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Information Services Group: 30 Prozent des Umsatzes kommen aus KI — und der Umsatz schrumpft trotzdem

Information Services Group: 30 Prozent des Umsatzes kommen aus KI — und der Umsatz schrumpft trotzdem

Information Services Group nennt sich im Geschäftsbericht 2025 ein „AI-centered“ Beratungshaus und beziffert den Anteil von KI-Beratung und KI-Research auf rund 30 Prozent des Konzernumsatzes — nach 10 Prozent ein Jahr zuvor. Im selben Bericht steht: Der Gesamtumsatz fiel 2025 um 2,9 Millionen auf 244,7 Millionen US-Dollar. Rechnet man beide Angaben gegeneinander, wuchs das KI-Geschäft um rund 48 Millionen, während das übrige Geschäft rund 51 Millionen verlor. Dazu kommen ein Quartals-Cashflow von minus 0,7 Millionen, eine strittige Forderung über 4,7 Millionen ohne Rückstellung — und ein Risikohinweis, in dem die Firma vor genau der Technologie warnt, die sie verkauft. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was hinter dem neuen Namensschild wirklich gewachsen ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Information Services Group: 30 Prozent des Umsatzes kommen aus KI — und der Umsatz schrumpft trotzdem
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

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Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die im Restaurant beginnt und an der Börse teuer wird: die Speisekarten-Falle. Du kennst den Moment. Die Karte ist neu gestaltet, das Papier ist dicker, oben steht jetzt „regional, handgemacht, nachhaltig“. Die Küche ist dieselbe wie letztes Jahr, der Koch auch, die Portionen ebenfalls. Und trotzdem schmeckt es dir besser, und du zahlst bereitwillig zwei Euro mehr. Das neue Etikett hat nichts am Essen verändert — nur an deiner Erwartung. Genau diese Falle steht seit 2025 an der Nasdaq unter dem Kürzel III. Information Services Group aus Stamford in Connecticut nennt sich in ihrem Geschäftsbericht für 2025 nicht mehr schlicht Beratungshaus, sondern „a global AI-centered technology research and advisory firm“ — ein weltweit tätiges, KI-zentriertes Technologie-Research- und Beratungshaus. Machen wir also einen Deal: Bevor wir das neue Namensschild kaufen, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, das Proxy-Statement zur Hauptversammlung 2026 und die Insider-Meldungen (Form 4) bis Juni 2026. Diese Dokumente sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen von einem KI-Geschäft, das tatsächlich wächst — nur eben nicht schnell genug, um das zu ersetzen, was daneben wegbricht. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Information Services Group eigentlich macht — der Einkaufsberater der Konzerne

Stell dir vor, ein Großkonzern will seine gesamte IT neu vergeben: Rechenzentren, Software, Netze, Servicedienstleister. Das ist ein Milliardenvorgang mit Hunderten Anbietern, undurchsichtigen Preisen und Verträgen über zehn Jahre. Wer sagt dem Einkaufsvorstand, ob der Preis marktüblich ist? Genau hier sitzt Information Services Group. Das Unternehmen nennt sein Geschäft selbst „fact-based sourcing advisory services“ — faktenbasierte Beschaffungsberatung — und führt es als ein einziges Berichtssegment. Es gibt keine Sparten, an denen man das Geschäft aufdröseln könnte; berichtet wird nur nach Regionen.

Vier Bausteine tragen das Modell. Erstens die Beratung: Ausschreibungen aufsetzen, Anbieter vergleichen, Verträge verhandeln und die Umsetzung begleiten. Zweitens ISG Research: eigene Marktforschung, Anbieterbewertungen (der „ISG Provider Lens“), Benchmark-Datenbanken — nach eigener Angabe gespeist aus knapp 10 Millionen realen Datenpunkten aus Benchmarking- und Sourcing-Verträgen. Drittens die eigenen Plattformen: GovernX für die Steuerung von Lieferanten und Verträgen, Inform für Kennzahlenvergleiche und Tango für den Ausschreibungsprozess — über Tango läuft laut Geschäftsbericht inzwischen ein Vertragsvolumen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar. Viertens die Netz- und Software-Beratung („Network & Software Advisory“).

Die Größenordnung: 1.290 Beschäftigte weltweit zum 31. Dezember 2025, davon 1.254 in Vollzeit, verteilt auf über 20 Länder. Mehr als 900 Kunden, darunter nach Firmenangabe 75 der 100 größten Unternehmen der Welt. Vorstandsvorsitzender ist seit der Gründung 2006 Michael P. Connors, zuvor unter anderem Vize-Chef von ACNielsen; sein Vertrag läuft bis zum 31. Dezember 2029. Ein Detail am Rande, das die Selbstdarstellung gut illustriert: Derselbe Geschäftsbericht, der im Personalteil 1.290 Beschäftigte nennt, spricht in der Unternehmensbeschreibung von „approximately 1,500 professionals worldwide“. Beide Zahlen stehen in einem Dokument — das ist nicht verboten, aber es lohnt sich zu wissen, welche man gerade liest.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das KI-Geschäft der Information Services Group wächst nachweisbar und kräftig — aber der Gesamtumsatz fällt trotzdem, weil das alte Geschäft schneller schrumpft, als das neue zulegt. Die Story ist echt. Die Frage ist nur, ob sie am Ende reicht.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen Momentum-Treffer und nicht über einen Reddit-Sturm. Information Services Group kam über den Datenabgleich unseres hauseigenen Aktien-Scanners am 1. August 2026 auf die Liste — als Nachzügler, der bis dahin in keinem unserer Screens auftauchte. Was auffiel, war die Kombination aus einem gefallenen Kurs und einer erstaunlich intakten Bilanz: Die Aktie notierte 31,8 Prozent unter ihrem Zwölf-Monats-Hoch und 25,6 Prozent unter dem Stand von sechs Monaten zuvor (Datenstand 1. August 2026), bei einem Börsenwert von rund 0,199 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig meldete das Unternehmen eine Eigenkapitalrendite von 11,2 Prozent, eine Eigenkapitalquote von 44,9 Prozent und einen Piotroski-Wert von 6 von 9.

