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secunet-Aktie: Der Cyber-Wächter des Staates — Rekordzahlen, volle Auftragsbücher, aber ein KGV von 35

secunet-Aktie: Der Cyber-Wächter des Staates — Rekordzahlen, volle Auftragsbücher, aber ein KGV von 35

secunet sichert die digitalen Netze der Bundesregierung und Bundeswehr, wuchs 2025 um 13 Prozent auf 458,8 Millionen Euro Umsatz und meldet einen Auftragsbestand von 278,9 Millionen (+36 Prozent). Der Haken: Die Aktie kostet das 35-Fache des Jahresgewinns.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 11 Min. Lesezeit
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secunet-Aktie: Der Cyber-Wächter des Staates — Rekordzahlen, volle Auftragsbücher, aber ein KGV von 35
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Annual Report 2025 und Q1-Bericht 2026 (secunet Security Networks AG)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Wenn ein deutsches Ministerium eine als „Verschlusssache" eingestufte Datei über das Netz schickt, läuft das mit hoher Wahrscheinlichkeit über Technik von secunet (Xetra: YSN). Der Essener IT-Sicherheitskonzern ist seit 25 Jahren der digitale Schutzpartner von Bundesbehörden und Bundeswehr — und das macht ihn zum vielleicht solidesten Unternehmen unter den heiß diskutierten Nebenwerten. 2025 war ein Rekordjahr: Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 458,8 Millionen Euro, das operative Ergebnis (EBIT) um 21 Prozent auf 51,6 Millionen, der Auftragsbestand um 36 Prozent auf 278,9 Millionen. Und trotzdem ist die Aktie kein Selbstläufer, denn sie hat einen Preis, den man rechtfertigen muss: Sie kostet rund das 35-Fache des Jahresgewinns. Wir lesen gemeinsam, was secunet selbst berichtet — den Geschäftsbericht 2025 und den Q1-Bericht 2026. Am Ende entscheidest Du selbst.

Was secunet macht — der Rüstungskonzern der Cybersicherheit

secunet betreibt zwei Geschäftsfelder. Das größere und schneller wachsende ist der Public Sector: IT-Sicherheit für Regierung, Verwaltung und Streitkräfte — Herzstück ist die Produktfamilie SINA, mit der klassifizierte Daten der Bundesregierung verschlüsselt übertragen und verarbeitet werden. Das zweite Feld, der Business Sector, schützt Unternehmen und kritische Infrastruktur vor Datenlecks und Spionage. secunet reitet damit auf zwei der stärksten Strukturtrends unserer Zeit — Cybersicherheit und digitale Souveränität Europas — und ist als Vertrauenspartner des Staates tief in diesen Märkten verankert. Mehrheitseigentümer ist der Sicherheitstechnik-Konzern Giesecke+Devrient.

Das Rekordjahr 2025 — und volle Auftragsbücher

Die Zahlen für 2025 sind durchweg stark: Umsatz 458,8 Millionen Euro (Vorjahr 406,4), EBIT 51,6 Millionen (Vorjahr 42,5), EBIT-Marge 11,3 Prozent, Gewinn je Aktie 5,15 Euro (Vorjahr 4,32, plus 19 Prozent). Entscheidend für die Zukunft ist aber der Auftragsbestand — und der ist so voll wie nie. secunet selbst leitet daraus seine Erwartung für 2026 ab:

„For financial year 2026, we therefore expect our growth trajectory to continue, with targeted consolidated sales revenue of between €460 and €500 million. We also aim to further improve our earnings, expecting EBITDA of between €76 and €84 million and EBIT of between €53 and €58 million."

Übersetzung: „Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten wir daher die Fortsetzung unseres Wachstumskurses mit einem angestrebten Konzernumsatz zwischen 460 und 500 Millionen Euro. Wir wollen auch unser Ergebnis weiter verbessern und erwarten ein EBITDA zwischen 76 und 84 Millionen Euro und ein EBIT zwischen 53 und 58 Millionen Euro."

— secunet AG, Annual Report 2025, Brief des Vorstands

„Thanks to our record order book of €278.9 million at the end of 2025, we have excellent visibility for the coming months."

Übersetzung: „Dank unseres Rekord-Auftragsbestands von 278,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025 haben wir eine ausgezeichnete Visibilität für die kommenden Monate."

— secunet AG, Annual Report 2025, Brief des Vorstands

Markierter Ausschnitt aus dem Annual Report 2025 von secunet: die gelb hinterlegte und rot umrandete Passage zum Rekord-Auftragsbestand von 278,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025 und der Guidance für 2026 (EBIT 53 bis 58 Millionen Euro).
Die Belegstelle im Original: Rekord-Auftragsbestand und 2026er-Guidance im Annual Report 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung. Quelle: secunet.com.

Das erste Quartal 2026 — nicht erschrecken

Wer nur auf das erste Quartal 2026 schaut, könnte einen Schreck bekommen: Das EBIT rutschte auf minus 4,0 Millionen Euro (Vorjahresquartal: plus 1,8 Millionen), der operative Cashflow war klar negativ. Das ist aber kein Warnsignal, sondern secunets normales Muster: Das Geschäft ist stark auf das zweite Halbjahr gewichtet, das erste Quartal traditionell schwach. Die entscheidende Zahl im Q1-Bericht zeigt in die andere Richtung — der Auftragseingang sprang um 90,7 Prozent auf 143,0 Millionen Euro. Für ein Geschäft, das von der Vorlaufzeit lebt, ist das der wichtigere Indikator: Es wird bestellt, die Umsätze folgen. Man muss nur die richtige Kennzahl ansehen.

