Börsenlotse
Kauftag heute: Neutral (58 ) Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

D-Wave Quantum: 100.000 Qubits bis 2031 — und 3,1 Millionen Dollar Umsatz im Quartal

D-Wave Quantum: 100.000 Qubits bis 2031 — und 3,1 Millionen Dollar Umsatz im Quartal

D-Wave Quantum baut echte Quantencomputer, veröffentlicht in Nature und plant bis 2031 eine Maschine mit 100.000 Qubits. Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 erzählt daneben eine viel nüchternere Geschichte: 3,076 Millionen US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal — genauso viel wie ein Jahr zuvor — bei Betriebskosten von 54,982 Millionen. Ein einziger Kunde brachte 41 Prozent dieses Umsatzes. Bezahlt wird der Betrieb nicht vom Kunden, sondern vom Aktionär: Aus 113,3 Millionen Aktien Ende 2022 wurden 372,0 Millionen zum 30. Juni 2026. Wir lesen die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC Zeile für Zeile und trennen die Meilensteine von den Rechnungen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 14. August 2026

Schlusskurs
21,20 $ +1,30 %
Marktkapitalisierung
7,9 Mrd. $
Wachstums-Score
4/10
AAQS
5/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

D-Wave Quantum: 100.000 Qubits bis 2031 — und 3,1 Millionen Dollar Umsatz im Quartal
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 13,00 $ bis 44,80 $ · Letzter Kurs: 21,20 $ (Stand: 14. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die Neugierigen erwischt — die, die sich für Technik interessieren und deshalb genauer hinschauen als andere. Nennen wir sie die Meilenstein-Falle. Sie funktioniert so: Ein Unternehmen liefert eine Nachricht nach der anderen, und jede einzelne ist echt. Eine Veröffentlichung in Nature. Eine Einstufung als „Leader“ durch das Marktforschungshaus IDC. Ein Zuschuss der US-Wissenschaftsbehörde NSF. Ein Fahrplan bis zu 100.000 Qubits im Jahr 2031. Dein Kopf zählt mit und rechnet die Meilensteine unbewusst in Fortschritt um — und Fortschritt in Umsatz. Nur macht er dabei einen Fehler: Er prüft nie, ob die Umsatzzeile mitgewachsen ist. Bei D-Wave Quantum (NASDAQ: QBTS) ist sie das nicht. Der Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, eingereicht am 6. August 2026, weist für das zweite Quartal 3,076 Millionen US-Dollar Umsatz aus. Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es 3,095 Millionen. Also machen wir einen Deal: Wir nehmen die Meilensteine ernst — und wir lesen daneben, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst, was du davon hältst.

Was D-Wave Quantum eigentlich macht — der erste Händler für eine Maschine, die kaum jemand braucht

D-Wave baut Quantencomputer. Nicht als Forschungsprojekt, sondern als Produkt: Das Unternehmen aus Palo Alto in Kalifornien ist nach eigener Darstellung der weltweit erste kommerzielle Anbieter solcher Maschinen und der einzige, der zwei grundverschiedene Bauarten gleichzeitig anbietet. Was ein Quantencomputer ist, lässt sich in einem Alltagsbild fassen: Ein normaler Rechner probiert Lösungswege nacheinander durch, wie jemand, der in einem Labyrinth jeden Gang einzeln abläuft. Ein Quantencomputer nutzt physikalische Eigenschaften sehr kalter, sehr kleiner Bauteile, um viele Wege gleichzeitig zu prüfen. Die kleinste Recheneinheit heißt Qubit; je mehr davon sauber zusammenarbeiten, desto größere Probleme lassen sich angehen.

Die erste Bauart, das Annealing (auf Deutsch etwa „Ausglühen“), ist D-Waves Spezialität und funktioniert wie eine Kugel, die man in eine hügelige Landschaft wirft und die von selbst in das tiefste Tal rollt — gut geeignet für Optimierungsfragen: die günstigste Lieferroute, der beste Schichtplan, die stabilste Materialmischung. Das aktuelle System heißt Advantage2 und arbeitet mit über 4.400 Qubits. Die zweite Bauart, das Gate-Model, ist der universellere Ansatz, an dem auch IBM und Google arbeiten; hier steht D-Wave am Anfang und hat sich im Januar 2026 durch den Zukauf des Unternehmens Quantum Circuits verstärkt.

Geld verdient wird auf drei Wegen: mit dem Cloud-Zugang zu den Rechnern (das Unternehmen nennt das QCaaS, „quantum computing as a service“ — man mietet Rechenzeit, statt eine Maschine zu kaufen), mit Beratungsleistungen bei der Anwendung und mit dem Verkauf kompletter Systeme. Der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 beschreibt die Anwendungsfelder so:

„Customers apply our technology to address use cases spanning optimization, artificial intelligence, research and more.“

Übersetzung: „Kunden setzen unsere Technologie für Anwendungsfälle ein, die von Optimierung über künstliche Intelligenz bis zur Forschung und darüber hinaus reichen.“

— D-Wave Quantum Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 „Business“ (Overview)

Gelb markierte Textstelle aus dem D-Wave-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Kunden setzen die Technologie für Anwendungsfälle von Optimierung über künstliche Intelligenz bis zur Forschung ein. Der umgebende Absatz nennt das Geschäftsmodell aus Cloud-Zugang, Beratung und Systemverkauf.
Die markierte Stelle im Original: Optimierung, künstliche Intelligenz, Forschung — die Anwendungsfelder, für die Kunden zahlen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Technik ist echt, sie wird von Fachwelt und Behörden anerkannt — aber sie hat bis heute kein Geschäft hervorgebracht, das sich selbst trägt. Was den Betrieb finanziert, ist nicht der Kunde, sondern der Aktionär.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

D-Wave landete nicht über einen Momentum- oder Value-Scanner auf der Rechercheliste, sondern über eine schlichte Beobachtung: Am 6. August 2026 legte das Unternehmen seinen Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 vor, und die Zahlen darin standen in einem auffälligen Verhältnis zur Größe der Firma an der Börse. Zum Datenstand 10. August 2026 wog D-Wave rund 7,5 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz der zurückliegenden zwölf Monate betrug 12,4 Millionen. Das ergibt ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 605 — eine Zahl, die klassische Kennzahlen sprengt.

