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Fortress Biotech: 205 Millionen Dollar für einen Behörden-Gutschein — und die Frage, wem das Geld gehört

Fortress Biotech: 205 Millionen Dollar für einen Behörden-Gutschein — und die Frage, wem das Geld gehört

Der hauseigene Aktien-Scanner stellt Fortress Biotech am 26. Juli 2026 auf Platz 12 des K-FCF-Rankings der US-Auswahl: Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis 0,6. Wer in die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC schaut, findet dahinter keinen Geschäftserfolg, sondern einen einzigen Verkauf — einen Zulassungs-Gutschein der Arzneimittelbehörde FDA, den die Tochter Cyprium am 30. März 2026 für 205 Millionen US-Dollar abgab. In den vier Quartalen davor floss Geld ab. Und von den 205 Millionen gehen 41 Millionen allein an eine US-Gesundheitsbehörde zurück. Ein Konzernabschluss ist keine Schatzkarte: Er addiert Kassen, die verschiedenen Leuten gehören.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Fortress Biotech: 205 Millionen Dollar für einen Behörden-Gutschein — und die Frage, wem das Geld gehört
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die besonders gern Leute erwischt, die Bilanzen lesen können — nennen wir sie die Schatzkarten-Falle. Sie geht so: Du öffnest den Abschluss einer kleinen Firma und findest dort mehr Bargeld, als die ganze Firma an der Börse kostet. Dein Kopf ergänzt sofort: „Das Geld gibt es also praktisch geschenkt dazu.“ Genau so kam Fortress Biotech, Inc. (NASDAQ: FBIO) auf unseren Tisch. Nur ist ein Konzernabschluss keine Schatzkarte. Er addiert Kassen, die verschiedenen Leuten gehören, und er verrät auf den ersten Blick nicht, ob das Geld verdient oder verkauft wurde. Machen wir also einen Deal: Bevor wir den Kassenbestand feiern, lesen wir gemeinsam nach, woher er kommt und wer ihn ausgeben darf. Die Quelle sind die Berichte, die Fortress der US-Börsenaufsicht SEC einreicht — der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 31. März 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 14. Mai 2026 und die Ad-hoc-Meldungen (Formular 8-K) dazwischen. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen von einer Holding mit 78 Beschäftigten, deren gesamter Jahresgewinn 2026 bisher an einem einzigen Stück Papier hängt.

Inhalt

Was Fortress Biotech eigentlich macht

Fortress Biotech ist keine Arzneimittelfirma im landläufigen Sinn. Sie ist eine Holding — eine Dachgesellschaft, deren Geschäft darin besteht, andere Gesellschaften zu besitzen. Das Modell ist ungewöhnlich genug, um es einmal in Ruhe zu erklären, denn ohne diese Erklärung ergibt keine einzige Zahl in dieser Analyse Sinn. Fortress sucht Wirkstoffe und Produktkandidaten bei Universitäten, Kliniken und Pharmakonzernen, sichert sich die Rechte daran — und gründet dann für jeden Kandidaten eine eigene kleine Gesellschaft, die ihn weiterentwickelt. Diese Töchter heißen im Konzern-Sprachgebrauch partner companies, wenn sie selbst an der Börse notiert sind, und schlicht subsidiaries, wenn nicht.

Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2025 sah der Baum so aus. Börsennotiert: Journey Medical Corporation (Nasdaq: DERM) mit Hautpräparaten, Mustang Bio (Nasdaq: MBIO) mit Zelltherapien gegen Hirntumoren, Avenue Therapeutics — deren Aktie am 19. März 2025 vom Nasdaq-Handel ausgesetzt und im Juli 2025 förmlich von der Börse genommen wurde; seit dem 19. März 2025 wird sie außerbörslich unter dem Kürzel ATXI gehandelt. Privat: Cellvation, Cyprium, Helocyte, LemmaTx, Oncogenuity und Urica. Der ganze Konzern kam dabei auf 78 Vollzeitbeschäftigte (Geschäftsbericht 10-K für 2025). Das ist keine Fabrik, das ist ein Beteiligungsbüro mit Laborzugang.

Verdienen soll die Mutter auf drei Wegen. Erstens über eine Gründervereinbarung: Jede Tochter schuldet Fortress jährlich eine Sachdividende von 2,5 Prozent ihres Kapitals in eigenen Aktien — und zusätzlich 2,5 Prozent von allem, was sie neu ausgibt. Gibt eine Tochter also neue Aktien an fremde Investoren aus, bekommt Fortress gratis ein Zweiundvierzigstel davon obendrauf. Zweitens über Managementverträge, für die die Töchter Gebühren zahlen. Drittens — und das ist der Punkt, um den sich alles dreht — über den Verkauf der Töchter selbst. Genau das hat in den vergangenen Jahren dreimal geklappt: Caelum ging 2021 an AstraZeneca (56,9 Millionen US-Dollar sofort an Fortress, dazu ein Anspruch auf 42,4 Prozent möglicher Meilensteine bis zu insgesamt rund 182 Millionen), Checkpoint Therapeutics ging im Mai 2025 an Sun Pharma (28,0 Millionen bar), Baergic ging im November 2025 an Axsome.

Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das jedes weitere Kapitel durchzieht: Das laufende Geschäft dieser Holding verliert seit Jahren Geld — verdient wird immer dann, wenn etwas verkauft wird. Die Kennzahl, die die Aktie auf unseren Tisch gebracht hat, misst genau so einen Verkauf und hält ihn für das Geschäft.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was ein K/FCF von 0,6 hier bedeutet

Aufgefallen ist uns Fortress Biotech im hauseigenen Aktien-Scanner, genauer im K-FCF-Ranking. Dieses Ranking sortiert das komplette Aktien-Universum nach dem Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis — aufsteigend, die günstigsten zuerst. Am 26. Juli 2026 zählte die Liste 835 Treffer, angezeigt werden die 25 stärksten; in der US-Auswahl stand Fortress Biotech auf Platz 12 mit einem Wert von 0,6. Zum Nachmachen: Rubrik „Aktien“ öffnen, dort „Scanner“, das K-FCF-Ranking wählen, Marktfilter auf USA stellen. Die Listen werden täglich neu berechnet — die Platzierung ist eine Momentaufnahme vom 26. Juli 2026, kein Dauerzustand.

