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Clarivate: 9,4 Milliarden in den Büchern, 1,3 Milliarden an der Börse

Clarivate: 9,4 Milliarden in den Büchern, 1,3 Milliarden an der Börse

Ein Datenhaus, das 90 Prozent seiner Kunden jedes Jahr behält und trotzdem seit vier Jahren Verluste schreibt. Der freie Mittelzufluss sieht mit dem 3,6-Fachen des Börsenwerts günstig aus — bis man die 4,0 Milliarden US-Dollar Nettoschulden danebenstellt. Er entsteht überwiegend daraus, dass Clarivate die Kaufpreise seiner Zukäufe doppelt so schnell abschreibt, wie es selbst investiert. Und im Juli 2026 hat die Firma ihr Gesundheitsgeschäft verkauft. Keine Anlageberatung — nur der Versuch, eine Bilanz zu Ende zu lesen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

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Clarivate: 9,4 Milliarden in den Büchern, 1,3 Milliarden an der Börse
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Stell dir zwei Firmen vor. Die erste behält jedes Jahr mehr als neun von zehn Kunden, kassiert im Voraus, hat 83 Prozent wiederkehrende Erlöse und wirft 365 Millionen US-Dollar bar ab. Die zweite hat seit vier Jahren keinen Gewinn gemacht, trägt 4,0 Milliarden Dollar Nettoschulden, hat 1,5 Milliarden ihres Firmenwerts abgeschrieben und ist an der Börse 94 Prozent unter ihrem Höchststand. Die meisten Anleger würden die erste kaufen und die zweite meiden. Es ist dieselbe Firma. Sie heißt Clarivate (NYSE: CLVT), und sie ist eines der klarsten Beispiele dafür, warum eine einzelne Bewertungszahl nie eine Anlageentscheidung ist. Wir lesen deshalb gemeinsam, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und die Meldung (8-K) vom 6. Juli 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Clarivate macht — und warum die Firma auf Jersey registriert ist

Clarivate verkauft Wissen über Wissen. Wer in der Forschung wissen will, welche Studie wie oft zitiert wurde, nutzt Web of Science — eine Zitationsdatenbank, die seit über sechzig Jahren gepflegt wird und laut Geschäftsbericht von 99 Prozent der 400 größten Universitäten genutzt wird. Wer eine Dissertation oder eine historische Quelle sucht, landet bei ProQuest. Wer ein Patent recherchieren oder weltweit am Leben halten will, nutzt Derwent; wer eine Marke prüfen will, CompuMark. Insgesamt sind es mehr als 45.000 Kunden: Universitäten, Bibliotheken, Behörden, Konzerne und Kanzleien.

Organisatorisch führt das Unternehmen drei Segmente: Academia & Government (2025: 1.266,0 Millionen US-Dollar Umsatz), Intellectual Property (799,4 Millionen) und Life Sciences & Healthcare (389,8 Millionen). Das dritte Segment wird gerade verkauft — dazu kommen wir gleich.

Zur Rechtsform, weil sie oft für Verwirrung sorgt: Clarivate Plc ist am 7. Januar 2019 nach dem Recht von Jersey (Kanalinseln) gegründet worden und führt ihren Hauptsitz in London. Das ist kein Grund zur Sorge und auch kein Sonderfall bei der Berichterstattung: Die Gesellschaft meldet der SEC als Inlandsfiler, also mit den vollständigen Formularen 10-K und 10-Q im Status „large accelerated filer" — nicht mit den schlankeren Formularen 20-F und 6-K, die ausländische Emittenten nutzen dürfen. Für dich heißt das: Du bekommst vierteljährliche Zahlen nach US-Bilanzregeln, geprüft und in voller Tiefe. Genau damit arbeiten wir hier.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jeden Abschnitt: Das Geschäft ist so stabil, wie ein Abonnementgeschäft nur sein kann — aber die Firma, die es besitzt, wurde mit geliehenem Geld zusammengekauft, und die Rechnung dafür steht noch offen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

CLVT erschien in unserem K/FCF-Ranking — einer Liste, die Aktien nach dem Verhältnis von Börsenwert zu freiem Mittelzufluss sortiert, aufsteigend. Der freie Mittelzufluss ist das Geld, das nach allen laufenden Ausgaben und Investitionen übrig bleibt. Ein niedriges Verhältnis heißt: viel laufendes Geld für wenig Kaufpreis. Nachmachen kannst du das so: Rubrik Scanner öffnen, „K/FCF-Ranking" wählen, Land auf USA stellen. Die Listen werden täglich neu berechnet.

Und jetzt der ehrliche Teil. Die US-Auswahl dieser Liste hatte am 27. Juli 2026 545 Treffer; CLVT steht darin mit einem Wert von 2,10 auf Rang 45. Angezeigt werden aber nur die 25 stärksten TrefferCLVT ist dort also nicht zu sehen. Wer die Aktie nachschlagen will, nimmt den anderen Weg: Aktien-Screener öffnen, Land auf USA stellen, beim Filter „P/FCF" den Wert „unter 10" wählen und ins Suchfeld CLVT eintippen. Dieser Weg funktioniert unabhängig davon, wie sich das Ranking morgen sortiert. Merke dir das als Regel: Eine Ranking-Seite ist ein Ausschnitt, kein Verzeichnis.