Kurz übersetzt, was diese Zahlen sagen — und was sie wert sind. Der Piotroski-Wert ist eine Bilanz-Checkliste mit neun Punkten: Gewinn positiv? Cashflow positiv? Verschuldung gesunken? Marge gestiegen? 6 von 9 heißt: solide, aber nicht kerngesund; eine wirklich starke Firma steht bei 8 oder 9. Der Altman-Z-Wert von 2,17 misst die Insolvenznähe und liegt damit in der berühmten Grauzone zwischen 1,8 und 3,0 — kein Alarm, aber auch kein Freibrief. Die Zinsdeckung von 4,38 bedeutet: Das Betriebsergebnis deckt die Zinslast gut vier Mal; unter 1 wäre es gefährlich. Zwei Analysten führen die Aktie mit einem Konsenswert von 4,5 — auf dieser Skala ist 5 die Bestnote, das ist also ein freundliches Bild von einer sehr dünnen Datenbasis. Merke dir gleich zu Beginn: Bei dieser Firma steht die Bilanz nicht zur Debatte. Zur Debatte steht der Umsatz.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es 2025 einiges. Das Betriebsergebnis verdreifachte sich von 5,8 auf 17,8 Millionen US-Dollar. Der Nettogewinn stieg von 2,8 auf 9,3 Millionen. Der operative Mittelzufluss — das Geld, das aus dem laufenden Geschäft tatsächlich hereinkam — legte von 19,9 auf 29,0 Millionen US-Dollar zu, ein Plus von 46 Prozent. Möglich wurde das durch die Kostenseite: Die Betriebsausgaben sanken um 14,9 Millionen oder rund 6 Prozent, unter anderem weil nach dem Verkauf der Automatisierungssparte 8,0 Millionen Softwarelizenzgebühren wegfielen. Und die Zinslast wurde leichter: 4,1 Millionen statt 5,8 Millionen Zinsaufwand.

Nun die Zeile, um die es geht. Alle drei Jahre in der folgenden Grafik sind wie berichtet dargestellt, also für den Gesamtkonzern und ohne Rückrechnung — 2023 und 2024 enthalten damit noch die Automatisierungssparte, die zum 1. Oktober 2024 an UST Global Inc. verkauft wurde. Das ist die ehrliche Darstellung; warum sie wichtig ist, klärt gleich die unbequeme Wahrheit Nr. 2.

Gruppiertes Balkendiagramm für 2023, 2024 und 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 291,1 / 247,6 / 244,7 (blau) und Nettoergebnis 6,2 / 2,8 / 9,3 (grün). Der Umsatz fällt zwei Jahre in Folge, das Ergebnis steigt 2025 wieder.
Zwei Linien, zwei Richtungen: Der Umsatz fiel von 291,1 (2023) über 247,6 (2024) auf 244,7 Millionen US-Dollar (2025) — das Nettoergebnis stieg 2025 auf 9,3 Millionen. Alle Jahre wie berichtet, ohne Rückrechnung. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Regional sah 2025 so aus: Amerika 160,9 Millionen US-Dollar (plus 1 Prozent), Europa 65,5 Millionen (minus 3 Prozent), Asien-Pazifik 18,3 Millionen (minus 13 Prozent). Und im ersten Quartal 2026 drehte sich das Bild fast um: Amerika 39,8 Millionen (minus 3 Prozent), Europa 17,3 Millionen (plus 25 Prozent), Asien-Pazifik 4,1 Millionen (minus 15 Prozent). Insgesamt stieg der Quartalsumsatz um 3 Prozent auf 61,2 Millionen, der Nettogewinn von 1,5 auf 2,7 Millionen, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 12 Prozent auf 8,3 Millionen. Für das zweite Quartal 2026 stellte das Unternehmen in seiner Ergebnismitteilung vom 7. Mai 2026 einen Umsatz zwischen 62,5 und 63,5 Millionen US-Dollar in Aussicht. Das ist Wachstum — aber es ist Wachstum auf einem Niveau, das der Konzern schon 2019 hatte. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das KI-Geschäft wuchs um rund 48 Millionen — das übrige verlor rund 51 Millionen

Das ist die Rechnung, die den ganzen Fall erklärt, und das Schöne daran ist: Beide Zahlen stehen im selben Dokument. Der Geschäftsbericht für 2025 schreibt in der Ergebnisdiskussion:

„Enterprise AI consulting and research, not surprisingly, played a significant part in our growth, and now represents about 30 percent of our firmwide revenue, up from 10 percent last year.“

Übersetzung: „KI-Beratung und KI-Research für Unternehmen spielten, wenig überraschend, eine bedeutende Rolle für unser Wachstum und machen inzwischen rund 30 Prozent unseres Konzernumsatzes aus, nach 10 Prozent im Vorjahr.“

— Information Services Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 (Ergebnisdiskussion)