Jetzt die Kennzahl selbst, in Alltagssprache. Der freie Mittelzufluss (englisch free cash flow) ist das Geld, das nach allen laufenden Ausgaben und Investitionen übrig bleibt — das, womit eine Firma Schulden tilgen, Dividenden zahlen oder Aktien zurückkaufen könnte. Das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis teilt den Börsenwert durch die Summe dieses Betrags aus den letzten vier Quartalen. Ein Wert von 20 heißt: Du zahlst das Zwanzigfache eines Jahres an frei verfügbarem Geld, das entspricht 5 Prozent Rendite. Ein Wert von 0,6 heißt rechnerisch: Die Firma hat in vier Quartalen deutlich mehr freies Geld erwirtschaftet, als sie an der Börse kostet. Bei einem Industrieunternehmen wäre das eine Sensation.

Hier ist es keine. Und das ist der wichtigste Satz dieser Analyse. Sieh dir an, wie sich diese vier Quartale zusammensetzen:

Balkendiagramm des freien Mittelzuflusses von Fortress Biotech je Quartal in Millionen US-Dollar: −19,6 (2025 Q1), −27,6 (2025 Q2), −6,1 (2025 Q3), −12,5 (2025 Q4) jeweils rot, +203,9 (2026 Q1) grün.
Vier rote Quartale, dann ein einzelner grüner Balken: Der freie Mittelzufluss des ersten Quartals 2026 von 203,9 Millionen US-Dollar entsteht praktisch vollständig aus dem Verkauf eines FDA-Gutscheins. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Vier Quartale hintereinander floss Geld ab: minus 19,6, minus 27,6, minus 6,1 und minus 12,5 Millionen US-Dollar. Dann kam das erste Quartal 2026 mit plus 203,9 Millionen. Alles, was das Ranking als „günstig“ ausweist, steckt in diesem einen Balken. Und dieser Balken hat einen einzigen Grund.

Am 13. Januar 2026 ließ die US-Arzneimittelbehörde FDA das Präparat ZYCUBO (Kupferhistidinat, Entwicklungsname CUTX-101) zur Behandlung der Menkes-Krankheit bei Kindern zu — einer sehr seltenen, vererbten Störung des Kupferstoffwechsels. Wer in den USA ein Medikament gegen eine seltene Kinderkrankheit zugelassen bekommt, erhält dafür ein Nebenprodukt: einen Rare-Pediatric-Disease-Gutschein, auf Englisch Priority Review Voucher. Dieser Gutschein berechtigt seinen Inhaber, bei irgendeinem anderen Antrag ein beschleunigtes Prüfverfahren zu verlangen — statt zehn Monaten nur sechs. Für einen Großkonzern, dessen Blockbuster vier Monate früher auf den Markt kommt, ist das viel Geld wert. Deshalb werden diese Gutscheine gehandelt. Und deshalb bekam Fortress folgende Zeile in den Geschäftsbericht:

Markierte Stelle im Fortress-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Cyprium schloss am 22. Februar 2026 einen Kaufvertrag über den Verkauf des Gutscheins für 205 Millionen US-Dollar, gezahlt beim Vollzug am 30. März 2026.
Der Satz, an dem das ganze Ranking hängt: Vertrag vom 22. Februar 2026, Kaufpreis 205 Millionen US-Dollar, gezahlt beim Vollzug am 30. März 2026. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Damit steht der Befund fest: Der freie Mittelzufluss, den das Ranking misst, ist kein Geschäftsergebnis, sondern ein Verkaufserlös. Er wiederholt sich nicht, weil es diesen Gutschein nur einmal gab. Merke dir den Satz: Ein einmaliger Verkauf sieht in einer Jahreskennzahl genauso aus wie eine dauerhafte Ertragskraft — bis man nachliest.

Zur Ehrenrettung des eigenen Hauses gehört ein zweiter Befund. Unser Scanner-System zählt dieses Ranking selbst nicht als vollwertigen Treffer: Auf der Aktienseite steht unter der Trefferliste ausdrücklich, dass „reine Kennzahl-Rankings“, die das ganze Universum sortieren, nicht als Treffer gelten. Als echte Strategie-Treffer führte die Seite am 26. Juli 2026 fünf Listen: 21-EMA-Trend, Gary Antonacci Dual Momentum, Power Trend und Stan Weinstein Stage 2 — alle vier aus der Rubrik Momentum und Trend — sowie, aus der Rubrik Risiko und Schwäche, den Beneish M-Score. Dieser letzte ist ein Warnsignal, kein Gütesiegel: Der M-Score ist ein statistisches Modell, das Bilanzen auf Muster absucht, die bei geschönten Abschlüssen häufiger vorkommen. Bei einer Firma, deren Ergebnis in einem Quartal um einen 158,9-Millionen-Sondergewinn springt, schlägt so ein Modell fast zwangsläufig an — das ist eher eine Einladung zum Nachlesen als ein Vorwurf. Auch diese Listen werden täglich neu berechnet.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es mehr, als die Schlagzeile vermuten lässt. Fortress hat sein Kernversprechen in drei Jahren dreimal eingelöst: Caelum brachte 2021 einmalig 56,9 Millionen US-Dollar, Checkpoint im Mai 2025 weitere 28,0 Millionen — plus einen Anspruch auf bis zu 4,8 Millionen aus einem Besserungsschein und auf 2,5 Prozent der künftigen Nettoumsätze des Krebsmittels UNLOXCYT — und der Gutschein-Verkauf im März 2026 die genannten 205 Millionen brutto. Für eine Gesellschaft, deren gesamter Börsenwert am 26. Juli 2026 bei rund 111 Millionen US-Dollar lag, ist das eine bemerkenswerte Trefferquote. Wer glaubt, so ein Beteiligungsmodell sei ein Kuriosum, sollte einen Blick in unsere Analyse zu Biglari Holdings werfen — dort wird dieselbe Grundidee mit Steakhäusern und Versicherungen betrieben.

