Southern Copper meldet Rekord um Rekord — und fördert heute weniger Kupfer als 2019
Umsatz plus 40,6 Prozent, Gewinn plus 71,6 Prozent: Das zweite Quartal 2026 liest sich wie ein Triumph. Die geförderte Kupfermenge fiel im selben Zeitraum um 3,5 Prozent. Wir haben nachgesehen, wer diesen Rekord eigentlich bezahlt.
Stand heute
Stand: 31. August 2026
- Schlusskurs
- 208,90 $ -0,40 %
- Marktkapitalisierung
- 185,4 Mrd. $
- KGV
- 34,2
- Wachstums-Score
- 8/10
- AAQS
- 10/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 94,80 $ bis 219,70 $ · Letzter Kurs: 208,90 $ (Stand: 31. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt ein Wort, das im Kopf sofort eine Tür öffnet: Rekord. Wenn eine Firma meldet, sie habe so viel umgesetzt und so viel verdient wie noch nie in ihrer Geschichte, dann hört das Gehirn auf zu prüfen. Es hat ja schon eine Antwort. Genau deshalb ist das Wort so gefährlich — es klingt nach Leistung, obwohl es oft nur eine Messung ist.
Southern Copper hat im zweiten Quartal 2026 zwei solche Rekorde gemeldet. Und die Aktie hat sich in den zwölf Monaten davor mehr als verdoppelt. Wer da einsteigt, kauft in aller Regel das Wort, nicht die Zahl.
Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, die das Wort verdeckt: Wer hat diesen Rekord eigentlich erwirtschaftet? Die Antwort steht im Bericht — nur eben nicht in der Überschrift. Sie steht drei Zeilen darunter, und sie lautet: nicht die Minen.
Was Southern Copper macht und wovon der Gewinn abhängt
Southern Copper Corporation ist eine amerikanische Gesellschaft nach dem Recht des Bundesstaats Delaware, gegründet 1952, seit 1960 im Kupferbergbau und seit 1996 an der Börse in New York und in Lima notiert. Bis 2005 hieß das Unternehmen Southern Peru Copper Corporation; mit der Übernahme der mexikanischen Minera México vom Mutterkonzern wurde daraus der heutige Doppelkonzern.
Das Geschäft besteht aus drei Teilen. In Peru liegen die beiden Tagebaue Toquepala und Cuajone. In Mexiko liegen die großen Tagebaue Buenavista und La Caridad. Dazu kommt IMMSA, eine Gruppe kleinerer mexikanischer Untertagebergwerke. Im ersten Halbjahr 2026 steuerten die mexikanischen Betriebe zusammen rund 63 Prozent des Umsatzes bei, Peru rund 37 Prozent.
Verkauft wird vor allem eines: Kupfer. Im zweiten Quartal 2026 kamen laut Quartalsbericht 72,7 Prozent des Umsatzes aus Kupfer, 11,1 Prozent aus Molybdän, 8,8 Prozent aus Silber, 3,5 Prozent aus Zink und 3,9 Prozent aus anderen Produkten. Diese Aufteilung ist der Schlüssel zu allem, was danach kommt — denn die vier Metalle bewegen sich nicht im Gleichschritt.
Ein Bergbaukonzern hat, anders als ein Softwarehaus, keine Preismacht. Er verkauft ein austauschbares Gut zu einem Preis, den eine Börse in London oder New York festsetzt. Das Unternehmen schreibt das selbst in den Risikohinweisen seines Geschäftsberichts unmissverständlich hin:
„Our financial performance is highly dependent on the price of copper and the other metals we produce.“
Übersetzung: „Unsere finanzielle Entwicklung hängt in hohem Maße vom Kupferpreis und den Preisen der anderen Metalle ab, die wir produzieren.“
— Southern Copper Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Risikohinweise
Ein Satz wie dieser steht in vielen Berichten und wird meist überlesen. Bei Southern Copper ist er im Sommer 2026 die wichtigste Zeile des ganzen Dokuments.
Die Firmengeschichte für Anleger
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1996
Börsengang in New York und Lima
Seit 1996 an beiden Börsen notiert — damals noch als Southern Peru Copper Corporation, also als reiner Peru-Konzern.
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2005
Übernahme von Minera México
Der Kauf der mexikanischen Schwester vom eigenen Mutterkonzern machte aus dem Peru-Produzenten den heutigen Doppelkonzern — und zementierte die Rolle von Grupo México.
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2007
Beginn der Dauerstreiks bei IMMSA
Die Mine Taxco steht seither still. San Martín stand elf Jahre still und kostete rund 90,5 Millionen US-Dollar Instandsetzung — Arbeitskonflikte sind hier ein struktureller Kostenfaktor.
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2014
Kupfersulfat im Fluss Sonora
Aus der Mine Buenavista lief Lösung in den Fluss. Straf- und Zivilverfahren dauern bis heute an; 2023 kam eine weitere Strafanzeige der Umweltbehörde hinzu.
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2024
Umstellung auf Aktiendividenden
Seit dem zweiten Quartal 2024 besteht ein wachsender Teil der Ausschüttung aus eigenen Aktien statt aus Bargeld — der Bestand dafür ist endlich.
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2026
Anleihe über 1,25 Milliarden für Tía María
Im Juni 2026 zu 5,350 Prozent begeben, Laufzeit bis 2036, Erlös zweckgebunden für Peru. Die Finanzierung des Wachstumsprojekts steht damit — der Zeitplan bleibt die offene Frage.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Anlass war der frische Quartalsbericht: Southern Copper reichte am 31. Juli 2026 den Bericht zum Stichtag 30. Juni 2026 bei der US-Börsenaufsicht ein. Neun Tage zuvor, am 22. Juli 2026, war bereits die Ergebnismitteilung als Pflichtmeldung eingegangen — mit der Pressemitteilung vom 21. Juli als Anlage.
Beide Dokumente melden dasselbe: neue Höchstwerte. Und beide enthalten, wenige Zeilen später, die Erklärung dafür. Diese Erklärung ist der Grund, warum wir uns die Firma überhaupt genauer angesehen haben.