Zur Einordnung zwei Kennzahlen, die wir gegen den Jahresabschluss geprüft haben. Der Altman-Z-Wert von 1,78 (Datenstand 24. Juli 2026) ist ein Pleite-Frühwarnwert; wir verwenden die Z″-Variante für Nicht-Industrieunternehmen, bei der alles unter 1,1 als Notlage und alles über 2,6 als sichere Zone gilt. 1,78 liegt in der Grauzone dazwischen — bei diesem Titel ist das kein Zufall, sondern eine ehrliche Beschreibung. Der Piotroski-F-Score von 6 von 9 ist ordentlich, aber keine Bestnote; er misst neun Ja-Nein-Fragen zur Bilanzqualität, und eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Auf zwei weiteren Bewertungslisten taucht die Aktie ebenfalls auf, dem KUV-Ranking und dem K/CF-Ranking.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich stark ist, und das ist mehr, als der Kursverlauf vermuten lässt. Clarivate hat ein Abonnementgeschäft, um das viele Firmen sie beneiden. Der Geschäftsbericht formuliert es so:

„We serve more than 45,000 customers worldwide, including academic institutions and libraries, research organizations, corporations, law firms, government entities, and companies across the pharmaceutical, biotechnology, and medical device industries, providing a trusted foundation and quality user experience resulting in our strong and consistent annual customer renewal rates exceeding 90 percent."

Übersetzung: „Wir bedienen weltweit mehr als 45.000 Kunden, darunter akademische Einrichtungen und Bibliotheken, Forschungsorganisationen, Unternehmen, Anwaltskanzleien, Behörden sowie Unternehmen der Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnikbranche, und bieten eine vertrauenswürdige Grundlage und hochwertige Nutzererfahrung, woraus sich unsere starken und beständigen jährlichen Erneuerungsquoten von über 90 Prozent ergeben."

— Clarivate Plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025

Markierte Passage aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: mehr als 45.000 Kunden weltweit und beständige jährliche Erneuerungsquoten von über 90 Prozent.
Die stärkste Zahl des Unternehmens steht gleich in der Geschäftsbeschreibung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das schlägt sich in barem Geld nieder. 2025 flossen aus dem laufenden Geschäft 628,5 Millionen US-Dollar zu; nach Investitionen von 263,2 Millionen blieb ein freier Mittelzufluss von 365,3 Millionen — die Definition, die das Unternehmen selbst verwendet und im Bericht vorrechnet. Im Vorjahr waren es 357,5 Millionen, 2023 noch 501,7 Millionen. Das bereinigte Betriebsergebnis lag 2025 bei 1.001,8 Millionen US-Dollar, was einer Marge von 40,8 Prozent entspricht. Solche Margen erreicht man nur mit einem Produkt, das Kunden nicht ohne Weiteres wechseln können.

Und jetzt die andere Seite derselben Bilanz. Unter dem Strich stand 2025 ein Nettoverlust von 201,1 Millionen US-Dollar — nach 636,7 Millionen (2024) und 911,2 Millionen (2023). Wie passen ein bereinigtes Betriebsergebnis von einer Milliarde und ein dreistelliger Millionenverlust zusammen? Die Antwort steht in genau zwei Zeilen: Abschreibungen von 757,2 Millionen und Zinsen von 265,4 Millionen. Zusammen sind das über eine Milliarde — und genau das ist der Preis dafür, dass diese Firma zusammengekauft und mit Schulden finanziert wurde.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Mittelzufluss ist zum großen Teil ein Buchungseffekt

Hier lohnt sich ein kurzer Umweg über die Buchhaltung, denn er erklärt fast alles. Wenn eine Firma eine andere kauft, darf sie den Kaufpreis nicht als Ausgabe verbuchen, sondern muss ihn auf Posten wie Kundenbeziehungen, Technologie und Inhalte und Marken verteilen und über deren Nutzungsdauer abschreiben. Diese Abschreibung kostet kein Geld — sie ist eine reine Buchung. Deshalb erscheint sie in der Kapitalflussrechnung als Rückrechnung: Sie erhöht den Mittelzufluss, ohne dass irgendwo Geld hereinkommt.

„Amortization expense related to intangible assets was $735.3, $708.0, and $685.1 during the years ended December 31, 2025, 2024, and 2023, respectively."

Übersetzung: „Der Abschreibungsaufwand auf immaterielle Vermögenswerte betrug 735,3, 708,0 und 685,1 Millionen US-Dollar in den Geschäftsjahren 2025, 2024 beziehungsweise 2023."

— Clarivate Plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang Nr. 6

Markierte Passage aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Abschreibungsaufwand auf immaterielle Vermögenswerte von 735,3, 708,0 und 685,1 Millionen US-Dollar in den Jahren 2025, 2024 und 2023.
Die Zahl, die den freien Mittelzufluss trägt: 735,3 Millionen US-Dollar Abschreibung auf gekaufte immaterielle Werte allein im Jahr 2025. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum Vergleich: Die Abschreibung auf Sachanlagen — Computer, Einrichtung, Gebäude — betrug im selben Jahr ganze 21,9 Millionen US-Dollar. Von den 757,2 Millionen Gesamtabschreibung entfallen also 97 Prozent auf gekaufte immaterielle Werte. Und was investiert die Firma selbst, um dieses Vermögen zu erneuern? 263,2 Millionen — nach 289,1 Millionen (2024) und 242,5 Millionen (2023). Das Verhältnis ist das Entscheidende: Die Abschreibung ist fast dreimal so hoch wie die eigene Investition, und das seit Jahren unverändert.