Auch operativ gibt es Fortschritt, und er hat einen Namen: Journey Medical. Die Hautpräparate-Tochter liefert praktisch den gesamten Produktumsatz des Konzerns. Der Nettoumsatz stieg von 57,7 Millionen US-Dollar (2024) auf 63,3 Millionen (2025) und im ersten Quartal 2026 auf 16,0 Millionen nach 13,1 Millionen im Vorjahresquartal — ein Plus von 22 Prozent. Treiber ist Emrosi, ein niedrig dosiertes Minocyclin-Präparat gegen Rosazea, das im November 2024 zugelassen wurde und seit März 2025 verkauft wird. Gleichzeitig sank der Betriebsverlust des Konzerns von 110,4 Millionen US-Dollar (2024) auf 70,2 Millionen (2025) und im ersten Quartal 2026 auf 7,7 Millionen nach 22,3 Millionen im Vorjahresquartal. Der Grund ist allerdings zur Hälfte kein Verdienst, sondern Arithmetik: Mit Checkpoint verschwand ab Juni 2025 auch dessen Forschungsbudget aus der Konzernrechnung.

Und nun die Kehrseite, in einer einzigen Zeile: Das operative Geschäft hat in keinem der beiden vollen Jahre Geld eingebracht. 2024 flossen 80,2 Millionen US-Dollar ab, 2025 waren es 65,8 Millionen. Bezahlt wurde das nicht aus dem Ertrag, sondern aus dem Kapitalmarkt — und zwar nicht über die Mutter, sondern über die Töchter. In der Kapitalflussrechnung für 2025 stehen 61,6 Millionen US-Dollar aus Kapitalerhöhungen und Optionsausübungen der Töchter und weitere 19,1 Millionen aus deren laufenden Aktienverkäufen. Aus dem eigenen Programm der Mutter kam 1,0 Million. Anders gesagt: Vier von fünf zugeflossenen Dollar stammten daraus, dass die Töchter fremden Anlegern neue Anteile an sich selbst verkauft haben.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Von den 205 Millionen bleiben keine 205 Millionen

Der Kaufpreis war ein Bruttopreis. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 nennt zwei Abgaben, die sofort davon abgehen:

„In connection with the closing of the PRV sale, Cyprium is obligated to remit 20% of the gross proceeds, or $41 million, to the Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (“NIH”) and 2.5% of gross proceeds, or $5.1 million, to a third-party pursuant to an agreement.“

Übersetzung: „Im Zusammenhang mit dem Vollzug des Gutschein-Verkaufs ist Cyprium verpflichtet, 20 Prozent des Bruttoerlöses, also 41 Millionen US-Dollar, an das Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (‚NIH‘) abzuführen sowie 2,5 Prozent des Bruttoerlöses, also 5,1 Millionen US-Dollar, aufgrund einer Vereinbarung an einen Dritten.“

— Fortress Biotech, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 3

Markierte Stelle im Fortress-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: 20 Prozent des Bruttoerlöses beziehungsweise 41 Millionen US-Dollar gehen an das NIH, 2,5 Prozent oder 5,1 Millionen an einen Dritten; beide Beträge stehen zum 31. März 2026 in den Rückstellungen.
Was sofort wieder abfließt: 41,0 Millionen US-Dollar an die US-Gesundheitsbehörde NIH, 5,1 Millionen an einen Dritten — zum 31. März 2026 beides noch als Rückstellung gebucht. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 3 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Beide Beträge waren am Stichtag noch nicht überwiesen. Man sieht das an den Verbindlichkeiten und Rückstellungen, die von 47,1 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2025 auf 93,0 Millionen zum 31. März 2026 sprangen. Der Kassenbestand von 255,8 Millionen ist also zu einem Sechstel schon vergeben. Dazu kamen im selben Quartal 14,2 Millionen für die vertraglich fällige Rücknahme von Vorzugsaktien bei Cyprium und 14,5 Millionen Tilgung an den Kreditgeber Oaktree. Der ausgewiesene Gewinn aus dem Verkauf betrug nach Abzug der Kosten 158,9 Millionen US-Dollar; darauf fielen im Quartal 5,1 Millionen Ertragsteuern an.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Kasse liegt nicht dort, wo ein Aktionär sie vermutet

Hier greift die Schatzkarten-Falle aus dem Einstieg. Ein Konzernabschluss addiert die Kassen aller Gesellschaften, die die Mutter beherrscht — nicht die, die ihr gehören. Journey Medical, Mustang Bio und Avenue Therapeutics haben eigene Aktionäre, eigene Verwaltungsräte und eigene Kassen. Deren Geld erscheint in der Konzernbilanz, steht der Mutter aber nicht zur freien Verfügung. Fortress schreibt selbst hin, wie viel wirklich oben liegt:

„Current cash and cash equivalents as of March 31, 2026 of $209.9 million for Fortress and private subsidiaries primarily funded by Fortress (“Parent Entity”) are considered sufficient to fund the Parent Entity’s operations for at least 12 months following the date of filing of this Quarterly Report on Form 10-Q.“