Gelb markierter Satz aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: KI-Beratung und KI-Research machen rund 30 Prozent des Konzernumsatzes aus, nach 10 Prozent im Vorjahr. Darunter der Hinweis auf mehr als 350 Kunden mit KI-Leistungen und 46 Prozent wiederkehrende Erlöse.
Die markierte Stelle im Original: „about 30 percent of our firmwide revenue, up from 10 percent last year“. Im selben Absatz: mehr als 350 Kunden mit KI-Beratung und KI-Research, ein Plus von über 200 Prozent. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Jetzt der Überschlag, und er ist bewusst grob, weil die Firma nur gerundete Prozentwerte nennt. 30 Prozent von 244,7 Millionen US-Dollar sind rund 73 Millionen KI-Umsatz 2025. 10 Prozent von 247,6 Millionen sind rund 25 Millionen im Jahr 2024. Das KI-Geschäft hat also rund 48 Millionen US-Dollar zugelegt — eine beachtliche Leistung für ein Haus dieser Größe. Und der Rest? Der schrumpfte von rund 223 auf rund 171 Millionen, also um gut 50 Millionen oder rund ein Viertel. Unterm Strich blieben minus 2,9 Millionen.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Bäcker eröffnet einen Kaffee-Ausschank, der im ersten Jahr richtig gut läuft und 48.000 Euro mehr in die Kasse bringt. Im selben Jahr verkauft er 51.000 Euro weniger Brot. Der Kaffee ist ein echter Erfolg — nur merkt der Kontostand nichts davon. Genau das ist der Zustand der Information Services Group im Jahr 2025. Das erklärt auch, warum die Firma so gerne über den KI-Anteil spricht und so ungern über den Gesamtumsatz: Die eine Zahl ist die Zukunft, die andere ist die Gegenwart.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Derselbe Umsatz, zwei Wahrheiten — minus 1 Prozent oder plus 7 Prozent

Wer nach Zahlen zur Information Services Group sucht, stößt auf zwei Wachstumsraten für dasselbe Jahr, und beide stammen vom Unternehmen selbst. Im Geschäftsbericht steht die geprüfte Fassung:

„Total revenues for the year ended December 31, 2025 decreased by $2.9 million or approximately 1% in 2025, with revenues decreasing in Europe and Asia Pacific but increasing in the Americas.“

Übersetzung: „Die Gesamterlöse für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr sanken 2025 um 2,9 Millionen US-Dollar oder rund 1 Prozent, wobei die Erlöse in Europa und Asien-Pazifik zurückgingen, in Amerika aber stiegen.“

— Information Services Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 (Ergebnisdiskussion)

Regionale Umsatztabelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 mit Amerika 160.898, Europa 65.507, Asien-Pazifik 18.320 und Gesamterlösen 244.725 gegenüber 247.585 im Vorjahr, darunter der gelb markierte Satz zum Rückgang um 2,9 Millionen oder rund 1 Prozent.
Die geprüfte Fassung im Original: 244,7 Millionen US-Dollar gegenüber 247,6 Millionen, minus 2,9 Millionen oder rund 1 Prozent — mit der Regionaltabelle darüber. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Proxy-Statement zur Hauptversammlung 2026, in dem der Vergütungsausschuss die Bonuszahlungen begründet, steht dagegen: die Erlöse seien „up 7% (excluding the divestiture of our automation business)“ gestiegen — um 7 Prozent, wenn man den Verkauf der Automatisierungssparte herausrechnet. Beide Angaben sind zulässig, keine ist falsch. Sie messen nur Verschiedenes.

Der Hintergrund: Am 1. Oktober 2024 verkaufte die Information Services Group ihre Automatisierungssparte für 27 Millionen US-Dollar in bar an UST Global Inc. — 20 Millionen bei Vertragsschluss, 7 Millionen auf ein Treuhandkonto, aus dem 2025 noch 2,0 Millionen und ein Ausgleich von 0,7 Millionen flossen. Entscheidend für die Vergleichbarkeit ist ein Satz aus dem Anhang: Das Unternehmen hat den Verkauf nicht als aufgegebenen Geschäftsbereich ausgewiesen, weil er kein strategischer Schwenk mit wesentlicher Wirkung gewesen sei. Auf Deutsch: Die Vorjahre wurden nicht rückgerechnet. In den 291,1 Millionen von 2023 und den 247,6 Millionen von 2024 steckt die Sparte noch drin, in den 244,7 Millionen von 2025 nicht mehr.

Für dich als Leser heißt das: Man darf beide Zahlen nennen, aber niemals mischen. Diese Analyse rechnet durchgehend wie berichtet — Gesamtkonzern, alle Jahre auf derselben Grundlage. Wer die 7 Prozent aus dem Vergütungsteil zitiert, muss dazusagen, dass sie einen Geschäftsteil ausblenden, der 2024 noch neun Monate lang Umsatz gebracht hat. Merksatz: Eine Zeitreihe verträgt genau eine Rechengrundlage — welche, gehört dazugesagt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Cashflow im Minus — und warum das erste Quartal fast immer schwach ist

Im ersten Quartal 2026 floss aus dem laufenden Geschäft kein Geld herein, sondern welches hinaus: minus 0,7 Millionen US-Dollar. Der Kassenbestand fiel von 28,7 Millionen zum Jahresende auf 22,7 Millionen zum 31. März 2026. Wer nur diese eine Zahl sieht, denkt an eine Firma in Schwierigkeiten. Also machen wir die Gegenprobe im Vorjahresquartal — und die verändert das Bild erheblich.