Damit sind wir bei der ehrlichen Vorwarnung: Bei D-Wave führen die üblichen Messlatten in die Irre. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 605 sagt nur, dass der Markt keinen einzigen heutigen Dollar bewertet, sondern eine Erwartung. Merke dir den Befund gleich zu Anfang: Wer D-Wave kauft, kauft nicht ein Geschäft, sondern eine Wette darauf, dass daraus eines wird. Ob diese Wette aufgeht, entscheidet die Physik — und der Kalender. Beides schauen wir uns jetzt an, und wir fangen mit dem an, was tatsächlich beeindruckt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das Positive, und davon gibt es mehr, als der Umsatz vermuten lässt. Die Bilanz ist bemerkenswert solide: Zum 30. Juni 2026 lagen 296,6 Millionen US-Dollar an Barmitteln und weitere 249,6 Millionen in marktgängigen Wertpapieren in der Kasse — zusammen 546,2 Millionen. Dem stehen Verbindlichkeiten von insgesamt nur 75,3 Millionen gegenüber, darunter Darlehen von 35,0 Millionen. Das Eigenkapital betrug 1.083,1 Millionen US-Dollar. Ein Unternehmen mit dieser Ausstattung hat keine kurzfristige Finanzierungsfrage; bei einem Mittelabfluss aus dem laufenden Geschäft von 73,5 Millionen im ersten Halbjahr 2026 reicht die vorhandene Liquidität rechnerisch rund dreieinhalb Jahre.

Zweitens ist die technische Entwicklung real. Im zweiten Quartal 2026 veröffentlichte D-Wave in der Fachzeitschrift Nature eine begutachtete Arbeit zu einem schnellen, fehlerarmen Zwei-Qubit-Gatter; das Marktforschungshaus IDC nahm das Unternehmen als eines von zwei in die Kategorie „Leader“ seines Quantencomputing-Vergleichs auf; die US-Wissenschaftsstiftung NSF sagte einen Zuschuss von 1.566.240 US-Dollar zu. Auch der Auftragseingang zog an — dazu gleich mehr, denn diese Zahl hat eine Fußnote. Und die Kundenqualität verbessert sich messbar: Im zweiten Quartal 2026 kamen 62,4 Prozent des Umsatzes von gewerblichen Kunden nach 45,1 Prozent im Vorjahresquartal, und 47,7 Prozent von Unternehmen aus der Forbes-Global-2000-Liste nach 20,4 Prozent.

Jetzt die Kurve, die alles andere einordnet — Umsatz und Betriebskosten nebeneinander:

Gruppiertes Balkendiagramm 2022 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz (blau) 7,2 / 8,8 / 8,8 / 24,6; Betriebskosten (rot) 63,7 / 85,2 / 82,8 / 120,7. Die roten Balken sind in jedem Jahr ein Vielfaches der blauen, und der Abstand wächst.
Die Schere: 2022 standen 7,2 Millionen US-Dollar Umsatz gegen 63,7 Millionen Betriebskosten, 2025 waren es 24,6 gegen 120,7 Millionen. Das beste Umsatzjahr war zugleich das teuerste. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Umsatzreihe für sich gelesen: 7,2 Millionen US-Dollar (2022), 8,8 (2023), 8,8 (2024), 24,6 (2025). Der Sprung im Jahr 2025 sieht nach dem lang erwarteten Durchbruch aus, hat aber eine einfache Erklärung: Er entstand fast zur Hälfte aus dem ersten Verkauf einer kompletten Annealing-Maschine für 13,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025. Die Geografie-Tabelle des Quartalsberichts zeigt, wohin sie ging: Im ersten Halbjahr 2025 stammten 13,99 Millionen des Umsatzes aus Deutschland — im ersten Halbjahr 2026 waren es 0,30 Millionen.

Genau deshalb sackte der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 5,9 Millionen US-Dollar ab, 67 Prozent unter den 18,1 Millionen des Vorjahreszeitraums. Wer nur diese Prozentzahl liest, unterstellt einen Einbruch; wer den Einmaleffekt herausrechnet, sieht etwas Nüchterneres: Das Grundgeschäft ohne Maschinenverkäufe liegt seit vier Jahren bei rund drei Millionen US-Dollar pro Quartal — und bewegt sich kaum. Das zweite Quartal 2026 mit 3,076 Millionen gegen 3,095 Millionen im Vorjahr ist dafür der genaueste Beleg, den es gibt. Merke dir das Bild: Der Umsatz atmet, aber er wächst nicht.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Kosten wachsen zwanzigmal so schnell wie der Umsatz