Vergleichsmaterial gibt es reichlich: Wir haben in dieser Rubrik bereits den größten börsennotierten US-Wettbewerber untersucht — nachzulesen in unserer Analyse zu Freeport-McMoRan. Und wie ein Bergbaukonzern aussieht, bei dem der Metallpreis ebenfalls alles überstrahlt, zeigt unsere Analyse zu Barrick Mining.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was unbestreitbar gut ist. Southern Copper verdient viel Geld, und zwar seit Jahren. Der Umsatz stieg von 7.285,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 auf 13.420,0 Millionen im Jahr 2025. Der Nettogewinn, der den Aktionären zusteht, kletterte im selben Zeitraum von 1.485,8 auf 4.334,9 Millionen. Das ist eine Nettomarge von 32,3 Prozent im Jahr 2025 — ein Wert, von dem die meisten Industrieunternehmen nur träumen.
Im ersten Halbjahr 2026 waren es dann 8.540,4 Millionen Umsatz und 3.246,8 Millionen Nettogewinn. Das operative Ergebnis lag bei 5.103,6 Millionen, der operative Cashflow bei 3.683,0 Millionen — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreshalbjahr.
Auch die Bilanz ist in bemerkenswert gutem Zustand. Zum 30. Juni 2026 standen 7.994,4 Millionen US-Dollar langfristige Finanzschulden 5.665,0 Millionen Bargeld und weiteren 1.664,9 Millionen kurzfristigen Geldanlagen gegenüber. Unter dem Strich bleiben 664,5 Millionen Nettoverschuldung — bei einem Eigenkapital von 12.632,2 Millionen. Ende 2023 waren es noch 4.503,8 Millionen Nettoschulden. Das Unternehmen hat seine Verschuldung in zweieinhalb Jahren um mehr als vier Fünftel abgebaut, ohne die Investitionen zurückzufahren.
Wer sich fragt, ob dieser Konzern in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten kann: aus der Bilanz heraus zurzeit nicht. Das gehört an den Anfang, bevor es unbequem wird.
Und jetzt die andere Seite derselben Medaille.
Der Rekord kommt vom Preis und nicht aus der Mine
Der Umsatz des zweiten Quartals 2026 lag bei 4.289,0 Millionen US-Dollar, 40,6 Prozent über dem Vorjahresquartal. Der Nettogewinn erreichte 1.670,0 Millionen, ein Plus von 71,6 Prozent. Das Unternehmen nennt beides in seiner Pressemitteilung ausdrücklich einen neuen Höchstwert.
Unmittelbar danach steht in derselben Mitteilung, woher der Zuwachs kam:
„Growth was primarily fueled by an increase in metal price variances for copper (LME, +39.8%; COMEX, 30.5%), molybdenum (+43.1%), zinc (30.8%) and silver (+118.6%). These positive variances were partially offset by a decrease in sales volumes for copper (-1.5%) and our main by-products.“
Übersetzung: „Das Wachstum wurde vor allem durch gestiegene Metallpreise getragen — Kupfer (Londoner Metallbörse: plus 39,8 Prozent; New Yorker Warenterminbörse: plus 30,5 Prozent), Molybdän (plus 43,1 Prozent), Zink (plus 30,8 Prozent) und Silber (plus 118,6 Prozent). Teilweise ausgeglichen wurden diese positiven Effekte durch rückläufige Verkaufsmengen bei Kupfer (minus 1,5 Prozent) und unseren wichtigsten Nebenprodukten.“
— Southern Copper Corporation, Anlage 99.1 zur Ergebnismitteilung (8-K), eingereicht am 22. Juli 2026
Die geförderte Kupfermenge sank im zweiten Quartal 2026 um 3,5 Prozent auf 230.662 Tonnen; im gesamten Halbjahr waren es 461.206 Tonnen, 3,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei Molybdän betrug der Rückgang im Quartal 11,0 Prozent, bei Zink 14,5 Prozent, bei Silber 3,8 Prozent. Alle vier Metalle also weniger.
Die Erklärung des Unternehmens ist unspektakulär und deshalb glaubwürdig: Die peruanischen Minen förderten 12,0 Prozent weniger, weil das Erz ärmer wurde. Der Fachbegriff dafür lautet Erzgehalt — er beschreibt, wie viel Kupfer in einer Tonne abgebautem Gestein steckt. Sinkt er, muss man mehr Gestein bewegen, um dieselbe Menge Metall zu bekommen. Man arbeitet härter für weniger.
Das ist kein Betriebsunfall, sondern das Grundgesetz des Bergbaus: Jede Mine wird über die Jahre ärmer. Ein Bergbaukonzern muss deshalb permanent neue Vorkommen erschließen, nur um dort zu bleiben, wo er ist. Southern Copper tut das auch — nur eben langsamer, als es vor drei Jahren angekündigt war. Dazu gleich mehr.
Förderkosten unter null — was wirklich dahintersteckt
Die auffälligste Zahl des Halbjahresberichts ist eine Kostenzahl mit einem Minuszeichen davor. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Förderkosten je Pfund Kupfer nach Abzug der Nebenerlöse bei minus 0,03 US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es plus 0,70 US-Dollar.
„In 6M26, the operating cash cost per pound of copper, net of by-product revenue credits, was -$0.03. This represents a decrease of 104.4% compared to the $0.70 reported in 6M25.“
Übersetzung: „Im ersten Halbjahr 2026 lagen die operativen Förderkosten je Pfund Kupfer nach Abzug der Erlösgutschriften aus Nebenprodukten bei minus 0,03 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang um 104,4 Prozent gegenüber den 0,70 US-Dollar, die für das erste Halbjahr 2025 ausgewiesen wurden.“
— Southern Copper Corporation, Anlage 99.1 zur Ergebnismitteilung (8-K), eingereicht am 22. Juli 2026
Was bedeutet das? Eine Kupfermine fördert nie nur Kupfer. Im selben Gestein steckt Silber, Molybdän, Zink. Diese Nebenprodukte werden mitverkauft, und ihre Erlöse werden in dieser Branchenkennzahl von den Kupferkosten abgezogen. Ist die Zahl negativ, heißt das: Die Nebenprodukte bezahlen die gesamte Kupferförderung — und es bleibt sogar noch etwas übrig.
Das klingt nach überragender Kostenkontrolle. Es ist aber keine. Die Überleitungsrechnung auf der letzten Seite der Ergebnismitteilung zeigt beide Größen nebeneinander, und die zweite steht nie in einer Schlagzeile: Vor Abzug der Nebenerlöse stiegen die Förderkosten von 208,2 auf 229,7 US-Cent je Pfund — ein Plus von 10,3 Prozent. Die eigene Kostenbasis wird also teurer, nicht billiger.
Unter null gedrückt hat sie allein der Erlös aus den Nebenprodukten, der von 138,4 auf 232,7 US-Cent je Pfund sprang. Der größte Treiber dabei war der Silberpreis, der sich im Halbjahresvergleich mehr als verdoppelt hat.
