BP schüttete 2025 rund 9,6 Milliarden Dollar aus — verdient hat der Konzern 55 Millionen
bp gilt als der Inbegriff der sicheren Dividendenaktie: ein Weltkonzern, 189 Milliarden US-Dollar Umsatz, seit Jahrzehnten eine Ausschüttung. Der Jahresbericht für 2025 (Form 20-F) zeigt daneben eine zweite Zahl: 55 Millionen US-Dollar Konzernergebnis für die bp-Aktionäre — zwei Cent je Hinterlegungsschein. Im selben Jahr flossen 5,1 Milliarden Dividende und 4,5 Milliarden Aktienrückkäufe ab. Und dann dreht 2026 alles: 7,753 Milliarden Halbjahresgewinn, eine neue Chefin, ein abberufener Aufsichtsratschef. Wir haben Jahres- und Halbjahresbericht selbst gelesen und zeigen dir, wo der Gewinn in den Vorjahren verschwunden ist und wer bei bp in der Reihe vor dir steht.
Stand heute
Stand: 5. Oktober 2026
- Schlusskurs
- 44,60 $ -0,40 %
- Marktkapitalisierung
- 114,9 Mrd. $
- KGV
- 21,3
- Wachstums-Score
- 3/10
- AAQS
- 3/10
Kursentwicklung seit 14. August 2026: +4,9 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 32,80 $ bis 47,60 $ · Letzter Kurs: 44,60 $ (Stand: 5. Oktober 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Die Dividendenfalle
Es gibt eine Sorte Aktie, bei der das Nachdenken oft schon aufhört, bevor es angefangen hat. Ein Weltkonzern, den jeder kennt, eine Ausschüttung, die es gefühlt seit immer gibt, und eine Rendite, die deutlich über dem Sparbuch liegt. Das fühlt sich nicht nach Risiko an, sondern nach Rente.
Genau das ist die Dividendenfalle: Wir verwechseln regelmäßig mit verdient. Eine Ausschüttung ist ein Beschluss des Vorstands, kein Naturgesetz. Sie kann aus dem Gewinn kommen, aus der Kasse, aus dem Verkauf von Firmenteilen oder aus neuen Schulden — dem Überweisungsträger sieht man das nicht an.
Machen wir also einen Deal. Ich zeige dir, was in den Originalberichten von bp an die US-Börsenaufsicht SEC steht — im Jahresbericht für 2025 und im Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2026 — und du entscheidest danach selbst, ob das Sicherheitsgefühl trägt. Das Spannungsfeld, das uns durch den ganzen Text begleitet, lautet: Die Kasse von bp stimmt seit Jahren. Die Gewinn- und Verlustrechnung tat es zwei Jahre lang nicht.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2016
Vergleich mit den USA und fünf Golfstaaten
Der Vergleich legt Zahlungen über sieben und acht Jahre fest. Für Aktionäre heißt das: ein fester Abfluss von rund einer Milliarde Dollar im Jahr, unabhängig vom Ölpreis.
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2022
Rosneft-Beteiligung auf null gesetzt
Seit dem ersten Quartal 2022 steht das Russlandgeschäft mit Buchwert null in den Büchern. Der Anteil ist nicht verkäuflich, Dividenden werden nicht als Ertrag erfasst.
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2023
Rekordergebnis von 15.239 Millionen Dollar
5,27 US-Dollar je Hinterlegungsschein — mehr als die bereinigte Rechnung auswies. Es blieb der letzte Jahrgang, in dem das ausgewiesene Ergebnis über dem bereinigten lag.
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2024
Ergebnis bricht auf 381 Millionen Dollar ein
5.633 Mio. US-Dollar Wertberichtigungen zehren das Ergebnis auf. Ausgeschüttet wurden trotzdem 5,0 Mrd. Dividende und 7,1 Mrd. Aktienrückkäufe.
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2025
Castrol-Verkauf und Führungswechsel
Im Dezember 2025 tritt der Vorstandschef ab und 65 Prozent an Castrol gehen für rund 6 Mrd. Dollar Nettoerlös an Stonepeak. Das Geld ist zur Schuldentilgung bestimmt, nicht zur Ausschüttung.
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2026
Rückkäufe gestrichen, Chair abberufen, Gewinn springt
Februar: Rückkäufe ausgesetzt. Mai: Verwaltungsratschef abberufen. August: 7.753 Mio. Dollar Halbjahresgewinn. Für Aktionäre ein Jahr zwischen Aufräumen und Rückenwind.
Was bp eigentlich macht
bp ist ein integrierter Energiekonzern. „Integriert“ heißt: Der Konzern begleitet ein Fass Öl oder eine Ladung Gas vom Bohrloch bis zur Zapfsäule. Er sucht und fördert (Upstream), er verarbeitet in eigenen Raffinerien, er handelt an den Weltmärkten, und er verkauft am Ende an Tankstellen, an Fluglinien und an Industriekunden.
Berichtet wird bis Ende 2026 in drei Segmenten. Gas & low carbon energy steht für Erdgas, Flüssiggas (LNG) und die verbliebenen Erneuerbaren-Beteiligungen. Oil production & operations ist das klassische Ölfördergeschäft. Customers & products bündelt Raffinerien, Tankstellen, das Schmierstoffgeschäft Castrol und den Handel. Den am 9. Juni 2026 angekündigten Umbau auf die schlichte Gliederung in Upstream und Downstream hat bp im Juli 2026 organisatorisch vollzogen; die Segmentberichterstattung bleibt laut Zwischenbericht vom 4. August 2026 bis zum 31. Dezember 2026 unverändert und wechselt erst zum Geschäftsjahr 2027.
