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Die Regierung besetzte die Mine, der Chef ging ohne ein Wort — Barrick verdiente trotzdem so viel wie nie

Die Regierung besetzte die Mine, der Chef ging ohne ein Wort — Barrick verdiente trotzdem so viel wie nie

Du kennst den Namen Barrick seit Jahren, den Ticker ABX sowieso — und genau das ist die Falle. Seit Mai 2025 heißt die Firma Barrick Mining Corporation, nicht mehr Barrick Gold. Im selben Jahr besetzte Mali eine ihrer wichtigsten Minen und kassierte drei Tonnen Gold, der Vorstandschef trat neun Monate später ohne genannten Grund zurück, und der eigene Partner Newmont warf dem Unternehmen vor, sechs Jahre lang Ressourcen aus dem gemeinsamen Bergbaubetrieb in Nevada abgezogen zu haben. Zugleich verdiente Barrick 2025 mehr als je zuvor und sitzt heute auf mehr Kasse als Schulden. Wir haben nachgelesen, was in den Berichten an die US-Börsenaufsicht wirklich steht — Formular für Formular, Zitat für Zitat. Keine Anlageberatung, nur der Blick hinter den vertrauten Namen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 28. August 2026

Schlusskurs
63,50 C$ -3,13 %
Marktkapitalisierung
104,6 Mrd. C$
KGV
11,9
Wachstums-Score
8/10
AAQS
10/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Die Regierung besetzte die Mine, der Chef ging ohne ein Wort — Barrick verdiente trotzdem so viel wie nie
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 36,20 C$ bis 71,90 C$ · Letzter Kurs: 63,50 C$ (Stand: 28. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Art von Fehler, die nichts mit Rechnen zu tun hat, sondern mit Wiedererkennen. Du siehst einen Namen, den du seit Jahren kennst — Barrick, jahrzehntelang den größten Goldkonzern der Welt, den Ticker ABX, den halbe Generationen von Anlegern im Depot hatten — und dein Gehirn sagt: kenn ich, versteh ich, ist wie immer. Verhaltensökonomen nennen das die Vertrautheitsfalle: Ein bekannter Name fühlt sich sicherer an als ein unbekannter, unabhängig davon, ob sich hinter dem Namen tatsächlich etwas verändert hat. Bei Barrick hat sich sehr viel verändert.

Seit dem 6. Mai 2025 heißt die Firma nicht mehr Barrick Gold Corporation, sondern Barrick Mining Corporation. Im selben Jahr verlor sie zeitweise die Kontrolle über eine ihrer wichtigsten Minen an die Regierung von Mali, ihr Vorstandschef trat ohne genannten Grund zurück, und ihr wichtigster Joint-Venture-Partner Newmont warf ihr vor, sechs Jahre lang zu ihren eigenen Gunsten am gemeinsamen Betrieb vorbeigewirtschaftet zu haben. Gleichzeitig verdiente Barrick 2025 mehr Geld als je zuvor in der Firmengeschichte. Wer nur den vertrauten Namen sieht, sieht keines von beidem.

Wir haben nachgelesen, was Barrick selbst — in Pressemitteilungen, die bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt sind, weil das Unternehmen dort als kanadischer „Foreign Private Issuer“ registriert ist — über diese zwölf Monate geschrieben hat. Was folgt, ist keine Kaufempfehlung, sondern der Versuch, hinter den Namen zu schauen.

Was Barrick Mining eigentlich macht — vom Goldförderer zum Gold-und-Kupferkonzern

Barrick Mining Corporation fördert Gold, Kupfer und Silber in 18 Ländern auf fünf Kontinenten. Der Konzern selbst beschreibt sich als Betreiber von sechs „Tier-One“-Goldminen weltweit — ein branchenübliches Gütesiegel für besonders große, langlebige und kostengünstige Lagerstätten — und als größter Goldproduzent der Vereinigten Staaten. Die heutige Struktur entstand 2019 aus der Fusion mit dem afrikafokussierten Konkurrenten Randgold Resources; aus dieser Fusion kam auch Mark Bristow, der bis September 2025 CEO blieb (dazu mehr weiter unten). Im selben Jahr, 2019, gründeten Barrick und der US-Konkurrent Newmont die Nevada Gold Mines (NGM) — mit zehn Untertage- und zwölf Tagebauminen der größte Goldkomplex der Welt, an dem Barrick 61,5 Prozent hält und den Betrieb führt, während Newmont mit 38,5 Prozent beteiligt ist.

Der Namenswechsel von „Barrick Gold“ zu „Barrick Mining“ zum 6. Mai 2025 ist mehr als Kosmetik. Er soll signalisieren, dass der Konzern sich nicht mehr nur als Goldförderer versteht, sondern zunehmend auf Kupfer setzt — dem Metall, das die Energiewende und die Elektrifizierung antreibt. Das sichtbarste Projekt dafür ist Reko Diq in der pakistanischen Provinz Belutschistan, eines der größten unerschlossenen Kupfer-Gold-Vorkommen der Welt (mehr dazu in der dritten unbequemen Wahrheit). Mit dem Namen wechselte an der New York Stock Exchange auch das Börsenkürzel — von GOLD zu B —, während die Heimatbörse Toronto weiterhin unter ABX handelt.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2019

    Fusion mit Randgold Resources

    Aus der Fusion entsteht die heutige Führungsstruktur; Mark Bristow (zuvor Randgold-CEO) übernimmt Barrick. Im selben Jahr startet die Nevada-Gold-Mines-JV mit Newmont (61,5/38,5 Prozent).

  2. 2025

    Mali beschlagnahmt Gold, Betrieb ausgesetzt

    Am 11. Januar 2025 zieht die Regierung rund drei Tonnen Gold aus Loulo-Gounkoto ein, drei Tage später legt Barrick den Betrieb still — der Startpunkt eines fast einjährigen Kontrollverlusts.

