Climb Global Solutions: Die Dividende ist weg, und das eigene Sparziel wurde danach so deutlich verfehlt wie nie zuvor
Climb Global Solutions (Nasdaq: CLMB) war jahrelang der Inbegriff von Verlässlichkeit: jedes Jahr eine Dividende, ein Management, das auf jede kritische Frage antwortet, ein Nettoumsatz, der von 352 auf 652,5 Millionen US-Dollar kletterte (2023 bis 2025). Anfang 2026 wurde die Dividende ohne Vorwarnung gestrichen — und wer alle zehn öffentlichen Quartalskonferenzen seit 2024 nachliest, findet ein Muster: ein Sparziel, das strenger war als kommuniziert und danach so deutlich verfehlt wurde wie nie zuvor, eine Vertriebsbeschränkung, die zwei Earnings Calls lang unerwähnt blieb, Lieferantenprognosen, die still nach unten korrigiert wurden. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie genau du hinschaust, wenn Verlässlichkeit zur Gewohnheit geworden ist.
Stand heute
Stand: 26. August 2026
- Schlusskurs
- 29,10 $ +5,00 %
- Marktkapitalisierung
- 0,5 Mrd. $
- Wachstums-Score
- 8/10
- AAQS
- 9/10
Kursentwicklung seit 25. August 2026: +6,6 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 16,70 $ bis 143,40 $ · Letzter Kurs: 29,10 $ (Stand: 26. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die vorsichtigsten Anleger trifft — die Verlässlichkeits-Falle. Sie geht so: Eine Firma zahlt jedes Jahr pünktlich ihre Dividende, das Management beantwortet auf jeder Telefonkonferenz jede Frage direkt, die Umsätze wachsen zweistellig. Du gewöhnst dich an die Verlässlichkeit — und hörst irgendwann auf, genau hinzuhören. Climb Global Solutions (Nasdaq: CLMB), ein IT-Distributor aus Eatontown, New Jersey, war über Jahre genau diese Firma: Jedes Jahr eine Dividende, ein Chef, der auf jede kritische Analystenfrage antwortet, ein Umsatz, der von 352 auf 652 Millionen US-Dollar kletterte. Und dann, Anfang 2026, wurde die Dividende ohne Vorwarnung gestrichen — und wer die letzten zehn Quartalskonferenzen nachliest, findet ein Muster: ein Sparziel, das strenger war als kommuniziert und dann so deutlich verfehlt wurde wie nie zuvor. Machen wir einen Deal: Bevor du der Verlässlichkeit vertraust, lesen wir gemeinsam nach, was das Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — und was das Management in zehn aufgezeichneten Telefonkonferenzen tatsächlich gesagt hat. Am Ende entscheidest du selbst.
Was Climb Global Solutions eigentlich macht
Climb Global Solutions ist ein Value-Added-IT-Distributor — übersetzt in ein Alltagsbild: ein Großhändler, der zwischen Softwareherstellern und den Wiederverkäufern steht, die diese Software an Unternehmen weiterverkaufen. Der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 beschreibt es so:
Zwei Segmente stecken dahinter. Distribution (Marke „Climb Channel Solutions“) macht 96 Prozent des Nettoumsatzes und 87 Prozent des Rohertrags 2025 aus: Climb kauft Software, Wartungsverträge und Sicherheits-, Netzwerk- und Storage-Produkte bei rund 84 Herstellern ein — davon 45 mit jeweils mehr als 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz bei Climb (Stand Sommer 2026, laut Quartalskonferenz) — und verkauft sie an Wiederverkäufer weiter — an große „Direct Market Reseller“ ebenso wie an tausende kleinere „Value Added Reseller“ (VARs). Solutions (Marke „Grey Matter“) ist mit 4 Prozent Umsatzanteil viel kleiner und verkauft direkt an Endkunden. Verteilzentren betreibt Climb in Millersville, Maryland, und Dublin, Irland; verkauft wird in den USA, Kanada, Großbritannien und — seit einer Übernahme im Februar 2026 — auch in Griechenland und Südosteuropa.
Der wichtigste Begriff, um Climb überhaupt zu verstehen, ist der Unterschied zwischen Bruttoabrechnungen (Gross Billings) und Nettoumsatz (Net Sales). Bei einem Teil der Geschäfte — vor allem Hardware und klassische Softwarelizenzen — verbucht Climb den vollen Kaufpreis als Umsatz („brutto“). Bei einem anderen Teil — vor allem Sicherheits-, Wartungs- und Cloud-Produkte — verbucht Climb nur seine eigene Marge als Umsatz, während der Rest direkt zwischen Hersteller und Kunde fließt („netto“). Die Bruttoabrechnungen zeigen deshalb das komplette Handelsvolumen, das über Climbs Plattform läuft; der Nettoumsatz zeigt nur den Teil, der tatsächlich als Umsatz in der Gewinn- und Verlustrechnung landet — für 2025 waren das gerade einmal 31 Prozent der Bruttoabrechnungen. Das ist kein Bilanztrick, sondern branchenübliche Rechnungslegung für Vertriebsgeschäfte. Aber wer die Größe von Climb an einer einzigen Zahl festmachen will, muss wissen, welche der beiden er gerade liest.
Die Firmengeschichte für Anleger
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1995
Börsengang als Programmers Paradise
Am 18. Juli 1995 geht das Unternehmen als Programmers Paradise an die Börse. Für heutige Aktionäre der Beginn einer über 30-jährigen Notierungshistorie unter wechselndem Namen, aber derselben SEC-Kennnummer.
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2006
Umbenennung in Wayside Technology Group
Am 27. Oktober 2006 firmiert das Unternehmen fortan als Wayside Technology Group. Für Aktionäre ändert sich der Name, nicht das Geschäft — Verwechslungsgefahr bei älteren Quellen unter diesem Namen.