Die Größenordnung: 189.335 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr 2025, 93.700 Beschäftigte zum 31. Dezember 2025 (2024: 100.500), eine Förderung von 2.312 Tausend Barrel Öläquivalent je Tag im Jahr 2025. Wenn eine Firma dieser Größe ins Rutschen kommt, merkt man es nicht am Umsatz — der bleibt. Man merkt es weiter unten in der Rechnung.
Ein Wort zu den Zahlen, das man bei bp nicht überspringen darf: Es gibt drei Währungsebenen. Die Stammaktie notiert in London, dort werden Beträge je Aktie in Pence gerechnet. An der New Yorker Börse wird ein Hinterlegungsschein gehandelt, ein American Depositary Share (ADS), und ein ADS verbrieft sechs Stammaktien. Bilanziert und berichtet wird aber in US-Dollar — der Jahresbericht nennt den Dollar ausdrücklich „the economic currency of bp“. Alle Zahlen in dieser Analyse sind deshalb US-Dollar, und jede Angabe je Anteil sagt dazu, ob sie sich auf eine Stammaktie oder auf ein ADS bezieht.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Nicht über einen Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern über den Meldekalender bei der US-Börsenaufsicht. bp ist dort ein ausländischer Emittent: Der Konzern reicht keinen US-Geschäftsbericht (10-K) und keinen Quartalsbericht (10-Q) ein, sondern einen Jahresbericht ausländischer Emittenten (Form 20-F) und laufend Pflichtmeldungen (Form 6-K). Am 4. August 2026 kam der Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2026 herein — und darin sprang eine Zahl heraus: 7.753 Millionen US-Dollar Ergebnis für die bp-Aktionäre nach 2.316 Millionen im Vorjahreszeitraum. Ein Plus von 235 Prozent.
Wenn eine solche Zahl bei einem Konzern dieser Größe innerhalb eines Jahres auf mehr als das Dreifache springt, ist die erste Frage nie „wie schön“, sondern „warum war sie vorher so niedrig?“. Genau diese Frage arbeiten wir hier ab.
Was unsere eigenen Kennzahlen dazu sagen (Datenstand 15. August 2026): Der hauseigene Aktien-Scanner rechnet für bp einen Piotroski-F-Score von 7 von 9 — das ist ein Punktesystem für Bilanzqualität, und 7 ist ordentlich, aber nicht makellos; eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Der Altman-Z-Wert liegt bei 1,35. Diese Kennzahl misst Insolvenznähe und wurde ursprünglich für Industriebetriebe gebaut; bei kapitalschweren Energiekonzernen mit riesiger Bilanzsumme fällt sie systematisch niedrig aus. Man sollte sie hier als Hinweis lesen, nicht als Urteil — die Zinsdeckung liegt bei rund 3, und der operative Mittelzufluss lag allein im ersten Halbjahr 2026 bei 13.718 Millionen US-Dollar.
Die Zahlen über die Jahre — und was 2026 daran ändert
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt: bp verdient Geld. Nicht Gewinn im Sinne der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern Bargeld. 2025 flossen 24,5 Milliarden US-Dollar aus dem operativen Geschäft zu, im ersten Halbjahr 2026 waren es 13.718 Millionen US-Dollar. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (Adjusted EBITDA) lag 2025 bei 37.615 Millionen US-Dollar. Ein Konzern, der so viel Geld durch die Kasse schiebt, geht nicht über Nacht unter.
Und jetzt die andere Seite. Der Jahresbericht 2025 stellt in seiner Übersichtstabelle drei Jahre nebeneinander. Umsatz: 210.130, 189.185 und 189.335 Millionen US-Dollar für 2023, 2024 und 2025. Ergebnis für die bp-Aktionäre: 15.239, dann 381, dann 55 Millionen US-Dollar. Je Hinterlegungsschein sind das 5,27, dann 0,14, dann 0,02 US-Dollar.
Der Konzern selbst rechnet daneben eine bereinigte Größe, den underlying replacement cost profit. Sie klammert Lagerwertänderungen und Sondereffekte aus und zeigt, was das Geschäft ohne diese Ausschläge verdient hätte: 4,78, 3,26 und 2,88 US-Dollar je ADS. Das ist eine konzerneigene Kennzahl, keine Vorschrift — aber der Abstand zwischen den beiden Linien ist die eigentliche Geschichte.
2026 sieht die Welt anders aus. Im ersten Halbjahr stiegen die Umsatzerlöse auf 121.360 Millionen US-Dollar (Vorjahreszeitraum: 93.532 Millionen), das Ergebnis für die Aktionäre auf 7.753 Millionen und der operative Mittelzufluss auf 13.718 Millionen. Gleichzeitig sanken die Investitionen leicht auf 6.376 Millionen US-Dollar.
Woher kommt der Sprung? Der Bericht nennt es selbst: deutlich höhere realisierte Raffineriemargen, höhere Erlöse für Flüssigkeiten und ein spürbar besseres Handelsergebnis im Öl. Das sind Marktbedingungen. Ein Konzern kann sie nutzen oder verpassen — herbeiführen kann er sie nicht. Merke dir diesen Satz für das Fazit: Ein starkes Halbjahr in einem starken Markt ist noch kein Beweis, dass sich die Firma geändert hat.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Drei Jahre, drei Mal über fünf Milliarden abgeschrieben
Wenn ein Unternehmen feststellt, dass ein Kraftwerk, ein Ölfeld oder eine zugekaufte Firma weniger wert ist als in den Büchern steht, muss es den Buchwert senken. Das nennt sich Wertberichtigung — im Alltagsbild: Du hast ein Auto für 30.000 Euro gekauft, es steht noch mit 30.000 in deiner Vermögensaufstellung, und irgendwann musst du zugeben, dass es nur noch 12.000 bringt. Die Differenz landet in der Ergebnisrechnung.