  3. 2025

    Umbenennung in Barrick Mining Corporation

    Zum 6. Mai 2025 wird aus „Barrick Gold“ die „Barrick Mining Corporation“, das NYSE-Kürzel wechselt von GOLD zu B — ein Signal, dass Kupfer künftig mitzählt.

  4. 2025

    Kontrollverlust über Loulo-Gounkoto

    Ab dem 16. Juni 2025 verwaltet der malische Staat die Mine, Barrick muss sie aus der Bilanz herauslösen und bucht 1.035 Millionen US-Dollar Verlust im zweiten Quartal.

  5. 2025

    CEO-Abgang ohne genannten Grund

    Am 29. September 2025 tritt Mark Bristow zurück, Mark Hill übernimmt kommissarisch — mitten in einem nach eigener Aussage starken Quartal.

  6. 2025

    Vergleich mit Mali, Kontrolle zurück

    Am 24. November 2025 einigen sich Barrick und Mali; zum 16. Dezember 2025 erhält Barrick die operative Kontrolle über Loulo-Gounkoto zurück.

  7. 2026

    Vergleich mit Newmont, Weg frei für die Abspaltung

    Im August 2026 zahlt Newmont 1,95 Milliarden US-Dollar an Barrick, alle NGM-Streitigkeiten sind beigelegt — und Newmont stimmt der geplanten Nordamerika-Abspaltung zu.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Anlass für diese Analyse war eine Gegensätzlichkeit, die sich nicht von selbst auflöst. Auf der einen Seite meldete Barrick für 2025 das ertragsstärkste Jahr seiner Geschichte. Auf der anderen Seite lasen sich die Schlagzeilen desselben Jahres wie aus einem anderen Unternehmen: eine Regierung, die eine Mine besetzt; ein Vorstandschef, der ohne ein Wort geht; ein Streit mit dem eigenen Joint-Venture-Partner, der bis auf die Ebene förmlicher Mahnungen eskalierte. Diese Kombination — Rekordgewinn und Führungskrise im selben Kalenderjahr — war der Punkt, an dem wir genauer hinschauen wollten, statt uns auf die vertraute Marke zu verlassen.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Die Umsatz- und Gewinnentwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt, wie stark Barricks Ergebnis am Goldpreis hängt. 2021 setzte der Konzern 11.985 Millionen US-Dollar um und verdiente 2.022 Millionen. 2022 brach der Gewinn auf 432 Millionen ein, bei nahezu gleichem Umsatz (11.013 Millionen) — höhere Energie- und Materialkosten drückten die Marge. 2023 und 2024 erholte sich das Bild langsam (1.272 beziehungsweise 2.144 Millionen Nettogewinn), bevor 2025 mit 16.956 Millionen Umsatz und 4.993 Millionen Nettogewinn beide Vorjahreswerte klar übertraf. Wie stark ein hoher Goldpreis die Zahlen eines Förderers treiben kann — und welche Risiken Goldminenkonzerne dabei eingehen, um sich gegen fallende Preise abzusichern —, zeigt unsere Analyse zu Endeavour Mining.

Säulendiagramm: Umsatz und Nettogewinn von Barrick 2021 bis 2025 in Milliarden US-Dollar. Umsatz 12,0 / 11,0 / 11,4 / 12,9 / 17,0 Milliarden, Nettogewinn 2,0 / 0,4 / 1,3 / 2,1 / 5,0 Milliarden.
Der Umsatz schwankt zwischen 2021 und 2024 nur leicht um rund 12 Milliarden US-Dollar und springt 2025 auf 17,0 Milliarden; der Nettogewinn ist deutlich volatiler und bricht 2022 auf 0,4 Milliarden ein, bevor er 2025 mit 5,0 Milliarden einen neuen Höchststand erreicht. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die Bilanz hat sich deutlich gewandelt. Ende 2024 stand Barrick noch mit 1.182 Millionen US-Dollar Nettoschulden da; ein Jahr später, Ende 2025, verfügte der Konzern über eine Nettokasse von 1.952 Millionen — eine Verbesserung von rund 3,1 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Jahres. Die liquiden Mittel stiegen von 4.074 auf 6.694 Millionen, während die Finanzschulden (überwiegend langfristig, rund 5.065 Millionen) nahezu unverändert blieben; die Differenz zur ausgewiesenen Nettokasse erklärt sich aus weiteren, hier nicht einzeln aufgeführten Bilanzpositionen wie kurzfristigen Geldanlagen. Getragen wurde diese Entwicklung von einem operativen Cashflow, der von 4.491 Millionen (2024) auf 8.082 Millionen (2025) fast verdoppelte, und einem freien Cashflow, der sich von 1.317 auf 4.194 Millionen mehr als verdreifachte.

Diese Stärke zeigte sich auch in der Kapitalrückgabe an Aktionäre. Im Februar 2025 genehmigte der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm über 1,0 Milliarde US-Dollar, befristet auf zwölf Monate. Es war bereits zum 30. September 2025 — nach gut sieben Monaten — vollständig ausgeschöpft, woraufhin der Verwaltungsrat es am 10. November 2025 um weitere 500 Millionen aufstockte. Parallel erhöhte Barrick im dritten Quartal 2025 die Basisdividende um 25 Prozent und ergänzte sie um eine leistungsabhängige Zusatzdividende; zusammen ergibt das seither 0,175 US-Dollar je Aktie und Quartal. Allein im zweiten Quartal 2026 flossen so 1,5 Milliarden US-Dollar an Aktionäre zurück — 1,2 Milliarden über Rückkäufe, den Rest über die Dividende —, ein Plus von 242 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Was das Management sagte — und was daraus wurde

Für Barrick liegen keine ausgewerteten Mitschriften von Analystengesprächen vor. Wir haben das über die interne Transkript-Datenbank geprüft (Datenstand 30.08.2026): null Treffer für ABX.TO. Was wir stattdessen auswerten konnten, sind die wörtlichen Zitate aus den furnished Ergebnismitteilungen der vergangenen vier Quartale — vorbereitete Management-Statements, aber ohne die Frage-und-Antwort-Runde einer echten Telefonkonferenz, in der Analysten kritisch nachhaken. Diese Einschränkung nennen wir hier ausdrücklich, statt sie zu verschweigen: Wo eine Q&A-Runde oft die eigentliche Nachricht liefert, bleibt uns bei Barrick nur das, was das Unternehmen selbst formuliert und veröffentlicht hat.