Gruppiertes Balkendiagramm für 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Abschreibung immaterielle Werte 685,1 / 708,0 / 735,3; Investitionen 242,5 / 289,1 / 263,2; freier Mittelzufluss 501,7 / 357,5 / 365,3.
Die dunklen Balken sind Buchungen, die hellen sind Geld: Die Abschreibung auf gekaufte immaterielle Werte übertrifft die eigenen Investitionen in jedem Jahr um mehr als das Doppelte — und der freie Mittelzufluss liegt dazwischen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie liest man das? Zwei ehrliche Lesarten stehen nebeneinander. Die eine: Die Kaufpreise von gestern sind bezahlt, die Abschreibung darauf ist reine Vergangenheitsbewältigung, und was heute an Geld hereinkommt, ist echt. Die andere: Wenn die Abschreibung den tatsächlichen Werteverzehr abbildet — wenn also Kundenbeziehungen und Datenbanken wirklich altern —, dann ist der Nettoverlust die ehrlichere Zahl, und der Mittelzufluss lebt davon, dass zu wenig nachinvestiert wird. Welche Lesart stimmt, entscheidet das organische Wachstum. Deshalb der nächste Abschnitt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Aus eigener Kraft wächst hier praktisch nichts

Clarivate weist im Lagebericht vorbildlich aus, woher jede Umsatzveränderung kommt — getrennt nach Zukäufen, Verkäufen, Währungseffekten und organischem Wachstum, also dem, was das bestehende Geschäft aus eigener Kraft schafft. Die Zahlen für 2025:

  • Abonnements 1.605,5 Millionen US-Dollar (−1,3 Prozent), davon organisch +0,8 Prozent
  • Wiederkehrende Erlöse aus Patent- und Markenverlängerungen 434,2 Millionen (+1,0 Prozent), davon organisch −0,4 Prozent
  • Transaktionsgeschäft 415,5 Millionen (−16,9 Prozent), davon organisch −4,8 Prozent
  • Gesamt 2.455,2 Millionen (−4,0 Prozent), davon organisch −0,1 Prozent

Im ersten Quartal 2026 sah es geringfügig besser aus: Umsatz 585,5 Millionen (−1,4 Prozent), organisch +0,6 Prozent. Aber Vorsicht bei dieser Zahl — im selben Quartal steuerte die Währung +2,2 Prozentpunkte bei. Ohne den schwächeren Dollar wäre der Umsatz um 3,6 Prozent gefallen statt um 1,4.

Was heißt das für die Frage aus dem letzten Abschnitt? Ein Datenbestand, dessen Erlöse organisch stagnieren, während 735 Millionen im Jahr darauf abgeschrieben werden, ist ein Vermögen, das nicht nachwächst. Die Erneuerungsquote von über 90 Prozent bedeutet eben auch, dass jedes Jahr bis zu 10 Prozent gehen — und dass die Preiserhöhungen gerade so reichen, das auszugleichen. Das ist nicht dasselbe wie ein wachsendes Geschäft, und es rechtfertigt die harte Lesart der Abschreibung eher als die milde.

Eine Zahl gehört zur Fairness dazu: Das Abonnementgeschäft, also der stabile Kern, wuchs im ersten Quartal 2026 organisch um 1,7 Prozent. Der Rückgang kommt aus dem Transaktionsgeschäft und aus Produktgruppen, die das Unternehmen selbst eingestellt hat. Wer glaubt, dass am Ende nur der Abo-Kern übrig bleibt, sieht hier den besseren Teil der Firma.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Bilanz besteht fast nur aus Kaufpreisen

Clarivate ist 2019 aus einer Mantelgesellschaft an die Börse gekommen und hat sich danach durch Zukäufe aufgebaut — der größte davon war ProQuest im Jahr 2021. Wie das eine Bilanz prägt, sieht man am 31. März 2026: Von einer Bilanzsumme von 10.927,1 Millionen US-Dollar entfallen 7.863,7 Millionen auf immaterielle Werte und 1.566,6 Millionen auf den Firmenwert — zusammen 9.430,3 Millionen oder 86 Prozent. Sachanlagen stehen mit 50,9 Millionen in den Büchern, also mit einem halben Prozent. Das Eigenkapital beträgt 4.788,8 Millionen — die Zukaufswerte sind damit doppelt so hoch wie das gesamte Eigenkapital.

Balkendiagramm in Millionen US-Dollar: Firmenwert und immaterielle Werte 9.430,3; Eigenkapital 4.788,8; Börsenwert 1.304,0.
Die Kaskade in einem Bild: Was in den Büchern für die Zukäufe steht (9.430,3 Millionen), was nach Abzug aller Schulden als Eigenkapital übrig bleibt (4.788,8 Millionen) — und was die Börse dafür zahlt (1.304,0 Millionen). Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q); Aktienzahl aus dem Quartalsbericht. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Teil dieser Kaufpreise ist bereits abgeschrieben, und zwar nicht planmäßig, sondern als Wertberichtigung: 979,9 Millionen (2023), 540,7 Millionen (2024) und 15,0 Millionen (2025) — zusammen 1.535,6 Millionen US-Dollar in drei Jahren. Die Begründung für den größten Einzelposten ist ungewöhnlich offen:

„In 2024, we recorded a goodwill impairment charge of $465.7 primarily due to sustained declines in our share price and worsening macroeconomic and market conditions."

Übersetzung: „Im Jahr 2024 haben wir eine Wertminderung des Firmenwerts von 465,7 Millionen US-Dollar erfasst, im Wesentlichen wegen anhaltender Rückgänge unseres Aktienkurses und sich verschlechternder gesamtwirtschaftlicher und Marktbedingungen."