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2022
Neuer Name: Climb Global Solutions
Zum 27. Oktober 2022 wird aus Wayside Technology Group die heutige Climb Global Solutions, Inc. — dieselbe Rechtsperson, dieselbe SEC-Kennnummer 0000945983.
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2024
Übernahme von Douglas Stewart Software & Services
Am 31. Juli 2024 übernimmt Climb den nordamerikanischen Softwarevertrieb DSS für rund 20,3 Millionen US-Dollar und erweitert damit unter anderem sein Adobe-Geschäft im Bildungssektor.
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2026
Dividende gestrichen, Interworks übernommen
Zum Berichtsjahr 2025 (Meldung 27.02.2026) setzt der Vorstand die Dividende aus; am 24. Februar 2026 übernimmt Climb die griechische Cloud-Plattform Interworks für rund 13,0 Millionen US-Dollar.
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2026
Aktiensplit 4:1
Am 20. März 2026 wird die Aktie im Verhältnis 4:1 gesplittet. Für Aktionäre ändert sich der Anteil am Unternehmen nicht, nur die Stückzahl und der Preis je Aktie vervierfachen bzw. vierteln sich.
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2026
Erster Investor Day: Ziel Verdopplung bis 2030
Anfang Juli 2026 hält Climb am Nasdaq MarketSite seinen ersten Investor Day ab und nennt das Ziel, das bereinigte EBITDA von 2025 bis 2030 mehr als zu verdoppeln — ein öffentlich terminiertes, überprüfbares Fernziel.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Aufmerksam wurden wir über Climbs ersten Investor Day, den das Unternehmen Anfang Juli 2026 am Nasdaq MarketSite in New York abhielt — für einen 500-Millionen-Dollar-Nebenwert ein ungewöhnlicher Schritt, der signalisiert, dass das Management um mehr Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren wirbt. Dort und in der folgenden Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 (29. Juli 2026) formulierte CEO Dale Foster ein langfristiges Ziel, das aufhorchen lässt:
„We expect to more than double FY 2025 adjusted EBITDA by 2030.“
Übersetzung: „Wir erwarten, das bereinigte EBITDA des Geschäftsjahres 2025 bis 2030 mehr als zu verdoppeln.“
— Climb Global Solutions, Inc., Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 (Anlage zur 8-K vom 29.07.2026)
Das bereinigte EBITDA lag 2025 bei 42,9 Millionen US-Dollar — das Ziel heißt also mehr als 85,8 Millionen bis 2030. Ein Fünf-Jahres-Versprechen auf Basis einer Kennzahl, die das Unternehmen selbst nicht in einen GAAP-Nettogewinn zurückrechnet: Im selben Dokument schreibt Climb wörtlich, es könne „keine Zielgröße für den Nettogewinn“ nennen, weil sich Steuern, Zinsen, Abschreibungen und aktienbasierte Vergütung „ohne unangemessenen Aufwand nicht verlässlich vorhersagen“ ließen. Genau an diesem Punkt — großen Ankündigungen, unscharfen Zahlen und der Frage, wie ernst man sie nehmen sollte — setzt diese Analyse an. Und ganz nebenbei ist der Investor Day auch ein guter, datierter Ausgangspunkt: Am 25. August 2026 stand die Aktie bei 27,30 US-Dollar, nach einem 4:1-Aktiensplit im März 2026.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich für Climb spricht. Der Nettoumsatz wuchs von 352,0 Millionen US-Dollar (2023) über 465,6 Millionen (2024) auf 652,5 Millionen US-Dollar (2025) — ein Plus von 40 Prozent im letzten Jahr allein. Die Bruttoabrechnungen kletterten im selben Zeitraum von 1.260,4 über 1.785,3 auf 2.105,2 Millionen US-Dollar. Der Rohertrag stieg von 64,2 über 91,1 auf 105,3 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA von 24,6 über 39,6 auf 42,9 Millionen. Der Nettogewinn wuchs von 12,3 über 18,6 auf 21,3 Millionen US-Dollar, das Ergebnis je Aktie von 2,72 über 4,06 auf 4,64 US-Dollar (jeweils vor dem Aktiensplit vom März 2026; nach dem Split entspricht das 0,68, 1,02 und 1,16 US-Dollar je Aktie). Drei Jahre in Folge profitabel, drei Jahre in Folge Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich — das ist die Ausgangslage, und sie ist solide.
Jetzt der Blick ins laufende Jahr, und hier wird es interessanter. Im zweiten Quartal 2026 (zum 30. Juni) wuchs der Nettoumsatz um 9 Prozent auf 174,2 Millionen US-Dollar, die Bruttoabrechnungen um 17 Prozent auf 587,3 Millionen — aber der Nettogewinn sank, von 6,0 auf 5,5 Millionen US-Dollar, das Ergebnis je Aktie von 0,33 auf 0,30 US-Dollar. Die effektive Marge (bereinigtes EBITDA im Verhältnis zum Rohertrag) fiel von 43,3 Prozent (Q2 2025) auf 37,5 Prozent (Q2 2026). Wachstum ja — aber teurer erkauftes Wachstum. Ein Teil dieses Bruchs geht allerdings auf ein außergewöhnlich starkes Vorjahresquartal zurück; die vollständige Gegenrechnung dazu steht weiter unten im Abschnitt zu den Sondereffekten. Warum die Kosten stiegen, klärt das nächste Kapitel.
Was das Management versprochen hat — und was daraus wurde
Climb hat seit Anfang 2024 zehn öffentliche Quartalskonferenzen mit Analysten abgehalten, alle mit vollständigem Frage-und-Antwort-Teil. Wir haben alle zehn gelesen — von Q1 2024 (2. Mai 2024) bis Q2 2026 (30. Juli 2026) —, weil der Ton eines Managements über zehn Quartale mehr verrät als eine einzelne Pressemitteilung. Drei Muster fallen auf.