Anders gesagt: Wer die Kostendisziplin von Southern Copper lobt, lobt in Wahrheit den Silbermarkt. Fällt Silber zurück, springt die Kennzahl ins Plus, ohne dass sich in einer einzigen Mine irgendetwas geändert hätte.
Was den Rekordgewinn schmückt
Bevor man eine Gewinnzahl bewertet, sollte man wissen, was einmalig darin steckt. Wir haben die Gewinn- und Verlustrechnung, die Anhangangaben und die Ergebnismitteilung systematisch danach abgesucht. Das Ergebnis vorweg: Es gibt keinen großen Einmalertrag und keinen Steuer-Sondereffekt. Der Rekord ist in dieser Hinsicht ehrlich. Drei kleinere Posten schmücken ihn trotzdem, und einer davon ist größer, als er wirkt.
Erstens: vorläufig bepreiste Verkäufe. Kupfer wird oft ausgeliefert, bevor der endgültige Preis feststeht — abgerechnet wird später zum dann gültigen Börsenpreis. Bis dahin steht der Verkauf mit einem vorläufigen Preis in den Büchern und wird zu jedem Stichtag neu bewertet. Zum 30. Juni 2026 standen so 188,7 Millionen Pfund Kupfer, 14,1 Millionen Pfund Molybdän und 49,9 Millionen Pfund Zink offen. Die Neubewertung brachte einen positiven Ertrag von 13,1 Millionen US-Dollar bei Kupfer, 50,1 Millionen bei Molybdän und 2,9 Millionen bei Zink — zusammen 66,1 Millionen.
Das sind rund zwei Prozent des Halbjahresgewinns. Nicht dramatisch, aber es ist eine Einbahnstraße nur so lange, wie die Preise steigen. Bei fallenden Preisen dreht derselbe Posten ins Minus. Im gesamten Jahr 2025 lag er bei plus 197,8 Millionen US-Dollar — auch das ein Rückenwind, der jederzeit zum Gegenwind werden kann.
Zweitens: gut ein Drittel des Cashflow-Sprungs ist eine ausgebliebene Vorjahreslast. Der operative Mittelzufluss stieg im Halbjahr um 116,9 Prozent auf 3.683,0 Millionen US-Dollar — ein Plus von 1.984,8 Millionen. Das Unternehmen nennt darin eine Entlastung aus dem Umlaufvermögen von 718,5 Millionen US-Dollar; das sind gut 36 Prozent des Anstiegs. Wichtig ist, wie diese Entlastung zustande kommt: 2026 wurde kein Kapital frei — per Saldo band das Umlaufvermögen sogar 24,2 Millionen. Der Unterschied liegt im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2025 hatten vor allem Steuer- und Gewinnbeteiligungszahlungen sowie ein Forderungsaufbau zusammen 742,7 Millionen gebunden. Diese Last fiel diesmal weg. Das ist keine wiederholbare operative Leistung, sondern eine Vergleichsbasis, die tief lag.
Drittens: eine geschmeichelte Vergleichsbasis. Im Halbjahr 2025 steckte eine Wertminderung von 9,9 Millionen US-Dollar auf das Projekt Tía María in den Zahlen; 2026 gab es stattdessen Erträge aus dem Verkauf von Anlagevermögen in Mexiko. Beides zusammen macht weniger als ein Prozent des Gewinns aus, lässt den Vorjahresvergleich aber etwas besser aussehen, als er ist.
Rechnet man allein die 66,1 Millionen aus den vorläufigen Preisen heraus, bleiben rund 3,18 Milliarden US-Dollar Halbjahresgewinn statt 3,25 Milliarden. Der Rekord bleibt also stehen. Er steht nur eben auf Metallpreisen — und die sind kein Einmaleffekt, sondern etwas Schlimmeres: ein wiederkehrender Effekt mit unbekanntem Vorzeichen.
Drei Jahre Telefonkonferenzen — versprochen und geliefert
Der interessanteste Teil einer Quartalskonferenz ist nie das vorbereitete Statement. Es ist der Frageteil danach, wenn Analysten nachbohren. Wir haben neun Mitschriften vom dritten Quartal 2023 bis zum zweiten Quartal 2026 gelesen und nach einem einzigen Muster gesucht: Was wurde versprochen, was ist eingetroffen?
Auffällig ist zuerst etwas Formales. Es spricht praktisch immer nur eine Person: Finanzvorstand Raúl Jacob. Der Vorstandsvorsitzende sitzt daneben und sagt in drei Jahren so gut wie nichts — auch der seit dem zweiten Quartal 2026 amtierende neue Vorstandschef nicht.
Das Förderziel, das von Konferenz zu Konferenz kleiner wurde
Im Herbst 2023 nannte das Unternehmen für das Jahr 2027 eine Million Tonnen Kupfer — wörtlich „1 million tons of copper production“. Im Sommer 2026 sind daraus rund 917.000 Tonnen geworden. Der Rückgang kam nicht als eine große Korrektur, sondern in vielen kleinen Schritten, von denen jeder einzelne unauffällig blieb.
Der erste dieser Schritte wurde überhaupt nur sichtbar, weil ein Analyst nachrechnete:
„I just wanted to clarify on the guidance. And you said 946,000 tons next year. In my notes, I had that last quarter that, that guidance was 1,026,000 tons, which is a 80,000-ton cut to that guidance. Am I correct?“
Übersetzung: „Ich wollte nur die Prognose klären. Sie sagten 946.000 Tonnen für nächstes Jahr. In meinen Notizen steht, dass die Prognose im letzten Quartal noch bei 1.026.000 Tonnen lag — das wäre eine Kürzung um 80.000 Tonnen. Habe ich das richtig verstanden?“
— Alex Hacking, Citi, in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2023
Die Antwort des Finanzvorstands bestätigte die Rechnung und lieferte die Begründung, die seither in jeder Konferenz wiederkehrt:
„It's basically ore grade because the operations are at full speed, all the time, 24/7.“
Übersetzung: „Es liegt im Wesentlichen am Erzgehalt, denn die Betriebe laufen ohnehin durchgehend unter Volllast, rund um die Uhr.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2023
Die Aussage ist ehrlich, und sie ist bitter: Wenn die Anlagen ohnehin am Anschlag laufen, gibt es keinen Hebel mehr. Dann entscheidet allein das Gestein. Im Oktober 2025 bezifferte der Finanzvorstand einen möglichen Ausbau von Cuajone auf 600 bis 700 Millionen US-Dollar für rund 40.000 Tonnen Kupfer im Jahr — ausdrücklich ohne Beschluss des Verwaltungsrats. Im Januar 2026 nannte er dann den Grund: Cuajone habe einen neuen, strukturell niedrigeren Erzgehalt erreicht.