Balkendiagramm des operativen Cashflows je Quartal in Millionen US-Dollar: plus 1,0 im ersten Quartal 2025, plus 11,9 im zweiten, plus 11,1 im dritten, plus 5,1 im vierten und minus 0,7 im ersten Quartal 2026. Das erste Quartal ist in beiden Jahren das schwächste.
Das Auftaktquartal ist die Schwachstelle des Jahres: plus 1,0 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025, danach plus 11,9 und plus 11,1 Millionen — und wieder minus 0,7 Millionen im ersten Quartal 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im ersten Quartal 2025 kamen aus dem operativen Geschäft plus 1,0 Millionen US-Dollar herein — bei einem Jahreswert von 29,0 Millionen also praktisch nichts. Das Auftaktquartal ist bei dieser Firma strukturell schwach, und die Kapitalflussrechnung zeigt warum: Im ersten Quartal 2026 flossen 4,1 Millionen für abgegrenzte Verbindlichkeiten ab (das sind vor allem die Boni des Vorjahres, die im Frühjahr ausgezahlt werden), 2,5 Millionen für Vertragsverbindlichkeiten und 2,1 Millionen für Lieferantenrechnungen. Solche Zahlungen sind Kalender, nicht Krise.

Trotzdem bleibt eine ehrliche Verschlechterung stehen: minus 0,7 statt plus 1,0 Millionen, also 1,7 Millionen weniger als im Vorjahresquartal, obwohl der Gewinn gestiegen ist. Und die Firma zahlte im selben Quartal 2,2 Millionen Dividende und kaufte für 2,1 Millionen eigene Aktien zurück — Geld, das nicht aus dem Quartalsgeschäft kam, sondern aus der Kasse. Wer das Jahr 2026 beurteilen will, schaut deshalb nicht auf dieses eine Quartal, sondern auf die Sommer- und Herbstquartale, in denen die Firma ihr Geld verdient. Merksatz: Ein einzelnes schwaches Quartal beweist nichts — die Gegenprobe im Vorjahresquartal schon.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 4,7 Millionen US-Dollar Forderung im Prozess, und keine Rückstellung dagegen

Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 enthält eine Passage, die man leicht überliest, weil sie im Anhang zu den Forderungen steht. Zwei Kunden schulden dem Unternehmen Geld, das sie nicht zahlen. Im ersten Fall — zwei Mehrjahresprojekte aus 2021 und 2022 — sprach ein Gericht am 3. September 2025 rechtskräftig rund 5,6 Millionen US-Dollar plus 5 Prozent Zinsen zu; verwertbare Vermögenswerte des Schuldners wurden bis zum Berichtsstichtag nicht gefunden. Der zweite Fall ist der offenere:

„The Company is pursuing collection of the full outstanding balance of $4.7 million in litigation. As of March 31, 2026, we have not recorded material reserves against this balance.“

Übersetzung: „Das Unternehmen betreibt die gerichtliche Beitreibung des gesamten offenen Betrags von 4,7 Millionen US-Dollar. Zum 31. März 2026 haben wir gegen diesen Saldo keine wesentlichen Rückstellungen gebildet.“

— Information Services Group, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 5

Gelb markierte Textstelle aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Das Unternehmen klagt auf den vollen offenen Betrag von 4,7 Millionen US-Dollar und hat dagegen keine wesentlichen Rückstellungen gebildet. Darüber der ältere Fall mit dem Urteil über rund 5,6 Millionen vom 3. September 2025.
Die markierte Stelle im Original: 4,7 Millionen US-Dollar strittige Forderung — „we have not recorded material reserves against this balance“. Darüber der ältere Fall mit dem rechtskräftigen Urteil über rund 5,6 Millionen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum das zählt: Der gesamte Jahresüberschuss 2025 betrug 9,3 Millionen US-Dollar. Diese eine Forderung entspricht also rund der Hälfte eines Jahresgewinns — und sie steht ungeschmälert in der Bilanz, weil das Unternehmen an die Beitreibung glaubt. Das ist eine legitime Einschätzung, aber es ist eine Einschätzung. Übersetzt: Der Betrag ist noch nicht abgeschrieben, sondern er wartet. Wer die Aktie verfolgt, schaut in jedem neuen Quartalsbericht in genau diese Zeile.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Firma warnt selbst vor der Technologie, die sie verkauft

Das ist die eleganteste Stelle des gesamten Geschäftsberichts, und sie steht im Risikoteil. Ein Beratungshaus verkauft Beratungsstunden; sein Umsatz hängt daran, wie viele Menschen wie lange an einem Projekt arbeiten. Wenn künstliche Intelligenz nun genau diese Arbeit übernimmt, hat die Firma zwar ein neues Produkt — aber auch ein Geschäftsmodell mit einem Loch. Und sie schreibt das selbst hin:

„AI and automation may also diminish the need for certain services currently provided by our personnel, and we may not be able to adjust our delivery model, pricing, staffing, training or organizational structure in a timely or cost-effective manner.“

Übersetzung: „KI und Automatisierung könnten auch den Bedarf an bestimmten Leistungen verringern, die derzeit von unseren Mitarbeitern erbracht werden, und wir sind möglicherweise nicht in der Lage, unser Leistungsmodell, unsere Preisgestaltung, unsere Personalausstattung, unsere Schulungen oder unsere Organisationsstruktur rechtzeitig oder kosteneffizient anzupassen.“

— Information Services Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A (Risikofaktoren)