Im ersten Halbjahr 2026 gab D-Wave 111,5 Millionen US-Dollar für den laufenden Betrieb aus — mehr als das Doppelte der 53,6 Millionen des Vorjahreszeitraums und mehr, als das Unternehmen in den Jahren 2022 bis 2024 zusammen umgesetzt hat. Aufgeschlüsselt: Forschung und Entwicklung 54,0 Millionen (nach 23,0), Verwaltung 35,7 Millionen (nach 17,1), Vertrieb und Marketing 21,8 Millionen (nach 13,6). Der operative Verlust der sechs Monate lag damit bei 108,0 Millionen US-Dollar nach 37,8 Millionen — eine Verschlechterung um 186 Prozent, während der Umsatz um 67 Prozent fiel. Das Unternehmen benennt das selbst und ohne Beschönigung:

„We expect to continue to incur significant losses for the foreseeable future as we continue to invest in a number of research and development programs as well as a variety of go-to-market initiatives.“

Übersetzung: „Wir gehen davon aus, auf absehbare Zeit weiterhin erhebliche Verluste zu erleiden, da wir weiter in eine Reihe von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen sowie in verschiedene Vertriebsinitiativen investieren.“

— D-Wave Quantum Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Item 2 (MD&A)

Gelb markierte Textstelle aus dem D-Wave-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Das Unternehmen erwartet auf absehbare Zeit weiterhin erhebliche Verluste. Der umgebende Absatz nennt 5,9 gegen 18,1 Millionen US-Dollar Umsatz, operative Verluste von 108,0 gegen 37,8 Millionen und ein aufgelaufenes Defizit von 1,0 Milliarden.
Die markierte Stelle im Original — daneben die Zahlen des Halbjahres: 5,9 statt 18,1 Millionen US-Dollar Umsatz, 108,0 statt 37,8 Millionen operativer Verlust, 1,0 Milliarden aufgelaufenes Defizit. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das aufgelaufene Defizit, also die Summe aller Verluste seit Gründung, stand zum 30. Juni 2026 bei 1.048,4 Millionen US-Dollar. Zur Einordnung: Das ist rund das Vierzigfache des besten Jahresumsatzes, den D-Wave je erzielt hat. Eine ehrliche Gegenrechnung gehört dazu — ein Teil des Kostenanstiegs ist gewollt und einmalig: 9,3 Millionen US-Dollar entfielen im ersten Halbjahr auf die Übernahme von Quantum Circuits, deren laufende Kosten seit Januar mitlaufen, und 16,4 Millionen auf Positionen ohne Geldabfluss (aktienbasierte Vergütung, Abschreibungen). Aber selbst bereinigt bleibt das Verhältnis unverändert in seiner Aussage: Auf jeden eingenommenen Dollar kommen rund neunzehn ausgegebene.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Aus 113 Millionen Aktien wurden 372 Millionen — und das Kapitel ist nicht abgeschlossen

Jetzt kommt der Teil, der jeden Altaktionär betrifft. Verwässerung heißt: Das Unternehmen gibt neue Aktien aus, um Geld einzusammeln — und dein Stück vom Kuchen wird kleiner, auch wenn du nichts verkauft hast. Der Kuchen selbst kann dabei durchaus wachsen; die Frage ist nur, ob er schneller wächst als die Zahl der Esser. Bei D-Wave sieht die Zahl der Esser so aus:

Balkendiagramm der ausstehenden D-Wave-Aktien in Millionen Stück: 113,3 zum 31.12.2022, 161,1 zum 31.12.2023, 266,6 zum 31.12.2024, 358,7 zum 31.12.2025 und 372,0 zum 30.06.2026. Jeder Balken ist höher als der vorherige.
Aus 113,3 Millionen Aktien (31. Dezember 2022) wurden 372,0 Millionen (30. Juni 2026) — mehr als das Dreifache in dreieinhalb Jahren. Wer von Anfang an dabei war, hält heute für dasselbe Geld weniger als ein Drittel des früheren Anteils. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der größte Schub fiel ins Jahr 2025. Allein im ersten Halbjahr gab D-Wave 50.948.852 neue Aktien über laufende Börsenplatzierungen aus — im Fachjargon „At-the-Market“-Programme, bei denen das Unternehmen tröpfchenweise eigene Aktien direkt in den Markt verkauft — und nahm damit 536,7 Millionen US-Dollar netto ein. Dazu kamen 3,87 Millionen Aktien aus einer Kreditlinie in Eigenkapitalform (37,8 Millionen) und 12,56 Millionen Aktien aus der Ausübung von Optionsscheinen. Die gute Nachricht für 2026: Dieses Karussell steht still. Im ersten Halbjahr 2026 floss aus der Finanzierungstätigkeit netto sogar Geld ab (4,8 Millionen), und der Quartalsbericht hält fest:

„As of December 31, 2025, the Company had completed all issuances under its prior equity programs, including the ELOC and its ATM sales agreements.“

Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 hatte das Unternehmen sämtliche Emissionen im Rahmen seiner bisherigen Eigenkapitalprogramme abgeschlossen, einschließlich der Kreditlinie in Eigenkapitalform und seiner Vereinbarungen über laufende Börsenplatzierungen.“