Übersetzung: „Die zum 31. März 2026 vorhandenen liquiden Mittel von 209,9 Millionen US-Dollar für Fortress und die überwiegend von Fortress finanzierten privaten Tochtergesellschaften (‚Muttergesellschaft‘) gelten als ausreichend, um deren Geschäftsbetrieb für mindestens zwölf Monate ab dem Einreichungsdatum dieses Quartalsberichts auf Formular 10-Q zu finanzieren.“

— Fortress Biotech, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Liquidity and Capital Resources

Markierter Liquiditätsabschnitt im Fortress-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: von den liquiden Mitteln entfallen 209,9 Millionen US-Dollar auf die Mutter und die privaten Töchter; das Unternehmen weist auf Verluste und negative operative Cashflows seit Gründung hin.
Die Firma trennt selbst zwischen Konzern und Mutter: 209,9 Millionen US-Dollar liegen bei Fortress und den privaten Töchtern — der Rest gehört den börsennotierten Töchtern und deren Aktionären. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum Vergleich der Vorjahresstichtag, damit du die Größenordnung einordnen kannst: Zum 31. Dezember 2025 lagen von 79,4 Millionen US-Dollar Konzern-Kasse nur 35,2 Millionen bei der Mutter samt privaten Töchtern — 24,1 Millionen gehörten Journey Medical, 17,3 Millionen Mustang Bio, 2,9 Millionen Avenue. Dasselbe Bild zeigt die Segmentrechnung zum 31. März 2026: Von 356,9 Millionen US-Dollar Konzernvermögen entfallen 246,3 Millionen auf das Segment Fortress, 91,5 Millionen auf Journey, 16,6 auf Mustang und 2,5 auf Avenue. Die Kasse ist also real — sie ist nur nicht ganz so frei, wie sie in der Konzernzeile aussieht. Und was die Mutter aus dem Gutschein-Erlös wirklich erwartet, steht ebenfalls im Bericht:

Markierte Stelle im Fortress-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Die Gesellschaft hält die Mehrheit an Cyprium und erwartet insgesamt mindestens 100,0 Millionen US-Dollar aus künftigen Dividenden und konzerninternen Vereinbarungen.
Von 205 Millionen brutto erwartet die Mutter „insgesamt mindestens 100,0 Millionen US-Dollar“ — über Dividenden von Cyprium und über konzerninterne Forderungen samt Zinsen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Konzern macht Verlust, die Mutter Gewinn — auf Kosten fremder Minderheiten

Diese Mechanik ist der interessanteste Teil der ganzen Bilanz, und sie ist bemerkenswert selten so klar zu sehen. Wenn eine Tochter, die zu 60 Prozent der Mutter gehört, 100 Millionen verliert, dann tauchen im Konzernabschluss zwar alle 100 Millionen auf — aber 40 davon werden den fremden Minderheiten zugerechnet und wieder herausgerechnet, bevor das Ergebnis „für die Mutter“ feststeht. Bei Fortress ist dieser Posten größer als das Ergebnis selbst:

Wasserfalldiagramm von Fortress Biotech in Millionen US-Dollar für 2025: Konzernergebnis −32,9, den Minderheiten zugerechnet +39,7, Ergebnis Fortress 6,8, Vorzugsdividenden −8,7, für Stammaktionäre −1,9.
Die Ergebnisbrücke 2025 in vier Schritten: Aus 32,9 Millionen US-Dollar Konzernverlust wird ein Gewinn von 6,8 Millionen für Fortress — und nach den Vorzugsdividenden wieder ein Verlust von 1,9 Millionen für die Stammaktionäre. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Klartext: Der Konzern verlor 2025 32,9 Millionen US-Dollar. Davon wurden 39,7 Millionen den Minderheitsaktionären der Töchter zugerechnet, sodass für Fortress ein Gewinn von 6,8 Millionen übrig blieb. Nach den Vorzugsdividenden von 8,7 Millionen wurde daraus wieder ein Verlust von 1,9 Millionen, also 0,07 US-Dollar je Aktie. Das ist bilanziell völlig korrekt — und es beschreibt sehr genau, was diese Holding tut: Sie lässt fremde Anleger die Entwicklungskosten tragen und behält den Verkaufserlös, wenn etwas gelingt. Im ersten Quartal 2026 lief dieselbe Mechanik in die andere Richtung: Von 137,2 Millionen US-Dollar Konzerngewinn gingen 26,8 Millionen an die Minderheiten — vor allem an die Mitgesellschafter von Cyprium.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Vorzugsdividende ruht seit dem 5. Juli 2024

An der Nasdaq notiert neben der Stammaktie eine zweite Gattung: die 9,375-Prozent-Vorzugsaktie der Serie A unter dem Kürzel FBIOP, 3.427.138 Stück mit einem Liquidationswert von je 25,00 US-Dollar. Sie war als monatlich zahlende Papiergattung konzipiert. Seit dem 5. Juli 2024 zahlt sie nicht mehr:

„However, on July 5, 2024, the board of directors paused the payment of dividends on our Series A Preferred Stock until further notice. As a result, the Company is not currently eligible to use Form S-3 and has lost the ability to use the 2024 Shelf.“

Übersetzung: „Am 5. Juli 2024 setzte der Verwaltungsrat jedoch die Zahlung der Dividenden auf unsere Vorzugsaktien der Serie A bis auf Weiteres aus. Infolgedessen ist die Gesellschaft derzeit nicht berechtigt, das Formular S-3 zu verwenden, und hat die Möglichkeit verloren, das Rahmenprogramm von 2024 zu nutzen.“