Bei bp steht diese Zeile im Anhang des Jahresberichts 2025 so: 5.529 Millionen US-Dollar Wertberichtigungen im Jahr 2025, 5.633 Millionen im Jahr 2024, 5.747 Millionen im Jahr 2023. Drei Jahre in Folge über 5,5 Milliarden, zusammen fast 17 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das gesamte den bp-Aktionären zurechenbare Eigenkapital lag zum 31. Dezember 2025 bei 53.052 Millionen US-Dollar.
Den größten Anteil trug 2025 ausgerechnet das Segment, das die Zukunft sein sollte: 4.146 Millionen US-Dollar Wertberichtigungen entfielen auf gas & low carbon energy. Allein 2.009 Millionen US-Dollar davon waren Abschreibungen auf den Firmenwert der Transformationsgeschäfte. Der Bericht nennt als Hauptbetroffene das Solarunternehmen Lightsource bp und den Biogasanbieter Archaea Energy. Am 4. August 2026 teilte bp mit, Archaea Energy nun zum Verkauf zu stellen.
Die neue Vorstandschefin Meg O'Neill, seit dem 1. April 2026 im Amt, formuliert es in ihrem ersten vollständigen Quartalsbericht selbst — ungewöhnlich offen für ein Dokument, das unter Strafandrohung wahrheitsgemäß sein muss:
„However, we are not making the most of our potential. Our performance over the past few years has not met our own expectations, let alone those of our shareholders. We have not delivered consistently; we have written off too much value; and our costs and liabilities are not resilient enough in a low price environment.“
Übersetzung: „Wir schöpfen unser Potenzial jedoch nicht aus. Unsere Leistung der vergangenen Jahre hat weder unsere eigenen Erwartungen erfüllt noch die unserer Aktionäre. Wir haben nicht verlässlich geliefert; wir haben zu viel Wert abgeschrieben; und unsere Kosten und Verbindlichkeiten sind in einem Umfeld niedriger Preise nicht widerstandsfähig genug.“
— bp p.l.c., Zwischenbericht auf Formular 6-K zum 30. Juni 2026, eingereicht am 4. August 2026
Eine Fußnote gehört noch dazu, weil sie zeigt, wie lange Fehler in einer solchen Bilanz nachhallen. Die Beteiligung an dem russischen Ölkonzern Rosneft und die übrigen Russlandgeschäfte führt bp seit dem ersten Quartal 2022 unter den Finanzanlagen — mit einem Buchwert von null. Der Anhang begründet das damit, dass die Anteile an der Moskauer Börse nicht verkäuflich sind und sich keine belastbare Bewertung ermitteln lässt. Dividenden aus Russland hat bp für 2023, 2024 und 2025 nicht als Ertrag erfasst.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: In der Reihe stehst du hinten
Aktionäre stehen in der Reihe der Ansprüche ganz am Ende. Erst kommen Lieferanten, Steuern und Zinsen, dann Anleihegläubiger — und bei bp gibt es dazwischen noch eine Schicht, die viele übersehen: Hybridkapital. Das sind unbefristete nachrangige Anleihen, die bilanziell als Eigenkapital gelten, aber laufend Ausschüttungen kosten. Im Alltagsbild: Es ist ein stiller Teilhaber, der jedes Jahr seinen Anteil bekommt, bevor du an der Reihe bist.
Die Zahlen aus dem Anhang Nr. 32 des Jahresberichts 2025: Den Hybridanleihen wurden 2025 640 Millionen US-Dollar Ergebnis zugerechnet und 644 Millionen ausgezahlt, den Hybridwertpapieren weitere 159 Millionen zugerechnet und 158 Millionen ausgezahlt. In der Gewinn- und Verlustrechnung erscheint der gesamte Anteil nicht beherrschender Gesellschafter mit 1.240 Millionen US-Dollar. Für die bp-Aktionäre blieben 55 Millionen.
Lies diese beiden Zahlen noch einmal nebeneinander: 1.240 zu 55. Das ist keine Fußnote, das ist die Rangfolge in Reinform.
bp arbeitet daran. Zum 31. Dezember 2025 lagen 16,0 Milliarden US-Dollar Hybridkapital in den Büchern. Am 22. Juni 2026 zahlte der Konzern 2,9 Milliarden US-Dollar, um Hybridanleihen über 2,5 Milliarden Euro abzulösen; zum 30. Juni 2026 waren es noch rund 13,0 Milliarden US-Dollar innerhalb der 17.992 Millionen an nicht beherrschenden Anteilen. Im dritten Quartal 2026 soll eine weitere Milliarde folgen. Jeder dieser Schritte verkürzt die Schlange vor dir — und kostet zunächst Bargeld.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Sechzehn Jahre nach der Ölkatastrophe zahlt bp immer noch
Im Anhang Nr. 22 des Jahresberichts 2025 steht eine Zeile, die man in einer Bilanz des Jahres 2026 nicht mehr erwartet: Payables related to the Gulf of America oil spill — Verbindlichkeiten aus der Ölkatastrophe im Golf. Zum 31. Dezember 2025 sind das 1.520 Millionen US-Dollar kurzfristig und 5.735 Millionen langfristig, zusammen 7.255 Millionen US-Dollar. Das entspricht rund 14 Prozent des den bp-Aktionären zurechenbaren Eigenkapitals.
Und es ist kein Buchhaltungsposten, der irgendwo schlummert. Im operativen Mittelzufluss von 2025 steckt ein Abfluss von 1.169 Millionen US-Dollar für diesen Zweck (2024: 1.192 Millionen, 2023: 1.280 Millionen). Für 2026 nennt bp rund 1,6 Milliarden US-Dollar vor Steuern, davon 0,4 Milliarden im ersten und 1,1 Milliarden im zweiten Quartal bereits gezahlt.