Gelb markierte Textstelle aus dem Risikoteil des Geschäftsberichts 10-K für 2025: KI und Automatisierung könnten den Bedarf an Leistungen verringern, die derzeit von den eigenen Mitarbeitern erbracht werden. Darüber der Hinweis auf Wettbewerb durch globale Beratungen, Technologieanbieter, Hyperscaler und KI-native Firmen.
Die markierte Stelle im Original: Die eigenen Leistungen könnten durch KI überflüssig werden — im selben Absatz nennt die Firma globale Beratungen, Technologieanbieter, Hyperscaler und KI-native Wettbewerber. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Einordnung, ohne Zynismus: Solche Risikohinweise sind Standard, und dass eine Firma ihre eigenen Gefahren benennt, spricht für die Berichtsqualität. Interessant ist die Kombination. Dieselbe Firma, die den KI-Anteil an ihrem Umsatz feiert, listet KI im Risikoteil gleich dreifach — als Wettbewerb durch Hyperscaler und KI-native Anbieter, als Kunden, die eigene KI-Fähigkeiten aufbauen und darum weniger Beratung brauchen, und als Technologie, die die eigenen Berater ersetzen kann. Und der eigene KI-Zukauf fiel klein aus: Am 13. Januar 2026 erwarb das Unternehmen die Software „AI Maturity Index“ für 750.000 US-Dollar — 500.000 bei Vertragsschluss, 250.000 in zwei Jahren. Das ist gemessen am Börsenwert von rund 199 Millionen (Datenstand 1. August 2026) ein Betrag im Promillebereich. Die KI-Wende der Information Services Group ist also überwiegend eine Sache von Köpfen und Etiketten, kaum eine von Investitionen.

Was die Aktie kostet — Bewertung in Größenordnungen

Zuerst der Anker, damit klar ist, worauf sich alles bezieht: Zum Datenstand 1. August 2026 lag der Börsenwert bei rund 0,199 Milliarden US-Dollar. Die Gegenprobe stimmt: Das Deckblatt des Quartalsberichts nennt 47.839.274 Aktien zum 1. Mai 2026; multipliziert mit dem Kurs von 4,16 US-Dollar ergibt das exakt 199 Millionen. Auch gegen den letzten in einem Filing dokumentierten Kurs — 4,51 US-Dollar in der Insider-Meldung vom 1. Juni 2026 — liegt die Abweichung bei knapp 8 Prozent und damit klar in der Toleranz.

Daraus ergibt sich das Bewertungsbild, jeweils als Größenordnung:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,8 (199 Millionen Börsenwert zu 244,7 Millionen Jahresumsatz 2025). Für ein Beratungshaus mit über 40 Prozent Bruttomarge ist das günstig, aber nicht sensationell — Häuser ohne Wachstum werden regelmäßig unter dem Jahresumsatz gehandelt.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 20 laut Kennzahlendienst (Datenstand 1. August 2026). Rechnet man selbst nach, wird der Grund für die Spannbreite sichtbar: Gemessen am ausgewiesenen Jahresgewinn 2025 von 0,19 US-Dollar je Aktie sind es rund 22, gemessen am bereinigten Wert von 0,33 US-Dollar rund 13. Der Unterschied besteht praktisch vollständig aus Aktienvergütung, Abschreibungen auf immaterielle Werte und Restrukturierungskosten.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 2,1 (199 Millionen zu 94,7 Millionen Eigenkapital zum 31. Dezember 2025). Ein Beratungshaus hat kaum Sachanlagen, deshalb sagt der Buchwert hier wenig — das Vermögen läuft abends nach Hause.
  • Dividendenrendite rund 4,3 Prozent: 0,045 US-Dollar je Quartal, also 0,18 im Jahr, bezogen auf 4,16 US-Dollar (Datenstand 1. August 2026). 2025 zahlte das Unternehmen dafür 9,2 Millionen aus — bei 29,0 Millionen operativem Mittelzufluss ist das gedeckt, aber es ist kein kleiner Posten.

Die Schuldenseite ist überschaubar: 59,2 Millionen US-Dollar gezogen aus einem Rahmen von 140,0 Millionen, fällig am 22. Februar 2028, vollständig variabel verzinst; das Unternehmen nennt im Quartalsbericht ein Verhältnis von Schulden zu operativem Ergebnis vor Abschreibungen von 1,80 und bestätigt, alle Kreditauflagen einzuhalten. Dazu ein Detail, das man im Blick behalten sollte: Vom 25-Millionen-Rückkaufprogramm vom 1. August 2023 waren zum 31. Dezember 2025 noch 5,9 Millionen US-Dollar übrig; im ersten Quartal 2026 kaufte die Firma für weitere 2,1 Millionen zurück. Das Programm nähert sich seinem Ende — eine Verlängerung wäre ein neuer Beschluss, kein Automatismus.

Und der Blick der Profis? Zwei Analysten führen die Aktie mit einem Konsenswert von 4,5 auf einer Skala, auf der 5 die Bestnote ist (Datenstand 1. August 2026). Das ist ein wohlwollendes Bild — aber zwei Meinungen sind kein Marktkonsens, sondern zwei Meinungen. Bei einer Firma dieser Größe ist das normal und sollte kein Argument sein.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Das KI-Geschäft wächst belegbar: von rund 10 auf rund 30 Prozent des Konzernumsatzes binnen eines Jahres, mehr als 350 betreute Kunden, ein Plus von über 200 Prozent bei der Kundenzahl (Geschäftsbericht 2025).
  • Wiederkehrende Erlöse aus Abonnements und Mehrjahresverträgen machten 2025 46 Prozent des Konzernumsatzes aus — das ist der planbare Teil des Geschäfts, und er wächst.
  • Die Ertragskraft hat sich 2025 klar verbessert: Betriebsergebnis von 5,8 auf 17,8 Millionen US-Dollar, Nettogewinn von 2,8 auf 9,3 Millionen, operativer Mittelzufluss von 19,9 auf 29,0 Millionen.
  • Europa dreht: plus 28 Prozent im vierten Quartal 2025 und plus 25 Prozent im ersten Quartal 2026 — die Region war zuvor der Bremsklotz.
  • Am 7. Mai 2026 meldete das Unternehmen den größten Einzelauftrag seiner Geschichte: bis zu 17 Millionen US-Dollar über mehrere Jahre für die Steuerung von 300 Millionen US-Dollar Technologieausgaben bei 200 Anbietern.
  • Bilanz und Ausschüttung sind stabil: 44,9 Prozent Eigenkapitalquote, Schulden bei 1,80-fachem Ergebnis vor Abschreibungen, Quartalsdividende von 0,045 US-Dollar seit Jahren, laufender Aktienrückkauf.