— D-Wave Quantum Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“

Gelb markierte Textstelle aus dem D-Wave-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Zum 31. Dezember 2025 hatte das Unternehmen alle Emissionen unter seinen bisherigen Eigenkapitalprogrammen abgeschlossen, einschließlich der Kreditlinie und der Vereinbarungen über laufende Börsenplatzierungen.
Die markierte Stelle im Original: Die alten Programme sind ausgeschöpft — die Aktienpresse steht still. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Nur: Stillstehen heißt nicht abgebaut. Am 20. Januar 2026 reichte D-Wave bei der SEC eine automatische Regalanmeldung ein (Formular S-3ASR) — ein Dokument, das ohne weiteres Genehmigungsverfahren sofort wirksam wird und den Verkauf von Aktien, Anleihen und weiteren Papieren erlaubt, ausdrücklich in unbestimmter Zahl und ohne Betragsdeckel. Der Spielraum dafür ist reichlich: Von den 675,0 Millionen genehmigten Aktien waren zum 30. Juni 2026 erst 372,0 Millionen ausgegeben. Rund 303 Millionen Aktien — 45 Prozent des genehmigten Kapitals — sind noch frei. Was das praktisch bedeutet, hat der Halbleiterhersteller SEALSQ gezeigt, wo aus 100 Millionen Aktien binnen kurzer Zeit 223 Millionen wurden. Merke dir das Bild: Die Presse ist nicht abgeschafft — sie ist neu geladen und wartet auf den nächsten Kapitalbedarf.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein einziger Kunde bringt 41 Prozent — und es ist jedes Jahr ein anderer

Bei einem Umsatz von drei Millionen US-Dollar im Quartal fällt jeder größere Auftrag stark ins Gewicht. Der Quartalsbericht führt diese Konzentration in einer kleinen Tabelle auf, und sie ist auf zwei Arten aufschlussreich. Erstens die Höhe: „Customer A“ stand im zweiten Quartal 2026 für 41 Prozent des Umsatzes und im ersten Halbjahr für 35 Prozent. Zweitens der Wechsel: Im zweiten Quartal 2025 hieß der größte Kunde „Customer B“ und stand für 35 Prozent — im ersten Halbjahr 2025 sogar für 76 Prozent. Im laufenden Jahr taucht er mit einem Strich in der Tabelle auf, also unterhalb der Zehn-Prozent-Schwelle.

Markierte Tabelle aus dem D-Wave-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Customer A 41 Prozent im zweiten Quartal 2026 und 35 Prozent im ersten Halbjahr; Customer B 35 Prozent im zweiten Quartal 2025 und 76 Prozent im ersten Halbjahr 2025; Customer C 11 Prozent im zweiten Quartal 2025.
Die Tabelle im Original: 41 Prozent bei einem Kunden im zweiten Quartal 2026 — und in den Vorjahresspalten steht überall dort ein Strich, wo heute die Anteile stehen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für ein Unternehmen, das wiederkehrende Cloud-Umsätze als Kern seines Modells beschreibt, ist das die unangenehmere der beiden Beobachtungen. Große Kunden, die nach einem Jahr verschwinden, waren keine Abonnenten, sondern Einzelkäufer. Auch der Blick auf die Forderungen zeigt die Verengung: Zum 30. Juni 2026 gab es nur noch zwei Kunden mit einem Anteil über zehn Prozent an den offenen Rechnungen, nach fünf ein Jahr zuvor. Immerhin: Insgesamt zählte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 über 100 zahlende Kunden, mehr als die Hälfte davon gewerblich — die Breite ist also da, nur trägt sie den Umsatz nicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die 1.120 Prozent mehr Auftragseingang haben eine Fußnote

Die Schlagzeile der Ergebnismitteilung vom 6. August 2026 lautet: Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026 von 35,5 Millionen US-Dollar nach 2,9 Millionen — ein Plus von 1.120 Prozent. Das ist die wichtigste Zahl der Mitteilung, und sie ist erklärungsbedürftig. In derselben Mitteilung steht nämlich, dass in den 35,5 Millionen ein einzelner Systemverkauf über 20 Millionen US-Dollar enthalten ist, dessen Umsatz erst in kommenden Quartalen verbucht wird. Und die Fußnote zur Definition von „Bookings“ ergänzt: Weitere 2,3 Millionen stammen von Quantum Circuits und wurden dort unmittelbar vor dem Vollzug der Übernahme abgeschlossen — also von der Firma, die D-Wave gerade gekauft hatte.

Zusammen sind das 22,3 der 35,5 Millionen, also 63 Prozent. Ohne beide Posten bleiben rund 13,2 Millionen — immer noch ein Vielfaches des Vorjahres, aber eine andere Geschichte. Die Gegenprobe liefert das reine zweite Quartal, in dem kein Systemverkauf lag: Dort betrug der Auftragseingang 2,1 Millionen US-Dollar nach 1,3 Millionen, ein Plus von 59 Prozent. Zwei Dinge sind hier wichtig, und beide gehören gesagt. Erstens: „Bookings“ ist keine geprüfte Bilanzgröße, sondern eine vom Unternehmen selbst definierte Kennzahl. Zweitens, und das spricht für D-Wave: Die geprüfte Entsprechung — die offenen Leistungsverpflichtungen, also fest bestellte, noch nicht erbrachte Leistungen — stieg tatsächlich von 5,3 auf 40,7 Millionen US-Dollar. Rund 57 Prozent davon sollen binnen zwölf Monaten als Umsatz ankommen. Das wäre der erste belastbare Beweis, dass die Kurve dreht — nachprüfbar in den kommenden vier Quartalsberichten.

Bewertung: Der Preis eines Versprechens

Wie teuer ist D-Wave? Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt und in absehbarer Zeit keinen geben wird. Bleibt der Umsatz als Maßstab — und der ergibt eine Größenordnung, die man selten sieht. Zum Datenstand 10. August 2026 lag der Börsenwert bei rund 7,5 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Umsatz der zurückliegenden zwölf Monate (12,4 Millionen) entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 605; gemessen am gesamten Jahr 2025 (24,6 Millionen) immer noch rund 306. Zum Vergleich: Ein Software-Unternehmen mit schnellem Wachstum gilt bei 15 bis 20 als teuer.