Während das Nahziel schrumpfte, wuchs das Fernziel. Ab dem dritten Quartal 2025 taucht in den Konferenzen eine neue Zahl auf: 1,6 Millionen Tonnen, irgendwann in den Dreißigerjahren. Und die Millionenmarke, die 2023 noch für 2027 versprochen war, nennt das Unternehmen inzwischen für 2029.
Tía María: von „alles bereit“ zur Baustelle mit Restrisiko
Tía María in der Region Arequipa ist das wichtigste Wachstumsprojekt des Konzerns: 120.000 Tonnen Kupferkathoden im Jahr. Sein Weg durch die Konferenzen ist eine Lehrstunde darin, wie ein Zeitplan verschwindet.
Im Herbst 2023 hieß es, das Unternehmen sei bereit, die technische Planung stehe. Im Februar 2024 folgte:
„We expect to begin the construction phase of the project in the near future.“
Übersetzung: „Wir gehen davon aus, in naher Zukunft mit der Bauphase des Projekts zu beginnen.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum vierten Quartal 2023
Als ein Analyst wenige Monate später nach dem konkreten Zeitplan fragte, fiel die Antwort so knapp aus, dass sie in Erinnerung bleibt: „No time line. No time line. We're doing progress.“ — „Kein Zeitplan. Kein Zeitplan. Wir kommen voran.“
Im Herbst 2024 kam dann die Zahl, die den eigentlichen Preis der Verzögerung nannte:
„The ballpark number that we're seeing is about $1.8 billion, but we still are looking into this number to be sure that that's the one that we want to execute.“
Übersetzung: „Die Größenordnung, die wir sehen, liegt bei etwa 1,8 Milliarden US-Dollar, aber wir prüfen diese Zahl noch, um sicherzugehen, dass wir sie so umsetzen wollen.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2024
Aus 1,4 Milliarden waren 1,8 Milliarden geworden — 29 Prozent mehr, ohne dass ein einziger zusätzlicher Kupferbarren geplant war.
Fairerweise gehört die andere Hälfte dazu: Seit Mitte 2024 liefert das Projekt messbaren Fortschritt. Der Baustand kletterte von 23 Prozent im Herbst 2025 auf 42 Prozent zum 30. Juni 2026. Im Oktober 2025 erteilte das peruanische Ministerium die Abbaugenehmigung. Und im Juni 2026 begab das Unternehmen eine Anleihe über 1.250 Millionen US-Dollar zu 5,350 Prozent mit Laufzeit bis 2036, deren Erlös laut Quartalsbericht ausdrücklich der peruanischen Niederlassung und dem Projekt Tía María zugutekommt. Die Finanzierung steht also.
Trotzdem blieb im jüngsten Call eine ganz konkrete Ja-oder-Nein-Frage unbeantwortet. Ein Analyst von Goldman Sachs wollte wissen, ob die Bestellung für die Entsalzungsanlage — ohne Wasser keine Mine — bereits herausgegangen sei:
„We are putting purchase orders and doing the proper contacts to different suppliers of the major parts of equipment, among them, the desal plant. For now, we don't expect a delay in the project.“
Übersetzung: „Wir platzieren gerade Bestellungen und stehen mit verschiedenen Lieferanten der wichtigsten Anlagenteile in Kontakt, darunter auch die Entsalzungsanlage. Derzeit rechnen wir nicht mit einer Verzögerung des Projekts.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026
Gefragt war: Ist die Bestellung raus? Geantwortet wurde: Wir sind im Gespräch. Das ist keine Lüge, aber es ist auch keine Antwort. Der geplante Produktionsstart liegt in der zweiten Jahreshälfte 2027.
Los Chancas: drei Jahre dasselbe Versprechen
Beim zweiten großen Peru-Projekt Los Chancas hat sich in drei Jahren nichts bewegt. Illegale Bergleute halten das Konzessionsgebiet besetzt. Seit dem dritten Quartal 2023 heißt es in jeder Konferenz, man arbeite mit den Behörden an ihrer Entfernung. Im Herbst 2024 nannte der Finanzvorstand erstmals einen Zeitraum — bis zum ersten Quartal 2025 erwarte man die Räumung, ausdrücklich als Erwartung formuliert.
Was stattdessen kam, berichtete der Finanzvorstand im Frühjahr 2025 selbst:
„Sadly, between March 12 and 14 of this year, a group of illegal miners attacked the project facilities and set fire to our camps in Mazopampa and Patahias, damaging both equipment and facilities.“
Übersetzung: „Bedauerlicherweise hat zwischen dem 12. und 14. März dieses Jahres eine Gruppe illegaler Bergleute die Projektanlagen angegriffen und unsere Camps in Mazopampa und Patahias in Brand gesetzt, wobei sowohl Ausrüstung als auch Anlagen beschädigt wurden.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal 2025
Im Sommer 2026 lautet der Stand unverändert, dass die illegalen Bergleute trotz staatlicher Einsätze weiter vor Ort sind und den Fortschritt behindern. Der geplante Produktionsbeginn liegt jetzt im Jahr 2031.
Die ehrlichste Zeile aus drei Jahren
Das Projekt El Pilar in Mexiko wurde 2015 aus einer Insolvenz gekauft. Im Sommer 2026 fiel endlich der Baubeschluss: 551 Millionen US-Dollar, 36.000 Tonnen Kathoden im Jahr, Produktionsstart in der zweiten Hälfte 2029. Ein Analyst rechnete in der Konferenz vor, dass zwischen Kauf und Beschluss elf Jahre lagen, und bat um eine Erklärung für die Verzögerungen. Er schloss mit einem Satz, der die ganze Geschichte dieser Firma in einer Zeile zusammenfasst:
„I just -- I wait many years, and I hope God gives me enough years to see everything get built.“
Übersetzung: „Ich warte einfach — ich warte viele Jahre, und ich hoffe, Gott schenkt mir genug Jahre, um noch zu erleben, dass alles gebaut wird.“
— John Tumazos, Very Independent Research, in der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026
Wo das Management schweigt
Zwei Stellen fallen auf, weil dort nicht ausgewichen, sondern ausdrücklich nicht geantwortet wird. Die eine betrifft die Preisdifferenz zwischen der Londoner Metallbörse und der New Yorker Warenterminbörse, von der das Unternehmen seit 2025 profitiert — hier lautet die Auskunft auf Nachfragen zweimal sinngemäß, dazu äußere man sich nicht. Die andere betrifft die Altlast am Rio Sonora: 2023 hieß es dazu, man habe keine Kommentare; 2025, für das Unternehmen sei die Sache erledigt.