— Clarivate Plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Lagebericht

Markierte Passage aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Wertminderung des Firmenwerts von 465,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, im Wesentlichen wegen anhaltender Rückgänge des Aktienkurses.
Selten so direkt zu lesen: Der Aktienkurs war der Auslöser für die Abschreibung — und er ist seither weiter gefallen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Firmenwert des Segments Intellectual Property steht seit 2024 bei null; er wurde vollständig abgeschrieben. Und der aufgelaufene Bilanzverlust — die Summe aller Verluste seit dem Börsengang — ist von 5.658,9 Millionen (Ende 2022) über 6.645,5 (Ende 2023) und 7.313,5 (Ende 2024) auf 7.514,6 Millionen zum Jahresende 2025 geklettert — und bis zum 31. März 2026 weiter auf 7.554,8 Millionen US-Dollar. Dem stehen 12.801,3 Millionen eingezahltes Kapital gegenüber. Anders gesagt: Von jedem Dollar, den Aktionäre und Vorbesitzer eingebracht haben, sind rund 59 Cent noch da.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Börsenwert ist ein Viertel des Kaufpreises

Jetzt die Rechnung, die die Eingangszahl geraderückt. Ein Kurs-Mittelzufluss-Verhältnis setzt den Börsenwert ins Verhältnis. Wer die Firma tatsächlich kaufen wollte, müsste die Schulden übernehmen. Zum Deckblatt des Quartalsberichts: Am 31. März 2026 waren 639.216.510 Stammaktien ausstehend — nur eine Gattung. Beim Kurs von 2,04 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) ergibt das einen Börsenwert von 1.304,0 Millionen US-Dollar.

Die Nettoschulden zum selben Stichtag: Finanzschulden von 4.283,1 Millionen minus 242,2 Millionen Kasse ergeben 4.040,9 Millionen. Der Unternehmenswert beträgt damit rund 5.344,9 Millionen US-Dollar. Und jetzt dieselbe Rechnung wie am Anfang, nur vollständig: Auf den freien Mittelzufluss von 365,3 Millionen bezogen kostet die Firma nicht das 3,6-Fache, sondern das 14,6-Fache. Auf jeden Dollar Börsenwert kommen 3,10 Dollar Nettoschulden.

Die Schulden im Einzelnen (Stand 31. Dezember 2025): 921,2 Millionen besicherte Anleihen 2028 zu 3,875 Prozent, 921,4 Millionen Anleihen 2029 zu 4,875 Prozent, 1.999,2 Millionen Darlehen 2031 zu 6,466 Prozent und 500,0 Millionen Darlehen 2031 zu 6,966 Prozent. Der Trend darin ist wichtiger als die Summe: Die alten Anleihen sind billig, die neuen Darlehen teuer. Im Mai 2025 löste das Unternehmen 500 Millionen der 4,5-Prozent-Anleihen mit einem Darlehen zu 6,966 Prozent ab. Jede Refinanzierung in diesem Muster erhöht die Zinsrechnung — und die betrug 2025 bereits 265,4 Millionen US-Dollar, also 20 Prozent des gesamten Börsenwerts. Immerhin: Bis 2028 ist keine große Fälligkeit zu bedienen, und die Kreditlinie war Ende 2025 mit 768,5 Millionen unangetastet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5 — oder die gute Nachricht: das Gesundheitsgeschäft ist verkauft

Am 3. Juli 2026 haben Tochtergesellschaften von Clarivate einen Kaufvertrag über das gesamte Segment Life Sciences & Healthcare unterzeichnet. Käufer ist eine Beteiligung der Beteiligungsgesellschaft Altaris LLC.

„Buyer has agreed to pay an aggregate purchase price of $600,000,000, which consists of (i) cash consideration of $500,000,000 payable upon the closing of the Transaction … (ii) deferred consideration of $25,000,000 … and (iii) the issuance of an unsecured senior note by an affiliate of Buyer in an aggregate principal amount of $75,000,000 to a subsidiary of Clarivate at the closing of the Transaction."

Übersetzung: „Der Käufer hat sich verpflichtet, einen Gesamtkaufpreis von 600.000.000 US-Dollar zu zahlen, bestehend aus (i) einer Barkomponente von 500.000.000 US-Dollar, zahlbar bei Vollzug … (ii) einer gestundeten Gegenleistung von 25.000.000 US-Dollar … und (iii) der Ausgabe einer unbesicherten vorrangigen Schuldverschreibung durch eine Beteiligung des Käufers über einen Gesamtnennbetrag von 75.000.000 US-Dollar an eine Tochtergesellschaft von Clarivate bei Vollzug."

— Clarivate Plc, SEC-Meldung 8-K vom 6. Juli 2026, Item 1.01

Markierte Passage aus der SEC-Meldung 8-K vom 6. Juli 2026: Gesamtkaufpreis von 600.000.000 US-Dollar, bestehend aus 500 Millionen bar bei Vollzug, 25 Millionen gestundet und einer Schuldverschreibung über 75 Millionen.
Der Kaufvertrag im Original — die Aufteilung des Preises ist wichtiger als die Schlagzeile: nur 500 der 600 Millionen kommen bar und sofort. Quelle: SEC-Meldung 8-K vom 6. Juli 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Einordnung. Das Segment setzte 2025 389,8 Millionen US-Dollar um — der Preis entspricht also dem 1,54-Fachen des Segmentumsatzes, während die Börse für die gesamte Gesellschaft nur das 0,53-Fache zahlt. Ein Finanzinvestor legt für ein Sechstel des Umsatzes fast die Hälfte des gesamten Börsenwerts hin. Das ist ein starkes Argument dafür, dass die Aktie zu billig ist. Es ist aber auch ein Hinweis auf das Gegenteil: Wenn ausgerechnet das Segment abgegeben wird, in dem 2024 schon 451,9 Millionen Firmenwert abgeschrieben wurden und das in den Büchern noch mit 477,8 Millionen Firmenwert steht, dann sollte man den nächsten Quartalsbericht genau lesen. Eine Zustimmung der Aktionäre ist nicht nötig; der Vollzug wird bis Jahresende 2026 erwartet.