Innerhalb dieser Grenze ist die Entwicklung der Zitate trotzdem aufschlussreich. Im Bericht zum dritten Quartal 2025 — sechs Wochen nach seiner überraschenden Ernennung zum Interims-CEO — schrieb Mark Hill: „Seit ich Ende September die Aufgaben als Interims-CEO übernommen habe, habe ich mich mit unseren Teams weltweit getroffen, um die Leistung zu überprüfen und zu bewerten, was wir bei Barrick anders machen können.“ Ein neuer Chef, der binnen sechs Wochen ankündigt, „was wir anders machen können“ zu prüfen, sagt implizit mehr über den Zustand des Unternehmens vor seinem Amtsantritt, als jede Pressemitteilung explizit ausspricht.

Im Bericht zum zweiten Quartal 2026 — nach drei aufeinanderfolgenden starken Quartalen — klingt Hill deutlich zuversichtlicher: „Wir haben eine historische Einigung mit Newmont erzielt. […] Durch diese Vereinbarung mit unserem Joint-Venture-Partner haben wir die Vermögensbasis wesentlich erweitert und mehr Flexibilität und Wert geschaffen.“ Zugleich betont er wiederholt das Thema Sicherheit — „mit besonderem Fokus auf die Verbesserung unserer Sicherheitsleistung im gesamten Unternehmen, einschließlich 90 Millionen US-Dollar, die wir dieses Jahr in Sicherheitstechnik investiert haben“ —, ein Thema, das ohne die drei Todesfälle des Vorjahres (dritte unbequeme Wahrheit) vermutlich weniger Raum in der Mitteilung eingenommen hätte.

Liniendiagramm: Nettogewinn von Barrick je Quartal, Q1 2025 bis Q2 2026, in Millionen US-Dollar. Werte: 474, 811, 1.302, 2.406, 1.602, 1.217.
Der Quartalsgewinn steigt von 474 Millionen US-Dollar (Q1 2025) auf ein Rekordhoch von 2.406 Millionen (Q4 2025) und pendelt sich danach bei rund 1,2 bis 1,6 Milliarden ein. Q2 2025 (811 Millionen) enthält bereits die Belastung von 1.035 Millionen US-Dollar aus der Mali-Entkonsolidierung — ohne sie wäre der Sprung noch deutlicher ausgefallen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Sturm in Mali kostete über eine Milliarde Dollar

Der Streit um die Mine Loulo-Gounkoto, eine von Barricks größten und profitabelsten Minen, zieht sich vom September 2024 bis in den Dezember 2025 und ist die teuerste der drei Erschütterungen. Auslöser war Malis neues Bergbaugesetz von 2023, das der Regierung einen größeren Anteil an den Goldeinnahmen sichern soll — bei Rekordpreisen ein politisch besonders lohnendes Thema für die seit 2021 regierende Militärjunta.

Die Eskalation verlief in klaren Schritten. Im September 2024 nahm die malische Polizei vier leitende Mitarbeiter der Mine zeitweise fest und erließ einen Haftbefehl gegen den General Manager, Cheick Abass Coulibaly. Im Dezember 2024 blockierte die Regierung Goldexporte aus dem Komplex. Am 11. Januar 2025 beschlagnahmte sie rund drei Tonnen Gold im Wert von rund 245 Millionen US-Dollar; drei Tage später, am 14. Januar 2025, setzte Barrick den Betrieb der Mine aus. Der entscheidende Einschnitt kam am 16. Juni 2025: Mali stellte Loulo-Gounkoto unter eine vorläufige staatliche Verwaltung. Für die Bilanzierung bedeutete das einen Kontrollverlust — Barrick musste die zu 80 Prozent gehaltene Mine aus dem Konzernabschluss herauslösen und stattdessen zum beizulegenden Zeitwert bilanzieren.

„… resulting in a Q2 2025 net loss of $1,035 million following the change of control after it was placed under a temporary provisional administration on June 16, 2025.“

Übersetzung: „… was im zweiten Quartal 2025 zu einem Nettoverlust von 1.035 Millionen US-Dollar führte, nach dem Kontrollwechsel infolge der Unterstellung unter eine vorläufige staatliche Verwaltung am 16. Juni 2025.“