Erstens: ein Sparziel, das strenger war als öffentlich kommuniziert — und danach so deutlich verfehlt wurde wie nie zuvor. Seit 2024 nennt CFO Matthew Sullivan (bis Januar 2025 sein Vorgänger Drew Clark) ein Ziel für die Vertriebs- und Verwaltungskosten (SG&A): rund 3 Prozent der Bruttoabrechnungen. „Our goal … is that we really would like that SG&A expense level as a percentage of AGB to be in that 3% range“, sagte Clark im Call zum dritten Quartal 2024. Im Call zum vierten Quartal 2025 (26. Februar 2026) rückte Dale Foster auf eine Nachfrage von Investor Howard Root ein schärferes Ziel heraus: Die SG&A-Quote solle langfristig auf 2,5 Prozent der Bruttoabrechnungen sinken, während die Marge auf ebenfalls 2,5 Prozent steigt — ein „50-50-Split“, den Foster als sein Ziel „for the last couple of years“ bezeichnete. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Ist-Werte bei 2,8 Prozent (Q4 2024) und rund 2,9 Prozent (Q4 2025) — nahe am alten 3-Prozent-Band. Die tatsächliche Quote der Quartale davor und danach:
Ende 2024 und 2025 lag die Quote mit 2,8 bzw. 2,9 Prozent nahe am öffentlich genannten 3-Prozent-Band — Foster offenbarte das strengere 50-50-Ziel also aus einer Position der relativen Stärke heraus. Ausgerechnet im direkt folgenden Quartal rutschte die Quote auf 3,7 Prozent (Q1 2026) — der schlechteste Wert der ganzen Reihe — und blieb auch im Quartal danach mit 3,5 Prozent (Q2 2026) klar über dem alten wie dem neuen Ziel. Im Call zum zweiten Quartal 2026 sagte Foster dazu offen: „I hate talking about onetimers because it seems like every quarter, you have a 1 timer, right?“ — „Ich rede nicht gern über Einmalkosten, weil es scheint, als hätte man jedes Quartal eine.“
Zweitens: eine Vertriebsbeschränkung, die in zwei Quartalsberichten unerwähnt blieb. Im Call zum vierten Quartal 2025 (26. Februar 2026) feierte das Management eine neue Partnerschaft mit dem Sicherheitsanbieter Fortinet als strategischen Erfolg. Im darauffolgenden Call zum ersten Quartal 2026 (30. April 2026) erklärte Foster die damit verbundenen Anlaufkosten — ohne zu erwähnen, dass Climb zu diesem Zeitpunkt noch aktiv vom Verkauf an Fortinets 50 größte Bestandskunden ausgeschlossen war. Öffentlich benannt wurde die Restriktion erstmals beim ersten Investor Day Anfang Juli 2026; im Call zum zweiten Quartal 2026 fragte Investor William Dezellem gezielt nach, und Foster bestätigte den genauen Zeitraum: „So we were restricted until May 4 of this year. I think it was the top 50 customers. They didn’t want disruption.“ — „Wir waren bis zum 4. Mai dieses Jahres eingeschränkt. Ich glaube, es betraf die 50 größten Kunden. Sie wollten keine Störung.“ In den beiden Earnings Calls, die genau in diesen Zeitraum fielen (Q4 2025 und Q1 2026), kam die Restriktion selbst nicht zur Sprache — nur die Chancen der neuen Partnerschaft.
Drittens: Wachstumsprognosen für einzelne Lieferanten, die still nach unten korrigiert wurden. Im Call zum ersten Quartal 2025 (1. Mai 2025) sagte Foster für den Sicherheitsanbieter Darktrace voraus, er werde „a strong #3 or 4“ unter Climbs Lieferanten. Fünfzehn Monate später, im Call zum zweiten Quartal 2026, hieß es nur noch, Darktrace sei „one of our top 20 vendors“ geworden — eine deutliche Herabstufung, ohne dass jemand sie als solche benannte. Bei Fortinet wiederholte sich das Muster binnen weniger Monate: „top 3 vendor this time next year“ (Q4-2025-Call) wurde im Q2-2026-Call zu „1 of our top 5 vendors probably“.
Zur Fairness gehört auch das Gegenbeispiel: Als ein Investor im Call zum vierten Quartal 2025 direkt ansprach, dass seit der letzten Übernahme 18 Monate ohne neuen Zukauf vergangen waren, antwortete Foster unumwunden: „Without giving you specifics, Howard, you’re spot on.“ Und die technisch anspruchsvollste Frage der ganzen Reihe — nach der ungewöhnlich hohen Steuerquote im zweiten Quartal 2026 — beantwortete CFO Matthew Sullivan nachvollziehbar und ohne auszuweichen. Das Gesamtbild bleibt trotzdem: Ein Management, das harte, klar terminierte Zusagen (etwa den Zeitplan der ERP-Einführung) einhält, aber bei weicheren Zielen eher neu formuliert als offen als verfehlt bezeichnet.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Dividende wurde ohne Vorwarnung gestrichen
Von 2023 bis 2025 zahlte Climb jedes Jahr 0,68 US-Dollar Dividende je Aktie (vor dem Split; 0,17 US-Dollar nach dem Split) — ein verlässliches Signal, das viele als Qualitätsmerkmal lasen. Der Geschäftsbericht für 2025 vermeldet das Ende dieser Serie nüchtern:
„In each of 2025, 2024 and 2023, we declared dividends totaling $0.68 per share on our Common Stock. Following the end of fiscal year 2025, our Board of Directors determined to suspend quarterly cash dividends on our Common Stock beginning with the first quarter of 2026 in order to preserve financial flexibility and prioritize capital allocation objectives.“
Übersetzung: „In jedem der Jahre 2025, 2024 und 2023 erklärten wir Dividenden in Höhe von insgesamt 0,68 US-Dollar je Aktie auf unsere Stammaktien. Nach Ende des Geschäftsjahres 2025 beschloss unser Board of Directors, die vierteljährlichen Bardividenden auf unsere Stammaktien ab dem ersten Quartal 2026 auszusetzen, um finanzielle Flexibilität zu bewahren und die Kapitalallokation neu zu priorisieren.“
— Climb Global Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 5 „Dividends“