Wer den freien Mittelzufluss von bp gegen die Dividende rechnet, muss diesen Posten kennen: Rund eine Milliarde US-Dollar im Jahr fließen an Verpflichtungen ab, die mit dem heutigen Geschäft nichts mehr zu tun haben. Genau darin ähnelt bp anderen Ölkonzernen mit langer Geschichte — bei einem reinen Förderer wie in unserer Analyse zu APA Corporation stehen an dieser Stelle Rückbauverpflichtungen für alte Bohrlöcher.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Aktienrückkäufe sind gestrichen
Ein Aktienrückkauf ist die stille Schwester der Dividende: Die Firma kauft eigene Aktien vom Markt und vernichtet sie, wodurch dein Anteil am Unternehmen ohne dein Zutun größer wird. bp hat davon jahrelang reichlich Gebrauch gemacht — 2024 für 7,1 Milliarden US-Dollar, 2025 noch für 4,5 Milliarden, jeweils einschließlich Gebühren und Stempelsteuer.
Damit ist Schluss. Bei der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal 2025 im Februar 2026 hat der Vorstand die Rückkäufe ausgesetzt:
„At the fourth quarter 2025 results in February 2026, the board decided to suspend share buybacks; excess cash is now fully allocated to the balance sheet, in service of optimizing financing costs and strengthening the balance sheet.“
Übersetzung: „Bei den Zahlen zum vierten Quartal 2025 im Februar 2026 hat der Vorstand beschlossen, die Aktienrückkäufe auszusetzen; überschüssige Liquidität wird nun vollständig der Bilanz zugewiesen, um die Finanzierungskosten zu optimieren und die Bilanz zu stärken.“
— bp p.l.c., Jahresbericht ausländischer Emittenten auf Formular 20-F für 2025, Kapitel „Liquidity and capital resources“
Die Dividende steht dagegen: 2025 wurden 32,640 Cent je Stammaktie ausgeschüttet, in Summe 5,1 Milliarden US-Dollar. Für das zweite Quartal 2026 hat bp am 4. August 2026 eine Zwischendividende von 8,660 Cent je Stammaktie angekündigt, zahlbar am 18. September 2026 — das sind 0,5196 US-Dollar je ADS. Der Konzern stellt in Aussicht, die Dividende je Stammaktie jährlich um mindestens 4 Prozent zu erhöhen, ausdrücklich vorbehaltlich des Vorstandsermessens.
Das Ziel dahinter: Die Nettoverschuldung soll bis Ende 2027 auf 14 bis 18 Milliarden US-Dollar sinken. Zum 30. Juni 2026 lag sie bei 22.251 Millionen US-Dollar — praktisch unverändert gegenüber den 22.182 Millionen zum 31. Dezember 2025, trotz des starken Halbjahres. Rechnet man Hybridkapital, Leasingverbindlichkeiten und die Golf-Verpflichtungen hinzu, summierte sich der Block zum Jahresende 2025 auf 57,8 Milliarden US-Dollar; im zweiten Quartal 2026 sank diese Summe laut Vorstandschefin um mehr als 11 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Zwei Chefs und ein abberufener Aufsichtsratschef in acht Monaten
Governance klingt nach trockenem Verwaltungsdeutsch. In Wahrheit ist es die Frage, ob die Leute an der Spitze das Unternehmen im Griff haben — und wie ruhig ein Konzern arbeiten kann, während oben die Stühle wackeln. Bei bp sah der Zeitraum zwischen September 2025 und August 2026 so aus:
- Albert Manifold wird zum 1. September 2025 in den Verwaltungsrat berufen und übernimmt zum 1. Oktober 2025 den Vorsitz.
- Vorstandschef Murray Auchincloss tritt im Dezember 2025 nach mehr als drei Jahrzehnten bei bp zurück; Carol Howle übernimmt ab dem 18. Dezember 2025 kommissarisch.
- Meg O'Neill wird im Dezember 2025 zur Vorstandschefin berufen und tritt das Amt am 1. April 2026 an.
- Am 26. Mai 2026 wird der erst acht Monate amtierende Verwaltungsratsvorsitzende Albert Manifold mit sofortiger Wirkung abberufen. Ian Tyler übernimmt kommissarisch.
- Zum 1. August 2026 werden die Ausschüsse neu besetzt; am 31. Juli 2026 bestätigt bp nach einer förmlichen Ausschreibung Deloitte LLP als Abschlussprüfer ab dem Geschäftsjahr 2028, vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung 2027.
Der Wortlaut der Abberufung ist ungewöhnlich deutlich:
„The Board of BP p.l.c. (LSE and NYSE: bp) (‚bp‘) announces that it has today unanimously decided that Albert Manifold should no longer serve as Chair and Director with immediate effect. This follows serious concerns raised to the Board related to important governance standards, oversight and conduct.“
Übersetzung: „Der Verwaltungsrat der BP p.l.c. (LSE und NYSE: bp) gibt bekannt, dass er heute einstimmig entschieden hat, dass Albert Manifold mit sofortiger Wirkung nicht länger als Vorsitzender und Direktor tätig sein soll. Dem gingen schwerwiegende Bedenken voraus, die dem Verwaltungsrat gegenüber im Zusammenhang mit wichtigen Standards der Unternehmensführung, der Aufsicht und des Verhaltens geäußert wurden.“
— bp p.l.c., Pflichtmitteilung auf Formular 6-K vom 26. Mai 2026
Zur Ehrlichkeit gehört die andere Lesart: Ein Verwaltungsrat, der seinen eigenen Vorsitzenden binnen acht Monaten einstimmig abberuft, funktioniert. Das ist keine vertuschte Geschichte, sondern eine öffentlich gemachte. Nur ruhig ist es eben nicht.