— Barrick Mining Corporation, 6-K (Q3-2025-Bericht), 10.11.2025

Ausschnitt aus Barricks Q3-2025-Bericht mit hervorgehobenem Satz: Der Kontrollverlust über Loulo-Gounkoto am 16. Juni 2025 führte zu einem Nettoverlust von 1.035 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2025.
Fundstelle im Q3-2025-Bericht von Barrick Mining Corporation (furnished 6-K vom 10.11.2025): Hervorhebung von uns. Quelle: sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Am 24. November 2025 meldete Barrick eine umfassende Einigung mit der Regierung Malis: Alle Anklagen gegen das Unternehmen, seine Tochtergesellschaften und Mitarbeiter wurden fallengelassen, rechtliche Schritte zur Freilassung der vier festgenommenen Mitarbeiter eingeleitet, das ICSID-Schiedsverfahren zurückgezogen — und die vorläufige Verwaltung beendet. Zum 16. Dezember 2025 erhielt Barrick die operative Kontrolle über die Mine formal zurück. Eine Zahlungssumme nennt Barricks eigene Pressemitteilung nicht; unabhängige Berichterstattung, etwa der kanadischen Tageszeitung Globe and Mail, beziffert den Vergleich auf rund 430 Millionen US-Dollar. Im Bericht zum zweiten Quartal 2026 erwähnt Barrick zusätzlich, aber ohne gesonderten Betrag, weitere Kosten aus der „rückwirkenden Anwendung des Bergbaugesetzes 2023 auf Loulo-Gounkoto für 2024 und 2025“ sowie Remobilisierungskosten am Standort. Insgesamt hat der Konflikt Barrick damit mindestens den verbuchten Buchverlust von 1.035 Millionen US-Dollar plus eine nicht abschließend bezifferte Vergleichs- und Nachzahlungssumme gekostet — ein greifbares Beispiel dafür, was Länderrisiko in einer Bilanz tatsächlich bedeutet, wenn es eintritt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Zwei Chefs in einem Jahr — und ein Vorwurf vom eigenen Partner

Während die Mali-Krise noch lief, wechselte Barrick überraschend an der Spitze. Am 29. September 2025 gab das Unternehmen den Rücktritt von CEO Mark Bristow bekannt — nach fast sieben Jahren im Amt, seit der Fusion mit Randgold Resources 2019. Die Pressemitteilung würdigt seine „Führung“ und dankt ihm, nennt aber an keiner Stelle einen Grund für den Abgang. Chairman John Thornton wird zitiert: „Im Namen des Verwaltungsrats möchte ich Mark für seine Führung von Barrick danken. Während seiner Amtszeit stärkte Mark unser Portfolio und half, Barrick als führenden globalen Produzenten von Gold und Kupfer zu positionieren. […] Wir wünschen Mark alles Gute für seine Zukunft.“

Ausschnitt aus Barricks Pressemitteilung vom 29. September 2025 mit hervorgehobenem Satz: Mark Bristow tritt nach fast sieben Jahren als President und CEO zurück.
Fundstelle in der Pressemitteilung „Barrick Announces Leadership Transition“ (furnished 6-K vom 29.09.2025): Hervorhebung von uns. Einen Grund für den Rücktritt nennt der Text an keiner Stelle. Quelle: sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Nachfolger Mark Hill, seit 2006 im Unternehmen und zuletzt Regionalchef für Lateinamerika und Asien-Pazifik, übernahm sofort kommissarisch und wurde im Februar 2026 dauerhaft zum President und CEO ernannt. Doch schon der Bericht zum zweiten Quartal 2026 enthält den nächsten Bruch: Nach Abschluss der für Ende 2026 geplanten Abspaltung der nordamerikanischen Goldsparte soll Hill CEO der neuen, abgespaltenen Gesellschaft werden. Für die verbleibende, international aufgestellte Barrick Mining Corporation — mit den Minen in Mali, Tansania, der Dominikanischen Republik und dem Kupferprojekt Reko Diq — würde das binnen zwölf Monaten den dritten Wechsel an der Konzernspitze bedeuten. Wer diese Gesellschaft künftig führt, war zum Datenstand dieser Analyse nicht benannt.

Zur Führungskrise gesellte sich ein handfester Vorwurf des wichtigsten Partners. Barrick und Newmont betreiben seit 2019 gemeinsam die Nevada Gold Mines — Barrick hält 61,5 Prozent und führt den Betrieb, Newmont 38,5 Prozent. Im Februar 2026 stellte Newmont eine förmliche Mahnung (Notice of Default) und warf Barrick als Betriebsführer vor, über sechs Jahre die operative Leistung von NGM vernachlässigt und stattdessen Ressourcen zugunsten des zu 100 Prozent eigenen Fourmile-Projekts abgezogen zu haben — jenes Fourmile-Projekts, das Barrick selbst als „eine der bedeutendsten Goldentdeckungen dieses Jahrhunderts“ bewirbt. Im August 2026 einigten sich beide Seiten:

„Newmont will pay Barrick a top-up payment of $1.95 billion cash within thirty days.“

Übersetzung: „Newmont wird Barrick eine Ausgleichszahlung von 1,95 Milliarden US-Dollar in bar innerhalb von dreißig Tagen leisten.“

— Barrick Mining Corporation, 6-K (Q2-2026-Bericht), 10.08.2026

Ausschnitt aus Barricks Q2-2026-Bericht mit hervorgehobenem Satz: Newmont zahlt Barrick eine Ausgleichszahlung von 1,95 Milliarden US-Dollar in bar innerhalb von dreißig Tagen.
Fundstelle im Q2-2026-Bericht von Barrick Mining Corporation (furnished 6-K vom 10.08.2026): Hervorhebung von uns. Der Vergleich löst den Streit finanziell zugunsten von Barrick, ohne den ursprünglichen Vorwurf inhaltlich zu klären. Quelle: sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Finanziell ist das ein gutes Geschäft für Barrick — 1,95 Milliarden US-Dollar Zahlungseingang, ein größerer gemeinsamer Minenkomplex und die Zustimmung Newmonts zur eigenen Abspaltung. Inhaltlich bleibt der Vergleich unbequem: Ein Vergleich klärt nicht, ob der Vorwurf berechtigt war, er beendet nur den Streit darüber. Dass ausgerechnet der Betriebsführer eines Joint Ventures mit einem Minderheitspartner im Verdacht steht, das eigene, zu 100 Prozent gehaltene Projekt bevorzugt zu haben, ist ein Interessenkonflikt, der in der Struktur einer solchen Partnerschaft angelegt ist — unabhängig davon, wie der konkrete Fall endete.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Drei Todesfälle und ein Milliardenprojekt auf Eis