— Fortress Biotech, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 13

Zwei Folgen hat das. Erstens für die Halter der Vorzugsaktie: Die Ansprüche verfallen nicht, sie sammeln sich an. Zum 31. März 2026 nennt der Bericht rund 14,0 Millionen US-Dollar aufgelaufene, nicht beschlossene Dividenden; je Quartal kommen etwa 2,0 Millionen hinzu. Zweitens für die Gesellschaft selbst: Ohne gezahlte Dividende darf sie das vereinfachte Registrierungsformular S-3 nicht nutzen — und damit auch nicht ihr Rahmenprogramm von 2024, unter dem zum 31. März 2026 noch 42,1 Millionen US-Dollar offenstanden. Die Berechtigung kehrt erst zurück, wenn sie bis zur Einreichung des nächsten Geschäftsberichts alles nachzahlt. Seit dem 30. März 2026 liegt das Geld dafür in der Kasse. Ob der Verwaltungsrat es einsetzt, ist die konkreteste offene Frage dieser Bilanz — er prüft die Aussetzung laut Bericht regelmäßig.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: 12,7 Millionen Bezugsrechte gegen 33,2 Millionen Aktien

Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil der Kuchen in mehr Stücke geteilt wird. Bei Fortress ist die Portion, die noch geschnitten werden kann, ungewöhnlich groß. Zum 31. März 2026 waren 33.186.671 Stammaktien ausgegeben — und gleichzeitig 12.737.206 Optionsscheine im Umlauf, mit einem durchschnittlichen Ausübungspreis von 2,24 US-Dollar und einer Restlaufzeit von im Schnitt 3,3 Jahren. Das entspricht gut 38 Prozent der ausstehenden Aktien. Man sieht die Wirkung direkt in der Ergebnisrechnung des ersten Quartals 2026: Der Gewinn je Aktie beträgt unverwässert 3,44 US-Dollar, verwässert nur noch 2,82 US-Dollar — die verwässerte Aktienzahl liegt bei 38,4 Millionen statt 31,5 Millionen. Zur Einordnung der Entwicklung: 2024 lag die durchschnittliche Aktienzahl bei 20,8 Millionen, 2025 bei 27,9 Millionen, im ersten Quartal 2026 bei 31,5 Millionen. In gut zwei Jahren ist die Zahl um gut die Hälfte gestiegen.

Bewertung: Was ein Anteil an dieser Holding wirklich ist

Fangen wir mit dem an, was am 26. Juli 2026 gemessen wurde: Der Börsenwert lag bei rund 111 Millionen US-Dollar bei 33,2 Millionen ausstehenden Aktien; der Umsatz der letzten vier Quartale betrug 66,2 Millionen. Dem stehen zum 31. März 2026 eine Konzern-Kasse von 255,8 Millionen US-Dollar und Finanzschulden von 40,0 Millionen gegenüber (15,0 Millionen bei der Mutter an Oaktree zu 11,3 Prozent Zins, Laufzeit bis 30. Juni 2028, sowie 25,0 Millionen bei Journey Medical an SWK). Rechnerisch ergibt das einen negativen Unternehmenswert — die Firma kostet an der Börse weniger, als netto in ihren Kassen liegt.

Bevor du jetzt zum Telefon greifst: Genau hier schnappt die Schatzkarten-Falle zu. Von den 255,8 Millionen sind 46,1 Millionen bereits an NIH und einen Dritten vergeben. Rund 46 Millionen liegen bei den börsennotierten Töchtern und gehören dort anteilig fremden Aktionären. Auf die aufgelaufenen Vorzugsdividenden entfallen weitere 14,0 Millionen, und die Vorzugsaktien selbst haben einen Liquidationsanspruch von 85,7 Millionen US-Dollar, der im Ernstfall vor den Stammaktionären bedient wird. Ein negativer Unternehmenswert ist deshalb hier keine Bewertungslücke, sondern eine Aufforderung, genauer hinzusehen. Und man sollte die andere Seite mitrechnen: Das operative Geschäft verbrennt Geld. Bei einem Betriebsverlust von 7,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 wäre der Kassenbestand der Mutter rechnerisch für viele Jahre gut — wenn nichts Neues dazukommt. Genau das ist bei einer Entwicklungsholding aber der Normalfall.

Die klassischen Bewertungskennzahlen helfen hier wenig, und das gehört offen gesagt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 1 klingt spektakulär, beruht aber vollständig auf dem Sondergewinn aus dem Gutschein-Verkauf; die Analystenschätzung für das kommende Geschäftsjahr steht bei einem Verlust je Aktie. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis misst den Umsatz von Journey Medical, an der Fortress nur einen Teil hält. Und das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis, das die Aktie überhaupt erst auf unseren Tisch gebracht hat, misst einen Vorgang, der sich nicht wiederholt. Was bleibt, sind drei belastbare Anker: die Kasse der Mutter (209,9 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026), der Wert der Beteiligungen an den börsennotierten Töchtern, den jeder selbst nachrechnen kann, und die Trefferquote bei Verkäufen — drei erfolgreiche Monetarisierungen in fünf Jahren. Wie ein einzelnes kleines Biotech aussieht, das statt eines Portfolios nur ein Produkt hat, zeigt zum Vergleich unsere Analyse zu Puma Biotechnology.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Die Kasse ist real und ungewöhnlich groß. 255,8 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, davon 209,9 Millionen bei der Mutter — gegenüber Finanzschulden von 40,0 Millionen und einem Börsenwert von rund 111 Millionen (Datenstand 26. Juli 2026). Das Eigenkapital drehte von minus 1,6 Millionen (31.12.2024) auf plus 202,4 Millionen (31.03.2026).
  • Das Modell hat dreimal geliefert. Caelum an AstraZeneca (2021, 56,9 Millionen US-Dollar an Fortress), Checkpoint an Sun Pharma (Mai 2025, 28,0 Millionen plus Besserungsschein und 2,5 Prozent Lizenz), der FDA-Gutschein an einen Käufer (März 2026, 205 Millionen brutto). Dazu laufende Ansprüche: bis zu 128 Millionen Meilensteine von Sentynl für ZYCUBO plus gestaffelte Lizenzen von 3 bis 12,5 Prozent.
  • Ein Produktgeschäft mit Wachstum. Journey Medical steigerte den Nettoumsatz von 57,7 (2024) auf 63,3 Millionen US-Dollar (2025) und im ersten Quartal 2026 auf 16,0 Millionen nach 13,1 Millionen — plus 22 Prozent, getragen vom im März 2025 eingeführten Rosazea-Präparat Emrosi.
  • Die Kreditauflagen sind entschärft. Nach der Tilgung auf 15,0 Millionen US-Dollar sank die Mindestliquiditätsauflage von Oaktree auf 2,0 Millionen; die Auflagen zu Mindestumsatz, Kapitalaufnahme und Mindestbeteiligung an Journey entfielen. Zum 31. März 2026 waren alle Auflagen eingehalten.