Risiken

  • Der Umsatz fällt im dritten Jahr in Folge: 291,1 (2023), 247,6 (2024), 244,7 Millionen US-Dollar (2025). Das KI-Wachstum ersetzt bisher nur, was anderswo verloren geht.
  • Das Geschäft besteht aus einem einzigen Segment; es gibt keine zweite Ertragsquelle, die einen Nachfrageeinbruch in der Technologieberatung auffangen könnte.
  • Strittige Forderungen: 4,7 Millionen US-Dollar im Prozess ohne wesentliche Rückstellung, dazu ein Urteil über rund 5,6 Millionen gegen einen Altkunden, bei dem keine Vermögenswerte gefunden wurden (Stand 31. März 2026).
  • Der operative Cashflow des ersten Quartals 2026 lag bei minus 0,7 Millionen; das ist saisonal erklärbar, war im Vorjahresquartal aber noch plus 1,0 Millionen.
  • Die Firma benennt KI selbst als Bedrohung ihres Leistungsmodells — Kunden könnten eigene KI-Fähigkeiten aufbauen und weniger Beratung kaufen.
  • Insider und Großaktionär verkauften: 493.703 Aktien des Vorstandsvorsitzenden im November 2025 für rund 2,64 Millionen, 450.000 Aktien von Chevrillon & Associés im Dezember 2025 für rund 2,71 Millionen. Offene Zukäufe eines Insiders gab es seit Juni 2025 keine.
  • Der Streubesitz ist eng und die Aktie klein: rund 199 Millionen US-Dollar Börsenwert, drei Adressen halten zusammen mehr als ein Viertel der Aktien.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Speisekarte. Das Unangenehme an der Speisekarten-Falle ist nicht, dass die neue Karte lügt — sie lügt selten. Unangenehm ist, dass sie stimmt und trotzdem in die Irre führt: Der Koch hat wirklich ein neues Gericht auf die Karte gesetzt, und es ist wirklich gut. Nur steht auf derselben Karte nicht, dass drei alte Gerichte gestrichen wurden.

Genau so liest sich der Geschäftsbericht der Information Services Group für 2025. Das KI-Geschäft ist echt: rund 30 Prozent des Konzernumsatzes statt 10 Prozent, mehr als 350 Kunden, ein neuer Großauftrag über bis zu 17 Millionen US-Dollar. Diese Firma hat sich nicht bloß umetikettiert, sie hat tatsächlich etwas aufgebaut. Und im selben Bericht steht, dass der Gesamtumsatz um 2,9 Millionen gefallen ist, dass das übrige Geschäft rechnerisch rund ein Viertel verloren hat, dass eine strittige Forderung über 4,7 Millionen ohne Rückstellung in der Bilanz steht und dass die Firma KI im Risikoteil dreimal als Gefahr für sich selbst führt. Beides ist wahr. Wer nur die lauteste Zahl mitnimmt — und die lauteste Zahl ist hier die 30 —, hat den Bericht nicht gelesen, sondern die Überschrift.

Was für die Firma spricht, ist der Rest der Bilanz: profitabel, 44,9 Prozent Eigenkapital, Kreditauflagen eingehalten, Dividende bezahlt, eigene Aktien zurückgekauft, ein Vorstandschef seit der Gründung. Was gegen sie spricht, ist die eine Zeile, die seit drei Jahren in dieselbe Richtung zeigt. Ob 2026 das Jahr wird, in dem das neue Geschäft das alte endlich überholt, entscheidet sich nicht an einer Pressemitteilung, sondern an vier Quartalsberichten. Für uns bleibt es deshalb bei einem gelben Licht: ein funktionierendes Unternehmen mit einer offenen operativen Frage. Vielleicht siehst du die Sache anders — vielleicht ist genau der Umbau bei laufendem Betrieb für dich der Grund einzusteigen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Wenn dich interessiert, wie dieselbe Frage bei einem anderen Prozessdienstleister aussieht — dort ist es ein Großkunde, der offen über Automatisierung spricht —, dann lies unsere Analyse zu TaskUs.