Die dritte unbequeme Wahrheit betrifft das operative Kerngeschäft selbst — Sicherheit und Großprojekte. Im Bericht zum dritten Quartal 2025 schreibt Barrick:

„After nearly twelve months fatality free, unfortunately three of our colleagues lost their lives in recent months.“

Übersetzung: „Nach fast zwölf unfallfreien Monaten sind leider drei unserer Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten ums Leben gekommen.“

— Barrick Mining Corporation, 6-K (Q3-2025-Bericht), 10.11.2025

Ausschnitt aus Barricks Q3-2025-Bericht mit hervorgehobenem Satz: Nach fast zwölf unfallfreien Monaten kamen drei Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten ums Leben.
Fundstelle im Q3-2025-Bericht von Barrick Mining Corporation (furnished 6-K vom 10.11.2025): Hervorhebung von uns. Quelle: sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Eine zuvor als Zeitverlustunfall erfasste Verletzung in der Kibali-Mine (Demokratische Republik Kongo) wurde nachträglich als Todesfall umklassifiziert, nachdem der betroffene Mitarbeiter seinen Verletzungen erlegen war. Am 29. September 2025 verunglückte ein Mitarbeiter tödlich in der Untertagemine Goldrush in Nevada, am 21. Oktober 2025 einer in der Bulyanhulu-Mine in Tansania — drei unterschiedliche Länder, drei unterschiedliche Betriebe, acht Wochen. Im Bericht zum zweiten Quartal 2026 bekräftigt Barrick, 90 Millionen US-Dollar in Sicherheitstechnik investiert zu haben, ohne eine durchgängige, quartalsweise veröffentlichte Unfallkennzahl vorzulegen, an der sich der Fortschritt objektiv nachverfolgen ließe.

Parallel dazu bremste Barrick sein größtes Wachstumsprojekt außerhalb des Goldgeschäfts. Reko Diq in Belutschistan, eines der größten unerschlossenen Kupfer-Gold-Vorkommen der Welt, war mit einem Investitionsvolumen von 5,6 bis 6,0 Milliarden US-Dollar für die erste und 3,3 bis 3,6 Milliarden für die zweite Ausbaustufe veranschlagt, Produktionsstart ursprünglich Ende 2028. Im März 2026 verlangsamte Barrick die Entwicklung wegen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Eskalation des Nahost-Konflikts und dessen Ausstrahlung auf die Region; die Prüfungsfrist wurde bis Mitte 2027 verlängert, „signifikante Erhöhungen“ bei Budget und Zeitplan seien möglich. Die von Barrick öffentlich genannten Langfristzahlen — über 70 Milliarden US-Dollar freier Cashflow und über 90 Milliarden operativer Cashflow über eine Laufzeit von 37 Jahren — stammen aus der Zeit vor dieser Verzögerung und vor einer endgültigen Bauentscheidung; sie sind eine Projektion, keine Zusage. Wie unterschiedlich sich Rekordpreise bei einem anderen Kupferförderer bereits heute in der Bilanz niederschlagen, zeigt unsere Analyse zu Freeport-McMoRan.

Was die Aktie kostet

Barrick notiert an seiner Heimatbörse Toronto in kanadischen Dollar, berichtet seine Zahlen aber in US-Dollar — ein Detail, das bei der Einordnung leicht übersehen wird. Am 28. August 2026 schloss die Aktie in Toronto bei 63,50 kanadischen Dollar, umgerechnet rund 46,01 US-Dollar beziehungsweise rund 39,73 Euro (Kurse desselben Tages: 1 US-Dollar ≈ 1,38 kanadische Dollar, 1 Euro ≈ 1,158 US-Dollar). Die Marktkapitalisierung lag bei rund 104,6 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet rund 75,8 Milliarden US-Dollar oder rund 65,5 Milliarden Euro.

Gemessen an den gängigen Kennzahlen ist Barrick kein Schnäppchen, aber auch nicht offensichtlich teuer: Der vom Datenanbieter ausgewiesene KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt bei 11,9, das erwartete KGV für das laufende Jahr bei 13,1 — der Markt rechnet also mit einem etwas niedrigeren Gewinn als im Rekordjahr 2025, was angesichts der im zweiten Quartal 2026 bereits gestiegenen Förderkosten je Unze plausibel erscheint. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei 2,9, das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA bei 5,2. Die Dividendenrendite auf Basis der vergangenen zwölf Monate beträgt rund 1,0 Prozent; auf Basis der seit dem dritten Quartal 2025 gültigen, höheren Quartalsdividende von 0,175 US-Dollar (macht hochgerechnet 0,70 US-Dollar im Jahr) liegt die laufende Rendite etwas darüber.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Die Chancen liegen in der finanziellen Ausgangslage: eine Bilanz, die von Nettoschulden auf Nettokasse gedreht hat, ein hoher freier Cashflow, eine aggressive und tatsächlich umgesetzte Kapitalrückgabe, ein wachsendes Kupfer-Standbein und ein bereits jetzt als „eine der bedeutendsten Goldentdeckungen des Jahrhunderts“ beworbenes Projekt in Fourmile. Die geplante Abspaltung der Nordamerika-Sparte könnte zwei fokussiertere, leichter zu bewertende Unternehmen schaffen, sofern sie wie angekündigt bis Jahresende 2026 gelingt.