Das Kapital soll stattdessen in Wachstum und Zukäufe fließen — die Kasse baute sich entsprechend auf: von 36,6 Millionen US-Dollar (Ende 2025) auf 56,6 Millionen (30. Juni 2026); die letzten 0,2 Millionen Restschulden wurden bis dahin planmäßig getilgt, seither ist Climb schuldenfrei. Ganz ohne Kredit lief das erste Halbjahr allerdings nicht: Für einen kurzfristigen operativen Bedarf zog Climb im ersten Quartal 2026 9,0 Millionen US-Dollar aus der Kreditlinie und zahlte sie noch im selben Quartal vollständig zurück — zum 31. März, zum 30. Juni 2026 und zum 31. Dezember 2025 stand die Linie jeweils auf null (Quartalsberichte 10-Q, Kapitalflussrechnung und Abschnitt zur Liquidität). Bemerkenswert ist die Kehrtwende, die im selben Atemzug angedeutet wurde: Bis 2025 betonte das Management durchgehend, Übernahmen ausschließlich aus eigener Kasse zu finanzieren. Im Call zum zweiten Quartal 2026 sagte Foster über zwei mögliche Großübernahmen erstmals offen: „We're not afraid if we want to take on some debt.“ Wer die Dividende als Stabilitätsanker kaufte, kauft heute eine Firma, die ihr Kapital neu und offener für Fremdfinanzierung verteilt. Wie schnell sich bei einem vermeintlich verlässlichen Dividendentitel das Blatt wenden kann, zeigt auch die Analyse zu International Seaways, wo Analysten für 2027 rund 57 Prozent weniger Gewinn erwarten als noch im Vorjahr veröffentlicht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Mehr als die Hälfte des Umsatzes hängt an fünf Kunden — und die Quote steigt
Climb verkauft nicht direkt an Endkunden, sondern über Wiederverkäufer — und ein kleiner Kreis davon wiegt schwer. Der Risikofaktoren-Abschnitt des Geschäftsberichts:
„Our top five customers accounted for 55%, 54% and 51% of consolidated net sales in 2025, 2024 and 2023, respectively. The loss of a key customer or a group of customers could have an adverse effect on the Company.“
Übersetzung: „Unsere fünf größten Kunden entfielen auf 55, 54 und 51 Prozent des konsolidierten Nettoumsatzes in den Jahren 2025, 2024 und 2023. Der Verlust eines Schlüsselkunden oder einer Gruppe von Kunden könnte sich nachteilig auf das Unternehmen auswirken.“
— Climb Global Solutions, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A „Risk Factors“
Zur Einordnung gehört: Das sind Wiederverkäufer, keine Endkunden aus einer einzigen Branche — verliert Climb einen von ihnen, kann ein anderer Reseller denselben Endkundenbedarf bedienen. Trotzdem bedeutet eine Konzentration von 55 Prozent auf fünf Geschäftspartner ein Klumpenrisiko, das mit jedem Prozentpunkt seit 2023 gewachsen ist, nicht geschrumpft. Auf der anderen Seite hat Climb seine Lieferantenbasis diversifiziert: von 22 Herstellern mit mehr als 10 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr 2022 auf 45 im laufenden Jahr, laut Angaben im Call zum zweiten Quartal 2026. Der Wiederverkäufer-Kreis wird enger, der Lieferanten-Kreis wird breiter — zwei gegenläufige Trends, die man beide im Blick behalten sollte.
Und noch eine Einordnung, die zur Ehrlichkeit gehört: Der jüngste Quartalsbericht nennt drei Großkunden mit 21, 14 und 13 Prozent des Nettoumsatzes im zweiten Quartal 2026 — zusammen 48 Prozent, nach 57 Prozent im Vorjahresquartal. Auf Halbjahresbasis sind es 52 gegenüber 51 Prozent, also praktisch unverändert. Die Konzentration ist im laufenden Jahr also nicht weiter gestiegen; der Aufwärtstrend der Jahreswerte 2023 bis 2025 stammt aus dem Geschäftsbericht und ist deshalb der belastbarere Maßstab, aber er ist kein Automatismus für 2026. Wie unangenehm eine einzelne Kundenbeziehung trotzdem werden kann, zeigt die Analyse zu ReposiTrak — dort flossen Millionen in einen Kunden, der kurz darauf von der Nasdaq flog.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Wachstum kostet zuletzt mehr Marge als im Vorjahr
Der Nettoumsatz im zweiten Quartal 2026 wuchs um 9 Prozent, die Bruttoabrechnungen um 17 Prozent:
„Net sales for the three months ended June 30, 2026 increased 9%, or $14.9 million, to $174.2 million compared to $159.3 million for the same period in the prior year. Gross billings, an operational metric, for the three months ended June 30, 2026 increased 17%, or $86.7 million, to $587.3 million compared to $500.6 million for the same period in the prior year.“
Übersetzung: „Der Nettoumsatz für die drei Monate zum 30. Juni 2026 stieg um 9 Prozent bzw. 14,9 Millionen US-Dollar auf 174,2 Millionen US-Dollar gegenüber 159,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Bruttoabrechnungen, eine operative Kennzahl, stiegen für die drei Monate zum 30. Juni 2026 um 17 Prozent bzw. 86,7 Millionen US-Dollar auf 587,3 Millionen US-Dollar gegenüber 500,6 Millionen im Vorjahreszeitraum.“
— Climb Global Solutions, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q für Q2 2026, Item 2 MD&A
Der Bericht erklärt selbst, warum: Im Quartal verschob sich der Produktmix hin zu mehr netto verbuchten Sicherheits-, Wartungs- und Cloud-Produkten — die zeigen sich stark in den Bruttoabrechnungen, aber kaum im Nettoumsatz. Die im Februar 2026 übernommene griechische Cloud-Plattform Interworks trug im Quartal rund 1,5 Millionen US-Dollar zum Nettoumsatz und 8,2 Millionen zu den Bruttoabrechnungen bei — ohne Interworks wäre der organische Nettoumsatz um rund 13,4 Millionen gewachsen. Gleichzeitig kletterten die Vertriebs- und Verwaltungskosten von 16,4 auf 20,7 Millionen US-Dollar (siehe SG&A-Quote oben), und die effektive Steuerquote stieg von 22,9 auf 26,8 Prozent. Die Summe aus alledem: Nettogewinn und Ergebnis je Aktie sanken, obwohl beide Umsatzkennzahlen zweistellig wuchsen. Wachstum ist bei Climb aktuell nicht kostenlos.