Risiken

  • Das laufende Geschäft trägt sich nicht. Operativ flossen 2024 80,2 und 2025 65,8 Millionen US-Dollar ab; der Betriebsverlust lag 2025 bei 70,2 Millionen. Der kumulierte Fehlbetrag von 623,7 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 steht einer Kapitalrücklage von 785,9 Millionen gegenüber — vier von fünf eingesammelten Dollar sind verbraucht.
  • Die Finanzierung hängt an den Töchtern. 2025 kamen 80,7 Millionen US-Dollar aus Kapitalerhöhungen und Aktienverkäufen der Tochtergesellschaften, nur 1,0 Million aus dem Programm der Mutter. Verlieren die Töchter den Zugang zum Kapitalmarkt, fehlt der Konzernfinanzierung die Hauptquelle.
  • Der Erlös ist einmalig. Den verkauften Gutschein gibt es nur einmal; ob je wieder einer entsteht, hängt an einer weiteren Zulassung für eine seltene Kinderkrankheit. Der ausgewiesene Gewinn von 158,9 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 ist damit keine Basis für eine Fortschreibung.
  • Verwässerung. 12.737.206 Optionsscheine zu durchschnittlich 2,24 US-Dollar stehen 33.186.671 Aktien gegenüber (Stand 31.03.2026); die durchschnittliche Aktienzahl stieg von 20,8 Millionen (2024) über 27,9 Millionen (2025) auf 31,5 Millionen (Q1 2026).
  • Kapitalmarktzugang und Vorzugsdividende. Die Zahlung auf FBIOP ruht seit dem 5. Juli 2024, rund 14,0 Millionen US-Dollar sind aufgelaufen; deshalb ist das Rahmenprogramm von 2024 mit 42,1 Millionen Restvolumen derzeit nicht nutzbar. Zusätzlich weist der Bericht darauf hin, dass die Gesellschaft in der Vergangenheit Nasdaq-Notierungsregeln nicht erfüllt hat.
  • Töchter unter Druck. Avenue Therapeutics wurde am 19. März 2025 vom Nasdaq-Handel ausgesetzt, im Juli 2025 förmlich delistet und handelt seither außerbörslich; Mustang Bio brauchte im Januar 2025 eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1 zu 50, um die Mindestkursregel der Nasdaq einzuhalten.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Schatzkarten-Falle vom Anfang. Sie ist deshalb so hartnäckig, weil an ihr alles stimmt: Die 255,8 Millionen US-Dollar stehen wirklich in der Bilanz, der Börsenwert von rund 111 Millionen ist wirklich kleiner, und der freie Mittelzufluss der letzten vier Quartale ist wirklich positiv. Nur beantwortet keine dieser drei Zahlen die Frage, die zählt: Wem gehört das Geld, und kommt morgen wieder welches?

Was übrig bleibt, ist ein ehrliches Bild von einer ungewöhnlichen Firma. Fortress Biotech ist ein Beteiligungshaus mit 78 Leuten, das Wirkstoffe einsammelt, sie in eigene Gesellschaften packt und darauf wartet, dass ein Großer zugreift. Dreimal in fünf Jahren hat das funktioniert. Dazwischen verbrennt der Konzern Geld, und bezahlt wird das von den Aktionären der Töchter. Wer diese Aktie kauft, kauft weder ein Medikament noch einen Cashflow, sondern eine Wette darauf, dass die nächste Monetarisierung kommt — und dass das Geld aus der letzten oben ankommt, statt in Abgaben, Minderheitsanteilen und Entwicklungskosten zu versickern.