Die Risiken liegen dort, wo die drei unbequemen Wahrheiten dieses Artikels ansetzen: Länderrisiko in politisch instabilen Fördergebieten (Mali ist gelöst, das zugrunde liegende Muster — Regierungen, die bei Rekordpreisen einen größeren Anteil fordern — nicht auf Mali beschränkt); eine Unternehmensführung, die binnen eines Jahres zweimal wechselt und deren Nachfolgeregelung für die verbleibende Gesellschaft noch offen ist; ein zwar beigelegter, aber inhaltlich unbequemer Vorwurf des Partners Newmont; eine Häufung von Sicherheitsvorfällen; und ein milliardenschweres Kupferprojekt, dessen Traumzahlen aus der Zeit vor einer sicherheitsbedingten Verzögerung stammen.

Ein menschliches Fazit

Die Vertrautheitsfalle vom Anfang dieses Artikels funktioniert deshalb so gut, weil sie sich nicht wie ein Fehler anfühlt. Niemand entscheidet sich bewusst dafür, einen Namen für bare Münze zu nehmen — man tut es einfach, weil der Name schon so oft richtig war. Bei Barrick hätte diese Abkürzung 2025 gleich mehrfach etwas Wichtiges verdeckt: dass eine Regierung eine der wichtigsten Minen des Konzerns besetzte, dass der Chef ohne Erklärung ging, dass der eigene Partner einen schweren Vorwurf erhob — und dass all das neben dem finanziell stärksten Jahr der Firmengeschichte stattfand, nicht anstelle davon.

Beides ist wahr, und beides gehört in dieselbe Bewertung. Eine Firma kann finanziell blühen und gleichzeitig offene Führungsfragen haben; die eine Tatsache hebt die andere nicht auf. Wer Barrick Mining heute betrachtet, betrachtet nicht mehr dieselbe Firma, die noch 2024 unter demselben Ticker gehandelt wurde — nicht nur wegen des neuen Namens, sondern wegen dessen, was in den zwölf Monaten dazwischen geschah. Ob das für einen Einstieg reicht, muss jeder für sich entscheiden. Wer beim Wiedererkennen des Namens genauer hinschaut statt sich darauf zu verlassen, hat den wichtigsten Schritt schon gemacht. Keine Anlageberatung.

Quellen

Barrick Mining Corporation, 6-K „Barrick Announces Leadership Transition“, 29.09.2025 (SEC EDGAR, Zugang 0001193125-25-222860). Barrick Mining Corporation, 6-K Q3-2025-Bericht, 10.11.2025 (Zugang 0001193125-25-274144). Barrick Mining Corporation, 6-K zur Erhöhung des Rückkaufprogramms, 10.11.2025 (Zugang 0001193125-25-274146). Barrick Mining Corporation, 6-K Q2-2026-Bericht, 10.08.2026 (Zugang 0001193125-26-343857). Barrick Mining Corporation, Pressemitteilung „Barrick Announces Resolution of its Disputes with Mali“, 24.11.2025 (barrick.com). SEC-`submissions`-Datenbank, CIK 0000756894. Fundamentaldaten, Datenstand 28./29.08.2026.

Hinweis: Dieser Artikel ist journalistische Recherche und keine Anlageberatung. Er beruht auf öffentlich zugänglichen Quellen zum genannten Datenstand und ersetzt keine individuelle Beratung.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 11.985,0 11.013,0 11.397,0 12.922,0 16.956,0
Betriebsergebnis (EBIT) 4.437,0 2.959,0 2.978,0 4.453,0 8.102,0
Nettogewinn 2.022,0 432,0 1.272,0 2.144,0 4.993,0
Nettomarge 16,9 % 3,9 % 11,2 % 16,6 % 29,4 %
Gewinn je Aktie 1,14 $ 0,24 $ 0,72 $ 1,22 $ 2,93 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragskraft positiv
Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 31,2 Prozent auf 16.956 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn um 132,9 Prozent auf 4.993 Millionen — getragen vom höchsten Goldpreis der Firmengeschichte, aber auch von niedrigeren Förderkosten. Der operative Cashflow von 8.082 Millionen deckte die Investitionen von 3.888 Millionen mühelos.
Bilanz und Kapitalrückgabe positiv
Die Bilanz drehte von 1.182 Millionen US-Dollar Nettoschulden (Ende 2024) auf 1.952 Millionen Nettokasse (Ende 2025). Ein Rückkaufprogramm über ursprünglich 1,0 Milliarden war bereits nach sieben Monaten ausgeschöpft und wurde im November 2025 um 500 Millionen aufgestockt; allein im zweiten Quartal 2026 flossen 1,5 Milliarden US-Dollar an Dividenden und Rückkäufen an Aktionäre zurück.
Länderrisiko negativ
Zwischen September 2024 und Dezember 2025 verlor Barrick zeitweise die Kontrolle über die Mine Loulo-Gounkoto an die malische Regierung — mit Verhaftungen, einer Goldbeschlagnahmung im Wert von rund 245 Millionen US-Dollar und einem Buchverlust von 1.035 Millionen US-Dollar allein im zweiten Quartal 2025. Der Vergleich vom 24.11.2025 löste den akuten Konflikt, das zugrunde liegende Streitthema — ein neues Bergbaugesetz, das Mali einen größeren Anteil an den Goldeinnahmen sichert — bleibt in anderen westafrikanischen Standorten grundsätzlich denkbar.
Führung und Governance negativ
CEO Mark Bristow trat am 29.09.2025 ohne öffentlich genannten Grund zurück. Nachfolger Mark Hill wurde im Februar 2026 dauerhaft bestätigt, soll aber laut Bericht vom 10.08.2026 nach der geplanten Abspaltung der Nordamerika-Sparte (Ziel: Jahresende 2026) die NEUE Gesellschaft führen — ein zweiter Wechsel an der Spitze der verbleibenden Barrick Mining Corp binnen eines Jahres zeichnet sich ab. Zusätzlich wirft Partner Newmont Barrick vor, über sechs Jahre Ressourcen aus dem gemeinsamen Nevada-Gold-Mines-Betrieb zugunsten des eigenen Fourmile-Projekts abgezogen zu haben — ein im August 2026 finanziell für Barrick günstig beigelegter, inhaltlich aber unbequemer Vorwurf.
Wachstumsprojekte neutral
Die geplante Kupfermine Reko Diq in Pakistan wurde im März 2026 wegen Sicherheitsbedenken in der Region verlangsamt, die Prüfungsfrist bis Mitte 2027 verlängert; die vom Unternehmen genannten Langfrist-Kennzahlen (über 70 Milliarden US-Dollar freier Cashflow über 37 Jahre) stammen aus der Zeit vor dieser Verzögerung und vor einer endgültigen Bauentscheidung. Die Goldentdeckung Fourmile in Nevada gilt laut aktualisierter Ressourcenschätzung dagegen als eine der bedeutendsten des Jahrhunderts — ist zugleich aber das Projekt, um das der Newmont-Streit kreiste.
Sicherheit negativ
Nach fast zwölf unfallfreien Monaten starben zwischen September und Oktober 2025 drei Mitarbeiter in drei verschiedenen Ländern. Das Unternehmen nennt für 2026 eine Investition von 90 Millionen US-Dollar in Sicherheitstechnik, ohne eine durchgängige, quartalsweise Unfallkennzahl zu veröffentlichen.