Die Gegenprobe: Wie viel davon sind Sondereffekte?
Aus einem gesunkenen Gewinn eine Trendwende zu machen, wäre unsauber, solange die Gegenrechnung fehlt — denn beide Vergleichsquartale enthalten Sonderposten, und sie ziehen in unterschiedliche Richtungen. Fangen wir beim Umsatz an: Das Vorjahresquartal war außergewöhnlich gut gefüllt. Der Analyst Keith Housum (North Coast Research) sprach genau das in der Quartalskonferenz an, und CEO Dale Foster bestätigte es:
„We knew it was going to be a tough comp going into Q2 because we had a $30 million deal with Vast data and then another 1 that was going to be in Q3 got pulled into Q2.“
Übersetzung: „Wir wussten, dass das zweite Quartal ein schwerer Vergleich wird, weil wir einen 30-Millionen-Dollar-Abschluss mit Vast Data hatten — und ein weiterer, der eigentlich ins dritte Quartal gefallen wäre, wurde ins zweite vorgezogen.“
— Dale Foster, CEO, öffentliche Quartalskonferenz zum zweiten Quartal 2026 (30. Juli 2026), Frage-und-Antwort-Teil
In den 500,6 Millionen US-Dollar Bruttoabrechnungen des Vorjahresquartals steckten demnach mindestens 30 Millionen aus einem einzigen Geschäft — plus ein zweiter, nicht bezifferter vorgezogener Abschluss. Rechnet man allein die genannten 30 Millionen aus der Vergleichsbasis heraus, wären die Bruttoabrechnungen nicht um 17, sondern um rund 25 Prozent gewachsen. Das ist unsere eigene Überschlagsrechnung; Climb weist sie so nicht aus.
Und im laufenden Quartal? Auf die Frage, wie viel der gestiegenen Vertriebs- und Verwaltungskosten einmalig war, antwortete Finanzchef Matthew Sullivan:
„In the quarter, we had about $500,000 of what I would call nonrecurring type expenses. It relates to some of the legal and professional costs and then some of the investments in our IT infrastructure.“
Übersetzung: „Im Quartal hatten wir rund 500.000 US-Dollar an, wie ich es nennen würde, nicht wiederkehrenden Aufwendungen. Es geht um Rechts- und Beratungskosten sowie um Investitionen in unsere IT-Infrastruktur.“
— Matthew Sullivan, CFO, öffentliche Quartalskonferenz zum zweiten Quartal 2026 (30. Juli 2026), Frage-und-Antwort-Teil
Rechnet man diese 0,5 Millionen zurück, läge das bereinigte EBITDA bei rund 11,8 statt 11,3 Millionen US-Dollar — statt 0,7 Prozent unter dem Vorjahresquartal also rund 4 Prozent darüber, und die effektive Marge bei rund 39 statt 37,5 Prozent. Auch das ist eine Überschlagsrechnung von uns: Im Quartalsbericht selbst ist dieser Einmalanteil nicht beziffert, dort steht für das Halbjahr nur allgemein von „one-time investments“ in neue Herstellerbeziehungen und in die eigene Infrastruktur.
Hier endet die Entlastung aber. Denn in der Gewinn- und Verlustrechnung ist ausgerechnet das aktuelle Quartal nahezu frei von Sonderposten — Akquisitionskosten von 19.000 US-Dollar und ein Währungsverlust von 120.000 US-Dollar, mehr nicht. Das Vorjahresquartal trug dagegen zwei: eine Neubewertung einer bedingten Kaufpreisverbindlichkeit, die das Ergebnis mit 379.000 US-Dollar belastete, und einen einmaligen Steuervorteil aus Aktienvergütung von 0,2 Millionen US-Dollar, der die Steuerquote damals um 2,6 Prozentpunkte drückte (10-Q zum 30.06.2026, Anhangangabe zu Ertragsteuern). Bereinigt man beide Quartale um diese Posten, steht ein Vorsteuerergebnis von rund 7,7 Millionen US-Dollar (Q2 2026) gegen rund 8,1 Millionen (Q2 2025) — der Rückgang bleibt, er wird sogar etwas deutlicher.
Und eine Bereinigung bleibt eine Behauptung, solange niemand sie vorrechnet. Sullivan sagte im selben Gespräch:
„If you take the impact of that out, and take the impact of Interworks’ contribution from Q2 of this year, who obviously wasn’t in Q2 of last year, we still grew adjusted EBITDA at the strong double-digit organic growth or strong double-digit growth levels of gross billings and gross profit.“
Übersetzung: „Nimmt man diesen Effekt heraus und ebenso den Beitrag von Interworks aus dem zweiten Quartal dieses Jahres, das im Vorjahresquartal ja noch nicht dabei war, dann ist unser bereinigtes EBITDA immer noch im starken zweistelligen Bereich gewachsen — auf dem Niveau des organischen Wachstums von Bruttoabrechnungen und Rohertrag.“
— Matthew Sullivan, CFO, öffentliche Quartalskonferenz zum zweiten Quartal 2026 (30. Juli 2026), Frage-und-Antwort-Teil
Zahlen zu dieser doppelt bereinigten Rechnung nennt das Unternehmen nicht — weder in der Konferenz noch im Quartalsbericht. Nachprüfen lässt sie sich deshalb nicht. Was bleibt, ist eine ehrliche Zwischenbilanz: Der Sprung der effektiven Marge von 43,3 auf 37,5 Prozent liest sich dramatischer, als er ist, weil ihm ein außergewöhnlich starkes Vorjahresquartal gegenübersteht. Aber egal, welche der drei Rechnungen man nimmt — die berichtete, die um die 0,5 Millionen Einmalkosten bereinigte oder die um die Sonderposten der Gewinn- und Verlustrechnung bereinigte —: Das Ergebnis je Aktie liegt in jedem Fall unter dem Vorjahresquartal, und die effektive Marge kehrt in keiner davon auch nur in die Nähe der 43,3 Prozent zurück.