Und eine dritte Beobachtung, die man bei der Bewertung von Marktprognosen im Hinterkopf behalten sollte: Die Einschätzung des eigenen Hauses zum Kupfermarkt drehte in drei Jahren mehrfach — vom Überschuss 2023 über ein Defizit 2024 zurück zum Überschuss, dann wieder zum Defizit 2025. Wer solche Prognosen als Kaufargument nimmt, sollte wissen, wie kurz ihre Halbwertszeit ist.
Ein einziger Aktionär bestimmt fast alles
Bei den meisten Aktien ist die Eigentümerstruktur eine Fußnote. Hier ist sie ein Kapitel. Der Geschäftsbericht führt sie selbst unter den Risikohinweisen auf — mit einer Überschrift, die an Deutlichkeit nichts vermissen lässt:
„We are controlled by Grupo Mexico, which exercises control over our affairs and policies and whose interests may be different from yours. As of December 31, 2025, Grupo Mexico owned indirectly 88.9% of our capital stock.“
Übersetzung: „Wir werden von Grupo México kontrolliert, das die Kontrolle über unsere Angelegenheiten und Grundsätze ausübt und dessen Interessen von Ihren abweichen können. Zum 31. Dezember 2025 hielt Grupo México indirekt 88,9 Prozent unseres Grundkapitals.“
— Southern Copper Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Risikohinweise
Der Bericht zählt anschließend auf, worüber dieser eine Aktionär allein entscheidet — darunter ausdrücklich, ob und in welcher Höhe Dividenden gezahlt werden. Und er formuliert einen Gedanken, den man selten so offen liest: Sollten sich die finanziellen Verpflichtungen der Muttergesellschaften erhöhen, sei nicht auszuschließen, dass diese sich Darlehen, höhere Dividenden oder andere Mittel von der Tochter beschaffen.
Für einen Kleinanleger heißt das schlicht: Bei jeder Hauptversammlung ist das Ergebnis bekannt, bevor die Stimmen ausgezählt sind. Wer diese Aktie kauft, kauft einen Minderheitsanteil an einem Unternehmen, dessen Kurs an der Börse gemacht wird, dessen Entscheidungen aber woanders fallen.
Hinzu kommen laufende Geschäfte im Konzernumfeld: Stromlieferverträge mit Schwestergesellschaften bis 2032 und über zwanzig Jahre laufende Windparkverträge, dazu Miete von Büroflächen, Lufttransport und Unterhaltung von Gesellschaften, die der Familie des Mehrheitseigners gehören. Nichts davon ist verboten, alles davon ist offengelegt — aber jede dieser Vereinbarungen wird zwischen Parteien geschlossen, die auf beiden Seiten des Tisches denselben Eigentümer haben.
Peru und Mexiko: die Rechnungen, die noch offen sind
Drei Konflikte begleiten das Unternehmen seit Jahren und stehen unverändert in den Berichten.
Tía María. Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 nennt die Zahl der anhängigen Klagen gegen die peruanische Niederlassung:
„There are eight lawsuits filed against the Peruvian Branch of the Company related to the Tia Maria project. The lawsuits seek (i) to declare null and void the resolution that approved the Environmental Impact Assessment of the project; (ii) the cancellation of the project and the withdrawal of mining activities in the area …“
Übersetzung: „Gegen die peruanische Niederlassung der Gesellschaft sind acht Klagen im Zusammenhang mit dem Projekt Tía María anhängig. Die Klagen zielen darauf ab, (i) den Beschluss über die Genehmigung der Umweltverträglichkeitsprüfung für nichtig zu erklären, (ii) das Projekt zu annullieren und den Bergbaubetrieb in dem Gebiet einzustellen …“
— Southern Copper Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Anhangangabe 10
Rio Sonora. 2014 lief aus einer Laugungsanlage der Mine Buenavista Kupfersulfatlösung in den Fluss Sonora. Straf- und Zivilverfahren dauern an; im Oktober 2023 zeigte die mexikanische Umweltbehörde das Unternehmen erneut an, weil die Sanierung unvollständig und die Entschädigung unzureichend gewesen sei. Am 24. Juli 2026 — nach dem Quartalsende — zahlte das Unternehmen 500 Millionen mexikanische Pesos, rund 29 Millionen US-Dollar, als „Solidaritätsbeitrag“ für Sozial- und Entwicklungsprogramme im Bundesstaat Sonora an die Umweltbehörde.
Arbeitskämpfe. Die Mine Taxco in Mexiko wird seit Juli 2007 bestreikt und steht seither still. Die Mine San Martín stand elf Jahre still, von Juli 2007 bis August 2018; ihre Wiederherstellung kostete rund 90,5 Millionen US-Dollar. Gewerkschaftlich organisiert waren zum 30. Juni 2026 rund 49,2 Prozent der 5.643 Beschäftigten in Peru; für Mexiko nennt der Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2025 rund 71 Prozent.
Die Dividende besteht zu zwei Dritteln aus eigenen Aktien
Southern Copper gilt als verlässlicher Dividendenzahler. Das Bild verdient eine genauere Betrachtung.
Am 16. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine Barausschüttung von 1,10 US-Dollar je Aktie und zusätzlich eine Aktiendividende von 0,0120 Aktien je Aktie, zahlbar am 27. August 2026. In der Pressemitteilung wird daraus ein Gesamtwert von 3,23 US-Dollar je Aktie — der Aktienanteil wird dabei mit einem Kurs von 177,32 US-Dollar bewertet.
Zwei Drittel dieser Ausschüttung sind also kein Geld, sondern Papier. Und dieses Papier kommt aus einem Bestand eigener Aktien, den das Unternehmen vor Jahren zurückgekauft hat. Der Bestand schrumpft sichtbar: von 65.497.804 Stück zum 31. Dezember 2025 auf 50.267.580 zum 30. Juni 2026 — 15,2 Millionen Aktien in einem Halbjahr.