Barrick Mining ist finanziell so stark wie selten: Rekordgewinn, Rekord-Cashflow, eine Bilanz, die von Nettoschulden zu Nettokasse gedreht hat, und aggressive Kapitalrückgabe an Aktionäre. Dieser Stärke steht eine ungewöhnliche Häufung offener Führungsfragen gegenüber: ein unerklärter CEO-Abgang, ein zweiter absehbarer Führungswechsel binnen eines Jahres, ein beigelegter, aber unbequemer Selbstbedienungsvorwurf des eigenen Joint-Venture-Partners und ein Länderrisiko in Mali, das sich erst nach einem Jahr und mehr als einer Milliarde Dollar Belastung auflöste. Wer nur den Namen „Barrick“ und den Ticker ABX sieht, übersieht, wie viel sich in einem Jahr geändert hat. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das operative Geschäft trägt zweifelsfrei — Rekordumsatz, Rekordgewinn, eine gesunde, netto schuldenfreie Bilanz und eine Kapitalrückgabe, die sich sehen lassen kann. Zu Grün fehlt uns die Antwort auf eine wesentliche, ausdrücklich noch offene Frage der Unternehmensführung: Binnen zwölf Monaten wechselte der CEO einmal unerklärt und soll laut eigener Ankündigung ein weiteres Mal wechseln, sobald die Nordamerika-Sparte abgespalten ist — wer die verbleibende internationale Gesellschaft dann führt, ist zum Datenstand dieser Analyse nicht benannt. Dazu kommt ein zwar finanziell zugunsten Barricks gelöster, inhaltlich aber unbequemer Vorwurf des Joint-Venture-Partners Newmont, und ein Länderrisiko in Mali, das erst nach einem Jahr und über einer Milliarde Dollar Belastung beigelegt wurde. Das sind keine Substanzrisiken — dafür ist die Bilanz zu gesund —, aber offene operative und Governance-Fragen, und im Zweifel gilt bei uns die vorsichtigere Stufe.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Verwechslungsgefahr: Bis zum 6. Mai 2025 hieß das Unternehmen „Barrick Gold Corporation“. Das Toronto-Kürzel ABX blieb unverändert, das New-Yorker Kürzel wechselte von GOLD zu B. Einzelne Datenanbieter führen noch den Altnamen.
  • Für ABX.TO gilt kein US-Geschäftsjahresformular: Barrick berichtet als kanadischer Foreign Private Issuer über Formular 40-F (Jahresbericht) und 6-K (Zwischenmitteilungen), nicht über 10-K/10-Q.
  • Für Barrick liegen keine ausgewerteten Mitschriften von Analystengesprächen vor (Abgleich über unsere Transkript-Datenbank, Stand 30.08.2026, 0 Treffer). Die Auswertung der Managementaussagen stützt sich auf die wörtlichen Zitate der furnished Ergebnismitteilungen der letzten vier Quartale.
  • Finanzkennzahlen sind in US-Dollar berichtet, die Aktie notiert an der Heimatbörse in kanadischen Dollar. Der Kursanker (63,50 CAD, 28.08.2026) entspricht rund 46,01 US-Dollar bzw. rund 39,73 Euro zu den Umrechnungskursen desselben Tages.

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Diese Analyse ist Stand 30. August 2026. Was sich seitdem bei ABX.TO geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Barrick Mining Corporation. Die Umbenennung von „Barrick Gold Corporation“ trat zum 6. Mai 2025 in Kraft und ist in der `submissions`-Datenbank der US-Börsenaufsicht SEC als `formerNames`-Eintrag hinterlegt. Das Kürzel an der Heimatbörse Toronto (ABX) blieb unverändert, an der New York Stock Exchange wechselte es von GOLD zu B. Der neue Name soll ausdrücken, dass der Konzern neben Gold zunehmend auf Kupfer setzt — allen voran das pakistanische Projekt Reko Diq. Einzelne Datenanbieter und ältere Artikel führen weiterhin den Altnamen.