Markierter Ausschnitt aus dem Q1-Bericht 2026 von secunet: die Kennzahlentabelle mit dem rot umrandeten Auftragseingang, der um 90,7 Prozent auf 143,0 Millionen Euro stieg, während das EBIT mit minus 4,0 Millionen Euro saisonal schwach war.
Die Belegstelle im Original: Auftragseingang +90,7 Prozent bei zugleich negativem Q1-EBIT im Q1-Bericht 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung. Quelle: secunet.com.

Der Preis der Qualität — und die Dividende

Bei rund 178 Euro bringt secunet (6,5 Millionen Aktien) etwa 1,16 Milliarden Euro auf die Waage — das entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 35. Das ist die Bewertung eines Qualitäts-Compounders, kein Schnäppchen. Bemerkenswert: Trotz Rekordgewinn hat secunet die Dividende auf 2,58 Euro gesenkt (Vorjahr 2,73) — die Rendite liegt bei mageren 1,4 Prozent. Das Unternehmen behält mehr Kapital ein, um weiter zu wachsen. Wer secunet kauft, kauft also keine Dividendenaktie und kein billiges Papier, sondern Qualität und einen Strukturtrend — und zahlt dafür einen stolzen Preis. Anders als beim projektzyklischen Energiekontor ist die Ertragsbasis hier planbarer, aber die Bewertung lässt wenig Sicherheitsmarge. Für den geduldigen Qualitätsanleger ein Kerninvestment der Cybersicherheit; für den Schnäppchenjäger nichts. Der Preis ist die Wette darauf, dass secunet weiter so verlässlich wächst wie in den letzten 25 Jahren.

Quelle: Fundamentaldaten & Annual Report 2025 sowie Q1-Bericht 2026 (secunet Security Networks AG). Diese Analyse ist keine Anlageberatung.

Unser Fazit auf einen Blick

Qualität und Strukturtrend positiv
Seit 25 Jahren Schutzpartner von Bundesregierung und Bundeswehr (SINA), verankert in den Wachstumsmärkten Cybersicherheit und digitale Souveränität. 2025: Umsatz +13 %, EBIT +21 %, Gewinn je Aktie +19 %.
Volle Auftragsbücher, gute Visibilität positiv
Auftragsbestand +36 % auf ein Rekord-Niveau von 278,9 Mio. €, Auftragseingang Q1 2026 +90,7 %. Guidance 2026: Umsatz 460–500 Mio. €, EBIT 53–58 Mio. €.
Hohe Bewertung negativ
Ein KGV von rund 35 preist viel Erfolg ein und lässt wenig Sicherheitsmarge. Sollte das Wachstum einmal stocken, ist das Rückschlagrisiko entsprechend groß.
Magere Dividende, Government-Abhängigkeit neutral
Die Dividende wurde trotz Rekordgewinn auf 2,58 € gesenkt (Rendite 1,4 %). Zudem hängt der wichtigste Wachstumstreiber (Public Sector) an den IT-Budgets des Bundes.

secunet ist der Qualitäts-Compounder unter den heiß diskutierten Nebenwerten: seit 25 Jahren Vertrauenspartner des Staates für Cybersicherheit, mit Rekordumsatz, Rekord-Auftragsbestand und den Strukturtrends digitale Souveränität und Cybersicherheit im Rücken. Der Preis dafür ist hoch — ein KGV von rund 35 lässt wenig Sicherheitsmarge, und eine Dividendenaktie ist secunet nicht.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Zum aktuellen Kursniveau sehen wir keine ausreichende Sicherheitsmarge für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Unsere Befunde liefern keinen Verkaufsgrund.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Häufige Fragen

secunet (Xetra: YSN) ist ein IT-Sicherheitskonzern mit zwei Feldern: Public Sector (IT-Sicherheit für Regierung, Verwaltung und Bundeswehr, unter anderem die SINA-Produktfamilie für klassifizierte Daten) und Business Sector (Schutz von Unternehmen und kritischer Infrastruktur). Der Public Sector ist der Wachstumstreiber.

Es war ein Rekordjahr: Umsatz plus 13 Prozent auf 458,8 Millionen Euro, EBIT plus 21 Prozent auf 51,6 Millionen, Gewinn je Aktie plus 19 Prozent auf 5,15 Euro. Der Auftragsbestand stieg um 36 Prozent auf 278,9 Millionen Euro.

Das erste Quartal 2026 zeigte ein EBIT von minus 4,0 Millionen Euro — das ist saisonal, weil secunets Geschäft stark auf das zweite Halbjahr gewichtet ist. Der entscheidende Frühindikator zeigte nach oben: Der Auftragseingang stieg um 90,7 Prozent auf 143,0 Millionen Euro.

Ja, gemessen an klassischen Kennzahlen: Bei rund 178 Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 35. Das ist die Bewertung eines Qualitäts-Compounders mit Strukturtrend im Rücken, aber sie lässt wenig Sicherheitsmarge, falls das Wachstum einmal stockt.

Trotz Rekordgewinn senkte secunet die Dividende auf 2,58 Euro je Aktie (Vorjahr 2,73). Das Unternehmen behält mehr Kapital ein, um weiter zu investieren und zu wachsen. Die Dividendenrendite liegt damit nur bei rund 1,4 Prozent — secunet ist keine Dividendenaktie.

Mehrheitseigentümer von secunet ist der Sicherheitstechnik-Konzern Giesecke+Devrient. secunet ist seit 25 Jahren der digitale Schutzpartner deutscher Bundesbehörden und der Bundeswehr und gilt als Vertrauenspartner des Staates für Cybersicherheit.

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