Wir sagen dir nicht, ob du hier einsteigen sollst. Wir sagen dir, was in den Berichten steht, und woran du das nächste Kapitel messen kannst: an der Kasse der Mutter nach den 46,1 Millionen Abgaben, an der Frage, ob die Vorzugsdividende wieder fließt, und daran, ob Journey Medical irgendwann genug verdient, um den Rest des Konzerns zu tragen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und ausdrücklich keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien kleiner Biotech-Holdings können erheblich schwanken; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Berichten und tragen deren Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Fortress Biotech, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell neutral
Die Holding kauft Wirkstoffrechte, verteilt sie auf eigene Gesellschaften und lässt diese am Kapitalmarkt selbst Geld einsammeln; über eine Gründervereinbarung fließen ihr jährlich 2,5 Prozent Sachdividende und 2,5 Prozent aller Neuemissionen der Töchter zu. Das Modell hat dreimal geliefert — Caelum 2021, Checkpoint im Mai 2025, der FDA-Gutschein im März 2026 — es ist aber von Einzelereignissen abhängig und nicht planbar.
Operative Ertragskraft negativ
Bei einem Nettoumsatz von 63,3 Millionen US-Dollar stand 2025 ein Betriebsverlust von 70,2 Millionen; operativ flossen 65,8 Millionen ab, nach 80,2 Millionen im Jahr 2024. Der gesamte Produktumsatz stammt von der Tochter Journey Medical, deren eigenes Segment im ersten Quartal 2026 einen Betriebsverlust von 1,5 Millionen auswies. Der kumulierte Fehlbetrag lag zum 31. März 2026 bei 623,7 Millionen US-Dollar.
Bilanz und Liquidität positiv
Nach dem Gutschein-Verkauf standen zum 31. März 2026 255,8 Millionen US-Dollar Kasse — davon 209,9 Millionen bei der Mutter — Finanzschulden von 40,0 Millionen und ein Eigenkapital von 202,4 Millionen gegenüber, nach minus 1,6 Millionen zum 31. Dezember 2024. Der Oaktree-Kredit wurde auf 15,0 Millionen getilgt, die Mindestliquiditätsauflage sank dadurch auf 2,0 Millionen; alle Auflagen waren zum Stichtag eingehalten.
Finanzierung und Verwässerung negativ
2025 kamen 80,7 Millionen US-Dollar aus Kapitalerhöhungen und Aktienverkäufen der Töchter gegenüber 1,0 Million aus dem Programm der Mutter. Die durchschnittliche Aktienzahl stieg von 20,8 Millionen (2024) über 27,9 Millionen (2025) auf 31,5 Millionen im ersten Quartal 2026; zum 31. März 2026 standen 33.186.671 Aktien 12.737.206 Optionsscheinen zu durchschnittlich 2,24 US-Dollar gegenüber.
Aktionärsstruktur und Ausschüttung negativ
Die Zahlung auf die 9,375-Prozent-Vorzugsaktie FBIOP ruht seit dem 5. Juli 2024; zum 31. März 2026 waren rund 14,0 Millionen US-Dollar aufgelaufen, und die Gesellschaft darf deshalb ihr Rahmenprogramm von 2024 mit 42,1 Millionen US-Dollar Restvolumen nicht nutzen. Gleichzeitig gehört ein Teil der Konzern-Kasse den Minderheitsaktionären der börsennotierten Töchter: Zum 31. Dezember 2025 lagen von 79,4 Millionen nur 35,2 Millionen bei der Mutter.
Aufhänger und Datenlage neutral
Platz 12 im hauseigenen K-FCF-Ranking der US-Auswahl mit einem Wert von 0,6 (Stand 26. Juli 2026, 835 Treffer insgesamt, 25 gelistet). Der zugrunde liegende Mittelzufluss ist rechnerisch korrekt, entsteht aber aus einem einmaligen Verkauf: 203,9 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 nach vier negativen Quartalen. Das eigene Scanner-System zählt reine Kennzahl-Rankings ausdrücklich nicht als Strategie-Treffer; als solche führte die Aktienseite am 26. Juli 2026 vier Momentum-Listen und den Beneish M-Score aus der Rubrik Risiko und Schwäche.

Fortress Biotech ist keine günstige Firma, sondern eine Holding mit einem einmaligen Geldzufluss. Die 203,9 Millionen US-Dollar, die den Titel auf Platz 12 des K-FCF-Rankings heben, stammen aus dem Verkauf eines FDA-Gutscheins für 205 Millionen — davon gehen 41 Millionen an die US-Gesundheitsbehörde NIH und 5,1 Millionen an einen Dritten. Das laufende Geschäft verlor 2025 operativ 65,8 Millionen und wurde von Kapitalerhöhungen der Töchter über 80,7 Millionen getragen. Real sind die Kasse von 255,8 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, ein Eigenkapital von 202,4 Millionen und ein wachsendes Produktgeschäft bei Journey Medical. Offen bleibt, ob die Mutter aus dem Erlös dauerhaft etwas aufbaut oder nur die nächste Runde finanziert. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für eine offene operative Frage, nicht für ein Substanzrisiko. Gegen Rot spricht die Bilanz: 255,8 Millionen US-Dollar Kasse gegen 40,0 Millionen Finanzschulden zum 31. März 2026, ein Eigenkapital von 202,4 Millionen nach minus 1,6 Millionen Ende 2024, eingehaltene Kreditauflagen und kein Hinweis auf eine Gefährdung der Unternehmensfortführung. Gegen Grün spricht, dass das Geschäft sich in keinem der geprüften Jahre selbst getragen hat: Der Betriebsverlust lag 2025 bei 70,2 Millionen US-Dollar, operativ flossen 65,8 Millionen ab, und finanziert wurde das zu vier Fünfteln von Aktienverkäufen der Töchter an fremde Anleger. Der gesamte Gewinn des laufenden Jahres hängt an einem einzigen Verkaufsvorgang, der sich nicht wiederholt. Ob dieses Modell trägt, entscheidet sich daran, was die Mutter mit den 209,9 Millionen US-Dollar in ihrer eigenen Kasse anfängt. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger und Fundstelle: Platz 12 im hauseigenen K-FCF-Ranking der US-Auswahl, live gemessen am 26. Juli 2026 (835 Treffer insgesamt, 25 gelistet, K/FCF 0,6). Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierung ist eine Momentaufnahme.
  • Woher der niedrige Wert stammt — geprüft, nicht angenommen: Das Ranking teilt den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale. Von dessen Summe stammt praktisch alles aus einem Quartal: plus 203,9 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, nach minus 19,6, minus 27,6, minus 6,1 und minus 12,5 Millionen in den vier Quartalen davor. Ursache ist der Verkauf eines Rare-Pediatric-Disease-Gutscheins durch die Tochter Cyprium für 205 Millionen US-Dollar, vollzogen am 30. März 2026. Weder Lizenzzahlungen noch Kapitalerhöhungen der Töchter tragen zu dieser Zahl bei — Kapitalerhöhungen laufen über die Finanzierungstätigkeit und fließen nicht in den freien Mittelzufluss ein.
  • Konzern und Mutter sind zu trennen: Der Produktumsatz stammt zu 100 Prozent von der börsennotierten Tochter Journey Medical (15,9 von 15,9 Millionen US-Dollar Produktumsatz im ersten Quartal 2026); das Segment Fortress selbst wies 77 Tausend US-Dollar sonstige Erlöse aus. Von 255,8 Millionen US-Dollar Konzern-Kasse lagen zum 31. März 2026 209,9 Millionen bei der Mutter samt privaten Töchtern.
  • Pflichtprüfung Übernahme, auch auf Tochterebene: Auf Mutterebene läuft nichts (kein S-4, kein DEFM14A, keine 425-Mitteilung in der Einreichungshistorie). Auf Tochterebene ist die Übernahme von Checkpoint Therapeutics durch Sun Pharmaceutical Industries am 30. Mai 2025 vollzogen, Fortress erhielt 28,0 Millionen US-Dollar bar plus Besserungsschein und Lizenzanspruch; die Avenue-Tochter Baergic ging im November 2025 an Axsome. Zum 26. Juli 2026 ist kein weiterer Zusammenschluss angekündigt.
  • Verwechslungsgefahr: Fortress Biotech, Inc. (FBIO) ist nicht identisch mit der gleichnamigen Investmentgesellschaft Fortress Investment Group. Bis zum 27. April 2015 firmierte das Unternehmen als Coronado Biosciences, Inc.; unter dem Kürzel FBIOP notiert dieselbe Gesellschaft mit ihrer Vorzugsaktie.