Noch ein Punkt zur Aktie selbst, weil er oft übersehen wird: Die 2019 begebenen Vorzugsaktien sind Geschichte. 14,4 Millionen Stück mit einem Buchwert von 1.392,6 Millionen US-Dollar wurden 2024 vollständig in 55,3 Millionen Stammaktien gewandelt. Die Dividende darauf (75,4 Millionen 2023, 31,3 Millionen 2024) entfällt seither. Wer heute rechnet, muss also keine Vorzugsdividende mehr abziehen und keine künftige Wandlung mehr einpreisen — die Verwässerung ist bereits geschehen.

Bewertung — was der Markt einpreist

Fassen wir zusammen, alles mit Kurs-Datenstand 24. Juli 2026 und Bilanzzahlen per 31. März 2026. Der Börsenwert liegt bei 1.304,0 Millionen US-Dollar, der Unternehmenswert bei 5.344,9 Millionen. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt 0,53, der Unternehmenswert entspricht dem 5,3-Fachen des bereinigten Betriebsergebnisses, und der Kurs liegt beim 0,27-Fachen des Buchwerts. Der Kurs steht rund 94 Prozent unter seinem Allzeithoch; rund 15 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft. Bei den Analysten überwiegt vorsichtige Zuversicht: drei raten entschieden zum Kauf, zwei zum Kauf, vier zum Halten, einer zum Verkauf; das durchschnittliche Kursziel lag beim Abruf am 27. Juli 2026 bei 2,50 US-Dollar.

Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,27 ist eine Aussage, keine Kennzahl: Der Markt hält die gebuchten Zukaufswerte für weit überhöht. Er preist ein, dass von den 9.430,3 Millionen an Firmenwert und immateriellen Werten noch erhebliche Beträge abgeschrieben werden. Und er hat dafür ein Argument, das in den Berichten steht: Ein Vermögen, dessen Erlöse organisch stagnieren, während jährlich 735 Millionen darauf abgeschrieben werden, verliert tatsächlich an Wert.

Die Gegenrechnung ist genauso real. Bei einem Unternehmenswert von 5.344,9 Millionen und einem bereinigten Betriebsergebnis von 1.001,8 Millionen zahlt man das 5,3-Fache für ein Geschäft mit über 90 Prozent Erneuerungsquote und 40 Prozent Marge. Wer bei FactSet gesehen hat, was der Markt für ein wachsendes Datenabo zahlt, erkennt den Unterschied sofort — und die Frage ist, ob er das Fünffache wert ist. Und wer unsere Analyse zu Upland Software gelesen hat, kennt das Muster: eine aus Zukäufen gebaute Firma, deren Schulden das Eigenkapital überleben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Sehr stabiles Abonnementgeschäft: mehr als 45.000 Kunden, jährliche Erneuerungsquote über 90 Prozent, 2.039,7 Millionen US-Dollar oder 83 Prozent wiederkehrende Erlöse (2025); Abonnements wuchsen im ersten Quartal 2026 organisch um 1,7 Prozent.
  • Hohe operative Marge und echter Mittelzufluss: bereinigtes Betriebsergebnis 1.001,8 Millionen US-Dollar (Marge 40,8 Prozent), freier Mittelzufluss 365,3 Millionen (2025) und 78,9 Millionen im ersten Quartal 2026.
  • Verkauf des Gesundheitsgeschäfts zu einem hohen Vielfachen: 600 Millionen US-Dollar für ein Segment mit 389,8 Millionen Umsatz — das 1,54-Fache gegenüber dem 0,53-Fachen, mit dem die Börse die ganze Firma bewertet; 500 Millionen davon fließen bar.
  • Keine Vorzugsaktien und keine offenen Umwandlungsrechte mehr: Die Wandlung von 14,4 Millionen Vorzugsaktien in 55,3 Millionen Stammaktien ist 2024 abgeschlossen worden; die Vorzugsdividende von zuletzt 31,3 Millionen entfällt.
  • Aktienzahl sinkt: Rückkäufe von 100,0 (2023), 200,0 (2024) und 224,5 Millionen US-Dollar (2025) haben den Bestand von 691,4 auf 639,2 Millionen Aktien gesenkt.
  • Keine kurzfristige Fälligkeitsklippe: Die nächste große Anleihe wird 2028 fällig; die Kreditlinie war Ende 2025 mit 768,5 Millionen unangetastet.