Nachschub gibt es kaum. Der Geschäftsbericht 2025 hält fest, dass seit dem dritten Quartal 2016 keine Rückkäufe mehr stattgefunden haben und das genehmigte Restvolumen nur noch für rund 0,6 Millionen Aktien reicht. Bei dem Tempo des ersten Halbjahres 2026 — 15,2 Millionen Aktien in sechs Monaten — reicht der Bestand noch gut drei Halbjahre, also bis etwa Anfang 2028. Das Tempo steigt allerdings: Die Rate wuchs von 0,0085 Aktien je Aktie im Februar 2026 auf 0,0100 im Mai und 0,0120 im August. Bleibt es dabei, ist der Vorrat entsprechend früher leer.
Wirtschaftlich ist eine Aktiendividende für den Bestandsaktionär zunächst neutral: Jeder bekommt anteilig neue Stücke, der Kuchen wird in mehr Scheiben geschnitten. Die Zahl der ausstehenden Aktien wuchs so binnen zwölf Monaten von 804,1 Millionen zum 30. Juni 2025 auf 834.331.706 Stück zum 30. Juli 2026, ein Plus von 3,8 Prozent. Die Frage ist, was passiert, wenn der Vorrat aufgebraucht ist.
Wie ernst diese Frage ist, hat der Finanzvorstand selbst beantwortet, als ein Analyst nach dem Sinn der Aktienkomponente fragte:
„We wouldn't be able to pay the dividends that we have been paying without using a portion of the shares. So $0.90 in cash is what the company can pay out.“
Übersetzung: „Wir wären nicht in der Lage, die Dividenden zu zahlen, die wir gezahlt haben, ohne einen Teil der Aktien einzusetzen. 0,90 US-Dollar in bar ist das, was das Unternehmen ausschütten kann.“
— Raúl Jacob, Finanzvorstand, in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2025
Das ist eine bemerkenswert offene Auskunft. Sie sagt: Die optisch hohe Ausschüttung ist nicht in voller Höhe verdient, sie ist teilweise ausgegebenes Eigentum. Der Geschäftsbericht warnt zudem ausdrücklich, künftige Ausschüttungen könnten je nach Investitionsprogramm und Weltwirtschaftslage niedriger ausfallen als in den vergangenen Jahren. Die Barausschüttung schwankte tatsächlich erheblich: 4,00 US-Dollar je Aktie 2023, 2,10 im Jahr 2024, 3,10 im Jahr 2025.
Was die Aktie kostet
Ende August 2026 war Southern Copper mit rund 176 Milliarden US-Dollar bewertet — gerechnet aus 844.343.686 ausstehenden Aktien und dem Schlusskurs vom 31. August 2026 von 208,87 US-Dollar. Die Aktienzahl selbst erklärt sich aus dem Quartalsbericht: 834.331.706 Aktien zum 30. Juli 2026 zuzüglich der Aktiendividende von 1,2 Prozent, die am 27. August 2026 an die zum 11. August eingetragenen Aktionäre ausgezahlt wurde.
Auf Basis des Gewinns der zurückliegenden zwölf Monate von 6,46 US-Dollar je Aktie ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 32. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei etwa 14,5, der Unternehmenswert bei rund dem 18-Fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Datenstand 30. August 2026).
Diese Werte muss man einordnen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32 ist für ein Softwarehaus mit wiederkehrenden Erlösen unauffällig. Für einen Rohstoffproduzenten ist es hoch — und zwar deshalb, weil der Gewinn, durch den hier geteilt wird, auf einem Rekordniveau steht, das an Metallpreisen hängt. Fällt der Kupferpreis, fällt der Gewinn, und das Verhältnis steigt schlagartig, ohne dass der Kurs sich bewegt haben muss. Der Geschäftsbericht nennt für den Kupferpreis eine Spanne von 1,96 US-Dollar je Pfund im Jahr 2016 bis zum Rekordwert von 5,68 US-Dollar im Jahr 2025. Das ist der Rahmen, in dem sich alles abspielt.
Die Aktie hat sich in den zwölf Monaten bis Ende August 2026 mehr als verdoppelt: Das Tief der Zweiundfünfzig-Wochen-Spanne lag bei 90,57 US-Dollar, das Hoch bei 221,67 US-Dollar. Zum Stichtag notierte sie rund 6 Prozent unter diesem Hoch.
Bemerkenswert ist auch die Handelbarkeit. Von den 844 Millionen Aktien sind nach Anbieterangaben nur rund 93 Millionen frei handelbar — etwa 11 Prozent. Ein so enger Streubesitz verstärkt Bewegungen in beide Richtungen: Es braucht wenig Geld, um den Kurs zu bewegen.
Die Dividendenrendite beträgt auf Basis der reinen Barausschüttung von 1,10 US-Dollar je Quartal und des Schlusskurses vom 31. August 2026 rund 2,1 Prozent. Rechnet man die Aktienkomponente mit, kommt man auf einen höheren Wert — man sollte dann aber wissen, dass dieser Teil aus einem endlichen Vorrat stammt.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für das Unternehmen spricht:
- Das Unternehmen bezeichnet sich als Inhaber der größten Kupferreserven der Branche. Reserven sind im Bergbau der eigentliche Vermögenswert — sie lassen sich nicht kurzfristig nachbauen.
- Die Profitabilität ist außergewöhnlich: 38,0 Prozent Nettomarge im ersten Halbjahr 2026, 32,3 Prozent im Gesamtjahr 2025.
- Die Bilanz ist robust: 664,5 Millionen US-Dollar Nettoverschuldung gegenüber 12.632,2 Millionen Eigenkapital zum 30. Juni 2026.
- Die Projektpipeline ist real und finanziert. Tía María war zum 30. Juni 2026 zu 42 Prozent fertiggestellt, El Pilar beschlossen, das Investitionsprogramm für das Jahrzehnt übersteigt nach Unternehmensangaben 20,5 Milliarden US-Dollar.
- Kupfer wird für Stromnetze, Elektromotoren und Rechenzentren gebraucht. Die langfristige Nachfrage ist keine Erzählung, sondern Physik.
Was dagegen spricht:
- Die Fördermenge sinkt. 2025 lag sie unter dem Wert von 2019, die eigene Planung für 2026 liegt noch darunter. Der Grund — sinkende Erzgehalte — lässt sich nicht durch Management beheben.
- Das Ergebnis hängt an Preisen, die das Unternehmen nicht beeinflusst. Das gilt für Kupfer und inzwischen genauso für Silber, das die Kostenrechnung trägt.
- Die eigene Kostenbasis steigt: 229,7 statt 208,2 US-Cent je Pfund vor Nebenerlösen im Halbjahresvergleich.