Ein zweiter Befund passt dazu, und er betrifft den Betrieb, nicht die Bürotür: Die Zahl der Prozesssicherheitsereignisse der Stufen 1 und 2 stieg im zweiten Quartal 2026 auf 18 nach 5 im Vorjahresquartal; im gesamten ersten Halbjahr waren es 25 nach 15. Die Anlagenverfügbarkeit im Fördergeschäft fiel im zweiten Quartal auf 92,4 Prozent nach 96,8 Prozent im Vorjahresquartal. Der Bericht nennt geplante Wartung und den Konflikt im Nahen Osten als Gründe und schreibt selbst, man habe „mehr zu tun“, um verlässlich zu arbeiten.
Was die Aktie kostet
Größenordnungen statt Tagespreise. Zum Datenstand 15. August 2026 kommt bp auf einen Börsenwert von rund 109,5 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Umsatz der vergangenen zwölf Monate ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,5 — bezogen auf den Jahresumsatz 2025 von 189.335 Millionen US-Dollar wären es rund 0,6. Ölkonzerne sind traditionell umsatzstark und margenschwach, hohe Werte wären hier ungewöhnlich.
Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird es interessant. Auf Basis der letzten zwölf Monate bis zum 30. Juni 2026 liegt es bei rund 20 — das klingt nach teuer. Rechnet man dagegen mit den Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate, kommt man auf rund 7,5. Beide Zahlen sind richtig und beide sind irreführend, denn sie beschreiben zwei völlig verschiedene Halbjahre: eines mit Milliardenabschreibungen, eines mit starken Raffineriemargen. Belastbarer ist das Verhältnis von Unternehmenswert zum bereinigten Betriebsergebnis vor Abschreibungen von rund 3,6 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,9.
Die Dividende: Für das zweite Quartal 2026 sind 0,5196 US-Dollar je ADS angekündigt. Schreibt man das auf vier Quartale fort, sind das rund 2,08 US-Dollar je ADS — bezogen auf den Schlusskurs von 42,53 US-Dollar am 14. August 2026 knapp 4,9 Prozent. Diese Fortschreibung ist unsere eigene Rechnung, keine Zusage des Unternehmens; über jede Quartalsdividende entscheidet der Vorstand neu.
Der Blick der Profis: 17 Analystenstimmen liegen vor (Datenstand 15. August 2026), davon 4 mit der stärksten Kaufempfehlung, 4 mit Kaufen, 9 mit Halten und keine mit Verkaufen. Das mittlere Kursziel liegt bei 47,60 US-Dollar. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 31,12 bis 47,14 US-Dollar. Übersetzt: Die Profis sind wohlwollend, aber nicht euphorisch — die Mehrheit sitzt auf „Halten“.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für bp spricht
- Enorme Barmittelkraft: 13.718 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss allein im ersten Halbjahr 2026, 24,5 Milliarden im Gesamtjahr 2025.
- Der Umbau läuft und ist beziffert: Verkauf von 65 Prozent an Castrol zu einem Unternehmenswert von 10,1 Milliarden US-Dollar mit rund 6,0 Milliarden Nettoerlös, am 31. Juli 2026 vollzogener Verkauf der Raffinerie Gelsenkirchen an die Klesch Group, Verkaufsabsichten für das britische Nordseegeschäft und für Archaea Energy. Für 2026 erwartet bp 8 bis 9 Milliarden US-Dollar Desinvestitionserlöse.
- Das Sparziel wurde nach der Castrol-Entscheidung angehoben: von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar (Ziel des Kapitalmarkttags im Februar 2025) auf 5,5 bis 6,5 Milliarden strukturelle Kostensenkung bis Ende 2027. Erreicht waren davon zum 30. Juni 2026 kumuliert 3.543 Millionen US-Dollar seit 2023 (31. Dezember 2025: 2,8 Milliarden).
- Die Bilanz wird entlastet: 2,9 Milliarden US-Dollar Hybridrückzahlung im Juni 2026, eine weitere Milliarde für das dritte Quartal 2026 angekündigt.
- Solide Dividendenhistorie mit angekündigtem Wachstumspfad von mindestens 4 Prozent je Stammaktie und Jahr.
Was dagegen spricht
- Die Ergebnisqualität war drei Jahre lang schlecht: 5.747, 5.633 und 5.529 Millionen US-Dollar Wertberichtigungen in 2023, 2024 und 2025 haben das Ergebnis für die Aktionäre auf 55 Millionen (2025) gedrückt.
- Der Sprung im ersten Halbjahr 2026 kommt überwiegend aus Marktbedingungen — höhere Raffineriemargen, höhere Erlöse, besseres Handelsergebnis —, nicht aus einer bewiesenen Verbesserung des Betriebs.
- Vor den Aktionären steht Hybridkapital: 1.240 Millionen US-Dollar Ergebnisanteil für nicht beherrschende Gesellschafter im Jahr 2025 gegen 55 Millionen für die Aktionäre.
- 7.255 Millionen US-Dollar Zahlungsverpflichtungen aus der Ölkatastrophe im Golf zum 31. Dezember 2025, mit rund 1,6 Milliarden geplantem Abfluss allein im Jahr 2026.
- Die Aktienrückkäufe sind seit Februar 2026 ausgesetzt; die Nettoverschuldung lag zum 30. Juni 2026 mit 22.251 Millionen US-Dollar noch deutlich über dem Ziel von 14 bis 18 Milliarden bis Ende 2027.