Der bilanzielle Anker liegt weit darunter: Das Eigenkapital von 1.083,1 Millionen US-Dollar entspricht rund 2,91 US-Dollar je Aktie (bei 372,0 Millionen Aktien zum 30. Juni 2026) — der Börsenwert liegt beim Siebenfachen davon. Und selbst dieser Buchwert ist zur Hälfte kein Bargeld: 342,6 Millionen Firmenwert und 211,8 Millionen immaterielle Vermögenswerte, zusammen 51 Prozent des Eigenkapitals, stammen aus der Übernahme von Quantum Circuits im Januar 2026 (Gesamtkaufpreis 538,5 Millionen US-Dollar, davon 250 Millionen in bar und 10.430.444 eigene Aktien).

Was der Markt hier bezahlt, ist also keine Bewertung heutiger Erträge, sondern eine Wette auf einen Fahrplan: 20.000 Qubits im Jahr 2029, 100.000 im Jahr 2031, ein fehlertolerantes Gate-Model-System mit 10 logischen Qubits im Jahr 2030 und 100 logischen Qubits im Jahr 2032. Das sind die Meilensteine, die D-Wave am 6. August 2026 selbst genannt hat. Jeder davon kann eintreten. Nur liegt der letzte sechs Jahre in der Zukunft, und bis dahin muss der Betrieb finanziert werden. Es ist dieselbe Konstellation, die wir bei Ivanhoe Electric beschrieben haben, wo die Börse die Kupfermine bezahlt, bevor sie gebaut ist: Der Preis enthält bereits das Gelingen.

Zwei Randnotizen zur Einordnung. Erstens: Ein Fünftel des frei handelbaren Aktienbestands war zum Datenstand 10. August 2026 leerverkauft — rund 65 Millionen Aktien. Das ist ein Hinweis darauf, wie umstritten diese Wette ist, und es macht die Aktie zusätzlich schwankungsanfällig. Zweitens: Der Wechsel von der NYSE an die Nasdaq zum 27. Juli 2026 war eine freiwillige Entscheidung des Verwaltungsrats — kein Zwangsdelisting und kein Notsignal. Das Unternehmen hat den Handelsplatz gewechselt, das Kürzel QBTS blieb.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für D-Wave Quantum spricht:

  • Sehr solide Finanzausstattung: 546,2 Millionen US-Dollar in Barmitteln und Wertpapieren gegen nur 75,3 Millionen Verbindlichkeiten (30. Juni 2026); bei einem Mittelabfluss von 73,5 Millionen je Halbjahr reicht das rechnerisch rund dreieinhalb Jahre, ohne eine einzige neue Aktie ausgeben zu müssen.
  • Technisch anerkannter Vorsprung: begutachtete Veröffentlichung in Nature zum Zwei-Qubit-Gatter (2026), Einstufung als einer von zwei „Leadern“ im IDC-Vergleich 2026, NSF-Zuschuss über 1.566.240 US-Dollar, zweites Förderjahr im NORDTECH-Programm des US-Verteidigungsressorts.
  • Einziger Anbieter mit beiden Bauarten — Annealing (Advantage2, über 4.400 Qubits, produktiv verfügbar) und Gate-Model (seit Januar 2026 durch Quantum Circuits verstärkt); wer beide Wege bedient, muss sich nicht auf einen festlegen.
  • Die Kundenqualität verbessert sich messbar: 62,4 Prozent des Umsatzes im zweiten Quartal 2026 von gewerblichen Kunden (Vorjahr 45,1), 47,7 Prozent von Forbes-Global-2000-Unternehmen (Vorjahr 20,4); über 100 zahlende Kunden im ersten Halbjahr 2026.
  • Erstmals ein belastbarer Auftragspolster: fest bestellte, noch nicht erbrachte Leistungen von 40,7 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026 nach 5,3 Millionen ein Jahr zuvor — davon sollen rund 57 Prozent binnen zwölf Monaten als Umsatz ankommen.

Was dagegen spricht:

  • Der Umsatz wächst seit vier Jahren nicht: 7,2 / 8,8 / 8,8 Millionen US-Dollar (2022 bis 2024); das Ausreißerjahr 2025 mit 24,6 Millionen beruht fast zur Hälfte auf einem einmaligen Maschinenverkauf für 13,7 Millionen. Das zweite Quartal 2026 lag mit 3,076 Millionen exakt auf Vorjahresniveau.
  • Die Kostenschere öffnet sich: 111,5 Millionen US-Dollar Betriebskosten im ersten Halbjahr 2026 gegen 5,9 Millionen Umsatz; operativer Verlust 108,0 Millionen nach 37,8 Millionen; aufgelaufenes Defizit 1.048,4 Millionen seit Gründung.
  • Massive Verwässerung in der Vergangenheit (113,3 auf 372,0 Millionen Aktien zwischen Ende 2022 und Mitte 2026) und offene Kapazität für die Zukunft: automatische Regalanmeldung vom 20. Januar 2026 ohne Betragsdeckel, rund 303 Millionen Aktien Spielraum im genehmigten Kapital.
  • Kundenkonzentration mit jährlichem Wechsel: 41 Prozent des Umsatzes bei einem Kunden im zweiten Quartal 2026, 76 Prozent bei einem anderen im ersten Halbjahr 2025 — kein Großkunde des Vorjahres taucht wieder auf; nur noch zwei Kunden über zehn Prozent Forderungsanteil.
  • Bewertung, die ausschließlich Zukunft enthält: rund 605-faches Kurs-Umsatz-Verhältnis auf Zwölfmonatssicht beim Datenstand 10. August 2026, rund das Siebenfache des Buchwerts, dessen Substanz ihrerseits zu 51 Prozent aus Firmenwert und immateriellen Werten einer einzigen Übernahme besteht.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Meilenstein-Falle vom Anfang. Ihre Tücke ist nicht, dass die Meilensteine falsch wären — bei D-Wave sind sie es ausdrücklich nicht. Die Nature-Arbeit existiert, der IDC-Bericht existiert, der Rechner mit über 4.400 Qubits steht und läuft, und die Menschen, die daran arbeiten, gehören zu den besten ihres Fachs. Die Tücke ist, dass unser Kopf aus einer Kette guter Nachrichten automatisch eine Kette wachsender Umsätze macht. Genau an dieser Stelle widerspricht der Quartalsbericht: 3,076 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026, 3,095 Millionen ein Jahr zuvor. Zwei Jahre voller Durchbrüche, und die Umsatzzeile steht still.