Quellen

Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung. Sie ist weder eine Aufforderung zum Kauf noch zum Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den Stichtag ihres jeweiligen Berichts. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Information Services Group, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell neutral
Ein etabliertes Beratungs- und Research-Haus mit echten Alleinstellungsmerkmalen: eigene Benchmark-Daten aus knapp 10 Millionen Vertragsdatenpunkten, mehr als 900 Kunden, über die Plattform Tango laufen laut Geschäftsbericht 2025 mehr als 25 Milliarden US-Dollar Vertragsvolumen. Aber es gibt nur ein Berichtssegment und damit keine zweite Ertragsquelle, wenn die Nachfrage nach Technologieberatung nachlässt.
Umsatzentwicklung negativ
Drei Jahre in dieselbe Richtung: 291,1 Millionen US-Dollar (2023), 247,6 (2024), 244,7 (2025) — alle Jahre wie berichtet. Das KI-Geschäft legte 2025 rechnerisch um rund 48 Millionen zu, das übrige verlor rund 51 Millionen. Das erste Quartal 2026 brachte mit plus 3 Prozent auf 61,2 Millionen erstmals wieder Wachstum, getragen von Europa (plus 25 Prozent).
Ertragskraft positiv
Die Kostenseite wurde 2025 sichtbar geordnet: Betriebsergebnis von 5,8 auf 17,8 Millionen US-Dollar, Nettogewinn von 2,8 auf 9,3 Millionen, operativer Mittelzufluss von 19,9 auf 29,0 Millionen, Zinsaufwand von 5,8 auf 4,1 Millionen. Im ersten Quartal 2026 stieg das bereinigte Ergebnis vor Abschreibungen um 12 Prozent auf 8,3 Millionen, die Marge von 12,4 auf 13,5 Prozent.
Bilanz und Finanzierung positiv
Eigenkapital 94,7 Millionen US-Dollar bei 211,0 Millionen Bilanzsumme (Quote 44,9 Prozent, Stand 31. Dezember 2025), Finanzschulden 59,2 Millionen aus einem Rahmen von 140,0 Millionen mit Laufzeit bis 22. Februar 2028, Verhältnis Schulden zu Ergebnis vor Abschreibungen 1,80, Kreditauflagen ausdrücklich eingehalten (Quartalsbericht 31. März 2026). Kein Fortbestandshinweis, sauber testierter Abschluss.
Forderungsrisiko negativ
Zum 31. März 2026 klagt das Unternehmen auf eine offene Forderung von 4,7 Millionen US-Dollar und hat dagegen ausdrücklich keine wesentliche Rückstellung gebildet — rund die Hälfte des Jahresgewinns 2025. Ein zweites Verfahren endete am 3. September 2025 mit einem Urteil über rund 5,6 Millionen; verwertbare Vermögenswerte des Schuldners wurden bis zum Berichtsstichtag nicht gefunden.
Eigentümer und Vergütung neutral
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung halten als Gruppe 15,8 Prozent (25. Februar 2026), der Vorstandsvorsitzende allein 9,9 Prozent — echtes Eigeninteresse. Zugleich verkaufte er im November 2025 493.703 Aktien für rund 2,64 Millionen US-Dollar und der Großaktionär Chevrillon & Associés im Dezember 2025 weitere 450.000 für rund 2,71 Millionen; offene Zukäufe eines Insiders gab es seit Juni 2025 keine. Die leistungsabhängigen Aktienrechte des Vorstandschefs greifen erst ab einem Kurs von 5,00 US-Dollar, gemessen bis zum 2. Juni 2028.

Information Services Group ist der seltene Fall einer Firma, deren KI-Geschichte stimmt und deren Gesamtbild sie trotzdem nicht rettet. Rund 30 Prozent des Konzernumsatzes kamen 2025 aus KI-Beratung und KI-Research nach rund 10 Prozent im Vorjahr — ein Zuwachs von rechnerisch rund 48 Millionen US-Dollar. Im selben Jahr fiel der Gesamtumsatz um 2,9 auf 244,7 Millionen, weil das übrige Geschäft rund 51 Millionen verlor. Die Ertragsseite verbesserte sich deutlich (Betriebsergebnis 17,8 statt 5,8 Millionen, operativer Mittelzufluss 29,0 statt 19,9 Millionen), die Bilanz trägt mit 44,9 Prozent Eigenkapitalquote und eingehaltenen Kreditauflagen. Offen bleiben eine strittige Forderung über 4,7 Millionen ohne Rückstellung, ein negativer Quartals-Cashflow von 0,7 Millionen und die Frage, ob das neue Geschäft das alte je überholt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für ein Unternehmen, das seine Hausaufgaben macht, und für eine operative Frage, die es noch nicht beantwortet hat. Belegt ist die Substanz: 244,7 Millionen US-Dollar Umsatz und 9,3 Millionen Gewinn im Geschäftsjahr 2025, 29,0 Millionen operativer Mittelzufluss, 44,9 Prozent Eigenkapitalquote, Schulden beim 1,80-fachen des Ergebnisses vor Abschreibungen, eingehaltene Kreditauflagen, kein Fortbestandshinweis, seit Jahren eine Quartalsdividende und ein laufender Aktienrückkauf. Offen ist die Umsatzfrage: Der Erlös fällt das dritte Jahr in Folge, das KI-Geschäft ersetzt bisher nur, was im übrigen Geschäft verloren geht, und das Haus hat nur ein einziges Berichtssegment, mit dem es einen Nachfrageeinbruch abfedern könnte. Dazu kommt eine strittige Forderung über 4,7 Millionen US-Dollar, gegen die zum 31. März 2026 ausdrücklich keine wesentliche Rückstellung steht — rund die Hälfte eines Jahresgewinns. Nichts davon bedroht die Substanz, deshalb kein Rot; aber es ist zu viel Offenes für Grün. Zum Preis, der die Ampel ausdrücklich nicht bestimmt: Rund das 0,8-Fache des Jahresumsatzes und eine Dividendenrendite von rund 4,3 Prozent sind kein teurer Einstieg — der Markt bezahlt hier allerdings auch keine Wachstumsstory, sondern eine Firma im Umbau.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf unsere Liste kam Information Services Group über den Datenabgleich unseres hauseigenen Aktien-Scanners am 1. August 2026, nicht über einen Momentum- oder Hype-Treffer. Zum Zeitpunkt dieser Analyse war die Aktie neu in unserem Universum; die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
  • Der KI-Anteil von rund 30 Prozent ist eine Angabe des Managements aus der Ergebnisdiskussion des Geschäftsberichts, keine geprüfte Segmentzahl — das Unternehmen führt nur ein einziges Berichtssegment. Die daraus abgeleiteten Beträge (rund 73 Millionen US-Dollar KI-Umsatz 2025, rund 25 Millionen 2024) sind bewusst als Überschlag gekennzeichnet, weil die Firma nur gerundete Prozentwerte nennt.
  • Zeitreihen-Grundlage: Alle Umsatz- und Ergebniszahlen dieser Analyse sind wie berichtet dargestellt, also für den Gesamtkonzern und ohne Rückrechnung. Die zum 1. Oktober 2024 verkaufte Automatisierungssparte wurde nicht als aufgegebener Geschäftsbereich ausgewiesen und steckt deshalb in den Jahren 2023 und 2024 noch drin. Die vom Unternehmen im Vergütungsteil genannten „plus 7 Prozent“ rechnen diesen Geschäftsteil heraus und dürfen mit der berichteten Reihe nicht gemischt werden.
  • Alle Bestandszahlen — Kasse, Schulden, Zinssatz, Kreditrahmen, Aktienzahl, Vorstand, Abschlussprüfer — stammen aus dem jeweils jüngsten Dokument, das sie nennt: dem Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026), der Ergebnismitteilung vom 7. Mai 2026, der Hauptversammlungsmeldung vom 27. April 2026 und den Insider-Meldungen bis zum 3. Juni 2026. Der Börsenwert wurde gegen die Aktienzahl des Quartalsberichts und den zuletzt in einem Filing dokumentierten Kurs gegengeprüft.
  • Beim Anteil der Insider weichen Datendienste und Originaldokument voneinander ab. Diese Analyse nennt die Zahl aus dem Proxy-Statement 2026: 15,8 Prozent für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung als Gruppe zum 25. Februar 2026, davon 9,9 Prozent für den Vorstandsvorsitzenden.