Risiken

  • Vier Verlustjahre in Folge: Nettoverlust von 911,2 (2023), 636,7 (2024) und 201,1 Millionen US-Dollar (2025) sowie 40,2 Millionen im ersten Quartal 2026; der aufgelaufene Bilanzverlust beträgt 7.554,8 Millionen.
  • Hohe Verschuldung: 4.040,9 Millionen US-Dollar Nettoschulden gegen 1.304,0 Millionen Börsenwert — 3,10 Dollar Schulden je Dollar Börsenwert; der Zinsaufwand lag 2025 bei 265,4 Millionen.
  • Teurere Refinanzierung: Die alten Anleihen kosten 3,875 und 4,875 Prozent, die neuen Darlehen 6,466 und 6,966 Prozent; im Mai 2025 wurden 500 Millionen 4,5-Prozent-Anleihen durch ein Darlehen zu 6,966 Prozent ersetzt.
  • Kein organisches Wachstum: −0,1 Prozent im Jahr 2025 und +0,6 Prozent im ersten Quartal 2026, wobei die Währung dort +2,2 Prozentpunkte beisteuerte; das Transaktionsgeschäft fiel 2025 um 16,9 Prozent.
  • Weiteres Abschreibungsrisiko: 9.430,3 Millionen US-Dollar Firmenwert und immaterielle Werte gegen 4.788,8 Millionen Eigenkapital; 2024 wurden 465,7 Millionen ausdrücklich wegen des gefallenen Aktienkurses abgeschrieben, und der Kurs ist seither weiter gefallen.
  • Der Verkauf verkleinert die Firma: Nach dem Abgang des Segments Life Sciences & Healthcare fehlen rund 390 Millionen US-Dollar Jahresumsatz; ob daraus ein Buchgewinn oder ein weiterer Abschreibungsbedarf wird, ist bei einem zugeordneten Firmenwert von 477,8 Millionen offen.
  • Altman-Z in der Grauzone: 1,78 in der Z″-Variante, deren sichere Zone erst bei 2,6 beginnt.

Ein menschliches Fazit

Zurück zu den zwei Firmen vom Anfang. Beide gibt es wirklich, und sie stecken ineinander. Die erste — das Datenabo mit 90 Prozent Erneuerungsquote und 40 Prozent Marge — ist ein gutes Geschäft. Die zweite — die Holding, die dieses Geschäft mit 4 Milliarden Dollar Schulden gekauft hat — ist eine Wette darauf, dass das gute Geschäft die Zinsen und die Kaufpreise trägt. Sechs Jahre nach dem Börsengang steht diese Wette bei 94 Prozent Kursverlust.

Und doch ist die Lage nicht eindeutig. Ein Finanzinvestor zahlt gerade für ein Sechstel des Umsatzes fast die Hälfte des Börsenwerts. Das kann bedeuten, dass die Börse zu pessimistisch ist. Es kann auch bedeuten, dass das verbleibende Geschäft weniger wert ist, als der Preis für den verkauften Teil vermuten lässt. Beide Deutungen stehen in denselben Unterlagen; die Berichte entscheiden das nicht für dich.

Wenn du dich damit beschäftigst, sind es drei Zahlen im nächsten Quartalsbericht, die den Streit entscheiden. Erstens: das organische Wachstum — kippt es dauerhaft ins Plus, war die harte Abschreibungslesart zu pessimistisch. Zweitens: was aus dem Verkaufserlös wird — 500 Millionen bar gegen 4.040,9 Millionen Nettoschulden sind ein Zwölftel, aber ein Anfang. Drittens: ob im Zuge des Verkaufs erneut abgeschrieben wird. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich, und bei einem Unternehmen, dessen Nettoschulden ein Mehrfaches des Börsenwerts betragen, wirkt jede Verschlechterung des Geschäfts überproportional auf den Aktienkurs. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell und Kundenbindung positiv
Mehr als 45.000 Kunden, jährliche Erneuerungsquote über 90 Prozent und 2.039,7 Millionen US-Dollar wiederkehrende Erlöse — 83 Prozent des Umsatzes 2025. Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei 1.001,8 Millionen, was einer Marge von 40,8 Prozent entspricht. Solche Zahlen erreicht nur, wer ein Produkt hat, das Kunden nicht ohne Weiteres wechseln können.
Herkunft des Mittelzuflusses negativ
Der freie Mittelzufluss von 365,3 Millionen US-Dollar (2025) beruht überwiegend auf einer Buchung: 735,3 Millionen Abschreibung auf gekaufte immaterielle Werte stehen nur 263,2 Millionen eigenen Investitionen gegenüber, auf Sachanlagen entfielen 21,9 Millionen. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 201,1 Millionen — das vierte Verlustjahr in Folge, nach 636,7 (2024) und 911,2 Millionen (2023).
Organisches Wachstum negativ
Ohne Zukäufe, Verkäufe und Währungseffekte lag das Wachstum 2025 bei −0,1 Prozent und im ersten Quartal 2026 bei +0,6 Prozent, wobei die Währung dort 2,2 Prozentpunkte beisteuerte. Der Abo-Kern wuchs organisch um 0,8 beziehungsweise 1,7 Prozent, das Transaktionsgeschäft fiel 2025 um 16,9 Prozent. Ein Vermögen, dessen Erlöse stagnieren, während jährlich 735 Millionen darauf abgeschrieben werden, wächst nicht nach.
Bilanz und Abschreibungsrisiko negativ
Firmenwert und immaterielle Werte summieren sich zum 31. März 2026 auf 9.430,3 Millionen US-Dollar — 86 Prozent der Bilanzsumme und das Doppelte des Eigenkapitals von 4.788,8 Millionen. Von 2023 bis 2025 wurden bereits 1.535,6 Millionen abgeschrieben, davon 465,7 Millionen im Jahr 2024 ausdrücklich wegen des gefallenen eigenen Aktienkurses. Der aufgelaufene Bilanzverlust beträgt 7.554,8 Millionen, das Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,27.
Verschuldung negativ
Nettoschulden von 4.040,9 Millionen US-Dollar stehen 1.304,0 Millionen Börsenwert gegenüber — 3,10 Dollar Schulden je Dollar Börsenwert. Der Zinsaufwand lag 2025 bei 265,4 Millionen, also bei 20 Prozent des Börsenwerts. Die Refinanzierung verteuert sich: Alte Anleihen kosten 3,875 und 4,875 Prozent, neue Darlehen 6,466 und 6,966 Prozent. Immerhin ist bis 2028 keine große Fälligkeit zu bedienen, und die Kreditlinie war Ende 2025 mit 768,5 Millionen unangetastet.
Aktienstruktur und Verkauf des Gesundheitsgeschäfts neutral
Es gibt nur eine Aktiengattung: 639.216.510 Stammaktien; die 14,4 Millionen Vorzugsaktien wurden 2024 vollständig in 55,3 Millionen Stammaktien gewandelt, offene Umwandlungsrechte bestehen nicht mehr. Am 3. Juli 2026 wurde der Verkauf des Segments Life Sciences & Healthcare für 600 Millionen US-Dollar vereinbart — das 1,54-Fache des Segmentumsatzes von 389,8 Millionen, während die Börse die ganze Firma mit dem 0,53-Fachen bewertet. Zugleich steht dem Segment ein Firmenwert von 477,8 Millionen zu.

