liste des hauseigenen Aktien-Scanners — die Listen werden täglich neu berechnet, das kann sich also ändern. Auf den Tisch kam die Aktie über den Meldungsstrom der US-Börsenaufsicht: 16 Pflichtmeldungen (Form 8-K) zwischen dem 6. Januar und dem 24. Juli 2026.
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