Bewertung: die Sicht des einzigen Analysten
Bei 27,30 US-Dollar je Aktie (25. August 2026) und 18.660.639 ausstehenden Aktien (Stand 30. Juli 2026) liegt die Marktkapitalisierung bei rund 510 Millionen US-Dollar. Gemessen am Nettoumsatz der letzten vier berichteten Quartale ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,7 — für einen Distributor mit dünnen Margen ist das der richtige Maßstab, nicht das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Rechnet man das KGV trotzdem grob durch — Ergebnis je Aktie der letzten vier Quartale rund 1,11 US-Dollar (nach Split) gegen den aktuellen Kurs —, kommt man auf rund das 25-Fache; auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne liegt das KGV eher bei 20. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA liegt bei rund 12 — für einen margenschwachen, aber wachsenden Distributor keine Schnäppchenbewertung, aber auch keine, die einen Wachstumsaufschlag verlangt.
Ein Wort zur Analystenlage, weil es die Bewertung relativiert: Climb wird aktuell von genau einem Analysten mit Kursziel abgedeckt (Kursziel 32,67 US-Dollar, das entspräche rund 20 Prozent Aufschlag zum Kurs vom 25. August 2026). Eine Stichprobe von eins ist statistisch fast bedeutungslos — anders als bei Large Caps mit 20 oder 30 Analysten gibt es hier keinen breiten „Konsens“, nur eine einzelne Einschätzung. Wer sich auf ein Kursziel verlässt, sollte wissen, dass hier nur eine Stimme spricht.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Climb Global Solutions spricht:
- Drei Jahre in Folge zweistelliges Umsatzwachstum (Nettoumsatz +40 % 2025) bei durchgehender Profitabilität, getragen von einem diversifizierten, wachsenden Lieferantenportfolio (45 Vendoren über 10 Mio. US-Dollar Umsatz 2026 gegenüber 22 im Jahr 2022, laut Unternehmensangaben).
- Kerngesunde Bilanz: 56,6 Millionen US-Dollar Kasse, keine Schulden mehr (beides Stand 30.06.2026), 50-Millionen-Dollar-Kreditlinie bei JPMorgan Chase zum Stichtag nicht in Anspruch genommen (Fälligkeit 18.05.2028).
- Aktives, laufend finanziertes M&A-Programm — vier Zukäufe seit 2022 (zuletzt Interworks in Griechenland, Februar 2026), zusätzliche Kapazität nun auch über Fremdkapital möglich.
- Management, das harte, terminierte Zusagen einhält (etwa die ERP-Einführung) und auch unbequeme Fragen im Q&A nicht auslässt.
- Solide, aber nicht euphorische Bewertung: KUV rund 0,7, EV/EBITDA rund 12 — kein Wachstumsaufschlag eingepreist.
- Der Margeneinbruch im zweiten Quartal 2026 wirkt größer, als er ist: Das Vorjahresquartal enthielt laut Management ein 30-Millionen-Dollar-Einzelgeschäft plus einen vorgezogenen Abschluss, und im aktuellen Quartal steckten rund 0,5 Millionen US-Dollar Einmalkosten in den Verwaltungsaufwendungen.
Was dagegen spricht:
- Die effektive Marge fällt: von 43,5 Prozent (2024) über 40,7 Prozent (2025) auf 37,5 Prozent im zweiten Quartal 2026; die SG&A-Quote liegt 2026 mit 3,7 und 3,5 Prozent über dem selbstgesteckten Zielband von rund 3 Prozent.
- 55 Prozent des Nettoumsatzes 2025 entfielen auf fünf Kunden — eine seit 2023 steigende Konzentration.
- Die Dividende (zuletzt 0,68 US-Dollar je Aktie p. a. vor Split) wurde ab dem ersten Quartal 2026 ohne Vorlaufzeit ausgesetzt; eine Wiederaufnahme ist nicht terminiert.
- Muster in der Kommunikation: ein strengeres Sparziel wurde offenbart und im direkt folgenden Quartal so deutlich verfehlt wie in keinem anderen der Reihe, eine Vertriebsbeschränkung (Fortinet) blieb zwei Earnings Calls lang unerwähnt, einzelne Lieferantenprognosen (Darktrace, Fortinet) wurden still nach unten angepasst.