- Unruhe an der Spitze und im Betrieb: abberufener Verwaltungsratsvorsitzender im Mai 2026, Vorstandswechsel im Dezember 2025, 18 Prozesssicherheitsereignisse der Stufen 1 und 2 im zweiten Quartal 2026 nach 5 im Vorjahresquartal.
- Das Ergebnis hängt an Öl- und Gaspreisen sowie an Raffineriemargen, die niemand im Konzern steuert.
Ein menschliches Fazit
Am Anfang stand die Dividendenfalle: das Gefühl, dass eine regelmäßige Ausschüttung dasselbe sei wie ein verlässlicher Gewinn. Bei bp sind das zwei verschiedene Dinge gewesen — und man konnte es sehen, wenn man den Anhang aufgeschlagen hat. 2025 flossen rund 9,6 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre, während in der Gewinn- und Verlustrechnung 55 Millionen für sie übrig blieben. Bezahlt wurde das aus der Kasse, nicht aus dem Gewinn.
Das ist nicht automatisch falsch. Ein Konzern wie bp kann Abschreibungen verdauen, weil sie kein Geld kosten — sie korrigieren nur die Buchwerte alter Entscheidungen. Aber es ist eben auch nicht der sichere Rentenschein, für den viele diese Aktie halten. Der Sicherheitsanker liegt nicht im Wort „bp“, sondern in den Zahlungsströmen — und die hängen an Ölpreisen, Raffineriemargen und daran, ob der eingeleitete Umbau am Ende Geld einbringt.
Das erste Halbjahr 2026 war stark, das ist keine Kleinigkeit. Ob daraus ein Trend wird, entscheidet sich nicht im nächsten Quartalsbericht, sondern daran, ob die Wertberichtigungen aufhören, ob die Nettoverschuldung tatsächlich in Richtung 14 bis 18 Milliarden US-Dollar sinkt und ob es an der Spitze wieder ruhig wird. Ein starkes Halbjahr in einem starken Markt ist noch kein Beweis, dass sich die Firma geändert hat — dieser Satz von vorhin gilt bis zum Gegenbeweis.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Wenn dich interessiert, wie dieselbe Frage — Ausschüttung gegen Substanz — bei einem viel kleineren Energieunternehmen aussieht, findest du sie in unserer Analyse zu Petrolina Holdings.
Quellen und Hinweis
- Jahresbericht ausländischer Emittenten (Form 20-F) für 2025, BP p.l.c., eingereicht am 6. März 2026 (Zugangsnummer 0000313807-26-000006)
- Zwischenbericht (Form 6-K) zum 30. Juni 2026, eingereicht am 4. August 2026 — jüngster Periodenbericht
- Handelsmitteilung zum zweiten Quartal 2026 (Form 6-K) vom 14. Juli 2026
- Pflichtmitteilung „bp Chair removed“ (Form 6-K) vom 26. Mai 2026
- Pflichtmitteilung „Conclusion of Audit Tender Process“ (Form 6-K) vom 31. Juli 2026
- Pflichtmitteilung zur Ausschussbesetzung (Form 6-K) vom 31. Juli 2026
- Pflichtmitteilung zum Verkauf der Raffinerie Gelsenkirchen (Form 6-K) vom 19. März 2026
- Pflichtmitteilung zum Verkauf von 65 Prozent an Castrol (Form 6-K) vom 29. Dezember 2025
- Einreichungsübersicht der BP p.l.c. bei der SEC (CIK 0000313807)
- Investorenbereich von bp (Finanzkalender, Berichte, Dividendeninformationen)
- Kurse, Börsenwert, Bewertungsvielfache, Analystenlage und Scanner-Kennzahlen: Fundamentaldaten, Datenstand 15. August 2026 (Schlusskurs vom 14. August 2026)
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien von Rohstoff- und Energiekonzernen schwanken mit Preisen, die niemand vorhersagen kann; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Wer über die NYSE einen Hinterlegungsschein (ADS) kauft, trägt zusätzlich ein Währungsrisiko zwischen Euro und US-Dollar sowie Verwahrgebühren der Depotbank. Alle Zahlen sind mit ihrem jeweiligen Stichtag genannt und können sich seither geändert haben. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 157.739,0 | 241.392,0 | 210.130,0 | 189.185,0 | 189.335,0 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 10.672,0 | 41.447,0 | 31.049,0 | 12.848,0 | 15.465,0 |
| Nettogewinn | 7.565,0 | -2.487,0 | 15.239,0 | 381,0 | 55,0 |
| Nettomarge | 4,8 % | -1,0 % | 7,3 % | 0,2 % | 0,0 % |
| Gewinn je Aktie | 2,24 $ | -0,79 $ | 5,15 $ | 0,14 $ | 0,02 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Barmittelkraft positiv
- Der operative Mittelzufluss lag 2025 bei 24,5 Milliarden US-Dollar und im ersten Halbjahr 2026 bei 13.718 Millionen US-Dollar nach 9.105 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Adjusted EBITDA) betrug 2025 37.615 Millionen US-Dollar. Zum 30. Juni 2026 lagen 37.168 Millionen US-Dollar Zahlungsmittel in der Bilanz.
- Ergebnisqualität negativ
- Wertberichtigungen von 5.747, 5.633 und 5.529 Millionen US-Dollar in den Jahren 2023, 2024 und 2025 haben das Ergebnis für die bp-Aktionäre von 15.239 auf 381 und dann 55 Millionen US-Dollar gedrückt. Der effektive Steuersatz lag 2025 bei 83 Prozent. Die Vorstandschefin schreibt im Zwischenbericht vom 4. August 2026 selbst, der Konzern habe zu viel Wert abgeschrieben.