Was heißt das? Nicht, dass D-Wave scheitern muss. Das Unternehmen hat 546 Millionen US-Dollar in der Kasse, kaum Schulden und rund dreieinhalb Jahre Zeit, ohne einen einzigen neuen Aktionär zu brauchen. Es heißt aber, dass die Frage anders lautet, als die Schlagzeilen sie stellen. Sie lautet nicht „Wird Quantencomputing wichtig?“ — vermutlich ja. Sie lautet: Kaufst du für 7,5 Milliarden US-Dollar ein Unternehmen, das im Quartal drei Millionen einnimmt und fünfundfünfzig ausgibt, weil du glaubst, dass in einem der nächsten sechs Jahre die Kurve dreht? Wenn ja, dann weißt du jetzt wenigstens genau, worauf du wettest — auf einen Fahrplan bis 2032, nicht auf eine Bilanz von heute. Wenn nein, hast du drei Quartalsberichte Zeit, um zu sehen, ob aus den 40,7 Millionen offenen Aufträgen tatsächlich Umsatz wird. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in D-Wave-Quantum-Aktien.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 6,3 7,2 8,8 8,8 24,6
Betriebsergebnis (EBIT) -38,9 -59,5 -80,5 -77,2 -100,4
Nettogewinn -41,0 -53,7 -82,7 -143,9 -355,1
Nettomarge -652,5 % -748,7 % -944,5 % -1.630,0 % -1.444,1 %
Gewinn je Aktie -0,33 $ -0,45 $ -0,60 $ -0,75 $ -1,11 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Technologie und Marktstellung positiv
D-Wave ist nach eigenen Angaben der erste kommerzielle Anbieter von Quantencomputern und der einzige mit zwei Bauarten zugleich. 2026 kamen eine begutachtete Veröffentlichung in Nature zu einem fehlerarmen Zwei-Qubit-Gatter, die Einstufung als einer von zwei „Leadern“ im IDC-Vergleich, ein NSF-Zuschuss über 1.566.240 US-Dollar und das zweite Förderjahr im NORDTECH-Programm hinzu. Das aktuelle Annealing-System Advantage2 arbeitet mit über 4.400 Qubits und ist produktiv verfügbar.
Umsatzentwicklung negativ
Der Umsatz stagniert seit dem Börsengang: 7,2 Millionen US-Dollar (2022), 8,8 (2023), 8,8 (2024). Die 24,6 Millionen des Jahres 2025 beruhen fast zur Hälfte auf einem einmaligen Maschinenverkauf für 13,7 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 blieben 5,9 Millionen übrig, und das zweite Quartal 2026 lag mit 3,076 Millionen exakt auf dem Vorjahreswert von 3,095 Millionen. Das Grundgeschäft bewegt sich seit vier Jahren nicht.
Kostenstruktur und Verluste negativ
Die Betriebskosten des ersten Halbjahres 2026 lagen bei 111,5 Millionen US-Dollar nach 53,6 Millionen im Vorjahreszeitraum — auf jeden eingenommenen Dollar kamen rund neunzehn ausgegebene. Der operative Verlust verschlechterte sich um 186 Prozent auf 108,0 Millionen, das aufgelaufene Defizit erreichte zum 30. Juni 2026 1.048,4 Millionen US-Dollar. Der niedrigere Nettoverlust von 66,4 Millionen enthält einen einmaligen Steuerertrag von 28,4 Millionen aus der Übernahme.
Bilanz und Finanzierung positiv
Zum 30. Juni 2026 standen 296,6 Millionen US-Dollar Barmittel und 249,6 Millionen in Wertpapieren gegen Verbindlichkeiten von nur 75,3 Millionen; das Eigenkapital betrug 1.083,1 Millionen. Bei einem Mittelabfluss von 73,5 Millionen je Halbjahr reicht die Liquidität rechnerisch rund dreieinhalb Jahre. Die Berichte enthalten keinen Hinweis auf Zweifel an der Unternehmensfortführung, und im ersten Halbjahr 2026 wurden keine neuen Aktien für Bargeld ausgegeben.
Verwässerung negativ
Aus 113,3 Millionen Aktien (31. Dezember 2022) wurden 372,0 Millionen (30. Juni 2026). Allein im ersten Halbjahr 2025 brachten 50,9 Millionen neue Aktien 536,7 Millionen US-Dollar netto. Die alten Programme sind seit dem 31. Dezember 2025 ausgeschöpft — am 20. Januar 2026 folgte jedoch eine automatische Regalanmeldung ohne Betragsdeckel, und von 675,0 Millionen genehmigten Aktien sind rund 303 Millionen noch frei.
Kundenstruktur und Auftragslage neutral
Ein einziger Kunde stand im zweiten Quartal 2026 für 41 Prozent des Umsatzes, im ersten Halbjahr 2025 ein anderer für 76 Prozent — kein Großkunde des Vorjahres taucht wieder auf. Dem stehen echte Fortschritte gegenüber: über 100 zahlende Kunden im ersten Halbjahr 2026, 62,4 Prozent gewerblicher Umsatzanteil im zweiten Quartal (Vorjahr 45,1) und offene Leistungsverpflichtungen von 40,7 Millionen US-Dollar nach 5,3 Millionen, von denen rund 57 Prozent binnen zwölf Monaten anfallen sollen.