- Nur ein einziger Analyst deckt den Titel ab — kein breiter Marktkonsens zur Gegenprobe, dünnes Handelsvolumen typisch für einen Nebenwert dieser Größe.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Verlässlichkeits-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass Climb ein schlechtes Unternehmen wäre — die Zahlen der letzten drei Jahre sind solide, die Bilanz ist sauber, und ein Management, das bei einer Steuerfrage im Detail Rede und Antwort steht, ist keine Seltenheit unter Nebenwerten dieser Größe. Ihr Kern ist, dass Verlässlichkeit über Jahre eine Erwartung aufbaut, die selten mit hinterfragt wird — bis die Dividende ohne Vorwarnung fällt oder ein eigenes Sparziel ausgerechnet im Quartal danach so deutlich verfehlt wird wie nie zuvor. Nichts davon macht Climb zu einer schlechten Firma. Es macht Climb zu einer Firma, bei der du beim nächsten Quartalsbericht genauer hinschauen solltest, wenn das Management wieder von „Einmalkosten“ spricht oder ein Ziel in neuer Sprache formuliert. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist das noch dieselbe verlässliche Firma?“, sondern: Liest du die nächsten zehn Quartalsberichte genauso aufmerksam wie die letzten zehn — oder verlässt du dich wieder auf die Gewohnheit? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Climb Global Solutions, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 27. Februar 2026)
- Climb Global Solutions, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (eingereicht 30. Juli 2026)
- Climb Global Solutions, Inc. — Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 (Anlage zur 8-K, eingereicht 29. Juli 2026)
- Climb Global Solutions, Inc. — zehn Mitschriften öffentlicher Quartalskonferenzen, Q1 2024 (2. Mai 2024) bis Q2 2026 (30. Juli 2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Climb Global Solutions, Inc. (CIK 0000945983): EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kurs, Marktkapitalisierung, Analystenschätzung; Datenstand 25. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Climb-Global-Solutions-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 282,6 | 304,3 | 352,0 | 465,6 | 652,5 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 12,1 | 17,9 | 16,5 | 28,0 | 29,2 |
| Nettogewinn | 9,2 | 12,2 | 12,3 | 18,6 | 21,3 |
| Nettomarge | 3,3 % | 4,0 % | 3,5 % | 4,0 % | 3,3 % |
| Gewinn je Aktie | 0,54 $ | 0,70 $ | 0,70 $ | 1,04 $ | 1,18 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Wachstum positiv
- Value-Added-IT-Distribution mit diversifiziertem Lieferantenportfolio (45 Vendoren über 10 Millionen US-Dollar Umsatz 2026 gegenüber 22 im Jahr 2022, laut Managementangaben). Nettoumsatz stieg 2025 um 40 Prozent auf 652,5 Millionen US-Dollar, drei Jahre in Folge zweistellig und durchgehend profitabel.
- Margenentwicklung negativ
- Die effektive Marge fiel von 43,5 Prozent (2024) über 40,7 Prozent (2025) auf 37,5 Prozent im zweiten Quartal 2026 (10-Q vom 30.07.2026). Die SG&A-Quote lag in beiden Quartalen 2026 (3,7 und 3,5 Prozent) über dem selbstgesteckten Zielband von rund 3 Prozent, das seit 2024 genannt wird. Ein Teil des Bruchs ist Basiseffekt — das Vorjahresquartal enthielt laut Management ein 30-Millionen-Dollar-Einzelgeschäft —, doch auch bereinigt bleibt es bei einem Rückgang des Ergebnisses je Aktie.
- Kundenkonzentration negativ
- Die fünf größten Kunden vereinten 2025 rund 55 Prozent des Nettoumsatzes, gegenüber 51 Prozent 2023 (10-K, Item 1A) — eine seit drei Jahren steigende Konzentration auf Wiederverkäufer-Partner, keine existenzielle, aber eine reale und wachsende Abhängigkeit.
- Bilanz & Kapitalallokation neutral
- Kerngesunde Bilanz: 56,6 Millionen US-Dollar Kasse (30.06.2026), keine Schulden, ungenutzte 50-Millionen-Dollar-Kreditlinie. Zugleich Regimewechsel: Dividende ab Q1 2026 ohne Vorlaufzeit ausgesetzt, Management erstmals offen für Fremdkapital bei künftigen Übernahmen.
- Management-Kommunikation negativ
- Zehn ausgewertete Quartalskonferenzen (2024–2026) zeigen ein wiederkehrendes Muster: Ein strengeres SG&A-Ziel wurde offenbart und im direkt folgenden Quartal so deutlich verfehlt wie in keinem anderen der Reihe; eine Fortinet-Vertriebsbeschränkung blieb zwei Earnings Calls lang unerwähnt; Lieferantenprognosen (Darktrace, Fortinet) wurden still nach unten korrigiert. Harte, terminierte Zusagen (ERP-Einführung) wurden dagegen eingehalten.
- Bewertung neutral
- Marktkapitalisierung rund 510 Millionen US-Dollar (25.08.2026), KUV rund 0,7, EV/EBITDA rund 11,9 — weder Schnäppchen noch Wachstumsaufschlag. Nur ein Analyst deckt den Titel mit Kursziel ab (32,67 US-Dollar), eine statistisch dünne Basis.
Climb Global Solutions ist die Verlässlichkeits-Falle in Reinform: Jahrelang eine verlässliche Dividende, ein Management, das jede Analystenfrage direkt beantwortet, ein Nettoumsatz, der 2025 um 40 Prozent wuchs. Doch die effektive Marge fällt seit 2024 (43,5 auf 37,5 Prozent), die Dividende wurde 2026 ohne Vorwarnung gestrichen, und zehn ausgewertete Quartalskonferenzen zeigen ein Muster verschobener statt offen korrigierter Ziele. Die Bilanz ist sauber, das Geschäft wächst — aber Verlässlichkeit ist zuletzt nicht mehr das, was sie war. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil das operative Geschäft trägt, aber eine wesentliche Frage offen ist: Ist die seit 2024 fallende effektive Marge eine vorübergehende Investitionsphase (Interworks-Integration, Fortinet-Anlauf, IT-Infrastruktur) oder ein strukturelles Problem? Für Rot fehlen die Belege — Bilanz und Liquidität sind gesund, keine Schulden, kein Going-Concern-Hinweis, drei Jahre profitables Wachstum. Für Grün fehlt die Zuverlässigkeit: Die Dividendenstreichung ohne Vorlaufzeit, die verzögerte Offenlegung der Fortinet-Restriktion und das leise Neuformulieren des SG&A-Ziels gerade bei größter Zielverfehlung sind Kommunikationsmuster, die zusätzliche Wachsamkeit rechtfertigen — auch wenn keines davon für sich genommen ein Substanzrisiko ist. Dass ein einzelner Analyst die Aktie abdeckt, spielt für die Einstufung keine Rolle — das ist ein Marktdatenmerkmal, kein Qualitätsargument.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Climb Global Solutions über den ersten Investor Day des Unternehmens am Nasdaq MarketSite (Juli 2026) und das dort formulierte Ziel, das bereinigte EBITDA von 2025 bis 2030 mehr als zu verdoppeln — ein Fünf-Jahres-Versprechen auf einer Kennzahl, die das Unternehmen selbst nicht in einen GAAP-Nettogewinn zurückrechnet.