Häufige Fragen

Information Services Group berät Konzerne beim Einkauf von Technologie: Ausschreibungen aufsetzen, Anbieter vergleichen, Verträge verhandeln und die Umsetzung steuern. Dazu kommen eigene Marktforschung (ISG Research) und die Plattformen GovernX, Inform und Tango. Das Unternehmen führt ein einziges Berichtssegment, „fact-based sourcing advisory services“, und beschäftigte zum 31. Dezember 2025 weltweit 1.290 Menschen.

Der Geschäftsbericht für 2025 nennt „rund 30 Prozent des Konzernumsatzes“ nach 10 Prozent im Vorjahr. Auf die berichteten Umsätze umgerechnet sind das rund 73 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 nach rund 25 Millionen 2024. Eine geprüfte Einzelzahl für das KI-Geschäft veröffentlicht das Unternehmen nicht — es gibt nur ein Berichtssegment, deshalb ist die Angabe eine Managementgröße, keine Segmentzahl.

Weil das übrige Geschäft schneller schrumpft. Rechnet man die firmeneigenen Prozentangaben gegen die berichteten Umsätze, legte das KI-Geschäft 2025 um rund 48 Millionen US-Dollar zu, während der Rest von rund 223 auf rund 171 Millionen fiel — gut 50 Millionen oder rund ein Viertel. Unterm Strich blieb ein Rückgang von 2,9 Millionen auf 244,7 Millionen US-Dollar.

Beide Angaben stammen vom Unternehmen und messen Verschiedenes. Der geprüfte Geschäftsbericht weist ein Minus von rund 1 Prozent aus. Das Proxy-Statement nennt im Vergütungsteil ein Plus von 7 Prozent — ausdrücklich ohne die zum 1. Oktober 2024 verkaufte Automatisierungssparte. Da der Verkauf nicht als aufgegebener Geschäftsbereich ausgewiesen wurde, sind die Vorjahre nicht rückgerechnet; beide Zahlen dürfen deshalb nie in einer Zeitreihe gemischt werden.

Weil das Auftaktquartal bei dieser Firma strukturell schwach ist. Im ersten Quartal 2026 flossen minus 0,7 Millionen US-Dollar ab, unter anderem 4,1 Millionen für abgegrenzte Verbindlichkeiten wie Vorjahresboni, 2,5 Millionen für Vertragsverbindlichkeiten und 2,1 Millionen für Lieferantenrechnungen. Die Gegenprobe: Im ersten Quartal 2025 waren es nur plus 1,0 Millionen, im Gesamtjahr 2025 dagegen 29,0 Millionen.

Ja. Der Verwaltungsrat beschließt vierteljährlich 0,045 US-Dollar je Aktie; für das zweite Quartal 2026 am 5. Mai 2026, zahlbar am 26. Juni 2026. 2025 flossen dafür insgesamt 9,2 Millionen US-Dollar an die Aktionäre, bei einem operativen Mittelzufluss von 29,0 Millionen. Zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 25 Millionen US-Dollar, von dem zum 31. Dezember 2025 noch 5,9 Millionen offen waren.

Zum 25. Februar 2026 hielten die Verwaltungsräte und Führungskräfte als Gruppe (acht Personen) 15,8 Prozent der Aktien, davon Vorstandsvorsitzender Michael P. Connors allein 9,9 Prozent. Größte externe Adressen sind Chevrillon & Associés mit 11,0 Prozent, Private Capital Management mit 10,0 Prozent und BlackRock mit 5,7 Prozent. Institutionelle Anleger halten insgesamt rund 69,5 Prozent (Datenstand 1. August 2026).

Beide Vorgänge stammen aus der Frühzeit als Übernahmegesellschaft und sind harmlos. Am 31. Januar 2008 meldete die Firma freiwillig ihre Wertpapiere von der American Stock Exchange ab, um an die Nasdaq zu wechseln. Am 31. Januar 2011 strich die Nasdaq die aus dem Börsengang stammenden Optionsscheine und Einheiten. Die Stammaktie notiert durchgehend unter dem Kürzel III; eine Zwangsabmeldung hat es nie gegeben.

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