D-Wave Quantum baut echte Quantencomputer, veröffentlicht in Nature und plant bis 2031 eine Maschine mit 100.000 Qubits — und setzte im zweiten Quartal 2026 dabei 3,076 Millionen US-Dollar um, genau so viel wie ein Jahr zuvor, bei Betriebskosten von 54,982 Millionen. Der Umsatz steht seit vier Jahren still, die Kosten haben sich binnen zwölf Monaten verdoppelt, und ein einziger Kunde bringt 41 Prozent der Einnahmen. Finanziert wird das nicht vom Kunden, sondern vom Aktionär: Aus 113,3 Millionen Aktien wurden 372,0 Millionen. Die Kasse mit 546,2 Millionen US-Dollar verschafft rund dreieinhalb Jahre Zeit — bezahlt wird an der Börse ein Fahrplan bis 2032, keine Bilanz von heute. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier ausdrücklich nicht wegen des Preises. Ob ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 605 (Datenstand 10. August 2026) zu hoch ist, ist eine Bewertungsfrage und kein Qualitätsurteil — sie fließt in diese Ampel nicht ein. Für Rot fehlt die Grundlage, und das ist kein Zugeständnis, sondern Befundlage: Zum 30. Juni 2026 standen 546,2 Millionen US-Dollar in Barmitteln und Wertpapieren gegen Verbindlichkeiten von 75,3 Millionen, das Eigenkapital betrug 1.083,1 Millionen, die Berichte enthalten keinen Hinweis auf Zweifel an der Unternehmensfortführung, und bei einem Mittelabfluss von 73,5 Millionen je Halbjahr reicht die Kasse rechnerisch rund dreieinhalb Jahre. Auch der Wechsel an die Nasdaq zum 27. Juli 2026 war eine freiwillige Entscheidung, kein Notierungsproblem. Gelb steht, weil die zentrale operative Frage nach vier Jahren an der Börse unbeantwortet ist: Aus der anerkannten Technologie ist bisher kein Geschäft geworden, das sich selbst trägt. Der Umsatz lag 2022 bei 7,2 und 2024 bei 8,8 Millionen US-Dollar; das zweite Quartal 2026 traf mit 3,076 Millionen exakt den Vorjahreswert von 3,095 Millionen, während die Betriebskosten desselben Quartals auf 54,982 Millionen stiegen. Ein einziger Kunde brachte 41 Prozent des Quartalsumsatzes, und der Großkunde des Vorjahres mit 76 Prozent Anteil ist verschwunden. Der erste belastbare Gegenbeweis wäre, dass die offenen Leistungsverpflichtungen von 40,7 Millionen US-Dollar tatsächlich als Umsatz ankommen — rund 57 Prozent davon sollen binnen zwölf Monaten fällig werden. Der nächste überprüfbare Zwischenstand ist der Quartalsbericht zum 30. September 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Datenstand dieser Fassung: 11. August 2026. Jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, eingereicht am 6. August 2026. Alle Einreichungen ab diesem Tag einschließlich des Einreichungstags wurden durchgesehen; das einzige weitere Dokument ist die Ergebnismitteilung 8-K (Item 2.02) vom selben 6. August 2026 samt Anlage 99.1, die in dieser Analyse ausgewertet ist. Börsenwert, Bewertungskennzahlen und Leerverkaufsquote tragen den Datenstand 10. August 2026.
  • Die Kennzahl „Bookings“ (Auftragseingang) ist keine geprüfte Rechnungslegungsgröße, sondern eine vom Unternehmen selbst definierte Betriebskennzahl. Ihre geprüfte Entsprechung sind die offenen Leistungsverpflichtungen von 40,7 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026. Ebenso sind „Non-GAAP Gross Margin“ und „Adjusted EBITDA Loss“ Kennzahlen außerhalb der US-Rechnungslegung; diese Analyse rechnet durchgehend mit den berichteten Zahlen nach US-GAAP.
  • Der starke Rückgang des Nettoverlusts von 172,8 auf 66,4 Millionen US-Dollar im Halbjahresvergleich beruht auf zwei Effekten außerhalb des laufenden Geschäfts: dem Wegfall der Neubewertung von Optionsscheinen (Vorjahr 138,1 Millionen Belastung; alle börsengehandelten Optionsscheine wurden im November 2025 zurückgerufen) und einem einmaligen Steuerertrag von 28,4 Millionen aus der Übernahme von Quantum Circuits. Der operative Verlust verschlechterte sich im selben Zeitraum von 37,8 auf 108,0 Millionen.
  • Verwechslungsgefahr: Die SEC-Meldung vom 14. Juli 2026 trägt die Kennzeichnung 8-K Item 3.01, die auch bei Verstößen gegen Notierungsregeln verwendet wird. In diesem Fall ging es ausschließlich um den freiwilligen Wechsel der Notierung von der NYSE an die Nasdaq zum 27. Juli 2026; das Kürzel QBTS blieb unverändert. Fundamentaldaten-Anbieter führten die Aktie danach teilweise noch als NYSE-Notierung.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 11. August 2026. Was sich seitdem bei QBTS geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu D-Wave Quantum Inc. (QBTS) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