- Bilanz und Verschuldung neutral
- Zum 30. Juni 2026 stehen 58.337 Millionen US-Dollar Finanzschulden 37.168 Millionen Zahlungsmitteln gegenüber; die Nettoverschuldung liegt bei 22.251 Millionen und damit fast unverändert zum 31. Dezember 2025 (22.182 Millionen). Das Ziel lautet 14 bis 18 Milliarden US-Dollar bis Ende 2027. Rechnet man Hybridkapital, Leasing und die Golf-Verpflichtungen hinzu, summierte sich der Block Ende 2025 auf 57,8 Milliarden US-Dollar.
- Rangfolge der Ansprüche negativ
- Den nicht beherrschenden Gesellschaftern wurden 2025 insgesamt 1.240 Millionen US-Dollar Ergebnis zugerechnet, davon 799 Millionen den Hybridgläubigern — den bp-Aktionären blieben 55 Millionen. Zum 30. Juni 2026 steckten noch rund 13,0 Milliarden US-Dollar Hybridkapital in den 17.992 Millionen an nicht beherrschenden Anteilen.
- Umbau und Portfolio positiv
- Der Verkauf von 65 Prozent an Castrol (Unternehmenswert 10,1 Milliarden US-Dollar, rund 6,0 Milliarden Nettoerlös, angekündigt am 24. Dezember 2025) ist unterzeichnet, der Verkauf der Raffinerie Gelsenkirchen an die Klesch Group (angekündigt am 19. März 2026) am 31. Juli 2026 vollzogen; für das britische Nordseegeschäft und Archaea Energy laufen Verkaufsprozesse. Das strukturelle Sparziel wurde nach der Castrol-Entscheidung von 4 bis 5 auf 5,5 bis 6,5 Milliarden US-Dollar bis Ende 2027 angehoben; erreicht waren zum 30. Juni 2026 kumuliert 3.543 Millionen US-Dollar seit 2023.
- Führung und Betrieb negativ
- Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 wechselte der Vorstandsvorsitz zweimal, und der erst seit Oktober 2025 amtierende Verwaltungsratsvorsitzende wurde am 26. Mai 2026 einstimmig abberufen — laut Pflichtmitteilung wegen schwerwiegender Bedenken zu Standards der Unternehmensführung, der Aufsicht und des Verhaltens. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Prozesssicherheitsereignisse der Stufen 1 und 2 auf 18 nach 5 im Vorjahresquartal.
bp erwirtschaftet weiterhin gewaltige Mittelzuflüsse — 13.718 Millionen US-Dollar allein im ersten Halbjahr 2026 — und hat im ersten Halbjahr 2026 mit 7.753 Millionen US-Dollar mehr für die Aktionäre verdient als in den beiden Vorjahren zusammen. Die Kehrseite: Drei Jahre in Folge mit Wertberichtigungen über 5,5 Milliarden US-Dollar haben das ausgewiesene Ergebnis 2025 auf 55 Millionen gedrückt, vor den Aktionären steht Hybridkapital, das 2025 allein 799 Millionen zugerechnet bekam, die Rückkäufe sind seit Februar 2026 ausgesetzt, und an der Konzernspitze gab es binnen acht Monaten zwei Wechsel und eine Abberufung. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage. bp hat zum 30. Juni 2026 ein Eigenkapital der Aktionäre von 58.428 Millionen US-Dollar, 37.168 Millionen Zahlungsmittel, einen Verschuldungsgrad von 22,6 Prozent und einen operativen Mittelzufluss von 13.718 Millionen US-Dollar allein im ersten Halbjahr; die Zinsen sind mehrfach gedeckt, der Abschlussprüfer Deloitte wurde im Juli 2026 nach förmlicher Ausschreibung bestätigt, und es gibt keinen Hinweis auf eine Bestandsgefährdung. Gelb steht, weil zwei wesentliche operative Fragen offen sind. Erstens die Ergebnisqualität: In drei aufeinanderfolgenden Jahren hat bp jeweils mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar auf eigene Vermögenswerte abgeschrieben, bis vom Konzernergebnis 2025 noch 55 Millionen für die Aktionäre übrig waren — und die Vorstandschefin räumt im Bericht vom 4. August 2026 ausdrücklich ein, es sei zu viel Wert abgeschrieben worden. Ob dieser Zyklus beendet ist, ist unbewiesen. Zweitens der Umbau selbst: Der Sprung des Halbjahresergebnisses auf 7.753 Millionen US-Dollar kommt nach eigener Darstellung des Konzerns überwiegend aus höheren Raffineriemargen und Erlösen, also aus dem Marktumfeld, während die Nettoverschuldung mit 22.251 Millionen praktisch auf dem Stand vom Jahresende blieb und noch weit vom Ziel 14 bis 18 Milliarden entfernt ist. Dazu kommt die Unruhe an der Spitze: zwei Vorstandswechsel und die Abberufung des Verwaltungsratsvorsitzenden binnen acht Monaten. Dass die Aktie gemessen am Unternehmenswert zum bereinigten Betriebsergebnis mit rund 3,6 nicht teuer aussieht, ist ein Preisargument und ändert an dieser Einordnung nichts.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger dieser Analyse ist der Meldekalender ausländischer Emittenten bei der US-Börsenaufsicht SEC — konkret der bp-Zwischenbericht auf Formular 6-K vom 4. August 2026 —, nicht ein Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner. Die Scanner-Kennzahlen (Piotroski-F-Score 7 von 9, Altman-Z 1,35) sind Datenstand 15. August 2026.
- Meldeformen: bp ist bei der SEC ein ausländischer Emittent und reicht deshalb keinen Geschäftsbericht (10-K) und keine Quartalsberichte (10-Q) ein, sondern den Jahresbericht ausländischer Emittenten (Form 20-F) und laufende Pflichtmeldungen (Form 6-K). Das ist kein Mangel an Transparenz, sondern eine andere Formularfamilie.