Der Streit begann im September 2024 mit der zeitweisen Festnahme von vier leitenden Mitarbeitern und einem Haftbefehl gegen den General Manager der Mine. Im Dezember 2024 blockierte die malische Übergangsregierung Goldexporte, am 11. Januar 2025 beschlagnahmte sie rund drei Tonnen Gold im Wert von rund 245 Millionen US-Dollar, und drei Tage später setzte Barrick den Betrieb aus. Am 16. Juni 2025 stellte der Staat die Mine unter eine vorläufige Verwaltung — für Barrick ein Kontrollverlust, der die Mine aus der Konzernbilanz herauslöste und einen Buchverlust von 1.035 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2025 verursachte. Am 24. November 2025 einigten sich beide Seiten: Anklagen wurden fallengelassen, Schiedsverfahren zurückgezogen, und zum 16. Dezember 2025 erhielt Barrick die operative Kontrolle zurück. Presseberichte (unter anderem Globe and Mail) beziffern die Vergleichszahlung auf rund 430 Millionen US-Dollar; Barricks eigene Pressemitteilung nennt keinen Betrag.

Barrick und Newmont betreiben seit 2019 gemeinsam die Nevada Gold Mines (NGM) — Barrick hält 61,5 Prozent und führt den Betrieb, Newmont 38,5 Prozent. Im Februar 2026 stellte Newmont eine förmliche Mahnung (Notice of Default) und warf Barrick vor, über sechs Jahre die operative Leistung von NGM vernachlässigt und stattdessen Ressourcen zugunsten des zu 100 Prozent eigenen Fourmile-Projekts in Nevada abgezogen zu haben. Im August 2026 einigten sich beide Konzerne umfassend: Newmont zahlt Barrick eine „Top-up“-Zahlung von 1,95 Milliarden US-Dollar, beide Seiten bringen bislang ausgeschlossene Projekte früher in die JV ein (Barrick: Fourmile; Newmont: Mike und Fiberline) — macht einen Komplex mit fast 100 Millionen Unzen Gold —, und Newmont stimmt der von Barrick geplanten Abspaltung der Nordamerika-Sparte zu.

Mark Bristow trat am 29. September 2025 nach knapp sieben Jahren als President und CEO zurück; die Pressemitteilung von Barrick nennt keinen Grund. Mark Hill, seit 2006 im Unternehmen und zuvor für die Regionen Lateinamerika und Asien-Pazifik zuständig, übernahm sofort kommissarisch und wurde im Februar 2026 dauerhaft bestätigt. Laut dem Bericht zum zweiten Quartal 2026 (10. August 2026) soll Hill jedoch nach der geplanten Abspaltung der nordamerikanischen Goldsparte (Ziel: Jahresende 2026) CEO der neuen, abgespaltenen Gesellschaft werden — für die verbleibende, international aufgestellte Barrick Mining Corp würde das binnen eines Jahres den dritten Wechsel an der Spitze bedeuten. Wer diese Gesellschaft dann führt, war zum Datenstand dieser Analyse nicht benannt.

Sehr deutlich. Der Umsatz stieg von 11.397 Millionen US-Dollar (2023) über 12.922 Millionen (2024) auf 16.956 Millionen (2025), der Nettogewinn im selben Zeitraum von 1.272 über 2.144 auf 4.993 Millionen. Barrick selbst benennt den höchsten Goldpreis der Firmengeschichte als Haupttreiber, dazu kamen niedrigere Förderkosten. Die Kehrseite zeigt der Quartalsvergleich: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Förderkosten je Unze Gold auf 1.993 US-Dollar (Vorjahresquartal: 1.654 US-Dollar) durch niedrigere Erzgehalte und höhere Treibstoffkosten — der Nettogewinn sank von 1.602 Millionen im ersten auf 1.217 Millionen im zweiten Quartal 2026, obwohl der Goldpreis hoch blieb.

Reko Diq in der pakistanischen Provinz Belutschistan gilt als eines der größten unerschlossenen Kupfer-Gold-Vorkommen der Welt; Barrick nennt für die erste Ausbaustufe ein Investitionsvolumen von 5,6 bis 6,0 Milliarden US-Dollar. Im März 2026 verlangsamte das Unternehmen die Entwicklung wegen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Region und verlängerte die Prüfungsfrist bis Mitte 2027; „signifikante Erhöhungen“ bei Budget und Zeitplan seien möglich. Die von Barrick genannten Langfristzahlen — über 70 Milliarden US-Dollar freier Cashflow über eine Laufzeit von 37 Jahren — datieren aus der Zeit vor dieser Verzögerung und vor einer endgültigen Bauentscheidung.

Für diese Analyse konnten keine ausgewertet werden. Ein Abgleich über die interne Transkript-Datenbank (Stand 30.08.2026) ergab null verfügbare Mitschriften für ABX.TO. Die Auswertung der Managementaussagen in diesem Artikel stützt sich deshalb auf die wörtlichen, im Wortlaut geprüften Zitate aus den furnished Ergebnismitteilungen (Anlage 99.1 zu Formular 6-K) der vergangenen vier Quartale — inklusive vorbereiteter Aussagen, aber ohne die Frage-und-Antwort-Runde einer Telefonkonferenz, die wir deshalb nicht bewerten können.

Finanziell: eindeutig ja, mit den vorliegenden Zahlen belegt. 2025 war das ertragsstärkste Jahr der Firmengeschichte, die Bilanz drehte von Nettoschulden auf Nettokasse, und die Kapitalrückgabe an Aktionäre stieg deutlich. Bei der Unternehmensführung bleiben dagegen offene Fragen: ein unerklärter CEO-Abgang, ein absehbarer zweiter Wechsel binnen eines Jahres, ein beigelegter, aber inhaltlich unbequemer Vorwurf des Partners Newmont und ein Länderrisiko in Mali, das zwar gelöst ist, aber ein Jahr und über eine Milliarde Dollar gekostet hat. Ob das für einen Einstieg reicht, muss jeder für sich entscheiden — das ist keine Anlageberatung.

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