Clarivate ist zwei Dinge zugleich, und beide stehen in denselben Berichten. Das Geschäft darunter ist stark: über 90 Prozent Erneuerungsquote, 83 Prozent wiederkehrende Erlöse und 40,8 Prozent Marge auf ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1.001,8 Millionen US-Dollar. Die Gesellschaft darüber ist ein aus Zukäufen gebauter Schuldenberg: 4.040,9 Millionen Nettoschulden gegen 1.304,0 Millionen Börsenwert, 9.430,3 Millionen Firmenwert und immaterielle Werte gegen 4.788,8 Millionen Eigenkapital, 7.554,8 Millionen aufgelaufener Bilanzverlust und das vierte Verlustjahr in Folge. Der freie Mittelzufluss von 365,3 Millionen sieht mit dem 3,6-Fachen des Börsenwerts billig aus und kostet mit den Schulden das 14,6-Fache; er entsteht überwiegend daraus, dass die Abschreibung auf Zukäufe (735,3 Millionen) die eigenen Investitionen (263,2 Millionen) um mehr als das Doppelte übertrifft. Aus eigener Kraft wächst das Geschäft nicht: −0,1 Prozent im Jahr 2025. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Das operative Geschäft verdient eine bessere Note als das Unternehmen als Ganzes — aber die Ampel beurteilt das Unternehmen. Und dort steht viertes Verlustjahr in Folge gegen stagnierendes organisches Wachstum: Nettoverlust 911,2 (2023), 636,7 (2024) und 201,1 Millionen US-Dollar (2025), dazu 40,2 Millionen im ersten Quartal 2026; organisch −0,1 Prozent (2025) und +0,6 Prozent (Q1 2026), Letzteres nur dank eines Währungsrückenwinds von 2,2 Prozentpunkten. Die Substanz ist überwiegend gekauft und wird abgeschrieben: 9.430,3 Millionen Firmenwert und immaterielle Werte gegen 4.788,8 Millionen Eigenkapital, 1.535,6 Millionen Wertminderungen allein 2023 bis 2025 — davon 465,7 Millionen ausdrücklich wegen des eigenen Kursverfalls — und ein aufgelaufener Bilanzverlust von 7.554,8 Millionen bei 12.801,3 Millionen eingezahltem Kapital. Die Hebelwirkung ist hoch: 4.040,9 Millionen Nettoschulden gegen 1.304,0 Millionen Börsenwert, 265,4 Millionen Zinsaufwand im Jahr, und die Refinanzierung wird teurer (3,875 bis 4,875 Prozent auf den alten Anleihen gegen 6,466 bis 6,966 Prozent auf den neuen Darlehen). Der Altman-Z-Wert von 1,78 liegt in der Z″-Grauzone zwischen 1,1 und 2,6. Ein gutes Geschäft in einer Bilanz, die es nicht trägt — das ist Rot.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Clarivate über das hauseigene K/FCF-Ranking (US-Auswahl). Wichtig für die Einordnung: Die Liste hatte am 27. Juli 2026 insgesamt 545 US-Treffer, CLVT stand mit einem Wert von 2,10 auf Rang 45 — außerhalb der 25 angezeigten Plätze und ohne Punktgleichstand mit einem anderen Titel. Nachschlagen lässt sich die Aktie über den Aktien-Screener (Land USA, Filter P/FCF „unter 10“, Suchfeld CLVT). Die Aktie steht außerdem im KUV- und im K/CF-Ranking. Alle Listen werden täglich neu berechnet. Der Ranking-Wert 2,10 beruht auf einer rollierenden Zwölfmonatsbetrachtung; die Analyse rechnet durchgängig mit dem vom Unternehmen selbst veröffentlichten freien Mittelzufluss des Geschäftsjahrs 2025 von 365,3 Millionen US-Dollar und kommt damit auf das 3,6-Fache.
  • Rechtsform und Meldeform wurden vor der Quellenarbeit geprüft: Clarivate Plc ist am 7. Januar 2019 nach dem Recht von Jersey (Kanalinseln) gegründet worden und sitzt in London, meldet der SEC aber als Inlandsfiler mit 10-K, 10-Q und 8-K im Status „large accelerated filer“ — nicht als ausländischer Emittent mit 20-F und 6-K. Datengrundlage sind daher der Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 24.02.2026), der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 29.04.2026, jüngster Periodenbericht) und die beiden SEC-Meldungen 8-K vom 06.07.2026 zum Verkauf des Segments Life Sciences & Healthcare.
  • Der Börsenwert wurde selbst gerechnet: 639.216.510 Stammaktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 31.03.2026) mal 2,04 US-Dollar Schlusskurs vom 24. Juli 2026 ergibt 1.304,0 Millionen. Es gibt nur eine Aktiengattung — die Vorzugsaktien sind 2024 vollständig gewandelt worden. Der Altman-Z-Wert von 1,78 stammt aus der Z″-Variante für Nicht-Industrieunternehmen, deren Schwellen bei 1,1 (Notlage) und 2,6 (sichere Zone) liegen — nicht aus der Ursprungsformel mit 1,8 und 3,0; 1,78 bedeutet auf dieser Skala Grauzone, nicht Notlage.