- Ein Aktionär hält 88,9 Prozent und entscheidet laut Geschäftsbericht allein über die Dividende. Minderheitsaktionäre haben faktisch kein Stimmgewicht.
- Politische und rechtliche Risiken in beiden Ländern: acht Klagen zu Tía María, ein seit 2007 bestreikter Betrieb, laufende Verfahren zum Rio Sonora, ein seit drei Jahren blockiertes Projekt in Los Chancas.
- Ein Teil der Ausschüttung stammt aus einem Aktienbestand, der beim Tempo des ersten Halbjahres 2026 bis etwa Anfang 2028 reicht — bei weiter steigender Ausgaberate früher.
- Der Streubesitz von rund 11 Prozent macht den Kurs anfällig für starke Ausschläge.
Ein menschliches Fazit
Zurück zu dem Wort vom Anfang. Rekord ist keine Lüge — die Zahlen stimmen, wir haben sie im Original nachgelesen. Aber ein Rekord beschreibt ein Ergebnis, nicht seine Ursache. Und die Ursache steht bei Southern Copper zwei Zeilen tiefer, wo sie kaum jemand liest.
Was wir gefunden haben, ist kein Skandal. Es ist etwas Leiseres: ein sehr gut geführter, außergewöhnlich profitabler Bergbaukonzern, dessen Minen langsam ärmer werden, dessen Wachstumsprojekte Jahre später kommen als angekündigt, und dessen jüngste Glanzzahlen von Metallpreisen getragen werden, die morgen anders sein können. Die Firma hat das nie verheimlicht. Sie hat es nur ans Ende der Pressemitteilung geschrieben statt an den Anfang.
Für den Anleger heißt das: Wer diese Aktie kauft, kauft eine Wette auf den Kupfer- und Silberpreis — verpackt in ein Unternehmen mit einer erstklassigen Bilanz und einem Eigentümer, der allein entscheidet, was ausgeschüttet wird. Das kann man wollen. Man sollte nur wissen, dass man es tut, und es nicht mit einer Wette auf betriebliche Verbesserung verwechseln. Die Fördermenge sagt zu dieser Verbesserung seit sieben Jahren dasselbe: nichts.
Ob das zu diesem Kurs ein guter Handel ist, entscheidest Du. Wir haben nur nachgesehen, was wirklich in den Berichten steht — und was zwischen zwei Rekordmeldungen leise verschwunden ist.
Dies ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Zahlen stammen aus den unten genannten Quellen und tragen den dort angegebenen Stichtag.
Quellen
- Southern Copper Corporation, Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, eingereicht am 31. Juli 2026 (SEC EDGAR, CIK 0001001838)
- Anlage 99.1 zur Ergebnismitteilung (Pflichtmeldung 8-K, Punkt 2.02), eingereicht am 22. Juli 2026
- Geschäftsbericht 10-K für das Jahr 2025, eingereicht am 27. Februar 2026
- Geschäftsbericht 10-K für das Jahr 2024, eingereicht am 3. März 2025
- Geschäftsbericht 10-K für das Jahr 2021, eingereicht am 7. März 2022 (Zahlenreihen 2019 bis 2021)
- Mitschriften der Telefonkonferenzen zum Quartalsergebnis, drittes Quartal 2023 bis zweites Quartal 2026 (neun Mitschriften; für das vierte Quartal 2024, das zweite Quartal 2025 und das erste Quartal 2026 lagen keine vor)
- Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q) — Kursstand 31. August 2026, Kennzahlenstand 30. August 2026
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 10.934,1 | 10.047,9 | 9.895,8 | 11.433,4 | 13.420,0 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 6.065,1 | 4.435,8 | 4.192,3 | 5.554,7 | 7.001,6 |
| Nettogewinn | 3.397,1 | 2.638,5 | 2.425,2 | 3.376,7 | 4.334,9 |
| Nettomarge | 31,1 % | 26,3 % | 24,5 % | 29,5 % | 32,3 % |
| Gewinn je Aktie | 4,39 $ | 3,41 $ | 3,09 $ | 4,30 $ | 5,17 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Profitabilität positiv
- Nettomarge von 38,0 Prozent im ersten Halbjahr 2026 und 32,3 Prozent im Gesamtjahr 2025. Der operative Cashflow lag im Halbjahr bei 3.683,0 Millionen US-Dollar. Das ist außergewöhnlich für einen Rohstoffproduzenten.
- Bilanz positiv
- Nettoverschuldung von 664,5 Millionen US-Dollar gegenüber 12.632,2 Millionen Eigenkapital zum 30. Juni 2026 — Ende 2023 waren es noch 4.503,8 Millionen Nettoschulden. Ein Substanzrisiko ist daraus nicht ableitbar.
- Fördermenge negativ
- Die geförderte Kupfermenge lag 2025 mit rund 956.000 Tonnen unter dem Wert von 2019, die eigene Planung für 2026 nennt rund 917.000 Tonnen. Grund sind sinkende Erzgehalte, vor allem in Peru — ein Problem, das sich nicht wegorganisieren lässt.
- Kostenstruktur neutral
- Die Förderkosten nach Nebenerlösen fielen im ersten Halbjahr 2026 auf minus 0,03 US-Dollar je Pfund. Vor Nebenerlösen stiegen sie jedoch von 208,2 auf 229,7 US-Cent. Der Vorzeichenwechsel ist eine Preisgeschichte bei Silber, keine Kostenleistung.
- Eigentümerstruktur negativ
- Grupo México hielt zum 31. Dezember 2025 indirekt 88,9 Prozent. Der Geschäftsbericht nennt selbst, dass dieser Aktionär allein über Dividendenhöhe, Verschuldung und Investitionen entscheidet und dass seine Interessen von denen der Minderheitsaktionäre abweichen können.
- Verlässlichkeit der Planung negativ
- Das Förderziel für 2027 sank zwischen Herbst 2023 und Sommer 2026 von 1.000.000 auf rund 917.000 Tonnen. Das Budget für Tía María stieg 2024 von 1,4 auf rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Das Projekt Los Chancas steht seit drei Jahren wegen illegaler Bergleute still.