- Verwechslungsgefahr: Die Gesellschaft firmierte bis Oktober 2022 als Wayside Technology Group, Inc. (CIK identisch, 0000945983) und davor als Programmers Paradise Inc. (bis 2006). Ältere Nennungen unter diesen Namen betreffen dasselbe Unternehmen.
- Datenstand: Bilanz- und Ergebniszahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 27.02.2026) und dem Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 30.07.2026). Kurs, Marktkapitalisierung und Analystenschätzung haben den Datenstand 25. August 2026. Manche Datenfeeds zeigten zum Recherchezeitpunkt noch eine erwartete Forward-Dividende an, obwohl die Zahlung laut Geschäftsbericht seit dem ersten Quartal 2026 ausgesetzt ist — maßgeblich ist die SEC-Meldung.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 28. August 2026. Was sich seitdem bei CLMB geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Climb Global Solutions, Inc. (Nasdaq: CLMB) aus Eatontown, New Jersey, ist ein Value-Added-IT-Distributor: Es kauft Software, Wartungsverträge sowie Sicherheits- und Storage-Produkte von rund 84 Herstellern ein (davon 45 mit mehr als 10 Mio. US-Dollar Jahresumsatz bei Climb) und verkauft sie über die Marke „Climb Channel Solutions“ an tausende Wiederverkäufer weiter (96 Prozent des Nettoumsatzes 2025). Die kleinere Sparte „Grey Matter“ verkauft direkt an Endkunden (4 Prozent).
Weil Climb einen Teil seiner Geschäfte — vor allem Sicherheits-, Wartungs- und Cloud-Produkte — nur mit der eigenen Marge als Umsatz verbucht, während der Rest direkt zwischen Hersteller und Kunde fließt. Die „Bruttoabrechnungen“ zeigen das komplette Handelsvolumen (2.105,2 Millionen US-Dollar 2025), der Nettoumsatz nur den verbuchten Teil (652,5 Millionen, 31 Prozent) — branchenüblich für Distributoren, kein Bilanztrick.
Der Vorstand beschloss laut Geschäftsbericht (10-K) für 2025, die vierteljährliche Dividende ab dem ersten Quartal 2026 auszusetzen, „um finanzielle Flexibilität zu bewahren und die Kapitalallokation neu zu priorisieren“. Zuvor zahlte Climb 2023 bis 2025 jährlich 0,68 US-Dollar je Aktie. Das freigewordene Kapital soll in Wachstum und Übernahmen fließen; eine Wiederaufnahme ist nicht terminiert.
Gemischt. Terminierte, harte Zusagen wie die ERP-Einführung wurden eingehalten. Bei weicheren Zielen zeigt sich in zehn ausgewerteten Quartalskonferenzen (2024 bis 2026) ein Muster: Ein strengeres „50-50“-Sparziel wurde offenbart, als die Ist-Werte noch nahe am kommunizierten 3-Prozent-Band lagen — im direkt folgenden Quartal verfehlte Climb es dann so deutlich wie in keinem anderen der Reihe (3,7 Prozent im ersten Quartal 2026) und blieb auch im Quartal danach klar darüber.
Die fünf größten Kunden — allesamt große Wiederverkäufer, keine Endkunden — vereinten 2025 rund 55 Prozent des Nettoumsatzes, gegenüber 54 Prozent 2024 und 51 Prozent 2023 (10-K, Item 1A). Die Quote steigt seit drei Jahren. Gegenläufig hat Climb seine Lieferantenbasis deutlich verbreitert, von 22 auf 45 Vendoren mit mehr als 10 Millionen US-Dollar Umsatz seit 2022.
Bei 27,30 US-Dollar (25.08.2026) liegt die Marktkapitalisierung bei rund 510 Millionen US-Dollar, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 0,7, das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA bei rund 12 — weder Schnäppchen noch Wachstumsaufschlag. Genau ein Analyst deckt den Titel mit Kursziel ab (32,67 US-Dollar), eine statistisch kaum belastbare Stichprobe.
Zu einem Teil wegen eines Basiseffekts: Im Vorjahresquartal steckte laut CEO Dale Foster ein Einzelgeschäft über 30 Millionen US-Dollar mit dem Anbieter Vast Data, dazu ein aus dem dritten Quartal vorgezogener Abschluss. Zum anderen operativ: Die Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen um 26 Prozent (auf 20,7 Mio. US-Dollar), der Rohertrag nur um 15 Prozent, und die Steuerquote kletterte von 22,9 auf 26,8 Prozent. Der Finanzchef beziffert rund 0,5 Millionen US-Dollar der Kosten als einmalig; im Quartalsbericht selbst ist dieser Anteil nicht beziffert. Rechnet man ihn heraus, bleibt das Ergebnis je Aktie trotzdem unter dem Vorjahresquartal.
Climb übernahm zum 24. Februar 2026 die griechische Cloud-Plattform Interworks (interworks.cloud) für einen finalen Kaufpreis von 13,0 Millionen US-Dollar (die Kaufpreisallokation auf einzelne Bilanzposten ist laut 10-Q Q2 2026 noch vorläufig) und erweiterte damit sein Europa-Geschäft um Südosteuropa. Im zweiten Quartal 2026 trug Interworks rund 1,5 Millionen US-Dollar zum Nettoumsatz und 8,2 Millionen zu den Bruttoabrechnungen bei.
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