- Währungen: Die Stammaktie notiert in London in Pence, an der NYSE wird ein American Depositary Share gehandelt, der sechs Stammaktien verbrieft; bilanziert und ausgeschüttet wird in US-Dollar. Alle Beträge dieser Analyse sind US-Dollar, alle Angaben je Anteil sind als „je Stammaktie“ oder „je ADS“ gekennzeichnet.
- Verwechslungsgefahr: Das an der NYSE unter „BP“ gehandelte Papier ist der Hinterlegungsschein, nicht die Aktie selbst. Wer in Deutschland „BP“ kauft, erwirbt in der Regel die Londoner Stammaktie in Euro — Kursvergleiche zwischen beiden Notierungen gehen nur mit dem Faktor sechs und dem jeweiligen Wechselkurs auf.
- Das Form 25-NSE vom 18. Dezember 2025 in der EDGAR-Übersicht betrifft ausschließlich zwei im Jahr 2026 fällige garantierte Anleihen, nicht die Notierung der ADS. Die ADS werden unverändert an der NYSE gehandelt; ein Form 15 (Abmeldung) liegt nicht vor.
- Nach dem Zwischenbericht vom 4. August 2026 haben wir bis zum 17. August 2026 keine weitere kursrelevante Pflichtmeldung von bp gefunden; die jüngste Einreichung ist eine Meldung über Wertpapierbestände (Form 13F-HR) vom 7. August 2026 für den Stichtag 30. Juni 2026, die zwei über die konzerneigene BP Investment Management Ltd gehaltene US-Positionen im Gesamtwert von rund 15,8 Millionen US-Dollar ausweist und nichts über das operative Geschäft aussagt.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 26. August 2026. Was sich seitdem bei BP geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Weil bp bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent geführt wird. Solche Unternehmen reichen statt des US-Geschäftsberichts (10-K) einen Jahresbericht auf Formular 20-F ein und statt der Quartalsberichte (10-Q) laufende Pflichtmeldungen auf Formular 6-K. Diese Analyse stützt sich auf den 20-F für 2025 vom 6. März 2026 und den 6-K-Zwischenbericht zum 30. Juni 2026 vom 4. August 2026.
Die Stammaktie notiert an der Londoner Börse, dort werden Beträge je Aktie in Pence gerechnet. An der New Yorker Börse wird stattdessen ein Hinterlegungsschein gehandelt, ein American Depositary Share (ADS). Ein ADS verbrieft sechs Stammaktien. Alle Dividenden- und Ergebnisangaben je ADS sind deshalb sechsmal so hoch wie je Stammaktie: 8,660 Cent je Stammaktie für das zweite Quartal 2026 entsprechen 0,5196 US-Dollar je ADS.
In US-Dollar. Der Jahresbericht 2025 bezeichnet den Dollar ausdrücklich als die wirtschaftliche Währung des Konzerns und legt auch die Dividende in Dollar fest; für die Londoner Aktionäre wird sie anschließend in Pfund umgerechnet. Für die Dividende des zweiten Quartals 2026 sollte dieser Umrechnungskurs am 8. September 2026 bekanntgegeben werden. Alle Zahlen in dieser Analyse sind deshalb US-Dollar.
Weil Wertberichtigungen das Ergebnis aufgezehrt haben. Der Anhang des Jahresberichts 2025 weist 5.529 Millionen US-Dollar Wertberichtigungen aus, davon 4.146 Millionen im Segment Gas und kohlenstoffarme Energie. Allein 2.009 Millionen entfielen auf Firmenwerte der Transformationsgeschäfte. Die konzerneigene bereinigte Rechnung kommt für 2025 auf 7.485 Millionen US-Dollar.
Ja. Für das zweite Quartal 2026 hat bp am 4. August 2026 eine Zwischendividende von 8,660 Cent je Stammaktie angekündigt, zahlbar am 18. September 2026 — das sind 0,5196 US-Dollar je ADS. 2025 wurden insgesamt 32,640 Cent je Stammaktie ausgeschüttet, in Summe 5,1 Milliarden US-Dollar. Der Konzern stellt eine jährliche Erhöhung um mindestens 4 Prozent je Stammaktie in Aussicht, vorbehaltlich des Vorstandsermessens.
Nein. Bei der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal 2025 im Februar 2026 hat der Vorstand die Rückkäufe ausgesetzt; überschüssige Liquidität geht seither vollständig in die Bilanz. 2025 hatte bp noch für 4,5 Milliarden US-Dollar eigene Aktien gekauft, 2024 für 7,1 Milliarden. Ziel ist eine Nettoverschuldung von 14 bis 18 Milliarden US-Dollar bis Ende 2027.
Zum 31. Dezember 2025 standen 7.255 Millionen US-Dollar Zahlungsverpflichtungen in der Bilanz — 1.520 Millionen kurzfristig und 5.735 Millionen langfristig. 2025 flossen dafür 1.169 Millionen US-Dollar ab, 2024 waren es 1.192 Millionen. Für 2026 rechnet bp mit rund 1,6 Milliarden US-Dollar vor Steuern, davon 0,4 Milliarden im ersten und 1,1 Milliarden im zweiten Quartal bereits gezahlt.
Seit dem ersten Quartal 2022 führt bp die Beteiligung an Rosneft und die übrigen Russlandgeschäfte unter den Finanzanlagen mit einem beizulegenden Zeitwert von null. Der Anhang des Jahresberichts 2025 begründet das damit, dass die Anteile an der Moskauer Börse nicht verkäuflich sind und sich keine belastbare Bewertung ermitteln lässt. Dividenden aus Russland hat bp für 2023, 2024 und 2025 nicht als Ertrag erfasst.
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