Southern Copper ist ein hochprofitabler Kupferproduzent mit einer erstklassigen Bilanz, dessen Rekordzahlen des zweiten Quartals 2026 nach eigener Darstellung von gestiegenen Metallpreisen getragen wurden, während die Fördermenge in allen vier Metallen zurückging. Die Förderkosten unter null sind ein Silberpreis-Effekt; die eigene Kostenbasis stieg. Dazu kommen ein Mehrheitseigner mit 88,9 Prozent, der laut Geschäftsbericht allein über die Ausschüttung entscheidet, und eine Dividende, die zu zwei Dritteln aus einem endlichen Bestand eigener Aktien stammt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäft trägt zweifelsfrei: hohe Margen, robuste Bilanz, echte Reserven, ein finanziertes Bauprogramm. Auf Gelb steht die Ampel wegen zweier offener operativer Fragen. Erstens sinkt die Fördermenge seit Jahren aus geologischen Gründen, und die Wachstumsprojekte kommen später und teurer als angekündigt — das Ergebnis wird derzeit allein von Preisen getragen, die das Unternehmen nicht steuert. Zweitens hängt die spektakulärste Kennzahl des Berichts, die negative Förderkostenzahl, vollständig am Silberpreis, während die eigenen Kosten steigen. Beides sind Betriebsfragen, keine Substanzrisiken — für Rot fehlt jeder Befund, für Grün fehlt der Nachweis, dass das Unternehmen aus eigener Kraft wachsen kann.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Anlass der Analyse war der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026, eingereicht am 31. Juli 2026, sowie die Ergebnismitteilung vom 22. Juli 2026.
- Alle Filings danach wurden durchgesehen: Es gab bis zum 1. September 2026 nur eine Verkaufsanzeige und zwei Insider-Meldungen eines einzelnen Verwaltungsratsmitglieds über zusammen rund 59.000 US-Dollar — wirtschaftlich ohne Belang.
- Kursstand 31. August 2026, Kennzahlenstand 30. August 2026. Die Aktienzahl stammt aus dem Quartalsbericht (834.331.706 zum 30. Juli 2026); die abweichende Anbieterangabe von 844.343.686 erklärt sich vollständig aus der am 27. August 2026 gezahlten Aktiendividende von 1,2 Prozent (Stichtag 11. August 2026).
- Verwechslungsgefahr: Southern Copper Corporation ist eine US-Gesellschaft nach dem Recht von Delaware und reicht Geschäfts- und Quartalsberichte (10-K/10-Q) ein — trotz der mexikanischen Mutter. Bis 2005 firmierte sie als Southern Peru Copper Corporation.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 1. September 2026. Was sich seitdem bei SCCO geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Weil der Umsatz vom Preis mal der Menge bestimmt wird — und der Preis stärker gestiegen ist, als die Menge gefallen ist. Das Unternehmen führt das Wachstum im zweiten Quartal 2026 selbst auf höhere Metallpreise zurück: Kupfer plus 39,8 Prozent an der Londoner Metallbörse, Silber plus 118,6 Prozent. Die verkaufte Kupfermenge sank im selben Zeitraum um 1,5 Prozent, die geförderte um 3,5 Prozent.
Eine Kupfermine fördert immer auch Silber, Molybdän und Zink. Deren Verkaufserlöse werden in dieser Branchenkennzahl von den Kupferkosten abgezogen. Ist das Ergebnis negativ, decken die Nebenprodukte die gesamten Förderkosten und lassen noch etwas übrig. Vor Abzug dieser Erlöse stiegen die Kosten im ersten Halbjahr 2026 allerdings von 208,2 auf 229,7 US-Cent je Pfund — die eigene Kostenbasis wird also teurer, nicht billiger.
Der mexikanischen Grupo México, die zum 31. Dezember 2025 indirekt 88,9 Prozent des Kapitals hielt. Der Geschäftsbericht führt das unter den Risikohinweisen und listet auf, worüber dieser Aktionär allein entscheidet — darunter die Besetzung des Verwaltungsrats, Fusionen, die Verschuldung und ausdrücklich auch, ob und in welcher Höhe Dividenden gezahlt werden. Frei handelbar sind nach Anbieterangaben nur rund 11 Prozent der Aktien.
Die Barausschüttung schwankte in den vergangenen Jahren erheblich: 4,00 US-Dollar je Aktie 2023, 2,10 im Jahr 2024, 3,10 im Jahr 2025. Seit dem zweiten Quartal 2024 zahlt das Unternehmen zusätzlich Aktiendividenden aus eigenen Beständen. Von der im Juli 2026 beschlossenen Ausschüttung im Gesamtwert von 3,23 US-Dollar je Aktie waren nur 1,10 US-Dollar Bargeld. Der Geschäftsbericht warnt ausdrücklich, künftige Ausschüttungen könnten niedriger ausfallen als zuletzt.
Nach Angaben des Unternehmens in der zweiten Jahreshälfte 2027. Zum 30. Juni 2026 war das Projekt zu 42 Prozent fertiggestellt, die Abbaugenehmigung liegt seit Oktober 2025 vor, und im Juni 2026 wurde eine Anleihe über 1.250 Millionen US-Dollar begeben, deren Erlös laut Quartalsbericht ausdrücklich diesem Projekt zugutekommt. Zur Einordnung: Das ursprüngliche Budget von 1,4 Milliarden US-Dollar wurde 2024 auf rund 1,8 Milliarden angehoben, und gegen das Projekt sind acht Klagen anhängig.
Für 2026 nennt das Unternehmen rund 917.000 Tonnen und für 2027 in etwa dieselbe Menge. Zum Vergleich: Im Herbst 2023 war für 2027 noch eine Million Tonnen genannt worden. Die Millionenmarke nennt das Unternehmen inzwischen für 2029. Als Grund für die Rückstufungen wird durchgehend der sinkende Erzgehalt genannt, vor allem in der peruanischen Mine Cuajone.
Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 nennt acht anhängige Klagen gegen die peruanische Niederlassung zum Projekt Tía María, die älteste von 2015. In Mexiko dauern Straf- und Zivilverfahren zum Austritt von Kupfersulfatlösung in den Fluss Sonora aus dem Jahr 2014 an; im Oktober 2023 kam eine weitere Strafanzeige der Umweltbehörde hinzu. Die Mine Taxco wird zudem seit Juli 2007 bestreikt und steht still.
Auf Basis des Gewinns der zurückliegenden zwölf Monate von 6,46 US-Dollar je Aktie und des Schlusskurses vom 31. August 2026 von 208,87 US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 32. Wichtig für die Einordnung: Der Gewinn steht derzeit auf Rekordniveau und hängt an Metallpreisen. Fällt der Kupferpreis, steigt dieses Verhältnis, ohne dass sich der Kurs bewegt haben muss.
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