Häufige Fragen

Fortress Biotech ist eine Biotech-Holding aus Bay Harbor Islands in Florida. Sie erwirbt Rechte an Wirkstoffen, gründet für jeden Kandidaten eine eigene Gesellschaft und lässt diese selbst Kapital aufnehmen. Drei Töchter sind börsennotiert: Journey Medical (Hautpräparate), Mustang Bio (Zelltherapien) und Avenue Therapeutics. Der gesamte Konzern hatte zum 31. Dezember 2025 78 Vollzeitbeschäftigte.

Weil im ersten Quartal 2026 operativ 203,9 Millionen US-Dollar zuflossen — aus dem Verkauf eines FDA-Gutscheins für beschleunigte Zulassungsverfahren durch die Tochter Cyprium für 205 Millionen US-Dollar, vollzogen am 30. März 2026. In den vier Quartalen davor floss Geld ab: minus 19,6, minus 27,6, minus 6,1 und minus 12,5 Millionen. Die Kennzahl misst also einen einmaligen Verkauf, kein laufendes Geschäft.

Wer in den USA ein Medikament gegen eine seltene Kinderkrankheit zugelassen bekommt, erhält von der FDA einen übertragbaren Gutschein. Sein Inhaber darf bei einem beliebigen anderen Antrag ein beschleunigtes Prüfverfahren verlangen — sechs statt zehn Monate. Für einen Konzern, dessen Präparat vier Monate früher auf den Markt kommt, ist das viel Geld wert. Cyprium erhielt den Gutschein mit der ZYCUBO-Zulassung am 13. Januar 2026 und verkaufte ihn für 205 Millionen US-Dollar.

Auf Ebene der Muttergesellschaft nicht: In der Einreichungshistorie bei der SEC findet sich weder ein Fusionsprospekt (Form S-4) noch eine Fusions-Einladung (DEFM14A) noch eine 425-Mitteilung. Auf Tochterebene ist die Übernahme von Checkpoint Therapeutics durch Sun Pharmaceutical Industries am 30. Mai 2025 vollzogen und abgeschlossen; Fortress erhielt 28,0 Millionen US-Dollar. Zum 26. Juli 2026 ist kein weiterer Zusammenschluss angekündigt.

Deutlich weniger als der Bruttopreis. 20 Prozent oder 41,0 Millionen US-Dollar gehen an die US-Gesundheitsbehörde NIH, weitere 2,5 Prozent oder 5,1 Millionen an einen Dritten; beide Beträge standen zum 31. März 2026 noch als Rückstellung in der Bilanz. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt die Erwartung der Mutter: insgesamt mindestens 100,0 Millionen US-Dollar von Cyprium über Dividenden und konzerninterne Forderungen.

Weil die Verluste der Töchter zum Teil fremden Minderheitsaktionären gehören und wieder herausgerechnet werden. 2025 verlor der Konzern 32,9 Millionen US-Dollar; davon wurden 39,7 Millionen den Minderheiten zugerechnet, sodass für Fortress ein Gewinn von 6,8 Millionen blieb. Nach 8,7 Millionen Vorzugsdividenden ergab das für die Stammaktionäre einen Verlust von 1,9 Millionen oder 0,07 US-Dollar je Aktie.

Nein. Der Verwaltungsrat setzte die Zahlung auf die 9,375-Prozent-Vorzugsaktie der Serie A am 5. Juli 2024 bis auf Weiteres aus. Die Ansprüche verfallen nicht, sondern kumulieren: Zum 31. März 2026 waren rund 14,0 Millionen US-Dollar aufgelaufen, je Quartal kommen etwa 2,0 Millionen hinzu. Solange nicht gezahlt wird, darf die Gesellschaft ihr Wertpapier-Rahmenprogramm von 2024 nicht nutzen.

Deutlich. Zum 31. März 2026 standen 33.186.671 Aktien 12.737.206 Optionsscheinen mit einem durchschnittlichen Ausübungspreis von 2,24 US-Dollar gegenüber — gut 38 Prozent. Im ersten Quartal 2026 lag der Gewinn je Aktie unverwässert bei 3,44 und verwässert bei 2,82 US-Dollar. Die durchschnittliche Aktienzahl stieg von 20,8 Millionen (2024) über 27,9 Millionen (2025) auf 31,5 Millionen.

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