Häufige Fragen

Clarivate Plc (NYSE: CLVT) verkauft Forschungs- und Patentdaten an mehr als 45.000 Kunden — Universitäten, Bibliotheken, Behörden, Konzerne und Kanzleien. Bekannteste Marken sind die Zitationsdatenbank Web of Science, die Inhaltesammlung ProQuest, der Patentdienst Derwent und die Markenrecherche CompuMark. Der Umsatz lag 2025 bei 2.455,2 Millionen US-Dollar, verteilt auf die Segmente Academia & Government (1.266,0 Millionen), Intellectual Property (799,4 Millionen) und Life Sciences & Healthcare (389,8 Millionen).

Nein. Obwohl die Gesellschaft am 7. Januar 2019 nach dem Recht von Jersey (Kanalinseln) gegründet wurde und ihren Hauptsitz in London hat, meldet sie der US-Börsenaufsicht SEC als Inlandsfiler: mit Jahresbericht 10-K, Quartalsberichten 10-Q und Ad-hoc-Meldungen 8-K, im Status „large accelerated filer". Anleger bekommen damit vierteljährliche Zahlen nach US-Bilanzregeln in voller Tiefe, nicht die schlankeren Formulare 20-F und 6-K.

Nur, solange man die Schulden weglässt. Bei 639.216.510 Aktien und einem Kurs von 2,04 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) beträgt der Börsenwert 1.304,0 Millionen US-Dollar — das 3,6-Fache des freien Mittelzuflusses von 365,3 Millionen. Zählt man die Nettoschulden von 4.040,9 Millionen (31. März 2026) hinzu, liegt der Unternehmenswert bei 5.344,9 Millionen und derselbe Mittelzufluss kostet das 14,6-Fache. Auf jeden Dollar Börsenwert kommen 3,10 Dollar Nettoschulden.

Wegen zweier Zeilen, die den Mittelzufluss nicht mindern, das Ergebnis aber schon: Abschreibungen von 757,2 Millionen US-Dollar und Zinsen von 265,4 Millionen im Jahr 2025. Die Abschreibung entfällt zu 97 Prozent auf gekaufte immaterielle Werte (735,3 Millionen); auf Sachanlagen entfielen nur 21,9 Millionen. Aus einem bereinigten Betriebsergebnis von 1.001,8 Millionen wurde so ein Nettoverlust von 201,1 Millionen — das vierte Verlustjahr in Folge.

Praktisch gar nicht. Das organische Wachstum — also ohne Zukäufe, Verkäufe und Währungseffekte — lag 2025 bei minus 0,1 Prozent und im ersten Quartal 2026 bei plus 0,6 Prozent, wobei die Währung dort 2,2 Prozentpunkte beisteuerte. Der Abo-Kern wuchs organisch um 0,8 Prozent (2025) beziehungsweise 1,7 Prozent (Q1 2026), das Transaktionsgeschäft fiel 2025 um 16,9 Prozent. Die jährliche Erneuerungsquote liegt laut Geschäftsbericht über 90 Prozent.

Zum 31. März 2026 standen 1.566,6 Millionen US-Dollar Firmenwert und 7.863,7 Millionen immaterielle Werte in den Büchern — zusammen 9.430,3 Millionen oder 86 Prozent der Bilanzsumme und das Doppelte des Eigenkapitals von 4.788,8 Millionen. Sachanlagen machen nur 50,9 Millionen aus. Von 2023 bis 2025 wurden bereits 1.535,6 Millionen abgeschrieben, davon 465,7 Millionen im Jahr 2024 ausdrücklich wegen des gefallenen eigenen Aktienkurses.

Nein. Die 14,4 Millionen Pflichtwandel-Vorzugsaktien mit einem Buchwert von 1.392,6 Millionen US-Dollar wurden 2024 vollständig in 55,3 Millionen Stammaktien gewandelt. Die Vorzugsdividende betrug zuletzt 75,4 Millionen (2023) und 31,3 Millionen (2024) und ist seit 2025 null. Zum 31. März 2026 sind 639.216.510 Stammaktien ohne Nennwert im Umlauf — eine einzige Gattung, ohne offene Umwandlungsrechte.

Am 3. Juli 2026 vereinbarten Tochtergesellschaften von Clarivate den Verkauf des gesamten Segments Life Sciences & Healthcare an eine Beteiligung von Altaris LLC. Der Gesamtpreis beträgt 600 Millionen US-Dollar: 500 Millionen bar bei Vollzug, 25 Millionen gestundet bis spätestens 31. Januar 2028 und 75 Millionen als unbesicherte Schuldverschreibung einer Käufer-Tochter. Das Segment setzte 2025 389,8 Millionen um. Die Zustimmung der Aktionäre ist nicht erforderlich; der Vollzug wird bis Ende 2026 erwartet.

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