D-Wave Quantum Inc. (NASDAQ: QBTS) aus Palo Alto, Kalifornien, baut und verkauft Quantencomputer. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der weltweit erste kommerzielle Anbieter solcher Maschinen und der einzige mit zwei Bauarten zugleich: Annealing-Systeme für Optimierungsaufgaben (aktuell Advantage2 mit über 4.400 Qubits) und Gate-Model-Systeme für den universelleren Ansatz. Verdient wird an Cloud-Zugang zu den Rechnern, an Beratung bei der Anwendung und am Verkauf kompletter Systeme. Zum 5. Februar 2026 hatte D-Wave rund 388 Beschäftigte.

Sehr wenig, gemessen an der Größe an der Börse. Der Umsatz betrug 7,2 Millionen US-Dollar (2022), 8,8 (2023), 8,8 (2024) und 24,6 Millionen (2025). Das Jahr 2025 sticht hervor, weil darin ein einmaliger Verkauf einer kompletten Maschine für 13,7 Millionen US-Dollar steckt. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 5,9 Millionen, im zweiten Quartal 2026 genau 3,076 Millionen — nach 3,095 Millionen im Vorjahresquartal. Das Grundgeschäft ohne Maschinenverkäufe liegt seit vier Jahren bei rund drei Millionen US-Dollar je Quartal.

Profitabel ist D-Wave nicht: Der operative Verlust betrug im ersten Halbjahr 2026 108,0 Millionen US-Dollar nach 37,8 Millionen im Vorjahreszeitraum, das aufgelaufene Defizit seit Gründung lag zum 30. Juni 2026 bei 1.048,4 Millionen. Ein akutes Finanzierungsproblem besteht aber nicht: Zum selben Stichtag standen 296,6 Millionen US-Dollar Barmittel und 249,6 Millionen in Wertpapieren nur 75,3 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber. Bei einem Mittelabfluss von 73,5 Millionen je Halbjahr reicht das rechnerisch rund dreieinhalb Jahre. Einen Hinweis auf Zweifel an der Unternehmensfortführung enthalten die Berichte nicht.

Sehr stark. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg von 113,3 Millionen (31. Dezember 2022) auf 372,0 Millionen (30. Juni 2026) — mehr als das Dreifache in dreieinhalb Jahren. Allein im ersten Halbjahr 2025 kamen 50,9 Millionen Aktien über laufende Börsenplatzierungen hinzu und brachten 536,7 Millionen US-Dollar netto. Diese Programme sind seit dem 31. Dezember 2025 ausgeschöpft, und im ersten Halbjahr 2026 wurden keine neuen Aktien für Bargeld ausgegeben. Am 20. Januar 2026 reichte das Unternehmen jedoch eine neue Regalanmeldung ohne Betragsdeckel ein; von 675,0 Millionen genehmigten Aktien sind rund 303 Millionen noch frei.

Freiwillig und aus eigenem Entschluss. In der SEC-Meldung vom 14. Juli 2026 teilte D-Wave mit, dass der Verwaltungsrat die Notierung an der New York Stock Exchange zurückzieht und an die Nasdaq wechselt. Der Handel an der NYSE endete mit Börsenschluss am 24. Juli 2026, an der Nasdaq begann er am 27. Juli 2026 — unter demselben Kürzel QBTS. Es handelt sich also nicht um ein erzwungenes Delisting und nicht um ein Warnsignal, obwohl die zugehörige Meldeform (8-K, Item 3.01) auch für Verstöße gegen Notierungsregeln verwendet wird.

Zwei Sonderposten machen 63 Prozent davon aus. Die Ergebnismitteilung vom 6. August 2026 nennt für das erste Halbjahr 2026 einen Auftragseingang von 35,5 Millionen US-Dollar nach 2,9 Millionen im Vorjahr. Darin enthalten sind ein einzelner Systemverkauf über 20 Millionen sowie 2,3 Millionen, die das zugekaufte Unternehmen Quantum Circuits unmittelbar vor dem Vollzug der Übernahme abgeschlossen hatte. Ohne beide bleiben rund 13,2 Millionen. Im reinen zweiten Quartal 2026 lag der Auftragseingang bei 2,1 Millionen US-Dollar. Die geprüfte Entsprechung, die offenen Leistungsverpflichtungen, stieg auf 40,7 Millionen.

Nach jedem klassischen Maßstab teuer. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels Gewinn nicht bilden. Beim Börsenwert von rund 7,5 Milliarden US-Dollar (Datenstand 10. August 2026) und einem Zwölfmonatsumsatz von 12,4 Millionen ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 605; auf das Gesamtjahr 2025 gerechnet rund 306. Der Buchwert je Aktie lag zum 30. Juni 2026 bei rund 2,91 US-Dollar, der Börsenwert beim Siebenfachen davon — und rund 51 Prozent dieses Eigenkapitals bestehen aus Firmenwert und immateriellen Vermögenswerten aus der Übernahme von Quantum Circuits.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?